[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Gorm / Lhoris

      "NEIN!", schrie Lhoris als er bemerkte, was der Bogenschütze vorhatte. Hatte er nicht gesehen, was der Rabe für eine Fähigkeit hatte?
      Er find sich mit einem ungebührlichen Schritt auf und blickte erschrocken zu dem Raben, der ebenfalls einen erstaunten Blick nach oben warf.
      Doch da war es bereits zu spät. Der Körper des Bogenschützen raste einer Kugel gleich gegen ihn und mit einem hässlichen Geräusch prallte Stahl auf Metall wie es schien. Ein glockenhelles Klingen glitt wie ein Messer durch die Nacht und zerstob in einem kurzen Funken, ehe er Dolch beinahe achtlos von ihm abprallte und vermutlich mitsamt dem Elfen zu Boden ging.
      "Kjahahahahaha", meckerte der Rabe und drehte sich zu Meliorn um. "Hast du wirklich gedacht, dass eine Klinge etwas ausrichtet, du dummer kleiner Soldat?!"
      Mit einem beträchtlichen Grunzen wollte er die Keule heben, als er ein zusätzliches Gewicht bemerkte. Lhoris, dieser kleine aufmüpfige Spinner, hatte sich doch tatsächlich an die Keule gehangen und blickte ihn wütend an. Mit einer wegwerfenden Bewegung, die einer Fliege gleichkam,. schleuderte der Rabe den Elfen in eine Hauswand, die krachend Risse bekam.
      Eine sonderbare Fähigkeit, dachte Lhoris und kam leider zu spät auf die Lösung. Eine Hülle. WIe eine Hülle.
      "ES IST WIE EIN SCHILD!"; rief er nur noch ehe er von der Wand auf ein Knie sank um sein Schwert einzusammeln.
      Sie mussten ihn gleich beschäftigen. Er konnte es nicht überall manifestieren!
      Wärhend Gorm die Keule erneut hob und wiehernd auf Meliorn niedersausen ließ!


      Andvari / Dorynn

      Für einen Moment lang wusste ANdvari auch nicht, ob der Prinz Viola oder den Vogel meinte. Für beide schien er in dieser Nacht warme Worte und Gefühle zu finden. Aber dies war nicht sein Dünken.
      Schweigsam betrachtete der weißhaarige Elf das Desaster von einem Raben, der durch die Maske hinauf blickte und so langsam die normale Länge seiner Gliedmaßen wieder herstellte. Knackend rasteten die Gelenke in den Knochenpfannen ein und wurden mit einem kurzen Zischen quittiert. Anschließend sah er zu dem Elfen und den übrigen und sah sich einer Übermacht gegenüber.
      "Nun?", fragte Andvari und trat näher, wärhend das Licht den Schnee schmolz. "Hast du noch Bedarf?"
      Einen Moment lang fuhr die Zunge des Raben über seine Lippen. Niemand konnte sie sehen und beurteilen, ob sie zweigeteilt oder nicht war, doch hörte man das Geräusch deutlich.
      Nach einer weiteren quälenden Sekunde richtete er die Hände nach vorne und drehte die Armbeugen nach oben.
      "Ich ergebe mich", grinste er unter der Maske süßlich. "Ganz der Eure, Prinz Andvari Sternrufer. Ganz der Eure..."
      Mit einem missbilligenden Ton manifestierten sich mehrere Lichtfäden um die Handgelenke des Raben und zogen diese unter leichtem Zischen zusammen.
      "AAaah, das schmerzt so...GUT!"; donnerte er und blickte wütend zu Andvari hinauf, der seine Waffen niedersinken ließ und auch noch Fäden um seine Füße spannte.
      "WIr brauchen Fesseln", muremelte der Elf. "Und Knebel. Ich will seine vermaledeite Stimme nicht hören."

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    • Meliorn
      Der vertraute Wind trug einen entsetzten Schrei mit sich.
      Lhoris Stimme klingelte förmlich in seinen Ohren und der herabstürzende Elf verspürte den ersten Zweifel an seinem waghalsigen Manöver. Der Bogenschütze war jung. Obwohl er durchaus begabt war und sich erstaunlich flink zu bewegen wusste, fehlte ihm die Erfahrenheit die Krieger wie Lhoris und Andvari besaßen. Der bittere Gedanke kam ihm, dass er aufgrund dieser Schwäche für die Schlacht ausgewählt worden war, die dem Lichtrufer den Tod bringen sollte. Meliorn fixierte sein Ziel und erkannte den Fehler zu spät.
      Der Rückschlag vibrierte durch Sehnen und Knochen, als die glänzende Klinge des Dolches einfach an der Schultern des Raben abprallte. Das bezeichnende Geräusch von Metall auf Metall erklang, während ein stechender Schmerz durch seine Arme schoss. Der Aufprall auf dem panzerartigen Untergrund riss ihm die notdürftige Waffe aus der Hand und bremste auch den eigenen Fall unangenehm heftig ab.
      Mit einem Ächzen und einiger Wucht dahinter stürzte Meliorn zu Boden, wobei er es gerade noch so schaffte sich über seine Schulter abzurollen. Meliorn rollte über den feuchten von Schneematsch bedeckten Boden und wusste, wie haarscharf er mit heilen Knochen davon gekommen war. Elfen hielten zuweilen einiger Krafteinwirkung stand, aber dabei hätte er sich die Arme oder den Hals brechen können.
      Meliorn warf das kastanienbraune Haar zurück, wobei die silberne Ringe an seinen Ohren leise klimperten.
      "Ein Schild...", murmelte er.
      Und dann begriff er. Der Elf blickte sich zu allen Seiten um und entdeckte nicht weit von sich entfernt seinen Bogen.
      Ein Schatten legte sich über ihn und als er aufblickte, entdeckte er die Keule über sich mit todbringender Absicht geschwungen. Meliorn rammte die Fersen in den schlammigen Boden und stieß sich ab. Ein scharfer Windzug fegte über den vom Kampf verwüsteten Platz und schien dem dem Bogenschützen einen leichten Auftrieb zu geben, während er geradezu auf seinen Bogen zu flog.
      Hinter im krachte die schwere Keule mit einem ohrenbetäubenden Lärm in den Boden.
      Meliorn griff blind seinen Köcher und war erleichtert noch intakte Pfeile zu finden. Ein schiefes Grinsen legte sich auf seine Lippen.
      Dann schoss der erste Pfeil auf Gorm zu.

      Viola & Lucien
      Mit deutlichem Ekel betrachtete Lucien die physischen Veränderungen des gefürchteten Raben.
      Auf ihn wirkte der schmächtige Elf eher verrückt als gefährlich. Den Fehler seinen Gegner zu unterschätzen würde er allerdings nicht machen. Das hier war unbekanntes Terrain und er vertraute auf die Erfahrung seines Gegenübers. Ein etwas zu amüsiertes Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Prinzen, als er sich das Halstuch, das Mund und Nase bedeckte vom Gesicht zog. Er hoffte, dass in all dem nächtlichen Chaos niemand von ihm Notiz nehmen würde.
      "Viola, meine Teure. Würdet ihr für einen Augenblick auf meine Freundin aufpassen?", fragte er mit ruhiger und sanfter Stimme.
      Die Heilerin wirkte in seinen Augen wie ein verschrecktes Tier, dass bei der falschen Bewegung um sich zuschnappen drohte, obwohl sie den Kopf gefasst erhoben hielt. Tatsächlich zuckten die Finger um das Heft von Dandelost kurzzeitig. Langsam fokussierte sich der Blick auf das Gesicht ihres zukünftigen Regenten. Ein paar Mal blinzelte sie unsicher, ehe sie die freie Hand ausstreckte, um Isobelle in Empfang zu nehmen.
      Der kleine Raubvogel ließ sich ohne Protest in ihren ausgestreckten Arm legen und schien sich an ihrer Brust augenblicklich wohl zu fühlen.
      "Huh?", stutzte Lucien und lächelte schließlich warm. "Sie scheint Euch zu mögen, Viola. Und glaubt mir, die Dame ist sehr wählerisch."
      Der zierliche, warme Körper an ihrer Brust schien die Heilerin zu beruhigen. Es dauerte nicht lange um zu bemerken, dass eine der Schwingen gebrochen war. Sie würde sich später darum kümmern.
      Der Kronprinz warf Andvari einen kurzen Blick zu, ehe er hinter den Gefangenen trat und nach der Maske griff. Mit der Gesichtsbedeckung ließ sich schwerlich ein Knebel aus dem Halstuch machen.
      "Mir war nicht bekannt, dass ihr derlei Praktiken frönt, Andvari.", flötete Lucien fiel zu amüsiert für den Ernst der Lage.
      "Wenn ich bitten dürfte...", sagte Lucien süßlich und zog die Maske des Raben von seinem Gesicht, nur um ihm sofort den Knebel in den Mund zu stopfen. "Schweigen ist Gold, mein Lieber."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Gorm / Lhoris


      Dieser windige, kleine Soldat...
      Mit einem Schnalzen der Zunge sah Gorm zu wie die Keule in den Schlammboden sank und diesen aufsprengte als habe man eine Zwergenbombe hinein geworfen. Schnee, Matsch und Gestein schoss projektilartig durch die Luft und riss ihm die hässlich geformte Maske vom Kopf, die an einer Wand zerschellte. EInfaches Holz einfachster Machart. Und doch wirksam.
      Die finsteren Augen des Elfen fuhren herum und offenbarten ein vernarbtes Gesicht von durchaus edlen Zügen.

      Wütend fuhr der Rabe herum und blickte Meliorns schneller Flucht nach und wollte beinahe Nachsetzen als er eine Bewegung im Rücken spürte. Ein leises Knirschen, aber hörbar. Wenn sich Schnee in Bewegung setzt. Beinahe gelassen wehrte er mit der panzerbewehrten Hand den Pfeil des Elfen ab und schüttelte den Kopf, während er gleichzeitig die Keule in seinem Rücken beinahe erhaben zu schwingen begann. Mit der Schwungbewegung wehrte er grazil die Attacke des anderen Elfen ab und fuhr zu diesem herum, um ihn mit schweren Keulenschlägen zu traktieren. Eisern regnend gingen dieser hernieder und trieben Lhoris ans Äußerste und sein Schwert vibrierte im NAchthimmel und sang sein Leid.
      "MELIORN!"; rief er als ZEichen für einen erneuten Angriff und vollzog seinerseits einen Ausfallschritt in Richtung des Raben. Mit einem gewaltigen Hieb schlug er dessen Keule zur Seite und zielte auf den Hals des Elfen, der diesen sogleich mit einem Panzer umgab und das Schwert klirrend abgleiten ließ.
      "Ha ha! Jetzt ist Mutter aber erbost...", zischte Gorm.


      Andvari/Dorynn

      Die Schlange wehrte sich nicht als man ihm die Maske vom Kopf riss. Solten sie es sehen! Das schöne Volk!
      Unter der Maske kam eine bläuliche Haut zum Vorschein. Am Kopf und unter dem kurzgeschorenen Scheitel zeigten sich Verknöcherungen wie sie nur bei einer Rasse vorkamen. Ein Mitglied jenes Volkes das ihn jetzt mit eisernen Augen ansah und grinste, als der Knebel in seinen Mund fuhr.

      Andvari nickte und spuckte aus.
      "Nachtelfen", murmelte er und seufzte. "Dachte eigentlich, ihr seid ausgestorben."
      Er übersetzte seine Worte ins Menschliche und trat hinter die Schlange, um diesen am SChlaffittchen hinauf zu ziehen.
      "Alsdann...Vielleicht sollten wir nach Meliorn und den anderen sehen während dieser Rabe hier schon nicht mehr fliegt", sagte Andvari und sah zu Viola. Mit einem stummen Nicken fragte er nach ihrem Befinden auch wenn er außer ein wenig Dreck nichts an ihr finden konnte.

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    • Viola & Lucien

      Der ungewöhnliche Anblick unter der schlichten Maske verschlug den Anwesenden für einen Augenblick die Sprache.
      Obwohl sich Lucien seiner grünlichen Studien über das feindliche Volk der Elfen rühmte, erblickte er das erste Mal in seinem jungen Leben einen Nachtelfen. Weder Heilerin noch Kronprinz hatten jemals von einem derartigen Völkchen gehört und sahen sich nun einer Rasse gegenüber, die sie nicht einordnen konnten. Die bläuliche Haut und die einzigartigen Verknöcherungen waren keine Alltäglichkeit.
      Der Blick der eisernen Augen jagte Viola einen eisigen Schauer über den Rücken, aber sie Widerstand dem Drang mehr Schwäche zu zeigen als notwendig. Prüfend lag der Blick des Elfenprinzen auf ihr und sie wischte sich grob mit dem Handrücken über die Wangen, nur um den feuchten Schlamm noch weiter über ihre blassen Wangen zu verteilen. Ein kurzes, bestätigenden Nicken war die einzige und vor allem stumme Antwort. Viola traute zu diesem Zeitpunkt der Festigkeit ihrer Stimme nicht. Die Lippen presste sie zu einer schmalen Linie zusammen und schloss sich dem Weg zurück in die Stadt an.
      Die Neugierde des Menschenprinzen schien indes geweckt, denn er schloss an die Seite des Lichtrufers auf und erhaschte einen weiteren Blick auf das Gesicht seines neuen Feindes.
      "Obwohl ich es nur äußerst ungern zugebe, Andvari.", murmelte er nachdenklich. "Ich habe noch nie von Nachtelfen gehört. Es gibt nicht eine einzige Schrift, die ihre Existenz auch nur andeutet. Zumindest nicht in unseren Bibliotheken. Wär ihr so freundlich mit zu erleuchten?"
      Einerseits reizte es ihn sein Wissen zu erweitern, andererseits diente die Frage auch als willkommene Ablenkung
      Je näher sie dem Stadttor kamen, umso mehr kroch eine Nervosität und die Besorgnis um den mürrischen Bogenschützen unaufhaltsam in den Vordergrund. Die Finger um sein Schwert zuckten, mit dem Wunsch jedem die Klinge durch den Leib zu stoßen, der es wagte auch nur eines der kostbaren, braunen Haare zu krümmen.

      Meliorn

      Über den angelegten Pfeil hinweg fixierte Meliorn den grobschlächtigen Elf, der seine Keule mit solcher Leichtigkeit schwang, als wäre sie aus Stroh gebunden worden. Ein Treffe damit würde jedem den Schädel zertrümmern und die Gliedmaßen zerschmettern.
      Den Mut seines Verbündeten konnte er nur bewundern. Er hätte im direkten Kampf keine Chance gehabt, der ungeheuren Kraft auch nur einen Schlag standzuhalten.
      Meliorn riss den Blick nach oben und entdeckte die seltsamen Veränderungen am Hals des Raben. Von Geisterhand bildete sich an jener Stelle ein undurchdringbarer Panzer, der jeden Angriff niederschmetterte. Der Bogenschütze leckte sich konzentriert über die Lippen und riss den Arm in einer routinierten Bewegung zurück, um seine gesamte Kraft in den Schuss zu legen. Leise geflüsterte Worte drangen über seine Lippen und eine eisige Windböe erhob sich in seinem Rücken, lediglich bemerkbar durch die aufgewirbelten, kastanienbraunen Haare. Der Pfeil schnellte von der Sehne und erhielt durch einen unerklärbaren Windstoß einen ordentlichen Schub.
      Meliorn hatte eine unscheinbare Stelle gewählt, mit Glück würde sich der Pfeil durch die Wade des Raben bohren. Nicht tödlich, nicht sonders gefährlich, aber sicherlich genug um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Den Bruchteil einer Sekunde. Mehr brauchte Lohris nicht.
      Der Elf zögerte nicht und jagte den nächsten Pfeil nur wenige Sekunden später hinterher, dieses Mal Richtung Waffenarm. Er hatte nicht einmal gewartet, ob sein erster Schuss getroffen hatte. Aber die Zeit hatte er nicht.
      “We all change, when you think about it.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Gorm / Lhoris

      Für eine Sekunde blickte der Rabe siegessicher, als er mit seiner Keule ausholte und das altbekannte Sirren des schweren Holzes durch die Luft glitt. Mit einem leisen Summen schoss die Keule heran und Lhoris duckte sich darunter weg, als sei es eine knappe Tanzeinlage, die sie aufführten. Und dennoch glitt der Funke des Zweifels in seine Augen, als er die Keule in die Hauswand einschlagen sah. Erneut brachen Schreie aus, während eine verängstigte Frau ihnen entgegen sah.
      Es musste schnell gehen!
      Der Rabe, noch immer erbost über diese Schandtat des Widerstandes, riss seine Keule aus den Trümmern und wollte gerade zum zweiten Hieb ansetzen, da er einen hässlichen Schmerz in der Wade verspürte und inne hielt. An sich herunter blickend wurde er der Abscheulichkeit gewahr, die dort ihr metallenes Köpfchen durch seinen gesplitterten Knochen setzte.
      Wütend und knurrend fuhr der Elf herum und fixierte Meliorn, nur um den zweiten Pfeil mit einer gekonnten Bewegung seines Panzers abzuwehren.
      "ALs ob es so einfach wä-"
      Mehr brauchte Lhoris nicht.
      Durch das Schwert des Elfes fraß sich die Aura wie ein Tier und weichte das Metal regelrecht auf, so erschien es. Rötlich glühend entflammten die Kohlenstoffpartikel des Stahls und hinterließen den Anblick von Lava. Von der Schneide aus strömte heißer Dampf in die Luft und fuhr mit einem gekönnten Zischlaut durch Haut und Haare des Raben.
      Mit einem sachten "Plopp" fiel der Kopf des Elfen in den Matsch und fixierte noch immer Meliorn wütend während der Körper zusammen sackte und Lhoris ausatmete.
      Es war getan.
      DAnkbar nickte er Meliorn zu.
      "Ich bin eingerostet", murmelte er und ächzte. "Geht es dir gut?"


      Andvari

      Während Andvari Dorynn an den Resten des Umhanges hinter sich her schliff, blickte er zu Lucien und wunderte sich doch stark. Auf der anderen Seite: Konnte er die Völker der MEnschen auseinander halten? Sie waren ihm gleichfalls ein Buch mit Sieben Siegeln, während sie dem Tumult in der STadt näher kamen.
      "Nachtelfen sind ein Teil meines Volkes. Sie spalteten sich vor tausenden von Jahren ab, nachdem sie angeblich verbotene Magie konsumierten. Man sagt, sie beten die Schattenhand, einen faulen Gott, an und erhalten von ihm ein langes Leben und magische Fähigkeiten. Mein Vater führte vor einiger Zeit einen gewaltigen Krieg gegen die Nachtvölker und gewann nach tausenden Schlachten. Man verbannte die Nachtelfen in die BErge des Nordens und sah sie nicht mehr...
      Bis heute..."
      Er blickte zu Dorynn der lächelnd zu Viola blickte und ihr einen Kussmund zuwarf.
      "Mach das noch einmal, du windiger..."
      Andvari hielt inne und blickte kurz ins Leere.
      "Eine Präsenz ist verschwunden. Wir sollten uns eilen!"

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    • Meliorn

      Anscheinend war das Glück auf ihrer Seite.
      Eine simple Ablenkung sorgte bereits dafür, dass sich das Machtgefüge des Kampes zu ihren Gunsten verschob. Mit schweren Atemzügen sah Meliorn zu, wie der hünenhafte Rabe herum wirbelte und ihn verärgert anfunkelte. Einen Augenblick fürchtete der Bogenschütze, dass ihr Vorhaben von keinen Erfolg gekrönt war. Da brachte eine überwältigende Hitze die eisige Nachtluft zum flirren. In seinem Leben hatte er noch nie das Vergnügen oder gar die Ehre besessen, einen Kämpfer und Feuerbegabten wie Lhoris bei der Ausübung seiner Fähigkeiten zu beobachten. In den Augen des Schützen spiegelte sich Bewunderung wieder, als Lhoris mit einem geschickten Schwertstreich die Schultern des Feindes von seinem Kopf befreite.
      Der Ausdruck des Zorns verblieb im Gesicht des Niedergestreckten mit den nun toten Augen. Die Anspannung fiel deutlich von Meliorn ab, als er sich einfach rücklinks auf seinen Hintern fallen ließ, den Bogen in seinem Schoß gebettet.
      "Eingerostet? Das war beeindruckend.", brachte Meliorn schwer atmend hervor und sah von seinem Mitstreiter noch einmal zu dem Toten im schlammigen Schnee. "Nichts, das der Rede wert wäre. Ein paar geprellte Rippen durch meinen leichtsinnigen Sprung. Ich lebe, das reicht mir."
      Mit etwas Mühe kämpfte er sich in die Hocke. Jetzt konnten sie nur noch hoffen, dass der Prinz seine Beherrschung nicht verloren und den zweiten Raben am Leben gelassen hatte.

      Viola und Lucien

      Die junge Heilerin verzog angesichts der anzüglichen Geste angewidert das Gesicht.
      Allein die Vorstellung an die ungehörigen und widerwärtigen Absichten des Nachtelfen ließ sie leicht zusammenzucken. Es gab nichts, was sie gegen die reflexartige Reaktion ihres Körpers tun konnte. Einen zweiten Vaeril brauchte sie in ihrem Kopf nicht. VIola hielt einen betonten Abstand zu dem Gefangenen, um ihm ja keine Möglichkeiten zu geben. Wobei der eiserne Griff ihres Gefährten das wohl verhinderte.
      "Klingt nach unangenehmen Zeitgenossen...", murmelte Lucien und bevor er die nächste Frage stellen konnte, blickte er Andvari fragend an, als dieser mitten im Satz abbrach und alarmiert Richtung Stadt blickte. Das Gesagte vertrieb jeglichen Schalk aus den Augen des Menschenprinzen.
      Mit den Gedanken bereits das Schlimmste erfassend, blickte Lucien über die Schulter zurück zu seinen Begleitern. Jeder Instinkt in ihm schrie sofort die Beine in die Hand zu nehmen und sich zu vergewissern, dass es nicht Meliorn war, der einem grausigen Schicksal ins Auge blickte. Aber so wie er Andvari für seine Leidenschaft getadelt hatte, konnte er nicht blind davon jagen. Die Zerrissenheit huschte kurzzeitig über sein Gesicht, ehe er sich daran erinnerte, wer er war und welche Absprachen zuvor gefallen waren.
      Das hier war größer und bedeutsamer, als die Angeleheiten des Herzens.
      "Ich bin mir sicher, dass es ihm gut geht...", sprach Viola mit sanfter Stimme, die so lange still gewesen war, dass der Kronprinz sie fast überrascht anblickte. Mehr als ein Nicken brachte er nicht zustande.
      Allerdings zog er die Geschwindigkeit ihrer Schritte an und trieb ohne Worte zur Eile an.
      Der Weg durch die Straßen kam ihm unendlich lang vor. Sie ließen sich von Andvari durch die Nacht führen und als sie um die nächste Ecke bogen, erblickte Lucien des Bogenschützen. Unversehrt und lediglich etwas ungelenk dabei sich vom Boden zu erheben. Die übliche Grazie, die Meliorn umgab, wirkte verblasst. Er war war verletzt, schoss es Lucien durch den Kopf.
      Sich vergessend löste sich der Prinz aus seiner Reihe und zwang sich dabei nicht zu rennen. An der Seite des Bogenschützen angekommen, umfasste er dessen Oberarme um ihm beim Aufstehen zu stützen.
      Meliorn wirkte sichtlich überrascht und doch schlich sich Erleichterung auf sein Gesicht. Er griff seinerseits nach den Unterarmen des Menschenprinzen und nickte stumm. Es war alles in Ordnung.
      Viola trat neben Andvari und blickte auf die enthauptete Leiche am Boden. Der Anblick toter schockierte sie schon lange nicht mehr, was wohl ihrer Berufung geschuldet war. Ihr Blick wanderte umher, suchend.
      "Wo ist Sylvar?", fragte sie, obwohl sie die Antwort tief in ihrem Inneren bereits kannte.
      "Es tut mir leid.", brachte Meliorn hervor und sein Blick deutete auf das zerstörte Dach.
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    • Es heißt, Herzen bluten nur einmal aus.
      Nun, geneigter Leser, dies ist nicht wahr. Andvari, der Junge, der die Schatten sammelte, lernte in diesem Augenblick, da sie den Ort des Geschehens erreichten, dass ein jedes Herz mehr als einmal blutet und bricht. Einer Papierfestung gleich, gehalten von losen Schicksalsfäden stellt es sich auf und erwartet den Windstoß, der es einreißt. Und was soll man berichten? Selbst für Elfen galt diese eherne Regel.
      Luciens Frage war eindeutig. Und sie alle wussten es. Ein jeder der Umstehenden, allen voran Lhoris, der sein Schwert in der Scheide versenkte, sah ihn an und begriff erst jetzt, dass Jemand fehlte. Doch der weißhaarige Elf vermochte nicht zu sprechen, zog sich doch ein schneidender Schmerz durch seine Brust. Als würde man ihm einen Dolch hindurch rammen.
      Er ignorierte das zynische Grinsen seines Gefangenen und näherte sich wie betäubt den Kämpfenden. Eine unsägliche Ruhe war auf dem Felde eingekehrt und der Wind zerstob den Schnee rund um sie herum, wo das rote Blut des Raben ihn nicht getränkt hatte. Eine Sekunde blickte er keuchend auf den abgetrennten Kopf und selten fand sich so viel Hass in einem Blick wie in jenem.
      Wenn er gekonnt hätte, so hätte Andvaris Blick den Schnee geschmolzen, den diese leeren Augen nicht sehen sollten.
      Kopfschüttelnd berührte er Meliorns Schulter und schwang sich in einer fließenden Bewegung auf das Dach des Kampfes.
      Spuren der Verwüstung offenbarten sich dem Elfen, während seine Augen das Unausweichliche suchten.
      Und es schließlich fanden,..
      Ein Bündel von Körper, schmal und schwach. Gehalten von einem Fetzen Umhang und einem leeren Blick in den glasigen, blauen Augen, die in den sternenleeren Himmel starrten und Wolken zählten. Mit einem satten Sprung war der Prinz bei ihm und griff mit zarten Fingern nach der kalten Haut seines Bruders.
      Das Ornament auf seiner Stirn lag verloschen dar, als habe man eine Fackel gelöscht. Aus dem Mundwinkel rann ein Faden dunklen Blutes, bereits getrocknet von der Kälte der Nacht. Als er seinen Kopf anhob, das Gewicht spürte und den durchtränkten Umhang ansah, vermochte er außer einem Keuchen nichts zu sagen.
      Was blieb einem Elfen zu sagen, wenn der Bruder danieder lag. Ein zarter Junge, ein fähiger Zauberer.

      Es heißt, der Schrei, der sich vom Dach ergoss, habe selbst die Vögel in weiter Ferne aufgeschreckt. Unter den alten Elfen heißt es, dass ein Schrei, aus Liebe und Verzweiflung geschrien, schrecklicher anzuhören sei als einer aus Wut. Und gar fürchterlich klang dieser. So grausig hallte die Stimme des Prinzen über den Teppich der Nacht, dass selbst Hunde nicht bellten und der gefangene Nachtelf es nicht wagte, ein Wort zu sagen.
      Ein Strahl von Licht, weiß und heißer als das Schmiedefeuer der Sterne, schoss in den beiernden Himmel und erhellte die Nacht für drei Sekunden zu einem Tage, ehe die Stimme verklang.

      Lhoris senkte das Haupt und sank müde an der Wand danieder und seufzte.

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      The more you drag me to hell
    • Die Finsternis dieser tragischen Winternacht erschien in jenem Augenblick erdrückend.
      Mit jeder verstreichenden Sekunde tränkte eine erstickende Traurigkeit jeden Funken erlösenden Lichts. Viola sah dem Elf, nein, dem Mann nach, für den sie so viel Liebe empfand, dass ihr Herz davon überquoll. Für den leidvollen Schmerz gab es keine lindernden Worte und keine tröstende Berührung. Das Leid seinen Bruder zu verlieren, ließ sich mit nichts in der Welt aufwiegen. Die eiskalten, knöchrigen Finger des Todes hatten ihre Klauen in das Leben eines Freundes geschlagen und jeden lebendigen Funken davon gerissen.
      Viola von den Menschen hatte vergessen, wie sich der frische und betäubende Schmerz des Verlustes anfühlte. Die Erinnerung an den grausamen und bestialischen Mord ihrer Familie verfolgte sie ihr gesamtes Leben lang. Blass und allgegenwärtig durch Narben, die niemand sehen konnte. Alte Wunden, die unter dem aufkeimenden Schmerz grob aufgerissen und erneut bluteten. Der furchtbare Gedanke, dass die letzten Worte gegenüber Sylvar von Misstrauen und Verärgerung geprägt waren, machten ihr das Herz bitter und schwer.
      Und doch, kein Gefühl ließ sich vergleichen mit der Qual in Andvaris Augen.
      Viola blickte zu dem Bild der Verwüstung hinauf und schlug die freie Hand vor den Mund, um das Schluchzen zu dämpfen. Der zarte und winzige Körper des verletzten Raubvogels an ihrer Brust wirkte beinahe tröstlich. Es war alles an Berührung, das sie augenblicklich ertrug.
      Ein Stimmengewirr erfüllt von Angst und Verwirrung erfüllte die schneebedeckten Straßen und Gassen der Stadt, die gerade Schauplatz und stummer Zeuge einer qualvollen Trauer wurde. Gleißend, helles Licht erhob sich gen Sternenhimmel und die atemberaubende Schönheit verblasste gegenüber des Leids. Ein Schrei erklang, so markerschütternd, das Viola kraftlos und niedergeschlagen auf dem frostigen Boden in die Knie sank. Ein unaufhaltsamer Strom aus salzigen Tränen perlte über ihre Wangen und hinterließ feuchte Spuren in dem Dreck auf ihrer Haut.
      Und es war Tilda, die herzensgute und lebensfrohe Tilda, die mit gerafften Röcken über das aufgerissene Kopfsteinpflaster rannte und den Ort des Kummers verspätet erreichte. Fragend und mit gehetztem Blick sah sie auf die Überlebenden. Es brauchte kein Wort, als Viola den Kopf schüttelte. Die standhafte Wirtin, die an der freien Seite des Menschenprinzen stand, musste sie schwer auf dessen Schulter stützen. Sylvar war ein Fremder für sie gewesen, aber sie hatte etwas in dem Zauberer gesehen und schämte sich für ihre harten Worte.
      Lucien und Meliorn richteten die Blicke in den hellerleuchteten Nachthimmel und sahen zu, wie für den Bruchteil einer Sekunde alle Sterne am Himmel erstarben. Obwohl keiner der Beiden wirklich je die Chance bekommen hatte, den Mann hinter dem Titel des Erzmagiers der weißen Hand zusehen, riss auch sie der Anblick vollkommender Trauer wie ein reißender Fluss davon. Meliorn neigte das Haupt und wisperte sanfte, elfische Silben in den Wind hinaus, der sich erhob und den schmerzerfüllten und aus tiefsten Herzen geborenen Schrei des Verlustes weit über die Ebenen zu tragen.
      Die Welt sollte trauern, um einen gefallenen Krieger, einen Freund, um einen Bruder.
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari wusste nicht, wie lange er dort oben auf dem Dach verbracht hatte.
      Inmitten von Trümmern und Rauch hatte er die Überreste seines Bruders gehalten und ein letztes Mal in dessen leere Augen geblickt. Viele gemeinsame Erinnerungen gab es nicht wirklich zu teilen, waren sie doch von Anfang an vom Grunde auf verschieden. Doch es gab Momente zu betrauern, die man nicht mehr gemeinsam erleben konnte.
      Und gerade als es genug war, beschloss der Prinz das letzte Mal, etwas gegen das Übliche zu tun. Sein Bruder sollte nicht im NIemandsland beerdigt werden. Und auch nicht in der weißen Stadt. Also brannte das Sternenlicht noch einmal hell in die Nacht hinauf, als die sterblichen Überreste des Erzmagiers in den Nachthimmel hinaus stieben.
      Schweigsam und beinahe leer von Gefühlen stieg der Elf vom Dach hinab und trug den Stab seines Bruders mit sich. Vielleicht als Andenken, vielleicht aber auch weil er Niemanden kannte, dem der Stab nutzte. Noch immer wisperte er das Gebet seiner Kindertage, als er durch den Schneematsch stapfte und in die leeren Gesichter starrte. Zu keinem Gefühl fähig, drückte er den Holzstab an sich und trat an den Menschenprinz, Meliorn, Lhoris, Viola und den Rest der Gruppe heran.
      In seinen Augen lag ein Schmerz, den die Welt lange nicht sah. Und gleichsam glitzerte hinter dem Vorhang der Trauer eine unaussprechliche Wut auf sich selbst. Er hätte ihn nicht alleine gehen lassen sollen. Kurz berührte seine Hand Violas Schulter, die danieder gesunken war und heftete sich anschließend auf Dorynn, der ihn wieder feixend ansah.
      Schweigsam trat der weißhaarige Elf an seine Seite.
      "Mein Bruder..."
      Zwei Worte. Kein weiterer Inhalt, keine Forderung, keine Frage. Doch alleine in diesen zwei Worten lang eine Drangsal und gleichsam Kraft, dass Dorynn ihn nur ansah.
      "Wenn man den Dorn in seinem Herzen gelassen hätte, wäre er nicht gestorben, nicht wahr?"
      "Der Dorn..."
      Andvari wiederholte die Worte in Trance und drehte sich langsam um. Auf dem Schlachtfeld, zwischen Trümmern blitzte ein kleiner Teil einer geflammten Klinge. War dies der Dorn?
      "Hätte man ihn nicht herausgezogen, dann wäre er noch am Le..."
      "Schweig."
      Ein Grollen schwang in der Stimme des Elfen mit, ehe er sich zu dem Splitter begab und diesen mühsam unter der Leiche des anderen Raben hervor klaubte.
      So ein einfaches Stück Metall...Es war unglaublich.,..

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • What now? Whithout you, what do we do? Where do we turn?
      -To the stars, my friend. To the stars.

      Die tragische Schönheit des Sternenlichts erhellte ein zweites Mal den Nachthimmel.
      Ein eisiger Wind trug die Überreste in einem glühenden Funkenflug davon und geleitete Sylvar Eisenblatt auf seinem letzten Weg.
      Viola hob den schmerzerfüllten Blick gen Himmel und sah mit von Tränen verschleierten Augen zu, wie das zarte und wärmende Glimmen im Angesicht der Sterne verglühte. Die schwerfälligen Schritte Andvaris klangen gänzlich falsch, als der Elf niedergeschlagen und von Trauer erfüllt, seinen Gefährten am Boden gegenüber trat. Eine flüchtige Berührung an der Schulter ließ Viola den Kopf heben. Kein Silbe, ob in der Sprache der Menschen oder Elfen verließ ihre Lippen. Die Kehle gefüllt mit glühenden Kohlen, fühlte sich wie zugeschnürt an. Die Fingerspitzen an ihrer Schulter waren so schnell verschwunden, als wären sie niemals da gewesen. Es gab keinen Trost. Nicht in dieser Nacht. Und womöglich für lange Zeit in Keiner, die noch folgte.
      Andvari wandte sich dem Nachtelf zu, dessen feixendes Grinsen einen heiße Wut in das trauernde Herz der Heilerin trieb. Mit dem Handrücken wischte sich Viola grob über die verschmutzten und feuchten Wangen, ehe sie sich mühevoll und auf Dandelost gestützt erhob. Das Gewicht des Elfenschwertes lag schwerer als zuvor in ihren Händen, selbst das kristallklare Glas der Klinge wirkte im fahlen Mondlicht gräulich und getrübt. Faolans getreuer Rabe trieb mit Hilfe seiner grausamen Worte, den unsichtbaren Dolch tiefer in Herz. Ein niederträchtiger und abscheulicher Schachzug, den niemand vorausgeahnt hatte. Die Heilerin erblickte den Splitter in den Händen ihres Geliebten. Ein so winziges, unscheinbares Ding hatte den mächtigstens Zauberer seiner Zeit in die Knie gezwungen. Einen Freund und Vertrauten. Die Tränen versiegten nicht, lediglich das bedauernswerte Schulchzen war verklungen.
      "Was?", erklang eine dünne Stimme. Das bedrückende Schweigen war allgegenwärtig gewesen, dass Viola in ihrem Schmerz völlig vergaß dass sie nicht allein in den verwüsteten Straßen standen. Meliorn blickte fassungslos auf die gesplitterte Klinge in den Händen des Elfenprinzen. Auf dem Gesicht des Bogenschützen löste eine gequälte Bestürtzung die zuvor gespiegelte Trauer ab.
      Lucien senkte mit sichtlicher Verwirrung den Blick und verstand nicht, was den Elf der schwer an seiner Seite lehnte dermaßen aus der Fassung brachte. Das Unverständnis wuchs, als Meliorn sich von dem Prinz der Menschen löste und ohne die gewohnte Grazie durch den matschigen Schnee stolperte. Tatsächlich, die Klinge in den Händen seines Prinzen und Feldherrn, war jene tödlich geschwungene Waffe, die er aus der Brust des Magiers gezogen hatte. Zäh fügten sich die Worte des Nachtelfs zu einer niederschmetternden Erkenntnis zusammen.
      Meliorn schnappte erschocken nach der eisigen Winterluft, ehe ein Ruck den drahtigen Körper des Borgenschützen erfasste.
      Völlig ohne Erklärung sank der Elf vor Andvari auf die Knie herab. Die Handflächen auf seine Oberschenkel gelegt und das Haupt demütig geneigt. Ein Vorhang aus kastanienbraunen Haaren versperrte den Blick auf das von Reue gezeichnete Gesicht.
      "Vergebt mir, mein Prinz.", flüsterte er in die Nacht hinaus. "Das ist meine Schuld. Ich habe den Dorn aus der Brust Eures Bruders gezogen."
      Die Finger auf seinen Oberschenkeln krümmte sich zuckend und gruben mit einem Knirschen sich in das gegerbte Leder.
      "Meliorn...", hörte Viola den Kronprinzen einschreiten.
      "Bleib weg. Das geht dich nichts an.", protestierte der Borgenschütze mit belegter Stimme und Lucien erstarrte in seiner Bewegung. Meliorn entglitt ihm und es gab nichts, was er dagegen tun konnte.
      Der kniende Elf neigte den Oberkörper ein wenig weiter vor und entblöste das zerbrechliche Genick, als stünde er seinem Henker gegenüber.
      "Seit der verlorenen Schlacht bei Erynn Vâr bin ich bereit die Konsequenzen meines Handelns zu tragen. Ich habe Euch ein weiteres Mal enttäuscht, mein Prinz. Verfahrt mit einem Feigling und einem Narren, wie es Euch beliebt."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Für einen Moment vereiste die Welt in Andvaris Kopf und die rasenden Gedanken kamen zum Erliegen.
      Für einen Moment gedachte er, einfach auszuholen und den Elfen von seinem Kopf zu erlösen. Sicherlich, es hätte die bohrende Verzweiflung niedergekämpft, die sich durch seine Haut fraß und die Augen leer werden ließ. So aber nahm er das Stück geflammten Metalls in die Hände und betrachtete es eingehend. Die Klinge war nicht scharf, schartig und viel genutzt. Wie viele waren diesem heimtückischen Stück Waffe zum Opfer gefallen und hatten naiverweise wie Meliorn die Waffe aus dem Herzen der Opfer gezogen?
      Langsam, quälend langsam beruhigte sich der weißhaarige Elf, während er keuchend zu Meliorn sah wie er Lucien abwehrte.
      Schweigsam wanderte er durch den Matsch in Richtung des Elfen. Das sanfte Schmatzen der Erde sein stetiger Begleiter. Selbst der Nachtelf rühmte sich keinen weiteren Wortes, als der Elfenprinz einen Moment lang inne hielt und auf den gebeugten Kopf hinab sah. Trauer zerfurchte das einstmals schöne Gesicht und sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, als müsste er sich überwinden. Dann aber entspannte es sich merklich und er erhob die Stimme erneut.
      "Weder ein Narr...", begann er mit rauer, heiserer Stimme. "Noch ein Feigling, Meliorn. Wenn ich Dinge in meiner unvorteilhaften Situation lernen durfte, so war es die Tatsache, dass man in einer Schlacht gezwungen ist, schnelle Entscheidungen zu treffen. Und manchmal auch Entscheidungen, deren Auskommen man erst am Ende der Schlacht bemerkt..."
      Anschließend ließ er sich auf ein Knie hinab und sah dem Elfen in die Augen.
      "So muss ich vielmehr knien, Meliorn. Denn kein König, kein Prinz oder Heerführer wäre dort wo er wäre, wenn er nicht Krieger an seiner Seite wüsste, die tun, was getan werden muss. Und nichts anderes habt Ihr. Ihr habt Menschen geschützt und die Feine in Schach gehalten. Tapfer und ohne Rücksicht auf Euer eigenes Leben. Ihr tragt keine Schuld am Tode meines Bruders. Die Schuld tragen jene, die den Dolch in das Herz des Zauberers rammten. Nicht der Krieger, der ihn brauchte."
      Anschließend erhob er sich wieder und reichte ihm die Hand.
      "Erheb dich. Als der Krieger, den die Stadt braucht. Und wenn mein Bruder noch mit diesem Unheilwerkzeug in der Brust leben würde: er hätte ihn Euch freiwillig gegeben, wenn es MEnschen oder Elfen zu retten galt."
      Andvari hasste es.
      Hasste es, diesen diplomatischen Weg zu wählen, obgleich er richtig war. Aber das tat ein zukünftiger König nicht, nicht wahr?

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      The more you drag me to hell
    • Der Zwiespalt spiegelte sich allzu deutlich auf dem Gesicht des Elfenprinzen.
      Viola blickte mit Bestürtzung zu Meliorn, der obgleich der Schwierigkeiten bei jedem Atemzug, anmutig und ergeben auf die Knie sank. Für den Bruchteil einer Sekunde befürchtete die Heilerin tatsächlich, dass Andvari sich von Trauer und Zorn überwältigen ließ. Das Bruchstück des verfluchten Dolches ragte er über dem reuevollen Bogenschützen auf, der bereit war den Preis für sein unbedachtes und naives Handeln zu tragen. Bereitwillig legte sein Leben und sein Schicksal in die Hände seines Heerführers. Nein, seines zukünftigen Königs. Die Schuld fraß sich ungehindert tief in seinen Verstand und vergiftete das loyale Herz. Die eigene Dummheit würde er sich nie vergeben.
      Ein erlösender Atemzug erfüllte die gequälten Lungen mit Luft, als Andvari in schlammigen Untergrund niederkniete.
      Viola hatte gar nicht bemerkt, dass sie vor Anspannung den Atem angehalten hatte und sie ihre Finger krampfhaft um das Heft der gläsernen Klinge geschlossen hatten. Das Entsetzen in dem bleichen Gesicht des Bogenschützen sprach Bände. Ein Mitglied des Königshauses kniete vor einem gewöhnlichen Fußsoldaten und sprach ihn von der erdrückenden Schuld frei.
      Und selbst auf den Knien im Dreck der Straßen angesichts eines schmerzlichen Verlusts, strahlte Andvari eine gewisse Erhabenheit aus, dachte Viola still.
      Die Hände des reuevollen Elfs zuckte reflexartig, als wollten sie Andvari dazu bewegen, wieder eine aufrechte Haltung einzunehmen.Bei den kläglichen Zuckungen blieb es schließlich. Die Worte klingelten förmlich in seinen Ohren und zweifelt blickte Meliorn auf. Er war sichtlich erleichtert, als der weißhaarige Elf sich erhob, da er offensichtlich mit der Demut des Elfenprinzen nicht zurecht kam. Zögerlich ergriff er die dargebotene Hand und ließ sich auf die Beine ziehen.
      "Eure Vergebung verdiene ich nicht, mein Prinz.", flüsterte Meliorn in den eisgen Wind. "Aber ich werde mein Leben, dass ihr mir gewährt, für den Schutz der Stadt einsetzen. Mein Körper soll der Schild für die unschuldigen Menschen und Elfen in Beleriand sein. Und wenn Ihr jemals Verwendung für das Leben einfachen Soldaten haben solltest, sagt es dem Wind. Und ich werde es hören."
      Keine Sekunde später, nachdem sich ihre Hände gelöst hatten, schwankte der Elf.
      Bevor Viola auch nur eine Silbe über die Lippen brachte, war Lucien bereits aus dem Hintergrund geradezu an dessen Seite geflogen und legte sich einen Arm um seine Schultern. Meliorn hatte den freien Arm um seine Rippen geschlungen.
      Der Kronprinz sah mit nie zuvor dagewesender Dankbarkeit Andvari an. Jegliche spitzfindige Bemerkung oder neckende Provokation rückte in weite Ferne.
      Ohne Zweifel hatte auch der Prinz der Menschen für einen kurzen Augenblick mit einem blutigeren Ende gerechnet.
      "Es ist nichts...", murmelte Meliorn.
      "Sicher.", grinste Lucien schwach. "Tilda?"
      Die Wirtin erwachte aus ihrer Starrte und trat ebenfalls an die beiden Männer heran, deren Blicke füreinander sich nur schwer einschätzen ließen.
      "Ich kümmere mich um ihn...", sprach Tilda und die kleine Frau schulterte tapfer das schwankende Gewicht des Elfen. Sie wusste, dass Lucien sich nur schwer in diesem Augenblick trennte. Aber es galt noch eine unangenehme Pflicht zu erledigen.
      Mit einem Kopfnicken deutete er auf Dorynn, der erstaunlich ruhig und brav an Ort und Stelle verblieb.
      "Was machen wir mit ihm?", fragte er, während sich sein Blick verfinsterte.
      Viola selbst blickte zwischen den Davongehenden und den Männern um den Nachtelfen hin und her, unschlüssig welchen Weg es einzuschlagen galt. Sie bezweifelte, dass ihr Magen vertragen würde, was Dorynn bevorstand. Andvaris Seite in diesem Augenblick zuverlassen, stand für die mit Schlamm, Dreck und Tränen besprenkelte Heilerin allerdings völlig außer Frage.
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    • Für einen Moment knisterte der Schnee unter seinen Stiefeln, als Andvari sich zu bewegen gedachte. Eine eisige Böe zog durch die Stadt wie ein gnadenvoller Wächter und wirbelte das weiße, verschwitzte Haar auf und entließ die Augen des Elfen in die Nacht. Sie stachen wie goldene Dolche ins Nichts und blickten in die wütenden Augen des Nachtelfen, der ihn feixend ansah.
      "Ja ganz recht", flötete dieser frech. "Was tut Ihr jetzt mit mir? Immerhin bin ich eine wertvolle Geisel!"
      Eine ganze Weile lang herrschte ein eisiges Schweigen über der Nacht, ehe er Andvari Luft holte und seufzte, den Blick zum Kronprinzen richtend.
      "Er gehört mir", murmelte er. Und seine Stimme schwang in einem tiefen, grausigen Ton mit sich selbst. Als würden mehrere Andvaris choral sprechen. "Wir schaffen ihn in die Scheune. Dort wird er einer BEfragung unterzogen. Und sollte er nicht gefügig sein..."
      Rasant griff er nach der Hand des Nachtelfen und bog einen Finger beinahe spielerisch einfach über das Gelenk hinaus nach hinten. Ein widerlicher Schrei durchzog die Nacht, während Andvari ungerührt in die blitzenden Augen sah.
      "Wenn er nicht gefügig ist, wird er dazu gemacht. Ihr beide..."
      Er wandte sich um und sah zu Viola und Lucien. "Bitte begleitet mich in die Scheune. Ich muss sicher gehen, dass ich diesen Abschaum nicht zu früh zu den Ahnen schicke."
      Der Elf bedurfte keiner weiteren Worte, wenn er ehrlich war. Beinahe brutal riss er den NAchtelfen hoch, der seine Hand betrachtete und den abstehenden Zeigefinger, der mahnend in die falsche Richtung zeigte. Keifend und schimpfend wurde er von Andvari am Kragen zu der Scheune gezogen, die sich unweit des Ortes befand. Es wurde Zeit, Wahrheiten herauszufinden. Und Gnade ihm die Bäume, wenn er log.

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    • Ein eisiger Ostwind erhob sich unheilschwanger in den verwaisten Straßen und zwischen zerstörten Häuserfassaden.
      Das ekelerregende Knirschen von überdehnten Sehnen und Knochen erfüllte die Luft, gefolgt von einem gequälten Aufschrei. Die Gnadenlosigkeit, mit der Andvari zu Werke ging, jagte einen eiskalten Schauer die Wirbelsäule hinab. Ein Bild des Grauens erschien vor ihrem geistigen Auge und eine düstere, wage Erinnerung kämpfte sich an die vorderste Front ihres Bewusstseins. Viola verdrängte durch ihre ungebrochene Zuneigung gegenüber Andvari allzu gern, dass er ein gefürchteter Krieger war. Ein Elf, dem Blut und Tod nicht fremd waren und der unzählige Schlachten geschlagen hatte. Zwischen den Zärtlichkeiten und den beschützenden Armen war es leicht zu vergessen, dass es Seiten an dem Elfenprinzen ab, die Viola nie zuvor bezeugt hatte. Durch ihre blinde Liebe, erklang das dumpfe und mahnende Echo einer vertrauten Stimme in ihrem Verstand. Die Erinnerung an die Worte, die Sylvar einst in Zorn und Sorge aussprach, ähnelten nun einer düsteren Vorahnung.
      Lucien, der Menschenprinz mit dem verspielten Grinsen, trug einen beunruhigend ernsten Gesichtsausdruck zur Schau. Die Gräueltaten des Krieges waren auch Vertraute in seinen Augen, obwohl es ihm in jeglicher Hinsicht widerstrebte. Lediglich ein zweifelhafter Blick glitt zu Viola, deren Gesichtsausdruck zu einer versteinerten Maske geworden war. Allein das Unbehagen in den grünen Augen zeigte eine ehrliche Gefühlsregung. Eine gefühlte Ewigkeit verging, ehe sie nickte. Ein Teil, ein düsteres Fleckchen ihrer Seele, schwoll vor Genugtuung an, während ihr Blick den unnatürlich verbogenen Finger fixierte. Eine Regung, auf die sie nicht stolz war.
      Viola presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen und folgte den Männern, sowie dem zeternden Nachtelf durch die verlassenen Straßen. Die Scheine war nicht weit und nachdem alle das notdürftig reparierte Tor durchschritte, war es die Heilern, die den Ausgang mit den angebrachten Riegeln sicherte. Die Kälte sickerte durch ihre durchnässte und viel zu dünne Kleidung, doch sie behielt das Zittern unter Kontrolle. Mit dem Rücken lehnte sie sich an das Tor und beobachtete die beiden Prinzen, die ihren Gefangenen weiter in das Innere der Scheine schleiften wie ein Schaf zur Schlachtbank. Die Frage war, ob sie damit leben konnte, was hier geschehen würde.
      Lucien half den gefangenen Elf zurück auf die Knie zudrücken und hielt den wehrhaften Nachtelf an den Schultern fest.
      Er warf Andvari einen Blick zu und nickte stumm.
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    • Die Scheune war ein passender Ort für derlei Abschaum, befand der Elfenprinz und warf ihn beinahe beiläufig auf den schmutzigen Boden des Ortes.
      Schlamm, Dreck und Schnee mischten sich hier mit Sägespänen und anderen Baumaterialien sodass der Sturz nicht angenehm war und der Nachtelf sich erst wieder auf die Knie kämpfen musste, ehe er zu Andvari hinauf sah, den Schalk in den Augen.
      "Was denn was denn?", fragte er kichernd. "Sind wir ein wenig wütend, mein Prinz? Seid Ihr sicher, dass Ihr auf den Richtigen wütend seid?"
      "Schweig!"
      Das Donnern in seiner Stimme war nicht vergangen und beinahe erschien es, als riesele es Sägespäne mit jedem Lauten Ruf von der Decke hinab. Ein beierner Schnee in einer kalten Nacht. Andvari blickte zu Viola und bedauerte, was hier geschehen musste. Aber keiner durfte leben, wenn er ihn verraten konnte. Sonst würde das Leben aller hier mehr als gefährdet. Schweigsam trat Andvari näher an Dorynn heran, der sich über die blutverschmierten Lippen leckte und grinste.
      "Mein König..."; flüsterte er hohnvoll und kicherte meckernd.
      Der Schlag, der seine Schläfe trat, war nicht hart oder unmenschlich. Vielmehr war es die Überraschung des klatschenden Geräuschs als die Faust des Elfen auf den verknöcherten Schädel des Nachtelfen nieder ging und dieser zur Seite gerissen wurde und mit einem Ächzen im Schlamm landete.
      "Drei Fragen", konstatierte Andvari und hockte sich vor ihn.
      "Nummer 1: Wo ist Faolan?"
      Dorynns Miene veränderte sich bei dem Namen und doch spuckte er das Blut aus und sah seinen Prinzen an, während ein blutrotes GRinsen sein Gesicht erhellte.
      "Vielleicht ja gerade hinter Euch, Prinz? ODer aber auch in Tirion? Oder vielleicht ist er an der Westfrooaaaaaaaaaaaaaa!"
      Der zweite Finger schnappte nach hinten und entkugelte sich aus dem Gelenk.
      "Schon gut, schon gut! Er ist an der Front! Im Westen!"

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    • Flüchtig kreuzten sich die Blicke über die Distanz hinweg.
      Viola erkannte zur ihrerm Erstaunen einen Funken Bedauern in den bernsteinfarbenen Augen. Keine einzige Silbe stahl sich unebdacht über ihre Lippen. Die Gedanken kreisten, um den Blick des Elfenprinzen, der sich mit donnernder Stimme dem Gefangenen zuwandte. Die Heilerin bildete sich ein das massive Holz in ihrem Rücken erbebte für ein paar winzige Sekunden. Das Bedauern in seinem Blick weckte nagende Zweifel, die sich wie schemenhafte Schatten über ihr Antlitz legten. Was bedauerte Andvari mehr? Viola in die zweifelhafte Position einer Zeugin für Folter und Mord zu zwingen oder die Tat selbst? Gewalt war der jungen Frau nicht fremd, vergossenes Blut und gebrochene Knochen kein unbekannter Anblick, damit konnte umgehen. Mit der Leichtigkeit, die Andvari dabei an den Tag legte, schien sie eher im Zwiespalt zu stehen. In diesem Augenblick galt es ein Gesicht zu wahren, vor einem feindlichen Krieger und Mörder, wenn auch nur den kleinsten Fetzen Informationen aus Dorynn heraus bekommen wollte.
      Der Nachtelf schrie erneut auf und es knirschte und knackte im diffusen Licht der Scheune.
      Ein kaum merklichen Zucken rüttelte an den zierlichen Schultern und Viola schob die Hände in den Rücken, wo sie die Finger außer Sicht mit einander verschränkte. Das Zittern darin nahm den ganzen Abend lang bereits zu und wieder ab. Viola kannte die physischen Anzeichen des Traumas, dass sie lange Zeit um den Schlaf gebracht hatte. Vermutlich würde sich auch in dieser kalten Winternacht kein Auge mehr zu bekommen.
      Viola wünschte Dorynn den Tod, den er verdiente. Dennoch bedeutete dieses selbstsüchtige Gefühl nicht, dass sie ihre Menschlichkeit vergaß. Unter keinen Umständen erwog sie auch nur den Gedanken ihre Heilmagie zunutzen, um das Leid des Nachtelfen zu verlängern.
      Dorynn würde das Licht des Tages nie wieder erblicken. Er musste sterben. Sie blieb, weil Andvari darum gebeten hatte. Aber sie würde ihm dabei nicht helfen. Dieses Mal nicht.
      "Die Westfront?", flüsterte Lucien und hatte seine Hände in dem Augenblick von den Schultern genommen, als der Schlag den Schädel des Nachtelfen zur Seite riss. Selbst der Kronprinz verzog angesichts der grausig gebogenen Finger kurz das Gesicht. "Hat er etwas vor das Niemandsland zu durchqueren? Wenn er den großen Fluss bereits überquert hat, ist er nicht mehr weit entfernt."
      Die Gerüchte um die Anwesenheit des Thronfolger Prinz Lysanthir und nun auch noch der jüngste Elfenprinz im Grenzland. Das verhieß nichts Gutes. Er musste die Kunde der kaiserlichen Garde bringen, wenn sie nicht überrannt werden wollten.
      "Wenn das wahr ist, muss ich umgehend zurück."
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    • Andvari blickte Lucien zustimmend zu dem Nachtelfen und wirkte für eine Sekunde nicht Herr seiner elfischen Sinne.
      "Du hast die 2. Frage gehört, Nachtschatten", murmelte er und lag mit seinem Gesicht so nah vor dem bläulichen, dass er beinahe die Schweißperlen sehen konnte, die Elf auftrug.
      In den boshaften Augen blitzte die Mordlust, als Dorynn sich aufrichtete und mit einem räuspern zu lächeln begann. Mit einer nie dagewesenen Genugtuung konnte jeder in dem Raum sehen, dass der Elf sich vor Schmerzen kaum halten konnte.
      Niht genug, dachte Andvari und sah ihn grimmig an, während er zu sprechen anhob.
      "Die Westfront hat sich verlagert und das Niemandsland ins Visier genommen", zischte er, wissend, dass jede Gegenwehr zwecklos erschien. "SIe wissen, dass hier keine Gegenwehr herrscht. Man hat uns ausgesandt, Euch zu suchen und gleichsam den Feind zu erkunden..."
      Andvari seufzte und nickte Lucien zu. DIe Lage war bedrohlich. Und es gab keinen Weg hinaus, wie es schien. DIe einzige Hoffnung erschien, dass sie sich stellten. Dass ER sich stellte.
      "Letzte Frage: Was habt ihr bereits berichtet?"
      Das Unheil nahm seinen Lauf als der Nachtelf zu grinsen begann und Blut hustete. Andvaris Hand schnellte vor und schlang sich um den schlanken Hals des Ungetüms und drückte eigenwillig zu, sodass dieser zu röcheln begann. Erst als die Augen sich nach oben drehten, entließ der Weißhaarige den Nachtelf aus der Umklammerung sodass dieser hustend zu Boden ging.
      "Also?", frafgte er ungeduldig.
      "Niichts...", keuchte Dorynn und hustete mehr und mehr. "Wir haben noch nichts berichtet. Sylvar wollte das nicht!"
      Andvari nickte und erhob sich.
      Schweigsam sah er zu Lucien und murmelte.
      "Wenn das stimmt, werden sie bald hier sein"; bemerkte er und seufzte. "Es ist sicherlich gut, wenn Hilfe angefordert wird."

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    • Das wahrhaftige Grauen zeichnete sich auf dem blassen Gesicht der Heilerin ab.
      Ein Kriegssturm auf das Niemandsland bedeutete eine tödliche Bedrohung für alle noch lebendigen Seelen, die in den kargen Ländereien Trost und Schutz fanden. Familien drohten auseinander gerissen zu werden, Unschuldige sahen dem Ungeheuer einer elfischen Armee entgegen. Der Anblick des grimmigen Nachtelfen, der trotz aller Qualen noch hochnäsig grinste, weckte die Furcht in der jungen Frau. Die Erinnerungen an das schmerzvolle Leid der eigenen Familie und das Schicksal, dass ihr selbst vor Jahren wiederfahren war, hing nun wie das Beil des Henkers über den Köpfen aller. Die Westfront verschob sich über den reißenden Fluss hinaus und schmälerte den letzten verbliebenen Wall zwischen dem Königreich der Elfen und den Städten der Menschen. Viola bildete sich ein den Geruch von Feuer und Rauch in der Scheune wahrzunehmen, der erstickende Gestank von verbrannter Haut und Tod.
      Der Blick glitt von Andvari zum Menschenprinz, dessen Gesicht eine tiefe Besorgnis zur Schau trug. Ein Aufmarsch der kaiserlichen Garde trug zur weiteren Verwüstung des ärmlichen Landstriches brachte nicht nur Schutz sondern auch erneute Gefahr. Für Andvari und für alle, die an seiner Seite kämpften. Viola bezweifelte eine uneingeschränkte Unterstützung und auch Prinz Lucien konnte die Sicherheit des Elfen und seiner Gefährten nicht zweifelsfrei versichern. Diese Macht besaß auch der Thronerbe nicht.
      Die Schlinge um ihre Hälse zog sich steig zu. Viola konnte bereit das Gewicht des Seiles um ihren Hals spüren und schluckte schwer. Die Behauptung, dass sie den Tod nicht fürchtete, wäre eine erbärmliche Lüge. Aber sie hatte sich für den steinigen Weg entschieden und jeder Schmerz, jedes Funken Angst war es wert.
      "Ich breche heute Nacht noch auf. Das hier duldet keinen weiteren Aufschub. Wenn uns nur noch Tage bleiben, ist die Zeit zu knapp.", murmelte Lucien und schob sich bereits die Kapuze über den Kopf, um einen Teil seines Gesichtes zu verschleiern. "Was werdet Ihr tun, Andvari?"
      Viola wandte den Blick ab und sah auf das stille Bündel aus Feder, da Isobelle noch immer auf ihrem Arm ruhte. Vorsichtig berührte sie den gebrochenen und angelegten Flügel. Ein sanfter Impuls reinigender und von zarter Wärme erfüllter Energie erfüllte die Luft um die junge Frau herum. Der Raubvogel in ihrem Arm klapperte nervös mit dem Schnabel und flatterte wenige Sekunden später mit den Flügeln. Die zerbrechlichen Knochen waren zusammengesetzt und so gut wie neu.
      "Ihr werdet Euer zusätzliches Paar Augen benötigen, mein Prinz.", erklang die ruhige Stimme der Heilerin wie aus dem Nichts, hatte sie doch wie ein Schatten am Tor gewartet. Wie selbstverständlich schlug Isobelle mit den Schwingen und erhob sich kurzzeitig in die kalte Luft, nur um zielstrebig auf der Schulter ihres Herrn Platz zunehmen.
      "Das ist...", begann Lucien. "Das ist ganz und gar erstaunlich. Ich danke Euch, Viola."
      Der Kronprinz hatte noch nie einen Menschen die Magie anwenden sehen und wirkte für einen Augenblick um Worte verlegen.
      Viola löste sich zögerlich von dem spröden Holz in ihrem Rücken und trat an die Männer heran. Schräg hinter Andvari blieb sie stehen und sah auf Dorynn hinab, der sich von Schmerzen geplagt krümmte. Ihre zarte Hand fand in einer federleichten Berührung den Ellbogen Andvaris.
      "Es ist genug.", murmelte sie und wandte den Blick nicht vom Nachtelfen ab.
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari nickte den Menschenprinzen zu und sah noch einmal zu dem Nachtelfen zurück, ehe er seufzte.
      "Ja, Prinz. Was werdet Ihr mit mir tun? Mich töten wie die anderen? Oder zeigt Ihr Gnade?", keifte Dorynn und kicherte während er seine Hand hielt.
      DIe federleichte Berührung in seiner Armbeuge war nicht hilfreich darin, seine Wut anzustauen. Vielmehr verpuffte sie beinahe, als er Violas Stimme hörte und Andvari hatte Mühe, die Wut aufrecht zu halten. Doch dieser kleine Kretin hatte seinen Bruder auf dem Gewissen. Minutiös geplanter Mord stand nicht gerade gut zu Buche, wenn man an die Gesetze des Elfenreiches dachte. Und doch war es unausweichlich, dieses Miststück von Elf am Leben zu lassen. Die Menschen fürchteten ihn schon genug. Da war es nicht verwunderlich, dass sie seine Taten anhand dieser hier messen würden.
      Andvari sah zu Viola und nickte stumm, ehe er sich zu Lucien drehte.
      "Ich werde die Verteidigung organisieren und mich im Fall der Fälle meinem Bruder stellen. Es hat keinen Zweck wenn Tausende sterben, nur weil ich mich hinter Mauern verkrieche. Sofern ihr Tauben oder Raben habt, die Briefe überstellen können, wäre ich dankbar. Ich muss dem Weißen Turm schreiben, dass sie einen neuen Erzmagier brauchen und die Schwerter benachrichtigen. Sollte es zur Schlacht kommen, brauchen wir sie hier."
      Anschließend sah er zu Viola und fuhr mit der Hand über ihre Wange, ehe er sich zu Dorynn umsah,
      "Du hast mehr Glück als Verstand, Nachtschatten", knurrte er. "Wir schmeißen dich in das finsterste LOch das ich finden kann und dort wirst du fristen, bis ich es mir anders überlege und deinen faltigen Hintern vor den Schöpfer zerre."
      "Wie gnädig...", kicherte er.
      Andvari sah zu Viola.
      "Sei so gut und hole Lhoris. Er soll dieses Stück Dreck beaufsichtigen."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Lebensuhr des Nachtelfen drohte der Stillstand.
      Die hinterlistige Schlange würde ihre verdiente Strafe erhalten, doch zuerst galt es einen zerütteten Landstrich samt seiner verstreuten und grimmigen Bewohner davon zu überzeugen, dass eine Konfrontation mit dem feindlichen Heer unausweichlich war. Jeder Einelne hatte durchaus seine Gründe einem dahergelaufen Elfen und Königsbastard zu misstrauen. Die Menschen im Niemandsland litten bereits seit Jahren unter den kriegshungrigen und blutdürstigen Armeen der Elfen, die wie Heuschrecken über das Land einfielen. Der Verlust war unaussprechlich und nun bedrohte ein weiteres Heer ihre letzte Zuflucht. Vielleicht erwies sich der Gefangene noch als nützlich, ob es Andvari gefiel oder nicht.
      Ein stilles Seufzen, kaum für das menschliche Ohr wahrnehmbar, entkam ihrer Kehle. Eine Hand, die zuvor mit Brutalität Gelenke ausgekugelt und Blut auf dem verdreckten Scheunenboden verteilt hatte, fuhr federleicht über ihre Wange. Beinahe hätte Viola sich hinreißen lassen, die Augen zu schließen. Beinahe.
      Eiskalte Finger drückten zart den Arm des weißhaarigen Elfenprinzen, ehe Viola sich langsam von seiner Seite entfernte, um seiner Bitte zu folgen. Ehrlich gesagt, war sie froh die Scheune verlassen zu können. Gewalt war ihr nicht fremd, aber die Heilerin hatte sich stets gegen die Gleichgültigkeit gewehrt, die viele ihrer Zunft angesichts des Krieges ereilt hatte.
      Lucien nickte auf die Bitte des Elfenprinzen und ein wissendes Lächeln zierte sein Gesicht.
      "Möglicherweise gibt es einen schnelleren Weg Eure Botschaft zu überbringen, Andvari.", sagte Lucien und sah über die Schulter zu Viola, die bereits fast das große Scheunentor erreicht hatte. "Könntest Ihr nach Meliorn sehen, bitte? Wir werden nachher seine Hilfe brauchen."
      Die Heilerin zog fragend eine Augenbraue in die Höhe und wollte schon protestieren.
      "Nein, Viola, ich habe nicht vor ihn persönlich nach Tirion zu schicken.", erhob der Kronprinz das Wort, bevor Viola auch nur einen Ton sagen konnte. Lucien zögerte. "Aber ich mache mir Sorgen und darüber hinaus, werden wir seine Kräfte benötigen."
      Zufrieden mit der Antwort wirbelte Viola auf dem Absatz herum und beförderte sie die Riegel aus ihren Schienen bevor sie leichtfüßig durch den schmalen Spalt in die Nacht heraus verschwand.
      Aus dem Augenwinkel sah Lucien schließlich wieder zu Andvari.
      "Das Einzige, das schneller ist als ein Botenvogel, ist der Wind...", murmelte er und blickte mit unverholener Abschei zu Dorynn hinab. "Und den Wind kann kein Feind vom Himmel holen."

      Durch die vereisten und matschigen Straßen kehrte Viola eilig in die gemütliche Taverne zurück.
      Der großzügige Gastraum erschien verwaist bis auf Tilda, die hinter der Theke wütete, als wäre der Leibhaftige hinter hier her. Geräuschvoll landeten Gläser und Krüge in den Schränken. Die Heilerin fürchtete schon um die Stabilität eines Glases, dass die Wirtin äußerst energisch polierte. Albert und Meliorn saßen auf einer rustikalen Holzbank am Feuer in der Mitte des Raumes und unterhielten sich in gedämpften Worten. Letzterer hatte den druchnässten Mantel und Wams abgelegt und präsentierte die hässlichen blauen Flecken über seinen Rippen. Der Blick war niedergeschlagen und er sah Albert beim Sprechen nicht an, sondern starrte in den Tonkrug. Quer durch den Raum hatte jemand, vermutlich Tilda selbst, mehrere Seile gespannt an denen tropfnass die Kleidung der Anwesenden hing, um möglichst in der Wärme des Feuer zu trocknen.
      Als Viola die Tür geräuschvoll ins Schloss fallen ließ, um sich bemerkbar zu machen, eilte die gute Frau hinter ihrer Theke hervor und drückte die rothaarige Heilerin an ihre Brust. Viola erwiderte die mütterliche Umarmung, ehe sie sich schweren Herzens löste. Die tröstliche Geste vergrößerte nur den Kloß in ihrem Hals.
      "Wo ist Lhoris?", fragte sie leise.
      "Bei den anderen am Feuer.", war die geflüsterte Antwort. "Setz dich ins Warme. Ich will mal sehen, ob ich nicht noch etwas Trockenes zum Anziehen für dich habe. Du bist ja durchgefroren bis auf die Knochen!"
      Dankbar nickte die junge Frau und näherte sich dem Feuer, wobei sie Lhoris nahe der Flammen entdeckte. Natürlich.
      "Lhoris?", sprach sie ihn vorsichtig an und trat langsam an seine Seite. Die Wärme der Flammen kroch nur langsam unter die ausgekühlte Haut und der plötzliche Kontrast zur winterlichen Kälte ließ ihre Haut prickeln, wie von dünnen Nadelstichen.
      "Andvari braucht in der Scheune am Hauptor.", fuhr sie fort.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”