[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Diese ganze Situation war langsam einfach nur noch skurril. Valteri war hin und her gerissen. Es tat sich langsam sogar ein unbehagliches Gefühl in ihm auf, was ihn spätestens als die Frau ihr Messer zog, dazu führte sich wieder zu bekleiden. Erst wollte sie Sex und nun drehte sie die Worte so als wäre es er gewesen, der es unbedingt wollte.
      Seinen Gurt feste zu ziehend, blickte er Elraya entgegen und schüttelte leicht mit seinem Kopf.
      "Hohn. Spar dir Hohn."
      Langsam wurde es ihm klar. Diese Frau stammte aus Shegar. Sie musste genau wissen wie Nordmänner behandelt wurden und wollte sich allem Anschein nach nur über ihn lustig machen. Das erklärte auch wieso sie sich nach seiner Entkleidung alles drehte und den Dolch zog.
      "Müssen zurück. Späher sicher schon bald wieder hier."
      Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie er sich bei dieser Sache fühlte und schluckte es runter ehe er sich von Elraya abwandte und wieder in Richtung des Lager's aufmachen wollte.
    • So schnell, wie sich Elrayas Freude gesteigert hatte, so schnell verpuffte sie auch schon wieder, als Valterri sich unvermittelt wieder anzog. Dann wollte er also doch nicht-nicht? Langsam wurde sie selbst noch verwirrt von diesem ganzen Hin und Her und das störte sie, nervte sie sogar regelrecht. Sie wollte Sex, aber doch nicht so freiwillig, was war daran denn nicht zu verstehen?!
      "Hä?! Hey! Machst du jetzt einen Rückzieher oder was?!"
      Sie setzte sich schlagartig in Bewegung, rannte ihm die kurze Distanz über nach, sprang auf seinen Rücken und hangelte sich dort an seinem Körper entlang nach oben, bis sie es endlich zu seinem wulstigen Nacken geschafft hatte und versuchte, ihn von dort aus in einen Klammergriff zu nehmen. Genauso gut hätte sie versuchen können, einen Baum mit bloßen Händen zu fällen.
      "Ah... Bleib stehen oder ich bring dich um!!"
      Ihr kam der merkwürdige Gedanke, dass ihr Messer wahrscheinlich gar nicht groß genug sein könnte, um damit irgendeinen Schaden an seinem gewaltigen Körper anrichten zu können. Sie drückte es ihm trotzdem an den Hals.
      "Stehenbleiben hab ich gesagt! Und zieh deine Hose aus! Und leg dich hin!!"
    • Kaum hatte Valteri das Spielchen der Frau nicht mehr mit gespielt, rannte sie ihm hinterher und warf sich an ihm ran wie eine Klette. Langsam trieb sie ihn so weit, dass er Renera's missbilligende Blicke nachvollziehen konnte. Nicht nur spielte diese Frau mit Gefühlen anderer. Viel mehr trat sie darauf und konnte selbst danach nicht aufhören.
      Doch lies er sich nicht aufhalten. Er lief weiter als wäre grad kein Mensch dabei sich um ihn zu klammern. Dabei hörte er nur wie sie ihn weiterhin bedrohte. Wieder mit dem Tod und wieder sollte er sich entkleiden.
      Das reichte ihm.
      Valteri hielt an.
      Er griff wuchtig hinter sich auf den Rücken um seine Last zu greifen, riss sie mit einem Satz vor sich wobei er sich eine leichte Fleischwunde am Hals zu zog, was ihn aber kaum störte.
      Wie ein Spielzeug warf er Elraya ein mal kurz in die Luft um sie im selben Augenblick in richtiger Position am Hals wieder zu packen. Anschließend drückte er die Frau gegen einen Baum, achtete durch seinen Zorn nicht darauf wie viel Kraft er dabei nutzte, entriss ihr den Dolch aus der Hand und rammte diesen so heftig gegen den Baum, direkt neben ihrem Kopf, dass es einen Ochsen gebraucht hätte diesen wieder hinaus zu ziehen, denn steckte der Dolch so tief darin, dass die Schneide nicht mehr sichtbar war.
      Als Antwort schüttelte er nur ein einziges mal den Kopf nach links und nach rechts, den Mundwinkel klar nach unten gezogen, soweit es durch seinen Bart sichtbar war, um ihr klar zu machen dass sie es mit ihren Spielchen zu weit getrieben hatte.
      "Gefühle, verletzt man nicht"
      Sprach er äußerst ernst und lies erst danach seinen Griff an ihrem Hals nach, als er bemerkte wie feste er eigentlich zu griff.
      Um ihr Wohlergehen sorgte er sich danach jedoch nicht. Er drehte sich nur um und ging wieder ins Lager, wo er direkt von einem der Soldaten bemerkt wurde und auf den Schnitt am Hals aufmerksam wurde. Der Soldat erkundigte sich direkt ob er angegriffen wurde, doch wies Valteri ab. Es sei nur ein Missgeschick gewesen.
    • Das war es nun endlich, was Elraya erreichen wollte - auf die ein oder andere Art. Sie stieß einen überraschten Laut aus, als Valterri sie so mühelos von seinen Schultern zerrte und sie sich kurz darauf in seinem Würgegriff wiederfand. Für etwa zwei Sekunden genoss sie das bekannte Gefühl, ließ sich auf das bekannte Spiel ein, strampelte nur ein bisschen um zu zeigen, dass sie mitspielte. Dann allerdings wurde es ihr doch unwohl, nachdem er ihr die ganze Luft abschnürte und sie es nichtmal auf die Reihe brachte, auch nur einen seiner Finger von ihrem Hals zu lösen. Da fing sie doch stärker an zu strampeln, kratzte ihm über den Unterarm, versuchte ihn zu beißen, zog ihr volles Programm ab und wurde bald darauf auch schon wieder freigelassen. Sie fiel auf den Boden, japste auf, kämpfte sich gleich wieder auf die Beine und machte sich für die zweite Runde bereit, als Valterri auch schon wieder abzog. Seine Worte machten für sie keinen Sinn, schienen aber so, als sollten sie Sinn ergeben.
      Sie sah sich nach ihrem Dolch um, der fast im Baum verschwunden war. Sie brauchte eine lange Zeit und viel Muskelschmalz, um ihn da wieder herauszubekommen, und als sie sich zurück zum Lager aufmachte, hatte Valterri sich bereits zu den anderen gesetzt. Sie verzog griesgrämig das Gesicht, holte sich eine Schale Essen ab - die dummen Gören gaben es ihr immer noch kostenlos - und schlich dann damit weg vom Feuer, mied die Plane, auf der Jarku sich wieder breit gemacht hatte, und setzte sich in die Dunkelheit hinaus. Dort zog sie die Blumen aus ihrem Hosenbund hervor - ihre Blumen, es waren ihre Blumen - und platzierte sie äußerst behutsam vor sich auf dem Boden. Ein paar waren weiter abgeknickt durch ihr Sprungmanöver, aber größtenteils waren sie noch intakt und frisch. Sie grinste in sich hinein, schaufelte sich das Essen in den Mund und begnügte sich dann damit, die Blüten zu betrachten. Als sie auch dem schließlich überdrüssig wurde, rollte sie sich auf der Erde zusammen, legte sich die Pflanzen auf die Armbeuge, bettete ihren Kopf darauf und schlief schließlich ein.
    • Wieder im Camp, legte Valteri die Gedanken die seinen Kopf benebelten ab wie seine Axt nach einem Kampf und gesellte sich zu den Soldaten, die am Feuer saßen. Er wollte in diesem Moment nichts weiter als dem langsam ansteigenden Pegel der Soldaten zu lauschen, welche meist von ihren Geschichten zu trällern begannen.

      Und so verging die gesamte Nacht. Valteri gönnte sich nur das ein oder andere Nickerchen im sitzen, wenn eine erzählte Geschichte der Soldaten etwas ins nichts ging oder langweilig wurde.
      Jarku schlief tiefenentspannt auf der Plane und die Zwillinge wechselten sich ab ein mal die Stunde nach Aradan zu sehen während die andere schlief. Die ganze Nacht über geschah nichts besonderes, außer dass Jarku sich beim Wasserlassen den Fuß an einem Bolzen stieß und dabei laut fluchte.
      Am Morgen kam eben dieser an Aradan's Zelt an und wollte grade hinein luschern, als er ein striktes Kopfschüttelt mit erhobenem Finger von Ruka entgegen kam.
      "Schon gut schon gut. Wollt nur sehen ob er wach ist."
      Ruka schüttelte den Kopf und wedelte Jarku mit beiden Händen hinfort. Normal wäre es vollkommen egal gewesen wenn Jarku in das Zelt geschaut hätte, doch nächtigte dort nicht mehr nur Aradan und das galt für Ruka nun als eine klare rote Flagge.
    • Aradans Zustand war unverändert, das war sogleich die erste Beobachtung, die Renera an diesem Morgen machte. Sie war noch nicht einmal richtig wach, hatte noch nicht einen Gedanken in ihrem schlaftrunkenen Gehirn produziert, als sie sich bereits zu ihm wandte, sich über ihn beugte, ihm die Wange tätschelte. Sie fühlte nach seiner Atmung, tastete gähnend nach seinem Puls und seufzte dann unglücklich. Zumindest war er ihr ein angenehmes Kissen, aber es war einfach nicht dasselbe, wenn er dabei so leblos wirkte. Sie kuschelte sich dennoch an ihn heran, lauschte für ein paar Minuten der Stille des Zeltes und stand schließlich auf. Sie zog sich an, kniete sich dann wieder zu ihm herab, schob beherzt die Hände unter seinen Rücken, wälzte seinen Körper auf die Seite, damit er sich nicht festlegen würde, und stabilisierte ihn dort, bevor sie noch einmal seine Lebensfunktionen überprüfte. Zum Abschluss fuhr sie ihm mit den Fingern durch die wirren Haare, um sie ein bisschen in Ordnung zu bringen, und küsste seine Wange, dann stand sie endlich auf und ging aus dem Zelt, wo sie beinahe mit Jarku zusammengeprallt wäre.
      "Oh, guten Morgen. Er ist nicht wach, falls du nachsehen wolltest."
      Ruka lächelte sie offenherzig an.
      "Danke fürs aufpassen."
      Dann machte sie sich auf den Weg, mit ihrer Schwester zu reden.

      Die Soldaten würden zur Stadt zurückkehren, um ihren Bericht über den Zusammenprall mit den anderen abzugeben und daher hieß es für sie alle Abschied nehmen. Ein weiteres Mal standen sich die beiden Gruppen gegenüber, doch mittlerweile war sämtliche Feindseligkeit verschwunden und stattdessen herrschte eine recht neutrale Stimmung - natürlich bis auf die beiden Schwestern, die mit Abstand am längsten brauchten, um sich endlich voneinander zutrennen. Ellaya drückte die kleinere Renera wieder an sich, sodass sie fast zwischen den Armschienen der Rüstung verschwand, und verlangte alle paar Sekunden zu wissen, ob sie sich auch ja wiedersehen würden, ob Renera auf sich aufpassen würde, ob sie ihrer Mutter einen Gruß ausrichten würde, ob sie sich in keine Schwierigkeiten bringen würde und weiteres. Renera musste lachen; sogar mit Aradans jetzigem Zustand im Hinterkopf, frohlockte sie darüber, ein so inniges Wiedersehen mit ihrer Schwester erlebt zu haben. Es ließ sie den Abschied beinahe als nebensächlich abtun.
      "Man könnte meinen du bist die ältere von uns beiden. Du untergräbst noch meine Autorität."
      "Das will ich doch hoffen! Ich bin immerhin diejenige von uns beiden, die eine Rüstung trägt."
      "Ellaya", stöhnte Ceryn von hinten, dem die Verabschiedung sichtlich die Nerven strapazierte. "Komm schon."
      "Ja ja. Pass auf dich auf, Rey. Und richte Aradan meine Grüße aus; schläft er immer so lang?"
      "Die Tage schon. Ist eine langweilige Reise."
      Sie lächelte entschuldigend, Ellaya grinste und dann lösten sich die beiden endlich voneinander. Die Soldatin schwang sich auf ihr Pferd hoch, eine sonst sperrige Bewegung, die sie mit tänzerischer Eleganz ausführte, dann lenkte die Truppe ihre Pferde an den anderen vorbei und preschten in die Richtung davon, aus der sie alle gekommen waren.
      Renera wandte sich zu den anderen um.
      "Dann lasst uns weitergehen. Ich denke, die Grenze ist nur ein paar Tage entfernt, ab da haben wir es nicht mehr weit."
      Ihr Blick fiel kurz auf Elraya, die im Hintergrund stand und Valterri wieder offen missmutig beobachtete. Sie konnte man wohl auch nie zufrieden stellen.
      Als die Truppe sich zerstreute, hielt Renera Jarku auf.
      "Hast du dir Aradan angesehen? Ist er, naja... ist er normal? Stabil?"
    • Die Gruppe tat mehr oder weniger das was Renera vorschlug, mit Ausnahme von Elraya, welche sich grundsätzlich immer erst etwas widmete was nicht gesagt wurde. Beinahe wie das Verhalten eines trotzigen Kindes, oder gar exakt so.
      Es stand noch aus ob sich diese Frau anpassen konnte oder ab sie sich vorgenommen hatte diese Truppe in den Wahnsinn zu treiben.
      Dennoch war das provisorische Kleinlager schnell wieder verstaut und auch die Soldaten schienen sich auf ihren Weg machen zu wollen. Da keiner außer Aradan und Renera je mit dessen Schwester zu tun hatten, sahen sie sich nicht gezwungen die Soldaten groß zu verabschieden, also warteten sie bis Renera soweit war und den Weg vorgab, was kurze Zeit später auch passierte.

      Wenig später suchte Renera Jarku für ein kurzes Gespräch auf während sie weiter ihrem Weg folgten. Doch konnte er ihr nur mit einem Schulter zucken entgegnen.
      "Wie ich schon sagte. Alles was wir wissen ist sein Kram mit Minerva und selbst darüber hat er nie wirklich viel geredet. Hast ja gemerkt wie er ist. Alles was ich sagen kann ist, dass ich genau Ratlos bin wie du oder jeder andere hier. Vermutlich sogar inklusive Aradan selbst."
      Ein flüchtiger Blick zum Wagen später
      "Alles was wir tun können ist ihn zu beschützen während er schläft."
      Doch da ging ihm ein Licht auf, was seine Hand flott in seiner Gürteltasche verschwinden lies
      "Ach warte mal!"
      Hervor kam die kleine Ampulle mit dem starken Aufwecker
      "Wir haben doch das hier. Hat bisher immer geklappt wenn er mehr Leiche als Mensch war. Das könnten wir doch..."
      Da rutschte es dem plötzlich energischen Giftmischer aus seinen Fingern nachdem das Pferd einen kurzen Hoppser über einen Stein gemacht hatte. Beinahe in Zeitlupe konnte er sehen wie die Ampulle auf eben diesen Stein zerbrach und den eben noch als perfekt wirkenden Plan, in Scherben zerschellen sah.
      "Okayyy... Also. Wie ich schon sagte. Alles was wir tun können ist ihn zu beschützen"
      Peinlich berührt rieb er sich am Hinterkopf und lachte dabei etwas verschmitzt
    • Die Enttäuschung stand Renera regelrecht ins Gesicht geschrieben, die letzte Hoffnung darauf, dass sich an Aradans Zustand etwas verändert hatte, verschwunden. Allerdings wurde sie ebenso schnell hellhörig, als Jarku eine Idee zu kommen schien und musterte ihn neugierig. Diese neue Hoffnung hielt in etwa zehn Sekunden an, bis sie beide auf die zerschmetterte Ampulle auf dem Boden hinabstarrten.
      "... Du bist ein Trottel, Jarku", murrte sie und schüttelte den Kopf. Dann also doch nur warten; warten, beobachten und versorgen. Renera spürte die Verzweiflung tief in sich anklopfen.
      "Wenn er weiter bewusstlos ist, werden wir ihn irgendwann füttern müssen, damit er bei Kräften bleibt. Würdest du Ruka fragen, ob sie das übernehmen kann? Ihnen fällt doch sicherlich eine Möglichkeit ein, ihm etwas zu verabreichen."
      Sie hätte zwar selbst gehen können, allerdings wollte sie sich gar nicht erst mit dem Gedanken beschäftigen, dass Aradan lange genug bewusstlos sein könnte, um tatsächlich Nahrungszufuhr zu benötigen. Eigentlich wollte sie sich allgemein gar nicht damit beschäftigen, dass er überhaupt mehr wie eine Leiche, als ein lebender Mensch war. Sie fühlte sich hilflos, tatsächlich am Rande der Verzweiflung, so wie sie einfach nur zusehen musste, dass er nicht mehr aufwachte. Als wollte das Schicksal sie dafür bestrafen, dass ihr etwas gutes wiederfahren war, indem sie ihr das Gute gleich wieder wegnahm.

      Sie reisten weiter bis zur Grenze, überquerten sie ohne Probleme - Renera und Elraya versteckten sich beide vor den Soldaten - und zogen dann in Vihris ein. In ihrer ersten Nacht im aufgeschlagenen Lager, schlich sich Elraya zum ersten Mal in den letzten Tagen wieder ans Feuer heran. Sie wirkte wie ein scheues, gereiztes Tier, so wie sie angestohlen kam, den funkelnden Blick auf ihre Umgebung gerichtet, bereit dazu, jeden anzufallen, der sich ihr in den Weg stellen könnte. Sie schlich sich an den Hünen heran, der am Feuer beim Essen saß.
      "Valterri."
      Die beiden hatten die letzten Tage kein Wort miteinander gewechselt und daher wirkte sie besonders gereizt dabei, seinen Namen zu nennen. Sie starrte den Riesen für einen Moment an, zog dann ihre Hand hinter dem Rücken hervor und streckte sie ihm entgegen. Es war ein Bündel Heilwurzeln darin, von denen ein paar schon etwas lädiert waren.
      "Für dich. Als Ent...schädigung. Für damals."
      Sie machte ein finsteres Gesicht der Art, nach der sie drohte, jemanden anzufallen, wenn er es wagte, das falsche Wort an sie zu richten.
    • Renera schien das Missgeschick noch relativ human aufzufassen. Zumindest hat Jarku es so interpretiert. Immerhin saß sein Kopf noch auf seinen Schultern.
      Des Weiteren brachte Renera sogar ein Thema auf, über welches Jarku im Leben nicht nachgedacht hätte. Zumindest so lange nicht, bis es ihm an Aradan's Körper aufgefallen wäre, was dann wohl klar zu spät gewesen wäre.
      Natürlich nahm er diesen Rat an und gab Chie und Ruka sofort bescheid. Er vertraute ebenfalls darauf, dass sich beide etwas einfallen lassen würden. Valteri fragte er erst gar nicht. Er war ein ziemlicher Grobmotoriker, einfallsreich und nützlich rund um das Thema Muskelschmalz, doch wohl kaum von Nutzen wenn es darum ging vorsichtig und filigrane Dinge zu handhaben.

      Weiterhin geschah nach wie vor nichts aufregendes. Tatsächlich war der Höhepunkt des Tages der, das sie die Grenze passierten. Dicht gefolgt von einem weiteren Aufbau des Lagers am nahenden Abend. Das Einzige was es besonders mache war, dass es das erste Lager in Vihris war.

      Alles verlief wie von selbst. Jeder wusste worum er sich zu kümmern hatte und sogar Elraya lies sich blicken als das Essen fertig war.
      Jarku hatte sie immer im Auge behalten wenn sie sich so anzuschleichen schien. Er wusste noch nicht wie er mit dieser Frau umgehen sollte also empfand er es für angebracht sie vorerst zu studieren, auch wenn er etwas Mitleid mit Valteri hatte, denn schien es als hätte sie ernsthaft einen Narren an ihn gefressen. Aradan konnte er kaum davon erzählen, also trat Jarku an Renera heran und sprach in gemäßigter Lautstärke, damit Elraya es nicht mitbekommen konnte.
      "Schau mal da rüber. Ist dir das auch aufgefallen? Die schaut Valteri ständig so giftig an und schleicht immerzu umher. Ich weiß nicht ob sie ihn mag oder ob sie ihn umbringen will. Was denkst du? Kann man dieser Frau trauen?"
      Er seufzte leicht
      "Nimms mir nicht übel. Du weißt was du tust aber.. ich wünschte Aradan würd langsam mal wieder aufwachen. Selbst wenn er nichts von sich gibt und wie eine Eissäule in der Gegend herum steht, hat man trotzdem das Gefühl als wäre man vor allem sicher. Seit er schläft reagiere ich nach jedem kleinsten Geräusch in der Umgebung."

      Valteri biss derweilen von seiner Wildschwein Keule ab und betrachtete das knisternde Feuer vor sich als er dann plötzlich aus seinen Gedanken gerissen zur Seite blickte. Wenn dieser Nordmann einen neutralen, emotionslosen Blick aufgelegt hatte, hätte wohl jeder Fremde geglaubt, er wolle ihn jeden Moment umbringen. Eine Eigenschaft vieler Nordmänner. In diesem Fall blickte er erst in Elraya's Gesicht. Anschließend auf die Wurzeln, welche sie ihm hin hielt.
      So recht wusste er nicht wie er reagieren sollte. Er hatte es lieber im Kampf, statt von verbündeten verbal verwundet zu werden. Doch gab sich die rothaarige Frau für ihre sonderbare Art tatsächlich Mühe.
      Für einen Augenblick sah er die Wurzeln nur an, grummelte dann aber und sah ihr wieder in die Augen.
      "Danke."
      Zugleich wandte er seine Hand ihrer Entschuldigung entgegen um ihre Hände mit der Heilwurzel zu schließen und wies mit seinem Blick auf das Zelt von Renera und Aradan hin.
      "Zwillinge werden es verarbeiten. Bring es ihnen."
      Dann sah er wieder ins Feuer und sprach etwas leiser.
      "Danach können wir reden."
    • Renera hatte sich von Aradan gerade abgewandt, um sich selbst etwas zu Essen zu nehmen, als Jarku auf sie zukam. Der Giftmischer kam ihr wie eine zweite Hand vor, ein Vertreter für Aradan, ein zweiter Anführer. Ob gewollt oder nicht, hatte es fast schon den Anschein, als würde er die Verbindung zwischen der Gruppe, Renera und dem bewusstlosen Aradan schaffen, wie eine lange, eiserne Kette, die er erst durch seine eigene Anwesenheit verband. Seit Renera am eigenen Leib mitbekommen hatte, womit sich Aradan regelmäßig herumzuschlagen hatte, war sie fast froh um die Anwesenheit des rothaarigen, mit dem sie sich sonst nicht wirklich auseinandersetzte.
      Sie folgte seiner Andeutung und sah auf die heran tigernde Elraya, die tatsächlich so aussah, als wäre sie auf der Mission jemanden umzubringen.
      "Ich vertraue ihr kein bisschen, aber sie hat uns in der Stadt geholfen. Du hast doch wesentlich mehr Zeit mit ihr verbracht, wie würdest du sie einschätzen? Ich kann es schlecht beurteilen, mir geht sie immer aus dem Weg - den Zwillingen auch. Sie will es wohl, wenn dann, nur mit Männern aufnehmen."
      Jarkus folgende Bemerkung ließ sie ein bisschen aufmerksamer aufschauen. War es das, was Aradan die ganze Zeit unterschwellig tat, auch wenn es ihn insgeheim zermürbte: Der Gruppe Sicherheit geben? Er nahm sich die Lasten aller auf die Schultern, kümmerte sich um alles und jeden gleichzeitig, schlief wohl noch nicht einmal gut, aber im Umkehrschluss konnten sich alle stets darauf verlassen, dass er zur Stelle war, wenn etwas schief gehen würde, dass seine ständige Aufmerksamkeit die Gruppe vor jeglicher Gefahr schützte. Vielleicht war er ja damit sogar erfolgreich, aber um welchen Preis? Um den, dass er auch weiterhin den permanenten Aufpasser spielen sollte, damit alle anderen ihren Frieden genießen konnten?
      Renera ließ ihren Blick über das Lager schweifen. Von diesem neuen Blickwinkel aus betrachtet, fielen ihr viele Dinge auf, die mangelhaft waren, in denen es Lücken gab, die nur durch menschliche Aufmerksamkeit zu schließen waren. Wenn sie es anders betrachtete, wenn sie die kleinen Lager mehr wie ein Armeenlager ansehen würde, würde ihr bestimmt eine Möglichkeit einfallen, wie diese Sicherheitslücken zu beheben waren.
      "Sag mal, Jarku, haben wir eigentlich irgendeinen Plan, nach dem wir unser Lager aufschlagen? Wonach wir den Lagerplatz aussuchen? Wie wir unsere Zelte ausrichten? Gibt es einen offiziellen Wachplan?"
      Sie richtete ihren Blick wieder auf Jarku, fühlte sich minimal besser jetzt, wo sie eine Idee hatte, wie sie sich von Aradan ablenken und gleichzeitig eine angemessene Hilfe bieten konnte.

      Valterri richtete seinen überaus aggressiv, stechenden Blick auf Elraya, die instinktiv zu ihrem Dolch greifen wollte, die Stirn stattdessen nur in Falten zog. Sie hielt ihm die Heilwurzeln allerdings auch weiterhin unbewegt hin, trotzig das Kinn erhoben in Anbetracht des kleinen Blickduells, das sie - ihrer Meinung nach - in diesem Moment ausfochten. Zu ihrer Befriedigung gewann sie es kurze Zeit später, starrte Valterri umso eindringlicher an, zögerte für einen Augenblick. Es hatte sie schon sämtliche Mühe gekostet, dieses lästige Gestrüpp ausfindig zu machen, geschweige denn genug davon zu finden, um einen ansehnlichen Strauß vorzeigen zu können - und das auch noch freiwillig! - sodass sie nicht der gänzlichen Überzeugung war, auch noch weiterhin für Valterri irgendwas zu tun, um ihre Entschuldigung herüberzubringen. Aber da konnte man wohl nichts machen, außer sie wollte ihn weiterhin mit ihren Blicken durchbohren, wenn er ihr keine Beachtung schenkte, und das tat er leider schon zu lange. Also schürzte sie die Lippen, schnaubte und zog dann ab - ging allerdings ohne Umwege zu Aradans und Reneras Zelt, überreichte Chie das Gestrüpp mit der einfachen Erklärung "Heilwurzeln" und kam dann wieder zurück geschlichen. Sie blieb noch einen Moment außerhalb des Feuerkreises, zog wie ein Raubtier ihren Halbkreis um Valterri herum, schien abzuwägen wie sie sich ihm am besten näherte, oder ob sie sich ihm überhaupt näherte, oder ob sie etwas ganz anderes tun sollte, und kam dann schließlich doch einfach auf ihn zu getrottet, stellte sich auf dem gleichen Fleck wie eben neben ihm auf, verschränkte die Arme vor der Brust, schaute ihn finster an. Die Blumen, die er ihr vor ein paar Tagen gegeben hatte, steckten noch immer in ihrem Hosenbund, vertrocknet und zerfallen, aber immernoch vollständig.
      "Und? Reden wir?"
    • Schon die ersten fünf Worte aus Renera's Mund ließen Jarku nur seine Arme verschränken und leicht nicken während er Elraya entgegen sah. Er war also nicht allein mit seiner Vermutung. Doch rechnete auch Renera ihr an, in der Stadt hilfreich gewesen zu sein. Aber konnte man einer Auftragsmörderin tatsächlich schon vertrauen nur weil sie ein mal etwas gutes tat?
      Darauf hatte Jarku bisher keine Antwort.
      "Was? Ich? Erfahrungen mit ihr?"
      Erst nach einem Augenblick kamen ihm die Erinnerungen wieder in den Kopf. Renera hatte Recht.
      "Oh ehm. Stimmt. Wie war das noch gleich.."
      Seine Erinnerungen ließen ihm anfangs etwas im Stich. Die Aktion der Folter war nur dazu da um Informationen aus ihr hinaus zu bekommen, welche den Angriff auf Aradan und Renera betraf. Charaktereigenschaften hatte er in diesem Moment gar nicht für Wichtig befunden. Wer hätte auch kommen sehen dass diese Frau bald als Mitglied in dessen Gemeinschaft sein würde.
      "Okay.. Sie hat etwas mehr geflucht als üblich. Sie hat weniger ausgehalten als ihr Bruder und.. Wenn ich mich recht erinnere, wurde sie ziemlich scharf als ich ihr drohend den Dolch zwischen die Schenkel gerammt habe."
      Flüchtig sah er Renera an, der drohenden Verurteilung entgegen bllickend
      "Hey das sind Foltermethoden okay? Ich wollte erfahren wieso sie und ihr Bruder euch auf dem Feld angegriffen haben. Da kennen wir nichts. Wer unserer Familie ans Leder will, muss sich den Konsequenzen stellen."
      Beinahe erschreckte er sich selbst bei dem Gedanken nun auch Leuten etwas anzutun, wenn sie Elraya gefangen hielten. Egal wie seltsam sie war... Aradan nahm sie auf. Sie gehörte nun also zur Familie.
      "... Ich schätze sie gehört nun dazu hm?"

      Doch wurde er schon einer neuen Frage belegt. Der Wachplan. Welcher Wachplan? Es gab einen Wachplan?
      "Ehm... Ich... Vermutlich. Ich meine. Wenn wir halt gemacht haben, dann nur wenn Aradan seinen Blick aufgelegt hat und meinte, dass das ein guter Platz für ein Lager gewesen ist. Rückblickend betrachtet hab ich mich nur gefreut endlich die Füße hoch legen zu können. Wenn es also eine Richtlinie gab, hat er sie uns nie verraten. Jedoch..."
      Seinen Kopf gen Himmel richtend
      "...glaube ich dass wir nie in einem dichten Wald das Lager aufschlugen. Es war stets in der Nähe eines Flusses oder auf einer freien Fläche."
      Da schnaubte Jarku bewusst aus der Nase aus und grinste feist
      "Da ist der Kerl ein paar Tage abwesend und schon wird einem bewusst wie viel er eigentlich für uns gemacht hat hm?"
      Die Sorge in Jarku's Stimme versuchte er erst gar nicht zu verstecken. Er wusste dass Renera das selbe empfinden musste, wenn nicht gar viel schlimmer.


      Valteri wartete indes bis Elraya wieder ihren Weg zurück fand.
      Dass die Frau die Wurzeln zu den Zwillingen brachte, nachdem er sie darauf hingewiesen hatte und sogar seinem Angebot nach zurück kam, zeigte ihm dass sie tatsächlich zuhörte und nicht nur aus reinem Instinkt handelte. Beinahe hätte er ihr sogar etwas wie echte Gefühle zugesprochen, doch war der Abend noch lang.
      Vorerst nickte er nur nach ihrer Frage, weiterhin das Feuer betrachtend.
      "Mh.. Worüber will dein Herz reden?"
    • Renera warf einen scharfen Blick auf Jarku, dem er sich gleich verpflichtet fühlte, Rechenschaft zu leisten. Zumindest schien er wohl zu wissen, was Renera von seiner Neigung zur Folter hielt, aber das machte es auch nicht besser, nachdem er sie ja trotzdem durchführte. Sie würde ein ernstes Wort mit Aradan darüber halten müssen, was es mit dieser Gruppe und ihrer Vorliebe zur Folter nur auf sich hatte.
      Danach wurde es auch nicht gerade besser. Jarku eröffnete ihr quasi, dass sie keinerlei Plan hatten, wie sie in der Wildnis für Sicherheit sorgten - abgesehen von Aradans schierer Anwesenheit.
      "Und was habt ihr gemacht, wenn er mal unpässlich war, so wie jetzt? Oder wenn er zu beschäftigt war? Oder wenn er geschlafen hat? Bei den Kreaturen, Jarku, habt ihr ihn überhaupt schlafen lassen? Es ist doch kein Wunder, dass er kaum zur Ruhe kommt, wenn er ständig alles und jeden versorgen muss!"
      Zuletzt wurde sie fast ärgerlich, obwohl sie wusste, dass Jarku nichts dafür konnte - keiner konnte etwas dafür, außer Aradan, der selbst hätte erkennen müssen, dass er zu viel tat. Sie wusste ja nicht einmal, ob er die anderen überhaupt darin eingeweiht hatte, dass ihm alles zu Kopf stieg. Wahrscheinlich nicht, denn sonst hätten sie sich wohl viel früher darum gekümmert, ihm etwas Arbeit abzunehmen.
      Renera sah zu ihrem gemeinsamen Zelt hinüber, wo die beiden Geschwister gerade dabei waren, sich um Aradan zu kümmern. Natürlich sah sie ihn nicht, aber sie beobachtete das Zelt trotzdem für einen Moment, als könne er jeden Moment daraus hervorkommen. Schließlich wandte sie sich wieder Jarku zu.
      "Das werden wir jetzt ändern. Wir sind eine so kleine Gruppe, unser Lager kann sich selbst verwalten. Bring mir ein Blatt und einen Stift, Jarku, und dann wirst du mir eine Aufstellung von unseren Vorräten, von unserer Ausrüstung, unseren Zelten und unseren Aufgaben geben. Wenn Aradan wieder aufwacht, wird jeder seine Pflicht erfüllen - nicht mehr und auch nicht weniger."

      Elraya schwieg eine ganze Weile lang, während sie den wohl härtesten Kampf in ihrem Leben ausfocht. Sie rang innerlich mit sich selbst wie mit einem Bullen, keiner von beiden stärker als der andere, beide darauf erpicht, ihren Willen durchgesetzt zu bekommen. Sie stand unruhig auf der Stelle, starrte mal Valterri an und mal das Feuer, ließ den Blick durch die Umgebung schweifen, wippte auf den Fußsohlen.
      Schließlich presste sie ihre Worte unter großer Anstrengung hervor.
      "Es... tut... mir... leid... dass... ich... deine... Gefühle...... verletzt hab'."
      Als sie den Satz herausgedrückt hatte, sah sie so finster drein, dass sie wirklich so wirkte, als würde sie mit dem Drang kämpfen, jeden Moment jemanden umzubringen.
    • "Hmm..."
      Jarku musste einen Augenblick nachdenken, war dann aber selbst über das Ergebnis überrascht.
      "Ich glaube wirklich unpässlich war er nie für eine lange Zeit. Mal das mit Minerva ausgenommen, stand er meist direkt am selben Tag schon wieder aufrecht."
      Als sich Renera dann aber ihrer Sorgen etwas zu sehr hin gab, wandte sich Jarku ihr ganz zu, blickte sie etwas ernster an und stützte eine Hand an seine Seite
      "Ich kann dich ja verstehen Renera. Aber glaube nicht dass wir uns keine Sorgen machen. Wir sind keine Unmenschen okay? Niemand hier stand mit gezogener Klinge vor ihm und zwang ihn die ganze Nacht wach zu bleiben. Hättest mal unsere Ärztin sehen sollen als sie noch unter uns war. Sie war ständig in Sorge und stritt häufig mit ihm. Sie zwang ihn mehr zu essen, mehr zu schlafen und verpasste ihm sogar mal eine saftige Ohrfeige als er ihre angeordnete Bettruhe nach einer Schlacht nicht eingehalten hatte. Aradan wurde schon deutlich ruhiger und überließ uns die Wache nachdem sie starb. Alles in allem wirkte er sogar immer fitter doch versuch mal raus zu finden ob er wirklich schläft oder sich nur hinleg und stattdessen im Zwielicht umher wandert."
      Jarku's Sorgen sprudelten grade zu aus ihm hinaus. Als er es selbst bemerkte, hielt er sich zurück und rieb sich ein mal das Gesicht.
      "Sagen wir einfach.. dass wir alle versuchen ihm so viel abzunehmen wie möglich. Aus diesem Grund sieht man Valteri auch fast nur draußen. Man mag es nicht glauben aber der Kerl hat ein wirklich gutes Gehör. Sich an ihm anzuschleichen, selbst wenn er eingenickt ist, ist beinahe unmöglich. Habs versucht. Aber auch ihm können wir nicht jede Nachtwache überlassen. Man könnte sagen, dass wir wohl alle froh darüber sind dass du nun mit im Team bist um Lücken zu füllen die wir nicht füllen konnten."

      Auf Valteri's Seite ging die Unterhaltung deutlich Wortkarger einher. Er bemerkte wie schwer sich Elraya mit ihren Worten tat aber er half ich nicht. Sie musste lernen wie es in einer Gruppe zuging, welche sich gegenseitig respektierten und nicht versuchten sich jede Sekunde gegenseitig auszubeuten oder zu erpressen. Es war wichtig, dass die Rothaarige lernte wie man über den eigenen Schatten springt. Vor allem hier draußen. Also hörte er nur zu und wartete jedes noch so in die länge gezogenes Wort ab.
      Als sie es hinter sich gebracht hatte, stand Valteri auf und legte den Knochen zur Seite, an welchem zuvor reichlich Wildschwein Fleisch war.
      Doch entgegen jeder Erwartung, welche sich Elraya vermutlich ersehnt hat oder erwarten konnte, wandte Valteri seinen Blick ab. Er sah über sie hinweg und regte sich kein Stück mehr. Kein Wort kam über seine Lippen und exakt in dem Moment als Elraya grade etwas sagen wollte, packte Valteri ihren Mund mit seiner großen Hand, was ihr beinahe das gesamte Gesicht abdeckte.
      Mit seiner anderen Hand hielt er einen ausgestreckten Finger vor seinem Mund um klar zu machen, dass sie nun leise sein musste. Erst dann nahm er seine Hand von ihrem Mund und blickte weiter in die Dunkelheit hinein. Leider konnte er Renera und Jarku nicht klar machen auch leise zu sein ohne selbst rüber rufen zu müssen, also musste er sich nun auf sein Gehör verlassen.
      Irgendetwas war dort. Er konnte es einfach nicht aus machen aber ihm war als drohte Gefahr. Erst als er langsam seine enorme Axt ergriff und kampfbereit hielt, wurde Jarku aufmerksam und brach mitten im Satz das Gespräch mit Renera ab und blickte sofort stumm hinüber. Valteri schien nicht zu wissen was genau los war also blickte sich Jarku vorsichtig um und zog beide seiner Dolche.

      Dann krachte es. Eine der dicken hölzernen Rippen des Planwagens brach in zwei. Sofort wandten sich alle in dessen Richtung, doch was sie erblickten war etwas, was sie noch nie zuvor zu Gesicht bekamen und eben das sorgte für den Moment bei allen für einen Schock. Es war ein neuartiges Wesen, dass so noch nie dokumentiert wurde. Was daran so beängstigend war... war der Fakt, dass es Flügel besaß. Allem Anschein nach musste es schon eine Weile um das Lager geflogen sein und mit einem Satz auf den Planwagen aufgekommen sein, wodurch das Holz darauf brach. Das wies darauf hin, wie heftig eine Landeaktion dieses neuen Wesens sein musste. Wenn eine solch dicke Holzrippe brach, würde auch kein Knochen eines Menschen standhalten.
      Dieses Ding hatte keine Augen, doch dafür einen grotesken Mund, dessen Unterkiefer nur aus zwei dicken Fangzähnen bestand. Und als wäre das nicht schon genug, hatte es ein noch viel größeres Maul über den ganzen Bereich, wo man einen Bauch und Brustkorb vermuten würde.
      Für den Moment beobachteten alle das Verhalten des Wesens. Es hockte auf dem Wagen und knackte beim Atmen unheimlich, da es beim einatmen ständig mit den Fangzähnen aneinander schlug.
      Lange hielt dieser Moment jedoch nicht an. Es bäumte sich auf und öffnete das große Maul. Dabei fiel der ein oder andere Knochen hinaus, welche von Tieren zu stammen schienen. Vermutlich die letzte Mahlzeit. Doch was folgte, war im wahrsten Sinne Ohren betäubend. Es stieß einen so lauten irrsinnig grellen Schrei aus, dass Jarku sofort glaubte wahnsinnig zu werden. Er lies seine Dolche fallen um sich die Ohren zu halten, ging dabei reflexartig in die Knie und fletschte die Zähne.
      Valteri ging es dabei nicht anders. Augenblicklich lies er die Axt fallen um sich die Ohren zu schützen, schaffte es aber seinen Blick auf das Wesen zu halten und sah, wie es nach einem Moment die Arme weit ausbreitete, welche zeitgleich auch dessen Flügel waren und mit einem kräftigen Sprung in den Himmel sauste und schnell nicht mehr zu sehen war.
      Aus dieser Entfernung war der Schrei noch immer deutlich zu hören, doch war es längst nicht mehr so schmerzhaft. Sofort ergriff Jarku wieder seine Dolche und Valteri seine Axt.

      "Okay, jetzt alle ganz ruhig! Kann es jemand sehen?!"
      Wies Jarku direkt an und versuchte dem Schrei zu folgen. Nur in günstigen Augenblicken des passend fallenden Mondlichts konnte man die Gestalt weit oben in der Luft kreisen sehen.
      "Dort ist es! Es ist nicht abgehauen. Es umkreist das Lager!"
      Direkt befestigte Valteri seine Axt auf seinem Rücken und lief zum Wagen, wo er drei Bögen samt Köcher hervor holte und Jarku, Elraya, sowie Renera zuwarf. Valteri selbst war nur für den Nahkampf geeignet. Bestenfalls konnte er mit einer Armbrust umgehen, welche die Truppe jedoch nicht hatte, also scheuchte er die Zwillinge in das Zelt von Aradan und stellte sich danach schützend davor um im Falle eines Angriffs da zu sein.
    • Geschwindigkeit: In der Luft sehr schnell
      Stärke: Moderat
      Kampfmittel: Kreischt in einem sehr hohen Ton um Feinde in den Wahnsinn zu treiben. Besitzt scharfe Klauen an den Händen und extra Klauen an den Hüften.
      Eigenschaften: Greift äußert selten direkt an. Es jagt in der Nacht und lockt andere Wesen mit seinem Schrei an.
      Kampftaktik um sie zu besiegen: Die Ohren bedecken und es dazu bringen zu landen.
      Sinne: Ist blind und nimmt die Umgebung wie eine Fledermaus durch Geräusche wahr.
      Verhalten: Verfolgt über Tage hinweg dessen Beute und bevorzugt einen Sturzflug nur wenn die Beute alleine oder unbeaufsichtigt ist. Sorgt mit seinem Schrei oftmals dafür andere Wesen aufmerksam zu machen und sie anzulocken um sich an den anschließend über die Leichen satt zu fressen.
    • Renera verschränkte die Arme vor der Brust, blicke ein wenig betreten drein. So hatte sie das natürlich nicht gemeint.
      "Ich sage ja auch nichts davon, dass ihr Unmenschen seid, Jarku", begann sie und wog den Kopf ein wenig hin und her. "Es hört sich nur alles... falsch verteilt an, wenn du verstehst. Aradan hatte ja schon immer ein Helfer-Syndrom, aber wenn es nicht so viel zu helfen gegeben hätte, wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen, dass sich alle nur auf ihn verlassen. Wir sollen uns ja nur alle sicher fühlen und er soll nicht alle Lasten auf einmal abbekommen, wenn er wieder aufwacht. Wer weiß schon, wie es ihm dann überhaupt geht?"
      Sie beobachtete die massige Gestalt von Valterri in der Entfernung, die sich von ihrem Platz aufrichtete. Sie glaubte, Elrayas roten Kopf auch dort zu erkennen.
      "Ich werde mir etwas einfallen lassen. Wenn schon das Militär durch die Wildnis zieht und das unbeschadet, können wir das erst recht. Wir haben ein kleines Lager, lauter fähige Leute - jeder ist dazu imstande eine Waffe zu benutzen und Verletzte haben wir auch nicht bis auf Aradan. Wir müssen nur ein bisschen mehr Ordnung reinbringen, ein bisschen mehr Disziplin vielleicht. Eine klare Rollenverteilung, eine Taktik, einen Notfallplan. Wir kriegen das schon hin."
      Weiter kam sie nicht, als Jarku sie plötzlich mit einer solchen Dringlichkeit abwürgte, dass sie selbst ganz alarmiert wurde. Auch Valterri in der Ferne schien schon seine Waffe gezogen, wohl aus dem gleichen Grund. Für einen kurzen Moment sah sie sich nach dem Ursprung dieser plötzlich angespannten Situation um.

      Sie hörte es, bevor sie es überhaupt erblickt hatte, das Krachen vom Wagen, das sie allesamt herumfahren ließ. Ein Wesen, das einer übergroßen Fledermaus erschreckend ähnlich sah, aber eher aus einer Albtraumversion davon zu kommen schien, saß auf dem Wagen, die Flügel zur Seite ausgestreckt, die riesigen Klauen in das Holz gekrallt. Es war nichts, was Renera jemals gesehen hätte, nichts, was sie sich jemals auch nur hätte vorstellen können und dementsprechend langsam war sie dabei, ihre Schwerter zu ziehen, zu sehr in den Bann dieses Anblicks gezogen, um sich so schnell daraus lösen zu können. Es war das erste Mal in zwanzig Jahren, dass sie eine neue Kreatur zu sehen bekam.
      Erst der übernatürliche Schrei, der durch Mark und Bein ging und eine Welle in Reneras Kopf auslöste, die sie in sofortige, allesergreifende Panik versetzte, ließ sie sich von dem Anblick losreißen, die Schwerter fallen lassen und sich mit aller Kraft die Ohren zuhalten. Sie konnte von jetzt auf gleich nicht mehr klar denken, konnte noch nicht einmal erkennnen, was um sie herum vor sich ging, einzig der Schrei in ihrem Kopf war deutlich präsent, als würde er jede einzelne Faser ihres Körpers ausfüllen. Erst, als das Gekreische schwächer wurde, richtete sie sich ein Stück auf, ergriff sogleich ihre Schwerter, versuchte sich zu orientieren. Jarku war schon dabei, es in der Luft ausfindig zu machen.
      Renera folgte seinem Blick nach oben. Das dunkle Wesen, höchstens ein Schatten gegenüber dem Nachthimmel, beschrieb einen ausladenden Kreis im Himmel, die Flügel von sich gereckt, ein Gleitflug. Renera erkannte ihn aus dem Verhalten eines Adlers wieder, ein Adler, der auf dem Boden seine Beute entdeckt hatte.
      "Es wird wieder runterkommen!", rief sie, packte sich den Bogen, den Valterri ihr hinhielt, ging damit auf Abstand. Sie hatte keine Ahnung, wie sie dieses Ding bekämpfen sollten, wie sie überhaupt das Lager davor sicher stellen sollten - bei allen Kreaturen, Aradan lag bewusstlos in seinem Zelt! Wie sollten sie ihn vor etwas schützen, bei dem sie keine Ahnung hatten, wie sie sich selbst davor schützen sollten?

      Valterri stellte sich vor dem Zelt auf. Renera sackte bei dem Anblick das Herz in die Hose.
      "Weg vom Zelt, Valterri! Du wirst es noch dahin locken! Wir gehen auf Abstand, wie beim Läufer! Weg von den Zelten!"
      "Was zur Hölle ist das?!", kreischte Elraya außer sich, die ihren Bogen zwar angelegt hatte, aber nicht dazu willens schien, auch die Sehne zu ziehen. Renera ärgerte sich mit einem Mal darüber, nicht früher darauf bestanden zu haben, ihr etwas beizubringen.
      Sie hatte schließlich recht behalten. Das Ding verhielt sich wie ein Vogel und schoss mit einem Mal zurück zu ihnen hinab, öffnete das groteske Maul an seinem knochigen Körper, stieß das Kreischen aus, das sie zum zweiten Male in schiere Panik versetzte. Diesmal waren alle darauf vorbereitet, als es heruntergeschossen kam, aber das änderte noch nichts daran, dass sie dennoch willentlich dagegen ankämpfen mussten, sich von dem Geräusch in die Knie zwingen zu lassen. Es war quasi unmöglich.
      Elraya verlor als erste die Fassung. Sie kreischte entsetzt, ließ den Bogen fallen und nahm reißaus, aus dem Lager hinaus in die Wildnis hinein, ein schrecklicher, todesängstlicher Schrei auf den Lippen. Da hörte das peinigende Gekreische der Kreatur auf, sie beschrieb eine Kurve in der Luft und stieß zielsicher zu Elraya hinab.
      Und Elraya rannte. Sie rannte so schnell, wie sie in ihrem Leben noch nie gerannt war. Sie rannte schneller, als an dem Tag, an dem sie vor den berittenen Soldaten weggerannt war. Ihre Beine trugen sie über sämtliche Unebenheiten des Bodens hinweg, beförderten sie über Steine und durch Gebüsch, immer nur noch ein weiter, ausfallender Schritt, über den ganzen Fuß hinweg bis zu den Oberschenkelmuskeln abstoßen, das Bein nach vorne ziehen, für einen Moment fliegen. Elraya war schon immer die schnellste gewesen; der einzig wirkliche Feind, den sie besaß, war der Luftwiderstand. Binnen Sekunden verschwand sie in der Finsternis.

      Im Lager feuerten die anderen ihre Pfeile, kaum als das Wesen näher gekommen war, aber es fing schnell an, sich mit Elraya in der Nacht zu verlieren. Elraya war wirklich unfassbar schnell - aber auch sie war nur ein Mensch. Die Kreatur war schneller.
      "Dreh um!", rief Renera ihr zu, die gar nicht sicher war, ob sie sie auf die Entfernung überhaupt noch hören konnte. Die Fledermaus hatte seinen Sturzflug bereits abgebremst, um sich nach Elraya neu ausrichten zu können, hatte sich aber jetzt ihrem schnellen Tempo angepasst. Sie stieß ein weiteres Mal hinab, die Krallen vor sich ausgestreckt. Elraya rannte noch ein Stück, dann stemmte sie mit einem Mal die Fersen in den Boden, bog sich nach hinten, schlitterte über das Gras, während sie sich mit Händen und Füßen gegen ihr eigenes Tempo stemmte. Sie bremste sich ab, warf sich sogleich zur Seite und stieß sich mit einer kraftvollen Bewegung wieder ab - das Wesen nur einen Meter hinter ihr, seine Krallen zerfetzten ihr das Oberteil. Sie setzte wieder zu einem Sprint an, jagte davon, die Kreatur stieß sich bereits wieder in die Luft ab. Diesmal kam Elraya genau wieder in Richtung des Lagers und Renera richtete bereits ihren Bogen aus, um das Monstrum, wenn es Elraya hinterschießen würde, aus dem Himmel zu holen.
    • Valteri reagierte nicht. Er würde das Zelt nicht unbewacht lassen selbst wenn Renera noch so viel Angst hatte.
      Die Gruppe stand einem neuartigen Wesen gegenüber. In seinen Augen war es vollkommen unklar wie dieses Ding reagiert oder jagt. Es hätte genau so gut sein können, dass es das Zelt anfällt wenn niemand großes davor stand. Im Zweifelsfall hätte er sich einem Angriff entgegen geworfen und dem Wesen einen Kampf bis auf den Tod geboten. Die Zwillinge und Aradan im Zelt alleine lassen kam für ihn also nicht in Frage.
      Glücklicherweise suchte sich der neue Feind ein gänzlich anderes Ziel. Sofort sah Valteri und Jarku hinterher und studierten es samt dessen Bewegungen. Bei der Geschwindigkeit die Elraya in ihrer Panik vorlegte, wäre ein hinterher kommen niemals möglich gewesen. Nicht für die beiden Männer. Nun blieb nur zu hoffen dass das Wesen im dichten Wald nicht so präzise jagen wie Elraya rennen konnte.

      Nur was sollten sie tun? Dieses Ding konnte man doch niemals mit einem Pfeil treffen. Nicht mal mit einer Armbrust. Im Sturzflug konnte man es ja noch nicht einmal mit den Augen klar verfolgen. Da war die Taktik auch schon mehr oder weniger offensichtlich.
      "Sie muss zurück kommen!"
      meinte Jarku hastig , schulterte den Bogen und warf sich beinahe in den Planwagen um in dessen Ausrüstung nach einem dicken Seil zu suchen.
      Renera reagierte derweilen und rief Elraya nach. Es blieb nur zu hoffen dass diese es in ihrer Panik nicht nur hörte, sondern auch umsetzte.
      "Valteri! Hier! Spann es zwischen zwei Bäumen wenn Elraya wieder kommt!"
      Da warf Jarku dem Hünen kein Seil zu, sondern viel mehr ein dickes Tau, welches dafür gedacht war einen feststeckenden Wagen aus tiefen Schlamm ziehen zu können. Gute 15 Meter in der Länge und ganze 5 Zentimeter dick. Das war ganz klar der Job für Valteri, welcher es direkt auffing und kräftig an seine Axt fest band.
      Daraufhin positionierte er sich hinter einem Baum, nur auf Elraya und dem Wesen wartend, welche den Ruf tatsächlich wahrgenommen und die Bedrohung zurück ins Lager brachte.
      Wie auch immer es ihr möglich gewesen war, dieses Biest auszutricksen, schaffte sie es beinahe unbeschadet zurück, dicht gefolgt von ihrem Jäger. Valteri holte bereits mit seiner großen Axt aus, als Elraya grade zu sehen war und warf mit voller Kraft, haar scharf hinter ihr vorbei um die Axt in einen Baum so wuchtig hinein zu jagen, dass man glaubte, er wolle den Baum mit diesem Wurf fällen. Sie steckte so tief im Baum, dass er das Seil kräftig spannen konnte.
      Und es wirkte. Das Wesen sauste genau in das Seil hinein, kreischte dabei, durch den plötzlichen Stopp, überrascht auf und riss die Axt durch den schnellen Flug aus dem Baum hinaus und kugelte unkontrolliert über den Boden bis an den Rand des Lagers.

      Sofort rappelte es sich wieder auf und wollte wieder zum Flug ansetzen, doch wurde daraus nichts. Valteri's Axt hatte sich tief im Flügel hinein gewetzt, was dieser nur allzu sehr begrüßte. Solange die Axt sich nicht lockerte, hatte die Truppe diesen Kreischer am Haken, Valteri plante zumindest nicht das Seil wieder los zu lassen.
    • Valterri und Jarku stellten sich bereits auf, als Elraya in der Entfernung angerast kam, das riesige Monstrum direkt hinter sich, die gewaltigen Flügel bedrohlich ausgestreckt. Sie hatte noch immer ein beachtliches Tempo drauf, mit dem die Fledermaus schritt zu halten versuchte, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, als sie auch noch einen Haken schlug. Die Kreatur stieß einen lauten, frustrierten Schrei von sich, als ihre Klauen ein weiteres Mal über den kahlen Boden schabten, ohne sich auch nur ein weiteres Mal in Elrayas Kleidung verfangen zu haben.
      Sie schoss vorbei ins Lager hinein und gerade im perfekten Moment schleuderte Valterri seine Axt, nur eine Sekunde bevor auch die Kreatur hereinbrach, sich in dem Seil verfing, der Länge nach auf den Boden krachte und weiterschlitterte. Es dauerte allerdings nicht lange, bis sie sich in ihrer Hast wieder aufgerappelt hatte, ihre Flügel ausstreckte, den Versuch unternahm, sich wieder in die Luft zu stoßen. Stattdessen kam nur ein gequälter Schrei hervor, die Axt fest in ihren Flügeln verankert, das Seil noch fester in Valterris Händen.
      "Schießt!", rief Renera, die keinerlei Bedürfnis danach hatte, sich der unbekannten Kreatur mit ihren Schwertern zu nähern, bevor sie sie nicht besser einschätzen konnte. Stattdessen zückte sie ihren Bogen und schoss einen wohlplatzierten Pfeil in das aufgerissene Maul des Wesens.
      Die Antwort kam in Form eines ohrenbetäubenden Gekreisches, das dem von vorhin nur allzu ähnlich war. Der Schrei drang in Mark und Knochen vor, ließ das Blut in den Adern gefrieren, sorgte für eine plötzlich, allesergreifende Panik, die sich durch nichts in der Welt zu dämmen lassen schien. Renera hatte gar nicht vor, ihre Waffe loszulassen, so ein Fehler wäre ihr in keiner Lebenslage passiert, aber in dem unglaublichen Drang ihre Ohren vor dem Getöse zu verschließen, ließ sie den Bogen doch fallen und kauerte sich, ihrem Instinkt folgend, auf den Boden. Jarku ging es gleich, ebenso wie Elraya, die in einiger Entfernung hingefallen war, sich die Hände auf die Ohren presste und dem Gekreische mit ihrem eigenen Schrei entgegenwirkte. Der Lärm legte binnen eine Sekunde sämtliche Mitglieder lahm.
    • Kaum orderte Renera an die Bögen singen zu lassen, wirkte es beinahe als hätte die Truppe nicht nur die Oberhand, sondern würde eine erst als gefährlich wirkende Kreatur, als beinahe harmloseste unter allen anderen einordnen können.
      Jarku und Renera schossen je drei Pfeile ab, welche alle ihr Ziel fanden. Vier davon landeten direkt im großen Maul der Bestie. Die anderen Beiden sausten direkt durch den fixierten Flügel und hinterließen kleine Löcher.
      Doch entgegen der Erwartung von Schwäche oder zumindest Anzeichen von Schmerzen, kreischte das Wesen erneut und schien dabei nicht mal zu bemerken getroffen zu sein, dabei ragten die Pfeile im Maul sogar hinter dem Wesen hinaus.

      Was auch das Wesen für Eigenschaften hatte, war das Empfinden von Schmerzen allem Anschein keine davon. Valteri gab sich bei diesem Schrei von allen die meiste Mühe um das Seil zu keinem Zeitpunkt locker zu lassen, doch auch er kam nicht umher sich die Ohren zuzuhalten. Doch tat er das erst, nachdem er sich selbst das dicke Seil um die eigene Hüfte gebunden hatte.

      Dieses Monster vermochte es eine komplette Minute durchgehend zu schreien, was sich für alle unfreiwilligen Zuhörer gut und gerne zehn mal so lange anfühlte. Doch dann erstummte das Schreien vorerst. Hin und wieder äußerte das Wesen noch kleine Laute, klackerte immerzu mit dessen beiden Kiefer Reißzähnen und begann dann wild umher zu stampfen. Allem Anschein nach wollte es sich von der Axt befreien und wilderte wie wild auf dem Boden umher. Nur in dessen Nähe zu stehen war reinster Selbstmord. Man konnte einfach nicht aus machen wo der nächste Stampfer mit dessen scharfen Klauen landen würde, oder ob es vielleicht sogar eine Taktik war um dessen Feinde in die Irre zu locken.

      Valteri lies sich von dem Gezappel jedoch nicht beeindrucken. Nachdem er endlich wieder bei Sinnen war, prüfte mit kurzen Abtasten, ob seine Ohren bluteten, doch war dem nicht so. Sich dessen nun sicher, packte er das Seil vor sich um dem Wesen zu zeigen hier nicht die stärkste Kreatur zu sein. Der Nordmann hatte deutlich mehr Kraft in den Armen und begann den Spielraum der Kreatur zu verringern indem er das Seil um sich löste, ein mal um einen Baum lief und das Monster nun langsam aber sicher immer weiter an den Baum heran zu ziehen.

      Während dieser seinen Plan verfolgte, begann auch Jarku an seinem zu arbeiten. Irgendwie musste man diese Kreatur in die Schranken weisen. Es war unglaublich wild und so laut wie dessen Schrei war, hätte es wohl jeder Mensch im Umkreis von 4-8 Kilometer hören können. Was ihn dabei nur etwas mehr sorgte war, dass es auch alle Monster hören konnten.
      Also griff er sich sofort an seinen Gürtel um eines seiner Gifte zu nehmen. Mit einem Schnippen seines Daumens lies er den Korken fliegen und verteilte den kompletten Inhalt auf seinen Dolch, was einfach an reinem Irrsinn grenzte. So hoch konzentriert, hätten ein paar Tropfen gereicht um ein ganzes Pferd dahin zu raffen.
      Dann rief er Renera zu, welche noch nahe bei ihm stand
      "Achtung! Dreh dich weg!"
      Er wollte jedes Risiko vermeiden dass sein Gift auch nur versehentlich durch den Schwung eine falsche Person berührte. Dann warf er seinen Dolch. Er vermied ihn zu schwingen wie es für einen Dolch üblich war. Dabei wäre einfach zu viel Gift umher gespritzt, bei der Menge die er verteilt hatte. Viel mehr schleuderte er den Dolch wie einen Speer oder einen Dartpfeil, in der Hoffnung die fliegende Bestie zu erlegen.

      Das Ergebnis war unerwartet. Der Dolch flog genau durch den Flügen, doch das Monster reagierte in keinster Weise. Es wehrte sich weiterhin gegen jeden Zug Valteri's, als hätte es das Gift nicht mitbekommen.
      Jarku stand nur da, mit weit geöffneten Augen, als hätte er einen Geist gesehen.
      "Das... ist unmöglich"
      Stammelte er und sah kurz Renera an als bräuchte er eine Bestätigung grade nicht nur zu träumen.
    • Für eine gefühlte Ewigkeit war die ganze Truppe wie gelähmt von dem Schrei, völlig unfähig auch nur einen Finger zu rühren, und sei es auch nur, um sich die Ohren besser zuzuhalten. Nicht einmal Elraya unternahm einen zweiten Fluchtversuch, wenngleich sie mit unermüdlicher Kraft gegen den Lärm anschrie, als ob sie die Stimme der Kreatur mit ihrer eigenen begraben könnte.
      Als es schließlich vorbei war, als es plötzlich leiser wurde und das Gefühl der tiefsitzenden Panik langsam schwächer wurde, hob Renera die zitternden Hände von den Ohren. Sie hörte noch immer ein stetiges Schallen in ihren Ohren, wie der Nachhall dieser Kreatur, der sich in ihr Gehirn eingefressen hatte, und sie musste sich vergewissern, dass sie überhaupt noch etwas anderes hören konnte. Das grausige Klackern, das das Wesen ständig von sich gab, war ihr schließlich der Beweis dafür.
      Es war durch die Pfeile kein bisschen schwächer geworden, im Gegenteil wirkte es eher so, als wäre es jetzt erst recht zornig. Sie mussten einen gewaltigen Abstand zu dem Vieh einhalten, um sich nicht von dessen riesigen Klauen zerquetschen zu lassen, was bei dem Rumgestampfe leicht hätte passieren können. Schließlich war es an Valterri die Kreatur einigermaßen in Schach zu halten, und Jarku zückte sogleich einen seiner Dolche. Renera ging ihm mehr als bereitwillig aus dem Weg.
      Aber auch das zeigte keinerlei Wirkung. Sie hatte zwar keine Ahnung, was Jarku genau auf seinen Dolch geschüttet hatte, aber seiner Reaktion zu entnehmen, hätte sich wenigstens etwas bei der Kreatur zeigen müssen. Stattdessen wehrte sie sich weiterhin vehement gegen Valterris Versuch, es an den Baum heranzuziehen.
      Renera dachte fieberhaft nach. Jarkus Gift schien keine Wirkung zu haben, die Pfeile ließen das Wesen unbeeindruckt zurück und auch wenn es an mehreren Stellen einen abbekommen hatte, steckten sie nun darin fest und verhinderten, dass es so schnell verblutete. Wie besiegte man ein Wesen, von dem man nicht einmal seine Schwachstellen kannte? Renera konnte nur spekulieren.
      "Jarku! Wir schlagen ihm die Beine ab, jeder von einer Seite, solange es noch von Valterri abgelenkt ist!"
      Sie griff nach ihren Waffen, hätte beinahe Aradans Schwert gezogen, zog stattdessen ihre beiden Kurzschwerter hervor und überreichte eins davon Jarku.
      "Es kann uns nicht beide gleichzeitig erwischen! Wir müssen nur ordentlich zuschlagen, wenn sie sich nicht durchtrennen lassen reicht es auch, wenn wir ihm eine Wunde verpassen, dann blutet es aus!"
      Sie beobachtete das Kräftemessen der Kreatur und Valterri, der es immer weiter zu dem Baum hin zog. Wenn das Kräftemessen vorbei war, würde es womöglich schon zu spät sein.
      "Jetzt! Gleichzeitig!"
      Sie schoss los, rechtsherum auf die Kreatur zu, das Schwert kampfbereit erhoben. Aus dem Augenwinkel stellte sie sicher, dass Jarku genauso schnell war.
    • Jarku reagierte mit leichter Verzögerung. Zu tief saß seine Entgeisterung. Erst als Renera ihm ihr Schwert entgegen warf, fing er es mehr aus dem Reflex heraus, als es flach auf seiner Brust auf kam.
      In seinem Gesicht sammelte sich allmählich wieder seine übliche Fassung, die sich darin äußerte den Schwertgriff zu packen und Renera entschlossen entgegen zu nicken.

      Dann gab Renera das Zeichen. Beide rannten los, stießen keinen Schlachtruf aus, wie es für eine waghalsige Aktion beinahe normal gewesen wäre und strichen die Schwerter beinahe Synchron der Kniekehlen der Kreatur entlang.
      Jarku wusste schon gar nicht mehr was das bezwecken sollte. Er schenkte Renera sein vollstes Vertrauen und hoffte, nach seinem Fehlschlag, dass wenigstens Sie einen Erfolg mit ihrer Taktik einholen würde.

      Beide schlitterten über den leicht aufgewühlten Boden hinweg als sie der Kreatur den Halt raubten, welche tatsächlich mit dem großen Maul voran auf den Boden fiel und dumpfes Kreischen äußerte.
      Jarku konnte es nicht glauben. Noch halb in der Hocke richtete er sich der Bestie entgegen und sah dabei immer wieder ungläubig nach Renera.
      "Sieh es dir an! Es kann nicht mehr aufstehen! Wir haben es!"
      Tatsächlich konnte das Monster nicht mehr aufstehen. Zwar hingen die Beine noch an Ort und Stelle, was darauf hinwies, dass scharfer Stahl nicht genug war um die Knochen dieser Bestie zu durchtrennen, doch war es genug um dessen Sehnen und Muskeln zu schneiden.
      Das Monster versuchte sich immerzu mit dessen Flügelarmen aufzustellen, fiel dabei jedoch immer wieder hin sobald Valteri seine Kraft einspielen lies um zumindest einen der Flügel von seinem festen Stand zu befreien.
      Jarku begann zu lachen. Er lachte als hätte der Puls der Bestie bereits aufgehört zu schlagen.
      "Siehst du was passiert wenn du dich mit uns anlegst?! Wir haben schon Dutzende euresgleichen erlegt! Versuchts nur weiter!"
      Was Jarku's Vorfreude zum erschüttern brachte war dann aber doch nicht der Kreatur geschuldet. Er hielt inne, als er eine Mark erschütternde, Erde erbebende Hand vor sich aufkommen sah. So riesig, dass sie das fliegende Monster unter sich begrub, das Seil zu Valteri kappte und beinahe schon Träge in dessen Bewegung wirkte.

      Es bestand kein Zweifel.
      Das was dem Kreischen gefolgt war... War ein Wanderer.
      Jarku sah diese weiße riesige Hand an, folgte dem Glied zum Unterarm auf, bis hin zum Oberarm und schließlich zum Kopf der Kreatur, die als Mauer erklimmende Bestie bekannt war.
      In diesem Moment bekam es auch Valteri mit der Todesangst zu tun. Egal wie stark er war.. Gegen solch ein wesen hätte er niemals Land gesehen. Und doch war er noch in der Lage, alles stehen und liegen zu lassen, als erstes zu Elraya zu rennen, sie unter seinen Arm zu packen, gefolgt von Aradan, den er mit einem gezielten Griff in das Zelt hinaus riss um beide in den Planwagen zu werfen. Daraufhin machte er sich direkt zu den Zwillingen auf, welche ihm jedoch schon entgegen rannten und ebenso auf den Planwagen aufsprangen.

      Der Wanderer wirkte indes, als wäre er grundsätzlich langsam in jeder seiner Handlungen. Beinahe als würde er sich in einer Zeitlupe befinden, seiner Größe entsprechend. Dieses Wesen schloss nur dessen Hand, riss dabei Unmengen an Erde aus dem Boden, als es den Kreischer als sein Ziel hinauf hob und sah es für einen Moment an, als würde ein Kind prüfen um sein Spielzeug noch funktionierte.
      Als der Kreischer dann seine letzten Lebenszeichen von sich gab, schien es den Wanderer beinahe zu freuen. Dieser knallte die Hand sofort nach dessen Erkenntnis wieder auf den Boden und rieb den Kreischer willkürlich quer über das ganze Lager.
    • Benutzer online 1

      1 Besucher