[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Aradan konnte es kaum glauben aber was auch immer er tat, funktionierte. Die Gestalt formte sich immer weiter zu dem Urdin den er in den Blick in die Vergangenheit gesehen hatte und auch die Stimme war immer klarer zu verstehen. Ja sogar verständnisvolle Sätze formten sich allmählich. Ob im Zwielicht alles mit dem Fluss der Energie zu steuern war? Aber darum musste er sich jetzt keine Gedanken machen. Viel wichtiger war es sich zu konzentrieren.
      Was nicht ganz so leicht war, davon überrascht wie panisch dieser Urdin wirkte. In der Vergangenheit wirkte er deutlich gefasster und vor allem Mutiger. Aber gut.. Minerva wirkte in der Vergangenheit auch klar anders.
      Doch dann versuchte sich dieser Typ doch tatsächlich gegen Aradan zu wehren und es war sogar nun leicht anstrengend geworden ihn unten zu halten. Da machte sich Aradan sofort eines Zaubers zunutze, der schon bei Minerva wirkte. Astrale Ketten aus purer Energie. Sie bohrten sich aus dem Boden empor und schnappten an den Fußgelenken Urdin's fest um ihn wieder hinunter zu ziehen, ebenso wirkte Aradan nun deutlich kräftiger auf ihn ein um ihm keine Flucht zu gewähren bis er endlich Antworten bekam.
      "Du wirst hier bleiben! Ich will endlich Antworten von dir und keine rätselhaften Ergüsse oder dieses weinerliche hampeln! Wenn du mir nicht hilfst, werde ich den Riss niemals schließen können!"

      Jarku sah erleichtert auf. Ein Glück lehrte man den Kindern scheinbar auch in Städten die wichtigen Dinge in einer solchen Zeit. Doch ebenso schnell wie seine Erleichterung kam, verließ sie seinen Körper durch ein ernüchtertes Seufzen, nachdem er hörte wie Elraya wohl vorgehen würde.

      "Okayyyy.. Damit können wir arbeiten."
      Er machte sich seine sitzende Haltung etwas gemütlicher ehe er die Hände vor sich hielt als würde er einen unsichtbaren Ball halten
      "Also. Stell dir vor ich halte grade all dein Wissen über Monster in meinen Händen. Jetzt knüllen wir das mal alles richtig schön zusammen...."
      Er tat so als würde er einen Haufen leicht geknülltes Papier noch viel enger zusammen drücken, ehe er es über die Schulter warf
      "... Und werfen es weg. Sagen wir es mal so.. Ein Läufer würde den Baum mit einem Ansturm fällen. Abgesehen davon können die Varianten mit den großen Mäulern einen Stamm auch gerne mal durchbeißen. Sich von einer Spinne fern halten wird schwer wenn du erst mal in ihrem Faden getreten bist. Hab gehört es sei unerträglich wenn du von so einem Biest lebendig gefressen wirst ohne etwas dagegen tun zu können. Diese paralysierenden Fäden sind einfach nicht von dieser Welt. Und nunja... Diese Puppenspieler. Bemerkst du sie auch nur eine Sekunde zu spät, war es das. Je nach Alter dieser Wesen ist ihre Reichweite größer. Denkst du also im ersten Moment noch daran was dort in der Ferne raschelt, kannst du schon unter dessen Einfluss stehen."
      Bei den Wanderern musste Jarku dann aber mit den Schultern zucken
      "Was diese Wanderer betrifft muss ich aber passen. Da frag mal lieber Aradan. Ich glaube verstecken wird dir da aber nicht viel bringen. Die können entweder sehr gut riechen oder wittern ihre Beute mit ihrem Instinkt. Irgendwas war das. Auf jeden Fall spielen sie mit ihrer Beute. Beinahe wie ein Kleinkind mit Spielzeug."
      Zu ihrer letzten Aussage verging Jarku dann aber auch etwas mehr der Spaß. Glaubte sie tatsächlich so einen Mist?
      "Euch wird wirklich erzählt dass die Wesen Angst vor Gruppen? Das ist in der Tat Besorgnis erregend. Hast du noch nie davon gehört dass regelmäßig Dörfer überrannt werden? Große Gruppen sind viel eher ein Schmaus für Läufer. Puppenspieler können ein ganzes Bataillon ausrotten und..."
      Er seufzte leicht
      "... fangen wir besser gar nicht erst bei diesen seltsamen neuen Versionen an die wir jüngst gesehen haben."
    • Urudin gab einen panischen Laut von sich, ein erstickendes Krächzen, als die Ketten ihn erfassten, wobei er kaum so wirkte, als habe er die Ketten wirklich bemerkt. Stattdessen war es wohl die Verbindung zu Aradan, die ihn schier in den Wahnsinn trieb, denn sie sorgte ein weiteres Mal dafür, dass sein Körper sich wieder verfestigte, eine richtige Substanz dort bildete, wo vorher nur der Schein davon war und ihn augenscheinlich den Einflüssen der Gravitation aussetzte. Dann, mit einem Schlag, schien es vollendet und ein Zucken durchfuhr seinen jetzt vollständigen Körper, ehe er auf die Knie fiel. Seine Haare wirkten in ihrer vollständigen Existenz leblos und schal, seine Haut trocken und brüchig, sein Körper noch abgemagerter als schon in seiner Geisterform erkennbar. Auf seinen zerrissenen Klamotten waren noch Blutflecken erkennbar, zweifellos das eigene, mit dem er damals, vor etlicher Zeit, gestorben war. Seine Glieder zitterten, als er so am Boden kauerte, aber ganz anscheinend zitterten sie durch das Gewicht seines eigenen Körpers.
      "Nein", krächzte er, auf seine Hände starrend. "Nein. Was hast du getan?"
      Ein plötzliches Donnergrollen in der Ferne ließ ihn so heftig zusammenzucken, dass seine Arme nachgaben und er, das Gesicht voran, auf den Boden fiel, sich dort zur Seite wand, von den Ketten zurückgehalten wurde, in animalische Panik geriet. Der heftige Windstoß, der bereits beim ersten Mal gekommen war, fegte auch diesmal durch die Gegend, ergriff Aradan selbst durch seinen Schild hindurch, schleuderte Urudin gegen seine Ketten. Die heulenden Geister an den Rändern Aradans Zaubers suchten alle gemeinsam das Weite, in einer plötzlich ausbrechenden Massenpanik. Urudin gab einen Laut von sich, als würde er nicht genug Luft bekommen, versuchte in Aradans Richtung zu kriechen, wurde von den Ketten abgehalten. Er wimmerte erbärmlich, ein hohes Fiepen, das zwischen seinen spröden Lippen hindurchkam. In seinen Augen stand die blanke Furcht geschrieben.
      "Sie haben mich gefunden. Sie haben mich gefunden. Ich werde sterben. Ich werde sterben."
      Er zuckte zusammen, als es in der Ferne noch einmal grollte, ein Donnerschlag im wolkenlosen, grauen Himmel, ein Luftzug, der in der windstillen Welt nicht existieren sollte. Urudin wandte seinen gehetzten Blick auf Aradan.
      "Du! Du musst das Tor finden! Du musst es finden und schließen, du musst sie alle schließen! Du findest sie da, wo der Ursprung der Wesen ist, sie kommen alle von irgendwoher, du musst sie finden! Du musst... ich weiß es nicht! Ich hatte keine Zeit mich zu erinnern! Ich weiß es nicht mehr! Geh weg von hier! Geh weg bevor sie dich haben! Ich weiß es nicht mehr! Ich weiß es nicht!"
      Er gab den Fluchtversuch auf und rollte sich stattdessen auf dem Boden zusammen, schlang die Arme schützend um den Kopf, schien sich zu wappnen vor was auch immer mit einer solchen Macht durch das Zwielicht auf sie zukam, dass es mit seiner Präsenz allein die Umwelt auf den Kopf stellte. In seiner Panik wiederholte er wie ein Mantra, dass er keine Zeit gehabt hätte sich zu erinnern, dass er es nicht mehr wüsste, seine Stimme abgehackt, ein jämmerliches Schluchzen.

      Elraya beäugte Jarku misstrauisch.
      "Was soll man denn deiner Meinung nach tun, du Klugscheißer? Dem Läufer versuchen auszuweichen? Und der Spinne... weiß ich nicht... die Fäden zerschneiden? Das wäre doch noch viel dämlicher. Und nach deiner Logik müssten schon längst ein paar Kreaturen aufgetaucht sein, wenn wir so viele sind - sind sie aber nicht. Also ein Punkt für mich, hah."
      Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
    • Endlich manifestierte sich Urudin komplett. Zwar hatte Aradan keine Ahnung wie genau er das hinbekommen hatte, doch schien sich dabei vieles um die Energie in dieser Welt zu drehen. Doch bevor er überhaupt auf ihn eingehen konnte, grollte ein lauter Donner schon wieder aus der Ferne, was Urudin ebenso erneut in Angst und Schrecken versetzte. Auch der plötzliche Luftstoß fegte an beiden vorbei obwohl Aradan seinen Schutzwall aufrecht hielt. Es schien also ein echter Wind, kein magisch gewirkter, zu sein, was für diesen Ort äußerst merkwürdig war.. aber was war hier schon normal.
      Nichtsdestotrotz wimmerte dieser Kerl vor sich her wie ein kleines Kind, was Aradan beinahe schon etwas nervte. Vor was auch immer dieser Urudin Angst hatte, half sein verhalten in keinster Weise um auch nur im geringsten helfen zu können. Klar sollte er die Risse schließen und ja Urudin hatte ihm all das mehr oder weniger gezeigt, doch wie er all das anstellen sollte oder wovor er Angst hatte, verriet er nicht.
      "Beruhige dich. In all der Zeit des Jammerns hättest du mir schon so viele nützliche Informationen geben und wieder verschwinden können.."
      Aradan rieb sich mit einem gemischten Gefühl aus Frust und Enttäuschung den Nasenrücken als Urudin daraufhin wieder nur von den Toren sprach, welche es zu schließen galt.
      Daraufhin machte er eine kleine Bewegung mit seiner Hand um die Fesseln verschwinden zu lassen und all die Energie wieder aus Urudin hinaus fließen zu lassen.

      Aradan öffnete wieder seine Augen in seiner Welt und hätte am liebsten seinen Frust in die Ferne geschrien. Wenn nun auch im Zwielicht kaum eine Hilfe zu finden war, konnte er einfach nicht auf seine Fähigkeiten setzen die ihn eigentlich aus machten. Wie um alles in der Welt sollte er die Gruppe weiterhin beschützen wenn immer mehr seiner Fähigkeiten zum Nachteil wurden.

      Jarku hatte es derweilen auch nicht grade leicht, wie sein ausdrucksloses Gesicht zeigte. Er musste sich zurück halten nicht mit den Augen zu rollen. Dies schaffte er aber nur, indem er diesen Klos hinunter schluckte und einmal tief durchatmete.
      "Gut ich denke wir müssen grundlegend an deiner Einstellung arbeiten. Zunächst einmal versuche ich dir hier aus meinen eigenen Erfahrungen zu berichten. Das ist also kein Klugscheißern, sondern informieren. Wenn du wirklich glaubst mehr über das Leben außerhalb von Mauern zu wissen als eine Truppe die die meiste Zeit in der Wildnis verbracht hat, solltest du stark an dein Urteilsvermögen arbeiten. Also.. Der Grund weshalb wir bisher noch keine dieser Wesen gesehen haben ist ganz simpel. Wir befinden uns auf einer viel befahrenen Handelsstraße. Das bedeutet, dass sehr oft Soldaten und andere fähige Leute auf exakt dieser Straße sind. Wenn sich also Wesen hier hin verirren und auf die Jagd gehen wollen, werden sie beseitigt und ein Spähtrupp wird entsannt um die Umgebung zu sichern. Wird ein Weg zu gefährlich, wird eine neue Route organisiert. Des weiteren sollte dir in all den Scenarien wohl selbst aufgefallen sein, worin der Schlüssel zum Überleben hier draußen liegt. Schau dich um."
      Er wies auf alle am Feuer hin
      "Na? Ganz richtig. Gruppen. Wir sind niemals alleine unterwegs wie ihr in der Stadt. Hier überlebt man nur wenn man sich auf seine Gruppe verlässt und einander hilft. Sei versichert dass wenn du von einer Spinnenmutter am Faden hängst, werden wir da sein um sie abzulenken und dich zu befreien. Hat ein Wanderer dich gepackt, lassen wir Valteri los. Der Kerl sollte mit ein paar gezielten Hieben ein Bein einer solchen Kreatur stutzen können wie ein Holzfäller einen Baum. Und selbst wenn es um einen menschlichen Überfall geht.. Wir werden helfen. Und... mal so ganz nebenbei"

      Er hustete sich leicht in die Faust und zwinkerte ihr mit einem Auge zu
      ".. wenn uns Menschen überfallen, kannst du dir nehmen was du willst. Ich denke es stört keine Leiche wenn du dich ihrer Habseligkeiten bedienst."
    • Elraya schien nicht gänzlich davon überzeugt, was Jarku ihr mitteilte, von dem verkniffenen Gesichtsausdruck zu schließen, den sie ihm präsentierte. Sie hörte ihm trotzdem zu, ohne ihn zu unterbrechen, was wohl entweder daran lag, dass sie seinen Worten doch etwas vertraute, oder dass sie nur auf einen geeigneten Moment wartete, um eine bissige Bemerkung von sich zu geben. Schließlich schien ihr aber nichts gutes einzufallen.
      "Das hört sich ja noch viel dämlicher an, als was in der Stadt gesagt wird. Ich glaub' trotzdem, dass die Angst vor uns haben und deshalb fort bleiben. Die wissen, dass sie es nicht mit zehn Leuten aufnehmen können."
      Sie nickte bekräftigend, um ihren Worten das letzte Gewicht zu verleihen und schnappte sich dann ihre leere Schüssel, ehe sie wieder anfing von der Plane zu klettern. Auf halbem Weg sah sie Jarku dann nochmal an.
      "Egal, was ihr von mir dafür verlangt, dass ich bei euch bleiben kann: Ich werd' nur so viel bezahlen, wie ich auch kann, dass das klar ist. Ich nehm' keine Schulden auf mich, sag' das dem weißhaarigen.
      "
      Dann kletterte sie auf den Boden hinab, lockerte sich das Oberteil und machte sich auf den Weg, Valterri anzumachen.

      Die Soldaten stellten ihre Zelte an den Rändern auf, eine Forderung von Ellaya, die fröhlich verkündete, dass sie die Nachtwache übernehmen würden. Ceryn beäugte sie daraufhin kritisch, winkte allerdings ab, als könne er schon ahnen, was auf eine Kritik an diesem Vorschlag folgen würde. Der Rest beugte sich diesem Vorschlag ohne zu murren, bis auf Renera, die lautstark dagegen protestierte, ihre Schwester allein Wache halten zu lassen. Es folgte eine halbherzige Diskussion, bei der keine der Frauen auch nur im Ansatz nachgab, ehe Ellaya den Verband um Reneras Arm ansprach und die sich geschlagen geben musste. Also zog sie sich zu Aradan zurück, der noch immer auf seinem einsamen Felsen saß, übersähte ihn mit Küssen aus der anhaltenden Euphorie der Zusammenkunft mit ihrer Schwester und musterte ihn schließlich fragend.
      "Ist alles in Ordnung? Ich hab dich den ganzen Abend nicht mehr gesehen."

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    • Noch immer glaubte Elraya kaum ein Wort aus dem Mund von Jarku aber dieser gab es nun auch auf. Die Zeit war viel besser darin glaubwürdige Geschichten zu erzählen als er. Zwar hoffte er nicht dass sie bald schon auf einen Überfall mit Monstern stoßen muss, doch war es leider nicht in seiner Macht das zu beeinflussen. Theoretisch hätte genau in diesem Moment irgendetwas aus einem Busch treten können. Ihm blieb also nichts weiter als bei ihrem erneuten Hohn zu äußern
      "Jap. Genau so wirds wohl sein."
      Daraufhin legte er sich wieder entspannt hin und schloss seine Augen. Er liebte es schon immer viel mehr an offener Luft zu schlafen wenn es grade nicht regnete oder Schnee fiel.
      Die Bemerkungen die Elraya ihm noch hinauf warf, nahm er mit einem erhobenen Arm winkend entgegen
      "Alles klar ich werds ihm ausrichten."
      Der ein oder andere Gedanke fuhr ihm dabei durch den Kopf. Für eine Weile könnte er aus Elraya tatsächlich seinen Nutzen ziehen. Wenn sie so sehr daran fest hielt nur für ihre Arbeit entlohnt zu werden, würde sie schon bald seinen Waschdienst übernehmen dürfen. Er rechtfertigte es für sich selbst damit, da sie ihm manchmal doch auf die Nerven gehen konnte.
      "Viel Glück..."
      Flüsterte er noch vor sich hin als er hörte in welche Richtung sich Elraya's Schritte auf machten.

      Aradan schreckte leicht über das plötzliche Auftauchen von Renera zusammen.
      "Was? Oh. Ja natürlich. Ich denke gerne bei einer klaren Nacht über die Reise nach. Das geht am besten wenn man nicht in Gesellschaft ist."
      Dann wandte er sich Renera ein wenig mehr zu und deutete mit einem Nicken auf Ellaya hin
      "Ist schön dich so glücklich zu sehen. Was meinst du. Können wir Ellaya trauen? Du weißt wie sehr man sich in der Armee verändern kann."
    • Elraya passte Valterri alleine ab. Der Soldat Ceryn war gerade abgezogen, um seine Vorbereitungen zu treffen, und nachdem Aradan irgendwo hin verschwunden war, war Valterri alleine. Nicht, dass es sie aufgehalten hätte, wenn er in Gesellschaft gewesen wäre, aber dann musste sie sich wenigstens keine Gedanken um andere machen.
      "Hallo, Valterri."
      Sie zog sich das Oberteil so weit hinab, wie sie es bereits bei Berek getan hatte, stellte sich vor ihm auf, schwenkte mit dem Oberkörper ein wenig hin und her und grinste zu ihm hoch.
      "Du siehst so aus, als könntest du Gesellschaft vertragen. Wie wäre es, wenn wir uns einen ruhigen Platz suchen und du mir zeigst, wie du deine Axt schwingen kannst, hmm?"
      Sie stellte sich genau vor ihn, damit er ihr auch nicht weglaufen würde.

      Renera stutzte bei Aradans Aussage, als habe sie selbst noch gar nicht darüber nachgedacht. Sie drehte sich nach ihrer Schwester um, die sich ihre Haare zusammenband und dabei der schwarzhaarigen Soldatin dabei zusah, wie sie ihre Rüstungsteile stapelte. Sie konnte kaum glauben, dass sie sich fast zehn Jahre nicht gesehen hatten.
      "Sie ist meine Schwester", sagte sie schließlich, als könne das alles erklären. "Ich meine, nicht nur meine Halbschwester, sondern meine richtige und davon habe ich nur eine. Wir haben uns schließlich alle über die Zeit verändert, oder nicht? Sie wird schon keine Gefahr darstellen."
      Sie schwieg einen Moment, als müsse sie selbst erstmal über ihre Worte nachdenken.
      "Wie kommst du darauf? Vertraust du ihr etwa nicht?"
    • Valteri beobachtete schweigend wie sich alle daran machten ihre Zelte aufzurichten und auch schnell darin zu verschwinden. Nur die blonde Frau, die sich als Renera's Schwester heraus stellte, schien zu bleiben. Er wusste noch nicht was er von ihr halten sollte aber das war auch vollkommen normal. Immerhin hatte er noch kein einziges Wort mit ihr gewechselt.
      Wie es also für ihn üblich war, würde er noch eine ganze Weile wach bleiben und starr wie ein Baum aus dem Schatten das Lager bewachen. Als dann aber plötzlich die Stimme der neuen Begleiterin neben ihm erklang, schaute er an sich herunter und nickte ihrer Begrüßung entgegen. Dabei war es ziemlich deutlich was Elraya suchte. Zumindest in Valteri's Augen.
      "Guten Abend. Die Nacht ist kurz. Solltet schlafen und euch erholen. Wird bald schon kälter."
      Alles was er sah war, dass Elraya sich unterhalten wollte, doch viel zu viel Haut preis gab für eine kalte Nacht.
      "Wartet."
      So zog er sich seinen enormen Pelzmantel, gestickt aus mindestens zwei Bärenfellen aus und legte es der Frau um, welche den Mantel als komplette Decke nutzen konnte. Dabei präsentierte Valteri seine beinahe übermenschlich muskulösen Arme, die erklärten wieso er die Axt so leicht führen konnte. Es war immerzu schon beachtlich und beinahe verwunderlich wie ein Mensch solche Ausmaße annehmen konnte, dass man mit etwas Farbe auf der Haut tatsächlich als Läufer hätte durchgehen können. Aber dafür waren die Nordmänner seit jeher bekannt. Überwältigende Staturen und äußerst trinkfest.

      "Ich weiß es nicht"
      Äußerte Aradan bedacht.
      "Denk an deinen Bruder. Er will dich in Ketten sehen oder gar Kopflos. Kennengelernt habe ich euch nie in solch einer Zwietracht. Alles was ich von deiner Schwester weiß ist dass sie gen Ende von Melora äußerst merkwürdig war. Und selbst wenn man ihr trauen kann, kenne ich ihre Begleiter nicht. Dieser Kerl der uns einer Kontrolle unterziehen wollte als Beispiel."
      Da unterbrach Aradan sich selbst und rieb sich mit beiden Händen durch sein Gesicht ehe er mit einer Hand zum Ende hin durch seine Haare raufte
      "Aaahhh... Ich denk zu viel nach oder? Vielleicht wollten sie tatsächlich nur ihrer Pflicht nach gehen. Es ist nur... du weißt schon. Ich will dass ihr in Sicherheit seid und nicht in der Nacht mit blutender Kehle wach werden müsst."
      Da zog er Renera an sich heran um ihr einen Kuss zu geben der seine Gefühle des Vertrauens und der Liebe ausdrückte. Er hielt ihn für eine ganze weile an ehe er sich von Renera löste und sah ihr in die Augen
      "Geh schlafen liebste. Ich komme bald nach."
    • Anstatt sich auf ihr Angebot einzulassen, legte Valterri seinen Mantel über Elrayas Schultern, was sie ungläubig beobachtete. Der Pelz allein war wahrscheinlich schon ein Vermögen wert, eine richtige Goldgrube, wenn sie denn einen Käufer gehabt hätte, der ihn ihr abnehmen würde. So war es einfach nur ein unglaublich schwerer und unglaublich großer Mantel, der sie beinahe davon ablenkte, was sie eigentlich wollte.
      "... Also... Ist das jetzt ein Ja, oder..."
      Sie starrte für einen Moment wie gebannt auf seine entblößten Arme, während sie sich vorstellte, mit welcher Leichtigkeit er sie in die Enge treiben könnte, so wie Lodoz es immer getan hatte. Würde seine Axt auf ihrer Haut wehtun? Sicherlich ganz fürchterlich. Wenn er nur nicht so unglaublich dumm wäre!
      "Ah, aber jetzt ist doch sicherlich dir kalt, oder nicht? Vielleicht können wir uns ja gegenseitig wärmen, meinst du nicht auch?"
      Sie trat an ihn heran, griff sich seine Hand - die in etwa doppelt so groß war wie ihre eigene - und legte sie sich auf die Brüste. Dann grinste sie ihn wieder an.
      "Da vorne hab ich ein Gebüsch gesehen, das groß genug für uns zwei ist, Hübscher."

      Renera legte behutsam ihre Hand auf Aradans und streichelte vorsichtig über seinen Handrücken.
      "Tysin war schon immer etwas... schwierig. Und mit Ella hatte ich auch meine Probleme, aber wir haben uns letzten Endes immer wieder vertragen. Sieh sie dir an, wenn sich eine von uns verändert hat, wird es wohl eher ich sein."
      Sie drehte sich ein weiteres Mal nach Ellaya um, die sich nun mit der Soldatin unterhielt. Sie hatte eine so vorbildliche Haltung, eine so makellose Ausstrahlung, die perfekte Form eines von den Jahren des Trainings geschulten Körpers. Renera verspührte einen solchen Stolz auf ihre Schwester, dass sie sich gar nicht weiter mit diesem Thema auseinandersetzen wollte.
      Sie ließ sich von Aradan zu einem Kuss heranziehen und strich ihm durch die Haare.
      "Wir alle können auf uns selbst aufpassen, mach dir keine Sorgen um uns. Und bleib nicht zu lange wach, in Ordnung?"
      Sie lächelte ihm zu und machte sich dann auf den Weg zu ihrem Zelt, seine Frage noch immer in ihrem Unterbewusstsein.
    • Valteri fuhr sich mit seiner Hand durch seinen Bart und lächelte dabei an alte Zeiten denkend wie er einst ganze Nächte lang an eisigen Ufern mitten im Winter ohne ein Feuer Wache hielt. Dagegen waren die Temperaturen in diesem Land ein Witz gewesen.
      "Nein kleiner Vogel. Kein Winter. Bin gewohnt kalte Winter ohne Feuer stand zu halten."
      Da ergriff der Neuzugang seine Hand, was er doch als etwas ungewohnt empfand. Sie führte sie auf ihre freiste Stelle des Körpers, doch war ihm schnell klar was sie versuchte ihm zu sagen. Sie war tatsächlich etwas kalt auf ihrer Haut. Er sah sie dann doch etwas beschämt an und entschuldigte sich mit einem nicken
      "Bitte verzeiht. Mein Land friert nicht so schnell wie die Menschen hier. Ein Busch wird aber nicht reichen. Dort drüben."
      Er wies auf sein großes Zelt hin. Darin befanden sich mehrere Decken und Pelze, wie er es aus seiner Heimat gewohnt war. Für ihn sah Elraya's Anspielung so aus, dass er fühlen sollte wie Kalt ihr war und unerfahren wie sie in der Natur war, einen Busch als wärmende Quelle ansah. Das arme Ding. Er würde ihr sein Zelt für die komplette Nacht überlassen, so viel stand fest.
      "Nehmt es. Dort wird die Nacht warm sein. Verspreche es."

      Aradan hörte Renera zu und war sich schon im klaren bald schon einen Zuspruch zu hören nicht alleine zu sein. Wäre es doch nur so leicht anzunehmen. Vorerst blieb ihm nur Renera ein Nicken zu schenken als sie dann ging. Es war so seltsam. Wenige Wochen zuvor war sie nur die zitternde Frau die ihm nicht nahe sein konnte. Jetzt war er es der sein Inneres einfach nicht beruhigen konnte. War es etwa ein Fehler gewesen wieder Gefühle in sein Leben zu lassen, oder hatte er aus einem guten Grund all das vor vielen Jahren verschlossen? Er erinnerte sich nicht mehr.
      Doch woran er sich erinnerte war die Zeit in Melora. All die Bilder mit Renera und Ellaya gingen ihm nun durch den Kopf. Wie freudig sie zusammen den Tag verbrachten und wie fein sich Ellaya immerzu machte, stets jeden noch so kleinen Strohhalm aus ihrem Haar entfernend. Beinahe als wollte sie permanent die Leute mit ihrem Aussehen beeindrucken.
    • Elraya konnte es kaum glauben: Sie hatte es tatsächlich geschafft! Zwar machte Valterri keine Anstalten, sich zu bewegen, aber er schien ihre Aufforderung endlich verstanden zu haben. Sie begriff zwar nicht, was das damit zu tun haben sollte, dass irgendjemand fror, aber das war ihr auch herzlich egal. Sie grinste ihn entzückt an.
      "Sicher, lass uns ins Zelt gehen, das ist bestimmt bequemer."
      Allerdings rührte er sich nicht, als sie an seiner Hand anzog. Für einen Moment stutzte sie, was allerdings nicht lange anhielt.
      "Okay, ich gehe voraus und du kommst nach, ich verstehe schon. Ich werde auf dich warten."
      Sie grinste noch viel beschwingter und machte sich mit federnden Schritten auf zu seinem Zelt, den Pelzmantel um ihre Schultern wie einen Königsumhang. Es war innen tatsächlich äußerst bequem und angenehm und nachdem sie vergeblich auf Valterri wartete, schlief sie irgendwann unvermittelt ein.

      Die Nacht ereignete sich ohne Zwischenfälle. Die Soldaten waren am Morgengrauen schon wach, einer inneren Uhr folgend, und kundschafteten auf ihren Pferden die Umgebung aus, während der Rest der Truppe langsam erwachte. Elraya, die vergleichsweise früh wach war, war aus einem unerfindlichen Grund besonders schlecht gelaunt und keifte alles und jeden an, der das Unglück hatte, ihr über den Weg zu laufen. Renera machte einen großen Bogen um sie, nachdem die beiden sowieso nicht gut miteinander auskamen, und passte Ellaya ab, die auf ihrem Schimmel angeritten kam. Sie nahm sich den Helm ab, als sie näher trabte, und schüttelte sich die Haare aus, die ihr in glänzenden Strähnen über die Schultern fielen. Sie trug ihre Rüstung wieder und Renera könnte schwören, dass sie noch viel heller glänzte als bereits am Vortag.
      "Alles in Ordnung?"
      "Nichts zu melden, Mam", grinste Ellaya und sprang neben ihr hinab. Renera glaubte bei dem Anblick ihrer vollkommenen Schwester vor Stolz explodieren zu müssen.
      "Das ist gut. Wie weit werdet ihr mit uns kommen? Bis zur Grenze?"
      "Vielleicht einen Tag lang. Wir haben den Befehl die Gegend im Blick zu behalten und die Grenze gehört nicht mehr dazu."
      Renera legte ihre Hand auf Ellayas Armschiene.
      "Wie lange wirst du hier in Shegar stationiert sein?"
      "Wie lange? Das ist schwer zu sagen, vielleicht ein paar Wochen, weniger, wenn wir die Räuber finden oder wenn etwas wichtigeres kommt. Ich bin aber immer in Tharynar und dem Umland stationiert, wenn du also Mutter besuchst, kannst du ja auf dem Rückweg vorbeikommen."
      Ihr Grinsen wich plötzlich einem besorgten Ausdruck.
      "Du wirst doch noch eine Weile hierbleiben, oder? Oder gehst du gleich wieder weg?"
      Renera drehte sich nach Aradan um, beobachtete ihn einen Moment und wandte sich Ellaya wieder zu.
      "Ich weiß noch nicht, wir werden sehen. Ich werde dir Bescheid geben, über Mutter. Okay?"
      Da grinste Ellaya wieder, so fröhlich wie schon als Kind.
      "Tu das. Wir sollten uns wirklich wieder öfter sehen."
      "Das sollten wir."
      Sie trennten sich wieder und Ellaya widmete sich ihrem Pferd, während Renera zu Aradan ging. Sie sah auf dem Weg Elraya, die Valterri aus der Entfernung gehässig musterte und abschätzig schnaubte.
      "Was ist denn mit ihr los?", fragte sie Aradan, als sie angekommen war und nickte zu Elraya, deren Blick Blitze auf Valterri abfeuerte. Schließlich wandte sie sich Aradan ganz zu.
      "Werden wir für eine Weile in Isnijan bleiben? Ella hat mich schon danach gefragt."
    • Aradan dachte noch eine ganze Weile auf seinem Felsen nach. So lange dass er beinahe schon gewillt war erneut in das Zwielicht zu gehen um seine eigenen Forschungen voran zu treiben. Ob nun mit Hilfe oder nicht, er wollte einfach erfahren zu was er wirklich im Stande war. Warum hatte er eine solche Macht im Zwielicht und war in seiner Welt so unbeholfen?
      Nach einem langen hin und her entschloss er sich aber auf Renera zu hören. Er versprach ihr keine unnötigen Risiken einzugehen und im Zwielicht herrschte nun mehr als schon zuvor eine unvorhersehbare Gefahr. Zumindest schien es so, wenn man Urudin's Reaktionen ernst nehmen wollte.
      Was sollte er nur tun?
      Konnte man Ellaya und deren Personen tatsächlich trauen? Warum war sie nicht an der Spitze dieser Gruppe von Soldaten? Warum sprach ein frecher Kerl mit ihm statt Ellaya? Immerhin wirkte sie permanent als unterstünden hier alle ihrem Befehl. Waren das eventuell doch die Banditen? Innerlich regte sich Aradan immer mehr auf und wusste genau dass er Minerva's Spielchen Tor und Angel öffnen würde, wüsste sie von seinen verwirrten Gedanken.
      Da fiel es ihm allzu deutlich auf... Wo war Minerva all die Zeit? Früher noch hätte sie solche Momente direkt ausgenutzt um zu versuchen an seinen Nerven zu zehren und nun? Rein gar nichts. Hatte das mit diesem Wind und Donner zu tun vor welchem sich Urudin so fürchtete?

      So ging es die gesamte Nacht weiter in Aradan's Kopf. Ein reinstes rauf und runter an Gedanken die er nicht beantworten konnte. Der Nachthimmel füllte sich schon leicht wieder mit blauer Farbe ehe Aradan vor Erschöpfung seinen Schlaf auf dem Stein fand. Knappe zwei Stunden dauerte es bis die ersten schon wieder erwachten und den Tag begrüßten. Jarku war einer davon und schnellte direkt wie ein Waschbär von der Plane des Wagens herunter an die Reste vom Vorabend um stark in den Tag zu starten.
      Da nun auch schon die Ersten der Soldaten wach zu werden schienen, blickte er sich um. Wo steckten wohl seine Mitglieder?
      Was er zu sehen bekam war beinahe schon lustig. Er sah wie Valteri vor einem Baum aufrecht mit seiner Axt in der üblichen Pose stand, dabei konnte er klar erkennen wie der große Mann im stehen schlief und den Baum, sowie seine Axt als Stütze nutzte um nicht umzufallen. Doch auch Aradan konnte er aus der Ferne erkennen. Der schlief doch tatsächlich auf einem Felsen statt in seinem Zelt mit seiner Liebsten. Was war denn mit dem kaputt?
      Besorgnis erregend genug, machte er sich also schnell zu Aradan auf und rüttelte ihn wach, nur um von sehr müden und geplagten Augen erblickt zu werden.
      "Was...?!"
      "Der Tag bricht an. Ist alles in Ordnung?"
      Aradan rieb sich die Augen und lies danach entnervt alle Viere von sich
      "Natürlich.. Alles super.. Hast du noch was von... du weißt schon..."
      Jarku rollte mit den Augen und holte eine Phiole aus einer seiner Gürteltaschen hervor
      "Naja.. Ja aber.. Ist nicht mehr viel da. Daikata hat mir nichts neues gegeben und.."
      Da schnappte sich Aradan schon die Phiole und träufelte sich zwei Tropfen davon auf die Zunge ehe er den Stöpsel wieder zu drückte und die Phiole ziellos Jarku zurück entgegen drückte, welcher diese hastig entgegen nahm und verstaute. Die Phiole behielt eine äußerst starke Tinktur inne, welche mit einem Tropfen sogar einen Valteri aus einer Narkose hätte wecken können. Entsprechend schnell riss Aradan auch schon seine Augen und seinen Körper auf. Die Müdigkeit verließ sein Gesicht in rasender Geschwindigkeit.
      "Ganz ehrlich.. Du brauchst wirklich mehr Schlaf. Dieses Zeug hier wird nicht mehr lange halten. Du nutzt es schon viel zu lang."
      "Danke Jarku. Ich denk drüber nach."
      Waren Aradans letzte Worte eher er aufstand, sein Schwert ergriff und vom Felsen hinunter sprang, mit klarem Ziel zu seinem Zelt. Dieses Mittel hatte mehr als nur seine Wachsamkeit geweckt. So stieg in sein Zelt hinein, in welchem Renera selig schlief, verschloss den Eingang kaum hinter sich ehe er sich schon unter die gemeinsame Decke mit Renera warf ihre Beine spreizte während sie noch tief im Schlaf verweilte und ihr einen Energie geladenen Tag der Lust bescherte.

      Jarku selbst sah Aradan nur nach als er am Felsen hinunter sprang und in Richtung des Zeltes ging. Diese Tinktur wurde einst tatsächlich nur von Daikata erschaffen um einen müden Mann durch die Nacht zu bringen. Nicht aber um ihn für mehrere Wochen wach zu halten. Aradan nutzte dieses Mittel vor Renera's Ankunft aber beinahe jeden zweiten Tag. Zuvor verständlich durch seinen plagenden Geistern hervor gerufen. Nun aber fürchtete er dass Aradan etwas anderes wach hielt.

      Im Zelt ging es direkt heiß her. Aradan nahm sich kein Stück zurück und schien eine unerschöpfliche Energie zu haben, die er Renera überdeutlich spüren lies während er ihr die Hand oftmals auf ihren Mund drücken musste um nicht noch mehr auf sich aufmerksam zu machen. Erst nach einer ganzen Stunde kehrte ein wenig ruhe im Zelt ein bis Renera die Erste war, die das Lager aufrecht stehen empfangen konnte. Aradan hörte seicht wie sie schnell wieder mit ihrer Schwester sprach, zog sich wieder an und verließ nun auch das Zelt um das aktive Treiben aller entgegen zu kommen.
      So ganz konnte sich Aradan noch nicht einordnen. Doch hörte er auf seinen Instinkt und ging zu Renera, welche ihm auf halben weg nun doch schon entgegen kam und auf Elraya andeutete.
      Aradan sah rüber und grinste.
      "Das fragst du noch? Stell sie dir mal mit Jarku vor. Gar nicht mal leicht, nicht wahr?"
      Dann drückte er ihren Blick leicht gen Zelt von Valteri, gefolgt zum schlafenden Valteri
      "Ich würde sagen..."
      Da streichelte er Renera leicht über ihren Po
      "... dass Sie ihr Ziel in dieser Nacht nicht erreicht hat."
    • Renera ließ sich nur allzu gern auf Aradans Schmeichelei ein, grinste ihn an, zog ihn zu sich und drückte ihm einen Kuss auf. Ihr Unterleib schmerzte noch von dem unverhofften Morgen, allerdings war es ein angenehmer Schmerz, den sie jederzeit auf sich nehmen würde.
      "Nicht so wie du, meinst du?", schnurrte sie und biss ihm auf die Unterlippe. Er sah energetisch aus, als habe er sich vollständig ausgeruht, obwohl sie gar nicht bemerkt hatte, dass er in der Nacht zurück ins Zelt gekommen war.
      Im Hintergrund hatte Ellaya die Verpflegung ihres Pferdes unterbrochen und sah zu ihnen herüber.

      Sie zogen nach dem Frühstück weiter, der Wagen in der Mitte mit je einem Soldaten zur Vor- und Nachhut und die Pferde außenrum. Ceryn ritt mit einigem Abstand vorneweg, nachdem er es wohl nicht lassen konnte die Führung zu übernehmen, und Ellaya ritt mit Renera, die sie mit Fragen über die Armee löcherte: ob noch dieselben Ausbilder tätig waren, was sie über die Generäle wusste, wer ihre alte Einheit befehligte. Sie machten sich über den ein oder anderen lustig, redeten über vergangene Schlachten, kritisierten Schlachtenpläne. Es war kein sehr persönliches Thema, aber die beiden Schwestern hatten wohl nie besonders viel Intimitäten ausgetauscht.
      Gegen Mittag dann wiederholte sich das Ereignis vom Vortag.
      Reiter erschienen auf der Hügelkuppe in der Entfernung, Soldaten in strahlenden Rüstungen und auf kräftigen, rassenreinen Pferden, die in schnellem Galopp näher kamen. Ceryn stieß einen Warnruf aus und orderte die Gruppe zum Zusammenhalt. Ellaya verließ Reneras Seite und ritt ein Stück nach vorne, Renera ließ sich bis zum Wagen zurückfallen und ritt nebenher. Die Reiter kamen, sieben in der Anzahl, und wurden - wie schon am Vortag - langsamer, als sie in die Nähe der Gruppe kamen. Der vorderste Reiter brüllte ein "Stehenbleiben!" und nachdem sie keine Anstalten machten den Weg freizugeben, folgte Ceryn ihrer Anweisung. Die ganze Gruppe kam zu einem allmählichen Halt.
      "Welche Einheit?", blaffte Ceryn sogleich und richtete sein Pferd seitlich aus, eine Kopie der Stellung, die der andere Reiter auch einnahm.
      "Dasselbe könnte ich dich fragen."
      "Ich habe zuerst gefragt."
      "Und ich habe zuerst gesprochen."
      Obwohl beide Reiter ihre Visiere heruntergeklappt hatten, war deutlich zu spüren, dass sie sich versuchten, mit ihren unsichtbaren Blicken niederzustarren. Das Gefecht gewann niemand.
      "Wir sind im Auftrag Seiner Exzellenz, dem Herzog Shegar, in seinen Ländern, um nach Herumstreichern zu suchen, die sich als seine Soldaten ausgeben", ließ Ceryn verlauten und seine Stimme nahm dabei einen lauten, befehlshaberischen Ton an. "Wir haben Schreiben und Siegel."
      Er beförderte aus seiner Gürteltasche ein Stück Pergament und hielt es hoch. Der andere Soldat schnaubte unbeeindruckt.
      "Das haben wir auch."
      Er tat es Ceryn gleich und wieder folgte ein Moment, in dem sie sich nur anzustarren schienen. Ceryn streckte die Hand aus.
      "Dann zeig es mir."
      "Was?"
      "Komm her und zeig mir das Siegel."
      "Ganz bestimmt nicht. Du kommst her und zeigst mir dein Siegel. Deine Gruppe ist groß genug um irgendeine Schmugglerei zu betreiben, da werde ich nicht meinen Kopf riskieren."
      "Und ihr passt genau in das Schema der Räuber. Kein Siegel und kein Ziel. Äußerst verdächtig, wenn du mich fragst."
      "Bezichtigst du uns etwa der Räuberei?", donnerte der andere und seine Gefährten stießen aufgebrachte Laute aus.
      "Beweis mir das Gegenteil!", brüllte Ceryn zurück und als hätte es nicht anders kommen können, stieß sein Gegenüber einen Schlachtruf aus und seine Truppe zog ihre Schwerter und preschte auf ihren Pferden in die Gruppe hinein.

      Ceryns Truppe war schnell sich zu organisieren. Ellaya und die schwarzhaarige Soldatin, beide verborgen hinter heruntergeklappten Visieren, preschten nach vorne zu ihrem Truppführer, der sein Pferd schnell umlenkte und vor der anbahnenden Kampfkraft floh. Er erreichte die Sicherheit seiner eigenen Reihen, wo Ellaya und die schwarzhaarige bereits warteten, die Schwerter gezogen, die Pferde wild schnaubend. Die Reiter krachten in sie hinein und für einen einzigen Moment schien es gewiss, dass die beiden Frauen vor der schieren Stärke untergehen würden, als Ceryn und seine anderen beiden Gefährten von der Seite ausbrachen und die Reiter schnell und zielgerichtet einkesselten. Der aufbrausende Kampf wirkte chaotisch und unkoordiniert, ein unregelmäßiges Klirren von Stahl auf Stahl und dem beständigen Rufen der Kämpfenden.
      Renera zog sich weiter zum Wagen zurück, versuchte die Kampfgeräusche auszublenden, machte sich daran, die Zugpferde ruhig zu halten. Sie bezog einen Wachposten beim Wagen, der allerdings kaum Bestand haben würde, nachdem sie schon bei den jetzigen Geräuschen in kalten Schweiß ausbrach und ihre Zügel fest umklammerte, um ihre Hände vom Zittern abzuhalten.
    • Der Tag startete ziemlich gut. Zwar musste sich Aradan mit Substanzen in den Tag befördern, doch war das Ergebnis deutlich schöner als die Tage bevor Renera wieder an seiner Seite war.
      Doch ebenso schnell wie der Tag freudig begann, wandelte er sich zur Anspannung. In dem Moment als die neue Truppe auftauchte und für schlechte Stimmung sorgte, bereiteten sich schon alle aus Aradan's Truppe auf einem Kampf vor. Nicht etwa durch gezogenen Waffen. Viel er schärften alle ihre Sinne und warteten nur noch auf das Zeichen ihres Anführers. Doch verhielt sich dieser anders als sonst. Er stand mit seinem Pferd vor dem Wagen und dessen Zugpferde und sah tatsächlich ziemlich entspannt aus. Er hielt seine Zügel locker auf dem Knauf des Sattels und beobachtete die Situation. Ja sogar als der Kampf zwischen den Soldaten anfing, machte er keine Anzeichen eine der Gruppen, oder zumindest Ellaya zu helfen. Beinahe als wäre ihm das Ergebnis vollkommen gleichgültig.

      "Sollen wir nicht helfen?"
      Rief Jarku rüber aber Aradan antwortete nicht. Doch als Aradan sah wie Renera an die Zugpferde hinan ritt und sich regelrecht an die Zügel klammerte, war ihm klar was in ihr vor ging. Erst in diesem Moment ritt er neben sie und zeigte eine menschliche Emotion von Sorge. Er legte ihr sofort die Hand auf ihre und versuchte dabei ihr ein lächeln entgegen zu bringen.
      "Geht es? Es ist sicher bald schon wieder ruhig. Schließe deine Augen und leg deine Hände auf die Ohren."
      Er hegte keinerlei Gefühle für Soldaten. Solange also niemand seine Gruppe bedrohte, konnten sie sich seinetwegen ruhig abschlachten. Doch hatte Renera seine Zügel ebenso an der Hand wie die der Zugpferde. Ein Wort und er hätte alles in seiner Macht stehende getan um den Wunsch zu erfüllen.
    • Renera blickte zu Aradan auf, der zu ihr herangeritten kam. Im Gegensatz zu ihr wirkte er wie die Ruhe selbst, als würden sie gerade nur eine Pause einlegen und nicht von feindlich gesinnten Reitern angegriffen werden. Wieso konnte sie nicht so entspannt sein? Es war doch eigentlich ganz einfach, sie müsste sich nur zurücklehnen und den Kampf passieren lassen, keinen Gedanken daran verschwenden und bloß nicht sich selbst einmischen. Aber wenn das so einfach wäre, würde sie wohl kaum beim Geschrei selbst in Panik ausbrechen.
      Sie drückte seine Hand, die sich auf ihre legte, und riskierte einen Blick über die Schulter nach Ellaya, allerdings konnte sie sie in der Gruppe nicht von den anderen unterscheiden. Zumindest war noch niemand gefallen.
      Ihre Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf Aradan. War es so offensichtlich, oder hatte er einfach nur ein Auge für ihren Zustand entwickelt? Sie betete dafür, dass es letzteres war.
      "Alles gut."
      Sie straffte sich ein wenig, bemühte sich um eine lockere Haltung, warf einen Seitenblick auf Valterri. Sie würde es nicht so weit kommen lassen ihre Schwäche öffentlich zu zeigen, nicht, solange es sich noch irgendwie aufhalten ließ. Leider war mittlerweile ein vollständiger Kampf ausgebrochen und sie musste ihre Hände sogar um den Sattelknauf legen, um sich nicht zu verraten.
      "Alles gut. Ella hat das im Griff."

      Der Wagen verlor derweil ein Besatzungsmitglied, kurz bevor ein Rotschopf an der Seite entlang huschte und sich hinter dem Gefecht positionierte. Elraya wirkte richtig energetisch, blutdürstig, wenn man so sagen konnte, und schien auf den richtigen Moment zu warten, um ihren Durst stillen zu können. Es war zwar unglaublich schwierig, die Kämpfenden auseinander zu halten, aber die Reiter, die ihr am nächsten waren, waren zweifellos Verbündete. Sie wartete auf einen passenden Moment, sprang dann unversehens von hinten auf eines der Pferde auf, brachte den Reiter in Aufruhr, als sie über ihn hinweg kletterte, und warf sich mit einem waghalsigen Manöver auf seinen Gegner. Sie schloss einen Klammergriff um ihn, prallte mit ihm zusammen und beförderte sie beide auf den Boden und inmitten der Pferde, wo sie verschwanden.

      Renera sah ihr für einen kurzen Moment nach, ehe ein ausnahmsweise weiblicher Schrei sie zusammenzucken ließ. Ob es Elraya oder sogar ihre Schwester war wusste sie nicht, aber es verschlechterte ihre Gemütsfassung um ein deutliches Stück. Sie schluckte und blickte zu Aradan, der in ihrer Nähe verweilte.
      "Kannst du nicht vielleicht… hm."
      Sie wusste nicht, ob es so gut war, auf was sie hinauswollte.
      "Kannst du nicht… Ella ein bisschen helfen? Und vielleicht Elraya da rausholen?"
      Es war ihr unangenehm ihn um Hilfe zu bitten, aber vielleicht würde ja schon ein kleines Ablenkungsmanöver reichen, etwas womit sich die Gruppe nicht auch noch in Gefahr begab. Sie würde es sich wahrscheinlich nicht verzeihen, wenn noch jemand verletzt werden würde.
    • "Hat sie das?"
      Fragte Aradan indirekt und blickte zum Kampfgeschehen. Dort wirkte seiner Meinung nach keine Kontrolle. Es war wie jedes Schlachtfeld und erinnerte ihn an die blutigen Zeiten in welchen er unter der bezahlten Flagge des Baron's kämpfte.
      Wie unwohl sich Renera bei alle dem fühlte war für ihn beinahe unerträglich auszuhalten und doch würde er nichts tun um sein Leben in Gefahr zu bringen und Renera wohl möglich mehr Schmerz zu bereiten als sie schon erleiden musste.
      Doch dann lösten sich seine Fesseln.
      Renera bat Aradan um Hilfe. Als wäre es ein göttliches Gesetz, eine Verpflichtung, wechselte Aradan sein Gemüt. Er sah Renera nicht mehr an und zog sein azurenes Schwert zum ersten mal in tödlicher Absicht während er zum Schlachtfeld hinüber sah, stieg im selben Zug vom Pferd und schritt ohne Befehl an seine Truppe auf die Reiter zu.
      Sein Schwert schimmerte als würde man in ein harmonisches Wasser, eines karibischen Strandes blicken. Beinahe erinnerte es an seichte Wellen. Doch umso näher Aradan den Feinden kam, wurden die Wellen wilder und glichen einem Sturm.
      Kurz darauf färbte sich die Klinge in ein tiefes Rot und erinnerte in diesem Moment eher der Farbe von Blut. In diesem Moment kam Jarku näher an Renera und stellte sein Pferd seitlich schützend vor ihr. Valteri tat das Gleiche, nur galt sein Schutz den Zwillingen.

      Am Schlachtfeld angekommen rief Aradan Elraya zu.
      "ELRAYA!! Zieh ihnen die Helme ab! Gehören sie nicht zu den Leuten am Vorabend... Hast du meine Erlaubnis. Bring sie um."
      Kurz darauf schwang Aradan seine Klinge. Sie durchtrennten die Beine des Pferdes vor ihm als hätte er nur in die Luft geschlagen. Das Pferd landete sofort Schmerzerfüllt auf dem Boden und brach mit seinem Gewicht das Bein eines Soldaten.
      Wie Aradan es selbst befohlen hatte, stieg er auf das Pferd und riss dem Reiter den Helm ab. Panik und Schmerz blickte ihm entgegen, doch hatte Aradan dieses Gesicht nicht wieder erkannt, also trennte er gezielt den Kopf vom Körper, gefolgt von einem zielsicheren Stich in das Herz des Pferdes.

      Daraufhin rollte Aradan geschickt auf dem Pferd hinab um einem geworfenem Messer zu entfliehen, ergriff dabei den Bogen des kopflosen Soldaten, sowie einen Pfeil, spannte diesen bis zum Anschlag während Aradan schräg auf dem Boden lag und jagte dem Werfer den Pfeil mit solcher Kraft exakt in die einzig freie Stelle die dessen Helm preis gab, welches das Auge war, um den Soldaten vor Schmerzen schreiend zu Boden gehen zu lassen.
      Kaum eine Sekunde danach kam ein weiterer Reiter auf Aradan zu geprescht und wollte ihn mit einer Lanze erwischen, doch rollte sich Aradan schnell genug auf die andere Seite des Reiters, auf welche dieser nur ein Schild trug. Das bot ihm genug Zeit wieder aufzustehen und sein Schwert fest zu ergreifen.

      Der Reiter brauchte einen Augenblick um sein Pferd wieder auf Aradan auszurichten und setzte erneut einen Spurt an. Dieses Mal machte Aradan aber keine anstalten auszuweichen. Viel mehr konzentrierte er sich und ergriff sein Schwert mit beiden Händen. Er atmete tief ein und wieder aus. Dann setzte er seinen Hieb durch.
      Der Reiter hatte keine Chance.
      Aradan's Klinge wetzte wie zuvor durch seinen Angreifer. Angefangen an der Vorderseite des Pferdes, quer hindurch um auch den Reiter zu halbieren.
      Das Blut spritzte wie es auf einem Schlachtfeld üblich war von beinahe jeder Seite. Und doch fühlte sich Aradan viel zu gut dabei. Sein Herz raste beinahe auf der Suche nach dem nächsten Angreifer.
    • Aradan war vom einen Moment auf den anderen wie ausgewechselt und wenn er sich nicht sogleich abgewandt hätte, hätte Renera wohl versucht klarzustellen, dass sie ganz definitiv nicht wollte, dass er sich selbst ins Getümmel stürzte, nachdem es so aussah, als wäre genau das sein Plan. Schließlich war er aber so schnell außer Hörweite, dass er sie womöglich gar nicht mehr gehört hätte, wenn sie gerufen hätte, also wandte sie sich von dem Getümmel ab und war froh um Jarkus Anwesenheit, der sein Pferd vor sie lenkte. Sie wusste zwar nicht, wie er auf die Idee kam, genau das zu tun was Aradan wahrscheinlich von ihm verlangt hätte, aber es war ihr doch eine angenehme Tat.

      In dem Getümmel sorgte der zusätzliche pferdelose Kämpfer für die nötige Ablenkung, die es gebraucht hatte, um das schier unendlich währende Hin und Her der Reiter aufzubrechen. Aradan fällte sogleich den ersten Reiter und der zweite, dem ein Pfeil aus dem Schlitz seines Visiers ragte, was so aussah, als wäre es Teil des Helms, wurde von Elraya aufgegriffen, die sich bereits ihrem eigenen Gegner dank der Hilfe eines anderen Reiters erledigt hatte. Die gegnerische Gruppe musste sich zusammenrotten, um die entstandenen Lücken auszugleichen und ihre kleine Reihe zu stärken, was Ceryns Truppe den Vorteil erlangte, sie von allen Seiten einkesseln zu können und sie, allein durch den Vorteil der Mehrzahl, in die Defensive zu drängen. Zwei weitere Reiter fielen bei dieser Taktik, während bereits die Panik zwischen den Gegnern ausbrach. Sie versuchten dem Teufelskessel zu entkommen und Lücken in Ceryns Gruppe auszunutzen, aber seine Gruppe bestand aus gut ausgebildeten Soldaten, die es gar nicht erst so weit kommen ließen. Es folgte ein Durchbruchversuch mit wiehernden Pferden und trampelnden Hufen, die jedem Nicht-Reiter zum Verhängnis sein konnten, ehe es Ceryn und die anderen selbst schafften, den Rest hinzurichten. Übrig blieben schließlich nur zwei halb lebendige Pferde, die versuchten zurück auf die Beine zu kommen, aber schon kaum mehr gehen konnten. Sie wurden mit kurzen Hieben erlöst.
      Ceryn riss sich den Helm vom schweißnassen Kopf und sprang auf den Boden hinab.
      "Puh. Wollen wir doch mal sehen. Alle fit?"
      Die Soldaten kamen zu ihm, salutierten. Die schwarzhaarige Soldatin hatte einen üblen Hieb in die Lücke an ihrer Hüftplatten abbekommen, der sie beinahe aus dem Sattel befördert hätte, aber sie lebte noch. Ein anderer hatte seinen Arm zu beklagen, den er sich zweifellos geprellt hatte, und ein dritter hatte eine Wunde am Kopf, nachdem ein Schlag beinahe seinen Helm gespalten hatte. Es gab allerdings keine Verluste zu melden, was ein größerer Sieg war als alles andere.
      Ceryn fing an die Leichen zu durchsuchen, wobei er mit Elraya zusammenstieß, die noch quicklebendig war und ihn finster anstarrte, als er versuchte, ihre Beute zu untersuchen. Er zog weiter und fand bald das versiegelte Pergament, das der Soldat vorhin hochgehalten hatte, riss das Siegel auf, öffnete es und las. Schließlich fluchte er.
      "Er hatte recht. Das waren Soldaten."
      Seine Truppe stöhnte einstimmig auf und jemand kommentierte, dass das wieder eine Menge Papierkram werden würde. Derweil hatte Ceryn seine Aufmerksamkeit auf Aradan gerichtet, den er mit einer Mischung aus Verwunderung und Unsicherheit ansah. Mit dem unmenschlichen Schwert in der Hand, zwischen verstreuten Pferdeleichen und am ganzen Körper mit Blut besudelt, sah Aradan aus wie die grässliche Karikatur eines Kriegsgottes. Nach Ceryns Blick zu schließen, war es zumindest genau das, was ihm bei dem Anblick in den Sinn kam.
      "Das war eine gute Taktik. Riskant, aber gut. Ich danke dir im Namen des Herzogtums Shegar. Du bist nicht zufällig an einer Karriere in der Armee interessiert?"
      Hinter ihm saß Ellaya ab und steckte sich auch den Helm unter den Arm. Sie musterte Aradan ebenfalls, aber eher mit purer Neugier und sowas wie Ehrfurcht. Sie kam zu ihm, als Ceryn abzog, und lächelte.
      "Wo hast du das denn gelernt? Wohl kaum in Melora, oder? Und was ist das für ein Schwert?"
      Ihre Stimme erinnerte an ihre kindliche Neugier, die Aufgeschlossenheit, mit der sie sich Aradan stets genähert hatte. Allerdings huschte ein Schatten über ihr Gesicht, als Renera von hinten angelaufen kam und Aradan furchtsam musterte.
      "Bei allen Kreaturen, du siehst aus wie ein Berserker! Bist du verletzt? Ist das dein Blut?"
      "Verletzt? Er hat doch gerade zwei Reiter umgenietet, ganz ohne Pferd. Ich glaube, ich würde mir eher Sorgen um die Reiter machen als um Aradan."
      Sie lachte ein federleichtes, glockenhelles Lachen.
    • Was für eine Schande. Das Klirren der Rüstungen verblasste immer mehr und die ersten Gespräche begannen. War der Kampf etwa schon wieder vorbei? Grade als Aradan anfangen konnte seine angesammelten Emotionen abzuarbeiten?
      Sei es drum.
      Ausatmen war angesagt. Der Kampf war vorbei und seine Truppe war in Sicherheit.
      Doch stimmte irgendetwas nicht. Er konnte nicht entspannen. Sein Griff verblieb fest um sein Schwert und auch seine Lust zu Kämpfen verblieb. Wie eine Klapperschlange zog es sich in seinem Nacken hoch und dürstete nach mehr von allem. Es fühlte sich gut an. Viel zu gut.
      Würde es auffallen wenn ein weiterer Soldat fiel? Er hätte so tun können als hätte er den Unterschied nicht sehen können. Im Eifer des Gefechts gab es in der Armee dieser gleich uniformierten Trottel öfter mal Verluste, hervorgerufen unter gleicher Flagge.
      Da hörte Aradan auch schon die nächste Stimme die an ihn heran trat.
      Ganz langsam wandte er seinen Blick zur Seite um der Stimme entgegen zu blicken. Wer auch immer es war, sah Aradan mit pechschwarz erfüllten Augen entgegen, welche dann aber in der Sekunde wieder normal wurden, als Renera's Stimme ertönte.
      In diesem Moment wusste Aradan gar nicht wo er gerade stand. Er sah hastig zu Boden, gefolgt von seiner Umgebung und schließlich in die Augen seines Herzens.
      "N... Nein. Ich glaube nicht."
      Sprach er ruhig und prüfte dabei selbst seinen Körper. Er fand keine Wunde und sah wieder auf als Ellaya ihr Kommentar zur Schlacht gab.
      "Ja. Natürlich. Die Reiter. Waren aber auch ganz schöne Amateure oder?"
      Aradan hatte keine Ahnung was grade passiert war und stellte sich so vor Renera dass Ellaya seinen Ausdruck nicht sehen konnte. Es zeigte Renera dass Aradan absolut nicht wusste was in den vergangenen Minuten geschehen war und dass es ihm tatsächlich Angst machte.
      Seine Klinge war derweilen wieder blau und wellte dessen Farbe mal schnell und mal etwas zittrig bis sie wieder in dessen Scheide gesteckt wurde.
      "Was passiert mit mir?"
      Flüsterte Aradan nur für Renera hörbar, klar verständlich dass es nichts mit Minerva zu tun hatte.
    • Renera stutzte beim Anblick von Aradans Ausdruck im Gesicht. Sie hatte nicht erwartet Angst in seinen Augen zu sehen, ganz zu schweigen von der Verwirrung, die sich in seinem Gesicht spiegelte. Sie hatte, wenn überhaupt, mit seiner kühlen Professionalität gerechnet, die er manchmal an den Tag legte, doch das war etwas völlig gegensätzliches. Das Blut auf seinem Gesicht, seinen Händen und seinen Klamotten in Verbindung damit sorgten für ein merkwürdiges Bild.
      Renera warf einen Seitenblick auf Ellaya, die sie immer noch strahlend beobachtete. Dann legte sie Aradan die Hand auf den Oberarm, lenkte ihn bestimmt zu sich und hakte sich bei ihm unter.
      "Komm, wir gehen dir erstmal das Blut wegwaschen. Ihr werdet doch sicherlich sowieso erstmal die Leichen vergraben, oder, Ella?"
      "Ja ja, geht nur", trällerte sie und drehte sich selbst schon um, um Ceryn zur Hand zu gehen. Renera führte Aradan zum Wagen zurück und ließ ihn daneben Platz nehmen, bevor sie einen der Trinkschläuche zu Tage beförderte und sich zu ihm kniete. Er sah wirklich furchtbar aus, außerdem wirkte er erschöpft, als habe er doch nicht genug geschlafen. Er war beinahe wie ein traumatisierter Soldat nach der Schlacht und sie hätte nicht mehr Mitleid mit ihm empfinden können.
      Sie spülte ihm das Blut vom Gesicht und von den Händen und gab ihm das Wasser dann zum Trinken. Als er, bis auf das Blut auf seiner Kleidung, wieder einigermaßen passabel aussah, legte sie ihm eine Hand auf die Wange. Ihre eigenen Hände zitterten noch immer, aber es fing bereits an abzuklingen.
      "Was ist passiert? Was war das?"
      Unterschwellig versuchte sie bereits Ausschau nach Daikata zu halten, der ja sonst immer alles zu wissen schien, bis ihr wieder einfiel, dass er ja gar nicht mehr da war.
    • Aradan lies sich von Renera behandeln und versuchte dabei vor allen anwesenden noch so eigenständig wie möglich zu wirken. Die Wahrheit war jedoch dass er sich in seinem Körper komplett fremd fühlte.
      Als er dann das kühle Wasser über den Kopf geschüttet bekam, konnte er regelrecht spüren wie sich sein Gemüt setzte und deutlich beruhigte. Dieses seltsame Gribbeln verflog, ebenso wie das Verlangen nach einem großén Schlachtfeld.
      Er schloss seine Augen und lies seinen Kopf nach hinten an das Rad des Wagens anbucken, behielt dabei seine Arme auf seinen angewinkelten Beinen und schüttelte leicht den Kopf nach der gestellten Frage.
      "Ich weiß es nicht. Das war was neues."
      Jarku und Valteri waren schon auf kleinem Abstand herangetreten. Ersterer fühlte sich dabei schon etwas schuldig und kam stellte sich fragend neben Renera und Aradan.
      "Kann es sein dass dein Körper so langsam gegen dieses Zeug rebelliert?"
      Er zog die Ampulle hervor um sie Renera zu zeigen
      "Ein starker Wachmacher, könnte man sagen. Eigentlich benutzen das Mediziner um Leute aus einem starken Schock oder Ohnmacht zu holen. Aradan hat es öfter mal genutzt um wach zu werden wenn wir einen langen Weg vor uns hatten und die Geister aus dem Zwielicht ihn die ganze Nacht wach hielten."
      "Nein das ist es nicht.."
      versicherte Aradan mit etwas festerer Stimme
      "Es fühlte sich an als.. ich weiß auch nicht. Als würde langsam etwas in meinen Körper kriechen und mich von innen heraus steuern. Nicht wie ein Puppenspieler. Viel mehr überzeugte mich das Gefühl selbst."
      Kaum erwähnte er das Wort Puppenspieler, drehte sich Jarku neugierig um. Nur um sicher zu gehen dass er in der Ferne nirgends etwas rascheln sah. Seit das Thema mit diesen neuen, größeren Varianten, im Raum stand, konnte man nicht sicher genug sein. Kaum vorstellbar wenn eine große Variante eines Puppenspielers existieren würde.
      Aradan sah in dem Moment als Jarku sich weg drehte wieder zu Renera auf und zeigte ihr damit dass er nicht glaubte von einem Monster befallen zu sein, sondern viel mehr von sich selbst. Oder etwas neues aus dem Zwielicht. Es machte ihn deutlich nervös. Sein linkes Bein wollte immer wieder leicht zu wackeln anfangen aber noch schaffte er es immer wieder es ruhig zu halten wenn es anfing.
    • Renera sah zu Jarku auf, der neben sie trat und weitete überrascht die Augen. Sie hätte nicht im Traum daran gedacht, dass Aradan von Putschmitteln hätte abhängig sein können, aber zumindest machte dann sein seltsamer Gemütszustand etwas mehr Sinn. Sie konnte es sich trotzdem nicht verkneifen, ihn schockiert anzustarren.
      "Aradan! Ein Wachmacher? Ehrlich?"
      Sie wusste, dass es nicht gut um ihn stand, sie hatte es ja am ersten Tag ihrer Begegnung erfahren, aber dass es gleich so schlimm war, hätte sie nicht gedacht. War es das Zwielicht, das ihm stärker zusetzte, als er zeigen wollte? Und wenn nicht, was war es dann?
      In jedem Fall wirkte Aradan wie vom Schlachtenschock ergriffen: Das bleiche Gesicht, der erschöpfte Blick, die flackernden Glieder. Und was half am besten bei traumatisierten Soldaten, als sie aus der Schlacht rauszuhalten.
      "Wir machen eine Pause."
      Sie richtete sich auf und begegnete Jarkus Blick, der sich wieder zu ihnen umdrehte.
      "Die Soldaten müssen eh noch ein paar Gräber ausheben, ein paar von ihnen sind verwundet und ich will mir die Beine vertreten. Also können wir hier auch genauso gut für einen Moment bleiben."
      Jarku begriff wahrscheinlich selbst, dass sie die Pause für Aradan haben wollte, hatte aber zumindest den Anstand, nichts zu sagen. Renera ging nach einem kurzen Blick auf Aradan zu ihrem Pferd zurück, holte sich ihre Decke und setzte sich kurz darauf zu Aradan auf den Boden bevor sie die Decke über ihren beiden Beinen ausbreitete. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, wenn sie ihm ein wenig Privatsphäre verschafft hätte, aber es sah nicht so aus, als wäre er gewillt wieder aufzustehen, geschweige denn zu laufen. So konnte er zumindest sein Zittern, das alle paar Sekunden ausbrach, unter der Decke verstecken.
      Sie umschloss seine Hand mit den ihrigen, während um sie herum ein halbherziges Lager aufgeschlagen wurde.
      "Möchtest du noch Wasser?"
      Sie strich ihm eine heruntergefallene Strähne aus der Stirn.
      "Was ist los, Aradan? Warum nimmst du Wachmacher? Ist es etwa so schlimm?"
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