[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • "Wollten sie das wirklich? Ich bin mir da nicht so sicher wie du."
      Das Thema sorgte dafür, dass Aradan etwas weniger Nähe bevorzugte, also löste er sich von Renera und ging bis zu einer Kommode zurück an welcher er sich lehnte und die Arme vor sich verschränkte.
      "Vergiss das Mädchen mal. Daikata wird sich schon drum kümmern."
      Nachdenklich auf den Marmorboden blickend, schüttelte er leicht den Kopf
      "Wenn ich an meine Kindheit denke, sehe ich mich in einem Dorf, welches sich schwer tat mich zu akzeptieren. Erst seit deine Familie dazu kam, hat es sich ein wenig geändert. Meine Mutter war so gut wie nie anwesend. Sie war mehr im Wald als alle anderen und mein Vater hat mich gedrillt. Er wollte mir nie wirklich das Schmieden beibringen und dennoch sollte ich wissen wie man einen Hammer benutzt. Mal ganz zu schweigen davon dass ich immer neue Waren besorgen und die Schmiede jeden Morgen aufbereiten sollte."
      Dann legte er den Kopf in den Nacken und schloss die Augen um sich alles bildlich vorzustellen.
      "Mutter wusste immer wie man meine Wunden behandeln muss. Ich meine die richtig üblen. Ich kann mich nicht daran erinnern dass sie mal Ratlos war... Verstehst du, ich habe eine lange Zeit versucht all das zu ordnen. Meine Vermutung liegt nahe, dass sie genau wussten WAS sie auf die Welt geholt und aufgezogen haben. Woher sie das alles wussten, weiß ich nicht. Zumindest ist es ihnen beim zweiten mal gelungen."
      Da blickte er zu Renera
      "Ich bin mir gar nicht so sicher ob du das weißt aber ich bin das zweite Kind. Ich hatte einen Bruder welcher noch im ersten Jahr nach seiner Geburt starb. Quintus hat es mir erzählt. Das Baby hatte eine noch auffälligere Erscheinung als ich. Die ersten Haare die ihm wuchsen waren bereits weiß und auch seine Augen waren von Geburt an weiß. Das ist meine Gestalt sobald ich mich an der Energie aus dem Zwielicht bediene."

      Schwermütig seufzend blickte er nun vor sich hin
      "Wenn du mich fragst, steckt da sehr viel mehr hinter. Erinnere dich daran dass mir in Melora immerzu spezielle Nahrung gegeben wurde. Was war das? Und was erfüllte es für einen Zweck? Oder viel eher.. Was versuchten meine Eltern mit mir zu erreichen? Wussten sie was aus mir werden würde? Wusste das Königreich eventuell davon und hat deswegen das Dorf ausgelöscht? Warum sonst wollte dieser General mit meinem Vater, einem Schmied, unter vier Augen reden?"
      All diese Gedanken sprudelten aus Aradan hinaus als hätte er seit vielen Jahren noch nie Jemanden von seinen Sorgen erzählt. Aber welcher Moment wäre geeigneter gewesen als dieser? Renera hatte ihre Sorgen zur momentanen Lage preis gegeben, also tat er das Gleiche.
    • Aradan ging etwas auf Abstand und wischte damit Reneras Lächeln vom Gesicht. Sie hatte einen Nerv getroffen, das sah sie gleich, bevor er sich überhaupt erklärte, und es stimmte sie unglücklich, dass dieses Thema noch so schwierig für ihn war. Im Gegensatz zu ihr hatte er niemals mit seinen Eltern abgeschlossen und der Zwang, ihnen fern zu bleiben, um ihr Leben nicht zu riskieren, musste sicherlich ständig präsent sein.
      Was er ihr erzählte, stimmte in etwa mit dem zusammen, was sie noch selbst in Erinnerung hatte, aber sie schämte sich dafür, selbst nicht mehr darüber nachgedacht zu haben. Normalerweise war sie immer diejenige mit der berüchtigten Familie, dem Haufen zusammengewürfelter Kinder unter einer temperamentvollen Frau, die wenig Mutterliebe für ihre Meute erübrigen konnte. Dass es auch andere Familien geben konnte, die zwar funktional aussahen, aber womöglich genauso wenig Liebe in sich hatten, war ihr nie in den Sinn gekommen. Für sie stellten wenige Geschwister und ein Elternteil, das auch mal Zeit hatte um sich mit seinem Kind zu unterhalten, bereits eine liebevolle Familie dar und in der Hinsicht hatte Aradan wohl das Glückslos gezogen.
      Aber natürlich entsprach das nicht der Wahrheit, wie sie jetzt von ihm erfuhr. Eigentlich entsprach es dem nichtmal ansatzweise.
      "Das tut mir leid. Ich habe euch immer als liebevolle Familie gesehen."
      Sie rieb sich das Kinn, wäre eigentlich gerne wieder zu ihm aufgeschlossen, hielt sich zurück.
      "Ich glaube, das können dir nur deine Eltern beantworten. Nur der General, der ist doch wegen den Rüstungen deines Vaters gekommen, das hat er gesagt. Gibt es denn keine Möglichkeit für dich, deine Eltern zu besuchen? Ich weiß, wir haben schon darüber geredet, aber sie sind die einzigen, die dir eine Auskunft geben könnten und außerdem hast du sie schon ewig nicht gesehen. Wir könnten uns bestimmt Zugang zum Palast verschaffen, so schwierig kann es doch nicht sein eine Einladung zu bekommen, oder?"
      Sie zuckte mit den Schultern.
      "In jedem Fall solltest du sowas nicht mit dir herumschleppen und erst recht nicht, wenn du so einfach Antworten bekommen könntest. Lass es uns gemeinsam herausfinden, ich werde bis zum Ende für dich da sein."
      Da trat sie doch wieder auf ihn zu und legte die ihm die Hand auf den Oberarm.
    • "Einfach an Antworten kommen hm? Du hast gesehen was für ein Aufmarsch vor Melora stand nur um dessen Forderung durchzusetzen. Was glaubst du was die Königsstadt auffährt um Geheimnisse zu wahren. Ich habe bereits Spione für jede Art an Informationen bezahlt doch heißt es immer wieder dass es keinen Hofschmied gibt. Alle würden ihre Rüstungen von den Schmieden in der Stadt und umliegenden Dörfern bekommen. Doch stieg die Qualität der Ausrüstung für die Königsgarde deutlich an. So sehr dass sogar simple Bauern es bemerkten. Und da hört es nicht auf. Die Hinweise stiegen mit jedem Spion den ich entsendet habe. Mit anderen Worten, bin ich mir nicht sicher ob mein Vater oder meine Mutter noch leben, doch spricht sehr vieles dafür und noch mehr dass sie streng bewacht und versteckt werden."
      Ruhig beobachtete er die Hand Renera's auf seinem Oberarm
      "Dir wird es doch sicher auch schon aufgefallen sein. Spricht man von Melora, werden die Augen gebildeter Menschen größer. Beinahe als verbirgt es mehrere Geheimnisse als wir uns im klaren sind. Zu unserer Kindheit... lass es dir mal durch den Kopf gehen. Ein Schmied dessen Künste die jeder Königsstadt übertraf und sogar mit Kryss verarbeitet wurde, eine Kräuterkundlerin die mehr die komplette Arbeit im Krankenhaus übernahm statt nur zu assistieren, ein hoch dekorierter Ex-Militär als Hauptmann. Wilk, ein Ausbilder der viel eher in einer Elitetruppe geeignet gewesen wäre, ein ehemaliges Mitglied der Wolfstruppe, ja sogar hinter deinem Mentor verbarg sich etwas gänzlich anderes. Ich meine, sogar unsere Holzfäller hätte man ohne Bedenken in die Schlacht schicken können. Unzählige Male dachte ich schon über unser Dorf nach. Es ist als wäre eine Person mysteriöser als die Andere. Und nun stehen wir hier. Ein auffälliger Kerl der in zwei Welten lebt und eine Überlebenskünstlerin die sogar gegen eine Gruppe Nordmänner standhalten kann. Wer weiß was in nächster Zeit noch dazu kommt."
      Während Aradan seine Gedanken offen legte war klar zu hören wie er jedem noch so kleinen Geheimnis nach jagen wollte. Es machte ihm keine Angst, viel mehr sah er Hoffnung darin. Doch empfand er es als genug nun dem derzeit unklärbaren nachzujagen und schüttelte kurz den Kopf.
      "Aber eins nach dem Anderen. Vorerst kann ich dir nur versprechen dass ich auf uns aufpassen werde. Solltest du etwas als zu gefährlich ansehen, werde ich mich zurück halten."
      Sanft legte er seine Hand auf Renera's Wange und streichelte ihr mit dem Daumen ein mal über ihre Lippen ehe er sie sinnlich küsste.
      "Ich wäre ein Narr wenn ich mein Leben sinnlos riskieren würde, jetzt, nachdem mir eine mächtige Zauberin erneut mein Herz entflammen lies."
      Es waren nicht einmal nur schöne Worte. Dahinter steckte mehr Wahrheit als er zugeben wollte. Bevor er Renera erneut in sein Leben schließen durfte, wäre er ohne jede Frage ein jeder Gefahr entgegen gelaufen.
    • Renera hätte gern etwas gegen die Ausweglosigkeit der Situation getan, aber sie konnte nichts anderes tun als Aradan zuzustimmen. Sicherlich war er auch schon selbst auf die Idee gekommen, seine Eltern besuchen zu gehen und hatte es sicherlich auch intensiver versucht, als sie in der Spontanität dieses Gesprächs vorgeschlagen hatte. Und was Melora anging, so musste sie nicht zwei Mal darüber nachdenken, wie sonderbar ihre gemeinsame Heimat gewesen war; als hätte man versucht, einen Haufen einflussreicher Personen hinter ein paar Palisaden zu stecken und dann zu sehen, was passieren würde.
      Trotz allem war es schade, ja geradezu traurig, dass die Antworten so nahe liegen könnte und doch unerreichbar waren. Sie lächelte dennoch, als er geendet hatte.
      "Wir werden auf uns aufpassen, Ara. Hör auf, dir alles selbst auftragen zu wollen, du bist jetzt nicht mehr alleine."
      Er zog sie zu einem erneuten Kuss heran, dem sie sich äußerst willig hingab, das Lächeln noch immer auf ihren Lippen. Es beglückte sie jedes Mal, wie richtig es sich anfühlte.
      "Mächtige Zauberin?", schnurrte sie zurück, als sie sich wieder trennten, und lehnte sich an ihn. "Ich wusste ja gar nicht, dass ich so einen Effekt auf dich habe."
      Sie grinste in Anbetracht der offenen Lüge und küsste ihn ein weiteres, ausgiebiges Mal, den kurzen Moment ihrer Ruhe vollständig ausnutzend. Sie hätte sich auch gerne noch weiter mit ihm befasst, hätten sie sich nicht im Herrschersitz von Shegar selbst befunden. Eigentlich hätte auch gerade das äußerst verlockend sein können, aber die Soldatin in Renera schämte sich bereits, dass sie den Gedanken überhaupt aufgegriffen hatte. Also löste sie sich bald wieder von Aradan, ergriff seine Hand und schob sie sich um die Hüfte.
      "Lass uns doch nachsehen, ob das Gasthaus noch steht, bevor die anderen kommen."
      Ihr Lächeln weitete sich zu einem Grinsen aus und sie zwinkerte ihm einladend zu, ehe sie die Tür anstrebte, seine Hand noch immer in ihrer eigenen und auf ihrer Hüfte.
    • "Das Gasthaus?"
      Fragte Aradan deutlich verwirrt. Wie konnte sie in diesem Moment nur das Gasthaus aufsuchen wollen? Dort gab es doch gar nichts mehr. Alle Habseligkeiten wurden in das persönliche Lager des Herzog's gebracht.
      "Warte.."
      Äußerte er noch im ersten Reflex und hielt mit Renera an. Doch dann traf es ihn wie ein Blitz, schlimmer noch als der von Pria.
      Zugleich löste er seine Hand von ihrer Hüfte und lächelte ihr entgegen
      "Lass mich mal etwas versuchen."
      Dann richtete er seine Hände auf eine Kommode neben der großen Tür. Seine Haare färbten sich ebenso wie seine Augen bis die Luft um Aradan herum etwas dicker wurde. Er konzentrierte sich arg und beinahe wirkte sein Blick als wünschte er der Komode den Tod, doch dann knarzte diese. Und nochmal. Kurz darauf begann sie sich sogar zu bewegen. Aradan wirkte als würde er ein Haus anheben und doch war es nur eine Kommode... ohne sie anzufassen. Er hiefte sie minimal über den Boden schwebend auf die Tür zu und erlöste sich schließlich von seiner Anstrengung als die Kommode genau davor war.
      "Puh. Das war tatsächlich schwerer als ich annahm."
      Aradan richtete sich wieder in eine entspannte Haltung auf, lies die Arme hinunter und sah wieder Renera an.
      "Das ist doch der Krankenflügel oder etwa nicht? Ich schätze zusätzlicher Besuch würde mich nun sehr in meiner Ruhe stören. Das wird der Herzog sicher verstehen."
      Dann legte er beide seiner Hände an Renera's Hüften ehe er ihr wieder einen Kuss aufdrückte. Diesen unterbrach er jedoch nicht wie den letzten. Ganz im Gegenteil. Er lies seine Hände von ihren Hüften auf ihren Pobacken gleiten und griff verlangend zu.
    • Anstatt die Ungestörtheit des Gasthauses aufzusuchen, schuf Aradan binnen kürzester Zeit eine eigene Abgeschiedenheit im Krankenzimmer, schneller noch, als er und Renera es vermutlich mit Körperkraft geschafft hätten. Sie grinste über seine Bemerkung, die er so locker von sich gab, als hätte er nicht eben ein paar Sekunden gebraucht, um ihre Aufforderung überhaupt erst zu verstehen. Das war hoffentlich eine Eigenschaft, die er nicht so schnell ablegen würde. Seine Unschuld in manchen Dingen war geradezu erfrischend.
      Sie empfing ihn ein weiteres Mal und gemeinsam gaben sie dem riesigen Krankenbett einen weiteren Nutzen. Diesmal beschwerte die Soldatin in Renera sich nicht ganz so sehr, nachdem sie argumentierte, dass es doch schließlich gesundheitsfördernd war - und nach den Geräuschen zu schließen, die Aradan von sich gab, konnte es sogar gar nichts anderes als das sein.
      Also sorgte sie für die nächsten paar Stunden, dass es ihm außerordentlich gut ging und nachdem die Dämmerung bereits einbrach, blieben sie gleich im selben Bett, um sich die Strapazen der letzten Tage wegzuschlafen. Eigentlich waren sie überhaupt erst in die Stadt gekommen, um sich von den Kreaturen zu erholen, aber von Menschen konnte man wohl auch keinen Frieden erwarten. Also würden sie die Stadt wahrscheinlich wieder verlassen, um sich von den Menschen zu erholen.

      Am Morgengrauen machte sich die Truppe zum Aufbruch bereit. Sie sammelten ihre Sachen zusammen, stockten ihren Proviant am Markt auf und ließen Reneras Wagen begutachten. Elraya verschwand in der Stadt, um nach eigener Aussage etwas zu erledigen, und nachdem Saijah sowieso die meiste Zeit, seit sie wach geworden war, mit Weinen beschäftigt war, musste man sich nicht darum sorgen, sie irgendwo zu verlieren. Schließlich musste man nur noch auf das Anführerpärchen warten.
    • Was anfänglich nur für maximal eine Stunde der wilden Hingabe gedacht war, zog sich länger und länger bis sogar die Dämmerung einbrach. Aradan hätte nicht mal sagen können ob jemand versucht hatte in all der Zeit diesen Raum zu betreten. Vermutlich war es so. Doch waren sie das ein oder andere Mal etwas lauter, wodurch wohl kein Klopfen der Welt hörbar gewesen wäre.
      Wie geplant das Lager zu durchsuchen war also nicht mehr auf dem Tagesplan gewesen und erst am nächsten Morgen fiel Aradan schlagartig auf, dass vor der Tür doch dieser Kerl warten würde um die Zwei ins Lager zu bringen. Kurz weiteten sich seine Augen vor Scham, doch dann grinste er und lachte innerlich um Renera schlafen zu lassen.
      Leise sorgte Aradan dafür die Kommode wieder an ihren vorgesehenen Platz zu befördern ehe der Tag langsam seinen Anfang fand. Das wilde Treiben der Angestellten, die Verpflegung, kurze Absprachen über das nächste Ziel und eine Audienz mit dem Herzog, zu welcher Aradan eingeladen wurde.

      Nach einer knappen Stunde traf Aradan wieder auf und schloss sich der Truppe an, welche bereit für den Aufbruch war.
      "Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat. Ich habe das ein oder Andere mit dem Herzog zu klären gehabt. Aber es wird euch sicher freuen zu hören dass unsere Reise nun etwas leichter wird. Er hat uns allen ein Pferd geschenkt."
      "Hm? Einfach so?"
      Fragte Jarku überrascht
      "Naja.. Ich hatte einen Handel mit ihm abgeschlossen bevor die Sache mit Berek anfing. Dieser wurde nun erfüllt. Ich versprach ihm einen Kryss Kristall wenn er helfen würde unser Hab und Gut wieder zu beschaffen. Alles in allem ging die Verhandlung noch etwas länger aber darum geht es nun nicht. Der Punkt ist dass er die Pferde von sich aus oben drauf gelegt hat. Und obendrein..."
      Er sah Renera an und lächelte
      "... Musst du nicht mehr mit dem klapprigen kleinen Wagen auskommen. Neben den Pferden hat er dir einen Planwagen bauen lassen welcher von zwei Pferden gezogen wird. Groß genug für unsere komplette Ausrüstung."
      Eine gute Stimmung ging durch die Runde bis Aradan seine Hand an die Hüfte stemmte
      "Leider gibt es aber auch eine eher bittere Nachricht. Killiak und Daikata werden vorerst in der Stadt bleiben. Sie werden sich um Saijah kümmern."
      "Mhm. Ich werde mich euch wieder anschließen sobald ich kann, doch denke ich einfach dass Saijah schon genug durch gemacht hat. Ein Leben vor den Mauern wäre einfach zu gefährlich"
      Jarku nickte
      "Macht Sinn. Und warum du? Erzähl mir nicht du willst dich um das Kind kümmern. Das kauf ich dir nicht ab."
      Da folgte auch schon ein hitziges hin und her zwischen den beiden Brüdern, was in dieser Truppe mittlerweile wie ein recht normales Gespräch war.
    • Renera stieß zuerst hinzu, dicht gefolgt von Aradan, der - zumindest etwas - entspannter als am gestrigen Tag wirkte. Es folgte eine kurze Rekapitulation des Gesprächs mit dem Herzog, was - nicht minder zu Reneras Überraschung - darin endete, dass der Herzog Pferde und sogar einen ganzen Wagen gespendet hatte. Kein Schatz der Welt hätte den Wert aufwiegen können, den ein Wagen und zwei Zugpferde boten. Nachdem dann auch noch Kiliak und Daikata zurückblieben, konnten fast alle sogar auf der Ladefläche Platz nehmen - vielleicht mit Ausnahme von Valterri. Das bot nicht nur eine höhere Sicherheit, sie konnten auch viel entspannter reisen und womöglich auch schneller. Alles in allem gab es nur den Nachteil, dass sie zwei Zugpferde zu versorgen hatten, aber schließlich hatten sie jetzt auch die Ladefläche, um die Verpflegung zu verstauen.
      Während sich Jarku und Kiliak in die Haare darüber bekamen, wieso Kiliak nun hierbleiben würde, machte der Rest sich bereits auf, die Sachen zu verstauen. Elraya kam bald zurück, allerdings sah sie missmutig drein und brummte etwas davon, dass die Leiche weggeschafft worden war. Renera war die neue temporäre Mitreisende nicht ganz geheuer; sie mochte die verschlagenen Fuchsaugen nicht, mit denen Elrayas Blick herumhüpfte, als würde sie ständig etwas suchen, was nicht gefunden werden wollte. Erst, als sich ihre Augen auf das kleine Goldsäckchen an Daikatas Hüfte richteten und dort für die nächsten paar Sekunden ruhten, glaubte Renera zu erkennen, wonach sie ständig Ausschau hielt und empfand sie damit als durchaus unsympathischer. Sie trat an Aradan heran und senkte die Stimme.
      "Wieso kommt sie nochmal mit?"
      Elraya stellte sich derweil mit verschränkten Armen auf und beobachtete die beiden Streithähne, als würde sie darauf warten, dass sie sie jeden Augenblick dazu einladen würden, sich an der Auseinandersetzung zu beteiligen. Renera beschloss, dass sie die Frau nicht mochte.

      Sie verließen die Stadt, während Daikata und Kiliak ihnen nachsahen. Der Wagen fuhr sogar angenehmer als die Karre, die Renera sonst hatte und das sorgte nicht minder für ihre Entspannung.
      Sie folgten der Straße nach Westen, der Königsstraße, die ihren Namen von dem Händler hatte, der - bei einer Regierungszeit von bereits über 20 Jahren - regelmäßig nach Shegar kam, um die hoheitlichen Kassen zu füllen. Natürlich war die Gegend sonst leer wie überall anders auch, aber der feste Boden unter den Rädern war eine nützliche Hilfe. Sie hielten sich an die Straße und bezogen ihr Lager am Straßenrand, zwei Mal sogar, ohne jegliche Zwischenfälle. Erst beim dritten Mal waren sie nicht mehr allein auf der Straße.
      Hufgetrappel kündigte die Reiter bereits aus der Entfernung an, ehe sie auch sichtbar wurden, aber das minderte ihren Effekt nicht im geringsten. Fünf waren es, fünf Soldaten in voller Rüstung, die Pferde zweifellos Tiere der Armee mit langen Beinen und riesigen Köpfen. Sie ritten in Formation, ein Reiter an der Spitze und jeweils zwei dahinter, und sie kamen der Gruppe entgegen, ohne langsamer zu werden. Der Anblick faszinierte Renera, aber sie zog sich ihre Decke wie eine Kapuze über und senkte den Kopf, aus Nervosität, als Deserteurin erkannt zu werden. Elraya war über das Auftauchen nicht weniger erfreut, fluchte lauthals und flüchtete in den Wagen hinein, um sich hinter der Kiste zu verstecken. Allerdings war das Glück ihnen nicht hold und die Reiter wurden langsamer, als sie in Hörweite kamen.
      "Stehenbleiben!", donnerte der Anführer und brachte seine Gruppe mit einem Handzeichen schließlich zum stoppen. Aradan und die anderen gehorchten und bald standen sich beide Gruppen gegenüber.
      Der Reiter hatte sein Visier heruntergeklappt, aber es war dennoch deutlich sichtbar, dass er die Truppe betrachtete. Besonders lang schien er Valterri in Augenschein zu nehmen und dann den Wagen, als müsse er sich entscheiden, womit er sich zuerst beschäftigen sollte.
      "Wer seid ihr und was ist euer Ziel? Wir haben gehört, dass es Banditen in der Nähe gibt, die sich für Soldaten ausgeben, wir können daher niemanden ohne eine Kontrolle ziehen lassen. Habt ihr einen Handelsschein oder etwas ähnliches? Was transportiert ihr in dem Wagen?"
    • Alles kam zum Stehen. Das konnte nichts gutes bedeuten. Zumindest war Aradan dessen fest Überzeugt. Teure Soldaten auf ihren Pferden, die schön aussahen aber kaum einen Vorteil gegen einen Läufer Überfall hatten. Solche Soldaten waren in seinen Augen klar auf den Vorteil gegen Menschen ausgerichtet und vermutlich auch trainiert. Es erinnerte ihn immerzu an die Soldaten die einst in Melora einfielen und das Leben so vieler Menschen gekostet hatte.
      Ganz sicher würde er nun auch diesen Soldaten nicht die Füße küssen und legte seine Hand zur Vorsicht auf seinen Schwertgriff, welcher passend an der Seite des Pferdes geschnallt war.
      "Wir sind Reisende. Wir kommen aus der Stadt des Herzog's und sind auf dem Weg nach Vihris. Banditen haben wir auf unserem Weg keine angetroffen."
      Aradan sah sich die Reiter genau an ehe er verwundert den Kopf anhob
      "Sagt mir. Wenn Banditen hier unterwegs sein sollen, welche sich als Soldaten ausgeben... Wer sagt mir dass diese Banditen nicht grade vor mir stehen und ihre List anzuwenden versuchen?"
      Da wies er hinter sich um die Offensichtlichkeit aufzuzeiten, dass sich keiner der Truppe wie ein Soldat gekleidet hatte
      "Wir haben uns zumindest nicht wie Soldaten angezogen. Ebenso brauchen wir keinen Handelsschein, da wir keinen Handel betreiben."
      Aradan bemühte sich nicht herablassend zu werden oder sein Misstrauen zu offen zu zeigen, doch gefiel ihm die Situation in keinster Weise.
    • Die Stimmung beider Seiten wurde gepresster nach der Schroffheit des Soldaten und der Direktheit von Aradan. Da schienen sich wohl zwei gefunden zu haben, die sich keine Sekunde miteinander unterhalten könnten, ohne sich dabei in die Haare zu bekommen, denn der Soldat verschwendete keine Sekunde, ehe er seine provokante Antwort lieferte.
      "Es gibt keinen Grund Neunmalklug zu werden, Fremder. Sollten wir etwa in Zivilkleidung aufmarschieren? Würde es denn einen Sinn machen, den Gesetzlosen die Autorität des königlichen Siegels allein zu überlassen? Beantwortet unsere Fragen und ihr könnt in Frieden weiterziehen, andernfalls werden wir euch zurück zum Herzog begleiten und dann könnt ihr seinen Kerker von innen bestaunen."
      Da legte er selbst die Hand auf seinen Schwertgriff, eine ausfallende Geste, die er extra weiter gestaltete, damit man sie auch bloß sehen konnte. Die Reiter hinter ihm regten sich nicht, allerdings fasste einer die Zügel seines Pferdes enger und ein anderer richtete sich in seinem Sattel ein wenig auf. Die Stimmung unter ihnen war nicht unbedingt angespannt, allerdings schienen sie wohl die unterschwellige Bedrohung ihres Anführers aufzufassen.
      Auf der anderen Seite ritt Renera an Aradan heran und lenkte ihr Tier dicht an seins heran, sodass sie als unbewegliche Mauer standen. Sie hätte nicht sagen können, ob die Reiter tatsächlich Soldaten waren oder Betrüger, allerdings würde sie nicht dabei zusehen, wie sich alle anfingen grundlos abzuschlachten.
      "Lasst uns alle ein wenig entspannen. Wir sind nur auf der Durchreise, im Wagen sind unsere Kleider verstaut und unsere Zelte. Wir haben Kinder dabei, wir würden doch wohl kaum auf einem Streifzug sein mit Kindern bei uns, oder?"
      Sie lugte ein Stück unter ihrer provisorischen Gesichtsbedeckung hervor und lenkte ihr Pferd dann ein Stück rückwärts, um den Reitern zu zeigen, dass sie durchaus nichts zu verstecken hatten. Da regte sich einer der Reiter plötzlich.
      "Warte mal. Du."
      Es war eine Frau, versteckt unter dem heruntergeklappten Visier. Der Anführer wandte ihr das Gesicht zu, schien etwas sagen zu wollen, blieb doch stumm. Die Reiterin trieb ihr Pferd ein Stück an, bis sie mit ihm auf einer Höhe war. Es war ihm nicht anzusehen, was er von dieser Aktion hielt.
      "Du, mit der Decke. Sieh mich an."
      Renera bereute sofort, sich überhaupt geregt zu haben. Sie spürte Panik in sich aufrollen, die Panik entdeckt worden zu sein, etwas, was sie schon seit Jahren aus dem Weg zu gehen versuchte. Sie dachte mit ziemlicher Gewissheit, dass der Moment eingetroffen war, dass irgendjemand ihr Gesicht erkannte, vielleicht eine alte Freundin, eine Soldatin aus ihrer Einheit sogar, es war zwar beinahe unmöglich, aber in dem Moment der Panik dachte sie gar nicht erst darüber nach. Sie verharrte unbeweglich auf ihrem Pferd und hoffte, dass die Soldatin ihr Interesse verlor.
      "Sieh mich an. Jetzt."
      Da drehte sie sich doch zögerlich um und hob den Kopf ein wenig.
      Die Soldatin gab einen höchst unprofessionellen und irgendwie kindischen Aufschrei von sich.
      "RENERA?!"
      Und riss sich dann den Helm vom Kopf.



      Ellaya Elquin war ein Stück größer als Renera aber hatte das kindliche, fast unschuldige Erscheinungsbild von damals nie ganz aufgegeben. Sie war, genau wie Renera, schlank gebaut mit langen Beinen, allerdings wirkte sie bei ihrer Größe eher dürr als nur schlank. Ihre Augen hatten dafür eine umso lebendigere Ausstrahlung.
      "Ella?!"
      Reneras Decke fiel in ihrer Überraschung zu Boden und Ella sprang bereits mit einem breiten Grinsen, das ihr bis zu den Ohren zu gehen schien, von ihrem Pferd hinab, bevor sie mit scheppernder Rüstung auf Renera zulief. Neben ihr schien der Anführer der Truppe nicht ganz so begeistert von dieser Entdeckung zu sein.
      "Wer? Du kennst sie?"
      "Das ist meine Schwester!"
      Und dann stellte er die einzige Frage, die man in dieser Situation nur stellen konnte, wenn man sich mit dem Thema auseinandergesetzt hatte:
      "Welche?"
      Aber eine Antwort erhielt er nicht. Renera sprang ebenfalls ab, nachdem sie ihre anfängliche Überraschung endlich überwunden hatte, und neben Aradan fielen sich die beiden Schwestern in die Arme. Ellas Rüstung klapperte lautstark und ihre Armeschienen verschlangen die kleinere Renera fast, aber das störte sie nicht eine Sekunde. Sie grinste sogar selbst, wenn nicht so überschwänglich wie Ella.
      "Du hier?! Das gibt's ja gar nicht! Ich dachte du bist in Ashkenia!"
      "Und ich hätte nie gedacht, dich hier im Nirgendwo zu treffen!"
      Sie trennten sich nach einem Moment wieder.
      "Bist du etwa nicht mehr in der Kavallerie?"
      Ella lachte. Es war ein herzliches, glockenhelles Lachen, das gut zu ihrer kindlichen Seite zu passen schien.
      "Natürlich! Hast du nicht mein Pferd gesehen?"
      Sie machte eine Geste zu ihrem Reittier und da fiel Renera auf, dass sie nicht alleine waren. Sie grinste ein wenig breiter.
      "Du wirst nicht glauben, wen ich hier bei mir habe."
      Und nachdem sie Ella Aradan ein weiteres Mal vorstellte, schien diese es tatsächlich nicht zu glauben.
      "Aradan?! Nein! Wir dachten du wärst tot!"
      Sie machte riesige Augen und lachte dann ein weiteres Mal. Renera ließ sich von ihrer Stimmung ein wenig anstecken.
      "Das müssen wir richtig feiern! Lasst uns unser Lager zusammen aufschlagen, wir können euch morgen ein Stück begleiten. Nicht wahr, Ceryn?"
      Der Anführer namens Ceryn gab nur ein schlecht gelauntes Brummen von sich.
      "Meinetwegen."
    • "Neunmalklug?"
      Dieses mal wirkte Aradan tatsächlich überrascht. Darüber wie plump und schnell reizbar dieser augenscheinliche Anführer war. Ein wahrhafter Anführer hätte Aradan's Einwand verstanden und die Lage wohl besser eingeschätzt statt das Visier vor einem Gespräch hinunter zu klappen, was jedem erschwerte die Person zu erkennen.
      "Ob es Sinn machen würde? Wenn ihr so erpicht seid sinnig zu handeln. Warum ..."
      Da unterbrach Renera ihn auch schon. Vermutlich war das gar kein so schlechter Zug. Sie gab ihm mit ihrem Auftreten alleine schon so viele Worte mit, dass er direkt inne hielt und seiner besseren Hälfte den Vortritt lies, auch wenn er stets sein wachsames Auge auf die Hände des Soldaten lies.
      Doch dann wurde die Lage immer brenzlicher. Eine Soldatin aus dem Gefolge muckte auf und forderte Renera schroff auf. Das gefiel Aradan ganz und gar nicht. Alles in ihm brüllte Renera ein Schild zu bieten, was er dann auch langsam ausführte indem er sein Pferd langsam vor dem vor Renera abstellte, nun klar sichtbar mit der Hand an seinem Schwert zur fremden Truppe hin.

      Was sich dann aber nach all der Sorge entpuppte, war wohl überraschender als die mysteriösen neuen Versionen der Monster. Sah er da grade tatsächlich zwei Schwestern die sich nach langer Zeit begrüßten? Mehr noch.. Sah er da grade tatsächlich Ellaya?! Eine weitere Person aus Melora? Wie konnte das sein? Dieses Land war so groß und schon traf er eine weitere Person an?

      Noch vollkommen verblüfft hob er wieder seinen Kopf an als würde er misstrauisch auf Ellaya hinunter blicken. Als sei sie ein Trugbild der anderen Welt, doch sah Renera einfach zu glücklich aus. Das konnte kein Trugbild sein. Ihm blieb nichts anderes übrig als den Zweifel mit seinen eigenen Augen zu bekämpfen indem er vom Pferd abstieg, sein Schwert vom Gurt entfernte um es auf dem Weg zu Ellaya mit sich zu tragen. Erst als er genau vor ihr stand hatte er sich auch eingestanden, dass sie kein Trugbild sein konnte. Diese Augen würde er unter tausenden wieder erkennen, genau so wie er Renera sofort wieder erkannte.
      Nur wusste er nach wie vor nicht ob noch eine Gefahr drohte, also blieb er der Lage entsprechend noch etwas neutral und nickte Ellaya zu.
      "Das scheinen viele geglaubt zu haben. Ich habe auch nicht geglaubt dass noch so viele aus...."
      Er sah misstrauisch zu den anderen Soldaten und verblieb mit seinem Blick bei denen
      "... unserem Dorf überlebt haben."
      Vor allem dem führendem Soldaten warf Aradan sein Misstrauen entgegen bis er sich wieder Renera's Schwester zu wandte
      "Sag. Kann man denen vertrauen?"
      Wenn Ellaya die Vergangenheit genau so erlebt hatte wie Aradan, hätte sie seine Anspannung wohl verstehen können.
    • Entgegen Renera war Aradan befangener im Wiedersehen mit Ellaya, was wohl nachvollziehbar war, nachdem der Kontakt der beiden eher auf einseitigem Interesse beruht hatte. Die ganze Situation schien Renera mit einem Mal irrsinnig: Die Erinnerung an die gemeinsame Zeit zu dritt in ihrer Kindheit, Ellayas so kindliches Interesse an Aradan, ihr Wiedersehen auf einer verlassenen Straße inmitten von Shegar. Merkwürdiger hätte es gar nicht kommen können, aber das dämmte ihre Stimmung nicht. Sie hatte ihre Schwester seit 12 Jahren schon nicht mehr gesehen, da durfte ihr ruhig der ganze Rest egal sein.
      Ellaya schien das noch weniger auszumachen. Sie lachte fröhlich in Aradans Gesicht.
      "Wenn du wüsstest! Unsere ganze Bagage hat überlebt und noch mehr. Wilk ist zwar tot, Momo ist tot, der Hauptmann ist tot, aber sie hätten sich nicht so gedankenlos geopfert, wenn es nicht etwas gebracht hätte."
      Sie zwinkerte Aradan zu und drehte sich dann kurz in seine angedeutete Richtung, wo Ceryn gerade von seinem Pferd absattelte und sich das Visier hochschob. Er war schätzungsweise Mitte 40, hatte einen wirren, kurzen Bart und zwei gänzlich genervt wirkende Augen. Die anderen der Truppe folgten seinem Beispiel: zwei weitere Frauen und ein Mann.
      "Die? Ach, klar. Ceryn ist normalerweise auch nicht so schlecht drauf. Ich schätze, ihm tut nur der Arsch vom vielen Reiten weh, oder, Ceryn?"
      Ceryn griff die Zügel seines Pferdes, auch das von Ellaya, und führte es dann zu ihnen. Er kam wortlos neben den dreien zum Stehen, blickte einmal finster in die Runde und brummte dann:
      "Was? Macht ihr jetzt weiter Familientreffen oder schlagen wir ein Lager auf?"
      Und zog weiter in Richtung Straßenrand. Ellaya drehte sich mit erhobenen Augenbrauen zu Aradan zurück, wie um zu sagen: Siehst du? Bevor sie allerdings tatsächlich etwas sagen konnte, kam eine der anderen Soldatin auch bei ihnen vorbei und musterte Renera kurz.
      "Du solltest auch in die Armee kommen. Wir haben noch Platz in der Kavallerie."
      Renera schenkte ihr ein lustloses Lächeln.
      "Nein, danke."
      Da wandte Ellaya sich lieber ihr zu und vermutete, was sich eher wie eine Feststellung anhörte:
      "Dann hast du dein Kopfgeld endlich bezahlt? Wird ja auch mal Zeit."
      Und Renera hätte sie fast angefallen und ihr den Mund zugehalten.
      "Pst! Nein, hab' ich nicht."
      "Nicht? Solltest du mal. Ist ganz leicht heutzutage. Wird teilweise nichtmal mehr richtig überprüft."
      Ihr Blick wanderte wieder zu Aradan zurück und dann schlug sie in die eisernen Hände.
      "Genug geplaudert! Wir haben ein Lager aufzuschlagen!"
      Sie setzte sich in Bewegung, um Ceryn zu folgen und Renera hätte nicht schneller sein können um sich an ihr dranzuhängen, jede Sekunde des Wiedersehens mit der einzig wirklichen Schwester, die sie hatte, ausnutzend.

      Sie versammelten sich um das Feuer am Straßenrand und die Zwillinge verteilten ihr berüchtigtes Essen. Ähnlich wie die Zwillinge waren auch die Elquin-Schwestern nicht mehr auseinander zu bringen: Sie klebten förmlich aneinander, hauptsächlich Renera, bei der man meinen könnte, dass sie eigentlich die kleine Schwester wäre. Auf die paar Andeutungen, die Ellaya bezüglich ihrer Karriere in der Armee machte, reagierte Renera mit einem solchen Überquellen an Stolz, dass sie so aussah, als sei sie kurz davor, sich Ellaya an den Hals zu werfen. Die Soldatin schien dafür ihre eigene Ehrfurcht gegenüber Renera zu haben: Gänzlich ohne Rüstung war sie doch um einiges dünner als Renera und wies kaum denselben, durchtrainierten Körper auf wie sie. Ihr Blick wanderte stets, sobald Renera wegsah, zu ihren Schwertern hinab oder zu ihren Armen oder zu ihrer Hüfte, hauptsache sie fand etwas, das sie zu faszinieren schien. Erst beim Essen schien sie wohl genug gesehen zu haben, um sich Aradan zuzuwenden, den sie zwar mit dem gleichen Interesse, aber nicht der gleichen familiären Liebe betrachtete. Ihr Blick versprühte beinahe dieselbe kindliche Faszination wie Khil sie versprühte, allerdings nicht gänzlich mit derselben Intensität.
      "Wieso bist du überhaupt wieder im Lande? Jetzt stolper ich nicht nur über meine Schwester, sondern auch noch über eine lebendige Leiche! Als ob ein Wunder schon nicht genug ist!"
      Sie schlang den Arm um Reneras Schulter, drückte sie und Renera ließ es sich zufrieden gefallen.
    • Die Familie Elquin. Meister darin emotionale Bomben hoch gehen zu lassen. Einfach so und scheinbar unbekümmert bestätigte Ellaya die Tode vieler Personen des Dorfes, welche seit dem Wiedersehen mit Renera doch wieder ein kleines Glimmen der Hoffnung erlangt hatten, lebendig aufgefunden zu werden. Nun. Diese Hoffnung wurde nun ausgetreten. Schwer seufzend blickte Aradan hinab als einige Personen los gingen um das Lager aufzubauen, da ertönte die Stimme von Jarku, welcher neben dem Karren wenige Meter hinter Aradan auf seinem Pferd wartete.
      "Hey Aradan! Soll ich die Giftbomben jetzt werfen oder sind die Leute in Ordnung?!"
      Direkt blickte Aradan zurück als hätte der Satz einen Krieg ausbrechen können
      "Keine Bomben! Steck sie weg!"
      "Alles klar. Ich dachte nur dass die Renera verschleppen wollen. Du weißt schon. Wegen ihrem Kopfg...."
      "RUHE JARKU !!! Steig ab und hilf beim Aufbau des Lagers."

      Und schon folgte der gemeinsame Aufbau. Alle packten mit an. Außer Ceryn und Aradan. Wenn sich diese zu nahe kamen, ignorierten sie die Aufgabe und widmeten sich einer Anderen.
      Dennoch stand das Lager ziemlich schnell und auch das Essen wurde promt serviert, was wohl daran lag dass das Feuer zuerst entfacht wurde und die Zwillinge sich dem Kochen immer mehr widmeten als dem Aufbau.

      Aradan erfreute sich, seit alles stand und alle beim Essen waren, daran, dass Renera so freudig ihre Zeit mit ihrer Schwester verbrachte. Sich einer fremden Gruppe zugehörig fühlen, war jedoch noch nie leicht für ihn, also stand er zwei gute Meter abseits des eigentlichen Kreises mit verschränkten Armen und dem Blick gen dämmernden Himmels, sein Schwert dabei mittlerweile an seinem Gürtel befestigt.
      Erst als Ellaya ihn ansprach, blickte er zu ihr, lies keine Emotion durchringen und versuchte sich im Gespräch mit ihr abzuschotten, damit die Erinnerungen an vergangenen Zeiten nicht wieder so direkt eintreffen konnten wie vor wenigen Minuten.
      "Das ist ziemlich leicht zu erklären. Ich habe in den Gossen der Königsstadt gelebt bis mich ein Kapitän der See aufgenommen hat. Seither habe ich in fernen Ländern meine Erfahrung sammeln dürfen. Nun war jedoch die Zeit gekommen um zurück zu kehren. Verzeih mir wenn ich all den fremden Gesichtern nicht traue aber die Gründe meiner Rückkehr geht nicht jeden etwas an."
      In dem Moment trat Valteri an Aradan ran. Er stellte sich neben ihn und wuchtete wieder den Stiel seiner Axt auf den Boden vor sich um seine Arme auf dem anderen Ende ruhen zu lassen. Neben ihm wirkte Aradan wie ein kleines Kind und dennoch wie ein Großkönig in Anbetracht dessen dass ein solcher Riese auf den Anweisungen Aradan's hörte.
      Jarku blieb in der Zeit auf der Plane des Wagens. Er lag darauf und betrachtete nachdenklich die Sterne. Ein Zug der ihm so gar nicht üblich war. Es war wohl der Abwesenheit seines Bruders zu schulden.
      Nur die Zwillinge verhielten sich freudig kochend und servierend wie immer.
    • So unbeholfen, wie Aradan in dieser Situation wirkte, hätte man glatt denken können, dass sie tatsächlich wieder jung waren. Renera lächelte ihm zu, machte aber keine Anstalten, Ellayas Seite zu verlassen.
      "Du im Ausland? Das passt ja gar nicht. Ich hätte mir vorstellen können, dass du in die Armee gehst oder sowas. Du warst doch so ein guter Schütze, oder etwa nicht? Du hättest es bestimmt weit bringen können."
      Da hakte Renera sich ein, die das Thema nicht in eine Richtung abgleiten lassen wollte, von der sie wusste, dass sie Aradan nicht mehr gefiel.
      "Nicht jeder möchte in die Armee gehen, Ella. Außerdem passen die beiden doch gut zusammen, oder nicht?"
      Sie nickte zu Valterri, der sich neben Aradan gesellte und für Renera schon ein vollständiges Bild bot. Ellaya musste sich an den Anblick wohl noch gewöhnen, denn sie starrte ihn noch immer recht offenherzig an.
      "Er würde auch in die Armee passen. Würden sie beide."
      "Ella!"
      "Ja, schau dir doch seine Größe an! Ihn würde man an die Front stellen und dann würde keiner überhaupt einen Angriff wagen, wenn er ihn sieht."
      Renera war zwar auch nicht unbedingt in der Stimmung dazu über die Armee zu reden, aber sie war über dieses Wiedersehen so glücklich, dass es ihr gänzlich egal war, was für einen Schwachsinn Ellaya von sich gab. Also wandte sich die Unterhaltung gleich wieder von den Männern weg und die beiden Schwestern hatten wieder die Köpfe zusammengesteckt, lachten, als wären sie Teenager und redeten über was auch immer ihnen in den Sinn kam.

      Valterris Auftreten lockte dafür Ceryn an, der sich - gestärkt von dem Essen - von der Seite näherte. Er hielt deutlichen Abstand zu Aradan, sah ihn noch nichtmal an, musste sich aber dennoch in seine Nähe begeben, um Valterri anzureden.
      "Das ist eine wirklich beachtliche Waffe."
      Seine Stimmlage glich größtenteils einem Brummen, aber bei der Frage wirkte er ein wenig lebhafter.
      "Aber die muss doch schwer sein, bei den großen Klingenblättern. Ist sie überhaupt im Kampf nutzbar?"

      Bei dem Wagen wackelte die Plane mit Jarku darauf ein wenig und kurz darauf steckte Elraya ihren roten Kopf vom Rand hervor. Sie sah Jarku, zögerte und hievte sich dann nach oben.
      "Mach mal Platz, Flacharsch."
      Sie kletterte neben ihn, in einer Hand eine Schüssel Essen balancierend, musterte ihn kritisch und aß dann schmatzend.
      "Wieso biste nicht beim Feuer? Vermisst du deinen Freund, den Alchemistenmann?"
    • Aradan und Valteri betrachteten den inneren Kreis am Feuer. Ersterer hätte so manche Male etwas zu den flüsternden Gesprächen der Schwestern sagen können, doch genoss er einfach diesen erfüllten Blick Renera's viel mehr als das Verlangen das ein oder Andere klar zu stellen.
      Davon abgesehen richtete sich seine Aufmerksamkeit ohnehin wieder diesem Kerl der sich nun von der Seite anzuschleichen versuchte. Was war das bloß für ein Typ? Das war wohl eine Frage, die sich Valteri annehmen musste, als er nach seiner Waffe gefragt wurde.
      Dieser sah nur an seiner Schulter hinab auf den Soldaten. Immerzu wunderte er sich wie die Menschen in diesen Ländern tickten. Er wirkte in einfach jeder Stadt und unter jeder kleinen Gruppe wie ein bunter Läufer. War es hier also wirklich so verwunderlich einen starken großen Mann aus dem norden zu sehen?
      Gerne hätte er dem Soldaten eine ruhige und gegliederte Antwort auf seine Frage gegeben, doch entschied er sich nach der schroffen Begegnung mit Aradan eher für die direkte Antwort indem er seinen Axtgriff mit einer Hand packte und seine Axt mit seiner geballten Kraft dem Hals des Soldaten entgegen wuchtete. Knappe 10 Zentimeter stoppte die scharfe Schneide vor dem Hals des Soldaten als hätte sie eine unsichtbare Wand getroffen, was deutlich machte wie einsatzfähig sie im Kampf war.
      "Ist gut geschmiedet. Gut ausbalanciert. Nimm."
      Kaum breitete der Soldat die Arme auch nur andeutend aus, lies Valteri seine Axt fallen, welche gut und gerne so viel wog wie ein ganzer Mann.

      Auf dem Wagen begegnete Jarku der Gesellschaft dessen neues Mitglieds. Die rothaarige Meuchelmörderin, welche Jarku selbst zuvor noch gefolgert hatte.
      "Ah. Hey. Wie sich doch das Schicksal ändern kann oder?"
      Meinte er ruhig und doch mit leichter Überraschung begleitet, dass sich Elraya entschied sich zu ihm zu gesellen, bei all den Leuten die eine Alternative boten.
      "Der Alchemist? Daikata? Ach. Der kommt sicher wieder. Ich denke viel mehr über meinen Bruder nach. Nie zuvor hat er es geschafft sich von meinem Rockzipfel zu trennen. Hat mich kalt erwischt dass er nun doch weg bleiben will. Ich hoffe nur dass er nicht einem Ekel wie diesem Berek in die Hände fällt. Verstehst du?"
    • Ceryn zuckte deutlich zusammen, als Valterri die Axt auf ihn zuschoss, was ganz offensichtlich an seiner Würde kratzte. Er bemühte sich sogleich sich nichts anmerken zu lassen und den Ausfall runterzuspielen, indem er sich ein wenig aufrichtete und an seinen Ärmeln herumzupfte, aber als Valterri ihm dann auch noch die Axt überließ, war es um das letzte bisschen Würde geschehen. Er fiel vornüber auf den Boden, schlug sich die Nase auf und wand sich dort für einen Moment, um seine Hände unter der Axt herauszubekommen. Dann stand er auch schon wieder, wischte sich beiläufig das Blut von der Nase und betrachtete Aradan und Valterri mit finsteren Blicken, als würde er sie dafür verantwortlich machen. Und schließlich begann er den Fehler, die Axt wieder aufheben zu wollen.
      "Uff. Verdammt."
      Er stellte sich ein bisschen an den Griff richtig zu greifen, ehe er sie endlich hochhievte und vor sich aufstellte. Eine Kiste dieses Gewichts zu heben wäre kein Problem gewesen, aber eine Axt, die man dann auch noch schwingen sollte, war eine andere Sache. Zumindest schien er aus seinen bisherigen Fehlern gelernt zu haben und versuchte es erst gar nicht.
      "Das ist eine schöne Waffe. Wirklich schön. Ich bin mir sicher, du hast genug Übung damit."
      Er wollte sie unbeholfen zurück reichen, indem er sie Valterri entgegen neigte.
      "Hast du Interesse an einer Karriere in der Armee? Wir könnten Männer wie dich gebrauchen."

      Elraya musterte Jarku vor sich, wie sie andere Männer musterte, um sich zu entscheiden, ob sie mit ihnen ins Bett gehen sollte, aber Jarku war ihr einfach immer noch zu dünn. Das wäre ja langweilig. Also machte sie ausnahmsweise keine Anstalten, ihn ins Bett zu bekommen und redete stattdessen nur. Wie sich doch das Schicksal tatsächlich ändern konnte.
      "Dein Bruder? Der mit der scheiß Laune? Ach."
      Sie puhlte für einen Moment zwischen ihren Zähnen.
      "Leute wie Berek suchen sich nur Leute, die gefährlich sind und solange dein Bruder sich nicht freiwillig dazu meldet ein paar Kopfgelder zu jagen, wird er wohl kaum auffallen. Du solltest dir lieber Gedanken darüber machen, dass er sich nicht Herpes oder sowas einfängt, bei den ganzen Huren in der Stadt."
      Sie grinste.
      "Pria kann dir das bestätigen."
      Bei dem Namen huschte der Hauch einer Emotion über ihr Gesicht, aber er war sofort wieder weg. Sie schaufelte sich einen neuen Löffel in den Mund und beeilte sich zu sagen:
      "Sie war keine Hure, aber sie kannte eine Menge. Die meisten haben eeecht fiese Krankheiten da unten. So mit Ausschlag und mit Eiter und sowas. Richtig widerlich."
      Sie schmatzte regelmäßig beim Kauen, als ob es ihr Spaß machen würde.
      "Aber dein Alchemistenmann hat bestimmt ein Gegenmittel für sowas. Der passt schon auf ihn auf."
      Sie sah sich nach der Gruppe um, musterte Valterri für einen Augenblick und aß dann schweigend auf. Schließlich wischte sie sich mit dem Handrücken über den Mund und betrachtete Jarku wieder.
      "... Denkst du etwa immer noch über deinen Bruder nach? Bist du verliebt oder was? Ihr passt nicht zusammen, da stimmt das Größenverhältnis nicht. Soll ich dir was von den Soldaten klauen? Die haben bestimmt schöne Waffen, bringt dich vielleicht auf andere Gedanken."
    • Valteri sah den Mann zu Boden fallen und wie schwer er sich daraufhin mit der Axt tat. Dennoch drehte er nicht durch oder fing an laut zu werden. Ganz im Gegenteil sogar. Er bot ihm auch noch einen Job in der Armee an. Ein interessanter Mensch. Valteri hätte angenommen dass wohl alle in der Armee von falscher Würde zerfressen sind, nach alle dem was Aradan ihm darüber erzählt und was Valteri selbst in den Ländern gesehen hatte. Er respektierte dieses Verhalten und nahm seine Axt nickend wieder an und klopfte dem Mann auf die Schulter.
      "Aradan's Befehl. Der Einzige dem ich Folge. Armee in diesen Ländern ist kein Ort für mich. Zu viele Geschichten über böse Männer mit Macht aber danke für das Angebot."
      Aradan hörte zu. Dieser Soldat der mit Ellaya unterwegs war und ihn so grob kontrollieren wollte, musste selbstverständlich nur seinen Job ausüben, doch behielt sich Aradan seiner Meinung, dass es genau so gut die Banditen selbst hätten sein können. Sogar noch immer sein können und nur darauf warten bis alle schliefen, wer weiß. Er fühlte sich wie immer in der Verantwortung für das Wohl aller zu sorgen, auch wenn Renera's Worte ihm neuerdings dabei nach hallten.
      Dabei fiel ihm auf, dass seine Gedanken sich schon wieder nur um das Wohl und der Hilflosigkeit drehten. Warum konnte er nicht einfach an etwas anderes denken sobald diese Gedanken auftauchten? Schnell bereitete es ihm Kopfschmerzen, gefolgt von dem Verlangen stärker werden zu müssen. So lange hatte er mit Anniera trainiert und konnte nicht mal den Blitz von Pria in sich halten, geschweige denn bei Bewusstsein bleiben. Das war lächerlich. Er war ein lebendiger Katalysator und war nicht in der Lage auch nur eine Person zu retten, vor Magie... Es hätte ihm ein leichtes sein sollen mit einer Magierin an seiner Seite ganze Armeen nieder zu schlagen.
      Es ging immer weiter. Die nächsten Bilder rauschten durch seinen Kopf. Beide Vorfälle mit Minerva. Die Zeit mit dem Baron und das Abschlachten unschuldiger.
      Valteri bemerkte wie Aradan neben ihm leicht zu schwanken begann und trotz angenehm kühler Nacht schwitzte als würde die Sonne erbarmungslos wüten. Vorsichtig berührte Valteri dessen Arm und rüttelte ihn leicht
      "Aradan. Alles in Ordnung?"
      Sofort riss es Aradan wieder ins hier und jetzt. Er atmete etwas schneller und wischte sich den Schweiß weg ehe er sich wieder gefangen hatte und Valteri entgegen nickte
      "Ja geht schon, danke Valteri. Das muss die Müdigkeit sein, nichts weiter. Hab letzte Nacht nicht besonders viel geschlafen"
      Es brauchte nicht viel um Valteri ruhig zu stimmen. Er war nicht besonders gut darin eine schlechte Lüge von Aradan zu erspähen da er ihm alles glaubte, oder zumindest nie widersprach.
      "Falls mich jemand sucht, ich bin dort drüben"
      Aradan wies auf den Rand des Lagers, etwa 15-20 Meter davon weg hin. Dort ragten viele Felsen aus dem Boden und boten dem Lager Schutz vor Wind. Einige der Felsen waren Spitz und gute 5 Meter hoch. Andere waren kleiner und leicht zu überwinden. Doch einer davon hatte Aradan schon bei der Ankunft gefallen. Ein riesen Felsen, schön glatt mit genügend Platz auf dessen Oberfläche um ein kleines Zelt darauf zu errichten. Um darauf zu kommen sprang Aradan von einem kleinen Felsen auf den nächst höheren bis er den knapp 3 Meter hohen Brocken erklommen hatte.
      Dort setzte er sich mittig mit gekreuzten Beinen hin und legte sein Schwert neben sich ab. Mit dem Rücken zum Lager blickte er in die dunkle Ferne, welche vom Mondlicht leicht erhellt wurde. Ein schöner, beruhigender Anblick.
      Ruhig genug um einen kleinen Ausflug zu wagen. Wie er Renera versprochen hatte, würde er dabei jede Vorsicht walten lassen.
      Keine 5 Sekunden danach fand er sich schon im Zwielicht wieder. Da wurde ihm schnell klar warum er seine negativen Gedanken nicht so leicht von sich halten konnte. Die Anzahl an Geistern hatte sich wieder ganz schön erhöht. Die Zeit mit Renera hatte ihn wohl ziemlich abgelenkt. Also wurde es höchste Zeit den Schutzwall zu stärken um die Geister von 20 Metern Entfernung auf gute 100 zu erweitern. Das sorgte direkt für eine deutlich ruhigere Welt. Auch wenn die gequälten Schreie nach wie vor hörbar waren. Trotzdem bot es sich nun an sich in aller Ruhe umzusehen. Keine Minerva. Nur Windstille graue Bäume und karges Land in der Ferne.
      Ob er es versuchen sollte? Eine Gefahr sah Aradan zumindest nicht darin. Immerhin hatte er in dieser Welt deutlich mehr Macht als in Seiner. Also hob er leicht seinen Kopf und sprach
      "..Urudin? Kannst du mich hören?"
      Schon zuvor hatte dieses Wesen keine Probleme damit gehabt sich innerhalb seiner Schutzkuppel zu manifestieren. Es war zumindest den Versuch wert.


      "Hast du grade wirklich versucht mich aufzumuntern?"
      Meinte Jarku mit einem Schmunzeln. Er hätte tatsächlich niemals geglaubt diese Frau dabei zu erleben einfühlsam zu sein. Sie hatte zwar ihre ganz eigene Art dabei, doch hätte er allemal ein genervtes Meckern erwartet und nicht dass sie Leute zu beklauen anbot damit er sich besser fühlt.
      Also richtete er sich auf und sah das neue Mitglied der Truppe an und meinte doch etwas aufgemuntert durch diese Überraschung
      "Du bist echt schon ne komplizierte Frau oder? Hätte dir im Leben nicht zugetraut dass du dich auch um Andere kümmerst. Ich meine.. Die Bildliche Vorstellung was manche der Frauen dort unten haben hat mir zwar für den Rest des Abends den Appetit genommen, doch.. danke ich dir für das Gespräch. Nur musst du dir in unserer Truppe angewöhnen niemanden zu beklauen. Ist das okay für dich? Wir sind nicht wie Berek. Hier heißt es nicht dass jeder für sich selbst kämpfen muss. Hier kämpfen wir alle für einander. Wenn du etwas haben möchtest, dann kaufst du es dir. Hast du nicht genug in deiner Börse, frag einen von uns. Oder wenn es dir schlecht geht. Sprich uns an. Ich kann mir vorstellen dass es nicht leicht ist aus einer Gruppe von Berek zu unserer zu wechseln und direkt die Lebenseinstellung umzustellen aber ich bin mir sicher dass Aradan das ebenso bedacht hat."
      Kurz betrachtete er Elraya wie sie schmatzend ihr Essen genoss bis er sich ebenso entschlossen hatte ihr den Selben gefallen zu tun.
      "Wie geht es dir denn bisher bei uns? Keine Mauern um dich und der Verlust deines Bruders. Kommst du damit klar oder gibt es etwas worüber du reden möchtest?"
    • Aradans Abgang ging unkommentiert von dannen, nur Ceryn musterte ihn argwöhnisch, nachdem er seinen Aussetzer beobachtet hatte. Er versuchte im Anschluss Valterri in ein Gespräch zu verwickeln, mit dem er ihn vielleicht doch dazu überzeugen konnte, der Armee beizutreten.
      Im Zwielicht blieb es für sehr lange Zeit sehr still, bevor sich knapp zwei Meter vor Aradan die Luft verdünnte und dann in dem bereits bekannten Flimmern zu knistern schien. Die Realität verzerrt sich in der Luft an der Stelle und waberte unregelmäßig herum, dann erklang Urudins Stimme wie aus weiter Ferne.
      "Ich kenne… den Namen."
      Es folgte eine Pause, in der Urudin - hätte er einen Körper besessen - sicherlich in die Luft gestarrt und abgedriftet wäre, dann sprach er erneut.
      "Hast du es gefunden? Hast du es? Du warst so lange fort, so lange. Lange genug, damit der Sand zerrinnt, ich war und dachte und es war, dass du nicht wieder kommst, das war sicher, es war, verstehst du?"
      Es folgte ein kurzer Laut, der sich anhörte, als würde er kurz lachen, oder aber auch weinen. Die Luft flirrte weiter und machte keine Anstalten, seine Gestalt zu enthüllen.

      Elraya kniff die Augen zusammen.
      "Hä? Ne hab ich nicht."
      Sie funkelte Jarku drohend an.
      "Komm bloß nicht auf die Idee, dass ich so einen Scheiß mach. Mach ich nicht, uh-uh."
      Sie musterte ihn weiterhin mit dem stechenden Blick einer Raubkatze und lauschte seinen Worten, ohne sich zu regen. Niemanden beklauen? Und wie sollte sie sonst an ihr Gold kommen? Als ob sie ihm glauben sollte, dass sie einfach etwas bekommen würde, ohne dafür etwas zu tun, das war ja Schwachsinn. Wahrscheinlich wollte er sie nur auf die Probe stellen oder sowas.
      Sie sparte sich eine Bemerkung, nachdem sie gar nicht herausfinden wollte, was sonst von einem in dieser Gruppe verlangt wurde, wenn man etwas haben wollte. Sie würde einfach nie fragen, so einfach war das. Und solange diese beiden Mädchen dumm genug waren, ihr das Essen kostenlos zu überlassen, würde sie sich auch nicht beschweren.
      "Sicher. Mach ich."
      Sie leckte sich einen Krümel vom Finger und zuckte mit den Schultern.
      "Ihr seid 'n komischer Haufen, aber alles ist besser als Berek, schätze ich. Lodoz hätt' das hier nicht mitgemacht, der hätte sich eher mit Berek angelegt als den ganzen Tag nur durch die Pampa zu marschieren. Das ist so ätzend langweilig. Tut ihr das etwa den ganzen Tag, wochenlang? Einfach vom einen Baum zum nächsten und dann freut ihr euch, wenn ihr zur Abwechslung ein paar Steine seht? Das ist ja langweilig. Mir ist so langweilig."
      Sie ließ die Schultern hängen, als wäre das tatsächlich ein Grund zur Trauer und nicht etwa das zurückgelassene Zuhause, der tote Bruder, die tote Freundin. Elraya war nie besonders angetan, Wörter zu benutzen, um ihre Gefühle auszudrücken, also erwähnte sie Lodoz noch nichtmal. Allerdings erinnerte es sie an etwas.
      "Oh, du hast dir nicht zufällig Lodoz' Messer genommen? Ich wollt's mir holen, aber Berek hat schon die Leiche entfernen lassen."
      Sie drehte den Kopf zur Seite und spuckte auf den Boden hinab, als wolle sie das Unglück abwenden, das sein Name heraufbeschwor.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren ()

    • Gerade als Aradan nach einigen Minuten das Zwielicht verlassen wollte, machte sich doch die gerufene Person auf. Gefolgt von wirren Worten. Beinahe hatte Aradan es schon wieder vergessen wie schwer es war sich mit dieser Person zu unterhalten. Wenn er je etwas von diesem Urdin erfahren wollte, musste er zu aller erst mal schaffen diesem Kerl einen Körper und einen klareren Verstand einzubläuen. Nur wie sollte er das tun?
      Im ersten Moment versuchte er seine Hand auf das Wabern in der Luft zu richten und sich dabei arg zu konzentrieren. Er stellte sich dabei vor wie Urdin in seiner Zeit ausgesehen hatte und flößte dabei einiges an Energie hinein.
      "Komm schon. Manifestiere und erinnere dich daran wer du bist Urdin! Ich brauche Antworten."


      Jarku wunderte sich nicht dass Elraya direkt ziemlich abweisend wirkte und ihm war auch klar dass sie ihre Zeit brauchen würde um auf die Truppe zu zugehen.
      "Von Baum zu Baum?"
      Jarku lachte. Das war tatsächlich die kurzsichtigste und zugleich die erfrischenste Umschreibung für Reisen die er je hören durfte.
      "Du bist mir ja eine. Das ist doch ganz normal. Zuvor sind wir noch zu Fuß gelaufen. Da hat es schon mal einen Monat gedauert bis man auf andere Menschen gestoßen ist. Dafür ist es in der Wildnis deutlich gefährlicher."
      Erst jetzt fiel ihm auf dass er gar keine Ahnung hatte ob Elraya überhaupt schon mal gegen Monster kämpfen musste, geschweige denn wie man sich zu verhalten hatte.
      "Ehm Elraya.. sag mal. Hast du eigentlich schon mal gegen Monster gekämpft? Ich meine. Weißt du wie du dich verhalten musst wenn beispielsweise ein Läufer auf dich zu rennt oder ein knorriger Baumstumpf sich als Puppenspieler entpuppt?"
      Beinahe beiläufig schüttelte er den Kopf zur Frage der Dolche ihres Bruders als wäre die der Monster nun deutlich wichtiger.
    • Das Flirren in der Luft durchfuhr ein plötzliches Licht wie ein Blitz, dann saugte etwas an Aradans Geist, als würde seine Macht in einen Strudel gezogen werden. Urudins Gestalt begann sich zu formen, zunächst nur die Silhouette seines Körpers, die plumpen Andeutungen von Armen und Beinen, dann deutlichere Details, sein zerschlissener Umhang, die fliegenden Haare, das knochige Gesicht. Seine Gestalt formte sich zu einem Geist, doch die Verbindung brach nicht ab und so formte sie sich mehr, verfestigte sich, wurde sichtbarer, brachte Details hervor, die in seiner halben Durchsichtigkeit verborgen geblieben waren, Verfärbungen in der Haut, Flecken auf seiner Hose, das Grau seiner Haare. Er schien auch schwerer zu werden, denn sein Umhang legte sich mehr und mehr an seinen Rücken, seine Haare schwebten nicht mehr wie wild um seinen Körper und er sank auf den Boden hinab. Und dann, kurz vor dem Boden, kurz vor seiner vollständigen Materialisierung und nicht nur der halben Gestalt, die er sonst präsentierte, riss er plötzlich die Augen auf und die Verbindung brach ab.
      "Ah! Was tust du da, Mensch!"
      Er ruderte wie ein Ertrinkender mit den Armen, starrte in purem Horror auf den so dichten Boden hinab, warf einen gehetzten Blick auf seine Umgebung. Sein Gehirn war klarer, nachdem er sich fast materialisiert hatte, allerdings erinnerte er sich damit auch an die Dringlichkeit, eben genau das nicht zu tun.
      "Dein Geist ist wahrscheinlich nicht, sonst würdest du nicht sowas tun! Sie werden uns noch finden, wenn ich bin! Lass mich! Ich will nicht sein!"
      Es schien ihn eine große Anstrengung zu benötigen, sich nicht vollständig zu materialisieren, denn er verzog sein ganzes Gesicht und strampelte, als würde sein Leben davon abhängen. Schließlich schien auch, was auch immer er tat, zu funktionieren, denn langsam wurde er wieder leichter, stieg wieder ein paar Zentimeter nach oben auf, verlor die Auswirkungen der Gravitation, die Durchsichtigkeit seines Körpers. Allerdings blieb der gehetzte Blick und die schiere Panik, mit der er um sich blickte, bestehen, als hätte er sich in seine Miene eingebrannt.

      Elraya schnaubte empört; ob wegen dem verlorenen Messer oder der Frage, war nicht ganz ersichtlich.
      "Klar weiß ich das und ich weiß auch, dass man gar nicht gegen die kämpfen soll. Vor einem Läufer soll man in die Bäume klettern, von einer Spinne soll man sich fernhalten, vor einem Puppenspieler soll man wegsehen und vor einem Wanderer soll man sich verstecken, das bekommt doch jedes Kind gesagt. Da gibt's sogar irgendein Gedicht, ich kann mich aber nicht mehr erinnern. Wir müssen uns aber sowieso keine Gedanken machen, weil wir eh viel zu viele sind, da haben die Kreaturen schiss und lassen uns zufrieden. Wieso fragst du dann also?"
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