[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Unsicherheit hielt sich mit Sicherheit länger als Sicherheit.
      Soviel konnte August feststellen, während er die federnden Stöße ihres Liebesspiels genoß und gierig wie neugierig zusah, wie sie ihren Rücken durchbog und scheinbar von einer ersten Welle hinfort gerissen wurde. Es wäre gelogen gewesen, zu behaupten, dass er selbst der Klippe näher war als gedacht. Er sah sie kommen, in einiger Weite, aber dennoch: das Ziel war sichtbar.
      Jedoch konnte August erst die Erfüllung finden, die er suchte, als sie darum bat, dass er zu ihr kam. Ihre lodernde Haut auf seiner verschwitzten Körperhaut wirkte wie ein Ableiter der Energie, die ihn durchfuhr und er bemerkte, wie die Aura, die er mühsam unter Kontrolle hielt, sich entlud und den Raum für eine Sekunde drückend einnahm. Als heiße sie gut, was er tat.
      Wenn er ehrlich war, bemerkte er gar nicht, wie der Höhepunkt über ihn hinweg rauschte. Erst als sein Körper sich beinahe wie von selbst katzengleich aufbäumte wurde ihm klar, was hier geschehen war.
      Noch während er auf ihr lag. Brust an Brust, ihren Herzschlag spürend, sah er ihr in die Augen und fand dort das Meer, was er gesucht hatte. Rauschende Wellen glückseliger Ekstase rauschten über ihn fort und machten es unmöglich, das Zucken seines Unterleibs zu unterbrechen, während er die Berührung ihrer Schenkel genoss, die sie an sich drückten.
      "Verdammt..."; flüsterte er und begann leise zu schmunzeln.
      Das längere Haar hing ihm verschwitzt ins Gesicht und beinahe war ihm zum LAchen zumute, als er das erste Mal seine Aura wieder unter Kontrolle zwang.
      "Jetzt haben wir den Salat...", flüsterte er und bewegte sich keinen ZEntimeter von ihr herunter. "Jetzt hast du deine Affäre..."
      Erst nach einer Weile des Genusses stemmte er sich hinauf und rollte sich etwas von ihr hinunter, um neben ihr zu Liegen zu kommen. Freilich, die Betten waren bequem aber er legte einen Arm über die Augen und genoss für eine Sekunde die Schwärze und das Keuchen ihrer Lungen.
      Ein guter Anfang.

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    • Das Einzige, das Ember als den Kontrollverlust von August über seine eigene Aura wahrnahm war vielleicht ein veränderter Luftdruck und ein seltsames Gefühl, das sich wie eine Welle über sie hinweg bewegte. Womöglich lag es daran, dass sie das Armband von Heyden noch trug, doch an einen anderen Mann verschwendete die Frau jetzt keinen einzigen Gedanken.
      Seine Körperreaktion verriet, dass er seinen Höhepunkt gerade erreicht hatte, obwohl sie selbst an ihrem eigenen noch nicht angekommen war. Das Zucken, das sie in ihrem Unterleib fühlte, war allerdings unverkennlich. Doch sie beschwerte sich nicht. Immerhin hatte er ihr eine Nacht versprochen und nicht eine einzige Runde. Stattdessen verlor sich Ember in Augusts Augen, die so menschlich wirkten wie noch nie zuvor.
      Seine Stimme rumpelte in seinem Brustkorb und sorgte dafür, dass Ember den Mann endlich aus ihrer Umklammerung entließ. Ihre Beine streckten sich lang aus, der linke Arm fiel auf das Bett. Mit der rechten Hand strich sie ihm großflächig die Haare aus dem Gesicht, die regelrecht nach einer Dusche zu schreien begannen.
      "An diesem Salat sind zwei Menschen beteiligt", bemerkte sie, erwiderte das Schmunzeln, das sie in seinen Worten vermutete und begann, ihm sanft den Rücken auf und ab zu streichen. "Aber ganz ehrlich: Es ist mir egal. Ich finde diese Vorschrift sowieso lachhaft. Wenn es danach ging, dann dürfte auch Kollegen untereinander keine Beziehung führen. Trübt das objektive Handlungsvermögen."
      Außerdem kannte Ember einige Kollegen, denen sie dann den schwarzen Peter zuschieben konnte. Die zwar vertuschten, dass sie eine Beziehung führten, aber den Umstand schamlos zu ihrem Vorteil ausnutzten.
      Irgendwann kam Regung in Augusts Leib und er rollte sich von ihr herunter. Als er neben ihr auf dem Rücken zum liegen kam und einen Arm über die Augen legte, machten sich Zweifel in Ember breit. Wie ein kleiner krankhafter Keim, der zu Unkraut wuchs und sich schlecht ausreißen ließ.
      "Bereust du es?", fragte sie schlussendlich leise nachdem sie sich auf die Seite gedreht und den Kopf mit einer Hand seitlich abgestützt hatte.
      Ihre Augen waren hellwach während sie dem Rogue dabei zusah, wie er seine Lungen mit Luft füllte und den Brustkorb dazu hob und wieder senkte. Sie selbst war schneller wieder bei Atem, das war jedoch ihrer Position geschuldet gewesen.
      Nach einem Moment schob Ember hinterher: "Ich nämlich nicht. Ich hab' dich wissentlich verführt und genauso wissentlich bestehe ich auf den Rest der Nacht und nicht nur dieses eine Mal."
      Sie wartete nicht auf eine Antwort als sie sich vorsichtig erhob und das Badezimmer ansteuerte. Nur weil sie praktisch direkt hätte weitermachen können, traf das noch lange nicht auf August zu. Er würde vermutlich eine Weile benötigen und in der Zwischenzeit würde sie sich etwas frischmachen können. Vorteil an diesen Etablissements war, dass sie vom Badezimmer nicht unglaublich laut schreien musste, damit er sie vom Bett aus noch hören konnte.
      Mit einem Seufzen setzte sich Ember auf die Toilette und ließ den Blick hinüber zur Dusche wandern. Der Zug war wortwörtlich abgefahren, also würde sie nun alles mitnehmen, was noch ging. Zumal sie davon ausging, dass Samstagabend die Welt nicht mehr so aussehen würde, wie sie sie kannte. Sofern sie selbst noch lebte.
      "Wie viel Zeit zum Regenerieren brauchst du? Im Moment steht es Eins zu Null für dich, ich würde auch noch gern zum Zuge kommen", spottete Ember mit einem breiten Grinsen auf den Lippen während sie so darüber nachdachte, wie sie die Dusche am besten nutzen könnten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für eine ganze Weile lag der Rogue auf dem Rücken und genoß die Erschöpfung und Muskelstarren seines Körpers. Nichts war schöner als ein Höhepunkt, wenn dieser auch noch Spaß machte. Vergessen all die Stelldichein mit den Mädchen oder anderer Damen. Immerhin war es schön zu wissen, dass sie nicht direkt aufsprang und sich...
      Und weg war sie.
      Er hatte nicht einmal die Chance auch nur für eine Antwort nach Luft zu schnappen. Aber hatte er auch eine Antwort? Bereute er es? Dies alles hier?
      Wohl eher nicht. August genoß die Nähe, das Gefühl zwischen ihnen, das keiner Benennung bedurfte. Kein Label würde darauf passen. Und dennoch musste er grinsen als sie einfach ins Bad verschwand. Erneut vor der Antwort davon laufend. Als habe sie Angst, dass ihre Gefühle nicht erwidert würden.
      Schweigsam trat er nach einigen Minuten aus dem Bett und ging ins Badezimmer, wo er sie nackt wie eine Statue von Milo vorfand und vor eine Sekunde einen Kloß seine Kehle hinab würgen musste. Ihre abschließende Frage beanwortete sich von alleine, denn sein Körper hatte sich beim Anblick ihres nackten Körpers gerade dazu entschlossen, den Blutfluss umzuleiten.
      Seine Erregung blieb also unübersehbar der Elefant im Raum.
      "Ich glaube, nicht eine Sekunde mehr", murmelte er und kratzte sich am Kopf während er das Bad betrat.
      Gut, die Toilette tötete ein wenig das erregende Bild, aber diese Präsenz machte das wett.
      "Ich bereue nicht eine scheiß Sekunde", flüsterte er und kam langsam zu ihr.
      Sachte ging er in die Knie und legte seine Hände auf ihre Knie. Anschließend sah er ihr eine ganze Weile grinsend ins Gesicht.
      "Hättest du nicht gedacht, wie?"
      August wartete diesmal die Antwort nicht ab, sondern preschte vor wie ein Raubtier, das seine Beute erreichte und stahl ihr einen Kuss von den Lippen. Wild und unbeherrscht drängte er sich ihr regelrecht auf als verlange er Platz in ihrem Leben.

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    • Irgendwie hatte der Mann so eine Gewohnheit an sich, ihr scheinbar immer ins Bad zu folgen. So auch nun, was Ember dazu verleitete, die Nase zu rümpfen und kurz mit sich haderte, wie sie nun reagieren sollte. Abwarten? Ihn rausschmeißen? Aufstehen? Zu viele Optionen kamen ihr in den Sinn, die August egalisierte indem er einfach nur so ungeniert wie sie zuvor im Türrahmen stand und ihr Blick ganz automatisch eine Etage tiefer wanderte.
      "Ganz offensichtlich", bestätigte sie den Rogue und sah dabei zu wie er zu ihr herüber kam und in die Knie vor ihr ging.
      Hätte er nun behauptet, doch etwas zu bereuen, hätte Ember den Zauberer wohl geschlagen. Mit der flachen Hand mitten ins Gesicht damit es richtig schepperte. So allerdings nahm er ihr diesen Wind aus den Segeln und sorgte stattdessen dafür, dass sich ihr festgefrorenes Grinsen aufweichte und eine sanfte Note bekam. Der offensichtliche Beweis dafür, dass sie sich über diese Worte wahrlich freute.
      Ewigkeiten lang hätte sie ihm weiter ins Gesicht schauen können bei diesem Grinsen, das so weit weg von seiner üblichen Fassade war, dass sie in jedem Winkel seines Gesichtes noch etwas Neues zu entdecken schien. Wie sich seine Mundwinkel schief verzogen, die dünne Haut am Rande seiner Augen sich kräuselte und die Augenbrauen ein ganz bestimmtes Stück nur nach oben hüpften. Und diese Augen, die nichts mehr von der Kälte oder dem Zorn hatten, wie sie sie so oft bei ihm gesehen hatte.
      Bevor sie allerdings auch nur einen dieser Gedanken äußern konnte, stürzte er sich regelrecht auf sie. Den ersten Kuss bekam sie auch noch halbwegs normal zustande, alles andere danach konnte man beim besten Willen nicht so nennen. Aus einem erstickten Kichern wurde ein Lachen, als sie August von sich schob und ihn verwegen durch ihre Haarsträhnen hindurch anfunkelte.
      "Wärst du so gütig und lässt mich wenigstens von meinem Thron aufstehen?", fragte sie noch immer lachend und bedeutete ihm, auch den Blick abzuwenden bis sie wenigstens die Spülung betätigt hatte.
      Als dem so war, strich sich Ember noch alle Haare aus dem Gesicht und musterte kurz Augusts Rücken. Es dauerte nicht einen Wimpernschlag, da drückte sie sich von hinten an den größeren Mann und schlang die Arme um seinen Torso. Einen Moment lang gewährte sich sich, seinen Geruch einzuatmen ehe sie ihre Händen seinen Bauch abwärts schickte und blind nach seiner Erregung fühlte. Als ihre Fingerspitzen ihn fanden, ließ sie sie allein durch Tasten ein Bild in ihrem Geiste zeichnen.
      "Wie könntest du auch nur Sex mit einer schönen Frau bereuen?", säuselte sie hinter seinem Rücken, "welchen Ort machen wir als nächstes unsicher?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Nächtliches Weiß.
      August fing sich selbst in dem Moment wieder, wo sie den Kuss beinahe gewaltsam kichernd löste und er sich räusperte. Gleichsam kichernd drehte er sich um und bewegte sich zwei Schritte vom Porzellanthron fort. Die Kälte der Fliesen unter seinen Füßen erdete ihn auch wenn diese Erdung nur von kurzer Dauer war.
      "Aber immer", grinste er.
      Das Gefühl ihres Körpers an seinem Rücken löste für einen Moment lang einen Muskelkrampf bei ihm aus. Nicht dass er die Weichheit ihres Körpers bereits vergessen hatte, aber irgendwie ließ es ihn nicht los, dass dies wohl eines der perfektesten Gefühle aller Zeiten war. Warum hatte er eigentlich so eine biestige Freude daran?
      August fühlte sich komisch, wissend, dass er viele Geheimnisse mit sich trug. WIssend, dass die Welt alsbald nicht mehr dieselbe sein würde. Und ein Gefühl der Einsamkeit machte sich in ihm breit.
      Das Gefühl wurde hinfort gespült als er die Hände um sich bemerkte, die sich erforschend um seine Körpermitte wandten. Nun, auch wenn Diplomatie nicht Embers Stärke war, so war Überzeugung sicherlich eine davon.
      Grinsend griff er blind mit der Hand nach hinten und fuhr über ihren Bauch.
      "Du sprachst von der Dusche...Also warum von dem Plan abweichen?"
      Grinsend drehte er sich zu ihr um und schob sie weiter in Richtung des anderen Porzellans, das sie bereits unheilsschwanger erwartete.

      Der nächste Morgen - 8:56 Uhr

      August wusste nicht mehr, wie oft sie sich geliebt hatten.
      Wenn er ehrlich war, wusste er nicht einmal, ob er noch Gefühl in seinen Extremitäten besaß, als sie nach Stunden der Liebkosung in den Schlaf gesunken waren. Und doch war es ihm selbst nach einer Nacht der völligen Erschöpfung nicht vergönnt, mehr als ein paar Stunden zu schlafen. Seufzend öffnete er mit flatternden Lidern seine Augen und wunderte sich über die veränderte Decke.
      Ha, sie hatte es nicht mehr geschafft, ihn hinaus zu werfen. Auch wenn sie es bestimmt nicht mal gewollt hätte. August musste grinsen während er sich über das Gesicht strich und nach links zu der schlafenden Schönheit sah.
      Wenn dies alles nur eine Zukunft hätte...
      Für einen Moment war da wieder die Einsamkeit von gestern. Aber ihre Welten waren zweierlei Medaillenblatt. Er war das Böse, sie das reine Gute. Wenn man es denn stilisieren wollte. Und er nicht mehr als ein Schatten dessen, was er sein könnte. August lag noch immer nackt auf dem Rücken und sah an die Decke. Er machte sich nicht einmal die Mühe, seinen Körper zu bedecken. Es gab genug in dieser Nacht was sie miteinander geteilt hatten. Da würde dies keinen Unterschied machen.
      Und doch war der Gedanke an den kommenden Tag allgegenwärtig. Er musste einen Weg finden, den Handel des Sharokh zu stören. Auch wenn er selbst allzu gut wusste, dass dies beinahe unmöglich war. Sollte er Shawn übergeben, um die Menschheit zu retten?
      Seufzend strich er Ember über die Stirn und eine Strähne aus dem friedlichen Gesicht.
      "Wünschte, wir wären uns eher begegnet...", flüsterte er und harrte der Dinge des Morgens.

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    • Der nächste Morgen - Uhrzeit unbekannt

      Embers Körper war einfach taub geworden. Die ganze Nacht war in ihrer Erinnerung ein Haufen an Emotionen, Gefühlen und nackter Körper gewesen, die sie irgendwann nicht mehr voneinander hatte trennen können. Gefühlt nicht einen Quadratmeter dieses Zimmers und des Bades hatte nicht ihnen gehört und es wunderte sie allen Ernstes, dass sie beide so lange tatsächlich durchhielten.
      Irgendwann waren sie beide unter der Decke auf dem Bett einfach liegen geblieben und haben sich der Weichheit der Matratze und der Wärme des jeweils anderen hingegeben. So war auch Ember schlussendlich an Augusts Brust einfach dahingedämmert und hatte nur noch müde gelallt: "Wehe du bist weg, wenn ich wach werd'."
      Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.
      Während der Nacht hatte sich Ember von August wegbewegt, sich selbst in der Decke eingewickelt und befand sich in Embryonalstellung, als August als Erster wach wurde. Sie hingegen schlief seelig weiter, das Gesicht in völliger Entspannung in das Kopfkissen geknautscht. Sie bekam nicht mal richtig mit wie er ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht strich und etwas flüsterte, das vielleicht eine bedeutsame Reaktion in ihr hervorgerufen hätte.
      Es dauerte fast eine weitere halbe Stunde ehe Leben in den schlafenden Körper kehrte. Ember murrte leise, als sie sich streckte und wieder in ihre Haltung zurückzog wobei ihre Knie an August stießen. Fast augenblicklich riss sie die Augen auf, so als hätte sie etwas zu Tode erschreckt. Kurz darauf musste sie ein paar Mal blinzeln bis ihre Augen endlich richtig funktionieren wollten.
      August lag tatsächlich noch neben hier.
      Fast wären der Ermittlerin ein paar Worte falsch herausgerutscht. Bevor es doch noch passieren konnte, robbte sie näher an den Rogue heran und ignorierte den Fakt, welche Rollen sie beide einnahmen. Welche Aufgaben sich ihnen noch stellen würden oder das summende Handy auf ihrem Nachttisch, das den Erhalt einer Nachricht signalisierte. Oder dass sie es wirklich genoss, ohne Hintergedanken sich bei jemand anderem zu geben, wie man eben war.
      "Sind unsere zwölf Stunden schon um?", fragte Ember leise und lauschte mit geschlossenen Augen einfach nur dem Pulsschlag unter ihrem Ohr. "Ich bin gewillt zu sagen, ich möchte mich hier in dem Zimmer einfach nur einsperren."
      Und nicht daran denken, was für einen Mist ich gebaut habe. Dass morgen die Welt eine andere sein könnte. Dass morgen der erste Teil derjenigen verschwinden könnte, die ich liebe. Oder liebte. Oder lieben könnte. Oder dieses scheiß Handy an die Wand klatschen...
      Ember stöhnte laut genervt auf als sie sich von August wegrollte und das dauersummende Handy vom Nachttisch angelte. Ein Blick auf das Display verriet ihr, dass es bereits halb Zehn war und Heyden sie anrief.
      "Was will der denn jetzt schon...", grummelte sie weiterhin, nahm allerdings ab. "Wenn du mir jetzt nicht sagst, dass du irgendwas zwecks Waffe hast.... Oh."
      Ember verfiel in Schweigen. Stimmte. Sie hatte ihn ja mit der Analyse des Anhanges beauftragt. Da sie ihr Gesicht von August abgewandt hatte, sah er nicht, wie ihr Gesicht sich nachdenklich verzog und sie schließlich auflegte. Dann legte sie es wieder zurück und robbte zurück zu August. Nur noch ein paar Minuten die Realität aussperren.
      "Wenn ich Zeit hab soll ich ins Department kommen. Er will mir irgendwas zeigen..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Störung ihres Morgens blieb auch bei seinem Gesicht nicht unverwandt hängen. Dennoch quittierte er es mit einem kurzen Grinsen und einem riskanten Blick auf ihre Kehrseite, während er sich seufzend über die Brust kratzte. Es war ein schöner Morgen, verglichen mit den Tausenden, die er allein verbracht hätte. Ja, er gab zu. Manches Mal könnte selbst August sich an derartige Zweisamkeit gewöhnen.
      Auch er nutzte die Gunst der Stunde und sah auf sein Handy während er vor sich hin kicherte.
      "Ja, die Stunden sind rum", murmelte er und öffnete das SMS-Symbol zur Basis des Telefons.
      Anschließend nickte er nur als sie wieder zu ihm robbte und grinste.
      "Dann mach das. Ich denke, dass ich heute ohnehin viel mit Eva zu tun habe. Die Arkana sollten langsam alle nach London kommen."
      Und zumindest den ersten Showdown beginnen. Innerlich fieberte Foremar noch immer vor sich her. Suchte nach Lösungen wie er Shawn nicht übergeben musste, aber je mehr er darüber nachdachte, umso mehr kam er zu diesem Entschluss, der mehr Grausamkeit zeigte, als er wollte.
      Schweigend öffnete er die Nachrichten der Nacht, noch während er zu Ember sprach.
      "Hör zu, ich...Ich glaube wir müssen über gestern Nacht red - "
      August brach ab, als er eine Nachricht las, die ihn beinahe aus dem Bett katapultierte. Sie stammte von Eva.
      'Verschwinde! Sie kommen!'
      Sie?
      "Wir müssen aufstehen, ich glaube, es stimmt etwas nicht!", murmelte er und schwang die Beine aus dem Bett.
      Hastig, beinahe zu hastig warf er sich ein Hemd halb über den Körper und zog eilig eine Hose an, als unten bereits ein großes Gepolter von Stapel gezogen wurde.
      Schreie gellten durch den Flur, dass einem Angst und Bange werden konnte. Auren erfüllten den unteren RAum, er konnte es spüren. Es waren viele. VIelleicht 20?
      "Verdammter Dreck!"; fluchte August und stopfte sein Telefon in die Hosentasche, noch ehe er sich gewahr wurde, was eigentlich los war. Wütend und tobend riss er die TÜr beinahe aus den Angeln, da er vergessen hatte, dass sie verschlossen wurde. Und doch hielt das Holz nicht stand und knickte regelrecht ein, während er auf den Flur hinausstrat und in das Foyer sah.
      Was er sah, rang ihm ein Seufzen über die Lippen und er wurde bleich.
      "AUGUST FOREMAR!", rief eine weibliche STimme hinauf, die er nur zu gut kannte. "SIE STEHEN UNTER DRINGENDEM TATVERDACHT DES MORDES IN 200 FÄLLEN! EIN HAFTBEFEHL WURDE GESTERN NACHT ERLASSEN UND ICH BIN HIER UM IHN ZU VOLLSTRECKEN. ALSO SCHWINGEN SIE IHREN HINTERN HINUNTER. SIE SIND HIERMIT UMSTELLT UND VERHAFTET!"
      August warf einen kurzen Blick in das Schlafzimmer, sah Ember.
      Das konnte nicht...oder doch?
      Dolores trat aus ihrem Gemach auf den Flur und wirkte durch den Wind. Sie blickte verstört zu ihrem Freund legte den Kopf schief.
      "Ich weiß nicht..", murmelte er.
      "NOCH ZEHN SEKUNDEN, DANN STÜRMEN WIR DAS GEBÄUDE!"
      "Ist ja schon gut!", rief er nach unten und starrte wütend in ds Gesicht der Frau, die anstelle Hawthornes in seinem Heiligtum stand.
      Kopfschüttelnd nahm er die Treppe nach unten.


      Spoiler anzeigen
      SMS auf Embers Handy:
      Von Hawthorne, Inhalt: "Machen Sie, dass Sie dort rauskommen!" - Sendezeit: 6.52 Uhr

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    • Es waren die Schreie aus dem unteren Stockwerk, die Ember in die Realität zurückkatapultierten. Nicht die Art, wie August aus dem Bett sprang und sich hastig in Klamotten warf. Nicht der subtile Hinweis, dass etwas im Argen sein konnte. Die Geräusche allerdings kannte sie nur all zu gut aus jahrelanger Erfahrung. Ihr Herz rutschte ihr augenblicklich in die nicht vorhandene Hose als sie Cunninghams Stimme hörte und direkt kalten Hass in sich emporsteigen fühlte. Dann sah plötzlich August zu ihr. Sachte schüttelte sie mit dem Kopf und betete darum, dass er den Schock in ihren Augen sehen würde. Kurz darauf kletterte auch sie aus dem Bett und krallte sich frische Klamotten aus dem mitgebrachten Koffer. Eilig bändigte sie ihre Haare in einen strengen Zopf, da war der Rogue bereits aus ihrem Sichtfeld verschwunden.
      Ember wusste, dass er dem Befehl folgen musste, um nicht noch mehr Stress zu verursachen. Was wiederum bedeutete, dass sie nicht einfach durch die Vordertür verschwinden können würde. Sie brauchte einen anderen Weg und Shawns Autoschlüssel. Eilig packte sie ihr Handy und entdeckte erst jetzt eine SMS von Hawthrone, nach deren Inhalt ihr direkt schlecht wurde. Sonst hatte Ember nie eine Nachricht verpasst, so leicht war ihr Schlaf üblicherweise. Diese Nacht war anders gewesen.
      Leise fluchte sie. Obwohl der Commissioner suspendiert worden war hatte er Informationen erhalten und versucht sie zu warnen. Und sie hatte es verpennt. Woher hatte er diese Informationen? Mit ernster Miene antwortete sie auf seine Nachricht hin: Zu spät. Ich versuche, hier rauszukommen und komme vorbei.
      Ember wartete die sporadischen weiteren fünf Minuten ab bevor sie den Kopf in den Flur steckte. Unten drang immer noch laute Worte an ihr Ohr als sie sich zur Nachbartür machte und energisch dagegen schlug. Nach nicht einmal drei Sekunden riss Shawn die Tür auf und starrte seine Schwester völlig fertig an.
      "Was geht denn da auf einmal ab?"
      "Ich habe keine Ahnung, aber ich muss weg. Gib mir deine Schlüssel."
      "Warte", sagte er, verschwand im dunklen Zimmer und kam nach ein paar Sekunden wieder, um ihr die Schlüssel in die Hand zu drücken. "Mach keinen Scheiß."
      "Ruf mich an, wenn was ist. Ich muss Hawthorne besuchen."
      Damit machte Ember schon wieder kehrt und flitzte zu der Tür, vor der noch immer Dolores leicht fertig stand. Sie hatte keine weitere Zeit zu verlieren wenn sie nicht mit einer Option spielen wollte, die ihr immer weiter in den Sinn rückte.
      "Dolores. Hintertür? Ich muss weg", sagte sie kurzum ud war der alten Frau dankbar, als diese einfach auf eine weitere Tür zeigte und somit die Detective sicher durch ein kleines Treppenhäuschen an die frische Luft beförderte.

      Einige Zeit später parkte Ember Shawns Wagen vor dem beschaulichen Haus der Hawthornes. Nach diesem Besuch würde sie im Präsidum vorbeifahren müssen und schauen, was ihr kleiner findiger Techniker ihr zeigen wollte. Denn begeistert klang er wahrlich nicht am Telefon, als er nicht einmal umreißen wollte, was sich im Anhang befand.
      Bestimmten Schrittes ging Ember zur Haustür und klingelte. Dann würde sie sich mal einen Eindruck vom suspendierten Commissioner holen.

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    • Dolores starrte August noch eine Weile hinterher, ehe sie sich zu Ember umdrehte, die an ihr vorbei hastete ohne auch nur auf ein Wort zu warten.
      "Miss Sallow!", zischte sie und warf ihr einen kleinen Fetzen Papier im Vorbeirasen zu. "Im Falle des Falles!"
      Sie wusste, das auf dem Zettel die Adresse eines alten Lagerhauses in Chelsea stand. VIelleicht konnte sie dort Dinge finden, die halfen. BEstürzt blickte sie den beiden hinterher, die getrennt voneinander abgeführt wurden.
      August indes betrachtete Julias verzücktes Gesicht, als sie ihm die Handschellen anlegte, die seine Aura blockieren sollten.
      "Macht dir das Spaß?", fragte er und blickte sie erzürnt an.
      "Wird es", bestätigte Cunningham grinsend, während sie ihm das Handy aus der Hosentasche fischte. "Spätestens wenn wir dich ins Evenstar zurückgebracht haben."
      Für einen Moment wurde ihm schlecht. Ember hatte es versprochen. Während er gegen die Übelkeit ankämfpte und sich fragte, was er verbrochen hatte, wiederholte er das wieder und wieder. Ember hatte es versprochen. Nie wieder wollte er ins Evenstar. In die Zelle. Nie wieder.
      "Du wirst es nicht bis dahin schaffen", knurrte er.
      Und innerlich verfluchte er sich, dass er diesem ganzen Haufen getraut hatte. Während ihn vier Caster umringten und mit Schilden einkesselten schoben sie ihn nach draußen in die kalte Nacht. Er konnte nur hoffen, dass ihm bis dahin etwas einfiel.


      Das Klopfen riss Hawthorne aus seiner Ruhe.
      Mit schlurfenden Schritten und nur einem Bademantel und einem fleckigen Schlafanzug bekleidet, wankte er zur Tür. Eine Zigarette glomm in seinem Mundwinkel während er müde durch den Spion sah und sogleich wieder wach wurde.
      "Gottverdammte Scheiße...", murmelte er knurrend und riss die Tür auf.
      "Sind Sie bescheuert??", keifte er und blickte Ember Sallow an. Sie hatte sich verändert, so viel stand fest. Sah frischer aus, beinahe lebensdig. Nicht der roboterhafte Zombie wie im Büro. Ohne auf eine Antwort zu warten riss er sie an der Schulter hinein in sein Haus und knallte die Tür eilig wieder zu.
      "Ist Ihnen Jemand gefolgt? "
      Die Vorsicht war angebracht. Wenn Cunningham wirklich begann den Krieg gegen die Arkana zu eröffnen, würde das in einem Bürgerkrieg resultieren, dessen Ausmaß man nicht abschätzen konnte.
      Hawthorne fuhr sich durch die kurzen Haare und schlurfte voran in die Küche. Nancy und die Kinder waren ausgeflogen. Schule und Job oder sonst was, dachte er und schnaptte sich eine weitere Tasse aus dem Ständer, um Kaffee einzufüllen und die Tasse demonstrativ auf den Frühstückstisch zu stellen.
      "Setzen!"; knurrte er und ließ sich selbst auf dem Stuhl nieder. "SIe haben es raus geschafft? Wurden Sie gesehen?"

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    • Vermutlich stand Ember ins Gesicht geschrieben, was in den letzten Tagen alles geschehen war. Das würde zumindest erklären warum Hawthorne sie ansah wie eine Fremde auf Drogen. Brav ließ sie sich von seinem kräftigen Griff ins Haus reißen und zuckte unwillkürlich zusammen als die Tür hinter ihr lautstark ins Schloss fiel.
      "Aus dem Gebäude denke ich nicht. Was auf den Straßen passiert ist, keine Ahnung. Denke aber mal nicht. Zumindest ist keiner meiner Tracker ausgeschlagen", sagte sie und klimperte mit dem Fußkettchen, das analog zu dem Armband Geräusche von sich gab.
      Der Adrenalinrausch sorgte dafür, dass sie im Türrahmen zur Küche vorerst stehen blieb und die Arme verschränkte während Hawthorne ihr allen Ernstes eine Kaffeetasse organisierte. Sie hatte ihn schon in einigen fragwürdigen Aufzügen gesehen, aber sein Morgenmantel mit dem Schlanfanzug darunter waren eine Nummer für sich. Ein fahles Schmunzeln stahl sich auf ihre Lippen bei dem Gedanke daran, dass auch sie irgendwann so einen Anblick mit einem eigenen Mann an ihrer Seite hätte haben können. Sofern sie nicht alles immer verbaute.
      "Nehmen Sie's mir nicht übel, aber wenn ich mich setze, steh ich nicht wieder auf", gab Ember wahrheitsgemäß zurück und befürchtete dabei ernsthaft, dass ihre Beine ihr sonst den Dienst quittierten.
      Allerdings traute sie sich bis zum Tisch herüber, um dem verlockenden Duft von Kaffee nachzukommen. Die warme Tasse in ihrer Hand erdete sie ein stückweit und sorgte dafür, dass sie das erste Mal des Tages wirklich durchatmete. Dabei hatte der Tag erst ein paar Stunden drin.
      "Das Rauskommen war nicht unbedingt das Problem. Ob mich dabei jemand gesehen hat - möglich. Ich musste einen günstigen Moment abwarten um ans Auto meines Bruders zu kommen. Apropos Bruder, wissen Sie schon um den Masterplan des Sharokhs und dass ich jetzt endlich gelernt habe, mal nicht alles allein regeln zu wollen?"
      Ember gab Hawthorne einen kurzen Rundown von dem Handel, dem Problem und den Hinweis darauf, dass morgen Abend spätestens die Hölle ausbrechen würde. Sämtliche Infos über Alles betreffend der Arkana, sprich alles bezüglich August, ließ sie sorgsam außen vor. Sie würde niemanden mehr erzählen über das, was sie alles angesammelt hatte. Immerhin sollte dieses Wissen bereits sie töten.
      "Ich dachte, Sie seien suspendiert? Wie kommt es dann, dass Sie von Cunninghams Zugriff wissen? Dieses Stück menschlichen Abfalls scheint die Lage echt nicht zu verstehen. Wenn sie meint, Foremar einsperren zu wollen, dann haben wir einen ungebremsten Sharokh und eine Arkanavollversammlung in London."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Hawthorne bemerkte das schmallippige Schmunzeln auf dem Gesicht der Detective und grunzte, während er geräuschvoll einen Schluck Kaffee vernichtete. Diese Lage war sicherlich mehr aussichtslos als gedacht, wenn man es so betrachtete. Ein marodierender Sharokh war eine Sache. Eine ganz andere jedoch die Tatsache, dass Cunningham meinte, eine persönliche Vendetta durchspielen zu müssen.
      "Immerhin schon mal gut. Cunninghams kleine Marionetten klebten mir wie Herpes am Hintern, kann ich Ihnen sagen. Erst durch eine Suspendierung konnte ich ihnen mehr oder minder durch die Lappen gehen."
      Seufzend lehnte er sich zurück und sah Ember an. Es hatte sich scheinbar wirklich was mit ihr getan. Und offenbar nicht zum Negativen.
      SChweigsam hüllte er seine Kaffeetasse in die breiten Hände und legte seine Zigarette ab, ehe er sie ansah, das GEsicht in Rauch genebelt.
      Aufmerksam lauschte er Embers Erzählung und grinste schief, als sie geendet hatte.
      "Ja, ich wusste sowohl vom Sharokh als auch von Cunninghams Idiotie", gab er zu. "Ich habe vor zwei Tagen eine Kontaktaufnahme von Foremar erhalten über seine nervige Freundin. Dieses Bohregart-Stück? Grässliches Weib, sage ich Ihnen. Schrecklich nervig. Ihnen irgendwie ähnlich mit diesem überzogenen Selbstbewusstsein. Naja, seis drum. Sie gab mir den Hinweis, dass es ein Sharokh ist und der Ihnen einen Deal aufgezwungen hat. Weltuntergang und so weiter... Laber, laber, Sülz, am Ende kam dann noch der Hinweis, dass Foremar vermutete, dass Cunningham etwas plant. Und dieser kleine Scheißer kam tatsächlich auf den Trichter, dass er mir Befehle erteilen konnte. Also habe ich mich gütigerweise bei Freundin im PD umgehört."
      Er unterbrach sich um einen gewaltigen Schluck heißen Kaffees zu trinken. Asbesthals sei dank.
      "Zwei Captains haben mich gestern darüber unterrichtet, dass ein Zugriff geplant sei. Also habe ich Augusts Kontaktmenschen informiert, dass etwas im Busch ist und er hat ein Lagerhaus hergerichtet, für den Fall der Fälle. Und ich denke, dort sollten SIe weiter suchen. Wenn dieser Sharokh keinen toten August vorfindet, dann haben wir ein gewaltiges Problem. Nicht nur, dass Ihr Bruder dann zum Teufel geht. Diese Arkana werden vermutlich auch nicht gerade begeistert sein, wenn irgendwelche Fremden in ihrem Bezirk wildern. Konnte Sie also nur noch warnen und ja...Nun sind wir hier, nicht wahr?"
      Grinsend prostete er ihr zu und schob einen kleinen Zettel mit einer Adresse hinüber.
      "Das ist das Ding. Foremar ließ ausrichten, dass wir uns im Falle des Falles dorthin wenden sollen. Was haben Sie jetzt vor? "

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    • "Beauregard heißt sie. Wundert mich nicht, dass er sie als Vorhut schickt. Immerhin meint er selbst, sie sei eine fantastische Diplomatin."
      Allerdings wäre es fraglich was geschehen mochte, wenn Eva zum Twisted Mind zurückkehrte und entweder noch den Haufen an Polizei dort vorfand oder nur noch feststellen durfte, dass August bereits abgeführt worden war. Ember kannte die Frau nicht gut genug um mit Sicherheit bestimmen zu können wie sie reagieren würde.
      "Ich bin mir nicht ganz sicher, was Foremar alles in der Hinterhand plant aber ich bin fast geneigt zu sagen, dass Sie seinen Anweisungen folgen sollten. Das hat bislang dazu geführt, dass mein Kopf noch auf meinen Schultern sitzt."
      Ember warf einen Blick zum Kühlschrank. "Darf ich mir etwas Milch nehmen?"
      Auf Hawthornes Nicken hin schlenderte sie zum Kühlschrank und nahm sich die Milchpackung heraus, um aus dem schwarzen Kaffee einen Milchkaffee zu machen. Anschließend lehnte sie sich mit ihrem Rücken an die geschlossene Tür des Kühlschrankes. Näher an den Tisch konnte sie nicht ohne Gefahr zu laufen zu ersticken. Der Commissioner rauchte einfach wie ein Schlot.
      Embers Blick fiel auf den Zettel, ein nachdenklicher Ausdruck lag auf ihrem Gesicht und ließ kleine Denkfältchen auf ihrer Stirn erscheinen. Es war die gleiche Adresse wie auf dem Papierfetzen, den Dolores ihr noch zugesteckt hatte. Es hatten zwei verschiedene Fraktionen die Anschrift des gleichen Lagerhauses erhalten und aus beiden Richtungen wurde sie ihr nun zugetragen. Welch seltsame Fügung.
      Schweigend fischte sie den Schnippsel aus ihrer Hosentasche, entfaltete ihn und legte ihn neben jenen von Hawthorne.
      "Ich hab' die Adresse schon, allerdings aus einer anderen Quelle. Seltsam, dass zwei Fraktionen meinen, ich bräuchte diese Info. Wenn Foremar meint, wir sollten uns dahin wenden, dann würde ich vorschlagen, dass wir zwei einen kleinen Ausflug unternhemen. Unter dem Radar sozusagen. Außer natürlich, Sie haben schon etwas vor?"
      Ember hielt es nicht länger aus in diesem Räucherofen. Beherzt ging sie zum nächsten Fenster hinüber und riss es auf in der Hoffnung, den schrecklichen Qualm loszuwerden.
      "Ich glaube, es ist unklug wenn ich versuche auf eigene Faust zu handeln. Ich befürchte, mein Urteilsvermögen ist nicht mehr so unbefangen wie sonst und da wäre eine zweite Person vielleicht ganz hilfreich. Wussten Sie eigentlich, dass ich fast Foremar umgebracht hätte? Mit dem Artefakt vom Sharokh? So weit kam es schon bis ich mich wieder besinnen konnte. Jetzt laufen die Fäden alle in die Richtung, dass ich wirklich meinen Bruder opfern sollte."
      Sie nahm einen Schluck Kaffee uns sah ihren Vorgesetzten mit einem recht wehmütigen Blick an. Dann stellte sie die Tasse auf der Anrichte ab, um ihr Handy hervor zu holen und eine Nummer zu wählen. Es dauerte länger als üblich, dann nahm jemand ab. Es folgte fast augenblicklich eine Tirade an Worten, die Ember nur verdutzt die Augenbrauen heben ließ bis sie endlich selbst zu Worte kam.
      "Es ist alles okay, Peacock, ich bin da rausgekommen. Wussten Sie von Cunningshams Aktion?"
      ...
      "Nein, ist schon in Ordnung. Wir haben größere Probleme als das. Aber könnten Sie mir einen Gefallen tun und -"
      Ember brach inmitten ihres Satzes ab und lächelte ein träges Lächeln. Manchmal war dieser Kollege fixer als sie selbst, und sie war mehr als dankbar dafür.
      "Richte ihm meine Grüße aus."
      Dann legte sie auf und suchte die SMS vom unbekannten Absender heraus. Mit der geöffneten Nachricht schob sie das Gerät über den Küchentisch zu Hawthorne herüber, um anschließend ihre Tasse wieder in die Hände zu schließen.
      "Diese Nachricht von Unbekannt habe ich gestern bekommen. Irgendeine Idee, wer noch an meine Nummer gekommen sein könnte? Der Anhang ließ sich nicht öffnen, ich habe Heyden damit beauftragt und da fahre ich später noch hin um mir die Ergebnisse anzusehen."


      Police Department - 13:09 Uhr

      "Sallow, ich bin schon längst bei ihm und esse eines seiner viel zu süßen Kaubonbons. Ich habe mir schon gedacht, dass sie Foremar ins Evenstar bringen will und es gibt nur eine Person, die das herauszögern kann."
      Peacock seufzte schwer als er nickte und das Handy einklappte, um es wieder einzustecken. Er saß auf der gemütlichen Couch in Nolands Zimmer, der ältere Mann hatte wachsam jede Reaktion des Mannes auf dem Sofa beobachtet.
      "Ich soll Ihnen liebe Grüße ausrichten. Wie ich vermutet habe ist sie rausgekommen und Cunningham hat tatsächlich Foremar abgeführt. Sie wird ihn direkt ins Evenstar bringen und ich wage zu bezweifeln, dass Sallow ihn ein zweites Mal da raus bekommt. Ich weiß nicht, was die beiden da veranstalten, aber ich vertraue ihrem Urteil."
      Noland griff selbst in seine Zuckerdose zur rechten und steckte sich ein rosa Kaubonbon in den Mund, nachdem er es sorgsam ausgepackt hatte. Ihm war unlängst zu Ohren gekommen welcher Tumult auszubrechen drohte und ein paar subtile Nachforschungen später hatte er so ziemlich den kompletten Überblick über die Lage erhaschen können. In einem Punkt gab er Peacock recht - sollte Foremar ins Evenstar gehen würde Ember ihn nicht mehr so einfach wieder frei bekommen. Doch selbst Cunningham konnte den Rogue nicht einfach nur unter Verdacht ins Gefängnis stecken. Sie müssten eine Aussage von ihm bekommen und die schnellste und sicherste Methode diese zu bestätigen führte unweigerlich in dieses Zimmer.
      "Vielleicht sollte jemand Ms. Cunningham daran erinnern, dass selbst wir Rogues noch Menschenrechte besitzen und zumindest eine Aussage machen müssen. Die gute Frau weiß doch, wie man den lästigen Papierkram am einfachsten umgehen kann", sinnierte Noland, der nun sein Handy aus der Schublade unter dem Sekretär zog und Cunninghams Nummer suchte. Sein Telefonbuch umfasste fast jede Person, die im PD beschäftigt war und zumindest ein einziges Mal einen Fuß in sein 'Büro' gesetzt hatte.
      Peacocks Gesichtsausdruck war angespannt und alles andere als freudig. Er selbst mied den Kontakt mit seiner Vorgesetzten so gut es ging. Warum er mit Ember so gut klar kam und Probleme mit Cunningham hatte, lag allerdings schnell auf der Hand.
      "Ja, Ms. Cunningham, hallo. Wie ich hörte ist Ihr Zugriff ohne Probleme erfolgt? Das klingt doch nach fantastischen Neuigkeiten! Wie der Zufall es so will habe ich gerade auch ein freies Zeitfenster, dann können wir den Fall schneller abhandeln. Bringen Sie den Mann einfach zu mir, ich werde verifizieren, ob er die Wahrheit spricht und damit verdient ins Evenstar geht. Sie wissen ja, wie der offizielle Ablauf solcher Verhaftungen ist und welche Folgen es hat, wenn auffällt, dass dort ein wenig geschlampt worden ist."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Fenster zu!", rief Hawthorne, als er sie wandern sah und erhob sich stinkig, ehe er murrend zum Fenster ging, kurz hindurch sah und es zurammte. "Oder wollen Sie ein "Hallo hier bin ich"-Schild an die Außenwand malen? Herrgott, haben Ihnen die Tage mit diesem Irren das Hirn aus dem Stamm gepustet? Ich denke auch, dass es besser ist, wenn ich mitkomme. Gute Güte..."
      Während Sallow ihr Telefonat machte, wandte sich Hawthorne nach oben und marschierte in sein Schlafzimmer mit dem geräumigen Doppelbett. Er sah zu seinem Hochzeitsfoto auf dem Tisch und schrieb hastig einen Zettel, den er anschließend an die Haustür kleben würde. Sie sollte sich nicht sorgen. Auch wenn er nicht wusste, wohin diese Reise führte.
      Hastig warf er sich ein brauchbares Outfit über und stopfte gerade noch sein Hemd in die Hose, ehe er sich den langen Trenchcoat vom Haken nahm und zu Ember blickte.
      "Wollen wir?"
      Auch wenn er nicht sicher war, was er von der Beichte halten sollte, dass sie Foremar beinahe getötet hätte. Aber wenn er ehrlich war würde sich das Ganze als nicht schlechter Zug erweisen. Auch wenn er das ungern zugab.


      PD - 13:10

      "Aber natürlich Noland", säuselte Cunningham in ihr Telefon, wärhend eine Hand stoisch auf Augusts Schulter ruhte.
      Innerlich wünschte er sich, seine Aura bombenartig in diesen Gemäuern zu befreien, damit diese Schrulle von Frau endlich ihre Drecksfinger von ihm nahm. Er fühlte sich dreckig und schmutzig. Was nicht verwunderlich war, betrachtete man die Vorgehensweise der Polizei. Wie VIeh hatten sie ihn in den Wagen und gleichsam in das PD gebracht. Über die Straße gezerrt als sei er ein streunender Köter und anschließend in einem Foyer abgesetzt wie einen alten Koffer.
      Oh, er würde sich rächen. Und seine Rache würde bitter und grausam sein.
      "Das ist eine hervorragende Idee. Wir werden Mr Foremar sicherlich sofort zu Ihnen bringen", grinste sie und seufzte. Shcließlich holte sie doch noch einmal Luft, ehe sie auflegte. "Ach Noland! Nur eine Sache noch!"
      Ihre Stimme wechselte mit einem MAl. Von säuselnd lieblich zu kalt und hart, als würde sie versuchen Stahl zu schmelzen.
      "Bekomme ich heraus, dass SIe mit Sallow und diesem Rogue unter einer Decke stecken müssen Sie sehr schnell laufen können, mein Lieber. Von dieser Verhaftung hängt alles ab!"
      Mit einem Zischen legte sie auf und warf das Handy in ihre Jackentasche, ehe sie August ansah.
      "Also...Wollen wir dann?"
      Erneut gewaltsam und nicht zimperlich riss man ihn hoch, ungeachtet seiner Schmerzensrufe und zerrte ihn durch das Büro. Die Caster hüllten ihn erneut in Schilde ein, die er mühelos zerbrochen hätte, wenn diese HAndschellen nicht gewesen wären. Doch wenn er diese Tarnung aufgab, würden sie alles weitere ebenso finden...DAs war nicht gut!
      Schwerfällig wurde die Tür zu Nolands Büro aufgestoßen und der Rogue regelrecht hinein gestoßen. Der Polizeibeamte steckte den Kopf herein, beinahe ehrfürchtig und blickte Noland an.
      "Das ist er, Noland", murmelte der Beamte und wies mit dem Kinn zu Foremar, der sich schwerfällig auf einen STuhl im Raum setzte und die Haare mit einer nickenden Bewegung nach hinten warf. "Nimm dir Zeit, aber beeil dich. Wir sind hier draußen, wenn du uns brauchst."
      Als die Tür geschlossen wurde, blickte August beinahe hasserfüllt zu dem Rogue, der sich selbst mehr oder minder verkauft hatte. Abscheu und Wut stand in seinen Augen und die Wand hinter ihm schien dunkler zu werden, als er sich dagegen lehnte.
      "Lernen wir uns endlich kennen", murmelte er grinsend und sah Noland an.



      Chelsea - Die Docks, 12:01

      London bestand aus vielerlei schönen Stadtvierteln. Gerade Chelsea war ein besonderer Augenschmaus, wenn man sich die High Street und Geschäftsviertel ansah, die den Fluss säumten. Doch in jedem Augenschmaus gab es das eine Haus, was nicht herein passte. In eine Fassade voller Schönheit war dieses eine das Mahnmal der Vergänglichkeit. So auch hier. Sie waren eine Weile durch Verkehr gegondelt, ehe sie dem Navi nach in eine ekelhaft anmutende Seitengasse geführt wurden. DIe Häuserfassaden waren hier eng und beinahe nicht wirklich schön anzusehen. Kaltes Braun mischte sich mit Grau und gleichsam ruhte der Geruch von Brackwasser in der Luft, als Hawthorne und Sallow aus dem Wagen stiegen und auf das Lagerhaus sahen.
      "Einladend...", murmelte Hawthorne und zündete sich die obligatorische Zigarette beinahe beiläufig an.
      Vor ihnen erhob sich aus der braunen Landschaft eine abbruchreife Fasse mit mehreren Fensteretagen. Die oberen schienen intakt, während die Unteren mit Holzbrettern vernagelt waren. Als Eingangstür diente ein EIsenverschlag, den sie nunmehr ansteuerten. Hawthorne hatte kein gutes Gefühl hierbei. Immer wieder schaute er nach links und rechts als erwarte er einen Hinterhalt. Aber bei Arkana konnte man nie wissen, was sie ausheckten und was sich hinter dieser Tür verbarg.
      "Ich glaube immer noch, Sie hätten ihn einfach töten sollen"; murmelte er. "AUch wenn es Chaos gegeben hätte. Aber das hier ist der Beginn eines verkackten Horrorfilms."

      Mühsam erklommen sie die Stufen vor dem Haus, während das Plätschern des Flusses von der Hinterseite zu kommen schien. Zumindest wenn man dem GEstank folgte. Ächzend legte Hawthorne seine Hände an das Eisen und schob es quietschend und knarrend auf. Sehr unauffällig, dachte er und seufzte als er einen kleinen Durchgang geschaffen hatte.
      "Nach mir, denke ich...", seufzte er und quetschte sich durch die Öffnung, die seine Kleidung verdreckte.
      Drinnen stank es noch schlimmer. Nach Fisch, Dreck und Brackwasser von vielen Jahren, wenn er recht deduzierte. Und doch wirkte es hier wesentlich wärmer als draußen. Eine kleine Abfalltonne befand sich in einem großen Raum voller Säulen und Stützen, während die Polizisten eintraten. Beinahe automatisch flog seine Dienstwaffe, eine alte Walther P99 in seine Hand und sachte zog er den Lauf nach hinten um durchzuladen. Man wusste ja nie...
      Beinahe schleichend bewegte er sich vorwärts, darauf achtend, dass Ember folgen konnte und blickte wieder und wieder in den stinkenden Innenraum.
      Neben der Tonne, die als Feuerquelle diente, bedachte man die Rußreste, sah er noch einen Tisch mit einer Karte von London darauf ausgebreitet. Mehrere Stecknadelköpfe zeigten Orte an, die mit einer Schnur verbunden waren. Gemeinsam ergaben diese Orte einen perfekten Kreis. Einen Weißen Kreis, um genau zu sein.
      Gerade als er sich umdrehen wollte, erklang plötzlich eine Stimme, die ihn herumfahren ließ.
      "Mr Hawthorne. Ms Sallow.", bemerkte die Stimme und ein Mann schälte sich aus den Schatten hinter ihnen. Er war schlank und drahtig jedoch ein gutes Stück kleiner als Hawthorne. Das grau melierte Haar und die wachen Augen glitzerten fröhlich, während Hawthorne bleich wurde.
      Nein. DAs konnte nicht sein!
      "W-Wie...", flüsterte er und ließ die Waffe sinken.
      Es war nicht das Erstaunliche, dass dort ein Mann war, lieber Leser. Nein, das war es mitnichten. Es war die Tatsache, dass Hawthorne dieses Gesicht kannte. Und zuletzt hatte er es in einer Akte gesehen. Und im Leichenschauhaus, wo die Reste aufbewahrt waren.
      "Eine Freude", sagte der Mann lächelnd. "Wenn Sie hier sind, bedeutet dies, August ist etwas zugestoßen. Mein Name ist Emmett White. Und man nennt mich den Narren. Und ich befürchte, Sie stecken in größeren Problemen als Sie ahnen."

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    • Chelsea - Die Docks, 12:01

      Die Fassade des Lagerhauses war wirklich wie aus einem schlechten Horrorfilm kopiert worden. Die Seitengasse war verrufen als Schandfleck Chelseas, was den Ort nicht weniger passend hätte ausfallen lassen können. Trotzdem musste Ember Hawthorne zugestehen, dass ein toter August Foremar vermutlich vieles vereinfach hätte. Allerdings wäre die Detective nicht die, die sie war, wenn sie den einfachen Weg gewählt und nicht versucht hätte, den bestmöglichsten Ausgang zu erreichen.
      "Gut, das sieht wirklich nicht gut aus", meinte Ember nüchtern während sie dem Commissioner wie ein Schatten Folge leistete, "aber Sie kennen mich. Wenn ich die Chance wittere, dass es einen besseren Ausgang gibt, dann versuche ich den zu erreichen. Im Nachhinein könnten Sie vielleicht Recht behalten. Hilft uns nun nur nicht weiter, also los."
      Ember rümpfte die Nase, nicht sicher darüber, ob sie lieber Hawthornes Qualm oder die miefige Luft riechen wollte. Beides war eine schlechte Wahl und wurde sogar noch schlimmer als sie sich durch den Spalt zwangen und in der geräumigen Innenhalle standen. Einsam und verlassen stand eine Feuertonne inmitten des Raumes, daneben ein Tisch, den sie erst ausmachen konnten als Hawthorne vorgegangen war. Was sie so recht erwarten sollte, wusste Ember nicht. Sie bewegte sich versetzt zu dem bulligeren Mann vor ihr und sicherte ständig seinen toten Winkel, Routine der jahrelangen Arbeit. Als sie nah genug am Tisch stand und einen Blick darauf werfen konnte, erkannte sie sofort die Karte Londons, die mit Steckpunkten markiert worden war. Der aus den Schnüren entstandene weiße Kreis kam ihr sofort bekannt vor, jedoch ergab sich ihr nicht der komplette Kontext.
      "Ich hab schon mal sowas ähn-", flüsterte Ember, fuhr jedoch genauso erschrocken wie Hawthorne herum, als eine fremde, männliche Stimme in der Halle ertönte.
      Natürlich kannte Ember diese Stimme nicht. Dafür aber das Gesicht, die Gestalt, die sich aus dem Schatten schälte und es nicht einmal nötig gehabt hätte sich ihnen vorzustellen. Sie beide hatten diesen Mann vor knapp zwei Wochen gesehen, und zu dem Zeitpunkt war er noch ziemlich tot und halbiert gewesen.
      Als Reaktion darauf starrte Ember Emmett fassungslos an. Lebhaft kam ihr in den Sinn wie entgeistert August reagiert hatte, als sie zu dem Tatort kamen und den halbierten Arkana aufgefunden hatten. Nie im Leben würde sie behaupten, dass die Reaktion des Arkana damals gespielt war. Zu solch einer Meisterleistung konnte er nicht fähig sein. Andernfalls wäre er ein waschechter Psychopath.
      Ihr Blick huschte zurück zu dem weißen Kreis, dann wieder zu dem Arkana zurück, der sie noch immer unverholen anlächelte. Zwar erinnerte sie sich gut an die Worte, die August über die Nummer Null verloren hatte. Aber angesichts der Umstände war eine Portion Misstrauen vermutlich nicht fehl am Platze.
      "Erklären Sie mir gefälligst, was wir vor zwei Wochen in Croydon gesehen haben", forderte Ember mit deutlich weniger Schock in der Stimme als Hawthorne sie zu Tage legte. In den letzten zwei Tagen hatte sie wesentlich schlimmeres erlebt als einen wiederauferstandenen Toten.
      "Foremar wurde von Cunningham abgeführt, zugestoßen ist also ein dehnbarer Begriff. Dann klären Sie uns doch mal auf, welche Probleme noch größer sein sollen als die, die wir jetzt schon haben."


      PD - 13:10

      Peacock hatte das Weite gesucht, kaum war das Telefonat zwischen Noland und Cunningham geendet. Folglich wartete Noland geruhsam an seinem angestammten Platz bei seiner Tasse Tee auf den nächsten Störenfried. Cunninghams Worte ließen ihn mehr als kalt. Er ergriff keine Parteien, besaß keine Moral und log nicht ein einziges Mal. Er war der Hüter der dreckigsten Geheimnisse der Menschen, die mit ihm in Kontakt gekommen waren, und die gute Julia stellte hier keine Ausnahme dar. Er wusste, warum sie so sehr hinter Foremar hinterher war. Welche Wege sich einst zwischen den Beiden angebahnt hatten und nie zustande gekommen waren. Dies war seine mächtigste Waffe gegenüber der Leiterin und der einzige Grund, warum sie sich überhaupt um seine Worte kümmerte.
      Als schlussendlich die Tür unliebsam aufgestoßen und August regelrecht hineingeworfen wurde, begegnete Noland dem Beamten mit einem lächelnden Nicken.
      "Du weißt, dass große Persönlichkeiten mehr Zeit gebrauchen. Also nehme ich mir so viel Freiheit, wie ich benötige. Ich mache die Tür auf sobald wir fertig sind. Bis dahin nicht lauschen, mein Guter."
      Erst als die Tür sicher geschlossen war ließ der ältere Herr sein Lächeln fallen und richtete seinen Blick auf August. Er nahm sich etwa fünf Sekunden, um für sich festzustellen, inwie weit die Mimik des Arkana aufgesetzt war, und brach dann den Blickkontakt ab. Seine faltige Hand wanderte zur Dose mit den Kaubonbons, um sich eines zu nehmen und es laut raschelnd aus der Verpackung zu holen.
      "Sie können das Lächeln gerne sein lassen. Ich mag aufgesetzte Mienen nicht sonderlich", sagte er seelenruhig und steckte sich die Süßigkeit in den Mund. Die wachen grauen Augen fixierten August während er sich in seinem Stuhl zurücklehnte und die Hände im Schoß faltete. "Und seien Sie so gut und nehmen diese grässlichen Fesseln ab. Ich weiß, dass sie in Ihrem Falle nur Zierde sind."
      Es war offensichtlich, dass Noland ein gewisses Interesse, zeitgleich aber auch Respekt gegenüber des Arkana empfand. Wäre es nicht für Embers gute Worte gewesen, hätte der Rogue ihn nie auch nur in die Nähe seines Büros gelassen. Dies waren seine heiligen Hallen.
      "Schon erstaunlich. Sie sind kein Jahr gealtert und meine erste Erinnerung an Sie ist über dreißig Jahre alt. Aktuelle Eindrücke hatte ich von Ihnen leider nicht. Ember sträubt sich seit je her mir ihre Erinnerungen zu zeigen. So eine Schande."
      Noland langte abermals nach der Dose und schob sie ein wenig in Augusts Richtung. Dann zog er sich wieder auf die gerade so respektvoll wirkende Distanz zurück.
      "Viele im Revier teilen die Ansicht, dass die gute Julia einen persönlichen Kreuzzug gegen Sie führt und diese Verhaftung auf Gerüchten fusst. Es passt ihr nicht, dass Ember Sie aus dem Evenstar geholt hat. Allerdings ist auch gerade diese junge Frau Schuld daran, dass Sie noch nicht wieder dort sind. Sie hat mich darum gebeten, ein wenig Zeit zu schinden und Sie möglichst lange vor dem Gefängnis zu bewahren. Können Sie mir verraten, warum sie das tun sollte? Sie besitzt üblicherweise einen starken Sinn für Gerechtigkeit und dürfte sich normalerweise mehr als alles andere darüber freuen, Sie wieder hinter Gittern zu sehen."
      Langsam griff Noland nach seiner Teetasse, nahm einen Schluck und stellte sie wieder zurück.
      "Ich muss gestehen, ich wüsste Sie lieber auch recht weit weg von mir. Die Abscheu in Ihrem Blick bestätigt mir meine Grund, warum ich euch Arkana lieber meiden würde. Also, warum unterstellt Ihnen Cunningham den Mord an 200 Menschen? Doch nicht etwa wegen dem Eklat im Untergrund? Die Erinnerungen einer gewissen Ms. Trevilian waren sehr eindeutig in dieser Hinsicht..."

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    • Die Docks

      Hawthorne postierte sich taktisch klug zwischen Tisch, Sallow und einer Säule, um im Falle des Falles schnell Deckung zu haben. Gleichsam wandt er den Körper ein wenig seitlich, sodass er weniger Angriffsfläche bot, obwohl das bei seiner Größe eigentlich überheblich war. Doch Emmett White machte nicht den Anschein, auch nur ein Härchen seiner Gegenüber krümmen zu wollen.
      Vielmehr trat er aus dem Schatten gänzlich heraus und rieb sich über die Oberarme, als ein kalter Wind durch das Haus zog. EIn Lager blieb eben ein Lager, nicht wahr?
      "Huuuh, kalt ist es geworden, nicht wahr?", fragte er und griff in die Hosentasche.
      "HÄNDE DA WO ICH SIE SEHEN KANN!", schrie Hawthorne und richtete seine Pistole auf den Mann. Mit einem Mal erschien die Zigarette nicht mehr so wichtig und er hieß Ember, Abstand zu halten.
      "Immer mit der Ruhe, Mr Hawthorne. Darf ich James sagen?"
      "Nein!"
      "Also, James", kolportierte White, der eine Streichholzschachtel hervorholte und eines der Zündhölzer entflammte. Mit einer fließenden Bewegung ließ er es in die Tonne fallen, sodass sich ein kleines Feuer erhob, das den Raum aufwärmte. "Ember", bemerkte er und lächelte beiden zu.
      "Zunächst einmal: Bitte nehmen Sie beide die Waffen herunter. Wenn ich vorgehabt hätte, Ihnen zu schaden, hätte ich es wohl bereits getan. Und zu Ihrer Frage, Ember: Sie haben mich gesehen. Tot an einer Hauswand, wie ich mich zu erinnern meine. Mit abgetrenntem Kopf."
      "Wie können Sie noch leben?", fragte HAwthorne und ließ tatsächlich die Waffe sinken.
      "Indem ich nie starb", sagte der Rogue achselzuckend. "Ich weiß nicht, was August über mich berichtet hat, aber meine Magie spezialisiert sich nicht auf ein Element oder dergleichen. Meine Fähigkeit ist es, Duplikate von mir zu erstellen. Und dies in recht großer Zahl, möchte ich meinen. In den letzten zwei Wochen sind mehrere meiner Selbst in London verstorben. Immer wieder ermordet durch dieses Wesen oder seine Handlanger."
      Anschließend wanderte er auf die beiden zu, sodass Hawthorne erneut ABstand nahm. White kam vor der Karte zum Stehen und strich sich durch sein grau meliertes Haar und das stoppelige Kinn.
      "Fürs Erste, Ember, täte Ihnen ein wenig Demut gut. DIe Tatsache, dass sie ohne wirkliches Nachdenken einen Handel mit einem Metawesen schließen, zeugt nicht von wirklichem Beisammensein, um Forderungen zu stellen", sagte White schließlich härter, aber noch immer freundlich. "Davon abgesehen: Schauen Sie bitte auf diese Karte. All die weißen Stecknadelköpfe zeigen einen Emmett, der verstarb. Insgesamt waren es etwa dreißig Morde in den letzten zwei Wochen, die Ihnen nicht aufgefallen sind."
      "WIe ist das möglich...", murmelte Hawthorne entsetzt während er bleich auf die Karte sah. "Cunningham,..."
      "Falsch!", sagte White und schüttelte den Kopf. "Cunningham ist es nicht, da sie nicht das Hirn dazu besitzt. MIt Verlaub, Ms Cunningham jagt bloß einem Phantom hinterher. Sie glaubt, dass Augusts Inhaftierung sie näher an die Arkana bringt, aber das ist ein Irrglaube. DIe Arkana warten nur auf Augusts Verschwinden. Nein, das viel größere Problem ist eine andere Sache."
      Er reichte ein Dokument, das er herausfischte, an Ember weiter.
      "Wie Sie dort sehen können", murmelte er und wies auf das Blatt. "Habe ich Ihnen die Suche nach dem Rufer des Sharokh abgenommen. Es stellt sich leider heraus, dass es keinen Rufer gibt. Zumindest keinen Rituellen. Das bedeutet, der Sharokh hat aus eigener Kraft einen Dimensionsriss verursacht und strebt derzeit danach, möglichst viele Opfer zusammenzutragen. Und Jemand versorgt das Vieh mit Informationen."


      PD

      August musste zugeben: Die Gesellschaft hätte schlechter sein können. Auch wenn er Selbstverkäufe dieser Art nicht mochte. Er blickte den alten Mann an und seufzte, ehe er seiner Bitte nachkam und das Lächeln ablegte und die Fesseln wie Spielzeug in seinen Händen zerbrach.
      "Was soll ich sagen...", murmelte August und sah Noland an, während er versuchte, würdevoll die schmerzenden Beine übereinander zu schlagen. "Ich kann mich leider nicht an Sie erinnern. Ich habe vermutlich einfach nur gute Gene. Wann sind wir uns begegnet?"
      Natürlich wusste August, dass er die Lüge durchschauen würde, aber derartige Informationen waren nicht für die Allgemeinheit bestimmt. Dankend langte er in die Dose und zog eines der Bonbons hinaus, die er sorgsam aufwickelte. Die Süßigkeit schmeckte pappsüss. Es war genau sein Geschmack.
      "Ich denke, diese Ansicht muss ich teilen, nicht wahr?", fragte er schmunzelnd. "Julia Cunningham hat sich über die ganze Zeit unserer Bekanntschaft nicht wirklich mit intelligentem Ruhm bekleckert. Zumeist erstreckt sich ihr Wissen auf Halbwissen und Anschuldigungen. Umso trauriger, dass Sie Ihre Gaben derartig an die Polizei verschwenden. Ich könnte Sie schützen, wissen Sie? Jemanden wie Sie könnte ich gut in meiner Nähe wissen. Natürlich als Berater, frei von Fesseln und ohne Angst, dass SIe belästigt würden."
      Er sagte es in einem Nebensatz, meinte es aber durchaus ernst. Noland war nützlich. Und nicht unangenehm.
      "Ich habe in der kurzen Zeit unserer Bekanntschaft die Erfahrung gemacht, dass es manchmal besser ist, Ms Sallow ihren Willen zu lassen. Auch wenn ihre Entscheidungen manchmal zweifelhaft sind, so hat sie durchaus Potential, diese Welt zu verändern. uielleicht glaubt Sie einfach an meine Unschuld."
      Gott, diese Lüge war derartig falsch, dass er beinahe zu würgen begann. Erst als Noland über den Vorwurf sprach, wurde er ernster und sah den Mann an.
      "Ich nehme an, weil Sie Beweise zu haben glaubt, die sie auf diesen Weg bringen. Und der Eklat im Untergrund erscheint mir wahrscheinlich. Und Trevilian...Was soll ich sagen. Ich denke, dass es Cunningham egal ist, was in jener NAcht geschehen ist. Sie hat gerne die Kontrolle über die Menschen die sie hasst. Und ich kann nur wiederholen, was ich bereits sagte. Es gab Opfer, ja. Aber bedingt durch den Kampf und die Verwüstung. Ich bin nicht mit der Absicht hinein gegangen, 200 Menschen zu töten."
      Abschließend lehnte er sich zurück und sah zu NOland.
      "Warum vermeiden Sie Arkana?"

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    • Die Docks

      Als Emmet in seine Taschen griff reagierten Commissioner und Detective wie eine Einheit. Beide Mündungen der Handfeuerwaffen richteten sich auf den Arkana. Sobald sich dieser in Bewegung setzte, wich auch Ember ein Stück von ihm zurück und hielt einen gewissen Abstand ein. Doch sie war schneller dran, ihre Waffe zu senken als Hawthorne, der ebenfalls mehr Probleme damit hatte, beim Vornamen genannt zu werden. Die Frau im Dreiergespann regte sich darüber weniger auf - es würde sie mehr Nerven kosten als sie gerade zur Verfügung hatte.
      Doppelgänger. Natürlich. Das wiederum erklärte auch, warum es plötzlich so still um den Angelus geworden war oder keine neuen Fälle aufgetaucht waren. Allerdings sorgte das dafür, dass sich ihre Augen wahnhaft an dem Kreis festsaugten, den die Doppelgängermorde beschrieben.
      "Ich korrigiere: Freiwillig hätte ich mit so einem Vieh niemals einen Handel geschlossen." Ihre Stimme schlug nicht den üblichen scharfen Ton an sondern blieb für ihre Verhältnisse ungewöhnlich neutral. "Aber bitte sehen Sie uns nach, dass wir logischerweise etwas irritiert reagieren, wenn uns ein scheinbar Toter plötzlich über den Weg läuft und wir nicht wussten, dass Sie Abbilder von sich erzeugen können."
      Je länger sie diesen Kreis betrachtet, umso größer Wuchs ihr Unmut. Die Zahnräder in ihrem Kopf ließen einen Schluss zu, den sie so am liebsten direkt wieder aus ihrem Sinn verbannt hätte. Wie automatisch nahm Ember Emmett das Schriftstück ab, nachdem sie ihre Waffe verstaut hatte und überflog das Blatt. Wenn es keinen Rufer gab, wohin waren die Kinder verschwunden? Es würde kein weiterer Angelus gerufen werden, aber ein Informationsleck war schwieriger zurückzuverfolgen als ein Rufer, der eindeutige Spuren hinterließ.
      "Haben Sie Ihre Abbilder an diese Orte bewusst geschickt oder war es... Zufall?", fragte Ember mit trockenem Mund als ihr wieder einfiel, wo sie den Kreis gesehen hatte und ein paar Fäden verknüpfte, die ihr die gesamte Zeit schon lose im Sinn hingen.
      "Wenn Sie sie nicht gezielt dort haben sterben lassen, dann sieht das verdächtig nach dem aus, mit dem Foremar forscht. Das Sieben-Wege-Tor? Ist dann unser Problem nicht ein Sharokh sondern im schlimmsten Falle ein Haufen von denen?"


      Police Department

      Ein apart wirkendes Lächeln umspielte Nolands äußerste Mundwinkel auf die Frage hin, wo er August bereits getroffen haben mochte.
      "Ich bin mir unschlüssig, wie Sie es anstellen, nicht zu altern. Ich habe die Vermutung, Ember besitzt empfindliches Wissen in dieser Hinsicht und hat dadurch einen weiteren Grund, nicht mit meiner Aura in Berührung zu kommen. Meine erste Erinnerung stammt von einem längst pansionierten Polizisten, der vor etwa dreißig Jahren bei einem Einsatz dabei war und Sie dort gesehen hatte. Dann eine weitere Erinnerung von vor etwas sieben Jahren nach dem Massaker. So viele traumatisierte Männer und Frauen..."
      Er schüttelte leicht den Kopf und seufzte bevor er einen weiteren Schluck vom Tee nahm. Es wunderte ihn natürlich nicht, wie leicht August die Fesseln hatte brechen können. Ein weiterer Grund, warum er ihm nicht näher als unbedingt nötig kommen wollte.
      "Julia ist ein sehr schwieriger Rogue, wenn ich so sagen darf. Lebt ständig am Rande einer Klippe und tanzt den Totentanz. Ich weiß nicht, warum sie Ihnen so angetan war, dafür kenne ich zu wenige Ihrer Taten und Erinnerungen sind lediglich Momentaufnahmen. Aber Sie nun festsetzen zu wollen wenn praktisch ein Krieg vor der Tür steht, ist einfach nur fahrlässig. Noch eines?"
      Abermals schob er dem anderen Rogue die Dose herüber. Dieses Mal jedoch nicht ganz so weit. Auf das Angebot hin schien sich nicht ein Muskel in seinem Gesicht zu regen. Er reagierte noch nicht sofort darauf, denn August kam ganz von allein auf Ember zu sprechen und legte eine Lüge in den Raum, so unverblümt, dass es gar keine Lüge mehr sein dürfte.
      "Sie sind schlecht darin, Lügen zu erzählen, die Ihnen wahrlich zuwider sind", bemerkte er mit einer Spur Überraschung in der Stimme. Diese Eigenschaft hätte er dem Arkana nicht zugeschrieben. "Sie wissen nicht, was Ember in Ihnen sieht und wollen es auch eigentlich nicht. Was auch immer sie mit Ihnen angestellt hat sorgt dafür, dass Sie sich Gedanken machen, was Sie für sie sind. Sie hat schon ein bezauberndes Wesen manchmal, nicht wahr?..."
      Für ein paar Sekunden legte sich ein warmherziges Lächeln auf seine Lippen während er daran dachte, wie Ember seine Tochter hätte sein können. Dass er sie gerne als solche gehabt hätte und es doch besser war, sich niemals einer Familie zu bemächtigen. Es hätte ihn verwundbar gemacht und seine Lieben nur in Gefahr gebracht.
      "Ich nehme an, dass Ember Ihnen ein wenig erzählt hat, was ich eigentlich kann. Dann sollten Sie auch wissen, dass ich absolut untauglich für jedweden Kampf bin. Ich bin nicht dafür gemacht, mich draußen in der Welt zu behaupten. Die Menschen fürchten meine Magie und was sie fürchten, jagen sie. Ich habe mich für die Menschen entschieden und somit die Abscheu aller Zauberer auf mich gezogen. Sobald ich einen Fuß vor diese Tür setze werde ich womöglich zu einer laufenden Zielscheibe, und ich bin zu alt als dass ich den Rest meines Lebens mit Angst verbringen möchte."
      Noland räusperte sich als er sich gerade aufrichtete und seinen linken Arm lang auf dem Sekretär in Augusts Richtung ausstreckte. Seine geöffnete Handfläche zeigte nach oben, so als wartete er darauf, dass sich etwas darein legte.
      "Seit meinen Kindheitstagen besitze ich keinerlei Moral. Für mich ist alles grau und ich fürchte, dass auch ich nicht frei von jeglicher Manipulierbarkeit sein werde. Ich weiß um die Ränkeschmieden bei den Arkana, großartige Zauberer allesamt. Meine Fähigkeit kann in den richtigen Händen aber zu einer gefährlichen Waffe werden, selbst wenn sie keine Leben beenden kann. Damals war ich ein Kind, ich konnte nicht die Seite der Zauberer wählen. Wenn ich es getan hätte, wäre ich entweder exekutiert worden oder auf Lebzeiten weggesperrt worden. Wie Sie sehen besitze ich nicht die Fähigkeit, meine Fesseln mit Leichtigkeit zu sprengen."
      Er zuckte symbolisch mit seiner Hand.
      "Vermutlich wären Sie in der Lage, mich zu schützen. Aber was wäre der Preis dafür? Es wäre eine Vertrauensbasis, die einen sehr hohen Stand beweisen müsste. Ein Anfang wäre beispielsweise, wenn Sie mir Ihre Hand einmal reichen würden. Ich nehme an, Ember hat Ihnen nie erzählen können, wie genau meine Magie funktioniert?"
      "

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Docks

      Emmett White schüttelte den Kopf, als Ember ihre Fragen stellte.
      "Ich habe meine anderen Körper an die Orte gesendet, an denen August einen Ausbruch von magischer Energie vermutete", bemerkte er nachdenklich. "Ich sollte beobachten, wen der Angelus denn nun morden würde, aber dieses Wesen besitzt Fähigkeiten jenseits allen Vorstellbaren. Ich wurde entdeckt und getötet. Zu meinem Leidwesen."
      Anschließend seufzte er und lehnte sich gegen den Tisch während er die Arme vor der Brust verschränkte. Sein Haar wirkte noch unordentlicher als vorher und sein Blick merkwürdig ernst.
      "Ja, es sieht nach dem Tor aus", bestätigte Emmett und tauschte einen unheilsschwangeren Blick mit James.
      Dieser seufzte und schlug sich vor den Kopf und dann wischte er sich durchs Gesicht.
      "Dass ich dieses verfluchte Tor nicht einmal los werde", grunzte er. "Wie lange forscht er schon daran? 30 Jahre?"
      "Länger, fürchte ich. Davon abgesehen ist es so, wie Ember sagt. Das Problem, das wir haben werden ist eine ganze Heerschar von Angeli, die durch das Dimensionstor brechen könnten, wenn genügend Opfer dort sind. Zwei Bäume wurden entkernt und entfernt von August, aber er ist auch beinahe der einzige, der diese Energiemenge stemmen kann. Der Sharokh hingegen braucht nicht mehr viel. Vielleicht ein, zwei Opfer noch. Und das Tor ist perfekt."
      Als er geendet hatte, stieß er sich ab und sah Ember an.
      "Und hier sind wir an dem Punkt Ihres Deals, Ember. August und ich haben lange diskutiert, wie wir das Problem beheben können. Aber es gibt letztlich nur eine Lösung: Töten Sie August, auch wenn es schwer fällt. Es darf niemand anderes außer ihm sterben, da der Sharokh ihn nicht als Opfer ansieht..."
      James senkte den Kopf und seufzte tiefer während er auf die Karte starrte. Das war der denkbar schlechteste Ausgang.



      PD

      Es ist schade, wenn das Bild, das man von einem Menschen hat, sich binnen Sekunden wandelte.
      Zunächst wirkte Noland durchaus angenehm und fähig. Doch für die Zeit danach konnte er dies nicht mehr behaupten. Er nahm die Erinnerungen des alten Mannes zur Kenntnis und zuckte nur mit den Achseln, ehe er wieder schmal lächelte.
      "WIe gesagt, gute Gene", bemerkte er. "Und Julia neigte schon immer zu fahrlässigen Entscheidungen, wenn ich ehrlich bin. Sie machte sich damals schon keinen Namen für die Überlegte oder Besonnnene. Sie war vielmehr der Sommersturm, der über das Land wegfegte und über den man sich mehr wunderte. Von daher ist auch dies hier eine große Farce."
      Wie zur Verdeutlichung breitete er die Arme aus und lehnte einen weiteren Snack ab. Es fühlte sich trotz der Wohltat des Bonbons nicht recht an, dieses erneut anzunehmen.
      "Ich bin schlecht darin, zu lügen, ja", sagte August und lächelte weiter. "Wir alle sind nur Menschen. Wir haben Fehler und Sehnsüchte, wie jeder andere. Na, bezaubernd würde ich das nicht immer nennen. Reizend, ja sie kann einen reizen...Aber ich wüsste kein gutes Adjektiv, um sie zu erfassen. Davon abgesehen ist es ungerecht, zu viel zu deduzieren."
      Seine Stimme verdunkelte sich nicht, aber er machte durchaus klar, dass sein Innenleben für den Zauberer tabu war. Ob gewollt oder ungewollt, er würde es nicht zulassen, dass man seine Gedanken erfuhr.
      "Sie berichtete das ein oder andere", gab August zu und sah Noland an.
      Den Sermon des alten Mannes hörend ging er im Kopf die Alternativen durch. Sicherlich waren seine Kräfte nützlich für sein Unterfangen, aber würde er dies wirklich tun, so würde er nicht besser sein als die Polizei, die ihn gerade deswegen am Leben ließ und "unter Schutz" stellte.
      Als er geendet hatte fuhr sich August mit der Hand durch die Haare und seufzte.
      "Sie hat es berichtet und Sie werden meine Hand nicht erhalten, Noland", schloss August. "Denn Vertrauen besteht auf beider Seiten und mein Vertrauen zu Ihnen ist gering. Es ist Ihre freie Wahl, diesem Käfig zu entfliehen oder nicht. Es braucht nur ein Wort und ich hole Sie hier heraus und stelle SIe unter meinen Schutz. Aber ich sehe, dass die Angst oder der Wunsch nach Frieden größer ist. Also sei es Ihnen gegönnt."
      Er lehnte sich zurückl und seufzte. Ehe ein beinahe diabolisches Lächeln auf seine Lippen stieg.
      "Aber eine Frage hätte ich: Wie würde es Ihre Entscheidung beeinflussen, wenn es keine Arkana mehr gäbe?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die Docks

      Nach außen hin sah es so aus, als würde Ember jegliches Wort aufnehmen, prozessieren und schließlich zu der jeweiligen Akte legen. Ihr Blick war auf die Karte gerichtet, mit den Händen stützte sie sich auf der kalten Oberfläche ab. Sie verfiel die komplette Zeit über in Schweigen während sie Optionen sowie Ausgänge abwägte und das schwere Gefühl in ihrem Magen immer mehr an Gewicht gewann.
      "Wenn August stirbt bleiben die Bäume bestehen. Die Opfer bestehen. Es wird sich rein gar nichts für den Angelus ändern außer dass es niemanden mehr gibt, der seine Bäume entwurzeln kann. Erfülle ich diesen Teil des Handels gibt es nichts mehr, was wir dem Sharokh entgegen setzen können. Rein gar nichts."
      Sie wollte die Worte nicht aussprechen, die als nächstes nun folgen würden. Hätte Ember nicht um den gravierenden Stand gewusst und dass ein anderer Arkana ihr bestätigte, dass fast nur August in der Lage war diese Punkte aufzulösen, ließ ihr eigentlich keine andere Wahl.
      "Es gibt noch etwas, dass wir tun könnten. Mein Bruder ist auch Bestandteil des Handels. Stirbt er verfrüht, ist der Handel nichtig. Höchstwahrscheinlich werde ich dann zum Ziel, aber sei es drum. Wenn wir nichts haben, das wir einem Sharokh entgegenstellen können, ist es eh sinnlos."
      Kraftvoll stieß sich Ember vom Tisch ab und vermied fein säuberlich jeglichen Blickkontakt zu Hawthorne. Sie würde jetzt nicht in die Augen des Commissioners blicken, der ihr anklagend begegnen würde und ihr aufzeigte, wie dämlich das eigentlich war. Stattdessen suchte sie Emmetts Blick.
      "Sagen Sie mir, ob ich mich irgendwo täusche. Ob mein Ausgang sinnlos ist. Wenn ja, dann können wir immer noch den ersten Plan berücksichtigen. Wenn allerdings nicht... Dann wäre mein Weg vermutlich der bessere. Für den Großteil der Fronten."
      Just in diesem Moment raste eine dritte Option durch ihren Geist. In erschreckender Geschwindigkeit entfalteten sich die Ausgänge dieser Option in ihrem Kopf und ließen nur einen wirklich logischen Rückschluss zu. Sachte begann Ember den Kopf zu schütteln.
      "Vergessen Sie meinen Vorschlag. Ich weiß zwar nicht, ob Sharokhs rachsüchtig sind aber ich habe da so eine Vermutung. Aber wissen Sie, was mich wirklich stört?"
      Der Frust begann sich langsam durch ihre Worte hochzukochen. Alle Wege, die sich ihr eröffneten, führten nur zu einem einzigen Ausgang. Einem, den sie nicht wählen wollte aber wahrscheinlich musste. Diese Probleme hatte sie selbst zu verschulden und nun würde sie mit den Konsequenzen leben müssen.
      "Was zur Hölle hat August wirklich verbrochen, um den Zorn von Metawesen auf sich zu ziehen? Und warum erst jetzt? Er forscht schon so lange an diesem dämlichen Tor und erst jetzt kommt so ein Sharokh auf den Trichter, eigenmächtig einen Riss zu erzeugen? Scheinbar hat er Ihnen mehr erzählt als mir in unserer gesamten Zeit. Wenn ich diejenige sein soll, die ihn umbringt, dann brauche ich endlich mal Antworten ohne Verschleierungen."


      PD

      Abermals verfiel Noland in ein Schweigen während er lauschte und beobachtete. Das tat, was er über die Jahre perfektioniert und sich eigentlich daran satt gesehen hatte. Würde er einfach nur für seine eigene Motivation handeln, würde er Ember beim nächsten Treffen einfach übermannen und sich das Wissen holen, das er wollte. Er würde aus Julia alles herauspressen, was ihm weiterhalf. Einfach nur, um seine eigenen Sehnsüchte zu befriedigen. Dann wäre der alte Mann wieder dort, wo er einst angefangen hatte und keinen Schritt weitergekommen. Also begnügte er sich mit dem, was ihn durch die Jahre gebracht hatte.
      Wobei er einen kleinen Moment tatsächlich stutzte. Als August über Ember sprach, bekam er einen leicht geänderten Tonfall mit. Wie sich ganz leicht änderte, wenn er nach Worten suchte oder wie er manche Silben aussprach. So verschroben dieser Mann, der vor ihm saß, auch sein mochte, eine gewisse Hingabe zu Ember konnte er nicht leugnen.
      "Bei Gelegenheit muss ich Ember wirklich mal fragen, was sie mit Ihnen angestellt hat. Reizend war sie bei Ihnen scheinbar nicht nur in einer Hinsicht, wenn ich das so sagen darf", bemerkte Noland weiterhin mit glitzernden Augen.
      "Ich weiß, dass diese Zimmer hier nur so lange abschrecken wie die Welt ihre Ordnung hat. Bricht draußen ein Chaos aus und gerät die Ordnung aus den Fugen war das hier die längste Zeit meine sichere Zuflucht. Ich bin seit fast vierzig Jahren hier in diesen Wänden. Mag sein, dass ich ein wenig festgefahren zu sein scheine. Aber ich besitze nicht die Lebzeiten mehrerer."
      Unbewusst traf Noland damit genau ins Schwarze. Er sprach nur ein Sinnbild an, dass er vermutete, dass der Arkana vor ihm älter als er selbst war und nur der Schein trügte. Weshalb dem so war, wusste er jedoch wahrlich nicht.
      Trotz des Hinweises ließ Noland seine Hand genau da, wo sie war. Mit seiner freien Hand griff er nach der Teetasse und leerte sie in einem Zug.
      "Eigentlich benötige ich keinen direkten Körperkontakt. Es reicht, wenn Sie in meiner Reichweite sind damit ich aktiv werden kann. So als Randnotiz. Aber würden Sie sich nicht einen weiteren Klotz ans Bein binden, wenn ich mich dazu entscheiden sollte, meine Räumlichkeiten zu verlassen? Verraten Sie mir doch einmal, warum ich Ihnen nützlich sein könnte. Was soll ich für Sie tun? Zeugen vergessen lassen, wenn sie Sie bei fragwürdigen Taten gesehen haben? Sie zum Freund von ehemaligen Feinden machen? Alles Umstände, die mir keinerlei Probleme bereiten."
      Es war allerdings Augusts letzte Frage, die dafür sorgte, dass das erste Mal ein Schatten Nolands Augen trübte. Es entstand eine Pause, so als müsse er über seine Antwort nachdenken. Doch es hatte einen anderen Grund.
      "Wenn es keine Arkana mehr gäbe wäre es nur eine Frage der Zeit bis sie eine ähnliche Gruppierung erheben würde. Sie und Ihr Kreis genießen unter uns ein Ansehen, das die wenigstens offenkundig äußern, die meisten aber definitiv fühlen. Es könnte sein, dass die Welt noch mehr in Ungleichgewicht gerät, sollte Ihre Gruppierung entfallen. Merzen Sie meinetwegen die kompletten Arkana aus. Es würde nicht das grundlegene Problem lösen, dass ich mich so oder so nicht frei draußen bewegen kann. Das Problem bleibt das gleiche. Die Menschen fürchten meine Magie, die anderen Zauberer verachten mich und würden mich am liebsten tot sehen. Dass es dann keine Arkana mehr gibt, die mich ungescholten töten können, macht es nicht weniger leicht."
      Nun zog er doch seine Hand in seinen Schoß zurück und räusperte sich abermals. Was als diabolisches Lächeln in Augusts Gesicht lungerte schlug sich als dunkles Leuchten in Nolands Augen wider.
      "Wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass es mich schon interessieren würde. Wie die Welt agieren wird, wenn es keine Arkana mehr gibt. Wird die Menschheit dann völlig überheblich oder wird die neue Gruppierung der Rogues wesentlich radikaler ausfallen? Das wäre etwas, das ich schon gerne noch sehen würde bevor ich gehe."

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    • Die Docks

      Für eine ewig lange Sekunde sahen Hawthorne und White in ihre Richtung.
      Und er Ausdruck beider Gesichter hätte nicht unterschiedlicher sein können. Hawthorne sah sie anklagend, aber gleichsam resigniert an, während sein Kopf zu arbeiten begann. White hingegen vermittelte grandios seinen Abscheu, dem Wesen zu geben was es wollte. Und innerlich schalt er sich bereits, nicht zu hart mit ihnen zu sein.
      "Es ist eine kurzschlussartige Lösung, Ember", murmelte er und sah sie an. "Wir haben es mit einem hochintelligenten, werthaften Wesen zu tun. Wenn Sie ihm den avisierten Preis nehmen, wird er sich einen anderen nehmen. Es ist nicht so, dass dadurch ein Handel einfach bricht. Sie riskieren dadurch die gesamte Stadt."
      Hawthorne verschränkte die Arme und seufzte.
      "Der beste Weg, wäre, diesem Vieh ausnahmsweise zu geben was es möchte", knurrte Hawthorne und hasste sich dafür. "Auch wenn wir dann Niemanden mehr hätten, aber zumindest wäre es ein Leben für das von Hunderten."
      "Sie stellen beide die falschen Fragen", sagte White und wanderte durch den Raum zur Tonne. "Sie missverstehen mich, Ember. Er hat mir nicht wesentlich mehr erzählt. Aber ich weiß, dass die richten Fragen zumeist zu den gewünschten Ergebnissen führen. August hat mir Aufgetragen, Fragen zu beantworten und mir mit dem Teufel in sich gedroht, wenn ich mehr sage. Also ich bitte Sie...Stellen Sie die richtigen Fragen!"
      "Einfacher gesagt, als getan, White...", knurrte HAwthorne.
      "Denken Sie nach. Sie beide. Es kommt nicht darauf an, was August getan oder nicht getan hat. Überlegen Sie! Wir haben auf der anderen Seite ein beinahe gottgleiches Wesen. Ein Wesen mit schier unvorstellbarer Kraft und beinahe unbesiegbarer Macht. Und es bietet Ihnen, Ember, einen Handel. Sie sollen einen Arkana töten. Wohingegen es mich einfach töten kann als wäre ich Fliegenschiss....Bitte denken Sie nach...Und stellen Sie mir eine gute Frage,..."


      PD

      August Foremar war ein Meister des Pokerfaces.
      Er verzog nicht mal eine Miene als Noland ins Schwarze traf, sondern faltete die Hände in seinem Schoß.
      "Es ist gut zu wissen, dass Sie keinen Kontakt benötigen. Und Noland, ich drohe Meinesgleichen nur sehr ungern. Aber verschaffen Sie sich Zugang zu meinen GEdanken, Erinnerungen oder dergleichen, werde ich Sie töten. Hier und jetzt. Und ich werde keine Gnade kennen."
      Es war ein simpler, emotionsloser Satz. Aber genau das Emotionslose machte diesen so gewaltsam. Als würde man mit einer blanken Klinge am Halse drohen, obgleich man sich nicht bewegt.
      "Davon abgesehen, wären Sie für mich weder Klotz noch Nutzeigentum. Ich habe nicht vor, dasselbe zu tun, wie die Polizei. SIe sind ein Mensch und sollten frei sein, Noland. Es macht keinen Unterschied ob sie hier im Knast sitzen oder bei mir. Daher kann ich Ihnen SChutz und Freiheit bieten. Ich benötige keine Hilfe um Zeugen vergessen zu lassen. Schließlich hat Trevilian gesehen was sie gesehen hat, nicht wahr?"
      Auf seine letzten Sätze hin sah er selbst das dunkle Leuchten in Nolands Augen. Es war so einfach, Menschen zu fangen und sie an sich zu binden. Selbst wenn sie es noch nicht einmal wussten.
      "Sicherlich würde sich eine Gruppe erheben", nickte er. "VIelleicht radikaler, vielleicht aber auch nicht. Aber was wärte wenn man diese Gruppe direkt anleiten würde? Als eine Art...Anführer vielleicht. König, wenn Sie es radikal wollten. Die Rogues wären endlich vereint und es gäbe keine Trauer und keine Angst mehr. Kein Blut. Zumindest nicht das von uns, nicht wahr?"

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    • Die Docks

      Nicht eine Sekunde lang hatte Ember den Blickwinkel verändert. Sie war konstant um den Kern herumgetanzt, hatte in alle anderen Richtungen geblickt anstelle sich auch nur ein einziges Mal umzudrehen und hinter sich zu schauen. Drei mal war jetzt der Hinweis auf die Frage gekommen, die sie vermutlich stellen sollte. Einmal von dem Sharokh selbst, einmal von August und nun von Emmett.
      "Stimmt. Der Sharokh hat gezeigt, wie leicht er Sie einfach auseinander nehmen kann. Er hat gesagt, dass er mich schon ewig beobachtet. Also ist die Frage eher, warum soll ich es tun? Was stellt mich auf die Stufe, einen Handel mit einem Gott abschließen zu dürfen? Wieso ich?"
      Demut war das Wort gewesen, dass der andere Arkana ihr gerade so salopp zugeworfen hatte. Vor August hatte sie sich aufgeregt, dass es irgendeine hahnebüchene Vorhersagung gab, in der sie nicht mitspielen wollte. Allein der Punkt, dass ein Metawesen Kontakt mit einem popeligen Menschen von sich aus aufnahm. All dies waren so große rote Flaggen gewesen, die sie schlichtweg nicht beachtet hatte und nach der kleinen Weißen dazwischen gesucht hatte.


      PD

      Verstand und Körper waren in der Lage, unterschiedlich zu fühlen. So war es auch jetzt, da Nolands Verstand mit Sicherheit wusste, dass ihm keine Gefahr drohte, sein Körper allerdings eine Gänsehaut erfuhr. Er würde den Teufel tun und von sich aus einen Arkana belagern. Denn das käme einem Selbstmordkommando gleich.
      "Würde ich es wagen, dann hätte ich genauso gut einfach aus dem Department spazieren können, meinen Sie nicht?", erwiderte Noland leichtfertig und wühlte nach einem weiteren Bonbon.
      "Ich ergreife keine Seite. Ich stelle mich lieber dazwischen und lasse mich von beiden Parteien zerreißen als mir später Vorwürfe zu machen was gewesen wäre, hätte ich die andere Seite gewählt. Sehen Sie mich als Berater für beide Fraktionen. Ich hätte Sie nicht als machtsüchtig eingeschätzt. Ich kenne Ihren Titel, aber sehen Sie sich selbst als solchen? Wollen Sie diese Rolle einnehmen? Was genau wollen Sie eigentlich erreichen? Ich glaube, so unvoreingenommen hat das noch niemand Sie gefragt."

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