[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Ruairis Weg hatte ihn die letzte halbe Stunde durch den Innenhof geführt, wo er Gott und der Welt eine Begrüßung zuteil werden ließ. Gefühlte dreißig Einladungen zu einem Umtrunk am Freitag in dem kleinen Lokal namens "Ten Bells" später wanderte er die Treppe hinauf. Zwischenzeitlich hatte er sich mit dem Gedanken angefreundet, dass in London niemand wirklich Rücksicht auf seine Zuständigkeiten nahm. Hatte er gerade wirklich dem Hausmeister geholfen, den Innenhof zu kehren?
      Kopfschüttelnd wollte er gerade sein Büro betreten, da lief er in eine junge Kollegin hinein, die mit einem überraschten Laut zurücksprang.
      "Oh, Entschuldigung!", rief sie und schob eilig ihre Brille hinauf.
      "Kein Problem. Geht es Ihnen gut, Ms Piper?"
      Emily Piper war Teil der Ausbildung. Zumindest als Mitarbeiterin erschien sie ihm fähig und fleißig. Dennoch irritierte Ruairi der schüchterne Blick in seine Richtung während er sich wieder aufrichtete.
      "Mr MacAllister, ich...Ich habe einen Auftrag von Knight", piepte Piper und reichte eine recht dicke Akte herüber, die vor Fotoaufnahmen nur so strotzte.
      "Was..."
      "Die Ausbildung, Sir. Commissioner Knight meinte, dass der Stand der Caster zu niedrig wäre um effektiv zu sein und es bedürfe einer Aufarbeitung."
      Gemeinsam wanderten sie in Richtung seines Büros, vor welchem Piper kurz davor abbiegen wollte.
      "In Ordnung, ich sehe es mir an", bestätigte Ruairi grinsend und sah Piper an. "Würden Sie mir vielleicht beizeiten mit Ihrer Expertise helfen? Dann habe ich vielleicht einen besseren Überblick..."
      Für einen Moment erschien es so, als würde Piper die Brille verlieren und schluckte, ehe sie mit einem schnellen Nicken verschwand und Ruairi den Kopf schieflegte.
      Was war nur mit diesen Londonern?
      Schweigsam trat er in sein Büro und klappte die Akte zusammen, als er Ember dort warten sah.
      "Oh, so schnell ein Wiedersehen?", fragte er und wollte die Akte schwungvoll auf seinen Tisch werfen, als er die Haltung verlor, über eine Bodenwelle stolperte und die Akte in einem eleganten Bogen in den Müll warf.
      Er selbst stolperte unsanft durch den Raum und fing sich gerade noch so an dem Bücherregal.
      "Ups", murmelte er und eilte zum Papierkorb um die Akte heraus zu fischen.
      "Was kann ich für Sie tun?", fragte er fröhlich und zog die Bestandteile aus dem Müll.

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    • Da Ember die Tür zu Ruairis Büro offen stehen gelassen hatte, hörte sie die Stimmen noch bevor sie sie sah. Neugierig wie sie nun mal war drehte sie sich auf ihrem Stuhl um und sah gerade noch das herrliche Spiel vom Leiter der Magischen und der Auszubildenden Piper. Ember schürzte die Lippen, was der gute Mann freilich nicht sehen konnte und drehte sich wieder zurück nach vorn.
      Hätte sie vielleicht nicht unbedingt tun sollen, denn dadurch verpasste sie seine Stolpereinlage und sah nur noch, wie die fette Akte zielsicher im Mülleimer landete. Das konnte doch alles nicht nur Tollpatschigkeit sein. Der Mann war schließlich S-Caster...
      "Wir haben unsere Büros direkt nebeneinander. Ich fürchte, da läuft man sich häufiger als üblich in diesem Komplex über den Weg", entgegnete sie und beobachtete den großgebauten Mann dabei, wie er die Akte aus dem Papierkorb zog und sie schwer auf den Tisch fallen ließ. "Wussten Sie eigentlich, dass Ihre Beliebheitsskala gerade unter den Damen des Hauses buchstäblich durch die Decke geht? Sogar die Auszubildende steht auf Sie und Sie schütteln nur den Kopf."
      Sah doch ein Blinder mit Krückstock.
      Ember streckte sich nach dem Mülleimer, um Ruairi dabei zu helfen, die restlichen Bestandteile heraus zu holen. Er hatte ganz offensichtlich die fettere Akte abbekommen und schien nicht im geringsten darüber genervt zu sein. Dieser Kerl besaß eine Motivation für das gesamte Stockwerk.
      "Sie könnten mir zum Beispiel erklären, wie ein derartiger Tollpatsch zur S-Klasse aufsteigt...", nuschelte sie gen Boden ehe sie sich aufrichtete und die Stimme gleichfalls hob. "Ich brauche einen Analysten. Knight hat mir eine Selbsttötung zugetragen, die keine war. Wenn ich dir den Ort anschaue brauche ich jemanden, der feine Magiespuren feststellen und zuordnen kann. Sonst wird's schwierig. Ich kenne nur Samshore mit einer gewissen Affinität, vielleicht haben Sie noch einen Tipp für mich?"
      Und bitte sag nicht, dass du das auch noch gut kannst...

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    • Ruairi ließ sich geräuschvoll ächzend auf seinem Bürostuhl nieder und schob die Akte beiseite.
      Beinahe wäre sie erneut vom Tisch gekippt, jedoch rettete dies Unglück ein schneller Griff auf das Papier und ein leidliches Lächeln.
      "Das ist wohl war", bestätigte er. "Und nein, das wusste ich nicht."
      Er grinste schon wieder in einem entwaffnenden Format und beugte sich leicht vor.
      "Es ist aber auch so, dass mir die Zuneigung der meisten in meinem Leben nicht allzu viel bedeutet", murmelte Ruairi grinsend. "Von daher haben wir dort wieder etwas gemeinsam. Und auch wenn die DAmen des Hauses einen gewissen Faible für mich entwickeln, so geht es mir leider nicht so. Und Ms Piper ist keine Auszubildende, auch wenn sie so aussieht. Sie ist Analystin!"
      Dankend nahm er die restlichen Teile von ihr entgegen und sortierte sie recht sicher in die Akte ein, wärhend er ihr zuhörte.
      "Nun...Indem der Tollpatsch ein recht fähiger Caster ist, eine außergewöhnliche Begabung an den Tag legte und gleichsam ein abgeschlossenes Studium an der Universität Glasgow vorweisen kann. Geschichte, falls es sie interessiert. Spezialgebiet Magie."
      Nicht einen Moment lang glaubte Ruairi dass ihre Fragen einen Argwohn beinhalteten. Sie hatte nur eine sehr überwältigende Art, Informationen zu erfragen. Beinahe so, als wollte sie schnellstmöglich alles wissen.
      Als habe sie keine Zeit für irgendetwas. Eigentlich schade, wenn man bedachte, wie viel Freude sie haben könnte, wenn sie sich nur etwas Zeit nahm.
      Gemeinsam mit ihr erhob MacAllister sich und kratzte sich die Nase.
      "Hm...Einen Analysten...", wisperte er. "Es gibt sicherlich Caster, die diese Ansprüche erfüllen würden. Samshore ist gut, freilich... Wobei ich zugeben muss, dass es mich selbst ein wenig reizen würde, wenn ich mal aus diesen Wänden heraus käme. Ich habe die letzten drei Monate in Glasgow nur hinter dem Schreibtisch verbracht und sehne mich nach etwas Außendienst."
      Erneut lächelte er sie an und fischte nach seiner Jacke.
      "Es ist beschlossen", verkündete er. "Wenn es Ihnen passt, bin ich der Ihre. Zumindest sollten meine Fähigkeiten recht hilfreich sein, denke ich."
      Eine Hand wies bereits aus seinem Büro hinaus, um ihr den Vortritt zu lassen.

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    • Piper war keine Auszubildende? Dann hatte sie gehörig was missverstanden. Auch so etwas dürfte sie sich in ihrer Position nicht mehr erlauben, sofern sie diese denn annahm.
      Nachdenklich betrachtete Ember Ruairi, wie er die Bestandteile einsortierte und tatsächlich Antwort auf ihre doch sehr genuschelte Frage gab. Noch ein Punkt, den sie so von August nicht kannte. Während dieser sich scheinbar in Mysterien rühmte, plauderte dieser Caster viel zu viel freiwillig heraus. Oder sie hatte einfach noch nicht die richtig schnittigen Themen erwischt.
      Fast wäre ihr ein Seufzen entkommen als Ruairi natürlich selbst mitkommen wollte. Es war ganz sicherlich nicht so, dass sie ihn abstoßend fand - er kitzelte nur an Stellen herum, die völlig verstaubt gewesen waren. Immerhin hatte er es schon geschafft, dass sie einen Teil der vergangenen Tage zumindest auszublenden schien.
      Geschlagen erwiderte Ember sein allumfassendes Lächeln nachdem er sich seine Jacke geschnappt hatte und zur Tür wies.
      "Was fahren Sie eigentlich für ein Auto?"

      Embers Miene war anerkennend, als Ruairi ihr sein Auto präsentierte und sie auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Sie war eindeutig zu klein für das Auto, denn ihre Füße erreichten nicht einmal die Wand des Fußraumes. Trotzdem war dies ein anderes Gefühl, wie wenn Shawn sie fuhr. Was dafür sorgte, dass sie schlussendlich den gesamten Weg über in Plauderlaune verfiel und scheinbar den ganzen Druck am Präsidium zurückließ.
      So erzählte sie ihm wie es zu dem Verlust ihres eigenen Wagens gekommen war und dass dankenderweise ihr Bruder sie ständig durch die Gegend kutschiert hatte. Aber mit seiner Rückkehr und ihrem Unwillen, ständig Geld für die überteuerten Taxen zu bezahlen würde sie sich am Wochenende mal nach einem neuen Wagen umschauen. Zumal die Versicherung dann langsam auch mal aktiv werden dürfte.


      Mittwoch - 11:39 Uhr
      Lakeside Road


      Sie hielten vor einem Wohnhauskomplex in der Nähe von Notting Hill. Die Gegend war nicht besonders auffällig als Ember aus dem Wagen stieg und ihre Tasche richtete. Sie hatte während der Fahrt mit dem Officer telefonieren können, der die Tür mit aufgebrochen hatte und würde sie nun einlassen. An der Tür des Hauses wartete der korpulente Mann bereits auf sie und nickte ihnen zu.
      "Ember Sallow, hi. Das ist Ruairi MacAllister", stellte Ember sie vor und deutete kurz auf den schlacksigen Mann am Auto, dem gerade seine Schlüssel runtergefallen waren.
      "Ist mit Ihrem Mann alles in Ordnung?", fragte der Officer und lugte an der kleineren Frau vor ihm vorbei.
      "Ja, alles wunderbar. Jeder verliert mal kurz was, oder? Also, welches Stockwerk ist es denn?"
      "Im dritten. Es ist nur die Leiche abtransportiert worden, der Rest ist unberührt."
      "Alles klar, dann mal los."
      Die Tür im Flur war mit gelbem Warnband abgesperrt unter dem sie alle nun her tauchten und die Wohnung betraten. Die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung war sehr aufgeräumt, die Rollläden halb herunter gelassen und wirkte nicht sondern auffällig. Aber das Fußkettchen an Embers Knöchel begann dezent zu Vibrieren. Also war hier tatsächlich etwas gewesen.
      "Wir schauen uns dann einmal um, vielen Dank", sagte Ember zu dem Officer, der nickte und sich wieder zurückzog.
      Dann steuerte Ember direkt das Wohnzimmer an, wo sich der Hergang erübrigt hatte. Fast nichts wies darauf hin, dass sich hier jemand erhangen hatte. Nur der scheinbar frisch angebrachte extra verstärkte Haken an der Decke und das blaue Polyesterstrohband verrieten, dass hier jemand Selbstmord begangen hatte. Es lag sogar noch umgekippt der kleine Stuhl an der Seite.
      "Sofern wir das richtig erfasst haben, war weder das Opfer noch seine Exfreundin magisch begabt. Also war ein Dritter involviert, würde ich sagen", folgerte Ember während sie sachte durch den Raum schritt und die Objekte untersuchte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi MacAllister war kein stolzer oder gar überheblicher Mann.
      Auch wenn man bei dem Auto, das jetzt in die Lakeside Road von Notting Hill einbog, nicht davon ausgehen mochte. Röhrend parkte er das Auto beinahe obszön falsch auf der Straße und in zweiter Reihe, ehe er seinen Polizeiausweis in das Fenster schmiss. Zumeist reichte dies aus, um eine Parkverwarnung zu vermeiden, aber in London war vieles anders, weshalb er zunächst ein wenig zurück blieb.
      Freilich fielen ihm die Schlüssel erneut zu Boden, nachdem das bereits sieben Mal heute passiert war. Ärgerlich stopfte er den Anhänger in seine Hosentasche und betrat mit Ember das Wohngebäude, vorbei an einem massigen Polizisten.
      "Guten Morgen", murmelte er und drückte sich an dem Menschen vorbei, ehe sie die Treppen nach oben erklommen. Es war, wie der Herr es beschrieben hatte.
      Man hatte die Leiche entfernt aber sonst alles recht unberührt gelassen.
      Das einzige, was sich veränderte, war die Aura um Ruairi herum. War er zuvor noch fröhlich lächelnd und mehr tollpatschig umher gegeistert, so erschien sein Gang, sobald sie das Mehrfamilienhaus betraten, sicherer als zuvor. Beinahe tänzelnd genau, wenn man es so sah.
      Mit zielsicherem Schritt betrat er hinter Ember die Wohnung und warf einen schnellen Blick hindurch, während er Ember zunickte.
      "Beinahe zu ordentlich für Jemanden, der sich das Leben nehmen will", murmelte er vor sich hin.
      Studien gaben ihm in dieser Hinsicht recht. Eine unordentliche Umgebung war zumeist eine Begleiterscheinung einer nährenden Depression. Sicherlich konnte dies nicht für alles gelten, aber komisch war es schon.
      "Ist die Exfreundin noch zugegen?", fragte er interessiert und beugte sich auf ein Knie.
      Sachte legte er eine Handfläche auf den Boden und streckte binnen Sekunden seine gesamte Aura durch den Raum. Ein leicht leuchtender Ring glühte um seine Iris während er durch den Raum sah und suchte.
      Er fragte sich, was er genau finden würde...
      "Zumindest wurde Magie gewirkt", murmelte er. "Geben Sie mir eine Minute."

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    • "Ich habe Peacock angewiesen, die Exfreundin ins Revier zu holen. Wir müssen sie befragen, und ohne Noland wird das ein wenig schwieriger als zuvor."
      Ember öffnete ihre Handtasche und zog ein Paar unaufregende Stoffhandschuhe hervor. Sie waren von Heyden behandelt worden, sodass Berührungen mit diesen Handschuhen Aurenspuren intakt ließen. Auf den Schränken waren etliche Bilderrahmen umgeklappt und als sie einen davon aufnahm und sich das Bild darin anschaute, ahnte sie schon warum. Auf jedem umgeklappten Bild waren der junge Mann und seine Exfreundin zu sehen. Offenbar eine glücklichere und längere Beziehung.
      "Die Bilder sind erst seit kurzem umgelegt worden. Also ist die Trennung nicht lange her. Meinen Sie, er hat den Schmerz nicht ausgehalten und sich deswegen erhangen?", fragte Ember Ruairi.
      Üblicherweise war sie nur zu Tatorten gerufen worden, wenn die meiste Analyse bereits gelaufen war. So sah sie praktisch das erste Mal wirklich, wie ein Caster seine Umgebung in Ruhe untersuchte. Ebenfalls neu war für sie, dass deren Augen dabei zu leuchten begannen. So etwas ähnliches hatte sie bei Samshore zuvor einmal gesehen, dachte jedoch, es lag an dem damals stechenden Sonnenschein der Mittagshitze.
      "Wollen Sie mir erzählen, was Sie sehen? Ich sehe das erste Mal dabei zu und darf ausnahmsweise mal blöd fragen, oder? Zumindest werden Sie mich hoffentlich nicht anklagend angucken."
      Hier in diesem leicht abgedunkelten Raum nur mit Ruairi anwesend fühlte sich Ember unbeobachtet und legte ein wenig von der Fassade, die sie all ihren Kollegen sonst immer präsentierte, ab. Wobei sie sie in seiner Anwesenheit irgendwie nie richtig zur Geltung gekommen war bis jetzt. Sie war gut in ihrem Job, aber wenn sie die Leitung der Antimagischen haben wollte, musste sie mehr über das wissen, was sie verfolgen würde.
      "Ich habe von unserem Techniker mal eine Brille bekommen, aber die erzeugt nur so.... Rauchwolken, würde ich sagen. Sehen Sie das gleiche? Was für Farben sind es?"

      Spoiler anzeigen
      Folgendes ist auffällig:
      - diffuse Spuren im Wohnzimmer
      - nichts magiebehaftetes im Wohnzimmer
      - Richtung nachverfolgbar ins Schlafzimmer
      - im Schlafzimmer deutlichere Spur zum Nachttisch zur rechten
      - größere Ansammlung von Spuren auf dem Nachttisch, als hätte dort etwas gelegen

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    • Ruairi tauchte für einen Moment komplett ab.
      Die Wohnung um ihn herum legte sich in ein dunkles, rauchgraues Licht und erschien ihm mehr wie eine schlechte Duplizierung ihrer Selbst. So als tauche man in milchiges Wasser ein und sähe die Hand vor Augen kaum. Da er seine Aura durch die Wohnung gestreckt hatte, bemerkte er jeden dort aktiven Menschen. Wenn er ehrlich war (und das verschwieg er gerne) dann bemerkte er auch noch die Menschen der anderen Stockwerke. Er wusste, dass in der Wohnung hierüber drei Menschen lebten, einer davon unter 5. In der Wohnung darunter waren es nur zwei. Sie lauschten an den Türen um etwas von den Arbeiten mitzukriegen.
      Doch hier war eindeutig nichts. Nur Sallow und er selbst.
      Ihre Präsenz in diesem Szenario war beinahe verschwindet gering. Normal für Menschen, dachte er sich und und erhob sich langsam, hielt seine Aura jedoch weiterhin im Kontakt.
      Mit den Augen fuhr er über jedes einzelne Möbelstück.
      "Schwer zu sagen", murmelte er. "Eine Beziehung hat durchaus das Potenzial tödlich zu sein, jedoch sagt mir die Atmosphäre des Raumes etwas anderes. Es ist aufgeräumt, gerade zu klinisch sauber. Es riecht nicht unangenehm oder schimmelig. Auch wenn die Trennung nur kurzweilig her ist, so würde sich ein fehlender Mensch bereits deutlich bemerkbar machen."
      Sicherlich lag etwas wie Trauer in der Luft, so viel konnte gesagt werden. Eine normale Betroffenheit am Ende einer Beziehung, wenn er ehrlich war. Aber nichts außergewöhnlich starkes.
      Einzig die Spuren waren merh als außergewöhnlich, die sich im Wohnzimmer befanden.
      "Es ist schwer zu erklären...", begann er und kratzte sich am KInn während er sie mit diesen leuchtenden Augen ansah. "Es ist so als würde man durch Rauchglas sehen. Ich sehe die Welt dunkler und die Spuren der Magie und der Auren heben sich in helleren Farben davon ab. Zumeist lässt sich zumindest ziemlich gut ablesen, wann und wo eine magische Aura genutzt wurde. Hier jedoch ist nichts, obwohl ich SPuren sehen kann...Es ist nichts hier was sie auslöst, aber da sind sie..."
      Murmelnd wanderte er zielsicherer als vorher durch die Wohnung, vorbei an kleinen Beweiskärtchen oder Flatterbändern zur Absperrung der Spurensicherung und wanderte ins Schlafzimmer.
      Auch hier erschien die Einrichtung normaler als normal.
      Ein Bett, geräumig für zwei. Ein Schrank. Und zwei Nachttische. Man hätte es als Standard beschreiben können, wenn der Nachttisch für Ruairi nicht regelrecht geleuchtet hätte.
      "Dort", sagte er und wies mit dem Finger darauf. "Dort war etwas. Es ist nicht mehr da, aber die Spuren der Magie sind deutlich sichtbar..."

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    • Höchstkonzentriert beobachtete Ember Ruairi weiterhin, wie er sich einen Überblick über die Wohnung verschaffte. Dies war wieder so ein Punkt, für den sie die Zauberer beneidete. Sie besaßen so viel mehr Möglichkeiten ihre Umwelt zu erfahren als sie selbst. Als hätte man den Menschen die Fühler abgeschnitten und nur die Zauberer intakt gelassen.
      "Vielleicht kann uns die Ex ja sagen, warum er so einen Ordnungsfimmel hat.", schlug Ember vor und stockte kurz, als er sie mit diesen leuchtenden Augen ansah. "Haben Auren je nach Lebewesen eine unverkennliche Farbe?"
      Sie stellte das Foto aufrecht wieder zurück und sah wieder zu dem Haken hoch. Es hatte eine Kurzschlussreaktion sein müssen. Sonst wäre dieser Haken schon länger da oben befestigt gewesen.
      Ihr Blick ging zum Boden und entdeckte Putzreste von der Decke. Sehr kurzfristig sogar.
      Sie heftete sich an Ruairis Fersen, der nun zielsicher und gerichteter wie ein Bluthund einer Spur zu folgen schien. In der kleinen Wohnung gab es nicht viel, das ihnen Hinweise geben konnte. Außer vielleicht das Schlafzimmer, zu dem ihr Kollege Ember nun lenkte.
      "Meine Güte, und ich dachte, mein Schlafzimmer sei langweilig", murmelte Ember verdriesen während sie sich an Ruairi vorbei schob und zu dem Nachttisch hinüber ging, der für sie aussah wie ein gewöhnliches Möbelstück.
      Allerdings stutzte sie, als ihr Kettchen mit jedem Schritt mehr vibrierte. Mit einem nachdenklichen Summen befühlte sie die glatte Oberseite des Nachttisches, dann öffnete sie die Schublade.
      "Leer", verkündete sie, selbst nachdem sie sie ausgezogen und auf ein weiteres Fach untersucht hatte. Was auch immer auf dem Tisch gelegen hatte, war nun spurlos verschwunden.
      "Sowohl er als auch sie sind Nichtzauberer. Was für magische Gegenstände könnte er sich angeschafft haben? Ein Wecker oder Kalender wird es nicht gewesen sein." Sie sah hinüber zu dem anderen Nachttisch, auf dem genau diese Objekte prangten. "Wird wohl definitiv auf ein Gespräch mit der Ex hinauslaufen... Möchten Sie auch noch Verhörer für ein Tag sein oder soll ich jemand anderes dazu auserkoren?"
      Sie fragte dies noch immer mit dem Rücken zum Leiter der Magischen, aber man hörte das leichte Lächeln auf ihrem Gesicht in ihrer Stimme mitschwingen.

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    • Ruairi wanderte nochmals durch das Schlafzimmer, doch kam wieder und wieder zum gleichen Ergebnis. Die Spuren waren eindeutig nur auf dem Nachttisch sicht- und spürbar.
      Anschließend musste er leicht kichern.
      "Nein, das ist ein Gerücht, dass die Filmindustrie gestreut hat, fürchte ich. Auren haben selten eine wirkliche Farbe. Und vor allem keine unverkennbare. Magie jedoch kann in verschiedenster Ausprägung Farben haben, ja. Wenn Sie zum Beispiel mit einem Zauberer zusammen sind, ist für eine ganze Weile seine magische SIgnatur an Ihnen erkennbar."
      Er berichtete dies sorglos und mit einem Achselzucken, ehe er sich umdrehte und an ihre Seite trat.
      MAcAllister brauchte den Tisch nicht zu berühren um zu bemerken, dass dort nichts mehr war. Der Schatten der Magie war sichtbar, aber leider nicht mehr das Objekt. Auch wenn es der Definition nach nicht groß sein konnte.
      "Zumindest kann es nicht groß sein", bestätigte Ruairi und sah sie anschließend an, als seine Augen wieder die normale Färbung annahmen. Ihre Rückansicht störte ihn nicht, aber vielmehr war es die Tatsache, dass er ein Lächeln zu hören glaubte, das ihn nicken ließ.
      "Ja, warum nicht. Könnte spaßig werden, Boss."
      Grinsend steckte er die Hände wieder in die Hosentaschen und begab sich aus dem Gebäude hinaus zus einem Wagen. Es wurde Zeit, die Dame der Beziehung zum Reden zu bringen. Und er hatte aucvh schon eine Ahnung, wie...

      PD - 30 Minuten später

      Als Ruairi vor dem PD vorfuhr, sprang Jones, der Parkwächter, wie erschrocken von seinem Platz auf, um die Schranke hoch zu drücken.
      "Sorry, sorry, wir haben heute Systemausfall!", rief er und gestikulierte wild.
      Ruairi nahm es gelassen entgegen und fuhr mit dem Wagen auf den Parkplatz, ehe er zu Ember sah.
      "Was glauben Sie...", begann er und seufzte. "Was glauben Sie, was uns erwartet? Ich bin ehrlich, ich hab ein ziemlich mieses GEfühl bei der Sache. Irgendetwas übersehen wir und ich weiß noch nicht was..."

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    • PD - 30 Minuten später

      Embers Augenbrauen wanderten in die Höhe als sie Jones sah, wie er wild vor der Schranke zum Parkplatz umher hampelte.
      Systemausfall? War doch vorhin noch nicht so gewesen.
      "Unglaublich. Sie ziehen das scheinbar wirklich an", gab Ember erstaunt zu und sah ihm Seitenspiegel wie die Schranke wieder herabfiel und Jones mit den Schultern rollte. Der Mann würde mit Sicherheit später Muskelkater haben.
      Bei Ruairis Gedanken und der Frage hin lehnte sie ihren Kopf an die Kopflehne und sah geradlinig aus der Windschutzscheibe hinaus. Sie konnte durchaus verstehen, wie er zu diesem Schluss kam, aber sie hatten ja auch noch nicht mit der Dame gesprochen. Wenn etwas faul war, dann würde sie sie am ehesten darauf stoßen.
      "Ich rechne eigentlich mit einer aufgelösten Frau, die nicht versteht, warum sich ihr Ex das Leben nehmen sollte. Oder eine eher arrogante Frau, die jegliche Schuld von sich weist und behauptet, sie könne doch gar nichts dafür. Obwohl sie trotzdem die Polizei gerufen hatte. Aber ja, seltsam ist das Ganze schon. Bin mal gespannt, ob Peacock uns jemanden präsentiert. Vielleicht ist sie ja auch auf magische Art und Weise verschwunden?"
      Die Frage war lachhaft gestellt und doch schwebte ein ernst gemeinter Unterton mit. Sie hatte in ihrer Laufzeit schon alles mögliche gesehen und sich in Luft auflösende Leute waren erstaunlich häufig dabei. Ohne Umschweife stieg sie aus dem riesigen Wagen aus, wartete kurz auf ihren neuen Kollegen und machte sich mit ihm zusammen auf den Weg ins Gebäude.

      Wie erhofft stand Peacock mit verschränkten Armen vor einem der beiden Verhörräume in der ersten Etage des Gebäudes. Allerdings sah er alles andere als begeistert aus als er Ember und Ruairi erblickte und seine schroffe Haltung löste.
      "Die Frau ist ein Wrack", war das erste, was er sagte und untermalte seine Aussage mit einem Kopfschütteln.
      "Am Boden zerstört oder die Furie vorm Herrn?", fragte Ember nach bevor sie ihre Hand an den Türgriff legte.
      "Ersteres. Hat sich gar nicht mehr einkriegt als wir sie auf's Revier gebeten haben. Kann sein, dass sie noch ein paar Minuten braucht bis sie wieder spricht. Viel Spaß mit Miss Highard."
      Ember rollte unwillkürlich mit den Augen, dann richtete sie das Wort an Ruairi. "Sie haben dann Bahn frei. Ich glaube, dann sind Sie sogar besser als ich dran. Ich hör erstmal nur zu."
      Ember trat als erstes ein, gefolgt von Ruairi. Bereits bei dieser Bewegung drang das Knistern von einer Taschentuchpackung und ein leises Schniefen an ihr Ohr noch ehe sie die Tür hinter ihnen wieder geschlossen hatte. Als sie zum Tisch kam fiel ihr Blick auf eine junge Brünette, deren perfektes Makeup alles andere als perfekt war. Ihre langen Haare waren kunstvoll zu zwei Zöpfen an je einer Kopfseite nach hinten geflochten, eine unauffällige braune Handtasche stand auf dem Tisch, aus der sie die Taschentücher gezogen hatte. Es dauerte ein bisschen bis Ember die Marke erkannte und anerkennend die Brauen hob. Allein die Tasche kostete schon mehrere hundert Pfund.
      "Miss Highard, mein Beileid", bekundete Ember während sie sich setzte und die Beine überschlug. "Ich bin Ember Sallow, das ist Ruairi MacAllister. Wären Sie so gut und erzählen uns ein wenig von Josh?"
      Raine Highard blinzelte Ember ein paar Mal an, dann Ruairi. Bei beiden zeigte sie keinerlei besondere Reaktion, legte aber die Hände mit dem zerknüllten Taschentuch locker auf den Tisch.
      "Was soll ich sagen? Wir haben erst vor knapp zwei Wochen Schluss gemacht. Aber erst seit einer Woche hat er nicht mehr auf meine Nachrichten reagiert. Ich dachte, wir hätten uns in Freundschaft getrennt... Ja, ich habe mich von ihm getrennt, aber das heißt doch noch lange nicht, dass ich ihn umgebracht habe... Sie verdächtigen mich doch, oder? Muss ja so sein..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi wusste nicht immer genau, was er an bestimmten Orten sollte.
      Mit einem Talent zum Unglück gesegnet, wirkte er schusseliger als er eigentlich war, als er sich nach dem Parken aus dem Auto schwang und Ember wie mechanisch hinterher lief.
      Auf dem Weg in die unteren Verhörräume winkte ihm Piper zu und wollte bereits heranstürmen, jedoch sandte er sie mit einem kurzen Winken wieder von dannen und gab ihr zu verstehen, dass er sich gleich melden würde. Zugegeben, eine leichte Enttäuschung war auf dem Gesicht der Analystin zu sehen, ehe Ruairi wieder Embers Worte einfielen.
      Vielleicht hatte sie nicht Unrecht.
      MacAllister lauschte den Worten von Peacock. Das erste, was ihm an dem Mann auffiel, war dessen offenbar abgestumpfte Art, die sich auch auf Ember Sallow niederschlug. Erstaunlicherweise, wie er dachte. Für eine Frau, die ebenfalls schreckliches durchlebt hatte, wirkte sie geradezu grausam kalt. Ob das Fassade war?
      Schweigsam betrat er den Verhörraum und ließ seinen Blick beinahe sekündlich später über Ms Highard gleiten. Die Frisur, das Makeup und letztlich auch der Kleidungsstil sagten viel über einen Menschen aus. Es war verdächtig, wenn er wenig sagte und gleichsam wenn der Stil zu viel preisgab. Das einzige, was ihm auffiel, dass die Klamotten ordentlich und verdammt teuer waren. Selbst die Handtasche schien ein kleines Vermögen zu kosten.
      Ruairi postierte sich seitlich vom Tisch in einer Ecke und beschloss zunächst zu beobachten. Was sollte er auch sonst tun?
      "Beruhigen Sie sich, Ms Highard", begann er schließlich doch zu sprechen. Und erschien seine Stimme sonst recht sanft und unbeholfen, so war sie hier beinahe hypnotisch mit dem kalten Widerhall des Raumes. "Niemand wird verdächtigt und niemand steht vor Gericht. Sie sind zunächst hier, weil Sie mit Josh in näherer Bekanntschaft standen und vermutlich die Letzte waren, mit der er regelmäßigen Austausch hatte."
      Ruairi trat näher an den Tisch heran und lächelte.
      "Vielleicht beginnen wir nochmals damit, dass Sie uns ein wenig von sich erzählen. Was machen Sie beruflich, Ms Highard? Und leider muss ich auch die Frage stellen, wieso es zur Trennung mit Josh kam. Wann haben Sie zuletzt in persona mit ihm gesprochen?"

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    • Wie erhofft wirkte Ruairi auch auf Ms Highard so wie auf fast alle anderen Damen, kaum hatte er den Mund aufgemacht. Ember schien für die Frau in noch weitere Ferne zu rücken, als der schlacksige Mann auch noch sein gewinnendes Lächeln lächelte. Highards Hände verweilten ruhig auf dem Tisch, aber das zuvor noch verräterische Zucken in ihrem Gesicht war wie weggeblasen.
      Ember beschlich umgehend das Gefühl, dass die Dame tatsächlich Dreck am Stecken hatte.
      "Aber nein, ich kann nicht die Letzte gewesen sein. Er hatte ein gutes Verhältnis zu seinem älteren Bruder Thomas. Haben Sie ihn schon informiert?" Sie warf Ember noch immer keinen Blick zu, selbst als diese den Kopf schüttelte.
      "Noch nicht. Es dürfte aber gleich soweit sein nachdem die Formalien geklärt worden sind."
      Ms Highard quittierte dies mit einem stummen Nicken. Dann sah sie wieder zu Ruairi auf und Ember hätte schwören können, dass die Tränen dieser Frau eindeutig zu schnell trockneten.
      "Ich bin Influencerin", fing sie dann an zu erzählen und deutete auf die Tasche zu ihrer Seite, "fast alles hier habe ich von den Firmen bekommen, um die Sachen zu inszenieren. Ich bin noch nicht so groß dabei, aber hin und wieder habe ich auch mal Glück. Josh und ich haben uns kennengelernt als er mir vor etwa drei Jahren in einem Café geholfen hatte, meinen Post ein bisschen ansprechender zu gestalten. So ganz beiläufig. Wir haben Nummern ausgetauscht, sind ins Gespräch gekommen und dann hat sich da mehr draus entwickelt."
      Nachdenklich musterte Ember Highard. Die junge Frau war vielleicht Anfang Zwanzig, der Altersunterschied also doch relativ groß. "Ms Highard, wir alt sind Sie, wenn ich fragen darf? Ihr Makeup war unglaublich professionell aufgetragen, da wirkt man häufig erwachsener als man tatsächlich ist."
      Notgedrungen löste die junge Frau ihren Blick von Ruairi und sah zu Ember hinüber. "21 bin ich. Ich schminke mich häufiger etwas älter. Wirkt meistens besser auf die Follower."
      Ember nickte nur. "Sie sagten, Sie haben sich von Josh getrennt. Warum? Irgendwelche Auffälligkeiten?"
      Highard schürzte die Lippen als sie sich etwas zurücklehnte und anfing, das Taschentuch in ihrer Hand zu kneten. "Er wurde... aufdringlich. Eifersüchtig. Besitzergreifend. Er hatte irgendwann Probleme damit, dass ich blogge und Fotos von mir mache, die hunderte Fremde im Internet sehen können. Konnte nicht verstehen, wie ich damit Geld verdiene und dass das doch alles zwielichtige Gestalten seien, die mich nur als Pronomaterial sehen."
      Zugegeben, die junge Frau war alles andere als unattraktiv und es gab sicherlich einige, die sie für genau diese Zwecke missbrauchten. Eine gesteigerte Eifersucht war demnach nichts ungewöhnliches, aber scheinbar hatte er stärker an ihr gehangen als üblich.
      "War Josh sehr fixiert auf sie?"
      "Normal würde ich sagen... Als wir uns vor zwei Wochen getrennt haben, haben wir immer noch mal wieder geschrieben. Vor einer Woche hatten wir das letzte Mal geschrieben, dann ist der Kontakt plötzlich abgebrochen. Als er nach einer Woche immer noch nicht reagiert hat und auch nicht auf Anrufe zurückrief, machte ich mir Sorgen... Man weiß ja nie?"
      Sie senkte den Blick als erinnerte sie sich an dunkle Themen zurück. Ember kannte es nur zu gut, wenn Bilder in Erinnerung kamen von verstorbenen Personen, die man liebte.
      "Es kam nicht zu einem Streit als ich ihm sagte, ich wolle mich trennen. Dass er zu aufdringlich wurde und besser mit jemand anderem beraten war. Er war so... verständnisvoll, wissen Sie? Wir haben danach nur noch über Belangloses gesprochen...."
      Ihr Blick glitt zu Ruairi. Schon wieder.

      Spoiler anzeigen
      Wissenswertes:
      - sie hat gar keine magischen Spuren an sich
      - ist wirklich nur menschlich
      - Handtasche ist von Gucci
      - Kleidung von KeineAhnungHauptsacheSehrTeuer
      - kein wasserfestes Makeup in LONDON
      - sehr ansprechende Erscheinung ansonsten
      - auf Insta und Co bekannt als M1ss_H1ghl1te

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi löste nicht eine Sekunde den Blick von der jungen Frau, obgleich es sicher angebracht gewesen wäre. Doch so sehr er auch suchte, eine magische Spur war an ihr nicht erkennbar.
      Höchstens, dass sie allesamt preislich nicht aussprechbare Klamotten trug, die er sich vermutlich mit vier Monatsgehältern nicht leisten könnte. Konnte man sich überhaupt etwas in London leisten?
      EIn kurzer Blick in die Akte beschied ihm den Nutzernamen der jungen Frau und gleich stürzte sein Magen sich um. Gott, er hasste dieses Social Media und die Influencer darin. Nicht aufgrund ihrer Tätigkeit, sie waren eine Modeerscheinung der Moderne. Es war vielmehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihren Alltag gestalteten und ihr Selbstbewusstsein aufhübschten.
      "Weshalb genau wurde Josh eifersüchtig? Sie sagten vorhin, dass er dachte, dass so viele ihre Fotos als entsprechendes Material verwenden", begann Ruairi und zog eine Augenbraue hoch. "Gab es explizite Fälle, wo Ihnen ein Fan oder Follower zu nahe kam, weshalb die Eifersucht begründet sein könnte?"
      Schweigsam lauschte er den Ausführungen der jungen Frau und fühlte sich mehr und mehr verloren in ihren GEdankenwelten. Weshalb schminkte man sich älter? Um Followern zu gefallen? Es war eine gänzlich unverständliche Welt für MacAllister und nur die Kunst seiner Beherrschung war es zu danken, dass er nicht die Gesichtszüge verlor.
      "Sie scheinen eine gute Empathie zu besitzen, Ms Highard", lächelte Ruairi. "Wie kamen Sie auf den Rückschluss, dass Josh etwas zugestoßen sein musste, wenn er sich eine Woche nicht meldete. Es hätte ja auch nur die Reaktion eines verliebten Exfreundes gewesen sein können, der den Kontakt abbricht?"
      Und als letztes sah er sie nochmals an.
      "Letzte Frage: Wenn er so eifersüchtig war...Weshalb glauben Sie, reagierte er so gelassen auf die Trennung?"

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    • "Naja, natürlich kommen hier und da Nachrichten von Followern rein, die alles andere als seriös sind. Es gab mal eine Phase, da war es sehr extrem. Das war nachdem mir Kenny Flowers eines seiner Modelle geschickt hatte und ich das tragen sollte. Danach hagelte es Nachrichten. Verständlich, wenn man so meinen darf."
      Highard zuckte mit den Schultern, vorbei war es mit der gespielten Traurigkeit über den Tod Joshs. Die Dame konnte so gut spielen wie sie wollte - wenn sie es nicht kontinuierlich aufrecht erhielt, bröckelte die Fassade, so wie jetzt. Vielleicht ging ihr Joshs Tod doch nicht so nahe wie gedacht.
      "Aber im Allgemeinen war er irgendwann so drauf. Wollte immer sehen, was man mir für Nachrichten schrieb, mit wem ich mich sonst noch austauschte... Wurde alles ein bisschen viel. Er stalkte mich jetzt nicht oder kontrollierte mein Handy, aber es war schon... einengend würde ich sagen."
      Opfer von Stalking wurden häufiger gemeldet, seitdem man sie leichter zurückverfolgen konnte. Und auch dementsprechend geahndet wurden. Ember kannte nicht einen Influencer, der nicht mindestens einmal Schwierigkeiten mit dieser Art Klientel hatte. Indes ließ Ember ihren Blick zu Ruairi schweifen, der irgendwie eine Spur anders wirkte. Sie kannte ihn noch nicht lange genug um zielsicher sagen zu können, dass er sich gerade in fremden Gedankenwelten verlor.
      Highard richtete sich etwas gerade auf und warf Ruairi ein herzerwärmendes Lächeln zu, das Ember fast hätte theatralisch hätte aufseufzen lassen.
      "Ich war mit Josh auch drei Jahre zusammen. Da weiß ich doch, wann etwas komisch bei ihm ist und wann nicht. Wir hatten die Woche nach der Trennung regen Kontakt, der dann von einen Tag auf den anderen plötzlich abbrach. Ab dem Morgen...hm... vielleicht 10 Uhr oder so. Nichts mehr. Nicht mal mehr Benachrichtigungen, dass er es gelesen hat."
      Eigentlich rechnete Ember felsenfest damit, dass Highard nun ihr Handy zückte und es ihnen wie zum Beweis unter die Nase hielt. Doch nichts dergleichen geschah.
      "Josh war schon immer sehr empfindlich... Vielleicht war er ja einfach nur überfordert? Ich kann es nicht genau sagen... Ich habe es ihm ja auch ziemlich hart vor den Kopf geknallt und keinen Disskussionsspielraum gelassen... Das hat er mir bestimmt übel genommen... Aber dann muss man sich doch nicht gleich erhängen..."
      Da bekam Highard wieder die Kurve und begann erneut zu schniefen und das Taschentuch an die Nase zu halten.
      "Geht Ihnen ja schon noch ziemlich an die Substanz. Würde meinen, er hat doch noch einen größeren Stellenwert in Ihrem Herzen als Sie sagen", merkte Ember leise an und beobachtete ganz genau, wie Highard kurz innehielt, dann ihren inneren Augenwinkel abtupfte und erst jetzt zu Ember blickte.
      "Ich habe drei Jahre mit ihm verbracht und mich schweren Herzens von ihm getrennt. Natürlich bin ich getroffen so kurz danach zu hören, dass er sich das Leben genommen hat!", fuhr sie Ember an.
      Doch die erfahrene Ermittlerin zeigte keine Regung in ihrer Miene. Die Dame hatte zu keinem Zeitpunkt erwähnt, dass sie sich mit schweren Herzem getrennt hatte sondern es immer so hingestellt, als wäre es ein Befreiungsschlag gewesen...

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi verblieb während der ganzen Litanei, die Ms Highard über die Mundwinkel liefen, beinahe stoisch ruhig.
      Sein Blick ruhte mit glühenden Pupillen auf der brünetten Frau und innerlich wunderte er sich über eine derartig fortschreitende Gleichgültigkeit. Es war als hätte man einen Schalter der Selbstsucht umgelegt. Kaum konnte sie über ihr Lieblingsthema, offenbar sie selbst und ihre Online-Tätigkeiten berichten, erschien sie von der Trauer wie losgelöst.
      Dies gab auch den Ausschlag, dass der große Mann sich bewegte und etwas näher an den Tisch heran trat.
      "Ms Highard", begann er und räusperte sich. "So bemerkenswert ihre Online Persona auch ist, so komme ich nicht umhin zu bemerken, dass Sie offenbar nur zeitweise von der Trauer entsprechend übermannt werden. Zumindest wirken Sie recht entspannt, wenn Sie über Ihre Onlien Aktivitäten sprechen...Eine Frage dazu: Haben Sie Feinde, Ms Highard? Oder Menschen, die Sie so nennen würden? Wussten Sie, ob Josh welche hatte?"
      Ruairi verschränkte die Arme wieder vor der Brust.
      "Vielleicht würde es helfen, wenn Sie uns mehr erzählen könnten, wie Sie es ihm vor den Kopf geknallt haben? Hat Josh vielleicht irgendwelche Anschaffungen in der letzten Zeit getätigt, von denen Sie wissen? Kleinere Dinge, vielleicht..."
      Anschließend betrachtete er ihren Ausbruch noch eine Weile und kam nicht umhin, ein gewisses Gefühl der Genervtheit zu verspüren. War aus dieser Frau irgendetwas sinniges herauszukriegen?
      "Sie sagten zudem, dass Josh überfordert war. Nur mit der Trennung oder belastete ihn etwas? Hat er vie,lleicht neue Bekanntschaften gemacht in der Zeit vor seinem Dahinscheiden?"

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    • "Feinde? Nichts offensichtliches. Neider, würde ich eher sagen."
      Noch immer knisterte Highard an ihrem Taschentuch herum was Embers Lippen ein wenig zucken ließ. Wenn sie sich nicht gänzlich täuschte, dann ging dieser Frau der Tod ihres Exfreundes vielleicht sogar vollständig am Heck vorbei. Dann spielte sie diese ganze Scharade nur, um irgendetwas zu verbergen. Nur hatte dies auch mit Joshs Tod zu tun?
      Die junge Frau wechselte ihre Beine und legte den Kopf ein kleines bisschen schräg während sie noch immer wie gebannt Ruairi anzuhimmeln schien.
      "Ich habe ihm gesagt, dass ich keine Zukunft für uns sehe wenn er ständig das Gefühl hat, mich kontrollieren zu müssen. Mehr eigentlich nicht. Keine Beleidigungen oder dergleichen....". Sie tippte sich mit dem Zeigefinger ans Kinn. "Und er lebte schon immer recht minimalistisch. Soweit ich weiß, hat er sich nichts Neues angeschafft oder so."
      Eine Umschreibung dafür, dass sich Highard komplett auch emotional von Josh getrennt haben mochte. Sie hatte einen sauberen Cut gewollt und ihn auch durchgeführt, offensichtlich ohne Schaden zu nehmen. Dies galt allerdings nicht für den Mann der ehemaligen Beziehung.
      "Mit anderen Worten: Ihnen ist nichts Besonderes in der Zeit davor aufgefallen, richtig?", konkludierte Ember nüchtern und nickte kau merklich, als Highard ihr dies bestätigte.
      Die gute Frau hatte sich schon länger nicht mehr für ihren Freund interessiert und einfach irgendeinen Zeitraum zur Trennung genutzt. Ember warf Ruairi einen flüchtigen Blick zu, dann stand sie auf.
      "Danke Miss Highard, das wäre es dann schon gewesen. Mr. Peacock hält gleich noch das Protokoll fest, dann dürfen Sie gehen."
      Zusammen mit Rauiri verließ sie den Verhörraum und tauschte praktisch augenblicklich mit Peacock, der so beigeistert aussah wie eine Wanderdüne. Doch Ember hielt sich daran nicht weiter auf und schritt neben ihrem neuen Kollegen, dem sie dringend mal den Kaffeeautomaten zeigen sollte.
      "Ich brauch' da erst mal einen Kaffee drauf... Sie auch?"
      Wie jedes Mal hatte sie ihre Haltung etwas weiter gelöst, wenn sie aus Verhören kam. Als schüttelte sie die Konzentration von den viel zu steifen Schultern hinab.
      "Ich glaube nicht, dass sie ihn umgebracht hat oder in zweiter Instanz dahinter steckt. Dafür ist sie viel zu wenig an ihm interessiert gewesen zum Schluss. Wenn überhaupt dann hat sie nur etwas als ihre Persona beigetragen. Da gehe ich später noch einmal etwas recherchieren. Wollte da vorhin nicht Piper noch irgendetwas von Ihnen?"
      Ember fragte Ruairi, als sie gerade ihren Pappbecher aus dem Automaten fischte und blinzelte zu ihm auf.

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    • Nach einem kurzen Nicken und einem abschließenden Lächeln verließ Ruairi neben Ember den Raum.
      Und hatte bereits auf dem Flur der stickigen Gänge des PD wieder das Gefühl, freier atmen zu können. Man mochte es halten wie man wollte, aber diese junge Frau ging ihm an die Nieren. Diese Gleichgültigkeit beim Todes eines geliebten Menschen...Gott, wie er dieses Verhalten verabscheute. Als würde sie ihrem Geliebten nachträglich nochmals ins Herz schießen.
      Zu dem Kaffee sagte er nicht nein und nickte.
      Und während sie vor dem Automaten standen und er seinen Kaffee ebenfalls zutage förderte, sah er Ember an und zuckte die Achseln.
      "Ich sehe es im Grunde genauso", berichtete er. "Sie ist recht eingenommen von sich selbst und offenbar massiv damit beschäftigt, Follower zu sammeln. Aber eine Mörderin oder eine Beihilfe ist sie nicht. Das einzige, was mir immer noch Gedanken macht, sind die Magiespuren. An ihr ist nichts Magisches...Irgendetwas muss diese Aura doch emittiert haben...."
      Eine kurze Weile überlegte er während er zur Decke sah und wäre beinahe über eine Bodenwelle gestolpert, wenn ein Kollege nicht plötzlich ausgerufen hätte. Nickend bedachte er sich und grinste breit.
      "Hm oh stimmt!", rief er aus und wollte sich beinahe mit der Kaffeehand vor die Stirn schlagen. "Ja, ich sollte bei Piper schnell um die Ecke..."
      "Ich bin hier."
      "HEILIGE MAKRELE!", rief er aus und verschüttete beinahe seinen Kaffee, der aber wie von Zauberhand in dem Becher blieb und nicht einmal über den Rand schwappte.
      Zu seiner Rechten stand Piper und schob die Brille hoch.
      "Meine Güte, Ms Piper...", murmelte er und legte sich die Hand aufs Herz. "Haben Sie doch Mitleid mit meinem Herz. Wo kommen Sie her, zum Teufel?"
      "Stand die ganze Zeit hier...", sagte sie verlegen und kratzte sich an der Nase. "Ich habe die Akte zu Foremar und White auf ihren Tisch gelegt. Die Akte zur Welt habe ich aufbereitet, aber sie birgt Besonderheiten..."
      "BEsonderheiten?"; fragte Ruairi und zog eine Augenbraue hoch. "Gut, ich denke, das klären wir in meinem Büro. Ms Sallow, halten Sie mich auf dem Laufenden! Bis Später!"

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    • Anscheinend konnte Ember bestimmte Menschen beschwören.
      Entgegen Ruairi hatte sie die kleine Ms Piper sofort an seiner Seite entdeckt, schwieg aber um zu sehen, wann es ihm auffiel. Tatsächlich war sein erschrockener Ausruf die erste Aktion seit... Tagen? Wochen?... die ihr ein wirklich ungelöstes und breites Grinsen ins Gesicht trieb. Nicht weil er ihn auslachte, aber der Ausruf allein war schon goldwert. Niemand sagte das in ihrem Bekanntenkreis.
      Allerdings bekam ihr Grinsen Sprünge, als sie die Namen der zwei Arkana und dann auch noch die Welt hörte. Ja, er war wirklich wegen der Arkana nach London gekommen, wie es schien. Und wie es der Zufall so wollte, war sie selbst die größte Goldgrube, was zumindest einen der Drei betraf.
      "Besonderheiten würden mich auch mal interessieren", schob Ember dazwischen und lugte um Ruairi herum zu Piper, die einen undeutsamen Ausdruck auf dem Gesicht hatte. "Ich nehme alles an Informationen mit, was ich kriegen kann. Wenn es Sie nicht stört natürlich."
      Mit einem Mal war die altbekannte Schärfe in ihrem Blick zurückgekehrt. Sie kannte praktisch nichts von der Welt außer ihrem Titel. Bei der damaligen Recherche kam rein gar nichts zu Tage und außerdem musste sie eh noch herausfinden, warum Ruairi so ein Interesse an der Gruppierung hegte.
      Ember folgte Piper und Ruairi ungefähr zwei Schritt im Verzug zurück in sein Büro. Nachdem Piper die Akte auf den Schreibtisch gelegt hatte, hatte sich Ember bereits einen Stuhl gekrallt und sich gesetzt. Sie wusste nicht genau, was er über ausgerechnet Emmett und August lesen wollte, aber sie würde erst einmal die Rolle des stillen Beobachters ausfüllen ehe sie mit ihrem Wissen auch nur einen Stein weit warf.

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    • Für einen kurzen Moment kamen Ruairi Zweifel, warum Sallow ihm folgte.
      Sicherlich, das Thema der Arkana musste für sie besonderen Zündstoff enthalten, zumal sie Foremar in den letzten Wochen recht nahe war. Aber die Tatsache allein, dass sie ihnen wie selbstverständlich folgte, gab ihm doch zu denken.
      Fürs Erste entschied er sich, nichts zu sagen und sie im Gegensatz in sein Büro zu laden. Auf dem Tisch lagen die dicken Akten mit jeweils einem Bild von Emmett White und August Foremar. Beide sahen so gesehen recht freundlich aus, wenn man es von einem neutralen Gesichtspunkt betrachtete. Augusts Bild erschien neuer zu sein, denn es war unscharf und zeigte ihn, wie er in einen Mantel gehüllt aus einer U-Bahn Station zu kommen schien. Einer U-Bahn hier in London.
      Whites Bild war einfach nur ein Passfoto.
      Ruairi setzte sich auf seinen Stuhl und sah Piper an, die nervös mit ihren Händen spielte.
      "Ms Piper", begann er. "Das Wort ist Ihres."
      "Ja, also...Ähm...Ich...Ich habe über "die Welt" recherchiert..."
      "Die verlorene 21"
      "Ja, genau. Und dabei bin ich auf Besonderheiten in der Akte gestoßen. Es erscheint so, als sei dieser Mann an vier Orten zugleich auf der Welt."
      Sie legte Fotos auf den Tisch, die verschiedene Männer mittleren Alters zeigten. Sie alle waren von Hautfarbe, Größe oder Augen und Gesichtsform unterschiedlich. Nicht einer ähnelte dem Anderen, sodass sich die Frage stellte, was Piper sagen wollte. Erst nach einer kurzen Weile erkannte Ruairi doch etwas...
      Ein Symbol auf der Stirn der jeweiligen Männer. Ein Halbmond unter einem Punkt, gehüllt in gleißendes Licht.
      "Was zum..."
      "Ich vermute, dass die Welt nicht eine Person ist, sondern mehrere."
      Oh, wie sehr konnte sie sich irren...Ruairi musste es ihrer Unerfahrenheit zuschreiben, aber dies war eindeutig nicht das Zeichen eines Duplikationszaubers. Das hier war wesentlich schlimmer. Sehr viel schlimmer.
      "Ich befürchte, Sie haben Unrecht, Ms Piper.", sagte er schließlich. "Dies Zeichen deutet auf einen Illusionszauber hin. Offenbar sind Sie ihm auf den Leim gegangen, Teuerste...Wie wir alle..."
      "Wie meinen Sie das?"
      "Das heißt, dass er offenbar ähnlich wie der Arkana Foremar die Kunst der Illusion zu beherrschen scheint. Oder aber Foremar hilft ihm. Haben wir nicht erst neulich einen Augenzeugenbericht erhalten?"
      Piper nickte eifrig.
      "Ja Sir!", piepste sie und zog ein Papier aus ihrem Aktenstapel. "Hier steht, dass ein Augenzeuge Mr Foremar mit einem Fremden gesehen hat, der eine Grubenlampe zu tragen schien. SIe haben sich in Whitechapel getroffen, in einer kleinen Nebenstraße. Der Shepherd Street."
      Ruairi lehnte sich zurück und tippte sich an das Kinn.

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    • Natürlich konnte Ember nicht anders als sich fast schon unnatürlich lang zum Tisch zu strecken, um die Fotos zu erspähen wie sie auf den Tisch kamen. Emmetts Bild war genauso, wie sie es damals auch in den Akten gesehen hatte. Hier also nichts verwunderliches. Allerdings wurde Augusts Akte geupdated und zeigte nun ein anderes Bild.
      Und eine Bestätigung, dass er immer noch lebte.
      Irgendetwas regte sich tief in ihrer Magengrube, das sie nicht eindeutig zuordnen konnte. Nachdenklich ließ sie sich wieder in ihren Stuhl sinken und lauschte dem Rest der Konversation. Dass nichts von der Nummer 21 bekannt war, schien seinen Grund zu haben, erst recht, wenn nicht einmal klar war, was für eine Person gesucht wurde. Prompt zweifelte die Detective auch an, ob man wirklich ein Geschlecht benennen sollte.
      Es verwunderte Ember sehr wenig, dass August tatsächlich die sagenumwobene 21 gefunden haben mochte und scheinbar auch noch behilflich war. Sie wusste nun, was sein eigentliches Ziel war und sich den mächtigsten Zauberer der Welt ranzuholen war die einzige wirklich schlüssige Herangehensweise.
      Ihre Aufmerksamkeit wurde ein weiteres Mal strapaziert als es zu einem Augenzeugenbericht kam. Die Beschreibung des Fremden sagte ihr nichts. Als dann allerdings ein Straßenname fiel runzelte sie erst die Stirn, dann fiel ihr sämtliche Farbe aus dem Gesicht als sie sich daran erinnerte, woher ihr der Name noch so prägnant im Gedächtnis lag.
      "Wie lange ist das her?", fragte Ember mit belegter Stimme während ihr siedend heiß das Bild in den Geist schoss, wie ein Schlüssel samt Adresse in ihrer Schublade zuhause lag.
      Jetzt aufzuspringen und abzuhauen wäre viel zu verdächtig, viel zu auffällig. Allein ihr Gesicht würde bei Ruari schon dafür sorgen, dass er Nachfragen stellen würde. Also musste sie ihm im Vorfeld den Wind aus den Segeln nehmen.
      "Soweit ich das gesehen habe, nutzt Foremar keine Zeichen, die sich irgendwo niederschlagen", merkte Ember an, deren Stimme sich wieder gefestigt hatte, "aber ja, ich kann mir gut vorstellen, dass die Beiden im Bunde stehen. Ich hatte ja auch die Chance, mit dem Narr und der Hohepriesterin zu sprechen. Wenn sie die 21 gefunden haben, könnte es wirklich zu Problemen führen."
      So sehr sie dagegen ankämpfte, sie konnte sich nicht mehr im Stuhl halten. Sie war aufgestanden, die Hände auf die Rückenlehne des Stuhls gelegt. Theoretisch hätte sie alles an Wissen kundtun können, das sie über August besaß. Er war es gewesen, der sie vor dem Wissen gewarnt hatte, doch tatsächlich spürte sie rein gar nichts davon. Ergo würde sie den sprichtwörtlichen Teufel tun und mehr verraten als wirklich nötig.
      Das änderte jedoch nichts daran, dass Ember A) doch unbedingt den Schlüssel nutzen musste und B) sie einen eigenen anderen Fall hatte, der ihrer Aufmerksamkeit bedarf.
      Konzentration. Lass dich nicht ablenken.
      Just in diesem Moment summte das Handy in ihrer Hosentasche.
      "Sorry", murmelte sie als sie das Handy hervorholte und sah, dass ihr eine unbekannte Nummer eine Nachricht geschrieben hatte. Schon wieder.
      Es dauerte nur einen Augenblick, dann ließ sie das Gerät wieder in ihre Tasche gleiten. Als sich ihr Blick nun hob war er gezeichnet von vor zwei Tagen. Verwirrung, Angst und eine Priese Wut. Kurzum nickte sie Ruairi und Piper zu, da war sie schon auf den Fersen umgedreht.
      "Ich muss los."
      Damit war sie regelrecht aus dem Büro geflüchtet und eilte zu dem Aufzug, der sie nach unten in den Keller bringen würde.

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