[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Kapitel 6:
      Wir haben Kuchen mitgebracht


      August Foremar hatte bereits in merklich beschissenen Situationen gesteckt.
      Dies ließ sich bei einem Leben, das mehr als 100 Jahre ausmachte, nicht wirklich verhindern. Doch dies hier war ein ausgesprochenes Desaster! Menschenleiber kreuzten sich mit Angeli, die herab fielen und immer wieder neue nach kamen. Als würde man einer dimensionalen Hydra einen Kopf abhacken. Dies hier würde nicht weniger als seine ganze Kraft benötigen.
      Seufzend begann er mit der Transformation und sammelte seine Kräfte, während die Arkana in alle Richtungen ausschwärmten und die Caster zu unterstützen begannen. Es war nicht mehr als der Kampf gegen ein gottgleiches Wesen. Und er würde Kräfte brauchen, die selbst seine überstiegen.
      Unterdessen hatte Eva ihre Einsicht beendet und sah Ember an.
      Es wäre übertrieben gewesen, eine Freundlichkeit in ihrem Blick zu vermuten. Immerhin war sie es gewesen, die August in die schändliche Situation gebracht hatte, einen Handel mit dem Tod einzugehen. Und jetzt schien sie es nicht einmal zu glauben...Aber woher auch, nicht wahr?
      "Kjetil, sieben Grad nach links!", rief sie dem Richter zu, der sogleich einem Dorn auswich, der aus dem Nichts angeschossen kam. Erst danach wandte sich Eva wieder zu Ember.
      "Das Tor wird dursch die Kraft des Sharokh gespeist. Es wird nischts anderes übrig bleiben, als ihn zu vernischten, ehe wir das Tor schließen können!"
      Mehr musste sie nicht wissen. Mehr sollte sie nicht wissen. Eva erhob sich aus der Deckung und wich elegant einem kleinen Geschoss aus.
      "Die Caster sollen töten, was sie töten können, oui? Wir tun dasselbe!"
      Der Kampf nahm an Fahrt auf, als die Arkana die Fläche betraten. SIcherlich hatten sie eine recht große Zerstörungsfläche, aber gleichsam zeigte sich auch in den folgenden Minuten, dass nicht Arkana dieselben Kräftelevel besaßen. DIe meisten konnten als Zauberer der A oder S-Klasse eingeordnet werden. Doch mit einer derartigen Masse an Feinden waren selbst die Arkana mit den Castern gemeinsam überfordert. Hier sah man Amrah, der sich neben einem Caster in eine gigantische Form seiner Selbst verwandelte. Jedoch war seine Haut aus Strohbinden gefertigt und er ähnelte einer monströsen oder dämonischen Art von Voodoo-Puppe, während er gigantische Nägel auf die Feinde feuerte.
      August indes sammelte seine Kraft und wurde von Bones und dem Richter gedeckt.
      Es war anstrengend, die Verwandlung vollständig durchzuführen.
      Mit einem Ruck begann sich die Haut seines Körpers weißlich zu verfärben und er wuchs ein Stück, ehe er die Zwei-Meter-Marke beinahe erreichte. Die Kleidung verschmolz regelrecht mit der Haut um ihn herum und wirkte wie ein seltsamer Frack der sich in die Länge zog und zu weißen Platten mutierte. Aus seinem Kopf stachen zwei hornartige Fortsätze, die sich leicht nach hinten schwangen, während seine Augen gänzlich weiß wurden und sich in das Bleiche der Haut einfärbten.

      Alles an diesem Antlitz wirkte fremd für die Arkana, obgleich sie es kannten. Doch jedes Mal, wenn dieses diabolische Grinsen sämtliche Zähne des MAnnes enthüllte, lief es auch dem Richter kalt den Rücken runter.
      Erst nach einer Weile des Sammelns und nachdem der Druck übermenschlich wurde beruhigte sich August und sah mit schiefgelegten Kopf und dauerhaftem Grinsen in Richtung des Sharokh.
      "Willkommen!", meckerte er lachend. "Zum letzten Akt dieses Spiels!"
      Einladend wie ein Priester breitete er die Arme aus und eine Aura hüllte das Theater ein. Der Richter und Bones widerstanden der Aura, aber einige der Caster fielen mit schäumendem Mund vornüber.
      "Sieben Speere!", rief er und grinste breit als aus dem Nichts gewaltige Aurawirbel entstanden, die tatsächlich Speere formten. Diese bestanden aus unterschiedlichsten Elementen, aber waren durchaus erkennbar. Mit einem Schwung seines Armes flogen sie auf den Sharokh zu, der sich brüllend in sie hinein warf.
      Die langen Finger des Teufels formten noch zwei weitere Zeichen und neben Ember begann sich eine Waffe zu materialisieren.
      Ein langes, schweres Gewehr mit einem Einzellauf. Es ähnelte einer Scharfschützenwaffe und war mit einem Visier ausgerüstet, um zumindest großflächig Schaden anzurichten.
      Auf der einen Seite der Waffe war das Wort "HELLO" und auf der anderen Seite das Wort "GOODBYE" eingeritzt.
      Der Kampf begann erst richtig, als auch August das SIgnal zum Angriff gab!
      Bones hielt sich im Hintergrund aber der Richter hüllte sein Äußeres gänzlich in schweren Diamant und raste glitzernd auf den Sharokh zu. Das erste Aufeinanderprallen glich einem Kanonenschuss. MIt einem schweren Donnern prallten die Parteien aufeinander und teilten kurze Schläge miteinander aus. Einem Schlag, den der Richter versetzte. GLeichsam wurde er anschließend wie eine Puppe fortgeschleudert und kam schwer in Embers Nähe auf.
      Während der Sharokh die Speere abwehrte schlug August ins Leere. Seine Hand verschwand im Nichts und tauchte im Hinterkopf des Sharokhs wieder auf, um ihm einen Klaps zu versetzen.
      Sogleich schossen die beiden Kämpfenden aufeinander zu und verschränkten die Finger ihrer Hände zu einem Wettdrücken ineinander.
      "Tihihihi, du bist ganz schön hässlich!", meckerte August und fing sich dafür eine Kopfnuss.
      Das würde ein hässlicher Kampf...

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    • Es waren nur einige Sekunden in denen Ember beobachten konnte, wie Eva den Richter vorzeitig warnte und dieser somit einem tödlichen Dorn ausweichen konnte. Nur Sekunden, die sie ihn im Voraus gewarnt hatte. Was allerdings dafür sorgte, dass Ember die Lage neu bewertete.
      "Also den Sharokh als Erstes", bestätigte sie Evas Hinweis während sie bereits das Funkgerät erneut zückte. "Sallow nocheinmal. Der Strom der Angeli wird nicht so schnell abbrechen. Versucht den Feind zu sammeln und auszuschalten. Einzelsituationen sind abzuraten. Arbeitet mit den Arkana zusammen!"
      Dann spürte die Detective die typische Veränderung im Gefüge der Luft, den Druckaufbau, wenn mächtige Magie gewirkt wurde. Es war ein Leichtes, den mittlerweile fast 2 Meter großen August ausfindig zu machen, der so gar nichts mehr von der Erscheinung hatte, die sie kannte. Jedoch sah sie ihn nur versetzt von hinten, eine Wirkung verfehlte dies dennoch nicht. In einer kranken Faszination sah sie dabei zu, wie sich elementare Speere bildeten und auf den Sharokh zuflogen, der sich ihnen regelrecht entgegenwarf.
      Aus dem Augenwinkel sah sie etwas Glänzendes zu ihrer Seite.
      Die Langwaffe war so fehl am Platze, dass Ember einen Moment lang zögerte, dann jedoch ihre Hand nach der Waffe ausstreckte. Das kalte Metall fühlte sich bekannt und vertraut unter ihren Fingerspitzen an während sie zu allem Überfluss auch noch passende Munition daneben auf dem Boden vorfand. Sich darüber jetzt großartig Gedanken machen wäre reine Zeitverschwendung. Insbesondere, als ein durch die Luft geschleuderter Richter in ihrer unmittelbaren Nähe aufschlug.
      "Alles okay?!", rief sie zu ihm hinüber nachdem sie gesehen hatte, dass er sich sofort wieder bewegte.
      Indes hatte Ember das Gewehr mangels fehlenden Zweibeins auf dem Trümmerrest vor ihr aufgebockt. Es war erstaunlich schwer gewesen, ein Hinweis darauf, dass die Waffe eher dem stationären Fernkampf ausgerichtet war. Immerhin schien die restliche Handhabung altbekannt zu sein als sie die Munitionspackung in ihrer Greifweite aufstellte und die erste Patrone lud.
      Einzelschusslangwaffe. Musste also sitzen.
      Als sich Ember hinter das Fernglas lehnte fühlte sie sich extrem an frühere Zeiten zurückversetzt. Wie man ihr nachgesagt hatte, dass Frauen sich gefälligst nicht so in Schusswaffen hineinzuknien hatten. Wie gerne sie diesen Menschen den Mittelfinger gezeigt hatte und großspurig davon geredet hatte, irgendwann würde es nützlich sein. Manchmal waren Zufälle schon witzige Ereignisse.
      Sie atmete mehrmals tief ein uns aus und richtete den Lauf gen Himmel. In die Menge konnte sie nicht schießen, das Gewehr hatte vermutlich solch eine Durchschlagskraft, dass sie Verbündete direkt mit treffen würde. Außerdem musste sie erst einmal sehen, wie sich die Waffe überhaupt verhielt. Folglich visierte sie einen Angelus an, der sich noch im Sinkflug befand. Sie folgte seiner Bahn, gewann ein Gefühl dafür wie schnell er sank und zog dann vor.
      Der Knall des Schusses hob sich sogar vom restlichen Lärm des Schlachtfeldes ab. Der Schaft des Gewehres schlug hart gegen Embers Schulter als sich der Schuss löste und die Kugel zielsicher den Angelus auf Brusthöhe traf und ihn wie einen Stein aus dem Himmel riss. Wie vermutet. Das Ding besaß ordentliche Durchschlagskraft.
      Sofort repetierte Ember das Gewehr durch, legte die nächste Patrone nach und schwenkte hinüber zu August, der sich gerade im Duell mit dem Sharokh befand. Sie visierte den Sharokh an wobei sie primär auf dessen Extremitäten achtete. Diese Patronen waren zwar antimagisch, würden das Metawesen aber vielleicht ablenken können. Doch dieses Mal versuchte sie es gar nicht erst aufs Blaue heraus.
      Immerhin hatte sie noch Eva Beauregard in unmittelbarer Nähe stehen.
      "Eva, kannst du mir sagen, wann ich den Sharokh treffen würde oder sowas?", fragte sie die andere Frau mit einer Ruhe in der Stimme, die von absoluter Konzentration herrührte.

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    • "Alles klar, Männer! Ihr habt Sallow gehört!", rief der Kommandant der Caster lautstark zu der Reihe von Castern, die noch immer mit Schildzaubern das Gros der Feinde abzuschirmen versuchte. "Treibt die Barstarde zusammen!"
      Mit gezielten Magiestößen und schweren Schildzaubern drückten sie hereinpreschende Masse der unmenschlich schreienden Wesenheiten einem Schildwall gleich zurück in Richtung des Sharokh, der August nunmehr fixierte und beschäftigte.
      "Auf mein Kommando! Dann Wall öffnen, zwei durchfallen lassen, zweite Reihe: Termination bei Sicht", bellte Williamson, ein Zauberer der Klasse A. Er hatte vor ihrer Beförderung als direkter Untergebener von Cunningham gedient, die er zumindest bei einem kurzen Seitenblick an Hawthornes Seite ausmachte.
      Mit einem Dorn in der Schulter. Na bestens.
      "Drei! Zwei! EINS!", schrie er und wusste in dem Moment, als er die Silbe anlegte, dass sie es versaut hatten. "JETZT!"
      Die Reihen der Caster leideten an Abstimmungsproblemen, die sie nicht erkannten. Anstatt dass ein Schild abgelassen wurde, wurden drei abgelassen und die Meute preschte wie eine Horde Ameisen zum Honig, die Lücke erkennend. Es dauerte keine Sekunde, da rissen sie einen der Caster regelrecht auseinander und nochw ährend die Todesschreie zum Himmel gellten nahm der Rest Abstand und verließ die Formation.
      Ein Bruch war selten, kam aber vor, wenn Jemanden Zombie-Engel angriffen.
      "Gottverfluchte...RÜCKZUG!"; schrie Williamson und spießte einen Angelus mit einem Feuerspeer auf, der ihm rasant aus der Hand wuchs. Sein Kollege hatte nicht dieses Glück. Mit einem gurgelnden Geräusch und dem Kreischen eines unirdischen Wesens ging dieser zu Boden und selbst Williamson konnte den Schwall der Angeli nicht aufhalten.
      "Hier Williamson!", bellte er in das Funkgerät. "Blockade gefallen. Wiederhole: Blockade gefallen. Befehle, Captain?!"
      Die Meute an Angeli brach durch den Ring und verteilte sich etwas. Ein guter Teil begann die anderen Caster von hinten anzugreifen während einige auch auf Ember, Eva und auch Hawthorne und Cunningham losgingen.
      "Ach du dickes Ei!", murmelte Hawthorne und sah zu EMber. "WIR MÜSSEN SIE AUFHALTEN!", schrie er ihr zu. "SIE DÜRFEN DEN PARK NICHT VERLASSEN!"
      Der Glücksdämon von Bones riss einige dieser unsäglichen Wesen mit sich als er eine gewaltige Feuerwalze auf die Feinde prasseln ließ. An anderer Stellte rammte Eva Beauregard einem Angelus ein Messer zwischen die Augen, ehe sie zu Ember sah, die sie anrufen würde.
      Schweigsam und eilig huschte sie zwischen Leibern und Fetzen davon zu ihr, als sie Prestegard ansprach.
      "SChon schlimeres erlebt", murmelte dieser mit einem harten Akzent und erhob sich. Der Diamant seiner Haut glänzte im Gegenlicht und der Angelus, der ihn regelrecht anfiel, schlug die Zähne in seine Schulter.
      Mit einem Schlag, der einem Kanonenschuss gleich kam, riss Prestegard ihm den Kopf von den Schultern und schüttelte die Reste von Hirn und vermeindlichen Knochen von sich während er zurück aufs Schlachtfeld kehrte.

      Der Hauptbereich lag jedoch woanders.
      August taumelte und fing sich gerade so, um sich in einer unbarmherzigen Schraubzwinge von Griff wieder zu finden. Seine Hände wurden überdehnt und nach unten gedreht, sodass er zu schreien begann, während er noch lachte. Gott, er hasste diese Welt so sehr...
      Er wechselte zu William und seiner Magie. Seine Aura verschob sich in die Hände und die Hände des Angelus begannen zu faulen und regelrecht zu qualmen. Mit einem Urschrei sprang dieser zurück und schlug mit den Schattenflügeln auf die Erde. Dort, wo Staub aufwirbelte, wandelte er sich sogleich in tausende von kleinen Nadeln, die auf August zuflogen.
      Mit einer grazilen Bewegung, die einem Tänzer gleich kam, der einen Umhang über sich zieht, verschwanden die Nadeln im Nichts, um hinter dem Angelus wieder hervor zu kommen. Mit einem lästigen Wischen seiner Flügel verschwanden sie erneut.
      Ein großer Dorn brach aus der Erde zu Augusts Füßen und hätte ihn beinahe touchiert, wenn er nicht, bedingt durch seinen eigenen Zauber, nach hinten hätte fallen müssen. Er pustete in die Luft und dort, wo der Atem verrauchte, bildeteten sich erneut kleine Wirbel aus Licht, das mit Schatten rang.
      "Sieben Pfeile", flüsterte er und ballte die Faust um sie loszuschicken. Die Aura an die Augen geheftet steuerte er ihren Flug und die Pfeile bohrten sich unbarmherzig in den Flügel des Angelus, der nach seiner Schulter griff und zusammen zuckte.
      Im gleichen riss der Sharokh die Hand hinauf und August damit wie eine Puppe von den Füßen. Von unsichtbaren Fäden gezogen, riss es den Rogue schreiend nach oben, bis er gegen Bäumäste und andere Hindernisse schlug und diese mit einriss.
      Eva hatte sich indes bei Ember positioniert und betrachtete den Kampf.
      "Wenn du jetzt schießt, triffst du. Aber er sieht disch!", murmelte sie. "Sonst warte bis er angreift. Einen wirklich anstrengenden Angriff...DIESEN!"
      zwei Sekunden später breitete der Sharokh die Arme aus und sammelte Energien zu seinen Händen, die schwarz im Gegenlicht funkelten. Mit einem irren Heulen schoss er die gewaltige MEnge von fäulniserregender Energie auf August ab, der sich gerade erhob und seinen Nacken streckte.
      "Ach du dickes Ei...", murmelte er und grinste breit, als er die schwarze MAsse auf sich zurollen sah.

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    • Natürlich hatte Ember den Funkspruch gehört, der aus dem Gerät an ihrem Gürtel ertönte. Bei diesem Chaos und der mangelnden Absprache war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Barrikaden fielen und die Masse an Angeli über sie hinwegrollten. Sie brauchten Schutzmaßnahmen, die diesen Ort einkreisten.
      Allerdings konnte sie jetzt den Blick nicht abwenden, ihrer Konzentration keinen Nachlass gewähren. Wie erhofft hatte sich Eva zu ihrer Seite gestellt und gab ihr genau die Informationen, die sie benötigte. Die Aufmerksamkeit des Sharokhs auf sich zu ziehen während sich August wieder berappelte, war eine schlechte Überlegung weshalb sie eiskalt dabei zusah, wie das Metawesen den Arkana empor riss und von sich schleuderte. Dies war der Moment, in dem Ember sogar von den Extremitäten abweichen und den Körper des Sharokhs anvisieren konnte. Denn mit der voran gegangenen Aktion hatte er den Rouge aus der potenziellen Schussbahn geworfen.
      Als sich der Schuss löste hatte der Sharokh Ember und Eva den Rücken zugewandt. Seine Aufmerksamkeit lag gerechtfertigter Weise auf August, wodurch sie ihr Ziel verschieben und die Schulter des Wesens anpeilen konnte. Wenn sie richtig lag, dann würde die Kugel das Schultergelenk zertrümmern und dem Wesen zumindest einen Arm rauben. Und wenn nicht - dann hatte sie ihn wenigstens unvorbereitet getroffen.
      Prompt war der Schuss gefallen fiel Ember auf ihre Knie hinter der Deckung und riss das Gewehr mit sich. Noch während sie hinter sich sah und feststellen musste, dass die Angeli mittlerweile auch nah an sie herangerückt waren, repetierte sie die Waffe durch. Ein Blick glitt hoch zu Eva, die hoffentlich etwas sagen würde, sollte der Sharokh sein Ziel wechseln.
      Mit kalten Fingern riss sich Ember das Funkgerät von der Hüfte. "Schadensbegrenzung! Wir brauchen Wälle um den kompletten Grünstreifen. Lasst die Viecher nicht raus! Zieht Feuerwände oder dergleichen. Alles, was die Angeli eingrenzt."
      Dann steckte sie das Gerät wieder an ihren Gürtel und eilte mit dem Gewehr unterm Arm herüber zu Hawthorne und Cunningham, deren Dorn in der Schulter Ember erst jetzt richtig auffiel. Dem sollte allerdings schnell beigekommen sein. Sie legte die Langwaffe ab und zückte ihre Glock als sie sich seitlich neben Cunningham stellte.
      "Moment."
      Sie schoss direkt gegen den Dorn, der splitternd in sich zerfiel und die angepinnte Zauberin endlich freigab. Eine vermutlich sehr angepisste, aber üblicherweise war Zorn ein fantastisches Triebmittel. Noch bevor sie ihre Glock wieder zurückstecken konnte, sah sie eine Bewegung. Einer der Angeli hatte sich durch die Massen geschlagen und kam direkt auf sie zu. Ohne Umschweife feuerte Ember auf den Angelus, nur um anschließend direkt seitlich abzudriften und einen weiteren Schuss hinterher zu setzen. Der Erste verfehlte den ausweichenden Angelus, der dadurch aber unmittelbar in den Zweiten lief und mit einem Loch in der Brust zu Boden ging.
      Ein Atemzug, dann steckte Ember die Waffe weg.
      "Wie großflächig können Sie ein Vakuum erzeugen?", richtete sie das Wort an Cunningham, als sie vor ihr in die Hocke ging. "Wenn wir die Angeli auf dem Grundstück einpferchen versuchen sie vielleicht zu fliegen. Können Sie eine Kuppel erzeugen, durch die die Angeli nicht mehr fliegen können?"
      Hawthrone hatte recht. Die Masse durfte nicht auf die restliche Stadt losgelassen werden, sonst würden die Kollateralschäden immens ausfallen. Sie mussten so viel Zeit schinden bis der Sharokh fiel. Folglich pflückte sie das Funkgerät von ihrer Hüfte und warf es Hawthorne zu. Dann stand sie mit dem Gewehr auf und suchte sich die nächstbeste Stelle zum Aufbocken.

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    • Das Geräusch, wenn Knochen splittern war bei allen Rassen gleich.
      Zumindest in der Theorie. DIe schwarze Masse riss August regelrecht von den Füßen, nachdem er sich eine Weile wie gegen eine hereinbrechende Welle gegen die schwarze Masse gestemmt hatte. Seine Hände krachten unter der Last der magischen Kraft und der Rogue wurde in den nächsten Steinbogen geschleudert, die zu einigen in den Gärten der Kathedrale standen. Ächzend krachte der Rogue zu Boden und wurde direkt von Bones und Amrah ersetzt, die sich auf den Sharokh stürzten.
      Aus Bones Rücken brachen gigantische Spinnenbeine heraus und stellten sie einige Meter in die Luft, ehe sie versuchte, mit den stachelbewährten Füßen nach dem Sharokh zu stechen. Doch auch dieses wehrte er beinahe spielerisch ab.
      Bis zu dem Moment, wo die Kugel einschlug.
      Ein Ruck ging durch den Körper des Wesens und er schlug nach vorne aus.
      Dort, wo ein Knochen hätte splittern sollen, hatte lediglich der Schuss ein Stück bleiche, weiße Haut freigelegt, die blutete. Die schwarze Nebelrüstung schichtete sich nur mühsam wieder um die Schusswunde, ehe der Sharokh wütend und schreiend herum fuhr. Und wieder war dort dieses Nagende Gefühl an ihm, dass er diese Menschenfrau spürte, aber nicht sah.
      Oh wenn er sie kriegen würde...
      Schreiend stürzte sich der gigantische Voodoopuppenmann auf den Sharokh, wurde aber beinahe mit einer beiläufigen Bewegung der Flügel wütend in zwei Teile gespalten. Stroh und stinkende Füllmasse verteilten sich auf dem Boden während die Spinnenbeine an den MAssen an Angeli scheiterten, auf die sie mittlerweile traten.


      Cunningham nickte dankbar und rieb sich die Schulter, die schwer zu bluten begann.
      "Verfluchte Scheiße...", flüsterte sie und erhob sich unter Schmerzen. Anschließend sah sie zu Ember und schnalzte mit der Zunge. "Ich kann selbstverständlich kein gigantisches Vakuum erzeugen, Sallow. Aber ich kann sicherlich eine gewisse Masse mitnehme-"
      "RUNTER!"
      Mit einem wütenden Schrei wirbelte der Sharokh erneut um sich und schoss eine Salve violetter Kristalldornen ab, die sich wie Speere in die Umgebung bohrten.
      Gerade rechtzeitig zog Hawthorne den Kopf ein und drückte sich an das Trümmerauto, während er sich keuchend umdrehte.
      "Gut, wir müssen sehen, dass wir - "
      Doch Cunningham antwortete nicht einmal mehr. Ein gewaltiger Dorn ragte aus ihrer Brust hervor und nagelte sie regelrecht an den nächsten Baum. Man konnte beinahe das herablassende Grinsen noch sehen, mit dem sie Ember entgegen gestarrt hatte. Festgefroren auf ihrem Gesicht.
      Gerade als Hawthorne reagieren wollte, warf einer der Angeli das Auto zur Seite und starrte grinsend auf Hawthorne hinab. Normalerweise hätte sein Reflex kicken sollen. Er hätte abdrücken müssen. Aber nichts dergleichen konnte er, bei dem hungernden Blick des Wesens.
      "Mistvieh!", zischte Hawthorne.

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    • Das lautgeschriene Runter kam nicht zu spät. Durch das Visier sah Ember, wie sich der Sharokh drehte, aber ihr erschloss sich diese Bewegung nicht. Trotzdem reagierte sie gänzlich automatisch bei dem Wort, ließ die Langwaffe los und duckte sich hinter der Deckung. Sie hörte die Dornen durch die Luft zischen noch bevor sie irgendwo einschlugen. Schützend hielt sie sich die Arme über den Kopf und kniff die Augen zusammen. Hawthornes Stimme holte sie aus ihrer defensiven Haltung und sie entdeckten beide zeitgleich Julias aufgespießten Körper am nächsten Baum. Dieser Anblick ließ die altbekannte Übelkeit in Embers Magengrube wieder empor steigen. Ihre Verbündeten fielen wie die Fliegen. Mächtige Zauberer fielen dem Ganzen zum Opfer und sie konnte rein gar nichts dagegen tun.
      Im nächsten Moment kam Bewegung in die Szene. Das Auto, hinter dem Hawthorne Schutz gesucht hatte, wurde grob zur Seite geworfen. Dahinter tauchte die Gestalt eines Angelus auf, der unheilsschwanger über dem Commissioner aufragte.
      Embers Augen hatten das Vieh nicht mal eine Sekunde lang fixiert, da schoss ihr Arm nach oben und riss das Gewehr zu sich herunter. Die Entfernung war viel zu nah, die Position beschissen, aber für mehr hatte sie keine Zeit. Fahrig ging sie noch im Sitzen in den Anschlag und richtete die Mündung blind auf den Angelus. Prompt löste sich ein Schuss, der oberhalb des Kopfes des Angelus ins Nichts segelte, allerdings dafür sorgte, dass er kurzzeitig Hawthorne außer Acht ließ. Mit einem dumpfen Geräusch ließ Ember das Gewehr fallen, riss ihre Glock wieder heraus und zielte dieses Mal vernünftig. Der erste Schuss ging direkt an die Schulter des Angelus, ließ ihn zurücktaumeln und gewährte Ember Zeit, auf die Füße zu kommen. Die Ruhe war aus ihrem Blick vollkommen verschwunden und der Hass dominierte ihren Ausdruck. Der zweite Schuss fiel, zwängte das Wesen weiter zurück.
      "BEWEG DICH!", schrie sie Hawthorne an, der daraufhin endlich aus seiner Starre erwachte und selbst tätig wurde.
      Dieses Zeitfenster nutzte Ember, um das Magazin ihrer Glock gegen die Sitzgeschosse zu tauschen. Sie brauchte nur einen einzigen weiteren Schuss, um die Kugel zielsicher zwischen die Augen des Angelus zu bringen, der daraufhin zusammensackte.
      Dann wirbelte Ember herum, zurück zu dem Sharokh. Von hier sah sie die Massen an Angeli, die wie Ameisen an den dürren Spinnenbeinen von Bones klebten. Es waren zu viele, sie brauchten etwas, das wie eine Flutwelle das Fußvolk wegwischten. Langsam begann alles im Chaos zu versinken. Wo war eigentlich Eva hin verschwunden?
      Nachdem sie sich versichert hatte, dass der Commissioner wieder halbwegs bei Sinne war und kein Angelus direkt im Umkreis war, setzte Ember mit weichen Knien das Gewehr neu auf. Sie konnte nicht noch einmal nach hinten sehen, um dort eine leer starrende Julia zu entdecken. Oder irgendwo den abgetrennten Kopf von Richardson zu finden.
      "Sie haben das Funkgerät! Wir brauchen desaströse Flächenmagie, sonst werden wir überrannt. Ich kann nicht kommandieren und zeitgleich hier helfen. Haben wir Verzauberer unter den Einheiten? Ich könnte einen grbauchen", sagte sie während sie nachlud und durch das Visier blickte.
      Ohne Eva würde sich Ember auf ihr Gefühl verlassen müssen und hoffen, dass sie den richtigen Zeitpunkt erwischte. Nun doch angespannt ließ sie den Blick über das Schlachtfeld wandern und konnte August nicht mehr finden. Allerdings hatte sie den Angelus inmitten der Meute ausfindig machen können, der sich noch immer mit anderen Zauberern befasste.
      Ember hielt sich flach mit dem Gewehr an ihrer Deckung und versuchte, sie so wenig es ging zu überragen. Nach dem ersten Schuss hatte der Sharokh sie nicht gesehen, vielleicht klappte dies auch nach einem weiteren. Mit notgedrungener Konzentration wartete die Detective ab bis sie ein Fenster ausmachen konnte und exakt die gleiche Stelle an der Schulter des Angelus anvisierte wie schon davor. Abermals knallte es als sie den Abzug betätigte, abermals tauchte sie ab um die Waffe durchzurepetieren.

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    • Ein Krachen ging durch die Welt, als Foremar wieder aus den Trümmern hervorbrach und sich mit übermenschlicher Geschwindigkeit auf den Sharokh zubewegte.
      Der Voodoo-Mann erhob sich wieder und die Fäden des Strohs zogen sich erneut zusammen, ehe er den Kopf schüttelte. Gerade rechtzeitig zog er den verlängerten Arm fort damit August an ihm vorbei stürmen konnte und begann einen heftigen Schlafabtausch mit dem Angelus.
      Seine rechte Faust, geladen mit Zerfallsmagie, prallte auf ein kristallenes Schild, das darunter wie Eisen schmolz, während die Linke Wurfmesser erstehen ließ, die sich grausam in die Seite des Wesens bohrten.
      Ein fieser Schrei ließ August und die Umstehenden zusammenzucken, ehe er sich im nächsten Moment unter einem gewaltigen Schwinger des Angelus wegducken musste. Nur um in der nächsten Sekunde in eine offene Handfläche mit sechs Fingern zu sehen.-
      "Oh je", murmelte August kichernd und wurde von einer Energiewelle schwarzer Masse getroffen.
      Wie ein Gummiball flog er über zwei Hindernisse, ehe er schwer auf dem Boden aufkam.

      Hawthorne indes hatte sich endlich in Bewegung gesetzt und sich zu Ember hinter die Deckung begeben.
      "Seit wann duzen wir uns?", fragte er verstört weil es der einzige sinnige Gedanke war, der ihm durch den Kopf ging. "Und nein, einen Verzauberer haben wir nicht!"
      Mittlerweile mussten sie über die Menge schreien, da die Kampfgeräusche zu laut waren. Und wieder kündigte sich das meckernde Geifern der Angeli an, die wie ein Wolfsrudel durch das Schlachtfeld zogen. Hin und wieder hörten sie die Geräusche von fallenden Kollegen wie aber auch Angeli, die mit gurgelnden oder schreienden Geräuschen zu Boden gingen. Das hier war ein Desaster. Ein Desaster sondergleichen.
      Er wollte gerade noch ein Wort an Sallow richten, da erhob sie sich schon wieder und schoss auf den Sharokh, der sich geifernd auf August zuwandte.
      Mit einem Schrei, den er so noch die gehört hatte, quittierte das Wesen die Tatsache, dass seine Schulter regelrecht in bläulichen Blut explodierte. Wie mechanisch, als hätte er gewusst, wer schoss, riss der Sharokh den Kopf herum und öffnete den Mund.
      Wenig überraschend folgte dem Schrei ein Energiestrahl reinsten Lichts, der Hawthorne selbst in der Deckung blendete. Als dieser auf die Trümmerteile traf, schmolzen diese wie heißes Eisen hinfort und hätten sich vermutlich in ihre Schultern gebrannt, wenn der Strahl nicht beinahe abrupt abriss.
      August hatte sich dem Ungetüm an den Rücken geworfen und riss dessen Kopf nach oben
      "Mueller, jetzt!"
      Die bekannte Stimme gehörte zu Beauregard. Sie hatte sich hinter einem Auto verschanzt und gab einem Mann Signale, der beinahe gelassen über das Schlachtfeld ging. Gekleidet in einen eleganten, schwarzen Anzug und einem adrett gestutzten Schnauzbart wirkte er älter, als er vermutlich war.
      Klaus Mueller, die Nummer 14 der Arkana, war bekannt als "die Mäßigung". Dementsprechend setzte der Deutsche in aller Ruhe einen Fuß vor den Anderen und marschierte auf eine tosende Meute Angeli zu, die ihn hundsgleich erblickte.
      "Ah ich bitte Sie", sagte der Mann in einem gebrochenen Englisch und die Angeli stießen auf ihn zu.
      "MUELLER!"
      "Ja, ja", kommentierte der Mann und berührte den ersten der Angeli mit einer übersinnlich schnellen Bewegung an der Stirn. Ein FIngertips sozusagen.
      Sogleich ging der Angelus zu Boden und rang nach Atem, wie es schein. Dasselbe geschah mit den vier weiteren dieser Horde.
      Eva schoss zu Ember und James und setzte sich zu ihnen,.
      "Sie brauchen einen Verzauberer. Das 'aben wir nischt. Aber wenn Sie mit die Kanone in den Boden schießen, kann Klaus 'elfen."
      "Wie denn?", keuchte JAmes und schoss über die Brüstung.
      "Indem er Ihnen verbietet zu atmen..."
      "WAS?!"
      "Klaus ist ein Siegelmagier. Er kann seine Siegel an alles 'eften, was er möchte. Und sei es ein Sandkorn."
      Hawthorne zog sich zurück und sah zu Ember.
      "Können Sie so schießen, dass es Sand regnet?", fragte er sie. "Wenn ja, los!"

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    • "Sorry, aber an Höflichkeiten habe ich nicht gedacht", gab Ember grummelnd zurück kaum war Hawthorne an ihrer Seite.
      Kaum hatte sich der Schuss gelöst mussten sie beide direkt abtauchen. Der Sharokh hatte schneller reagiert als es ihr lieb gewesen war. Der Lichtstrahl, der relativ schön sogar aussah, trug eine dermaßen Hitze mit sich, dass sich die Spitzen von Embers Haar zu kräuseln und verschmoren begann. Sie spürte bereits, wie sich die Trümmer in ihrem Rücken erhitzten und sie beide gleich von tropfendem Metall verbrannt werden würden. Das Gewehr fiel erst einen Moment später von der Kante und strahlte eine Hitze aus, die es unmöglich machte, es zu berühren. Doch mit einem Mal brach der Lichtstrahl ab und eine Frauenstimme schallte über das Chaos hinweg.
      Prompt fielen Embers Augen auf Eva, die einem sehr löblich gekleideten Mann Anweisungen zurief. Sie verstand nicht, was der Mann dort hinten gerade gesagt hatte, doch sie sah durchaus, was für eine Wirkung seine so einfach anmutende Berührung hatte. Als Eva dann zu ihnen aufschloss, rasten Embers Gedanken querfeld ein.
      Sie sollte so schießen, dass es Sand regnete? Wohl kaum. Allerdings gab es da eine andere Möglichkeit.
      "Geben Sie mir das Funkgerät", forderte sie den Commissioner auf, der ihr das Gerät reichte, um anschließend selbst wieder in eine notdürftige Verteidigung überging.
      "An die Caster mit Wasseraffinität: Erzeugt eine möglichst große Ansammlung von Wasser und lasst es über den Kampfplatz schweben. Möglichst viel, hoch und die stärkste Kompression, die erreicht werden kann!"
      Ember reichte das Funkgerät wieder zurück und tastete nach dem Gewehr. Wie erwartet war es immer noch viel zu heiß, als dass man es gedankenlos anlegen konnte. Sie klickte mit der Zunge während sie einen Blick über ihre geschmolzene Deckung warf und August entdeckte, der dem Sharokh im wahrsten Sinne am Rücken klebte.
      Dann bemerkte Ember ein Glitzern in der Luft, als die ersten Ansammlungen von Wasser gen Himmel stoben. Viel zu wenig, also brauchten sie mehr Zeit. Embers Blick ging in die Richtung, aus der Eva vorhin kam und in der sich der Arkana mit der Nummer 14 aufhielt. Der Sharokh kannte ihre Position, ihre Deckung war halb geschmolzen.
      "Wir müssen den Standort wechseln. Näher zu dem Kerl dahinten", sagte Ember und deutete auf Klaus.
      Sie zog sich den Ärmel des Mantels über ihre Hand und griff nach der Langwaffe, die sich nach ein paar Sekunden schon warm durch den Stoff anfühlte. Dann pirschte sie sich zwischen den Trümmern und Teilen hindurch bis sie an der nächstbesten Deckung angekommen war. Wie erhofft folgten ihr Hawthorne und Eva. Wieder glitt Embers Blick nach oben. Es hatte sich mittlerweile eine unstete Blase gebildet. Immer noch nicht genug.
      "Sagen Sie Ihrem Mann da vorne, dass er seine Magie auf die Wasseransammlung da oben wirken soll. Spätestens, wenn sie eine gleichmäßige Form erreicht hat", richtete Ember das Wort an Eva und bockte das Gewehr wieder auf.
      Ihr Blick überflog den Platz vor ihr, wo sich die deutlich in der Überzahl befindlichen Angeli mit den Menschen auseinander setzte. Mittlerweile glich es eher einem Schlachtfest als allem anderen und von Sekunde zu Sekunde wurde es schlimmer. So schlimm, dass Ember das noch immer zu heiße Gewehr ignorierte und in den Anschlag ging.
      "Ms Beauregard, geben Sie Bescheid, falls ein Angriff auf uns ansteht. Hawthorne, bitte um Deckung bis ich fertig bin."
      Die Metallteile färbten die Hautstellen in Kontakt bereits leicht rot während Ember angestrengt durch das Visier nach oben schaute. Die Wassermasse hatte an erstaunlichem Volumen zugelegt was nur daher rühren konnte, dass noch andere unregistrierte Zauberer außerhalb mithalfen. Dann nahm die Blase eine scharfe Außenkontur an.
      "Fertig?!"
      Als Eva ihr auf die Schulter als Bestätigung tippte, drückte Ember den Abzug durch. Die Kugel traf auf die riesige Wasseransammlung, die dank des hohen Drucks im Inneren und der Durchschlagskraft der Waffe regelrecht platzte. Das Wasser sprengte in alle Himmelsrichtungen, um schließlich als Regenschauer auf dem Platz niederzugehen. Umgehend ließ Ember von der Waffe ab und lugte über die Deckung hinweg, ob der Plan funktionierte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Klaus Mueller war ein anständiger Mann.
      Zumindest in seinem Verständnis. Er hatte eine wunderschöne Frau, zwei Kinder und vermochte zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Obgleich er in Deutschland ein regelrechtes Kartell an illegalen Nachtclubs unterhielt, war er dennoch seiner Position in diesem Kampf bewusst.
      Noch immer bewegte er sich beinahe hypnotisch langsam durch die Massen der Angeli. Während die Caster die Wasserblase formten legte er seine Aura in einer gewaltigen Druckwelle über die Caster und formte die Siegel um das Wasser herum. Von links stromerte ein Angelus mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zu und nur ein Schrei von Eva vermochte die Situation zu lösen.
      Das geifernde Gesicht des Angelus verformte sich unter einer gewaltigen Kraft, als der Leib wie eine Puppe nach linsk geschleudert wurde. Die kristallene Faust des Richters glitzerte noch vom Angelusblut, als er sich grinsend zu Mueller umdrehte.
      "Lange nicht gesehen, alter Feind!", grinste er und nickte.
      Mueller tat es ihm gleich, während er weiter die Aura um das Wasser legte.
      "Wie lange ist es her? Winter 2015?"
      "Oh ja. Unser Stelldichein in Oslo. Habe es genossen."
      "Und wie...Könnte schwören, du hast die Narbe immer noch!", bemerkte Mueller. "Wenn du mich nun entschuldigst, ich habe Monster zu töten."
      "Auf bald."
      Der Richter nickte erneut und sprang mit einem gewaltigen Satz in die Horde von Angeli, die sich mit ihren Klauen und Zähnen in seine Diamanthaut zu verbeißen suchten. Drei gewaltige Kanonenschläge später flogen bereits die ersten leblosen Angeli hinfort.
      In der Ferne brach Bones unter den Lasten der kleineren Angeli zusammen und wurde überrannt.
      Und August rang weiterhin mit dem Sharokh, der ihn jetzt wie einen Rucksack über die Schulter abwarf.

      Während der Rogue schwer auf dem Rücken aufkam, und einem weiteren gewaltigen Hieb des engelartigen Wesens auswich, hastete Hawthorne zu Ember und grinste verschmitzt.
      "Die Idee ist gut", grisnte er und nickte.
      Mit einer fließenden Bewegung richtete er sich auf und schoss dreimal gezielt über die Brüstung und grunzte, als er seine Ziele traf. Zwar waren es keine letalen Schüsse, aber zumindest genügend, um Mitarbeiter zu retten oder ihnen eine Öffnung zu geben. Der Lärm auf diesem kleinen Platz war ungeheuerlich.
      Der Knall, der die Wasserblase platzen ließ, war gewaltig. Die Caster hatten die Angeli tatsächlich zurückgetrieben und in einen kleinen Kreis beordert. Es waren zwar nicht alle, aber ein guter Teil, der ihnen entgegen strebte und wieder und wieder nach ihnen hieb. Die Schildzauber fuhren hoch als der Regen niederging und Mueller ihnen die Luft zum Atmen nahm. Ein konsekutives Röcheln und Gurgeln erhob sich über den Platz, als die Angeli an ihren Hals griffen und nacheinander niedergingen. Der Plan hatte funktioniert!
      Eva jubelte indem sie Faust ballte und Mueller betrachtete zufrieden sein Werk.
      Das Problem war lediglich die Masse, die noch immer nach außen drang.
      "Mueller. Ich muss auf Paragraph 3 der Satzung hinweisen!", rief Eva dem Deutschen zu, der nur nickte.
      Paragraph drei war das Todschlagsargument, wenn es um Freiheitsberaubung ging. Es stand einem Arkana nicht zu, andere einzusperren, aber dieser Absatz verhinderte dies.
      Während Mueller seine Energie sammelte, um den Platz mit einem Siegel einzudämmen und zu umringen, schlug August ein.
      Regelrecht beschrieben sei sein Einschlag, als er neben Hawthorne auf den Boden aufschlug und ächzend an den nächsten Baum krachte. Deutlich war das Brechen von Knochen zu hören, ehe er schwer zu Boden sank und seufzte.
      Hawthorne wartete keine Sekunde. Eilig hastete er zu dem Teufel in Menschengestalt und sah ihn an.
      "Alles in Ordnung."
      "...weg..."
      "Was?", fragte James.
      "Geh weg...", wisperte August und riss die weißen Augen auf.
      Aus dem Nichts erschien ein gewaltiges Schild, dass den Sharokh gerade so abblockte und zurückwarf. August schubste Hawthorne in Richtung Ember und erhob sich wackelig. Sachte sammelte er seine Aura in seinem Rücken udn öffnete zwei gewaltige Portale in seinem Hintergrund.
      "Bis an die Tore der Hölle, mein Junge", grinste er und entließ die Magie dahinter.
      Röhrend und brüllend entluden sich zwei gewaltige Feuerfinger, die wie Kanonengeschosse auf den Sharokh zuflogen.
      Zumindest zeigten sie Wirkung.
      Mit einem Schmerzensschrei rissen die Feuerwalzen den Sharokh zurück und schleuderten ihn fort.

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    • Ember wusste nicht, ob sie sich angesichts der Klagelaute freuen sollte oder nicht. Die Haupthorde der Angeli, eingekreist durch Caster, standen ungeschützt unter dem Regen, der es ihnen versagte, zu atmen. Bis jetzt war dies die mit Abstand grausigste Fähigkeit der Arkana, die die Detective mitansehen durfte. So eine Macht unbeaufsichtigt durch die Welt spazieren zu lassen war mehr als nur grob fahrlässig.
      Dann flog ein Schatten über ihre Köpfe hinweg und eine große Gestalt prallte nebst Hawthorne auf dem Boden auf, um noch einen Weg weiter zu rutschen. Erst ein Baum vermochte es, der Teufelsgestalt Einhalt zu gebieten.
      Im Gegensatz zu Hawthorne reagierte Ember nicht sofort. Ihre Glieder setzten sich nicht in Bewegung und schlossen zu August auf, wie es der Commissioner tat. Im Nahhinein war das auch gar nicht so dumm gewesen, denn die Warnung seitens des Arkanas kam so kurz, dass Hawthorne in Embers Richtung geschubst wurde und ein Schild den angreifenden Sharokh abwehrte. Dass August schon Schaden davon trug, war schwierig zu übersehen.
      "Was können wir noch tun...", murmelte Ember leise während sie sah, wie sich klare Grenzen um den Bereich der St. Pauls Cathedrale emporzogen und Klaus sie alle einsperrte.
      Sie hatten erfolgreich einen Großteil der Angeli gestoppt und somit ein wenig Verschnaufspause erreicht. Allerdings war da immer noch das Problem mit dem Sharokh, der vermutlich über lange Sicht nicht den Kürzeren gegen August ziehen würde. Er brauchte eine Ablenkung, um entweder einen guten Moment zu erwischen oder selbst wieder zu Atem zu kommen.
      "Ist Emmett White hier?", rief Ember zu Eva hinüber, die nach Augusts Flug ihre Siegeskapriolen sein gelassen hatte.
      Es gab da eine Überlegung, die vermutlich ziemlich nach hinten losgehen können würde. Dafür bräuchte sie Emmett, Klaus und vielleicht den Richter.
      "Der Sharokh kann durch einen Haufen an Auren kein spezielles Individuum ausmachen. Wenn wir da jemanden unter einen Haufen Doppelgänger mischen, könnte das für Ablenkung sorgen?"
      Irgendwie musste man das Vieh doch aus dem Konzept bringen können. Dazu bedurfte es nur nicht einen einzigen sehr starken Zauberer, sondern mehrere. Und davon hatten sie hier gerade genug von auf dem Platz.

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    • Noch während sich August wieder auf den Sharokh warf, der jetzt vom Richter, Klaus, Armah und Foremar selbst eingekesselt wurde und dennoch beinahe alle ihre Attacken mühelos abwehrte, begann der Kampf ein wenig ruhgier zu werden.
      Einzelne Funksprüche kamen wieder durch und berichteten von Überlebenden, Kämpfen und Grabenschlachten, die noch im Norden des Gartens tobten.
      Hawthorne kam schwer neben Ember auf und rappelte sich hoch.
      "Ach, verdammte Scheiße", murmelte er und sah zu den Kämpfenden hinüber. "Das ist ein verfluchtes Desaster...Eine Apokalypse ist nichts dagegen..."
      "Reiß dich zusammen, Jimmy", sagte eine Stimme und Hawthorne seufzte.
      "du.."
      "Natürlich", grinste Emmett White und sah zu Ember. "Deine hoffentlich baldige Armeeführerin hat mich gerufen." Im nächsten Moment ließ er sich zu ihr hinab und grinste breiter als je zuvor.
      "Ich weiß, was Sie tun möchten", bestätigte der Rogue und sah zum Sharokh. "Das wird fies. Und es könnte Sie Ihr Leben kosten. Aber: Es ist eine gute Idee. August kann jede Hilfe brauchen. Seine Kraft reicht nämlich nur noch zehn Minuten."
      "Was habt ihr vor?", fragte James und schoss noch weitere drei Mal auf die Angeli, die nacheinander zusammen fielen. In dem Kreis von Mueller war nun der Letzte verendet.
      Ein Funkspruch an Embers Gürtel machte sich deutlich.
      "Hier Williams", krächzte die Verbindung. "Vermelde gehorsamst: Die Angeli der Ostseite sind verendet. Derzeit ist der Fluss aus dem Himmel gestoppt. Westseite und Nordseite noch immer im Kampf. Bisher viele Schwerverletzte. Benötigen Medics."
      "Hawthorne", bellte James in sein Funkgerät. "Medics werden beordert. Einstweilen Rückzug sofern möglich und Deckung für Sallow und White."
      "Aye, Sir."
      Emmett nickte und begann sich zu multiplizieren.
      MIt jeder Sekunde, die die Uhr schlug, wurden es mehr und mehr Emmetts, die allesamt in verschiedene Richtungen stoben. Bei etwa 100 Duplikaten stoppte der Zauberer und sah Ember an.
      "Jetzt oder nie, Captain Sallow. Ihr Schiff wartet auf Sie!", grinste er und wies zu den Duplikaten. "Ah eines noch. Eva."
      "oui, Oui..."
      Sachte tippte Eva an die Stirn von Ember und an Emmetts Stirn. Beide konnten in der Sekunde darauf spüren, dass der jeweils andere dort war. Und merkwürdigerweise verstand Emmett die Bewegungen, die Ember auszuführen gedachte.
      "Sie denken an eine Bewegung und meine Duplikate reagieren dementsprechend. Versuchen Sie, nicht alle zu töten."
      DAs Grinsen war schwächer, aber noch immer fröhlich während JAmes die Waffe durchlud.
      "Gehen Sie, Sallow. Und heizen Sie diesem Arschloch ein!"

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    • Nüchtern betrachtet war dies das reinste Himmelfahrtskommando. Man sollte dem Spielplatz den großen Jungs überlassen, die sich auch mit Brechstangen die Köpfe einschlugen und sich nicht einmischen. Aber zweimal hatte sich klein Ember schon eingemischt und war sogar ohne ein blaues Auge daraus hervorgegangen.
      War nur die Frage, wie lange dem so bleiben würde.
      "Glauben Sie nicht, dass Sie bei mir aus dem Schneider sind. Sie wussten von etwas damit August wieder aufersteht", grollte sie in Emmetts Richtung ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Die unterschwellige Wut ließ sich nicht aus ihrer Stimme leugnen als sie sich vom Gewehr trennte und zu ihrer handlicheren Glock zurückkehrte.
      Wie in alten Zeiten.
      Ember erhob sich hinter ihrer Deckung und atmete durch. "Ich heitze hier niemanden ein, ich bin nur die Attrappe", sagte sie zu Hawthrone und bekam nicht mal ihr übliches spöttisches Grinsen zustande.
      Dann mischte sie sich unter einen Schwung Emmetts und ließ den Rest des Trupps hinter ihr zurück. Ein Hoch auf ihre Körpergröße, denn so ging sie allein optisch schon unter den anderen Körpern unter. Gepaart mit der Tatsache, dass ihre eigene Aurasignatur unter dem Haufen deutlich stärkerer regelrecht unterging, war sie fast unsichtbar. So schickte sie den Haufen an Emmetts in einem willkürlich vermutenden Muster über die Fläche, ohne ihn in direkten Konfrontationskurs zu senden.
      Ember ging hinter dem nächsten Erdstück in Deckung während sie nur noch ein dutzend Meter von dem Quintett bestehend aus Sharokh und den vier Arkana entfernt war. Sie musste so nah ran, wie es ging, selbst wenn sie das Gefühl hatte durch den enorm hohen Drucklevel nicht mehr richtig atmen zu können. Sie hatte die auraauflösenden Spitzgeschosse geladen, die Spielzeit mit der normalen antimagischen Munition war vorrüber. Wie zuvor wartete Ember bis der Sharokh sich von ihr abgewandt hatte und zielte auf die gleiche Stelle an der Schulter. Ihr erster Schuss löste sich und ein missbilligendes Klicken entkam ihr, als sich das Vieh just in dieser Sekunde bewegte und sie vermutlich die Stelle verfehlte. Trotzdem sackte sie nach unten, um aus dem Blickfeld zu verschwinden.
      Lärm und Schreie erklangen, doch nichts in ihrer Richtung geschah. Sie lugte über die Deckung und erspähte einen glitzernden Richter im Zweikampf mit dem Sharokh, Stroh flog durch die Luft. Sofort verließ Ember ihre Position, mischte sich unter den Haufen an Emmetts und zirkelte um die Kämpfenden herum. Einige Meter weiter blieb sie einfach inmitten der Emmetts stehen, die sich vor ihr herbewegten wie eine zusammenhängende Masse. Das gleiche Spiel ereignete sich an diversen Stellen rund um das Quintett.
      In einem günstigen Moment ließ Ember die Emmetts eine Lücke bilden, durch die sie freien Blick auf den Sharokh hatte. Dieses Mal war sie noch etwas näher herangerückt und als der Sharokh gerade einen heftigen Schlag gegen den Richter brachte, der den Arkana fliegen schickte, drückte Ember ab. Aus dieser Entfernung war ein Kopftreffer nicht mehr absolut unwahrscheinlich und kaum nachdem der Knall erklungen war, tauchte Ember hinter den Haufen an Emmetts ab und zirkelte umgehend weiter.

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    • Es kam, was kommen musste.
      Der Sharokh bemerkte Embers Aurasignatur in dem Moment, in dem sie sich in Bewegung setzte. Wie konnte er auch nicht. Er hatte sich an sie geheftet, mit der ersten Kugel, die sie ohne Deckung auf ihn gefeuert hatte. Es war ein leichtes, ihren Weg nachzuverfolgen und nur die stetige Beschäftigung durch diese Banausen von Arkana hatte ihn davon abgehalten, ihr den Kopf abzureißen.
      Doch als ihre Aura ein Gewirr wurde, blickte er verstört auf.
      Einen Moment, den die Arkana nutzten.
      Als der erste Schuss daneben ging und haarscharf Augusts Kopf verfehlte, blickte der Sharokh erneut zielsicher in ihre Richtung. DIe Zeit nutzte wiederum Mueller und sprang vor. Seine Hand berührte das vermeindliche Bein des Sharokh, der nunmehr in einer schwarzen Rüstung gehüllt dort stand.
      "Ich verbiete dir das Gehen!", rief Mueller und ein leuchten ging durch das linke Bein.
      Den Schrei des Deutschen, als der Spitze Flügel in seinen Rücken fuhr, war bis zu James zu vernehmen.
      Der Richter übernahm. Mit glitzernden Fäusten schlug er auf das Wesen ein, schaffte aber keinen wirklichen Impakt auf seine Rüstung. Doch auch hier zeichnete sich ein Gegenangriff ab. Mit einem gewaltigen Hieb drosch das Wesen dem Richter ins Gesicht, dass dessen Kopf nach hinten schnappte. Nur dem verstärkten Skelett des Monstrums war es zu verdanken, dass er nicht an Ort und Stelle starb. Doch an Fliegen war nicht zu denken. Die Luft hinter ihm wurde aufgewirbelt und Staub flog in Spiralform auf, aber der Richter verblieb an Ort und Stelle. Just in dem Moment als Embers Kugel einschlug und dem Sharokh ein Schreien entlockte. Die Rüstung war aufgesprungen.
      Mit einer schnellen Drehung einer einer Art Wischbewegung seiner Flügel trennte er einer Horde Emmetts den Kopf von den Schultern und legte Embers Position frei.
      "SAAAALOOOOOOOW!", kreischte das Wesen und wollte sich auf sie stürzen, als es bemerkte, dass es nicht laufen konnte.
      "Verfluchtes..."
      Ein weiterer Kanonenschlag ertönte, als der Richter hinter dem Sharokh aufgetaucht war. Tortz der Diamanthaut blutete der Arkana aus der Nase, die seltsam krumm gesplittert war und schlug einen gewaltigen Hieb auf die Leberseite des Sharokh, die dem Wesen die Luft aus den Lungen trieb.
      "JETZT!", donnerte er und ließ sich zur Seite fallen, um dem Gegenhieb auszuweichen.
      August indes hatte sich im Hintergrund auf dem Brunnen poistiert und mittels seiner Magien die verschiedenen Auren der anderen zu einem Speer verwoben, der über ihm prangte. Grinsend balancierte er diesen auf zwei langen Fingern und lachte bestialisch als er den Speer warf.
      Wissend, dass dieser einschlagen würde, löste Mueller das Siegel ehe er ohnmächtig wurde, sodass der Sharokh sich in seiner Wut auf Ember genau in den Speer drehte.
      Mit einem schmatzenden Geräusch fuhr der Speer in die entblößte Stelle der Rüstung und nagelte diesen beinahe am Boden fest, obgleich dieser aufrecht stand.
      Das Entsetzen in den Augen, blickte er durch die Emmetts zu Ember und grinste.
      Und dieses Grinsen passte nicht.
      Ein weiterer Finger fuhr an seinen Mund, um die geschlossenen Lippen zu berühren.
      "Ssh...", wisperte der Sharokh und wies mit der anderen Hand auf sein Herz, welches Rot zu glühen begann.
      Diese Welt würde untergehen. Und wenn es das letzte ist, was er tun würde.

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    • Solange Ember sich unter die Emmetts mischen konnte, verfiel sie nicht der harten Realität, dass sie eigentlich gar nicht hier sein sollte. Sie verlor zwischenzeitlich den Blick auf den Sharokh, aber die Geräusche klangen nicht ab. Als er nach ihrem letzten Schuss jedoch zielsicher in ihre Richtung agierte, wurde ihr schon merklich anders. Spätestens, als etlichen Doppelgängern sauber die Köpfe abgetrennt wurden und sie nur dank ihrer gebückten Haltung und der ohnehin kleineren Größe ungeschoren davon kam, schlug die Angst Wurzeln. Ohne die schütztenden Massen der Doppelgänger hatte sie nichts mehr zwischen sich und dem Sharokh und musste mit ansehen, wie er in Rage wieder ihren Namen rief und sich in ihre Richtung werfen wollte.
      Sie konnte nicht mal einen Fuß nach hinten setzen in einem jämmerliche Versuch der Flucht. Stattdessen starrte sie den Sharokh nur mit geweiteten Augen an und übersah dabei völlig August im Hintergrund, wie dieser seinen Speer warf. Alles, was sie in diesem Moment sah, war der sich nun wieder bewegende Sharokh, der ihr genauso den Kopf abschlagen würde.
      Wäre da nicht der Speer gewesen, der das Metawesen an seinem Standort festpinnte und nur Meter zwischen ihm und der Frau übrig ließen.
      Ihrer beide Blicken trafen sich und hätten verschiedener nicht sein können. Ember hatte indes vergessen, wie man atmete, nur die Waffe in ihrer Hand erinnerte sie daran, was sie hier eigentlich versuchen wollte. Und nun steckte ein aufgespießter Sharokh vor ihr, ein Grinsen auf den Lippen, welches abstruser nicht hätte sein können. In einem schockähnlichen Zustand verfolgten Embers Augen seine Finger, wie er etwas zischte und dann mit der anderen Hand auf die Stelle deutete, die nun rot zu leuchten begann.
      Dieser Anblick ließ für Ember nur einen einzigen Rückschluss zu.
      "ER WILL SICH SPRENGEN!", schrie sie mit aller Macht über den Platz damit es auch ja jeder hören konnte.
      Dann fiel der Schock aus ihrem Gesicht und machte etwas anderem Platz; Verzweifeltem Zorn.
      "Selbstzerstörung? Wie feige ist das denn bitte?", spie sie dem Sharokh entgegen und handelte nur noch instinktiv.
      Ember riss die Glock hoch, visierte mit beiden Händen an der Pistole die leuchtende Stelle des Sharokhs an und schoss in rasanter Abfolge fünf Mal und damit ihr Magazin leer. Wenn das Vieh schon meinte, sich in die Luft jagen zu wollen, dann würde sie zumindest noch das tun, was wirklich in ihrer Macht stand. Sie wusste nicht, wie lange der Sharokh zum Laden brauchte. Wie groß der Umkreis sein würde oder welche Hölle dann anschließend wirklich über sie alle hereinbrach. Alles Unbekannte, für die sie alle zu wenig Zeit hatten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein jedes Streben endet irgendwann, geneigter Leser.
      Das mag sich auf das Leben beziehen, auf die Liebe oder gar den Tod selbst. Alles hat ein Ende und vermag dieses nicht wirklich zu verhindern. So auch mit der Kraft eines jeden Kämpfers auf dem Schlachtfeld.
      So mächtig die Arkana für die Umstehenden waren und so zerstörerisch ihre Kräfte erschienen: alles war gebunden an die Aura, die hineingegeben wurde. Und diese neigte sich bei einem Großteil der Arkana bereits dem Ende zu. Viele hatten Massen an Angeli zum Teufel gejagt und saßen nunmehr erschöpft am Boden oder hielten sich wie Bones und der Richter mühsam auf den Beinen.
      Selbst für August war es langsam Zeit und die Kraft die ihm zuteil wurde, zeigte ihre Nebenwirkungen. Seine Muskeln schmerzten und seine Knochen begannen bereits zu brechen.
      Fünf Leben, die in ihm um das Vorrecht rangen, balgten nunmehr um den Tod,der ihm in schnellen Schritten nah kam, als Ember lautstark das Vorhaben des Angelus anpries. Und ihm anschließend fünfmal in die Brust schoss.
      Anhand der zischenden Geräusche wusste er, dass sie getroffen hatte.
      Sachte richtete er sich auf und sah zum Richter.
      „Kjetil!“, rief er grinsend. „Ich brauche deine Assistenz.“
      Der Richter nickte nur und verließ seinen Posten. Mit schnellen Schritten brachte er sich hinter den Sharokh und wartete auf Augusts Zeichen.
      In der linken Hand sammelte er die Entstehungsmagie an und formte einen erneuten Speer. An dessen Spitze formte er in der rechten Hand gebündelte Zerfallsmagie. William und Thomas sollten ihm zum Schluss helfen. Wie es auch damals war.
      „JETZT!“
      Mit einem letzten Kraftakt warf er den Speer und sackte anschließend wie ein Sack Kartoffeln vornüber, ehe sein Körper die Teufelsgestalt abwarf.
      Der Speer flog trudelnd zum Sharokh während er Richter sich hinter den Speer setzte und diesen mit einem gewaltigen Fausthieb nochmals anstieß.
      Das Geräusch als der Speer in die Brust des Sharokh fuhr kam einem Schmatzen gleich und wurde von einem röchelnden Atem begleitet.
      „Nein…NEIN!“, rief das Monstrum und streckte eine Hand nach Ember aus.
      Die Finger erreichten beinahe ihre Haut, ehe sie langsam wie Sand zu bröckeln begannen. Nach wenigen Sekunden bereits löste sich die Haut in Asche auf, während das Glühen erlosch, das ihn erfüllte.
      Und das, was den Sharokh ausmachte, das leuchtende Brennen seiner Augen. Die flackernden Flammen um seinen Kopf, sowie die geisterhaften Krallenflügel erschlaffte im Bruchteil einer Sekunde…
      „Das war antiklimatisch“, murmelte der Richter und sah zum Himmel hinauf.
      Das Dimensionsloch, einst riesig wie ein Riss im Himmel, begann sich unter lautem Rumpeln zu schließen. Als würde man eine Tür schließen. Und dort, in weiter Ferne, war es ihm, als sähe er in ein Auge.

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    • Der Abzug ihrer Waffe klickte leise, als Ember auch die letzte Kugel in ihrem Magazin verschossen hatte und alle Schüsse auf fast derselben Stelle des Sharokhs prangten. Fast hätte sie ihm einfach auch noch die Waffe entgegen geworfen, aber ihre verkrampften Finger ließen sie nicht los.
      Stattdessen durfte sie mit geweiteten Augen zusehen, wie sich ein weiterer Speer durch das Metawesen bohrte und es in einer letzten Aktion die Hand nach ihr ausstreckte. Noch immer ging kein Ruck durch ihren Leib, nur noch Zentimeter trennten seine Finger von ihren Händen. Dann erlosch das Leuchten und der Sharokh begann zu zerfallen.
      Im Hintergrund sah Ember Prestegard stehen, der sich zwar noch wacker auf den Beinen hielt aber eindeutig malträtiert worden war. Sie folgte seinem Blick gen Himmel und stellte zu ihrer Erleichterung fest, dass sich der Riss zu schließen begann. Was genau sie in seinem Inneren hatte erkennen sollen, konnte die Detective gar nicht sagen. Zumal ihre Augen ihr höchstwahrscheinlich einen Streich spielten.
      Ein gedehnter Atemzug entkam ihr, als sie die Glock wegsteckte und das Funkgerät hervor holte.
      "Sallow hier. Der Sharokh ist gefallen, der Riss schließt sich. Räuchern Sie die letzten Angeli noch aus und dann haben wir es geschafft."
      Ihre Schultern sackten ein ganzes Stück nach unten als die konstant hohe Anspannung endlich ihren Körper verließ. Und ihr die Gelegenheit gab zu dem Haufen Körper zu schauen, der August sein mochte.
      Vor nicht einmal vierundzwanzig Stunden wäre sie nun zu ihm herüber gerannt, an seine Seite um zu sehen, ob es ihm gut ging. Doch die Dinge hatten sich geändert, ließen sie an alles zweifeln was sie bisher mit ihm erlebt hatte. Sie stand zwischen zwei Stühlen auf einem Schlachtfeld und bedauerte nicht einmal die Toten, die sie durchaus gut gekannt hatte.
      "Hawthorne, leben Sie noch?", fragte sie nach einem Moment ins Funkgerät während sie noch immer wie gebannt auf den am Boden liegenden Körper starrte. "Ich würde mal fast sagen, wir haben Glück gehabt."

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    • Kapitel 9:
      In einer anderen Welt (hättest du dich bereits gefunden)


      Jubel brandete auf.
      Vielleicht ein wenig zu früh, bedachte man die Sachlage und die Toten und Verletzten auf dem Schlachtfeld. Doch Embers Funkspruch zog sich wie ein beierndes Echo über den ganzen Platz und brandete an das Ufer der Hoffnung in den meisten Gesichtern.
      Die letzten Angeli erschienen plan- und hilflos, als sie von den niederen Arkana niedergestreckt wurden.
      Aus dem Hintergrund erhob sich Mueller und richtete den zerrissenen Rest seiner Krawatte, während der Richter seine menschliche Hautfarbe wieder annahm und sich ebenfalls merklich entspannte.
      „Ich lebe!“, rief Hawthorne durch das Funkgerät und winkte kurz, während er seinen Rücken gerade machte und nochmals zu Julias leblosem Körper sah. Seufzend steckte er die Waffe weg und sah zu den Kollegen, die sich sammelten, die Toten betrauerten oder sich einfach nur in die Arme fielen.
      Ein neuer Tag würde bald anbrechen und die Welt in den Alltag zurückstoßen. Als sich das Siegel von Mueller löste, wehte eine kühle Brise über den Platz und Hawthorne fragte sich einmal mehr, wofür er das eigentlich tat.
      Ehe ihm ein Gedanke kommen konnte, klingelte sein Telefon in seiner Jackentasche. Er hatte schon beinahe vergessen, dass es dort war.
      „Was?!“, knurrte er.
      Für eine Sekunde herrschte Schweigen, ehe er sich eilig in das Gespräch mit dem Innenminister vertiefte.

      In einer anderen Ecke erwachte August als zwei kräftige Paare Arme ihn aufhoben und aufrichteten.
      Der Richter blickte ihn eisern an, während Eva auf der anderen Seite stand und ihn ebenso wachsam beobachtete.
      Sein Körper hatte seine normale Form wieder angenommen, ihm beinahe jedoch sämtliche Kleidung zerrissen, sodass er mit wenig mehr als einer zerrissenen Hose auf wackeligen Beinen stand. Das Haar des Rogue war blutschmiert und die Brille unbrauchbar, was er mit einem kurzen „tze“ quittierte.
      „Was ist?“, fragte August. „Sollen wir den Disput hier fortsetzen?“
      Auf seiner Brust prangte eine frische, rosafarbene Sternnarbe, die nur noch an Embers Kugeln erinnerte. Freilich war Foremar aufgefallen, dass sie dort war, aber auch er wanderte nicht hinüber. Zu tief saß der Stich, den seine Brust machte, als er sie sah. Zu tief der Abgrund zwischen ihnen.
      „Du hast uns betrogen“, murmelte Kjetil und sah ihn an. „Uns alle.“
      „Das ist richtig. Und ich hatte genau so wenig Wahl dazu wie du, wenn ich nicht alles verlieren wollte…“
      „Wir müssen reden“, sagte Eva. „Wir alle. Denn mir scheint, dass auch die Caster sich neu aufstellen werden, um uns beizukommen…“
      August nickte und sah zu Ember, die gerade Besuch von Hawthorne erhielt.

      James trat durch die Massen an Trümmern, Leichen und deren Teile und Staub in der Luft zu Sallow und vergrub die Hände in den Taschen.
      „Geht’s gut?“, fragte er. „Hatte gehofft, dich noch zu treffen…“
      Er war seinerseits nun auch zum „Du“ übergegangen, weil es Dinge zu besprechen gab. Dinge, die von gravierender Wichtigkeit waren. Über die er sich nach dem Gespräch mit dem Innenminister mehr als klar geworden war.
      Mit dem Gedanken an Nancy grinste er das erste Mal frei und sah sie an.
      „Der Innenminister hat mich in den Posten des Commissioners zurück geholt“, verkündete er und sah kurz zu den Kollegen. „Ich habe ihm gesagt, dass es eine große Ehre ist…Und bin zurückgetreten.“
      Das Lächeln auf seinem Gesicht wirkte entrückt, als er zurück zu ihr sah.
      „Und ich habe dich als Nachfolgerin vorgeschlagen.“

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Bescheid, dass es Hawthorne gut ging, ließ Ember ein weiteres Mal tief ein- und wieder ausatmen. Die andersweltlichen Schreie waren verklungen und wichen Geräuschen, die man durchaus als menschlich bezeichnen konnte. Der gesatem Platz wirkte wie ein gigantisches Schlachtfeld inmitten einer Großstadt völlig deplatziert, aber sie hatten es geschafft und den Angriff zumindest eingedämmt. Doch Ember wusste, dass die Aufräumaktion hier Tage dauern würden. Vermutlich würde man eine Liste mit den Todesfällen anfertigen, die sie mit gegenzeichnen musste. Allein bei dem Gedanken daran, Richardson und Cunningham auf dieser Liste stehen zu sehen brach ihr schon das Herz.
      „Geht’s gut?“, fragte er. „Hatte gehofft, dich noch zu treffen…“
      Ember wandte immer noch nicht den Blick von dem am Boden liegenden Rogues ab. Zwar gingen nun mehrere der anderen Arkana zu ihm herüber, vermutlich um nach ihm zu sehen, doch nahmen sie für die Frau kaum weniger Platz ein. Als sie jedoch einen weiteren Moment überlegte, runzelte sie dir Stirn und schaute schließlich doch zu dem Commissioner herüber.
      "Seit wann duzen wir uns?", griff sie seine Worte auf und ahnte, dass hier keine leichtfertigen Themen angeschlagen werden würden. "Wo soll ich denn hin? Ich hab mich dem Sharokh wie eine Geisteskranke entgegengeworfen, da kannst du eher von Glück sprechen, dass mein Kopf noch da sitzt wo er ist."
      Das Grinsen im Gesicht ihres Vorgesetzten sorgte nur für noch mehr Verwirrung seitens Ember und sorgte dafür, dass sie ihre spitzzüngigen Worte herunterschluckte. Seine folgenden Worte erfreuten die Frau zunächst bevor sie endgültig in einen leicht schockierten Gesichtsausdruck abdriftete.
      "Du bist zurückgetreten?", wiederholte sie seine Worte, Unglaube troff aus ihrer Stimme. "Deine Frau in aller Ehre aber wie soll das PD ohne dich funktionieren? Und was heißt, mich vorgeschlagen? Wieso schlägst du mich dem Innenminister vor? Bist du wahnsinnig? Nach all dem, was hier passiert ist?"
      Wie zur Untermalung gestikulierte sie einmal rundherum, damit er sich des Umfelds noch einmal bewusst wurde. Während dieser Bewegung fielen ihr die angesammelten Gestalten auf und zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich.
      Die Arkana hatten August auf die Füße geholt, der nur noch eine zerrissene Hose trug. Selbst aus dieser Distanz konnte sie erahnen, wo ihr Schuss seine Brust penetriert haben musste und kein Loch mehr dort prangte. Stattdessen nur eine lächerliche Narbe. Er wankte, das sah sie ebenfalls und langsam aber stetig fiel die Überraschung aus ihrem Gesicht und wich der Kälte von vorhin.
      "James, die Sache ist noch nicht ganz geklärt. Es steht noch immer ein Haftbefehl gegen Foremar aus, der Fall ist durch und er müsste wieder eingesperrt werden. Pandämoniumfesseln taugen nichts und ich werde ihn sicherlich nicht noch ein weiteres Mal zu fassen kriegen."
      Embers Blick lag fokussiert auf August während sie ihre Glock wieder zuückte und ohne hinzusehen das leere Magazin auslöste, um es gegen ein gefülltes von ihrem Gürtel auszutauschen. Das satte metallene Klicken, mit dem das Magazin in seine Position einrastete und Ember den Schlitten durchrepetierte, war schon immer ihr altbekannter Freund gewesen.
      "Er ist jetzt so schwach wie vermutlich nie wieder. Wenn wir eine Chance haben wollen, ihn zu töten, dann jetzt. Alle Rogues sind gerade am Limit."
      Sie musste eine Zweitmeinung hören bevor sie auch nur einen Schritt tat. Schätzte Hawthorne diese Idee als schlecht ein, würde sie wohl oder übel die Waffe wieder einstecken. Falls nicht, würde sie sicherstellen, dass August Foremar einen zweiten Schuss von ihr nicht überlebte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Hawthorne begann in dem Moment schallend zu lachen, als sie seine Sprechweise aufgriff und winkte ab. Sachte ließ er sich auf einem Trümmerteil des Brunnens nieder und schob eine Hand von diesem, die offenbar zu einem Angelus gehört hatte. Ekelerregend, wenn man es betrachtete.
      Schweigsam sah er in den Himmel, wo nur noch Cumuluswolken von der Unruhe zeugten, die den Platz belebt hatte. Die überlebenden Polizisten versuchten nach der kurz angelegten Trauer die Ausrüstungsteile aus den Leichenbergen zu ziehen, die Mueller mit seiner Aktion hinterlassen hatte.
      In einiger Entfernung kämpfte sich der neue Leiter der Magischen aus den Leichen und seufzte schwer, als er Armah auswich, der wie von den Toten zurückgekehrt auf einen Stab gestützt war. AUch sein Gesicht war angestrengt verzerrt und vermittelte den Eindruck eines erschöpften MEnschen.
      Ein Großteil der Arkana waren bereits wieder im Nichts verschwunden ehe man sie wirklich gut identifizieren konnte. Aber die Ruhe kehrte langsam auf das Schlachtfeld ein. Ein Wind zog durch die Trümmer und Regen lag in der Luft. Es roch feucht. Nach Gras und Blut, aber die Ruhe war beinahe das Gespenstigste davon.
      "Ich denke, die Zeit für Höflichkeiten ist vorbei", grinste Hawthorne frei wie nie und man spürte beinahe, wie die Last der Jahre von ihm abfiel, als er sich vornüber auf seine Knie stützte und lautstark ächzte. "Das PD hat vor mir existiert und es wird nach mir existieren."
      Alleine die Feststellung tat weh, wenn man an seine Verdienste dachte. Sachte zog er eine krumme Zigarette aus der Jacke und enzündete diese. Als der brennende Rauch in seine Lungen ätzte sah er Ember grinsend an.
      "Weißt du...Ich habe dich vorgeschlagen, eben weil du dich todesmutig einem Wesen entgegen geworfen hast. Es hätte dich töten können. Mühelos. Und ja, ich glaube, deine Unfähigkeit, ein Team zu bilden, macht dich gefährlich. Aber gerade der beherzte Zugriff, die Ansagen an die Caster und dein Intellekt machen dich zu einem guten Kandidaten. Und selbst ich musste in die Rolle hineinwachsen, Ember. Ich war nicht immer der tolle und perfekte Commissioner."
      Das schallende Lachen begleitete ein leises Pfeifen, ehe er sich wieder entspannte.
      "Lass sie ziehen", murmelte James und nickte zu den Arkana, die Foremar fortschleppten. "Sicherlich sind sie erschöpft...Aber denkst du, sie sind am Ende? Schau dir nur mal Prestegard an!"
      Er wies mit dem Kinn zum Richter, der noch immer aufrecht stand und dessen Blick alleine Steine zum Schmelzen brachte. Selbst die Caster, die sich nahe bei befanden, machten einen gewaltigen Bogen gerade um ihn und versuchten, nicht gesehen zu werden.
      "Lass es gut sein für heute", murmelte Hawthorne und zog an seiner Zigarette. "Es ist genug Blut auf diesem Boden...Und ich denke, es muss nicht noch mehr vergossen werden. Für heute haben wir auf derselben Seite gekämpft. Sollen sie einmal den Ruhm des Sieges spüren. Ab morgen kannst du sie wieder jagen..."
      Anschließend sah er nochmals zu ihr hinauf.
      "Ah, eine Sache noch. Nur weil ich dich vorgeschlagen habe, heißt es nicht, dass sie dich nehmen. Es sind noch zwei Kandidaten im Rennen, sagte der Innenminister. Also kannst du deine Panik zurückfahren..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Widerwillig glitt Embers Blick hinüber zum Richter und scheinbar war sie eine der wenigen, denen der Respekt fehlte. Ungenierte stierte sie den eindrucksvollen Mann an, der allein mit seiner schieren Präsenz die meisten Anwesenden zum Ausweichen brachte. Dann war irhe Aufmerksamkeit wieder bei August, der gerade davon geschleppt wurde.
      Sie hatte ihren Vorschlag angesproche. Der mit der richtigen Unterstützung vermutlich auch gar nicht verkehrt gewesen wäre. Insgeheim hatte sie darauf gehofft, dass James ihr davon abraten würde. Denn wenn er ihren Vorschlag unterstützt hätte, war sie sich nicht sicher, ob sie jetzt noch dir Kraft dazu gehabt hätte, ein weiteres Mal auf einen Mann zu schießen, der eigentlich schon tot sein müsste.
      Mit einem gedehnten Seufzen bestätigte sie die Sicherung ehe sie die Glock wegsteckte. Der aufziehende Wind trug Noten von Regen an ihre Nase und würde dafür sorgen, dass die roten Lachen auf dem Boden im Grund versickern und keine Spur hinterlassen würden. Das Chaos musste beseitigt werden, die Leichen geborgen. Aber das war nun wirklich nicht ihre Baustelle.
      Die viel größere Frage war allerdings eine andere. Wollte sie wirklich die Arkana jagen, wie es viele ihrer Vorgänger taten? Wie es Cunningham ein Stückweit getan hatte? Was unterschied sie dann von all jenen?
      "Todesmustig war das nicht. Es war selten dämlich, ein Himmelfahrtskommando. Hast du mal überlegt, wie oft wir schon hätten tot sein müssen? Allein heute? Wären die Arkana nicht aufgetaucht, hätten wir alle wohl ins Gras gebissen. Der Sharokh hätte mich mindestens zweimal schon aufgespießt, wäre Foremar nicht gewesen."
      Sie musste eine Distanz zu diesem Mann schaffen, den sie innerhalb kürzester Zeit ihr gläsernes Vertrauen geschenkt hatte. Am Besten fing man damit an, wenn man die Anrede änderte.
      "Im Übrigen bin ich nicht panisch", fügte sie doch noch an und ein wenig klang sie wieder wie die aufmüpfige Frau, die James aus dem Revier kannte, "ich weiß ganz genau, dass die anderen Kandidaten bessere Karten haben. Ich vertrau da meiner weiblichen Intuition."

      Es war später Abend, als Ember in ihre kleine Wohnung zurückgekehrt war und mit dem Ablegen des Anoraks auch den Tag versuchte, von sich zu weisen. Ihr ging es mieserabel, selbst das Telefonat mit Shawn zwecks Entwarnung hatte nicht dazu beigetragen, dass sie sich besser fühlte. Sie musste ihm versichern, dass es ihr gut ginge und sich darauf festnageln lassen, dass er sie übermorgen besuchen käme. Und auf einen Schlag die Sachen, die sie im Twisted Mind zurückgelassen hatte, mitzubringen. Sie konnte nicht wieder dorthin. Nicht, wenn das Zimmer vielleicht sogar noch nach ihnen beiden roch und die Spuren nicht beseitigt worden waren.
      Vollends erschlagen legte sie ihren Gürtel mit der Waffe auf die Anrichte, zog die Schuhe aus und schlurfte ins Wohnzimmer. Wie zu erwarten war der Koffer verschwunden, doch auf dem Couchtisch stach ihr ein kleiner weißer Zettel wie ein Signalfeuer direkt in die Augen.
      Fahrig sammelte sie den Zettel auf und merkte da, dass er einen Schlüssel verdeckte. Ihre Augen überflogen die einzige Zeile mehrmals ehe sie ihn mitsamt des Schlüssel einsammelte und in der nächstbesten Schublade der Anrichte aus ihrem Sichtfeld verschwinden ließ.
      Wenn du etwas ändern willst. A.


      Zwei Tage später - 11:47 Uhr

      "Unglaublich. Wie kann das alles innerhalb eines Tages passiert sein?"
      Shawn hatte sich an Embers Tisch in der Küche gelümmelt und inspizierte gerade sein Marmeladencroissant, das er mitsamt einer Tasse Kaffee gerade zu sich nahm. Ember saß ihm gegenüber am Tisch, die Beine überschlagen und wippte unruhig. Seit dem Tag hatte sie einen Teil ihrer Ruhe verloren ebenso wie geruhsame Nächte. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, brandeten Bilder vor ihrem geistigen Auge auf, die sie zu verdrängen suchte.
      "Frag mich nicht. Ich will da auch gar nicht weiter drüber nachdenken, um ehrlich zu sein. Ich bin nur froh, dass scheinbar alle Parteien gut daraus hervorgegangen sind. Hatte ich dir eigentlich erzählt, dass Hawthorne mich als Nachfolgerin vorgeschlagen hat?"
      Shawn blinzelte seine Schwester ungläubig an. "Nein."
      "Er tritt zurück und es wird ein Nachfolger gebraucht. Sind wohl noch zwei weitere im Rennen, ich denke, einer von denen wird's."
      "Dein Name ist gefallen. Von Hawthorne. Das sorgt doch schon für Eindruck. Ich meine, Mundpropaganda ist doch... kannst du dein Handy weglegen? Das ist unhöflich."
      Ember hatte sich die letzten Tage praktisch nicht mehr von ihrem Handy gelöst. Es war ihr einziges Mittel zur Verbindung in die Außenwelt, denn nicht ein Mal hatte sie die Wohnung seitdem verlassen. Sich völlig verschanzt in ihren Wänden, um den nahenden Ausbruch der Außenwelt vorzuenthalten. Schuldbewusst schob sie das Gerät einige Zentimeter von sich auf dem Tisch und seufzte.
      "Sorry...."

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