[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Zwei Tage, in denen der Regen sich nur traute zu fallen, da die Arkana wie vom Erdboden verschluckt blieben.
      Geneigter Leser, was soll ich sagen?
      Eine Stadt in einem derartigen Chaos reagierte wie eine Stadt nun einmal reagieren sollte: Man verbreitete Fake News. Immer mehr Schaulustige posteten auf den gängigen Plattformen Videos und Bilder, die die Arkana zeigten und eine regelrechte Fankultur brach um die Arkana Prestegard, Bones und Mueller aus. Als wären sie die neuen Popstars der neuen Generation von Dummheit, wenn man es so betrachtete.
      Das Gelände war großflächig abgesperrt und die Leichen noch am selben Abend der Schlacht beseitigt worden. Die Metropolitan Police beklagte an diesem Tag 44 Verluste. Davon waren alleine 12 Menschen und der Rest Caster gewesen. Gerade unter den Castern befanden sich mit Cunningham und Williams hochrangige Caster, die ersetzt werden mussten und schmerzlich vermisst wurden. Die Notwendigkeit gab es her, dass die Antimagische nicht wirklich neu besetzt werden konnte. Die Magische Abteilung durchlitt einen minderwertigen Schock, da ein Nachfolger auch hier nur schwerlich gefunden werden konnte. Am folgenden Tag verkündete man die Beförderung von Captain Robert Cutworth, einem Windcaster der A-Klasse, zum vorrübergehenden Leiter der Abteilung.
      James Hawthornes Rücktritt wurde am Tag nach der Schlacht bekannt gegeben.
      Die Pressekonferenz zählte laut Medienstudie zu einer der besten, die er jemals gehalten hatte. Neben der Entschuldigung an die Bürger der Stadt wurde gleichsam auch das neue Zeitalter des PD ausgerufen, in der man sich verpflichtete, eine Taskforce zur Bekämpfung von Arkana-Tätigkeiten ins Leben zu rufen. Die Welt hatte gesehen, welch Urgewalt diese Monster auf das Parkett brachten und so war es nur natürlich, dass die Menschheit sich wehren wollte. Und auch wenn dieser Schritt eher der Rückschritt des Rückschritts erschien, so war es doch das einzig Mögliche, um ihr Gesicht zu wahren.
      Das Twisted Mind schloss seine Pforten mit dem Tag der Schlacht und war in den vergangenen zwei Tagen nicht wieder eröffnet worden. Von der Besitzerin und anerkannten Lebedame, Ms. Dolores Lynch, fehlte seit der Schlacht der Zauberer jedwede Spur.
      Nach den Revolutionären, die für das Desaster verantwortllich gemacht wurden, wurde seither landesweit gefahndet. Auf der Liste der "Most Wanted" befanden sich unter anderem die Namen von Emmett White, genannt "der Narr"; August Foremar, genannt "der Teufel" und zu guter letzte Eva Beauregard, genannt "die Hohepriesterin". Eine Fahndung blieb bisher erfolglos.
      Im Rahmen der Arkana wurde am zweiten Tag der Schlacht verlautet, dass die legendäre Nummer 21, genannt "die Welt", in den kommenden Tagen eine Erklärung der Arkana verlesen werde hinsichtlich des weiteren Vorgehens der Zauberer.
      Weitere Arkanakonflikte traten seither nicht auf.

      PD
      Zwei Tage später - 15:07

      James Hawthorne hatte die Ankunft Ember Sallows herbei gesehnt.
      Zwar waren seine Sachen bereits gepackt und der Glaskasten schaute ihn beinahe traurig an, aber immerhin war es getan. Das letzte Mal den schlechten Kaffee genießen, die mürrischen Kollegen mit dem schwarzen Armband begrüßen und sich fragen, was man hier tat.
      Hawthorne saß auf einem der Besucherstühle und rauchte illegalerweise eine Zigarette im Besucherraum und grinste, als er Ember zuwinkte.
      "Hey!", rief er. "Gut schaust du aus. Erholt, möchte man meinen."
      Selbiges konnte man von ihm gleich halten. HAwthorne ohne seine Augenringe und die mürrischen Falten im Gesicht schienen beinahe eine neue Welt für den Mann zu sein. Selbst sein Zigarettenkonsum hatte isch um ein Drittel gesenkt und das Hemd trug er ausnahmsweise gebügelt und adrett in der Hose. Selbst eine Krawatte hatte er sich umgehangen und sah damit beinahe seriös aus.
      "Schön, dass du kommst. Der neue Boss will dich kennen lernen", sagte er und wies mit dem Kopf zum Glaskasten herüber.
      Darin befand sich ein schlanker, hochgewachsener Mann mit hängenden Schultern und vollen, rötlich braunen Haar. Sein Gesicht wirkte füllig und irgendwie freundlich, wenn man von der Augenklappe absah, die sein Gesicht einnahm. Neben dem merkwürdigen Bart, den er trug.
      "Sein Name ist Solomon Knight", erklärte Hawthorne als er sich erhob, um mit ihr zu gehen. "War zwanzig Jahre lang der Leiter der Antimagischen in Schottland, ehe er zu den Unruhen in Wales vor drei Jahren abberufen wurde. Soll angeblich als normaler Mensch zwei dortige Arkana-Kandidaten in Schach gehalten haben. Und ich glaube, er hat einen Job für dich."

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    • "SMS von James?... Oh, sie haben schon den Posten vergeben."
      Shawn hüstelte, als das Croissant in seinem Mund zu stauben begann und er fast an einem Blättchen zu ersticken drohte. Er stürzte einen Schluck Kaffee hinterher, die letzte Rettung.
      "Sie haben was? Da war doch noch nicht mal eine Anhörung oder Vorstellung? Wird das einfach so entschieden? Das ist doch korrupt..."
      Ember zuckte mit den Schultern bevor sie aufstand und sich streckte. Sie hatte sich aus ihrem Jogginganzug noch nicht wieder herausgetraut und ihre Haare standen ihr ungemacht vom Kopf ab. Mürrisch stellte sie ihre Kaffeetasse an die Spüle.
      "Ich glaube, er will mir meinen neuen Chef in seiner Anwesenheit vorstellen, damit ich den nicht gleich vergraule... Gott, das wird so lästig ohne James und seine Fahrlässigkeit. Bei dem Neuen muss ich mich ja immer am Riemen reißen... Der führt bestimmt die Disziplinarverfahren auch durch...."
      Ember seufzte während sie sich auf den Weg machte, um sich zumindest halbwegs ansehnlich zu gestalten. Die Augenringe der Unendlichkeit ließen sich nur schwer abdecken, aber Schminke war nun mal die Waffe der Frauen und machten aus der Leiche immerhin eine halbwegs ansehnliche Frau.

      PD - 15:07

      Fast hätte Ember James Hawthorne nicht wiedererkannt. Der Mann, der illegal rauchend im Besucherraum saß und ihr grinsend zuwinkte. Ohne das zerrüttete Gesicht, den schlechten Kleidungsstil und der notorischen Angewohnheit seine Zigaretten zu rauchen, sah der Mann von den Grundfesten her verändert aus. Sie hatte ja bereits geahnt, dass ihm der Rücktritt gut tun würde, aber so sehr sie sich verschlechtert hatte war er aufgeblüht. Das komplette Gegenteil.
      "Ich weiß, dass ich fantastisch aussehe", gab sie zurück, ein müdes Lächeln erschien auf ihren Lippen. "Dachte mir schon, dass du noch sehen willst, wie ich dem neuen Chef ans Bein pisse."
      Es schmerzte sie dennoch zu sehen, dass die altbekannte Einrichtung Hawthornes aus dem Glaskasten verschwunden war. Er gehörte zum Mobilar, war schon so lange hier wie sie selbst. Ihn zu verlieren war eine gänzlich neue Herausforderung.
      Ember musterte den Mann kurz, der im Glaskasten sich einzurichten schien. Er schien irgendwie Fehl am Platz laut ihrer Meinung, doch sie hörte mürrisch zu wie James ihr einen kurzen Abriss von Knight gab. Wenn es stimmte, war der Mann so ziemlich das, wo sie damals hin wollte.
      "Einen Job für mich? Du hast ihm hoffentlich nicht erzählt, dass ich Foremar erschossen habe...", murmelte Ember nüchtern als sie mit James zum Glaskasten ging, klopfte und eintrat.
      Wie konnte denn niemand etwas zu diesem Bart gesagt haben?! Außerdem wirkte er viel zu freundlich, zu... weich auf Ember. Sofort erwachten ihre müden Geister ein wenig und sie richtete sich etwas gerade auf. So auszusehen und so einfach diese Position zu bekommen hatte seinen Grund.
      "Ember Sallow. Freut mich", sagte Ember und streckte ihrem neuen Chef die Hand hin.

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    • Solomon Knight erschien aus der Nähe nicht mehr wirklich so groß und schlang gewachsen wie anfangs ansehnlich. Viel eher war seine Gestalt gedrungen und glich einem eher schlaffen Kartoffelsack.
      Und dennoch...Als Hawthorne die Glastür zum Büro nach Embers zaghaftem Klopfen geöffnet hatte, erschien der Raum beinahe aufgeladen von seiner Präsenz, die sich hinter einem Berg von Akten und Übersichten befand. Man konnte nicht umhin kommen, zu bemerken, dass Mr Knight zwar körperlich keine beeindruckende Gestalt war, jedoch überfuhr Hawthorne für einen Moment der Gedanke, dass er lieber schnellstens aus diesem Büro rennen wollte. Obgleich Knight lächelte und beide herein winkte.
      "Guten Tag, guten Tag", sagte er mit einem breiten südenglischen Akzent und nickte eifrig, als sie eintraten.
      Ember Sallow. Weniger Klang hätte der Name auch in den Ohren des neuen Commissioners nicht haben können. Hawthorne wechselte einige nichtssagende Worte und verließ dann den Raum, um endlich seine Sachen zu packen und vor dem Gebäude auf Sallow zu warten. Als er den Raum verlassen hatte, sah Solomon Knight mit einem geduldigen Blick zu Ember und wies ihr einen Platz zu.
      "Es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Ms Sallow. Bitte verzeihen Sie, wenn ich Ihnen nicht die Hand reiche, aber ich habe da so meine Tücken mit Körperkontakt, nicht wahr?", grinste er und ließ sich auf dem ausgesessenen Chefsessel nieder.
      "Nun...Ich wollte mir selbst ein Bild von Ihren Leistungen machen", begann Solomon und wies auf den Stapel Papiere vor sich. "Und ich gestehe: Nicht vieles davon ist wirklich positiv oder gar polizeilich einwandfrei, wie Sie sicherlich wissen. Gerade die Tatsache, dass Sie bis vor kurzem noch mit einem gesuchten Schwerverbrecher in Kontakt standen, gab mir gerade zu denken. Und ich befürchte, dass auch der Innenminister daher den Job des Commissioners lieber in anderen Händen gesehen hat."
      Solomons Stimme klang dabei nicht einen Moment lang vorwurfsvoll oder gar einnehmend. Es wirkte, als handele er einen lockeren Sonntagabend ab, während er ein wenig Tee schlürfte.
      "Nichtsdestoweniger habe ich mir sagen lassen, dass ihre Reaktionen bei der Schlacht mit dem Angelus vorbildlich und beinahe bemerkenswert gewesen seien. Aus den Protokollen der letzten Tage und der Rekapitulation der Untersuchungskommission der Met hat sich ergeben, dass ihre Reaktionen und ihr Sinn für das Notwendige die Norm deutlich übertreffen", murmelte er und legte ein Blatt Papier zur Seite.
      Als er Ember anschließend mit seinem gesunden Auge fixierte, schien der Raum per se kleiner zu werden. Als dunkele er von den Seiten nach.
      "Ms Sallow...", begann er lächelnd und räusperte sich. "Ich würde Ihnen gerne eine neue Position anbieten: Die Leitung der Antimagischen Division muss neu vergeben werden und ich wüsste keine besser Kandidatin. Würden Sie diese gerne übernehmen?"

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    • Ab der Sekunde, in der Ember auch nur einen Fuß in den Glaskasten gesetzt hatte, war ihr etwas seltsames aufgefallen. Nur zu Genüge kannte sie das Gefühl wie sich die Atmosphäre veränderte, wenn Magie eingesetzt wurde. Das hier hatte rein gar nichts davon. Und dennoch... etwas ließ die überstrapazierten Wälle um ihren Verstand gefährlich vibrieren.
      Aus dem Augenwinkel sah sie, dass James eine ähnliche Wahrnehmung erfuhr, er sie aber deutlich weniger gut verstecken konnte als sie selbst. Dass er heilfroh war aus dem Kasten zu verschwinden, sah allerdings ein Blinder mit Krückstock.
      Dass Knight jedoch sogar ihre Hand verschmähte, wunderte Ember doch ein wenig. Ein verräterisches Zucken ihrer Augenbraue verriet, das diese Aktion schon für etwas Unmut ihrerseits sorgte. Jeder Mensch hatte im Laufe seines Lebens schlechte Erfahrungen zu machen, aber das hier schrie schon nach akuter Vorsicht. Vor jemanden, der nicht gefährlicher als ein Marienkäfer war.
      Per se wollte Ember nicht feindselig wirken, aber sie nahm doch sichtlich vorsichtig auf dem Stuhl Platz, den der neue Commissioner ihr anbot. Schon ab Sekunde Eins wünschte sie sich James zurück. Mit seiner aufbrausenden Art kam sie deutlich besser klar als mit der von Knight. Allein die Tatsache, dass er sich die Mühe gemacht hatte und Embers gefühlte ganze Akte hatte herausholen lassen, die das Fach eines gewöhnlichen Aktenschrankes bereits sprengte. Das Sahnehäubchen war eher, wie der Mann von dem erzählte, was in den Akten mehr als deutlich hervor kam. Sie wusste haargenau, dass sie ständig in der Grauzone tanzte. Immerhin hatte sie sich diesen Ort selbst so ausgesucht, aber das binnen Minuten von einem Fremden so vorgeführt zu bekommen klang dann doch schlimmer als es eigentlich war.
      Allerdings war sie mittlerweile etwas schlauer. Oder müder. Dieses Mal fiel sie ihrem Vorgesetzten weder ins Wort noch versuchte sich für Dinge zu rechtfertigen, die sie genau so wieder tun würde.
      Sie musste jedoch hart mit ihrer Mimik kämpfen um nicht zu verraten, wie lächerlich sie die Aussage fand, dass sie sich vorbildlich verhalten haben mochte. Sie hatte sich wie eine Geisteskranke vor einen Gott geworfen. Auf diese dumme Idee sollte niemand sonst kommen noch nacheifern wollen.
      Als Knight sie schließlich mit dem einen Augen fixierte, richtete sich Ember unweigerlich ein Stückchen gerade auf. So gerade war sie in den vergangenen Tagen nicht ein einziges Mal von ihrer Haltung her gewesen. Da war wieder diese Veränderung, die sie nicht zu beschreiben wusste und als er ihr einen neuen Posten anbot, brach ihre Schale vollends.
      "Bitte fassen Sie es jetzt nicht als abwertend auf, aber ich kann nicht leichtfertig zuschlagen, wenn mir mein neuer Vorgesetzter mit einem höheren Posten winkt. Sie haben sie Berichte gelesen, ja. Aber ich würde empfehlen, sich ein persönliches Bild zu machen bevor Sie die Stelle jemanden anbieten, den Sie nur von den Papieren anderer kennen."
      Gedanklich zögerte Ember. Eigentlich war dies hier genau das, für das sie jahrelang schuftete. Der nächste Schritt, um dorthin zu kommen, wo man etwas ausrichten konnte. Die vergangenen Wochen hatten ihr jedoch bewiesen, dass das rigorose Klettern auf der Karriereleiter möglicherweise nicht das Einzige war, das sie ausmachte.
      Sie hatte die Hände im Schoß gefalten während sie Knights Blick standhielt.
      "Wie machen Sie das?", fragte sie plötzlich aus dem Kontext gerissen. Sie beschrieb mit ihrem Zeigefinger einen kleinen Kreis in der Luft ehe ihre Hand in ihren Schoß zurückkehrte. "Sie erwirken eine vergleichbare Präsenz wie der Richter. Wie? Sie sind kein Zauberer, das wäre mir aufgefallen."
      In der Tat vibrierte weder ihr Kettchen noch reagierte ihr Armband auf irgendetwas. Alles an Anzeigern war erstaunlich ruhig, so ruhig, dass sie glaubte, wirklich nur einen Menschen vor sich sitzen zu haben.


      Indes kam ein verstört wirkender Peacock von einem Tatort wieder zurück ins PD. Man hatte die MET zu einem Tatort gerufen für die fachmännische Einschätzung der Lage. Peacock war verfügbar gewesen und war rausgefahren, um sich den Ort anzuschauen.
      Kaum war er wieder zurückgekommen hatte er sich den Rest seines Teams gekrallt und war die Bilder und die Beschreibungen durchgegangen. Sie alle saßen schweigend über den Beweisen, die schnell deutlich machten, dass dieser Tatort nicht ganz sauber war. Und dass Magie im Spiel war, deren Herkunft sie nicht genau beschreiben konnten. Dafür brauchten sie Fachpersonal.

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    • Buch II

      Kapitel 1:
      Was aus gebrochenen Herzen wird...


      Solomon Knight galt in seinem Umfeld als nachsichtiger, ruhiger Vertreter.
      Die Tatsache, dass dieser Mann regelrecht tyrannisch in Wales geherrscht hatte, verdrehte dieses Bild ein wenig, wenn man das nachsichtige Lächeln sah, dass er Ember schenkte. Nicht ein einziges Mal erfuhr seine Stimme eine Höhe oder Lautstärke, als er zu sprechen begann, nachdem er die Hände vor dem Kinn faltete und dieses darauf legte.
      "Ms Sallow, ich bin mir durchaus bewusst, dass ein Bild einer Person nur schwerlich aus einer Akte entnehmbar ist", begann er. "Aber dennoch ist es der Wunsch des Innenministers, dass die Stelle der LEitung der Antimagischen Division alsbald wieder besetzt wird, damit ein effektives Arbeiten wieder möglich ist. Und Sie können sich vorstellen: Ich habe lange mit James Hawthorne darüber diskutiert und ja, ich gebe zu, dass ich mit Ihrer Wahl nur bedingt einverstanden war. Ihrer Beurteilung nach sind Sie ein schrecklicher Teamplayer, Ihre Zündschnur ist kurz und Ihre Methoden fraglich. Gleichfalls jedoch..."
      Und diesmal war das Lächeln ehrlich gemeint.
      "Sehe ich mich selbst in Ihnen. Freilich ist dies einige Jahre her. Ich war genauso ein Wildfang wie Sie und musste darunter leiden, dass mir meine Vorgesetzten nie die Chance gaben, mich zu beweisen. Und ich möchte es besser machen. Denn neben all diesen schlechten Eigenschaften sehe ich auch Zuverlässigkeit, Loyalität und Pflichtbewusstsein in Ihnen, das anderen zum Vorbild gereichen kann, sofern es vernünftig eingesetzt wird...Ich würde Sie bitten, mein Angebot zu überdenken! Einstweilen sind Sie Leiterin in Interimsfunktion mit der Option, die Stelle nach einer zweiwöchigen Probezeit wieder zurück zu geben. Was halten Sie davon?"
      Auf ihre Frage hin musste er schallend lachen und legte die Hände auf den Tisch.
      "Ach wissen Sie, Ms Sallow: So manches Geheimnis ist nicht nur den Zauberern vorbehalten. Die einen nennen es Aura, die anderen nutzen wiederum anderes...Wenn Sie möchten: Ich kenne da einen guten Lehrer, der Ihnen sicherlich entsprechend helfen kann, wenn Sie - "
      Das Gespräch wurde jäh unterbrochen, als Solomon seinen Blick hochriss und die Augenbraue hochzog.
      Doch anstelle des erwarteten Klopfens schlug es regelrecht an die Glastür, dass diese vibrierte und beinahe die Halterung verlor.
      "Ach du lieber Himmel", murmelte Knight und erhob sich leicht, als ein Mann hereingestolpert kam.
      In den Händen trug er einen ganzen Haufen Bücher mit sich herum und ließ die Hälfte von ihnen auf den Boden fallen. Ein gar prächtiges Gerumpel erhob sich im Raum, sodass Knight kurz die Augen verkniff, um das Geräusch zu ertragen.
      Der Mann, der hinein gekommen war, besaß eine große, schlanke Gestalt und reichte nur knapp unter der Tür hindurch. Seine Arme und Beine wirkten schlaksig, obgleich sie eine gewisse Drahtigkeit an den Tag legten. Sein Torso steckte in einem schwarzen T-Shirt und einer schwarzen, kurzen Bikerlederjacke. Die Beine in einer dunklen Jeans mit schweren Boots.
      "Entschuldigung, entschuldigung!", rief er und kratzte sich am Kopf, wobei er auch den Rest der Bücher fallen ließ.
      Sein Gesicht wirkte beinahe ebenso tollpatschig wie sein Körper, sah er doch müde und gerädert aus. Ein Dreitagebart flaumte sich auf seinem Kinn aus und die dunkelbraunen Haupthaare standen wie eine Comicfigur zu Berge.
      Einzig seine Augen, die der Farbe blauer Gletscher erinnerten, wirkten scharf und wach, als sie zu den beiden schielten. Ein kurzes Grinsen zog sich über sein Gesicht.
      "Nun wären wir dann vollzählig...", seufzte Solomon und wies mit der einen Hand auf den jungen Mann. "Ms Sallow: Das ist Ruairi MacAllister. MacAllister, Ember Sallow."
      Ruairi trat lächelnd und eilig heran und streckte seine Hand aus.
      "Freut mich."
      "Mr MacAllister war bis vor kurzem Leiter der magischen Division in Glasgow, für Scotland Yard. Ist ein helles Köpfchen, der Junge. Er wird hier ebenso die Magische übernehmen und Ihr Pendant sein, Ms Sallow. Ich hoffe, Sie beiden werden sich verstehen."

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    • "Zwei Wochen in denen Sie einschätzen können, ob die Idee gut war oder nicht. Könnte mir gefallen."
      Ember hatte schon immer eine Schwäche für Handel mit gewissen Hintertürchen. Einmal den kleinen Zeh ins Wasser tunken und schauen, ob die Temperatur gefiel oder nicht. Damit konnte sie arbeiten, daran konnte sie wachsen.
      Als Knight plötzlich lachte, zuckte sie unwillkürlich zusammen. Dieses Geräusch war so unvorhersehbar, dass es sie daran erinnerte, wann sie zuletzt ein Lachen überhaupt gehört hatte. Wie klang eigentlich ihr eigenes Lachen noch? Gerade waren ihre Gedanken zu den Worten des neuen Commissioners zurückgekehrt, da wurden sie jäh unterbrochen.
      Das Rumpeln sorgte dafür, dass Ember abrupt auf ihrem Stuhl herumfuhr und einen vielleicht zu feindseligen Blick zu der Tür warf, die einen großgewachsenen Bücherschrank in den Glaskasten ließ. Genau wie Knight verengten sich ihre Augen als ein beträchtlicher Teil der Bücher zu Boden ging und einen Lärm seinesgleichen verursachte. Hinter dem Stapel an Büchern versteckte sich ein durchaus ansehnlicher Mann, der mindestens genauso fertig aussah wie Ember es unter ihrem Makeup tat. Bei genauerer Betrachtung erinnerte der Mann sie an Alex...
      Das Grinsen, dass der Neuankömmling ihnen zuteil werden ließ, war mindestens so verstörend wie die viel zu ruhige Art Knight's. Irgendwie waren hier nur noch Sonderkaliber unterwegs, auf die sich Ember erst einmal einstellen musste. So viel Offenherzigkeit war sie gar nicht mehr gewohnt. Dann eröffnete der Commissioner ihr, dass dieser Kerl die Magische leiten sollte. Das Chaos würde perfekt sein.
      Ihrerseits eher gelassen erhob sich Ember, damit sie nicht noch mehr Größenunterschied überbrücken musste. Sie erwiderte seinen Händedruck mit ihrer üblichen Bestimmtheit und war nicht überrascht, von etwa dem gleichen Level seinerseits empfangen zu werden. Anhand seines Verhaltens hätte sie ihn direkt als jünger eingeschätzt, doch die blauen Augen sprachen eine andere Sprache. Anders als jene, die in Augusts Augen lag.
      "Ist das so? Dann tanzen Sie ja praktisch auf zwei Parties gleichzeitig. Da wünsche ich Ihnen viel Erfolg", war Embers erste Reaktion, die wenigstens nicht gehässig klang.
      Anschließend räusperte sie sich als sie ihre Hand zurückzog und sich wieder auf den Stuhl sinken ließ. Es nagte ein wenig an ihr, dass ihr Pendant sogar für zwei Standorte zuständig war. Der Mann musste über Kapazitäten verfügen, die meilenweit Terrain gut machen konnten, was seine Tollpatschigkeit zu gefährden drohte.
      "Zurück zum Thema Mr. Knight. Zwei Wochen klingen nicht schlecht. Ich hoffe einfach mal, dass in der Zwischenzeit kein neues Drama entsteht..."

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    • MacAllister fuhr sich mit der Hand durch die wuscheligen Haare, nachdem er Embers Hand vielleicht eine Spur zu lang gehalten hatte. Er musste zugeben, dass er zuletzt eine derart ansehnliche Frau gesehen hatte, war eine ganze Weile her. Sicherlich waren unter dem Makeup die Spuren der letzten Tage erkennbar, aber es störte ihn nicht. Genausowenig wie die grauen Haare, die er nicht erwartet hatte. Schweigsam lächelnd setzte er sich ebenfalls auf den ihm angebotenen Stuhl und legte die Hände in den Schoß.
      Ruairi war weit davon entfernt, naiv zu sein.
      Er wusste anhand der Aktenlage haargenau mit wem er es zu tun hatte und gleichsam freute er sich auf die Herausforderung, die ihm dies bot.
      "Oh nein", bekröftigte er und kratzte sich erneut am Kopf. "Ich habe meinen Job dort oben gekündigt. Ich wollte näher an die Geschehnisse der Arkana heran und da bot sich mir eine gute Gelegenheit, wie ich finde."
      Einstweilen beließ er es dabei und sah Knight an, der nickend Embers Satz entgegen nahm.
      "Es freut mich, dass Sie mein Angebot annehmen, Ms Sallow", sagte Knight und nickte, als müsste er sich selbst nochmals bestätigen. "Nun, ich denke, die Ihnen angebotenen Posten bieten mehr als genug...Drama. Beginnen wir am besten gleich!"
      Er schmiss zwei Akten auf den Tisch, jeweils eine für Sallow und MacAllister.
      "Zunächst zwei kleine Infos: Wie Sie beide mitgekriegt haben sollten, wird einer der Arkana in den nächsten Tagen eine Art Manifest verlesen. Man kann davon halten was man möchte, aber hier sollten Sie sich auf das Schlimmste gefasst machen. Weiterhin wurden die entsprechenden Berichte vom Tag des Angriffs auf die Stadt veröffentlicht. Hierbei geht vor allem hervor, dass Mrs Cunningham offenbar in einer Seilschaft mit den Arkana stand. Bei der letzten Wahl stand sie auf der Kandidatenliste für einen Arkana-Posten. Quellen haben mir berichtet, dass sie durchaus Interesse daran hegte, aber es letztlich nie zu einer Wahl kam. In den Akten finden Sie die Berichte des Tages und die daraus abgeleiteten Informationen. Ms Sallow, Mr MacAllister: Ich erwarte Großes von Ihnen beiden!"
      Das war nicht einmal gelogen.
      Und doch endete das Gespräch so wie es began: Abrupt. Knight erhob sich mit quietschendem Stuhl und wies auf den Ausgang.
      "Ihre Büros finden Sie beide den Gang hinunter. Sie kennen sich aus Ms Sallow. Bitte zeigen Sie Mr MacAllister doch seine Räumlichkeiten, ehe Sie an die Arbeit gehen. Sofern noch Fragen oder Wünsche sind, steht Ihnen meine Tür wie immer offen. Zögern Sie nicht!"

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    • Ember hatte die Akte in der Hand, da hatte Knight noch nicht einmal weitergesprochen. Mit jeder Sekunde merkte sie, dass Arbeit eine willkommene Ablenkung sein konnte, sofern sensible Themen außen vor gelassen wurden. In Windeseile flogen ihre Augen über die Unterlagen und blieben nur zweimal kurz hängen. An einem Detail, das sie dringend hinterfragen musste und sich der Tragweite nicht gänzlich bewusst war. Das andere Detail war eher zu vergleichen mit einem Aha-Moment. Das erklärte zumindest eine kryptische Erzählung, aus der sie damals nie mehr Gehalt gewinnen konnte.
      Embers Augen schossen zum Commissioner, als sich dieser plötzlich erhob und sie beide förmlich aus dem Glaskasten warf. Den Gang hinunter? Dann kamen sie an Nolands Zimmer vorbei, mit ihm musste sie auch noch ein Wort wechseln. Oder fünfzig.
      "Ich komme drauf zurück", lächelte sie Knight schmal an ehe sie zu ihrem neuen... Partner sah und zum Ausgang nickte. "Dann begleite ich Sie mal. Wir kommen an dem Büro eines Kollegen vorbei, den ich ihnen gerne mal vorstellen würden."
      Mit MacAllister im Schlepptau kehrte Ember auf den Flur zurück und seufzte einmal. Hawthorne war weg, Knight ein Commissioner, den sie erst einmal einstufen musste und zur ihrer Seite stand ein großgewachsener Mann, der nicht einmal Bücher heile transportieren konnte. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass es nicht ruhiger sondern viel chaotischer als zuvor werden würde.
      "Ich habe wegen Foremar einiges zu den Arkana recherchiert und festgestellt, dass es rein nichts zu der Welt gibt. Sind Sie da anderer Meinung? Ich muss gestehen, dass ich zuvor noch nicht so sehr in der Thematik der Arkana gesteckt habe", wechselte sie nun das Thema als sie sich auf den Weg den Gang hinunter machte und sie immer wieder gegen Flashbacks ankämpfen musste.
      Richardson, der ihr tatsächlich mal einen Kaffee gebracht hatte in dem lächerlichen Versuch, sich einzuschleimen.
      Cunninghams bitterböse scharfe Blicke, die sie ihr im Vorbeigehen zuwarf.
      Die Tür zu Nolands Zimmer, die sperangelweit offenstand und den Blick auf ein leeres Zimmer gewährte.
      Sofort fror Ember auf der Stelle fest und starrte in die offene Tür. An der Wand war noch immer das weiße Kärtchen mit der Raumnummer und dem Namen Noland darunter zu lesen. Doch nichts in dem Raum ließ auf den Verbleib des alten Mannes schließen. Einzig die Wandfarbe und die verblichenen Stellen, wo einst Bilder hingen und der Teppich lag deuteten darauf hin, dass es einst sein Zimmer war.
      "Wieso ist...", murmelte sie fassungslos und musste sich gewaltsam von dem Anblick losreißen. Für so vieles gab es einen Grund, den es auf den ersten Blick nicht leicht zu durchschauen gab. Sie würde später mal nachfragen müssen, was sie in gerade einmal zwei Tagen verpasst hatte.
      "Na gut, muss ich ihn Ihnen ein andermal vorstellen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat Knight die beiden letzten Zimmer am Flur in unsere Büros umgewandelt. Spannend. Ich hatte bisher kein eigenes."
      Schweren Herzens riss sie sich vom Anblick los und führte MacAllister weiter den Gang hinunter. Wie vermutet waren es die beiden letzten Zimmer direkt nebeneinander und sie hätte fast schon aufgestöhnt, als sie am Türkärtchen bereits ihren Namen las. Wie voreilig war der Mann bitte?

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    • Den Glaskasten zu verlassen war scheinbar für beide eine Art von Erleichterung. Ruairi fuhr sich erneut durch die Haare, während er über die Bücherleichen stieg, die er einfach links liegen ließ. Knight würde sich sicherlich gleich an die Spuren der Verwüstung erinnern und ihn zurück pfeifen, aber fürs erste folgte er Ember auf den Gang nach draußen.
      Der Innenraum des PD war ein lichtdurchfluteter Bereich mit einem wunderbaren Zentrum. Bänke waren in die Steinfassade des innen liegenden Brunnen gehauen und so mancher Kollege und manche Kollegin traten ihnen entgegen. MacAllister entging nicht, dass ausschließlich jeder der Kollegen hier oben eine schwarze Armbinde trug und selbst in den Gesichtern war noch immer die Trauer und Bestürzung allgegenwärtig, die sie erst vor kurzem erfasst hatte.
      Schweigsam drückte er seine Hände in die Taschen und lauschte Ember.
      "Ich bin durchaus Ihrer Meinung, Ms Sallow", murmelte er. "Wobei wir gleich bei einem eklatanten Thema wären: Bitte nennen Sie mich Ruairi. Ich finde Nachnamen in vielerlei Hinsicht eher störend. Und wir sind gleichberechtigt in unseren Positionen und sollten daher nicht durch Höflichkeitsbarrieren eingeschränkt werden, meinen Sie nicht auch?"
      Das Lächeln, das er ihr kurz zuwarf, konnte man nur als entwaffnend beschreiben. Als würde man mit einem urfreundlichen Menschen sprechen, der nicht den Hauch eines Übels hegte.
      "Zurück zum Thema", begann er während sie den Flur hinab liefen und er ausnahmslos jeden Mitarbeiter mit einem freundlichen Nicken grüßte. "Über die Welt ist tatsächlich nciht wirklich etwas bekannt. Den Gerüchten nach ist er Brite und zählt zu den sogenannten Milleniumskindern. Aber mehr weiß ich auch nicht. In der Regel hält sich die verschollene 21 aus den Angelegenheiten des Pöbels heraus und wird nur sehr selten aktiv."
      Der Bericht des Polizisten endete jäh, als sie an die Tür kamen, die Ember ihm zeigen wollte. Das Schild wies es als ein Büro für einen Mann namens Noland aus. Doch Noland war nicht da. Freilich hatte MacAllister auch hier auf die Gerüchte der Kollegen gehört und wusste, dass Noland ein Rogue war, dessen Dienste man sich bedient hatte. Und innerlich brannte er darauf, den Mann kennen zu lernen. Die Enttäuschung war beinahe greifbar, als er seufzte.
      "Eine Schande", murmelte er und folgte ihr den restlichen Teil des Weges hin zu den Büros.
      Es waren zwei gleichgroße Büros direkt nebeneinander. EIne dünne Wand trennte die Einzelzellen des Büroalltags und beide wiesen die gleiche Ausstattung aus. Ein simpler, moderner Schreibtisch, ein Computer, eine Lampe und neben dem, Chefsessel auch zwei Besucherstühle. Mac Allisters Habe befand sich bereits sorgsam beschriftet in Kartons auf dem Boden und grinsend betrachtete er das neue Territorium. Und seine Büronachbarin könnte nicht besser sein, wie er fand.
      "Noch nie?", fragte er erstaunt und sah sie an. "Doch, ich muss gestehen, dass mein Büro in Glasgow ein wenig größer war, aber dieses hier ist völlig ausreichend."
      Ehe es zu schlimm mit der Prahlerei wurde, sah er Ember nochmals an und räusperte sich.
      "Ms Sallow, eins noch, ehe wir uns trennen", begann er und druckste ein wenig herum, ehe er weitersprach. "Ich...Ich kam nicht umhin, diverse Gerüchte bei meiner Ankunft aufzuschnappen. Unter anderem dieses, dass sie erst kürzlich eine Affäre mit einem jungen Mann unterhielten und...Naja...Ich hoffe, Sie verstehen mich nicht falsch, aber...Sind Sie in Ordnung?"
      In der Frage oder der Stimme lag nicht ein Quentchen Argwohn oder Böswille. Selbst seine müden Augen machten den Eindruck stetiger Sorge.
      "Ich...Ich meine nur, ich weiß, wie es ist wenn man mit Jemandem anbandelt und es entwickelt sich nicht so, wie man glaubt und...Naja...Ich habe mir einfach Gedanken gemacht, ob man Sie eigentlich mal gefragt hat, ob Sie zurecht kommen?"

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    • Ohne es zu wollen stolperte Ember über das Angebot sich beim Vornamen zu nennen. Üblicherweise nutzte sie diese Barriere, um Abstand zu den Personen zu wahren. Aber dieses Lächeln, das Ruairi ihr zu Teil werden ließ, sorgte für einen unbeholfenen Patzer in ihrem Mimikspiel. Generell schien er alle Menschen förmlich anzustrahlen, die ihm über den Weg liefen.
      "Meinetwegen. Wobei mein Nachnahme bei weitem leichter und schneller von der Zunge geht als ihrer", antwortete Ember und ließ den Raum, der für sie beide auserkoren worden war, auf sich wirken.
      Zwar konnte sie sich endlich darüber freuen, ein Büro zu haben. Doch der Preis dafür war eine Zweisamkeit von der sie nicht wusste, ob sie sie so befürwortete. Ruairi schob sich subtil unter ihre wohl platzierten Schutzwälle, die sie über die Jahre aufgebaut hatte.
      "Na ja, ich bin auch eigentlich nur Detective im Senior rank. Man ruft mich an, wenn man mich braucht und dann erscheine ich. Da war kein Büro von nöten. "
      Zumal sie dann ständig Sorge haben müsste, dass ihr Idioten wertvolle Zeit raubten. Sie seufzte leise während sie die sorgsam beschrifteten Kisten musterte.
      Als Ruari plötzlich anfing rumzudrucksen und ein sehr sensibles Thema ansprach konnte Ember nicht anders als die Arme schützend vor der Brust zu verschränken und ihren neuen Kollegen leicht schräg anzusehen. Wieso tratschte man in diesem Gebäude so unglaublich viel über sie?
      "Sollte es eigentlich nicht egal sein, was in meinem Privatleben passiert?", stellte die Gegenfrage ohne ihre übliche schnippische Art. Den wahrlich darunter verborgenen Schmerz der letzten Tage lag gut vergraben unter einer erzwungenen Kontrolle. "Nein, das hat mich noch niemand gefragt. Man breitet das scheinbar lieber im ganzen Präsidium aus und dichtet Dinge hinzu. Natürlich komme ich klar, so etwas bringt einen schließlich nicht um. Aber es ist schwer."
      Sie sah zur Seite weg, um den Blickkontakt zu brechen. Er sollte sie nicht mit diesen wachen und aufrichtigen Augen ansehen, um Stück für Stück hinter die Fassade blicken zu können. Zur Hölle, die wusste nicht einmal, warum sie ihm schon mehr erzählte als den meisten anderen in ihrem Umfeld.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairis eigener Blick wanderte in den Raum und verharrte dort.
      Sicherlich war es ein unangenehmes Thema, das sie beide verband. Und sicherlich war es auch unangenehm, nur ansatzweise darüber zu reden. Aber doch - so zumindest seine tiefste Überzeugung- war es an so mancher Stelle notwendig.
      Schweigsam zog er seine Jacke aus und enthüllte einen drahtigen Körperbau darunter. Selbst seine Armmuskeln schienen wie aus Drahtseilen gemacht.
      Schließlich warf er die Jacke zielsicher auf einen der Stühle, die danach scheppernd zu Boden fielen. Er hatte seine Beschwerungen vergessen. Das Portemonnaie und sein Telefon...Mit einer verzogenen Grimasse wandte er sich Ember wieder zu und seufzte.
      "Ja, es sollte eigentlich egal sein", gab er grinsend zu. "Aber als es mit mir und meiner...Affäre...zu Ende ging damals tratschte man genauso über mich. Anstatt dass Jemand auf mich zu kam und einfach mal fragte, wie es mir so ergangen war. Nun ja..:Ich habe mir geschworen, es besser zu machen."
      Auf ihre nächste Antwort konnte er jedoch nur nicken.
      "Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, wenn ich dies so salopp sage: Aber der Typ ist ein Idiot. Wir kennen uns nicht gut, aber ich denke mal, dass er irgendwann vielleicht bemerkt, wer Sie sind und wird vermutlich viel zu spät angekrochen kommen."
      Schweigsam legte er seine - im Vergleich zu ihrer Schulter - riesenhafte Hand auf die besagte Schulter und lächelte.
      "Kopf hoch. Es kann nicht immer regnen. Und das sagt Ihnen ein Schotte", grinste er und zwinkerte ihr zu.
      Anschließend löste er den Körperkontakt wieder.
      "Im Grunde genommen sollten wir unsere Neuanstellung eigentlich feiern, meinen Sie nicht auch? In Schottland hat man die Abteilung eingeladen zu einem kleinen Umtrunk am Abend. Nur leider muss ich heute Abend noch mit meinem Vermieter in den Streit gehen. Was halten Sie von Freitag?"
      Er fragte dies so beiläufig wie es ihm einfiel. Beinahe ungeachtet der Tatsache, dass sie eigentlich Arbeit hatten.
      "WIr könnten die Abteilungen mitnehmen."

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    • Es war nahezu unmöglich nicht hinzusehen, als Ruairi seine schwere Jacke auszog, um einen definierten Körper darunter zum Vorschein zu bringen. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Ember dem Flug der Jacke hinterher und wie sie zielsicher auf einem der Stühle landete, nur um ihn direkt mit Krach umzuwerfen. Trug der Mann Backsteine mit sich herum oder was war das bitte?
      "Ich glaube, das Tratschen liegt einfach in der Natur von solchen Einrichtungen", dachte sie laut nach und fand sich schließlich doch in seinen Augen wieder. "Wie lange ist Ihre verhängnisvolle Affäre her?"
      Die Frage, die sich direkt stellte war viel eher, ob ihr neuer Kollege wusste, dass es sich bei ihrer Affäre um August handelte. Wie viel wusste das Büro wirklich und wie viel war nur frei hinzugedichtet? Es war nicht nur ihre zerfahrene Beziehung, die ihr den größten Schmerz bereitete. Es steckte noch so viel mehr dahinter.
      Sie schwebte darüber noch in Gedanken, als sich unerwartet eine große Hand auf ihre Schulter legte. Sofort zog sie ihre Schultern hoch und versteifte sich, eine unterbewusste Reaktion, die sie mit Mühe und Not zu brechen gedachte. Langsam sanken ihre Schulter wieder auf ein normales Level hinab.
      "Seine Gründe waren ja nicht schlecht. Aber ich glaube nicht, dass er jemals von sich aus wieder zurückkommt. Dafür ist er nicht der Typ fürchte ich und hinterher trauern bringt niemanden weiter", erwiderte Ember leise und lächelte müde bei Ruairis Wortwitz.
      Ember schob sich an dem großen Mann vorbei in sein Büro, um die am Boden liegende Jacke aufzuheben und den Stuhl wieder hinzustellen. Nach etwas klopfen an der Jacke legte sie sie über die Stuhllehne und wandte sich wieder Ruari zu. Hatte sie das gerade richtig gehört?
      "Macht man das so? Die ganze Abteilung, ja? Ich muss gestehen, das ist hier noch nicht so passiert, aber ich sage nicht nein dazu. Wobei die meisten Kollegen hier nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen sein werden wegen..." Sie runzelte die Stirn. "Gründen."
      Sie musste ja nicht alles vor einem Kollegen ausbreiten, der gerade mal eine Stunde in dem Kreis ihrer Bekanntschaft zirkulierte. Zumal sie dann ein Bild von sich erzeugen würde, das schon lange nicht mehr stimmte.
      Um das Thema umzulenken deutete Ember mit einem Daumen auf die Kisten.
      "Sind Sie allein hergekommen oder haben Sie Familie dabei? Ich kann mir ansonsten vorstellen, dass die ersten Tage in einer neuen Stadt allein echt hart sein können."
      Nur zu gut erinnerte sie sich daran, wie sie sich die ersten Wochen allein in London hatte durchschlagen müssen. Wie sie nur durch Zufall das Restaurant gefunden hatte zu dem sie flüchten konnte, als es nur noch auf der Arbeit bergab ging.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi sah ihr leicht ermüdet nach, während sie seine Sachen vom Boden aufhob.
      Ein leichtes Schmunzeln umging seinen Mund, als er die Tür zu seinem Büro schloss und sich umdrehte. Embers Fragen besaßen durchaus das Potenzial für einen Waldbrand, wenn man es genau nahm. Und wenn man einen normalen Gesprächspartner besaß. Doch MacAllister war in vielen Dingen ein wenig anders als die Anderen.
      Grinsend trat er in den Raum und stemmte die Arme in die Hüften.
      "Drei Jahre", murmelte er schließlich. "Sie hat mich vor drei Jahren verlassen. Es ist also bereits eine ganze Weile her und heute kann ich sagen, dass es vorüber geht, dieser Schmerz, den Sie empfinden. Wie lange ist es bei Ihnen her?"
      Schließlich nickte Ruairi eifrig und lächelte, ehe er die Hände lockerte und einen Karton mit der Aufschrift "Recherche" vom Boden hob.
      "Wissen Sie...Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Jeder an den Ort zurückkehrt, wo er sich am Wohlsten gefühlt hat. Und wenn besagtem Mann Ihre Gesellschaft etwas bedeutet hat und er sich frei und wohl gefühlt hat, wird er zurückkehren. Die Frage ist eher, ob Sie so lange warten können und wollen oder ob Sie Ihre Flügel wieder ausstrecken und fliegen, Ember."
      Eine Weile später, wesentlich nachdenklicher und leiser, sagte er: "Jeder sollte fliegen, solange er es kann."
      Ruairi wanderte zu seinem Schreibtisch und wuchtete den Karton darauf und öffnete diesen in einer schwungvollen Bewegung. Unter der Pappe kamen diverse Bücherrücken aus Leder und anderen Stoffen zum Vorschein. Sorgsam begann er, diese in das einzige Regal seines Büros einzuräumen. Themenweise sortiert, natürlich. Er würde weitere Regale brauchen, so viel stand fest, dachte er sich und ließ dabei ein Buch fallen.
      Generell fiel ihm recht häufig etwas hinab, was er mit einem kleinen "ups" zur Kenntnis nahm.
      "Ich weiß nicht, ob man das so macht", gab er schließlich lachend zu. "Ich habe es nur so gehandhabt und festgestellt, dass man damit recht gut ankommt. Ein wenig Schleimerei zu Beginn ist nicht schlecht, auch wenn die Kollegen es nicht lange ertragen. Aber so lernt man sich besser kennen, auch wenn die Kollegen einen nicht mögen."
      Das Lächeln verblasste nicht, als er sich umdrehte.
      "MIch mochten die Kollegen in Glasgow auch nicht besonders. Zu Anfang. Haben Sie Vertrauen. Zumeist lassen sich Menschen mit Zuverlässigkeit überzeugen. Und das wird Ihnen auch gelingen", sagte er und seufzte, als er ein großes Buch aus dem Karton nahm und seine Hand auf den Einband legte.
      "Ich bin alleine gekommen. Ich habe nur noch meinen Dad. Und der lebt in Aviemore, oben in den Highlands. Hat sich nicht wirklich gefreut, dass ich so weit weg bin. Oder vielleicht doch? Ich weiß nie, was der verrückte alte Mann denkt. Meine Schwester wohnt in der Nähe von London und mein Bruder lebt in Glasgow. Und Sie? Haben Sie Familie hier?"

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    • Drei Jahre waren eine ganz schön lange Zeit, um über Jemanden hinweg zu kommen. Wobei die Frage bestand, wie lange die zusammen verbrachte Zeit davor war. In Embers Fall war es eine unglaublich kurze Zeitspanne gewesen, in der sich nie wirklich etwas hatte entwickeln können. Wenn sie jetzt in sich hineinhörte, merkte sie bereits, wie die Stimmen und Schreie zu verklingen begannen. Bei dem Gedanken daran trat tatsächlich ein bitteres Lächeln auf ihre Lippen während sich ihr Blick in eine weite Ferne richtete.
      "Zwei, drei Tage würde ich sagen", antwortete sie leise und wusste ganz genau, dass sie damit den Zeitraum des Angriffs des Sharokhs einkreiste.
      Es würde nur eine Frage der Zeit sein bis Ruairi mitbekam, dass sie in den persönlichen Kreis von August Foremar gedrungen war. Primär wirklich nur, um eine Art Gewalt über den Mann aufzubauen, die sie nie besessen hatte.
      Ruairi löste sich aus seiner Starre und schnappte sich einen Karton, um ihn auf dem Schreibtisch abzustellen und aufzumachen. Ember hatte auf dem Absatz kehrt gemacht und die Hände auf die Rückenlehne eines Stuhles gelegt, sich ein wenig vorgelehnt und einen Fuß entspannt aufgestellt.
      "Wissen Sie was? Ich glaube, ich kenne keinen Menschen, dem ich weniger in den Kopf gucken konnte als dem Kerl. Ich kann nicht mal mit Sicherheit sagen, wie er sich wirklich gefühlt hat. Deswegen kann ich und werde ich ihm nicht großartig hinterher sehnen. Wir haben nie ernsthaft darüber gesprochen, was wir eigentlich für den anderen waren."
      Dazu kam es nicht mehr. Obwohl... vage erinnerte sich Ember an den Moment vor dem Lagerhaus. Er hatte mit ihr über etwas sprechen wollen, doch dann war die Hölle bereits ausgebrochen. Sie hasste das Was-Wäre-Wenn-Spiel und würde es definitiv niemals anstimmen. Das würde ihr Verstand nicht aushalten. Im Grunde hatte nie etwas aus ihrem Verhältnis zu August erwachsen können und sie hasste es, dass er mit seinen Gedanken vielleicht sogar recht gehabt haben konnte. Sie standen durch einen klaffenden Abgrund getrennt von einander auf verschiedenen Seiten.
      Interessiert beobachtete Ember Ruairi dabei, wie er ein Buch nach dem anderen aus dem Karton zu Tage förderte und griff unverschämt in die Kiste, um das Nächstbeste zu begutachten. Indes ließ der Mann schon wieder ein Buch fallen als er versuchte, den gesamten Stapel in seinen Armen in das viel zu kleine Regal zu räumen.
      "Sie lassen ganz schön oft etwas fallen, hm?", merkte Ember an, schlug das Buch auf und blätterte ziellos darin herum. "Ich buhle nicht um die Anerkennung meiner Kollegen. Ich verfolge meinen Weg und wenn es anderen nicht passt, wie ich ihn gehe, dann steht es ihnen frei, es zu ignorieren."
      Sie legte das Buch gerade wieder auf den Schreibtisch zurück als Ruairi zurückkam um ein besonders Dickes aus dem Karton zu holen. Unverholen sah sie ihm dieses Mal in die Augen als er von seiner Familie sprach. Single war der gute Mann also nach wie vor. Prompt fielen Ember etliche Damen aus der Verwaltung ein, die sich ihm mit Sicherheit an den Hals werfen würden sofern sie erfuhren, dass er ungebunden war.
      "Hier direkt niemanden, nein. Meine Familie ist ansässig in Coppleridge, mein Bruder lebt in Birmingham. Er hielt sich jetzt allerdings eine geraume Zeit lang hier auf. Ich weiß nicht, ob Sie das mitbekommen hatten, aber ich hatte ja diesen fantastischen Handel mit einem Sharokh und leider hatte er angedroht, meinen Bruder zu töten. Nun ist er allerdings wieder zurück in seinem ruhigeren Leben, wo er auch hingehört. Und ich sollte mir mal ein neues Auto beschaffen... Aber eine andere Frage. Warum sind Sie so hinterher, näher an den Aktivitäten der Arkana zu sein? Ihr Motiv?"

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    • Ruairis Blick glitt für einen Moment über die schlanke Gestalt der jungen Frau und wie sie sich durch den Raum bewegte. Es war erstaunlich, dass es manchen Menschen offenbar zu eigen war, dass sie einen Raum einnehmen konnten. Wenn er an Knights Art dachte, war dies eher unangenehm. Bei Ember indes erschien es ihm seltsam passend, sodass er kurz lächeln musste, ehe er das nächste Buch heraus nahm.
      "Auch zwei, drei Tage können durchaus einen entsprechenden Einfluss haben. Ich lernte meine Freundin damals bei einem Basketball Spiel kennen und es brauchte drei Tage, ehe wir wussten, dass wir füreinander mehr waren", berichtete er und sah sie anschließend lange an, die Bücher in den Boxen verharrend.
      "Klingt für mich so, als würde sich dieser Mensch vor seinen eigenen Gefühlen fürchten, wenn Sie mich fragen. Und manchmal muss man nicht alles mit einem Label versehen. Die Hauptsache ist, denke ich, dass wir die gemeinsame Zeit nicht bereuen. Und dass Sie Ihre Zeit nicht verschwendet haben."
      Noch immer lag in seiner Stimmung nicht der Hauch eines Argwohns. Vielmehr sah er sie aufmunternd an und ließ erneut ein Buch fallen, als er über eines, das am Boden lag, stolperte. Auch wenn Ember ein gewisses Interesse an seinen Tätigkeiten zu hegen hatte, so erschien ihr Blick dennoch voller Schmerzen und entrückt, als suche sie etwas in der Ferne, das ihr niemand wirklich geben konnte. Vielleicht such nicht der mysteriöse Mann...
      "Ja, ich bin etwas tollpatschig fürchte ich", kicherte er und kratzte sich am Hinterkopf, ehe er seine Arbeit kurz unterbrach, um auch ihr unverhohlen in die Augen zu sehen.
      Die Berichte über die Ereignisse von vor 3 Tagen erschienen ihm lebendig und nah vor seinem Auge. Die zerfledderten Seiten der Berichte, die er in und auswendig kannte und die den Namen Sallow viel zu häufig enthielten. Als hätte man diesen Bericht nur für sie geschrieben. Daher blieb ihm ehrlicherweise nichts anderes übrig, als zu nicken.
      "Ich bin über die Geschehnisse im bilde, ja ", bestätigte er. "Und auch wenn es eine Randmeinung ist, so muss ich zugeben, dass ich nicht anders gehandelt hätte. Es ear eine kritische Situation, die niemand wirklich gut gelöst hätte"
      Auf den Rest Ihrer Erläuterung grinste er breit und nickte.
      "So erschien es mir", lachte er. "Sie sind eine starke Frau, erscheint es mir. Und nur wenige Männer mögen das. Vor allem wenn sie sich selbst für stark und unnachgiebig halten. Aber wenn ich das so sagen darf: ich bin selbstsüchtigerweise froh, dass ich nicht der einzige bin, der das Los des Familienlosen trägt. Obgleich ich manchmal froh bin, für mich allein zu sein, ist ein wenig Gesellschaft doch schöner, oder wie sehen Sie das?"
      Das Lächeln wurde nur noch Entwaffnender, als sie ihre letzte Frage stellte.
      "Oho, stehe ich unter Verhör?", fragte er mit einem Augenzwinkern. "Verstehen Sie mich nicht miss, Sie wären die angenehmste verhörerin die ich hatte. Aber ich mache Ihnen einen Vorschlag:"
      Wie zur Bestätigung liess er ein weiteres Buch fallen und klaubte es vom Boden auf.
      "Kommen Sie qm Freitag zur Feier und ich beantworte Ihnen jede Frage, die Sie haben! Und Sie erzählen mir etwas von sich und dem Auto, das Sie neu beschaffen müssen.!

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    • Bei einem Punkt stimmte Ember Ruairi vollends zu. August hatte Probleme mit seinen eigenen Gefühlen, das hatte er mehr als einmal grandios zur Schau gestellt. Das führte dazu, dass sie ernsthaft infrage stellte, ob sie ihn jemals auf dieser Ebene wiedersehen würde und bekam vielmehr das Gefühl, dass sie das nächste Mal wirklich auf feindlichen Seiten stehen würden. Kurz schoss ihr Gedanke zu dem Zettel und dem Schlüssel in ihrer Schublade, wohl wissend, dass sie dort ganz gut gelagert waren. Vielleicht irgendwann einmal...
      "Es klingt hart, aber mir ist es lieber, wenn meine Familie außen vor steht. Das eine Mal, wo mich mein Bruder besuchen kam wurde er direkt in eine lebensgefährliche Situation gerissen. Dank meines Fehlers, ja, aber dennoch. Das muss sich nicht wiederholen", fügte sie leise.
      Menschen im näheren Umfeld stellten immer ein zweischneidiges Schwert da. Sie konnten sie Seele des einen schützen, stabilisieren und zeitgleich die größte Schwachstelle sein, die man sich ausdenken konnte.
      Trotz dass sie langsam ein Gefühl für Ruairi zu bekommen schien, starrte sie ihn etwas ungläubig an, als er ihr zuzwinkerte. Wer zwinkerte denn heute noch so offensiv jemanden zu? Gepaart mit diesen honigsüßen Worten wäre es ihr fast kalt den Rücken runtergelaufen. Auf eine Art und Weise, die sie so noch nicht kannte. Eigentlich war das so weit weg von einem Verhör, wie es nur sein konnte. Aber scheinbar wollte er nicht so einfach mit seiner Motivation herausrücken. Als er dann endlich mit seiner Absicht um die Ecke kam, kam Ember nicht drum rum und ließ ein ernstgemeintes und erfrischend befreites Lächeln zu.
      "Na gut. Freitag mit der restlichen Abteilung, richtig? Hören Sie sich einfach im Innenhof um, es wird genug Leute geben, die Ihnen ein paar gute Orte vorschlagen müssen. Ich für meinen Teil...", sie hob die Akte, die sie unter ihrem Arm klemmen hatte, "muss noch ein wenig Recherche betreiben. Und entscheiden, was ich in mein tolles neues Büro stellen soll."
      Mit den Worten winkte sie Ruairi kurz und stahl sich aus dem Raum bevor sie Worte verlieren konnte, die sie später bereute.

      Spoiler anzeigen
      Die Gruppe um Peackock kam wie erwartet nicht weiter und legten den Fall Knight vor.
      Fakten:
      - Mann (27) hat sich erhängt
      - keine anderen Gewalteinwirkungen sichtbar
      - fade Spuren von Magie im Raum feststellbar
      - Motiv völlig unklar
      - Exfreundin hatte den Kontaktabbruch gemeldet

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    • Ruairi lächelte ebenso, als sie ihre Zusage erteilte und nickte eifrig.
      Er würde ihren Rat sicherlich anwenden, sobald es sich ergab, doch vorerst gab es noch einiges an Einrichtungsgegenständen zu verarbeiten, welche sich noch immer in dem Raum türmten. Als Ember den Raum verlassen hatte, wirkte dieser noch immer freundlich und lichtdurchflutet, aber die Aussicht, die nächsten Stunden mit der Ausstattung seiners Büros zu verbringen, zauberte ihm nicht zwingend ein Lächeln auf die Lippen.
      Vielmehr ließ er theatralisch die Schultern hängen und seufzte, als er den Haufen Kartons ansah und begann ein weiteres Buch aus dem Karton zu nehmen. Um es gleich danach fallen zu lassen, als er erneut über ein weiteres stolperte.
      "Ei verflucht", murmelte er und betrachtete das Buch.
      Gott, er hasste Einrichtungen. Eine ganze Weile lang sah er Ember noch hinterher beziehungsweise zu der Stelle, wo sie vorher noch gestanden hatte und fragte sich, wohin ihn das alles hier wohl führen würde. Zumindest bereute MacAllister die Entscheidung, nach London gekommen zu sein, nicht eine Minute.

      Ein paar Büros weiter wurde Peacock gerade aus einer langen Unterhaltung mit Solomon Knight entlassen. Schweigsam hatte sich dieser angehört, was Peacock ihm lieferte. Und erneut war es Knight, der seinen Mitarbeiter mit freundlichen Worten und einer recht vollen Akte entließ.
      Während der ältere Mann sorgsam durch die Unterlagen blätterte und sich besonders die Tatortfotos genauer ansah, wirkte er für einen Moment der Welt entrückt. Als suche er etwas in der Ferne, das er nicht fand. Es blieb nichts anderes...
      Sachte erhob er sich aus seinem Stuhl und streckte den Rücken durch. Das arbeitsame Treiben seiner Behörde faszinierte ihn nach und nach immer mehr. Durch den ganzen Innenhof wuselten Polizisten oder Ermitter durch die Gegend und versuchten, ihr Tagewerk zu verrichten. Und inmitten dieses Ameisenchaos' stakste ein recht orientierungsloser MacAllister und sprach hemmungslos die Menschen um ihn herum an. Dieser Caster verlor wirklich keine Zeit, so viel stand fest...
      Grinsend schüttelte Knight den Kopf und fuhr sich durch die Haare, ehe er nach der Akte griff und sich auf den Weg zu Embers Büro machte. Es wurde Zeit, die neue Leitung der Antimagischen mit einer Aufgabe zu betrauen.
      Als er nach einigen Hallos und Guten-Tags durch den Flur geglitten war, klopfte er zart an die Glastür, nur um sie Sekunden danach bereits zu öffnen.
      "Ms Sallow", begrüßte er die junge Frau und klatschte im nächsten Moment geradezu liebevoll die Akte auf den Tisch. "Ein neuer Tag, eine neue Leitung und gleich ein neuer Fall. Der gute Peacock hat ihn mir gerade vorgestellt und ich muss sagen, es eignet sich hervorragend, um Sie in Ihrer neuen Funktion auszutesten."
      Das Grinsen, das Knight umspielte, während er sich in den Türrahmen lehnte, konnte man als überfallend bezeichnen.
      "Das Opfer ist 27 und hat sich aufgehangen. Laut Peacock sind keine weiteren Spuren von Gewalteinwirkung feststellbar, wohl aber Spuren von Magie. Mehr wissen wir nicht wirklich, aber Sie kennen ja das Procedere: Aktensicht, Ermmittlungsplanung, Zusammenstellung eines
      Teams. Nehmen Sie auch gern Mr MacAllister zur Beratung hinzu, wenn Sie es für nötig erachten."
      Als er sich die Nase kratzte wirkte er beinahe ein wenig lausbübisch, während er sich umdrehte.
      "Wenn noch was sein sollte, ich bin im Büro. Erwarte Ihren ersten Bericht bis Übermorgen!", rief er noch, ehe die Tür zaghaft wieder zufiel. Ab sofort gehörte dieser Laden Ember.

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    • Ember hatte sich auf dem Stuhl in ihrem tollen neuen Büro niedergelassen, den PC hochgefahren und sich erstmal durch die Registrierungsanfragen gekämpft. Es dauerte eine ganze Weile bis sie zumindest die Shortlinks und Verknüpfungen so eingerichtet hatte, wie sie es brauchte. Trotzdem müsste sie noch ihren Laptop von Zuhause holen, um etliche Daten einzuspeisen. Ihr Notizbuch in allen Ehren, aber nichts ging über eine digitale Datenbank, in der man einfach nach Schlagwörtern suchen konnte.
      Als es leise klopfte glitt ihr Blick zur Tür, durch die bereits Knight schritt und ihr eine noch sehr dünne Akte auf den Tisch legte. Sie musste ein wenig schmunzeln, als direkt Peackocks Name fiel. Der gute Mann war einfach viel zu übereifrig. Ihre Finger strichen gerade über die Hülle der Akte, da hob sie ihren Blick und fiel direkt ins nächste offene Grinsen hinein. Gott, diese Neulinge waren alle viel zu gut gelaunt für das regnerische und stinkende London.
      "Wieso habe ich den Eindruck, dass es Ihnen viel zu viel Spaß macht, uns beim Arbeiten zuzusehen?", warf sie ihm noch hinterher, doch der neue Commissioner war schon unlängst wieder im Flur.
      Sanft schüttelte sie ihren Kopf, öffnete die Akte und sah sie die Fotos und Informationen an. Tatsächlich sah es auf den Bildern aus, als wäre es eine ordinäre Selbsttötung gewesen. Die Obduktion stand zwar noch aus, aber die Pathologen sprachen von keiner außerordentlichen Fremdeinwirkung. Sie runzelte die Stirn. Die Verflossene hatte die Polizei informiert, also gab es eine Beziehungsebene, die hier mit hineinspielen mochte. Man würde die Frau aufs Revier bitten müssen. Von wo genau diese ominöse Magieeinwirkung stammen konnte war nicht ersichtlich. Sollte Ember sich den Tatort ansehen, würde sie einen feinfühligen Caster benötigen.
      War Ruairi feinfühlig? Was konnte er eigentlich? Das müsste sie auch noch schleunigst in Erfahrungen bringen.
      Ember griff zu ihrem brandneuen Festnetztelefon und wählte Peackocks Nummer.
      "Schöne Sache hast du mir da beschert."
      "Möchten Sie mir damit sagen, die kleinen Fische sind es nicht mehr wert?"
      Ember grinste. "Es gibt keine kleinen Fische. Sie müssen mir die Verflossene ins Revier holen und befragen. Sieht erst einmal nach einer Beziehungstat aus, aber man weiß ja nie."
      "Bin dran."
      Anschließend beugte sie sich wieder über die Papiere und dachte nach.

      Nach gut dreißig Minuten trat sie aus ihrem Büro und warf einen verstohlenen Blick hinüber in Ruaris Raum. Die Tür stand offen, aber niemand war da. Leise seufzte Ember, als sie sich tatsächlich wieder in Richtung des Glaskastens begab, um Knight nach etwas zu fragen. Auf dem Weg kam sie wieder an Nolands Zimmer vorbei, das nun kein Türschild mehr trug. Also gingen sie davon aus, dass der alte Mann verschwunden blieb, wo auch immer er sein mochte. Dieser Verlust schmerzte Ember fast noch mehr, da Noland wie ein Freund für sie geworden war. Sie hatte ihm so vieles noch erzählen wollen und nun war ihr nicht nur eine wichtige Person entrissen worden, sondern gleich zwei. Sogar drei, wenn man Shawn mitzählte, der wieder nach Birmingham gefahren war.
      "Na, ich weiß ja nicht."
      Ember hielt in ihrem Wege nicht an, lauschte aber der Damenstimme, die aus einem abzweigenden Gang kam und scheinbar einer Unterhaltung entstammte.
      "Wieso hat man Sallow den Posten gegeben? Reichte es nicht, dass Cunningham mit den Arkana angebandelt hatte und nun gleich die nächste korrumpierte in Leitungsposition?"
      "Man hat alles mit neuem Personal besetzt, nur die Antimagische nicht. Vielleicht ist dieser MacAllister auch dafür da, sie unter Kontrolle zu halten. Geht am besten, wenn man direkt zusammenarbeitet. Hast du eigentlich gesehen, wie er einfach jeden anstrahlt?"
      "Meinst du, der hat schon eine Frau?"
      "Bestimmt. Bei so jemanden wie ihm, kann das ja -"
      Das Gespräch endete jäh als Ember an der Abzweigung vorbeikam und den beiden tratschenden Damen aus der Verwaltung einen vernichtenden Blick zuwarf. Sie kannte ja das Gelästere, es aber so zu hören war eine andere Nummer. Allerdings sagte sie nichts und riss stattdessen nur etwas angesäuert Knights Glaskasten tür auf, nachdem sie hart dagegen geklopft hat.
      "Entschuldigen Sie, aber ich brauche einmal ihren Rat", fiel sie direkt mit der Tür ins Haus und räumte dem Commissioner gerade so viel Zeit ein, den Blick zu heben. "Ich brauche einen analytischen Caster. Wenn ich den Tatort untersuche muss ich jemanden haben, der kleinste Spuren feststellen kann. Ich weiß von unserer Seite nur Samshore, der eine höhere Affinität hat. Vorschläge Ihrerseits?"

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    • Es gab einige Dinge, die Solomon Knight zu hassen gedachte.
      Ja, geneigter Leser, Sie lesen richtig. Er gedachte es, zu hassen. Knight war kein Mann der großen Gefühlsaffinitäten und noch weniger hielt er sich an Unlänglichkeiten wie dem Wetter oder den neuesten Social Media Trends auf. Zumeist lebte er ein recht ruhiges Leben, gepaart mit einer Prise Pfeffer, wie er es zu nennen pflegte. Der Pfeffer der Arbeit eines Mitglieds einer Sonderkommission. Und jetzt die Arbeit eines Commissioners, wobei diese noch einiges an Spannung hinzu gewinnen musste.
      Derzeit starrte er in die Personalunterlagen des PD und stellte erschrocken den Grad der Ausbildung der Caster fest. Eine Tatsache, die sich MacAllister anzunehmen hatte. Er würde sich einen Spaß machen und diese Sache genauso auf den Tisch knallen wie -
      Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als furiengleich Ember Sallow die Tür zum Glaskasten aufriss.
      Die Teetasse mit dem perfekt gebrauten Earl Grey verharrte stumm an seinen Lippen, ehe er sie sorgsam wieder auf den Unterteller stellte. Ein kleines, monotones Klirren zierte den Raum, als er sie vollends anblickte und die Lippen schürzte.
      Solomon Knight war kein aufbrausender Mann wie James Hawthorne. Er würde nicht marodierend über seine Untergebene herfallen und sie in die nächste Abteilung schreien. Vielmehr war es der Raum, der sich verdichtete und kleiner zu werden schien. Ja, sogar die Temperatur fiel um ein bis zwei Grad.
      "Erstens:", begann er mit kalter, aber ruhiger Stimme. "Kommen Sie noch einmal derartig respektlos in mein Büro, landet ihr Allerwerterster schneller auf der Straße als sie meinen Namen buchstabieren können. Zweitens: Auch wenn es eine Glastür ist, vermag man vernünftig dagegen zu klopfen. Einzige Ausnahme bildet der akute Notfall. Drittens: Ich weiß nicht, wie die Wege meines Vorgängers waren, aber es geziemt sich wohl ganz und gar nicht, seine eigene Unzulänglichkeit zur Formung eines Teams an den Vorgesetzten heran zu tragen."
      Mit einem Mal würde der Raum wieder fröhlicher und Knight sah sie lächelnd an.
      "Ich bin bereit, über diesen Fauxpas hinweg zu sehen, Ms Sallow. Bald Captain Sallow. Also tun Sie mir einen Gefallen: Sie sind in einer Leitungsposition. Sofern Sie magische Unterstützung brauchen, haben Sie einen durchaus fähigen Rangkollegen, der sich bereits einen guten Überblick verschafft hat. Fragen Sie doch einfach ihn demnächst in eigener Zuständigkeit. Zum Anderen ist MacAllister durchaus selbst befähigt, derart analytische Vorgehensweisen zu koordinieren. Zumindest erwarte ich das von einem S-Klasse-Caster. Alsdann, Ms Sallow. Ich habe zu tun!"
      Mit einer scheuchenden Bewegung seiner Hand beförderte er Sallow aus seinem Büro. Diese Jugend...

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    • Ember war nicht aufgefallen, dass sie Knight gerade wie Hawthorne behandelte, bei dem sie sich gefühlt alles hatte erlauben können. Die Quittung dafür bekam sie umgehend, was dafür sorgte, dass sie das erste Mal wirklich stumm und ohne Widerworte einen Vorgesetzten ansah und tatsächlich den Blick kurz senkte.
      "Ähm, entschuldigen Sie...", war wirklich alles, was sie sagte, als sie mit großen Augen aus dem Glaskasten wieder herauskam und leise die Tür hinter sich zuzog.
      "Was zur Hölle war das denn...", murmelte sie leise und schüttelte noch völlig perplex den Kopf. Da hatte jemand vergessen, wie man mit Vorgesetzten eigentlich umzugehen hatte.
      Immerhin war ihre Wut von vor ein paar Sekunden wie weggeblasen, als sie noch immer nachdenklich den Flur wieder zu ihrem Büro entlang ging. Natürlich führte ihr Weg sie direkt wieder zu Ruairi, ob sie es nun wollte oder nicht. Der übrigens immer noch nicht in seinem Büro aufgetaucht war und scheinbar nicht nur kurz die Beine vertreten musste. Ein S-Klasse-Caster also... Irgendwie hatte sie ein Händchen für solche Leute.
      Den kompletten Ablaufplan hatte sie sich bereits zusammengestellt, es fehlte also nur noch der Analytiker. In Gedanken rechnete sie Hawthorne gerade viel mehr an als jemals zuvor. Er hatte alles koordiniert und sich dann auch noch zeitgleich mit ihr herumschlagen müssen. Ein wenig Reue umfing sie bei dem Gedanken daran, dass sie sich nie für ihre aufreibende Art bei ihm wirklich bedankt hatte.
      Ein gedehntes Seufzen entkam Ember als sie merkte, dass sie gar keine Kontaktdaten von Ruairi hatte und ganz bestimmt nicht noch einmal zu Knight gehen würde. In dem Register des PDs war er noch nicht eingepflegt und da diese beiden Räume frisch umfunktioniert worden waren gab es auch keine alten Nummern, die sie versuchen konnte.
      Also blieb ihr nichts anderes übrig, als durch die offene Tür seines Büros zu gehen und sich auf den Stuhl zu setzen, wo einst seine Jacke gehangen hatte, und zu warten. In der Zwischenzeit scrollte sie schonmal durch Maps, um den Ort zu lokalisieren und wie sie am schnellsten dorthin kam. Ob es verdächtige Einrichtungen in der Nähe gab oder ob ihr jemand eine Nachricht geschrieben hatte. Mit Ernüchterung stellte sie fest, dass sich niemand bei ihr gemeldet hatte. Weder August noch Noland, die beide ihre Nummer besaßen und genauso wenig wie sie selbst eine Nachricht verfasste.
      Ember kaute auf der Unterlippe herum, als sie sich entschloss, Noland eine Nachricht zu schreiben. Noland war freundlich. Noland war umgänglich. Und sie hatte nicht versucht, ihn umzubringen. Mit ihm konnte sie anfangen....

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