[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Renera kam regelrecht angeschossen. Bald würde es keine Chance mehr für Aradan geben einen Pfeil abzuschießen. Aus den 10 Metern wurden 8, dann 5 und dann 3. Noch immer keine Reaktion. Und nun holte Renera zu ihrem Schwinger aus. Doch kam jetzt auch eine Reaktion von Aradan. Er hob seinen linken Arm an und bot Renera damit eine gänzlich freie Angriffsfläche.
      Ihr Schwert traf genau dort ein wo Renera hin zu zielen schien. Ein ziemlich kräftiger Schlag wenn man bedacht hatte dass Renera noch jung und obendrein ein Mädchen war.
      Aradan spürte es am aller besten. Er biss aber die Zähne zusammen und hielt sich anschließend die Seite während er nur ein mal kurz wankte, dann aber wieder seinen Halt fand und zu Wilk sah. Dabei sagte er gelassen
      "Wir haben bis zu einem Treffer gekämpft. Wars das?"
      Es lag keinerlei Spott oder etwas Hochnäsigkeit eines rebellierenden Kindes in seiner Stimme. Aradan war in seinem Ausdruck tot ernst und wartete auf den nächsten Auftrag von Wilk.
    • Renera ließ überrascht ihre Waffen sinken und auch die Klasse schien still zu sein. Sämtliche Augen waren auf Aradan gerichtet. Wilk schien noch begreifen zu wollen, was überhaupt geschehen war, bis er schließlich ein Stück wegging und vor sich auf den Boden zeigte.
      "Aradan, hierher."
      Der Junge kam angeschlichen wie ein Hund. Er sah mehr wie ein verletztes Tier als ein Mensch aus und Renera versetzte es einen Stich im Herzen ihn so zu sehen. Sie blieb zurück, während er sich vor Wilk stellte, der ihn kritisch betrachtete. Die beiden waren zu weit weg, um sie zu hören.
      "Mit dir stimmt was nicht, Junge. Du bist mehr Hülle als Mann. Ist es Quin, der dir so zusetzt? Was gibt er dir für Aufgaben?"
    • Aradan seufzte als er zu Wilk sollte. Er hatte doch genau getan was verlangt wurde. Dennoch ging er rüber und hob seinen Kopf an um Wilk in die Augen sehen zu können. Immerhin war der Mann beinahe 2 ganze Köpfe größer. Oder waren es 3? Oder eventuell doch nur einer? Egal. Vorerst würde er zuhören. Und er war doch tatsächlich etwas darüber erstaunt was er zu hören bekam. Und ganz wie es ihm gesagt wurde, rezitierte
      "Aufgaben die du niemals verstehen wirst, alter Kindergärtner.."
      Quin hatte Aradan schon vorher gesagt das Wilk bald schon fragen wird und wenn der Zeitpunkt kam, sollte er genau diese Worte sagen. Was Wilk natürlich nicht wusste und vorerst als eine unverschämte Aussage aufnahm, bis Aradan ergänzte
      "Außerdem soll ich sagen, dass sobald sich nach meinem Zustand erkundigt wird, ich von Ihnen einen der schwarzen Säcke dort für den folgenden Unterricht mitbringen soll."
      Aradan zeigte auf ein paar schwarze Säcke die meist noch nicht zusammen gesetzte Pfeilspitzen aufbewahrten.
    • Wilk kniff die Augen zusammen, aber anstatt einer Schimpftirade, die er ansonsten losgelassen hätte, blieb er recht ruhig.
      "Du wirst keine dieser Säcke mitnehmen und du wirst auch nicht mehr zu Quin gehen. Ich glaube das war ein ganz deutlicher Fehler. Du gehst jetzt ohne Umwege nachhause und lässt dir von deiner Mutter ein paar Salben geben und wenn Quin dich abfängt, wirst du ihm sagen, dass ich dir verboten habe zu trainieren. Ich werde mich um ihn kümmern. Los!"
      Er schlug ihm auf den Rücken und ging zurück zur Klasse.
      "Diara, nimm deinen Degen und kämpf gegen Renera! Ich will einen ordentlichen Kampf sehen!"

      Renera beschloss nach dem Unterricht Aradan seit langem aufzusuchen. Nachdem sie keine Idee hatte, wo er sich genau befinden könnte, ging sie daher schnurstracks zur Schmiede und sah Marudan bereits an seinem Ofen.
      "Hallo, Marudan. Ist Aradan Zuhause?"
    • Aradan sah verwundert drein. Warum machte Wilk denn nun so einen Aufstand? Aradan schien es als würde Wilk tatsächlich nicht verstehen. Ebenso wurde ihm klar dass Wilk genau so reagierte wie vorher gesagt. Erst dass er besorgt wäre, sich durch die Worte nicht aus der Fassung bringen lassen wird und höchst wahrscheinlich einen Verbot für das weitere Training aussprechen würde. Dennoch tat Aradan exakt was von ihm verlangt wurde. Er ging auf direktem Weg nach Hause und betrat direkt das Zimmer in welchem seine Mutter gerade wieder in einem Buch schrieb.
      "Mutter?"
      "Oh hey. Ist der Unterricht heute ausgefallen?"
      Aradan zuckte mit den Schultern
      "Weiß nicht. Wilk war irgendwie komisch. Er will dass du mir ein paar Salben gibst und hat mir verboten mit Quin weiter zu machen"
      Reona saß mit überschlagenem Bein dort und sah nachdenklich drein. Dabei tippte sie sich mit ihrer Feder gegen ihr Kinn und zuckte ebenfalls mit den Schultern.
      "Ist denn irgendwas vorgefallen?"
      "Nicht dass ich wüsste"
      "Hmmm... Naja. Ich denke das wird sich schon noch klären. Was für Salben soll ich dir denn geben?"
      Aradan zuckte wieder mit den Schultern.
      "Na er wird doch sicher etwas gesagt haben."
      Daraufhin erklärte Aradan exakt wie das Training unter Wilk verlaufen war, bis Reona aufstand und Aradan das Oberteil auszog.
      "Ach Mensch. Dein Mädchen hat ja ganz schön zu gelangt oder? Aber das ist doch nichts wildes. Vielleicht ein weiterer blauer Fleck."
      Nur um sicher zu gehen rieb Reona ihm dennoch eine milde Salbe auf die Stelle. Musste im Anschluss sogar etwas lachen.
      "Sicher ist er außer sich weil du dich anders verhalten hast als er es erwartet hat. Aber keine Sorge. Du kannst ruhig weiter machen. Wenn Wilk etwas dagegen hat, soll er mit uns reden oder direkt mit Rodon. Ich hab so meine Zweifel dass sich Quin ihm zeigen wird."
      Aradan nickte und verließ den Raum wieder um hinter die Schmiede zu gelangen, wo Marudan seinem Sohn einen dicken Holzpfahl in den Boden gesteckt hatte. Dieser war größer als Aradan und komplett entrindet. Dort begann Aradan nun seine Freizeit zu verbringen indem er vor dem Pfahl in eine etwas tiefere Haltung, ähnlich der Felshaltung über ging und in etwa zwei Sekunden Abständen immer wieder gegen den Pfahl schlug.
    • Renera entdeckte Aradan selbst, wie er hinter der Schmiede einen Pfahl anboxte. Sie winkte Marudan unsicher zu und näherte sich ihm, bis sie in einigem Abstand zu ihm stehenblieb. Sie trug noch immer die Schwerter mit sich, was mittlerweile zur Angewohnheit geworden war, aber dieses Mal kam sie sich damit blöd vor.
      "... Aradan?"
      Er kam ihr von Grund auf verändert vor. Irgendwie... kalt. Oder eher gefühllos? Es macht ihr Angst ihn so zu sehen.
      "... Geht's dir gut? Tut mir leid mit dem Schlag. Ich dachte nicht... Also ich dachte du würdest...", sie wurde kleinlaut, "... ausweichen oder sowas. Mira hat sich auch nach dir erkundigt."
    • Erst bemerkte er die Anwesenheit seines Gastes nicht. Er hatte sich viel zu sehr auf etwas anderes konzentriert, bis ihm dann die Frage gestellt wurde ob es ihm gut ginge. Direkt hörte er auf zu schlagen und drehte sich zu Renera um.
      "Oh hey."
      Er schien tatsächlich erfreut über den Besuch zu sein. Es war schon ganz schön lange her dass sie sich außerhalb der Aufsicht von Lehrern gesehen hatten. Das war immer etwas komplett anderes. Er ging sogar auf sie zu und schloss sie in seine Arme.
      "Mach dir keine Sorgen. Hat kaum weh getan."
      Die Stelle an welcher Renera Aradan getroffen hatte war deutlich sichtbar. Eine rote Druckstelle zierte genau seine Seite. Man hätte daran sogar Renera's Schwert halten können um genau wieder zu erkennen dass es die selbe Waffe war die ihn dort traf. Doch da er nun kein Oberteil trug, war deutlich zu sehen dass sein kompletter Oberkörper geradezu überseht von blauen Flecken war. Manche davon verfärbten sich schon bunt wie dunkle Regenbogen.
      "Das Training mit Quin ist ganz schön hart aber wie er immer sagt, jeden Treffer den ich abbekomme ist Schwäche, die meinen Körper verlässt."
      Da lachte er sogar leicht und wirkte in Renera's Gegenwart tatsächlich freudiger
      "Hab also ne Menge Schwäche verloren wie du siehst"
    • Renera entspannte sich ein wenig und lächelte sogar. Sie rang sich dazu durch ihm einen Kuss auf die Wange zu setzen, aber es fühlte sich anders an als noch vor ein paar Monaten. Vielleicht war es die Ungewohntheit, dass sie sich nicht mehr oft nahe waren, oder die Umstände. Jedenfalls glaubte sie, dass sich in Aradan etwas geändert hatte.
      "Aradan du..."
      Sie musterte ihn eindringlich.
      "... Du siehst furchtbar aus. Das hört sich schrecklich an. Was macht dein Mentor nur mit dir? Du bist so... anders. Der Aradan vor ein paar Monaten hätte bestimmt nicht davor gezögert einen Bogen zu benutzen."
      Sie wandte betreten ihren Blick ab.
      "Ich schätze du fehlst mir einfach nur. Seit der Unterricht angefangen hat sind wir nicht mehr richtig zusammen gewesen. Kann ich denn nicht mal beim Training zusehen oder sowas? Svenkov hat sicher nichts dagegen."
      Das hatte er ganz sicher, aber das musste Aradan schließlich nicht wissen.
    • Verlegen rieb sich Aradan seinen Hinterkopf als Renera auf seinen Körper anspielte.
      "Tut mir Leid. Für mich ist der Anblick schon recht normal. Ich war nach der ersten Woche auch tatsächlich kurz davor aufzugeben doch.. Ich weiß nicht. Quin wirkt als wüsste er ganz genau was er tut. Ich kann das nicht beschreiben aber ich würde es mein Leben lang bereuen wenn ich eine Solche Chance einfach dahin ziehen lassen würde."
      Und scheinbar war auch Renera über seine Handlung verwundert gewesen. Hatte er sich etwas wirklich so sehr verändert?
      "Moment mal. Wer sagt ich hätte gezögert? Wilk hat gesagt wir sollen die Waffen nehmen und dass der Kampf vorbei ist sobald ein Treffer gelandet wird. Ich habe dich einen Treffer landen lassen und somit den Kampf beendet. Quin sagt dass jeder Kampf so schnell wie möglich beendet werden muss um Kräfte zu sparen. Und... tut mir Leid aber... Ein Treffer von dir ist bei weitem nicht so schlimm wie die ständigen Treffer dieser miesen Viecher im Wald..."
      Aradan verzog es das Gesicht wenn er darüber nach dachte was er seit knappen zwei Monaten tun musste.
      Er sah an sich runter und streichelte dabei vorsichtig über seinen Körper.
      "Nur die ersten 3 Tage hat mich Quin in seiner Hütte trainiert... Falls man das überhaupt so nennen kann. Seit dem trainieren wir vor den Mauern. Genau genommen etwa 30 Minuten von hier in einer abgelegenen Lichtung umringt von dichtem Wald."
      Aber er schüttelte den Kopf. Er würde früh genug wieder dort hin müssen. Da wollte er sicher nicht seine Gedanken daran verschwenden solange er endlich wieder etwas Zeit mit Renera hatte.
      Doch kam ihm fast die Galle hoch als er den Namen hörte, welchen Renera scheinbar vollkommen akzeptierend erwähnte. Da packte er ihre Arme mit seinen Händen. Er hatte kaum ein Gefühl mehr in diesen, so war ihm auch nicht klar wie fest er gerade zupackte.
      "Svenkov?! Hast du grade Svenkov gesagt?? Der Kerl ist dein Mentor? Was ist mit Venedik? Du verarschst mich doch !"
      Aradan war außer sich. Ihm wurde sofort überdeutlich wie viel Zeit vergangen sein musste wenn Renera diesen Kerl plötzlich zu akzeptieren schien und sich darüber hinaus auch noch von ihm ausbilden lies.
    • Renera erschrak sich vor Aradan. Er hatte sich ganz sicher verändert.
      "Ich hab' doch - au! Du tust mir weh!"
      Aradan ließ sie wieder los und Renera trat gleich einen Schritt zurück, bevor sie sich die Knöchel an die Arme legte. Seine Finger blieben als weiße Abdrücke auf ihrer Haut zurück. Er war ganz sicher stärker geworden, um einiges stärker. Was war nur mit dem zurückgezogenem Aradan passiert, den sie vor fast drei Jahren kennengelernt hatte?
      "Venedik hat sich doch dem Handel zugewandt, er hat gar keine Zeit mehr für mich. Hab' ich es dir etwa nicht gesagt? Siehst du, wir sehen uns ja kaum noch. Und Svenkov ist gar nicht so schlecht. Er redet vielleicht viel und er riecht manchmal etwas, aber... Ist besser als Wilk."
      Sie zuckte mit den Schultern. Aradan wirkte selbst so, als wäre er vollkommen mit seinem Training beschäftigt, da interessierte er sich doch nicht dafür, was bei Renera los sein würde.
      Es stimmte sie traurig.
      "Ich sollte vielleicht besser gehen. Svenkov will sicherlich noch... irgendwas machen."
      In Wahrheit hatte er ihr eine Aufgabe gegeben und war seither nicht mehr aufgetaucht. Sie suchte nur einen Abstand zu Aradan.
      "... Wir sehen uns in der Schule, okay?"
    • Was war plötzlich mit Renera los? Hatte er etwa so fest zugedrückt? Grade als er sich dafür entschuldigen wollte, erzählte Renera über Svenkov. Er war regelrecht darüber verstört wie man diese Person angenehmer finden konnte als Wilk. Klar war Wilk ein komischer Kerl der mehr meckerte als ein altes Waschweib. Doch war Aradan tausend mal lieber bei Wilk im Unterricht als freiwillig 5 Minuten im gleichen Raum mit Svenkov. Die ganze Sache kam ihm einfach ZU merkwürdig vor. Hatte Svenkov ihr etwa was angetan? Erpresste er sie womöglich? Irgendetwas musste es einfach sein. Niemals hätte sich Renera freiwillig mit ihm eingelassen. Und nun wirkte sie auch noch so abweisend? Aradan verstand die Welt nicht mehr. Sie wussten doch beide dass das Training ihnen die meiste Zeit rauben würde. Warum also fühlte er sich nun so beschuldigt?
      Was sie ihm dann aber sagte, tat mehr weh als das Training bei Quin. Denn Renera lies ihn einfach stehen. Er kam nicht mal mehr dazu ihr das Angebot zu machen mit Quin über ein gemeinsames Training zu reden, da wimmelte sie Aradan schon damit ab Irgendetwas machen zu müssen.
      Er wusste einfach nicht was er sagen sollte. Es fühlte sich an als würde er innerlich fallen. So nickte er nur als Renera sich bis zum nächsten Schultag verabschiedete und stand noch eine ganze Weile einfach nur dort und grübelte.
      Irgendetwas musste ganz einfach passiert sein. Auch wenn Aradan keine Beweise dafür hatte, vermutete er nach einer Weile dass Svenkov dahinter stecken musste.
      Aradan dachte noch mal über Renera's plötzlichen Satz nach. Svenkov will sicherloch noch... irgendetwas machen... sagte sie. Moment mal. Sie akzeptierte den Kerl plötzlich und zieht es vor lieber schnell checken zu gehen ob er noch "irgendetwas machen" will statt die Zeit mit Aradan zu nutzen? Und über sein Training informierte sie sich ebenso nicht nachdem er das Thema angeschnitten hatte.
      Langsam wusste er nicht mehr ob er misstrauisch, verletzt oder wütend sein sollte, doch schwappte dann doch etwas die Wut über.
      So freute sich Aradan schon richtig darüber dass die Sonne langsam unter ging und er wieder nach Quin gehen konnte, welcher ihn auch schon in Empfang nahm um den Weg zu dessen eigentlichen Hütte im Wald anzutreten.
      So konnte Aradan wenigstens im Training seine Wut raus lassen.
    • Die Auseinandersetzung mit Aradan machte Renera niedergeschlagen. Sie warf ihm während des Unterrichts einige Blicke zu, aber er schien nur noch komischer drauf, als er es an diesem Tag gewesen war. Irgendetwas machte Quin mit ihm, das ihn von Grund auf zu verändern schien. Oder war es sie, die sich durch Svenkov veränderte? Nein, ganz bestimmt nicht. Der einzige Unterschied bei ihr waren vielleicht die Waffen, die sie ständig mit sich herumtrug, aber das wirkte sich ja wohl kaum auf ihre Persönlichkeit aus.
      Also versuchte sie ihn so weit es ging nicht zu beachten. Zu ihrem größten Grauen funktionierte das sogar ganz gut, nachdem sie sich sowieso nur noch im Unterricht trafen, Wilk keine Pausen mehr für Geschwätz einrichtete und sie danach eigener Wege gingen. Eigentlich war es doch so auch ganz gut, oder nicht? So konnte sie sich auch mehr auf ihr eigenes Training konzentrieren, da hatte doch letztendlich jeder etwas davon. Oder?

      Zwei weitere Monate vergingen, bis die letzte Prüfung fällig war, auf die sie alle bereits gewartet hatten. Zur Feier des Tages versammelte sich das Dorf vor dem Westtor, um die Schüler auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Größtenteils waren es die Familien, die dort zum Abschied winkten, und natürlich die Lehrer mit letzten Ratschlägen auf den Lippen. Wilk wirkte an diesem Tag auch wieder entspannter, er hatte sich vor dem geöffneten Tor positioniert, um die Schüler ihren Partnern zuzuweisen.

      Fijena war bereits da, als Renera eintraf, die Schwerter in ihren Händen und gekleidet in eine schlichte Hose und einem Hemd mit langen Ärmeln. Renera war schweigsam geworden, fast so wie Ellaya, aber an diesem Tag lächelte sie und fing den Blick ihrer Mutter auf, der vor Stolz nur so zu funkeln schien. Um Fijena herum hatten sich ihre Geschwister versammelt, Varus winkte ihr begeistert zu, nur von Svenkov war keine Spur zu sehen. Er wollte wahrscheinlich den Schein des betrunkenen Schafhirten aufrecht erhalten.
      Ella ging neben ihr, als sich beide zur Klasse begaben. Die beiden waren sich seit fast einem halben Jahr aus dem Weg gegangen und auch jetzt sahen sie sich nicht an, als sie sich aufstellten. Sie hatten beide dieselbe eiserne Miene aufgesetzt.
      Wilk begrüßte die Versammelten mit einer Rede über die Zukunft des Dorfes, über den Mut, den die Schüler bewiesen hatten und ihr Können, dass sie vor sämtlichen Lehrerin gezeigt hatten. Er sagte etwas über die Welt außerhalb des Dorfes, über die Wichtigkeit, in ihr überleben zu können und dass man dieses Können in dieser Prüfung testen wollte.
      Dann erklärte er außerdem noch den Ablauf der Prüfung und was ihnen alles verboten sein würde.

      Renera hörte ihm nervös zu. Das war es, worauf sie sich die letzten Jahre vorbereitet hatte. Das war es auch, was sie von ihrem damaligen Ich unterschied, das aus dem zerbrechlichen Loch eines Dorfes in die Sicherheit geflohen war, aus der sie nun als vollwertige Kriegerin aufsteigen würde. Sie hatte gelernt sich zu verteidigen und zu kämpfen, sie hatte gelernt Salben herzustellen und sich um Wunden zu kümmern, sie hatte über ihre Vogelkenntnisse hinaus gelernt die Natur zu lesen und in ihr zu wandeln. Sie hatte gelernt, wie sie sich ein zweites Mal einem Läufer stellen konnte.
      Mit dieser letzten Prüfung würde sie zeigen, dass sie vor nichts mehr zurückschrecken würde. Dass nichts so mächtig war sie jemals wieder in die Hilflosigkeit zu versetzen, die sie in Erathis gespürt hatte.

      Sie wandte sich Wilk mit hoch erhobenem Haupt zu, als er die Gruppen einteilte. Ihr Name fiel zusammen mit einem, von dem sie gehofft hatte, dass sie ihm aus dem Weg gehen konnte.
      "Renera und Aradan."
      Sie sah erst zu ihm hinüber, mied dann aber seinen Blick. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er noch immer der Junge sein sollte, in den sie sich einst verliebt hatte. Er war zu etwas anderem geworden.
      Sie stellten sich beide am Tor bei Wilk auf und Renera blickte zu ihrer Mutter hinüber. Sie lächelte noch immer, aber ihre Miene war düster geworden. Renera fragte sich, ob Svenkov sie jemals versucht hatte zu überreden, dass ihre Beziehung mit Aradan nichts schlimmes war. Aber war es das überhaupt noch? Eine Beziehung? Sie konzentrierte sich eher auf ihre Schwerter als auf Aradan.
    • Ehe sich Aradan versah, waren schon wieder 2 ganze Monate ins Land gezogen. Es war schon merkwürdig. Ihm kam alles seit der Erläuterung von Wilk, dass sie künftig mehr Training bekommen würden, sowie einen Mentor, so vor als wären höchstens 2-3 Wochen vergangen. Das lag wohl aber auch stark an der Trainingsmethode die Aradan auferlegt wurde, wieder und immer wieder...
      Den Anderen schien es wohl etwas anders ergangen zu sein. Dieser ganze Trubel, Wilk's Rede und die anwesenden Eltern schienen hier alle zu berühren. Es war doch nur eine Prüfung. So sah er kurz zu Konek
      "Warum flippen hier alle so aus?"
      Konek sah zur Seite, lachte amüsiert und stieß Aradan leicht mit seinem Ellbogen
      "Der war gut. Das ist unsere letzte Prüfung. Is doch klar dass es ein Besonderes Ereignis ist."
      Die letzte Prüfung.. Als Witz hätte Aradan darüber vielleicht lachen können, auch wenn es ein schlechter gewesen wäre. So wandte er sich wieder nach vorne und antwortete bitter
      "Die letzte Prüfung huh..? Raus aus dem Dreck und rein in den Matsch."
      Konek verging das Lachen. Auch ihm fiel auf dass Aradan kaum noch der beinahe Hyperaktive Typ war der ständig grinste und scheinbar von nichts unter zu kriegen war. Jetzt wirkte er viel mehr wie ein depressiver Klotz der sich an nichts erfreuen konnte. Beinahe wie abgetötet.
      Unter dem ganzen Jubel traute sich Konek dann aber doch seine Frage zu äußern.
      "Du sag mal. Was hattest du denn eigentlich für einen Mentor? Seit dem extra Training bist du echt schräg drauf"
      Aradan's Mine verzog sich kein Bisschen als er es beinahe selbstverständlich und gleichgültig beantwortete
      "Quintus Parabelum..."
      Konek stockte. Im ersten Moment war er schockiert diesen Namen zu hören. Im zweiten erkannte er aber, dass es einfach nur ein Witz gewesen sein musste. So fing er inbrünstig an zu lachen, hielt sich dabei mit der einen Hand die Brust und schlug mit der anderen flachen Hand auf Aradans Rücken. Nur um sein lachen direkt gestillt zu bekommen. Normalerweise war Konek stark genug um Leichtgewichte, wie er sie bezeichnete, mindestens kurz ins Wanken zu bringen wenn er ihnen so kräftig auf den Rücken schlug oder allgemein seine Kraft nutzte. Doch in diesem Fall fühlte es sich an als hätte er mit seiner Hand einen Felsen geschlagen. Aradan bewegte sich keinen Zentimeter, was Konek beinahe als Gruselig abtat. Spürte dieser Typ überhaupt was Konek tat?
      Bevor er aber eine weitere Frage stellen konnte, wurden von Wilk die zweier Teams vorgetragen. Konek musste mit Daria ins Feld ziehen. Da hatte er ganz klar nichts gegen. Renera mit Aradan, was beinahe selbstverständlich war, wenn auch irgendwie eigenartig, wenn man bedacht hatte wie sich Beide seit einer Weile aus dem Weg gingen. Aus Konek's Sicht schien es aber mehr so als wäre Renera darüber nicht erfreut gewesen. Von Aradan schien wieder keinerlei Regung auszugehen.

      Nachdem dann die freudigen Worte und Glückwünsche endlich vorbei waren, bekam einer aus jedem Team eine Karte, welche zeigte wo hin man zu gehen hatte und dass erst ab dem Moment der Ankunft die Prüfung begann. In Renera's und Aradan's Fall war es letzterer, der die Karte bekam, da Renera noch mit ihrer Mutter zu reden schien. Aradan selbst war alleine hier. Er hatte sich schon am Vortag von seiner Mutter und seinem Vater alles notwendige sagen lassen, auch wenn seine Mutter eher emotionalen Kram von sich gegeben hat.
      Nachdem Aradan also nun alles erklärt bekommen hatte, ging er zu seiner zugetragenen Partnerin der nächsten 7 Tage und blieb neben ihr stehen. Dass sie womöglich noch vertraute Worte mit ihrer Mutter wechselte, schien ihn nicht wirklich zu interessieren. Er blickte beide nur ausdruckslos an und unterbrach diese sogar
      "...Wir müssen los."
      Um dem ganzen den Deckel auf zu setzen, wartete er nicht mal auf eine Antwort und ging schon los. Seine weißen Augen untermalten in diesem Zustand den Rest seiner Gestalt. So trug er nicht mehr seine übliche Kleidung. Die die er nun trug war der Alten zwar noch immer sehr ähnlich, doch fehlte es an jeden verzierenden Gurt, dem üblichen Bogenschützen Geschirr, dem Schulterschutz und dem Pelz. Um den ganzen Look abzurunden war dieser nicht mehr im blassen blaugrünen Ton, sondern im schlichten Schwarz. Seine Bandagen bis zu den Ellbogen blieben jedoch wie zuvor.
      Untermalt von seinem Look wirkten seine Augen zudem beinahe weiß statt dem seichten Blau wie zuvor.
    • Renera trennte sich nur widerwillig von ihren Geschwistern und folgte Aradan aus dem Tor hinaus. Sie winkte Mira noch zu, aber dann betraten sie den abgeschotteten Wald und waren unter sich.
      Aradan war kein sehr angenehmer Zeitgenosse. Er schritt zielstrebig voran, während Renera versuchte mit ihm Schritt zu halten und dabei ihre Schwerter kreisen ließ. Eigentlich hätte es ein sehr angenehmer Ausflug werden können, etwas, worauf sie sich definitiv gefreut hatte, aber Aradan ließ alles düster und kühl wirken. Sie musste mehr an ihre Aufgabe denken als die Tatsache, dass sie sich für ein paar Tage lang frei im Wald bewegen konnten.
      Sie kamen an einer Lichtung vorbei, die Renera gut kannte und daran erinnerte, dass sie schließlich ein Ziel vor Augen hatten. Sie holte zu ihm auf und murrte:
      "Zeig' mir mal die Karte."
      Er gehorchte ihr und sie überflog sie, ehe sie in den Himmel blickte. Es war ein wolkenloser Tag, wenngleich die Winde recht kühl waren und am Nachmittag noch Regen mit sich bringen konnten. Sie beobachtete den Himmel, bis sie schließlich beobachtete, wie ein einzelner Vogel über den Wald flog und sich nicht weit von ihnen auf die Bäume sinken ließ. Die Vögel waren an diesem Tag äußerst gesprächig.
      "Da will ich hin", sagte sie, während sie in die Richtung zeigte. Es wäre zumindest ein Anfang.
    • Der Wald war viel größer als gedacht. Er schien beinahe kein Ende zu nehmen, selbst nachdem sie schon eine ganze Stunde unterwegs waren und wohl bemerkt kaum miteinander sprachen. Ganz klar war es ein Unterschied zu Aradan's Vorstellung. Noch zu seiner früheren Kindheit sah er den Wald im Westen immer wie einen eher kleinen, ähnlich tiefen Wald wie der im Norden war, doch war der im Norden schon nach einer Stunde ziemlich offen und überschaubar, bis er nach weiteren 10 Minuten in einer beinahe grenzenlosen leichten Wiese auf ging. Quin hatte ziemlich viel des nördlichen Gebietes mit Aradan abgelaufen und erklärte ihm auch wieso man dort kein Dorf aufbauen konnte oder zumindest warum es keine gute Idee war.
      Als Renera Ihn dann aber aus seine Gedanken riss um die Karte zu nehmen, überließ er Renera diese und würde fortan folgen, wenn sie zumindest in die richtige Himmelsrichtung gingen. Hauptsache sie würden ankommen.
      Ungewohnt war es trotz alledem, so ganz ohne jede Ausrüstung. Denn war es für Aradan nicht nur die Überlebens Prüfung sondern auch die vorerst letzte von Quin. Dieser versprach Aradan sogar ein Geschenk wenn dieser die Prüfung erfolgreich abschließen würde. So war es für den Jungen beinahe zu einem Gesetz geworden nicht zu versagen.

      Die Beiden waren ziemlich Flott unterwegs gewesen. Nicht eine Pause fand zwischen dem Dorf und ihrem Ziel statt. Renera schien genau zu wissen wo sie lang zu gehen hat. Es war eine eher kleine Lichtung. Etwa 10x20 Meter breit. Genug um Tiere frühzeitig zu bemerken und auch schön eben.
      "Hm. Wirkt irgendwie als hätte man den Ort vorbereitet. Ist das dann überhaupt noch eine Prüfung?"
      Als würde er mit einer Falle rechnen, sah er sich um, schritt dabei aber immer so voran dass Renera hinter ihm war. Beinahe als würde er Sie beschützen wollen.
      Und als hätte er nur darauf gewartet, knackts ein Ast im Wald hinter den Beiden. Direkt schaltete sich Aradan's Training ein. Er verlor von einer Sekunde zur Anderen seine menschliche, aufrechte Haltung und ging in die Knie, dabei seine Handflächen auf dem Boden abstützend. Beinahe als würde er auf allen Vieren wie ein Tier in Alarmbereitschaft gehen. Doch als es offenbar ein Fehlalarm war, stand er langsam wieder auf und wandte sich erstmals Renera zu.
      "Okay war wohl nur ein Tier. Trotzdem. Es riecht nach Regen. Wir sollten wohl zuerst um eine Überdachung kümmern. Hast du einen Vorschlag?"
    • Sie erreichten das Ziel, das eine relativ kleine Lichtung darstellte, die an den Rändern mit ansteigendem Gebüsch wieder in den Wald überging. Renera erschrak beinahe, als sie Aradan reden hörte, denn sie hatte damit gerechnet, dass sie kein einziges Wort mehr miteinander wechseln würden, aber so war es wohl doch nicht. Bestand noch Hoffnung? Eher nicht. Sie sollte sich nicht hineinsteigern. So schwieg sie weiterhin und nahm es hin, dass er die Führung wieder übernahm. Allerdings konnte sie so beobachten, wie ihn ein Geräusch aus dem Wald richtig zusammenzucken ließ. Nein, er zuckte nicht zusammen, er schien den Verstand zu verlieren. Renera blieb stehen und spürte, wie die Fijena in ihr hochkam.
      "Aradan, was bei allen Kreaturen machst du da?!"
      Es schien ihm überhaupt nicht durch den Kopf zu gehen, wie lächerlich er ausgesehen hatte, als er sich auf dem Boden zusammengekauert hatte. Wollte er Schutz suchen? Ein Tier nachahmen? Er war ganz eindeutig verrückt geworden. Sie schüttelte den Kopf darüber und wandte sich von ihm ab. Dann ging sie zurück zum Waldrand und sah in die Baumkronen hoch.
      "Wir können ein paar Äste zusammenstellen, schätze ich", brummte sie missmutig. Das konnte ja noch eine lustige Woche werden. "Wenn wir ein paar der Gebüsche rausreißen und drüberhängen, könnte das dicht genug sein."
      Sie sah sich einmal nach Aradan um, um zu sehen, ob er etwas dagegen einzuwenden hatte, und machte sich dann gleich an die Arbeit. Die Beschäftigung tat gut, sie verhinderte, dass sie über sein komisches Verhalten nachdenken musste und sich dafür ganz auf den Wald konzentrieren konnte. Hier draußen war das Licht viel heller, die Luft viel klarer und die Geräusche viel lebendiger. Es tat gut, sich im Einklang mit der Natur zu bewegen, denn man konnte dort nichts falsch machen. Wenn die Kleider schmutzig wurden war das egal, denn dort war alles schmutzig.
      Gemeinsam brachten sie es zustande, ein paar der langen, dicken Äste zu verwenden, um eine zeltförmige Struktur zu bauen, über die sie das Gebüsch legten. Es dauerte einige Stunden und war gerade groß genug, damit man sich darunter zusammenrollen konnte, aber es wirkte beinahe natürlich, sodass es auf den ersten Blick nicht auffiel. Renera war stolz auf ihre Arbeit. Wenn sie ein Seil gehabt hätte, hätte sie die Enden miteinander verbinden können und das ganze Gebilde damit stabiler machen können, aber das reicht schon aus. Zumindest für diese Nacht.
      Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt und mit ihr tatsächlich die ersten Wolken, die sich schleierhaft über den Himmel zogen. Das Vogelgezwitscher war auch leiser geworden, aber das war nicht weiter alarmierend, nachdem Renera beim Bauen eine Amsel entdeckt hatte. Die wagten sich normalerweise nicht in die Nähe, wenn nicht alles friedlich war. Es beruhigte sie.
      "Wir sollten uns mit dem Schlafen abwechseln, um die Umgebung im Blick zu behalten", schlug sie kühl vor, während sie sich
      zu Aradan umdrehte.
      "Ich fang an. Ich weck' dich so in vier Stunden."
    • Renera war schon immer besser in dieser Angelegenheit gewesen, es gab demnach keinen guten Grund ihr nicht im Aufbau des Lager's die Führung zu überlassen. Aradan machte sich schnell zur Aufgabe passendes und stabiles Holz zu finden wonach Renera verlangte. Am liebsten hätte Aradan direkt einfach nur dünne tote Bäume gefällt. Sie waren leicht auf eine ideale Länge zu kürzen um sich eine perfekt regen dichte Unterkunft zu bauen, doch hatte das Renera scheinbar schon bedacht. Immerhin konnte man wohl kaum mit Schwertern einen Baum kürzen. Zumindest nicht lange, bis die Klingen ruiniert wären.
      "Ist gut. Ich gehe in Rufweite um diese Lichtung herum suchen"
      Und schon war er weg. Es war schon etwas ärgerlich gewesen dass Quin ihm abverlangte ohne seinen Bogen und ohne jede weitere Bewaffnung die Prüfung anzutreten. Aradan war sich sicher dass die Jagt nach Wild und das bearbeiten von Holz mit einer Handaxt um ein vielfaches einfacher gewesen wäre. Aber vermutlich zielte Quin genau auf diesen Aspekt ab.
      Hier und da hatte Aradan aber trotzdem noch den ein oder anderen Trick auf Lager. So diente sein Gürtel als perfektes Trage für sehr viele stabile und lange Äste. Einfach den Gürtel flach auf den Boden, alle Äste in der Nähe fein mittig darauf legen und den Gürtel zu binden. So konnte er das gesamte Bündel mit einer Hand tragen und in der anderen noch einiges an Birkenrinde, was als perfekter Zunder für ein Feuer dienlich war.

      Es dauerte eine halbe Stunde, da legte er Renera das prächtige Bündel vor die Nase und löste den Gürtel, um sich diesen wieder anzulegen.
      "Wenn du mehr brauchst, sag bescheid. Dort drüben ist unglaublich viel davon."
      Daraufhin schloss Aradan seine Augen und hob die Arme leicht an.
      "Hm.. mhm. Der Wind kam nun schon 4 Mal aus dieser Richtung dort. Ich denke es wäre also besser wenn wir den Windschutz dort aufrichten."
      Schnell hatte Aradan einen recht spitzen Stein aufgehoben und begann damit zwei Löcher in angezeigter Stelle in den Boden zu graben, welche so dick wie Oberschenkel waren. Nach guten 30 cm hörte er auf und sprang direkt rüber hinter einen der vielen Bäume um einen langen, passenden Stamm heran zu ziehen. Dieser war genau so dick wie die Löcher und etwa eineinhalb Meter lang. Diesen wuchtete er dann in eines der Löcher hinein, wodurch der Stamm von alleine ziemlich stabil aufrecht stand. Das selbe tat Aradan mit einem zweiten Stamm. Doch war er weiterhin unermüdlich. Er baute fleißig weiter, grub ein drittes loch in einem leichten Abstand zu den ersten Beiden. Zwischen den drei Pflöcken war dann nun genug platz um dicke Äste hoch zu stapeln ohne dass sie zur einen oder zur anderen Seite weg fallen konnten. Und schon stand der große Windschutz, welcher auch gut und gerne als eine kleine Holzmauer durch gegangen wäre. Zumindest spürte man nur noch einen leichten Wind zwischen den Hohlräumen hindurch peitschen, was aber ebenso schnell beseitigt war, da überall im Wald Moss im Überfluss zu finden war. Das perfekte Mittel gegen undichte Luftlöcher und wenn dieser trocken war sogar als unglaublich guter Polster zum schlafen geeignet war.

      Zusammen mit Renera brachen sie es dann auch zu Stande einen akzeptablen Schlafplatz zu basteln. Er war bei weitem nicht gut genug für starke Winde oder starken Regen, doch sollte war es ziemlich solide für diese kurze Zeit. Immerhin hatten sie ganze 7 Tage vor sich, von welchen erst der morgige Tag als erster zählte. Man konnte also gut sagen dass sie eigentlich für 9 Tage alleine waren, wenn man die Auf und Abbau, sowie die Reise dazu zählte.
      Als Renera dann die Wachaufteilung vorschlug, nickte Aradan. Es war tatsächlich keine schlechte Idee gewesen und wurde so nicht mal in der Ausbildung vorgeschlagen. Zumindest konnte sich Aradan nicht mehr daran erinnern dass Wilk so etwas je gesagt hatte. Aber wer weiß. Seit er bei Quin trainierte, hatte er ohnehin schon ein deutlich anderes Bild von Wilk bekommen. Inwiefern er also seine Lehren noch beherzigte, würde die Zeit zeigen.
      "Gute Idee. Und mach ruhig ein Feuer wenn es zu kalt wird."
      So legte sich Aradan auf das provisorische Bett, welches noch keinen Moos aufgelegt hatte, da dieser einfach noch zu nass war und somit eher den Effekt hatte einen in der Nacht nicht nur zu durchnässen, sondern auch erfrieren zu lassen.
      Kaum als er sich auf den Rücken hingelegt hatte, wurde seine Atmung schon lauter. Es dauerte tatsächlich keine 2 Minuten bis sein Körper ihn ins Traumland geschickt hatte. Zwar wirkte Aradan nicht mehr so unfassbar erledigt wie noch vor wenigen Monaten, doch zeigte der schnelle Schlaf dass er nach wie vor an einer starken körperlichen Grenze war.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von TobiMcCloud ()

    • Zusammen errichteten sie etwas, was wie ein richtiges Lager wirken mochte. Es fehlten wahrscheinlich noch mehr Habseligkeiten und auch richtige Zelte, oder zumindest Schlafsäcke, aber für die kurze Zeit würde es schon reichen. Und die beiden waren jung, sie würden ein paar kalte Nächte schon überstehen.
      Aradan stimmte ihrer Wachaufteilung zu und legte sich dann auch gleich schlafen. Renera setzte sich an den Windschutz, den er errichtet hatte, und wollte eigentlich abwarten, bis er eingeschlafen war, aber sie hatte sich kaum gesetzt, als sie ihn auch schon leise schnarchen hörte. War er etwa so schnell schon wieder weggetreten? Sie stand wieder auf und schlich sich vorsichtig in seine Nähe, wo sie auch schon beobachten konnte, wie sein Brustkorb sich gleichmäßig hob und wieder senkte. Das war ja fast schon zu einfach gewesen. Sie vergewisserte sich, dass das Gebilde auch nicht einstürzen würde und machte sich dann auf dem Weg ins Unterholz.
      Das war nun schon wesentlich angenehmer. Deutlich entspannter als bei ihrer Hinreise und sorgloser, wählte sie eine Richtung, von der sie glaubte, dass dort die Vögel hausten, und schlenderte dann durch das Unterholz. Jetzt war es endlich ein entspannter Ausflug, so ganz von Aradan's dunkler Aura befreit. Sie konnte die Natur genießen, den nächtlichen Geräuschen lauschen und sich ganz auf sich selbst konzentrierern. Sie drehte ihre Schwerter in ihren Händen und ließ sie hin und wieder zwischen den Fingern tanzen, weil der Trick echt schwierig war und sie es schnell verlernte wenn sie es nicht regelmäßig übte. Svenkov hatte sie schonmal in Bedrängnis gebracht, als er Wochen später den gleichen Trick nochmal sehen wollte und sie sich dabei fast einen Finger abgehackt hatte. Das war schon sehr peinlich gewesen. Seitdem hatte sie darauf geachtet, ihre Tricks immer draufzuhaben.
      Sie entfernte sich soweit von der Lichtung, bis sie nicht mehr zu sehen war und kauerte sich dann in einem Gebüsch zusammen. Sie konnte immer noch nicht gut klettern und würde es wohl nie lernen, sonst wäre sie wohl die Bäume hochgeklettert. Aber die Blätter würden ihren Geruch schon gut verdecken. Svenkov hatte ihr einen Tipp gegeben, welche Tiere es sich zu jagen lohnte und jetzt wollte sie sich an einem Siebenschläfer probieren. Es war eine Art von Eichhörnchen, die nur in der Nacht herauskam, aber dafür umso weicheres Fleisch hatte. Sie hatte etwa eine Stunde, bevor sie sich einen neuen Ort suchen musste, an dem sie erneut eine Stunde warten würde, bevor sie entweder weiterzog oder zurück zur Lichtung gehen würde, um Aradan zu wecken. Schließlich hatte sie ihm versprochen ihn in vier Stunden zu wecken. Sie verdrehte die Augen, als sie daran dachte, dass sie dann wieder von seiner merkwürdigen Art heruntergezogen werden würde.
    • Es war eine Plage. Das Training mit Quin hatte Aradan so Aufmerksam gegenüber Geräusche gemacht, dass er im freien einfach kaum in den Tiefschlaf kam, oder wenn, dann nur sehr kurz. So kam es auch dieses mal dass er von einem zerbrechenden Ast hoch schreckte und sich die Augen rieb. Wie lange hatte er geschlafen? Scheinbar keine 4 Stunden, sonst hätte Renera ihn doch längst geweckt. Und kaum als er sich das fragte, bemerkte er dass diese überhaupt nicht da zu sein schien. Dazu das knacken in der Nähe? Sofort war Aradan in Alarmbereitschaft, griff sich einen scharfkantigen Stein und stand auf.
      Er konnte nicht mehr aus machen woher das weckende Geräusch kam, doch verharrte er sehr leise und senkte seine Atmung weit genug um sich besser konzentrieren zu können. Dann hörte er es wieder. Ein paar weitere Äste knackten im Wald. Aber es hörte sich an als würden sie sich entfernen. Zudem stand der Wind perfekt um eine Verfolgung aufzunehmen, für welche sich Aradan sofort entschied, immerhin hätte das ein Bandit sein können, welcher Renera entführt hatte. Oder ein Bär? Nein. Er musste seine Gedanken zügeln. Ein Bär war unmöglich. Diese waren niemals so leise dass man diese nicht schon früh gehört hätte, selbst im Schlaf.
      Aradan verfolgte das Geräusch ganze 15 Minuten Lang in eine durchgehende Richtung und holte klar auf. Die Geräusche wurden lauter, doch was Aradan sehr verwundert hatte war, dass er noch immer keine Sicht auf sein Ziel hatte, dabei waren die Geräusche laut genug um keine 15 Meter mehr entfernt zu sein. Doch was sich ihm dann auf tat war noch viel seltsamer. Vor ihm war kein Baum mehr, sondern Gestein. Beinahe schon ein riesiger Hügel der sich nach links und rechts streckte. Aber warum hörte er dann nach wie vor knackende Äste? Das ergab keinen Sinn.
      Er untersuchte das Gebiet erst nach Links entlang des Hügels ab. Gute 50 Meter lang erschien nichts besonderes also ging er nun nach rechts, wo sich dann schnell eine ziemlich große Höhle auf tat. Sie war ziemlich schnell unfassbar düster. Man konnte grade mal gute 5 Meter hinein blicken bis einfach alles schwarz war. Kamen etwa hier die Geräusche her? Aradan roch zumindest keinerlei Tier und sah ebenso keine Spuren auf den Boden. Das war alles ganz klar etwas zu merkwürdig also entschied er sich zurück zum Lager zu eilen.

      Nach einer Weile kam er dort an. Renera war zu seiner Erleichterung wieder da und stand mit einem erlegten Eichhörnchen in der Hand dort.
      "Ein Glück..."
      er atmete klar erfreut seine besorgte Anspannung hinaus, sah Renera dann aber mit leicht vorwurfsvollem Blick an
      "Mensch ich hab mir sorgen gemacht. Hier waren Geräusche. Irgendwas ist umher geschlichen und von dir war keine Spur. Nicht mal ein Feuer hast du an gemacht um Tiere fern zu halten. Wolltest du mich etwa dem Wald überlassen?"
      Nach wie vor hatte er keine Ahnung was mit ihr geschehen war seit sie mit Svenkov trainierte, so wusste er sich in ihrer Nähe vor allem nach diesem Ereignis nicht mehr sicher. Was hatte dieser Typ bloß mit ihr angestellt dass sie sich immer so seltsam verhielt und nicht mal die üblichen Überlebens Regeln befolgte?
      Bevor er sich das alles aber zu Kopf steigen lies, erzählte er nach einem tiefen Durchatmer was er gefunden hatte und wie seltsam die Geräuschquelle samt fehlender Spuren war.
      "Verstehst du? Ein Bär hätte klare Spuren hinterlassen. Rehe hausen nicht in solchen Höhlen, hätten aber ebenso Spuren hinterlassen. Und Wildschweine oder sonst mögliche Tiere hätten ebenso Spuren hinterlassen."
    • Die Geduld zahlte sich tatsächlich aus. Ein kleiner Siebenschläfer kündigte sich durch das bedachte Rascheln im Unterholz an, bevor es für einen Moment still war und wieder raschelte. Renera verfiel in eine Starre und hielt ihre Atmung flach. Sie musste noch warten, eine ganze Weile musste sie weiter warten, bis der Siebenschläfer so nah kommen würde, dass sie ihn mit ihrem Schwert erreichen konnte.
      Aber er kam nicht näher. Stattdessen erblickte sie ganz kurz seinen flaumigen Schweif, ehe er auch schon unter ein paar Wurzeln verschwand und dort raschelte. Renera wartete weiterhin, bis er schließlich unter der Wurzel hervorkam, in die Luft schnüffelte und dann auf den Stamm hochsprang. Da sprang sie auf, zielte für den Bruchteil einer Sekunde und warf das linke Schwert. Volltreffer! Es bohrte sich in den Rücken des Tieres und nagelte es in den Stamm. Wenn das mal Svenkov gesehen hätte! Er würde sofort wissen, dass ihre Wurfübungen sich ausgezahlt hatten.
      Selbstzufrieden schlenderte sie hinüber und nahm das Schwert wieder an sich, bevor sie mit ihrer Trophäe zurück ins Lager kehrte. Ein kurzer Blick in ihre Unterkunft ließ sie stutzig werden, als sie sah, dass Aradan nicht mehr da war, aber dann zuckte sie die Schultern. Er würde sie schon holen, wenn er Hilfe brauchte. Sie kniete sich neben der Feuerstelle nieder, entzündete das Feuer mit zwei Zweigen und fing an das Tier zu häuten. Das war ganz schön schwierig, denn im besten Fall konnte sie das Fell auch noch benutzen, aber dafür war sie noch nicht geschickt genug mit ihren Schwertern. Sie zerfledderte das Fleisch in ihrem Versuch und gab sich dann damit zufrieden. Dann sah sie auf, als Aradan zurückkehrte.
      Er schien gehetzt und sein Vorwurf sorgte nicht unbedingt dafür, dass sich Renera über seine Rückkehr freute. Wann war es überhaupt das letzte mal, dass sie richtig miteinander gesprochen hatten?
      "Im Wald schleicht immer irgendwas rum."
      Zu ihrem Frust war sein Argument gut, denn sie hätte tatsächlich zumindest das Feuer entzünden können. Aber daran hatte sie nicht gedacht - und er doch schließlich auch nicht. Wenn er schon ihren Windschutz baute, hätte er auch gleich die Feuerstelle entzünden können. Es war ungerecht, dass er ihr die Schuld zuwies.
      Sie wandte sich demonstrativ wieder von ihm ab und ärgerte sich plötzlich darüber, dass sie das Eichhörnchen nicht besser häuten konnte. Wieso war sie nicht jemand anderem zugeteilt worden? Konek zum Beispiel? Der hatte immer irgendeinen Scherz auf Lager, das hätte lustig werden können.
      Aradan schien sich in seinen Fund verbissen zu haben, denn er erzählte ausführlicher von den Geräuschen die er gehört hatte. Renera war dazu geneigt ihm keine weitere Beachtung zu schenken, aber auf der anderen Seite würden sie die nächsten Tage miteinander verbringen, vielleicht sollte sie sich also eher entgegenkommend verhalten. Also stand sie auf und drehte sich ihm doch wieder zu.
      "Es hätte auch ein Fuchs sein können, die sind ganz schön laut, wenn sie jagen. Oder eine Wildkatze? Oder vielleicht sogar ein sehr großes Eichhörnchen."
      Moment, das war nicht sehr entgegenkommend.
      "... Zeig' mir die Höhle, ich will sie selbst sehen."
      Also ließ sie sich von Aradan zurückführen, der um dieses Geräusch ganz schön besorgt wirkte. Sie konnte nicht nachvollziehen, wie man Angst vor der Natur haben konnte.
      Der Gesteinshaufen, an dem sie Halt machten, war ein ganzes Stück von der Lichtung entfernt, weit genug, damit, welches Tier auch immer darin hausen mochte, sich nicht zufällig auf die Lichtung verirren würde. So war zumindest Renera's Prognose. Als sie dann allerdings vor der Höhle standen und sie in die Dunkelheit hineinblickte, überkam sie doch ein mulmiges Gefühl. Sie verharrten beide vor der Höhle, unbewegt auf ein Geräusch wartend, aber ihre Geduld wurde nicht belohnt. Es war sogar nicht abzusehen, ob darin überhaupt ein Tier lebte.
      Renera warf Aradan einen kritischen Blick zu, bevor sie sich wieder vom Eingang entfernten. In ausreichendem Abstand und nachdem sie sich beide vergewissert hatten, dass sie alleine waren, verschränkte Renera die Arme vor der Brust und wandte sich ihm zu.
      "Du hast also ein Geräusch im Wald gehört, in dem ständig alles knackt und raschelt, und dann dachtest du, dass dieses Geräusch sich entfernt und bist ihm zu dieser Höhle gefolgt, obwohl es bis auf das Geräusch keinerlei Anzeichen von irgendwelchen Tieren gibt?"
      Sie hob eine Augenbraue.
      "Hast du etwa schlecht geträumt? Sowas passiert manchmal. Wir sollten zurückgehen und das Eichhörnchen braten, auf leeren Magen schläft es sich schlecht."
    • Benutzer online 1

      1 Besucher