[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Entgegen ihrer Erwartung war es nicht Berek, der auftauchte, sondern schier sämtliche seiner Handlanger, die sich rings um den Platz positionierten und ihre Waffen zückten. Es ärgerte Pria, weil es sie nervös machte. Sie konnte nicht gleichzeitig in alle Richtungen schauen und dabei hoffen, dass ihre Magie sämtliche Angreifer auf einmal abhalten würde. Also traf sie bereits ihre Vorkehrungen, ergriff den Magiestrom durch ihre Katalysatoren, ließ die Energie durch sich fließen. Die Zigarette half ihr dabei die Fassung zu bewahren.
      "Auch wenn du es ERLAUBT hast?!", brüllte sie zurück und drehte sich einmal im Kreis, während sie Ausschau nach ihm hielt. Bis auf die vielen Waffen, die auf sie gerichtet waren, konnte sie nicht eine Spur von ihm erkennen. Das machte sie ziemlich nervös.
      "NICHTS hast du erlaubt! Gib zu, dass du zu spät erfahren hast, was vor sich geht! Gib zu, dass deine Informationen fehlerhaft waren! Gib zu, dass du versagt hast!"
      Sie wusste, dass es für Berek nichts schlimmeres geben konnte als das eigene Versagen.
      "Komm her und sieh mir in die Augen, während du es zugibst! Komm her und stell dich mir, verkriech dich nur ein einziges Mal nicht hinter deinen Handlangern, kämpfe wie ein Mann, von Angesicht zu Angesicht, von Magier zu Magier, ich weiß, dass du es willst! Ich will Revanche für unseren letzten Kampf, ich will mich für all das rächen, was du meinen Töchtern angetan hast! KOMM RAUS!"
    • "Schhh.. Beruhige dein Gemüt. Du verrätst dich."
      Flüsterte es von ihrer Seite, welche Pria in diesem Moment nicht in ihrem Sichtfeld hatte. So plötzlich wie diese Stimme kam, bildete sich auch ein Vakuum der Energie, welche die Quelle für Magier war um durch ihre Katalysatoren elementare Gewalt zu wirken.
      "Er will dass du deine Kontrolle verlierst. Er hat ANGST vor dir." flüsterte die Stimme weiterhin ehe weitere Gestalten das Gelände betraten.
      Aus einer weiten Entfernung schrien diverse Menschen, aus einer anderen Richtung ebenso und auch aus einer weiteren ging ein offensichtlicher Kampf einher. Nur die Person, die in der Lage war Pria zuzuflüstern erwies sich als Aradan, welcher seinen Rücken an ihrem presste uns sein Erscheinen vollkommen unerklärt lies.
      "Konzentriere dich. Nutze mich. Er hat keine Chance wenn du mich als Quelle deiner Kraft nutzt. Wirkst du deine Magie auf mich oder wirkt er seine auf diesen Punkt, werde ich sie ohne jede Mühe vervielfacht zurück schleudern können. Unser einziges Problem ist das Leben aller Menschen innerhalb dieser Mauern."
      Kaum ausgesprochen traf Aradan auch schon ein Bolzen an seinem Unterschenkel, welcher ihn aus dem Schock heraus auf die Knie zwang, gefolgt von einem weiteren Bolzen am Oberschenkel des selben Beins. Aradan stützte sich rasch mit seiner Hand auf dem Boden ab und hielt die Andere vor sich um einen kleinen Schutz um Pria und sich selbst zu wirken, welches für eine Weile gegen Bolzen stand halten dürfte.
      Doch kaum wirkte er dieses Schild, fiel ein Feuerball aus dem Himmel hinab, welcher die Größe des halben Feldes aufwies. Er loderte in einer ungewöhnlich grünen Flamme und hätte das gesamte Feld in Staub und Asche verwandeln. Keiner der Schützen und ebenso Schwertkämpfer hätte einen solchen Angriff überlebt, so blieb Aradan nichts anderes übrig als feist zu grinsen.
      "Das ist also dieser Berek.. Gerissen. Das dort oben fällt nur noch durch seiner Gravitation. Da steckt keine Magie drin. Ich kann das nicht aufsaugen."
      Dennoch stand Aradan auf, hielt seine Arme aufrecht und schloss die Augen. "Gibs mir. Egal was. Wirke irgendetwas auf mich!"
    • Pria zuckte merklich zusammen und hätte für einen Moment doch fast einen Ausbruch gehabt. Die Stimme, die erklang, war nicht nur nicht die von Berek, sie war auch noch so nahe, als ob sie ihr direkt ins Ohr flüsterte. Sie wirbelte herum, beobachtete den Ausbruch an Energie neben ihr, überlegte, ob das vielleicht eine Falle sein konnte. Berek wäre sicherlich schlau genug sie glauben zu lassen, dass jemand anderes zu ihr sprach, aber was die Stimme ihr dann sagte, konnte nicht von ihm stammen. Er hätte ihr kaum offenbart, dass er Angst vor ihr hatte.
      Berek hatte Angst vor ihr. Dieser Gedanke zwang ihr wieder die Beherrschung auf, ließ sie den Rücken durchstrecken, einen tiefen Zug von ihrer Zigarette nehmen. Berek hatte Angst vor ihr. Wenn er genug Angst hatte, würde er vielleicht einen Fehler begehen.
      Von außen drangen mittlerweile Kampfgeräusche zu ihr durch und als sie sich wieder ein Stück umdrehte, um die Ränge in Blick zu behalten, sah sie Aradan neben sich stehen. Er war nicht hergekommen, sie hatte ihn nicht gesehen, ihn nicht gehört, er war einfach nur aufgetaucht. Nun stand er dort und wollte sich mit ihr gemeinsam Berek stellen. Fast hätte sie über die Absurdität dieser Situation aufgelacht.
      Allerdings zeigte sich schnell, dass Aradan auch nur ein Mensch war und wenn er in dem einen Moment nicht einen Zauber gewirkt hätte, so hätte Pria es spätestens jetzt getan. Andere Bolzen prallten bereits von dem Schild ab, als allerdings ein riesiger Feuerball am Himmel erschien. Die schiere Größe ließ Pria anzweifeln, ob sie etwas gleichwertiges erschaffen konnte. Vielleicht war sie doch nicht so mächtig, wie sie geglaubt hatte? Konnte sie Berek mit ihren Fähigkeiten wirklich überraschen?
      Sie würde es bald herausfinden. Aradans Aufforderung folgend erhob sie die Hand, krümmte die Finger, bediente sich der Macht, zog an ihr. Es dauerte zwei Sekunden ihrer vollsten Konzentration - sie vergaß dabei sogar zu rauchen - ehe die Luft um sie herum sich auflud, knisterte und sich schließlich ein Blitz aus ihrer gekrümmten Hand entlud, durch die Luft zuckte und in Aradans Rücken einschlug.
    • Ein lautes Knallen lies sich, nach einem kurzen Knistern, auf Aradan nieder und sorgte für unzählig viele dünne Risse im Boden ehe sich eine Schildkuppel um Pria und Aradan auf tat, so schnell wie der gewirkte Blitz seinen Körper berührte. Sie war so grell, dass man beinahe die Augen schließen musste, doch blieb es nicht dabei. Aradan stieß schnell Geräusche von Schmerzen aus, welche klar mit dem Wirken der Kuppel zusammen hingen.
      "Ich kann... Es nicht halten!..."
      Zischte er zwischen den Zähnen durch. Doch meinte er damit nicht den Feuerball. Es war viel mehr die enorme Energie die er einfach nicht in sich konzentrieren konnte, so sehr er es auch versuchte. Da wirkte der Feuerball beinahe wie ein verirrter Vogel der gegen eine Scheibe flog.
      Es bereitete ihm immer mehr Probleme seine Arme noch aufrecht zu halten, bis es dann dazu kam, dass aus seinen Augen Licht strahlte, ebenso wie aus seinem Mund, als er vor Schmerzen anfing zu schreien. Es war als würde all die kanalisierte Energie aus ihm hinaus wollen.. was dann auch langsam aber sicher der Fall war. Blitze fingen erst klein an aus seinen Armen und beinen den direkten Weg zum Boden zu finden, bis diese immer und immer ausschweifender, vor allem aber dicker wurden.
      Die Schildkuppel verschwand nun komplett, doch rückte der Feuerball keinen deut weiter zum Boden, er schien zu schweben, wobei die lodernden Flammen weiterhin noch gen Himmel rissen als würde er gegen einen starken Sturm ankämpfen.
      Dann stoppten die Blitze.
      Der Mund Aradan's schloss sich, ebenso die Augen. Beinahe wirkte es für diese zwei Sekunden als wäre alles vorbei, doch dann riss Aradan wieder seine Arme hoch hinauf, öffnete Mund und Augen wieder und brüllte so laut wie es sein Körper erlaubte.
      Dann kam ein Knall.
      Gleißendes Licht explodierte regelrecht aus Aradan hinaus. Ein Phänomen dass die Menschheit in dieser Form noch nie erlebte. Sie wurden Zeuge eines gewaltigen Blitzes, welcher nicht aus dem Himmel zum Boden fiel, sondern aus einem Menschen in den Himmel empor krachte und alles auf dem Weg mit sich riss. Der Feuerball verpuffte in der Sekunde zu Staub, in welcher der Blitz hinauf sauste komplett. Der Boden wirkte wie ein zersprungener Porzellanteller in gut und gerne 5 Metern Durchmesser um Aradan herum und dichter Nebel verdeckte beinahe das gesamte Feld.
    • Der Blitz schlug in Aradans Rücken ein, aber anstatt ihm die Haut zu zerfetzen und das Fleisch zu verbrennen, wurde er tatsächlich von dem weißhaarigen aufgesaugt. Pria kniff die Augen zusammen, als die grelle Kuppel über ihnen erschien, hell genug, um scheinlichst aus abertausend kleinen Blitzen zu bestehen - vielleicht tat sie auch genau das. Sie wich ein Stück von ihm zurück, von dem, was er in diesem Moment zusammenbraute, und zwang dann die Augen wieder etwas auf.
      "Du kannst es nicht halten?!", wiederholte sie, unsicher darüber, ob sie ihn richtig verstanden hatte. Allem Anschein nach war es kein sonderlich angenehmer Zauber, den er zu entwickeln versuchte, nachdem er kurz darauf auch noch anfing zu schreien. Konnte er etwa den Blitz nicht halten? Was zum Teufel tat er überhaupt? Das Licht zuckte aus seinem Körper heraus, scheins unkontrolliert, scheins immer mächtiger werdend, lauter kleine Funken, die sich vergrößerten und in den Boden krachten. Pria wich weiter zurück, bereitete sich darauf vor, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Es wirkte nun keines bisschen sicher mehr, Aradan auch nur ansatzweise nahe zu sein, geschweige denn an seiner Seite darauf zu warten, dass er seinen Zauber entfesselte. Am liebsten hätte sie den ganzen Platz verlassen.
      Es folgte ein Moment der plötzlichen Ruhe, in denen seine Blitze versiegten, ein Augenblick in dem es so wirkte, als würde die ganze Welt den Atem einhalten. Der Knistern stoppte, das Licht erlosch, sogar der Feuerball im Himmel blieb auf seinem Weg nach unten stehen, alles kehrte für einen einzigen Moment in einen einigermaßen normalen Zustand zurück. Aber nur für einen Moment.
      Aus Aradan krachte kurz darauf ein gewaltiger Blitz heraus. Nichts an diesem Zauber hatte etwas natürliches an sich, nicht woher der Blitz kam, in welche Richtung er schoss oder was er dabei anrichtete. Es war so, als hätte Aradan für diesen einzigen Moment nicht die Quelle der einen Magie genommen und in die andere gesteckt, sondern als hätte er die Grenzen der Realität übersprungen und die Gesetze der Physik selbst verändert. Er erschaffte den Blitz nicht neu, er bog die Welt um sich herum, damit sie ihm an seiner Stelle einen Blitz erschuf.
      Pria hatte nur etwa den Bruchteil einer Sekunde Zeit, dieser ungreifbaren Macht mit Ehrfurcht zu begegnen, als ein Erdbeben sie erwischte und von den Füßen riss. Sie sah noch die Zerstörung des Feuerballs, Aradans pure, ungebändigte Macht gegen die kleine Kreation von Berek, ehe eine dicke Rauchdecke sich über den Platz legte und die Sicht auf alles weitere abgrenzte. Sie hörte Schreie, eine ganze Menge sogar, irgendwo in ihrer Nähe hörte sie einen Bolzen in den Steinboden krachen, sonst geschah nichts weiter. Das Licht war verblasst, der Blitz verschwunden, die einzigen Reste bestanden aus dem Rauch und den Rissen im Boden. Der Boden hatte Risse, es war fast so, als wäre die Natur wütend darüber, dass man sie ausgenutzt hatte.
      Pria rappelte sich auf die Beine.
      "Aradan?!"
      Er war doch nicht tot, oder? Nun, es würde sie wahrscheinlich nicht überraschen. Man drehte nicht einfach die Realität auf den Kopf und erwartete dann, dass man ungeschoren davon kam.
      "Aradan?!"
      Sie versuchte durch den Nebel etwas zu erkennen, setzte sich schließlich in Bewegung, folgte der Stärke der Risse, um zu ihm zurück zu gelangen. Je näher sie kam, desto tiefer wurden die Furchen im Boden.
      Schließlich hatte sie ihn gefunden.
      "Aradan!"
      Er lebte noch. Er lebte noch. Wie zur Hölle lebte er noch?!
      Die Schreie wurden leiser, irgendwo wurde noch gekämpft. Pria beugte sich zu dem weißhaarigen hinab, ergriff ungefragt seinen Arm, zog ihn sich um den Nacken, hievte ihn in die Höhe. Dann führte sie ihn bestimmt in eine Richtung.
      "Ich habe nicht die leiseste Ahnung wie du das geschafft hast, aber der Feuerball ist weg. Wenn Berek nicht von selbst herauskommt, werde ich ihn suchen gehen; versteck dich bei deinen Freunden. Ich schaffe den Rest."
      Sie beförderte ihn zum Rand des Platzes, wo der Rauch sich bereits langsam auflöste. Auf den Dächern über ihr konnte sie sehen, dass Bereks Reihen Lücken aufwiesen; die Männer hatten in Angesicht der puren Macht von Aradan die Flucht ergriffen. Der Rest, der noch stand, wirkte nicht halb so überzeugt, auf ihrem Posten zu stehen und sah eher so aus, als würde er beim nächsten Geräusch ebenso die Flucht ergreifen. Sie hatte mit ihrer Behauptung recht gehabt: Wenn Berek kämpfen wollte, musste er wohl oder übel hervorkommen. Andernfalls hätte sie ein leichtes, seine Handlanger zu entfernen.
    • Für einen Augenblick hatte Aradan sein Bewusstsein verloren, doch noch bevor er am Boden aufkam, fing ihn Pria auf und sorgte mit ihren Worten dafür, dass er sich auf etwas fokussieren konnte. Sein erster Impuls war zu fragen was passiert ist, doch erinnerte er sich noch zu gut daran wie er die Energie in sich Kanalisieren wollte. Alles Weitere war schwarz. Eine allzu bekannte Erinnerung, immer wenn er versuchte den nächsten Schritt in seinem Training mit Anniera zu gehen.
      Eben diese Erinnerungen waren aber auch der Grund, aus welchem Aradan sein Umfeld in Betracht nahm um nach verletzten und Opfern seines Versuch's ausschau zu halten, doch bis auf das Gebrüll von Männern und den Worten Pria's, konnte er noch Rauchschwaden erkennen und einen zerrissenen Boden. Eine Erleichterung machte sich in Aradan breit und sorgte dafür dass er sich bereitwillig von Pria an den Rand des Platzes tragen lies.
      Dort angekommen lag er flach auf dem Boden und grinste trotz vollkommener Erschöpfung.
      "Kann nicht empfehlen vom Blitz getroffen zu werden.."
      Daraufhin hustete er sogar etwas Qualm aus und lies seinen Kopf nach hinten auf den Boden fallen.
      "Ist gut. Pass auf dich auf, sonst helf ich dir nochmal"
      Das war dann auch der aller letzte Rest von Aradan's Energie. Er schloss noch während den letzten Worten die Augen ehe er einschlief wie ein Kind dass nach einem Tag voller Abenteuer nichts mehr ersehnte als das eigene Bett.

      Kurz darauf färbte sich der Staub in einer Stelle grünlich. Das leuchten wurde sehr schnell immer heller bis etwas darin hervor flitzte. Ein faustgroßer Feuerball, der Farbe nach klar ein Produkt Berek's.
    • Pria wartete darauf, ob Aradan noch etwas sagen würde und als er sich hinlegte und scheins einschlief, richtete sie sich erst auf. Sie spuckte den letzten Rest ihrer Zigarette auf den Boden, drehte sich um und ließ ihre Schultern kreisen. Heute. Heute würde alles enden.
      Ein grünes Glimmern erschien aus dem Rauchnebel, dicht gefolgt von einem plötzlichen Feuerball, der so präzise auf sie zugeschossen kam, dass es gar kein Blindgänger sein konnte. Berek beobachtete sie und richtete seine Magie nach ihr aus. Wo auch immer er stand, er hatte einen guten Blick auf sie.
      Also lieber nicht zu viel verraten. Ihm nicht zeigen, was sie alles konnte. Es ihn lieber spüren lassen.
      Sie versuchte dem Geschoss auszuweichen, war nicht schnell genug, wurde an der Hüfte getroffen. Die Flammen fraßen sich durch ihre Kleidung, verbrannten ihre Haut, loderten in ihren Muskeln. Sie heulte auf, warf sich nach vorne und in den Rauch hinein, auf das grüne Glimmern zu. Ein hastiges Schutzschild verhinderte einen zweiten Feuerball, der nun allerdings nicht mehr ganz so präzise auf sie zukam. Berek konnte sie nicht mehr deutlich sehen; das war ihre Chance.
      Sie erreichte den Fleck am Boden, aus dem die Magie spross, kauerte sich hin und steckte ihre Hand hinein. Es bedurfte nur eines einzigen Ziehens am Energiefluss, ehe sie vor ihrem inneren Auge das dünne Band der grünen Fläche zurückverfolgen und die Quelle davon ausmachen konnte. Berek. Das Bild zeigte ihr genau, wo er stand.
      Sie ließ wieder ab, nahm sich die eine Sekunde des Friedens um die Wunde an ihrer Hüfte zu betrachten, schnürte es eiligst mit einem Stofffetzen ab. Sie spürte den Schmerz kaum, nicht mit dem ganzen Adrenalin, das ihr durch jede Faser des Körpers schoss. Heute würde es enden.
      Sie brach kurz darauf an einer anderen Stelle des Rauchs hervor, rannte in die Straßen hinein, schlitterte um die Ecke, wäre fast in flüchtende Männer hineingeprallt. Wie ein Felsen in einem strömenden Fluss ragte er dort empor, unerschütterlich, den Kopf hoch erhoben, die funkelnden Augen auf Pria gerichtet. Der Blick rief einen konditionierten Schauer in ihr hervor, das Bedürfnis, sich vor ihm zu verstecken und, wenn er sie doch finden sollte, um Vergebung zu bitten. Es war die unausgesprochene Forderung an sie, ihren Dienst zu leisten und ihn nicht wütend zu machen.
      "Berek!"
      Handlanger versperrten ihr den Weg, Bereks Häscher, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie ihre Flucht fortsetzen oder ihrem Vorgesetzten helfen sollten. Ein paar erhoben zögernd die Waffen, andere nutzten Prias Auftauchen, um sich in die Schatten anderer Gassen zu stecken und damit potentiell aus Bereks Reichweite zu kommen. Ein paar starrten nur.
      Pria blieb stehen, als sie ihn sah. Sie reckte ihr Kinn genauso hoch wie er, ahmte die machtvolle Haltung nach, in der er sich befand. Heute würde es enden. Sie würde es heute enden.
      "Es wird mir Spaß machen dich zu vernichten! Mehr Spaß als alles andere!"
      Sie wollte nicht länger mit ihm reden, ihn einen Vorschlag unterbreiten lassen, sich von ihm um den Finger wickeln lassen. Sie wollte ihre Rache und genau das würde sie sich holen, es gab keine Zeit für Abschiedsworte und es gab auch keine Möglichkeit für letzte Gnadengesuche. Sie wollte ihn leiden sehen.
      Sie hob die Arme und krümmte die Finger. Sie bediente sich am Energiefluss, an allem davon, riss so kräftig daran, dass sie glaubte, ihre Katalysatoren gleich damit zerstören zu müssen und ließ die Macht in sich fließen. Dann richtete sie sich seitwärts aus und deutete, wie in einer stummen Anklage, auf Berek.
      Ihren Körper durchzuckte ein einziger, von glühender Hitze durchtriebener Stoß, der einmal von ihren Zehenspitzen bis zu ihrem Kopf hinauf zischte. Sie konnte die Entladung durch ihre Fingerspitzen geradezu fühlen, konnte spüren, wie sich die Magie an ihrer Kraft bediente und sich durch ihre eigenen Hände formte, durch die Anspannung, die in ihren Muskeln lag und die Sicherheit, mit der sie eben jene bewegte. Der Blitz kam aus ihren Fingern geschossen, eine Miniaturform dessen, was Aradan vor wenigen Sekunden in den Himmel geschossen hatte, und der Blitz zuckte durch die Straße geradewegs auf Berek zu, wie eine von Strom erfüllte, giftige Schlange, die auf ihre Beute zuschoss. Die Männer sprangen ihm aus dem Weg und wo sie zu langsam waren, traf er sie wie einen Schlag und schickte ein paar zu Boden, ließ andere taumeln. Er steuerte sein Ziel in Sekundenschnelle an und selbst wenn Berek ausweichen würde, selbst wenn er ihn umleiten würde, selbst wenn er ihn abfangen würde, würde sein Auftreffen eine Explosion erzeugen, denn nur das war es, was den Sieg garantieren konnte: Ein Blitz, der sein Ziel auch noch bei einem Fehlschlag in Flammen aufgehen lassen konnte.
    • Bisher lief alles exakt wie geplant. Es forderte Berek einiges an Vorbereitung, Gold und Nerven um all seine Untergebenen zur selben Zeit an diesem Ort zu befördern. Obendrein war es ein enormes Wagnis. Nur äußerst selten kam es vor dass er sich nicht komplett sicher war ob eine Person dort auftauchte wo er es vermutete. Pria ging ihm allerdings exakt in die Falle als sie auf dem Trainingsplatz auftauchte, ebenso wie diese grässlich hilfsbereite Truppe von Aradan, mit welcher seine eigene nach jüngsten Informationen zusammen arbeitete.
      Noch immer brachte es ihn zur Weißglut dass seine engsten Lakaien glaubten einfach so damit davon zu kommen, also wirkte er schon in dem Moment als Pria auf dem Platz auftauchte einen Feuerball der einem kleinen Meteoriten gleich kam weit im Himmel, über den Wolken um nicht aufzufallen, in der Hoffnung dass sich bald die ganze dreckige Truppe versammeln würde.
      So wurde sein Grinsen umso größer als dieser Aradan auftauchte. Jeder erhoffte Schritt in seinem Plan trat ein, was die Chancen für eine Niederlage drastisch minimierte. Getrost lies er den Feuerball auf den Boden fallen und war schon mehr als gespannt zu sehen ob seine Informationen stimmten.
      Dann knallte es laut. Ein Erdbeben erschütterte den Boden, lies vereinzelt Leute aus der Überraschung heraus hin fallen, andere flohen sofort und sorgten für eine regelrechte Panik. Im ersten Moment wollte Berek jeden einzelnen hinrichten, doch musste er sich auf das Geschehen konzentrieren. Allem Anschein nach stimmte was er über diesen Meloraner hörte. Er war in der Lage Magie in einem vielfachem Maß wiederzugeben, in kosten seiner eigenen Kraft. Bei einem solch enormen Blitz war es annehmbar dass dieser Aradan vorerst für wertvolle Momente keine Bedrohung darstellen sollte. So blieb Pria. Eine Frau die Berek in seinem Kreis bisher am meisten mochte. Nicht nur weil sie mehr Gehirnzellen hatte als die Inzestuösen Schlächter, sondern weil sie immerzu versucht hatte ihre Gefühle zu verbergen. Schon immer hatte er diesen Augenblick hervor gesehen, irgendwann würde Pria versuchen sich mit enormer Gewalt aus seinen Fängen zu befreien. Es hatte ihn nur etwas gewundert, wieso es so lange dauerte und genau das lies er Pria auch hören, als sie nach all dem Krawall vor ihm stand, auf ebenbürtig protzend.
      "Hat ja lang genug gedauert hm?"
      Unmittelbar bemerkte er, dass Pria seine Äußerung erwartet hatte und diesen Moment für einen schnellen Angriff ausnutzen wollte, was ihn dazu trieb ebenso seine Magie einzusetzen. Eine, die er selbst noch nie vor anderen eingesetzt hatte. Nicht mal vor seinem inneren Kreis, wie sich nun als sehr vorteilhaft erwiesen hatte.
      Es war ein Schutzzauber seiner eigenen Flammen. So wirkte er diese aus jede seiner Pore hinaus um seine Haut mit einer Schicht seines grünen Feuers zu hüllen. Um die Gestalt aber abzurunden, wirkte er dabei stets zwei Hörner auf seinem Kopf, was aber kaum für einen geringeren Aufprall sorgte, welchen er erfahren durfte.
      Der Blitz schleuderte ihn mit ein paar seiner Leuten gegen die nächste Mauer. Wie wuchtig der Aufprall war, konnte schnell an den zerrissenen Körpern ausgemacht werden. Nur Berek überlebte den Aufprall dank seiner flammenden Rüstung, welche er auch dann für keinen Moment ablegte, als er langsam wieder aufstand und zum Gegenangriff ansetzte.

      Wie gewohnt setzte er dabei auf seine unnatürlichen Flammen, welchen nun dank verzogenem Rauch keiner Zurückhaltung mehr bedurften. So begann er Pria mit Feuerbällen zu bewerfen die er immer wieder aus dem Nichts erscheinen ließ ehe er sie packte und warf als würde er mit Steinen werfen.
    • Der Blitz traf ins Schwarze, ein ohrenbetäubender Knall, der ein paar Umstehende auch noch mit sich riss. Sollte er doch, Pria war für jedes weitere Opfer glücklich, das Bereks Gold wegfraß. Sie wollte ihn in jeder erdenklichen Hinsicht leiden sehen.
      Er konnte dem Aufschlag ihres Blitzes entgehen, indem er seinen Körper in Flammen hüllte. Der Anblick war furchteinflößend, so viel musste sie ihm lassen, ein flammender Ritter, dessen grünes Feuer mit seinen Bewegungen überein flackerte wie ein eigenes Lebewesen, das seinen Herrn zu beschützen versuchte. Pria musste sich die Sekunde nehmen, um sich zu fragen, wie zum Teufel er das geschafft hatte.
      Seine Antwort auf ihren Angriff fiel in eben jenen Zeitpunkt. Er richtete sich auf, schuf seine flammenden Kugeln, bewarf sie damit. Nun durfte sie sich nicht nur die Frage stellen, wie er die Rüstung erschaffen hatte, sondern auch noch, wie sie jemals zu ihm durchdringen konnte.
      Jemand wie Elraya wäre vielleicht flink genug gewesen, um den Flammen auszuweichen und sich von ihnen nicht einmal die Kleidung anbrennen zu lassen, aber Pria versuchte es erst gar nicht. Sie gab ihre Haltung auf, stellte sich breitbeinig hin, bezog die Macht der Erde unter sich. Ihr Herz raste, als sie die Hand nach der ersten Flamme ausstreckte, als ob sie sie fangen wollte. Dies würde der Beweis dafür sein, dass sie all die Jahre lang trainiert hatte, dass sie sich verbessert hatte, dass sie nicht mehr die Amateurin von damals war, die kaum wusste, wie sie es geschafft hatte eine Flamme zu erschaffen. Das würde der Beweis dafür sein, dass ihr Training erfolgreich gewesen war.
      Die erste Kugel traf auf ihre ausgestreckte Handfläche, zerstob unter dem Aufprall und rann ihr wie Wasser am Arm entlang, ehe die Flammen erloschen. Ein Schock durchfuhr sie, eine eisige Kälte, und dann war es binnen einer Sekunde auch schon wieder vorbei. Ihre Haut war unversehrt und die Flammenkugel verschwunden.
      Das Manöver, nämlich die Energie beim Aufprall aus dem Geschoss zu drücken und es damit verpuffen zu lassen, bedarf ihrer höchsten Konzentration. Sie durfte keinen Fehler machen, keinen einzigen Moment darüber nachdenken, ja nicht einmal darauf achten, ob sie überhaupt richtig stand oder ob sie zu seitlich stand, sie durfte sich nur auf die Geschosse konzentrieren, die Handfläche ausstrecken, beim Aufprall den richtigen Druck ausüben, nicht zu viel und auch nicht zu wenig, gerade so viel, um sich nicht verbrennen zu lassen und die Flammen nicht in einer Explosion aufgehen zu lassen. Aber sie schaffte es. Unter größter Aufwendung schaffte sie es.
      Die Euphorie über diesen Fortschritt ließ sie mutig werden, verwischte ein wenig die Angst, die sie im Klammergriff hielt. Sie wagte den nächsten Schritt, fing eine von Bereks Kugeln auf, zwängte seine Energie heraus, drückte im nächsten Moment ihre eigene hinein. Die Kugel verpuffte, das Feuer glitt an ihrem Arm entlang, aber es blieb bestehen und als sie den anderen Arm ausstreckte, stob es von ihrer ausgestreckten Hand, prallte mit der nächsten Kugel zusammen, spritzte in einem Feuererguss durch die Luft. Es funktionierte viel besser, als sie es sich vorgestellt hatte.
      Das kleine Feuerwerk ausnutzend warf sie sich zu Boden, drückte die Handflächen hinab, erspürte den Grund unter sich. Sie zwängte ihre Macht hinein, hastig, nachdem ihr kaum Zeit blieb, und hob ihre Arme wieder an. Mit ihnen kam, als würde er an ihren Handflächen kleben, ein Felsbrocken, der sich aus dem Boden selbst zu lösen schien, gezogen allein durch sie selbst und ihrer Energie, die ihn zusammenhielt. Er war so groß wie ihr Kopf, wuchs noch immer während sie sich aufrichtete und als sie in seiner energischen Bewegung die Arme nach Berek ausstreckte, zerbrach er plötzlich in tausend Einzelteile, viele kleine Stücke so groß wie Nägel aber mindestens doppelt so scharf und sie rasten allesamt geradewegs auf Berek zu.
    • Schnell auf den Steinbrocken zielend, warf Berek noch schneller mit seinen Feuerbällen, musste aber schnell zu einer anderen Taktik wechseln als er den Stein in einer unzählbaren Menge aufsplitterte. Verdammt raffiniert, dass musste er Pria lassen. Er wusste zwar nicht wie hoch er seine Hitze steigern konnte, doch war es wohl kaum hoch genug um Steine zu schmelzen... wenn das überhaupt möglich war. Und in einer solchen Menge hätte er bestenfalls dafür gesorgt dass ihn glühend heiße Steine durchlöchern würden. Auch einen Schild konnte er nicht entgegnen, da er nur in der Lage war magische Angriffe abzuwehren.
      Schnell blickte er sich um. Eine eingerissene Mauer. Leichen. Über ihn über Überführung auf welcher zuvor noch die Armbrustschützen standen. Das war seine einzige Chance.
      Er ging leicht in die Knie und fokussierte sich so gut er konnte auf seine flammende Haut um die Hitze immer weiter in die Höhe zu steigern. Die Kleidung all der Leichen um ihn fingen sofort an zu brennen obwohl sie gar nicht von der Flamme getroffen wurden. Seine Haut loderte schon nicht mehr, fiel mehr war er wie eine große Stichflamme die schon die Decke über ihn berührte und alles aus Holz sofort zu poröser Kohle wandelte. Der Geruch von verbranntem menschlichen Fleisch machte sich überall breit, ebenso wie der Geruch eines brennenden Hauses, welches sich rasch ausbreitete.
      Grade noch rechtzeitig gelang es Berek damit die Überführung und das Haus so in Mitleidenschaft zu ziehen, dass es einstürzte wo er stand. Es war genug um ihn mit so vielen Brettern und anderen Schutt zu bedecken, dass der Angriff Pria's all den Schutt traf. Doch ganz unverletzt blieb Berek dadurch nicht. Ein ziemlich großer Brocken traf seine Schulter als die Überführung halb einstürzte und auch der ein oder andere steinerne Pfeil von Pria fand seinen Weg durch seinen Körper.
      Die Lage wandelte sich doch tatsächlich zu einem deutlichen Nachteil. Wie konnte das nur so schnell passieren? Wäre er in Pria's Nähe gekommen, wäre er sich sicher gewesen ihr ein Ende setzen zu können. Seine bloße Hitze hätte ihre Nervenenden so verschmort dass ein Kind sie mit einem Schwert hätte töten können. Aber das war unter Beschuss aus der Ferne einfach nicht möglich.
      Es blieb ihm also nichts anderes übrig als vorerst in die Barracke zu fliehen in welche er dank Pria's explosivem Blitz befördert wurde. Zwar brannte es darin wie wild, doch war das für Berek keinerlei Problem solange er seinen Zauber aufrecht erhielt.
    • Der Felsbrocken hatte nicht den gewünschten Effekt, den Pria sich vorgestellt hatte, aber zumindest trieb er Berek sichtlich in die Enge. Sie zog bereits den zweiten Felsbrocken nach, behielt ein wachsames Auge auf ihren Gegner, als dessen flammende Rüstung sich verdichtete, deutlich sichtbar gegenüber der steinernen Wand hinter ihm. Wollte er etwa versuchen Stein damit abzuhalten? Sollte er doch. Sie würde mit Freuden dabei zusehen, wie der Stein seinen Körper zerfetzte.
      Ein triumphierendes, schadenfreudiges Grinsen kräuselte ihre Lippen, ein aufrichtiger Ausdruck, für den sie eigens ihre Maske für einen Moment ablegte. Fast hätte sie sich gewünscht, dass er sie sehen konnte; Siehst du was für einen Spaß du mir bereitest, zum ersten Mal in all diesen Jahren? Sie hätte ihm sagen können, dass das Warten sich hierfür gelohnt hatte. Sie hätte ihm sagen können, dass all das es wert gewesen war.
      Leider war er nicht hier, um es zu sehen. Er riss das Gemäuer um sich herum zusammen, um sich hinter einem Haufen Geröll vor dem Felsen zu schützen und damit schien er auch Erfolg zu haben. Aber es verriet Pria, dass er nicht stark genug war, um ihrer Macht entgegen zu wirken. Auch seine Kraft hatte eine Grenze.
      Sie ließ den Felsbrocken los, den sie heraufbeschworen hatte, überbrückte ein wenig Distanz zu dem Haufen, beobachtete, wie er in die Barracke zurück floh. Oh, Berek. Sie lachte auf, konnte es sich im letzten Moment doch nicht verkneifen. Oh, Berek!
      Das Haus stand bereits in Flammen, vieles um sie herum hatte Feuer gefangen, am meisten die Leichen, deren brennendes Fleisch fürchterlich stank. Sie blieb in sicherer Entfernung zur Barracke stehen, kniete sich nieder, legte die Hände auf den Boden. Die Katalysatoren zeigten ihr, welche Teile des Gebäudes sie mit ihrer Energie ergreifen musste, um etwas anderes daraus zu schaffen. Sie schloss die Augen, konzentrierte sich auf den Moment und in einem einzigen ohrenbetäubendem Knall riss sie die Grundpfeiler, den Stein, das Dach auseinander, lenkte alles auf den einen Punkt an dem Berek stand, erschuf ihm ein magisches Grab aus Trümmern, das ihn in sich aufnahm. Die brennenden Teile erloschen, als sie auf ihn prallten, der Stein fiel beim Zusammenstoß auseinander, ein heftiges Rumpeln ertönte, eine aufgewirbelte Staubwolke erschien, die in den Himmel hinaufzog. Drei Sekunden lang fiel die Barracke auf Berek zusammen, dann war es still.
      Pria öffnete die Augen und richtete sich auf. Sie ging auf das Grab zu, das sie erschaffen hatte, umrundete Trümmerteile, vergewisserte sich, dass sie alleine war. Dann bewegte sie das Geröll mithilfe der Magie und schaufelte Berek zur Hälfte frei.
      Er lebte noch, das war der enttäuschende Teil. Selbst im Angesicht des Todes war sein Wille ungebrochen, noch immer bereit dazu, ihr selbst jetzt noch einen Befehl zu erteilen. Sie würde ihm ihren Dienst pflichtbewusst erfüllen, ein letztes Mal.
      Sie ging auf ihn zu, erklomm den Schutt auf ihm, kniete sich über ihm nieder. Sie genoss den Moment. Sie genoss ihn sogar sehr.
      "Ich wünschte, all die anderen, die du alle umgebracht hast, könnten uns jetzt sehen, Berek. Ich wünschte, sie könnten diesen Abschied mit mir genießen. Wir dachten immer, dass du untötbar bist, wusstest du das? Manche haben sogar hinter deinem Rücken davon geredet, dass du unsterblich bist, irgendein Rachegeist aus der Unterwelt, der sich in unserer Welt austoben will. Und trotzdem liegst du jetzt hier, unter einem Haufen Dreck und Asche, unter mir. Ich habe dich bezwungen - nicht El und auch nicht Lodoz und erst recht nicht Aradan oder sonst wer. Erinnerst du dich noch, wie viel Mühe ich damals hatte, auch nur einen Feuerball zu schaffen? Du warst so ungeduldig mit mir und jetzt sieh mich an; ich wandle die Elemente zu meinen Waffen um. Vielleicht sollte ich den Beruf als Magierin ergreifen, findest du nicht? Irgendwo wird man bestimmt nach welchen suchen - und wenn nicht hier, dann woanders. Irgendwo, wo du niemals eine Chance gehabt hättest."
      Sie musterte Berek für einen Moment, stopfte die Hand in ihre Tasche, zog eine Zigarette hervor. Sie hätte sich für den Moment eine von den guten besorgen sollen, aber es war nur eine gewöhnliche. Sei es drum.
      "Hier."
      Sie steckte sie ihm in den Mund, entzündete sie durch ihren Funken, ließ ihn einen Zug nehmen, nahm sie wieder an sich und rauchte selbst. Sie blies ihm den Rauch ins Gesicht, einfach nur, weil er nichts dagegen tun konnte.
      "Genieß deine letzten Momente. Ich bin mir sicher, Lodoz hat schon einen besonderen Platz für dich in der Hölle reserviert."
      Und dann traf sie etwas schweres in die Seite.
      Sie hatte nichts kommen gesehen und sie hatte auch nichts gehört, dabei war der Boden um sie herum mit so vielen kleinen Steinchen gespickt, dass es zumindest geraschelt haben müsste, wenn jemand gekommen wäre. Aber es hatte kein einziges Geräusch gegeben und daher war sie auf diesen Schlag auch so gänzlich unvorbereitet.
      Sie viel von dem Haufen, das schwere Etwas noch immer auf sich, kullerte vom Geröll herunter, schlug sich den Arm an einer Kante auf, fiel auf ihren Rücken. Eine Sekunde später war das schwere Etwas auf ihr.
      "Du?!"
      Khil starrte mit einer unergründlichen Faszination auf sie hinab. Die sonderbare Frau hatte ihren Dolch gezückt, eine lächerlich schlichte Waffe ohne irgendeine besondere Verarbeitung, und setzte dann unvermittelt zu einem Stoß an. Pria reagierte so schnell sie konnte, überzog ihren Arm mit einer Steinschicht, wehrte den Angriff mit ihrem Unterarm ab. Khils Blick erstrahlte förmlich bei dieser unvorhergesehenen Wendung und ihr entglitt ein überraschtes "Oh!", ehe sie Prias Steinarm packte und zur Seite zu ziehen versuchte. Sie rangen für einen Moment miteinander, Pria in dem Versuch ihr einen Zauber an den Kopf zu jagen und Khil in dem Versuch, ihre Klinge an Prias Steinarm vorbeizurammen. Das Eisen schlug auf dem Stein Funken und verursachte ein schabendes Geräusch, das in den Ohren schmerzte. Schließlich konnte Pria ihr den Stein ins Gesicht rammen, beförderte Khil von sich, sprang auf die Beine, erschuf einen Feuerball. Doch Khil ließ ihr gar nicht genug Zeit das Feuer zu erschaffen, sie wechselte von ihrer Sturmhaltung in die Wasserhaltung, sprang auf sie zu. Pria wich zurück, konnte einen kleinen Ball erschaffen, warf ihn auf Khil. Die Gelehrte ließ ihr Gewicht nach vorne fallen, warf sich dem Ball aus dem Weg, fing sich sogleich wieder und überwand die kurze Distanz zu der Magierin. Beim Aufprall rammte sie ihr Messer in Prias Bauch.
      Pria begriff nicht, was vor sich ging. Sie war noch zu sehr in ihren Triumph über Berek vertieft, um überhaupt richtig begreifen zu können, dass Khil aufgetaucht war und nun durchfuhr sie ein lähmender Schmerz, bei dem ihre Glieder versagten. Sie fiel zu Boden, schlug mit dem Kopf auf, war zu perplex, um sich auf einen der beiden Schmerze richtig konzentrieren zu können. Das Messer ragte aus ihrem Bauch hervor, jetzt ein Teil ihres Körpers, um das sie sich sofort krümmte. Es war mehr der Reflex als eine bewusste Handlung, der sie die Hände darauf pressen ließ. Fast hätte sie sich bei dem Schmerz übergeben.
      Khil richtete sich auf, warf einen analysierenden Blick auf Pria, befand sie als gefahrlos und huschte dann zu dem Geröllhaufen herüber. Sie machte wirklich kein einziges Geräusch, als sie die vielen kleinen Kiesel überquerte, Reneras Lehre war tatsächlich gar nicht schlecht. Sie kniete sich dorthin, wo Pria noch vor einem Moment gesessen hatte und starrte auf den Mann in den Trümmern hinab.
      "Sir? Bei dem Schmutz sollten Sie aufpassen, sich keine Infektion zu holen."
      Und dann machte sie sich daran, ihn da rauszuholen.

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    • Kein Wort kam von Berek als dieser Pria in die Augen sah. Man konnte seinem Gesicht nur ablesen dass er allem Anschein nicht mit der Lage zufrieden war. Sogar als Pria von einem nicht geplantem Ereignis überrascht wurde, verblieb Berek in seiner Pose und Ausdruck.
      Das kurze Gerangel zwischen Khil und Pria später, stand Khil nun über Berek und machte sich entgegen aller Erwartung daran ihm dort hinaus zu helfen. Doch spätestens in dem Moment als Khil seine Hand berührte, war klar, dass Pria gar nicht mal so Unrecht mit ihrer kleinen Ansprache hatte. Bei der ersten Berührung wurde schnell klar warum Berek sein Gesicht zu keinem Moment verzogen hatte. Denn war es nur ein täuschend echtes Abbild seiner Selbst aus reinem Stein, welcher sich im Augenblick der Berührung in mehrere Risse klar aus machte und ineinander zu Staub fiel, was dann auch den letzten Rest an Energie Signatur aus dem Stein hinaus ließ.
      "Unsterblich hm?"
      Da trat Berek aus einem anderen Haus, welches noch stand aber ebenso brannte, hervor und stand nun verachtend neben Pria mit gezogenem Schwert, dessen Spitze auf ihrer Kehle zeigte. Er war ziemlich lädiert, hielt sich die Hand auf eine blutende Stelle an seinem Bauch, trug keinen Mantel und keinen Hut mehr. Das dreckige und teils zerrissene Outfit war bei Berek ein deutliches Zeichen dass dieser Kampf tatsächlich unerwartet schwierig für ihn war und wer weiß wie es ausgegangen wäre, wenn Khil nicht für die nötige Würze gesorgt hätte. Nun war es auf jeden Fall ein leichtes für Berek Pria's Augen für immer zu schließen. Doch lies er sich nicht aus seinem kalten Blick zur Freude leiten.
      "Genieße deine letzten Momente. Ich bin mir sicher dass absolut niemand einen Platz für dich im Himmel reserviert hat."
      Langsam, sehr langsam glitt kurz darauf sein Schwert in ihre Kehle. Das natürliche japsen nach Luft, welches sich nur allzu schnell zu einem Blut erfüllten gluckern wandelte, galt als eine grausame Art zu sterben. Man hatte nicht nur Schmerzen, sondern auch das Gefühl zu ertrinken.
    • Khil zuckte für einen Moment überrascht zurück, als Berek sich unter ihr aufzulösen begann und beugte sich dann ein Stück weiter vor, um dieses Phänomen in allen Einzelheiten beobachten zu können. Erst, als sie seine Stimme aus einer anderen Richtung kommen hörte, blickte sie auf und stand schließlich auf.
      "Das war interessant! Wie schaffen Sie sowas? Ist es schwer? Müssen Sie es aufrecht erhalten? Erfordert es viel... Magie? Könnte es auch bewegt werden?"
      Sie trat auf ihn zu, als er an ihr vorbei zu Pria ging, aber ließ den Schwall an Fragen dann langsam verebben. Vor ihr wand Pria sich auf dem Boden, der Dolch zu tief in ihrem Bauch, um sich schmerzfrei bewegen zu können, die Angst vor dem - wenn nicht ganz unversehrten - auftauchendem Berek zu groß, um sich nicht in ihrem aufkommendem Instinkt vor ihm schützen zu wollen. In den letzten Momenten ihres Lebens war sie gänzlich unfähig dazu, ihre Maske auch nur eine Sekunde weiter aufrecht zu erhalten und so starrte sie mit einer Mischung aus Ungläubigkeit, abgrundtiefem Entsetzen und Todesangst zu ihm auf, ein Blick, der dem Tod selbst würdig gewesen wäre. In ihren Augen brannte die Erschütterung darüber, wie es nur so hatte kommen können, wie sie nur in einem Moment triumphieren und im nächsten sterben konnte, wie sie ihn nur im wichtigsten Moment ihres ganzen Lebens unterschätzt haben konnte, wie er es nur geschafft hatte, sie hereinlegen zu können, wo sie doch so offensichtlich die Überhand gewonnen hatte. Wie vier Jahre des erbitterlichen Trainings innerhalb weniger Minuten völlig wertlos werden konnten.
      Sie ergriff die Klinge mit ihren Händen, als sie sich hinab auf ihren Hals drückte und schob dagegen, schnitt sich beide Handflächen auf, öffnete den Mund um zu schreien und gab nur ein blutiges Blubbern von sich. Sie starb, noch bevor die Klingenspitze den Boden unter ihr berührt hatte, starb von dem Blutverlust ihrer Wunden und dem rasenden Herz, das alles nur noch verschlimmerte. In ihrem offenen Mund sammelte sich das Blut zu einer kleinen Pfütze an, rann ihr die Mundwinkel hinab, floss über den Stein. Ihre Augen standen offen, waren noch immer auf Berek gerichtet, übermittelten ihm ihre wortlose Anklage, so als wollten sie sich selbst im Tod noch für alles rächen, was er ihr angetan hatte. Ihre Arme erschlafften gleichzeitig.
      Khil kam von hinten herangeschlichen, zog sich ihren Dolch aus Prias Magen, wischte ihn an deren Kleidung ab, richtete sich auf und sah sich um. Dann sah sie zu Berek auf.
      "Ich glaube, Aradan schläft dort hinten. Wollen Sie sich auch um ihn kümmern? Jetzt wäre die Gelegenheit."
    • "Hmm..." grummelte Berek unbefriedigt über diese Situation. Pria hatte es ihm viel zu schwer gemacht an sein Ziel zu kommen. Er hasste es wenn etwas nicht nach Plan lief. Und doch hatte Khil Recht. Diese Gelegenheit, ganz ohne Aradan's Scharr, war tatsächlich nicht zu verachten.
      Langsam zog er seine Klinge wieder aus dem leblosen Körper hinaus und säuberte die Klinge mit einem edlen weißen Tuch welches er aus seiner Tasche holte. Es trug sogar ein großes, verzierte B an einer Ecke. Ganz klar teure Auftrags Schneiderkunst. Dieses warf er danach auf Pria hinunter um allen zu zeigen dass selbst ein solches Ausmaß an Wille und Zerstörung nicht genug war um ihn nieder zu strecken.
      Daraufhin wandte er sich in die Richtung Aradans um. Grade mal 10-15 Meter Abstand war zwischen ihnen und dennoch konnte er ihn nicht aus der Ferne erledigen. Kein Zauber wäre nun mehr möglich gewesen, so ausgesaugt und lädiert wie sich Berek fühlte. Er musste nah ran, auch wenn sich dieser Abstand wie ein Tagesmarsch anfühlte.
      Dieses Vorhaben wurde dann aber im Keim erstickt als ein Kriegshorn ertönte. Bei diesem Geräusch biss sich Berek direkt innen auf die Wange und sah eilig zu Khil.
      "Los. Hilf mir. Wir müssen hier weg."
      Gesagt getan. Khil agierte wieder eilig wie gewohnt und half Berek so gut sie als Stütze dienen konnte bis beide im Unterschlupf angekommen waren. Da kam dann aber auch schon schnell der nächste Schock. Der angekettete Bruder Elraya's war weg. Ebenso wie der Söldner und absolut alles was sich in diesem Raum befand. Ja sogar der schäbige Tisch samt Stühle waren verschwunden.

      Auf dem Trainingsplatz machten sich nach dem ertönen des Horn's aus jeder Richtung mehrere schwere Schritte hörbar. Kurz darauf war es klar. Der Gegenspieler Bereks tauchte auf. Der Herzog mit einem ganzen seiner 4 Bataillone, welches genug war um jede einzelne Gasse mit Soldaten zu füllen. Einige kümmerten sich sofort um den Brannt. Andere sicherten jeden Winkel in der Umgebung ab. Der König selbst trat, mit seinen engsten Elitewächtern, an Aradan heran, welcher grade wieder die Augen öffnete und ganz klar kaum zu wissen schien wo er überhaupt war.
      Ein großes Gespräch schien in diesem Moment kaum eine Wirkung zu haben, also gab er einem Wächter mit einem knappen Kopfnicken zu verstehen, dass es nun okay wäre. Promt drehte sich der Wächter und gab seinem Trupp ein Handzeichen, welche daraufhin eine Schneise bildeten um einen Trupp von Ärzten durchlass zu gewähren. Schnell wurde sich um jeden auf diesen Platz gekümmert. Sogar den Toten. Sie würden am Hof des Herzog's selbst für eine Bestattung vorbereitet werden. Aradan durfte sich über ein edles Bett im Krankenflügel des Herzog's freuen, sowie alle aus seiner Truppe. Jeder wurde informiert und einem Raum zugewiesen. Warum wurde keinem gesagt und dennoch behandelte der Herzog jeden als seien sie Ehrengäste.
    • Khil wirkte keineswegs überrascht, den leeren Unterschlupf vorzufinden, stattdessen glimmte in ihren Augen die Neugier.
      "Hm. Das sollte nicht so leer sein, oder?"
      Ein kurzer Blick auf den lädierten Berek erstickte weitere Fragen dann im Keim. Die Tortur, die ihr Rücken ertragen musste, fühlte sich noch allzu frisch an, um gänzlich in ihr altes Verhaltensmuster zurückzufallen, also klappte sie den Mund zu und beobachtete einfach nur, wie Berek in den Unterschlupf humpelte. Jetzt fiel einem erst auf, wie leer es tatsächlich war: Lodoz tot, Pria tot und Elraya irgendwo bei Aradans Truppe. Nicht nur die Möbel waren verschwunden, auch von der eigentlichen Truppe war nichts mehr übrig.
      Objektiv betrachtet, sollte man eigentlich um den Verlust trauern. Eigentlich sollte man von der Nostalgie der Erinnerungen so sehr überwältigt werden, dass sie jegliche Rationalität ausradierte, um sich nur noch dem Gefühl hingeben zu können. Aber Berek passte gänzlich nicht in dieses Schema und das faszinierte Khil. Sie beobachtete ihn genau, seine Bewegungen, seine Miene, seine Augen. Sie beobachtete ihn und wartete auf eine Anweisung, wartete darauf durch Erfahrung etwas beigebracht zu bekommen, denn etwas anderes hatte nicht den gleichen Mehrwert. Und wenn er ihr eine Anweisung gab, wenn er zu ihr sprach, konnte sie vielleicht etwas mehr darüber herausfinden, was hinter seiner Maske vor sich ging.

      Renera durfte sich an Wachen vorbeischieben, um einen äußerst hellen, sauberen und riesigen Raum zu betreten.
      Das Zimmer im Krankenflügel war größer als so manche Wohnung. Ein riesiges Bett, ein eigener Tisch, Kommode, medizinische Instrumente, alles war so eingerichtet, um dem König selbst einen angenehmen Aufenthalt zu bescheren.
      Nur, dass in diesem Moment kein König in dem übergroßen Bett lag.
      "Aradan!"
      Sie eilte zu ihm, warf sich auf die Bettkante, streckte sich, um ihn in ihre Arme zu schließen. Es folgte ein stürmischer Kuss und zwei weitere auf seine Stirn, bevor sie ihn endlich richtig ansah.
      "Geht's dir gut?"
      Sie war vom Kampf ferngeblieben, aus offensichtlichen Gründen, und hatte stattdessen auf die Zwillinge und Kiliak aufgepasst. Nachdem aber alles vorbei zu sein schien, hatte sie nicht eine Sekunde gezögert um zu Aradan aufzuschließen und war umso glücklicher, ihn heil vorzufinden.
      "Hat es funktioniert?"
    • "Diese verfluchten Melorianer..." zischte Berek als wäre es dessen Schuld wie sich der Unterschlupf wieder fand. Doch war es wohl eher die Schuld von Elraya oder Pria gewesen wodurch das Unterschlupf aufflog.
      "Ich gebe nichts auf Mythen oder Sagen. Für dieses vermaledeite Dorf bin ich langsam aber geneigt eine Ausnahme zu machen.." wetterte er herum und hätte sich am liebsten in ein Bett geworfen, doch war es derzeit nicht klug sich auszuruhen. Geschweige denn hier zu bleiben. Wie viel er Khil wirklich anvertrauen konnte stand ebenso noch in den Sternen, auch wenn er diesen Tag dank ihr überlebt hatte.
      "Gut was solls. Hier ist es nicht mehr sicher und meine fähigsten Leute sind nicht mehr. All die anderen in dieser Stadt sind kaum für richtige Aufträge zu gebrauchen.. ich fürchte der Tag ist gekommen." Daraufhin griff er in seine Tasche um sich leicht zitternd eine Zigarette anzuzünden. Zumindest versuchte er es. Nicht mehr in der Lage auch nur eine kleine Flamme über seiner Fingerspitze auftauchen zu lassen, packte er die Zigarette mit seiner ganzen Hand und zerrieb sie zornig ehe er sie auf den Boden warf und Khil ansah. "Wir werden aus dieser Stadt verschwinden und ein anderes Netzwerk aufbauen. Hier sind wir nicht mehr in Sicherheit."
      Für Khil wohl eine perfekte Gelegenheit sich mit dem Konzept der Flucht oder des Rückzugs vertraut zu machen. Sogar was es heißt ein Untergrundnetzwerk komplett neu aufzubauen.

      Aradan war relativ schnell wieder auf den Beinen, wurde aber immer wieder von Ärzten im Bett gehalten als er während der Untersuchung aufstehen wollte. Er hätte ihnen wohl kaum erzählen können dass seine Erschöpfung nur durch enormen Mangel an magischer Energie herzuleiten war. Aber immerhin kümmerten sie sich um die zwei banalen Fleischwunden die er durch die Armbrustbolzen abbekommen hatte. So lies er die Ärzte in Ruhe machen und freute sich nur zu sehr als diese endlich fort waren. Doch keine 10 Sekunden später schnappte die große Tür, welche beinahe als Tor durch ging wieder auf. In diesem Fall war es aber ein erfreulicher Anblick.
      Direkt schloss sich Aradan der Umarmung an und erwiderte den Kuss mit großer Sehnsucht.
      Seine Hand ließ er auf ihrem Unterarm, als die ersten Fragen kamen, als würde er damit verhindern wollen dass sie verschwinden würde.
      "Keine Sorge mir geht es gut. Es lief allerdings nicht wie geplant. Die Ärzte konnten mir nicht viel sagen aber sie meinten viele Soldaten unter der Hand von Berek tot aufgefunden zu haben, teils bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und eine Frau die ebenfalls unter ihm diente. Ich gehe davon aus dass von Pria die Rede ist.. Ich sag dir.. Die hatte es ganz schön in sich. Ich wollte ihren Blitzzauber wiedergeben aber.. Ich weiß auch nicht. Es ist kompliziert." schloss er seine Erklärung abrupt ab als wollte er sich vorerst selbst darüber im klaren sein warum es ihn so viel Kraft gekostet hatte. Dennoch wollte er keine schlechte Stimmung in den Raum bringen, also richtete er sich auf, nun neben Renera sitzend und lächelte ihr entgegen als auch schon wieder die Tür auf sprang. Dieses Mal war es der Herzog selbst. Ein Mann welchem das Leben ins Gesicht geschrieben war. Graue Haare, gepflegter Bart und edle Gewänder. Dennoch versprühte er ein gewisses Charisma, wohl durch den Krähenfüßen an seinen Augen und den Grübchen lag wenn er lächelte, so wie er es in diesem Moment tat als er sich dem Wohl von Aradan vergewissert hatte.
      "Oho, störe ich etwa?"
      "Nein nein. Keine 5 Minuten ist es her als mich die Ärzte endlich für Gesund befunden haben."
      "Na das freut mich doch. Eure Freunde sind ebenso alle in Sicherheit. Just in diesem Moment suchen wir nach Berek. Eure Freundin Elraya hat uns viele Informationen geben können um diesen Schandfleck aus meiner Stadt zu beseitigen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir ihn finden."
      "Und die Kiste?"
      Der Herzog fuhr sich zwei mal durch seinen Bart, dachte wohl darüber nach ehe er aufgab und ein Stück Pergament hervor zog
      "Eine Kiste... Eine Kiste... Da steht es. Es wurden 4 Truhen, mehrere Bücher, Regional und Stadtkarten, Waffen und Nahrungsmittel gefunden. Ich lies alles in mein Lager bringen. Sprecht mit Galrad vor der Tür, solltet ihr nach euren Habseligkeiten schauen wollen. Er ist angewiesen euch Zugang zu gewähren. Ohne ihn werdet ihr nicht an meinen Wachen vorbei kommen."
      "Vielen Dank Herzog"
      Dieser nickte, rollte die Liste wieder zusammen und räusperte sich anschließend.
      "Nun denn. Euch geht es gut. Das ist vorerst alles was ich in Erfahrung bringen wollte. Wenn ihr mich nun entschuldigt, ich muss mich um andere Angelegenheiten kümmern."

      Nun wieder alleine im Zimmer, nachdem die Tür geschlossen wurde, blickte Aradan noch dort hin und meinte beinahe schon etwas belustigt.
      "Sind eigentlich alle Herzöge oder Könige so freundlich und Menschen nah? In Prethar und Corsav sollen die Herrscher sich kaum zeigen und für kaum eine Bitte ein offenes Ohr haben."
    • Während Khils Beobachtung glaubte sie, Zeuge von etwas zu werden, was sonst keiner vor ihr sehen durfte. Sie erkannte Bereks schlechte Stimmung, das war wohl nichts neues, auch nicht seine Wut über diesen Vorfall, aber er zitterte, als er seine Zigarette anzuzünden versuchte. Er schien eine unsichtbare Linie seiner Gesundheit überschritten zu haben, die es ihm verhinderte, die Beherrschung über seinen Körper weiter aufrecht zu erhalten.
      Das war interessant, denn Khil hatte ihn bisher als völlig unter Kontrolle erlebt. Jetzt zu sehen, dass er nicht mehr alles im Griff zu haben schien, musste eine wesentliche Erfahrung für sie beide sein, aus der sich später sicher noch interessante Schlüsse ziehen ließen.
      Vorerst allerdings, würde sie weitere Beobachtungen anstellen.
      "Darf ich vorschlagen, Sir, dass wir uns alsbald auf den Weg machen? Ich darf anmerken, dass Ihre Niederlage einen Haufen Soldaten angelockt hat, die nun sicherlich Ausschau nach Ihnen halten werden. Es erscheint mir als äußerst unklug, länger als nötig an einem Ort zu verweilen. Sir."
      Obwohl sie diese Theorie noch nicht bestätigt hatte, glaubte sie doch, Berek über ihren Redeschwall hinweg beruhigen zu können, wenn sie ihn in der nötigen Höflichkeitsformel ansprach. Allerdings musste sich noch herausstellen, ob diese Theorie sich bewahrheitete.

      Renera lauschte Aradan schweigend, runzelte allerdings die Stirn, wie um etwas einwerfen zu wollen. Sie wurde dadurch unterbrochen, dass der Herzog persönlich in den Raum trat.
      Der Herzog von Shegar war ein offenherziger Mann, der gesellig genug wirkte, um ihn sich, außerhalb seines Amtes, auch als Kumpane vorstellen zu können. Renera stand bei seinem Anblick auf und verneigte sich; fast hätte sie vor ihm sogar salutiert. Er war ein Autoritätsmann, dem man sich gerne anvertraut hätte.
      Seinen Informationen zufolge war die Kiste womöglich gerettet, zumindest gab es ein paar Kisten, die sich unter der Ausbeute befunden hatten; sie würden nur noch im Lager nachsehen müssen. Das war zumindest schonmal der Ansatz einer guten Nachricht und als er wieder gegangen war, war die Stimmung nochmal um ein weiteres Stück gelockerter als zuvor. Renera setzte sich wieder auf die Bettkante und schmunzelte.
      "Du hast den König noch nicht kennengelernt. Sei nicht zu vorschnell mit solchen Vorurteilen."
      Aber dann zog das Schmunzeln wieder aus ihrem Gesicht ab und sie ergriff Aradans Hand, um sie in ihren eigenen zu halten. Ihr Blick wurde ernst.
      "Aradan, mir gefällt eine Sache nicht. Ich hatte ein wenig Zeit nachzudenken, im Gasthaus, und mir ist etwas aufgefallen. Bitte versteh' mich nicht falsch."
      Sie zögerte einen Moment um nach Worten zu suchen.
      "Ich hatte bisher nie etwas mit Magie zu tun. Nicht in meiner Familie, nicht in der Armee, nicht in Ashkenia, nirgends. Magie ist etwas aus der Vergangenheit, ein Relikt der Hochkultur, nichts aus der heutigen Welt. Aber dann tauchst du auf und du bist ein lebendiger Katalysator, du redest mit verstorbenen Magiern, Khil hat plötzlich ein Talent für Magie und jetzt auch noch Berek und die Frau, die sich hier ein regelrechtes Magiegefecht in der Stadt liefern. Jahrhunderte über gab es nichts und plötzlich alles auf einmal? Mir gefällt das nicht, denn es scheint so, als ob die Hochkultur langsam wieder aufleben würde. Das letzte Mal, als das passiert ist, ist die Welt regelrecht untergegangen. Ich will damit sagen..."
      Sie wich seinem Blick aus und drückte auf seiner Hand ein wenig herum.
      "... Ich weiß auch nicht. Vielleicht bin ich auch nur neidisch, dass alle um mich herum einen Zweck zu erfüllen scheinen und ich nur dazu in der Lage bin, ein paar Kreaturen abzuschlachten. Ich will nur, dass du auf dich aufpasst, wenn ich dir nicht helfen kann, okay? Wenn du dich mit Menschen anlegst oder eigentlich bei allem, was irgendwie mit Magie zu tun hat. Ich will dich nicht wie Minerva an das Zwielicht verlieren müssen und ich will aber auch nicht, dass du daran teilnimmst, die Welt ein zweites Mal zu zerstören."
      Sie zwang sich ein halbes Lächeln auf.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren () aus folgendem Grund: Kiste

    • Kaum hatte Khil angefangen ihre Idee preis zu geben, seufzte Berek auch schon und massierte sich mit zwei Fingern genervt den oberen Nasenrücken. Nicht nur wiederholte dieses Mädchen exakt das was er ohnehin schon deutlich machte. Viel mehr regte ihn dieser geschwollene Ausdruck auf der wohl nur bei den penibelsten Adelsleuten gepflegt wurde.
      "Khil..! Ich sags dir nochmal.. RED NORMAL!!"
      Dann wandte er sich zu ihr und breitete die Arme fordernd aus um seinen Worten mit lauter Stimme und Gestik mehr Gewicht zu verleihen.
      "Wir stecken in der Scheiße und müssen hier weg. Das wars. Kein Sir. Kein gar nichts. Verstanden!?"
      Doch dann fing er sich. In Anbetracht seiner Lage sogar ziemlich gut. Es hatte einfach keinen Sinn sich jetzt unnötig über eine Aussprache aufzuregen, wie ihm auch schon wieder schmerzlich durch einem Stich an seinem Magen in den Kopf gerufen wurde.
      "Nahhh... Ich brauch nen Arzt. Wenn das hier nicht aufhört zu bluten werd ich die Nacht nicht überstehen und du wirst nie deine gewünschte Ausbildung erhalten. Also los."
      Berek schleppte sich zum Geheimeingang, vor welchem noch ein paar Bretter standen. Er riss sie weg und offenbarte den schmalen Eingang, welchen er erst zu nutzen in der Lage war, als er ein paar Kisten stufenweise passend davor schob.
      Anschließend dauerte es nicht lang bis er mit Khil bei einem Arzt war, dessen Schweigen er sich durch Informationen gesichert hatte.


      Aradan lauschte und sah direkt betrübt zwischen seinen Beinen hinab auf den edlen Marmorboden als Renera ihre Bedenken äußerte. Es waren Gedanken die wohl jeder in der Gruppe teilen würde. Aradan selbst dachte darüber schon eine ganze Weile nach, behielt es aber für sich um niemanden zu beunruhigen. In Renera's Fall war es nun wohl aber anders. Sie gehörten zusammen und würden künftig alles und die Welt herausfordern. Warum also vor ihr inne halten?
      So stand er auf und richtete sich ihr entgegen.
      "Ich verstehe deine Sorge. Mir ist es auch noch nicht ganz klar. Anniera war die einzige Person die ich traf welche sich damit ernsthaft befasst hat. Sonst habe ich es nur als lebhafte Vorstellung unter spielenden Kindern gehört. Drachen, Elfen... Götter..."
      Letzteres jagte auch Aradan kurz einen Schauer über den Rücken als er wieder die Bilder von dieser Person aus der Vergangenheit vor Augen hatte, welche gottgleiche Kräfte besaß.
      "Seit unserer Begegnung mit der Spinnenmutter habe ich nie an Magie geglaubt und schon war sie ein Teil von mir. Sie überwältigt mich noch heute aber... Das macht den Gedanken an Fabelwesen gar nicht mehr so abwegig hm? Sieh zur Tür. Sowie wir sprechen könnte ein sechs armiger Ziegenbock mit Löwenkopf hinein kommen und ich wäre nicht mal mehr überrascht."
      Ein zynisches lächeln legte sich auf sein Gesicht und lies ihn schwermütig durchatmen.
      "Das würde diesen Raum auch schon mit zwei widernatürlichen Lebewesen füllen hm?"
      Da hielt er seine Hand vor sich und lies ein paar Funken zwischen seinen Fingern erscheinen welche zwischen Finger zu Finger spielerisch umher sausten.
      "Ich frage mich immerzu ob meine Eltern genau das für mich wollten.."
    • Der Weg zum Arzt gestaltete sich bereits als Versteckspiel: Die reine Anwesenheit der Soldaten musste sich in der letzten Stunde verdreifacht haben. Sie waren an jeder Ecke anzutreffen, in jeder Gasse, sogar manchmal auf den Dächern, in Wohnungen, überall dort, wo man einen Überblick über die Szenerie haben konnte. Dafür waren Bereks Männer wie vom Erdboden verschluckt, allesamt verschwunden, niemand, der auch nur im geringsten behauptete, jemals etwas mit Berek zu tun gehabt zu haben. Natürlich mussten in der Stadt noch welche sein, es musste noch Handlanger von ihm geben, aber sie hätten ihm bestenfalls ins Gesicht gelacht, wenn er versucht hätte, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Obwohl er den Kampf eigentlich gewonnen hatte, war es eine gewaltige Niederlage für ihn. Der Herzog hatte ganz offiziell wieder die Kontrolle über die Stadt zurück erhalten - und das nur wegen einem weißhaarigen Meloraner und seine Truppe.
      Der Arzt wahrte Diskretion, aber Khil fragte sich, ob sie auch anhalten würde, bis sie die Stadtmauern hinter sich gelassen hatten. Vielleicht würde er bei der nächsten Patrouille nachgeben und erzählen, dass Berek bei ihm gewesen war, einfach nur, weil der ehemalige Fadenzieher keinerlei Macht mehr zu besitzen schien. Von allen Menschen war ein Arzt wohl der beste, der sowas beurteilen konnte.
      Also überlegte sie sich bereits, wie sie die Stadt am schnellsten verlassen konnten und präsentierte ihm kleinlaut den Vorschlag, sich bei dem nächsten fahrenden Händler zu verstecken und sich auf seinem Wagen hinausschmuggeln zu lassen. Sie wären ungesehen und außerdem könnten sie den Händler umbringen und hätten dann gleich Wagen und Proviant, womit sie erstmal ein paar Wochen in der Wildnis aushalten könnten, ehe sie es wieder in die Zivilisation geschafft hätten. Dabei bemühte sie sich nach ganzem Herzen, möglichst wenig geschwollen zu reden, konnte sich aber ein wiederholtes "Sir" dann doch nicht verkneifen.

      Renera stand ebenfalls auf, schob sich zwischen Aradans Hand und seine Brust und legte ihm die Arme um den Hals. Es war zwar schön, dass das ganze Chaos der vergangenen Tage endlich aufgehört zu haben schien, aber für sie fühlte es sich eher an wie der Anfang etwas neues, viel anstrengenderes an. Woher sollten sie wissen, dass sie das richtige taten? Woher wollten sie verhindern, dass sie die Welt nicht ein zweites Mal ins Verderben stürzten? Und obwohl Renera sich in dieser Lage selbst so nutzlos fühlte, ohne die Möglichkeit, auch nur einen Finger zu rühren um zu helfen, musste Aradan sich als Anker dieses ganzen Problems regelrecht verloren vorkommen.
      Sie umarmte ihn für einen Moment und legte den Kopf an seine Schulter.
      "Ich glaube, deine Eltern wollten hauptsächlich, dass du glücklich bist. Bist du denn glücklich?"
      Dann löste sie sich wieder von ihm, ergriff seine Hand und verschränkte seine Finger mit ihren.
      "Lass uns nach den anderen sehen. Außerdem sollten wir nach dem Mädchen schauen, jemand muss ihr noch beibringen, dass ihre Mutter gestorben ist. Aber das wirst du nicht alleine machen."
      Sie lächelte ihn an.
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