[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Der Abend verlief recht gesellig und sogar fast schon gut. Khil zog sich irgendwann zu Renera zurück, um von ihrem Platz aus Jarku freche Bemerkungen zuzurufen und Renera plauderte mit Aradan größtenteils über Belanglosigkeiten. Sie erzählte ihm, wie sie geglaubt hatte Mira in Tharynar gesehen zu haben und wie schwer es war, 26 unterschiedliche Buchstaben auf einem Papier zu entziffern und zu Wörtern zusammenzufügen. Sie schwärmte von den Lehrmeistern am Kaiserhof, mit denen sie die Ehre gehabt hatte zu kämpfen und hörte sich schließlich auch Aradan's Geschichten an. Sie blieben größtenteils unter sich, aber manchmal schalteten sich auch Khil oder Valterri ein, etwa um etwas beizutragen. Es war ein lustiger Abend, ein entspannter. Renera verabschiedete sich beinahe herzlich von Aradan, als sie in ihren Teil des Lagers gingen, und durfte sich dafür von Khil anhören, dass sie nicht geglaubt hatte, Renera jemals bei einem Mann lächeln gesehen zu haben. Sie scheuchte die Gelehrte in ihr Zelt und schlüpfte dann in ihren eigenen Schlafsack, ehe sie auch schon fest eingeschlafen war.

      Ihr Instinkt weckte sie in der Nacht. Es war jener Instinkt, der sie in einem Wald vor den Fäden einer Spinnenmutter gerettet hatte, als sie für einige Zeit allein gereist war, und es war auch der Instinkt, der sie vor verdorbenem Fleisch gewarnt hatte. Sie nannte ihn den Überlebensinstinkt und setzte sich auf, um seiner Warnung zu gehorchen.
      Das Feuer war noch nicht ganz niedergebrannt und so nutzte sie das Licht, um nach Khil zu sehen. Die kleine Frau hatte sich in ihrem Zelt zusammengekringelt und murmelte leise im Schlaf. Vorsichtig kroch sie wieder heraus, sah sich um und erblickte schließlich Valterri, der sich abseits des Lagers aufgestellt hatte und wie ein riesiger Felsbrocken wirkte. Sie zögerte eine Weile lang, überprüfte die Schwerter an ihrem Gürtel und entschied sich dann, ihm einen Besuch abzustatten. Schließlich hatte Aradan für ihn gebürgt - und Khil war ganz in der Nähe. Sie würde sicherlich einschreiten.
      Renera schlenderte zu ihm hinüber, sorgte dafür, dass er ihre Schritte hören konnte und blieb mit einigem Abstand neben ihm stehen.
      "Hallo, Valterri. Alles ruhig?"
      Sie sah sich den Himmel an und drehte sich auch einmal zum Lager und dem Wald um. Irgendwo in der Ferne keifte ein Fuchs, aber sonst war es recht still. Sie bemühte sich Rauchfahnen in der Ferne zu erkennen, aber der dunkle Himmel erschwerte ihr diese Aufgabe ziemlich. Vielleicht war es das, was sie geweckt hatte: Eine Rauchfahne, die sie nicht sehen konnte. Ihr Bruder, der verlangte, dass sie sich stellte.
      "Kann ich dich etwas fragen, Valterri? Etwas... persönlicheres?"
      Sie sah kurz zu ihm hoch.
      "Aradan meinte du weißt von seiner... Fähigkeit. War es schon immer so schlimm um ihn? Ich meine...", sie suchte nach Worten, "Ich würde mich wahrscheinlich umbringen, wenn ich in seiner Lage wäre. Wie steht es also um ihn? Wie stark ist er? Ich glaube ich möchte ihm irgendwie helfen, wenn auch wahrscheinlich nur, um mein eigenes Gewissen zu erleichtern."
    • Diese weite und beinahe komplett ebene Fläche wo einst ein Dorf stand, war wie ein hallender Friedhof. Zwar war Val absolut gewohnt die Wache zu übernehmen, welche immerzu sehr ruhig waren, doch hier wirkte es einfach immer wieder als würde etwas in der Nähe lauern. Dabei waren es meist nur Tiere die durch das Hallen lauter wirkten. Nach einer Weile gewöhnte er sich aber daran und sah sich in der Gegend um. Es war tatsächlich nicht leicht sich vorzustellen dass hier einmal die Heimat von Aradan war. In dessen Erzählungen musste es hier echt prächtig gewesen sein. Sogar ein Fluss ging hier durch. In Val's Heimat musste man erst 15-20 Minuten laufen bis man an die Küste kam. Recht gut für den Körper, wenn man bedacht hat dass man mehrmals am Tag Wasser Eimer tragen gehen musste.
      Zu sehr konnte er sich dann aber nicht in seine Gedanken vertiefen, denn rissen ihn Schritt in der Nähe aus seinen Gedanken. Gleichmäßige und aus der Richtung wo sich Zelte befanden. Kein Grund zur Sorge. Ein kurzer Blick bestätigte dann auch schon dass es Renera war, zeitgleich fragte sie ihn ob alles ruhig sei, was er beruhigend mit einem nicken bestätigen konnte.
      Ihre darauf folgende Frage überraschte ihn absolut nicht.
      "Alle hier davon. Manche haben ihn in schlimmen Zeiten kennengelernt. Lass ihn die Nacht ruhen und er wird wieder zu Kräften kommen. Wir sind beinahe eine Woche unterwegs ohne ordentlich gegessen oder geschlafen zu haben. Das Gebiet im Osten ist zu gefährlich um lange zu rasten."
      Val nahm die geschulterte Axt runter und wuchtete diese auf den Boden vor sich, um seine Arme etwa in oberer Brusthöhe auf dem Stiel ruhen zu lassen.
      "Wie stark er ist?"
      Der Nordmann grübelte, zuckte aber anschließend mit den großen Schultern
      "Schwere Frage. Vor ein paar Jahren, kurz nachdem wir die Zwillinge befreiten. Da wandelte er umher wie eine Leiche. In meiner Heimat nennen wir sowas Scutkar. Ein Seelenloser. Stelle sich raus dass es so war. Diese Dinger in der anderen Welt hatten ausgenutzt wie sehr es ihn mit nahm über das Schicksal der Zwillinge zu hören. Er richtete den Verantwortlichen und statuierte ein Exempel an ihnen. Seit dem schlief er kaum noch und redete viel in der Nacht wenn er glaubte man kann ihn nicht hören. Am ende übernahm eines der Dinger die Kontrolle seines Körpers. Er konnte sie nicht mehr zurück halten oder wollte es nicht mehr. Er selbst kann sich nicht mehr an diesen Tag erinnern aber es forderte die ganze Truppe ihn unbeschadet zu zügeln. Ist nicht leicht wenn unberechenbarer Seelenloser mit einem Kämpft. Reiner Instinkt, kein vorraussehbarer Schlag. Durchtrennte mit seiner Klinge beinahe meinen Arm, wäre Jarku nicht dazu gestoßen. Eine grauenvolle Nacht. Am Ende erwischte ich ihn mit der Seite meiner Axt. In Ohnmacht fesselten wir ihn und harrten eine Woche in einer heiligen Städte aus. Glaubten er käme nicht wieder, doch war er stark genug um es zu schaffen. Seit dem sind seine Haare weiß wie Schnee und sein Wille größer als vorher."
      Er sah für einen Moment der Stille rüber zum Zelt in dem Aradan lag, danach aber wieder zu Renera.
      "Seit diesem Vorfall verlor er nie wieder die Kontrolle. Ich sage also, er ist sehr stark. Weiß nicht ob andere das können. Alles was diese Truppe geschworen hat zu tun, ist zu helfen. Er hat uns gerettet, also retten wir ihn, egal wie lange es dauert."
      Aber dann lachte der Hüne inbrünstig
      "Ist aber nicht schlimm. Gute Gesellschaft, Essen und Abenteuer sind der Lohn. Gibt schlimmeres als das."
    • Renera hörte Valterri schweigend zu. Es hörte sich an wie eine Geschichte, die man kleinen Kindern erzählte um ihnen Angst zu machen, doch für Aradan schien es Wirklichkeit gewesen zu sein. Es war traurig, wie wenig sie von dem Mann wusste, dem sie in ihrer Kindheit - mehrmals - ihr Leben anvertraut hatte. Damals hatten sie alles übereinander gewusst, nun waren sie wie zwei Fremde, die lediglich im selben Ort geboren waren. Sie hatte nicht die geringste Vorstellungskraft darüber, wie umfangreich sein Leben bisher gewesen sein mochte.
      Sie nickte zum Zeichen, dass sie Valterri zuhörte, und zog sich den Umhang eng um den Körper. Sie fühlte sich erschöpft, aber wusste, dass sie jetzt nicht schlafen können würde.
      "Ihr seht ihn wie einen Anführer, oder? Das kann ich verstehen. Er war früher auch schon... eigen." Sie dachte an seinen Beschützerinstinkt und schmunzelte. "Hauptsache andere beschützen, egal, was mit ihm selbst ist. Schön zu hören, dass er noch ein bisschen der alte ist."
      Das war tatsächlich schön. Vielleicht würde sie diese Sache für sich endlich abhaken können.
      Nach kurzem Schweigen fuhr sie im Plauderton fort.
      "Aus dem Osten seid ihr gekommen, sagst du? Das ist gottverlassenes Land. Ich würde die Berge empfehlen, das ist zwar ein gewaltiger Umweg, aber die Kreaturen scheinen dünne Luft nicht zu vertragen. Das ist allerdings eine Theorie, die ich noch nicht vollständig bewiesen hab'. Hm, vielleicht sollte ich zurück in die Berge gehen, das ist gar keine schlechte Idee. Danke für den Gedankenanstoß, Valterri."
      Sie verabschiedete sich nach einer Weile wieder von ihm und schlich zurück ins Lager, wo sie sich wieder in ihren Schlafsack legte und eine Zeit lang über Aradan, Melora und ihre Theorie zu dünner Bergluft nachdachte. Schließlich schlief sie wieder ein ohne den Ursprung ihrer Instinkt-Warnung gefunden zu haben.

      Khil weckte sie fröhlich mit einer Tasse Tee und die beiden setzten sich neben das Zelt und beobachteten Aradan's Truppe bei ihrer Geschäftigkeit, bevor sie sich selbst an die Arbeit machten. Renera führte sie erst zu den Trümmern, die mal ihr eigenes Haus gewesen waren, bevor sie beide weitergingen und den Boden nach den Überresten eines Schuppens absuchten. Renera wurde schließlich fündig, deklarierte, dass sie Svenkov's Zuhause entdeckt habe und machte sich daran im Dreck zu wühlen. Khil blieb neben ihr stehen und stemmte die Hände in die Hüften.
      "So habe ich mir das nicht vorgestellt."
      "Ach nein? Wie denn?"
      "Anders eben. Du siehst richtig dämlich aus."
      "Wenn du mir helfen würdest, würden wir beide dämlich aussehen - und dann wäre meine Dämlichkeit nicht ganz so hoch."
      "Aber meine dafür umso höher. Das mache ich nicht."
      "Dann halt' mir wenigstens die Sonne aus dem Gesicht."
      "Sir, ja, Sir."
      Sie beschäftigte sich eine Stunde lang damit Trümmer beiseite zu schieben, ehe sie Holzplanken aus dem Boden zerrte und Erde umwühlte. Sie war schneller verschwitzt und dreckig, als es ihr lieb war, aber dann wurde sie plötzlich fündig und setzte sich überrascht auf.
      "Khil!"
      "Ja?"
      "Ich hab' was!"
      "Was ist es denn?"
      Sie hielt einen Stofffetzen hoch, der vielleicht mal ein Taschentuch gewesen sein musste und auf dem ein kleines Symbol glänzte.
      "Hier! Das ist das Wappen der Seefahrt. Svenkov war mal in der Marine!"
      "... Dafür sind wir hergekommen?"
      "Weiß ich nicht. Aber es ist etwas."
      "..."
      Renera wühlte weiter, Khil sah ihr ausdruckslos zu und dann murmelte sie eine Entschuldigung, ehe sie sich umdrehte und ins Lager zurückstapfte. Sie gesellte sich zu Jarku, der den anderen half und versuchte einen Blick auf seine Messer zu erhaschen, ehe sie sich unschuldig gab.
      "Hmmmmm schöner Tag heute, nicht wahr? Brauchst du deine Messer noch - nein, ich mache nur Spaß! Was macht ihr da? Und hast du Aradan gesehen?"
    • Aradan schlief noch, ausgenockt von seiner Medizin, als sich beim ersten Schein der Sonne schon die Meisten aus den Zelten quälten und für alle ein ziemlich üppiges Frühstück zubereiteten. An einem Bauernhof vor wenigen Tagen hatten sie zum Dank einige frische Eier mit bekommen, genug um alle satt zu machen, inklusive Val. Die Zwillinge wussten wie man perfekte Omeletts zubereitet, dazu gab es noch knusprig gebratene Scheiben Fleisch des Keilers, welcher noch immer genug Fleisch zu bieten hatte und ganz klar mit auf die Reise kommen würde nachdem man die nötigen Stücke aus diesem hinaus geschnitten und gut im Rucksack verstaut hatte.
      Um Wasser musste man sich an diesem Ort ja glücklicherweise nicht kümmern, also musste auch keiner los laufen um für alle das Wasser zu besorgen.
      Als sich dann Renera und Khil zur Truppe gesellten, hatten sich schon die ersten paar weiter an die Grabung gemacht, welche ziemlich gut voran ging. Jarku nahm Khil lachend in Empfang als diese direkt über die Messer sprach. Kurz darauf hielt dieser der neugierigen Frau einen Teller mit einem großen Omelett samt zwei knusprig gebratenen stücken Fleisch hin.
      "Du bist mir aber eine. Hier, iss erstmal. Es startet sich deutlich besser mit einem vollen Bauch in den Tag, findest du nicht auch?"
      Zugleich brachte Daikata einen Teller mit der selben Menge die paar Schritte zu Renera und nickte ihr freundlich entgegen.
      "Ich hoffe euch schmeckts. Die Kochkünste der Zwillinge sind ziemlich gut. Aber Geschmäcker sind bekanntlich bei allen anders."
      Als ihm der Teller abgenommen wurde, beantwortete er auch die Frage von Khil.
      "Aradan? Der müsste noch im Zelt sein. Hab ihm gestern eine etwas schärfere Dosis gegeben. Der hatte Schlaf wirklich nötig. Ich hoffe nur dass er dadurch keinen Herzstillstand erlitten hat."
      Scherzte er deutlich um Renera ein wenig zu ärgern.
    • Khil nahm den Teller von Jarku entgegen und verkniff sich eine spitze Bemerkung, mit der sie ihn vielleicht wieder auf Abstand gebracht hätte. Er schien äußerst gut gelaunt zu sein und sie hatte immer noch nicht aufgegeben im die Zutaten des Gifts zu entlocken. Und Daikata ließ auch eine interessante Bemerkung fallen, der sie gleich nachzugehen versuchte.
      "Er kann davon einen Herzstillstand erleiden? Was genau bewirkt dieses Schlafmittel? Oder noch viel besser: Was ist eigentlich drin? Nein, halt! Darum geht es nicht. Merke dir deine Antwort, Daikata, ich werde auf dich zurückkommen!"
      Sie probierte etwas von dem Frühstück, das tatsächlich äußerst wohlschmeckend war und machte sich dann auf den Weg zu Aradan's Zelt. Es war zwar etwas merkwürdig diesen wildfremden Mann zu wecken, aber sie versuchte so mutig zu sein wie Renera.
      "Aradan. Aradan. Aradan. A-r-a-d-a-n."
      Er schien endlich wach zu sein.
      "Hmm du hast wirklich dunkle Augenringe. Du solltest auch mal tagsüber schlafen, das hilft sicherlich. Soll ich dir ein paar Schlaftechniken von den Alten Ehrwürdigen verraten? Die waren so gut, dass sie mit offenen Augen schlafen konnten. Im Stehen konnten sie auch schlafen, und im reiten. Das wäre sicherlich eine hilfreiche Fähigkeit für jemanden wie dich."
      Sie machte eine Handbewegung, als wolle sie eine Fliege verscheuchen und schüttelte den Kopf.
      "Egal. Dieses neuartige Land macht mich ganz verrückt. Es fehlt das Meersalz in der Luft, ich kann mich nicht richtig fokussieren. Sage mir: Wohin werdet ihr ziehen, wenn ihr hier fertig seid?"
      Sie ließ ihn antworten und nickte.
      "Nun… Würdet ihr vielleicht einen Umweg über Vihris machen? Das ist zwar ein Gefallen, den ich kaum von dir verlangen kann, wo wir uns doch vielleicht 13 Stunden lang kennen, aber ich spreche auch nicht für mich, sondern für Renera und sie hast du schließlich zwei Jahre lang gekannt. Das ist genug Zeit für einen Gefallen. Unter uns: Ich mache mir ein wenig Sorgen um sie. Sie ist seit einem Jahr so aufgewühlt und irrsinnig, jagt Gespenstern nach - nicht wörtlich gemeint. Ich dachte vielleicht könnte es besser werden, wenn wir ihrer Mutter einen Besuch abstatten, aber seitdem ihr Bruder uns gesehen hat, traut sie sich nicht mehr in größere Ortschaften zu fahren und ihre Mutter lebt in einer Stadt am See. Ihr könntet uns ja bis dorthin begleiten und ihrer Mutter eine Nachricht von ihr überbringen oder sowas. Oder sie in die Stadt schmuggeln. Oder ihre Mutter aus der Stadt schmuggeln. Du und deine Gefährten könnt das doch leicht, oder nicht? Wir können euch auch dafür bezahlen - nur nicht mit Gold. Wir könnten ein paar Kreaturen für euch jagen? Oh! Ich kann für euch ein paar Briefe schreiben. Ich beherrsche drei Sprachen und vier Schreibstile mit Kurzschrift und Phonetik. Was hälst du davon? Du hast doch sicher entfernte Verwandtschaft, der du mal schreiben musst!"
    • Daikata lächelte gezwungen. Er hätte nicht gedacht dass diese Frau namens Khil so leichtgläubig war und einen offensichtlichen kleinen Spaß nicht versteht. Er würde sich solche Aussagen in der Näher dieser Frau wohl verkneifen müssen. Berichtigen konnte er es aber nicht mehr, so schnell wie diese hibbelig eigenartige Person schon los gestiefelt ist und Aradan scheinbar wecken ging. Würde sich die Frau zu einem weiteren Quälgeist entwickeln? Ihn brachte dieser kurze Gedanke zum grinsen.

      Aradan bekam kaum die Augen auf als jemand auf ihn ein redete. Irgendetwas von Ehrwürdige, von Salzluft und Schlaftechniken. Er hielt schnell die Hand hoch um den Quasselfluss zu unterbrechen. Vorerst galt es sich den Schlaf aus den Augen zu reiben und sich aufzurichten. Erst jetzt sah er dass es Khil war.. wer auch sonst. Er kannte sie kaum aber ihr Redefluss mit Jarku hatte am gestrigen Abend schon alle unterhalten.
      "Okay tut mir Leid. Nochmal bitte."
      Und schnell wiederholte die Frau in exakt der gleichen Geschwindigkeit und dem selben Tonfall jedes einzelne Wort. Sogar wie sie vier mal seinen Namen sagte. Beinahe schon gespenstig.
      "Wohin wir gehen werden? Wir haben vor nach..."
      Ein gähnen zwang sich in seine Antwort hinein. Bevor er aber antwortet konnte, brach es schon wieder aus Khil rauß, als hätte er ihr schon eine Antwort gegeben. Diese Frau war ohne jede Frage ein ziemlicher Sonderling. Aber auf einer Art war es auch recht amüsant. So hörte er ihr erstmal zu. Wenigstens klang alles logisch und geordnet was sie von sich gab.
      "Nach Vihris hm?"
      Aber dann war doch alles was folgte etwas wirsch. Erst bat sie um den Gefallen beide nach Vhiris zu begleiten, dann das Schmuggeln von Renera, dann von ihrer Mutter, dann direkt von einer Bezahlung. Warum auch immer das erjagen von Monstern einer Bezahlung gleich kommen würde. Ihm blieb keine Wahl. Er musste beide Hände zum stoppen anheben als würde er jemanden von sich drücken wollen.
      "Okay okay, ganz ruhig Khil. Eins nach dem anderen. Nach Vihris begleiten stellt gar kein Problem dar. Doch erklär doch erst mal was dort ist und warum eine Begleitung dorthin eine Gefahr für euch birgt. Ist es wegen ihrem Bruder? Jagd er euch? Und welchem Geist jagt Renera nach? Für einen ausreichenden Schutz muss ich die Risiken besser kennen."
    • Khil kniff die Augen zusammen.
      "Du stellst aber ganz schön viele Fragen auf einmal, dafür dass ich nur eine gleichzeitig beantworten kann. Die erste Frage also zuerst: Renera ist der Überzeugung, dass Tysin die Kopfgeldjäger benachrichtigen wird, weil er sich immer an alle Regeln hält und er es nie gut gefunden hat, dass sie desertiert ist. Sie hat mir erklärt, dass er uns nicht folgen wird, denn es hat irgendwas damit zu tun, dass die Kopfgeldjäger wütend werden, wenn sich Soldaten in ihre Jagden einmischen. Da gibt's irgendein... Gesetz, glaube ich... nachdem Flüchtige nur dann von Soldaten ergriffen können, wenn sie irgendwas verbrochen haben. Aber fürs Desertieren gibt es wohl nur eine Kerkerstrafe und im Falle von Renera ein ordentliches Kopfgeld, weil sie schon zwölf Jahre nicht gefasst wurde. Da mischen sich normale Soldaten nicht ein, da sie sonst ihren Posten verlassen müssten und das sehen die Vorgesetzten wiederum nicht gern. Aber die Kopfgeldjäger, die könnten auf die Idee kommen bei ihrer Mutter aufzulauern und außerdem hat sie unter Vihris gedient und meinte, dass sie dort auch in der Ehrengarde von irgendeinem General eingestellt war, also geht sie davon aus, dass sie irgendwo erkannt werden wird. Ohne ihren Bruder hätten wir uns sicherlich reinschleichen können, aber mit ihm wissen vielleicht sämtliche Kopfgeldjäger im Umfeld von Vihris, dass sie dorthin gehen könnte und das will sie nicht riskieren. Damit habe ich gleich zwei Fragen auf einmal beantwortet, nicht wahr? Wenn das nur alle so machen würden, wäre die Welt gleich ein viel besserer Ort. Also zu deiner letzten Frage: Sie wollte unbedingt wegen ihrem Mentor herkommen und ich glaube, dass ein Buch sie darauf gebracht hat. Ich habe ihr viel vorgelesen und sie hatte aus einigen Berichten den Schluss gzeogen, dass ihr Mentor irgendwas wusste. Wie hieß er noch gleich? Salvo. Zen... to. Vann... Ihr Isnijer mit euren merkwürdigen Namen! Er hieß so ähnlich wie Schnürsenkel. Jedenfalls muss er ziemlich sicher in Melora gestorben sein, aber sie ist der Überzeugung, dass sie irgendwas finden wird, was ihr weiterhilft."
      Sie seufzte einmal ausgiebig.
      "Ich habe ja nichts dagegen hier zu sein, aber sie ist so nervös, seid wir wieder hier sind. So paranoid. So war sie die ganze Reise nicht! Ich möchte ihr nur etwas gutes tun. Oh, aber sag ihr das bloß nicht! Ich glaube sie würde mich an den nächsten Schwarzstürmer
      Spoiler anzeigen
      Nathanisches Wort für Läufer
      verfüttern, wenn sie herausbekommt, dass ich bei dir war."
    • Aradan erwartete eine recht abstruse Erklärung. Erst behauptete Khil keine Fragen zur selben Zeit beantworten zu können, statt sie einfach eine nach der Anderen zu beantworten, prahlte dann aber im nächsten Zug damit zwei in einem Satz beantwortet zu haben. Obendrein entwickelte sich der ganze Spaß, entgegen ihrer Behauptung eines Gefallens, zu einer regelrechten Operation voller Risiken. Kein Wunder dass er Renera nichts davon erzählen sollte. Zumal Vihris nicht grade um die nächste Ecke war. Bis zur genannten Stadt in Vihris musste man das halbe Land durchqueren. Selbst wenn sie keine Pause einlegen und den Fakt ignorieren würden dass ihnen womöglich Kopfgeldjäger im Nacken sind, ganz zu schweigen von der permanenten Bedrohung der Monster, würde man für diese Reise schon knappe zwei Wochen brauchen. All die Umstände dazu gerechnet, schätzte Aradan die Reise aber auf gut und gerne einen ganzen Monat.
      "Gut also. Womöglich sind Kopfgeldjäger hinter Renera her. Sicher bist du dir nicht aber die Möglichkeit ist hoch. Soweit so gut. Das wird zwar ein langer Weg aber das sollten wir hin kriegen. Ein paar Dinge bleiben aber noch offen. Ich muss schon wissen welche Nachricht überbracht werden soll dass es so einen Aufwand bedarf. Man könnte ihrer Mutter einen Boten schicken. Von mir aus auch Jemanden aus meiner Truppe. Und was ich nicht ganz verstehe ist die Paranoia die du erwähnt hast. Renera soll deiner Aussage nach nervös sein? Sogar Paranoid? Bezüglich was? Es sind nur eventuell Kopfgeldjäger hinter ihr her, welche nach der langen Zeit des Desertierens doch ohnehin hinter ihr her sein sollten, selbst bevor diese einen Tipp von ihrem Bruder bekommen haben. Und was hat der alte Svenkov damit zu tun? Was könnte in diesen Ruinen liegen was starke Nervosität und Paranoia auslösen kann?"
      Aradan versuchte das große Bild zu erkennen, doch war jetzt schon so vieles merkwürdig daran. Allem voran warum er Renera nichts davon erzählen durfte. Es wäre alles einfacher gewesen es gemeinsam zu besprechen. Jetzt musste man sich aber noch eine glaubhafte Geschichte überlegen weshalb man nach Vihris aufbrechen würde. Das schlimmste war daran aber, dass Aradan seiner ganzen Truppe erzählen müsste dass sie Renera die gesamte Reise über belügen müssen. Das stieß Aradan so übel auf dass er seufzte und sich nachdenklich mit seiner Hand durch die wirren Haare ging.
      "Gibt es noch irgendetwas dass du und Renera mir verschweigt? Ich habe selbst sehr viel hinter mir und kann sagen dass kein Mensch ohne Grund Paranoid oder auffallend nervös wird. Hat es etwas damit zu tun was Renera mich gebeten hat dich zu fragen? Sie erzählte mir alles über ihr Leben, bis auf den letzten Teil. Sie meinte ich solle dich fragen da sie es selbst nicht aussprechen konnte."
    • Nun wurde Khil doch nervös, was sich daran zeigte, dass sie ihre Hand zum Mund führte, ihre Lippe knetete und zum Zelteingang blickte. Sie schien abzuwägen, was Aradan alles wissen durfte, oder ob er überhaupt vertrauenswürdig genug war, um ihn einzuweihen. Schließlich kannte sie ihn seit 13 Stunden! Und Renera hatte ihr zwar sehr viel von ihm auf ihrem Weg hierher erzählt, aber sie konnte nicht einschätzen, ob ihm damit vertraut werden sollte.
      Allerdings hatte er mit seiner großen Truppe wohl schon genug Möglichkeiten gehabt sie beide zu überfallen, oder etwa nicht? Und sie hatte immerhin ihr Messer an ihrem Gürtel. Renera lobte sie immer dafür, dass sie so flink war, also konnte sie wohl darauf vertrauen, sie beide aus dieser Situation zu retten.
      "Hm. Ich fange von vorne an. Renera hat angefangen Kreaturen zu studieren und wir haben gemeinsam das Studium fortgesetzt. Wir sind allerdings an einen Punkt gekommen, an dem wir nicht weiterwissen und Renera möchte deswegen in die richtig verseuchten Gebiete ziehen. Also die Orte, in denen es von Kreaturen geradezu wimmelt. Sie zögert es allerdings noch heraus, weil sie noch andere Informationen besorgen möchte - so wie sie es nennt - aber ich denke, sie traut mir noch nicht zu, dass ich dort drüben bestehen kann. Sie bekämpft Kreaturen und ich bekämpfe Menschen, so haben wir das bisher immer gemacht, denn Kreaturen sind zu schwierig für mich und Menschen für sie. Aber je länger wir das hinauszögern, desto nervöser macht sie die ganze Welt. Sie sieht hinter jedem Menschen einen Feind, der sie überfallen möchte und bei Männern ist es besonders schlimm.
      Wir glauben, dass das an diesem Offizier lag. Wie hieß er noch gleich? Ich bin so schlecht mit Namen. Irgendwas, das sich wie Rolle anhört. Du musst wissen, dass sie es nicht erträgt Menschen vor Schmerzen schreien zu hören und dieser Offizier hat sich mit ihr in den Kerkern der Kaiserstadt in Ashkenia eingesperrt und Gefangene gefoltert. Also", sie setzte sich ein wenig auf, als sei das Thema äußerst spannend, "die Folterknechte in Ashkenia besitzen ein Serum, mit dem sie den Herzschlag dämpfen können, damit die Gefangenen sich in ihrer Panik nicht in die Bewusstlosigkeit steigern. Das ist ziemlich raffiniert, denn sie sorgen nicht dafür, dass die Schmerzen verschwinden, sondern nur, dass das Herz nicht zu viel Blut in den Kopf pumpt und das Opfer damit ins Jenseits befördert. Das hat dazu geführt, dass die Gefangenen bis zum letzten Atemzug geschrien haben, oder zumindest bis ihre Stimmbänder rissen. Wusstest du, dass es bei manchen nicht einmal eine Stunde lange dauert, bis die Stimmbänder reißen? Das finde ich interessant, denn die Stimmbänder sind nicht wie Muskeln und können damit eigentlich auch nicht verletzt werden, aber wenn man sie zu lange zu sehr anspannt geht es doch. Das sollte mal jemand untersuchen. Na jedenfalls hat er sich mit ihr an einem Abend dort eingeschlossen und hat Gefangene gefoltert. Hat ihnen Haut abgezogen oder Gliedmaßen abgeschnitten oder Zähne gezogen, während sie geschrien haben, damit Renera sich daran gewöhnt. Danach war sie komisch. Hat den ganzen Tag nur Löcher in die Luft gestarrt, nichts gegessen und nicht geschlafen. Sie ist eine Woche später in den Krankenflügel gekommen und da hat sie es mir endlich unter Tränen erzählt. Sie hat gesagt, dass sie sie immer noch schreien hört, aber nicht nur die Gefangenen sondern alle, die sie jemals schreien gehört hatte. Jeden Soldaten und jeden Räuber, den sie jemals umgebracht hat. Ich glaube sie macht sich zu sehr dafür verantwortlich, dass sie jemandem Schmerz zugefügt hat."
      Sie rieb sich das Kinn.
      "Ich hätte ihn damals umbringen müssen. Ich glaube, es war ein Fehler, das ich es nicht getan habe. Aber ich hatte nicht viel Erfahrung mit Waffen und er ist ein Offizier, das wäre sicherlich nach hinten losgegangen. Jedenfalls glaube ich, dass sie seitdem immer besorgter wird, dass wir in einen Hinterhalt geraten und ich nicht alle allein zur Strecke bringen kann. Dass ich unterliege und sie einschreiten muss. Wir sind uns beide sicher, dass sie niemanden umbringen kann, auch wenn sie es wollte. Das ist ein Problem, denn in der heutigen Welt gibt es zu viele, die gleich auf Gewalt zurückgreifen."
      Sie knetete wieder ihre Lippe.
      "Deswegen wollten wir ihre Mutter besuchen, ein wenig Normalität schaffen. Sie soll nur wissen, dass es ihrer Mutter gut geht und ihre Mutter soll wissen, dass sie noch lebt. Und Svenkov - stimmt, so hieß er - hat wohl immer mal wieder Andeutungen gemacht, denen sie nachgehen wollte. Er hat von irgendeiner Gruppierung gesprochen, die wiederum eine Studie über die - wie nennt ihr sie? Wanderer? - veröffentlicht haben, die sich mit dem deckt, was wir bereits herausgefunden haben. Sie möchte mehr von ihm finden, weil er wahrscheinlich mehr als das wusste, aber der ist ganz sicher schon tot. Er hatte ja schon weiße Haare, als sie ihn kennengelernt hat. Wenn er nicht in Melora gestorben ist, dann sicherlich an Altersschwäche."
      Sie winkte ab.
      "Deswegen wäre es ein riesiger Gefallen, wenn ihr uns begleitet. Dann muss sie keine Angst haben, dass uns irgendjemand überfallen könnte und kann ihrer Mutter eine Nachricht überbringen. Und außerdem hat Jarku mir noch immer nicht erklärt, was genau die Zutaten seines Gifts sind und es wäre eine Verschwendung, wenn wir bald schon wieder abreisen würden und ich für den Rest meines Lebens darüber nachdenken müsste."
    • Aradan saß aufmerksam in seinem Zelt, die Decke noch immer über seinen Beinen und hörte zu. Er hatte sich schon gedacht dass es etwas mit Folter zu tun haben musste. Ansonsten hätte Renera am gestrigen Abend nicht so empfindlich reagiert. Nur hatte Aradan eher erwartet zu hören, dass Renera selbst gefoltert wurde. Er war beinahe etwas erleichtert die Geschichte gehört zu haben. Zwar wurde Renera somit auch in gewisser Hinsicht einer Folter unterzogen aber so war es noch um ein vielfaches leichter zu leben als ohne Haut, abgetrennten Gliedmaßen oder was auch immer sich Folterer so ausdachten um ihre Opfer zu quälen. Dass die meisten Machthaber längst den eigentlichen Zweck der Folter missbrauchten, war Aradan schon immer ein Dorn im Auge gewesen, doch war er wohl kaum in der Lage auch dieses Problem von der Landkarte zu fegen. Die menschliche Grausamkeit war leider ein Übel was wohl immer bleiben wird.
      "Ich verstehe.."
      Meinte er bedacht
      "Zu schade dass du so schlecht mit Namen bist. Ich würde mir wirklich gern alle Namen von den Peinigern geben lassen um ihnen einen Besuch abzustatten. Nicht jeder Offizier ist durch dessen Kampfgeschick an diese Position gekommen. Und selbst wenn, kann man mit einer guten Planung einen jeden Menschen in einer verletzlichen Lage überrumpeln. Meinst du, du könntest dir die Namen unter einem Vorwand besorgen und notieren? Bestmöglich mit dessen Ruf, Rang und Aufenthaltsort."
      Zu allem anderen nickte Aradan um die Sache zu besiegeln.
      "Ist nicht schön was die Menschen einander antun können. In meiner Truppe seit ihr aber vorerst sicher. Zumindest sicherer als zu zweit. Über den Plan den Renera sich in den Kopf gesetzt hat, müssen wir bestenfalls später noch mal reden. Es ist purer Irrsinn quasi auf eigene Faust in ein konzentriertes Monster Gebiet zu wandern. Das würde nicht mal meiner Truppe mit all ihren Fähigkeiten in den Sinn kommen. Aber vorerst soll die Reise, deinem Wunsch nach, nach Vihris gehen. Bis dahin kann sich ja noch einiges ändern. Ich danke dir auf jeden Fall für deine Ehrlichkeit. Ich werde euch sicher nicht enttäuschen."
      So weit das Zelt den Platz zuließ, wandte sich Aradan an Khil vorbei und legte kurz zur Versicherung seine Hand auf ihre Schulter ehe er das Zelt verließ und sich endlich aufrecht strecken konnte.
      Schnell stand dann auch schon Chie vor Aradan und drückte ihm einen Teller in die Hand.
      Nachdem er sich bedankt hatte ging er, während er sein Frühstück verzehrte, zur Grabungsstelle und lobte wie behutsam alle an die Sache ran gingen.
      Anbei besprach er leise genug dass Renera nichts hören würde, den Plan den er mit Khil ausgemacht hatte. Daikata, Jarku und Val hatten nichts dagegen. Sie wären ohnehin überall mit hin gegangen, auch wenn diese Plan Änderung dafür sorgte, dass sie erst später wieder in ihrem Unterschlupf entspannen konnten.
      Nach dem Frühstück ging Aradan zum Fluss und wusch sich grob seinen noch unbekleideten Oberkörper und seine Haare. Daraufhin zog er sich ein Ärmelloses schwarzes Unterhemd über und ging nach Renera.
      "Guten Morgen. Wie war deine Nacht?"
    • Khils Gesicht hellte sich merklich auf und sie nickte heftig. Eine Aufgabe zu bekommen, die ihren Kopf benötigte, glich in etwa einem Kompliment.
      "Das ist kein Problem für mich! Warte - hast du etwa gesagt notieren? Du kannst lesen? Als Mann?"
      Daraufhin schüttelte sie dann doch den Kopf.
      "Ihr Isnijer seid komisch."
      Und folgte ihm nach draußen, wo sie sich höchst unauffällig wieder zu Renera gesellte.
      Renera hatte den größten Teil des Drecks beiseite geschafft und den Boden des ehemaligen Schuppens freigelegt, der vom Feuer schwarz gefärbt war. Das Holz war bereits morsch und brüchig und überall hatte sich das Gras durch den Boden gedrückt, was nicht wirklich zur Besserung der Situation führte. Sie schwitzte, aber sie sah die Anstrengung eher als Training. Dabei fiel ihr ein, dass sie mit Khil die täglichen Übungen machen wollte.
      "Da bist du ja, willst du dich etwa drücken?"
      "Stimmt nicht, ich habe gefrühstückt und dir dein Essen mitgebracht. Es gibt Omelett von den Zwillingen."
      "Danke, stell' es mir hin. Du kannst schonmal Dehnübungen machen."
      "Dehnübungen? Wieso das denn?"
      "Für dein Training?"
      Khil stöhnte laut auf.
      "Aber wir sind gar nicht unterwegs! Das ist quasi wie Urlaub - sicheres Gebiet!"
      "Hier ist gar nichts sicher, wir können von drei verschiedenen Seiten angegriffen werden. Dein Körper gewöhnt sich nicht an die Bewegungen, wenn du sie nicht ständig wiederholst."
      Khil stöhnte nur noch lauter.
      "Das ist unfair. Ich habe eine Pause verdient."
      "Sobald du meine Schläge richtig parieren kannst, gönn' ich dir eine Pause."
      "Das ist genauso unfair, du bist doppelt so stark wie ich!"
      "Wenn du regelmäßig trainieren würdest, wärst du genauso stark. Also keine Ausreden."
      Khil ließ den Kopf hängen und schlurfte an ihr vorbei auf eine freie Wiesenfläche, wo sie ihr Schwert abschnallte und sich dehnte, bevor Renera ihr über die Schulter verschiedene Formationsreihenfolgen zurief, die Khil brav einnahm und dabei ihr Schwert mit sich schwang. Es wirkte beinahe wie ein Tanz, wobei sie noch recht unbeholfen wirkte und ständig zu vorschnell in eine andere Haltung übergehen wollte. Renera grub weiter, drehte sich manchmal zu ihr um, rief ihr etwas zu und wandte sich dann wieder dem Dreck zu. Khil war schnell außer Atem und verlangte eine Pause, gerade als Aradan zu ihnen kam. Renera setzte sich bei seinem Anblick auf und lächelte kurz.
      "Mensch Aradan, was ist nur aus dem schmächtigen Jungen geworden?" Sie betrachtete seine Armee. "Du könntest fast als Soldat durchgehen. In einer Rüstung würde dich sicher jeder für einen halten. Meine Nacht war gut, vielleicht zu wenig Schlaf. Wie war deine?"
      Sie sah kurz zu Khil, bedeutete ihr weiterzumachen, stand dann auf und klopfte sich die dreckigen Hände an der Hose ab. Khil ließ das Schwert hängen, wischte sich den Schweiß von der Stirn, starrte Aradan an und formte mit den Lippen die Worte: Hilf mir.
    • "Schmächtig?"
      Aradan sah an sich runter. Er hatte sich wohl komplett falsch in Erinnerung gehabt. Er war nie so aufgepumpt wie manch andere gewesen aber... schmächtig? Es brachte ihn etwas zum lachen.
      "Was soll ich sagen. Die Zeit formt einen nicht wahr? Auf See passiert das von ganz allein. Die spröde Gischt sorgt gerne für eine angenehme Kühle während man ununterbrochen auf Deck arbeiten muss. Kisten schleppen, schrubben, die schon mit Blasen übersäten Hände weiter nutzen um das raue Tau zu ziehen und dazu noch das zusätzliche Waffentraining. Aber was red ich von mir. Sieh dich an. Aus dem kleinen Mädchen ist ebenso eine hübsche Frau geworden."
      Andere Komplimente wollte er ihr lieber nicht machen. Er hatte noch keine Ahnung davon wie sensibel sie darauf reagieren könnte, immerhin war es in ihrem Fall wohl Segen und Fluch zugleich.
      "Meine Nacht war schnell vorbei. Die Medikamente die mir Daikata gibt wirken schnell und gut. Der lange Schlaf war definitiv nötig, das kann ich dir sagen. Sag. Kann ich euch irgendwie zur Hand gehen? Hier stand doch ehemals die alte Hütte von Svenkov wenn ich mich nicht täusche."
      Dann drehte er sich in Khil's Richtung um und stemmte eine Hand an die Hüfte. Nostalgie tat sich in ihm auf, sehend was das für Übungen waren die Khil scheinbar unter Zwang einstudieren musste. Genau so wie damals im Unterricht von Wilk. Dass Khil nach Hilfe fragte, brachte Aradan verschlagen zum schmunzeln.
      "Das sind doch die Haltungen die uns damals ständig eingehämmert wurden oder? Aber wenn ich das richtig sehe ganz schön überarbeitet. Warst fleißig hm?"
      Dieses Lob traute er sich frei an Renera auszusprechen als ihm eine Idee kam.
      "Hey Renera. Was meinst du. Will mir eine von euch beiden vielleicht zeigen was ihr so gelernt habt? Nach dem langen Schlaf fühlen sich meine Glieder ganz rostig an."
    • Renera lächelte, aber sie wandte ihren Blick ab. Es war nicht so, dass Aradans Kompliment sie unwohl machte, es war eher genau das Gegenteil der Fall. Sie konzentrierte sich lieber auf den Rest seiner Worte, als dem Gefühl nachzugehen.
      "Ich glaub' wir brauchen keine Hilfe. Hast du nicht deine eigene Ausgrabungsstätte, um die du dich kümmern musst?"
      Dann sah sie mit Aradan zu Khil hinüber, die sich Luft zufächerte und die Unaufmerksamkeit ihrer Lehrerin ausnutzte um zu Faulenzen. Sie bemerkte ihren Blick und hob das Schwert an, aber es war eher ein halbherziger Versuch in eine Position zu verfallen, die nichtmal sehr standhaft aussah.
      Renera sah wieder Aradan an und lächelte diesmal aufrichtiger.
      "Wilk hat gute Arbeit geleistet, das will ich gar nicht in Frage stellen. Aber er hat den Fehler gemacht uns allen den gleichen Übungen zu unterwerfen, wobei wir doch alle einen unterschiedlichen Körperbau haben. Khil ist nicht die erste, der ich nicht die Felshaltung anvertrauen kann, weil sie einfach zu klein ist. Stattdessen lasse ich sie auf die Federhaltung konzentrieren und sich dicht am Boden halten, das erscheint mir am besten. Ansonsten ist sie bei der Wasser- und Sturmhaltung am besten aufgehoben. Ich hab' ihr nichtmal die Eisenhaltung erklärt, das wär' unnötig."
      "Sie enthält mir Informationen", beschwerte sich Khil aus dem Hintergrund und Renera schnaubte.
      "Zu viel Informationen sind auch nicht gut, das verwirrt dich."
      "Mich verwirrt gar nichts."
      Renera warf Aradan einen Blick zu, mit dem sie zu sagen schien: Jetzt kannst du dir vorstellen, mit was ich mich herumschlagen muss.
      Sein nächster Vorschlag ließ sie dann aber aufmerksam werden.
      "Das ist eine wunderbare Idee! Khil soll sich mit dir anliegen, dann kann ich aus erster Hand sehen, was sie falsch macht."
      "Was?! Auf keinen Fall!"
      "Klar, stell dich auf. Er hat gesagt er ist ganz eingerostet, das sollte für dich doch etwas leichtes sein."
      Jetzt grinste Renera allerdings selbst. Selbst ein eingerosteter Aradan war ganz sicher eine Herausforderung für Khil.
      "Er hat ungefähr vier Mal so viel Kampferfahrung wie ich! Das ist unfair!"
      "In der richtigen Welt kannst du dir deinen Kampfpartner auch nicht aussuchen. Ich mach' dir einen Vorschlag: Wenn du ihn auch nur ein Mal mit deiner Waffe berührst, musst du heute kein weiteres Training machen. Einverstanden?"
      Khil machte ein frustriertes Gesicht, aber immerhin schulterte sie ihr Schwert und stellte sich auf. Renera trat einen Schritt zurück und setzte sich auf ein Fleck Gras.
      "Aber behaltet eure Schwerter in ihren Heften, ich will hier keine Verletzungen haben."
      Khil machte noch immer eine finstere Miene, als sie ihr Heft abschnallte und die Klinge darin verschwinden ließ. Dann stellte sie sich in Wasserhaltung auf.
      Den Anfang des Kampfes machte keiner so richtig, als sich beide erstmal umkreisten. Khil musterte Aradan von Kopf bis Fuß so wie Renera es ihr beigebracht hatte: Versuche deinen Gegner einzuschätzen, dir seine Waffen einzuprägen und wie er sich bewegt. Das war meist der Grundstein für eine geeignete Kampfhaltung, um dem Gegner gerecht zu werden. Aradan überragte Khil um mehr als einen Kopf, er war wesentlich stärker als sie und hatte auch mehr Kampferfahrung. Wenn sie sich an ihr Training hielt, würde sie seinen Angriffen ausnahmslos ausweichen und lediglich einen eigenen Schlag wagen, wenn sie sich sicher sein konnte, dass er auch treffen würde. Es war schon ein ungerechter Kampf, aber bis auf richtige Duelle gab es kaum gerechte Kämpfe.
      Khil wagte schließlich den ersten Schritt, stürmte in der Wasserhaltung nach vorne und verfiel im Laufen in die Sturmhaltung, bei der sie ihr Gewicht nach vorne verlagerte und den Oberkörper leicht neigte. Sie täuschte einen Seitenhieb vor, den sie in letzter Sekunde abbrach und schnell zur anderen Seite auswich, um Aradan zu testen. Das war ein guter Anfang, bei dem Renera nichts auszusetzen hatten. Dann wagte sie allerdings direkt einen zweiten Angriff, bei dem sie auf Aradan's Oberschenkel zielte, die für sie eine perfekte Angriffshöhe boten.
    • Aradan stand dort nach wie vor mit seiner Hand an der Seite gestemmt und hörte den Beiden zu als sich diese unterhielten wie ein altes Ehepaar. Es war wahrlich amüsant wie er fand. Und all diese Haltungen wieder ausgesprochen zu hören jagte ihm erneut einen schauer der Nostalgie über den Rücken. Er selbst hielt überhaupt nicht mehr an diesen Haltungen fest. Sie waren immerhin dafür ausgelegt gegen Monster zu kämpfen und dieses Problem hatte er in den letzten Jahren nicht mehr. Abgesehen davon hatte er seine eigene Art entwickelt gegen diese anzutreten falls Val mal nicht in der Nähe war.
      "Hör darauf was dir von erfahrenen Kämpfern gesagt wird"
      Rief er Khil rüber und zwinkerte ihr mit einem Auge zu als läge darin eine Botschaft.
      Kurz darauf rannte die kleine Frau auch schon los. Sie war ziemlich schnell, doch ging Aradan noch recht entspannt an den Kampf ran. Erst als sie zum ersten Hieb ausholte, wich er knapp zurück und hob die Arme wie ein Boxer an.
      "Oho. Du bist ganz schön flink. Schalt mal einen Gang runter"
      Klar wollte er sie damit provozieren und sorgte dafür dass sich beide während den Hieben immer weiter von Renera entfernten. Dabei wich Aradan jedem Hieb ganz knapp aus, fing dann bei ausreichender Entfernung an zu flüstern
      "Sehr gut. Weiter so. Treib mich rüber zum Kies"
      Schnell waren die letzten paar Ausweichschritte getan als der Boden unter ihnen vom raschelnden Kies dominiert wurde.
      "Und nun geh auf meine Beine. Bring mich dazu Seitenschritte zu machen und weiche meinen Angriffen aus"
      Nun schlug Aradan nach jedem ausgewichenem Hieb einen Konter auf Khil zu, welche allerdings leicht zu entgehen waren, da er selbst noch in der ausweichenden Lage war.
      "Und jetzt.. Linkes Bein und du hast deinen Tag frei"
      Zugleich trat Aradan fester auf den Boden um in den direkten Angriff über zu gehen, er holte wuchtig aus, verlor dabei aber seinen Halt durch einen dickeren Stein zwischen den Kieseln, welchen er bewusst angesteuert hatte. So traf Khil sein Oberschenkel ziemlich kräftig, was unmittelbar zum Stoppen des Übungskampfes führte.
      "Gern geschehen"
      flüsterte er und richtete sich wieder auf ehe er sich zu Renera drehte.
      "Ich bin kaum wach und du lässt eine Wilde ohne Zügel auf mich los?"
      Doch auch ohne dem Schauspiel, staunte Aradan nicht schlecht. Renera hatte der kleinen Frau tatsächlich einiges beigebracht. Möglicherweise fehlten ihr noch 1-2 Jahre und sie wäre eine ernst zu nehmende Bedrohung gewesen.
      "Du hast echt was drauf. Vielleicht erlaubt mir Renera ja dir auch mal den ein oder anderen Trick beizubringen hm?"
    • Khil hob erstaunt den Kopf, als Aradan ihr zuflüsterte, und vergaß dafür für einen Moment ihre Verteidigung, was Renera gleich auffiel. Allerdings überspielte die kleine Frau es schnell damit, dass sie in die Wasserhaltung überging, so als habe sie für einen Moment überlegen müssen. Dann warf sie Aradan einen misstrauischen Blick zu, so als wolle sie abschätzen ob er sie vielleicht ablenken wollte. Sie ging in ihren nächsten Angriff über, dem er wieder auswich, und drängte ihn dabei wie gehießen zum Kies zurück. Bisher hatte Renera auch daran nichts auszusetzen, wenngleich es sie störte, wie defensiv Aradan kämpfte. Es wäre eine gute Lektion für Khil gewesen, auch mal von jemand anderem als Renera besiegt zu werden, aber vielleicht wollte er ihr erstmal etwas Sicherheit verschaffen, bis er selbst zuschlagen würde. Und tatsächlich folgte kurz darauf sein eigener Angriff, vor dem sich Khil flink zur Seite wegduckte. Sie drehte ihr Schwert in einer Aufwärtsbewegung, wobei sie sich für Reneras Geschmack etwas zu sehr auf Aradans linke Seite konzentrierte, und schlug zu. Er holte selbst zu einem Schlag aus, geriet dann allerdings auf dem unebenem Boden aus dem Gleichgewicht, bekam einen Treffer von Khil ab und verlor den Halt vollständig. Khil machte riesige Augen und reckte dann ihr Schwert in die Luft.
      "ICH HABE GEWONNEN!!!"
      Renera kam herbeigeschlendert und lächelte. Das war eigentlich nicht geplant gewesen - hatte Aradan sich etwa so sehr gehen lassen, dass er nicht einmal mehr die Schwachstellen der Wasserhaltung kannte? Oder dass er die Möglichkeit nicht erkannt hatte, als Khil gezögert hatte? War er tatsächlich so tief gesunken, dass er gegen ihre Schülerin verlor?
      "Das war gut, du bist gut in Bewegung geblieben. Denk nur immer an deinen Schwung, der darf nicht aufhören, auch wenn vielleicht der Kampf gerade nicht sehr schwungvoll ist. Du hast einmal gezögert und dann war deine ganze rechte Seite unverteidigt, ein richtiger Feind hätte sich das sofort zu Nutzen gemacht. Eigentlich müsste ich dich jetzt für tot erklären."
      "Aber ich habe ihn getroffen! Und er mich nicht! Damit habe ich jetzt frei!"
      Renera seufzte.
      "Ja, du hast frei, kein Training mehr für heute. Aber dein Schwert musst du trotzdem polieren und dein Messer vielleicht auch."
      Khil nickte eifrig, das war nicht ganz so anstrengend. Sie schenkte Aradan ein breites Grinsen, das Renera nicht sehen konnte. Die wandte sich ihm auch zu und stemmte die Hände in die Hüften.
      "Aber bei dir ist das was anderes. Wärst du mein Schüler, würde ich dich jetzt zu Strafübungen verdammen. Deine Schläge waren ja fürchterlich - so vorhersehbar! Sag' mir nicht, dass du so viel mit dem Bogen kämpfst, dass du den Rest schon vergessen hast. Soll ich dir etwa Nachhilfestunden geben? Nur mit deinen Muskeln kommst du so nicht weit."
      Khil strahlte plötzlich.
      "Unbedingt, das will ich sehen! Ich habe dich noch nie gegen einen Menschen kämpfen sehen!"
      "Das wirst du auch nicht. Ein Übungskampf ist etwas anderes."
      "Aber schon ziemlich realitätsnah."
      "Wahrscheinlich. Was sagst du dazu, Aradan? Bist du schon aufgewärmt genug? Ich will keine Zurückhaltung sehen. Wir kämpfen bis zum Tod - natürlich nur bildlich."
      Sie schnallte sich ihre beiden Schwerter ab und drehte sie in den Händen. Die Hefte erschwerten die Klingen ungemein und so musste sie sich an das Gefühl erst gewöhnen, aber die Griffe waren für ihre Hände maßgeschneidert und so zweifelte sie nicht daran, dass sie auch mit den Heften kämpfen konnten. Khil begab sich begeistert außer Reichweite und Renera verfiel in Rauchhaltung, den Körper aufrecht, die Schwerter zu ihren Seiten. So verharrte sie, während sie Aradan musterte. Er würde den ersten Angriff machen müssen.
    • Aradan rieb seine Hand am Hinterkopf als er gemaßregelt wurde. Für einen Moment fühlte er sich wie ein kleiner Junge der sich nicht an Regeln gehalten hatte als Renera ihm so viel an den Kopf warf. Aber er spielte mit und entschuldigte sich mit einem leichten lächeln.
      "Tut mir Leid. Ich hab sie einfach unterschätzt. All die Jahre meines Studiums haben mich wohl etwas zu sehr in die Bücher blicken lassen. Und noch dazu das Narkotikum von Daikata, das war schon ziemlich hoch dosiert muss ich sagen. Es ist als würden meine Gliedmaßen verzögert reagieren. Gib mir einen Moment."
      Aradan fing an sich die Beine zu strecken, daraufhin dehnte er seinen ganzen Körper von Kopf bis Fuß durch und hüpfte ein paar mal auf der Stelle. Was hatte er sich hier nur eingehandelt. Er wollte doch nur Khil helfen und nun musste er sich Renera stellen. Während er sich dehnte, was er nur tat um Zeit zum nachdenken zu schinden, fragte er sich was er tun sollte. Sein Kampfstil war absolut nicht für ein Sparringskampf ausgelegt. Doch dann ging er das Risiko ein. Die alten Übungen mussten wieder ausgepackt werden. Es kam ihm unglaublich fremd vor ein mal alle Haltungen von Wilk's Unterricht durch zu gehen ehe er in die Sturmhaltung ging und den erwarteten Anfang machte. Sei Ziel war es zumindest mitzuhalten und so viele Angriffe wie möglich zu parieren statt ihnen auszuweichen.
    • Renera überreichte Aradan das Schwert von Khil, dann erwartete sie seinen Ansturm. Seine Schritte gaben den Rhythmus vor, den die Schlachtentrommeln in ihrem Kopf schlugen; Einer der wenigen Vorteile, den sie aus der Armee mitgenommen hatte. Der Kampf war für sie nicht ein aufeinanderprallen von zwei Körpern sondern ein Tanz.
      Seine Schritte gaben die Geschwindigkeit vor, auf die sie sich einstellte. Sie waren großzügig und ausfallend, zumindest für die kurze Distanz die er brauchte, um zu ihr zu gelangen. Sie hörte den Rhythmus darin heraus und stellte sich darauf ein, ein schnelles Tempo, anfällig für Unregelmäßigkeiten, eben der Rhythmus eines Menschen. Er war ihr nicht unbekannt.
      Sie verlagerte ihr Gewicht und wappnete sich für sein Eintreffen und den richtigen Zeitpunkt. Die Trommeln in ihrem Gehirn gaben ihn vor, kurz bevor sie in seiner Reichweite war, und sie machte einen Ausfallschritt nach hinten, der sich seinem Tempo anpasste und damit für den Moment so wirkte, als würde sie sich mit ihm bewegen. Das war der Tanz. Sie fing seinen Schlag mit einem Kreuzparieren auf und bewegte sich an seine Seite während sie ihr Schwert nachzog, um seinem weiterem Hieb zu umgehen. Sie zwang ihn dazu sich mit ihr zu drehen, indem sie einen Hieb auf seine Beine vortäuschte und er gehorchte ihr unbewusst. Damit hatte sie in dem Tanz die Führung übernommen - jetzt war es an der Zeit, diese Führung beizubehalten. Sie trat auf ihn zu, versuchte sich hinter die Länge seines Schwertes zu bewegen und trieb ihn damit nach hinten. Ein seitlicher Schlag zwang ihn in die Defensive, er parierte während er auch ihr anderes Schwert im Blick behielt und zog dann seine Waffe nach, als sie auch mit ihrem anderen Schwert zuschlug. Die Waffen prallten dumpf aneinander, dann gab sie ihn auch schon wieder frei. Die Trommeln passten sich seinem Ausfallschritt an, als er sich wieder in die Offensive zu zwängen versuchte und sie holte selbst aus, um ihm ihre ungeschützte Seite zu präsentieren. Allerdings bewegte sie sich dann mit ihm, als er sie dort zu treffen versuchte, wich erst dann dem Schwert aus, begab sich in die Reichweite seines möglichen Messers, das er allerdings in diesem Kampf nicht besaß, warf eines ihrer Schwerter beiseite, um seinen Schwertarm zu ergreifen, sich unter ihm hindurch an seine Brust zu drehen und ihm bei der Bewegung das Bein wegzureißen. Sie benutzte ihn als weiches Landekissen und hielt seinen Schwertarm gepackt, während sie ihm ihr Schwert an den Hals legte. Als sie aufkamen saß sie auf ihm und ließ ihn schnell los.
      "Jetzt fühle ich mich schlecht. Ich hätte dir eher deinen Bogen geben sollen, aber dann wäre ich wahrscheinlich noch unterlegen. Hab' ich dir wehgetan?"
      Sie stand auf und reichte ihm die Hand, während Khil hergelaufen kam.
      "Mach' dir nichts daraus, Gürteltaschen-Junge, mich macht sie auch immer fertig."
      Sie grinste Renera frech an, die ihr einen bösen Blick zuwarf.
      "Nenn' ihn nicht so, er heißt Aradan."
      "Du weißt doch, dass ich schlecht mit Namen bin."
      Sie zwinkerte Aradan zu. Renera steckte ihre Waffen weg und musterte Aradan.
      "Du solltest wirklich ein paar Sachen nachholen. Ich kann dir ein paar Übungen zeigen, die Khil auch immer macht, die helfen dir, die Bewegungen mehr instinktiv durchzuführen."
    • Der ganze Kampf verlief ziemlich schnell. Keine 2 Minuten später fand sich Aradan auf dem Boden wieder. Kurz darauf nahm er die Hand dankend zum aufstehen an und klopfte sich etwas den Dreck von seiner Kleidung.
      "Ich verstehe. Du hast ein paar Griffe hinzugefügt und nutzt die Schwachstellen mehr aus. Man könnte meinen du passt Wilk's Kampfhaltungen an um Menschen besiegen zu können."
      Daraufhin streckte er seinen Rücken durch um die unsanfte Landung schnell wieder aus seinem Körper zu kriegen.
      Seine weitere Analyse würde er für sich behalten. Immerhin wusste er nicht wie viel er aus dem Gespräch zwischen Khil und ihm preis geben durfte. Vorerst war es aber eine ausreichende Demonstration um sich ein besseres Bild über die beiden Frauen machen zu können. Sie konnten klar auf sich aufpassen, so viel stand fest. Und sicher hatte Renera noch weiß Gott nicht wie viele dieser Haltungen in ihrem Arsenal.
      Als ihm dann eine Nachhilfe angeboten wurde, schüttelte Aradan aber den Kopf.
      "Vielen Dank, wirklich. Aber ich denke ich bleibe lieber bei meinem eigenen Kampfstil. Der ist jedoch nicht auf den Übungskampf ausgelegt."
      Nach einer kurzen Pause betrachtete Aradan aber erstmals Renera im ganzen. Erst in dem Moment als sie die Schwerter trug und zeigte was sie gelernt hatte, war es für ihn als könne er die kleine Renera neben ihr sehen.
      "Ich wette Wilk wäre ziemlich Stolz auf deinen Fortschritt. Ich sehe dich noch in deinem, für den Kampf ungeeignetem, Kleidchen vor mir. Kaum mit dem Gewicht eines Schwertes klar kommend. Was wir nicht alles durch gemacht haben hm? Dieser aufgepumpte Clown Tokiv. Die Spinnenmutter und der Streit in der Mentor Zeit. Wer weiß wie unser Leben verlaufen wäre, wären diese Soldaten nicht gekommen. Sicher wären wir schwach, verzogen und noch immer im Dorf."
      Dann lachte er amüsiert als er sich dieses Szenario vorstellte.
      "Am Ende hätten wir vermutlich entgegen dem Rat deiner Mutter noch Kinder gehabt, stell dir das mal vor"
      Er rieb sich eine Träne vom Lachen aus seinem Gesicht
      "Wir waren schon putzig."

      Im Hintergrund wurde es dann ein wenig lauter.
      "Ah schau an. Ich glaube sie haben was gefunden. Wollen wir mal hoffen dass niemand in den Jahren vor dem Verfall etwas geplündert hat. Das wäre ziemlich ärgerlich"
    • Renera bedankte sich für das wohlgemeinte Kompliment mit einem kurzen Lächeln, allerdings wurde ihr Blick düster. Sollte sie ihm sagen, dass sie nicht beabsichtigte, jemals wieder die Waffe gegen einen Menschen zu erheben? Wahrscheinlich nicht. Das würde sich lächerlich anhören, nachdem er wohl in ihrem Kampfstil zu erkennen glaubte, dass er für Menschen gemacht war.
      Seine nächsten Worte trieben sie dann aber doch wieder zu einem breiterem Lächeln. Sie fühlte sich in seiner Nähe tatsächlich so jung, wie er es sagte. Nur Wilks Name stimmte sie trübselig.
      "Er wäre sicherlich auf uns beide stolz, auch wenn er immer etwas finden würde, was er kritisieren könnte. Er war ein guter Mann, ich verdanke ihm wahrscheinlich mehr, als mir bewusst ist. Wir wären sicher völlig andere Menschen geworden, wenn das nicht passiert wäre."
      Aber war das gut oder schlecht? Sie hätte sich wahrscheinlich viel Trauma ersparen können, aber dann wäre sie auch nie nach Ashkenia gekommen, hätte sich nie mit ihrem eigenen Kampfstil auseinandergesetzt, hätte niemals mit ihren Studien über Kreaturen angefangen. Sie hätte auch niemals so viel gemordet, wie sie in der Armee getan hatte.
      Aber sie wäre mit Aradan zusammen geblieben.
      Sie wich seinem Blick wieder aus und brachte einen angenehmen Abstand zwischen sie beide. Seine Bemerkung brachte sie auf weitere Gedanken, denen sie auszuweichen versuchte.
      "Hm. Das waren wir."
      Rufe aus dem Hintergrund erlösten sie aus der Situation und Aradan wandte sich gleich ab, um nachsehen zu gehen. Das brachte sie selbst auf ihre eigene Unternehmung und sie wandte sich Khil zu.
      "Wenn ich bis heute Nachmittag nichts finde, ziehen wir weiter. Wenn wir zu lange bleiben, locken wie Läufer an. Ich denke seit heute Nacht darüber nach, zurück in die Berge zu gehen, vielleicht wäre das ein guter nächster Ort für unsere Untersuchungen."
      Khil biss sich auf die Lippe und blickte dann Aradan nach, der sich von ihnen entfernte. Sie schien über irgendwas nachzudenken.
      "Meinst du nicht, wir sollten es mit deiner Mutter doch probieren? Sonst waren wir nur so kurz hier, du hast mich nichtmal deinen Geschwistern vorgestellt."
      "Das stand auch gar nicht zur Debatte. Ich weiß nichtmal, ob sie alle noch leben."
      "Na und? Ich hätte sie gerne kennengelernt. Wenigstens ein paar."
      Renera brummte missbilligend.
      "Wir werden sehen. Vielleicht begegnen wir ja Ellaya, die ist sicherlich umgänglicher als Tysin. Wenn sie noch lebt."
      "Du bist ja optimistisch."
      "Ich bin realistisch."
      Sie stapfte zurück zu Svenkov's Hütte und Khil huschte Aradan nach, um seiner Ausgrabung zuzusehen und dann in Erfahrung zu bringen, wann sie Renera in den Plan einweihen würden.
    • Weit kam Khil nicht. Denn empfand Aradan diesen Moment als Perfekt um willkürlich genug zu wirken um ihn zu hinterfragen oder Verdächtig zu sehen.
      Er drehte sich in einem Satz wieder um und hob die Hand.
      "Ach.. Ganz vergessen. Ich wollte dich noch etwas fragen Renera. Sag, möchtet ihr uns vielleicht nach Vihris begleiten? Du erforschst doch die Monster, nicht wahr? Wir wären sicher einen Monat unterwegs und könnten allerlei erlangtes Wissen austauschen. Obendrein würde ich dich sicher wissen. Jetzt da wir uns getroffen haben und ich mir sicher sein kann dass du lebst, wäre ich sicher deutlich ruhiger dich in gutem Schutz zu wissen, nach all dem was du mir erzählt hast. Was meinst du?"
      Dann wandte sich der Blick nach Khil
      "Selbstverständlich nur wenn ihr beide einverstanden seid. Vielleicht kriegst du Jarku ja dazu dir seine Mixtur zu verraten"
      Er zwinkerte Khil mit einem Auge zu, als würde er sie bewusst anheizen um Renera gar keine Chance zu geben nein zu sagen, falls diese überhaupt nein sagen würde. Vielleicht würde sie ja sogar mit wollen, wer weiß. Eventuell hatte sie nach all ihren Vorfällen zu viel Stolz um selbst zu fragen.

      Auf die Frage wartend, kam auch schon Jarku rüber spaziert und wedelte auf dem Weg mit seiner Hand in der Luft
      "Ne Kiste war es oder? So ein übertrieben gesichertes Teil dem man keinen Kratzer ansehen kann? Falls ja, dann haben wirs wohl gefunden"
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