[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Andvari blickte auf den Tisch, dem er Schaden beigebracht hatte und seufzte, während er sich den Handrücken rieb. Gebrochen war nichts, aber Tische bauen konnten diese Menschenmeister. Es war schmerzhaft, darauf zu schlagen.
      "Ich repariere den Tisch"; murmelte er. "Oder baue einen Neuen. Es tut mir Leid, dass ich...Dass ich derart ausfallend wurde."
      Die Worte kamen zu spät, um Violas Verschwinden zu verhindern aber zumindest fand sich ehrliche Reue auf dem Gesicht des Elfen, der nun verstohlen in die Runde sah. Falkners Ansatz hätte er gerne gehört, als er ebenfalls die fremde Stimme vernahm, die den Schankraum erfüllte.
      Jedoch auch wenn er glaubte sein Temperament ausgelebt zu haben, so hatte er sich getäuscht.
      Der Blick, mit dem er Mael betrachtete, war beinahe vernichtend kalt. Jeder Streuner erhielt einen wärmeren Blick, auch wenn die Argumentation verständlich war.
      Sylvar indes wollte Luft holen, um den Vorschlag diplomatisch zu entkräften, jedoch wurde er von Tildas mächtiger Stimme beinahe völlig überrumpelt, als diese die Belegschaft des Hauses unsanft nach draußen komplementierte.
      Andvari indes blickte der Meute beinahe schuldbewusst hinterher, obgleich er sich keinen besseren Ausgang hätte wünschen können. Dennoch schwelte dieser Brand im Hintergrund mit, denn das Argument war nicht von ungefähr gekommen. Die meisten Bürger der Stadt schienen dieser Argumentation nicht ganz abgeneigt zu sein, wärhend der Elf zu seufzen begann.
      "Also...So ungern ich es sage; aber an eine Auslieferung würde ich nicht denken wollen. Auch wenn ich die argumentation verstehen kann", murmelte er. "Ich würde dennoch eine Lösung finden wollen, in welchem sich alle Parteien wiederfinden könnten."

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    • Mit verschränkten Armen kehrte Tilda an den ramponierten Tisch zurück und ließ ihren Blick vom Holz zu den Händen des Elfen wandern. Offensichtlich hatte das alte Holz schmerzhaft protestiert, was den Unmut der Wirtin ein wenig abmilderte.
      "Darauf bestehe ich auch. Die Tische sind vermutlich sogar älter als ihr.", sprach sie mit angespannter Ruhe und machte sich doch binnen Sekunden mehr Sorgen um mögliche gebrochene Knochen, als um die schafhafte Tischplatte.
      Der Kronprinz, von neugierigen Blicken befreit, legte seine notdürftige Verkleidung ab und genoss die ungefilterte Luft, die ihm in die Lungen strömte. Nachsichtig sah er zu Andvari herüber.
      "Ich gebe zu, gewöhnlicherweise bin ich etwas taktvoller. Sei's drum. Eine Auslieferung kommt gar nicht in Frage.", sprach Lucien und pustete sich beiläufig eine verirrte Strähne blonden Haares aus dem Gesicht. "Das ist nicht unsere Art und Weise die Dinge zu regeln. Zumindest war sie es bis jetzt nicht."
      Dabei warf der Prinz der Menschen einen verstohlenen Blick zu den verdunkelten Fenstern, die Tilda zuvor geschlossenen hatte, um die Kälte und lauschende Ohren fernzuhalten. Mael bereitete dem Prinz allerdings sorgen. Der Junge war impulsiver als ihm gut tat.
      Sein Blick wanderte von Andvari zu Sylvar, der über das ganze Gespräch von Sekunde zu Sekunde älter und ergrauter wirkte.
      Der Abend schien an allen nicht spurlos vorbei zugehen, so auch nicht an Viola die schweigend die Glasscherben zusammen fegte, damit nicht jemand unachtsam hinein trat. Die Heilerin wirkte ein wenig zu blass um die Nase und hielt den Blick gesenkt.
      Lucien kam nicht umhin das Zittern ihrer Hände zu bemerken, während sie die Unordnung beseitigte und warf Tilda einen kurzen Blick zu.
      Die Wirtin näherte sich der jungen Frau bedächtig, legte ihr einen Hand auf den Arm.
      "Komm, Liebes.", flüsterte sie und nahm ihr den Eimer mit den aufgesammelten Scherben aus der Hand. "Vorsichtig, bevor du dich schneidest. Ich zeig dir wo die Scherben hinkommen."
      Tilda warf einen Blick über die Schulter zurück zu den Männern und schüttelte den Kopf. Selbst die resolute Wirtin hielt es für eine überaus riskante Idee Viola als Lockvogel in die Nacht zu schicken. Die Frauen verließen den beinahe menschenleeren Raum.
      "Sie hat viel erlebt, nicht wahr?", murmelte er gedankenverloren und wirkte für eine Sekunde tief betroffen, ehe er den Kopf schüttelte.
      "Sylvar, bei allem was heute geschehen ist, ihr seid am besten mit den Raben Eures Bruders vertraut. Da mein unbedachter Geistesblitz mehr Chaos als Nutzen angerichtet hat, könnt ihr uns vielleicht den Schubs in die richtige Richtung geben..."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari blickte zu Tilda und nickte. Er würde einen neuen bauen, aber gleichsam musste er schmunzeln, als sie sich darüber beschwerte. Er mochte es wenn Menschen Holz mochten. Umso besorgter jedoch war sein Blick, als er zu Viola sah und den Kopf schüttelte. Wie gerne wäre er aufgesprungen und hätte ihr beigestanden, aber sein Ehrgefühl ließ es beinahe nicht zu. Er musste sich zusammenreißen um seine königliche Attitüde halten zu können.
      „Sie hat mehr erlebt als in ein Menschenleben passt“, bemerkte Andvari und sah zum Prinzen, der seinerseits zu Sylvar überleitete.
      Bereits eine ganze Weile hatte der Magier schweigend daneben gesehen und mehr alt und verkümmert dreingeblickt als gut für ihn war. Tiefe Falten zogen sich über sein Gesicht während seine Augen den geborstenen Tisch fixierten. Doch egal wie er es drehte und wendete. Es war die einzige Möglichkeit, Viola in den Kampf zu schicken.
      „Ich sehe nicht viel Alternativen, Prinz Lucien“, murmelte er schwerlich und stützte sich auf seinen Stab. „Die Raben sind geübte Jäger. Sie wurden erwählt und ausgebildet, um eben jenes zu verrichten: eine Jagd. Sie lesen Fährten, verfolgten Spuren und sind durchaus gewillt, Gewalt im Übermaße anzuwenden, wenn man sie dazu zwingt. Jedoch,…“
      Andvari wusste was kam und er fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht.
      „Sie sind zu überlisten. Elfenmagie braucht eine Weile, ehe sie sie anwenden können. Sie sind mächtig, aber nicht zu mächtig. Ich denke tatsächlich, dass Euer unbedarfter Einwurf unsere einzige Chance sein kann. Andvari werden sie nicht direkt angreifen. Jedoch mit der Aussicht, ihn psychisch zu quälen könnte ich sie davon überzeugen, Viola zumindest zu entführen und sich zu zeigen…“
      Andvari seufzte und lehnte sich zurück.
      „Und dann?“
      „Und dann würden wir einen Hinterhalt vorbereiten. Außerhalb der Stadt. Ich vermag ihre Kommunikation mit Faolan zu unterbinden. Und du könntest sie einfangen. Anschließend könnten wir mehr über Faolans Schritte erfahren. Und die Schritte der anderen Raben.“

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    • Für einen winzigen Augenblick hoffte der Menschenprinz auf eine Alternative.
      Der Anblick der jungen Heilerin, die offenbar eine Minute brauchte um sich wieder zusammeln, erinnerte ihn zu sehr an die grausamen und dem Krieg geschuldeten Schicksale. Das sinnlose Blutvergießen musste ein Ende haben und offbar waren die versammelten Elfen an diesem Tisch davon überzeugt, dass Andvari der Schlüssel zu allem war. Und dafür mussten Opfer gebracht werden. Seufzend lehnte sich Lucien etwas weiter zurück und streckte die Beine unter dem Tisch aus. Die Stirn legte er in nachdenkliche Falten und es war ihm förmlich anzusehen, wie er die Gedanken in seinem Kopf von einer Seite zur anderen schob.
      Sein Blick glitt beobachtend zu dem weißhaarigen Elfenprinzen. Schweigend beobachtete er den Mann, der wenig Begeisterung für den Vorschlag seines Bruders zeigte und wirkte, als wollte er lieber seiner Gefährtin in die anliegende Küche folgen. Er konnte es ihm nicht verdenken. Aber hatten sie nicht bereits einstimmig beschlossen, dass hier Größeres am Werk war?
      "Uns bleibt wohl keine andere Möglichkeit.", pflichtete der Kronprinz mit deutlichem Bedauern bei und sah zu der offen Küchentür. "Es ist wichtig, dass sich jeder seiner Aufgabe in diesem Vorhaben besinnt. Könnt ihr das, Andvari, wenn sich Euer Herz, wie ihr es so vollendet beschrieben habt, in Gefahr befindet? Die Raben erscheinen mir wenig Skrupel zu haben. Seid ihr wirklich dazu bereit die geistige Gesundheit Eurer Gefährtin dafür aufs Spiel zu setzen?"
      Lucien brauchte nicht anzusprechen, was alle längst wussten. Auch Sylvar konnte in seiner Rolle als Verräter nur mit Worten argumentieren, sollten die Raben beschließen Viola, auf welche Art auch immer, etwas anzutun um Andvari aus dem Versteck zu locken.
      "Sie wird dem Plan zustimmen, daran zweifle ich nicht. Ich behaupte sie ist die Art von Mensch, die es gewöhnt ist ihr eigenes Wohl hinter das aller anderen zu stellen. Und der Gedanke bereitet mir kein Vergnügen", murmelte Lucien und sah dann wieder Andvari direkt an. "Wenn wir dieses Vorhaben in die Tat umsetzen, würde ich Euch gerne begleiten, Andvari. Ich befürchte ihr werdet jemanden brauchen, der euch daran erinnert, was hier auf dem Spiel steht. Und da wir beide wohl in Zukunft die Königswürde auf unseren Häuptern tragen werden, sollten wir lernen miteinander auszukommen."
      Trotz der angespannten Situation bei Tisch, zwinkerte der Menschenprinz schelmisch seinem Gegenüber zu.
      "Meliorn und Isobelle werden unsere Augen in luftiger Höhe sein.", fügte er noch hinzu. "Albert und Tilda kümmern sich um die Menschen innerhalb der Stadt. Wir müssen darauf vorbereitet sein die Stadt zu verlassen."
      Das knarzen einer Holzdiele kündigte die Rückkehr von Viola an, die sich beindruckend leise zurück in den Schankraum bewegte hatte. Im Hintergund hörte man Tilda murmeln und fluchen. Die Heilerin sah allerdings davon ab sich wieder zu setzen.
      "Entschuldigt...", flüsterte sie knapp aufgrund ihrer überstürzten Flucht. Sie brauchte ihre Zustimmung nicht mitzuteilen. Jeder der Anwesenden wusste, dass sich Viola so oder so anschloss. Um zu helfen. Um Unschuldige zu schützen.
      Um Andvari die Möglichkeit zu geben, seinen Wunsch zu erfüllen und diesen Wahnsinn ein für alle Mal zu beenden.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari blickte beinahe herausfordernd zu dem jungen Menschenprinzen und auch wenn er anfangs eine leichte Abneigung gegen dessen Avancen und Einstellungen hegte, glaubte der Weißhaarige, einen durchaus fähigen König vor sich haben zu würden. Die Frage ist nur, werden weißen Thron von Tirion bestieg...
      Er wartete eine ganze Weile mit seiner Antwort und seufzte, als Viola wieder hinzutrat. Er wollte dass sie alles hörte, was er zu sagen hatte. Auch wenn es nichts gutes verhieß.
      "Die Raben sind ohne Skrupel, das ist wahr"; murmelte Andvari schließlich. "Aber doch ist Viola nicht umsonst mein HErz und mein erstes Schwert. Ich bin davon überzeugt, dass sie sich in einer GEfahrensituation zu behaupten weiß...AUch wenn der Feind derartige Monstren sind, gehe ich nicht davon aus, ihr Leben zu riskieren."
      Anschließend sah er zu Viola und berichtete in aller Kürze was besprochen wurde. Welch Opfer man ihr abverlangen würde, weil sein verteufeltes Gesicht zu bekannt war, um es als Köder zu nutzen. Anschließend blickte er mit einem entschlossenen, aber dennoch fragenden Blick zu ihr.
      "Nachdem du das alles weißt ist es an dir, Viola", sagte er. "Du hast das letzte Wort in dieser Sache. Wenn du es tun willst, nehme ich es an und gebe mein Möglichstes, dich unbeschadet dort heraus zu holen. Wenn du es nicht tun willst, gereicht es dir keiner Schande und niemand wird anders als jetzt von dir denken."
      Anschließend sah er nochmaols Lucien an und nickte.
      "Eure Gesellschaft ist mir willkommen", sagte er der Floskel entsprechend udn seufzte.

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    • Mit gesenktem Blick lauschte Viola den Worten, die ihr alles berichteten das sie aufgrund ihres Verhalten verpasst hatte.
      Die Stimme Andvaris verstummte und die Heilerin schloss die Augen, als sich eine drückende und erwartungsvolle Stille ausbreitete. Sie war sich der Blicke bewusst, die auf ihren Zuspruch hofften und eine Ablehnung befürchteten. Keiner, auch Viola nicht, konnten vorhersehen, was sie in den Klauen der Raben erwarten würde. Auf den Schutz des Zauberers konnte sie sich dieses Mal nicht verlassen. Die wirbelnden Gedanken in ihrem Kopf, die um jeden möglichen Ausgang dieser Finte kreisten, entschleunigten und kamen schließlich zu einem Halt. Die Augenlider blieben gesenkt, als sie die ersten schwerfälligen Silben hervorbrachte, angesichts des Opfers, das von ihr verlangt wurde.
      "Seit unserer ersten Begegnung habe ich mein Leben in deine Hände gelegt.", flüsterte Viola und schlug wie in Zeitlupe erste die besorgten Augen auf und hob letztendlich auch den Kopf ein wenig an. "Und ich vertraue dir."
      Bedächtig näherte sich eine zierliche Hand dem Gürtel um ihre Hüften, ehe sie die Schnalle mit erstaunlich ruhigen Fingern öffnete und den Gurt samt Dandelost von ihrer Hüfte zog. Sanft, als läge etwas äußerst Zerbrechliches in ihre Händen, legte sie das Schwert auf dem Tisch ab. Das flackernde Licht des Feuers spiegelte sich auf der gläsernen Oberfläche der Schneide. Ihr Blick lag nun ruhig auf dem Elfenprinzen aus dessen entschlossenem Blick sie Kraft schöpfte.
      "Ich möchte, dass du Dandelost für mich verwahrst. Der Gedanke, dass Faolan oder seine Schergen das Schwert in ihre dreckigen Finger bekommen, bereitet mit Übelkeit.", murmelte Viola und ließ die Fingerspitzen über das spiegelnde Metall tanzen. "Und sollte etwas schiefgehen..."
      Viola beendete den Satz nicht, denn es war nicht nötig zu erklären welchen Gedankengang sie verfolgte. Es auszusprechen, machte den möglichen Ausgang erschreckend real. Wenn ihr etwas geschehen sollte, würde er das Schwert jemand anderem anvertrauen müssen. Andvari brauchte seine Schwerter vollständig, auch wenn der Gedanke schmerzte. Das ungute Gefühl beschlich sie, dass ihr keine Zeit blieb für einen langen Abschied, auch wenn die Trennung nur von kurzer Dauer sein würde.
      "Wann fangen wir an?", fragte sie in die Runde und zwang sich, die Hand von dem Elfenrelikt zu entfernen. Es war nur eine winzige Bewegung, aber sie war sich schmerzlich der mystischen Verbindung bewusst, die gerade gestreckt und belastet wurde. Die Magie der Herzensschneide war ein Teil ihrer selbst geworden.
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    • Schweigsam nickte Andvari ihr zu und hasste sich gleichermaßen dafür.
      Für einen Moment empfand er nichts als blanke Wut für seine Abstammung und spielte mit dem Gedanken, die Raben zu suchen und aufzuknüpfen wie die Schandmäuler die sie waren. Langsam sah er wieder zu den anderen und blickte beinahe erschrocken auf das Schwert, dass sie in die Mitte des Tisches legte.
      Sachte spiegelte sich das Kerzenlicht im Widerschein der beinahe durchsichtigen Schneide und seufzend legte er eine Hand auf das Heft. Es fühlte sich falsch an. Es gehörte nicht in seine Hand. Es gehörte nur in ihre.
      Andvari betete, dass sich ihr Vertrauen auszahlte. Schweigsam griff er nach ihrer schmalen Hand und fragte sich, warum sein Schicksal immer öfter auf ihren schmalen Schultern lastete. So war es nicht geplant gewesen, aber war eigentlich irgendetwas an ihrer Reise geplant?
      "Es wird nichts schief gehen", sagte Andvari bestimmt, ehe Sylvar auch nur Luft holen konnte. "Es wird nichts schief gehen. Eher häute ich diese Bastarde bei lebendigem Leib.
      "Wir beginnen umgehend"; sagte Sylvar und nickte Lhoris zu. "Ich begebe mich zu den Raben und werde den Köder auslegen. In ein paar MInuten wird es beginnen. Gehe einfach nach draußen und verrichte scheinbares Abendwerk oder gönn dir einen Spaziergang. Ich werde im Hintergrund wachen, aber kann nicht garantieren, dass sie nicht grob werden."
      "Sylvar...", murmelte Andvari wütend udn sah ihn kalt an. "Geschieht ihr etwas wirst du kein Land finden dass dich sicher verwahrt."
      Lhoris seufzte und sah in die Runde.
      "Jedermann sollte seine Plätze einnehmen. Ich werde mich selbst im Verborgenen halten und anschließend versuchen, die LAge zu glätten. Andvari: Nur fangen! Du darfst sie auf keinen Fall töten!"
      Der Weißhaarige schnaubte und nickte widerwillig. Das Schicksal würde zeigen, wie lange sie überlebten.

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    • Für den Bruchteil einer Sekunde erlaubte sich Viola die vertraute Wärme seiner Hand zu spüren.
      Sanft drückte sie seine Finger und schöpfte Gewissheit aus der Geste, dass die Trennung nur von kurzer Dauer war. Dennoch kroch die Furcht langsam aber stetig ihre Wirbelsäule hinauf, kalt und eisig wie der beißende Nachtwind. Viola zog schweren Herzens ihre Hand zurück und blickte zwischen den Brüdern hin und her. Sie fragte sich still, ob die Kluft zwischen ihnen nach diesem Tag jemals wieder geschlossen werden konnte. Andvaris Zorn verwunderte die Heilerin nicht, die unterschwellige Wut keimte auch in ihrem Herzen, aber sie war nie der Menschen gewesen der diesem Gefühl Luft machte. Und gerade war für gegenseitige Vorwürfe nicht der richtige Zeitpunkt.
      Der Menschenprinz erhob sich von seinem Stuhl und zog in einer fließenden Bewegung das Tuch zurück über Nase und Mund, ebenso wie die Kapuze über sein Haupt. Neutral betrachtet wirkte der Aufzug ein wenig zu gewollt mysteriös und dramatisch. Eine Tatsache, der sich Lucien durchaus bewusst war. Alles trug zu dem Ruf des geheimnisvollen Falkners bei, der bei den Versorgungstruppen gefürchtet war.
      Er nickte Andvari zu, bereit ihm in die Nacht zu folgen.
      Viola strich beiläufig ihre Röcke glatt und versuchte die Unsicherheit erfolglos zu kaschieren. Obwohl sie nichts lieber wollte, als Stärke aus dem Blick ihres Gefährten zu ziehen, glitt ihr Blick zur Tür. Ein unachtsamer Blick über die Schultern und sie befürchtete ihre Füße würden Wurzeln in die alten Holzdielen schlagen. Ein falsches Wort und sie würde nicht gehen. Also schwieg sie.
      Ein tiefer Atemzug hob ihre Schultern bebend an, ehe sie langsam einen Fuß vor den andern setzte. Sie vertraute auf Lhoris seinem Schwertbruder den Rücken frei zu halten und im schlimmsten Fall dafür zu sorgen, dass Andvari in Sicherheit war.
      An der Tür der Taverne angekommen, nahm Viola den hölzernen Eimer auf, dessen Scharniere mitleidig quietschten. Etwas Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, um in den Abendstunden ein Bad zu bereiten, war keine verdächtige Tätigkeit und gewöhnlich genug. Sie sah nicht zurück, als die Tür mit einem dumpfen Aufschlagen in ihre Angeln zurückfiel.
      Frisch gefallener Schnee knirschte unter ihren Füßen und die kalte Luft kroch durch die Lagen ihres Kleides.
      Der Weg zum Brunnen war weit genug, um sie von der Sicherheit der Taverne fort zu führen. Eine einzelne, klägliche Fackel erhellte das alte Bauwerk aus Stein und Holz, von dessen kleinen Dach Eiszapfen herabhingen. In manchen Fenstern brannte noch vereinzelnd Licht, obwohl die Abendstunden schon weit fortgeschritten waren.
      Das Warten trieb die Anspannung in ihre Knochen.
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    • So wie sich alle erhoben, verschwand Sylvar ohne ein Wort, indem er beispielhaft ins Nichts marschierte und von der Dimension geschluckt wurde. Es würde seien gute Weile dauern, die Raben zu animieren und Andvari blieb kaum Zeit.
      Er befestigte Violas Schwert an seinem Gurt und erhob sich langsam,e he er bei der Kostümierung des Prinzen zusah. Unter anderen Umständen hätte er sicherlich den einen oder anderen Kommentar hierfür übrig gehabt, aber dies war nicht schicklich in Zeiten der drohenden Not.
      Er nickte dem Falkner zu und murmelte: "Haltet mit. Ich werde nicht zurückschauen."
      UNd begab sich auf dem Seitenausgang in die finstere Nacht.


      Geraume Zeit später

      Die Nacht hatte sich vollends entfaltet. DIe Welt lag im Dunkeln dar und sachte zog sich der beiernde Schleier der Nacht über die Stadt und sah mit glämnzenden LIchtern auf das Dunkel der Erde hinab. ZWischen den mitgenommenen Häusern der Stadt und den verroteten oder eingestürzten Giebeldächern bewegten ich drei Schatten. Der Eine groß, der Andere klein. Und in der Mitte eilte Sylvar, merklich verjüngt, durch den Schneematsch der Straße ohne einen Laut zu geben. An einer Häuserecke hielten sie inne um Viola zu beobachten, die vermutlich bereits den vierundsechzigsten Eimer Wasser transportierte.
      Der Brunnen lag in der Mitte der Stadt und war zumeist dunkel und unbewacht. Ideal für einen Hinterhalt, wie Dorynn, die Schlange, befand. Beinahe zu ideal.
      "Und du bist dir deiner sicher, Zauberer?", fragte er zischend und sah Sylvar an, der nur nickte.
      "Viola ist der einzige Weg, Andvari verwundbar zu machen", bestätigte er. "Sie ist das erste Schwert. Hüterin der Herzschneide. Es gibt niemanden, der es eher vermag..."
      "Ich sehe keine Schneide...", murmelte er, während Gorm grunzte.
      "nun...Sie hat sie wohl nicht bei sich, nicht wahr?"
      "Nicht wahr..."
      Das Nachäffen des Zauberer lag in der NAtur Gorms. Viel Grips mochte dieser grobschlächtige Riese nicht wirklich haben. Schweigsam betrachteten die beiden Raben einen Moment lang die junge Frau, ehe ein Ruck durch Dorynn ging und er sich wieder um sah.
      "Etwas stimmt nicht...", muremlte er. "Ich rieche etwas...."
      Sylvar sah ihn erstaunt an.
      "Was riechst du?"
      "Elfen...Und Verrat...Sylvar, hast du uns etwa..."
      Der Zauberer schnalzte mit der Zunge.
      "Als würde ich das tun...", zischte er. "Nun geht! Wenn ihr auch nur eine Chance haben wollt, Andvari verwundbar zu machen."
      Eine Weile lang ergab sich Dorynn in meckerndem Gelächter.
      "Ahc mein alter Freund..."; bemerkte er. "Wer sprach denn von verwunden?"
      "Ich verstehe nicht..."
      "Das war mir klar, mein Freund. Wir werden diese wunderbare Menschenfrau schon zu nehmen wissen...Ich hörte, ihr Fleisch sei besonders an den weichen Stellen schmackhaft...
      "Was..."
      Ehe Sylvar auch nur ein weiteres Wort sagen konnte, fuhr Dorynn herum und riss blitzend einen Dolch aus dem Holster. eine geflammte Klinge fand ihren erbarmungslosen Weg in die Brust des Magiers, ehe dieser auch nur atmen konnte. Erstaunt und gleichsam schmerzhaft starrte er auf den Stahl, der in ihn gefahren war. Gorm besah sich des Schauspiels beinahe teilnahmslos und Sylvar konnte schwören, dass sich unter der MAske ein Lächeln stahl.
      Mit einem gewaltigen Satz verschwand der Riese auf das nächstgelegene Dach, von wo aus er wachsam umblickte. Mal sehen wo die Vögelein waren...
      Dorynn riss indes seinen Dolch aus Sylvars körper, der wie ein nasser Sack zu Boden fiel. HAch, diese Überraschung. Es war beinahe so gut wie ein Hurenhausbesuch, wenn man es so betrachtete.
      Anschließend blcitke er zu Viola und ging in die Knie. Mit kurzen, schnellen Tritten begann er einen hastigen Lauf, der auf dem Matsch nicht zu hören war und schoss auf Viola zu. Es wurde Zeit die Beute einzusacken, ehe die Falle zuschnappte, nicht wahr?"

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    • Rückwirkend betrachtet, war das Manöver mit dem Wassereimer kein guter Einfall gewesen.
      Ächzend stellte Viola den schweren Eimer auf dem matschigen Boden vor dem steinernen Brunnen ab und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn. Obwohl sie sich fürchtete, sehnte sie beinahe herbei, dass Sylvar sich mit seiner List beeilte, bevor ihre Arme von dem unhandlichen Gewicht so lang wurden, dass sie den Boden berühren konnte ohne sich dabei zu bücken. Die Heilerin bemühte sich den Blick nicht allzu auffällig durch die Dunkelheit wandern zu lassen. Auf keinen Fall durfte sie verraten, dass sie von der geplanten Entführung wusste. Dabei unbedarft zu wirken, gestaltete sich jedoch als schwierig.
      Für einen Augenblick legte sie den Kopf in den Nacken und blickte in die sternenklare Nacht hinauf. Weiße Wölkchen bildeten sich unter den angestrengten Atemzügen vor ihrem Gesicht, das rote Haar klebte trotz der eisigen Kälte schweißnass in Stirn und Nacken. Unter anderen Umständen würde sich Viola um eine mögliche Unterkühlung sorgen. Ein weitaus größere Gefahr lauerte allerdings in der drohenden Finsternis der kalten Winternacht. Ohne das feine Gehör der Elfen war es für Viola unmöglich verdächtige Geräusche auszumachen. Sie wusste um die lautlosen Tritte des Elfenvolkes und die Ungewissheit spielte ihr Streiche in den lauernden Schatten.
      Der Weg zurück zur Taverne gestaltete sich mit jedem Marsch schwieriger. Mehr Wasser als zuvor plätscherte aus dem alten Eimer, was ihr jedoch ganz Recht war. Der eiserne Henkel grub sich bereits schmerzhaft in ihre Fingerknochen und sie musste einen Halt einlegen. Zischend und Fluchend schüttelte sie ihre eiskalten und tauben Finger aus, die von der kalten Luft bereits rot waren ebenso wie ihre Wangen.
      Die Schwertübungen mit Andvari waren nicht das Einzige gewesen, in dessen Kunst der Elfenprinz sie geschult hatte. Die Fähigkeit auf die ureigenen Instinkte zu vertrauen, war den Menschen vor unzähligen Generationen verloren gegangen. Viola hörte den Verfolger nicht, aber sie spürte eine Präsenz, die sich bedrohlich wie ein Schatten nach ihr ausstreckte. Die junge Frau bückte sich langsam nach dem unliebsamen Eimer und umfasste den Henkel so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.
      Viola hatte sich trotz Besorgnis und vertrauter Angst als Köder zur Verfügung gestellt. Es war das Ziel sich gefangen nehmen zu lassen. Was nicht bedeutete, dass sie sich völlig kampflos ergeben würde. Sie würde ihm die Augen auskratzen, wenn nötig. Das meiste Wasser und somit Gewicht war aus dem Eimer geplätschert, so dass das Anheben wesentlich einfacher vonstatten ging. Sie schloss die Augen und hatte sich noch nicht ganz aufgerichtet, da fuhr ein Ruck durch ihre Wirbelsäule. Blind und allein auf eine Ahnung vertrauend riss sie den Eimer vom Boden und nutzte den Schwung einer Drehung, die sie auf dem rutschigen Boden beinahe die Balance verlieren ließ, um mit der hölzernen, ungewöhnlichen Waffe in Richtung ihres Verfolgers zu schwingen.

      Über den menschenleeren Straßen bewegte sich ein flinker Schatten von Dach zu Dach.
      Mit dem Blick eines Adlers spähte Meliorn in die von Sternen erleuchtete Nacht, um keine Bewegung zu verpassen. Die Raben waren legendär und die Geschichten über Faolans Schergen trotzten vor Grausamkeit und Blut. Schlitternd aber lautlos stoppte der Elf hinter einem alten, halb eingefallenen Schornstein. Bei den großzügigen Löchern im Dach, war dieses Gebäude offensichtlich unbewohnt.
      Isobelle auf seiner Schulter hielt sich mit aller Willenskraft und ihren Krallen an seinem Umhang fest.
      Der Himmel war zu klar um den winzigen Raubvogel in die Lüfte zu entlassen. Das Tier würde augenblicklich seine Position verraten, also behielt er sich Isobelle für den Notfall vor, um Prinz Lucien zu warnen. Der Merlin auf seiner Schulter klapperte nervös mit dem Schnabel und versuchte ebenso wie der Elf nichts zu verpassen. Die Aufgabe als Späher nahm der Vogel offenbar sehr ernst.
      "Ich weiß...", murmelte Meliorn und streichelte Isobelle sanft und behutsam über das aufgeplusterte Gefieder. Erstaunlicherweise ließ sie die liebevolle Geste zu. Auch ohne Sympathien zogen die beiden nun an einem Strang.
      Im Augenwinkel bewegte sich etwas und binnen Sekunden hatte Meliorn den Bogen gespannt und zielte mit einem tödlichen Pfeil in die Nacht.
      Konzentriert legte sich seine Stirn in Falten, als er nicht entdecken konnte. Hoffentlich spielte der kauzige Zauberer kein doppeltes Spiel. Er traute Sylvar nicht über den Weg. Prinz hin oder her. Mit angelegtem Pfeil und in der Hocke verbleibend, drehte sich der Bogenschütze und legte seinen Fokus auf Viola, die sich zu Füßen seines Ausgucks befand.
      Und da sah er ihn.
      Meliorn riss die Sehne zurück und fixierte den kleinen, flinken Schatten. Sollte dieser maskierte Bastard auch nur für eine Sekunde ernsthaft das Leben der Menschenfrau gefährden, wäre er bereit.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Dorynn sprintete vor.
      Seine Beine trugen ihn federleicht und rasant über den matschigen, leicht rutschigen Boden. Wie eine Symphonie der Schatten bewegten sich die kleinen Füße des Elfen zielsicher auf die Stellen im Schlamm, die nicht nachgeben und keine Geräusche machen würden. Bereits nach wenigen Sekunden ließ er die Häuserfront hinter sich und fixierte den Brunnen.
      Ein merkwürdiges Kribbeln durchfuhr seinen Nacken und beinahe hätte er den Kopf herum gerissen wenn er nicht gewusst hätte, das Gorm dort oben war. UNd vermutlich jeden rücksichtslos töten würde, der dort stand.
      Noch ehe die junge Dame sich wirklich fokussieren konnte, schlang die Schlange seine windigen Arme um die Hüfte der Frau und gleichermaßen um ihren Mund, ehe er sie mit sich mit riss.
      Sein Körper war darauf trainiert großes Gewicht zu tragen, aber dies war unerwartet. Keine Gegenwehr, kein Stoppen, kein Halten. Sogar ein federleichtes Gewicht hätte mehr Gegenwehr zu tage treten lassen. Und dies stank bereits wieder nach einer Falle.
      Dorynn riss ihr Gewicht mit sich mit und man hätte ihm auch eine Strohpuppe geben können, so wie sie im Abendwind mitgerissen und hinter einer Hauswand versteckt wurde. Noch ehe er sich seiner versah, blockierte er ihren Körper mit dem seinen, indem er seine GElenke um die Schultern aushing und sich schlangengleich um sie wickelte, während sein Kopf an ihrem Ohr verweilte.
      "Ein Wörtchen, Liebes...", flüsterte. "Nur ein kleines und es wird mir eine Freude sein, ein Stückchen zu naschen. Wir zwei werden jetzt gemeinsam ein wenig Spazieren gehen, nicht wahr?"
      Er wartete keine Antwort ab, sondern ließ ihr etwas Freiheit, um seinen Reisemantel übergroß püber sie beide zu werfen. DArunter versteckt sah er aus wie ein Rucksack, der sich vor Regen verbarg. In seiner rechten Hand hielt er einen Dolch und diesen an ihre Bauchschlagader, sodass er wispern konnte.
      "Geh...Zum Stadttor, Liebes."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Das aberwitzige Gefühl von Triumph ließ ihren Puls in die Höhe schnellen.
      Viola hatte sich nicht getäuscht und erblickte über ihren Arm hinweg einen flinken Schatten, der sich absurd schnell bewegte und mit erschreckender Leichtigkeit unter dem hölzernen Geschoss hinweg fegte. Fremde Arme schlangen sich um ihre Hüfte und der maskierte Angreifer riss sie in die Nacht fort. Was zurückblieb, war ein einsamer Wassereimer der geräuschvoll über den Boden rollte.
      Der Ruck, der ihren Körper erfasste, war so heftig, dass es ihr für einen Augenblick die Luft aus den Lungen presste. Die Gestalt riss sie förmlich von den Füßen und außer Sichtweite neugieriger Augen. Kein Laut drang über ihre Lippen, erst als sie zum Stillstand kamen, schienen ihre Lungen wieder fähig zu arbeiten. Ein Keuchen presste sich durch ihre Kehle, doch bevor sie sich umsehen konnte, verstärkte sich der klammernde Griff um ihren Lieb. Das ekelerregende Knirschen von Knochen, die aus ihren Gelenken gehoben wurden, erfüllte die Luft nah an ihrem Ohr und Viola wurde von dem Geräusch übel. Wie ein Schraubstock aus Fleisch und Blut verhinderte der abstarkte Klammergriff jegliche Bewegung der Arme und ihres Oberkörpers. So sehr sie auch versuchte, sich gegen die gewundenen Arme zu stemmen, es brachte nichts. Nutzlos zuckten ihre Finger an ihrer Seite.
      Heißer Atem streifte ihr Ohr und jagte einen unwohlen, eiskalten Schauer über ihren Rücken. Die Drohung in den Worten nahm sie durchaus ernst und der Gedanke, dass der Fremde sie um Stücke ihres Fleisches erleichtern wollte, schürte die Übelkeit in ihren Eingeweiden. Diese Raben besaßen tatsächlich weder Skrupel noch Anstand. Die Klinge, die sich selbst durch den Stoff bedrohlich gegen ihren Bauch drückte, sorgte dafür, dass Viola erstarrt die Luft an hielt. Sie hatte das Gefühl eine falsche Bewegung und der erstaunlich leichte Elf auf ihrem Rücken, würde sie ausbluten lassen wie eine frische Jagdtropähe.
      Vorsichtig und etwas wackelig durch das zusätzliche Gewicht und die fehlende Balance ihrer Arme, tastete sich Viola Schritt für Schritt über den glatten und matschigen Untergrund.
      Viola leckte sich über die Lippen und als sie den Mund trotz der Drohung öffnete, war es kein Schrei der ertönte sondern geflüsterte Worte in der eisigen Luft.
      Vaeril hatte für die Dreistigkeit sie zu verletzen mit seinem Arm gebüßt und sie konnte sich selbst in der wildesten Fantasie nicht ausmalen, was Andvari mit den Raben anstellte, um die Informationen zu bekommen, die sie brauchten.
      "Ich hoffe Ihr wisst, was mit dem letzten Elf passiert ist, der seine dreckigen Griffel nicht bei sich behalten konnte...", zischte sie.

      Über den Dächern folgte Meliorn lautlos Viola.
      Sein Blick huschte über die Hauptstraße hinweg und es gab nur eine Richtung, in die sie gehen konnte. Um die Stadt am Boden zu verlassen, musste sie das Tor passieren. Auf seiner Schulter begann Isobelle ausgeregtmit den Flügeln zu schlagen, deren Federn seine Wangen streiften. Mürrisch schob er das Tier etwas von seinem Gesicht weg und gab einen unwilligen, knurrenden Laut von sich.
      Dem Elf wurde es langsam zu bunt und er senkte kurz den Bogen, während er versuchte auszumachen, was den kleinen Raubvogel so aufbrachte.
      Auf einem der marroden Dächer erhob sich eine Unregelmäßigkeit, die einem ungeübten Auge kaum aufgefallen wäre.
      Er warf einen Blick hinab zu Viola und hoffte auf die wachsamen Augen von Mensch- und Elfenprinz, ehe er auf dem Absatz kehrt machte und auf die leblose Gestalt zusteuerte. Denn es war eindeutig ein Körper.
      Der Schreck traf in unvermittelt, als er das blonde Haar bemerkte, dass sich wie ein Fächer über angeschlagene Schindeln verteilte.
      Blut sickerte aus einer Stichwunde in seiner Brust und Meliorn kneite sich neben den scheinbar, leblosen Zauberer.
      Der Bogenschütze zog einen kleinen Streifen zerknittertes Papier aus der Innentasche seines Umahnges und kritzelte mit einem Stückchen Kohle eilige Worte darauf. Etwas grob band er die Nachricht an Isobelles Bein, welche sich mit klapperndem Schnabel über die grobe Behandlung beschwerte.
      "Schon gut du verwöhntes Federvieh...", murmelte Meliorn. "Flieg schnell und ungesehn."
      Isobelle erhob sich in die Lüfte, und der winzige Vogel war kaum in der Dunkelheit auszumachen. Es war ein Risiko, aber wichtig. Wenn Sylvar hier oben lag und nicht mit den Raben ging, ahnten diese Schergen bereits, dass etwas nicht stimmte. Sie hatten sie unterschätzt. Zögerlich streckte er die Hand aus, um seine Finger an Sylvars Hals zu drücken, um hoffentlich ein Lebenszeichen zu erhalten. Bei all seinem Argwohn, wollte er nicht derjenige sein, der die Botschaft vom Tod des Erzmagiers verkündete.
      Ziel Stadttor - Zauberer verwundet - Raben wissen es - Vorsicht geboten!
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Dorynn nutzte die Gunst der Stunde und drückte sein maskiertes Gesicht an ihre Wange und kicherte darunter. Das leidsame Holz federte leicht während er den Dolch näher an ihr warmes, wunderbares Fleisch drückte. Oh wie herrlich würde sich das alles anfühlen, wenn sie erstmal alleine waren. Eine seine Hände wanderte ihren Bauch entlang und schien sie beinahe zu liebkosen, ehe er sachte flüsterte:
      "Du sprichst von Vaeril", bemerkte er und kicherte erneut meckernd. "Hab keine Sorge, Menschenkind...Ich werde meine Finger noch eine Weile bei mir behalten. Auch ich habe Anstand. Nicht viel, aber einiges...Aber wenn wir alleine sind.."
      Er machte ein genießeres Geräusch an ihrem Ohr, dass in tausend Geschichten einem Stöhnen gleichgekommen wäre.
      "Ich werde dich liebkosen, Kleines. Dir Liebe zeigen und dich anschließend liebevoll ausweiden. Vor den Augen deines Liebsten. Aber...Ein Leben für ein Leben sagte der Magier doch, nicht wahr? Aber das Leben wurde ja leider genommen, tehähähähähä..."
      Er dachte noch kurz an den Zauberer als er Viola in Richtung des Stadttores bugsierte.
      "Nach dem Tor gehst du den schmalen Weg links vom Wald. Wir wollen doch nicht, dass die Falle deiner Freunde zuschnappt, zahahahahaha."

      Ach, diese Elfen.
      Immer hielten sie sich für so schlau. Neben der Eitelkeit vielleicht das größte Manko des schönen Volkes, dachte Gorm auf den Dächern der Stadt und betrachtete Meliorn, der wie ein Pfeil über die Dächer hüpfte. Durchaus talentiert, wenn man bedachte, dass es sich um einen harmlosen Soldaten handelte. Ein Festfressen.
      Langsam erhob sich der bullige Elf und ließ die Knöchel seiner Halswirbel knacken.
      Ein Opfer mehr oder minder. Schweigsam schoss er ebenso behände über die Dächer wie der Soldat und hielt sich im Wind- und Geräuscheschatten auf, damit man ihn nicht bemerkte. Und doch roch er die Angst. Den Schweiß und das Ungewisse an der Sache. Götter, wie er es liebte, dieses Kleinvieh zu jagen. Die Keule auf seinem Rücken hielt er mit einer Hand eng an sich gedrückt, damit sie keine GEräusche machte und sah zu wie Meliorn zu Sylvar hinab stieg und auf seinen Hals drückte. Ach wie lieblich.
      Federleicht kam er hinter dem Elfen auf, als der Vogel gerade entschwunden war.
      "Meine Mutter sagte immer: Tote sind die besten Freunde. Seht Ihr das auch so?", wisperte ern und löste die Keule vom Rücken.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola
      Viola spürte die groteske Liebkosung der unwillkommenen Hand über ihrem Bauch und würgte die aufsteigende Galle herunter.
      Allein das boshafte Flüstern, das so widerlich süß an ihrem Ohr erklang, beschleunigte den Herzschlag zu einem ungesunden Rhythmus. Jede Silbe sorgte dafür, dass sich ihr Magen umkrempelte und jegliche Farbe langsam ihr Gesicht verließ. Die Kälte allein hielt die scheinbar gesunde Röte auf ihren Wangen. Unter dem klammernden Griff zuckten ihre Muskeln vor Anspannung.
      Unter keinen Umständen durfte sie die Panik zulassen, die wie eine eiskalte Hand ihren Rücken heraufwanderte und drohte sich lähmend um ihren Hals zu legen schien. Viola spürte das verhasste Gefühl, wie sich ihre Lungen scheinbar zusammenkrampften und ihr das Atmen erschwerten.
      Das ekelhafte Stöhnen weckte alte Erinnerungen an Feuer und erstickendem Rauch. Viola glaubte für einen Augenblick sich tatsächlich übergeben zu müssen. Sie war sich längst nicht mehr sicher, ob sie der Aufgabe wirklich gewachsen war. Ohne es verhindern zu können, bildete sich der erste Angstschweiß in ihrem Nacken, wo feuchter und widerlicher Atem ihre Haut streifte.
      Die Erwähnung des Zauberers ließ sie hellhörig werden und stoppte die angsterfüllten Gedankensprünge, die drohten ihre Sinne zu benebeln. Um sich weiter abzulenken, grub sie ihre die Fingernägel tief ihre eigenen Handflächen. Der Schmerz sorgte für Klarheit.
      "Was habt ihr mit Sylvar gemacht?", flüsterte sie und wusste in derselben Sekunde, dass es etwas Schreckliches geschehen sein musste. Die Raben wussten von dem doppelten Spiel des Erzmagiers und waren davor gewappnet. Die nächsten Worte bestätigten das nur.
      Viola begann sich unter dem festen Klammergriff zu winden, als sie das Tor passierte, aber es hatte einfach keinen Zweck.

      Meliorn
      Nichts.
      Unter seinen kühlen Fingerspitzen fühlte Meliorn kein einziges Lebenszeichen.
      Vor ihm lag Prinz Sylvar, Erzmagier von Tirion, mit einer Klinge tief in seiner Brust vergraben und atmete nicht. Am Ende hatte ihn seine Geheimniskrämerei doch das Leben gekostet. Einen hinterhältigen Tod wie diesen hatte dennoch niemand verdient. Der Bogenschütze konnte nur hoffen, dass Isobelle seine Warnung gewissenhaft zu ihrem Herrn trug.
      Meliorn hörte die Bedrohung in seinem Rücken nicht, selbst sein Vertrauter der Wind hatte keine Botschaft von nahender Gefahr angekündigt. Eine Stimme erklang hinter ihm und bestrafte den Elf für seine Unachtsamkeit. Flink wie ein Wiesel sprang Meliorn zurück und spannte erneut die Bogensehne, nur um mit dem Pfeil direkt zwischen die Augen des Raben zu zielen.
      "Was ich in Frage stelle, ist die Erziehung Eurer Mutter.", knurrte der Elf mit dem zerfetzten Ohr und ließ ohne weitere Frage den Pfeil von der Sehne schnellen. Ein Zögern konnte ihn den Kopf kosten. Meliorn wusste, dass er schnell war, aber die Raben Faolans waren mit allen Wassern gewaschen und er würde nicht den Fehler begehen seinen Gegner zu unterschätzen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari



      Sie sahen die Entführung nicht wirklich, aber der geheime Weg, den sie eingeschlagen hatten, versprach sein Übriges, So zumindest konnten sie sich in den dräuenden Schatten der Nacht verbergen ohne sich dem Feind direkt zu offenbaren. Der weißhaarige Elf hoffte nach wie vor, dass Viola nichts zustieß. Auch wenn er sich seiner Kräfte bewusst war, so war es dennoch ein Risiko, das sich nur schwer abschätzen ließ.

      Schweigsam saß er neben dem Menschenprinzen und beobachtete lauernd wie ein Luchs den Weg, der außerhalb der Stadt die Route zur Nächsten begründete. Innerlich unruhig knetete er die Hände, verschwand aber sonst beinahe gänzlich mit seiner Umgebung, während lediglich die hellen Augen aus dem Nichts heraus stachen. Leichter, aber kalter Wind zog durch die Baumwipfel und durch das Rascheln der Blätter an den dichten Ästen hätte er beinahe das Geräusch der Flügel überhört, die sich ihnen rasant näherten.

      War das nicht…

      „Euer Vogel“, bemerkte Andvari und blickte hastig zum Himmel. „Ich glaube, er will zu Euch!“

      Es war merkwürdig. Weshalb hatte Meliorn den Vogel…Mit einem Mal wurde dem Elfen klar, dass der einzige Grund nur eine Änderung des Planes sein konnte. Achtsam richtete er den Blick wieder auf die Straße, wo nunmehr endlich Viola mit einem merkwürdigen Umhang zu sehen war.





      Gorm



      Nicht schlecht, nicht schlecht, dachte der Elf, als er die Reflexe seines Volkskameraden bemerkte. Durch und durch Soldat eben. Er sprang wie eine kleine Feder über den Leichnam des Zauberers und spannte noch in der Drehung einen Pfeil. Gorm erinnerte sich nicht an viele Gegner, die derartige Fähigkeiten aufwiesen.

      „Respekt, Herr Elf“, murmelte er und wich dem Pfeil aus, indem er seinen Kopf einer ein Stück zur Seite neigte.

      Auch wenn Pfeile schnell kamen, so musste man meist nur das Zeitgeschehen abpassen um ihnen auszuweichen.

      Rasch riss er seine Keule hervor, die einem eher grobschlächtigen Knüppel ähnelte und gab ein merkwürdig kehliges Geräusch von sich.
      „Alsdann“, sagte er und schoss auf den Elfenschützen zu.

      Die Keule hoch erhoben, ließ er sie mit einer Urgewalt an Kraft hernieder sausen, wissen, dass es dem Elfen entweder den Schädel oder aber die halbe Straße spalten würde.





      Dorynn



      Dorynn genoss seine Zeit mit der jungen Menschenfrau viel zu sehr wenn er ehrlich war.

      Amüsiert, dass er den ollen Zauberer überlisten konnte und gleichsam erahnte, was diese verfluchte Menschenbande hier vorhatte. Eine einfache und simple Falle, nicht wahr?

      Sachte lenkte er die junge Frau, die sich mehr und mehr gegen seine Zärtlichkeiten zur Wehr setzte, in Richtung eines kleinen Waldweges, den er unbewacht glaubte.

      „Nun stell dich nicht so an, Kleines!“, zischte er. „Schön weitergehen, sonst breche ich dir Knochen um Knochen, tihi.“

      Kurz sah er sich in seinem begrenzten Radius um, sah aber tatsächlich nichts. Verdächtig, viel zu verdächtig…

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      The more you drag me to hell
    • Lucien
      Schwerfällig atmete Lucien die eisige Nachtluft ein.
      Mit einem Elf Schritt zu halten, stellte sich als schweriger heraus als der Kronprinz zugeben würde. Die Tatsache, dass Andvari neben ihm völlig unberührt von der Anstrengung saß und den spärlich erhellten Pfad im Auge behielt, kränkte den Menschenprinzen in seiner persönlichen Ehre. Verstohlen schielte er zu Andvari herüber und entdeckte zu seiner Verägerung nicht einmal eine winzige Schweißperle auf seiner Stirn. Es war beinahe unverschämt wie leichtfüßig sich das Elfenvolk selbst auf winterlichen und vereisten Untergrund bewegte. Lucien hatte sichtlich Mühe gehabt, mit seinem mürrischen Begleiter aufzuschließen.
      Fragend, aber ausnahmsweise schweigsam, folgten die leuchtend blauen Augen dem wachsamen Blick zum Himmel, wo er eindeutig einen winzigen Fleck am Nachthimmel kreisen sah. Ein menschliches und ungeschultes Auge hätte den kleinen Raubvogel glatt übersehen können. Bemüht keine unnötigen Geräusche von sich zu geben, erhob sich Lucien für einen Sekundenbruchteil aus der geschützten Deckung. Es dauerte einen kurzen Augenblick, da setzte der Merlin über ihnen zu einem atemberaubenden Sturzflug an. Lautlos glitt der Vogel durch den Wind und verschwand im dichtbewachsenen Blätterdach. Ein leises Knacken ertönte, dann brach Isobelle durch die Baumkrone und landete auf dem ausgestreckten Arm ihres Herrn, der sich sofort in die Böschung zurückzog.
      Mit ernster Miene blickte er Andvari an und löste den kleinen Papierfetzen vom Bein des Falkens. Angespannt entrollte er die Botschaft und ein Schatten huschte über sein Gesicht. Lediglich aus dem Augewinkel blickte er den Elfenprinzen an und rechte ihm das mit Kohle beschriebene Papier.
      "Die Nachricht ist von Meliorn.", flüsterte er in die Stille der Dunkelheit. "Wir haben ein Problem, mein Freund. Ah, seht!"
      Mit einem Kopfnicken deutete Lucien zur Straße, wo gerade Viola mit einem merklich, unförmichen Umhang den Trampelpfad vor dem Haupttor betrat. Ihre Schritte wirkten zu steif und unbeholfen. Außerdem war dieses seltsame, viel zu große Kleidungsstück zuvor nicht da gewesen.
      "Wir müssen wachsam sein.", murmelte Lucien und ließ zu, dass Isobelle ihren zierlichen Kopf gegen seine Wange drückte. Sorge spiegelte sich in seine Blick, während er zurück zu den Dächern Beleriands blickte. "Folgen wir ihnen..."

      Meliorn
      Mit Schrecken erblickte der Elf, wie sein Pfeil ins Leere ging.
      Der grobschlächtige Riese ließ das Ausweichen spielend leicht aussehen, als wäre das tödlich gemeinte Geschoss nicht mehr als eine lästige Fliege. Meliorn senkte kurz den Bogen und versuchte alle seine Sinne zu schärfen. Er durfte den Raben nicht zu nahe kommen lassen. Ein gezielter Schlag mit der gewaltigen Keule und er würde den Tagesanbruch nicht mehr erleben. Ein großer Schatten erhob sich über das Dache, als der Knüppel in die Luft gehoben wurde und mit ungebremster Kraft hinabfiel.
      Der riesige Elf mit seiner finsteren Maske mochte auf den ersten Blick schwerfällig wirken, doch Meliorn schaffte es nur um Haaresbreite dem Schlag auszuweichen. Geschickt rollte er sich über die Schulter zur Seite ab und rutschte dabei über den First hinweg, die andere Seite des Daches herunter.
      Auf die geringe Distanz war sein Bogen keine Hilfe, aber darum brauchte er sich nicht mehr sorgen. Noch während Meliorn über die bemoosten Schindeln schlitterte, sah er das Ende des Daches näher kommen. Er hatte keine andere Wahl als die Waffe loszulassen und mit beiden Händen die die Dachkante zu umfassen, um nicht in die Tiefe zu fallen.
      Ächzend schlug er die Finger zwischen die Schindeln und spürte den schmerzhaften Zug in seinen Schultern, während sein Gewicht ihn hinab zog. Der Untergrund war einfach zu feucht und rutschig.
      Mit aller Kraft schaffte er es sich hochzuziehen und warf ein Bein zurück auf das Dach. Hektisch blickte er zu First, um nach dem Raben Ausschau zu halten. Er musste sich beeilen.

      Viola
      Mit jeder wehrhaften Bewegung spürte Viola, wie sich der schlangenartige Griff weiter verstärkte.
      Dieselbe Taktik benutzten die schuppigen Räuber in der Wildnis. Bei jedem panischen Atemzug, jedem zucken eines Muskels zog sich der tödliche Würgegriff immer weiter um sein Opfer zusammen. Der Erstickungstod wäre gnädiger gewesen, als das Vorhaben des irrsinnigen Raben, der sich in ihren Rücken presste. Er hielt sie so geschickt in Schach, dass sie kaum ihre Arme bewegen konnte und schaffte es sogar sie gezielt zu lenken, als hätte ihr Körper keinen eigenen Willen mehr. Die erstaunlich biegsamen Arme hatten sich dank der ausgekugelten Gelenke auf abstrakte Weise über ihre Schultern gelegt und um ihre Arme geschlungen, nur um die Gliedmaßen eng an die Seiten zu drücken. Selbst ihre Schritte hatte der elende, dreckige Kerl auf ihrem Rücken unter einer gewissen Kontrolle. Der Druck in den Kniekehlen zwang sie stetig vorwärts. Lediglich den Kopf vermochte sie um wenige Zentimeter zu bewegen.
      Angst war ein hervorragender Antrieb, wenn sie richtig genutzt wurde. Ihre Frage wurde natürlich mit keiner Antwort belohnt. Es wunderte sie nicht. Die Heilerin blickte dem finsteren Waldrand entgegen, dessen Schatten sie zu verschlucken drohte. Der fremde Körper der sich stetig gegen sie presste, war kaum noch zu ertragen. Selbst die Klinge an ihrem Bauch hielt die aufflammende Furcht nicht zurück.
      Wie ein bockiges Pferd rammte Viola die Fersen in den schlammigen Boden und riss den Kopf herum.
      "Nenn mich nie wieder Kleines...", zischte Viola und schnappte bissig nach dem Stück seines Armes, der über ihrer linken Schulter lag. Die stumpfen Zähne hatten keine Chance das Leder zu durchbrechen, aber sie hoffte das es schmerzte. Allerdings, jemand der leichtfertig seine Gelenke aus den Knochen hob, spürte wohl kaum Schmerzen.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Gorm

      Hach, es splitterte so schön. Krachend fiel die Keule hernieder und riss das Dach wie eine gewaltige Maschine auf. Schreie begannen zu ertönen als die Keule durch die Schindeln schlug und diese wie Kleinod aufwirbelte. Durch die Splitter hindurch schulterte Gorm seine Keule und schnalzte mit der Zunge.
      "Also wirklich kleiner Elf", schimpfte er. "Mutter sagte immer: Laufe wenn im Zick-Zack damit man dich nicht trifft."
      Immerhin hatte er den Bogen verloren. Das war ein Gewinn für Gorm. Zumeist waren Schützen im Nahkampf nicht zu gebrauchen. Meckernd lachen bewegte er sich auf den Dachbalken und sah hinüber zum anderen Ende des Daches wo der Elf gerade wieder hinaufkämpfte.
      "Na na na. Lauf Mutter doch nicht weg, mein Kleiner!"
      Mit dem letzten Wort stieß der Rabe sich ab und kam meckernd lachend schneller über die Schindeln näher als ihm lieb war. Sie waren rutschig, zugegeben, aber GEschwindigkeit machte die Ungenauigkeit wett. So zumindest dachte er.
      GErade als er Meliorn erreichte, glitt Gorm auf einer Schindel aus und prallte hart auf den Rand des Daches, das sogleich unter ihm nachgab. Eine Hand, klauenartig wie es schien, griff in den Stein des HAuses und zog eine gewaltige Kratzspur hinter sich. Die Haut darunter glänzte wie Metall, als er schwer auf dem Boden aufkam und wütend hinauf sah.
      "Mist verdammter..", zischt er.
      "Hallo, Gorm", murmelte eine Stimme neben ihm.
      Lhoris schälte sich aus dem Schatten und blickte vernichtend zu dem Raben.



      Andvari und Dorynn

      Andvari sah zu Lucien und nickte schweigsam. Sicherlich hatten sie aufzupassen, aber ihm entging der wachsame und sorgenvolle Blick des Prinzen nicht.
      "Macht Euch keine GEdanken", murmelte er. "Meliorn ist ein Soldat, der die Schlacht und den Tod kennt. Er wird ihm nicht leichtfertig in die Arme laufen."
      LEichter gesagt als geglaubt, dachte Andvari bei sich während er sich selbst fragte, ob der andere Elf zurecht kam. Er wusste zwar, dass Lhoris zurückgeblieben war, um die Stadt zu schützen, aber dennoch blieb der Rest eines Zweifels.
      Doch die Aufmerksamkeit blieb nicht lange bei dem Elfen. Andvari beobachtete eine wackelig gehende Viola, die sich gegen etwas zur Wehr setzte was unter dem Umhang zugange war. Freilich hatte der Prinz Gerüchte gehört. VOn einem Elfen, der einer Schlange glich. Den man wegen Mordes verurteilt und hingerichtet hatte. Eigentlich.
      Und vor allem bemerkte er es durch den Schmerzensschrei der durch die Wälder hallte, als sich zwei gigantische SChlangenhände aus dem Umhang erhoben
      "WIE KANNST DU ES WAGEN DU DRECKIGES MENSCHENWEIB!"
      Etwas blitzte unter dem Umhang und in der Hand des Elfen. Andvari zögerte nicht alnge.
      "Lucien!"
      Er hatte ers gerade ausgesprochen, da schoss er bereits eine Lichtkugel ab, die sich in seiner Hand manifestiert hatte. Goldene Fäden fanden zueinander und erhellten den Wald taghell als er vorbeischoss und sich in die Hand des Anderen bohrte, der den Dolch daraufhin fallen ließ.

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      The more you drag me to hell
    • Meliorn

      Die sorgfältig errichtete Dachkonstruktion gab ächzend und splitternd unter der gewaltigen Wucht der Keule nach, wie ein fragiles Kartenhaus. Dachsparren brachen mit einem ohrenbetäubenden Krachen und die gebrannten Schindeln zerschellten wie Glas. Scherben und Splitter stoben zu allen Seiten davon und Meliorn verbarg das Gesicht schützend in der Armbeuge. Unter seinem Körper erzitterte das gesamte Gebäude und verzerrt drangen die panischen Schreie der Hausbewohner durch die klaffende Loch im Dach. Eine unbekannte Männerstimme herrschte die weinenden Kinder und eine panische Frau dazu an, sofort das Haus zu verlassen. Kluger Mann.
      Bei der grollenen Stimme des Raben wagte Meliorn den Blick zu heben und versuchte hektisch weiter auf das zerstörte Dach zurück zukommen. Er brauchte dringend festen Boden unter den Füßen und eine Waffe. Die letzten Pfeile in seinem Köcher waren nutzlos und durch den halsbrecherischen Sturz wahrscheinlich gebrochen.
      Die Worte, die hinter der Maske hervordrangen, ließen Meliorn die Augenbrauen in die Höhe ziehen.
      Mutter? Mit diesen Raben stimmte irgendetwas nicht. Wie alle Soldaten kannte auch der Bogenschütze die grausigen Legenden um die fragwürdige Eliteeinheit, die Faolan um sich scharrte, wie ein Kadaver die Fliegen. Die Raben galten als gnadenlos und vor allem als wahnsinnig. Ein Krieger kämpfte, weil es seine Pflicht war. Die Raben allerdings schienen an ihrem blutigen Handwerk auch noch Freude zu haben. Zumindest schien sein Gegener, der gerade einer lebendigen Kanonenkugel gleich das Dach herunter geschossen kam, seine helle Freude zu haben.
      Meliorn presste sich so gut es möglich war flach auf den Untergrund und hoffte, dass der Rabe ihn verfehlte. Ein glücklicher Zufall ließ das bereits instabile Dach nachgeben und riss den Untergebenen Faolans in die Tiefe.
      Schwer atmend zog sich der Schütze auf die kläglichen Reste des Daches und blickte nach unten. Gorm, wie er nun wusste, hatte eine Schneise der Verwüstung durch die Fassade gezogen und sah sich nun Lhoris gegenüber. Die Erleichterung, die Meliorn beim Anblick seines Mistreiters empfand, war kaum in Worte zu fassen. Meliorn war flink wie ein Wiesel, aber kein Kämpfer der lange im Nahkampf durchhielt. Zu Zweit hatten sie sicherlich bessere Chancen Gorm in Schach zuhalten.
      Während sich Gorms Aufmerksamkeit auf Lhoris richtete, kroch Meliorn über das rutschige Dache zum Leichnahm des Zauberers.
      Wie durch ein Wunder lag der leblose Körper noch genau dort, wo er ihn zurück gelassen hatte. Der Dolch ragte unheilvoll aus der Brust des Zauberers und da sein Bogen außer Reichweite war, musste er mit dem arbeiten, was ihm zur Verfügung stand.
      "Es tut mir leid. Wirklich leid.", murmelte er und umfasste das Heft des Dolches. Mit einem schmatzenden Geräusch zog er die Klinge aus der Brust und balancierte die Klinge zwischen den Fingern, ehe er sich erhob und dieses Mal bedächtiger über das Dach zur Kante rutschte.
      Sie würden den Körper des Magiers später holen, wenn sich die Aufruhr gelegt hatte.
      Lauernd hockte er sich an die Kante und sah auf Gorm herab.

      Viola & Lucien
      Mit fragendem Blick sah der Königssohn zu Andvari herüber.
      Das Letzte, das er vermutlich von dem Elfenprinzen an seiner Seite erwartet hatte, waren tröstende Worte. Ein schmales Lächeln stahl sich auf seine Lippen und er warf einen letzten Blick über die Schulter Richtung Stadt. Obwohl Lucien weiterhin stumm blieb, zeichnete sich Dankbarkeit in seinem Blick ab. Seine Verbindung zu Meliorn war betont physischer Natur, auch wenn er die Eigenschaft des Elfen bewunderte, dass er ohne Zweifel durch jedes Schauspiel blicken konnte, das der Menschenprinz oftmals an den Tag legte. Der Gedanke klang in seinem eigenen Kopf bereits schwachsinnig, aber mehr konnte und durfte er sich nicht erlauben.
      Ein markerschütternder Schrei lenkte seine Aufmerksamkeit zu dem eigentlich Problem direkt vor ihrer Nase.
      Im fahlen Licht des Wintermondes glänzte die Klinge eines Dolches auf, der sich unter dem schützenden Umhang erhob. Das aufklaffende Kleidungsstück gab den Blick auf eine groteske Anordnung von Gliedmaßen frei, die die Heilerin umschlungen hielten.
      Lucien hielt für einen Augenblick die Luft an und verzog angewidert das Gesicht. Der Prinz blickte zur Seite und bedeutete Isobelle ihren sicheren Platz auf seiner Schulter zu verlassen. Der Raubvogel schoss in einer waghalsigen Schraube in die Höhe und als Lucien einen schrillen Pfiff ausstieß, begab sich Isobelle in einen steilen Sturzflug. Kurz vor der wackeligen und sich windenden Gestalt am Boden streckte das Tier seine scharfen Klauen nach vorn und schoss direkt auf die Stelle zu, unter der sich der Kopf des Feindes vermuten ließ.
      Viola selbst erstarrte beim Anblick der Klinge und schloss mit unerschütterlichem Vertrauen die Augen.
      Das Versprechen, das ihr nichts geschehen würde, war nicht leichtfertig gegeben worden und so vertraute sie darauf, dass die tödliche Klinge sie nicht erreichen würde. Selbst durch die gesenkten Augenlider nahm sie das helle Licht war, dass sich näherte und ein befreiter Atemzug verließ ihre Lippen. Dabei umklammerte der Rabe in ihrem Rücken sie weiterhin unnachgiebig. Ein wenig Druck mehr und der Bastard brach ihr die Arme oder zerdrückte ihre Rippen.
      Die Heilerin riss die Augen auf, als sie den angriffslustigen Schrei eines Falken hörte.
      "Ich hoffe du hast deinen Frieden mit deinen Göttern gemacht...", murmelte sie und duckte den Kopf etwas weg, als Isobelle an ihrem Haarschopf vorbeischoss. Viola gerriet gefährlich ins Wanken.
      “We all change, when you think about it.
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    • Gorm und die Leiche auf dem Dach

      Das schmatzende Geräusch erhellte die Nacht und vereinigte sich mit dem Geräusch des Schnaubens. Das Blut auf der Brust des vermeintlich Toten begann im Schlage zu fließen. Als sei ein Fluss immer wieder unterbrochen worden und färbte das Gewand schneller rot als vorher.
      Gorm hatte Lhoris erblickt und konnte beinahe nicht an sich halten, breiter zu grinsen, als der Maskenrand erlaubte. Da war doch tatsächlich ein Toter. Nicht wahr?
      "Erstaunlich erstaunlich...", murmelte er und kratzte sich an der Nase. Es war deutlich erkennbar, dass seine Finger in silbernem Schein lagen. Als habe sich die Haut verfestigt und in metallene Platten gehüllt, die er grinsend bekaute.
      "Ich hätte gedacht, du wärest tot, Lhoris..."
      "Und ich dachte, du hättest mehr deines Hirns gefunden, Gorm. Aber was soll ich sagen. Erstaunen bleibt des Menschen Verdenken, nicht wahr?"
      Ein meckerndes Lachen war die Antwort, ehe beide Elfen wie auf Kommando die Waffen zogen. Gorm mit seiner gewaltigen Keule, die beinahe mannshoch über die Straße reichte und Lhoris, der ein edlles Schwert aus einer ledernen Scheide zog. Der Wind zog durch die Straße und ließ ein Heulen vernehmen, ehe die beiden Elfen aufeinander zuschossen. Sie bewegten sich schnell, präzise und beinahe unmenschlich. Die Schritte waren lautlos, fielen auf den Boden und berührten ihn scheinbar doch nicht, ehe die Klinge und die Keule mit einem lauten "TSCHAK" auf einander trafen. Wieder und wieder rissen sich die beiden Waffen im Tanze voneiander los und schlugen aufeinander ein, wobei keiner wirklich die Oberhand zu haben schien. ALs wäre es ein Tanz zwischen Gleichen bewegte sich das Kämpfende Duo mal vor, mal zurück in der Gasse und nutzte jeglichen Raum aus.
      Ein gewaltiger Hieb von Gorm ließ Lhoris das GLeichgewicht verlieren und in den Augen des Raben blitzte es.
      Erwischt!


      Andvari u Dorynn

      Es kam nicht oft vor, dass Elfen unmenschliche Geräusche von sich gaben.
      Doch das Geräusch oder das Schreien des Raben, als sich scharfe Klauen um seine Maske wanden und nach seinen Augen tasteten, war unweigerlich tierischen Ursprungs. Wie vom Pfeil getroffen löste er den Griff seiner Arme und ließ sich nach hinten fallen, ehe er schreiend und mit dem Federvieh im Umhang zu Boden ging. DIe KRallen kratzten unangenehm über seine Haut und rissen blutende Wunden, während er versuchte, nach dem Kopf des Tieres zu langen.
      Andvari indes nutzte die Gunst der Stunde und bewegte sich vor wie ein Wolf. Mit einer Behändigkeit die einem Vogel gleichkam stieß er sich vom Baum ab und hastete durch das Unterholz, nichts gebend auf Geräusche, die er jetzt in Kauf nahm. Nach einem weiteren Rascheln stand er vor Viola und dem um sich schlagenden Knäuel.
      Doch es erschien nicht so einfach. Gerade manifestierten sich die Lichtfäden um seine Gestalt, als sich Dorynn freikämpfte und den Vogel beinahe achtlos zur Seite stieß.
      "Mieses Flattervieh!"; schimpfte er und kugelte seine Gelenke wieder ein, ehe er zu Andvari sah.
      "Erwischt!", sagte Andvari und grinste boshaft.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Meliorn

      Der Elf blickte hinunter auf die Straße, die gerade Schauplatz für eine erbitterte Auseinandersetzung wurde.
      Mit einem kurzen Blick in Richtung Gebäudefassade bemerkte Meliorn die erstarrten Gestalten der bedauernswerten Hausbewohner, die sich die bröckelnden Ruinen ihres Hauses ansahen. Verägert zog der Elf die Augenbrauen zusammen und wollte die Bewohner gerade anherschen, zu verschwinden, da tauchte Albert in einer der schmalen Gassen auf. Der alte Mann winkte die verzweifelten Menschen zu sich und verschwand mit ihnen hoffentlich in Sicherheit. Der Lärm des Kampfes musste mittlerweile viele Bewohner alarmiert haben. Tatsächlich fand sich in vielen Fenstern mittlerweile der Schein einer Kerze oder Ähnlichem. Mit den empfindlichen Ohren lauschte Meliorn hektischen Schritten im Matsch und dem Schluchzen von Frauen und Kindern.
      Es gab nichts, dass er augenblicklich tun konnte und so richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf Gorm und Lhoris.
      Der Anblick, wie Lhoris geschickt den mächtigen Hieben aus dem Weg ging oder sie gar konterte. Einem gewöhnlichen Menschen hätte es die Unterarmknochen zerschmettert. Meliorn hatte die Klingenkunst nie gemeistert, er hatte einfach kein Händchen dafür. Der Bogen stattdessen verlangte Konzentration und ein hohes Maß innerer Ruhe angesichts der Gefahr. Ohne seine vertraute Waffe fühlte sich der Bogenschütze wehrlos.
      In diesem Moment schwankte Lhoris und Meliorn nahm mit Schrecken den Triumph in den Augen des Raben war.
      "Oh, das lässt du schön bleiben...", murmelte er und begab sich direkt an die Kante des Daches.
      Einen tiefen Atemzug später ließ sich Meliorn mit erhobenem Dolch in die Tiefe fallen. Gorm war direkt unter ihm und wenn der Rabe sich in Sicherheit wiegte, bestand vielleicht eine kleine Chance, dass er den Anrgiff von oben nicht bemerkte. Der Bogenschütze fixierte einen Punkt zwischen Hals und Schulter, während er stille Gebete zu seinen Göttern schickte.

      Viola & Lucien
      Der plötzliche Verlust der fremden Gliedmaßen um ihren Körper beraubte Viola des trügerischen Halts.
      Der Ruck kam so unerwartet, dass die Heilerin, mittlerweile an das zusätzliche Gewicht in ihrem Rücken gewöhnt, einfach nach vorne stolperte. Sie schaffte es kaum sich mit den Händen auf dem schlammigen Weg abzufangen. Mit einem dumpfen Aufprall landete die junge Frau wortwörtlich im Dreck. Schlamm und matschiger Schnee verteilte sich in alle Himmelsrichtungen. Die kalte Nässe durch drang beinahe sofort die Kleidung der Heilerin.
      Hinter Viola erklang das schmerzvolle Schreien des Raben, der versuchte den gefiederten Angreifer aus seinem Gesicht zu bekommen. Isobelle zeigte keiner Gnade, denn sie kratzte und pickte als wäre der Teufel persönlich ihr Herr und Meister. Der zierliche Raubvogel hielt dem wehrhaften Feind aber nicht lange stand, mit einem kläglichen Kreischen wurde Isobell zur Seite gewischt wie eine lästige Fliege. Der Vogel landete außerhalb ihres Blickfeldes im hohen Schnee.
      Ein vertrautes Licht erfüllte die Dunkelheit des schmalen Pfades und Viola spürte sofortige Erleichterung. Die Wärme des Lichts auf ihrer Haut war ihr mittlerweile ebenso vertraut wie die zarten Berührungen ihres Gefährten. Wenig elegant und wackelig kam die junge Frau auf die Beine. Schlammspritzer zierten die von Kälte geröteten Wangen, aber bis auf diesen Makel wirkte die Frau unverletzte und wohlauf.
      Ohne zu fragen, griff Viola an den Waffengurt des Elfenprinzen und zog Dandelost hervor. Das gläserne Metall summte unter ihren Fingern angesichts seiner gewählten Trägerin. Obwohl Viola von oben bis unten nass und verdreckt war, hielt sie das Kinn beinahe würdevoll erhoben und das Elfenschwert fest in ihren Fingern.
      Lucien stand Andvari gegenüber auf der anderen Seite des Raben, einen glänzenden Krummsäbel in den Händen. Das Heft wies edle Verziehrungen auf und am Knauf eingearbeitet aus schwarzem Obsidian fand sich die filigrane Silhouette eines Wolfskopfes wieder.
      In seiner Armbeuge hielt der Menschenprinz ein zitterndes Bündel aus gesträubten Federn. Isobelle klapperte aufgebracht mit dem Schnabel.
      "Bringt euch niemand bei, dass man nicht ungefragt Hand an eine Dame legt?", sagte Lucien und es war unklar, ob er damit Viola oder den Raubvogel in seiner Ambeuge meinte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”