[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Ruairi galt in Vielem als kompliziert, aber in puncto Frühstück war er recht einfach besaitet.
      Ein einfaches Brötchen, ein wenig fleischhaltiger Aufschnitt und ein Getränk waren alles was er benötigte, um glücklich zu sein. So wurde auch das Brötchen mit einem schnellen Hieb des Messers geteilt und der Aufschnitt entsprechend auf den Hälften verteilt. Die Butter lehnte er lächelnd ab und schob sie wieder in Richtung der Tischmitte, ehe er Ember ansah. Nun, wie hätte man auch nicht. Abgesehen von dem ganzen Trubel um ihre Person war Ember eine schöne Frau. Eine wunderschöne sogar. Ruairi wunderte sich, dass es nicht eine ganze Pallette von Nebenbuhlern gab. Vielleicht gab es die ja auch...
      "Das klingt doch nach einem Plan. Ich bin sicher, dass sich deine Freundin darüber freut", murmelte er lächelnd und sah Ember an, während er herzhaft in das Brötchen biss.
      Erst nach ihrem Satz wurde sein Gesichtsausdruck merklich freundlicher und sanfter, als er versuchte, nicht an dem Brocken zu ersticken.
      "Ist recht", murmelte er. "Vielleicht war ich auch eben etwas vorschnell, das gebe ich zu. Ich habe recht schlechte Erfahrungen damit gemacht, Informationen preiszugeben. Ich wurde bereits entsprechend ausgenutzt, als man bemerkte, welche Wissensquellen ich besitze. Vielleicht war es einfach die Vermutung, dass es mich wiede ereilt, ich weiß es nicht..."
      Seufzend lehnte er sich zurück und grinste.
      "Ich denke, ich werde dir noch 100 Fragen stellen müssen", lachte er und trank seinen Kaffee aus während er sich vorbeugte. "Es muss übrigens etwas passiert sein. Ich habe gefühlt 1.000 Anrufe von Piper erhalten...Hast du was gehört?"
      Nicht dass sich der Zauberer wirklich sorgte. Wenn es Schwerwiegendes war, würde vermutlich Knight anrufen. Oder noch höhere Stellen. Doch innerlich packte ihn eine gewisse Unruhe, die er selten verspürte. Mochte es an der neuen Situation liegen oder weshalb fand er kaum Ruhe in sich?

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    • "Ganz ehrlich: Meinetwegen erzählst du mir nichts vom Tor oder was auch immer. Ich finde meine eigenen Wege, um an die Informationen zu kommen. Dafür musst du dich nicht genötigt fühlen und ich mir keine Sorgen machen, dass ich unsere Beziehung überstrapaziere."
      Indes hatte Ember ihr eigenes Brötchen geteilt und gebuttert. Sie war von Natur aus ein viel zu neugieriger Mensch, aber sie würde den sprichwörtlichen Teufel tun und diese Neugier dazu führen lassen, Ruairis Vertrauen zu missbrauchen. Diese feine Basis, die sie gerade erst zusammen aufgebaut hatten, würde zu viel ihrer Art noch nicht ertragen können. Auch das hatte Ember erst über Jahre lernen müssen.
      Ihr eigenes Lächeln wurde etwas schal als Ruairi offenbahrte, dass auch er telefonisch belagert worden war. Und dass auch er nicht drauf reagiert hatte, verständlicherweise. Embers Blick huschte kurz zu ihrem Smartphone, das neben ihr auf dem Tisch lag und dann wieder zu ihrem Gegenüber zurück.
      "Ich hatte einige Anrufe von Tallburn. Allerdings schon seit gestern, aber jedesmal, wenn ich zurückrufe, geht nur die Mailbox dran. Ich fürchte, ich werde es später nochmal versuchen oder eben morgen. Vielleicht hat sie ja einen besonders beeindruckenden Brief erhalten. Wobei ihr eigentlich ja Dooley dafür abgestellt hatte... der sich nicht gemeldet hat", entgegnete sie ohne wirkliche Nebengedanken und widmete sich ihrem Brötchen. Die Arbeit konnte schließlich auch bis morgen warten.

      Wie angekündigt trennten sich Ember und Ruairi nach dem Frühstück. Allerdings ließ sie ihn nicht ziehen ohne sich den letzten Kuss des Tages bei ihm abzuholen mit der Begründung, dass sie etwas von ihm haben wollte, das ihr über den Tag im Gedächtnis blieb.
      Darufhin widmete sich die Ermittlerin dem üblichen Wahnsinn eines Sonntags: Haushalt, den Bericht für Knight fertig machen und schließlich ein Abstecher bei Tarah im Colbeh, der sie erst einmal haarklein berichten durfte, was die vergangenen Wochen geschehen war. Selbstverständlich nahm sie es ihr übel, dass Ember in der Versenkung verschwunden war und keine Hilfe gesucht hatte. Wie die gute Freundin, die Tarah war, fragte sie nicht nach den Einzelheiten sondern hörte sich nur das an, was Ember bereit war zu erzählen. Und das war eine geraume Menge, sodass sie erst Stunden später wieder Zuhause eintraf und den Tag ausklingen ließ.


      Montag - 5:58 Uhr

      PD


      Ember hatte manchmal die Eigenart, dass sie gerne vor den meisten anderen ihrer Kollegen im PD auflief. So auch an diesem Montag. Zu ihrer Zufriedenheit war sie sogar vor Knight anwesend, sodass sie in aller Ruhe in ihr Büro pilgern konnte und sich darauf einstellen durfte, ihm kaum weitere Erkenntnisse liefern zu können. Sie würde generell einmal bei Dooley nachfragen müssen, ob sich in Sachen Tallburn noch etwas ergeben hatte. Aber dafür musste er erst einmal auftauchen.
      Anderthalb Stunden später beschlich Ember allmählich ein Gefühl, das einer gewissen Form der Unruhe nicht unähnlich war. Weder war Ruairi erschienen, noch Dooley oder eine Meldung von Knight war eingetroffen. Als wären alle irgendwie... ausgeflogen. Nachdenklich zückte sie ihr Handy und suchte Ruairis Kontakt, um ihm eine kurze Nachricht zu schreiben, ob alles okay war.
      Just in diesem Moment klingelte ihr Handy.
      Dooleys Nummer erschien auf dem Disyplay, obwohl sie eigentlich eher mit Tallburn gerechnet hatte. Trotzdem... er rief auf ihrem Handy an, um diese Uhrzeit ohne Ankündigung. Das war mit einem faden Beigeschmack behaftet als sie den Anruf annahm.
      "Was gibt's?", fragte Ember ehe sie in Schweigen verfiel und lauschte.
      Mit jedem verstrichenen Herzschlag fing sie mehr an, die Wand ihr gegenüber anzustarren. Das ungute Gefühl wuchs zu einer ausgewachsenen Sorge heran bevor sie sich ihre Tasche krallte und das Handy zwischen Ohr und Schulter einklemmte.
      "Ihre Privatadresse? Ich komme hin. Seit wann sind Sie da, geben Sie mir mal einen kurzen Umriss", forderte Ember in einem kühlen Tonfall während sie schnellen Schrittes ihr Büro verließ und sich auf den Weg zu ihrem Auto machte.
      Das würde unschön werden. Sehr unschön.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairis Morgen begann wie sein Tag endete.
      Rührselig und beinahe lethargisch, wenn er ehrlich war. Am Vortag hatte er noch Ember zum Abschied geküsst und für einen Moment hatte es sich so komplett wie eine verloren gegangene, zerbrochene Schale gefühlt, die man zusammen baut. Beinahe natürlich wenn er ehrlich war. Anstatt das Spiel am Nachmittag zu genießen, riss er sich regelrecht am Riemen, um nicht zu Ember zurück zu kehren und so zu tun als wäre es ausgefallen.
      Sie verloren haushoch.
      Der restliche Tag verlief wie im Tran während er versuchte, weitere Kisten auszupacken und persönliche Dinge zu ordnen. Doch nichts war gegen einen Morgen zu schaffen, der bereits um vier Uhr morgens begann.
      Mit einem nervigen Handysummen. Mit einem wütenden Knurren warf er sich im Bett hin und her und riss das Handy von der Ladestation, ehe er es sich ans Ohr drückte.
      "Ja?!"
      "Hier ist Kauley", murmelte die nur zu vertraute Stimme und er fuhr sich über die Stirn und das Gesicht.
      "Was gibts Kauley?", fragte Ruairi mit wütendem Unterton udn schwang bereits die Beine aus dem Bett. Es hieß nie etwas Gutes, wenn die Damen udn Herren so früh anriefen. Niemals.
      "Wir haben ein kleines Problem...", murmelte der Polizist und seufzend richtete sich Ruairi auf. "Gestern haben Teile der Magischen unter der Leitung von Seargent Mills eine sechsköpfige Familie aufgeknüpft. Angeblich aufgrund von Verbindungen zum Richter."
      "Und weiter?"
      "Stellte sich heraus, dass das stimmte. Es waren seine Tochter und seine Enkelin unter den Menschen, die sie aufgeknüpft haben."
      "Wo sind sie jetzt?", fragte Ruairi und wusste die Antwort.
      "Äh..."
      "Kauley?...Wo...Sind...Sie?"
      "Tot, Sir. Alle tot."
      Ruairi ließ sich wieder aufs Bett fallen und lief erst weiß, dann rot an. DIese verfluchten Idioten! Und das unter seiner Leitung, während er sich mit Sallow amüsiert hatte.
      "Die Kollegen?", fragte er grantig.
      "In der Suspendierung und bereit zur Befragung."
      "SIe gehen Jeden einzelnen holen. Höchstpersönlich! Nehmen Sie Piper und Carnary mit. Schaffen Sie die Ärsche zu mir und zu keinem ein Wort. Ist die Presse..."
      "Aye, Sir."
      "Scheiße", kommentierte er und seufzte. "Bringen Sie sie ins Revier und sperren Sie sie ein. Ich komme dahin."
      Noch beim Auflegen sah er auf das Display, das zu flimmern begann. Danach zerdrückte er das Handy wie einen Muffin, den man in Milch getunkt hatte.

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    • Tallburns Wohnung - 6: 39 Uhr

      Vor dem unauffälligen Reihenhaus ballten sich bereits die Blaulichter und ein Notarztwagen. Ember verzog das Gesicht noch bevor ihr eigener Wagen sich hinten angestellt hatte. Der Tag hatte bereits verhangen angefangen und sie konnte schwören, dass es bereits nach Regen roch als sie aus ihrem brandneuen Wagen ausstieg und sich an den anderen Fahrzeugen vorbei quetschte. Schaulustige hingen bereits in ihren Fenstern gegenüber der Straße und gafften auf das Chaos hier unten. Man wusste, wer in dem Abteil des Hauses wohnte, in den Polizisten ein und aus gingen.
      Ember entdeckte Dooley, der bleich war wie frisch gegossener Beton. Fast schon grau sah sein Gesicht aus während er vor dem Eingang stand und sich immer wieder umschaute, als fühlte er sich beobachtet. Als er seine Vorgesetzte entdeckte, wich nur ein winziges bisschen dieser Nervosität dem Versuch von Professionalität.
      "Captain Sallow.... Es... Gott, wie soll ich das erklären", fing er an und strich sich mit der flachen Hand durch das Gesicht.
      "Kommen Sie mal wieder etwas runter, es ist eh vorbei. Machen Sie sich keinen Kopf, es hätte jedem passieren können. Sie hat mich auch versucht zu erreichen und es hat nicht geklappt. Also. Oben?", fragte Ember und sah symbolisch zum Eingang herüber.
      "....Ja."
      Ember nickte und setzte sich in Bewegung. Auf dem Weg in das Treppenhaus holte sie bereits ihre antimagischen Handschuhe heraus und streifte sie sich über. Ihr entgegen kamen diverse Menschen aus der Spurensicherung, die sich allerdings dezent im Hintergrund zu halten versuchten. An ihr vorbei die Treppe hinab kam der Notarzt, scheinbar unvollrichteter Dinge. Ember warf ihm einen Blick zu, doch er schüttelte nur den Kopf und machte sich auf dem Weg zurück zu seinem Wagen.
      Tallburns Wohnung war auf der linken Seite im ersten Stock. Die Tür stand sperangelweit offen, das Schloss wurde gewaltsam aufgebrochen. Dooley folgte Ember wie ein Schatten, noch immer mehr grau als farbig im Gesicht.
      "Der Kontakt war seit Samstagmorgen zu ihr abgebrochen. Nicht unbedingt unüblich, aber ihre Schwester hat uns heute morgen kontaktiert weil Tallburn nicht im Parteigebäude erschienen war noch auf Anrufe oder dergleichen reagierte. Sie hatte das richtige Gespür."
      Demnach wurde die Tür von polizeilicher Gewalt eröffnet und nicht von einem Gewaltverbrechen. Sorgsam setzte die Ermittlerin den ersten Fuß in die Wohnung, woraufhin ihr Fußkettchen ganz leicht zu vibrieren begann. Kein Wunder, die Frau war immerhin Casterin und würde demnach ein gewisses Grundlevel in ihrer Wohnung hervorrufen.
      "Wurde auf Sicherheit geprüft?"
      "Ja. Unauffällig, Sie können jeden Raum untersuchen. Sie ist im Wohnzimmer", wies Dooley auf den Dreh- und Angelpunkt hin woraufhin Ember nur flüchtige Blicke in die Küche und ein kleines Büro warf.
      Sie sah bereits aus dem Flur die erste Wand des Wohnzimmers. Ihr wurde augenblicklich eiskalt. Langsam näherte sie sich der Tür, die ebenfalls offenstand und betrat das Wohnzimmer. Der Geruch nach Eisen hing schwer in der Luft, das Deckenlicht brannte und die Vorhänge vor den Fenstern waren zugezogen. Der helle Venylboden war mit Blutspuren übersäht, die sich in Linien erstreckten. Tropfspuren, wie sich Ember erschloss als sie Tallburns Leiche mit dem Rücken an der Wand gelehnt sich gegenüber vorfand. Sie war zusammengesackt, als wäre sie an der Wand zusammengebrochen, das Kinn auf die Brust gesackt. Ihre Haare waren ein einziges Chaos, die Kleider blutbeträufelt und sahen eher nach Loungewear aus. Ihre Arme hingen lang an ihrem Körper hinab, die Beine waren ausgestreckt. Von ihren Handgelenken war so viel Blut geronnen, dass es sich in Pfützen zu sammeln begonnen hatte, die noch nicht mal trocken waren. Offensichtlich hatte sie sich die Pulsadern aufgeschnitten.
      Was allerdings wirklich schockierend war waren die Wände des Wohnzimmers.
      Tallburn hatte sämtliche Möbel unwirsch in eine Ecke des Raumes geräumt damit die Wände frei waren. Kreuz und quer in krakeligen Lettern waren Worte mit dunkelbrauner Farbe an die hellen Wände geschrieben worden. Allein vom Anblick her erkannte Ember bereits, dass die Worte mit menschlichen Fingern geschrieben worden waren und die Farbe nichts anderes als Tallburns Blut war. Die Worte prangten an der Wand wie Mahnmale, das letzte von ihnen hinter Tallburn war nur zur Hälfte geschrieben worden. Mehr hatte sie in ihrem anämischen Zustand nicht mehr geschafft.
      Heuchlerin.
      Lügnerin.
      Mörderin.
      Systemschwein.
      Die Wände waren voll von Anschuldigungen und Beleidigungen, die Tallburn mit Sicherheit mindestens einmal in ihrem Leben an den Kopf geworfen bekommen hatte. Doch Ember hatte die Politikerin als selbstsichere und charakterstarke Frau kennengelernt. Dass sie sich plötzlich selbst umbrachte und dem Druck der Öffentlichkeit nicht mehr standhielt war mehr als unwahrscheinlich. Ember stieß den angehaltenen Atem aus und ließ ihren Blick schweifen. Vor Stunden war Tallburn noch am Leben gewesen. Hatte versucht, sie anzurufen. Wäre Ember erreichbar gewesen, hätte sie vielleicht etwas erreichen können. Diesen Ausgang verhindern können...
      "Ms. Tallburn hat mich Samstag und Sonntag versucht anzurufen aber ich hab's ignoriert... Dachte mir, ich gönn mir das Wochenende Ruhe nachdem ihre Post völlig unauffällig war", sagte Dooley plötzlich leise hinter Ember, der noch immer im Türrahmen stand und scheinbar nicht näher treten wollte. Er hatte also das gleiche erfahren wie sie selbst und vermutlich hatte Tallburn versucht Ember zu erreichen nachdem Dooley sie ignoriert hatte. Welch unglückliches Timing.
      "Sie hat um Hilfe gebeten...", murmelte Ember leise und bewegte sich auf die Leiche zu.
      Da veränderte sich die Vibration ihres Fußkettchens leicht und sie hielt inne. Sie war an dem Sammelsurium an Möbeln vorbeigegangen, ihr Blick fiel automatisch auf den kleinen Couchtisch auf dem ein einziger Brief lag. Ein Blick ging zurück zu der Leiche, dann lag er wieder auf dem unscheinbaren Stück Papier.
      "Hat hier jemand schon was angefasst?"
      "Nur der Notarzt den Tod festgestellt."
      Ember streckte die Hand nach dem Brief aus und berührte ihn vorsichtig. Nichts geschah, kein Ausschlag traf sie. Langsam nahm sie den Brief in die Hand und überflog ihn. Er las sich weder wie ein Droh- noch wie ein Fanbrief. Auch ein Absender suchte man vergebens. Allerdings schien der Verfasser keine besonders gute Meinung über Tallburn zu haben und ein, zwei Worte überschnitten sich mit denen, die an der Wand prangten. Für einen Moment verharrte Ember. Ein Brief war klein genug, um auf dem Nachttisch Platz zu finden und ließ sich einfach entsorgen. Er ließ sich mit Artefakten manipulieren und hinterließ eine gewisse magische Spur. Es könnte reiner Zufall sein, aber diese Hinweise passten vielleicht zu den offenen Fragen bei ihrem ungeklärten Suizid. Denn auch Tallburn hatte sich selbst getötet.
      "Scheiße... Das wird ein Statement für die Presse geben müssen", stellte Ember fest und wusste ganz genau, dass dieses Mal sie diejenige sein würde, die die Erkenntnisse der Presse mitteilte. Weder Hawthorne oder Cunningham würden dies in ihrem Namen tun können.
      "Ich füchte es. Der gewaltsame Tod einer Politikerin wird ein Statement brauchen, ja", stimmte Dooley missmutig zu.
      "Also sehen Sie es auch, dass es keine Selbsttötung war sondern Mord?"
      "Ich wage zu beweifeln, dass Tallburn sich plötzlich selbst umbringt. Dafür war sie viel zu gut in ihrer Position aufgestellt. Die Frau war dickköpfiger als Sie."
      Und genau das machte Ember Sorgen. So wie es aussah hatten sie keine Ansammlung von Suiziden sondern scheinbar den Beginn eines Serienmordes vor sich. Abermals atmete Ember tief durch und sah den Leichnam ein wenig wehmütig an. So ein Ende hatte niemand verdient. Was auch immer sie dazu getrieben hatte, es musste furchtbar gewesen sein.
      "Lassen Sie die Spurensicherung hier durchgehen. Vermerken Sie den Brief und versuchen Sie herausfinden zu lassen, woher er stammt. Machen Sie einen Schriftenabgleich und rufen Sie den Leichenwagen. Keine Informationen an die Presse, ich mache dazu ein Statement fertig und mach es publik", wies Ember Dooley an und kehrte dem Wohnzimmer den Rücken.
      So einen Morgen kann niemand gebrauchen, dachte Ember müde als sie sich wieder auf den Weg ins PD machte um das Statement anzulegen und in dem Bericht für Knight hinzuzufügen, dass sie es mit einem Serienmörder zutun hatten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • PD - 7:02 Uhr

      Der Weg zum PD erschien Ruairi quälend lang, beinahe unmenschlich.
      Freilich lag der Berufsverkehr bereits in seiner Hochphase und der Zauberer hatte mehrmals anhalten müssen, um seinen Puls unter die magische Grenze von 200 zu bringen. Er rechnete sich aus, was er mit diesen hirnverbrannten Idioten machen würde, wenn er sie zu fassen bekam. Es war eine Sache, Rogues aufzugreifen und ihrer Strafe zuzuführen, aber gleich Mord? Und dann auch noch die Tochter und die Enkelin eines Arkana. Das war nicht nur nicht gut, das war katastrophal.
      Schweigsam betrat er das Gebäude, in dem bereits das übliche Leben herrschte. Er grüßte den Portier freundlich und wurde sodann von Kauley bereits in Empfang genommen. Der Polizist wirkte selbst unausgeschlafen, wenn man in sein fahles Gesicht sah und hielt eine Tasse Kaffee vor der Nase gelagert. Er mochte das Gesöff nicht, aber er roch es gern.
      "Und?", fragte Ruairi als er näher kam.
      Wie eine geschmierte Kette fand sich Kauley an seiner Seite ein und hielt mit ihm Schritt.
      "Wir haben die Nasen abgeholt und in Verhörraum 3 gebracht. Alle sagen sie nicht wirklich ein Wort, sie versuchen sich, auf die Notwendigkeit des Eingriffs zurückzuziehen."
      "Notwendigkeit...", spie Ruairi das Wort aus. "ALs wäre eine Notwendigkeit bestanden, kleine Kinder oder wehrlose Frauen anzugreifen oder aufzuknüpfen wie Schlachthausvieh."
      Kauley zuckte die Achseln und schnüffelte nochmals an seinem Kaffee, ehe sie die grauen Mauern von Verhörraum 3 von innen sahen. An der Wand saßen drei Polizisten in ein Gespräch vertieft und zuckten zusammen als Ruairi die Tür aufriss und Kauley mit einer forschen Handbewegung draußen hielt. Sein Gesicht wirkte beinahe einer Maske der Wut gleich, als er sich auf den letzten freien Stuhl setzte und die drei Polizisten fixierte, die ihn jetzt mit erschrockener Miene aber doch gefasst ansahen. Eine Haltung, die der Zauberer nicht verstehen konnte.
      "Also...", begann Ruairi udn sah sie finster geifernd an. "Sie haben drei Minuten, um mir die Geschichte zu erzählen, bevor ich ihre Ärsche reihenweise an der Aussenfassade aufhänge. Liefern Sie mir Gründe, sie nciht sofort Ihres Postens zu entheben und sie dem Richter zu überlassen."
      Eine Sekunde verstrich, dann eine weitere...
      "WIr haben es nicht gewusst!", ereiferte sich der erste Caster. "Wir wussten nicht, dass die Tochter des Richters darunter war."
      "Unerheblich", sagte Ruairi und faltete die Hände auf dem Tisch.
      "Gut...Sir, Sie müssen uns glauben, wir...Wir haben nur unseren Job gemacht. Wir erhielten in der Nacht einen Notruf. Angeblich wären Rogues durchgedreht und bedrohten eine Frau und ihre Familie. Also sind wir ausgerückt und haben uns der Sache angenommen. Als wir ankamen, machten sie Anstalten uns zu bedrohen udn wir haben reagiert."
      "Indem sie Menschen töten?", fragte Ruairi spitz.
      "NEin, das lag nicht in unserem Sinne. Wir haben Schutzzauber gewirkt und sind das Gebäude hinauf. Auf der Treppe jedoch war ein Rogue, der uns rücksichtslos angriff. Und bei dem Kampf sind dann Zivilisten zu Schaden gekommen..."
      "Tragisch..."
      "Sir, wir wollten doch nicht...Wir wollten nicht, dass Jemand stirbt. Wir wollten, dass sie sicher sind!"
      ruairi beugte ich vor und wirkte tierischer denn je.
      "Ich werde jetzt mit der Analyseabteilung sprechen. Wenn die mir diese Story bestätigen, werde ich selbst mit dem Richter sprechen und ihn informieren. Bestätigen die Kollegen ihre Story nicht, würde ich Ihnen raten, das Land zu verlassen. Denn ich finde Sie und liefere Ihre Ärsche dem nächstbesten Richter aus. Und das wird kein Jurist..."
      Schnaubend erhob sich der Caster und verließ ohne ein Wort den Raum. Draußen sah Kauley ihn an und seufzte.
      "Ja, ich weiß schon..."
      "Gut. Verschließen. Und keinen herauslassen."
      "Is' recht!"
      Was für ein beschissener Morgen..., dachte Ruairi während er die Analyseabteilung ansteuerte.

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    • PD - 7:16 Uhr

      In dem allgegenwertigen Trubel im Department hatte Ember noch nichts von den getöteten Zivilisten gehört. Schließlich hatte sie noch ihr ganz eigenes Drama, das es zu lösen gab vor Augen. Allerdings kam sie nicht drum herum, das ein oder andere Wort dieser Angelegenheit aufzuschnappen, was ihr nur weitere Sorgenfalten auf die Stirn trieb. Hier lief einiges gewaltig aus dem Ruder und das auch noch gleichzeitig.
      Auf dem Weg in ihr Büro hielt sie die Augen nach bekannten Gesichtern offen. Doch weder streifte ein Ruairi ihr Sichtfeld noch Kauley oder Piper. Als wäre seine komplette Einheit wie vom Erdboden verschluckt. Darüber hinaus hatte sie noch immer keine Antwort auf ihrem Handy von ihm erhalten. Hatte sie sich dieses Wochenende womöglich doch mit etwas oder eher jemanden verrannt?
      Seufzend quartierte sich die Ermittlerin in ihrem Büro ein, jedoch nicht ohne einen Blick in das Nachbarbüro zu werfen. Das wie zu erwarten einsam und verlassen war. Folglich verwandelte Ember ihre nicht weniger werdenden Sorgen in Produktivität um, verfasste das Statement, fügte ihren Namen als betraute Person hinzu und aktualisierte den Bericht, den sie gleich Knight vorlegen würde. Ein weiterer Faktor, der zu ihrem Sorgenkatalog beitrug.
      Etwa eine Stunde später - sie hatte noch immer nichts von Ruairi gehört - machte sich Ember auf den Weg zu Knight. Inzwischen waren weitere Brocken an ihr Ohr gedrungen und diese reichten bereits aus, dass ihr eventueller Serienkiller plötzlich sehr klein und unwichtig erschien. Sollte es wirklich Verwandtschaft des Richters gewesen sein, die da gemeuchelt worden war, könnte die Hölle im wahrsten Sinne des Wortes losbrechen. Man würde es als Angriff der Polizei werten und das gepaart mit dem Tod von Tallburn, die sich ebenfalls in dieser Sache engagierte, nicht nur die Rogues sondern auch die normalen Menschen aufwühlen. Sie würden gewaltig aufpassen müssen, wie sie diese Informationen an die Öffentlichkeit brachten.
      Ember klopfte und wartete bis Knight ihr ein Zeichen gab, einzutreten. Ihre Augen überflogen den Mann in Windeseile, den sie seit seiner Dienstreise nicht mehr gesehen hatte und stellte fest, dass sie ihm erstaunlich wenig ansehen konnte. Als habe er lediglich ein paar Tage frei gehabt. Dahinter musste allerdings mehr stecken, das wusste sie.
      "Guten Morgen." Sie legte den Ordner mit dem Statement on top auf seinen Schreibtisch bevor sie einen Stuhl heranzog und sich setzte. Ihr Gesichtsausdruck war alles andere als eine freudige Erscheinung sondern war getränkt von Ernsthaftigkeit.
      "Heute Morgen sind wir zu einem Tatort gerufen worden von einem vermeindlichen Selbstmord. Es handelt sich dabei um Elisabeth Tallburn, die Details dazu stehen in dem Bericht und dem Statement. Es gibt Parallelen zu dem Fall von letzter Woche und ich gehe davon aus, dass es keine Reihe von Selbsttötungen sondern Morden sind. Das Opfer von letzter Woche könnte sein erster Test gewesen sein und Tallburn war die nächste. Ich vermute, wir haben womöglich einen Serienmörder, einen magischen würde ich schätzen. Wir fanden einen verdächtigen Brief in Tallburns Wohnung, aber angesichts der Menge an Drohbriefen, die sie in letzter Zeit bekam, ist es fraglich ob er eine direkte Spur zum Mörder sein könnte. Ich habe bisher noch kein Statement verfasst, also wäre ich da ein wenig auf Sie angewiesen..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Gab es einen rechten Moment für eine Tasse Tee?
      Wenn es nach Solomon Knight ging, fann eignete sich dieser Morgen und der Tag davor eindeutig als besten Kandidaten für eine derartige Beruhigung! Als der Commissioner seinen Dienst antrat, war ihm noch nicht bewusst gewesen, dass die Hölle über Nacht herein gebrochen war. Erst die Information von Kauley, der ihn von dem verteufelten Angriff auf die Familie des Richters berichtete und dann auch noch die allgemeine Hektik, die er daheim ausgesetzt war. Gott, er hasste die kalte Jahreszeit. Da schmerzte sein Auge immer besonders, wenn er ehrlich war.
      Das Wasser des Tees lief gerade durch und hatte eine angenehme Wärme in den Raum gezaubert, da er bereits gestört wurde. Gerade versenkte Knight einen Teebeutel in die Tasse, Als Sallow die Tür mit einem klopfen belästigte. Wie selbstverständlich nahm die junge Frau sich einen Stuhl und setzte hinzu, ehe sie kam eine sperrige Mappe auf den Tisch warf. Respekt war anderes. Und Knight verlangte Respekt.
      Seufzend griff er nach der Mappe und schob seinen Tee beiseite, ehe er kurz über die Absätze flog, die Sallow dort getippt hatte. Nun, die Formulierungen waren etwas grob und benötigten Nachbesserung, aber er hatte bereits schlechteres gelesen. Als er zu Ende gelegen hatte, Strich er sich über den Bart und legte seufzend die Mappe fort.
      "Ein beschissener morgen...", murmelte er und sah Ember an . "Sie sind sich sicher, dass es ein Serienmörder ist? Ich meine, bisher haben wir eine politische AktivistIn, die sich offenbar umgebracht hat, nicht wahr? Hat die Magische den Tatort untersucht? Was waren die Ergebnisse?"
      Schweigend lehnte er sich zurück und wirkte alt, als er sie an ansah.
      "Sie werden verstehen, dass ich auf Nummer sicher gehen möchte, ehe ich eine öffentliche Verlautbarung tätige, dass wir einen Serienmörder suchen...was glauben Sie, wie er es anstellt? Nicht, daß ses nicht azsreichen würde, dass die Familie eines Arkana von unserer Magischen abgeschlachtet wird, jetzt habe ich auch noch einen Serienmörder in Gross-london! Verfluchter Dreck!"
      Sachte legte er seine Hand auf die Mappe und nickte ihr zu.
      "Ich überarbeite diese Stellungnahme und gebe sie heraus wenn alles verifiziert ist. Ich wünsche, dass Sie Ihre Abteilung dazu anhalten, das nächste Opfer ausfindig zu machen und gleichsam eine beschreibung des Täters zu erhalten. Und falls Sie MacAllister sehen: sagen Sie ihm ich will seinen Hintern hier sehen!"

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    • Ember saß aufrecht, fast schon steif vor Knight und wartete ab bis sie wieder ihren Gesprächsanteil einnehmen durfte. Die Hände hatte sie derweil in ihrem Schoß gefaltet, deine Beine gerade nebeneinander auf den Boden gestellt. Eine durchaus gekünstelt wirkende Haltung, aber sie hatte sich in diesem Raum noch nicht ein einziges Mal befunden und zeitgleich versucht, sich an ihren Platz in der Hierarchie zu halten. Das sollte sich hiermit langsam ändern.
      "Es ist eine Vermutung, dass es ein Serienmörder ist. Meinerseits, versteht sich. Deswegen steht davon auch nichts in der Stellungsnahme, nur, dass es ein Mord gewesen sein müsste. Ich kannte Tallburn schon seit meiner Anfangszeit hier. Die Frau ist nicht so schwach als dass einige Drohbriefe sie dazu nötigen, sich selbst umzubringen und ihre Wände vollzuschmieren. Die Magische war anschließend vor Ort und hat nichts außergewöhnliches feststellen können. Außer diesem einen verdächtigen Brief, den ich durch die Analyse laufen lassen werde. Das wäre auch das einzige Objekt, das auf dem Nachttisch des ersten Opfers hätte gelegen haben können und leicht zu entsorgen wäre", äußerte sich Ember dazu und bemerkte erst jetzt, dass der Commissioner ein wenig zu forsch den Teebeutel in seiner Tasse ertränkte.
      "Ich schätze, der Mörder ist magisch begabt im Bereich der mentalen Manipulation. Ich wüsste nicht, wie man sonst Menschen dazu nötigen sollte, sich umzubringen. Der Text, der in dem Brief stand war nun nicht besonders aufregend oder brisant - nichts, dass ein Druckmittel hätte darstellen können. Der Brief war mit einer Aura versehen oder zumindest Spuren davon, die auch auf dem Nachttisch zurückgeblieben sind. Ich lasse einen Abgleich machen, ob es dieselbe ist. Wenn ja, haben wir einen Serienmörder denke ich. Das erste Opfer war dann vielleicht ein Test und Tallburn das richtige Ziel, wodurch ich dann Menschen in London in einflussreichen Bereichen potenziell gefährdet sehe. Aber wie genau er es anstellt, weiß ich noch nicht", teilte Ember Knight ihre Gedanken dazu mit ehe ihre Mimik einen anderen, vorsichtigeren Ausdruck bekam.
      Ruairi hatte sie vor ihm gewarnt. Sie sollte ihm nicht trauen, also würde sie ihm keine der sensiblen Daten zuspielen. Zum Beispiel, dass sie sich am Abend mit August treffen und vielleicht ihre eigenen Ermittlungen in diesem Aspekt anstellen könnte. Dass sich der Commissioner allerdings so den Kopf darüber zerbrach konnte bedeuten, dass er nicht in diese korrupten Fälle eingeweiht war, einfach nur eine perfekte Maske besaß oder einfach nur etwas Gravierendes übersah.
      Ember verlagerte ein wenig ihr Gewicht im Stuhl bevor sie zurückhaltend zu reden begann: "Ich habe bisher nur Bruchstücke davon mitbekommen, also stimmt es? Wieso kommt die Magische eigenmächtig auf die Idee, Zivilisten zu töten? Für mich klingt es nicht nach Zufall, dass es ausgerechnet die Familie des Richters war... Aber ja, falls ich ihn sehen sollte, schicke ich ihn zu Ihnen. Sollte nicht allzu lange dauern."
      Damit erhob sie Ember und nickte ihrem Vorgesetzten zu. Also war er vielleicht schon in diesem Gebäude, sie müsste nur ihre Runden drehen und würde ihn vielleicht über den Weg laufen. Nachdenklich verließ sie den Glaskasten und atmete einmal tief durch. Der Tag würde das reinste Fiasko werden.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Solomon Knight nickte zu ihren Ausführungen und nahm bereits einen seiner Kugelschreiber zur Hand, die sich zuhauf in seinen Schubladen befanden. Er neigte dazu, die Dinger verschwinden zu lassen, sodass man ihm immer eine Wagenladung heran karrte. Eilig strich er ein paar Worte in Sallows Stellungnahme parallel zu ihren Ausführungen durch.
      "Gut, dann forschen Sie nach und bringen Sie mir Beweise. Ich kann nicht herausgeben dass es ein Mord sein müsste oder höchstwahrscheinlich war oder weil Saturn im Haus vom Schützen steht. Finden Sie Beweise und wir geben dies zur Presse. So bleibt es bei einem unglücklichen Fund einer Leiche", schloss er kalt und sah sie wieder an.
      Ach, diese Frau. Sie gab ihm Rätsel und zugleich mehr auf, wenn er ehrlich war. Weshalb glitt so eine Gänsehaut über seinen Rücken, wenn er sie ansah. Ob das was mit ihrer Nähe zu diesem verfluchten Arkana zu tun hatte?
      "Wenn es ein Mentalmagier ist haben wir ein echtes Problem. Geben Sie eine Fahndung nach Noland heraus. Sämtliche Dienststellen des Landes mögen ihn suchen. Und gleichsam lassen Sie Zeugen befragen, Umfeld und Bekannte von Tallburn. Ich will, dass slebst die Tochter der Putzfrau von vor 24 Jahren befragt wird. Irgendwer muss etwas wissen!"
      Seine Stimme war ein leichtes Keifen geworden, als er Sallow ansah und sachte mit dem Kopf nickte.
      "Es stimmt", schloss er lediglich. "Und Zufall oder nicht: Die Magische hat einen Notfall verfolgt und wir haben unseren Job gemacht. Das muss auch ein Herr Richter sehen. Und dennoch besitzt dieser Fall das Potenzial, meine Amtszeit zu gefährden, also Husch Husch! An die Arbeit!"
      Er wartete noch geduldig, bis sein Tee gezogen und Ember verschwunden war, ehe er zum Hörer griff und eine Nummer wählte. Es dauerte ein paar Sekunden und ein paar gute Schlucke Tee, ehe Jemand abhob.
      "Ja?!", murmelte die Stimme.
      "Ich bin es."
      "Solomon."
      "Korrekt. Wir haben ein Problem...", sagte Knight und sah Ember hinterher, die über den Flur ging. "Sie kommt IHM zu nahe."
      "Woher wissen Sie das?"
      "Sie ist zu neugierig. Gefühl, denke ich..."
      "Dann lequidieren Sie sie."
      "Geht nicht. Sie steht unter Schutz. Er war deutlich, was er mit meinem Arsch anstellen würde, sollte ihr etwas geschehen!"
      "Dass SIe einmal Angst haben...", kicherte die Stimme. "Dann geben Sie mir ihre Adresse und ich werde sehen, was ich tun kann..."
      Es brauchte eine Weile, bis Knight die entsprechenden Unterlagen fand. Mit Geknister und Geklapper schrieb er Sallows Adresse auf einen Zettel und gab die Adresse seufzend durch.
      "Wen...", ein Räuspern. "Wen wollen Sie schicken?"
      "Einen guten Tag, Mr Knight", schloss die Stimme.
      "Wart-"
      DAs leise Tuten in der Leitung verriet ihm nichts Gutes. Gar nichts gutes...



      Analyseabteilung - 7:58
      Die Analyseabteilung lag in den oberen Stockwerken des PD und glich den anderen Abteilungen. Eine Kette von Büros, getrennt durch dünne Pappwände. SChweigsam war RUairi hinauf gehuscht und hatte die Kollegen dort um eine detaillierte Analyse des gestrigen Vorfalls gebeten. Vielmehr des nächtlichen Einsatzes. Doch wie so oft erwies sich der Leiter der Technischen Abteilung, ein Gewisser Jordan Hendrie, als durchaus zäh.
      Er warf seine schütteren Haare zurück und stemmte sich auf seinen dürren Arm, ehe er Ruairi süffisant ansah.
      "Das können Sie vergessen"; murmelte er lächelnd.
      "Warum? Ich bitte doch nur daurm, dass Ihre Mentalmagier die Gedächtnisse meiner Mitarbeiter auslesen.
      "Datenschutz", kommenteirte Hendrie und zuckte mit den Achseln. "Kommen wir alle nicht drüber, MacAllister."
      "Ich bitte SIe!", flehte Ruairi und lehnte sich seufzend im Stuhl zurück. "Ich brauche es nur dieses eine Mal und ehrlich gesagt stehen mir einige Behörden auf den Füßenm wegen diesem Fall. Bitte machen Sie eine Ausnahme!"
      "Keine Chance..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die Stunden verflogen wie in Zeitraffer.
      Es war der reinste Berg an Bürokratie, den Ember veranlassen musste um Knights Anforderungen gerecht zu werden und so zwackte sie Personal von anderen Fällen ab, um sie neu umzusortieren. Die Analyse der Aurensignatur würde etwas dauern, aber wenn das passte hatte sie zumindest den Beweis, dass dieser Brief von der gleichen Person gekommen war und etwas mit den Morden zu tun hatte. Nur eines wusste Ember direkt und ohne Nachweise: Nolands Schrift war es nicht in dem Brief gewesen.
      Das Problem bei den Mentalmagiern und speziell bei Noland war, dass er seine Mitmenschen gezielt manipulieren konnte. Jemand anders hatte den Brief schreiben können und Noland würde einfach seine Erinnerungen daran löschen. Vielleicht hatte der Rogue sogar einen anderen Rogue sich unterstellt und nutzte dessen Fähigkeiten aus. Diese Erkenntnis wollte sich nicht so recht in Embers Gedanken festigen, aber die Möglichkeit war immer noch da. Selbst als sie die landesweite Fahndung nach Noland ausschrieb wurde sie das ungute Gefühl nicht los. Sicher, der Mann war schlecht einzuschätzen, erst recht nachdem er wieder draußen unter freiem Himmel lief. Aber wieso sollte Noland diese Morde veranlassen und darüber hinaus noch einen Testlauf benötigen? Es ergab einfach keinen Sinn.
      Wie tötete der Mörder dann? Es musste etwas sein, dass den Menschen direkt veränderte. Ihn beeinflusste oder manipulierte. Etwas, das schwierig nachzuweisen war und keine Spuren hinterließ. Etwas das ausreichte, um selbst die gefestigsten Menschen zu brechen, die sie kannte. Oder... vielleicht war es ja auch eine Körperkontrolle gewesen und der Mörder war doch aktiv beteiligt?
      Das Haareraufen brachte Ember letztlich nicht die erwünschte und erhoffte Idee. Mittlerweile war sie wieder dort angekommen, wie sie sich während der Angelusangriffe gefühlt hatte: Jede Nacht konnte weiteres Grauen ans Licht befördern. Im Endeffekt würde sie nur auf den nächsten Anruf warten und dann wäre das Chaos perfekt. Wann geschah der nächste Mord? Wie sollte sie sicher das nächste Opfer bestimmen? Es waren wieder zu viele Fragen für vermutlich zu wenig Zeit.
      Als sie das nächste Mal auf die Uhr sah war es bereits nach 16:30 Uhr. Sie hatte die Zeit vergessen und packte hastig ihre Sachen, um ihren anstehenden Termin nicht zu verpassen. Der nicht weniger brisant ausfallen würde, zumal sie seit Ewigkeiten die Waffe wieder anfasste, mit der sie August damals erschossen hatte. Bis dahin hatte die Glock ihr Dasein in der Schublade gefristet und war nun an ihren Gürtel zurückgewandert. Wie ein alter, kalter Freund.
      Bevor Ember das PD verließ, schaute sie abermals in Ruairis leeres Büro. Leise seufzte sie, als sie es betrat, einen kleinen Zettel suchte und ihm eine Nachricht hinterließ:
      Ganz klassisch, ich weiß.
      Du hast auf meine Nachrichten nicht reagiert und Anrufe gehen nicht durch.
      Alles in Ordnung?
      Ember

      Sie platzierte den Zettel gut sichtbar auf seinem Schreibtisch, dann machte sie sich auf den Weg nach Hause, um sich auch noch mental vorzubereiten.


      Dusk & Dawn - 17: 47 Uhr

      Ember war viel zu früh dran. Sie hatte die Öffis genommen anstelle mit dem Auto zu fahren, einfach nur aus einem gewissen Paranoiafaktor. Sie hatte unauffällige Kleidung gewählt, ihren langen Mantel an und feste Stiefel. Darunter trug sie eine praktische Jeans und einen einfachen Pullover. Alles in reiner Vorsichtsmaßnahme, sollte das Gespräch hart eskalieren. Ihr kalter Freund hing viel zu schwer an ihrer Hüfte, aber sie wusste, dass sie es sich nur einbildete. Sie wäre dermaßen aus der Übung, dass eine Gegenwehr vermutlich eh hinfällig wäre. Seit dem Vorfall hatte sie keine Waffe mehr angefasst und misste sie erstaunlicherweise zur Zeit auch nicht. Doch das konnte sich schneller ändern als ihr lieb war.
      Sie war schon vor dreißig Minuten vor dem Eingang mit dem Schild gestanden und hatte sich die Beine vertreten indem sie die Straße auf und ab spaziert war. Nun aber stand sie wieder vor dem Eingang, zückte den Schlüssel und ergab sich einfach dem drohenden Termin, den sie selbst angeleiert hatte. Ihr Handy hatte sie auf stumm geschaltet, doch Vibrationen würde sie mitbekommen. Es wusste niemand, zumindest nach ihrem Wissensstand, darüber Bescheid, dass sie hier war. Aber wenn es so lief, wie sie es sich vorstellte, dann wäre auch weniger Sorge angebracht.
      Ember fühlte sich unglaublich steif an, als sie den Schlüssel ins Schloss schob und mit einem Klicken die Tür öffnete. Sie hatte das Gefühl, jedes Geräusch wäre zu laut, jede Bewegung potenziell gefährlich als sie sich in den Eingangsbereich begab, die Tür hinter sich schloss und sich langsam von ihrem Anorak trennte während ihre Nerven zum Zerreißen gespannt waren.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi - Außerhalb des PD 17:58 Uhr

      Ein beschissener Tag forderte ein beschissenes Ende.
      Denn nicht nur, dass die Menschheit sich offenbar gegen ihn verschworen hatte was diese verfluchten Idioten anging...Knight hatte ihm auch den Arsch aufgerissen warum er derartige Angriffe autorisiere und ihm keine Sekunde seine Aussagen geglaubt. Manche Male verstand er den Commissioner einfach nicht, wenn der Zauberer ehrlich war. Aber wer verstand schon einen Wahnsinnigen?
      Sachte warf er sich gerade seine Jacke über, nachdem er noch einen nachdenklichen Blick auf Embers Zettel geworden hatte. Es war wirklich dumm, dass er das verfluchte Handy in Wut zerdrückt hatte. Wie konnte er ihr jetzt schreiben? Kurz überlegte er, bei ihr vorbei zufahren ehe ein Grinsen sein Gesicht umspielte. Beschwingt wirkend machte er sich auf den Weg zu seinem Auto, als er den Entschluss fasste, einfach bei ihr vorbei zu fahren. Sie würde sich bestimmt freuen, wenn er statt einer Nachricht einen Besuch in Erwägung zog.
      Gerade als er an seinem Auto angelangte und nach seinem Schlüssel kramte, fiel ihm eine Gestalt im Halbdunkel hinter ihm auf. Hinten Rechts. Drei Meter entfernt. Hinter einem Laster, versteckt.
      "Ich sehe dich", sagte er laut und grinste.
      Gerade rechtzeitig um beim HErumdrehen noch die Spuren dessen im Gesicht zu tragen, als er einer hochgewachsenen brünetten Frau ins Gesicht sah, die sich hinter dem LKW hervor schlängelte. Ihr schlanker Leib steckte in einem winterlich anmutenden Strickkleid mit hohen Boots und einem hellen Mantel. Die dunkelbraunen Haare hatte sie elegant zu einem Flechtzopf gestaltet und helle, blaue Augen stachen in die Nacht, als sie ebenfalls zu lächeln begann.
      "Spät für Feierabend", sagte sie und kam langsam näher.
      Als sie sich in die Arme fielen lachte Ruairi.
      "Was tust du hier, Siobhan?"
      Sachte löste sich seine Schwester aus seinen Armen.
      "Wir müssen reden, Ru. Dringend."


      Dusk & Dawn - 17:47 Uhr

      Das Klicken im Schloss kündigt Ungemach. So hatte es einst der Dichter Mellenborough auf den Punkt gebracht. Und auch hier erschien es merkwürdig, ein einsames Geräusch in der verstaubten Detektei zu hören.
      In dem Hauptraum brannte ein Feuer im Kamin und Jacken hingen an der Garderobe, als Ember eintrat. Ein sorgsamer Duft nach Nelken und Gewürzen durchzog den Raum wie ein Nebelschleier, der sich sachte lüftete, je mehr man ihm entgegen kam. Doch nichts befand sich dort. Im Hintergrund brannten zwei Lampen die den Raum in zartes Schummerlicht tauchten und beinahe hätte es gespenstig wirken können,w enn nicht Perley Caulson durch die Tür herein gekommen wäre und mit wissendem Gesicht zu Ember blickte.
      "Ms Sallow"; begrüßte er sie. "Eine Freude, wie immer. Möchten Sie ablegen? August wird gleich bei Ihnen sein. Es gibt nur noch...DInge zu erledigen."
      Er nickte und wies ihr den Weg zur bequemen Couch vor dem Kamin, wo sich an den jeweiligen Seitenenden zwei Ohrensessel gegenüber standen. In der Mitte der beiden Sessel stand ein kleiner Tisch, auf dem bereits eine Flasche Rotwein dekantiert war und ein Glas schon halb gefüllt erschien.
      "Ich wollte gerade einschenken, ich..."
      Perley wollte sich ereifern mehr zu sagen, als die Tür in seinem Rücken aufging und August Foremar in all seiner Pracht im Raume stand. Hochgewachsen, noch immer schlank und drahtig, wenngleich die Arme und Brust ein wenig fülliger wirkten. Die Augen stachen in einem Mix aus Neugierde und Argwohn in den Raum und das Haar auf seinem Haupt wirkte strohig aber gepflegt, während er mit schnellem Schritt den Raum durchmaß.
      "Es ist gut, dass du hier bist"; sagte er mit rauer, beinahe kratziger Stimme und lächelte kurz.
      Erst danach sah er zu Perley.
      "Würdest du bitte nach unserem Freund sehen? Er scheint mir einsam. Vielleicht nimmst du auch den merkwürdigen Goblin dazu", sagte August zu ihm gewandt und wartete das Nicken des Dieners ab, ehe dieser sich von dannen machte. Das KLacken der Tür markierte den Beginn ihres Gesprächs.
      Sachte wies der Zauberer mit der Hand auf den Sessel, während er sich in den gegenüberliegenden Sessel fallen ließ. Er trug das charakteristische Hemd mit der feinen Weste. Die obersten Knöpfe standen auf und entblößten eine blanke Brust, während seine Beine in Anzughosen und edlen Schuhen steckten. Beinahe zu schick für einen Arkana, mochte man meinen. Und doch..:So war es und nicht anders.
      "Wie ist es dir ergangen?", fragte er und schenkte beide Gläser voll ein. "Habe gehört, du hast Karriere gemacht?"

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    • Embers Miene war mehr als nur angespannt als sie in den dämmrigen Raum spähte und die Nase leicht rümpfte. Wäre sie nicht so auf Halbacht-Stellung, hätte sie den Raum mit dem brennenden Kamin beinahe kuschelig empfunden. Gerade tastete sie sich vorsichtig in den Raum hinein als eine Tür aufschwang und Perley hereinkam. Ember konnte ein kurzes Zucken nicht unterdrücken, ließ dann aber sogleich die hochgezogenen Schultern etwas fallen, das Gesicht verlor etwas an Spannung.
      "Guten Abend, Mr. Caulson. Schön, dass immer Sie mich als Erstes empfangen", brachte sie ein schmales Lächeln zustande und folgte dem Mann herüber zum Kamin.
      Ihr Blick fiel auf den niedrigen Tisch samt zwei Gläsern und einer Flasche Rotwein. Wenn sie es nicht besser wüsste, sah hier alles nach einer lockeren Abendunterhaltung aus und nicht das, was sie eigentlich erwartet hatte. Wobei ihr just die Frage kam, was sie denn wirklich erwartet hatte? Einen schwer getroffenen August, der sich für ihre Aktion rächen wollte? Dafür war er nicht der Typ. Trotzdem warf etwas sie aus ihrer vorkalkulierten Bahn, die auch Perley mit seiner weiteren Ausführung nicht wieder begradigen konnte.
      Zumindest bis die Tür in seinem Rücken aufschwang und Ember August in Erscheinung treten sah.
      Für einen Moment wirkte alles völlig surreal. Binnen eines Atemzuges waren ihre Augen über die komplette Größe des Arkana gewandert, bemerkte, wie er nicht mehr ganz so hager wirkte. Seine Augen die übliche Mischung aus Neugier und Argwohn widerspiegelten und das Haar in feiner Balance zwischen gewöhnlicher Ordnung und chaotischer Stumpfheit. Seine Schritte waren noch immer ausladend und groß bemaßt als er den Raum durchschritt und das erste Wort tatsächlich an sie richtete.
      Ember war sich nicht sicher, was für ein Gesicht sie gerade machte, als er sie sogar anlächelte. Egal wie rau seine Stimme nun klang, ohne den Lärm des Kampfesgetümmels trug sie eine Vertrautheit, über die sich die Ermittlerin selbst wunderte. Flüchtig erwiderte sie sein Lächeln, um nicht die folgenden Sätze an Perley zu unterbrechen. Ein letzter Blick folgte dem Hauswirtschafter ehe er hinter der Tür verschwand, aus der August gekommen war. Erst dann folgte sie Augusts Geste beinahe träge und setzte sich in den Sessel ihm gegenüber. Überdeutlich spürte sie ihre Glock an ihrer Hüfte, die sich an ihrem Gürtel gegen die sitzende Haltung in ihrem Holster sträubte.
      "Tja, unfreiwillig, aber ja. Wobei ich noch nicht fest zugesagt habe", antwortete Ember und verfluchte sich selbst für ihre trockene Stimmlage, die sich mit einem Räuspern beheben ließ. "James hat den Posten an den Nagel gehangen und mich vorgeschlagen. Der Ausschuss ist zu schlau um mich als Commissioner einzusetzen, fürchte ich. Es wurde allgemein viel umstrukturiert nach den zahlreichen Toden. Cunningham zählte auch dazu, wir hatten plötzlich keine Führungsetage mehr. Da greift man wohl in der Not zum Nächstbesten."
      Ember zuckte leicht mit den Schultern aber es sah bei Weitem nicht so galant aus wie sonst. Sie streckte sich nach dem Weinglas und lehnte sich in dem Sessel zurück, als sie es an sich genommen hatte. Dringend musste sie sich ein wenig entspannen, vielleicht hatte er deswegen auch den Wein aufgetischt.
      Ein weiterer Blick ging herüber zu August. Das Einzige, das wie beim Alten war, waren die unzählen Fragen, die ihr auf der Seele brannten. Aber sie hatte gelernt und spie nicht alle zeitgleich wie einen Wasserschwall aus. Stattdessen fing sie mit etwas an, das ihr mitunter am meisten auf dem Herzen lag und dafür sorgte, dass sich die Anspannung in ihrem Gesicht in einer Mischung aus Schmerz und Erleichterung auflöste.
      "Mir ging's beschissen, August." Allein den Namen in seiner Gegenwart auszusprechen löste etwas aus, das sie nicht benennen konnte. "Ich habe gedacht, ich hätte dich wirklich erschossen. Ich habe gesehen, wie du gestorben bist und ich war am Ende. Ich dachte, ich halluziniere als du vor der St. Paul's aufgetaucht bist. Das war das Schlimmste, was ich bisher getan habe."
      Sie musste einen Schluck Wein trinken, um das Zittern ihrer Hände zu kaschieren. Seit wann taten sie das einfach so?
      "Es tut mir so, so leid. Ich hab damals gedacht, es ging nicht anders. Aber jetzt habe ich festgestellt, dass ich damals nicht wusste, dass du auch einen Pakt gehabt hast. Warum hast du mir nichts davon gesagt? Warum war ich wieder die Einzige, die von Nichts eine Ahnung hatte? Warum hast du nicht offen mit mir gesprochen wie man es tut, wenn man sich vertraut?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August lehnte sich ebenso in den Ohrensessel zurück und verbarg seine Rechte Hand in der Falte, die entstand, als er seine Beine übereinander schlug und das Weinglas emporhob. Die blutrote Flüssigkeit betonte die golderscheinenden Augen ein wenig, als er sich zu Ember wandte und sein Lächeln ein wenig schwacher wurde. Was hatte er sich von diesem Gespräch erhofft? Eine Art Wiederaufleben einer trauten Beziehung? Eine Freundschaft? Eine Feindschaft?
      Überdeutlich wurde ihm bewusst, dass Ember eine Waffe trug. Freilich konnte man durchaus vermuten, dass dies eine Dienstwaffe und zum herkömmlichen Gebrauch bestimmt war, aber jeder von ihnen wusste es besser. AUch Foremar konnte erahnen, dass diese Waffe vermutlich zum Einsatz kommen würde, wenn sie sich bedroht fühlte. Wie dereinst...
      "Ich denke nicht, dass es unfreiwillig war", begann er schließlich und sah sie an, ehe er ihr zuprostete. "Auf deinen neuen Posten, Captain Sallow, neue Leiterin der Antimagischen Einheit. Ich denke, James hat vielleicht ein wenig übertrieben als er dich für das Amt des Commissioners vorschlug, aber durchaus war seine Wahl nicht dumm. Du hast Zielstrebigkeit, Gerissenheit und einen gewissen Hang, das Notwendige zu tun, wenn sich alle anderen dafür fürchten. Also alles gute Eigenschaften."
      Er nahm einen gewaltigen Schluck des Weines, als reiche man ihm das Wasser des Lebens und setzte das Glas auf die Lehne des Sesselns um die vermutlich beste Entschuldigung zu hören, die Ember Sallow zustande brachte.
      Nun, gut war sie dennoch nicht, aber was erwartete man auch? Sie war in ein Netz geraten, das sie nicht durchschauen konnte. Wieso also sollte man da eine gute Entschuldigung erwarten können?
      Nachlässig winkte er ab.
      "Vergiss es", murmelte er. "Es ist ein Fakt, dass du nicht wusstest, was dich umgibt und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch nicht viel unternommen, um die Verwirrung zu lichten. Leider ist es jedoch so, dass du mich erschossen hast. Und ja, eine Zeit lang war ich klinisch gesehen tot. Das einzige, was mich zurück gebracht hat, waren krumme Worte eines Voodoo-Priesters und ein schrecklicher Deal, wenn du mich fragst. Aber all das...All das musste genauso geschehen."
      Er sah sie ernst aus seinen Augen an und erneut fand sich dort ein schmales Lächeln auf seinen Lippen.
      "Ein Pakt mit einem Sharokh...Ja...", murmelte er und kratzte sich die Nase. "Ich konnte es dir nicht wirklich sagen, denn das hätte dich letztlich davon abgehalten mich zu töten. Es musste durch deine Hand geschehen, damit wir deinen Bruder retten und gleichsam meinen Pakt brechen konnten. Dieser war an Vertrauen gekettet. Einen Lebenspakt mit einem Sharokh, der seinen Teil nicht einhielt. Und dadurch den Pakt zum brechen brachte. Es konnte nur Jemand tun, dem ich vertraute und der mir auch sein Vertrauen gab. Andernfalls hätte mein Sharokh eingegriffen und das konnte ich nicht riskieren, nicht wahr? Es war keine Sache des Vertrauens, nicht darüber zu reden. Es war vielmehr eine Sache der Unsicherheit. Ob dieser Handel wirklich so funktionieren würde, wusste ich erst, als ich ins Leben zurück gekehrt war."
      Schweigsam nahm er einen neuen Zug von dem Wein und sah Ember an.
      "Erzähl mir...Was gibt es Neues aus deiner Welt? Die alten Kamellen durchzukauen bringt uns keinen Schritt weiter fürchte ich. Es gibt nichts zu verzeihen. Ich entschuldige mich ebenso für meine Nichtoffenheit, aber lass dir gesagt sein, dass ich gehofft habe, nein gewusst habe, dass du den Weg hierher findest."

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    • Mit einer recht neutralen Mimik hörte Ember jedem Wort des Arkanas zu und konnte den Gedanken einfach nicht abschütteln, wie zahlreiche Leute in ihrem Umfeld ihn als Meister der Worte bezeichnet hatten. Sie selbst hatte seine Wortfindigkeit gelobt und wurde am Ende damit belohnt, selbst in dieses Konstrukt zu fallen. Ein kleiner Teil in ihr, das gesunde Minimum an Misstrauen, sang ihr leise im Hinterkopf noch immer das Lied und wiederholte die Worte, die man ihr als Warnung heran trug.
      Aber wenn es danach ging, umgab sich Ember Sallow generell nur mit sehr fragwürdigen Menschen wie es schien.
      "Wie kann man mit seinem eigenen Leben nur so spekulieren...", murmelte Ember nahezu unhörbar in ihr Weinglas als sie einen weiteren Schluck nahm und zu August hinüber schielte.
      Unglaublicherweise verhielten sie sich beinahe so als hätte es den Vorfall nie gegeben. Aber ihr fehlten noch immer wichtige Antworten in dem Puzzle, das sie erst noch zusammensetzen musste. Sie besaß die Randstücke, doch die Innenteile fehlten reihenweise. Für einen Moment wollte sie im Gedankengang einer Was-wäre-wenn-Frage verfallen. Ein Blick zu August verwehrte ihr diesen Gedanken allerdings. Hielt sie zu sehr an ihrer Schiene fest würde dieser seltsame Moment, der sich zwischen ihnen entfaltete, nicht länger Bestand haben.
      "Was gibt es Neues in der spektakulären Welt der Ember Sallow", paraphrasierte sie und drehte sich im Sessel etwas, damit das klobige Etwas nicht mehr so penetrant an ihrer Hüfte drückte. "Der neue Commissioner hat scheinbar Dreck am Stecken, zumindest wurde ich mehrfach davor gewarnt, ihm auf den Leim zu gehen. Was dran ist - keine Ahnung. Noland ist seit dem Angriff einfach spurlos verschwunden, wir fahnden nach ihm... Oh, den neuen Leiter der Magischen scheinst du ja zu kennen, jedenfalls namentlich. Woher eigentlich? Bist du schon mal an ihn geraten oder woher stammt die Info, dass ein MacAllister hierher versetzt wurde?"
      Ember benutzte absichtlich die förmliche Anrede, um August nicht direkt mit der Nase auf ihr Verhältnis zu stoßen. Wie sie ihn kannte, würde er es vermutlich früher als später herausfinden, aber das war ein Problem für da und nicht jetzt. Schlussendlich ahmte sie ein wenig von Augusts Haltung nach indem auch sie ihr Glas auf der Lehne abstellte, den Kopf jedoch an der Rückenlehne abstützte.
      "Mr. Caulson hat mir beim ersten Besuch die Bilder im Hinterzimmer gezeigt. Ich dachte, ich seh nicht recht und hab dahin gehend versucht Nachforschungen anzustellen. Die noch nicht sonderlich von Erfolg gekrönt sind, aber...", sie neigte den Kopf ein wenig, die Anspannung war nun vollends aus ihrem Gesicht verschwunden, "die Magische hat vergangene Nacht Teile der Familie des Richters einfach so getötet. Das weißt du sicherlich. Es gab weder den Befehl dazu noch schien es so geplant zu sein, aber ich denke, da scheint etwas im Hintergrund zu laufen. Ich weiß nur noch nicht, was."
      Nachdenklich fuhr sie mit ihren Fingern über ihre Lippen während ihr Blick zum Feuer im Kamin abschweifte.
      "Und ich habe vermutlich einen Serienkiller, einen Mentalmagier dazu, am Haken. Die Politikerin Tallburn wurde ermordet und wirklich viele Hinweise dazu habe ich noch nicht. Ich weiß nicht, irgendwie läuft hier auf einmal viel zu viel falsch."
      Dann schoss ihr Blick zurück zu August und schien ihn regelrecht festzunageln.
      "Wer ist dein neuer Freund?"

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    • August sah sie aus dem Sessel heraus an und lächelte geheimnisvoll. Der Ausspruch war beinahe gänzlich im Glase untergegangen, doch natürlich hatte der Arkana Fetzen davon mitbekommen und musste doch lachen. Derlei Aussprüche konnten nur von Menschen kommen, die wahrlich schlimmes bisher nicht erlebt hatten. Und auch die Müdigkeit nicht kannten, die das Leben mit sich brachte.
      "Manchmal...Manchmal haben wir keine andere Wahl, Ember. Manchmal müssen wir Dinge tun, die uns nicht gefallen oder die uns nahe gehen. Und manchmal ist der Einsatz dieses Spiels auch unendlich hoch. Und manchmal setzen wir auch unser Leben ein, nicht wahr?", sagte er mit wissendem Lächeln und wies mit beinahe hungrigem Blick auf ihre Hüfte.
      "Vielleicht solltest du die Pistole abnehmen. Sie erscheint unbequem...", murmelte der Zauberer und lächelte erneut, ehe er das Glas ansetzte um ihr zu lauschen.
      Erst danach setzte er das Glas ab und schenkte isch nach, ehe er ihr auch die Flasche zum Zeichen, dass er einschenken wollte, anbot.
      "Ja, ich kenne Ruairi MacAllister dem Namen nach. Hat sich immer recht ordentlich für Rogues und Caster eingesetzt und besitzt ein gutes Gerechtigkeitsempfinden. Und der neue Commissioner...Nun, Dreck trifft es wohl nicht ganz, aber dennoch solltest du ihm nicht auf den Leim gehen. Da haben wer auch immer schon recht. Und beide Dinge weiß ich, weil es inhärent meine Aufgabe ist, derlei Dinge zu wissen, Ember Sallow."
      Grinsend lehnte er sich wieder zurück und sah sie erneut an. Die Haare, der Duft, alles war so schmerzhaft vertraut, dass er schreien mochte. Und doch...Und doch verschwieg er es, dass er all dies vermisste. Es war besser so, nicht wahr?
      "Ich weiß von der Sache mit der Familie Prestegards..", begann er und seine Stimme wurde schwer und beinahe wütend. "Und ich kann mir denken, dass der Befehl nicht von dem inneren Kern der Poliziei kommt, jedoch ist es Fakt, das zwei Caster der Magischen diese Menschen umgebracht haben. Und das nicht mal nach einem Angriff. Es war ein gezielter, vorbereiteter Schlag, ähnlich dem auf den Fotos, die du sehen solltest. Und das einzige, was mir wieder bleibt, ist dich zu warnen und dich aus der Schusslinie zu begeben. Die Rache des Richters wird fürchterlich und grausam. Und ich befürchte, dass sich MacAllister dazwischen werfen muss, damit nichts Schlimmeres passiert..."
      Seufzend hielt er inne und sah sie erstaunt an.
      "Ein Serienmörder? Ich wusste, dass es Todesfälle gibt, die untersucht werden, aber dass es gerade Tallburn erwischen würde...Schrecklich. Sie war eine der Guten. Hast du eine Spur oder Idee?", fragte AUgust lächelnd,e he er mit den Achseln zuckte.
      "Ein Freund in gemeinsamer Sache, der eine Verletzung im Hinterzimmer auskuriert."

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von NicolasDarkwood ()

    • Einen zähen Augenblick lang musterte Ember August schlicht. Das Weinglas ruhte noch immer auf der Armlehne, ihr Gesicht eine ausdruckslose Fassade. Schließlich brach das Bild als sie gedehnt seufzte, sich vorlehnte und das Weinglas zu August herüber schob, damit er es auffüllen konnte. Danach erhob sie sich und öffnete langsam die Schnalle ihres Gürtels. Völlig stumm fädelte sie ihr Holster aus dem Strang, legte die Glock zwischen sie beide auf den Tisch und schloss den Gürtel wieder. Anschließend setzte sie sich wieder und angelte nach ihrem Glas. Noch immer war sie nicht davon abgerückt, dass sie selbst mit der Waffe niemals schnell genug sein würde, sollte der Arkana ernst machen. Außerdem war sie nicht hier, um die Waffe wirklich zu benutzen - sie diente lediglich dem Zweck, der Ermittlerin mental ein wenig Sicherheit zu geben.
      "Ich habe nicht nach dem warum sondern dem woher gefragt", korrigierte Ember Augusts Versuch wieder in kryptischen Aussagen zu verschwinden und schwenkte das Glas ein wenig in ihrer Hand. "Dass du generell mehr Dinge weißt als ich durfte ich mittlerweile selbst feststellen."
      Ihre Lippen kräuselten sich zu einem schwachen Lächeln, wenngleich es etwas schwermütig aussah. Nichts hasste sie mehr als ständig in einem Schwebezustand versetzt zu werden, doch genauso gut wusste sie, dass ein ewiges Nachfragen bei dem Rogue nur auf Granit soßen würde.
      "Ich bin auch davon ausgegangen, dass es kein Zufall war mit den Prestegards. Ein bisschen Hoffnung habe ich ja, dass wenn ich im Rang steige auch mehr Freiheiten bekomme und mal unter den Teppich schauen kann, wo der ganze Dreck hingekarrt wird. Dass es eine Reaktion seitens des Richters auslösen wird, ist jedem klar. Ich werde mich ganz bestimmt nicht dazwischen stellen, wenn MacAllister versuchen sollte sich in die Schussbahn zu werfen. Ich bewege mich schön weit weg, okay?"
      Diese Worte waren genauso gemeint wie sie sie ausgesprochen hatte. Weder würde sie Ruairi davon abhalten, einzuschreiten, noch sich möglichst in der Nähe aufhalten, sollte etwas geschehen. Im Gegenteil zu den etlichen Malen zuvor hatte Ember gelernt auf Ratschläge zu hören. Erst recht, wenn sie der Meinung war sich zwichen deutlich stärkere Fronten zu werfen. Sie konnte noch so viel Diplomatiktalent ans Tageslicht bringen - nichts davon würde ausreichen, um den Richter davon abzuhalten, Rache zu üben.
      Und Ember verstand dieses Gefühl so gut, dass sie es ihm gar nicht verübeln konnte oder ihn davon abhalten wollte.
      Flüchtig striff ihr Blick den seinen ehe sie leicht genervt mit den Augen rollte. "Eine Spur... Tja, vielleicht denke ich auch nur an einen Serienmörder weil mir alles andere zu simpel ist. Es sind ja, in Anführungsstrichen, auch nur zwei Fälle, die Ähnlichkeiten aufweisen. Direkt von einer Serie zu sprechen ist fahrlässig, ich weiß."
      Das erste Mal des Abends überschlug Ember die Beine locker, das Weinglas nun auf ihrem Oberschenkel abgestellt während sie an August vorbei zu der Tür lugte und dann wieder zu ihm zurück.
      "Wir konnten keine Spuren finden die auf die Anwesenheit einer zweiten Person schließen lassen. Dass sich beide Opfer scheinbar selbst getötet haben lässt mich darauf schließen, dass es ein Zauberer mit psychischer Beeinflussung sein könnte. Es gab keine Tatwaffe noch erschienen die Hergänge unlogisch. Ich lasse gerade einen Brief auf Aurenspuren analysieren, den ich in Tallburns Wohnung gefunden habe. Nichts besonderes vom Text her, aber ohne Absender und der einzige Brief in ihrer Wohnung. In der Wohnung des ersten Opfers war etwas kleines verschwunden, das ebenfalls Spuren hinterlassen hatte. Wenn es die gleichen Signaturen sind bin ich mir sicher, dass es eine Serie werden könnte. Nur wie er es anstellt, ist mir nicht ganz klar."
      Sicher, sie hatte eine Theorie, aber für diese brauchte sie wirklich mehr Beweise. Dass dafür ein drittes Opfer von Nöten sein würde war ein Übel, das sie vermutlich nicht umgehen konnte. Zauberer mussten üblicherweise einen gewissen räumlichen Abstand einhalten, um ihre Magie zu wirken. Wenn der Brief ein Schlüssel war, dann musste der Täter es anders bewerkstelligt haben.
      "Du kannst mir auch gerne einen Namen zu deinem Freund da drin geben. Dann muss ich nicht immer Freund sagen", bemerkte Ember und schmunzelte. "Was hat er denn so Schlimmes angestellt? Oder eher, was hast du die gesamte Zeit über angestellt? Auf dem Revier hat man dich nur Anhand von Paparazzifotos verfolgen können. Außerdem wollte ich dich noch fragen, wer die anderen Partner für dieses Unternehmen hier sind. Mir wurde bereits angedeutet, dass ich nicht die Einzige bin..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August musste ein wenig kichern, während sie sprach und lehnte sich erleichtert in den Sessel zurück. Nach all den Strapazen dieser letzten Tage hatte er sichtlich mit dem Wahnsinn des Alltages zu kämpfen gehabt. Und nun einen Menschen vor sich sitzen zu sehen, der sich kein bisschen verändert hatte, wirkte wie Balsam auf einer geschundenen Seele.
      "Noch immer ganz die Alte...", flüsterte er und seufzte. "Das Woher kann ich schlecht preisgeben ohne dir mehr Informationen zu liefern als gut für dich wären. Es ist nicht um dich außen vor zu halten, sondern vielmehr um deinen hübschen Hintern zu schützen vor dem, was unweigerlich kommen wird, Ember. Die Infos, die ich erhalte, stammen asu einem Netzwerk aus Informanten, die ich beschäftige. Meine Augen und Ohren sozusagen."
      Anschließend wurde seine Miene ernst, wenn er an den Verlust des Arkana dachte. Es war schrecklich, seine Familie zu verlieren...August wusste das nur zu gut aus eigener Erfahrung. Eine Hand fuhr durch sein Gesicht und die struppigen Haare, wärhend er mit dem Kopf schüttelte.
      "Da hast du Recht. Die Aktion war kein Versehen. Es war eine gezielte Aktion gegen die Arkana, wie sie bereits seit einiger Zeit geschehen. Weltweit, möchte ich anmerken. Man greift gezielt Rogues an, unter dem Deckmantel einer Straftat und beginnt wieder dieselbe Hexenjagd wie vor ein paar Hundert Jahren. Und nun nennt man das Gerechtigkeit und Exekutive. Gute Polizeiarbeit...Das ich nicht lache. Ich habe die Leichen der beiden gesehen, Ember. Sie waren zugerichtet wie Schlachthausvieh! Nicht mal Prestegard selbst hat sie noch erkannt."
      Die Wut durchfuhr seine Stimme wie ein bissiger, tollwütiger Hund, der nach dem Blut der anderen geiferte. Wie ein Gift schlich sich die hemmungslose Wut in seine angenehme, ruhige Stimme und verbreitete sich wie ein Gift darin.
      "Es klingt nach einem guten Plan, sich rauszuhalten", murmelte August nach einem Schluck Wein und einem verträumten Blick in den Kamin hinein.
      Schweigend lauschte er Embers Erklärungen und nickte hin und wieder verständig. Als wüsste er wovon sie sprach und doch wieder nicht.
      "Sofern Ähnlichkeiten der Fälle deutlich werden...", murmetle er und zuckte die Achseln. "Denke ich, dass die Annahme einer Serie nicht so weit hergeholt ist. Und zu dem Wie...Es klingt danach, wenn wir davon ausgehen, dass er ein Mittelsmedium nutzt. Etwas das ihn mit dem Opfer verbindet, nicht wahr?"
      Schweigend sah er Ember wieder an und lächelte breit zum Schluss.
      "Einen Namen wirst du nicht erfahren, Ember Sallow. Aber du wirst den Freund früh genug kennen lernen, das verspreche ich. Doch, so wie man dir angedeutet hat, dass es mehrere gibt, so hat man dir bestimmt erzählt, dass ich diese Menschen erst bekannt gebe, wenn du dich bereit erklärst, diesem wunderbaren Unternehmen beizutreten, wenn mich Perley recht informiert hat, nicht wahr? Also wie ist deine Antwort?"
      Anschließend setzt er sich gerade hin und sah Ember an.
      "Ich habe das getan, was ich tun musste. Ich habe nach dem ganzen Problemen mit den Sharokh den Untergrund aufgeräumt und mit anderen Arkana neue Machtstrukturen etabliert. Wir haben uns den Verbrechen angenommen, die die Caster begangen haben und derzeit bin ich dabei, Daten zu sammeln..."

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      The more you drag me to hell
    • "Danke für den Kommentar bezüglich meines hübschen Hinterns. Aber wenn es unweigerlich eintreffen wird, warum mir dann schon Informationen vorenthalten, die sowieso ans Tageslicht kommen?"
      Ember konnte nicht anders als weiter dran zu bleiben. Dass August ein Netzwerk hatte, um an alle möglichen Infos und Hinweise zu gelangen war eindrucksvoll anhand der Bilder zu erkennen gewesen, die er ihr im Hinterzimmer kredenzt hatte. Oder wusste, wie sich die Strukturen im PD geändert hatten oder dass sie einen neuen Posten bekommen sollte.
      Schlussendlich schloss Ember einfach nur die Augen, hörte Augusts Antworten zu und vernahm das Knacken des Kamins, wenn Holzscheite brachen. Es war ein furchtbares Bild wenn man hörte, dass selbst der eigene Familienangehörige seine Verwandten nicht mehr erkennen konnte. Es war eine Sache, wenn man jemanden während des Tötens regelrecht zerfleischte. Aber das so systematisch zu tun, gerade auch noch wenn es Polizisten waren, riefen in Ember einen faden Beigeschmack hervor. Eigentlich sollten die Caster so nicht handeln, taten sie eigentlich nie. Vermutlich würden die Verantwortlichen im PD einsitzen und bereits befragt worden sein. Und noch wahrscheinlicher war, dass niemand von ihnen sich zu seiner Schuld bekannte oder gar zugab, dass es genauso geplant war. Vielleicht hatte man diejenigen auf einfach nur benutzt, aber das erklärte noch lange nicht die Herangehensweise.
      "Ich habe an ein Artefakt oder so gedacht. Wenn dieser Brief wirklich etwas damit zu tun hat, dann stellt der Täter vielleicht darüber den Kontakt her", trug sie ihm ihre Gedanken dazu vor, auch um sich von den schrecklichen Bildern in ihrem Kopf abzulenken.
      Als Ember die Augen wieder öffnete blickte sie unverwandt in Augusts Augen. Sie wirkten noch genauso scharf wie eh und je, aber etwas hatte sich bei ihm verändert. Er wirkte plötzlich nicht mehr so abweisend oder verkappt wie vor dem Sharokhangriff. Sie konnte es nicht genau benennen aber sie hatte den Eindruck, etwas näher an den Mann herangerückt zu sein. Und das, obwohl sie ihn erschossen hatte.
      "Was genau wird dieses wunderbare Unternehmen denn sein wollen?" Jetzt konnte sie wenigstens die Fragen beantwortet bekommen, die Perley ihr verwehrt hatte. "Wenn ich nichts ändern wollen würde, wäre ich nicht hier. Aber ich sehe mich zur Zeit ein bisschen zwischen den Stühlen, als habe ich meine Rolle noch nicht gefunden. Wenn ich das Fehlverhalten in den Reihen der Polizei korrigieren will, muss ich Umwege wie diesen hier gehen, ich weiß. Aber das ändert nichts daran, dass es diese Fehlverhalten auch in euren Reihen gibt, wie mein Fall da gerade zeigt."
      Ember nahm einen Schluck ehe sie sich vorlehnte und die Ellbogen auf ihren Beinen abstützte. Ihr Blick lag vollkommen fokussiert auf August, das Weinglas leicht schräg in ihrer Hand.
      "Ich schließe mich an weil ich eine Veränderung bewirken möchte. Aber nicht um jeden Preis oder mit deinen Methoden. Deswegen sag mir, was ich beitragen kann oder soll. Damit ich weiß, auf was ich mich hier einlasse."

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    • August lächelte ein wenig mehr als sie ihre Absicht z7um Anschluss kundtat. Wenngleich Embers inhärente Art sie stets zur Vorsicht gemahnte, war es doch eine positive Mitteilung, die er nicht gering schätzen wollte. Grinsend lehnte er sich etwas vor und setzte das Glas ab, ehe er zurück zum Kamin sah.
      "Halt mich nicht für verrückt, aber diese Firma hier soll das werden, was an der Tür steht. Eine Detektei. Ein Ort, an dem Caster, Rogues und Menschen hinkommen können um ihre Fälle und Probleme vorzutragen. Ich möchte sicherstellen, dass diese Probleme gleichartig und fair behandelt werden und nicht von irgendwelchen politischen Ereignissen infiziert werden. Ich möchte keine Hintergründe in dieser Detektei wissen oder dergleichen. Ich möchte einfach nur sichergehen, dass Gleichberechtigung und Fairness an erster Stelle stehen, wenn es um die Bearbeitung von Fällen geht", führte er aus und sah sie anschließend an. "Nimm deinen Fall als Beispiel. Im Hintergrund sitzt ein Commissioner, der - wie du recht erkannt hast - Dreck am Stecken hat. Dahinter sitzt ein entsprechender Innenminister und ein Premier. Politische Ansichten, Ängste und mehr von drei Menschen, die du nicht mal kennst, ehe du mit deiner Arbeit beginnst. Und da man dich nicht mal ordentlich in Kenntnis gesetzt hat über die Attacken an Prestegard, sieht man wieviel man offenbar von dir hält...Dabei sind Menschen ungerechterweise gestorben und mein Ziel ist es, dies zu verhindern. Einen Krieg zu verhindern..."
      Ob sie wusste, wie inhärent die Gefahr eines Bürgerkrieges war? WIe nahe sie dem standen?
      "Letzten Endes...", begann er erneut und sah sie ernst an. "findet sich natürlich auch Fehlverhalten auf unseren Seiten. Daher will ich sie alle bearbeiten. Ich will die Fälle der magischen Bevolkerung oder diese betreffend heranziehen und von der Polizei fernhalten. ich will einen Ausweg bieten. Und was du tun kannst: Du bist eine Vollblutermittlerin mit klarem Blick und gutem Gerechtigkeitsempfinden. Was brauche ich mehr? Du verstehst Zauberer und Menschen gleichermaßen und kannst dich mit beidem identifzieren. Eine Fähigkeit, die mir zum Beispiel abgeht."
      Er pausierte kurz und faltete die Hände in seinem Schoß. Es wirkte merkwürdig steif, wie er sich verhielt. Mochte es auch an den Schmerzen liegen, die er empfang, wenn er seine Schulter bewegte. Eine Reminiszenz seines anderen Gastes, wenn man so wollte.
      "Und mit deinem Serientäter stimme ich dir zu. Es wäre zumindest eine Methode, derart über einen Brief zu kommunizieren. Auch wenn es dazu großer Macht bedarf, wenn ich ehrlich bin."

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    • Ember konnte nicht anders als ein wenig schmunzeln.
      Früher einmal, zu Beginn ihrer Karriere, hatte sie von genau solch einem Unternehmen gesponnen. Eine eigenständige Institution, die sich zwischen dem bewegte, was der Staat vorgab und was nicht. Für eine elendig lange Zeit hatte sie gedacht, Augusts Motiv zu vermuten auch ohne eine offene Bestätigung seinerseits zu bekommen. Aber wenn sie ihn nun so ansah, seine Augen eingehend musterte, konnte sie nicht anders als zu glauben, dass er ihr nichts vormachte. Die Unsicherheit, dass er noch immer mit Worten ihren Weg verdrehte, ließ sich nicht so einfach abschütteln weshalb die Ermittlerin sie sorgfältig gedanklich an ihrer Seite wusste wie einen guten Berater.
      "Stimmt. Mit Empathie hast du es nicht unbedingt immer", merkte Ember an wobei sie die Worte nicht zwangsläufig anklangend formuliert hatte. "Das klingt alles fast schon wie der Traum, den kleine Kinder haben, wenn sie Detektive spielen. Wie könnte ich dazu nein sagen, wenn es meinem erwachsenen Ich angeboten wird?"
      Ihre Augen verfolgten jede noch so steife Bewegung des Arkana. Bisher hatte er sich relativ wenig großräumig bewegt, aber nach dem bisschen sitzen neigten die Muskeln dazu, sich festzufahren. Als er seine Hände in seinem Schoß faltete, wirkte die Bewegung geschmeidig, doch sein Oberkörper ging dem nicht ganz mit. Unweigerlich verschmälerten sich Embers Augen ein wenig, ihre Haltung hatte sich im Gegensatz zu seiner nicht verändert.
      "Scheinbar ist es ziemlich anstrengend, Daten zu sammeln, hm?" Ihr Blick driftete zu leicht abwärts über seinen Oberkörper ehe sie zu seinen Augen zurückkehrte. "Ich weiß, ich weiß, meine ständigen Fragen gehen dir vermutlich auf den Zeiger. Aber was ist da mit deinem... Rücken? Los? Außerdem hätte ich nun ganz gern die Namen unserer Partner, wenn ich schon nicht den von deinem Gast im Hinterzimmer erfahren werde."
      Es entstand eine kleine Pause bevor sie einen Schluck aus ihrem Glas nahm und scheinbar etwas überlegte, abwägte. Als sie das nächste Mal die Stimme hob, klangen ihre Worte viel weicher als jedes andere gesprochene Wort zuvor.
      "Ich bin übrigens an noch einer Sache dran. Ich wusste nicht, dass damals von deiner Familie deine Schwester überlebt hatte und du sie quasi aufgezogen hast. Wie war sie denn? Es gibt nämlich Hinweise darauf, dass sie womöglich in deiner Abwesenheit Kinder bekommen hat und da draußen Nichten oder Neffen von dir existieren..."


      Irgendwo in England

      Er war sich nicht sicher, was ihn eigentlich dazu geritten hatte, solch eine Aktion Hals über Kopf zu beginnen. Man hatte die Gunst der Stunde genutzt, die Verwirrung zu seinem Vorteil genutzt und nun stand man eigentlich genau da, wo man sein wollte und es doch nicht sollte.
      Die Eindrücke der Umwelt hätten ihn überfordern sollen. Stattdessen ließ er sie wie einen Film an sich vorbei ziehen, um sein eigentliches Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. In dieser Kleinstadt kannte ihn niemand, vermutlich kannte ihn niemand in dieser ganzen großen Welt, wenn er es nicht wünschte. Es hätte ihn freuen sollen, inmitten der fremden Menschen zu stehen, die an ihm vorbeizogen und geschäftig ihren Tätigkeiten nachgingen. Doch alles was er fühlte war eine Kälte, egal in welches Gesicht er blickte.
      Sein Ziel lag in einer Nebenstraße, die nicht ganz so stark besucht war. Er wusste genau, nach welchem Namen er an den Schellen der Reihenhäuser suchen musste und doch zögerte er, als er vor der Tür stand und den gesuchten Namen entdeckte. Er war um Hilfe gebeten worden, warum zögerte er dann? Er hatte noch nie in seinem Leben gezögert, dieses Gefühl war ihm schlichtweg abhanden gekommen. Also drückte er bestimmt die Klingel und lauschte auf sein Herz, ob er eine Steigerung seines Pulses wahrnahm.
      Doch sein Herz schlug unbeeindruckt im gleichen, langsam Rhythmus weiter.
      "Ja bitte?", knarzte es aus der Sprechanlage. Eine Frauenstimme, jünger als die seine aber alt genug.
      "Theresa. Da wäre ich für den lange versprochenen Besuch", sprach er in die Anlage und wartete in aller Ruhe die entstehende Pause ab, die es brauchte bis die Tür summte und er in den Flur eintreten konnte.
      Er musste hoch in den ersten Stock und kam vor der Wohnungstür zum Stehen. Bevor er ein weiteres Mal an dieser Tür schellen konnte, wurde sie ihm bereits geöffnet. Vor ihm stand ein junger Mann, vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahre alt. Er hatte wuschelige dunkelblonde Haare, die scheinbar keinen Kamm kannten und wache, hellbraune Augen mit denen er den Mann vor der Tür misstrauisch musterte. Eine feine, weiße Narbe zog sich über sein linkes Auge von der Augenbraue an fast bis zu seinem Wangenknochen hinab.
      "Ma, bist du dir sicher?", rief er hinter sich, die Stimme troff vor Argwohn.
      "Ja, lass ihn rein und mach die Tür zu. Mach dich dann fertig."
      Es dauerte einen Moment, den der Besucher vor der Tür ruhig abwartete ehe der Junge ihm Platz machte und er eintreten durfte. Er hatte keine Augen für den Flur, die weiteren Zimmer oder die Dekorationen. Er steuerte direkt die Küche an, in der er Theresa vermutete. Diese saß, wie gedacht, an einem kleinen Küchentisch nur mit einer Tasse Tee vor sich. Als er in ihr Sichtfeld trat, hellte sich der Blick der Frau kurz auf, wurde dann jedoch schnell von Schwermut erfüllt.
      "Es hätte so schön sein können, wenn ich dich früher gekannt hätte", sagte sie mit einem schweren Lächeln und deutete auf den Stuhl ihr gegenüber.
      Er nahm die Einladung an und setzte sich auf den besagten Stuhl. Langsam und bedächtig legte er die Hände auf den Tisch und musterte die Frau ihm gegenüber. Sie war wahrlich jünger als er, Stress und Leid hatten ihr Gesicht gezeichnet und es in Falten gelegt, die seinen eigenen fast Konkurrenz machten. Ihr Haar war für ihr Alter viel zu schütter, die Haut an ihren Händen trocken und viel zu dünn. Aber als er in ihre Augen blickte fühlte er, dass sie und er zusammengehörten. Wie eine tote Pflanze in seinem Inneren, die plötzlich wieder austrieb.
      "Was hättest du denn dann getan? Du konntest mich nicht einfach besuchen, geschweige denn dass ich es wollte. Es hat viel zu lange gedauert bis ich überhaupt herausgefunden habe, dass du existierst. Dafür sollten wir uns glücklich schätzen, dass wir uns nun einmal in Fleisch und Blut gegenüber sitzen", sagte er und lächelte sie an. Ein totes Lächeln.
      Sie begann ihre Hände auf dem Tisch zu kneten, ein Zeichen der Unsicherheit. Sie hatte auf dieses Treffen bestanden, sie wollte, dass er es tat. Er hatte dem zugestimmt, den Weg auf sich genommen und würde nun weder halbe Sachen noch einen Rückzug machen. Es tat ihm nicht weh, was er gleich tun würde. Sein Gewissen existierte nicht mehr. Er war sich sicher, dass sich Theresa lange genaug Gedanken gemacht hatte ob ihre Wahl die richtige war. Diese Entscheidung würde er nun nicht mehr hinterfragen.
      "Darf ich?", fragte er und deutete auf ihre Hände, die sie zögerlich in seine legte.

      Wenig später kam der junge Mann mit einer gepackten breiten Sporttasche aus seinem Zimmer. Er wäre fast in den fremden Mann gelaufen, der an der Eingangstür stand und scheinbar auf ihn wartete. Er konnte nicht anders, als den Besucher zu beäugen und dann einen Blick zur Küche zu werfen. Ohne eine Frage ging er zur Küche hinüber und blieb im Türrahmen stehen, als er die Frau zusammengesunken auf dem Tisch entdeckte. Sie hatte die Arme vor sich gefaltet, den Kopf darauf abgelegt und wirkte, als würde sie schlafen.
      "....Mom?" Die Frage war fast nur ein Flüstern, zu viel Angst hatte er vor seiner Vorstellung, die sich bewahrheiten könnte. Dann aber sah er, dass sie atmete und scheinbar nur bewusstlos war.
      "Wir sollten los bevor sie aufwacht", erklang es aus dem Flur und der Junge haderte mit sich.
      "Sie haben ihr nichts Schlimmes angetan, oder?"
      "Schlimm liegt immer im Auge des Betrachters. Ich habe ihre Entscheidung respektiert und das solltest du als ihr Sohn ebenfallls tun. Sie will nur das Beste für dich und ich bin ihr einziger Ausweg. Glaub mir, ich hätte mir unser Kennenlernen auch anders vorgestellt."
      Der Junge biss sich auf die Unterlippe. Theresa hatte ihm erklärt, warum dieser Mann kommen und ihn holen würde. Aber wie jeder gute, nicht ganz auf den Kopf gefallene Junge ahnte er, dass sie ihm nicht die volle Wahrheit erzählt hatte. Und er wusste, dass der Mann im Flur es wusste. Schließlich wandte er sich ab und begleitete den Mann aus der Wohnung hinunter nach draußen.
      "Sie sind ohne Auto hier, richtig?"
      "Ja. Autos kann man nachverfolgen und ich musste mich ungesehen von London aus hierher begeben. Ich werde gesucht, also versuch bitte nach Möglichkeit kein Aufsehen zu erregen. Sonst bin ich genötigt Dinge zu tun, die du nicht sehen möchtest", erwiderte der Mann, der den Kragen seiner Jacke etwas hochschlug und die nächste Bushaltestelle ansteuerte. "Im Übrigen brauchst du mich nicht Siezen. Da wo wir hingehen braucht man diese Höflichkeit nicht."
      "Sie.... Du hast schon einen Plan? Wohin gehen wir?"
      "Wir statten jemanden einen Besuch ab. Ich muss jemanden finden und diese Person wird es wissen. Aber wir hatten uns noch gar nicht richtig vorgestellt, oder? Ich heiße Noland." Noland lächelte den Jungen im Gehen etwas schief an, dieses Mal reichte es sogar bis zu seinen Augen.
      Prompt fröstelte der Junge, zwängte sich allerdings ebenfalls ein schmallippiges Lächeln ins Gesicht. "Ich bin Jasper. Aber meine Mom wird dir ja schon einiges erzählt haben."
      Noland nickte nur und ging ruhigen Schrittes weiter. Es war das einzige Mal, dass er der Bitte eines Menschen nachkam und ihm somit einen Gefallen tat, der größere Kreise ziehen konnte als er es absehen konnte. Aber es gab jemanden auf diesem Kontinent, der ihm ein Hintertürchen gezeigt hatte. Ein kleines, dunkles Hintertürchen, das der alte Mann nun langsam begann, in seinen Farben zu streichen.

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