[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Ruairi blickte kurz zu Ember hinüber als Piper mit der Erläuterung aufhörte.
      Die Feststellungen waren nicht von derartigem Zündstoff, dass es sich lohnte, länger darüber nachzudenken. Sicherlich, dass Foremar vermeintlich die verschollene 21 gefunden hatte, war sicherlich ein schlechtes Zeichen, aber noch nichts wirklich gravierendes.
      "Vermutlich vier Tage", murmelte Piper auf Embers Frage.
      Man musste kein Hexer sein um zu erkennen, dass Ember irgendetwas mit sich ausmachte. Freilich hatte sie viel Zeit mit Foremar verbracht und ihre Informationen waren von wert. Aber etwas ließ Ruairi innerlich aufhorchen.
      "Und welche Probleme sehen Sie dort?", fragte er neugierig.
      Eine rhetorische Frage, wenn man ehrlich war. Das Treffen zweier Arkana barg immer gewaltigen Zündstoff, aber weshalb waren es gerade diese beiden? Foremar galt zwar als Genie, war aber nie sonderlich aktiv.
      "DIe Frage ist, welche Zeichen nutzt er,. wenn er welche nutzt...", murmelte MacAllister und selbst Piper zuckte die Achseln. "Was mich weiterhin zu der Frage bringt: Sie scheinen enormes Wissen zu haben...Würden Sie es mit uns zur Gänze teilen?"
      SIcherlich war das nicht alles. Wenn Jemand viel Zeit mit einem Anderen verbrachte, so war es nur natürlich, dass man Dinge voneinander erfuhr. Und irgendwie wurde er dieses Bauchgefühl nicht los, was ihn heimsuchte.
      Schweigsam sah er ihr hinterher als sie nach einer kurzen SMS den Raum verließ. Nur das Gesicht, das sie dabei trug, schien nicht wirklich zu der Ember Sallow zu passen, die er kennen gelernt hatte.
      Ruhig lehnte er sich zurück und schlug die Akte zu, um nochmals auf das Foto von Foremar zu sehen. Keine Zeichen, die man sehen konnte, also...
      Piper knetete ihre Hände in ihrem Schoß und seufzte.
      "Das war merkwürdig", murmelte sie und sah Ember hinterher.
      Ruairi nickte nur.
      "Folgen Sie ihr...", murmelte er und blickte grimmig drein.
      "Denken Sie, dass Sie etwas verbirgt? Etwas Böses?"
      "Nein...Ich denke, dass Sie nicht alles sagt. Ich mache mir viel eher Sorgen...", murmelte er und sah Piper an. "Folgen Sie Sallow und wenden Sie dabei Ihre Magie an. Ich möchte nicht, dass Sie erneut bemerkt werden, wie eben."
      "Ja Sir."

      Spoiler anzeigen
      Shepherds Street 221B

      shepherdsstreet221.jpg interior.jpgWhitechapel_Road,_looking_east_-_geograph.org.uk_-_561906.jpg

      SCHILD ÜBER DER TÜR:

      "DUSK & DAWN Detective Agency"


      Es empfängt sie folgender Butler mit den Worten "WIllkommen, Ms Sallow. Wir haben Sie erwartet."butler.jpg



      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Puls war mehr als rasend, kaum hatte sich die Aufzugstür geschlossen und beförderte sie nun surrend Etagen abwärts. Ein weiteres Mal zog sie ihr Handy aus der Tasche und überflog die Nachricht mehrmals. Er hätte nicht einmal seinen Namen nennen müssen damit sie wusste, dass diese Nachricht echt war. Viel mehr Sorge bereitete ihr allerdings, dass seine gewöhnliche Nummer noch erreichbar war, sie allerdings nur eine Antwort über ein anderes Gerät erhielt.
      Sie brauchte eine Bestätigung.
      Als es piepte und sich die Aufzugstür öffnete, hatte sie die unbekannte Nummer gewählt um denjenigen anzurufen. Noch während sie durch den Gang im Keller stapfte, erklangen mehrere Freizeichen. Dann nahm jemand ab.
      "Ähm, hallo. Ich wollte eigentlich mit Noland sprechen, aber scheinbar hab ich mich verwählt?"
      Ihre Stimme hatte einen fragenden Unterton obwohl sie die Antwort schon vorher wusste. Wissend nickte sie, als der Unbekannte ihr am Telefon antwortete, keinen Noland zu kennen.
      "Sorry, hab' wirklich die falsche Nummer. Danke trotzdem."
      Sie legte auf und raste buchstäblich durch die Tür, die in Heydens Labor führte. Dieser hatte sich gerade irgendetwas in seiner Mikrowelle warm gemacht und starrte die Frau mit großen Augen an, als sie wie ein Derwisch in sein Labor kam.
      "Wasch 'ann ich hür disch dun?", fragte er und schluckte etwas, das verdächtig nach einer Tortellini aussah hinunter.
      "Verfolg für mich diese Nummer zurück. Noland hat den Besitzer dieses Handys beeinflusst, also muss er irgendwo dort in der Nähe sein."
      Ember reichte Heyden das Handy, der genervt stöhnte, das Gerät dann aber doch an seinen Laptop am anderen Tisch anstöpselte.
      "Ich fass' es immer noch nicht, dass du einen Sharokh überlebt hast. Die alte Cunningham überle-"
      "Lass es und such."

      Etwa eine Stunde später war Ember in ihr Büro zurückgekehrt nachdem sie sich vergewissert hatte, dass Ruairi nicht mehr in dem seinen vorzufinden war. Es plagte sie schon ein schlechtes Gewissen, dass sie einfach so von dannen gerannt war, nachdem sie sich eigenmächtig bei ihm eingeklinkt hatte. Folglich saß sie nun an ihrem Tisch und zermaterte sich das Hirn, während sie gedankenverloren das Profil von Ms Highard abscrollte.
      Heyden hatte die Nummer in der Nähe von Leeds lokalisieren können. Also war Noland auf dem Weg nach Norden, warum auch immer. Er besaß keine familiären Verbindungen mehr, kannte zwar viele Leute, aber kein einziger hätte ihn jemals dazu bewegen können, sich eigenmächtig aus dem PD zu verabschieden. Insbesondere die Tatsache, dass er seine Kräfte bei höchstwahrscheinlich Zivilisten einsetzte machte ihn zu dem, was er immer schon gewesen war: einem gesuchten Rogue.
      "Wie viele Fotos von sich in der gleichen Pose kann man denn noch machen....", knurrte Ember verdrissen und klickte schließlich die Seiten im Explorer weg.
      Alles, was sie bisher an Erkenntnissen hatte gewinnen können, hielt sie in einem Report fest, den sie Knight in zwei Tagen vorlegen würde. Wenn es wirklich Mord gewesen war, dann war es nicht das Instagramstrenchen gewesen. Das Einzige waren die magischen Spuren gewesen, die auf Fremdeinwirkung gedeutet hatten. Ansonsten sah es wie ein gewöhnlicher Akt der Selbsttötung aus. Vielleicht versuchten sie auch nur das Einhorn zu jagen, wo gar keines war?
      Ember seufzte zum siebten Mal in drei Minuten als sie sich ihrem nächsten To-Do-Thema widmete. Recherche zu Ruairi MacAllister. Dank ihrer Anstellung bekam Ember Zugriff auf Daten, die deutlich schwieriger legal für Privatpersonen zu suchen waren mit ein bisschen eingehender Nachforschung. Das Register der eingetragenen Caster führte nur vor, dass er in der Tat als S-Klasse gelistet war. Eine etwas tiefergreifende Suche förderte zu Tage, dass er dies allerdings auch schon seit seinen Anfängen an der Uni zu sein schien.
      Nachdenklich fuhr sich Ember mit den Fingerspitzen über den Nasenrücken als sie versuchte, mehr über seine Magie zu erfahren. Statt des gewünschten Ergebnisses fand sie lediglich heraus, dass er als Lieblingssport Basketball angegeben hatte und scheinbar über Geschwister verfügte. Ihr Klicken wurde weniger nachgiebig ehe sie fast überlesen hätte, wonach sie die ganze Zeit suchte.
      Es stand ohne Erklärung recht unauffällig in einem gigantischen Absatz von recht trivialen Informationen, doch verfehlte es seine Wirkung nicht. Für ein paar Sekunden starrte sie das Wort lediglich an, nur um direkt im Anschluss nach einer Definition dessen zu suchen. Natürlich ohne Erfolg.
      "Wie weit reicht denn Realitätsmanipulation...", murmelte sie völlig in den Bann gezogen während sie noch immer die Tasten ihrer Tastatur malträtierte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairis letzte Tat des Tages war das Schließen der Akten.
      So trivial dies auch klang, es hatte eine gewaltige Signalwirkung für ihn, da er nicht wirklich wusste, was er eigentlich tun sollte. Sicherlich war Knights Auftrag klar. Arkanas finden und beobachten. Geradezu überwachen. Eine einfache Sache, wenn man wusste, wonach man suchte.
      Doch gerade diese Drei...White, Foremar und Beauregard. Kräftetechnisch wurde er mit ihnen fertig, so viel konnte er sicher sagen. Jedoch in Kombination ergaben diese Menschen eine Brandkombination, die man besser nicht entfachen wollte. Schweigsam packte er die Akten in seinen Rollcontainer unter dem Tisch, wobei er freilich erst dagegen trat.
      Er hatte Training heute Abend und seine Mutter wartete noch immer auf einen Rückruf. Er hatte es zu lange aufgeschoben. Seufzend schmiss er seine Tasche über die Schulter und sah sich nochmals im Büro um, ehe er die Tür verschloss und sich auf den Weg nach Tottenham machte. Immerhin war der Tag nicht allzu anstrengend gewesen.

      Whitechapel - 18:00 Uhr

      In dem kleinen Eckcafe auf der High Street saß eine junge Frau und beobachtete den Verkehr.
      Dem wäre nichts ungewöhnliches zu entnehmen, jedoch las sie eine Zeitung. Zumindest das, was mal eine war, wenn man die schrecklich geschnittenen Löcher bedachte, die in die Papierrinnen geschnitten worden waren.
      Ihre Augen hefteten sich wie ein Lauffeuer auf die kleine Seitengasse namens Shepherds Street. Das Haus Nummer 221 B hatte sie in gutem Blick, beinahe völlig frei, wenn man den Verkehr ignorierte.
      "Wollen Sie jetzt was bestellen?"
      DIe Kellnerin nervte. Fragte das jetzt zum dritten Mal.
      "Nein. Ich habe genug."
      "SIe haben gar nichts mehr."
      "Sagte ich doch!"
      Seufzend beugte sich die leicht bekleidete Dame vor und sah sie ernst an.
      "Hören Sie, wenn Sie nichts bestellen, dann muss ich Sie bitten zu gehen."
      "Noch sieben Minuten, bitte.", sagte die junge Frau, deren rötlich-violetten Haare ein einziger Gegensatz zu sein schienen. Ihre Augen jedoch wirkten in ein flammendes Gold getaucht. "Ich warte auf Jemanden."
      "Na gut...Sieben Minuten."
      Die Kellnerin verschwand und die junge Dame lehnte sich zurück. Die Zeitung war Murks. Genauso wie der scheinbare Tipp, den sie erhalten hatte. Hier war er auch nicht...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember neigte dazu, die Zeit völlig aus den Augen zu verlieren, sobald sie sich an etwas festgefressen hatte. So auch in diesem Fall, sodass sie erst Stunden später merkte, wie sie die Stunden mit Recherche zu Privatzwecken anstelle von Arbeit genutzt hatte. Leise fluchte sie, als sie ihren PC herunterfuhr, die Tasche nahm und sich ihren Mantel überwarf. Bis sie einen fahrbaren Untersatz hatte würde dieses Büro so unpersönlich bleiben wie ein Krankenhauszimmer. Gelinde ausgedrückt.
      Folglich hatte sie auch erfolgreich verpasst, wie ihr Zimmernachbar sich sogar vor ihr aus dem Staub gemacht hatte. Was im Nachhinein gesehen nicht unbedingt verkehrt war, denn so waren sämtliche Möglichkeiten ausgegraut worden, dass sie ihre Freizeit doch anders nutzen musste als sie es ursprünglich wollte. So konnte sie völlig ungeachtet aus dem Gebäude in den Feierabend verschwinden und sich zur nächsten Haltestelle machen, da sie neuerdings auf die Bus- und Bahnlinien angewiesen war.

      Ember hatte vergessen, wie ätzend und vollgestopft gerade die UBahn war. Sie würde sich sowas von am Wochende einen neuen Wagen anschaffen, und wenn es das letzte war, was sie tat. Sich an feste Zeiten und Netze zu halten war ein Graus für sie, weshalb sie fast schon erschöpft von ihrem Heimweg die Stufen zu dem Haus ihrer Wohnung emporstieg und schließlich in ihrer Wohnung stand.
      Irgendwie wurde sie es immer noch nicht los, dass niemand in ihrer Wohnung auf sie wartete.
      Wie programmiert ging ihr Blick zu der Couch, wo niemand saß.
      Zu dem Couchtisch, auf dem kein Koffer stand.
      Hinüber zur Küche, wo nur ihr Besteck stand.
      Ember seufzte. Sie konnte sich auch unterwegs irgendwas zu essen besorgen. Mit klammen Fingern zog sie die Schublade auf, die sie seit drei Tagen nicht mehr angerührt hatte. Ihre Finger schlossen sich um das kalte Metall und sie warf noch einen Blick auf den Zettel, um die richtige Hausnummer zu erwischen. Entweder ging das jetzt richtig nach hinten los oder sie bekam den Sechser im Lotto. Für irgendwas dazwischen war August in ihren Augen nicht gestrickt. Sicherheitshalber rüstete sie sich doch noch mit ihrer Glock aus. Man konnte schließlich nie wissen, was einen erwartete...

      Whitechapel - 18:10 Uhr

      Eigentlich waren Embers Nerven bis zum Anschlag durch den Verkehr strapaziert worden und vielleicht sogar gerissen, wäre da nicht die Aufschrift auf einem Schild über dem Eingang zur Shepherds Street 221 B gewesen. Mehrmals hatte sie die Adresse auf dem Zettel mit der Hausnummer vor ihr abgeglichen ehe sie ungläubig den Kopf schüttelte. Das konnte hier noch nicht lange ansässig sein. Das hätte sie gewusst. Zumindest redete sie sich dies ein.
      Schließlich gab sich Ember einen Ruck und steckte den Schlüssel ins Schloss nachdem sie getestet hatte, ob sich die Eingagstür auch so öffnen ließ. Natürlich tat sie es nicht, und trotzdem überraschte es sie, dass der Schlüssel ohne Widerstand ins Loch glitt und mit einem befriedigenden Geräusch die Tür öffnete. Vorsichtig lugte sie durch den Spalt hinein ins diesige Licht bevor sie hinein ging und die Tür leise hinter sich schloss.
      Als sie sich wieder umdrehte, stand plötzlich ein Mann in unmittelbarer Nähe mit einem Messer in der Hand.
      "Willkommen, Ms Sallow. Wir haben Sie erwartet."
      Sofort wich Ember einen Schritt weiter zurück und kam nicht drum herum, dass ihre Hand instinktiv zu ihrer Glock schoss. Ihre Augenbrauen waren dermaßen zusammengezogen, dass sie fast wie eine wirkten während sie den Butler? musterte.
      "Wir? Erwartet? Wer wusste denn, dass ich auftauche?", fragte sie mit einer Spur Gereiztheit in der Stimme.
      Der Mann trug die typische Butlertracht, doch das Messer und die Blutspritzer auf seiner Kleidung machten ihn mehr als höchst verdächtig. Gerade wenn man in Betracht zog, dass all dies auf Augusts Mist gewachsen war. Wie erwartet überraschte er sie immer wieder aufs Neue.
      Der Raum, den sie jedoch erblickte, hätte nicht typischer sein können. Es wirkte wie ein kleiner Auszug aus dem Koffer mit den urigen Möbeln, Leuchten und Dekorationen. Die Art von Urig, die Ember in der Regel mochte und faszinierte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Butler war hochgewachsen und seiner Zunft entsprechend gekleidet. Doch verbarg sich hinter Perley Caulson ein Mann, der nicht wider diesen Metiers handeln könnte. Sachte wog er das blutbespritzte Messer in der Hand und zog es in genüsslicher Langsamkeit über sein Revers. Eine Spur trockenen, gräulich roten Blutes zog sich über das schimmernde Weiß und ließen ihn beinahe wahnsinnig erscheinen.
      "Oh, Verzeihung", murmelte er und steckte das Messer in ein passendes Holster. "Ich bereitete gerade das Abendessen zu."
      Mit einer einladenden Bewegung ließ er sie in die leicht beengten Räume ein und blickte danach etwas argwöhnisch nach draußen. Ein kurzer Blick nach links und nach rechts schienen keine weiteren Verdächtigen preiszugeben, weshalb Perley die Tür verschloss und seufzte.
      "Nun...Wenn Sie möchten, können Sie dort ablegen", sagte er und wies auf eine schmale Garderobe, wo auch der Mantel hing, mit welchem August vor einigen Tagen fotografiert wurde.
      Perley selbst wanderte durch die Räume und postierte sich an taktisch kluger Stelle, wo er alle Schritte der jungen Polizistin begutachten konnte.
      "Wenn Sir erlauben...", begann er und räusperte sich. "Ich biete meinen Glückwunsch zu Ihrer Beförderung. Wie man hört, hat der neue Commissioner eine kluge Wahl getroffen..."
      Er fuhr sich durch die Haare, wobei es nur der unendlich geschickt wirkenden Hände des mittelalten Mannes zu Danke war, dass man den kleinen Kamm erst spät sehen konnte, als er sich durch die Haare kämmte. Nur wenige Menschen wussten von Perleys vorherigem Leben und den dortigen Entbehrungen. Und noch weniger hatten ihn dafür nicht verurteilt. Doch August...Er hatte ihn angelächelt und ihm ein Zuhause geboten.
      "Zu Ihren Fragen", sagte Perley. "Vielleicht sollte ich mit einer Vorstellung beginnen. Mein Name ist Perley Caulson und ich bin sozusagen Hauswart dieser wunderbaren Immobilie, in der sie sich befinden. Einer Detektei für paranormale und magische Ermittlungen, gegründet von Mr August Foremar und Partnern. Um Ihre Frage zu beantworten: Mr Foremar hat sie erwartet und mich vorgewarnt, dass eine Polizistin mit gehetztem Blick ihre Aufwartung machen würde. Weiterhin hat Ms Beauregard dies ebenfalls gestützt. Jedoch haben Sie beide verpasst, sodass ich Sie nunmehr fragen muss: Wie kann ich Ihnen helfen?"
      Das Lächeln, das er auftrug, war farb- und ausdruckslos. Eines Butlers würdig, wenn man es so wollte.

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    • Die Art, wie dieser Pseudobutler das Messer an seinen eigenen Klamotten abzog, erinnerte Ember an einen ganz speziellen Fall aus ihrer Vergangenheit. Sie hatte damals den Mörder finden und in flagranti erwischen können, auch er hatte damals sich ähnlich bewegt wie dieser Unbekannte vor ihr. Wochenlang war sie die Bilder vor ihrem geistigen Auge nicht losgeworden, wie der Kerl seine Opfer regelrecht seziert und anschließend zur Schau gestellt hatte.
      Seine Bewegung bedeutete ihr, ein weniger weiter einzutreten, was sie recht widerwillig auch tat. Sie kam dabei an einer Garderobe vorbei und erkannte augenblicklich den Mantel, der auf dem Foto von August zu sehen gewesen war. Er war also wirklich hier gewesen, zweifellos.
      Ihr abschätziger Blick verfolgte den Butler, der sich viel zu schlau im Raum postierte und sie somit ständig im Blick hatte. Ihre eigene Hand hatte sich indes etwas von der Glock gelöst, wenn auch nicht ganz entfernt. Natürlich würde sie ihren eigenen Mantel nicht dazu hängen. Noch wusste sie nicht, wohin diese Aktion hier überhaupt führte.
      "Danke", gab Ember knapp zurück und runzelte die Stirn. "Hat sich ja ganz schön schnell herumgesprochen, hm? Wobei ich fast schon behaupten würde, der Ersatz für Cunningham ist noch klüger gewählt worden."
      Wer posaunte denn so heraus, dass sie einen neuen Posten angehalten bekam? Und sie ihn darüber hinaus noch annahm? Sofern es nicht Beauregard war, der dies eigentlich herzlichst egal sein dürfte, musste irgendjemand anders getratscht haben. Allerdings wurde Ember ein wenig abgelenkt, als ihr erst beim zweiten Hinsehen auffiel, dass der seltsame Mann einen Kamm in seinern Händen unfassbar gut zu verstecken wusste.
      "Foremar und Partnern? Spannend... Wie lange ist das her, wenn man fragen darf?"
      Wer die Partner sein mochten, konnte sich Ember vorstellen. Wobei sie gedanklich trotzdem ein wenig ins Stolpern geriet. Sie konnte nicht genau sagen wieso, aber ein unruhiges Gefühl ließ sich nicht so einfach aus ihrem Inneren vertreiben. Als müsse sie ständig in Bewegung bleiben, um nichts zu verpassen.
      Ein weiteres Stückchen rückte ihr Hand von ihrer Waffe ab bis sie schließlich die Arme vor der Brust verschränken konnte und einen weiteren Blick durch den Raum schweifen ließ. Deshalb erinnerte sie die Einrichtung an den Koffer. Dass sie August und Eva verpasst hatte, wunderte sie nicht sonderlich. Viel eher hätte es sie schockiert, beide hier anzutreffen.
      "Kommen die Beiden denn in absehbarer Zeit noch einmal zurück?"
      Es gab zu viele Fragen, auf die sie am liebsten sofort eine klare Antwort bekommen würde. Aber wie so oft würde sie wohl enttäuscht werden. So einfach wurde es nie, erst recht nicht, wenn man wieder einem Weg folgte, den ein gewisser Arkana vorbereitet hatte.
      Dies führte dazu, dass Ember ein wenig ihrer defensiven Haltung fallen ließ und zu einem der Stühle hinüber ging, um sich darin fallen zu lassen. Der Tag war auch so schon anstrengend genug gewesen.
      "Um ehrlich zu sein wusste ich nicht einmal, was mich hier erwartet. Foremar hat mir einfach einen Schlüssel für diese Adresse hinterlassen, ohne Kommentar, ohne alles. Ich wusste nicht mal, dass diese Einrichtung existiert noch dass er eine solche gegründet hat. Wer sind denn die Partner, die hier mit drin hängen? Wozu das hier?", fragte sie weiter und beschrieb einen Kreis mit ihrem Zeigefinger. "Er hat nie zuvor Ihren Namen erwähnt, also verzeihen Sie mir, wenn ich Sie etwas seltsam ansehen sollte. Das ist nicht böse gemeint. Ich bin nur etwas überrascht..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Perley Caulson war ein Mann der vielen Talente, wie man ihn einst beschrieb.
      Ein Überlebenskünstler, der in den Straßen von Birmingham groß wurde und sich anschließend selbst in Glasgow durchschlug. Freilich auf dieselbe Art, die man dem Butler aufgrund seiner Statur, Frisur und seinem stechenden Blick ansehen mochte: Kleinere Trickbetrügereien und mittelschwere Verbrechen aller Art. Ja, man konnte sagen, dass Perley durchaus den Verstand eines Generals besaß, brauchte es doch nicht unerheblicher Geschicklichkeit, um allerlei Geschäfte zu managen.
      "Es hat sich herumgesprochen, gewiss", bestätigte er lächelnd und nickte leicht, während seine Hände frei von Waffen und gefaltet vor seinem Körper verharrten. Er befürchtete nichts von Sallow. Dafür wäre sie ohnehin nicht kalt genug.
      "Wie lange ist was her, Ms Sallow?", fragte Perley und grinste. "Diese Immobilie steht bereits seit 1854 an diesem Ort und ist aus einer alten Arbeitersiedlungsreihe heraus entstanden. Gekauft hat Mr Foremar dies Gebäude jedoch bereits in den Zwanzigern. Die Gründung dieser wahrlich kompetenten Detektei jedoch liegt erst wenige Tage zurück."
      Schweigsam folgte der Blick des Hauswartes, der sich das Wort "Butler" verbat, der jungen Polizistin durch den Raum. Man mochte es halten wie man wollte, aber der Blick des MAnnes glich dem eines Raubtiers, das ein anderes begutachtete, während es in seinem eigenen Revier wilderte.
      "Ich denke, dass es sich durchaus eine Zeit lang hinziehen könnte. Wünschen Sie vielleicht etwas zu speisen oder zu trinken? Ich mag nicht ganz so aussehen, aber ich bin ein recht formidabler Koch, wenn ich mir dies Eigenlob erlauben dürfte."
      Auf ihren letzten Satz hin nickte der Hauswart und verließ seinen Platz.
      "Ich kann verstehen, dass es Sie durchaus überraschend treffen muss. Ich nehme es nicht übel", sagte Perley und lächelte, ehe er an ihr vorbei an die Südseite des Raumes ging. Eine einfache Holztür fügte sich in die grün gestrichene Wand ein und bildete ein wundersames Sonett an Symbiose zwischen den Farben.
      Sachte legte Caulson seine Hand auf die Klinke und sah Sallow an.
      "Ich kann nicht behaupten, die Gedanken von Mr Foremar zu kennen, aber ich vermute, dass er wollte, dass Sie dies hier sehen. Ich warne dennoch vor: Die Bilder sind nichts für schwache Nerven."
      Sachte öffnete er einen weiteren Raum, der kleiner war als die anderen. Ein Arbeitszimmer, so mochte es erscheinen, waren die Wände doch voller Fotos und mit Schnur gespannten Linien durchzogen. Rechts an der Wand des fensterlosen Raumes, der nur durch das Licht einer einzigen Birne erhellt wurde, befanden sich Fotos von Leichen. Unzählbaren Leichen, inmitten von Trümmern oder aber auch auf offener Straße. Mal waren sie aufgetürmt wie ein abstrakter, grausiger Mikadoturm und mal lagen sie achtlos in der Gosse, kaum bedeckt von Polizeidecken.
      Im Hintergrund einiger Fotos waren diverse Sehenswürdigkeiten zu sehen und trotz der Tatsache, dass dies Bilder waren, so erschien es Perley jedes Mal, als röche er die Leichen und das Blut.
      "In den letzten Tagen und Wochen nach dem Kampf gegen den Angelus gab es organisierte Schläge gegen Rogues und deren Angehörige. Mr Foremar vermutete bereits eine Zusammenarbeit zwischen Europol und anderen Polizeieinheiten, aber Fakt ist, dass diese Anschläge beinahe zeitgleich erfolgten.
      Paris, Rio de Janeiro, Berlin und München, Warschau und Madrid."
      Zu den Städten ging er die Reihen der grausigen Bilder ab und jedes Mal wurde es nur dramatischer und brutaler. Selbst Kinderleichen fanden sich dort zwischen den ganzen Fotos. Bilder von erstarrten Gesichtern und Augen, die den Sternenhimmel nicht mehr sehen würden.
      "Selbst in Birmingham und Glasgow schlug man zu"; berichtete Perley und zeigte die entsprechenden Fotos an der Wand. "Die Schläge richteten sich gezielt gegen Zivilisten, die als Rogues bekannt waren und in Kontakt mit den Arkana standen. Arkana, die maßgeblich an der Rettung der Met beteiligt waren..."
      PErley sah sie anschließend an und er kam nicht umhin, die Erschütterung in seinem Gesicht zu verbergen.
      "Zu Ihrer Frage, wer die Partner sind", begann er. "Nun...DIe Partner sind nur schwebend benannt, wie es juristisch wohl heißt. Das heißt, sie müssen noch zustimmen. Einer der avisierten Partner sind Sie, Ms Sallow."

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    • Wenige Tage.
      Erstaunlich ausdruckslos hielt Ember den Blickkontakt zu Perley aufrecht während ganz langsam die eingestaubten Zahnräder in ihrem Geiste sich zu drehen begannen. Nicht, dass sie jemals wirklich stillgestanden hätten, aber sie hatte sie bewusst ignoriert. Seit dem Moment, in dem sie einen Fuß in dieses Gebäude gesetzt hatte, konnte sie sie allerdings nicht länger ignorieren.
      Ihr war selbstverständlich nicht entgangen, dass der Mann sie mindestens so sehr taxierte wie sie es bei ihm tat und war sich mit einem Schlag sicher, dass dieser Mann nicht wenig Dreck am Stecken hatte. Aber da, wo sie sich gerade hin begab, hatte jeder etwas Dreck am Stecken.
      Zwar hing ihr ihr Magen gefühlt in den Kniekehlen, doch zu wirklich Hunger führte er nicht. Er war ein einziger geknüllter Ball, der jeden Versuch der Nahrungsaufnahme vermutlich unmöglich gemacht hätte. Vielleicht würde sie irgendwann auf sein Angebot eingehen. Nun hingegen konnte sie es einfach noch nicht.
      Folglich hing Embers Blick geradezu an Perley, der auf ihre Nachfrage hin tatsächlich den Anschein machte, ihr endlich mal keine verdrehten Antworten zu liefern. Eine angenehme Abwechslung, wie sie fand, es auf der anderen Seite aber fast schon wieder bereute. Denn runzelte sie vorerst noch die Stirn bei der Bemerkung mit den Fotos, war sie kurz darauf so schnell auf den Füßen, dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern konnte, wie sie so schnell von ihrem Sitzplatz hinüber in den anderen Raum gekommen war. Sie brauchte nur von Weitem die Fotos und Schnüre zu entdecken, sodass sie bereits ahnte, was es werden sollte.
      Ember Sallow war den Anblick von Leichen an Tatorten gewöhnt. Sie musste es sein, ihr Beruf gebot es ihr. So schaltete sich ein ganz spezifischer Teil in ihrem Inneren sofort ab, als sie das erste Foto genauer betrachtete und die Leichen als solche ausmachte. Als müsste man etwas in sich abtöten, um nicht von Tatsachen überrollt zu werden.
      Aufmerksam glitten ihre Augen von einem Foto zum nächsten, entdeckte die Sehenswürdigkeiten und nickte schwach als Perley ihr die Städte bestätigte. Ihre Finger waren kalt wie Eis als sie über manche der Aufnahmen strich und schweigend zum Nächsten überging. Das war das reinste Massaker, das erst als solches auffiel, wenn man es beisammen trug.
      Auf der anderen Seite erinnerte sie sich daran, wie gut August um Fakten herumspielen konnte. Wer konnte ihr versichern, dass das hier nicht alles gestellt war? Extra, um sie zu beeinflussen, erst recht, nachdem er um ihre neue Position wusste? Ohne Hawthorne als Commissioner hatte er seinen Draht ins Met verloren und sie war wohl der einfachste Ankerpunkt hierfür.
      "Im PD hat niemand davon berichtet, dass es in Birmingham und Glasgow Angriffe gab", sagte Ember nachdenklich.
      Weder Ruairi noch Shawn hatten etwas in dieser Richtung verlauten lassen und sie bezweifelte stark, dass solche Offensiven unentdeckt blieben. Ein weiterer Punkt setzte sich auf ihre To-Do-Liste, die scheinbar immer länger statt kürzer wurde.
      Als sie sich etwas abwandte bekam sie Perleys Blick auf sie mit. Wider ihrer Erwartungen teilte er ihr mit, dass sie einer der ominösen Partner war und bestätigte damit genau das, was sie bereits befürchtet hatte. Die Sorge, nur ein Spielball zu sein, der nach Augusts Laune und nutzen manipuliert wurde, stieg exponentiell an.
      "Wer zählt noch dazu?", fragte sie schroffer als es geplant war während sie zu den nächsten Bildern ging und über ein Geschwisterpaar stolperte, das unter einem Haufen Trümmer zum Erliegen gekommen war. "Ich muss die Konditionen wissen bevor ich irgendetwas zustimme. Wer zählt noch zu den Partnern? Wozu genau außer dem Offensichtlichen hier hat er das hier ins Leben gerufen? Können Sie mir all die Fragen dazu beantworten oder sollte ich dazu besser auf jemand bestimmten warten?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Perley Caulson besaß durchaus Humor, geneigter Leser.
      Zumindest eine Randerscheinung davon, die dem Galgenhumor recht ähnlich sah. Er mochte die Flachwitze aus den Zeitungen und er besaß eine Schwäche für Tiktok, wenn man den Gerüchten um seine Person glauben konnte. Der Hauswart sah gerne die kleinen Videos an und stellte sich vor, ein normales Leben zu haben. Erstaunlicherweise jedoch, hatte dies gar nichts mit Ember Sallow zu tun, die ihn mit Fragen löcherte und die Angewohnheit, die August ihm beschrieben hatte, deutlich zur Schau stellte:
      Gravierende Impertinenz.
      Nicht nur die Tatsache war erstaunlich, dass sie glaubte, in einer Lage wie dieser Forderungen oder gar Ansprüche stellen zu können. Es war vielmehr die Tatsache, dass sie es tat ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Als wäre sie oder gar er einer der Hauptcharaktere einer Geschichte oder einer Serie. Welch Irrsinn.
      Perley lächelte nachsichtig und schüttelte den Kopf.
      "Sie missverstehen, Ms Sallow", begann er langsam und genüsslich zu sprechen. "Sie sind heute hier, um dies hier zu sehen. Niemand sprach davon, dass Sie auf Mr Foremar warten werden. Es ist leider eine unumstößliche Tatsache, dass Mr Foremar Sie derzeit nicht sehen will."
      Wer würde es ihm verdenken? Ihm wurde in die Brust geschossen von einer Frau, der er vertraute. Sicherlich mochte sie ihre Gründe gehabt haben, aber die kannte Perley nicht. Er wusste nur, dass August tagein tagaus diese Narbe auf seiner Brust angestarrt hatte und die Worte "keine Wahl" ständig wiederholte, als seien sie ein schiefes Mantra.
      "Daher bin ich leider auch nicht befugt, Ihnen die Namen der übrigen Partner mitzuteilen. Ich darf lediglich sagen, dass dies eine Detektei ist, die mit dem Ansinnen gegründet wurde, Veränderung in die Welt zu bringen. Und alle Partneranfragen gingen an Menschen, die dies Ansinnen in Mr Foremars Sinnen teilten. Also werden Sie sicherlich nicht unter Feinden sein, Ms Sallow."
      Seine Stimme war unentwegt freundlich geblieben, jedoch enthielten die Worte eine gewisse Endgültigkeit. Zuletzt kratzte er sich jedoch wieder an der Nase, ehe er ihr zu verstehen gab, dass sie den Raum verlassen möge.
      "Nun, das wundert nicht wirklich, denke ich", murmelte er und seufzte. "Nehmen wir die Wahrscheinlichkeit, dass Europol und weitere Geheimdienste und internationale Polizieien diesen Angriff koordiniert haben. Was bisher fraglich ist. Aber nähmen wir es an, so würde das Wissen darum lediglich den oberen 10.000 bekannt sein, nicht wahr? Vielleicht haben es die Anwohner wahrgenommen, jedoch nicht als Angriff. Vielleicht eher als Unfall..:"

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    • Es war reine Fügung, dass Ember abgewandt von Perley stand als dieser ihr berichtete, dass August sie definitiv nicht sehen wollten. So sehr sie es gewollt hätte, die Reaktion auf ihrem Gesicht hatte sie nicht verhindern können. Sie brauchte zwei tiefe Atemzüge ehe sie ihr Gesicht wieder unter Kontrolle hatte und auf Perleys Nachdruck hin den Raum hinter sich zurückließ. Es lag nicht an der Art, wie der Mann es zu ihr gesagt hatte sondern dass ein ihr völlig Fremder ihr diesen Fakt einfach so gegen die Stirn schlug.
      Selbst jetzt, wo man ihr einen höheren Posten erteilt hatte, kam sie sich immer noch so außen vor vor, wie zuvor. Die Befürchtung, dass es rein gar nichts ändern würde, egal wie weit sie aufsteigen würde, war präsenter wie je her. Und jetzt hatte ausgerechnet er ihr ein Hintertürchen aufgemacht, das sie beäugte wie eine Falltür, die sie ins bodenlose reißen würde. Was hatte sie sich noch gleich gesagt? Sie sollte nicht mit den großen Jungs spielen?
      "Ich werde mal schauen, was ich dazu rausfinden kann", murmelte Ember leise während sie ihren Mantel etwas enger an sich zog und dabei den Schlüssel in ihrer Tasche klappern fühlte.
      "Danke für Ihre Aufklärung. Ich hatte Gott weiß was erwartet und nicht einen Hauswart, der mir sogar seine fantastischen Kochkünste anbietet. Die ich heute leider ausschlagen muss. Aber ich würde gerne ein andermal drauf zurückkommen, wenn ich darf?"
      Ember bedachte Perley mit einem ehrlich gemeinten Lächeln. Das einzige, das sie jetzt gerade zustande brachte.
      "Ich schaue demnächst noch einmal herein. Bis dahin geben Sie mir noch ein wenig Bedenkzeit, wenn das recht ist", sagte Ember, deren Hand bereits am Türgriff lag und sie gerade öffnete als sie noch etwas hinzufügte. "Ich hoffe er weiß, dass es das Schlimmste war, was ich bisher getan habe."
      Damit war sie aus der Tür verschwunden und ging in dem Strom an Menschen auf der Straße unter.


      Kapitel II
      Zwischen den Zeilen


      Donnerstag - 07:42 Uhr
      Police Department


      Noch immer war Ember kein Freund des öffentlichen Verkehrs. Sie hatte sich eine große Einkaufstasche umgeschwungen, in der sie ihren Laptop, Notizbücher, Süßigkeiten, Dosen und andere Spielereien ins PD trasportierte. Mit Argwohn hatte sie jeden bösen angeguckt, der ihrer Tasche zu nah kam und war heilfroh, als sie im PD ankam und die Tür zu ihrem Büro aufstieß, um dort die Tasche auf einen der Stühle abzustellen. Morgens war es meist noch nicht so geschäftigt, sodass sie in Ruhe ihren Laptop auspacken konnte und sich den Morgen nehmen konnte, um ihre Datenbank abzugleichen.
      Aus ihrer Tasche wanderte ein kleiner Kaktus sowie eine Dose auf den Schreibtisch, die sie mit Bonbons auffüllte. Eine Angewohnheit, die sie von Noland übernommen hatte und jetzt endlich mal die Möglichkeit hatte, es einzurichten. Viel war es nicht, aber immerhin sah der Schreibtisch nicht mehr ganz so nüchtern aus wie zuvor als sie sich auf ihren Stuhl fallen ließ und den Rechner hochfuhr. Der aufgeklappte Laptop stand bereits daneben und wartete nur auf seinen Einsatz. Tag 2, um eine viel zu lange To-Do-Liste abzuarbeiten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"

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    • Perley geleitete sie hinaus aus dem Raum und schloss die Tür sorgsam hinter ihr.
      Wahrlich, eine kalte Lady, fand er ohne davon einen Hauch von Gefühlen auf seinem Gesicht erstehen zu lassen. Sodann drehte er sich um und verschränkte die Hände hinter dem Rücken, während er sorgsam darauf bedacht war, mit seinem Körper Embers Rückweg in den Raum abzuschneiden.
      "Seien Sie vorsichtig hinsichtlich Ihrer Recherche, wenn ich mir diesen einen Hinweis erlauben darf, Ms Sallow", murmelte Perley und seufzte. "Ich befürchte, die Obersten sehen es nicht gern, wenn man in ihre Dinge sieht. Ich durfte es an Haut und Seele erfahren."
      Er nickte auf ihren Hinweis auf seine Kocjhkunst und lächelte warmherzig, ehe er nickte.
      "Natürlich. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch, Ms Sallow. Ich werde sichergehen, etwas Besonderes zu kredenzen. Ich werde Ihre Anmerkung ausrichten."
      Als Ember Sallow in der Menge verschwand blickte Perley Caulson nachdenklich der jungen Frau hinterher. In Gedanken sah er noch immer August, als Schatten seiner Selbst, nachdem ihn die Arkana zwischen sich hatten und die ganze Zeit vor diesem vermaledeiten Spiegel. Keine Wahl...
      Die Frage ist: Wer hatte keine Wahl?

      Im gleichen Moment, in der Ember sich durch die Masse begab, begab sich auch die junge Frau, deren Zeitung mittlerweile verschollen war, auf den Weg. Als sie das Haus Nummer 221 B passierte, blickte sie für einen kurzen MOment verträumt in die Richtung des Eingangs, ehe sie Ember weiterhin folgte.


      Donnerstag - 08:00 Uhr

      "Und dann ging sie nach Hause", endete Piper ihren kurzen Bericht über Ember Sallow, den Ruairi nur nickend zur Kenntnis nahm.
      Er sah mitnichten gut aus. Die Augen lagen tiefer im Kopf als sonst und hatten ihren Glanz verloren. Sein Haar war zerzaust und selbst sein Körper schien auf eine gewisse Art steif zu sein, als er Piper lächelnd ansah.
      "Vielen Dank, Ms Piper. Das haben Sie gut gemacht. Tun Sie mir bitte einen Gefallen und beschaffen Sie mir die Akten der Silvergate Mordfälle."
      "Die Silvergates? War das nicht ein Teil von August Foremars Morden?"
      "Haargenau", grinste Ruairi und seufzte. "Und nun entschuldigen Sie mich bitte. Der erste Kaffee des Morgens wartet auf seine Begrüßung. Und ich sterbe vor Verlangen danach..."
      "Ich könnte Ihnen einen holen..."
      "Nein, danke, Ms Piper, ich hole ihn se-"
      Just als Ruairi sich aufrichtete, blieb sein Gürtel an der Tischkante hängen und riss einen Stapel Akten vom Tisch, die flatternd zu Boden fielen. Zumindest machten sie sich auf den Weg dorthin, denn Ruairi hechtete ihnen nach, ohne die Tischplatte zu sehen, auf die sein Kopf mit einem Rummsen schlug. Nur um anschließend beim Zurückprallen gegen den Bürostuhl zu rennen, während Piper vor Schreck aufschrie.

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    • Das ständige und schnelle Trippeln ihrer Fingerspitzen auf dem Tisch hätte vermutlich jeden in den Wahnsinn getrieben, der nicht Ember selbst war. Während sie die Informationen aus ihrem Laptop übertrug und jene ausließ, die in ihrem Notizbuch standen, zermaterte sie sich das Hirn. Sie war bei ihrem Fall noch kein Stück weiter, so richtig Gedanken zu der Detektei hatte sie sich auch noch nicht gemacht und von Noland hatte sie ebenfalls noch nichts gehört. Einzig die mittelmäßige Nachforschung zu Ruairi trug sie ein winziges Stückchen weiter, auch wenn es nur ihr persönliches Interesse befriedigte.
      Gerade war sie am überlegen, eine Pro-Contra-Liste anzulegen, da rummste es nebenan und ein gedämpfter Schrei ertönte. Embers Blick huschte zur Uhr - glatt acht Uhr. Sie blinzelte ein weiteres Mal, dann stand sie seufzend auf und schob sich aus ihrem Büro, um in die Tür nebenan zu lugen.
      Wie erwartet fand sie Ruairi vor, der irgendwie... falsch in seinem Stuhl saß und sich die Stirn rieb. Zwischen ihm und ihr stand Piper, von der der Aufschrei demnach stammen musste. Ember runzelte die Stirn als sie die auf dem Boden zerstreuten Aktenordner sah und dann wieder zu Ruairi blickte.
      "Was hat er dieses Mal verbrochen?", fragte Ember mit einer Prise Skepsis in der Stimme.
      Dass er irgendwie gegen den Tisch gekommen sein musste, stand außer Frage. Allerdings konnte sie sich nicht gänzlich erklären, warum er jetzt so auf seinem Stuhl da saß. Bis ihr ein Licht durch das Reiben seiner Stirn aufging.
      "Wirklich?...", murmelte sie leise und verließ ihre lugende Position, um nicht mehr wie der Spanner ums Eck zu wirken. "Alles okay?"
      Als er schlussendlich aufsah, zuckte sogar Ember kurz zusammen. Der Mann war das genaue Gegenteil von dem, den sie gestern kennenlernen durfte. Er sah so unglaublich fertig aus wie sie nach gefühlten drei durchgemachten Nächten zwecks Ermittlung.
      "Was ist denn mit Ihnen passiert?", fragte sie nun ernsthaft überrascht und dankte sich selbst, dass sie ein Zauberwerk besaß, dass sich Makeup schimpfte.

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    • Ächzen und Stöhnen konnten vernommen werden, als sich Ruairi aus dem Stuhl kämpfte, während Piper Mühen hatte, das Lachen zu unterdrücken und sich eilig aus dem Raum verabschiedete.
      Die gute war kaum mehr des Sprechens fähig, ehe Ruairi auf den Boden sah und begann, die Aktenteile seines Massakers einzusammeln.
      "Ms Sallow!"; rief er grinsend und leicht das Gesicht verziehend. "Wie immer am Ball, sobald ich Mist baue. SIe lassen es klingen, als würden wir uns schon Jahre kennen und SIe meine Eigenarten studieren!"
      Er gab das Grinsen dran und hörte auch mit dem Reiben seiner Stirn auf, ehe er sich hinkniete und begann, die Papiere des gestrigen Abends zusammen zu sammeln.
      Simple Einzelfälle die über Nacht herein gekommen waren. Supervisionen, die er durchzuführen hatte und gleichsam noch diverse Personalakten, deren Inhalt sich auf dem säuberlichen Boden des PD verstreuten und beinahe unecht auf dem Marmor wirkten.
      "Es ist alles okay", bestätigte er lachend und kratzte sich am Hinterkopf. "Ach es ist gar nichts. Mein Team hat gestern gewonnen und wir haben etwas gefeiert. Und dann kam gegen drei Uhr nachts noch ein Notfall rein, an dem ich teilgenommen habe. Ein Straßenhehler hat im provisorischen Untergrund verbotene Artefakte verkauft. Nichts gravierendes, aber irgendwie sind die Erkrankungen derzeit ein wenig hoch unter den Kollegen."
      Ruairi unterbrach sich und sah Ember an.
      "Und wie geht es Ihnen? Haben Sie Ihren ersten Arbeitstag gut verdaut? Sie erschienen gestern irgendwie...zerstreut gegen Ende. Hat der Fall Sie mitgenommen oder eher die Tatsache um Foremar?"
      Warum darum herum reden? Es brachte doch nichts. Sie beide wussten, dass die beiden Zeit miteinander verbracht hatten. Wenn man einigen Kollegen und fiesen Gerüchten glauben konnte, sogar mehr. Wobei MacAllister dies nicht einmal denken wollte. Sie und dieser Verbrecher...
      Als er die Akte schließlich beisammen hatte ließ er sie auf den Tisch fallen und sah Sallow breit grinsend an.
      "Und? Was gibts Neues zu unserem Fall?"

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    • Ember machte geflissentlich ein wenig Platz, um Piper ordentlich von Dannen ziehen zu lassen. Irgendwie war sie die Einzige seiner Unterlinge, die sie in seinem Orbit wirklich sah. Schon seltsam.
      "Naja, ich kenne Sie nun nicht sonderlich lange, aber ihre Unglücksquote ist abnormal hoch für den Zeitraum", gab sie nüchtern zurück und schloss zu ihm auf, um sich hinzuhocken und ihm zu helfen ein paar Akten aufzusammeln. Personalakten primär.
      "Ihr Team? Also sind sie Sportfanatiker, soso. Welche Sportart denn? Hoffentlich nicht Polo oder Tischtennis... Das kann ich alles nicht als Sport so richtig akzeptieren."
      Sie musste ein wenig müde lächeln als er sagte, dass früh morgens noch ein Fall reinkam. Zu gut erinnerte sie sich daran, wie sie praktisch mit ihrem Telefon im Bett schlief und nur darauf wartete, dass es klingelte und sie raus in die kalte düstere Nacht rief. All dies war in letzter Zeit stark abgeklungen - warum wusste sie nicht.
      "Erkrankungen?", harkte sie nach als sie ihren Stapel Akten auf seinen Tisch legte und sie ordentlich zusammenschob. "Bei uns hält es sich eigentlich ganz gut im Rahmen. Ich will ja nichts unterstellen, aber das ist nicht zufällig plötzlich so stark aufgetreten seit den vergangenen vier Tagen?"
      Sie betete inständig, dass besagte Kollegen wirklich nur krank waren und sich nicht anderwertig außer Gefecht gesetzt sahen. Einen flüchtigen Blick warf sie Ruairi hinüber. Er musste mit Sicherheit von den Angriffen auf die Zivilisten gehört haben. Er war näher dran an der Thematik als sie selbst.
      Gerade wollte sie davon erzählen, dass sie auch ständig nachts aus dem Bett geklingelt worden war, da unterbrach sich der neue Leiter der Magischen selbst und sah Ember unverholen an. In Windeseile interpretierte ihr Verstand auf verschiedenste Aspekte seine Worte und ließ sie schließlich zu dem Entschluss kommen, dass aufrichtige Sorge vermutlich den Hauptanteil hinter diesen Fragen ausmachte. Dennoch wurden ihre Bewegungen etwas langsamer, als sie den Blickkontakt abbrach und sich in einen der beiden Stühle vor seinem Schreibtisch sinken ließ.
      "Weder noch", antwortete sie wahrheitsgemäß und sah keinen Sinn dahinter, ein Geheimnis um diesen Grund zu machen. "Ich habe versucht mit Noland Kontakt aufzunehmen. Er hat reagiert, aber über einen Zivilisten. Daher rührte die Nachricht, die ich gestern bekommen habe. Ich hatte gehofft, man kann ihn zurückverfolgen oder er ist noch in der Nähe, dass ich wenigstens ein Wort mit ihm wechseln kann." Sie zuckte schwer mit den Schultern. "Aber er hat seine Magie angewandt. Ich habe also nur den Standort von ihm zu dem Zeitpunkt gehabt."
      Das war die Wahrheit zu dem gewesen, das Ruairi gestern bei ihr gesehen hatte bevor sie aus seinem Büro geflohen war. Alles andere, was an dem Abend noch passiert war, sollte und durfte hier nun keine Rolle spielen. Auch wenn sie es ehrlich gesagt leid war, ständig aufzupassen, wem sie welche Informationen vorenthalten sollte.
      Erst als er sie ein weiteres Mal ansprach hob Ember ihren Blick und verfing sich prompt in diesem breiten Grinsen. Woher nahm er nur diese Energie...
      "Es sieht so aus, als wenn es wirklich nur ein Akt der Selbsttötung gewesen war. Ich habe später noch ein wenig recherchiert und nur noch gefunden, dass Highard ihren Freund in Reddit ein bisschen schlecht gemacht hat. Maximal ein bisschen Cybermobbing, aber das war es dann auch schon. Das war nachdem sie sich getrennt hatten. Aber das dürfte eigentlich nicht reichen, um die Frau dranzukriegen. Was auch immer dieses Ding war, das die Spuren in seinem Schlafzimmer hinterlassen hatte, muss vielleicht gar nicht eine tragende Rolle gespielt haben. Ich muss mal schauen, was mir noch so dazu einfällt..."

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    • Ruairi lachte und nickte geflissentlich. Seine Unglücksquote war nun nicht wirklich von der Hand zu weisen. Da war nichts dran schön zu reden.
      "Ja, ich befürchte fast, das stimmt. Die Tollpatschigkeit liegt irgendwie in der Familie, aber das Meiste ist leider bei mir gelandet. Sie sollten mal ein Wochenende mit meiner Familie verbringen, das würde Sie dahingehend umkrempeln", lachte er und kratzte sich Sekunden später am Kopf. "Oh. Also, ich...Ähm. Das sollte keine Einladung sein, also. Vielleicht..Können wir einfach neu anfangen? Hallo Ms Sallow! Nein, die Krankmeldung sind nicht erst seit vier Tagen. Sind schon länger und meist Erschöpfung. ich muss Knight mal ein wenig interviewen, ob ich mehr Menschen bekomme."
      Er verlor sich in seinem Grinsen und hätte beinahe den Aktenstapel erneut fallen gelassen, als er ihren Worten lauschte.
      Also eine Sms von Noland oder einem Menschen den er nutzte? Freilich wusste MacAllister von dem Rogue, dessen Hilfe man sich hier jahrelang bedient hatte. Dass ein Mann mit derartigen Kräften draußen herum lief, war freilich auch bereits auf seinem Tisch gelandet.
      "Hm...", murmelte er und sah sie nachdenklich an. "Wenn SIe einen Standort haben, seien Sie so gut und teilen ihn meinem Team oder mir mit. Meine Leute suchen Noland bereits seit einiger Zeit und scheinen keinen Hang an ihn zu kriegen. Ich habe derzeit so viel zu tun, dass ich nur ungerne selbst hinaus fahren würde, aber wenn es so weiter geht, muss ich das..."
      Ein S-Klasse-Caster der einen Rogue jagt. Er fühlte sich zurückversetzt in seine Ausbildungszeit.
      "Hm..:Warum auch immer, aber irgendwie hat die Selbsttötung einen merkwürdigen Beigeschmack. Weshalb Magie in der Wohnung, wenn er sich selbst mit jedem Messer oder Gürtel hätte einfacher richten können. Und welches magische Ding verschwindet danach einfach?"
      Artefakte, du Dummkopf, schalt er sich und schüttelte den Kopf, ehe er sich Ember wieder zuwandte.
      "Und ja, Sportfanatiker. Ich spiele Basketball und mein Team hat eben gewonnen. Und wir gewinnen nicht häufig, fürchte ich", kicherte er. "Nichts besonderes also."

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    • Mit jedem Wort, dass Ruairi verlor, hoben sich Embers Augenbrauen ein Stückchen weiter. Der Mann kannte sie vielleicht 24 Stunden und brabbelte völlig ahnungslos vor sich hin, ihr seine Familie vorzustellen? Über ein gesamtes Wochenende? Kein Wunder, dass Piper ihm sofort verfallen war, wie so viele andere Damen aus dem Gebäude ebenfalls. Der gute Mann war dermaßen arglos, was seine Wortwahl anging, dass ihn irgendjemand da doch einmal drauf stürzen sollte. Kurz war sie am überlegen, ob sie ihn darauf einfach festnageln sollte, entschied sich aber schlussendlich dagegen.
      "Ein bisschen unterbesetzt,hm? Hat man bei Ihrer Vorgängerin nicht so gehört. Vielleicht weil sie einfach ein anderes Regime gefahren ist", dachte Ember laut dazu und nestelte nebenbei an dem Saum ihres Blusenärmels herum. "Sie werden Noland nicht finden, fürchte ich. Man hat ihn damals als Jugendlichen nur deswegen festsetzen können weil er es nicht besser wusste und man ihn noch beeinflussen konnte. Jetzt ist er viel zu alt, als dass er sich einschüchtern ließe und weiß, wie er sich anstellen muss um unter dem Radar zu fliegen. Der Mann, den ich am Handy hatte als ich die Nummer anrief, war über einen Mast in Leeds eingewählt. Das war allerdings gestern, ich fürchte, Noland ist schon eine ganze Ecke weiter. Selbst wenn Sie rausfahren werden Sie vermutlich nicht weiterkommen. Der gute Mann löscht einfach die Erinnerungen der Menschen, mit denen er im Kontakt stand. Wie will man das nachverfolgen? Außer natürlich, Sie haben irgendeinen Weg, das zu umgehen. Wobei mir einfällt, wie funktioniert eigentlich Ihre Magie? Cunningham war ja relativ unspektakulär mit ihrem Vakuum."
      Wie zur Bestätigung kramte sie ihr Handy hervor und schaute auf den Bildschirm, der unaufregend ereignislos war.
      "Sicher hat es einene Beigeschmack. Deswegen lege ich es ja auch nicht direkt als gewöhnlichen Akt der Selbsttötung ab. Ja, er hätte sich einen Gürtel nehmen können statt des Nylonbandes. Oder was auch immer. Wie gesagt, ich muss nochmal schauen..."
      Dann summte plötzlich ihr Handy doch auf ihrem Bein, prompt schoss ihr Blick auf den Bildschirm. Eine knappe Nachricht von Peacock, sie möge bei Gelegenheit doch einmal das verdammte Telefon abnehmen. Sichtlich irritiert schaute Ember sinnbildlich zur Wand, hinter der ihr eigenes Büro war und lauschte. Allerdings hörte sie kein Telefon. Stabile Wände, würde manch einer behaupten.
      Einen Moment später drifteten ihre Augen wieder zurück zu Ruairi.
      "Bei Ihrer Größe wundert mich die Sportart nicht. Passend würde ich sagen. Aber wenn Sie nach einer Nacht schon so fertig aussehen, wie sollen Sie dann morgen Abend durchhalten?"

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    • Ruairi wanderte um den Tisch herum und durch den Raum, gleichsam als suchte er etwas und gleichzeitig nichts. Währenddessen rasten seine Gedanken von der eben erlebten Peinlichkeit bis hin zu der Tatsache, dass ein überaus fähiger Rogue draußen frei herum lief und ein gefundenes Fressen für die Welt oder Foremar wäre. Wenngar für einen anderen Arkana. Nolands Kräfte waren reizvoll, so viel stand fest.
      "Das mag alles sein", gestand er Ember zu und nickte. "Ich gebe zu, dass meine Leute durchaus fähiger Sucher sind jedoch einem guten Rogue unterlegen. Daher würde ich ungerne selbst hinaus gehen und mich allzu früh preisgeben. Auch wenn ich ein gutes Gefühl habe ihn finden zu können."
      Er zuckte mit den Schultern und seufzte.
      "Wir müssen warten, denke ich. Haben Sie eine Idee, wo er hin will? Ich meine Leeds...Will er in den Norden?", fragte er und auf ihre Frage antwortete er mit einem Lächeln. "Ist ein wenig kompliziert. Irgendwann sehen Sie sie und dann wirds leichter zu erklären. So bin ich einfach nur ein Manipulator."
      Ruairi hasste Gespräche über seine Magie. Zumeist waren die Menschen danach entweder enttäuscht oder verängstigt und sprachen nicht mehr mit ihm. Auch wenn er dieses Gefühl nicht bei Sallow hatte, war doch die Vorsicht allgegenwärtig.
      "Ich kante Cunningham nicht, aber zumindest hat sie die Reihen tüchtig ausgedünnt. Muss mit der ganzen Sache um die Arkana zu tun gehabt haben", murmelte er und zuckte erneut mit den Schultern, dass es knackte. "Autsch...Halten Sie mich auf dem Laufenden, was den Selbstmord angeht. Würde da gern mit Ihnen weiter dran arbeiten, wenns Recht ist."
      Das Lächeln, das er ihr schenkte, während er seine Schuilter bewegte war entwaffnend fröhlich und beinahe zu freundlich. Sachte settzte er sich wieder in seinen Stuhl und grinste sie an.
      "Passend, soso?", lachte er. "Sie können ja mal bei einem Spiel vorbei schauen. Oder Sie spielen mit. Außerdem: Sie wissen schon, dass ich Schotte bin? Halten Sie lieber mit mir mit."
      Das Zwinkern, dass seinen Satz begleitete, tat ihm danacxh schon wieder Leid.
      "Entschuldigung, manchmal...Manchmal gehts einfach mit mir durch...Ich möchte natürlich nicht, dass Sie sich zum Trinken genötigt fühlen. Würde mich aber freuen, den ein oder anderen Becher mit Ihnen zu teilen."

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    • Dezent kräuselten sich Embers Lippen als sie Ruairi dabei beobachtete, wie er eine Gewohnheit zur Schau stellte, die üblicherweise eher ihr zu zuschreiben war. Der Mann tigerte genauso durch den Raum, wenn er angestrengt über etwas nachdachte, wie sie es selbst tat. Natürlich würde man das Ass erst zuletzt spielen wollen, gerade wenn besagtes Ass sich sicher war, das Spiel zu gewinnen.
      "Dass er in den Norden will, scheint zumindest so zu sein. Der Mann war Jahrzehnte lang weggesperrt worden. Er hat sich vieles nur durch diejenigen erschlossen, die ihm ihre Erinnerungen mitgeteilt hatten. Zu denen ich übrigens nicht zähle. Ich mag keine Za-", Ember unterbrach sich selbst als sie fast eine Floskel ausgesprochen hatte, die sie über Jahre ihren festen Glauben verschrieben hatte und nun diese einmal überdenken sollte.
      "Ich mag keine Zauber, die in die Gedankenwelt anderer eindringen."
      Das war nicht gelogen. Sie kam sehr gut damit klar, wenn die Zauberer Dinge bewerkstelligten, die sich außerhalb des menschlichen Körpers befanden. Aber sobald sie in den Bereich der Beeinflussung abdriftete, so wie Noland es tat, war ihr die Sache nicht mehr geheuer. Wer konnte ihr bestätigen, dass der Mann wirklich nur Beobachter war und nicht doch Erinnerungen verdrehte wie es ihm gerade passte? Zwischen verdrehen und auslöschen dürfte kein so großer Unterschied sein.
      Nun war Ember an der Reihe mit der Schulter zu zucken und setzte sogar eine gespielt beleidigte Minie auf. "So ein Pech aber auch. Hätte ich gern mal gesehen, was der große neue S-Klasse Caster so mitbringt."
      Ein bisschen Neugierde konnte man ihr wohl nicht verübeln. Immerhin wollte sie wissen, mit was sie gegebenenfalls rechnen musste und inwie weit sie aufpassen sollte, was sie sagte oder wie sie sich präsentierte. In der kurzen Zeit mit den Arkana hatte sie zu viele verschiedene Arten der Magie gesehen, als dass sie sich noch groß fragte, was überhaupt möglich war und was nicht.
      Ein dumpfes Knacken ertönte, als der schlacksige Mann erneut mit den Schultern zuckte.
      "Sicher, wenn ich was Neues habe, teile ich Ihnen das mit."
      Irgendwie war es fast unmöglich, nicht jede Bewegung dieses Mannes mit den Augen nachzuverfolgen und sich ein bisschen besser zu fühlen, kaum strahlte er einen regelrecht an. Intuitiv fragte sich Ember, ob das auch schon an seiner Magie liegen mochte. Dass er deswegen so fertig aussah, weil er seine Reserven nicht ordentlich hatte auffüllen können und keine Objekte, sondern Menschen dauerhaft manipulierte. Oder eher gesagt, wie vielleicht er auf sie wirken mochte.
      Als er sich schon wieder in seiner Wortwahl vergriff und ihr dann noch aggressiv zuzwinkerte, konnte sie nicht anders und lachte leise auf.
      "Sie wissen schon, wie klein ich bin, ja? Und dann soll ich Basketball spielen, wo die Größe schon entscheidend sein kann? Sicher doch." Sie grinste, als sie sich aus dem Stuhl erhob nachdem sie beschlossen hatte, ihm schon genug Zeit geraubt zu haben. "Also ist dieses eine Gerücht noch nicht bis zu Ihnen durchgedrungen. Spannend. Meine Kollegen gehen mitunter deswegen nicht mehr mit mir los weil ich sie alle hoffnungslos unter den Tisch getrunken habe. Aber gut, da sollte man sich vielleicht nicht gerade als Frau mit rühmen."
      Sie hob ihre Hände kurz hoch in die Luft à la Kann man nichts machen. Dann schlenderte sie in Richtung Tür.
      "Im übrigen sollten Sie aufpassen, wem Sie solche Einladungen zukommen lassen. Es gibt genug Damen hier, die sich direkt bei Ihrer Familie für besagtes Wochenende einquartiert hätten. Das könnte bei den Falschen direkt missverständlich aufgenommen werden. Aber keine Sorge, morgen Abend steht ja noch. Da wird bestimmt der ein oder andere Becher mit mir drin sein."
      Ember warf ihm ein spitzbübisches Lächeln zu kurz bevor sie die Tür zu seinem Büro schloss und sich in ihr eigenes einquartierte. Es gab ja eine Saftnase, die ihre Aufmerksamkeit verlangte.

      Spoiler anzeigen
      In Ruairis Emailfach kommt eine neue Mail von Peacock.
      Betreff: Drohbriefe
      Sehr geehrter Mr MacAllister,
      ich war mir nicht sicher, in welchen Bereich es genau fällt, also den Ihren oder Sallows. Ich habe vorhin versucht, Sallow zu erreiche, aber sie scheint nicht am Platz zu sein. Ich werde sie darüber auch noch unterrichten.
      Mrs. Tallburn hat sich gemeldet, sie bekäme in letzter Zeit immer mehr Drohbriefe und Hassmails. Teilweise mit Todesdrohungen. Sie fürchtet nun Übergriffe und eine Gefährdung für ihre Person und bittet uns um Hilfe.
      Sie schließt magische sowie nichtmagische Übergriffe nicht aus.
      Wie sollen wir verfahren?
      Peacock


      Spoiler anzeigen
      Elisabeth Tallburn ist eine mittelmäßig bekannte Aktivistin, die sich für die Gemeinschaft von Menschen und Zauberer einsetzt. Sie selbst ist eine ausgebildete Casterin, allerdings auf sehr niedrigem Level (hat es nie weiter verfolgt).
      Tritt häufiger in der Öffentlichkeit auf und plädiert für die Unschuld der Arkana, insbesondere nach der Angelusattacke.
      Besitzt einen großen Sympathisantenkreis unter den Menschen, einen deutlich kleineren unter den Castern und noch weniger Rogues.
      Eigentlich bekannt für ihre manchmal doch recht reißerische Art der Publicity, an sich aber eine sehr bodenständige Singlefrau, die allerdings noch den Nachnamen ihres Exmannes trägt.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für einen Moment lang erstarrte Ruairi inmitten seiner Bewegung, als es den Anschein machte, als wollte Ember sagen, dass sie keine Zauberer mochte. Sicherlich war diese Meinung durchaus verbreitet und gerade auch im PD durchaus beliebt, aber dennoch erhoffte er sich von Führungskräften mehr Prof-
      Sei ehrlich du Dummkopf!, schalt er sich und schüttelte den Kopf. Du findest eine Frau, die du attraktiver als den Überdurchschnitt findest und die auch noch mehr als genug im Kopf hat und redest es dir mit Führungskräften schön? Anfänger!
      Als sie sich korrigierte, hoffte er, dass sie sein Ausatmen nicht bemerken würde.
      "Das kann ich verstehen", murmelte er nachdenklich. "Wer würde nicht in Versuchung geraten, die Gedanken anderer zu manipulieren wenn er die Möglichkeit hätte. Ich halte dies nicht einmal für ein Verbrechen, wenn ich ehrlich bin. Noland war sicherlich einsam in seiner Denkensweise und wollte sich der Welt wieder anschließen. Wollen wir hoffen, dass er keinen Kontakt zu gefährlicheren Menschen aufnimmt."
      Als Ruairi ihre Miene sah, musste er grinsen. Sogar breiter als vorher. Ob sie wusste, dass sie einfach umwerfend war?
      Kitschiger Vollidiot!, dachte er sich.
      "Es wird eine Möglichkeit geben", grinste er und wandte sich seinem PC zu, auf dem eine E-Mail von Peacock aufploppte.
      Diese wurde geflissentlich ignoriert, da ihr Lachen an sein Ohr drang. Glockenhell und doch versteckt. WIe eine geheime Glocke von Notre Dame. Kostbar, wenn man es entdeckte. Und süchtig machender als Crack.
      "Auf die Größe kommt es dabei gar nicht an", lachte er ebenso. "DIe meisten sind recht groß, ja, aber zumeist ist die Präsenz eine entscheidende Technik. Und Ihre ist großartig! Sie wären ein wunderbarer Point Guard."
      Schweigend sah er ihr nach während er lächelte und sich im Stuhl zurück lehnte. Irgendwie hatte er im Gefühl, dass Freitag ein guter Tag werden würde. Irgendwie ja. Und so sehr er nach einem Grund suchte, sie hier zu halten, es fiel ihm einer ein.
      "Nein, das Gerücht drang nicht durch. Aber ich nehme Sie beim Wort! Ich freue mich drauf", lachte er und sah ihr nach.
      Als sie durch die Tür verschwunden war, schlug sein Kopf sachte auf den Tisch und er atmete aus. War es heiß hier geworden? Vermutlich eher nicht. Sich aufrichtend blickte er auf seinen PC Monitor und verdrehte die Augen.
      "'Sie wären ein wunderbarer Point Guard'??", fragte er sich wispernd selbst und schüttelte den Kopf. "Ganz großes Tennis, Ruairi...Ganz stark..."
      Kopfschüttelnd öffnete er eine leere E-Mail und schrieb Embers Namen hinein.
      Ein kurzer Text nur, aber das sollte noch klargestellt werden.
      'Wer sagt, dass jede Frau diese Einladung erhält? RMA'
      Schweigsam sendete er die Mail ab, ehe er sich genügend Geisteskälte verschafft hatte um Peacocks Mail zu lesen. Der Inhalt war zwar nicht besonde3rs brisant aber er witterte einen Außendienst. Und warum sollte es eigentlich nicht schaden, selbst hinaus zu fahren?
      "'Danke Peacock. Ich fahre selbst hinaus. Sagen Sie bitte Piper und Kauley Bescheid, sie mögen sich bereithalten. Vielen Dank. RMA'"
      Senden.
      Immerhin.
      Langsam erhob er sich und überlegte derweil bereits wie er es angehen wollte. Es war unüblich als Leitung so oft vor die Tür zu gehen, aber er brauchte Luft. Kalte Luft. Wer weiß, auf welche kruden Sprüche er noch kam?
      Und doch..:So während er aus dem Büro ging und die Tür schloss, grinste er bereits über beide Ohren. Eigentlich war es doch eine gute Ausrede...
      Sorgsam schloss er die Tür ab und klopfte bei Ember an, ehe er die Tür sachte öffnete.
      "Nachdem wir uns heute noch gar nicht gesehen haben: Haben Sie Lust mit rauszufahren? Es wäre auch ein Außendienstkaffee drin!"

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    • Ember hatte gerade einmal die Zeit gehabt, sich auf ihren Stuhl zu setzen und einen Blick auf den Bildschirm zu richten, da wurde ihr eine neue Email angezeigt. Noch bevor sie einen Blick auf die mit WICHTIG markierte Email Peacocks warf, öffnete sie die neue, die von ihrem Zimmernachbarn stammte.
      'Wer sagt, dass jede Frau diese Einladung erhält? RMA'
      Mehrmals las sie diesen einfachen Satz und ertappte sich dabei, wie sie nachdenklich mit ihrem Zeigefinger über ihre Unterlippe fuhr. Ganz offensichtlich war dies etwas gewesen, das er nicht leichtfertig dahingeplappert hatte sondern eine gewisse Absicht dahinter zu hegen schien. Trotzdem schüttelte sie sachte den Kopf als wäre sie im Unglauben über das, was sie gerade gelesen hatte. Der gute Mann kannte sie nur anhand von Berichten und der letzten Stunden. Er hatte überhaupt keine Ahnung, was für eine chaotische Aura sie zu umgeben schien, die sein ohnehin schon immenses Unglück nur noch anfeuern könnte.
      Allerdings....
      "Was macht denn ein Point Guard...", murmelte Ember und googlete sich das Gröbste zusammen. "Der Spielmacher? Ah ja..."
      Amüsiert stieß sie die Luft zwischen ihren leicht geöffneten Lippen hinaus ehe sie sich Peacocks Email widmete und diese schnell überflog. Seit wann war sie Anlaufstellen für Drohbriefe und Belästigung? War sie eigentlich nicht dafür da, wenn das Übel schon geschehen war? Zumal sie vermutlich mit der guten Frau härter aneinander rasseln würde, als ihr lieb war.
      Sie hatte nicht einmal zehn Minuten Ruhe für sich, da klopfte es schon wieder an der Tür und sie plusterte sich bereits auf, um ihre wohlverdiente Ruhe zu fordern, da lugte Ruairi durch den Türspalt. Augenblicklich verlor ihr Brustkorb die angesammelte Luft und ließ sie wieder etwas zusammenschrumpfen.
      SIe klappte ihren Mund auf in dem Versuch, das erst beste zu spotten, was ihr einfiel, doch sie riss sich zusammen. Stattdessen verließ sie ein theatralisch anmutendes Seufzen bei seinem Anblick. Allerdings klappte sie ihren Laptop als erstes Zeichen zu.
      "Mit rauszufahren klingt eher so, als würden Sie mich fragen, ob wir an die Küste fahren", erwiderte sie stattdessen, drückte sich vom Tisch ab und schnappte sich den Mantel, den sie um ihren Stuhl gehangen hatte. "Aber die Einladung auf einen Kaffee kann ich natürlich einem Neuling nicht abschlagen. Irgendjemand muss Ihnen ja noch zeigen, wo es den Besten gibt."

      Üblicherweise hatte Ember nicht einkalkuliert, so schnell wieder in Ruairis Auto zu sitzen. Sie war schon froh darüber, dass heute wenigstens die Schranken vor dem Parkplatz wieder funktionierten und sie ihn zu einem kleinen unauffälligen Café in einer Seitenstraße lotsen konnte, wo sie häufiger einen Umweg für einlegte. Noch immer kam sie nicht drüber hinweg, wie Ruairi einfach seinen Ausweis ins Fenster schmiss und ihr damit bedeutete, auszusteigen. Sie selbst hatte ihr Kärtchen nie so missbraucht.
      Du kleiner Moralapostel...
      "Tun Sie mir nur den Gefallen und lassen mich die Becher tragen. Meine Nerven halten es nicht aus, wenn Sie stolpern und meinen Kaffee verlieren", triezte sie den Mann in ihrem nicht vorhandenen Schatten und schob sich vor ihm ins Café.
      Der Durchgangsverkehr um diese Uhrzeit war für den kleinen Laden relativ groß. Trotzdem hatten die Bedienungen hinter dem Tresen ein gutes Auge auf die Neuankömmlinge im Geschäft, sodass sofort von einem noch recht jungen Barista hinter dem Tresen die Hand in die Höhe schoss.
      "Ms Sallow! Lange nicht gesehen!"
      Auf Embers Gesicht erschien ein breites Grinsen, das Ruairi nicht sehen konnte, und reihte sich in der Schlange ein. Sie bedeutete dem jungen Mann, dass sie ihn gesehen hatte und gleich bei ihm sein würde.
      "Die beziehen hier sortenreinen Kaffee und mischen ihn selbst zusammen. Aber ich persönlich bin Fan von den Spezialitäten, die sie hier haben. Was trinken Sie?", fragte sie Ruairi, der mittlerweile neben statt hinter ihr stand.


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      Tallburn hat eine Privatwohnung, zu der sie allerdings niemanden geladen hat. Die meiste Zeit über befindet sie sich in der Versammlungsstätte ihrer Partei am anderen Ende der Stadt. Dort hat jeder Zutritt und ihre Post landet dort in Schließfächern. Die Stätte ist weniger formell ausgestattet, wirkt eher wie eine übergroße Lounge anstelle eines Parteigebäudes. Sie hat allerdings ein separiertes Sprechzimmer, um wichtige Gespräche abzuhalten. Vir dem Gebäude gibt es einige Parkplätze sowie Grünanlagen.

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