[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    • Minerva zischte ärgerlich, als sich der Käfig um sie herum verengte und sie sich nicht mehr frei bewegen konnte. Sie funkelte Aradan aus leidenschaftlichen Augen heraus an und versuchte es doch ein paar Mal sich gegen die Wände zu stemmen.
      "Das sind deine Fragen, Aradan? Du wanderst zwischen den Welten mit einem Schnipsen deiner Finger und weißt nichtmal worum es sich dabei handelt? Ha! HA-HA!"
      Sie warf den Kopf in den Nacken und stieß ein schrilles, kreischendes Lachen aus, ehe sie sich wieder ihm zuwandte.
      "Du bist so NAIV! So UNSCHULDIG! Dabei weiß ich genau, wie alt du bist, ich war schließlich in deinem Körper! HA!"
      Sie grinste breit und stemmte sich noch einmal gegen die Wände.
      "Aber wenn das deine Fragen sind, werde ich sie beantworten! Wir haben schließlich einen Deal. Fünf Minuten für jede Antwort!"
      Sie räusperte sich und fuhr sogar recht normal fort, zumindest für ihre Verhältnisse.
      "Das Zwielicht ist eine Welt hinter deiner Welt. Sie ist wie der Schatten, in dem alles lebt, was in der Sonne nicht überleben kann. Wenn deine Welt der Körper ist, ist das Zwielicht der Geist."
      Besonders der letzte Satz klang unbewusst so, wie Urudin ihn bereits auch formuliert hatte.
      Minerva beobachtete Aradan auf eine Reaktion, stemmte sich weiter gegen die Wand und hielt den Kopf grinsend schräg.
      "Weißt du echt gar nichts über das Zwielicht? Ich kann dir viel mehr beibringen, du kratzt ja gerade mal an der Oberfläche! Ich kann es dir zeigen, soviel du willst!"
      Sie bog sich ihm entgegen.
      "Sieh das als deine erste Unterrichtseinheit! Ich bringe dir alles bei. Was wolltest du wissen? Achja, die Grenzen. Die beiden Reiche sind ganz klar voneinander abgetrennt, da wo das eine existiert, gibt es auch das andere, aber sie laufen nicht ineinander über. Alle, die in einem Reich geboren sind, können nicht ins andere wechseln und umgekehrt - außer du natürlich. DU bist eine ganz wunderbare Ausnahme."
      Sie grinste breit und versuchte beiläufig aus dem Käfig zu entkommen.
      "Beantwortet das deine Fragen? Ich weiß noch viel mehr. Ich weiß alles!"
    • Aradan zuckte mit den Schultern als Minerva ihm mit Hohn und Gelächter entgegen kam.
      "Tja was soll ich sagen. In zwei Welten ist etwas knifflig und in meiner gibt es schon mehr zu lernen als man in einer Lebenszeit finden kann. Praktischerweise haben wir aber viele Möglichkeiten an Wissen zu gelangen. Anders als hier. Also verzeih wenn ihr Quälgeister es mir zur Aufgabe gemacht habt den Ort zu meiden und dass ich nicht zufällig ein Schild gesehen habe dass mich zur nächsten Bibliothek führt."
      Aber dann schien sie doch einsichtig zu werden und ging auf sein Angebot ein, welches er ebenfalls noch mal klar stellte
      "Ganz genau. 5 Minuten für jede Antwort auf meine Frage"
      Was dann folgte, hörte sich tatsächlich nach der Wahrheit an. Entweder das, oder sie war eine geborene Lügnerin. Es blieb ihm nur nichts anderes übrig als zu glauben was von ihr kam.
      "Tja da scheinst du wohl doch nicht alles zu wissen. Die beiden Welten sind wie wir beide sehen wohl doch nicht komplett voneinander getrennt. Es gab bisher nur nie eine Brücke. Mir scheint es als wären die Welten schon miteinander verbunden, immerhin bin ich nur ein Prototyp. Wer weiß was in den nächsten 20 Jahren geschieht. Aber dennoch. Wenn du wirklich so viel weißt, beweise es mir."
      Er lies Minerva etwas mehr Raum um eine gewisse Vertrauensbasis aufzubauen. Beide konnten voneinander profitieren und er glaubte nicht dass er so schnell mit den Fragen durch sein würde.
    • Minerva schoss los, kaum als sich der Käfig um sie herum sich erweiterte. Sie war unheimlich schnell, schneller noch, als es in der richtigen Welt hätte möglich sein können, doch selbst mit dieser Geschwindigkeit drang sie nicht durch den Bann, den Aradan noch immer zu seinem Schutz aufrecht erhielt. Sie federte davon ab, kam wieder so nah an ihn heran wie es nur möglich war und reckte ihm in einer aufreizenden Geste ihren Oberkörper entgegen.
      "Ich soll es dir beweisen, Aradan? Das wird dich fünf Minuten kosten. Fünf Minuten, weil es die Beantwortung einer Frage ist! Was hälst du davon?"
      Sie grinste und tigerte an dem Bann entlang, wie um nach einem Schlupfloch zu suchen.
      "Setz fünf Minuten obendrauf und ich zeige dir einen Ort, an dem die Grenze... hm... wie sagt man... verwaschen ist. Da, wo sie vor vielen hundert Jahren geöffnet wurde. Für fünf Minuten in deinem Körper. Es wird ganz schnell gehen."
      Sie hielt ihm die Hand entgegen.
    • Aradan's kleiner Versuch Minerva mit gewissen Formulierungen auszutricksen ging leider ins Nichts. Aber es wunderte ihn auch nicht groß. Dieser Quälgeist war immerhin gewieft bis in die schemenhaften Spitzen. So hob er die Hände und nickte mit dem Kopf.
      "Gut okay. 5 weitere Minuten, du hast mein Wort. Zeig mir wovon du sprichst"
    • Minerva grinste noch viel breiter, dann ergriff sie seine Hand und die Welt löste sich in Nichts auf.
      Sie teleportierten sich, aber es dauerte nur einen Herzschlag lang. Das ganze Zwielicht und alles, was es mit sich brachte, schoss an ihnen vorbei wie ein Blitzschlag. Tausend Sinneseindrücke zogen gleichzeitig an ihnen vorbei, als sie mehrere Kilometer hinter sich brachten, die im Zwielicht sowieso allesamt stumpf und farblos gewirkt hätten. Sie verschwanden am einen Ort, überbrückten die Distanz und tauchten an dem anderen auf, als wäre nichts geschehen.
      Sie waren an einer graslosen Senke angekommen, in der es höchstens ein paar Felsen gab. Der Boden wirkte trocken, als habe er seit Jahren schon kein Wasser in sich aufgenommen, und in der Ferne erhoben sich die schemenhaften Umrisse von Bergen. Ein Flussbett lief dort auch entlang, aber es war trocken.
      Das Zwielicht war an diesem Ort anders, es war lebendiger. Eine Brise ergriff beide von ihnen, ein Wind, der im Zwielicht nicht existieren dürfte. Er brachte einen strengen Geruch mit sich, der an die Süße der Verwesung erinnerte, aber einen bitteren Nachgeschmack hatte. Der Geruch schien überall anzuhaften.
      Sie waren nicht alleine. Die Senke war vollgestopft mit Gestalten, manche davon sichtbarer als andere, aber alle tummelten sich dort, standen nur herum, stoßen sich durch die Menge oder gaben unverständliche Laute von sich. Es waren hunderte, tausende, wenn nicht gar millionen, die sich dort aus einem unersichtlichen Grund sammelten, ganz unabhängig welcher Art oder welcher Größe sie waren. Sie hatten alle dasselbe Ziel, aber das Ziel war nicht ersichtlich.
      Minerva hielt Aradans Hand noch immer gepackt und starrte ihn grinsend an. Ihre Haare wurden vom Wind erfasst, aber sie bewegten sich widernatürlich, als würde der Wind sie anziehen und nicht abstoßen.
      "Weiter können wir nicht rangehen, sonst wird es gefährlich. Der Sog ist stark und ich will nicht wissen, was er mit einem Wesen wie mir anstellt."
      Sie kicherte über einen unerkenntlichen Witz.
      "Siehst du die Meute? Die Verrückten? Sie wollen alle zum Tor, aber sie werden es nicht schaffen. Das Tor lässt nicht alle durch."
      Sie hob die andere Hand und zeigte auf die fernen Berge.
      "Wenn du es sehen willst, wirst du in der anderen Welt hingehen müssen. Du erkennst diesen Ort, wenn du ihn findest, dort wirst du auch das Tor sehen."
      Tatsächlich schien es an diesem Ort kaum einen Magiefluss zu geben, als habe er keine Chance, sich überhaupt erst zu entwickeln. Der beständige Strom im Boden schien ständig kurz davor sein abzufließen und zog auf der anderen Seite sicherlich seine Ressourcen aus der Umgebung.
      "Das Zwielicht und die Oberfläche gehen hier miteinander über. Wenn du dich anstrengst, kannst du die Vögel hören. Hörst du sie, Aradan?"
      Sie griff nach ihm und drängte sich an ihn heran.
    • Aradan musste all seine Instinkte im Zaum halten als Minerva ihm näher kam um seine Hand zu greifen. In diesem Moment hätte viel unerwartetes geschehen können, was dann auf unerwarteter Weise tatsächlich geschah.
      Beide hatten sich so schnell von einem Punkt zu einem anderen bewegt, dass Aradan's Kopf nicht hinterher kam. Undefinierbare Dinge schossen an ihm vorbei, wirkten dabei als würde die Realität einfach mehrere Dinge ineinander schmelzen lassen, doch verstand er schnell, als dieser unfassbare Wimpernschlag vorüber war. Kurz darauf verstand auch sein Körper, welcher im nächsten Augenblick eine starke Übelkeit hinauf beschwörte.
      "Verflucht Minerva... Das..."
      er gluckste immer mal wieder kurz auf, bis er sich wieder fasste und nur noch leicht schwankend aufrecht stehen konnte. Ungeachtet des Ortes, blickte er dabei vorerst den Quälgeist an und war sich einmal mehr im Klaren dass dieses Wesen mehr auf dem Kasten hatte als ihm lieb war. Aber vielleicht würde er daraus noch seinen Nutzen ziehen können.
      Erst dann sah er sich an worauf Minerva hin wies, was dafür sorgte ihm die Verwunderung in sein Gesicht zu schreiben.
      "Was um alles in der Welt... Was ist das?"
      Entgegen des Rates schritt er noch einen Meter voran als würde es ihm mehr Einblick gewähren
      "Willst du mir etwa sagen dass ein Durchgang von deiner in meine Welt existiert? Das kann nicht sein. Nein.. Das DARF nicht sein."
      Eine Mischung aus Unglaube und Tatendrang staute sich in Aradan auf. Zu gerne wäre er augenblicklich in die Senke vorgestoßen um mehr in Erfahrung zu bringen, doch konnte auch er spüren dass es sich einfach nicht normal anfühlte auch nur dort zu stehen wo er jetzt stand.
      Der Drang Minerva Fragen zu stellen wurde immer und immer größer, beinahe unerträglich wurde es für Aradan sich zurück zu halten, doch wollte er ihr einfach keinen ganzen Tag an Zeit schenken, was wohl der Fall gewesen wäre, wenn er all seine Fragen nun offen stellen würde.
    • Minerva sah mit einer Mischung aus unverholener Schadenfreude zu Aradan auf, als würde sie sich von seinem offenen Unwissen laben. Sie umkreiste ihn ein wenig, versuchte aus seiner Ratlosigkeit den größtmöglichen Nutzen zu ziehen.
      "Natürlich, Dummerchen. Wie meinst du denn ist die Welt kollabiert? Etwa durch einen fehlgeleiteten Feuerzauber? Ha!"
      Sie stieß ihr kurzes, schrilles Lachen aus und sah dann selbst wieder auf die Massen dunkler Gestalten, die sich sich träge dem fernen Punkt zuwandten. Die Berge, zu denen Minerva gezeigt hatte, wirkten wie tote Giganten, die die Masse wie die Fliegen anzogen.
      "Kannst du dir vorstellen, dass sie über all die Jahrhunderte immer noch intakt sind? Ein erstaunliches Wunder. Ich kann dir mehr davon zeigen, wenn du mich nur in deine Welt mitnimmst. Ich kann dir alles zeigen was du begehrst."
      Sie schmiegte sich an ihn und stieß ein kehliges Schnurren aus, so als wollte sie ihn umgarnen.

      Unterdessen war Urudin tot.
      Natürlich war er nicht tot im Sinne der lebendigen Welt, denn dafür musste seine Seele sterben und die war mit dem Zwielicht verbunden so wie der Energiefluss - er war noch existent, aber im Vergleich zu allen Seelen, die einen Körper besaßen, hatte er eben keinen und deswegen war er tot.
      Er hatte lange gebraucht um diesen Unterschied zu verstehen und noch länger hatte er gebraucht, bis er den Grund dafür entschlüsselt hatte. Leider konnte er sich nicht mehr daran erinnern, was genau er verstanden hatte; Das war einer seiner vielen Gedächtnislücken, die er mit sich trug. An lichten Momenten, so wie die, die er in der Nähe des Menschenmanns häufiger bekam, glaubte er fast, dass dieses Verstehen etwas damit gemeinsam hatte, dass er tot war, aber die lichten Momente kamen sehr selten. Meistens existierte er einfach nur so dahin.
      Seine Seele hatte keinen festen Ort im Zwielicht. Sie war gleichzeitig überall und nirgendwo, sie war in dem Energiestrom, der durch die Luft floss und sie war in den schattenhaften Umrissen der Bäumen aus der anderen Welt, sie war im Boden und sie war im Stein. Sie war nicht greifbar und sie war auch nicht an einen Ort gebunden, sie war Teil des Zwielichts und das Zwielicht war einfach überall. Wenn er sich anstrengte, konnte er die Stimmen aller anderen Seelen hören, die nicht waren.

      Meistens befand er sich in einem Zustand des Diliriums. Das Zwielicht, und damit auch er selbst, war gewaltig und daher mit seinem menschlichen Verstand kaum zu bewältigen. Wenn er nicht über die Jahre hinweg mit dem Zwielicht verschmolzen wäre, so wie alles tote mehr und mehr damit verschmolz, hätte er die Flut an Informationen, die jeden einzelnen Moment auf ihn einflossen, vielleicht zu seinem Vorteil nutzen können, aber sein Verstand war träge. Er war wie eine breiige Masse, die sich zäh dahinschob, kaum stark genug um sich aus eigenem Antrieb zu bewegen und daher auf die Gravitation angewiesen, die sie voranschob. Es war so schwierig zu denken also dachte er manchmal gar nicht.
      Dann veränderte sich allerdings etwas. Etwas erregte die Aufmerksamkeit seines menschlichen Überbleibsels, seinem Instinkt, verrottet und faulig, der sich müde regte, als habe er etwas beizutragen. Was hast du mir zu sagen, alter Instinkt? Ich dachte, ich habe dich schon vor Jahren umgebracht. Bist du etwa wieder?
      Er strengte seinen Verstand an. Fast hätte er geschwitzt, wenn er einen Körper hätte, aber er war ja das Zwielicht. Das Zwielicht schwitzte nicht.
      Tausend Eindrücke schossen an ihm vorbei, während er versuchte herauszufiltern, welchen davon ihn so erregt hatte. Es war nur ein einziger und es war unheimlich schwierig, ihn aus dem Meer des Zwielichts herauszufischen. Hilf mir, Instinkt. Ich glaube, das ist wichtig.
      Er sah ihn. Ihn! Er war an einem Ort, vor dem Urudin zurückschreckte, aber irgendetwas sagte ihm, dass der Ort wichtig war. Er war wichtig und dadurch, dass er wichtig und an diesem wichtigen Ort war, musste das ein wichtiges Ereignis sein.
      Konnte es sein? Dass das Ereignis war? Er wusste nicht, wieso ihn das so erregte, aber es hatte irgendetwas mit dem Gespräch zu tun, das er mit dem Menschenmann vor vielen Jahren geführt hatte. Ja, das war.
      Er konzentrierte sich auf die Umgebung des Menschenmanns und während er sich konzentrierte, spürte er, dass das Licht des Mannes sich auf ihn abfärbte. Er spürte, wie sein träger Verstand sich erst schrumpfte und dann ausdehnte, wie eine verschrumpelte Blume, die zum ersten Mal in Jahrhunderten Sonnenlicht erfuhr. Es war unangenehm, aber gleichzeitig war es wichtig. Er begann sich zu manifestieren.

      Die Luft um Aradan und Minerva herum begann zu flimmern und sich zu verzerren und Minerva kniff skeptisch die Augen zusammen. Sie hörte auf sich so an Aradan heranzuschmusen und trat auf das Flimmern zu, ehe langsam eine Gestalt hervorkam und sie ihn erkannte.
      "Du schon wieder! Verzieh dich von hier!! Du hast genug angerichtet!"
      Sie ruderte mit den Armen, als könne sie seine Gestalt dadurch vertreiben, aber Urudin manifestierte sich nur so weit, bis er anständig reden konnte und besaß daher keinen richtigen Körper. Bald schwebte er wieder vor ihnen in der Luft, wie er es schon einmal getan hatte.
      Er musste sich erst von den Eindrücken des Zwielichts losreißen, um sich auf den einzelnen Ort zu konzentrieren, an den er sich konzentrierte. Das war äußerst anstrengend und äußerst erschöpfend und während er sich konzentrierte, glitt sein Blick ab durch die Luft, als habe er noch gar nicht bemerkt, dass Aradan und Minerva anwesend waren. Erst Aradans Anwesenheit fing an, ihm ins Hier und Jetzt zu verhelfen.
      "Ah. Menschenmann. Du bist noch immer? Es ist lange her. Fünf Jahre ist's her."
      Sein Verstand siebte träge dahin und das ärgerte ihn. Er wollte dem Mann etwas sagen, es war wichtig. Wenn er doch nur wusste was!
      "Dieser Ort..."
      Er trieb langsam zur Seite und ließ einen trüben Blick über die dunkle Menge schweifen.
      "... ist wichtig. Ich... habe vergessen."
      "Siehst du! Bleib lieber tot, wo du hingehörst!! Ich werd' allen sagen, dass du nicht tot bist, wenn du nicht verschwindest!!"
    • Aradan wich jedes Mal etwas zurück wenn sich Minerva wieder an ihm Rieb wie eine unvorhersehbare Katze, von welcher man nie wusste ob sie einen nun mochte oder nur auf eine Gelegenheit lauerte ihre Krallen ins Fleisch zu jagen. Er respektierte dieses Wesen auf einer Seite, hielt sich aber immer im Hinterkopf was dieses Ding schon angestellt hatte, was ihn auch dazu brachte mit entschlossener Abneigung auf ihre ersten Worte zu reagieren.
      "Ich soll dich mit in meine Welt nehmen? Du weißt aber schon was du bisher alles angerichtet hast oder? Lasse ich so etwas zu, werden alle die mir etwas bedeuten darunter leiden. Unser '5 Minuten pro Frage' Deal birgt schon zu viele Risiken als ich zählen kann. Da müssten wir schon einen deutlich komplizierteren Vertrag schließen dass ich mit einem Wesen wie dir etwas so gefährliches eingehen könnte."
      Stechend blickte er sie nach seinen Worten an
      "Damit will ist sagen.. Ver~giss~es"
      Seine Worte untermalten dass er zwar interessiert an Antworten war, doch niemals im Austausch für Minerva ohne Zeitbegrenzung in seiner Welt. Und selbst wenn, hatte Aradan gar keine Ahnung wie er so etwas bewerkstelligen sollte. Was das Zwielicht betraf, war er wie Minerva richtig erkannte, ein regelrechter Anfänger.. Was schon lustig war, wenn man bedachte dass er bereits zwei Jahre nichts anderes tat als unter der Leitung von Anniera die Mystiken des Zwielichts zu erforschen. Außer Vermutungen konnten sie in all der Zeit kaum etwas herausfinden. Nur wie Aradan die Energie darin nutzen konnte, war einigermaßen erschließbar.

      Doch dann geschah erneut etwas vollkommen unerwartetes. Erst diese seltsame Senke, dann die Spielerei von Minerva und nun das. Vor ihm bildete sich tatsächlich Urudin, welchen er zuvor unter Anstrengung kaum zu sich rufen konnte und nun passierte es von ganz alleine? Noch dazu klar verständlich?
      Das widerwillige Verhalten von Minerva bestärkte Aradan anschließend umso mehr diesem scheinbar enorm verwirrten Geist zuzuhören, also zischte er nur
      "Sei still!"
      in Minerva's Richtung, samt einer kreisenden Handbewegung, welche unmittelbar unter Minerva vier dicke Eisen Ketten aus dem Boden schießen lies. Die Enden verschmolzen direkt mit Minerva's Hand und Fuß Gelenken und rissen diese Augenblicklich zu Boden. Und um diese ruhig zu stellen, legte sich auch eine fünfte Kette über ihren Mund welcher ihre Fähigkeit zu sprechen wie ein heftiger Knebel auf den Boden drückte.
      Daraufhin widmete sich Aradan dem erneut verstreut wirkendem Urudin.
      "Urudin. Was möchtest du mir sagen? Kann ich dir helfen dich zu erinnern?"
      Er schritt auf Urudin zu und hielt ihm seine Hand so weit hin bis sich beide ineinander legten, in der Hoffnung dass dies vielleicht etwas bewirken könnte.
    • Während Minerva sich bis in die Raserei steigerte und schließlich von Aradan zur Ruhe gezwungen wurde, trieb Urudin in seinem trüben Ablauf seiner Gedanken dahin. Er konzentrierte sich, er gab sich wirklich die größtmögliche Mühe, aber meist entsprang ihm diesem Aufwand nur ein einzelner Gedanke, wie ein Funke auf einem nassen Stein, dem kein Halt geboten wurde. Wenn er sich nicht so anstrengen würde, wenn er wieder in sein Dilirium überschreiten würde, dann würde er nicht einmal seinen jetzigen Körper halten können und dann würden alle seine Gedanken wieder mit dem Zwielicht zerfließen.
      Aber der Menschenmann, der war hier und das war wichtig. Das war so wichtig, dass er sich so sehr anstrengte, bis sein Verstand blutete.
      Er wandte sich dem Menschenmann wieder zu.
      "Ob du mir helfen kannst?"
      Er begriff sogar diese Worte für einen Moment nicht und dachte über ihren Sinn nach, als ihre Hände sich berührten.

      Urudins Verstand zerfloss. Es fühlte sich an, als habe man die Wände eines Fasses mit einem Schlag entfernt und der Inhalt würde sich nach allen Seiten ergießen, ungebremst und einflusslos bis auf das eigene Momentum. Es gab keinen Halt mehr für seinen Verstand, der in alle Richtungen davonfloss.
      Er entfesselte einen Zauber, von dem er nicht wusste, dass er existierte. Es war ähnlich dem Vorfall vor wenigen Jahren, als er dem Menschenmann das Leben gerettet hatte: Damals war er auch getrieben von einem Instinkt - seinem Instinkt vielleicht? - der seine Handlungen durchführte, während er selbst nur existierte. Oder auch tot war? Was war er im Moment?
      Der Zauber hüllte sie beide ein, entfesselt von Urudin und genährt von Aradans Licht und er ließ alles um sie herum im Nichts verschwinden. Sie bewegten sich nicht, auch das Zwielicht bewegte sich nicht, aber dann war plötzlich alles Schwarz.
      Ein Bild erhob sich aus dieser Schwärze. Es war zuerst nur der Eindruck einer Landschaft, dann aber verfestigte es sich weiter, breitete sich aus, schien Aradan in sich hineinzusaugen, formte seine Umrisse und ging schließlich in gleißendes Licht auf.

      Aradan fand sich auf einem Feld wieder. Der Himmel war in Schwärze getaucht und die Wolken hingen dick darunter mit keiner Lücke dazwischen. Die Luft hatte denselben süßlich-bitteren Verwesungsgeruch, wie er ihn bereits im Zwielicht bemerkt hatte. Allerdings schien dieser Geruch diesmal einen direkten Ursprung zu haben: Das Feld war mit Leichen gesprenkelt. Gefallene Soldaten auf einem Schlachtfeld.
      Um Aradan liefen Soldaten herum. Sie trugen unbekannte Rüstungen und unbekannte Wappen und sie waren in einer Panik, die all beherrschend war. Niemand schien zu kämpfen, alle schienen nur zu rennen.
      Urudin stand neben Aradan, aber er sah anders aus. Er steckte in einer roten Uniform, die mit Blut besprenkelt war, seine Haare waren zerzaust und durcheinander, aber seine Gesichtszüge wirkten jünger und weniger verwitterter. Seine Augen blickten nicht trübe herein, sie waren stattdessen voller Leben und mit einer Mischung aus Entsetzen und Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt gerichtet.
      "Was haben wir getan, Jherl?", rief er Aradan über den Lärm der Soldaten hinzu und schien ihn anscheinend für jemanden mit dem Namen Jherl zu halten.
      "Was haben wir erschaffen?"
      Er starrte auf den riesigen Riss in der Entfernung, von dem ein unheimliches Glühen auszugehen schien und der sämtlichen Wind in der Umgebung in sich aufzusaugen schien.
    • Kaum dass sich die Hände beider berührten, folgte die nächste unglaubliche Instanz die Aradan erst einmal verarbeiten musste. Eben noch die Senke beobachtend und verstehend dass er wohl grade teleportiert wurde, manifestierte sich plötzlich Urudin ohne sein zutun, gefolgt von einem... Zeitsprung?! Nie hätte Aradan geglaubt zu wissen wie sich ein zitternder Verstand anfühlen würde, doch war das was er nun sah ganz und gar nicht aus seiner Zeit. Er musste all seine Konzentration aufwenden nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Angst überflutete seinen ganzen Körper und dennoch überwiegte Mut und Tatendrang.
      Egal. Er wollte nichts mehr als seine Hand sofort wieder von Urudin zurück zu ziehen, doch... das ging nicht. Was war denn das nun für ein seltsamer Zauber? Sein Kopf handelte.. doch sein Körper nicht. Beinahe wäre Aradan in Panik verfallen, doch dann wandte sich endlich sein Kopf zu Urudin. Etwas erschrocken bemerkte er wie Urudin gänzlich anders aussah und nicht mehr ansatzweise wie ein Geist war. Viel mehr wirkte er real... greifbar und... ziemlich emotional.
      "Wo bin ich hie....."
      Aradan erschrack. Er sprach diese Worte, doch nichts war zu hören. Schlimmer noch, seine Worte wurden von ihm selbst unterbrochen, doch in einer anderen Stimmlage und so nie von ihm geplant.
      "Verlier jetzt nicht die Nerven !!"
      Waren das wirklich seine Worte? Aradan fasste sich. Erst die teleportation und nun diese offensichtlich andere Zeit. War das wirklich real? Er entschloss sich zu schweigen und seinem zwang sich zu bewegen nachzugeben. Sofort zeigte es Wirkung. Er konnte sich deutlich besser konzentrieren. Beinahe war es als würde er einen realen Traum durchleben.
      So sah er dabei zu wie er Urudin eine heftige Ohrfeige verpasste, was diesen kalt erwischte, doch schienen sie gut befreundet zu sein, denn half Aradan's Körper Urudin direkt wieder auf.
      "Wenn wir jetzt aufhören, wird es noch die ganze Welt zerreißen! Komm. Wenn wir schon Schuld an diesem Riss sind, können wir es auch wieder umkehren!"
      Direkt hielt die Person seine Hand hoch, welche am Handgelenk ein seltsames Objekt befestigt hatte, aus welchem zugleich kleine Funken auf kamen, welche schnell zu heftig tanzenden Blitzen wurden ehe sie in einem krachenden Donner auf den Riss mehrere Meter weiter einschlug, doch verschlang der Riss diesen Donner, welcher wohl stark genug gewesen wäre um ein ganzes Haus in Pulver zu verwandeln.
      "Verflucht! Los! Wir müssen es gemeinsam versuchen! Du auch Minerva!"
      Von diesem Namen sofort erschrocken sah Aradan als stiller Beobachter weiter als der Blick dieser Person doch tatsächlich zu einer Frau wankte, die Minerva so ähnlich sah, dass es Aradan's Bewusstsein ironischerweise einen solchen Schauer über den Rücken jagte, dass er wohl selbst als Geist durchgehen würde.
    • Urudin erhielt von dem Mann namens Jherl eine Ohrfeige, die seinen ganzen Kopf zur Seite schlug und ihm die Aufmerksamkeit entlockte, die Jherl wohl gewollt hatte. Es wirkte auch: Er konnte sich von dem Anblick losreißen und wandte sich Jherl zu.
      Natürlich schlug dessen nächster Zauber fehl. Alles schlug fehl. Sie konnten nicht mehr aufhalten, was sie begonnen hatten, es war Wahnsinn zu denken, dass sie es noch umdrehen konnten.
      Die gegnerische Armee war bereits zum größten Teil zerstört, allerdings waren die Leichen in diesen furchtsamen Riss gezogen worden, der nicht von dieser Welt zu stammen schien. Er saugte alles in sich ein und spuckte es, womöglich im Zwielicht, wieder aus.
      Das Vorhaben war der reinste Irrsinn gewesen. Sie hätten nicht darüber nachdenken dürfen, es im Krieg zu entfesseln. Sie hätten es überhaupt nicht erforschen dürfen.
      "Das ist Wahnsinn, Jherl!", rief er ihm über den Lärm des Risses und der schreienden Soldaten hinzu. Der Wind verstärkte sich und riss an seinen einst so sorgsam geflochtenen Zöpfen. Er hatte seinen Haarschmuck, ein Zeichen seines hohen Standes, irgendwann dann verloren, als er durch die Entstehung des Risses auf den Boden gefallen war.
      Minerva schob sich in ihrer Nähe zu ihnen durch. Ihre Uniform war genauso blutig und die Haare zerzaust, aber sie hatte eine Entschlossenheit in ihrem Blick, der Urudin sogar für den Augenblick Mut schenkte. Sie ging noch immer aufrecht, hatte den Kopf erhoben, als wäre sie trotz der Lage noch immer dazu bereit, ihre Magier zu befehligen.
      "Jherl hat recht! Die Schlacht ist gewonnen, wir müssen es schließen, bevor es sich weiter ausdehnt!"
      "Bevor es sich ausdehnt?! Das sieht mir schon viel zu groß aus, um sich noch weiter auszudehnen!"
      Ein Soldat rempelte ihn in seiner Hast von der Seite an und er stolperte. Das viele Blut auf dem Boden machte es nicht unbedingt leicht sich frei zu bewegen.
      "Besser jetzt als nie, Urudin! Sonst bist du dafür verantwortlich, dass die Welt untergeht!"
      Minerva lief los, ohne auf seine Antwort zu warten und Jherl folgte ihr dichtauf. Urudin blieb nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen.

      Sie liefen dem Strom entgegen. Die Soldaten waren nicht unter Kontrolle zu bringen und unter ihnen gab es auch genügend Magier, gut erkennbar an der Uniform, die der der drei ähnlich war, die vor dem Riss reißaus nahmen. Ein paar schlossen sich den drei allerdings auch an und rannten mit ihnen.
      Sie waren noch gute 100 Meter von dem Riss erzählt, als ein plötzliches Donnergrollen, wie es bereits im Zwielicht einmal ertönt war, über der Ebene ertönte und einen plötzlichen Windstoß mit sich brachte. Minerva schrie eine Warnung und kurz darauf ließen sich alle drei zu Boden fallen, als ein gewaltiges Erdbeben das ganze Feld erschütterte. Es war das zweite Erdbeben in zehn Minuten. Ein weiteres und sie würden den Riss verlieren.
      Er reagierte auf das Beben. Licht brach an einigen Stellen aus dem Riss hervor, aber es war düster und irgendwie falsch. Schattenhaft. Es ließ alle Leichen in seiner Umgebung wie groteske Skelette aussehen.
      Urudin riss seinen Katalysator hervor und murmelte einen Zauberspruch. Nur eine Sekunde später legte sich der Wind um die drei, als sie in eine riesige Kuppel gehüllt wurden, an der der Wind abprallte. Er würde sie nur ein paar Sekunden aufrecht erhalten.
      "Weiter!"
      Minerva nickte und setzte sich wieder in Bewegung.
      "Macht euch bereit!"
    • "Nein!"
      Sprach Jherl nach dem anfeuernden Befehl Minerva's
      "Gehen wir näher ran, wird uns der Sog in der Sekunde erfassen, in welcher Urudin's Schutz fällt. Wir müssen es hier und jetzt wagen!"
      Die beiden sahen Jherl an als wüssten sie nicht wovon er sprach.. oder eher als wäre das was er meinen könnte so irrsinnig, dass es eher als schlechter Witz gemeint sein konnte. Doch nickte er um seinen Worten Gewicht zu verleihen.
      "Ich werde es tun. Ich sehe keine andere Möglichkeit. Ihr habt gesehen wie der Riss meinen stärksten Zauber fraß als hätte ich mit einem Zweig nach einer Sintflut geworfen. Wir haben keine andere Wahl."
      Auf eine Antwort wartete Jherl nicht. Er trat seinem Schicksal entgegen auch wenn es sein Schicksal besiegeln würde und unvorhersehbare Folgen haben würde. Es war nicht einmal sicher ob er den Riss damit zerschmettern könnte, doch was war die Alternative wenn schon sein bekannt gefährlicher Blitzzauber keinerlei Wirkung hatte?
      Entschlossen riss er sich nun seine nur noch an Fetzen hängende Robe hinunter, öffnete die Verschlüsse seiner darunter liegenden Kryss-Rüstung um seinen Oberkörper frei zu legen. Daraufhin riss er sich seinen Katalysator Armband von seinem Handgelenk und atmete ein letztes Mal tief durch ehe er die feinen kleinen Kugeln, die sein Armband verzierten, hinunter schluckte. Ein jeder Magier wusste was er gerade tat. Er opferte sein Leben um sein magisches Potenzial in ungeahnte Dimensionen zu heben. Nur mit einem geeigneten Bannspruch war es einem Menschen überhaupt in der Lage dieses Ausmaß an Energie in einem Körper zu bündeln, geschweige denn zielgerichtet zu wirken.
      Bevor also die Wirkung der geschluckten Katalysator Kugeln zu enorm wurde, biss er sich in seinen Finger um mit seinem Blut den Bannspruch auf seine Brust zu zeichnen. Für Urudin und Minerva war es bereits zu spät als sich noch zu weigern. Ihnen blieb nichts anderes übrig als den Bannspruch auf Jherl's Rücken zu vervollständigen.
      Gerade vollendet, zeigte die rapide ansteigende Macht in Jherl seine katastrophale Energie. Er schrie als würde er dem Wahnsinn nahe kommen und doch konnte er noch aufrecht stehen, was dem erfolgreich gezeichnetem Bannspruch zu danken war. Daraufhin fing Jherl an zu schweben und strahlte eine Kraft aus die man sogar auf der Zunge schmecken konnte. Kurz darauf fing er an zu schweben, gefolgt von gebrochenen Armen und Beinen die immer und immer wieder in jede Richtung brachen und sich ebenso schnell wieder heilten. Seine Schmerzen waren unvorstellbar, doch sein Wille war ungebrochen als er den Riss fixierte um die angestaute Energie darauf nieder regnen zu lassen, mit dem Ziel den Riss zu schließen.
      Die Wolken
      über den Dreien verflogen, den Nachthimmel entblößend. Dann begann Jherl Blut zu schwitzen ehe sein bekannter Blitzzauber aus allen Richtungen samt seinem Schrei auf den Riss nieder hagelte. Nicht einmal. Nicht 10 mal. Es waren unzählige Blitze, welche sich nach einer Weile sogar wie eine Art Käfig um den Riss bildeten und doch tatsächlich dafür sorgten dass dieser sich nicht weiter ausbreiten konnte. Für einen Augenblick hatte es sogar den Anschein als würde er wenige Zentimeter schrumpfen... doch erreichte Jherl sein Limit. Eben noch wirkte jeder Blitz zielgerichtet und gerade, doch wurden sie immer willkürlicher. Nach wenigen Momenten trafen diese sogar die eigenen Magier und pulverisierten diese. Manchen riss es einfach nur das Fleisch hinunter und lies die leblosen Skelette in sich zusammen fallen.
      Gen Ende schlaffte Jherl in sich zusammen, was eine gigantische Schockwelle auslöste wie sie die Welt noch nie gesehen hatte.

      In diesem Augenblick stand Aradan wieder vor dem geisterhaften Urudin und lies sich auf die Knie fallen. Von Schock geprägt sah er auf, fand aber keine Worte
    • Jherl widersetzte sich dem Befehl von Minerva und im Gegenzug wandten Urudin und sie sich gleichermaßen verblüfft zu ihm um. Er gab eine Erklärung ab, die dafür sorgte, dass beiden das Gesicht erbleichte.
      "Das wirst du nicht!", brüllte Urudin völlig außer sich, unfähig dazu die Lage richtig zu begreifen. Vor einer halben Stunde war noch alles gut verlaufen, sie hatten den Zauber als Gruppe entfesselt und nun waren beinahe alle auf der Ebene dem Tod geweiht - und er würde nicht dabei zusehen, wie einer von ihnen sein Leben einfach so hinwarf.
      Aber Minerva akzeptierte seinen Entschluss, schürzte die Lippen und nickte. In ihren Augen sammelten sich Tränen, sie und Jherl waren sich mal nahe gestanden, damals in der Schule.
      Jherl begann seine Vorbereitungen und während er das tat, verblasste das Schutzschild von Urudin und der Wind ergriff sie erneut, stärker als zuvor, umtoste alle drei und versuchte sie von ihren Füßen zu reißen. Er ergriff Jherls Robe und trug sie in die Luft davon, wie ein gewaltiger Vogel bauschte sie sich auf und verschwand dann im dunklen Himmel.
      Er schluckte die Katalysoren und Minerva war schnell zur Stelle, um ihm bei seinen letzten Schritten zu helfen. Urudin brauchte länger. Er hatte noch immer nicht vollständig verarbeitet, was sie dort erschaffen hatten.
      Daraufhin ging alles ganz schnell und gleichzeitig elendig langsam. Die magische Kraft, die durch Jherls Körper schoss, riss ihn in zwei und war gleichzeitig stark genug um ihn in derselben Sekunde zu heilen und er stieg wie eine Gottheit in den Himmel auf. Urudin schirmte sich die Augen auf und Minerva schrie etwas, was in dem tosenden Wind unterging. Selbst der Wind hüllte Jherl ein, als besäße er ein eigenes Gravitationsfeld. Für den Bruchteil einer Sekunde glich er tatsächlich einem Gott.

      Dann war alles mit einem Schlag vorüber. Die Verbindung riss von Aradan ab, der in Jherls Körper dessen Tod mitverfolgte und er sackte, von dem Ereignis überrumpelt, auf die Knie. Urudin rührte sich nicht, er hatte die Augen weit aufgerissen und starrte auf den Menschenmann hinab.
      Er erinnerte sich. Er erinnerte sich an den Tag, als wäre es erst gestern passiert und dabei fielen ihm tausend Namen und Begriffe ein, die er einmal gekannt hatte. Er erinnerte sich, wie er an diesem Tag von seinem Feldbett aufgestanden war, wie er bis zur Erschöpfung in der Schlacht gezaubert und anschließend mit zwanzig anderen Magiern - darunter Jherl und Minerva - den abschließenden Zauber gewirkt hatte. Er erinnerte sich daran, dass 18 dieser Magier schon beim Wirken gestorben waren und dann war auch noch Jherl gestorben. Er erinnerte sich an vieles.
      "Er hat es geschafft", murmelte er, sein Blick auf einen unbestimmten Punkt auf Aradan gerichtet, ohne ihn dabei richtig zu sehen. "Nicht bei seinem Wirken, sondern als er starb. Ich stand neben ihm, die Explosion die er auslöste hatte mich fast umgebracht, aber man erzählte mir, dass sie so voller Energiefluss gewesen war, dass das Tor schlichtweg implodierte."
      Sein Blick glitt von Aradan ab und schweifte wieder in den Himmel empor, der Vergessenheit entgegen, der Trübheit, die seinen Verstand umnebelte. Er begann bereits wieder Einzelheiten des Tages zu vergessen und wenn er nur ein paar Stunden weiter existierte, wäre seine Erinnerung von Neuem ausgelöscht.
      "Ich vergesse wieder, Menschenmann. Eines Tages werde ich alles vergessen haben. Bis dahin muss ich dir alles mitteilen, was ich einst wusste."
      Sein Verstand floss wieder träge und es war unheimlich schwierig zu denken. Aber er musste sich konzentrieren. Ein letztes Mal musste er sich konzentrieren und dem Menschen sagen, was er ihm sagen musste.
      "Damals, in der Schlacht, fanden wir heraus, dass das Tor geöffnet und wieder geschlossen werden konnte. Unser Zauber öffnete es und Jherl schloss es wieder, aber das war ein Fehler. Hätte er es nicht geschafft - hätte seine Macht das Tor nicht implodieren lassen - wären die Wesen schon an diesem Tag hervorgebrochen und wir hätten unseren Fehler eingesehen. Aber wir wurden kühn. Wir glaubten, wir könnten jedes Tor beherrschen. Wir öffneten sie alle."
      Er glitt für einen Moment zur Seite weg, riss sich dann allerdings zusammen und strengte seine letzten Gehirnzellen an. Er glaubte sogar, ein dumpfes Pochen im Kopf zu spüren.
      Er drehte sich wieder zu Aradan um.
      "Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe dir das zu zeigen, aber ich muss dir mehr zeigen. In der Nähe der Tore kann ich es dir zeigen. Du musst alles wissen. Du bist der Wanderer, von dem die Schriften gesprochen haben und damit kannst du die Tore auch wieder schließen. Wirklich verschließen. Jherl hätte es nicht gekonnt, nicht ohne dabei sich und alle anderen zu töten."
      Seine Gestalt begann bereits sich wieder aufzulösen, sein Verstand driftete ab. Für einen kurzen Moment vergaß er, worüber sie geredet hatten und er schwieg eine ganze Weile, bis ihm wieder einfiel, was er hatte sagen wollen.
      "Mächte sind im Zwielicht, die hier nicht sein dürfen und Mächte sind ebenso an der Oberfläche und dürfen es nicht. Das Gleichgewicht muss wiederhergestellt werden.
      ... Aber das Gleichgewicht wovon? Wieso muss es? Ist es etwa... eine Frage?"
      Sein Blick glitt schon wieder ab und schließlich verfloss seine ganze Gestalt mit der Luft, als hätte ihn ein unsichtbarer Wind ergriffen und jeden einzelnen Teil seines Körpers mit sich in die ewige Weite getragen. Es dauerte zwei Sekunden, dann war er vollständig wieder verschwunden.

      Minerva war während des letzten Teils still geworden, aber sie wirkte nur, als wäre sie das ewige Gezappel müde und würde es daher mit anderen Mitteln versuchen. Sie starrte mit funkelndem Blick zu Aradan auf, der so wirkte, als wolle sie sagen: "Siehst du? Ich habe ja gesagt, dass er verrückt ist."
    • Aradan sog jedes Wort Urudin's in sich auf und würde die gezeigte Geschichte so schnell auch nicht mehr vergessen. Es war beinahe als wäre er selbst Jherl gewesen und so gruselig es auch war... hat er nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt und gewusst. In diesem Moment wirkte der Zwist mit Minerva in ihrer Geisterform beinahe wie ein Streit unter Kindern die sich gegenseitig neckten.
      Erst als Urudin zu schwinden begann, sah Aradan zu ihm auf und gab ihm im letzten Moment ein entschlossenes Nicken mit, auch wenn dieser sich wohl kaum daran erinnern würde.

      Für ein paar Minuten hockte Aradan weiter auf seinen Knien und blickte zu Boden. Vieles ging ihm durch dem Kopf und doch musste er sich wieder in seine Zeit einfinden, was Minerva nun aber in ein ganz anderes Licht führte.
      Er stand auf, entschlossen und Minerva kaum noch als Feind betrachtend. Er löste sogar ihre Fesseln und konnte sich einer Träne nicht verwehren als er ihre Geisterform ansah.
      "Jetzt verstehe ich warum du so auf Renera reagierst. Du und Jherl hattet eine ähnliche Kindheit. Ist es nicht so, Mina?"
      Es fühlte sich zeitgleich real und unwirklich an wenn er diese Bilder aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit im Kopf ablaufen sah. Aradan hätte schwören können nur eine erzählte Geschichte lebhaft in seinem Kopf abgespielt zu haben, doch waren es echte Erinnerungen, echte Gefühle. Fortan war es ihm wohl unmöglich Minerva oder, wie er ihren richtigen Namen nun bestätigt in ihrer gemeinsamen Vergangenheit mit Jherl gehört hatte, Mina Ervarika als echte Feindin zu betrachten.
      So hielt er Ihr seine Hand entgegen, in der Hoffnung dass sie bei der Berührung ähnliche Effekte erfahren würde wie zuvor Urudin.
    • Minerva zuckte bei dem Namen merklich zusammen und dann schlich sich ein Ausdruck auf ihr Gesicht, den sie zuvor noch nie verwendet hatte. Es war der Ausdruck eines durch und durch menschlichen Gefühls, ohne dabei zu versuchen ihr Gegenüber zu manipulieren oder sich gar mit ihm zu fetzen; Sie starrte Aradan einfach nur überrascht an. Es war unmöglich zu erkennen, was für Gedanken in ihr vorgehen mochten, doch im Gegensatz zu Urudin, der immerzu nur abwesend wirkte, waren es zumindest Gedanken und es waren sogar Anzeichen von Emotionen, mit denen sie zu kämpfen schien. Die Frage, wie Aradan nur von dem Namen erfahren hatte, schien ihr auch ohne die Worte wie ins Gesicht geschrieben zu stehen, aber sie sprach sie nicht aus. Zum ersten Mal in der Gegenwart von Aradan war sie einfach nur still.
      Dann starrte sie auf seine Hand hinunter, die er ihr so bereitwillig entgegen hielt. Sie hob ihre eigene Hand, eine dünne, knochige Hand, die mehr einer Leiche glich und weniger der stolzen und ehrgeizigen Minerva, die in Urudins Vergangenheit existiert hatte, und sie legte diese dürre Hand in Aradans und entfesselte ihren Zauber.
      Aber es war nicht der gleiche Zauber wie der von Urudin. Sie teilte Aradan nichts mit und sie zeigte ihm auch nichts, stattdessen stieß sie sich durch ihn hindurch hervor an die Oberfläche.
    • Wie versprochen hatte Aradan nichts gegen den plötzlichen Austausch in seine Welt unternommen als Minerva sich in ihn hinein sog. Ganz ungelegen war es ohnehin nicht. So konnte er wenigstens in aller Ruhe in sich einkehren um über diese unglaubliche Bandbreite an Zaubern nachzudenken die er durch das Leben von Jherl in sich hatte als hätte er sie selbst studiert. Es war schier bahnbrechend all dieses Wissen abrufen zu können und zugleich fesselnd. Immerhin war Aradan das wirken von Zaubern, aufgrund seiner Natur hin verwehrt.

      Unter Schmerzen hechelnd half Daikata Kiliak auf die Beine, welcher eine klaffende Wunde an seiner Seite zu hielt.
      "Geh mir jah nicht drauf hörst du!"
      Schon mit einem leichten Schatten unter den Augen lies Kiliak ein trotzendes schnaufen von sich

      "Tze, als würde mich so ne kleine Fleischwunde dahin raffen. Mach dich nicht lächerlich.."
      unter mehrfachem stolpern hielt sich Kiliak noch mit seinem trotzend kindischem Verhalten bei Bewusstsein während das schrillen von Stahl in regelmäßigen Abständen in der Luft ertönte.
      Jarku und Valteri waren in diesem Moment damit beschäftigt zwei Läufer zu bekämpfen, welche entgegen ihrer Natur aufeinander abgestimmt angriffen als hätten diese ihre vorhersehbare blinde Wut gegen intelligente Absprache ausgetauscht. Es war ein schmaler aber flinker und ein bulliger und Bäume einreißender Läufer, welche schon aus der übersehbaren Ferne auf die Truppe zu gerannt kamen.
      Zwar wurden alle Vorkehrungen getroffen, doch hatte einfach niemand damit gerechnet, dass diese beiden Läufer vorhersehend agieren würden, so kam es auch dazu dass Kiliak überrumpelt wurde und einen vollen Schwung der scharfen Krallen des schmalen Läufers durch seine Seite gewetzt bekam ehe Valteri diesen packte um ihn gegen den zweiten Läufer zu schleudern als wäre dieser nur ein handgroßer Stein.


      "Hey Renera! Ist das normal?! Seit wann können die Viecher sich unter einander koordinieren und Angriffen ausweichen?"
      Den kurzen Moment als die Läufer ausgebremst wurden, fragte Jarku deutlich verwirrt an die einzig ausgebildete Person im Kampf gegen die Monster, während sie versuchten die Linie zu wahren um die Wesen nicht in die Nähe von Aradan zu lassen, welcher nach wie vor in Ketten gelegt im Fluss lag.
      "Nicht so schnell!"
      trotzte Valteri dem anstürmenden großen Läufer entgegen als er seine Axt in dessen Richtung donnerte. Ein jeder Läufer wäre nach diesem Treffer einen Kopf kürzer gewesen, doch weiteten sich Valteri's Augen als dieser Läufer tatsächlich nach unten hin weg duckte und ihm daraufhin mit seiner fast nur aus Klauen bestehenden Hand durch das Gesicht jagte.
      Zwar wich Valterri noch zurück, doch traf eine lang gewachsene Klaue dennoch eine Seite seines Gesichts und raubte ihm 50% seines Sehvermögens.
    • Renera verfiel in die Sturmhaltung und wagte in einem Moment der Ruhe einen Blick über die Schulter.
      Sie hatten sich in einer Reihe formiert, um keinem der ankommenden Läufer die Chance zu geben zu dem bewusstlosen Aradan durchzubrechen, aber diese Taktik hatte sich schnell als fatal herausgestellt. Kiliak war von einem unberechenbarem Angriff bereits niedergestreckt worden und Daikata hatte seine Stellung verlassen, um ihn zu helfen. Sie beide waren schon innerhalb der ersten Minute des Kampfes aus eben jenem herausgeworfen worden und jetzt lag es an den anderen die Reihe möglichst lückenlos aufrecht zu erhalten.
      Khil saß neben Aradan auf dem Boden, um im Falle ihres Versagens ihm noch einen letzten Schutz zu bieten. Sie wirkte nervös, hatte die Augen weit aufgerissen und starrte den Läufern reglos entgegen, während sie ihr Schwert umklammerte.
      Renera wandte sich wieder nach vorne zu.
      "Das können sie nicht", antwortete sie knapp auf Jarkus Frage, verbiss sich aber den Rest ihrer Antwort: Das können sie nicht, aber ich habe es schon einmal erlebt, als Erathis und Melora überrannt worden waren.
      Diese Läufer waren nicht normale Streuner. Sie verhielten sich genauso merkwürdig wie die schiere Armee, die beide Dörfer vernichtet hatte, eine schiere Anzahl an Kreaturen, die eigentlich nicht hatte zusammen existieren können. Es war so als hätten sie sich abgesprochen und nun wiederholte es sich noch einmal, mit zwei einzelnen Wesen.
      Dies war kein Kampf, den sie hätte alleine beschreiten können. Die Rhythmen der Läufer wichen von denen ab, die sie über die Jahre gelernt hatte und so traute sie sich nicht, ihre ausgearbeiteten Angriffsabfolgen zu verwenden. Es war ein zu großes Risiko und wenn sie nur eine Sekunde darüber nachdenken musste, hatte sie schon verloren.
      Der größere der Läufer stürmte auf den genauso großen Valterri zu, aber auch er unterlag dem ungewöhnlichen Geschick, das die Kreatur an den Tag legte. Sie war nicht nur schnell, sondern auch unheimlich wendig und erwischte Valterri trotz seiner Vorsicht. Scharlachrotes Blut spritzte durch die Luft und Valterri stolperte noch einen Schritt zurück, sichtlich überrascht von dem ungewöhnlichen Treffer. Renera nahm seinen Platz ein - jetzt waren es nur noch sie beide, Jarku und sie, die die Läufer von den anderen fern hielten.
      "Zusammen, Jarku!", rief sie, als der Läufer sie bereits als nächstes ins Auge fasste und schon vorschoss. Sie erkundigte sich gar nicht erst nach Valterris Zustand, denn solange er nicht schrie, war sie noch fähig weiterzukämpfen und das hatte höchste Priorität. Daikata konnte sich um alle Verletzungen kümmern.
      Der Läufer täuschte einen Biss vor - er riss tatsächlich sein Maul auf, um Reneras Hüfte anzupeilen, nur um im allerletzten Moment mit seinem Kopf herumzuschießen. Renera hatte so etwas noch nie zuvor in ihrem Leben erlebt. Sie geriet durch die plötzliche Veränderung des Taktes in ihrem Kopf aus dem Gleichgewicht und machte einen Ausfallschritt, wenn sie sich eigentlich hätte drehen müssen. Hätte sie diese Bewegung vorausgesehen, hätte sie sich mit dem Läufer gedreht und ihm ihr Schwert in die Seite gerammt.
      Aber sie hatte keineswegs mit dieser Bewegung gerechnet. Sein Maul schloss sich um den Arm, den sie mit sich zurückzog und aus reinem Reflex heraus drehte sie das Handgelenk. Das Schwert im Inneren des Maules stieß auf Widerstand und dann steckte es zwischen dem Gaumen und der Zunge der Kreatur fest. Der Läufer zuckte zurück, als das Schwert sich durch die Wucht seines Bisses von innen in seinen Kopf bohrte.
      "Jetzt Jarku!", schrie Renera, die ihren Arm gerade noch rechtzeitig aus dem Maul herauszog. Ein explosionsartiger Schmerz durchfuhr sie, als sich trotz allem die riesigen Zähne noch in ihr Fleisch bohrten und es bei ihrem Rückzug längs aufrissen. Blut spritzte auf den Läufer und Renera, die schnell vor ihm zurücktaumelte, aufkeuchte und den Arm an ihren Bauch presste. Die Wunden waren tief und verursachten einen solchen Schmerz, dass ihr übel wurde. Ihre Kleidung sog sich sekundenschnell mit Blut voll und sie hatte Schwierigkeiten, sich den Ärmel mit einer Hand abzureißen, um sich den Blutfluss abzuschnüren. Mehrere Gedanken gleichzeitig verhinderten, dass sie die Ruhe bewahren konnte und inmitten all des Chaos musste sie den Kopf ein weiteres Mal heben, um nach dem kleinen Läufer Ausschau zu halten. Hatte Jarku zumindest den großen niedergestreckt?
    • Jarku reagierte im selben Augenblick als Renera ihm die eröffnete Gelegenheit preis gab. Er befand sich bereits im vollen Sprungangriff als er ihre Worte empfangen hatte und bohrte seine beiden höchst vergifteten Dolche in den obersten Punkt des Monsters Rücken um sie samt der Schwerkraft seines Körpers hinunter bis zu des Läufers Hüften runter zu reißen. Dieser brüllte zugleich in einem ohrenbetäubendem Schrei auf, welcher für dessen feinde wie der direkte Sieg erklang.
      Zwar waren diese großen Läufer nicht dafür bekannt durch klaffende Wunden oder gar Nervengifte nieder gestreckt zu werden, doch waren es in den bekannten Lehren auch nie jene Jarku's. Diese wirkten um einiges schneller als ein corsavischer Gauner sein Ziel in dichter Straße um dessen Hab und Gut erleichtern konnte. Das Gift fraß sich wie eine rostig stumpfe Säge durch des Monsters Adern bis tief in jedes Gelenk bevor sich der Läufer auch nur zu Jarku umdrehen konnte ehe es auch schon in sich zusammen klappte und dabei nichts weiter aus sich hinaus würgte als grünlich rotes Blut.

      Von nun an galt es also nur noch den kleinen flinken Läufer zu besiegen, was die drei nun unter vollem Einsatz anstrebten. Valteri selbst hätte selbst dann nicht den Rückzug angetreten wenn ihm beide Beine gefehlt hätten, so war eines seiner Augen ganz sicher kein triftiger Grund nun zu fliehen. Zwar hatte er seine Axt im Eifer des Gefechts los gelassen, doch hatte er ja noch seine Hände, welche in den meisten Fällen noch als lebensgefährliche Waffen galten. So rümpfte er nach kurzer Besinnung auch schon wutentbrannt die Nase und brüllte seinen nordischen Kriegsschrei hinauf, welcher die Aufmerksamkeit des kleineren Läufers auf sich zog. Dieser presche sofort los auf den bereits arg blutenden Hünen. Valteri's Muskeln spannten sich so derbe an dass man meinen könnte sie würden gleich platzen als er seine Arme anhob um den letzten Läufer abzuwehren, doch war dieser einfach zu flink. Er wich jedem Schlag Valteri's aus, schlängelte sich sogar zwischen den Beinen hindurch um nun hinter ihm zu stehen und landete dabei sogar einen klaren Treffer in Valteri's Rücken. Beinahe wirkte es in diesem Moment so als hätte dieser Läufer gekichert, doch verschwand dies spätestens in dem Moment als Valteri seinen Kampfgeist dominieren lies. Für diesen war der Treffer beinahe so als hätte ihn nur eine Mücke gestochen, auch wenn es in der Realität weitmehr als eine Mücke war.
      So packte Valteri nur hinter sich und schaffte es damit das Handgelenk der Bestie zu ergreifen.. Was genau in diesem Moment das Schicksal dessen besiegeln sollte.
      Er zog des Läufers Klauen aus seinem Rücken ehe er es beinahe unmenschlich nach vorne wuchtete und diesem Ding wütend in die Fratze starrte, die Mundwinkel nach unten zog und hinauf in die Luft hob.
      In diesem Moment wirkte es beinahe so als wäre Valteri das Monster und der Läufer der zappelnd nach Hilfe suchende Mensch, bis Valteri nun auch dessen Bein packte und nach einem brüllendem Ruck des Monsters Arm und Bein von dessen Körper hinaus riss als wären es die Gliedmaßen einer kleinen Spinne.
      Den auf den Boden gefallenen Körper des Läufers, welcher wie am Spieß kreischte, stillte Valteri, indem er dem Monster die Kehle mit einem gezielten Stampfer zertrat.

      Was sich aber nun hinter der Truppe auf tat, war ein gänzlich anderes Schauspiel.
      So sahen vermutlich alle beteiligten überrascht hinter sich als die Ketten Aradan's zu rasseln begannen. War er etwa wieder zurück? War es Minerva?
      Der erste Anwesende war Jarku. Er preschte halb in den Fluss und sah Aradan in die Augen, bestätigte den beiden anderen aber schnell wer es wirklich war.
      "Minerva! Es ist Minerva!"
      Ein zischendes Grinsen machte sich auf Aradan's Gesicht breit wie es beinahe unmöglich war. Dieser irre Blick kam sicher nicht aus dieser Welt, ebenso wenig wie der nach hinten wandernde Kopf, welcher erneut unmenschlich nach knackte als hätte man eine Puppe um mehrere mögliche Dehnungen überschritten.
      "Die Ketten halten! Keine..."
      "Sorge?!? Mhhhhh~~~"

      Kam es in einem vollkommen anderem Stimmton aus Aradan hervor ehe Minerva wild wie ein Bulle versuchte die Ketten zu brechen.
    • Jarku fällte den großen Läufer und Valterri, der eine riesige Wunde im Gesicht trug, die sich bis über sein Auge zog, kümmerte sich auch um den kleinen. Er wirkte dabei selbst nicht mehr ganz menschlich wie er ihn packte und in der Luft zerriss. Es war ein atemberaubendes Bild, der bludbesudelte Hüne, dessen Muskeln mit einem Mal hervorstachen, während er den Läufer wie ein lästiges Insekt zermalmte. Hätte es in der Nähe noch mehr Kreaturen gegeben, hätte sie bei diesem Anblick sicherlich Zweifel an ihrem Vorhaben ergriffen.
      Zum Glück waren es aber die einzigen beiden gewesen, wenngleich das Resultat dennoch verheerend war: Drei schwere Verletzungen bei nur zwei Läufern und einem Kampf, der nicht einmal fünf Minuten gedauert hatte. Obwohl sie gewonnen hatten, waren sie in gewisser Weise doch auch besiegt worden.
      Daikata wäre der Lage dreier schwer Verwundeter niemals Herr geworden, aber Valterri steckte seine Verletzung weg als wären sie nur Kratzer und Renera schaffte es schließlich doch sich den Ärmel abzureißen, bevor sie mit dem Stoff ihren Arm abschnürte. Die Schmerzen drohten ihren ganzen Körper zu lähmen, aber sie zwang sich, sich auf eine rationale Diagnose zu konzentrieren und sich damit selbst zu behandeln: Biss von einem Läufer, hoher Blutverlust, keine Muskeln verletzt, sie konnte die Finger noch bewegen. Sie musste desinfizieren, aber glücklicherweise befanden sie sich schon an einem Fluss.
      Als sie sich zum Wasser schleppte, regte sich Aradan. Allesamt hielten in ihren Bewegungen inne, ehe Jarku schon ankündigte wer es wirklich war: Minerva. Dann hatte sie ihm wohl seine Fragen beantwortet, oder aber sie hatte ihn irgendwie überlistet.
      Khil, die neben Aradan am Ufer saß, richtete sich neugierig auf und starrte auf Minerva hinab. Sie war drauf und dran gewesen Renera zu helfen, aber Minervas Ankunft lenkte sie gänzlich ab. Sie schien am meisten neugierig über den Geist zu sein und am wenigsten Angst zu haben - allerdings hatte Khil vor nichts Angst, ehe man ihr nicht beibrachte, wovor sie Angst haben musste.
      Minerva zerrte an ihren Ketten und Unruhe zog durch die Gruppe. Natürlich gab Minerva sich ihrem Befreiungsversuch nicht mit der Überlegtheit eines Menschen hin, sondern mit der schier unendlichen Durchsetzungskraft eines Geistes. Sie spannte Aradans ganzen Körper an, warf sich herum und wurde auch nicht langsamer.
      "Jarkuuuu...?", murmelte Khil und trat nun doch einen Schritt zurück. Und dann noch einen. "Wird das halten?"
      Die Kette hätte halten können. Sie hätte Aradan, den menschlichen Aradan, im Zaum halten können, egal wie sehr er sich dagegen schmiss.
      Aber Minerva war nicht menschlich. Sie war nicht von den Beschränkungen eines Instinktes behindert, der sie davor warnte, wenn sie sich - oder in diesem Fall nur ihrem Körper - Schaden zufügte. Sie hörte einfach nicht auf und Aradan war Bogenschütze und Seemann, sein Oberkörper war von Muskeln gestählt.
      Minerva spannte jede einzelne dieser Muskeln an - und dann riss ein Glied der Kette mit einem fürchterlichen Klirren. Khil sprang sofort in die Sicherheit von Jarkus Rücken und Renera zog ihr Schwert erneut, ihr anderes steckte noch immer im Maul des Läufers, sie durfte es nicht vergessen. Aber mit dem Arm konnte sie sowieso kein Schwert führen.
    • Dass ausgerechnet in diesem Moment die Fragestunde von Aradan beendet zu sein schien, sorgte für angespannte Gemüter. Es hätte wohl keinen schlechteren Zeitpunkt geben können. Alle waren geschwächt, bis auf Daikata und Jarku bestenfalls. Valteri selbst war zwar ebenso noch in der Lage ein harter Brocken in einem weiteren Kampf zu sein, doch hätte das seinen Wunden wohl kaum gut getan. Vor allem wäre es sicher keine gute Idee einer Minerva mit halbem Sichtfeld entgegen zu treten, zumal Valteri ohnehin eher für das Zerschmettern seiner Gegner bekannt war, was bedeuten würde dass er den Körper von Aradan verletzen müsste.
      Viel Zeit blieb jedoch nicht als tatsächlich das erste Glied der dicken Kette zersprang. Hatte Aradan's Körper tatsächlich eine solche Kraft?! Bisher hatte sie doch immer so gut gehalten.. oder.. war diese langsam einfach zu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden? Egal woran es lag, nun galt es so schnell wie möglich zu handeln. Das wild kreischende Lachen Minerva's sorgte wohl bei den Meisten für eine Gänsehaut, doch konnten sie Minerva nicht einfach tun lassen was sie vor hatte. Beinahe schien es so als würde sie Aradan's Muskeln so sehr ausreizen, dass der ein oder Andere reißen könnte.
      "Haltet ihn fest! Das zweite Glied biegt sich bereits!!"
      rief Jarku zu allen in Hörweite ehe er selbst die Ketten packte um den Druck entgegen zu wirken.
      "Jarku! Fang!"
      Daikata hatte Kiliak bereits auf den Boden gelegt und eine sportliche Dosis an Schmerzmitteln gespritzt, was diesen ziemlich benebelt aber ruhig da liegen ließ. Durch den deutlich ruhigeren Kreislauf, blutete er auch nicht mehr so brachial, was dafür sorgte dass die Blutung gut mit einem straffen Druckverband unter Kontrolle zu kriegen war. Im Falle von Minerva hatte Daikata zum Glück noch eine Phiole zur Betäubung an seinem Gurt, welche aber nur noch wenige Tropfen inne hatte. Diese warf er Jarku rüber, welche auch aufgefangen wurde
      "Ich weiß es ist nicht mehr viel drin aber es sollte reichen! Träufel es ihm einfach auf die Lippen!"
      Gesagt getan. Jarku löste den Korken, kniete sich an der wilden Minerva runter und versuchte einen Moment zu finden um die Lippen zu erwischen, was unter diesen wilden Bewegungen kein leichtes war.
      Dafür war Valteri aber zur Stelle. Sogar er musste sich ziemlich anstrengen den Kopf von Aradan zu fixieren, doch schafften es beide die letzten vier Tropfen der Phiole auf dessen Lippen zu träufeln, was nach nur wenigen Sekunden eine klare Wirkung zeigte.
      Beinahe war es als wäre Minerva sehr stark betrunken. Man verstand nur noch ein gesabbel an etwas was wohl Worte sein sollten aber keineswegs zu deuten waren. Auch die Augen schwankten ziellos umher, was Jarku und Valteri endlich etwas durchatmen lies. Erst in diesem Moment lies Valteri zu sich richtig um sich selbst zu kümmern indem er zu Daikata ging und augenblicklich das Gesicht ausgewaschen bekam.
      "Renera! Du auch, komm her."
      Zwar war er keinesfalls ein Arzt, doch hatte er noch genügend Arznei dabei um die Wunden aller versorgen zu können, wenn auch nur zwecksmäßig.

      Eine knappe halbe Stunde verging bei der Versorgung bis allem Anschein nach auch die Betäubung Minerva's nachgelassen hatte. Dieses mal war diese jedoch schlauer und sammelte ihre Kräfte um die Ketten in einer stillen Anspannung so zu biegen, dass sie Aradan's Körper langsam hinaus schlängeln konnte und zum Entsetzen Aller nun tatsächlich aufrecht am Fluss stand und die versorgte Truppe hechelnd nach dieser Anstrengung anstarrte wie ein blutrünstiger Wolf, kurz vor seinem Sprint auf seine Beute.
      Jarku und Valteri standen sofort auf und zogen ihre Waffen, stellten sich dabei vor Renera, Daikata, Khil und Kiliak um für dessen Schutz zu sorgen.
      Und so begann es. Minerva kreischte laut und rannte los. Die Arme leicht von sich haltend und die Hände wie Klauen gespannt. Doch kam sie nicht weit. Ihre Zeit war um. Aradan achtete penibel genau bis zur aller letzten Sekunde ehe er Minerva die Kontrolle entzog und wenige Meter vor der Truppe mit dem Gesicht voran auf dem harten Boden landete.
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