[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Elraya kam mit einem breiten Grinsen anspaziert. Sie sah aus wie ein Kind, dem man erlaubt hatte, sich so viele Süßigkeiten wie nur möglich einzuverleiben. Sie wirkte so regelrecht von Vorfreude ergriffen, dass man sich in dem Moment kaum vorstellen konnte, dass sie zu anderen Zeiten eine garstige Miene ziehen konnte.
      "Der Hafenmeister? Vielleicht. Wir müssen in jedem Fall zum Wasser, dort wird es die richtig dicken Fische geben - hah! Dicke Fische, weil wegen Wasser."
      Sie beförderte den Silbergroschen, den sie bei der Ruine gefunden hatte, zu Tage und ließ ihn auf ihren Fingern tanzen. Nach ihrem Geschmack fehlten nur noch die Leute, zwei waren gerade mal genug um einen halbwegs vernünftigen Angriffsplan auszuarbeiten.
      "Der Hafenmeister muss ein Büro haben, oder nicht? Oder wenigstens ein Zuhause. Oh, die Lagerhallen! Wir müssen uns auf jeden Fall die Lagerhallen ansehen. Und die Schiffe! Die Schiffe werden doch ganz sicher am meisten haben. Wie nennt man die Anführer von Schiffen? Die müssen wir uns vorknöpfen."
      Dann stutzte sie und ihre Vorfreude wich zum Teilen ehrlicher Enttäuschung.
      "Achja, du willst ja nur von unehrlichen Leuten klauen."
      Sie zog die Stirn in Falten.
      "Also der Hafenmeister. Aber wenn einer von diesen Schiffs-Treibern auch nur einen Hund verprügelt, dann ist er fällig!"
      Und schließlich stapfte sie missmutig, wenn auch noch immer leicht beschwingt, voran in Richtung Hafen.
    • Im ersten Moment fragte sich Jarku, warum Elraya so dringend zum Wasser wollte. War es ein persönliches Verlangen oder wurde ihr in Shegar erzählt, dort Schätze zu finden? Ähnlich wie der Humbug über Monster.
      Aber auch all das anschließende sorgte vorerst für eine kleine Drosselung, welche Sie zum Glück selbst noch erkannte und zurück zog um sich an seine Regeln zu erinnern.
      "Ich seh schon. Hast aufgepasst hm?"
      Er kam dabei auf Elraya zu und schlug ihr leicht mit dem gekrümmten Fingerknochen auf ihren Hinterkopf, was in der Umgebung allseits dafür bekannt war einer nahe stehenden Person seine Zuversicht auszudrücken.
      "Ich würd ja selbst gern in die Lagerhalle. Da werden ganz sicher auch illegale Waren gehandelt, doch sind wir hier neu. Haben halt keine Ahnung. Vieleiiiicht hat aber der Hafenmeister Ahnung davon"
      Er zwinkerte Elraya zu. Natürlich gab es nur eine Person in einer solchen Stadt, die nur ein Kontor bot, welche über so ziemlich alles bescheid wissen musste.. der Hafenmeister.
      Aber auch der folgende Satz, wohl um ihren Drang Luft zu verschaffen, lies Jarku nicht unkommentiert.
      "Jaaa. Wenn du siehst dass einer dieser Kapitäne etwas unmenschliches tut, werden wir ihn sicher noch in der Nacht bestehlen. Nun aber Augen auf das Ziel, okay?"
      Er presste sich an Elraya um folgend mit seinem Finger das selbe Ziel zu fokussieren.
      "Erstmal der da. Lass uns ihn doch mal prüfen. Ich geh hin und mach einen auf offiziellen Warenprüfer. Wird er ungehobelt oder greift mit an, kommst du direkt dazu und gibst dich als Zollfahnderin aus. Verstanden?"
      Er konnte verstehen dass wohl Niemand verstehen konnte, was er meinte, wer nie in einer Hafenstadt gelebt oder Zeit verbracht hatte, also erklärte er direkt weiter.
      "Also. Ein Zollfahnder darf Waren direkt prüfen, aber nur wenn eine Straftat beobachtet wurde. Wenn das nicht der Fall war, braucht so n Zollfahnder irgendwelche Papiere oder Adelige im Schlepptau. Da wir aber beides nicht haben... gib ihm einfach das hier, falls er danach verlangt."
      Da drückte Jarku ihr auch schon einen ziemlich ordentlich gefalteten Zettel in die Hand. Darin stand ein kompletter kauderwelsch, dafür aber ordentlich geschrieben mit einem unbedeutenden Siegel darunter, welchen er selbst durch eine Pressform gejagt hatte um Offiziell auszusehen.
      "Schau ihn dir doch mal an. Ich wette der kann nicht mal sein Hemd ohne Hilfe anziehen, geschweige denn lesen. Ich werd ihn etwas bedrängen. Mal sehen was passiert"

      Zuvor noch abwartend auf Elraya's Reaktionen, lief er nach seiner letzten Erklärung direkt los und konfrontierte den Hafenmeister wie besprochen.
      "Hey."
      Der ruppig muskulöse Mann mit enormen Geheimratsecken, schmieriger Haut und Aroma von billigem Rum drehte sich mit einem unerwarteten Schwenker zu Jarku um und blickte ihn nach erster Verwunderung etwas genauer an. Er hatte ganz eindeutig einen im Tee und schien mit jeder Faser seines Körpers Verachtung aussprechen zu wollen gegenüber jeden den er nicht kannte.
      "Kenn keinen Hey. Was willste? Hab zu tun kleiner Mann. Zieh leine!"

      Jarku lies sich nicht abbringen und schüttelte leicht seinen Kopf während er zu lächeln begann
      "Tja das würd ich ja gern tun aber leiiider wurd mir mitgeteilt dass in dieser Stadt einige Gelder auf mysteriöser Weise verloren gegangen sind."
      Der Mann rümpfte die Nase und versuchte sofort für den Fall der Fälle strammer zu stehen.
      "Aja? Und von wo willste kommen? Wer schickt dich?!"
      Da wanderte Jarku um den Mann herum, betrachtete die Umgebung und strich hier und da mal mit seinem Finger über ein Geländer
      "Das solltest du eigentlich wissen. Hast du allen ernstes geglaubt die Gilde würde nicht was du tust?"

      Für einen kleinen Augenblick schnaubte der Mann wie ein Schwein und stemmte eine Faust an die Hüfte, nahe seines Messers, womit er wohl meist Fische ausnahm.
      "Die Gilde huh? Wenn du von der Gilde bist, ficke ich die Schwester des Königs. Diese Penner tauchen niemals auf wenn die nen kleinen Fleck auf der feinen Rüstung haben. Und wo ist denn der Fahnder? Ohne dem bist du so echt wie n stück Kupfer dass sich für Diamant hält! Verpiss dich von meinem Hafen."
      Da drehte der Mann Jarku auch schon den Rücken zu und röhrte lachend vor sich hin.

      Jarku, welcher von dieser ungehobelten Abfuhr verärgert war, versuchte schnell an etwas anderes zu denken als seine aufkeimende Wut gegenüber dieses Mannes zu sprießen versuchte.
      Und es gelang ihm. Er dachte an seinen Plan und die wartende Gefährtin, welche wohl noch genug für schlechte Momente des Mannes sorgen würde. Das sorgte flott für Ruhe in seinem Kopf und einem gezielten Griff auf die Schulter des fliehenden Mannes.
      "Ich fürchte ich kann sie nicht gehen lassen. Sehen sie.."
      Da gab er Elraya ein klares Handzeichen zu kommen
      "...Zunächst einmal, bin ich nicht alleine hier. Sehen Sie mich doch mal an. Klar. Kein offizielle Gesandter der Gilde, wie sie unschwer erkannt haben... jedoch..."
      Da zog er seinen Dolch und hielt es nun dem Hafenmeister mit der Spritze gegen den Schritt, als auch nun Elraya antrat
      "... sollte ihnen durchaus klar sein, was ihnen grade droht. Wenn die Gilde keinen offiziellen Vertreten schickt und doch eine Zollfahnderin in Begleitung einer Person wie mir schickt, haben Sie die Gilde mit Sicherheit enorm verärgert."
      Jarku lies seinen Bluff wirken, bis er die erste Schweißperle des Mannes purzeln sah.
      "Also? Zeigen sie mir nun was sie all die Jahre für sich gehortet haben? Oder muss ich Ihnen zeigen worin wir zwei wirklich begabt sind?"
      Da lies er seinen Dolch mit der Spitze voran auf den Augapfel des Mannes wandern und kurz zwischen Jarku und Elraya hin und her schwenken, um diesem deutlich zu machen grade ganz und gar nicht mehr sicher zu sein, egal für was er sich entscheiden würde.
      Daraufhin stampfte der Mann unbeholfen und ständig vor Angst stolpernd einem kleinen Steg hinab, rüber in Richtung seiner Behausung.
      Währenddessen sah Jarku kurz zu Elraya und zwinkerte ihr mit einem Auge zu.
      "Na dann? Das Buffet ist eröffnet. Spiel die Fahnderin und mach was auch immer du willst, solange dich niemand außerhalb seiner Mauern dabei sieht."
    • Elrayas Vorfreude wurde noch mehr von der langatmigen Erklärung von Jarku getrübt, der sie nur halb so schnell folgen konnte, wie er wahrscheinlich annahm. Sein Plan wirkte überaus kompliziert und überaus vage - wo war die Ablenkung, wer schlich sich herein, wie lautete der Fluchtplan? Sollten sie sich keine Verkleidung überziehen?
      "Der Zoll-Was? Was soll ein Zoll sein? Wieso redest du überhaupt mit den Leuten? Lass uns doch einfach reingehen, du lenkst ihn ab und ich bedien mich an seinen Taschen. Das ist viel unkomplizierter."
      Sie nörgelte noch ein wenig weiter herum, hauptsächlich, um ihrem Unmut über diese ganze Sache Luft zu verschaffen. Zu allem Unglück hatte sie diesem Vorhaben zugestimmt, da sie alleine kaum eine richtige Chance hätte - und sie wollte gar nicht erst darüber nachdenken, was sie sich von Valterri oder sonst jemandem anhören durfte von wegen Gruppengemeinschaft und Alle für Einen oder so einen Scheiß. Gruppengemeinschaft konnte sie mal, wenn sie niemandem die Taschen leeren durfte.
      Also gab sie sich schließlich trotz Nörgelei geschlagen und sah missmutig zu, wie Jarku den ersten Schritt anging. Sie musste lange warten, ewig wie sie fand, während Jarku den Mann wie ein Tiger umrundete, bis er ihr endlich ein Zeichen gab. Da streckte sie die Brust heraus, hob das Kinn wie ein stolzer Zoll-Was-Auch-Immer wohl herumstaksen würde, und stolzierte auf die beiden Männer zu. Bei ihnen angekommen stemmte sie beide Hände in die Hüfte und versuchte so herablassend wie nur möglich dreinzublicken. Sie hielt den Zettel, den sie von Jarku bekommen hatte, so weit in die Höhe, dass man ihn auch vom Wasser hätte erkennen können, und präsentierte das stolze und sicherlich gefälschte Siegel. Sie kam sich unheimlich dämlich dabei vor; Pria hatte das immer ganz leicht getan, sie hatte die Männer um ihren Finger gewickelt und dann abgeführt. Allerdings hatte Elraya sich auch mal von Lodoz sagen lassen, dass Pria eben attraktiv war und Elraya nicht.
      Der Zettel wirkte in diesem Fall dennoch und der Hafenmeister floh eilig vor den beiden rothaarigen, die weder einer Gilde, noch einer Zoll-Dingens angehörten. Elraya konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
      "Hah! Was für ein Idiot. Wir werden uns einfach überall Zugang verschaffen mit so einer Zollvaterin. Das ist viel einfacher als gedacht."

      Dann stakste sie davon in Richtung der Lagerhallen.
      Ganz so freudig war ihr Beutezug dann allerdings doch nicht, denn Elraya fand beinahe ausschließlich nur Plunder. Holzplanken, Fischernetze, Kanonenkugeln, Anker und einen Haufen anderes Zeug, für das sie noch nicht einmal einen Namen hatte. Ihre Stimmung dämpfte sich wieder, als sie sich bereits nach einem neuen Ziel umsah und schließlich an Jarkus Ärmel zupfte.
      "Lass uns die Schiffe probieren - das da zuerst."
      Und sie deutete auf das einzige Schiff im Hafen mit einem goldenen Rumpf, ein gewaltiges Segelschiff mit drei Masten und 12 aufgespannten Flaggen, jedes Wappen von den zwölf Herzogtümern. Das Schiff eines Botschafters.
    • Jarku sah sich mit Elraya in der Behausung um während der Hafenmeister bibbernd vor seiner Eingangstür stand.
      Leider zeichnete sich aber ebenso schnell ein unbefriedigter Gesichtsausdruck auf Jarku ein, wie auf Elraya. Klar hatte der Kerl keinen guten Ruf und wohl noch weniger Manieren, doch was er sich heimlich einsteckte, war beinahe ein schlechter Scherz für einen ordentlichen Dieb.
      Von seiner Enttäuschung etwas entmutigt, schlug Jarku die Eingangstür zu um alleine mit Elraya in des Hafenmeisters Behausung zu stehen, wo seine Begleitung promt den nächsten Vorschlag lieferte.
      Jarku schritt zum Fenster und blickte zum angesprochenem Schiff. Im ersten Moment legte sich ein zynisches Lächeln auf seine Lippen.
      "Ja.. Klar Elraya."
      Doch nach genauerer Betrachtung wiederholte er deutlich bedachter und etwas leiser
      "Ja.. Klar Elraya."
      So irrsinnig ihr Einfall auch wirkte, war er nicht ganz so irrsinnig wie vorerst angenommen. Solch riesige Schiffe bewachten, wie nun auch, meist den Übergang zum Steg und die meisten der Besatzung waren damit beschäftigt Güter hin und her zu tragen. Zumeist brauchten diese dafür einen halben Tag, wenn nicht mehr.
      "Das gefällt mir. Wenn du keine Angst davor hast nass zu werden, könnten wir tatsächlich ne Chance haben. Die Kanonen sind in einem Hafen niemals bemannt, somit schaut auch keiner auf die Ausbuchtungen. Wenn wir uns entgegen des Stegs leise im Wasser hinan schleichen und durch eines der Einbuchtungen schlüpfen, könnten wir flott in dessen Lagerraum vordringen"
      Sich vom Fenster abwendend und mit dem Rücken dagegen lehnend, sprach er laut nachdenkend vor sich hin
      "Wir müssen uns nur überleben wie wir den Zugang für die Besatzung verriegeln. Gesetz dem Fall dass sich auf dem Schiff keine Türen befinden oder dass sie über einen aufpassenden Lagermeister verfügen, müssen wir vorbereitet sein. Wir können nicht einfach hinein hüpfen, einem Lagermeister in die Arme springen, oder hinein hüpfen und keinen Weg finden den Zugang zu blockieren. Die werden jeden Moment ein und ausladen. Somit wird dort viel Betrieb herrschen. Also... Irgendwelche Einfälle?"
      So sah er mit verschränkten Armen zu Elraya rüber. Wie würde sie eine solche Situation angehen wollen. Beziehungsweise.. Wie sehr musste er Sie an die Leine nehmen um der Truppe keine Last zu sein.
      Bis hier her spielte sie ihre Rolle ziemlich gut. Es war sogar amüsant wie sehr sie darin aufging, auch wenn der Hafenmeister ziemlich betrunken und einfältig war.
    • Von der neuen Beute-Aussicht doch wieder ein bisschen mehr beflügelt, musterte Elraya das besagte Schiff genauer, während sie sich bereits vorstellte, dass die exakte Menge an Gold, die den Rumpf ausmachte, auch in seinem Bauch zu finden war, nur darauf wartend, von jemand gerissenem wie ihr gefunden zu werden. Sie würde reich werden, ein sehr reicher Dieb und dazu auch noch ein sehr betrunkener mit der Menge an Bier, die sie sich davon kaufen konnte. Sie würde das Leben einer Königin leben.
      Sie grinste über diese Vorstellung in sich hinein und hörte sich ungeduldig an, was Jarku dazu zu sagen hatte. Am liebsten wäre sie gleich reinspaziert, um sich zu bedienen, aber natürlich brauchten sie einen Plan - und einen Fluchtplan noch dazu. Eigentlich brauchten sie einen Berek, aber Elraya war fest dazu entschlossen, die Sache mit Jarku zu stemmen. Das würde dem stinkenden, unglaublich heißen Berek beweisen, dass sie durchaus in der Lage war, selbst einen Raubzug durchzuführen - und dass sie nicht dumm war, so wie alle immer sagten.
      "Wir brauchen eine Karte", überlegte sie laut und stolz darüber, etwas sinnvolles beitragen zu können.
      "Vom Inneren des Schiffs. Wir können durch die… Löcher reinkommen, aber dann müssen wir wissen, wo sie den ganzen Plunder aufbewahren. Oh, und außerdem brauchen wir einen Zweitplan, um da wieder hinauszukommen, falls was schief läuft. Oh, und außerdem brauchen wir etwas, um die Sachen durchs Wasser zu transportieren. Oh, und außerdem brauchen wir eine Ablenkung."
      Sie grinste großspurig über ihre eigene, unfassbare Intelligenz und tigerte dann ein wenig umher, während sie darüber nachdachte, wo sie diese Dinge herbekommen konnten. Das wäre eigentlich der Teil gewesen, an dem Berek die Führung übernahm, aber sie war fest dazu entschlossen, es mit Jarku allein zu regeln.
      Schließlich kam sie auf die Idee, noch einmal das Zimmer zu durchwühlen, dieses Mal allerdings nur mit dem Blick auf die wertlosen Fetzen Papier. Davon gab es zwar nicht viel, sie fand dennoch eine Karte vom Hafen, eine sehr genaue noch dazu, die sie sich gleich einsteckte, und noch eine Karte, die eher wie ein Lagerplan aussah. Sie drehte sich wieder etwas entmutigt zu Jarku um.
      "... Wo bekommt man eine Schiffkarte her?"
    • Die komplette Zeit, die Jarku mit Elraya verbrachte, verlief zu deren Gunsten. Zwar stellte sich heraus dass Elraya in vielen Dingen, die sie nie erwähnte, absolut unerfahren war, wie etwa der Aufbau eines Schiffes oder ein üblicher Wachplan von Seemännern. Doch gelang es beiden durch deren Geschick ein leises Eindringen, sowie eine erfolgreiche Flucht ohne einen einzigen Mucks von sich gegeben zu haben.
      Die gesamte Zeit über warfen sich Beide nur unabgesprochene Handzeichen entgegen, welche zu beider Überraschung gut genug funktionierten um jeden Störenfried schnell mit einem gezielten Hieb ins Koma zu befördern.

      Nach dessen erfolgreichem Raubzug erbeuteten sie doch tatsächlich ganze 4 mit Münzen gefüllte Lederbeutel und eine mysteriöse Truhe, die weder sonderlich leicht noch schwer war. Über den gekommenen Wasserweg war die Truhe nicht zu befördern, also kamen beide Zeitgleich auf die Idee, die lumpige Kleidung der erschlagenen Matrosen über zu ziehen, um diese dann gelassen über den Bootssteg zum Hafen zu tragen.
      Nun schnell in einer Gasse huschend, ungesehen jeder Person, öffneten beide die Truhe und teilten den Fund untereinander auf ehe die Zeit gekommen war sich dem abgesprochenem Essen zu widmen, der langsam aller höchste Zeit wurde.

      Allem Anschein nach kamen Jarku und Elraya tatsächlich als letzte an. Doch wartete noch kaum Jemand wirklich lang, da noch keiner ein Getränk serviert bekam.
      Jarku nahm sich die ungehobelte Freiheit, keiner Dame anwesend, was für Elraya wohl etwas wie ein Kompliment sein dürfte, als erster lautstark die Taverne zu betreten und nach der schnellen Auffassung, nicht lange fürs Warten verantwortlich zu sein, in die große reservierte Ecke zu wandern und seine Arme zu heben
      "Da seid ihr ja alle! Ich hab schon gedacht wir wären zu spät!"
      Jarku zog die meisten Augen auf sich mit seiner lauten freundschaftlichen Ansprache, nachdem er so promt die Tür aufgestoßen hatte. Anschließend setzte er sich ohne Elraya einen Platz angeboten zu haben, wie es sich für einen Gentleman gehört hätte.
      "Ihr werdet nicht glauben was hier für Umstände herrschen."

      So hielt er seine Hand hoch mit einem Ring verziert der aus purem Gold zu sein schien
      "Da liefen wir spazierend am Steg entlang als ich Elraya von unserer Zeit auf See erzählte und fanden einen komplett unbeaufsichtigten Kahn. Haben die doch tatsächlich ihre Truhen auf dem Steg gelagert und nicht im Kontor. Ist das zu fassen?"
      Jarku lachte. Valteri blickte beinahe etwas empört drein.
      "Hmph.. Ein Hafen sollte besser bewacht sein. Halunken dürfen nicht leichtes Spiel haben"
      Valteri's Abneigung war klar heraus zu hören, auch wenn er sich über die Ankunft der restlichen Truppe erfreute.
    • Die Truppe versammelte sich am frühen Abend zu einem, wie es schien, äußerst entspannten Abendessen. Die Taverne "Zum Träumenden König" war ein kleines Gebäude an der Hauptstraße, das zwar gut besucht, aber noch lange nicht überfüllt war. Die meisten Besucher dort, Arbeiter vom Hafen und teilweise auch Soldaten außerhalb des Dienstes, boten zwar eine gesellige, aber nicht rüpelhafte Runde. Es war gerade so laut, um eine durchgehende Hintergrundkulisse zu erzeugen, aber nicht laut genug, um sich daran zu stören.
      Die Gruppe kam für das zusammen, was sie in Shegar eigentlich hätten machen sollen, aber nie ausführlich dazu gekommen waren: Die Vorzüge einer Stadt zu genießen. Anstatt sich einen Platz in der Natur zu suchen und Suppe mit Trockenfleisch zu essen, konnten sie sich hier richtiges Essen bestellen, ausreichend gewürzt und in einer Vielfalt, die man es sich nur erträumen konnte. Renera erklärte feierlich, dass sie genau das ausnutzen sollten.
      "Wer weiß schon, wann wir das nächste Mal eine solche Gelegenheit haben werden. Abgesehen davon, müssen wir ausnutzen, dass uns noch keine Räuberbande ins Visier gefasst hat."
      Die unangenehme Auseinandersetzung mit ihrer Mutter war schon fast wieder vergessen und nachdem sie nun auch ihrer Pflicht als Tochter nachgekommen und sich um ihr Wohlergehen vergewissert hatte, war eine gewisse Last von ihren Schultern gerutscht, die ihr vorher noch gar nicht aufgefallen war. Es war wohl trotz allem schön zu wissen, dass ihre Mutter in diesem hohen Alter noch lebte.
      "Ich wünschte nur, Aradan wäre auch hier. Vielleicht wird er ja aufwachen, solange wir noch in der Stadt sind."
      Sie blickte hilfesuchend nach Valterri, der regungslos auf seinem Stuhl saß, aus Angst, ihn bei einer falschen Bewegung zu zerbrechen. Er hatte schon beim Hinsetzen gefährlich geknackt.
      "Wir können ihm eine Flasche Rum mitbringen. ... Mag er überhaupt Rum?"
      Die beiden Rotköpfe stießen nur kurze Zeit später hinzu, beide ein schelmisches Grinsen im Gesicht, das sie schon von der Ferne als Komplizen in irgendeiner verruchten Sache ausmachte. Tatsächlich wirkten sie wie eine Einheit, so wie sie mit federndem Gang herangeschlendert kamen, Jarku voraus, als könne er es nicht erwarten, den Rest der Gruppe in ihr Geheimnis einzuweihen. Renera runzelte die Stirn und bedachte Elraya, die außerordentlich glücklich schien. So fröhlich hatte sie sie tatsächlich noch nie erlebt.
      "Ein unbeaufsichtigter Kahn? Ach."
      Sie fragte lieber nicht nach Details. Wohin auch immer Elraya ging, konnte nichts Gutes dabei herauskommen.
      Sie bestellten großzügig und allerlei und tranken bereits, während der Geruch ihres Essens von der Küche herüberwehte. Renera wandte sich an die Gruppe, allerdings davon hauptsächlich an die Männer.
      "Ich muss zugeben, dass ich bisher wenig mit irgendeinem von euch geredet habe, wenn es nicht notwendig war. Man könnte wohl sagen, dass Aradan ein wenig meine Aufmerksamkeit abgelenkt hat."
      Sie lächelte verhalten und Elraya schnaubte abfällig.
      "Aber das möchte ich nachholen. Wieso erzählt ihr mir nicht ein bisschen von euch? Was habt ihr denn gemacht, bevor ihr Aradan getroffen habt? Ihr habt doch sicherlich auch eine Art Familie, ein Zuhause?"
    • Renera's hielt schnell mit ihrem Enthusiasmus, noch bevor überhaupt alle anwesend waren, eine kleine Ansprache, welche zumindest bei Valteri mehr Besorgnis auslöste als entspannen zu können. Zwar war er der gleichen Meinung was das frische Essen betraf, doch schien es in Isnijan wohl ziemlich üblich zu sein in jeder Stadt überfallen zu werden, wenn sie es schon so positiv erwähnen musste, bisher verschont worden zu sein. Kurz darauf auch direkt die missliche Lage mit Aradan, welcher einfach nicht mehr aus seinem Schlaf erwachen wollte... nachdem Valteri ihn dort hin geschickt hatte, trug noch viel weniger dazu bei feiern zu wollen.
      Und selbst wenn der Abend von positiven Themen bedeckt worden wäre, hielt ihn seine Sitzgelegenheit allem Anschein nach kaum stand. Egal wie er sich bewegte, immerzu knarzte die hölzerne Sitzgelegenheit als würde sie nur auf eine falsche Bewegung warten um ihn den Boden näher zu bringen.
      Von dem plötzlichen Einfallen der Rotköpfe abgelenkt, dachte Valteri nicht mehr daran auf die Frage mit dem Rum zu antworten. Viel eher wunderte er sich genau wie Renera über diese klar auffallenden Klunker, die Beide trugen. Hatte sich Jarku also doch wieder seinem alten Steckenpferd hingegeben.
      Aber er musste schon zugeben. Als die beiden hinein kamen, füllten sie den Raum in allem Überfluss mit guter Stimmung und verdrängten jeden noch so grausigen Gedanken. Da musste dann auch Valteri verschmitzt lächeln.
      Klar hätte er am liebsten etwas dagegen gesagt aber er kannte Jarku. Er beklaute niemals arme Leute oder erfolgreiche Geschäftsmänner die es nicht verdient hatten. Also beließ er es dabei und schob den beiden je einen Krug zu, welche kurz vor dessen Ankunft gefüllt wurden.

      Beide Rotschöpfe setzten sich zu den Anderen an den Tisch und stießen genüsslich miteinander an um den erfolgreichen Raubzug zu feiern.
      Den Krug noch im Gesicht begraben, stellte Renera schon ihre überraschend einsichtige Frage, welche mit Neugier belohnt wurde.
      "Aha? Du warst zu sehr auf unseren guten Aradan fixiert?"
      Sein Blick wanderte kurz nach Valteri
      "Hast du davon was mitbekommen?"
      Valteri lachte ehe Jarku wieder Renera fixierte und mit seinem Krug ihr entgegen wippte
      "Nenene, ich glaube wir alle interessieren uns viel mehr wieso ihr Zwei so aneinander klebt. Also. Lady's first. Warum ist unser Eisklotz Aradan in deiner Gegenwart wie ein Kleinkind vor nem Süßigkeiten Verkäufer? Alles was wir wissen ist, dass ihr aus dem gleichen Dorf stammt und n bisschen was zusammen erlebt habt bevor Soldaten kamen. Er ist da so unerträglich schweigsam drin, dass wir uns abgewöhnt haben zu fragen. Also. Raus damit!"
      Da zog er sich auch schon flott einen goldenen Ring von seinem Finger und hielt ihn Renera hin als wolle er sie damit bezahlen. Doch nicht nur er interessierte sich dafür. Wie er schon sagte, wandte auch Valteri seinen Blick zu Renera und die Zwillinge blickten ebenso mit großen Augen zu ihr.
    • Als wäre es ein Beweis Reneras eigens zugegebener Anhängigkeit, färbte sich ihr Gesicht eine Spur rötlicher und sie schob sich, in dem Versuch ihre Verlegenheit zu überspielen, eine Haarsträhne hinter das Ohr.
      "'Ein bisschen was zusammen erlebt' ist wohl ein bisschen vage ausgedrückt. Wir haben wohl ein paar Sachen durchgemacht, aber so richtig nähergekommen sind wir uns erst zum Schluss hin. Vor dem Angriff - oder vor den Soldaten, meine ich. Eigentlich ist es sehr schade, wir konnten kaum unsere gemeinsame Zeit genießen, den Umständen entsprechend."
      Sie nahm einen Schluck und entging dabei Elrayas genervter werdendem Blick. Die rothaarige Frau entschied sich bald, lieber mit ihrer Beute herumzuspielen, als einer langweiligen Liebesgeschichte zu lauschen.
      "Ursprünglich war meine Schwester - also meine richtige, leibliche Schwester - in ihn verknallt, fast von dem ersten Tag an, als wir uns gesehen haben. Sie war richtig nervig damit, hat mich immer vorgeschickt, damit ich sie mit ihm verabrede. Nähergekommen sind wir uns erst... Oh! Als er mir die Nase im Training gebrochen hat. Er hat mich ins Krankenhaus gebracht, als wäre ich schwerstverletzt."
      Sie lächelte über die Erinnerung, nicht etwa weil sie besonders schön gewesen war, sondern viel eher, weil es so sehr zu Aradan passte und sie es damals gar nicht bemerkt hatte.
      "Er hat mich auch ein zweites Mal ins Krankenhaus befördert, aber das ist eine andere Geschichte. Sie hat uns dennoch zusammengeschweißt, zumindest sie und auch die vielen anderen kleinen Ereignisse."
      Sie runzelte die Stirn.
      "Er hatte damals nicht viele Freunde - ich glaube sogar gar keine, wenn ich mich recht erinnere. Und ich hatte immer zu viel zu tun, um mir Freundschaften aufzubauen, ich schätze da waren wir wie füreinander geschaffen. Aber er hat mir trotzdem leid getan, besonders im Nachhinein. Er war einsam, glaube ich. Eine Kindheit wie seine möchte selbst ich mir nicht wünschen, so abgeschottet von allem... normalen."
      Sie schwenkte ihren Krug.
      "Nichtsdestotrotz haben wir jede freie Sekunde zusammen verbracht, die wir aufopfern konnten. Zum Schluss konnte man uns nur noch im Zweierpack antreffen, wir haben damals schon aneinander geklebt - zumindest bis die Soldaten kamen, den Teil kennt ihr ja wohl schon. Und dass ich dachte, dass er tot war, dürfte euch ja mittlerweile auch geläufig sein."
      Sie schüttelte den Kopf.
      "Es hätte kein schlechteres Timing geben können. Wir hatten uns gestritten - wirklich arg gestritten - und uns gerade wieder versöhnt, als alles irgendwie bergab gegangen ist. Dann wurde Aradan regelrecht entführt, binnen eines Tages unwiederbringlich zur Hauptstadt gebracht und als ich Monate später nachgekommen bin, habe ich nichts mehr von ihm gefunden als schwammige Aussagen darüber, dass Straßenjungen meistens auf der Straße verenden. Da war er ja aber schon auf See. Aber jetzt, wo er wieder hier ist, haben wir schließlich 12 lange Jahre nachzuholen; ich glaube ja selbst manchmal nicht, wie sehr ich ihn liebe, aber er hat sich damals wohl einen Platz in meinem Herzen freigehalten."
      Sie grinste wieder und hob ihren Krug an.
      "Auf Aradan? Und auf das Schicksal dafür, dass es uns genau zum richtigen Zeitpunkt zu genau dem richtigen Ort geführt hat."
    • Alle lauschtem dem Ausflug in die Vergangenheit. Valteri auf leicht auf dem Tisch gelehnt, mit einer Hand an seinem Krug und Jarku exakt wie die Zwillinge, mit beiden Armen auf dem Tisch, das Kinn mit den Handflächen aufrecht haltend, was jedoch nur bei Jarku ziemlich seltsam aussah und weniger für die jungen Zwillingsmädchen. Das einzige was Jarku wieder etwas mehr entsprach waren die goldenen Klunker die er an den Fingern trug und das anschließende Anstoßen auf dessen Anführer Aradan.
      "Darauf stoß ich gern an!"
      Valteri folgte der Gruppe nach einem zustimmenden nicken. Sogar die Zwillinge schnappten sich ihre Gläser, die in deren Fall aber nur mit frischer Milch gefüllt waren.
      "Auf Aradan!"
      "Auf Aradan!"
      Sprachen sie zeitgleich, was für einen kleinen Schreck bei Jarku sorgte. Zu selten hörte man die Zwillinge ein Wort sagen, was ihnen nur umso mehr Gewicht verlieh.
      Doch bemerkte Jarku wie Elraya nicht besonders geneigt war der Runde zu folgen, was wohl auch verständlich war, immerhin hatte sie keinerlei Erfahrung mit ihm gemacht, warum also auf ihn trinken? Also sah er es ihr nach und schnappte sich nach einem tiefen Schluck ihren Hals, um welchen er seinen Arm schlang und sie grob an sich riss
      "Keine Sorge! Du wirst bald schon auf ihn trinken. Da bin ich mir ziemlich sicher du alte Grummelbirne."
      Nach dem ersten Gezappel lies er sie schon wieder los und lachte dabei fröhlich.

      "Ach mensch. Ihr habt euch echt verdient huh? Ich wette Aradan hat schon das ein oder andere von uns erzählt oder irre ich mich da?"
      Dabei hatte Jarku seine Augen etwas gespitzt als wolle er Renera ein Geständnis entlocken, doch noch bevor sie einen Laut von sich geben konnte, hob er seine Arme ergebend in die höhe.
      "Na gut na gut. Dann will ich mal nicht so sein."
      Er nahm einen weiteren Schluck und wandte sich zum Inhaber, welcher wenige Meter entfernt hinter seiner Theke stand und Gläser säuberte
      "Hey. Dass mir hier keiner petzen geht okay?"
      Der Inhaber lachte und hielt seine Hand vor sich und die andere auf seine Brust
      "Ich würde niemals zahlende Kundschaft verraten"
      Da zeigte Jarku mit einem Finger auf ihn
      "Gefällt mir."
      Ehe er sich wieder zur Gruppe wandte
      "Also gut. Wo soll ich anfangen? Ich habs schon unserer Sonnenblume hier gesagt. Ich war mal in einer Organisation die Organisationen jagt. Ihr kennt doch alle diese Wachen die so tun als ob sie die Bürger schützen können, dabei halten sie sich immer an ihre Gesetze. Niemals Gewalt anwenden und immer Beweise parat haben. Natürlich wird sowas schnell ausgenutzt. Keiner interessierte sich noch ob eine Wache patrouillierte. Wenn eine mächtige Gruppierung auf dem Vormarsch war, haben sich auch die Wachen nicht mehr getraut ihre Route zu beenden. Es wurde gemordet und entführt wie es diesen Gruppen gefiel. Aber was macht man dagegen?"
      Er nickte
      "Mhm. Man gründet eine eigene Organisation, welche die Ordnung wieder herstellt. Keine Wachen die nach Regeln spielen. Viel mehr haben wir mit gröbster Gewalt zugeschlagen. Aber was rede ich lange. Ich war einer der Typen die man geschickt hat um Jemanden aus einer anderen Organisation leise verschwinden zu lassen und bestenfalls jede Information aus jener hinaus zu quetschen."
      Für einen Augenblick versank er in eine deutlich ernstere Stimmung und wirkte beinahe wie ausgewechselt als er auf den Tisch starrte. Ihm gingen bei seinem Rückblick eindeutig zu viele negative Erinnerungen durch den Kopf, was Valteri bemerkte und sofort zur Hilfe kam.
      "Vergangene Zeit. Warst kein schlechter. Richtig?"
      Dabei streichelte er Chie über den Kopf, die sofort freudig lächelnd nickte.
      "Ja gut okay. Manchmal musste ich auch Dinge tun die mich bis heute verfolgen aber wir loben doch unseren Anführer richtig? Darauf spielt unser Klotz nämlich an. Die süßen Zwillinge."
      Er seufzte ein mal kurz. Trotz seiner wieder gehobenen Laune war das einfach keine Geschichte der man lange Aufmerksamkeit schenken wollte, da man schnell der Gefahr ins Auge lief, was diese beiden niedlichen Mädchen hätten erfahren müssen.
      "Die hatten wohl am meisten Glück. Ich weiß du kennst die Geschichte von Aradan. Es war das erste mal als Minerva zum Vorschein kam. Wir befreiten Chie und Ruka nachdem wir auf versklavte junge Mädchen in einem örtlichen Bordell aufmerksam gemacht wurden. Leicht war es nicht da es das bekannteste Bordell des Landes war und somit auch ziemlich gut beschützt wurde. Ich meine.. schau sie dir doch an. Perverse hätten jede Summe bezahlt..."
      Sein letzter Satz lies hören wie sehr er solche Menschen verachtet.
      "Und wer weiß wie lange man sie dort gehalten hätte. Jedenfalls waren wir eigentlich schon auf dem Weg zum Hafen als wir diese Nachricht erhielten. Aradan sprach kein einziges Wort. Weder zum Informanten, noch zu uns. Er marschierte geradewegs ins Bordell und richtete jeden hin der ihn stoppen wollte."
      Jarku lehnte sich zurück und schmunzelte leicht während er Renera ansah
      "Wenn du in dieser Stadt das Bordell aufsuchen möchtest, wirst du hören - Kami ga shinpan no tame ni akuma o okutta hi. Das heißt so viel wie, "Der Tag an welchem sich Gott entschied einen Dämon zu schicken". Aradan hörte auf niemanden. Natürlich war uns klar dass wir helfen mussten, doch bedurfte das nen guten Plan. Versuch aber mal Aradan aufzuhalten wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat."
      Nun wieder seinen Krug fixierend, strich er mit seinem Daumen über dessen Rand während er forsetzte
      "Es hieß dass das Bordell Kinder anbot um auch den noch so ausgefallensten Geschmack befriedigen zu können... und dass sie ganz frische Ware hätten. Zwillinge aus einem kleinen Dorf. So schön wie die Göttin Amaterasu selbst. Oh ehm. Amaterasu, auch Amaterasu-o-mi-kami genannt, ist in unserem Land eine Gottheit die mit ihrem Auftreten den Himmel erleuchtet. Ich denke du verstehst den Werbezweck dahinter. Jedenfalls entflammte es unseren Aradan in einer Weise, die das Bordell wohl nicht vorgesehen hatte. Und im Nachhinein wäre die vorgesehene Planung auch schon ein Fehler gewesen. So kam es dazu, dass Aradan grade im rechten Moment das Zimmer betrat, in welchem Chie und Ruka einem zahlenden Kunden mit hoher politischer Macht verkauft wurden und... er sie schänden wollte. Man spricht von der höchsten Summe die das Bordell bisher je an einem Verkauf eingenommen hat."
      Kurz blickte Jarku zu den Zwillingen um sich zu vergewissern ob er zu sehr darauf einging, doch waren beide noch ziemlich freudig gestimmt.
      Von diesem Anblick beruhigt, schnappte sich Jarku ein der frisch gebratenen Würste und fuhr fort
      "Also. Da kam unser Aradan grade in das Zimmer. Diesen verdorbenen Menschen sehend wie er vor unseren Zwillingen seinen Mantel ablegte und..."
      er lächelte und schnitt seine Bratwurst ganz langsam während er Renera fixierte
      "... was glaubst du hat Aradan getan? Ich geb dir nen Tipp. Er hat ihn nicht umgebracht."

      Valteri hätte diese Geschichte wohl längst nicht so detailliert wiedergegeben, doch wollte er sich auch nicht gegen diese Wahrheit lehnen.
    • Nach dem gemeinschaftlichen Anstoß auf Aradan, an dem sich sogar die Zwillinge lautstark beteiligten, war es an Jarkus Reihe, die Unterhaltung mit Geschichten zu füllen. Seine Ausdrucksweise war etwas schwammig, so wie Renera fand, denn es war wohl kaum ein Geheimnis, dass Jarku als Foltermeister gearbeitet hatte. Aber zugegeben, in der Gegenwart der beiden Mädchen war es vielleicht nicht ganz so verkehrt, die Wahrheit ein bisschen abgeschwächter darzustellen. Zumindest das konnte Renera Jarku gut schreiben: Er nahm stets Rücksicht auf seine Kumpanen. Womöglich war es langsam an der Zeit, dass sie über seine Neigung zur Gewalt hinwegsah. Hätte sie ihn anders behandelt, wenn er ihr Halbbruder gewesen wäre? Womöglich, und dabei hatte sie mit den meisten ihrer Brüder weniger Kontakt als mit ihm. Wenn sie also gewillt war, einem fast Fremden aufgrund von Blutsverwandtschaft Freundschaft entgegen zu bringen, konnte sie es wohl auch bei dem Rothaarigen tun.
      Die Geschichte über die Zwillinge war ihr schon größtenteils bekannt, auch wenn es jedes Mal aufs Neue erschreckend war, in was für eine zwielichtigen Handel die beiden Mädchen geraten waren und was für ein Glück - wenn auch ein sehr blutrünstiges Glück - es gewesen sein musste, dass Aradan gerade zur rechten Zeit dagewesen war. Nun aber die Details darüber zu hören, wie die Mädchen beinahe verkauft und Aradan im Anschluss das Bordell verwüstet hatte, war doch noch einmal eine andere Art an Schrecken. Renera hätte Aradan gerne zugesprochen, dass er das richtige getan hatte, wenn er nur dagewesen wäre.
      Sie lächelte Jarku ein wenig entgegen, wenn auch die Gewalt dieser Geschichte ihre Stimmung ein wenig gedämpft hatte.
      "Ich bin mir sicher, das muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein. Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, hätte ich sicherlich... ähnlich gehandelt."
      Zumindest wenn das vor ihrer Zeit in der Armee geschehen wäre.
      Sie sah zu den Zwillingen und lächelte diesmal freundlicher.
      "Da ist doch ein Abend wie dieser eine bessere Alternative, oder?"
      Sie zwinkerte ihnen zu und sah dann zu Elraya, die in ihren Krug stierte und drauf und dran war, als erste vom Tisch den nächsten zu bestellen.
      "Und was ist deine Geschichte, Elraya?"
      Die Rothaarige stierte sie bissig an und lehnte sich ein Stück zurück.
      "Ich hab' keine Geschichte. Was soll das bitte sein? Ich hab' für Berek gearbeitet und vorher bin ich mit Lodoz rumgezogen. Keine Liebesgeschichte und keine Heldentaten. Wir haben uns einfach von denen genommen, die zu dumm waren, ihre Sachen zu beschützen."
      Ein diebisches Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht, was Leben in ihren Körper brachte.
      "Gemordet hab' ich auch, aber keine Kinder, das is' unter meiner Würde. Und niemanden, der sich in die Hose pisst, wenn er ein Messer sieht."
      Sie blickte zu Jarku.
      "Ich hab' also auch meine Regeln wie du siehst, Flacharsch. Die sind aber nicht so langweilig wie deine."
      "Aber hast du nicht auch mal was anderes gemacht? Hast du nicht Familie, bis auf Lodoz?"
      Elraya schnaubte sie an.
      "Klar hab' ich das, aber meine anderen Brüder sind Taugenichts und meine Mutter eine Hure. Was soll da großartig spannendes passieren?"
      "Das ist meine Mutter auch, das hat ja aber nichts zu bedeuten."
      "Hä?"
      "Meine Mutter ist auch eine Hure."
      Elraya kniff die Augen zusammen und musterte Renera einmal von oben bis unten, als würde sie sie in diesem Moment mit anderen Augen betrachten.
      "Nie und nimmer."
      "Ich habe acht Geschwister von sieben verschiedenen Vätern; wenn meine Mutter früher angefangen hätte, hätte ich wahrscheinlich... naja, mehr halt."
      Elraya musterte sie noch einmal skeptisch, dann stieß sie ein plötzliches, lautes Lachen aus.
      "Ha! Acht Geschwister! Was für eine scheiße! Und ich dachte du wärst irgendeine Adelstochter oder sowas mit deinen... Haaren und dem ganzen Kram!"
      Renera wusste nicht ganz, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung sein sollte, lächelte aber trotzdem.
      "In Melora gibt's keine Adeligen, zumindest nicht, dass ich wüsste. Wie viele Geschwister hast du?"
      Elraya grinste noch immer.
      "Vier - ne, halt, drei ohne Lodoz. Dann hatte meine Alte eine Fehlgeburt und danach kamen keine mehr, egal wie viel sie gefickt hat. Die beste Prostituierte der Stadt."
      Renera warf einen Seitenblick auf die beiden Mädchen, aber sie schienen sich von Elrayas vulgärer Ausdrucksweise nicht beirren zu lassen.
      "Das ist gut. Ein Glückstreffer, quasi."
      "Und wie! Acht Geschwister, pah! Vorher würd' ich mich umbringen!"
      Renera lächelte Elraya wieder an.
      "Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so schlimm. Man gewöhnt sich dran."
      "Ja klar. Und Fische können fliegen."
      Auf unerklärliche Weise schien sich die Stimmung nach dieser Gesprächsrunde gelockert zu haben. Elraya reagierte zum ersten Mal, seitdem sie aufeinander gestießen waren, nicht abwertend auf die Unterhaltungen mit Renera und Renera ließ sich dafür auf Jarkus heitere Stimmung ein, mit der er bald alle angesteckt hatte.
    • Wie auch Renera, gefiel es wohl allen anwesenden nicht wie freizügig Elraya über ihr "Leben" erzählte. Oder eher über ihre Mutter und ihrer Berufung. Zwar wussten die Zwillinge selber schon mehr als genug um dabei seelenruhig zu bleiben und sogar immer mal wieder miteinander um ein Stück Hühnchen kämpften obwohl genug für alle auf dem Tisch, trotzdem gehörte es sich einfach nicht in Anwesenheit von Kindern so zu reden, das verstand ja sogar Jarku.
      Aber sei es drum. Aus diesem Grund nun ein Fass auf zu machen, hätte sich ohnehin nicht gelohnt und hätte vermutlich noch den ganzen Abend kaputt gemacht, wissend wie schnell Elraya an die Decke gehen oder einschnappen konnte, wie sie auch schon flott unter Beweis stellte als Renera sie leicht darauf aufmerksam machte.
      Als sich das Gespräch zwischen den beiden Frauen dann aber tatsächlich etwas mehr zum positiven wandelte, sahen die beiden Männer doch leicht verblüfft dabei zu wie sich langsam die Wogen zu glätten schienen. Es war bemerkenswert unter welchen Umständen diese Beiden es nun geschafft hatten eine Gemeinsamkeit zu finden.
      Jarku und Valteri blickten sich nur ein mal kurz an und schlossen dabei einen Pakt die zwei Frauen unter keinen Umständen zu unterbrechen. Sollten sie ruhig weiter reden.

      Was dann aber doch für eine Unterbrechung aller Beteiligten sorgte war nichts anderes als ein Gefühl. Es war seltsam und doch ereilte dieses Gefühl allem Anschein nach jeden einzelnen am Tisch, da alle sofort mit dem aufhörten was sie grade taten. Sogar die Zwillinge hörten mit ihren Spielereien auf und sahen verwirrt in die Runde.
      Jarku blickte kurz darauf zur Tür, doch war kein neuer Gast eingetreten, es war also kein plötzlicher Luftzug, der ihm das Gefühl gegeben hatte als wäre er grad ein vom Pferd gefallen.
      Den Gesichtern der Anderen sah er an, dass es ihnen wohl genau so ging und ebenso hatte wohl niemand eine Ahnung was das war.
      Niemand, bis auf Renera.
    • Nach diesem regelrechten Eisbrecher, bei dem sich die Frauen nicht nur gut verstanden, sondern überhaupt erst miteinander redeten ohne sich dabei anzuzicken, lief der Abend wesentlich entspannter ab, als gäbe es weniger von der unsichtbaren Distanz, die zwischen ihnen herrschte. Elraya trank scheinlichst um ihr Leben, was aber eher so wirkte wie ein gewöhnlicher Abend bei ihr, forderte dabei tollkühn Jarku zur selben Aktion auf und Renera zeigte den Zwillingen, welche Spiele sie mit den Untersetzern der Krüge veranstalten konnten. Es erhob sich eine Lautstärke am Tisch, die sich passend in die übrige Geräuschkulisse eingliederte und die ganze Reise für einen Moment vergessen ließ.
      Allerdings nur für einen Moment.
      Gepackt von einem plötzlichen Schauer, der einem jähen Windstoß nicht unähnlich war, hob die versammelte Gruppe zeitgleich die Köpfe, als würden sie ein Unheil ahnen, das sich mit diesem widernatürlichen Phänomen anzukündigen versuchte. Renera und Jarku sahen zeitgleich zur Tür, wie um sich zu vergewissern, dass sie sich nicht verselbstständigt hatte, als ein weiterer Schauer Renera ergriff und ihr die Nackenhaare zu Berge stellte. Sie öffnete bereits den Mund, um diesen merkwürdigen Eindruck den anderen mitzuteilen, als sie eine plötzliche Stimme ganz nah bei sich hörte, die sich verblüffend genau anhörte wie -
      "Aradan?!"
      Sie wirbelte auf ihrem Stuhl herum, überzeugt davon, den weißhaarigen Mann hinter sich stehen zu sehen, die Lippen zu einem dünnen Lächeln verzogen, ein paar verirrte Strähnen in seinem Gesicht. Sie sah weder Aradan, noch irgendjemand anderen, der unmittelbar hinter ihr gestanden hätte, und fing sich dafür ein paar sonderbare Blicke der Nachbartische ein. Zögernd drehte sie sich wieder um.
      "... Ich dachte, ich hätte was -"
      Als ihr Blick auf die Tür fiel, brach sie wieder ab und zuckte zusammen. Sie brauchte einen Moment, bis sie ihre Überraschung - oder ihr Entsetzen, was auch immer es sein mochte - überwunden hatte und wie von der Tarantel gestochen aufsprang. Der unmögliche Schatten, der auf der Tür lag, hatte nicht nur keine Lichtquelle, die ihn hätte werfen können, er sah zudem auch noch trügerisch menschlich aus. Fast so wie:
      "Aradan!"
      Sie eilte hinter dem Tisch hervor und zur Tür, wo sie nach dem Schatten griff, als könne sie ihn wie einen Gegenstand packen und dazu bringen, sich zu Aradan zu manifestieren. Stattdessen bekam sie die Tür zu fassen, drückte sie unwillentlich auf und stolperte auf die Straße hinaus, wo ihre Verblüffung von dem nächsten Schreck abgelöst wurde.
      "Edea?!"
      Die kleine Gestalt, von der Renera nicht mehr als ein paar goldene Haarsträhnen erkannt hatte - sie hatte einen eigens entwickelten Sinn dafür, Familienmitglieder wiederzuerkennen; das musste sie fast, wenn sie ihre Geschwister nicht nur bemuttert hatte, sondern auch noch zwei Mal gerettet hatte - wirbelte zu ihr herum. Sie trug noch immer Reneras braunes Kleid, hatte darüber allerdings einen Umhang angezogen, von dem ihr die Kapuze tief ins Gesicht hing. Sie streifte sie ab und enthüllte ein vom Weinen verquollenes Gesicht.
      "Renera!"
      Renera beugte sich das Stück zu ihr hinab und obwohl die beiden Geschwister sich an diesem Tag erst kennengelernt hatten, warf Edea sich ihr in die Arme.
      "Du musst mitkommen, Renera! Ich weiß nicht, was ich tun soll; das ganze Haus brennt, das ganze Viertel! Alles steht in Flammen!"
      "Was? Es brennt?"
      "Es ging alles so schnell, ich konnte nichts machen! Ich habe nur den Nachttopf ausgeleert und dann waren die Flammen schon am Dach und dann ist es eingestürzt und ich komm nicht rein und Mama nicht raus und alle sind am Löschen und niemand will sich die Mühe machen reinzugehen, weil alles schon brennt!"
      Eine tiefsitzende Panik ergriff Renera, der dritte Schauer an diesem Tag, der durch ihren Körper kroch. Sie war schon drauf und dran, einfach loszurennen, als Edea ihren Arm hob und hinter Renera auf den Himmel deutete. Ihre Stimme zitterte, entweder aus Angst, oder von der nächsten anbahnenden Gefühlswallung.
      "Es wird immer größer!"
      Und als Renera sich danach umdrehte, glaubte sie für einen Moment, dass die Sterne verschwunden wären. Stattdessen erkannte sie kurz darauf die dicke Rauchwand, die sich in der Entfernung in den Himmel erhob und hörte jetzt auch die fernen Schreie, die aufwühlende Panik, die bald auch das Gebiet um den Träumenden König erreicht hätte. In der größer werdenden Panik kam kurz der Gedanke durch, dass ihr eigenes Gasthaus - und damit Aradan - zum Glück in die völlig andere Richtung und damit weit entfernt davon lag. Sie drehte sich wieder zu Edea um.
      "Zeig uns den Weg, Edea! Beeil dich!"

      Unter dem Gewühl panisch flüchtender Menschen versuchte Edea kurz darauf zu berichten, dass das ganze Viertel in Brand stecke, dass sie selbst nichts gemerkt habe, bis ihr eigenes Dach zu brennen angefangen hätte, dass niemand etwas gemerkt hätte, bis die Flammen bereits groß genug gewesen waren, um ganze Häuser zu verschlingen. Edea selbst sei nur sehr kurz draußen gewesen, aber dann wäre das Vordach eingestürzt und in ihrer Panik hätte sie nicht daran gedacht die Scheiben einzuschlagen - und Renera kenne Mutter ja, wenn sie nicht aufwachen wollte, tat sie es auch nicht. Dann war Edea losgerannt um Renera zu suchen, nachdem alle Nachbarn schon damit beschäftigt waren, ihre eigenen Familien zu retten. Sie hatte keine Ahnung, wo Renera hätte sein können, hätte aber "ein Gefühl gehabt". Renera war zu entsetzt über den ganzen Vorfall, um weiter darüber nachzudenken.
    • Keiner konnte sagen woher dieses Gefühl kam, doch als sich Renera so seltsam aufführte, hatten Jarku und Valteri schon einen Verdacht. Nicht nur schien das Gefühl nur diese Gruppe zu betreffen, sondern reagierte eben Renera am stärksten darauf und sagte obendrein mehrfach seinen Namen. Natürlich musste das Aradan gewesen sein. Er war ohnehin ein wandelndes Mysterium. Da war dieses eigenartige Gefühl beinahe schon wieder harmlos abgetan. Wäre Renera nicht überstürzt hinaus gerannt.
      Sofort standen beide auf, wiesen die Zwillinge zeitgleich auf sitzen zu bleiben und folgten geschwind Renera.
      Aus kurzer Entfernung hörten sie dem kleinen Mädchen zu, welche Renera zu kennen schien und waren trotz reichlichem Alkohol wieder vollkommen klar und alarmiert.
      Kurz sprachen sich beide mit einem Blick, gefolgt von einem Nicken ab ehe Valteri an Renera heran trat.
      "Gehen wir. Kann helfen. Zeig den Weg kleiner Vogel."
      Auch Jarku machte sich bereit los zu laufen, doch irgendetwas in ihm wollte nicht zum Brand laufen, sondern nach Aradan sehen. Er konnte sich diesen unfassbaren Drang nicht erklären und schüttelte auch kurz den Kopf, als hätte er damit das Verlangen abschütteln können, doch wurde es immer intensiver, bis er nach gab
      "Okay. Geht vor! Ich schaue schnell nach Aradan und bringe die Zwillinge in Sicherheit."

      Gesagt getan. Valteri lief mit Renera und Edea direkt in das brennende Viertel und Jarku griff sich Chie und Ruka um sie zum Zimmer zu bringen, in welchem Aradan lag. Er gab sich gar nicht erst die Mühe Elraya zu sagen was sie am besten tun sollte, da sie vermutlich sofort rebelliert hätte und genau das nicht getan hätte was grade wichtig wäre, also hoffte er bei ihr einfach auf gutes Glück.

      Beim Feuer angekommen lies sich Valteri von Edea genau zeigen welches Haus von ihrer Mutter war, was in dieser unfassbaren Hitze, die sich schon auf der Straße ausgebreitet hatte, kaum noch in den lodernden Flammen finden lies.
      Als sie es dann aber doch noch fanden, stürmte Valteri direkt los und schlug mit seinen Fäusten die Tür, die dabei zerbarst als würde ein Kind gegen Papier schlagen. Der Griff zur Tür war immerhin abzuraten, da all das Eisen schon glühende Farben angenommen hatte und somit auch eine Chance auf überlebende zu treffen lachhaft gering war.
      Ungeachtet dessen schlug Valteri weiter und riss den Rest der Tür aus deren Angeln hinaus, wurde dann aber unerwartet von einer hinaus stechenden Flamme begrüßt, als er grade versuchte hinein zu laufen.
      Schützend hielt er seine Arme vor sein Gesicht, musste dabei ein paar Schritte zurück gehen da sogar seine dicke Haut eine solche Feuersbrunst nicht auszuhalten schien, ehe nun auch der Dachgiebel einstürzte und all die Ziegel und Schiefern mit sich zog.
      Vollkommen gleich wer hier gewohnt hatte... Da wäre man nur noch als verkohlte Masse hinaus gekommen.

      Indes brachte Jarku die Zwillinge eilig zurück ins Zimmer, doch hielt er kurz davor an und wies die Zwillinge an leise zu sein. Etwas stimmte nicht. Die Tür stand sperrangelweit offen und leises tuscheln konnte ebenso vernommen werden wenn man genau hin hörte.
      Die Zwillinge gingen beide ein wenig zurück und sahen dabei zu wie Jarku seine Dolche zog, was er nur tat wenn er in absoluter Alarmbereitschaft war. Grund genug für Chie und Ruka sich in einer kleinen Kammer zu verstecken, die im Gang zu finden war und Utensilien zur Reinigung beinhalteten.
      Sein diebisches Geschick nutzend, schlich er ohne jedes Geräusch an die Tür heran und wagte einen Blick hinein. Er sah zwei komplett in Kutten gehüllte Kerle die miteinander zu diskutieren schienen, während sie vor Aradan's Bett standen. Jetzt hinein zu stürmen wäre ziemlich unklug gewesen, so viel wusste er aus seinem vergangenem Leben. Da keine unmittelbare Dringlichkeit im Raum stand, entschloss er sich vorerst zu lauschen. Eventuell konnte er dadurch ermitteln wer die Leute waren, die sich allem Anschein nach unbeobachtet fühlten.
      Sie stritten darüber wer Aradan als erster anfasste. War das deren ernst? Waren sie pervers oder einfach nur peinliche Amateure?
      "Okay komm schon. Legen wir los."
      "Du zuerst.."
      "Was? Nichts da. Fang du doch an!"
      "Na klar. Das könnte dir so passen huh? Fass du ihn doch zuerst an. Glaubst doch sowieso nicht wirklich dran."

      "Wie bitte? Zweifelst du meinen Glauben an?!"
      Einer packte den anderen am Kragen
      "Warum so wütend? In kleinen Runden behauptest du immer jeden Gott besiegen zu können. Da. Sieh hin. Der pennt sogar und du scheißt dich ein."
      Da knurrte der gereizte Typ und lies doch locker.
      "Komm. Als wäre es bei dir anders. Du weißt genau wie gefährlich der Licht Kerl ist. Wacht der auf sind wir im Arsch. Okay gut.. Ein Vorschlag. Wir fassen ihn beide zur selben Zeit an, okay?"

      Und so ging es immer weiter. Beide hatten ganz offenbar den Auftrag Aradan zu entführen und beide trauten sich aus lächerlich wirkenden Gründen nicht. Erst als beide sich entschieden tatsächlich zeitgleich die Haut von Aradan zu berühren und als nichts geschah, atmeten beide erleichtert auf und schienen den Job nun tatsächlich ausüben zu wollen. Sie rissen seine Decke weg, traten sein Schwert in die andere Ecke des Raumes und sprachen sich ab er den Kopf und wer die Füße greifen sollte.
      Das war Jarku's Moment, da ihm beide Zeitgleich den Rücken kehrten und wohl keine wichtigen Informationen mehr ausplaudern würden.
      Es geschah ganz schnell. Dem ersten Kultisten rammte Jarku seinen Dolch durch den Nacken bis er vorne aus dem Hals hinaus stach und dem Mann ein vor Blut gurgelndes Anklopfen an der Todespforte abverlangte.
      Der Zweite wandte sich sofort geschockt um, noch die Füße von Aradan unter den Armen, hatte dieser nur einen Augenblick später den zweiten Dolch in der Brust. Er packte den Griff samt Hände seines Angreifers während auch ihm das Blut in den Mund stieß und ihn seine aufkommende Schwäche übermannte.

      So stand Jarku da. Links und rechts von ihm zwei unbekannte Entführer in Kutten, die von Aradan sprachen als wäre er eine Gottheit vor der beide Angst hatten.

      "Interessant.. Mal sehen was die anderen dazu sagen."
      Flüsterte er mehr zu sich selbst und strich das Blut, welches an seinen Dolchen klebte, an den Leichen ab und wandte sich zur Tür.
      Doch sah er nicht die Tür. Er sah einen weiteren Mann vor sich. Und er fühlte sich nicht gefasst, sondern Schmerzen.
      Jarku sah an sich hinab. Da wurde ihm klar wo der Schmerz her kam. Dieser Mann hatte ihm ein Messer in den Bauch gerammt. Wie konnte das sein? Die Zwillinge hätten ihm sicher ein Zeichen gegeben, wenn sich wer angeschlichen hätte. Oder war diese Person die ganze Zeit schon im Raum gewesen?
      Egal.
      Viel wichtiger war es nun zu überleben. Kaum zog der Mann das Messer hinaus, lies Jarku seine Dolche fallen, presste seine Hände auf die Wunde und fiel auf die Knie. Alles was er nun beobachte war, wie zwei weitere Leute in Kutten hinein stürmten, sich keinen Deut um ihre Kollegen zu kümmern schienen und Aradan ergriffen. Sie
      trugen ihn einfach weg ohne dass Jarku etwas dagegen tun konnte.
    • Edeas Panik war nicht untertrieben, genauso wenig wie die riesige Rauchwand, die Renera schon in der Entfernung ausgemacht hatte. Beim Näherkommen erkannten sie dann allerdings erst die ganze Ausmaße des Brandes, der schon längst über einen einfachen Hausbrand hinaus gegangen war. Die ganze Nachbarschaft stand in Flammen und das Feuer hatte sich an den verschiedensten Ecken zu einem einzigen, gewaltig geballten Brand zusammengeschlossen, der ganze Häuser vereinnahmte und an einigen Stellen undurchdringbar war. Die Hitze war schon auf der Straße spürbar.
      Panische Menschengruppen kamen ihnen entgegen, als sie angelaufen kamen, durchbrochen von vereinzelten Wachmännern, die Ordnung in das Chaos zu bringen versuchten und gleichzeitig eine beständige Wasserlieferung vom See organisierten, die das ganze Feuer unter Kontrolle bringen sollte. Allerdings schien schon kostbare Zeit damit vergangen zu sein, die Männer erst dafür abzustellen das Wasser zu besorgen, während das Feuer weiterbrannte und sich durch die nicht sehr hochwertigen Häuser fraß, die beinahe so schnell brannten wie trockenes Holz. Es herrschte ein furchtbares Geschrei und ein noch unangenehmeres Gewühl.
      Als sie sich endlich zu dem Haus der Elquins durchgekämpft hatten, übernahm Valterri bereits die Führung, um sich gewaltsam den Eingang zu verschaffen. In Reneras weiter ansteigenden, furchtsamen Panik war sie so glücklich über den Anblick des Hünen, der, ohne es zu hinterfragen, eine Naturgewalt herausforderte, dass sie hätte weinen können. Stattdessen wirbelte sie zu Edea herum, die weder damit klar kam, dass ihr Haus bereits in Flammen versank, noch dass ein Riese scheinlichst versuchte, den Flammen bei der Zerstörung zu helfen. Das helle Licht der Flammen ringsum flackerte in ihren Augen, reflektiert von den Tränen, die dort wohl nie ganz verschwunden waren.
      "Bleib auf der Straße! Weg vom Feuer!", brüllte Renera über den Lärm der Menschen und der zerfallenden Häuser hinweg und vergewisserte sich sehr pingelig, dass Edea sie auch verstanden hatte. Sie wollte zwar zweifellos ihre Mutter retten, aber ihr Beschützerinstinkt für ihre Geschwister war mindestens dreimal so hoch.
      Edea brachte schließlich ein Nicken zustande und da rannte Renera auch zum Haus.
      Valterri war bereits an der Tür gescheitert, die bei ihrem Einbruch eine Stichflamme erzeugte, welche an dem Nordmann leckte, als Renera an ihm vorbeischoss und durch den kleinen Garten zur Rückseite des Hauses rannte. Durch die Fenster war bereits wenig zu erkennen, der Ruß hatte sich schon festgesetzt und ließ nur ein wenig von dem flackernden Feuer hindurchscheinen, das zweifellos auch schon die Innenräume erreicht hatte. Das Dach bröckelte erneut, würde kaum mehr lange standhalten.
      Als sie die Tür auf der Rückseite erreicht hatte, zog sie daran. Sie war fest verschlossen. Zum ersten und einzigen Mal in ihrem Leben musste Renera sich darüber ärgern, dass ihre Mutter gerne vorsichtig war.
      "Valterri! Hier hinten!"
      Der Hüne kam wenige Augenblicke später und obwohl er bereits eine schlechte Erfahrung mit der ersten Tür gemacht hatte, stemmte er sich nun auch mit aller Leibeskraft gegen diese und brach sie einen kurzen Moment später auf. Entgegen der ersten Tür schoss keine Stichflamme heraus, dafür ein Schwall dicken, geballten Rauchs, der sich in die Luft hinaus drückte und dort zu dem restlichen, allgemeinen Rauch nach oben stieg. Renera hustete, fuchtelte den Rauch beiseite, nahm einen tiefen Luftzug und rannte hinein, kaum als der Rauch sich ein wenig lichtete.
      Der Innenraum war zu dunkel, um richtig etwas zu erkennen. Obwohl Renera oft genug dort gewesen war, um die Innenausstattung zu kennen, stolperte sie auf ihrem Weg über einen Sessel, stieß sich an einem Tisch an und fand die Tür auf der anderen Seite nicht. Sie wollte rufen, konnte es aber nicht riskieren, den vielen Rauch einzuatmen.
      Nach einer halben Ewigkeit, die ihr vorkamen wie eine sehr verkehrte Version eines möglichen Fegefeuers, in dem sie für immer mit tränenden Augen durch eine Rauchwand watete, ihre Lunge zum bersten angespannt und ihre Arme wie ein blinder ausgestreckt, stieß sie schließlich auf ein Bett und den darin liegenden - es konnte wohl ein Mensch sein oder auch nicht - weichen Gegenstand. Sie griff sich, was sie greifen konnte, und zerrte daran, als das letzte bisschen ihres angehaltenen Atems entwich und sie nach Luft japste, den Rauch in sich aufsog und hustete, wieder nach Luft schnappte und hustete. Es war unglaublich heiß dort drinnen, nicht nur durch das brennende Dach, das selbst über den vielen Lärm von draußen hinweg noch immer gefährlich knackte und knisterte. Ihre Haut war vor Schweiß bereits nass und klebrig, die Haare klebten ihr in Strähnen im Gesicht, als sie die Last endlich vom Bett zu Boden beförderte und von dort aus einen ungenauen Weg zurück zur vermeintlichen Tür beschrieb, die Augen gegen den Rauch zusammengekniffen, in Stößen hustend und dann wieder keuchend. Sie konnte in der Dunkelheit nichtmal erkennen, ob sie den richtigen Weg wählte, und rief krächzend nach Valterri.

      Elraya hatte bei der plötzlich aufkommenden Panik und der darauffolgenden Spaltung der Gruppe das einzige getan, was sie ohnehin am besten konnte: Sie war auf die Dächer geklettert. Von dort aus hatte sie nicht nur einen Ausblick auf das durchaus beachtliche Feuer, das in der Entfernung an Größe und Gewalt gewann, sie konnte außerdem noch beobachten, wie Flacharsch und die Zwillinge in die andere Richtung davonliefen, größtenteils mit dem aufkommenden Strom. Nach einer kurzen Rekapitulation entschied sie sich dazu, Flacharsch zu folgen, denn was sollte sie denn bei Renera, Valterri und dem Mädchen anfangen? Etwa helfen? Sie hatte zwar eine gewisse intime Gemeinsamkeit mit der Meloranerin gefunden, aber das hieß noch lange nicht, dass sie ihr Leben für sie riskieren würde. Dann lieber Jarku auf die Nerven gehen.
      Sie nahm die Verfolgung auf, die, wie angekündigt, bei ihrem Gasthaus endete und dort auch erstmal für Elraya uninteressant wurde. Sie beobachtete, wie die drei verschwanden, und kletterte dann ein bisschen auf den Dächern herum, um einen guten Aussichtspunkt zu erwischen. Sie fand keinen gänzlich guten, also gab sie sich mit dem zufrieden, was sie hatte.
      Und dann wartete sie. Wartete auf ein Ereignis, das eintreffen würde. Vielleicht kam Flacharsch ja gleich wieder heraus und würde sich doch dem Feuer widmen, wie die anderen auch. Vielleicht würde gleich das Gasthaus von Flüchtlingen überrannt werden. Vielleicht würden sie gleich evakuieren. Vielleicht würde Elraya sich auch einfach nur langweilen.
      Oder sie würde Zeuge einer Entführung werden.
      Mit wachsendem Interesse richtete sie sich auf, als wenige Zeit später ein paar Gestalten in der Tür erschienen, eine weitere Person zwischen sich, die ihr zwar nicht allzu bekannt vorkam, dessen weiße Haare sie allerdings überall wiedererkannt hätte. Sie neigte den Kopf und beobachtete das merkwürdige Trio, das sich dort durch den Seiteneingang schob, auf den wenig entfernt geparkten Wagen zuhielt und dabei in höchster Eile vorzugehen versuchte, als wären sie einer Entdeckung knapp entronnen worden. Sie luden Aradan auf die Ladefläche und stiegen dann selbst auf, um das Zugtier hastig anzutreiben. Aradan war nur für einen weiteren Moment sichtbar, dann bedeckten sie ihn mit einer Plane wie ein Frachtgut.
      Elraya beobachtete die Abfahrt des Wagens. Wenn jetzt Lodoz bei ihr gewesen wäre, hätte er bestimmt gewusst, was vorgefallen wäre, aber Elraya konnte sich allein keinen Reim darauf machen. Schlief Aradan nicht schon eine ganze Weile? Warum war Jarku nicht mitgekommen? Was sollte jemand von einem nutzlosen Aradan wollen?
      Sie entschied sich dazu, die Antwort selbst herauszufinden. Der Wagen fuhr zwar schon mit einer beachtlichen Geschwindigkeit ab, aber das war kein Problem für die flinke Elraya, die es ja sogar schaffte, berittenen Soldaten zu entgehen - da würde ein Wagen keine größere Herausforderung für sie sein.
      Sie nahm die Verfolgung auf und huschte dem Wagen nach, der in Richtung Wasser davonfuhr.
    • Die ganze Lage glich einer Katastrophe. Überall schrien Menschen, riefen nach Angehörigen und geklagten bereits in gänze eingestürzte Häuser, die vermutlich die komplette Existenz der Besitzer mit sich begruben. Was nur war in der Lage einen solchen Brand auszulösen? Hatte diese Hafenstadt denn keinerlei Maßnahmen für einen Brand vorgesehen?
      Lange konnte Valteri nicht darüber nachdenken, nachdem er nach seinem gescheiterten Versuch ins Haus der Elquin's zu gelangen, um sich blickte. Denn rief Renera nach ihm, was er schleunigst mit seinem Ansturm beantwortete. Sie wies ihn an die Hintertür aufzubrechen und das war nicht mal ein schlechter Hinweis. Der Knauf glühte nicht, also waren die Flammen noch nicht bis hier hin vorgedrungen. Womöglich bestand noch eine kleine Chance, also rang er die Tür nieder und gewährte Renera den erwünschten Einlass, auch wenn er lieber selbst hinein gegangen wäre um ihr das Risiko zu ersparen. Ihr einfach hinterher laufen wäre jedoch zu riskant gewesen, denn wäre dann niemand mehr da gewesen um ihr zu helfen, sobald sie wieder hinaus kam. Sie wären wohl beide total erledigt gewesen und eine kleine Edea wäre wohl kaum in der Lage gewesen beiden zu helfen.
      Erst als Renera kurz nach ihrem Sturm ins Haus kaum verständlich nach ihm rief, hielt ihn nichts mehr auf auch das Haus zu betreten. Seine Größe sorgte schnell dafür dass er sich an Schultern und Rücken verbrannte, da er sogar in gebeugter Haltung nur knapp durch das Haus laufen konnte und somit den brennenden Giebeln sehr nahe war. Doch solange sein angehaltener Atem anhielt, würde er den Flammen trotzen.
      Immerzu lauschte er den schwächer werdenden Rufen bis er endlich auf Renera stieß und sie fest an ihrem Oberarm packte. Er konnte sich in diesem Moment nicht auf den gebührenden Abstand oder Zurückhaltung konzentrieren, den Renera immerzu brauchte, immerhin ging es hier um ihr Leben, also riss er sie mit sich, schleifte sie schon über den Boden, da er seinen anderen Arm schützend vor sein Gesicht hielt und keinerlei Zeit dafür hatte, dass sie sich selbst berappeln und laufen konnte.
      Gerne hätte er ihr Mut zugesprochen, doch musste er langsam aber sicher selbst mit seiner Luft kämpfen, bis er es dann aber doch kurz vor seinem Limit geschafft hatte aus den unerträglichen Flammen hinaus zu brechen.
      Auf der freien Gartenfläche ließ er Renera's Arm los und fiel nun selbst stark hustens auf die Knie, hätte sich dabei am liebsten die Schultern ergriffen, doch fürchtete er es damit nur schlimmer zu machen, immerhin warf seine Haut dort schon leichte Blässchen die sich mit Resten seiner verbrannten Kleidung vermischten.
      Ein Schmerz, den er so schnell nicht mehr vergessen würde.

      Jarku, der noch immer auf den Knien ruhte und seine Hände auf die Wunde presste, sah nur hinterher wie die Fremden Aradan hinfort schleppten. Jede Faser in seinem Körper schrie danach aufzustehen, doch immer wenn er es versuchte, strömte das Blut deutlich zwischen seinen eng aneinander gepressten Fingern hindurch. Er wusste, dass wenn er weiter so arg versuchte zu folgen, wäre er nicht mal mehr bis zum Ausgang des Gasthauses gekommen. Alles was ihm jetzt noch blieb ist die Informationen weiter zu geben, falls ihm jemand zur Hilfe eilen würde. Als einzig mögliche, kam ihm nur Chie, Ruka und Elraya in den Kopf. Aber realistisch gesehen, nur Chie und Ruka.
      Und so kam es auch dazu dass die beiden kurz nachdem die Fremden das Gasthaus verlassen hatten, ins Zimmer stürmten. Ihnen war die Panik ins Gesicht geschrieben und dennoch taten sie alles in ihrer Macht stehende um Jarku notdürftig zu versorgen. Sie drehten ihn auf den Rücken, prüften die Wunde und schnitten mit einem herum liegenden Dolch ein Stück der Decke ab um dieses Jarkzu auf seine Wunde zu pressen, so lange bis es voller Blut gesogen war, was deutlich länger dauerte als Jarku ohne diesen Druck zu versorgen.
      Chie schnitt schnell die komplette Decke in mehrere Stücke, welche Ruka immerzu nutze wenn ein Stück voll gesogen war ehe Chie ohne jede Absprache los rannte als würde ihr eigenes Leben davon abhängen.
      Sie wusste nicht wohin, doch kannte sie die Mentalität der Gruppe. Wenn Menschen rannten, waren es Jarku, Valteri und Aradan, die genau in die entgegen gesetzte Richtung liefen um jedem zu helfen, der am Ende der flüchtenden Kette war.
      Es dauerte eine Weile und sie Fiel auch zwei male in einen tiefen Matsch bis sie es endlich schaffte Renera und Valteri arg hustend auf allen vieren, direkt neben einem brennenden Haus zu finden. Sofort hockte sich Chie neben Renera und rüttelte sie mit arger Verzweiflung, noch immer den Dolch von Jarku in ihrer Hand, dabei nur laute von sich gebend.
    • Renera lief gegen den selben Tisch noch einmal, das plötzliche Stechen in ihrer Hüfte - diesmal auf der anderen Seite - konnte sie gut wiedererkennen, als sie über das Knistern hinweg das Stampfen von Valterri vernehmen konnte. Mittlerweile fehlte ihr sogar die Luft zum Rufen und sie versuchte krampfhaft ihr Husten zu unterdrücken, während sie sich in seine Richtung schob. Sie trafen sich mitten im Nirgendwo, an einem unbekannten Fleck inmitten des vielen Rauchs, der bei der Tür sein könnte oder auch ganz woanders. Valterris riesige Pranke schloss sich um Reneras Oberarm und obwohl eine tiefgreifende Furcht sie packte, ein instinktiver Reflex, der nicht wenig von der dunklen Umgebung verstärkt wurde, ließ sie sich mitziehen, als er sie unversehens in seine Richtung zerrte. Sehr darum bemüht nicht dazu atmen, das was-auch-immer in ihrer anderen Hand nicht loszulassen und selbst nicht zu Boden zu fallen, in einem irrsinnigen Glauben, dass Valterri sie auch dann einfach ungeachtet weiterschleifen würde, kämpfte Renera sich hinter ihm her durch die Dunkelheit, bis sie glaubte, es doch nicht mehr schaffen zu können. Ihre Arme schmerzten, ihr schwindelte vor Hitze und ihre Lunge fühlte sich an wie von Dornen zerstochen, als sie plötzlich Licht erreichten und beidesamt in die frische Luft hinausstolperten, zu Boden fielen, die Seelen aus ihren Leibern husteten. Das Gras hatte sich noch nie im Leben so frisch angefühlt, fand Renera, während sie nach Atem rang und einen Moment auf dem Boden verharrte, um ihre Sinne zu sammeln. Neben ihr ragte Valterri genauso zusammengebrochen auf, ein besorgniserregend rissiges Schlachtfeld auf seinem Rücken, das seine verbrannte Haut darstellte. Sie wollte ihm schon ihre Hilfe anbieten, als ihr ihre Mutter wieder einfiel und sie zu dem Klumpen Leinen kroch, den sie fallen gelassen hatte. Eine kurze Befreiung aus mehreren Bettdecken enthüllte Fijenas zusammengekauerte Gestalt. Sie hatte die Augen geschlossen und der Mund stand halb geöffnet.
      "Mama?"
      Sie drehte sie auf den Rücken und suchte sie stichhaltig nach Wunden ab, aber bis auf ein paar Verbrennungen, wie auch Valterri sie aufwies, konnte sie nichts lebensgefährliches finden. Sie schien einfach nur bewusstlos zu sein.
      Renera beugte sich zu ihr hinab und legte den Kopf auf ihre Brust, hielt ihr dann die Hand vor die Nase, tastete nach ihrem Puls. Mit einer gewissen Erleichterung konnte sie alle wichtigen Lebensfunktionen entdecken und sammelte die knochige, dürre Gestalt ihrer Mutter auf, um sie ein Stück weiter vom brennenden Haus wegzuziehen.

      Elraya folgte dem Wagen unermüdlich, ein kaum erkennbarer Schatten auf den dunklen Dächern, der von einer Dachkante zur nächsten huschte, Fenster umrundete, teilweise über Balkone hinweg kletterte. Das Gefährt war schnell unterwegs, aber die aufkommende Panik der Stadt bremste es wieder ein bisschen ein, als zu viele Menschen auf die Straßen liefen, manchmal auch einfach nur stehenblieben und in den Himmel gafften. Elraya sah manchmal selbst zu dem gewaltigen Feuer am anderen Ende der Stadt zurück, aber es interessierte sie herzlichst wenig. Wo Feuer war, gab es nichts mehr zu holen.
      Der Wagen wurde weiter aufgehalten, als in der Nähe des Hafens die Soldatenmengen auftauchten, um die Wassertroge zu transportieren. Hier musste er auch anfangen die Hauptstraße zu meiden und Nebenstraßen zu befahren, um nicht in ungewollte Kontrollen zu geraten, was ihn allerdings kaum aufhielt. Er bretterte noch immer mit einer solchen Geschwindigkeit hindurch, dass die Menschen ihm entweder von selbst auswichen, oder eben unter die Räder gerieten.
      Elraya dachte schon, dass sie das Ziel erkannt hätte, als der Wagen kurz vor dem Hafen doch noch einmal abbog und parallel zum Wasser fuhr. So ging es noch ein paar Straßen lang, bis er dann doch zum Hafen abbog und dort zielgerichtet einen der Stege anpeilte, an dem ein kleines Boot anlag, kaum größer als ein Fischerboot mit einer kleinen Kajüte. Elraya musste nicht beobachten, wie der Wagen langsamer wurde und seine Absicht offenbarte, sie sah es bereits, als einer der Fahrer sich halb aufsetzte und darauf wartete, dass sie langsam genug wurden, um abzuspringen.
      Sie war sich ziemlich sicher, dass sie jemandem Bescheid geben musste, mindestens einem der Gruppe, vielleicht ja sogar einem Soldaten, nachdem es sich schließlich ziemlich sicher um eine Entführung handelte. Aber sie hätte sich niemals auf die Seite von Soldaten geschlagen und die Gruppe war sonst wo verstreut - außerdem konnte sie wohl kaum erwarten, dass sie zurück zum Gasthaus laufen, Jarku Bescheid geben und wieder zurückkommen konnte, ohne das Boot zwangsweise aus den Augen zu verlieren. Also tat sie das einzige, was jeder normale Mensch als ersten Instinkt getan hätte: Sie kletterte vom letzten Dach hinab, lief zu der Anlegestelle zwei Stege weiter, überprüfte ihre Ausrüstung und warf sich in das eiskalte Wasser. Nach dem ersten Schock, der ihren Körper paralysierte und sie für einen Moment untergehen ließ, ohne die Möglichkeit, sich zurück an die Oberfläche zu kämpfen, brachte sie ihre starren Beine wieder träge in Bewegung, ruderte wild mit den Armen und brach wieder durch die Oberfläche. Sie strampelte sich ab in dem Bemühen, nicht in der Kältestarre zu ertrinken, und beförderte sich stückweise in Richtung des Fischerbootes, wo die beiden Gestalten gerade den Weißhaarigen über die Ladefläche ihres Wagens beförderten und mit ihm in ihrer Mitte zum Boot joggten. Es wurde kein Wort gewechselt, als sie an Bord sprangen, doch da tauchte auch schon eine dritte Gestalt auf, die hastig das Seil vom Steg löste. Elraya musste sich doppelt anstrengen, um die letzte Distanz zu ihnen aufzuholen, da setzte sich das Boot bereits gemächlich in Bewegung und wurde von einem rudernden Fahrer vom Steg weg befördert. Sie strampelte schneller, schob sich so schnell wie nur möglich durch das tiefschwarze Wasser und bekam schließlich das Holz zu fassen, reckte sich nach oben und klammerte sich an den Bootsrand. Einen kurzen Blick über den Rand bestätigte ihr, dass niemand auch nur eine Ahnung davon hatte, dass sie soeben einen blinden Passagieren bekommen hatten, also krallte sie sich weiter fest und ließ sich von dem Boot in eine unbekannte Richtung ziehen.

      Renera hatte ihrer Mutter gerade eine halbwegs angenehme Unterlage verschafft, als sie plötzlich zusammenfuhr und in das Gesicht einer der Zwillinge aufblickte, die unversehens neben ihr aufgetaucht war. Der Anblick schockierte sie zutiefst, wobei sie nicht wusste, was genau davon schlimmer war: Dass das Mädchen sie so ungehemmt auf etwas aufmerksam machen wollte, dass sie mit einem Dolch herumfuchtelte - nein, mit Jarkus Dolch, wie sie einen Moment später erkannte - oder dass ihre Hände mit Blut beschmiert waren. Oder vielleicht der Ausdruck in ihrem Gesicht? Alles an dem Mädchen war absolut alarmierend.
      "Was ist los? Was ist passiert?"
      Sie ließ von ihrer Mutter ab und konnte nun an eigenem Leib erfahren, was es bedeutete, dass die Zwillinge nicht viel redeten. Es kam nicht mehr als undeutliche Laute aus dem Mund des Mädchens.
      Sie drehte sich hilflos nach Valterri um, nach ihrer bewusstlosen Mutter. Es gefiel ihr nicht, sie alleine zu lassen; es gefiel ihr überhaupt nicht, auch nur herauszufinden, was das Mädchen von ihr wollte, aber sie erkannte mit dem einen Blick, dass sie die einzige war, die dazu in der Lage war, das herausfinden.
      "Valterri, bring meine Mutter und Edea in Sicherheit; ins Krankenhaus oder vielleicht ins Gasthaus oder irgendwo hin, wo wir uns finden können, bitte!"
      Sie wandte sich dem Zwilling zu und nahm ihr vorsichtig, aber bestimmt den Dolch ab.
      "Das ist Jarkus Dolch - was ist? Ist was mit ihm passiert?"
      Anstatt einer Antwort lief das Mädchen los und Renera blieb nichts anderes übrig, als ihr zu folgen.

      Sie fand Jarku in einer Blutlache in Aradans Zimmer. Das andere Mädchen war noch immer damit beschäftigt, ihm eine ominöse Wunde zu verbinden, die ganz offensichtlich an einer Stelle saß, die höchst alarmierend war.
      "Bei allen Kreaturen, Jarku! Was ist passiert?!"
      Sie ignorierte für den Moment, dass die armen Mädchen sich mit so viel Blut auseinanderschlagen mussten, und kniete sich zu Jarku, um die Wunde zu untersuchen. Die Mädchen hatten sich bereits an einem Verband versucht, aber der ausgeübte Druck ließ sehr zu wünschen übrig. Sie packte den behelfsmäßigen Verband und drückte ihn mit aller ihrer Kraft auf Jarkus Wunde. Er hatte bereits eine Menge Blut verloren.
      "Nicht schlafen gehen, Jarku!", zischte sie ihn an und sah sich nach den Mädchen um. Sie taten ihr furchtbar leid, aber in dem Moment konnte sie nicht wählerisch sein.
      "Holt mir die Verbände aus dem braunen Beutel! Alles, was ihr finden könnt!"
      An Jarku gerichtet fügte sie hinzu:
      "Was ist passiert, Jarku? Schlaf nicht ein und erzähl mir, was passiert ist!"
    • Valteri fasste sich als Renera ihn um Hilfe bat. Zwar brannte sein Körper vor Schmerzen, doch wusste er auch, dass er nun nicht schwächeln durfte. Solange das Feuer noch loderte und die Menschen schrien, war ihm keine Pause erlaubt.
      So stand er mit grimmiger Mine auf, riss sich sein größtenteils abgebranntes Oberteil hinunter, welches ohnehin nur noch an wenigen Fäden auf seinen Schultern halt fand und nickte Renera mit einem tiefen grummeln zu.
      Sofort stampfte er auf die Mutter zu und hob sie behutsam unter seinen Arm, gefolgt von dem Mädchen, welches er dann doch etwas gröber mit seiner großen Hand packte, welche die halbe Taille umfasste, ehe er mit ihnen los rannte. Sein Ziel war vorerst das Wasser. Umso näher er diesem war, desto schneller konnte er sie vor Feuer schützen. Erst als er dort ankam, wandte er sich dem noch nicht brennenden Teil der Stadt um diesen entlang der Küste näher zu kommen.

      Jarku zischte etwas Blut zwischen seinen Zähnen heraus als er Renera vor sich sah und nun doch wieder ein seichtes Licht am Horizont sah. Er war schon blass und bekam kaum noch seinen Arm angehoben, doch brachte er noch wenige Worte, verständlich genug, hervor.
      "Bett!... Aradan.... S... Sie haben ihn..."
      Eine Träne lief ihm an der Wange hinunter ehe er seine letzte Kraft zu mobilisieren versuchte um seine Hand zu heben, welche Renera's Arm galt um seinen Fehlversuch zu entschuldigen, nicht in der Lage gewesen zu sein, Aradan zu beschützen.
      "Tut mir... Leid..."
      Da drohte ihm langsam aber sicher doch das Bewusstsein verloren zu gehen. Doch rechnete es wohl nicht mit Renera und ihrer Hartnäckigkeit. Denn kaum waren seine Augen dabei sich zu schließen, schrie sie ihn an nicht einzuschlafen, was immer wieder dafür sorge trug, dass er seine Augen auf riss.
      "Kutten... Kult... trugen ihn fort..."
      Da brach plötzlich ein Mann in das Zimmer. Gänzlich in weißer Kleidung gehüllt und einen Koffer tragend, füllte er den Raum sofort mit seiner Autorität.
      "Zur Seite!!"
      Er stieß Renera zur Seite und bot ihr damit ungewollt seinen Rücken an. Darauf war ein großes rotes Kreuz, was allgemein bekannt für mobile Sanitäter war. Natürlich. Bei einer solchen Katastrophe wurde wohl jeder mit Erfahrung los geschickt um zu helfen.
      "DU, kleines Mädchen. Welche Blutgruppe hast du?!"
      Chie sah erschrocken drein, nickte aber nur als würde sie nicht wissen wovon der Mann sprach.
      "Nah... Okay. Du! Welche Blu...."
      Da fing Jarku an zu zittern, was den Sanitäter in seiner Frage unterbrach und in seine Tasche greifen lies. Er zog eine Spritze hinaus und rammte sie Jarku ins Herz. Es war nichts anderes als künstliches Adrenalin, welches Jarku noch für eine ganze Weile im Diesseits halten sollte. Erst dann kümmerte er sich schleunigst um die klaffende Wunde, welche eine blitzschnelle Versorgung erhielt. Keine 5 Minuten dauerte es, da hatte Jarku eine saubere Naht, Verband und beruhigende Betäubung, damit das Herz nicht zu viel Blut pumpte.
      "Kritischer Zustand. Er packts, wenn ich seinen Bluthaushalt aufstocke."
      Daraufhin pfeifte er laut mit den Fingern zwischen seinen Zähnen, was zur Folge hatte, dass zwei junge Männer mit einer Trage die Treppe hoch stürmten und dabei halfen Jarku transportfähig zu machen und ebenso schnell mit sich zu nehmen. Es galt nicht mal mehr die Zeit Renera oder Chie zu sagen wo sie ihn hin tragen würden.
    • Jarku kämpfte damit, die wenigen Worte, die er zusammenbrachte, herauszupressen, wobei ihm deutlich anzusehen war, dass es ihn sämtliche Mühe kostete. Er tat Renera leid, so wie er dort auf dem Boden vor ihr um sein Leben kämpfte, aber sie konnte nichts anderes tun, als seine Blutung zu stoppen und ihn wach zu halten. Umso mehr ärgerte es sie, dass er seinen wenigen Atem dafür benutzen wollte, ihr eine Entschuldigung zu geben.
      "Reiß dich zusammen, Jarku! Was ist passiert? Wo ist Aradan? Wer hat dich angegriffen? Ich brauche Antworten!"
      Von den Mädchen war wohl kaum etwas herauszubekommen, was Renera auch nicht wollte. Sie hatten mit Jarkus Verletzung schon genug gesehen.
      Nach einem weiteren Schwächeanfall, bei dem Renera Jarku schüttelte, um ihn wieder wach zu bekommen, erzählte er endlich etwas brauchbares.
      "Kult! Hab ich das richtig verstanden? Ein Kult hat ihn? Hast du ihre Gesichter gesehen?"
      Jarku erschlaffte ein weiteres Mal und Renera schüttelte ihn erneut, drängend diesmal, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Er schlug gerade wieder die Augen auf, als die Tür aufkrachte und Renera nach oben schnellte. Sie griff bereits nach ihren Schwertern, erkannte dann aber das Symbol des einbrechenden Mannes und trat bei Seite. Wortlos beobachtete sie, wie er mit geübten Händen Jarku zusammenflickte, der bereits gefährlich nahe am Abgrund schwebte. Renera ergriff die Gelegenheit und lenkte die beiden Mädchen beiseite, um sie endlich von dem Anblick zu erlösen. Sie setzte ein warmherziges Lächeln auf, das sie noch gut von der Zeit, in der sie sich um ihre jüngeren Geschwister gekümmert hatte, drauf hatte und leitete sie zur Seite.
      "Wir gehen dem Mann mal aus dem Weg, okay?"
      Sie platzierte sich zwischen dem Paar und Jarku und sah mit aufgezwungener Ruhe auf sie hinab.
      "Könnt ihr mir sagen, wer das war? Wart ihr dabei? Habt ihr irgendwas beobachtet?"
      Die beiden sahen mit riesigen Augen zu ihr auf. Renera schalt sich gleich dafür, überhaupt gefragt zu haben.
      "Wir werden nachher darüber reden - lass uns erstmal rausgehen. Wir werden zu Valterri gehen, okay? Er wartet schon auf uns."
      Sie blieb noch einen Moment dort stehen, um den Männern nicht im Weg zu sein wenn sie Jarku heraus trugen, und führte dann die Zwillinge nach draußen. Sie würde nachher herausfinden können, wo die Sanitäter ihre Patienten hinbrachten - sobald sie die Zwillinge an einem sicheren Ort wusste.
      Sie verließ mit ihnen das Gasthaus und geriet in den aufkommenden Trubel der panischen Menschen, die noch immer vor dem Feuer reißaus nahmen. Es sah noch nicht so aus, als könne es in naher Zukunft eingedämmt werden, also folgte sie den Strom, um sich in hoffentlich ruhigere Gebiete leiten zu lassen.
      Die Sorge um Aradan war übermächtig und allesergreifend, sodass Renera eigentlich am liebsten losgerannt wäre um nach diesem Kult zu suchen, oder wer auch immer sich Aradan bemächtigt hatte, aber sie zwang sich eine äußerliche Ruhe auf, um die Mädchen nicht noch weiter zu traumatisieren, als sie nicht eh schon waren. Sie nahm jeweils eine Hand von ihnen, erklärte gefasst, dass sie ein wenig Abstand zu alles und jedem anstreben würden und schlug dann einen Plauderton an, in dem sie fragte, ob ihnen das Essen im Träumenden König geschmeckt hätte, ob sie die Stadt schön fanden, dass es eine besondere Architektur in der Stadt gab, nach der die Straßen ausgerichtet waren. Eigentlich war es weniger ein Plausch und mehr ein andauernder Monolog, gelegentlich anerkannt durch ein Nicken der Zwillinge oder den Druck ihrer Hand, aber ansonsten redete Renera größtenteils mit sich selbst. Wenn sie das von jüngeren Geschwistern nicht schon gewöhnt gewesen wäre, wäre sie sich äußerst bekloppt vorgekommen.

      Sie fanden Valterri am Hafen, wo es ruhiger war. Trotz der alles beherrschenden Panik, die sich mit dem Feuer weiter ausbreitete, entging doch niemandem die hünenhafte Gestalt, die nicht nur ein Mal das Misstrauen der Soldaten weckte. Renera war überaus erleichtert ihn zu sehen und noch mehr, ihre Familienmitglieder bei ihm zu sehen. Ihre Mutter wirkte noch immer recht leblos und Edea schien geweint zu haben - ob des Feuers, ihrer bewusstlosen Mutter, der allgemeinen Panik oder dem riesigen Mann, der sie scheinlichst entführt hatte, war nicht ganz sicher, aber sie war so erleichtert Renera zu sehen, dass sie beinahe wieder anfing. Renera tauschte ihr Gut durch das von Valterri ein und tätschelte ihrer Halbschwester einen Moment später vorsichtig den Kopf.
      "Sie haben Aradan entführt, Jarku wurde verwundet. Sanitäter haben ihn abtransportiert."
      Sie sah sich stichhaltig an der Promenade um, während sie Valterri auf den neuesten Stand der Dinge brachte.
      "Jarku hat etwas von einem Kult gesagt, Leute mit Kutten. Hast du was gesehen, oder was gehört? Sie müssten noch irgendwo in der Stadt sein, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es nach draußen geschafft haben sollten."
    • Mit der Zeit nahm die Panik immer ein wenig ab. Viele der überlebenden Bürger des brennenden Stadtteils hatten es in Sicherheit geschafft, nur vereinzelt traten noch Familien aus dem Inferno hervor und rannten in Sicherheit. Direkt fiel Valteri dabei auf wer von den Menschen Renera sein musste, immerhin war sie die Einzige die nicht in die Richtung rannte wo scheinbar alle anderen hin wollten.
      Über den direkten Austausch der Personen erleichtert, fiel auch Valteri direkt auf dass etwas nicht mit der Gruppe stimmte. Weder Jarku, Elraya, noch Aradan waren an Renera's Seite. Ihm blühte schon schlimmes als Renera auch schon zu erklären begann.
      Er konnte nicht anders als schwer zu seufzen. Dieser Truppe blieb wahrlich kein einziger Tag ohne Sorge oder Katastrophe. Vermutlich brachte es ihn genau aus diesem Grund nicht so sehr aus der Ruhe. Hinweise konnte er Renera jedoch keine geben, wie er damit bewies, die teils noch flüchtenden Familien aufzuzeigen.
      "Schau"
      Da wurde es schnell klar. Die meisten rannten mit nassen Lacken über den Körper geworfen durch die Gassen um nicht zu verbrennen wie es die Haut von Valteri getan hatte. Eine übliche Taktik die er auch aus seinem Dorf kannte. Das war die perfekte Tarnung.
      "Kult hm? Gerissen. Brennende Dörfer und Städte nahe Wasser nutzen nasse Laken großes Feuer lodert. Perfekte Tarnung."
      Doch hockte er sich vor den Zwillingen hin und streichelte beiden über den Kopf, was ein gruseliger Anblick war, immerhin verschwanden deren Köpfe unter seinen großen Händen vollkommen.
      "Was habt ihr gesehen?"
      Die Zwillinge sahen sich in der Runde um ehe sie doch tatsächlich, statt es zu sagen, lieber eine Scharade aufführten. Mit überzogenen Bewegungen spielten sie alles nach was sie beobachtet haben. Sogar den nur gehörten Streit der zwei Kultisten spielten sie unmissverständlich nach, als wären sie seit Jahren schon begabte Schaustellerinin einer bekannten Bühne gewesen. Sogar den überrumpelten Jarku ahmten sie nach, wie er zu Boden ging und sie daraufhin schnell wieder in den Schrank rannten.
      Valteri beobachtete das Schauspiel aufmerksam und war selbst darüber verwundert wie wenig Fragen über blieben.
      "Hm... Und Elraya?"
      Daraufhin bekam er von beiden nur ein zeitgleiches Schulter zucken zur Antwort.
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