[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Der kleine Laden in einer Seitenstraße.
      Weshalb wunderte ihn selbst dieses Klischee nicht, als er auf das Schild des Ladens blickte und grinste. Ruairi verstand nicht wirklich etwas von Kaffee, da er ihn eigentlich nur selten trank. Er musste sich noch selbst im Klaren werden, dass dieser harmlose Ausflug eigentlich nur eine Ausrede war, um etwas mehr Zeit mit Sallow zu verbringen. Auch wenn dies alles andere als professionell war.
      Schweigsam parkte er den Wagen und warf seinen Ausweis in das Fenster, wie er es aus Schottland gewohnt war. Dort genossen die Mitglieder der Polizei diverse Sonderrechte, die er sich auch hier wie selbstverständlich nahm. Erst Sallows Blick ließ ihn daran zweifeln.
      Als sie ausstiegen und er mir mehr hinterherlief schnaubte er.
      "Hey, so ungeschickt bin ich nicht!", rief er und betrat hinter ihr den Laden.
      Gut gefüllt, dachte er sich und blickte isch erstaunt um. Auf den Schildern wurden die verschiedensten Sorten an Kaffeebohnen, Herkünfte und Zubereitungsarten angepriesen.
      Und er verstand nicht einmal die Hälfte davon.
      Der junge Mann schien Ember zu kennen, zumindest wenn man die freudige Begrüßung und ihre Reaktion richtig deutete. Grisnendc trat er neben sie und seufzte.
      "Sie kommen öfter hierher, nehme ich an? Zumindest der Herr dort scheint sie gut zu kennen", bemerkte er und starrte auf das Schild. Er wurde nicht schlauer, je länger er las.
      "Ich glaube...", begann er und sah zu ihr. "Ich glaube, ich nehme einfach einen normalgroßen Kaffee. Ich bin recht einfach, was solche Dinge angeht..."
      Recht einfach? Volltrottel!
      "Ich habe nicht mal den Hauch einer Ahnung, wovon Sie reden", lachte er und nahm sein Getränk in Empfang, ehe er ihren gleich mitbezahlte. Es war seine Einladung. Zumindest ein bisschen Ritterlichkeit wollte er sich zugestehen.
      Noch während er auf ihre Bestellung mit ihr wartete nippte er an dem Gebräu. Es schmeckte, aber er würde sich nie an diese Bitterkeit gewöhnen. Einfach nicht sein Fall.
      "Was glauben SIe, was es mit Tallburn auf sich hat? Ich meine, was ist das Problem an Drohbriefe? Ich erhalte pro Woche bestimmt 3."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Sicher komme ich öfter her", bestätigte Ember Ruairi und schielte um das Pärchen vor sich herum, um den jungen Barista, auf dessen Namensschild Miles stand, zu erspähen. "Ständig nur Automatenkaffe im PD hält doch keine Seele aus. Ich bin früher so oft des nachts rausgeklingelt worden, da war ein warmes Getränk nicht verkehrt. Wie der Zufall so wollte, war ich öfter hier als sonst irgendwo."
      Außer natürlich Tarahs Restaurant. Das musste er aber nicht wissen.
      Ember zeigte Miles zwei Finger, der direkt einen großen Pappbecher in der Hand hatte und zumindest wusste, was sie bestellen würde. Der sehr nüchterne Kaffee, den ihr Kollege für sich ordnerte, war schon beinahe zu ordinär. Recht einfach, was solche Dinge anging also? War nur noch die Frage offen, welche Dinge genau...
      "Es ist auch ziemlich ätzend mit einem Kaffeesnob zu diskutieren, wenn Sie mich fragen. Also sind Sie in Ihrer Unwissenheit schon fast gesegnet", gab sie auf seinen Kommentar wieder und kramte nach ihrer Tasche, da hatte er bereits für beide Getränke bezahlt. "Da~~~nke."
      Sichtlich zufrieden mit ihrem doppelten Latte mit dem Schuss Vanille und Haselnuss in der Hand machte sie sich mit Ruairi zurück zum Auto. Sie konnte es sich nicht nehmen lassen und musste den Mann dabei beobachten, ob er wirklich ohne Zwischenfall mit dem Becher ins Auto kam oder nicht. Dabei sprach er etwas an, das ihr schon länger im Kopf herum schwebte. Sie stellte den Becher zwischenzeitlich auf dem Dach des Autos ab als sie die Tür öffnete und hinein lugte, um Ruairi eine Antwort zu geben noch bevor sie einen Fuß in den Wagen setzte.
      "Genau da liegt der Knackpunkt. Eine Person der Öffentlichkeit erhält Drohbriefe. Völlig normal ab einem bestimmten Punkt und sollte uns nicht weiter tangieren. Da stellt sich mir doch direkt die Frage, warum Sie so erpicht darauf waren, extra selbst rauszufahren anstatt einen Ihrer Läufer zu schicken. Und darüber hinaus auch noch mich mitzunehmen. Oder eher.... nur mich."
      Einen Augenblick lang verharrte sie in ihrer Position und betrachtete den Mann hinterm Steuer mit einem sehr wachen, forschenden Blick. Vielleicht zwei, drei Herzschläge lang, dann brach sie den Blickkontakt und tauchte aus der gebückten Haltung auf, um den Becher vom Dach zu holen. Anschließend glitt sie auf den Beifahrersitz, als sei nichts gewesen und schnallte sich an.
      "Tallburn steht in harter Kritik seit sie die Unterstützung der Arkana während der Angelus-Attacke gut hieß und dafür plädiert, die Gruppe freier walten zu lassen. Im Allgemeinen hat sie Feinde in beiden Lagern weil sie stark für die Gleichberechtigung eintritt. Ich nehme also an, dass sie nicht nur 3 Drohbriefe hat sondern eine ganze Flut und wahrscheinlich auch welche mit konkreten Absichten."
      Ember nippte an ihrem Becher.
      "Und wieso sollten Sie denn soviele bekommen? Bisher scheinen Sie eher everybody's darling zu sein."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi trank den Kaffee schneller als gut für ihn war.
      Ob es an der Tatsache liegen mochte, dass sie erneut gemeinsam im Auto waren und es ihn fröhlicher stimmte, als er zugeben mochte, oder aber bedingt durch die Tatsache, dass ihm der Fall doch ein wenig zu denken gab,.
      Sicherlich hatten Embers Punkte Hand und Fuß. Ja, es war nichts ungewöhnliches, Drohbriefe zu erhalten, wenn man in der Öffentlichkeit stand. Er selbst konnte nicht mit derlei Erfahrungswerten aufwarten, aber zumindest nachempfinden, wie diese gute Frau zu leiden hatte. Auf der anderen Seite war auch hier etwas, das ihn beschäftigte.
      Wieso hatte er das eigentlich getan? Wieso hatte er nicht Piper rausgeschickt oder Kauley? Beide waren mehr als ausgebildet dafür.
      Schweigsam gab er Gas, nachdem er seinen Becher in der Halterung abstellte und konzentrierte sich auf den Weg.
      "Ich weiß nicht, weshalb ich so erpicht war, wenn ich ehrlich bin"; murmelte er während der Fahrt, die so ruhig verlief wie sein Morgen. "Ich weiß nur, dass ich ein mieses Gefühl hatte. Kauley und Piper stehen bereit, sofern es sich um einen einfachen Fall halten. Möchte SIe nicht unnötig von Ihren Fällen abhalten. Und ich dachte einfach, dass es eine gute Gelegenheit wäre, ein wenig Zeit miteinander verbringen."
      Es klang wie ein Date, obgleich es Dienst war. Und das Lächeln was er ihr zuwarf, war von ehrlicher Freude durchzogen wie ein Goldfaden in einem Eisenbarren.
      Schließlich nickte er und seufzte, während er den Wagen zur Versammlungsstätte der Partei von Tallburn lenkte. Laut den Akten besaß sie auch noch eine Privatwohnung, die man zwar kannte, aber die vermutlich nur selten angesteuert wurde. Medienwirksamer war es hier, wo die Dame schaltete und waltete.
      Während Ruairi den Wagen auf dem Parkplatz vor dem Gebäude parkte und sich langsam aus dem Wagen erhob, grinste er Ember an.
      "Naja, ich bin nicht überall beliebt, fürchte ich", lachte er. "Die meisten halten mich für einen Freak. Und ganz Unrecht haben sie nicht. Und zu Tallburn: Ich kann verstehen weshalb sie in die Kritik geraten ist. Es ist vielmehr die Tatsache, dass sie die Arkana schalten und walten lassen möchte, was mich in Zweifel kommen lässt. Es ist nie gut, zu viel Kraft an einem Ort zu bündeln..."
      Gemeinsam traten sie an das Gebäude heran und betraten es durch die Haupttür. Innen erwartete sie eine recht gut ausgestattete Lounge, die eher einem Privatgemach ähnelte als einem Parteigebäude.
      Als sie das Gebäude betraten, blickte sich Ruairi um und pfiff anerkennend.
      "BEeindruckend", murmelte er. "WIrklich beeindruckend. Entschuldigen Sie?"
      Mit einem kurzen Ausfallschritt wollte er nach einer jungen Dame langen, die gerade ihren Weg kreuzte und stolperte ungeschickt über eine Bodenwelle.
      "Ay verflucht", schimpfte er. "Detective Sallow und Commander MacAllister von der Metropolitan Police. Wir suchen Miss Tallburn. Wissen Sie, wo wir sie finden?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Selten war Ember so dankbar über einen Becher in ihren Händen gewesen wie jetzt gerade. Denn so musste sie nicht lange darüber nachdenken, was sie mit ihren Händen anstellte während Ruairi ihr ihre Überlegung kommentierte und schließlich einen Punkt anmerkte, den sie zwar vermutet, aber nicht so einfach von ihm gesprochen vermutet hätte. Wie hatte sie es geschafft, innerhalb dieser kurzen Zeit so einen Eindruck bei ihm zu hinterlassen? Allerdings beschrieb Ruairi lediglich einen Umstand, der nun eingetreten war und nicht die wirkliche Motivation dahiner.
      "Ihre Quote für ein bisschen Zeit ist verdammt gut. Der Einzige, der so viel Zeit mit mir im PD genießen durfte, war Knights Vorgänger. Und der war meistens alles andere als erfreut darüber."
      Und Noland, wenn man den mal außen vor ließ.
      Bei dem Gedanken an den Zeitvertreib fiel ihr wieder ein, dass morgen Abend ja noch ein Abendprogramm anstand. Dort würde sich der gute Leiter der Magischen vermutlich nicht so viel Zeit mit ihr ergaunern können. Sobald er das Gelände verlassen würde, wäre er Freiwild und würde hemmungslos von ihren Kollegen gejagdt werden. Dessen war sie sich zumindest absolut sicher.
      Ember war bereits früher beim Parteigebäude Tallburns, denn sie ecke mindestens genauso häufig mit ihren Mitmenschen an wie Ember mit ihren Kollegen. Es musste irgendeinen Laufburschen geben, der diese Frau hin und wieder zur Raison brachte, und glücklicherweise war sie es mittlerweile nicht mehr.
      "Wieso sollte man Sie für einen Freak halten?", fragte Ember offenkundig sehr interessiert ohne jeglichen Spaß in der Stimme. Sie erinnerte sich an die Aufzeichnungen, die sich in Erfahrung hatte bringen können. "Wollen Sie mir gerade weißmachen, dass diese freundliche Art alles nur Fassade ist und Sie eigentlich völlig verschroben sind?"
      Konnte sie sich so gar nicht vorstellen, aber es würde einen Grund geben, wenn er dies von sich selbst behauptete. Sie würde ihn noch irgendwie dazu kriegen, seine Magie eigenständig zu offenbaren und nicht erst auf ihr Bohren hin.
      Routiniert betrat Ember mit Ruairi im Schlepptau das Gebäude und wunderte sich jedes Mal aufs Neue, wie man das hier Parteimanagement nennen konnte. Es war vielmehr eine Lounge, oder wie man damals vielleicht einen Herrenclub beschrieben hätte. Dementsprechent rege war das Treiben, sodass man leicht den Überblick verlor und Ember erst durch Ruairis Stolpern wieder auf ihn aufmerksam wurde.
      Die junge Frau, die erschrocken einen Satz von ihm wegmachte, starrte ihn mit großen Augen an und presste ein leeres Tablett gegen ihre Brust. Ihr Blick klebte an dem Mann und schenkte Ember nur einen flüchtigen Seitenblick. Diese rollte nur mit den Augen. Das schien sich ja in einer Tour so weiterzuziehen...
      "Die Vorsitzende? Sie ist gerade in ihrem Arbeitszimmer und geht ihre Post durch... Das ist-", fing die Dame an zu erklären, da fiel Ember ihr einfach ins Wort.
      "Gerade durch, links den kleinen Flur runter und das erste Zimmer linksseitig."
      Perplex richtete sich nun doch die volle Aufmerksamkeit der Dame auf Ember, die ihr lediglich zunickte und sich dann schon an ihr vorbei durch den Raum schob. Mit einem Fingerzeig bedeutete sie Ruairi, ihr zu folgen.
      "Ich war so oft schon hier, das können Sie sich nicht vorstellen. Wo ich angefangen habe war Tallburn noch Wahlhelferin, aber ihre kontroversen Ansichten hatte sie damals schon zur Schau getragen. Sie ist wegen jedem Scheiß - und das meine ich auch so - zur Met gekommen und wollte Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Unglaublich nervig diese Frau. Mit fortschreitendem Alter hat sie nun leider auch das Wissen dazu bekommen."
      Ember seufzte, als sie den Flur abgebogen waren und vor der ersten Tür zum Halten kamen. Ohne zu zögern klopfte sie an die Tür und öffnete sie, als man eine leise Stimme aus dem Inneren vernehmen konnte.
      Der Raum hatte gerade genug Platz für eine Regalfront, einen Schreibtisch und drei Stühlen. Auf dem Schreibtisch stapelten sich die Briefe, dahinter saß eine Frau Ende Vierzig, mit einem kurzen braunen Bob und einer ausladenden Brille auf der Nase, die die erstaunlich scharfen grauen Augen kaschierten. Ihre Hände, die in Papier unterzugehen schienen, warfen bereits Falten und Schwielen auf, die für diesen Job eigentlich unüblich waren.
      "Ms Sallow? Ich dachte, Sie seien nicht mehr das Laufmädchen der großen Jungs?", erkundigte sich Tallburn und verdeutlichte, warum Ember automatisch mit ihr aneckte.
      "Bin ich auch nicht mehr, Mrs Tallburn. Aber wir müssen neue Kollegen einarbeiten und ein bisschen Politik hat doch noch niemanden geschadet, hm?"
      Tallburns Blick richtete sich auf Ruairi. Zum ersten Mal schien eine Frau ihm nicht direkt zu verfallen, mit Ausnahme von Ember. "Elisabeth Tallburn, freut mich. Um es kurz zu machen: Das hier ist die Post von einem Tag. Und es sind allesamt Drohbriefe oder dergleichen. Einige weisen Aurenspuren auf, also sind es nicht nur Menschen, die sie schrieben. Einige von ihnen sind sehr konkret verfasst worden, aber verschaffen Sie sich am besten selbst ein Bild."
      Sie deutete auf den Berg an Papieren auf ihrem Schreibtisch und seufzte.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi lächelte und betrachtete den Bau noch eine Weile verträumt, ehe er in der kurzen Phase der Verwirrung der jungen Frau kurz zu Ember sehen konnte.
      Es war schon erstaunlich, dass die Polizistin immer so wirkte, als müsste sie durch alle Gänge eilen. Als wäre es nicht möglich, einfach zu flanieren und die Zeiten zu genießen.
      So kam er auch gar nicht mehr dazu auf ihre Fragen zu antworten, sondern wurde vielmehr regelrecht in den Umlauf des Hauses gezogen. Während sie auf dem Weg zum Büro von Ms Tallburn waren, kam er endlich dazu, seine Antworten zu sammeln.
      "Nun, Sie haben die Erfahrung bestimmt selbst bereits gemacht"; begann er. "Sobald die Menschen und Zauberer um mich herum erfuhren, zu was ich fähig war, erschienen sie mir zunächst anders. DIstanzierter. Und was soll ich sagen? Man gilt schnell als Freak wenn sich Menschen vor etwas, das man kann, fürchten."
      Es war nicht mal gelogen. Kaum hatte Ruairi seinem ehemaligen Partner seine Fähigkeiten gezeigt, hatte sich dieser zunächst ein wenig zurück gezogen, nur um den Kontakt schließlich zur Gänze einzustellen. Eine Erfahrung, auf die er in Zukunft getrost verzichten konnte. Vor allem bei Menschen, die er mochte.
      Noch während er ihr folgte und sich immer noch umsah, die leuchtenden Iren wieder auf die Wände und Gänge geheftet, fragte er:
      "Nun, ruhiger ist sie offenbar nicht geworden. Welchen Eindruck haben Sie von ihr?"
      Als sie das Zimmer betraten wunderte sich Ruairi wie klein das Zimmer selbst war. Er hatte es sich irgendiwe pompöser vorgestellt, vielleicht mit einer Aussicht auf die Stadt. Aber derlei fand sich hier nicht. Es wirkte vielmehr wie ein altes Eckbüro.
      Während er Sallow und Tallburn beobachtete, wie sie ihren kleinen Schlagabtausch ausfochten, forschten seine Augen bereits durch den Raum. Erneut war die Tollpatschigkeit in dem Moment, wo er seine Aura sammelte und nutzte, wie verflogen. Als sei er ein anderer Mensch.
      "Ruairi MacAllister, es freut mich ebenso, Ms Tallburn", begann er lächelnd und sah die ältere Dame hinter ihrer Brille an. Ihre AUgen waren von anderer Machart, aber sie glichen doch dem eines Raubvogels.
      Wie gut, dass sich sein eigener Blick nicht veränderte.
      "Ms Tallburn: Bitte erzählen Sie uns noch kurz, was in letzter Zeit bei Ihnen an der Tagesordnung stand. Haben Sie größere Kundgebungen getätigt? Haben Sie erwähnenswerte Feinde? In letzter Zeit Merkwürdiges in Ihrem Alltag bemerkt?"
      Schweigsam glitt sein Blick über den Berg von Papier und er konnte ihre Annahme nur verifizieren, was er Ember durch ein Nicken verdeutlichte.
      "Was steht in diesen Briefen? Womit droht man Ihnen?"
      Schweigsam griff er nach einem magisch angehauchten Brief und öffnete diesen kurzerhand.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember war die einzige Person im Raum, für die der Schreibtisch einfach aussah wie ein Möbelstück mit viel zu viel Fanpost. Über die Jahre hatte sie gelernt, es sich nicht anmerken zu lassen, wenn sie wie eine Blinde inmitten von Sehenden stand und abwarten musste, was eben jene fanden.
      Sie verschränkte die Arme vor der Brust während sie Ruairi dabei zusah, wie er gezielt nach einem unauffälligen weißen Umschlag griff und ihn leichtfertig öffnete. Wäre die Detective mit einem Stümper unterwegs hätte sie ihm direkt die Ohren zusammengeschrien. Aber hier hatte sie es nicht mit einem Stümper, sondern einem S-Klasse Caster zu tun. Der schon wusste, was er tat.
      "Natürlich habe ich vorher schon vergleichbare Post erhalten. Aber seit der Kundgebung von vor etwa drei Tagen sieht es jeden Tag so aus. Wir haben dazu aufgerufen, die Arkana nicht wie Vieh zu jagen sondern sie eher in die Gesellschaft zu integrieren. Sie waren ja selbst anwesend", sagte Tallburn und warf einen Blick hinüber zu Ember, während Ruairi noch den Brief überflog, "ohne die Arkana wäre es schwierig geworden, die Massen an Angeli und einen Sharokh einzudämmen, nicht? Wobei ich mich immer noch darüber wundere, dass dies das erste Mal war, dass sie so gesammelt aufgetreten sind. Meinen Sie, es ist ein Zufall? Gerade nachdem Sie August Foremar aus Evenstar geholt haben?"
      Tallburns Blick fraß sich in Embers mindestens genauso stahlharte Miene, die keinen Zentimeter einzuknicken schien. Allerdings antwortete sie nicht direkt sondern ließ einen kleinen Moment Pause einkehren.
      "Sollten wir nicht alle einfach froh sein, dass die Schäden nicht noch schlimmer ausgefallen sind?", stellte Ember kälter als üblich die Gegenfrage, was Tallburn dazu animierte, leicht zu lächeln und ihre Aufmerksamkeit wieder dem Manne im Raum zu widmen.
      "Erwähnenswerte Feinde wären höchstens andere Mitglieder von Parteien, die mit unserer Kampagne nicht wirklich zufrieden sind. Die menschliche Fraktion hat die Kundgebung besonders schwer verkraftet und wirft uns nun vor, einen Bürgerkrieg anzetteln zu wollen. Das Übliche. Im Alltag sieht es dann eher so aus, dass man öfter den Eindruck bekommt, man wird verfolgt. Aber ich habe Security engagiert. Allerdings wäre es schön, wenn das da abgemildert werden könnte."
      Wieder nickte sie zu den Briefen hinüber. Ember war ebenfalls etwas näher herangetreten und hatte die Hand ausgestreckt. Wortlos reichte Tallburn ihr einen bereits geöffneten Brief, sodass sie ihn überfliegen konnte.
      ".... Morddrohungen, Ankündigung auf Hausfriedensbruch und Diebstahl, Überschreitung der Persönlichkeitsrechte... Ja gut, teilweise steht hier schon sehr genau, wie man Ihnen nachstellen will. Wobei ich aber ehrlich sagen muss, dass wir nur anhand solcher Drohbriefe vermutlich nicht viel machen können. Wir könnten höchstens jemanden schicken, der die konkreten Verdachte aussortiert und nachgeht...", sagte Ember nachdenklich und las den Absender, der irgendeine Privatperson aus London war.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairis Blick wirkte für die Zeit, die er den Brief überflog zu ernst um ihn wieder zu erkennen.
      Die ganze Aura um den Mann schien sich mit einem Mal zu verändern. Als enge er den Raum selbst ein indem er sich dazu anregte, die Mauern auszufüllen, konnte man spüren, dass er da war.
      Als würde er sich aufdrängen.
      "Die Kundgebung hat durchaus einiges an Zündstoff geboten"; bestätigte er Tallburns Worte und rief sich den Inhalt so gut es ging in den Kopf. "Und an einer Integration - so kann ich versichern - ist auch die Magische Division der Met mehr als interessiert. Jedoch müssten sich die Arkana dabei durchaus diversen Regeln der GEsellschaft unterwerfen."
      Anschließend legte er den Brief sorgsam in den Stapel zurück und sah Tallburn direkt an.
      War Ruairi größer geworden?
      "Es ist kein Zufall, denke ich", bemerkte er nebenbei während er sich im Raum umsah. "Wie Sie beide wissen, hat August Foremar durchaus bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er das Talent besitzt, Menschen zu beeinflussen und zu einen. Stehen Sie mit einem oder mehreren Arkana in Kontakt, Ms Tallburn?"
      Die Frage war freundlich gestellt und doch wirkte jedes Wort wie ein Nagel der in das Fleisch eines zu Folternden getrieben wurde. Es gab keine Ausreden in dieser Sache, so viel durfte klar gestellt sein. Sicherlich konnte er keine GEdanken lesen, aber diese Diskussion brachte sie nicht weiter.
      Auf ihre ANmerkung hin sah er zu dem Stapel Briefe und seufzte.
      "Ich stimme Miss Sallow zu. Es ist schwer, die Menschen davon abzuhalten, ihre Meinungen kundzutun. DIe Problematik die ich sehe sind eher die Gefühle die Sie haben. Weshalb Verfolgung? Wurden Sie bereits verfolgt? Gibt es vielleicht einen Brief, der Ihnen besonders ins AUge stach? "
      Anschließend wanderte er durch den Raum und verschränkte die Arme vor der Brust.
      "Andernfalls würde ich eine Division her schicken und die Briefe durchforsten lassen. NUr mit iIhren Infos ginge es wesentlich schneller. "

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Es war das Vibrieren ihre Fußkettchens, das Ember das aus ihrer Nachdenklichkeit riss. Sofort schoss ihr Blick hinüber zu Ruairi, der urplötzlich völlig anders wirkte. Selbst Ember brauchte einen Augenblick ehe die Überraschung sie verließ und dafür sorgte, mit angespannter Miene den Mann zu verfolgen.
      "Wir alle wissen, dass diese Gruppierung sich nie der Gesellschaft, wie wir sie kennen, unterwerfen wird", merkte Tallburn und schien dabei völlig verdrängt zu haben, dass außer Ruairi noch jemand von der Polizei anwesend war. "Zugegeben, ich habe mehrmals versucht, Kontakt zu mindestens einem Mitglied aufzubauen. Aber es erwies sich als schwierig, wenn man nicht bereits Rang oder Macht besitzt. Da es mir an beiden scheinbar mangelt, fiel der Erfolg dementsprechend mittelmäßig aus. Um genau zu sein habe ich gar keine Reaktion bekommen. Also nein, ich stehe leider nicht in Kontakt mit einem Arkana. Wenn Sie allerdings nach jenen suchen, haben Sie eine wundervolle Anlaufstelle an Ihrer Seite."
      Embers Blick löste sich kurz von Ruairi, um Tallburn kühl mit einem Seitenblick zu bedenken.
      Jetzt nicht.
      "Ich sprach die Verfolgung an, da meine Security bereits einen, ich nenne ihn nun einfach mal so, Stalker vor zwei Tagen abgewehrt hat. Irgendein Obdachloser, wenn man mir das richtig mitgeteilt hat. Dachte, er könnte sich mit fadenscheinigen Informationen zu den Arkana bei mir einkaufen. Hat nur leider nicht funktioniert, fürchte ich."
      Tallburn seufzte als sie sich ihre Brille von der Nase nahm, sie einklappte und auf den Tisch legte.
      "Nein, noch nichts wirklich prominentes. Es wäre schön, wenn Sie mir jemanden schicken könnten, der den Haufen hier einmal sichtet. Ich denke, Sie haben nicht ganz Unrecht wenn Sie sagen, meine Gefühlswelt ist das Problem. Ich kann nicht genau bestimmen, was hier wirklich gefährlich sein kann und was nicht. Vielleicht hat mich die schiere Masse auch einfach erschlagen..."
      Ein Stirnrunzeln tauchte auf Embers Gesicht auf. Seit wann knickte die Frau da so schnell ein? Hatte das Alter sie einfach nur mürbe gemacht oder war das schon Ruairis Verdienst? Sowohl der Fall mit der Selbsttötung als auch dieser hier waren weder aufschlussreich noch von einer Lösung gekrönt. Irgendwie... nichts aussagend.
      "Dann würde ich sagen, schicken wir jemanden. Falls Ihnen doch etwas Besonderes ins Auge stechen sollte, melden Sie sich. Wir kümmern uns dann um jemanden", sagte Ember, das Grübeln nicht aus ihrer Stimme wegzuhören.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Man mochte Ruairi MacAllister für einen friedlichen, fröhlichen Mann halten. Und die meiste Zeit war er dies auch. Es gab nicht viele Momente, in denen die Wut aus ihm durchbrach oder wo er sich ein wenig Abseits des Ganzen positionierte. Doch als Tallburn ihren Hinweis auf Sallows Zusammenhang mit den Arkana aufwarf, blickte er mit einem sachlichen, beinahe lauernden Blick zu Ember ehe er sich wieder Tallburn zuwandte. DIeses Mal wesentlich kälter wirkend.
      "Ich stimme meiner Kollegin zu", bekräftigte er und seufzte. "Wir werden zwei Kollegen schicken, die sich des Ganzen hier annehmen werden und versuchen werden, mit Ihnen Herr dieses Chaos zu werden. Ich bitte Sie dahingehend eindringlich um Mithilfe, damit die Angelegenheit schnell beiseite geschafft werden kann."
      Beinahe auf dem Absatz drehte sich Ruairi herum und hielt Ember auch an, mit ihm den Raum zu verlassen. Es war nicht einmal Wut, die ihn antrieb, sondern vielmehr die Ungewissheit, ob man ihm die ganze Wahrheit sagte.
      Gemeinsam schlenderten sie durch das Gebäude, ehe er draußen vor seinem Auto anhielt und sich sachte an die Seitentür lehnte.
      "Würden Sie Peacock Bescheid geben? Ich würde Kauley hinzubitten. So haben wir einen aus der Antimagischen udn einen aus der Magischen Abteilung. Das macht es ausgeglichen. Oder wie sehen Sie das?", fragte er mit einem leichten Lächeln.
      "Davon abgesehen...", murmelte er. Es war unausweichlich. "Was hatte es mit Tallburns Kommentar auf sich? Ich meine...Ich weiß, dass sie August Foremar aus dem Gefängnis geholt und mit ihm Zeit verbringen mussten. Ich kenne auch die Gerüchte, die im Haus umhergehen und die mich einen Scheiß interessieren, wenn ich das so sagen darf...Aber Ms Tallburn impliziert hier, dass Sie eine Kontaktmöglichkeit zu einem gesuchten Arkana hätten und ich würde zumindest gerne wissen, ob sie recht hat?"
      Etwas an diesem Fall ließ ihm erneut keine Ruhe. Weshalb tauchten diese nichtssagenden Fälle mit einem Mal auf? Ja, sie waren Alltag und ja, es erschien alles viel zu einfach. Aber genau das war der Knackpunkt, weshalb er Ember noch immer mit diesen glühenden Augen ansah.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Wie erwartet kam postwendend ein Blick von Ruairi, kaum hatte Tallburn den Kommentar zu Embers Beziehung zu den Arkana ausgesprochen. Bereits jetzt wusste sie, dass ihr neuer Kollege diesen Hinweis sicherlich nicht einfach so im Sande verlaufen lassen würde.
      Allerdings reagierten beide Frauen ausnahmsweise einmal identisch, als sich Ruairi nach dem letzten Satz schon fast explosionsartig umdrehte und das Zimmer verließ. Umgehend folgte Ember ihm nachdem sie Tallburn kurz zugenickt hatte und schloss zu ihm auf. Sie schwieg an seiner Seite, passte sich seinem schlendernden Gang an und ließ ihn ein wenig die Räumlichkeiten betrachten.
      Draußen vor seinem Wagen war es schließlich soweit.
      "Sicher, ich schicke ihn los. Post durchwühlen tut ihm auch mal ganz gut", sagte Ember und hatte schon den Weg zum den Wagen herum eingeschlagen, als die wesentlich pikantere Frage kam.
      Sie verlangsamte ihren Schritt bis sie schließlich anhielt und Ruairi nachdenklich betrachtete. Wie viel konnte, sollte sie ihm erzählen? Die Gefahr war groß, dass er mit dem Wissen etwas einleiten würde, das ihr aus den Fingern gleiten würde.
      "Es ist doch nur schlüssig, wenn man zu diesem Schluss kommt, nicht? Ich musste versichern, dass ich zu jedem Zeitpunkt bestimmen konnte, wo sich Foremar aufhielt. Im Endeffekt habe ich noch immer seine Handynummer und theoretisch eine Kontaktmöglichkeit, ja. Sofern er darauf reagieren würde, was ich aktuell schwer bezweifel. "
      So wie Ruairi sie gerade anglühte war sich Ember nicht sicher, ob eine direkte Lüge Konsequenzen für sie hatte. Folglich erzählte sie ein Quäntchen ungefährlicher Wahrheit und verschwieg den Rest.
      "Man hat mich nur nie danach gefragt. Ich stand sogar im Kontakt mit allen drei gesuchten Arkana. Zu einem habe ich theoretisch eine Kontaktmöglichkeit, an den zweiten kommen wir nicht dran und beim dritten habe ich jemanden im Verdacht, der ihn näher kennt. Aber ich werde denjenigen sicher nicht in Bedrängnis bringen", fügte sie mit einem Schulterzucken hinzu.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi verhielt sich still und ruhig, so lange wie Ember sprach und bedeutete ihr anschließend, ins Auto zu steigen.
      Sicherlich, es war alles schlüssig und nachvollziehbar. Und gerade das machte ihn misstrauisch. Sallow wirkte nicht wirklich davon betroffen, dass sie Kontakt zu den drei meistgesuchten Arkana des Landes hatte. Im Gegenteil hielt sie den Kontakt auch für sich, obgleich eine Meldepflicht bestand.
      Als sich der Wagen in Richtung PD in Bewegung setzte, seufzte Ruairi.
      "Es ist schlüssig", wiederholte er ohne eine Wertung seiner Stimme vorzunehmen. "Und dennoch haben Sie eine Meldepflicht Ember. Wenn Sie Kontaktmöglichkeiten besitzen, die zur Ergreifung oder Aufspürung der Gesuchten führen könnten, haben Sie diese vorzulegen. Was Sie nicht getan haben."
      Er sah sie kurz von der Seite an und es fand sich das erste Mal etwas wie Besorgnis in seinem Blick.
      "Ich weiß, es ist ein wenig Klugscheißerei, aber Sie behindern gerade als Polizistin polizeiliche Ermittlungen. Wenn Knight das herausfinden, schmeißt er Sie achtkantig aus dem PD..."
      Und das will ich nicht..., dachte Ruairi sich und fuhr ein wenig schneller. Der Verkehr begann sich bereits zu verdichten und die Welt sich erneut in den Alltag zu drehen. Es war erst knapper Mittag, aber zumindest ein wenig Zeit mussten sie noch totschlagen, ehe das kühlende Bier wartete.
      "Ich möchte Sie bitten, mir nachher alle Hinweise, die Sie haben zukommen zu lassen. Handynummern, Kontaktpersonen und so weiter. Sie dürfen Sie nicht für sich behalten, Ember. Wenn das herauskommt, sind wir beide unseren Job los."
      Weil ich immer zu viel frage, dachte er ärgerlich und fuhr auf den Parkplatz des PD, nachdem er dem Schrankenmann zuwinkte.
      "Bitte überlegen Sie es sich..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Folgsam stieg Ember in den Wagen ein, schnallte sich an und schwieg bis sie auf der Hauptverkehrsstraße waren, die um Mittag rum schon wieder recht gut gefüllt war. Als hätte der Angriff nie wirklich stattgefunden.
      Ihr entging nicht Ruairis Blick, den er ihr kurz von der Seite her zuwarf und wäre am liebsten direkt darauf angesprungen, doch sie riss sich am Riemen. Sie seufzte leise, als sie ihren Kopf an der Kopfstütze anlehnte und die Augen schloss.
      "Ich weiß...", flüsterte sie leise und wünschte sich, einfach einmal nur den Kopf ausschalten zu können und nicht ständig darüber nachdenken zu müssen, was sie für sich behielt.
      "Aber ich kann Ihnen nicht allzu viel geben. Foremars Handynummer, ja. Das war es dann schon. Er hält sich nicht mehr da auf, wo ich ihn zuletzt gesehen habe und wo die anderen sind - keine Ahnung. Ich hatte bis zu dem Tag des Angriffs Kontakt zu Beauregard, White und Foremar, doch seitdem herrscht quasi Funkstille."
      Noch während der Fahrt zückte Ember ihr Handy und schrieb jemanden eine kurze Nachricht. Als sie sie abgeschickt hatte, fielen ihre Hände kraftlos in ihren Schoß während ihr etwas auffiel. Eigentlich hatte sie gedacht, sich von August und dem ganzen Arkana-Brimborium losgesagt zu haben. Dass man ihnen nicht vertrauen konnte und sie sie sowieso nur als Spielball benutzt hatten. Wieso hatte sie dann nicht alles daran gesetzt, dass die Polizei ihn zu fassen bekam? Ruairis Hinweise ergaben plötzlich so hart Sinn für die Detective, das es regelrecht schmerzte.
      Schließlich fuhren sie wieder auf den Parkplatz des PDs und kaum stand der Wagen still, war Ember schon herausgesprungen. Sie konnte nicht länger sitzen, die Erkenntnis von vorhin gab ihr dafür keine Ruhe.
      "Wie gesagt, Sie kennen mich gut vierundzwanzig Stunden. Wenn Sie denken, dass dieses bisschen Sie bereits Ihren Job kosten könnte, dann sollten Sie sich noch einmal überlegen, ob Sie mich wirklich näher kennenlernen möchten. Ich scheine nämlich in einer Wolke der Probleme zu leben", sagte sie zu Ruairi, nachdem er aus seinem Auto gestiegen war und die Verriegelung betätigt hatte.
      Früher hätte sie bei diesen Worten vermutlich aggressiv geklungen. Nun jedoch wurden sie begleitet von einer Bitterkeit, die sie selbst so gar nicht von sich kannte. Langsam setzte sie sich in Bewegung und beschritt mit ihrem Kollegen zusammen die Treppen zum Haupteingang.
      "Wenn Sie möchten schreib ich's Ihnen auf. Zumindest das, was ich kann."

      Spoiler anzeigen
      Embers SMS ging an die Nummer von August:
      Falls diese Nummer noch aktiv sein sollte: Werd sie los, ich muss sie melden.
      Ich hab deine Nachricht berücksichtigt.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Warum glich es einem Sturm, wenn man mit Ember Sallow zusammen Zeit verbrachte?
      Als sie aus dem Auto stiegen spürte er eine merkliche Abkühlung der Situation. Er hatte nichts mehr zu ihren Anmerkungen gesagt. Zum einen aus dem Grund, dass er nicht mehr wissen wollte, was sie belasten würde und zum anderen weil es dazu nicht viel zu sagen gab. Sicherlich bekam er mit, dass sie eine SMS schrieb, aber hielt es nicht weiter im Kopf.
      Als er sein Auto verschloss und noch immer nicht wieder schusselig war, bemerkte er, dass er die ganze Zeit seinen Verteidigungsmodus beibehalten hatte. Weshalb nur? Schweigsam wanderte er neben Sallow die Treppen zum Haupteingang hinauf und nickte.
      "Schreiben Sie sie mir bitte auf. Ich werde sehen, inwieweit die Nummer noch in Betrieb ist", sagte er und kam nicht umhin zu bemerken, dass Ember unruhiger war.
      Er wollte es auf die Situation und den bereits recht stressigen Tag schieben, auch wenn ihm sein Instinkt etwas anderes sagte. Als sie das nähere Kennenlernen ansprach, wurde er leicht rot und vergaß einen Moment lang seine Verteidigungsmechanismen, ehe er prompt eine Statue umrannte, die eine Vase trug. Merkwürdige Kunst, dachte er und fing die Vase gerade noch rechtzeitig auf, während er aufschrie.
      "Verdammte Sch...Also...", murmelte er und räusperte sich. "Also ich wollte damit nicht sagen...ich meine, also...Natürlich würde ich Sie gern...Aber ich wollte mich nicht, ich..."
      Ein weiteres Kopfschütteln und das Abstellen der Vase beruhigte ihn.
      Bis diese von der Ecke rollte und auf dem Boden leise und lautstark zerschellte. Ey verflucht, dachte er und sah mit einem entschuldigenden Blick in die Runde der Mitarbeiter, die die beiden Leitungskräfte erstaunt ansahen und kratzte sich am Kopf.
      "Entschuldigung!"; rief er in den Saal und seufzte. "Ich glaube, so schlimm kann es nicht sein. Ich bin sicher, dass - "
      "MACALLISTER!"
      "Ja, das ist wohl mein Stichwort", grinste er und sah zu Knight, der an dem Übergang stand und wütend hinab blickte. "Wir sehen uns! Ember..."
      Eilig huschte Ruairi durch die EIngangshalle und eilte die Treppen hinauf.
      Was für ein Tag.



      Spoiler anzeigen
      SMS von August:

      Sag MacAllister, dass er seine Nase aus meinen Sachen halten soll. A.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die gute, losgelöste Stimmung ihrerseits war verflogen und hieß Ember wieder in dem Trott willkommen, den sie seit ein paar Tagen bereits schob. Sie waren gerade in der Eingangshalle angekommen, da rummste es und ließ Ember erschrocken herumfahren. Ungläubig blinzelte sie Ruairi an, wie er gerade noch eine Vase auffing von einer Statue, die er scheinbar angerempelt haben musste. Dabei erhaschte sie noch einen Blick auf sein erhitztes Gesicht, seine gestammelten Worte taten den Rest. Zumindest bis die Vase doch wieder vom Sockel rollte und krachend auf dem Boden zerschellte.
      Gerade wollte sie noch etwas erwidern, da brüllte jemand seinen Namen. Dem Ruf folgend erspähte Ember Knight, der mit seinem Blick jemanden wohl zu töten versuchte. Sie war sich nicht gänzlich sicher, wem der Blick galt, und schwieg lieber. Als sich dann Ruairi von Dannen machte und sein Chaos zurückließ, wanderte ihre Aufmerksamkeit zu den Scherben am Boden.
      Vielleicht ein Sinnbild für sie selbst?
      Dieses Mal seufzte Ember nicht als sie in die Hocke neben den Scherben ging und anfing, sie zu einem Haufen zu sammeln. Lange war sie nicht allein, als ein Hausmeister zu ihr aufschloss und ihr das Scherben aufsammeln abnahm, damit sie wieder wichtigeren Dingen nachgehen konnte.

      Diese wichtigeren Dinge bestanden darin, in ihrem Büro mit Peacock zu telefonieren.
      "Und deshalb sollen Sie zusammen mit Kauley die Briefe sichten."
      Es knisterte am anderen Ende des Telefons. "Das ist doch eigentlich Aufgabe für die Anfänger, oder nicht?..."
      Ember lächelte müde. "Wenn Sie mir jemanden anstelle Ihrer vorschlagen können, der weiß, wann konkrete Gefährdung besteht und wann nicht...
      "Kein Problem. Schicken Sie Dooley."
      "Dooley?"
      "Ja? Ben Dooley? Der aus Manchester versetzt wurde?"
      "Oh." Ember wurde auf einmal bewusst, wie viele Kollegen wirklich in dem Angriff gestorben waren und sie so chronisch unterbesetzt waren, dass sie nicht einmal die Namen der Neuen kannte. "Wenn Sie meinen, dass er das hinkriegt, würde ich mal kurz telefonieren."
      "Sicher, er brennt drauf. Haben Sie was zum Schreiben?"
      Ember notierte sich die Nummer, bedankte sich und funkte den neuen Kollegen an, der sich sogleich auf den Weg machte, Kauley zu finden, um gemeinsam loszufahren. Irgendwie ging das nun leichter von der Hand als vorher gedacht.
      Dann vibrierte es in ihrer Hosentasche und sie zog ihr Handy heraus. Als sie den Namen des Verfassers der Nachricht auf dem Display las, gefror sie augenblicklich zu Eis. Es dauerte volle fünf Herzschläge ehe sich ihre verkrampfte Hand lockerte und sie das Gerät entsprerren konnte, um einen einzigen Satz zu lesen. Ein einziger Satz, der das altbekannte Uhrwerk der Fragen direkt wieder zum laufen brachte.
      Lautstark fiel das Handy auf den Schreibtisch als ihre kalten Finger es aus dem Griff verlor und sie wortlos den hellen Bildschirm anstarrte. Die einzelnen Buchstaben brannten sich förmlich in ihre Retina während sie nicht wusste, wie sie nun reagieren sollte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er die Nummer tatsächlich noch behalten hatte. Sie war davon ausgegangen, dass er alle Verbindungen, die potenziell gefährlich sein konnten, gekappt hatte.
      Es vergingen Minuten bis sie einen einzigen Satz schrieb und ihn absendete. Dann schob sie das Handy ganz weit weg von sich und legte eine Hand vor ihren Mund während ihr gehetzter Blick nun in dem schwarzen Nichts ihres ausgeschalteten Bildschirms versank.

      Es tut mir leid.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Es dauerte eine Weile, bis er die vielen Treppen hinter sich gelassen hatte und nach einigen weiteren Stolperern und Zusammentreffen mit Kollegen wieder auf der Ebene des Chefbüros war.
      Knights Stimmung war nicht gut, das konnte man bereits an der Luft im Flur bemerken. Unwillkürlich schlugen seine magischen Sinne Alarm und seufzend trat er ohne zu Klopfen in den Glaskasten ein. Solomon Knight saß hinter seinem Schreibtisch und lehnte isch gerade in den Stuhl zurück, ehe er Ruairi beinahe genüsslich ansah.
      "Schönen Morgen gehabt?", fragte er halb lächelnd.
      "War ein recht schöner Tag bisher, ja", bestätigte er und setzte sich gegenüber des Commissioners erneut ungefragt in einen Stuhl. Dieser nahm dies mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis und fuhr sich durch den Bart.
      "Ich...", begann der Commissioner und bot eine Tasse Tee an, die Ruairi ablehnte. "ICh kam nicht umhin zu bemerken, dass Sie recht viel Zeit mit Ember Sallow verbringen."
      "Sie sagten, man solle sich um sie kümmern. SIe einarbeiten. Und ich habe nichts anderes getan", grinste MacAllister fröhlich und warf zielsicher einen Notizzettel in den Papierkorb. "Gibt es ein Problem mit meinem Kontakt zu Ember Sallow?"
      "Nein, nein, ganz und gar nicht. Im Gegenteil! Ich möchte gern, dass Sie diesen noch ein wenig ausweiten..."
      "Ausweiten?"
      Ruairi zog eine Augenbraue hoch.
      "Ja genau", bestätigte Knight und lächelte während er am Tee nippte. "Earl Grey. Liebe dieses Gebräu. Meine Frau hat ihn immer für mich gemacht. Wie dem auch sei: Sie kennen die Gerüchte um derzeit noch Detective Sallow nehme ich an?"
      "Gerüchte? Sie meinen die wilden Behauptungen, dass sie mit wer-weiß-wie-vielen Arkana etwas hatte?"
      "Ganz genau. Nun, ich habe Grund zur Annahme, dass zumindest ein Funke der Wahrheit an diesen Gerüchten sein muss und würde gerne wissen ob ich richtig liege. Dafür jedoch muss ich wissen, inwieweit sich Ms Sallows Kontakt zu Foremar oder den anderen gehalten hat oder hält..."
      Für einen Moment lang wirkte der Raum gespenstig ruhig, als sich die beiden Polizisten regelrecht traktierten.
      "Sie wollen, dass ich Sallow ausspioniere", stellte Ruairi fest und sah das erste Mal ärgerlich aus.
      "So würde ich es nicht..."
      "Ich aber! Ich verrate keinen Kollegen. Das sollten Sie wissen, Knight. Ich habe niemals einen Kollegen oder eine Kollegin im Stich gelassen und werde das auch nicht tun. Und mir ist schnurz, wie viele Gerüchte es über Sallow gibt oder nicht!"
      Knight beugte isch sachte vor, nachdem er die Tasse abgesetzt hatte und fixierte MacAllister mit grausigem Blick.
      "Commander"; begann er zischend. "Ich muss SIe daran erinnern, mit wem Sie reden! Und gleichsam an Ihre Aufgabe! Ihre Aufgabe ist es, Arkana zu suchen und festzusetzen, damit die Bedrohung von dieser Welt verschwindet! Weshalb sonst habe ich den Innenminister angehalten, den einzigen S-Klasse-Caster Britanniens aufzulesen und über den lächerlichen Spitznamen hinwegzusehen!"
      "Was ich tue. Aber nicht durch Verrat und Intrige", sagte MacAllister. "Und meinen Spitznamen habe ich mir nicht ausgesucht. Es waren Menshcen wie Sie, die ihn mir gaben, bevor mich die Polizei zwangsrekrutiert hat. Glauben Sie mir, ich hätte auch gerne andere Artikel von mir gesehen. "
      "Also bitte", spottete Knight. "Nun, sei es drum...Tun Sie einfach Ihre Arbeit und finden Sie heraus, um Sallow noch Kontakt zu Arkanas hat.!"
      Sachte erhob sich MacAllister und kämpfte die Wut in sich nieder. Nicht heute. Nicht heute.
      "Und noch was!"; rief Knight sodass Ruairi anhielt, während er die Tür öffnete. "Für einen Tyrannen sind Sie wirklich zu nett."
      "Fahren Sie zur Hölle."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • In den restlichen Stunden des Nachmittags versank Ember völlig ungestört in ihrem Büro. Sie wartete auf Feedback ihrer Einheit, die sie zu Tallburn geschickt hatte und sichtete ein weiteres Mal die Unterlagen zum Fall der Selbsttötung. Morgen müsste sie Knight einen ersten Bericht dazu vorlegen und alles was sie hatte war ein vielleicht doch nicht so unplausibler Fall von Selbstmord und ein vermutlich verschwundenes Artefakt. Allerdings war dies ein Problem für die Zukunftsember.
      Bei der Sache mit Tallburn würde es darauf ankommen, war das Ergebnis war oder wie es in den nächsten Tagen weiterging. Jetzt konnten sie nur abwarten bis wirklich jemand ausfällig wurde.
      Erstaunlicherweise wurde sie auch nicht mehr von ihrem Raumnachbarn gestört. Was sie ehrlich gesagt ein wenig verwunderte nach der Art, wie sie sich vorhin getrennt hatten. Noch immer hatte sie lebhaft vor Augen, wie sein Gesicht an Farbe bekommen hatte bei einer völlig harmlos formulierten Aussage. Normalerweise umgab sich Ember nur mit Männern, denen man ihre Emotionen nur spärlich ansah. Nun einen so aussdrucksstarken Vertreter vorgesetzt zu bekommen war etwas, mit dem sie noch umzugehen lernen musste.
      Hier und da huschten Embers Augen zu ihrem Handy herüber, das noch immer am Rande des Tisches lag, seit ihrer Nachricht allerdings kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hatte. Es hatte sie viel gekostet, nicht weiter nachzufragen und den Zahnrädern in ihrem Kopf nachzugeben. Dazu gesellte sich der Punkt, dass sie diese Nummer auch noch immer nicht niedergeschrieben hatte, und es vielleicht auch nicht konnte, ohne dass man sie wirklich dazu nötigte.
      Kurz vor Feierabend klingelte dann ihr Festnetzttelefon. Ember musste sich ein wenig strecken, um den Hörer abzunehmen und meldete sich ganz förmlich, wie es sich gehörte.
      "Ember Sallow."
      "Ben Dooley hier, hallo. Wir sind soweit durch mit dem Sichten der Briefe. Wie vermutet sind es größtenteils haltlose Drohungen ohne konkreten Verdacht. Wir haben etwas sieben Schreiben aussortiert, bei denen wir uns nicht ganz sicher sind. Darunter vier Menschen und drei Magische. Wir würden die fraglichen Personen dazu morgen abklären und dann abwägen."
      "Legen Sie mir morgen bitte die Liste mit den Namen vor. Ich würde auch noch mal schauen, was ich dazu finden kann. Geben Sie Mrs. Tallburn auch Ihre Kontaktdaten zwecks kürzeren Verbindungsweg", wies sie ihren Mitarbeiter an und legte auf.
      Wieder ging ihr Blick zum Handy, auf dessen Display lediglich die Uhrzeit mit 18:24 anzeigte. Zeit, die Tasche zu packen und mit dem ÖPNV nach Hause zu fahren.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein Tag zum Vergessen, wie Ruairi befand und kotzte innerlich ob der Aussicht, wieder in seine halbleere Wohnung zu fahren und dort nur auf den Fernseher zu starren. Er könnte seinen Bruder besuchen, aber gleichsam musste er morgen wieder hier sein. Immerhin war abends die Kennenlernrunde und bis dahin sollte er ausgeschlafen sein.
      Nachdem er den ganzen Nachmittag lang auf Sallows Infos gewartet hatte, seufzte er schwer und schnappte sich seine Tasche mitsamt der Jacke. Er würde sie morgen nochmal ansprechen und vielleicht brauchte die Polizistin auch etwas Zeit. Wenn es nur Zeit wäre, dachte er bedeutungsschwanger und verließ das Büro. In Sallows Büro brannte noch Licht und obgleich es ihn dorthin zog, entschloss er sich, vorüber zu gehen und sein Handy hervor zu ziehen.
      DIe Nummer seines Bruders stand an erster Stelle.
      Während er sachte eine SMS tippte, wanderte err die Treppe hinab zu seinem Auto. Welch ein Tag...

      Vor dem PD - 17:23 Uhr

      Während diverse Männer und Frauen vor der Tür das Hauptgebäude der Polizei verließen, blickte eine kleine Gestalt um die Ecke und versuchte, unauffällig auszusehen. Die Zeitung hatte sie dieses Mal zu Hause gelassen und die junge Frau wirkte irgendwie konzentriert, wärhend sie auf die weißen Fassaden des Gebäudes blickte.
      Da kam dieser Mann schon wieder...
      Sie beobachtete MacAllister, wie dieser zu seinem Auto ging. Irgendetwas hatte dieser Mann an sich, was sie anhielt, fortzulaufen. Als würde ein Raubtier ihre Existenz bedrohen. Schweigsam platzierte sie sich auf einer Bank gegenüber der Straße und beobachtete den Eingang. Diese Frau..Sie musste doch auch irgendwann dort hinaus kommen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der restliche Abend verlief für Ember völlig ereignislos. Als hätte sich nie etwas ereignet, nichts ihren geplanten Lebensweg durchkreuzt, fuhr sie als eine unter vielen mit der Bahn nach Hause, um dort den Abend ausklingen zu lassen. Es war Fluch und Segen zugleich, dass sie ihren Laptop im PD gelassen hatte. So war ihre einzige Beschäftugung das Blättern in ihrem Notizbuch ehe sie sich irgendwann zu Bette begab.


      Freitag - Police Department

      Zu Embers großer Überraschung wurde ihr mitgeteilt, dass der Commissioner unterwegs war und man sich nicht sicher war, wann er wieder zurückkehren mochte. Entgegen ihrer üblichen Handlung fragte sie nicht nach dem Grund sondern ließ den Umstand einfach so stehen. Ein wenig lockerer ging sie mit der Akte unter dem Arm geklemmt zurück in ihr Büro.
      Dort vertiefte sie sich in weiterführender Recherche. Wie gewünscht lag bereits zu ihrem Eintreffen die Liste mit den Namen auf ihrem Schreibtisch weshalb sie damit als erstes startete. Doch keiner der fünf Personen schien in irgendeiner Form auffällig oder in absehbarer Zeit gewalttätig zu werden. Es waren zwei registrierte Caster, die sich bei Tallburn darüber mukiert hatten, dass sie wilde Zauberer integrieren wollte. Die drei menschlichen Vertreter waren sogar noch unauffälliger, wenn auch etwas direkter mit ihrer Wortwahl gewesen.
      Schließlich kehrte sie noch einmal zu Highard zurück. Auf ihrem Instagramprofil war nur der übliche Beitrag neu zu lesen, aber ein wenig ausschweifendere Recherche in den Untiefen des Netzes förderte ganz andere Dinge zu Tage. Die Frau hatte in ihrer Rage nach ihrer Trennung doch über ihren Ex abgelästert und darüber hinaus seinen vollen Namen und Anschrift ins Internet gestellt. Der Beitrag war gelöscht worden, aber vermutlich war der Schaden schon geschehen. Anstelle sich über Joshs Tod getrübt zu geben, prahlte sie sogar noch damit wie die Polizei sie verhörte und nannte darüber hinaus Embers Namen. Es würde nichts bringen, den Beitrag zu melden einzig und allein weil ihr Name gefallen war. Zumal sie auch so medienwirksam bekannt war. Trotzdem las es sich nicht wirklich gut, wie sie sich über etwas zu freuen schien, das eigentlich ein trauriger Anlass war.
      Als es auf den Feierabend zuging, war Knight immer noch nicht zurück. Dies widerum ließ Ember recht früh ihre Sachen packen, da sie noch einmal zurück musste, um sich wenigstens halbwegs ausgehfertig zu machen. So Gott es denn wollte.
      Als sie mit gepackter Tasche aus ihrem Büro kam, warf sie einen Blick hinüber zum Nachbarbüro. Die Tür war geschlossen, aber Licht war noch dahinter zu sehen. Ember blinzelte ein paar Mal, dann ließ sie es so stehen und machte sich auf den Weg nach Hause. Mal sehen, ob der Herr wirklich dazu kam, mit ihr ein Bier zu trinken.

      The Ten Bells - 19:30 Uhr

      Wer auch immer ihre Abteilung angekündigt hatte, hatte die Upstairs Bar gebucht. Ember hatte eine kleine Handtasche dabei mit den wichtigsten Kleinigkeiten einer Frau und sich selbst in ihren typischen Anorak gehüllt. Darunter hatte sie eine graue Röhrenjeans, eine hellblaue Bluse und einen zu ihren Schuhen farblich passenden Blazer. Ihre silbergrauen Haare trug sie offen in einem leichten Seitenscheitel, die Augen dank Concealer befreit von Augenringen und etwas dunkler akzentuiert.
      Wie gewohnt war Ember zeitig da und betrat die Bar, in der sie ausnahmsweise noch nicht gewesen war. Das Personal führte sie ein Stockwerk nach oben als sie ihre Abteilung nannte und das Gemurmel wurde stetig lauter. Leise Musik untermalte die Stimmung als Ember den separierten Raum betrat und schon auf einen Haufen Leute traf. Einige nickten ihr zu, andere ignorierten sie vollständig. Und irgendwo in der Menge konnte Ember eine Hand ausfindig machen, die sie zu sich heran winkte.
      Peacock saß zusammen mit Piper und zwei weiteren Leuten, die sie nicht kannte, zusammen und tranken Guinnes. Sie tat ihr bestmöglichstes nicht suchend nach Ruairi umher zu sehen und ließ sich auf einen Stuhl sinken nachdem sie ihren Anorak ausgezogen hatte.
      "N'abend. So, Sie beiden kenne ich noch nicht, ich bin Ember Sallow", grüßte Ember in die Runde wobei Peacock das Gesicht verzog und der unbekannte Mann plötzlich breit zu Grinsen begann.
      "Wie kann eine Frau denn so viele Drohbriefe bekommen", grinste Ben Dooley seine Vorgesetzte an, die daraufhin die Augenbrauen hob und ihn ebenfalls kurz anlächelte.
      Der Mann war normal gebaut, ein bisschen größer als sie und hatte einen durchaus fragwürdigen Kleidungsstil. Das Gesicht, das sich hinter einem halbwegs gepflegten Bart versteckte, wirkte jedoch absolut sympathisch.
      Embers Blick glitt zu der anderen Person herüber. "Dann sind Sie Kauley nehme ich an?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Wann auch immer der eine Tag endete und der andere begann, Ruairi wusste es nicht.
      Donnerstags war er noch sorgsam nach Hause gegangen und hatte sich zur Ruhe begeben, nur um Freitags gerädert aufzustehen und seinen Dienst pflichtgemäß anzutreten.
      Und die Welt ließ ihn zumindest nur ungern zur Ruhe kommen. Nach dem ersten schlechten Kaffee des Tages stürzte er sich in die neuesten Arkana-Sichtungen des Tages und ließ sich von Kauley über diverse Fälle briefen, die er ihm ausnahmslos zurückgab. Es war nicht mehr seine rudimentäre Aufgabe, Straßendienst zu verrichten. So sehr es ihn schmerzte. Schweigsam arbeitete er ein paar E-Mails ab und stellte dabei mehr und mehr fest, dass seine liebe Kollegin ihm noch immer nicht die Daten zukommen gelassen hatte.
      Verflucht, dachte er und seufzte.
      Nun musste er es melden und Ruairi hatte keine Lust, Knight noch mehr Zündstoff zu geben. Widerwillig und schlurfend setzte sich der hünenhafte Mann in Bewegung und schlug dabei mit dem Bein an eine Vase auf dem Flur. Den darauf folgenden Tumult überging er gewohnt liebenswert und schlich sich neugierigen Kollegenaugen vorbei. Nur um festzustellen, dass der Commissioner nicht zugegen war.
      Eine Fügung, wie er vermutete. Mit einem Schlag wurde sein Grinsen breiter und sein Gang federnder, während er zurück an die Arbeit ging.
      Freilich nicht ohne nochmals gegen dieselbe Vase zu schlagen und diese nun endlich ihrem Schicksale zuzuführen. Wenn man ihn noch nicht für verrückt und tollpatschig hielt: Nach diesem Auftritt war es spätestens so weit.
      Den restlichen Tag verbrachte er mit Papierkram und Telefonaten. Und auch wenn er die Tür seiner Kollegin gegen Abend vernahm, hielt er an sich, nicht direkt loszustürmen. Zum einen war zu viel zu tun und zum anderen brachte es nichts. Diese Infos standen zwischen ihnen, ob er es wollte oder nicht...

      Ten Bells - 20:00

      Nach einer kurzen Dusche und Wechsel der Alltagskleidung stand er endlich vor dem Ten Bells.
      Einst war dies eine lausche Eckkneipe mit deutlichem Touristenandrang. Aber man hatte offenbar angebaut. Ruairi wusste nicht, dass das obere Stockwerk ebenso dazu gehörte.
      Seine Beine steckten in einer schlichten, schwarzen Jeans während sein T-Shirt dieses Mal eine glasgower Rockband zierte. Zwei Armreifen schlangen sich um sein Handgelenk (beide in Form von Schlangen, die sich selbst in den Schwanz bissen) und seine Haare erschienen ausnahmsweise gekämmt und vernünftig frisiert. Als hätte er sich für ein Date herausgeputzt. Nur, dass es eben mit der ganzen Abteilung war.
      Grinsend ließ er sich von der Kellnerin den Weg nach oben zeigen, während er das ein ums andere MAl über Füße und Treppenstufen stolperte. Die Luft roch noch immer nach jahrhundertelangem Rauch und schwerem Alkohol, der sich in die Polster gebrannt hatte. Das alllesverschlingende Murmeln der Menge wurde erst dann leiser, als er die Treppe hinauf nahm und die vertrauten Gesichter seiner Abteilung entdeckte.
      "Hey Boss!", rief Salisbury, ein Mitarbeiter, der aus dem Norden versetzt worden war. Netter Kerl, aber ein wenig grobschlächtig, wenn man es so nahm. Das blonde Haar trug er militärisch kurz und war nicht wirklich für seine guten Umgangsformen bekannt.
      "N'abend!"; sagte Ruairi und nickte in die Runde.
      Hier und da winkte ihm ein Kollege zu, so auch Piper und der junge Mann neben ihr.
      Dieser trug schwarzes Haar zu einem Zopf gebunden und sein Gesicht sah beinahe aus wie das eines 15-jährigen. Als hätte man den Kindergarten herausgelassen. Aber Kauley war ein guter Polizist.
      Schweigsam gesellte er sich an die Bar und bestellte sich einen Black Velvet. Der Abend wurde lang und mühsam ernährte sich die Biene, oder wie auch immer das Sprichwort ging.
      "Ja, ich bin Kauley", sagte Benannter unterdessen zu Sallow. "Freut mich. Sie haben den Job auch neu erhalten oder? Wie gefällts Ihnen?"
      Er wirkte zumindest nett, fand Ruairi und sah auf den schmalen Rücken, den er sehen wollte. Warum also warten?
      Gleich, ob das Gespräch dringend war oder nicht, schlängelte er sich ausnahmsweise unfallfrei durch die Meute und platzierte sich ächzend auf einem schmalen Schemel neben Kauley und Sallow.
      "Guten Abend, Kollegen! Dienst gut überlebt?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Jap, ziemlich neu um genau zu sein. Kann ich nach drei Tagen nur noch nicht genau bestimmen, bisher wurde ich nur mit Fällen belagert, die entweder viel zu eindeutig oder viel zu nichtsaussagend waren.
      Ember zuckte mit der Schulter, konnte es aber nicht ändern. Nach drei Tagen konnte man noch nicht sagen, wie es einem gefiel. Zumal sie sich erst einmal dran gewöhnen musste, andere herumzukommandieren.
      Dann ächzte es plötzlich neben ihr und sie rückte instinktiv ein Stückchen zu Seite, um Ruairi Platz zu machen. Er hatte sich breits was zu trinken besorgt und sorgte dafür, dass Ember irgendwie schuldbewusst ihre eigenen Hände ansah. Das würde sie gleich mal ändern müssen.
      Peacock nickte einfach nur während er sich in seinem Guinnes erging. Dooley war wieder der Erste, der sich zwischenschaltete. "Klar. Ich fühle mich zwar wie Tallburns Hausmädchen weil sie meine Kontaktdaten hat und sich melden soll, aber was soll's! Das Gebäude ist immerhin schön anzusehen. Sieht nicht aus wie ein Parlamentsgebäude..."
      Ember verzog ein wenig die Mundwinkel als sie aufstand und Ruairi kurz eine Hand auf die Schulter legte, als sie sich hinter ihm in die Menge stürzte und zur Bar ging. Anstelle eines Bieres bestellte sie ein Old Mout und kehrte mit einem Glas leicht pinkem Cider zurück an ihren Platz.
      "Ich kann auf jeden Fall den Berg an Papierkram nicht mehr sehen...", murmelte Ember als sie sich wieder setzte und an ihrem Glas nippte.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"