[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Endlich ein durch und durch herrlicher Tag. Es fühlte sich an als könne Melora nun gar nicht mehr von Monster angegriffen, oder überfallen werden. Diese Präsens der Soldaten strahlte eine regelrechte Unbesiegbarkeit aus. Schon lustig, dabei war Melora für den Kampf gegen die Monster doch so bekannt und nicht die Königsstadt.
      Aber Renera hatte mal wieder den besten Einfall. Bevor sie den gesamten Tag nun hinter dem Haus blieben und ihrer Gier einander nach gaben, war es tatsächlich besser wieder zur Handelsstraße zu laufen, was beide dann auch geschwind in die Tat umsetzten.
      Dort angekommen trennten sich die Hände von den Beiden ohne es bemerkt zu haben da es Aradan mehr zu den antiken Objekten zog.
      All diese schönen Dinge.. Verwitterte Figuren aus Gold, welche ganz sicher nicht aus dieser Zeit stammten. Aradan wurde regelrecht von diesen Dingen angezogen als stünde er unter Hypnose. Er streichelte eine Figur neugierig über den Rücken. Es war ein abstrakter brüllender Fuchs. Bis auf die verwitterten Stellen fühlte es sich so unfassbar glatt an, als hätte man es erst kürzlich gegossen. Dieses Gold war scheinbar so unglaublich rein, dass es in eine der Modular-Hochöfen gefertigt haben muss. Er kannte diese zwar nur aus den Geschichten seiner Mutter aber anders als mit einer Geschichte konnte er sich diese Objekte einfach nicht erklären.
      "Na Junge? Gefallen die dir?"
      Aradan nickte leicht und nahm seine Hand wieder weg.
      "Wo habt ihr diese Figuren her?"
      "Ach Junge. Von hier und dort. Einer bezahlt damit seinen Tribut. Ein andere tauscht viele Güter dagegen ein nur um es beim nächsten Treffen wieder für etwas anderes einzutauschen. Keiner weiß wo genau die her kommen. Waren einfach da."
      Diese mysteriöse Herkunft hätte Aradan dazu gebracht einfach alle Figuren zu kaufen, hätte er auch nur im Ansatz genug zum handeln gehabt. Doch blieb ihm nur mit den Schultern zu zucken
      "Kann ich mir wohl eh nicht leisten. Sind sicher aus der alten Zeit oder?"
      Da lachte der Händler beherzt
      "Ja genau Jungchen. Aus der alten Zeit. So wirds sein."
      Dass er Aradan's Worte als einen Witz verstanden hatte, feuerte ihn nur noch mehr an künftig nach genau solchen Dingen zu suchen. Bestenfalls wie es Renera vorgeschlagen hatte. Es benötigte nur zwei Pferde und schon hätten sie frei sein können.
      Direkt fing der Händler an Aradan für das ein oder andere Objekt überreden zu wollen, doch waren die Preise meist einfach exorbitant. Kein Wunder dass Aradan der Einzige war, welcher sich an dieser Stelle des Karrens aufhielt. Unmittelbar neben den Figuren fiel ihm dann aber eine ziemlich leere Stelle bis unter die Decke auf
      "Was hat denn da gestanden? Hier steht doch sonst keiner rum um etwas zu kaufen."
      Der Händler nickte und zeigte in eine Richtung des Dorfes.
      "Wenn du wüsstest. So ne Kräuterfrau hat mir wieder alle Bücher, Schriftrollen und Tinte abgenommen. Die lässt einfach nichts für andere Dörfer über."
      Etwas peinlich berührt sah Aradan hinab, genau wissend wer diese "Kräuterfrau" war. Schnell lenkte er vom Thema ab und wandte sich dem antiken Schmuck zu. Es war wieder sehr viel goldener Kram darunter. Nur konnte Aradan direkt sehen was davon wertvoll und was nur mit einer schlechten Goldfarbe überzogen wurde um wertvoll auszusehen. Da machten sich die Jahre in der Schmiede wohl doch ziemlich bezahlt. Doch ein Schmuckstück stach Aradan ins Auge. Es war eine Halskette, so unglaublich fein hergestellt dass man meinen könnte er blickte nur ein weißes Halsband an, doch waren es tatsächlich fein geschmiedete kleine Ketten. Und diese war nicht aus Gold. Sie schien aus purem Silber zu sein. Auch die Brosche wunderschön. Sie sah aus wie eine Blutrote Rose. So groß wie eine Fingerkuppe.
      Der Händler bemerkte sofort dass Aradan an einer Ware Interesse hatte und fing schon an freudig zu grinsen. So nahm er die Silberkette und hielt sie Aradan zur besseren Betrachtung entgegen.
      Plötzlich war es für Aradan als würde einfach alles um ihn herum ruhiger werden. So ruhig wie in tiefster Winter Nacht in welcher man nicht mal Tiere hörte. Kurz sah er nach links und rechts. Die Leute waren noch da, alle handelten und sprachen miteinander aber für Aradan war die Welt komplett stumm. Doch wurde es noch kurioser. Er hätte schwören können ein Flüstern gehört zu haben. Ein Flüstern aus... Aus der Rose? Seine Augen fixierten die Rose und es war ihm als würde sie ihn anziehen. Als wolle sie dass Aradan sie kauft. Dieses Gefühl wurde immer stärker. Irgendwann gehorchte er nur noch und nickte um dem Händler zu bestätigen dass er die Kette kaufen würde.
      Sie war tatsächlich sogar recht erschwinglich. Mit dem halben Inhalt Aradan's Börse gehörte sie nun ihm. Doch kaum als er die Kette in die Hand nahm musste Aradan sie schnell los lassen. Diese Rose... Sie brannte als er sie berührte. Was war das denn bitte für eine seltsame Kette? Er tat schnell so als wäre sie ihm nur aus seiner Hand gerutscht, da der Händler direkt neugierig hinterher sah.
      So nutzte Aradan ein Tuch aus seiner Tasche um die Kette darin einzuwickeln. Darüber würde er später ganz sicher mit Renera reden müssen. Doch vorerst wollte er sie den Tag in vollen Zügen genießen lassen. Für Aradan selbst war es vorerst genug. Er kletterte wieder auf das Dach auf welchem die Beiden zuvor waren und beobachtete nun alles in Ruhe.

    • Renera verlor Aradan in der Menge, aber nach einer kurzen Suche entdeckte sie ihn an einem der antiken Stände, während er die Figuren betrachtete. Sie beobachtete ihn, wie er eine davon vorsichtig berührte, ließ ihn aber alleine. Sie konnte ihm auch nachher noch sagen, wie süß er aussah wenn er abgelenkt war; Wenn der Händler wegwar. Sie ging auf die gegenüberliegende Seite zu einem Stand, an dem die neueste Mode aus der Königsstadt angeboten wurde, und stieß dort auf Mira, die sich einen blumigen Sonnenhut auf den Kopf gesetzt hatte. Die Schneiderstochter trug ein blaues, knielanges Kleid und Spitzenschuhe, die sich perfekt ergänzten. Renera schenkte ihr keine Beachtung, nachdem sie schon vor einem Jahr aufgegeben hatte sich in irgendeiner Freundesgruppe aus der Schule einzufinden, aber da wandte sich Mira ihr zu.
      "Hallo, Renera!"
      Sie lächelte ihr zu und Renera erwiderte das Lächeln knapp.
      "Du kommst genau richtig. Komm' mal her und sieh dir das an. Meinst du, das kann ich vor meinem neuen Mentor tragen?"
      Sie hob ein Oberteil hoch, das in seinem Muster einem Kettenhemd sehr ähnlich sah und einen hohen Kragen hatte. Renera kam zu ihr und schüttelte den Kopf.
      "Das sieht furchtbar aus - und teuer! Wer würde sowas denn freiwillig tragen?"
      "Na ich."
      Renera kicherte.
      "Okay, aber ich glaube du kannst so ziemlich alles tragen."
      "Du doch auch."
      Sie hielt ihr das Oberteil vor die Brust und betrachtete sie kritisch.
      "Ich glaube sowas kombiniert man gut mit dem richtigen Schmuck. Allein sieht das tatsächlich grauenhaft aus, aber wenn man ein paar Perlen dazu hat und vielleicht noch eine Brosche, wird das zum richtigen Hingucker."
      Renera sah sie zweifelnd an, da lächelte Mira wieder.
      "Es sieht auf jeden Fall besser aus als dieses fade, braune Kleid, dass du ständig trägst. Das bringt gar nicht deine Figur zur Geltung."
      "Was weißt du denn schon von meiner Figur?"
      "Ich hab' ein Auge dafür. Hab' ich von meinem Vater."
      Sie zwinkerte Renera zu und Renera lächelte. Dann stellte sie sich zu ihr an den Stand und ließ sich von Mira erklären, welche Kleidungsstücke man wie kombinieren sollte und welche nur gut aussahen, wenn man sie in Verbindung mit der richtigen Mode trug. Renera gefiel es über Mode belehrt zu werden und Mira war in ihren Ausführungen keineswegs herablassend. Sie nahm sich sogar Zeit zu erklären, dass die richtige Länge des Rockes darüber entscheiden konnte, ob man plump oder hochgewachsen aussah.

      Der Händler machte sich am späten Abend bereits wieder auf die Abreise. Die Waren wurden wieder aufgeladen, die letzten Stücke bezahlt, die Pferde wieder angebunden und dann wurde das ganze Gefährt in einem aufwendigem Akt umgedreht, wobei die Soldaten es dabei unterstützten. Renera lud Mira zu ihrem Aussichtspunkt ein, auf dem sie schon Aradan entdeckt hatte, und Mira stimmte fröhlich zu. Dann kletterten sie beide auf das Dach, wobei es eine willkommende Abwechslung war, dass Mira genauso schlecht im Klettern war wie Renera.
      "Hallo, Aradan", begrüßte sie ihn noch immer fröhlich und strich ihr Kleid glatt, bevor sie sich hinsetzte. Sie trug noch immer den Sonnenhut, der eine Spur zu groß für ihren Kopf zu sein schien. Renera setzte sich neben Aradan und lächelte ihn vergnügt an. Gemeinsam beobachteten sie, wie der Händler unter lautem Lärm wieder durch das Tor zog. Die beiden Ritter auf den Pferden bildeten nun die Nachhut.
      "Na, wisst ihr schon, was für einen Mentor ihr bekommen werdet?", fragte Mira, die sich auf ihre Arme gestützt nach hinten lehnte. Sie wirkte ganz sorglos und vor allem nicht dadurch nicht verunsichert, dass man sie mit Aradan und Renera auf dem Dach sehen konnte. Sie sah dem Händler sehr lange nach.
      "Ich hab' ja schon so meine Vermutungen zu meinem Mentor."
    • Es war ziemlich interessant zu sehen wer welche Waren kaufte. Irgendwie fühle sich Aradan schlecht dabei so enorm neugierig zu sein aber andererseits war es ihm auch wieder schnell egal. Wichtig war für ihn nur dass er bald mit Renera über die Kette reden konnte.
      Als sie dann auch auf das Dach kletterte, wollte er direkt das Tuch hervor holen, doch beugte sie sich noch mal am Dach runter um noch jemanden hoch zu helfen. Direkt steckte er das Tuch wieder ein und sah neugierig rüber wer es wohl war. Seine erste Vermutung lag bei Ellaya, auch wenn die in letzter Zeit wie ein Zombie wirkte und sich nahezu nie zeigte.
      Zu seiner Überraschung war es dann aber doch Mira, die Tochter des Schneiders.
      "Oh. Hallo Mira."
      Er begrüßte sie mit einem Lächeln auch wenn er kaum etwas von ihr wusste. Zugegeben sie hat ihn nie gehänselt oder schräg angesehen. Aufeinander zu gegangen sind sie sich trotzdem nie. Sie war so etwas wie ein absolut neutrales Wesen hier im Dorf. Zumindest sah Aradan es so.
      Als das Gespräch dann über das künftige Training ging, war Aradan selbst schon recht neugierig geworden wer wohl sein Mentor wäre.
      "Das ist ne gute Frage. Ich habe absolut keine Ahnung wer mein Mentor sein könnte. Ich hoffe nur dass es nicht Wilk ist. Aber findet ihr es nicht auch doof dass wir nun noch mehr zu tun haben? Ist doch ätzend"
    • Renera sah Aradan überrascht an.
      "Wie, ich dachte du könntest dich freuen, endlich mit deinem Bogen zu kämpfen."
      Mira schüttelte neben ihr bedauernd den Kopf.
      "Er hat schon recht. Erst haben wir normalen Unterricht und dann müssen wir nochmal zum Unterricht. Ganz zu schweigen davon, dass wir auch Zeit mit unseren Mentoren verbringen sollen. Wann haben wir denn da noch Freizeit?"
      Renera sah nun auch überrascht zu Mira. Sie hatte sich darüber gefreut öfter von Zuhause wegzukommen, dann musste sie weniger helfen.
      "Ich glaube ihr beiden seht noch nicht die... Bereicherung, die uns dieser Unterricht bietet. Ja, die Bereicherung. Während alle anderen am See hocken, können wir uns in den Unterricht setzen."
      Sie verzog das Gesicht, als sie selbst merkte, wie blöd sich das anhörte und Mira hob zur Antwort eine Braue.
      "Ich weiß ja nicht, was du für Wünsche hast, aber ich setze mich lieber an den See als in den Unterricht. Nicht wahr, Aradan?"
      Renera war beleidigt.
      "So hab ich das gar nicht gemeint."
      "Wie hast du es denn gemeint?"
      Noch eine ganze Weile saßen sie auf dem Dach und unterhielten sich über den Unterricht, während die Sonne hinter dem Horizont verschwand und der Mond in Erscheinung trat, der die drei Gestalten in ein silbernes Licht tauchte.

      Die Mentoren meldeten sich bei ihren Schülern noch in der selben Woche. So kam es, dass Renera sich der ältere Händler Venedik vorstellte, der sie aufhielt, als sie auf dem Markt Besorgungen für ihre Mutter unternahm und dabei an seinem Stand vorbeikam. Er war ein schlanker Mann mit langen Haaren, die er in einem Zopf zusammengebunden trug, wobei er ein paar davon immer in seine Stirn fallen ließ. Er war ein freundlicher Geselle, wenngleich er nicht immer die richtigen Worte zu finden schien und daher oftmals schweigsam wurde. Als er sich Renera vorstellte, wirkte er ein wenig nervös und strich sich mit der linken Hand ein paar Mal über die Haare.
      "Ich werde dir nur abends etwas beibringen können, wenn meine Frau schon im Bett ist. Ich hoffe, das macht dir nichts?"
      Renera verneinte. Alles, was sie aus dem Haus brachte, war gut.
      "Ausgezeichnet. Ich kenne mich mehr mit Dolchen aus, aber das sind sowieso zwei sehr ähnliche Kampfstile. Ich erwarte dich dann auf dem Übungsplatz."
      Sie nickte ehrfürchtig und zog wieder von dannen. Irgendwie hatte sie sich einen Mentoren anders vorgestellt, mysteriöser und auch viel weltgewandter, aber was hatte sie erwartet? Dass in Melora ein Fremder auftauchen würde, der sie ganz persönlich erwählte, um ihr seine geheimen Kampftechniken beizubringen? Eher nicht. Also musste Venedik schon ausreichen - und schließlich wusste sie über ihn, dass er sogar als Späher gearbeitet hatte, bevor er sich dem Handel zugewandt hatte. Das war wahrscheinlich mehr als ausreichend.

      In der darauffolgenden Woche begann der Zusatzunterricht. Die Stunden bei Venedik liefen besser als bei Wilk. Er schien seine Aufgabe sehr ernst zu nehmen und dabei ihre bisherigen Erfahrungen mit einzuberechnen. Er war sehr geduldig mit ihr, als er zuerst ihre Felshaltung korrigierte, in der sie beginnen sollten, und ihr dann in aller Ausführlichkeit zeigte, wie sie ihre Waffe zu halten hatte. Er bestand darauf, erst mit einer zu trainieren, damit sie sich an das Gefühl gewöhnen könnte, bevor sie auch die zweite halten würde. Seine Erklärungen waren zwar manchmal etwas wortkarg und er schien noch immer nervös zu sein, aber er legte seine Priorität darauf Renera Selbstvertrauen einzubläuen und das gelang ihm auch ziemlich gut. Am Ende des Tages sagte er ihr immer, dass ihm ihr Fortschritt gefallen würde und dass er sich schon auf den nächsten Tag freue. So steigerte sich auch in Renera die Lust zum Kämpfen, wenngleich sie immer noch Schwierigkeiten bei den einzelnen Kampfhaltungen hatte.
    • So bald fand sich leider keine Gelegenheit mehr Renera die Halskette zu zeigen. Es war etwas ärgerlich aber dafür hatten die Drei immerhin einen netten Abend zusammen. Auch als sich alle verabschiedeten sprach Aradan nichts an. Er hatte einfach das Gefühl als wäre es nicht der richtige Zeitpunkt gewesen.
      Zuhause wollte er wenigstens versuchen seine Mutter zu fragen ob in alten Büchern bekannt war ob Relikte Flüstern können. Doch auch in diesem Fall konnte ihm nicht geholfen werden. Denn war seine Mutter bereits am schlafen... auf einem offenem Buch... sitzend. Die Kerze noch brennend und ohne Decke. Es war so ein typisches Bild. Jedes mal wenn sie neue Werke erhielt, konnte sie einfach nicht aufhören diese zu lesen bis ihr Körper nach gab. Doch konnte Aradan sie auch irgendwie verstehen. Wenn in diesen Büchern stand wie es außerhalb der Mauern war, müssten diese wie eine Art Portal in die Freiheit sein.
      Nichts desto trotz holte Aradan die Decke seiner Mutter und legte diese vorsichtig um sie, pustete die Kerze aus und legte sich selbst ins Bett.

      Ganze 3 Tage vergingen in welchen Aradan ständig das Thema der Kette aufbringen wollte, doch kam einfach nie der Zeitpunkt um es anzubringen. Es ging sogar so weit dass er sich schon albern vor kam. Er hat Stimmen flüstern hören.. seine Hand brannte.. er hat sich das sicher nur eingebildet. So musste es wohl sein.
      Viel Zeit zum überlegen hatte er ohnehin nicht. Es galt wieder einige Kleinaufträge auszuliefern. Dieses Mal gingen sogar 4 davon an ein Haus welches das letzte vor dem Nordwall war.
      Doch umso näher Aradan dem Haus kam, desto verwunderter war er. Stand das Haus nicht leer? Ihm wurde immer gesagt dort würde niemand wohnen. Selbst vor ein paar Jahren, vor Neugierde getrieben, schaffte er es nie die Tür zu knacken um einen Blick hinein zu werfen. Ebenso fand er es merkwürdig dass dieses Haus zwar einen Kamin besaß, dafür aber keinerlei Fenster. War es also ein Lagerraum? Aber wozu sollte man einen solchen Heizen wollen?
      Egal. Die Lieferung sollte hier hin gehen also war das sein Ziel. Er klopfte zwei mal an die Tür, doch konnte er weder eine Stimme noch sonst ein Anzeichen von Leben darin hören, also klopfte Aradan lauter, dieses Mal mit seiner Faust. Und dieses mal hörte er was. Nur nicht was er erwartet hatte. War es ein zerbrochenes Glas? Sicher war er sich nicht. Bevor er aber eine weitere Vermutung äußern konnte, riss Jemand von innen die Tür weit auf. Und auch dieses mal entsprach nichts Aradan's Erwartung. Da stand ein Halb nackter Mann vor ihm. Augenringe runter bis auf die Wangenknochen, die Augen selbst zusammen gekniffen als wäre das eindringende Sonnenlicht purstes Gift für Ihn.
      Aradan kam nicht umher diesen Mann weiter zu betrachten. Er hatte nur eine alte Hose an. Keine Schuhe. Kein Oberteil. Seine Haare warnen Schwarz und ungewaschen. Für wie lange schon, war kaum auszumalen. Und seine langen Koteletten wuchsen in seinen Bart über, welcher unter seinem Kinn verlief. Dafür trug er keinen Schnauzer oder gar Vollbart, wie man es bei einer solchen Gestalt erwartet hätte. War das nur ein Wilder der ein paar Tage das Haus bezogen hatte oder... Lebte der schon immer hier? Was das Bild jedoch abrundete war dieser immense Körperbau. Nicht aufgeplustert wie Toliv. Viel mehr durch und durch gehender Muskel wie sein Vater, doch... einfach mehr davon. Die Arme des Mannes kamen Aradan vor als hätte dieser damit Eisen ohne einen Hammer schlagen können.
      "Fertig?"
      Unterbrach eine raue, tiefe Stimme, welche man sich genau so von einem Soldaten vorstellte.
      "Ich ehm... Ich hab ne Lieferung."
      Ganz außer sich vor Verblüffung streifte Aradan seinen schweren Rucksack ab und fragte sich erst jetzt was er da eigentlich trug. Lieferte er schwere Steine aus? Doch schon in seiner halben Bewegung packte die ihm riesig vorkommende Hand des Mannes grob den Rucksack und riss diesen zu sich, dabei wurde Aradan beinahe mit gezogen, hätte er nicht rechtzeitig seinen Arm aus der Schlaufe bekommen.
      "Wurd Zeit. Ich hoffe für dich dass alles drin ist.."
      Aradan nickte stumm. Er war einfach vollkommen verblüfft von dieser Begegnung. Dieser Mann war schon wieder mitten im Raum und legte den Rucksack auf einen Tisch, welchen Aradan nur durch das Licht erkennen konnte, welches durch die Tür in den Raum fiel. Da fiel ihm direkt dieser unsagbare Gestank von starken Alkohol auf. Es war so schlimm dass Aradan sich die Nase zu hielt.
      "JUNGE! Ich hab dich was gefragt! Sprich gefälligst"
      Hastig reagierte Aradan
      "J.. JA ! Ich meine.. Ich hoffe das alles drin ist. Ich meine... mein Vater hat mir den Rucksack so übergeben."
      Der Mann grummelte und fummelte den Rucksack auf.
      "Mhm... Schön die Verantwortung auf andere Abwälzen huh? Wenn was fehlt.."
      es klirrte als der Mann seine Hand in den offenen Rucksack beförderte
      "Wenn was fehlt dann.. Fehlt dir n Finger. Und verflucht mach endlich diese vermaledeite Tür zu!"
      Es war nicht unschwer zu erkennen dass dieser Mann klar einen im Tee hatte, doch hatte dieser dennoch eine gute Kontrolle über seinen Körper und seiner Wortwahl. Aradan versuchte ihn mit Svenkov zu vergleichen doch... Nein. Das funktionierte einfach nicht. Sie waren zwar beide scheinbar ziemliche Schnapsdrosseln, doch war Svenkov einfach nur erbärmlich. Dieser Mann vor Aradan strahlte trotz seiner Erscheinung eine unfassbare Ehrfurcht aus. Etwas dass er sich einfach nicht erklären konnte und Ihn zeitgleich unglaublich neugierig machte. So entschloss sich Aradan dem Befehl zu folgen. Doch schloss er die Tür nicht etwa vor sich, sondern hinter sich. Nachdem er eingetreten war.
      Sofort umgab Aradan die dunkelste schwärze. Nichts war mehr zu erkennen und einfach nirgendwo schien auch nur das aller kleinste Bisschen an Licht hindurch zu kommen. Was seltsam war, immerhin kamen sogar in gut gebauten Häusern hier und dort mal kleine Mondstrahlen zwischen den Brettern hindurch.
      "Ahhhh! Sehr gut!"
      Sprach die Stimme des Mannes in der Finsternis. Daraufhin knallte es ganze 6 Mal auf dem Tisch. Es waren Aradan's Gehör nach Glasflaschen. Eine davon wurde recht schnell von einem Korken befreit und an des Mannes Mund angesetzt, welcher nach drei großen Schlücken genussvoll ausatmete.
      "Darfst deinen Finger behalten Bursche. Und.. Sag mal bist du.. kann es sein dass du dieser Knirps von Reona und Marudan bist?"
      Aradan sah nach wie vor rein gar nichts. Es war als würde er mit der personifizierten Gefahr im Verzug reden und so wagte er es sich nicht zu lügen oder ein falsches Spiel aufzuziehen.
      "J...Ja. Ich bin Aradan Elric."
      Der Schreck eilte durch seinen ganzen Körper als Aradan unmittelbar neben sich einen Pfeil in die Wand preschen hörte. Er konnte sogar noch die Federn an seiner Wange spüren, so knapp flog dieser an ihm vorbei. Kurz darauf erneut. Doch dieses mal ganze 3 weitere Male. Seine Hand, seine Wange und sein Hals. Überall spürte er Federn. Danach knarzte es. Setzte sich der Mann hin?
      "Hmm... Hast nicht gezuckt was? Hast jedenfalls keinen Kratzer. Hättest einen gehabt wenn du gezuckt hättest."
      Erst jetzt prüfte Aradan die Stellen an welchen er die Federn spürte und tatsächlich. Er war nicht verletzt.
      "Woher.."
      Und schon stank es. Der Geruch von Alkohol kroch ihm die Nase hoch als würde er an einer Flasche selbst riechen. Doch war das keine Flasche. Es war der Mann der in einem so kurzen Augenblick genau vor Aradan stand und ihm ins Ohr flüsterte.
      "Woher ich das weiß? Blut. Blut kann man riechen bevor man es sieht. Sieht man Blut zuerst. Ist man Tod."
      In Aradan zog sich alles zusammen. In welcher Horrorshow war er denn hier hinein gestolpert? Und warum trat er auch noch freiwillig ein?! Seine Hand fummelte wild nach dem Türgriff um endlich wieder raus zu kommen, doch schien es als würde es keinen Griff geben, oder war er einfach zu nervös?
      Zu seiner erneuten Verwunderung schien sich die Tür von ganz alleine zu öffnen. Aradan fiel mit dem Rücken voran hinaus und landete auf dem Boden. Vor ihm sah er tatsächlich den Mann. Nun von deutlich mehr Sonnenlicht benetzt. Er hatte eine helle Haut als würde dieser tatsächlich nur sehr selten das Sonnenlicht sehen und auch die Augenringe waren ganz klar keine Einbildung gewesen. Doch fiel Aradan jetzt sofort eine Bemalung auf dessem Oberarm auf. Es erinnerte ihn an die Worte seiner Mutter. Eine Elite Truppe der Königsstadt wurde, mit der selben Tinte wie seine Mutter diese zum schreiben nutzte, mit einem spritzen Stift in die Haut gestochen. Auf diese Art konnte man Schriften oder Figuren auf die Haut auftragen wie sie es mit ihren Federn auf Büchern tat. Doch konnte man diese Zeichen nicht einfach so von der Haut waschen. Sie galten für immer sichtbar und somit wie eine klare Erkennung.
      Nach seinem kleinen Rückblick in die Erinnerung fixierte Aradan den Arm noch mehr und erkannte einen Wolfskopf. Ein Wolfskopf welcher wild drein blickte und einen Bogen im Maul, zwischen den Zähnen trug. In eben diesem Moment ging auch der aller letzte Funken in Aradan auf absoluten Grundeis. Jetzt hatte Aradan keine Zweifel mehr. Was er vor sich sah war tatsächlich einer der Wolfstruppe des Königs. Sie wurden nicht mehr im Kampf genutzt da sie zu alt waren oder laut des Königs einfach nicht mehr in der Lage waren gegen die Monster zu kämpfen. Aradan selbst verstand die Geschichte schon früher nie, doch spielte das alles in diesem Moment keine Rolle mehr. Immerhin stand einer der Wolfstruppe genau vor ihm.
      Beide sahen sich für einen Moment an ehe der Mann sich wohl zu überwinden schien.
      "Na gut. Du bist freiwillig eingetreten. Du hast nach dem ersten Schuss nicht gezuckt und..."
      er wankte etwas und nahm einen Schluck aus seiner neuen Flasche
      "... und... Ach egal. Ist gut wolln mal sehen ob Wilk, Rodon und Marudan recht haben. Ich bin von heute an dein Mentor. Nenn mich Quin. Wenn du nach deinem lächerlichen Unterricht hier mit einer vollen Falsche auftauchst, versuch ich dir das ein oder andere sinnlose in diesem Leben beizubringen. Und bring deinen Bogen mit."
      So knallt die Tür auch schon vor Aradan zu.
      Er hatte die nächsten 10-15 Minuten tatsächlich Probleme alles in seinem Kopf unter zu bringen. Etwa die Frage ob einer der Wolfstruppe schon lange im Dorf war oder wann er hier aufgetaucht ist.
      Sicher war eigentlich nur, dass Aradan nun tatsächlich auf der Seite von Renera war. Von nun an würde er sich auf das Mentor Training freuen.

      Es war langsam schon so spät, dass sich die Dämmerung verzog und die Nacht herein brach. Dennoch eilte Aradan zum Haus der Elquin's statt seinem, nur um an dem geschlossenem Holzverschlusses von Renera's Zimmer zu kratzen. Dabei nutzte er ein schon zuvor versteckten Nagel um das Kratzen von Wildkatzen zu imitieren. Dabei kratzte er das Fenster 3 mal lang, zwei mal kurz und erneut ein mal lang. Nun galt nur noch zu hoffen dass Renera das Zeichen hörte und nicht bereits tief am schlafen war.
      Der übliche Treffpunkt war ihr Fluss, wie sie die Stelle nannten. Der Ort an welchem sie ihren ersten Kuss hatten.
    • Renera fand in dieser Nacht wenig Schlaf. Sie war müde ins Bett gegangen, nachdem sie sich um den weinenden Tysin gekümmert hatte, aber dann weckte sie ein bekanntes Geräusch wieder auf. Sie kämpfte sich aus dem Bett und schlich auf Zehenspitzen zum Fenster, um gerade noch rechtzeitig zu sehen, wie eine Gestalt in der Nacht verschwand. Also zog sie sich einen Pelz über ihr Nachthemd, schlüpfte in ein Paar Stiefel und kletterte, so leise wie nur möglich, aus dem Fenster hinaus. Sie bekam nicht mit, wie Varus sich in seinem Bett aufsetzte und ihr nachsah.

      Am Fluss angekommen wartete schon Aradan auf sie. Sie freute sich immer ihn zu sehen, aber dieses Mal mischte sich ihre Müdigkeit hinzu, die diese Freude ein wenig abdämpfte. Sie gähnte einmal ausgiebig, ehe sie sich zu ihm gesellte.
      "Hey, Ara."
      Sie gab ihm einen Begrüßungskuss und runzelte dann die Stirn.
      "Du siehst ja noch hellwach aus. Ist alles gut? Ist was passiert?"
    • "Tut mir Leid falls ich dich geweckt habe. Du siehst noch ganz verschlafen aus"
      Er legte seine Hände auf Ihr Gesicht und rieb ihr sanft unter den Augen entlang bis er auf ihre Frage hin nickte. Er hatte mit dem Mentor schon so viel in seinem Kopf zu verarbeiten und dann kam noch das mit der Kette dazu. Er wollte all das endlich los werden und nicht wieder und wieder aufschieben.
      "Ich denke es ist eine ganze Menge in meinem Kopf was mich mit Sicherheit schlaflos durch die Nacht bringen wird wenn ich es nicht endlich los werden kann. Aber eins nach dem Anderen."
      Da zog er auch direkt das Tuch aus seiner Tasche und legte es auf beider Renera's Hände und nahm zwei Schritte Abstand.
      "Es ist nichts gefährliches, keine Sorge. Ich möchte dass du es öffnest und mir alles sagst was du denkst, siehst oder fühlst. Ich weiß wie sich das anhört aber... tu es mir zu liebe."
      Gespannt achtete er auf Renera und ihren Blick.
    • Renera betrachtete erst Aradan mit kritischem Blick und dann den Gegenstand, den er ihr verhüllt in die Hände gelegt hatte. So wie er sich verhielt und die Umstände, unter denen sie sich trafen, war die Sache irgendwie lustig, aber Renera war noch zu müde um zu lachen.
      Sie gehorchte seiner Bitte und öffnete das Tuch. Es enthüllte eine bezaubernde Rosenkette, die im Mondlicht sanft funkelte. Renera erstarrte. Wollte er etwa ...? Aber das machte man doch mit einem Ring - oder doch nicht? Sie sah verwirrt zu ihm auf, als er sie dazu drängte, die Kette auch hochzuheben. Also tat sie ihm den Gefallen, nahm die Kette aus dem Tuch und hielt sie vor sich. Die Rose drehte sich leicht um die eigene Achse. Ein wirklich einzigartiges Schmuckstück.
      "Ara, das ist eine wirklich schöne Kette, aber was ...? Dafür braucht man doch einen Ring ... oder nicht? Und vor allem sind wir doch viel zu jung!"
      Sie sah ihn verblüfft an.
    • Zu keinem Augenblick war Aradan zum Lachen aufgesetzt. Er wartete einen ganzen Moment doch auch als Renera die Kette in der Hand hielt, schien sie kein bisschen darauf zu reagieren. Wie konnte das sein? Das alles hatte er sich doch nicht eingebildet. Also kam er ihr wieder etwas näher, den Blick dabei immerzu auf der Kette.
      Als er bis auf einen Meter heran gekommen war, begann es erneut. Ein leises Flüstern. Und erneut wuchs in ihm das Verlangen die Kette an sich zu nehmen.
      "Da! Hörst du das nicht? Ich.. Ich meine, ich wollte dir ein Schmuckstück vom Händler holen, das ist wahr aber... Diese Kette ist eigenartig. Wenn ich ihr näher komme... ich weiß nicht wie ich es erklären soll aber... Sie flüstert. Mir ist als würde sie mich beinahe magisch anziehen. Je näher ich ihr bin, desto größer ist das Verlangen ihr zu lauschen. Kannst du denn wirklich nichts hören?"
      Es fiel ihm beinahe schwer wieder etwas auf Abstand zu gehen, als würde man sich bei großem Hunger wehren ein saftig köstliches Steak zu essen.
      "Als wäre das nicht genug, ist diese rote Rose glühend heiß wenn ich sie anfasse. Als mir der Händler die Kette übergab, war ich so erschrocken wie heiß sie war, dass ich sie sofort auf den Boden fallen ließ. Es war so ein merkwürdiges Gefühl... Ebenso hatte ich keinerlei Verbrennungen an meiner Hand."
      Er sprach sich alles von der Seele. Der Unterton von einer leichten Angst war dabei ziemlich offensichtlich. Wie konnte ein Objekt so eine Wirkung haben? Das war doch vollkommener Quatsch.
    • So eine Reaktion hatte Renera dann doch nicht erwartet. Aradan wirkte geradezu verängstigt - konnte das stimmen? Aradan, der Angst hatte? Nein, ganz sicher nicht, erst recht nicht von einer Kette. Sie hob sie erneut vor ihr Gesicht und drehte sie in alle Richtungen, aber es war eben nicht mehr als eine Kette. Eine sehr hübsche Kette, aber dennoch eine Kette. Sie sah wieder zu Aradan und erschrak vor seinem entsetztem Gesicht.
      "Du hörst tatsächlich Stimmen?"
      Sie wollte ihm glauben, ganz sicher, aber es war schwer vorzustellen, wie das aus der Kette kommen sollte. Außerdem war die Rose keineswegs heiß, sie war eher angenehm kühl von dem Edelstein, aus dem sie gehauen war. Vielleicht war es sogar ein kostbarer? Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was die Kette gekostet hatte.
      "Warte, lass mich was probieren."
      Sie zog sich die Kette um den Hals und verschloss sie im Nacken. Sie passte ihr ausgezeichnet, die Form war genau nach ihrer Brust abgestimmt, als wäre die Kette für sie gemacht gewesen. SIe sah zu ihr hinab und lächelte. Die Rose reflektierte das Licht, als ob es es erst in sich einsaugen und dann wieder freilassen würde.
      "Ist es jetzt anders?"
      Sie kam auf Aradan zu.
    • Aradan nickte vorsichtig. Ihm war selbst klar wie sich das anhörte. Doch haben sie sich einen Fingerschwur gegeben immer die Wahrheit zu sagen. Er musste es also genau so sagen wie er es sah.
      "Mhm... Aber ich kann sie nicht verstehen. Versuch dir vorzustellen dass ein ganzer Haufen an Leuten um dich herum steht und komplett durcheinander leise flüstert. Aber was mir so eine Angst macht ist... dass es sich anfühlt als würde es mich rufen. Oder ziehen. Ich muss mich regelrecht dagegen wehren.."
      Dann wollte Renera die Kette anlegen. Erst wollte er sie davon abhalten, doch hatte sie diese auch grad schon so normal gehalten, was sollte also schief gehen?
      Als die Kette dann auf Renera's Haut anlag, weiteten sich Aradan's Augen. Er sah sich ein paar mal um und konnte erstmals wieder ganz klar Renera in die Augen sehen.
      "Was hast du gemacht?"
      Er ging Renera ebenso etwas mehr entgegen und blickte auf die Kette.
      "Die Stimmen sind weg. Dieser Zog ebenso. Als wäre es eine vollkommen normale Kette."
      Die großen Fragezeichen über Aradan's Kopf hätte man beinahe greifen können. Er kratzte sich am Kopf und sah wieder hoch.
      "Und wie fühlst du dich? Irgendeine Veränderung?"
    • "Hat es aufgehört?"
      Renera musterte Aradan und sah dann wieder zu ihrer Kette hinunter.
      "Eine Veränderung? Ich... glaube nicht."
      Oder? Sie konzentrierte sich, aber sie konnte keinen Unterschied spüren - und erst recht nicht Stimmen hören. Das einzige, was sie spürte, war die Kälte der Nacht, die sich ihr unter den Pelz drückte und ihre Wangen rot färbte. Außerdem fühlte sie sich zunehmend unwohl mit der Kette, aber das lag wohl eher an dem Umstand. Sie nahm die Kette wieder ab, wobei sie sich sogleich erleichteter fühlte.
      "Zieh' du sie über."
      Sie hielt sie Aradan hin.
    • Diese Kette war wirklich merkwürdig. Erst wirkte sie so seltsam auf Ihn und nun war einfach alles verpufft. Trotzdem schien es besser zu sein dass diese bei Renera bleibt. Sie war ohnehin für Renera bestimmt. So ging er noch immer etwas von seiner Angst getrieben direkt wieder zwei Schritte zurück und hielt seine Hand abweisend nach vorne als Renere ihm die Kette anlegen wollte.
      "Nein bitte. Behalte sie. Ich habe sie ohnehin für dich gekauft. Bei dir hat sie keinerlei Auswirkungen und ebenso ist dieses seltsame Gefühl endlich verschwunden."
      Als Renera ihren Versuch unterbrach, entspannte Aradan wieder etwas. Dabei stemmte er eine Faust an seiner Hüfte während er den anderen Arm runter hängen lies.
      "Wirklich Renera. Wenn sie bei dir bleibt, ist es besser. Ich bin froh dass diese Stimmen endlich weg sind. Ich hatte schon das Gefühl wahnsinnig zu sein. Und umlegen tue ich sie mir ganz sicher nicht. Ich sagte doch sie brannte als ich sie nur für einen Augenblick in die Hand nahm. Da werde ich sie mir doch nicht auch noch umlegen."
      Dass Aradan ganz klar Schlaf brauchte und ihn alleine diese Kette um den Verstand gebracht hatte, merkte man daran wie ernst er war. Er sah Renera nicht rosarot verknallt an wie üblich. Viel eher wie eine vertraute Hilfe, welcher man einfach immer trauen kann.
      "Bitte leg sie dir wieder an. Sie steht dir ziemlich gut."
      Daraufhin drehte sich Aradan zu dem Schuppen um, welcher keine 10 Meter von ihnen entfernt war. Darin waren nur Werkzeuge, viel Heu und viel wichtiger, Schutz vor Wind. So nahm er Renera's Hand und zog sie mit sich in den Schuppen. Er bemerkte schließlich ihre roten Wangen und es ging nicht an ihm vorbei dass sie nur in dünner Bekleidung da stand, wenn auch mit einem Pelz, welcher aber nicht ihre Beine bedeckte.
      Nun im Schuppen wies er ihr einen Platz zu welcher mit viel Heu bedeckt war.
      "Bitte setz dich doch. Dir wird sicher wärmer wenn du etwas Heu um dich ziehst. Ist ne super Wärmedecke. Hab ich selber schon ein paar mal genutzt."
      Kurz darauf setzte sich Aradan auf eine große Kiste und sah damit ein Stück auf Renera hinab um ihr von der nächsten Geschichte zu erzählen. Dieses mal war es alles was er heute bei seiner Lieferung erlebt hatte. Der mysteriöse Mann, der beinahe eine muskulöse Version von Svenkov zu sein schien, bis Aradan hinaus fand dass es tatsächlich einer der bekannten Wolfstruppe war und sich anschließend als Aradan's Mentor erwies. Er führte es in aller Präzision aus und lies diese Informationen erst einmal sacken.
      "Das ist irre oder? Ein Wolf wird mein Mentor? Ich brenne vor Neugier wie der Typ drauf ist. Er schien stark angetrunken und dennoch schoss er Pfeile in absoluter Dunkelheit mit einer Präzision die ich noch nie gesehen habe. Und dann auch noch diese Bewegungen. Ich habe nicht einen Muchs gehört als er vom Tisch bis zur Tür kam. Beinahe wie ein Geist."
      Aradan wusste selbst nicht ob er schwärmen oder ängstlich sein sollte. Vermutlich war er aber einfach nur noch immer etwas aufgebracht über all diese neuen Ereignisse die sonst nicht mal im Ansatz so häufig vor kamen. Die ganze Sache mit Tokiv, dann all die schönen Dinge mit Renera. Jetzt kam dann noch das Sondertraining dazu, die Halskette und dann auch noch einer der Wolfstruppe. Aradan's Kopf war ganz klar überfordert mit alle dem. Kurz danach sah er wieder Renera an.
      "Ich bin gespannt welchen Mentor du bekommen wirst. Stell dir mal vor Wilk hat noch mehr Leute von Außerhalb geholt um uns eine extra Ausbildung zu verpassen. Wäre doch ziemlich verrückt oder?"
    • Renera zog die Kette wieder verunsichert zurück. Aradan war in dieser Nacht so verändert, dass es sie selbst ängstigte. Was steckte also tatsächlich hinter dieser schönen Kette? Und wieso reagierte sie nicht auf Renera? Sie betrachtete sie noch einmal und legte sie erneut an, wobei sich ihre Gedanken mehr darauf konzentrierten, dass es ihre eigene Kette war. Ihr eigener Schmuck! Passte er zu ihren Augen? Sie hätte sich gern im Spiegel angesehen.
      Wieder etwas fröhlicher ließ sie sich von Aradan in einen nahegelegenen Schuppen führen, in dem sie sich ins Heu setzte. Für einen Moment dachte sie, er würde sich zu ihr gesellen, aber er setzte sich auf eine der Kisten - und erzählte ihr dann die wahrscheinlich unglaublichste Geschichte, die sie jemals gehört hatte. Sie merkte bald, wie sie an seinen Lippen hing, während er von dem Mitglied der Wolfstruppe erzählte, das hier, bei ihnen, in Melora war! Und dann war er auch noch Aradan's Mentor! Es hörte sich unglaublich an.
      "Das hört sich wahnsinnig an! Du wirst wahrscheinlich der beste Bogenschütze im ganzen Königreich werden! Was sag ich, auf der ganzen Welt!"
      Sie kicherte, während sie sich den schlanken Aradan als lebende Legende vorstellte und wie er durch das Land marschierte, während alle Menschen um ihn herum vor ihm auf die Knie fielen. Das waren wirklich spannende Neuigkeiten, sie freute sich schon darauf Aradan's Künste im Unterricht testen zu können.
      Im Vergleich dazu waren ihre eigenen Neuigkeiten alles andere als spannend.
      "Oh... Mein Mentor ist Venedik, der Holzhändler. Das ist nicht halb so spannend wie deiner. Aber dafür ist er echt nett! Nimmt sich mehr Zeit für mich, im Gegensatz zu Wilk. Und wir trainieren abends, also muss ich Cilla nicht mehr baden, das ist doch schonmal was."
      Sie lächelte.
      "Aber das ist nicht ganz so wichtig. Erzähl mir mehr von deinem! Ist er schon lange hier? Ich hab ihn ganz sicher noch nicht gesehen."
      Sie redeten weiter über diesen unglaublichen Lehrer, als eine leise Stimme sie plötzlich beide aufschrecken ließ.
      "Reni?"
      Am Eingang stand der kleine Varus mit nichts weiter als einem Nachthemd und ein paar Stiefeln an, die ihm viel zu groß waren. Er sah die beiden mit großen Augen an, während er an seinem Daumen herumnuckelte.
      "... Ist das dein Freund?"
      "Varus!"
      Sie sprang entsetzt auf und lief zu ihm.
      "Wie bist du hierher gekommen? Bist du mir etwa gefolgt?"
      Er nickte und wirkte dabei stolz.
      "Hab' dich aus dem Fenster klettern sehen. Ist das dein Freund?"
      Renera erstarrte regelrecht. Wenn ihre Mutter das herausfand! Sie würde sie umbringen!
      "Kann er mal zum Spielen vorbeikommen?"
      Renera blickte sich kurz zu Aradan um, der die ganze Aufmerksamkeit des Jungen auf sich zog. Dann drehte sie sich wieder zu Varus.
      "Du musst mir versprechen, dass du niemand davon erzählst, okay? Das ist jetzt unser Geheimnis, okay, Varus?"
      Varus nickte und sah endlich auch Renera mit seinen riesigen Augen an. Er hatte die Augen seine Mutter, aber sein schwarzes, struppeliges Haar stammte ganz von einem Vater, an den sich Renera nicht erinnern konnte. Sie zog sich kurzerhand den Pelz aus und legte ihn über seine Schultern. Die Nacht war wirklich eisig.
      "Kann ich es Thea erzählen?"
      "Nicht Thea und auch nicht Ella und ganz sicher nicht Mutter! Okay?"
      Sie bemühte sich um einen sanften Tonfall, aber das war bei ihrer Panik ganz schön schwierig. Hilfesuchend sah sie sich nach Aradan um.
      "Dann kommt mein Freund auch zum Spielen vorbei. Okay?"
      "Okay!"
      Varus war sofort begeistert.
    • Für einen Moment verloren sich Beide ins Schwärmen über die Anwesenheit des Wolfes, auch wenn beide nicht verstehen konnten wieso ein solcher hier war. Der musste entweder unglaublich teuer gewesen sein um als Mentor zu dienen oder... es hatte andere Gründe.
      Als Renera aber über ihren Mentor erzählte, hörte Aradan ebenso interessiert zu.
      "Venedik? Hab keine Ahnung was der so macht. Vater hat ihm aber vor einer Weile echt schöne Dolche geschmiedet. Der ist ganz sicher nicht nur ein einfacher Holzhändler. Aber ich finde es beeindruckend worin du unterrichtet wirst. Ganz ehrlich. Ich finde Schwerter einfach merkwürdig. Ich hab mein Ziel lieber klar im Auge, oder gar mehrere Ziele. Aber hey"
      Er lächelte Renera zu
      "Ich lasse mich gerne von dir Unterrichten sobald die Zeit gekommen ist. Mit dir macht mir der Nahkampf immerhin Spaß"
      Es war in dem Moment als er sein Lächeln selbst bemerkte, wie unglaublich erleichtert er endlich war, sich mal alles von der Seele gesprochen haben zu können. Als hätte er einen schweren Rucksack voller Steine endlich abwerfen können.
      Da fiel ihm erst jetzt auf wie hübsch die Kette an Renera wirklich aussah. Sogar das kleine rote Rosenstück funkelte herrlich im Mondlicht, welches hier und da durch die Holzspalten schien.
      Aradan entschied sich dafür Renera nähere Gesellschaft zu leisten. Es kam einfach über ihn. Gemeinsam hätten sie unter dem Pelz ganz sicher nicht mehr gefroren. Denn merkte er ebenso dass seine Haut ebenfalls ziemlich eisig war. Doch kaum als er sich von der Kiste hinunter stieß, ertönte eine neue Stimme. Scheinbar auch zur Überraschung Renera's.
      Vorerst sah Aradan dem ganzen zu. Er war sogar ziemlich baff dass sich scheinbar ein so junges Kind einfach aus dem Haus stehlen konnte ohne für Aufmerksamkeit zu sorgen.
      Es war zwar etwas schade dass dieser Moment nun allem Anschein nach ruiniert war, doch war es auf einer amüsanten Art auch lustig. So kniete sich Aradan zu dem kleinen Varus runter und bestätigte das Angebot von Renera.
      "Klar komm ich vorbei. Aber wie deine schlaue Schwester schon sagt. Nur wenn du nichts erzählst."
      Da legte Aradan seinen Kopf neben dem von Varus um ihm etwas zuzuflüstern.
      "Wir coolen Jungs müssen zusammen halten."
      Danach lehnte sich Aradan wieder zurück und hielt seine Faust auf halben Weg zu Varus hin und grinste
      "Also. Versprochen? Dann schlag zu. So machen das coole Jungs"
    • Varus grinste Aradan breit an. Er hatte ein Lächeln, das sein ganzes Gesicht einzunehmen schien und die riesigen Augen leuchteten auf, als käme das Licht von ihnen selbst. Er schien Aradan geradezu anzuhimmeln, als er ihm die Faust entgegenstreckte und einschlug. Renera lächelte selbst. So geht es mir auch, Varus, dachte sie sich, sagte aber nichts, sondern legte den Arm um seine Schulter. Dann gab sie Aradan einen flüchtigen Kuss.
      "Wir sollten lieber heimgehen. Bis morgen, Ara. Sag tschüss zu ihm, Varus."
      Aber Varus war zu sehr damit beschäftigt ihn anzuhimmeln, also führte Renera ihn sanft aber bestimmt fort. Er starrte Aradan immer noch an, bis sie endlich die Straße erreicht haben und er begeistert Renera ansah.
      "Dein Freund hat die coolsten Augen der Welt!"
      "... Ich weiß."
      Wenn ihre Mutter nur auch von Aradan so angetan wäre.

      Die nächsten Wochen wurden von einem stetigen, aber stressigem Alltag dominiert. Der Unterricht verlangte von ihnen ab, dass sie ihr Theoriewissen in die Praxis umsetzten und Wilk war nicht mehr sehr nachgiebig, was Fehler betraf. Mehr als einmal sagte er ihnen, dass niemand anderes ein Auge zudrücken würden, wenn sie im Kampf einen Fehler beginnen und das rief unter den Schülern mehr Angst hervor, als dass es lehrreich war. Am Abend brachte er den Zusatzschülern den Umgang mit ihren Waffen bei und besonders, wie sie damit zu kämpfen hatten. Er stellte sie stets in einer Gruppe zusammen und verlangte, dass sie versuchen sollten die Kampfhaltungen ihres Nachbarn zu ergänzen, sodass sie einen festen Zusammenschluss bildeten, den weder Monster noch Mann so schnell zu durchdringen vermochte. Sie sollten sich über die Stärken und Schwächen ihrer neuen Waffen bewusst machen und auch über die ihres Nachbarn Bescheid wissen. Ein vollkommener Gruppenkampf bestand darin, dass sie dem Gegner nicht die Möglichkeit boten, über einen von ihnen die Oberhand zu gewinnen. So müsste zum Beispiel ein schneller Kämpfer wie Mira oder Renera Konek Schutz bieten, welcher wiederrum mit seiner Waffe schwere, aber langsame Hiebe verteilte, die die Gegner auf Abstand zu Aradan bringen würden, der sie wiederum mit seinen Pfeilen bombardieren konnte. Sie mussten lernen gegenseitigen Schutz zu bieten, während sie sich auch selbst schützten. Sollte einer der Kämpfer kampfunfähig werden, sollten sie sich darüber im Klaren sein, welche Strategie sie als nächstes verfolgten.

      Danach stand immer noch der Unterricht mit den Mentoren an, der bei manchen besser und bei anderen schlechter verlief. Renera freute sich eigentlich darauf mit Venedik ihre Schwächen auszubessern, aber meist war sie nach Wilk's Ausführungen so frustriert, dass sie es noch nicht einmal fertig brachte, ihre Kampfhaltungen richtig einzunehmen. Venedik war ein äußerst geduldiger Mentor, aber die größte Geduld der Welt konnte nicht verhindern, dass Renera am Ende des Tages nicht noch alles geben konnte.

      Und dann erreichte sie nach einem Monat auch noch eine vernichtende Nachricht. Venedik würde für den Händler eines anderen Dorfes einspringen, der in ein Gefecht mit einer Kreatur geraten war und schwer am Bein verletzt war, was dafür sorgte, dass Venedik die nächsten drei Wochen nicht da sein würde. Wilk erläuterte ihr, dass er in dieser Zeit den Mentor für sie übernehmen würde, aber er sprach nicht aus, was sie beide schon dachten, nämlich, dass ein neuer Mentor kommen sollte. Venedik würde als Ersatzhändler sicher nicht nur drei Wochen wegbleiben und wäre, wenn er denn da war, zu beschäftigt mit seinem Handel. Renera war am Boden zerstört, besonders nachdem Wilk eher auf ihren Fehlern rumhackte, anstatt sie ausbessern zu wollen. Sie vertraute sich Aradan an, der selbst mit seinem schwierigen Mentor immer ein offenes Ohr für sie hatte, aber letztendlich änderte es nicht die Lage. Sie würde einen neuen Mentor bekommen und sie hatte Angst, dass es zu lange dauerte, sodass sie zurücklag.

      Was Wilk ihr nicht erzählt hatte, war die Schwierigkeit überhaupt einen Mentor zu finden. Er war froh darüber gewesen, die vier anderen Schüler gerade noch untergebracht zu haben und noch viel glücklicher war er, als er den Mentor für Aradan beschaffen konnte, aber nun einen neuen zu finden war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es gab viele Kandidaten, die sich besonders im Messerkampf auskannten und sich daher optimal für Renera's Ausbildung eigneten, aber keiner von ihnen hatte die Geduld, oder überhaupt die Zeit, sich um eine auszubildende Kämpferin zu kümmern, mit der man am besten jeden Tag Übungen vollzog. Die meisten hatten Familie, um die sie sich kümmern mussten und selbst Venedik war äußerst skeptisch gegenüber der Idee gewesen, aber er hatte keine Kinder und hatte daher letztendlich zugestimmt. Daher begann die Suche von neuem.
      Unverhoffterweise war es der Mentor, der Wilk fand, als dieser gerade den Übungsplatz räumte. Wilk verdrehte die Augen, als er den Mann anschlendern sah.
      "Willst du mich wieder um Geld bitten? Ich hab' dir schon letzten Monat eins geliehen und es immer noch nicht zurückbekommen."
      "Nein. Ich bin in einer anderen Sache hier."
      "Und die wäre?"
      "Ich möchte die Ausbildung des Elquin Mädchens übernehmen."
      Da war Wilk offenherzig überrascht und richtete sich auf.
      "... Du? Übernimmst eine Ausbildung?"
      "Ja."
      "Das kann ich nicht verantworten."
      "Wieso nicht?"
      "Weil du unzuverlässig bist und kaum in die Gegenwart von Kindern gehörst."
      "Lass' es mich beweisen."
      "Nein. Da gibt es keine Diskussion."
      "Doch. Denn wenn nicht, gehe ich zu Rodon und beschwere mich darüber, dass du einen Mentor suchst, aber keinen Mann haben willst, der zu dir kommt."
      "Rodon wird mich verstehen."
      "Rodon's Vater war mal mein Bürgermeister, er weiß, dass ich einen guten Abschluss gemacht habe."
      "Rodon's Vater ist tot."
      "Siehst du? Ich nicht."
      Der Mann grinste und Wilk verzog die Miene. Aber schließlich erlaubte er ihm eine Demonstration und als sie beide eine Stunde später schwitzend und keuchend die Waffen runternahmen, sah Wilk gequält drein.
      "Ich dachte du -"
      "Ich weiß."
      "Aber du bist den ganzen Tag -"
      "Ich weiß."
      Wilk fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn und rang sich schließlich zu einem Nicken durch.
      "Meinetwegen. Ich werde es Rodon sagen. Wenn er mir sagt, dass ich den Verstand verloren habe, werde ich dich zu ihm schicken, dann kannst du es ihm selbst erklären."
      "Okay."
      "Geh' mir aus den Augen."
      Und damit schlenderte Svenkov mit einem Lächeln auf den Lippen davon, die Hände in die Hosentasche seiner rissigen Hose gesteckt und immer leicht hin und her wippend, als sei er betrunken.
    • Es war die letzte ruhige Nacht. Aradan sah den Beiden noch hinterher und winkte dem kleinen Varus nochmal hinterher als dieser sich umdrehte. Anbei hielt er sich noch leise den Finger vor seinem Mund um Varus erneut drauf hinzuweisen das für sich zu behalten.
      Als sie dann außer Sichtweite waren, setzte sich Aradan noch mal an das Wasser und blickte eine Weile hinein. Er fühlte sich tatsächlich ganz schön erleichtert, wenn auch etwas unruhig. Wenn er darüber nach dachte dass dieser Abend der letzte war an welchem sich Er und Renera diese kleinen Momente stehlen konnten, wurde ihm schon ganz anders. Von nun an hies es wohl dauer Training.

      Und so zeigte der gesamte Monat genau das was Aradan so befürchtet hatte. Der normale Unterricht war noch akzeptabel, auch wenn nun deutlich mehr aktiver Unterricht abverlangt wurde. Doch das extra Training mit Wilk war schon eine ganze Ecke härter als vorher. Aber hey. Wenigstens konnte er so noch Renera sehen. Wäre schon ziemlich mies gewesen wenn die Beiden nicht mit in der selben Gruppe wären. Aber auch die anderen drei erwiesen sich zu Aradan's Überraschung als ziemlich talentiert. Mira war ziemlich flink. Manchmal wirkte es als wäre sie eher eine elegante Tänzerin statt eine möglicherweise verzogene Schneiderstochter. Ebenso fiel sein Urteil über Konek aus. Er war ziemlich kräftig und hatte auch was im Köpfchen. Zumindest sprach er deutlich reifer als Tokiv. Welcher sich für Aradan immer anhörte wie ein Bilderbuch Dorftrottel. Zu guter letzt war dann noch Daria. Ebenfalls ganz nett, auch wenn er mit ihr in dem Monat kaum Kontakt hatte. Das war aber wohl eher dem Zufall geschuldet.

      Doch was nach dem Training mit Wilk folgte, war jeden Tag aufs neue eine Zerreißprobe. Aradan's Mentor war schlicht und einfach verrückt und von einem Wahnsinn zerfressen. So dachte er zumindest nach den ersten 3 Tagen. Und was dieser Mann an Alkohol vertrug war erstaunlich. Er trank harten Whiskey wie Aradan sein Wasser während dem Training und traf die Ziele ständig ohne jede Abweichung. Nur war es ziemlich seltsam dass Aradan seine Präzision in dieser kleinen Hütte zeigen sollte. Das war nun wirklich keine Herausforderung gewesen. Widersprechen wollte er aber nicht. Diese Ehrfurcht die dieser Mann versprühte war einfach nur unglaublich. So einem würde er sicher nicht widersprechen. Zwar sah Aradan meist keinen Sinn in seinen Übungen aber ein Typ wie sein Mentor es war, würde schon wissen was er tut.
      Ab dem vierte Tag war dann aber alles anders. Sein Mentor wartete als die Nacht einbrach vor der Hütte. Er hatte einen schwarzen Kapuzenmantel über geworfen und sah dadurch aus wie ein Meuchelmörder, den mann ganz sicher in keiner Gasse über den Weg laufen wollte. Aradan kam grade an als ihm nur eine offene Hand hin gehalten wurde. Natürlich. Die tägliche Flasche Whiskey. Aradan drückte ihm diese in die Hand ehe er zum folgen angewiesen wurde. Doch die Richtung war gruselig. Es ging außerhalb der Mauern. War das überhaupt erlaubt? Die Wachen sagten nichts. Sie schauten nicht mal hin.
      So kam es dazu dass Aradan's eigentliches Training nun außerhalb der Mauern began.
      Schon ausgelaugt vom ganzen Training über den Tag hinweg, war Aradan immer vollkommen erledigt wenn er das Mentor Training anfangen musste, dennoch wurde ihm nie eine Verschnaufspause gegönnt. Aradan wurde immer behandelt als hätte er grade einen friedlichen und erholsamen Schlaf hinter sich gehabt.
      Das zeigte sich auch über den Tag beim Training von Wilk. Aradan hatte Tag für Tag tiefere Augenringe, schlief aber nie ein. Er bekam noch seine 6 Stunden Schlaf hin, doch war das ganz klar alles andere als genug damit sein Körper mit der Erholung hinterher kam.
    • Renera akzeptierte Svenkov als Mentor nicht. Sie glaubte, dass ganz Melora verrückt sein musste, wenn sie sich mit dem alten Säufer abgeben musste. Das war doch Irrsinn.
      Svenkov schien da ganz gelassen. Er hatte Zuhause auf sie gewartet - nein, er hatte ihr aufgelauert als sie von der Schule zurückgekommen war und sah sie mit diesem dümmlichen Grinsen an. Auf seinen Schoß hatte sich dieses Mal ihr Bruder Tysin verirrt.
      "Nein. Das mach' ich nicht."
      "Wieso nicht? Ich weiß viel. Hab' selbst keine Kinder, denen ich das beibringen kann."
      "Wen wundert das auch."
      "Niemand. Meine Frau ist früh gestorben."
      Renera verschränkte die Arme vor der Brust. Jetzt kam sie sich blöd vor, aber das änderte nicht die Lage.
      "Ich werd' mir von dir nichts beibringen lassen."
      "Doch."
      "Nein."
      "Doch."
      "Nein."
      Er seufzte. Es war ein kehliger Laut.
      "Ich hätte mich niemals für jedes beliebige Kind eingesetzt, dafür gefällt mir mein Leben hier viel zu gut. Aber deine Mutter ist eine sehr einzigartige Frau und sie hat mir erzählt, was du in Erathis getan hast."
      Renera schürzte die Lippen. Er und ihre Mutter redeten miteinander über nicht widerliche Sachen? Das konnte sie sich nicht vorstellen, zumal sie Svenkov seit seinem ersten Besuch nicht mehr gesehen hatte. Sie mussten sich woanders ständig getroffen haben.
      "Was hab' ich denn bitte in Erathis getan?"
      "Du hast deine kleine Schwester auf den Rücken genommen, dir deine Brüder unter die Arme geklemmt und bist mit ihnen bis zum Tor gelaufen. Erathis war zwar nicht so groß wie Melora, aber das ist eine ordentliche Strecke für eine 11-jährige. Und dann bist du nochmal zurückgelaufen, als deine andere Schwester dich in der Masse verloren hatte und hast sie auch noch aufgesammelt. Das hätte ich mich in deinem Alter sicherlich nicht getraut."
      Renera betrachtete ihn ärgerlich, sagte aber nichts.
      "Das hast du alles ohne ein Training in Melora gemacht und wenn es nach mir ginge, hätte man dir schon bei deiner Ankunft einen Mentor geben müssen. Aber ich hab' schließlich nicht das sagen. Ich bin nur der alte, betrunkene Schafhirte."
      Er grinste und Renera fragte sich augenblicklich, ob er tatsächlich das war, was er vorgab zu sein.
      "Ich weiß was du brauchst, Mädchen, und das ist weniger dein Gehirn und mehr dein Instinkt. Ich werd' dir nicht diese komischen Kampfhaltungen beibringen, die Wilk euch lehrt, weil ich davon nämlich nichts verstehe. Ich werd' dir aber zeigen, wie du deinen Körper so einsetzen kannst, wie du es in Erathis gemacht hast. Einverstanden?"
      Renera war noch immer nicht begeistert, aber was sollte sie denn anderes sagen? Der Unterricht bei Wilk war jedenfalls zu anstrengend, um ihn weiter gut zu heißen und lieber würde sie sich von Svenkov unterrichten lassen, als noch einmal einen Monat lang warten zu müssen.
      Also nickte sie.
      "Schön. Als erste Lektion wirst du dir deine Waffen nehmen und sie nicht wieder aus der Hand legen, bis ich es dir sage. Nur beim Schlafen vielleicht."

      So kam es, dass Renera die nächsten Tage mit ihren beiden Kurzschwertern in den Händen herumlief wenn sie am Unterricht teilnahm oder wenn sie Besorgungen erledigte. Wilk sagte dazu nichts, doch sie wünschte, er würde etwas sagen. Sie nahm die Schwerter lediglich aus der Hand, wenn sie abends ins Bett ging, aber sonst musste sie ihren Alltag darum herum gestalten. Das war mehr als ärgerlich. Und nicht nur das, Svenkov verschwand auch wieder wo auch immer er sonst steckte und schien nur dann aufzutauchen, wenn sie seine "Lektion" missachtete und die Waffen weglegte. Er war überall, aber auch gleichzeitig nirgendwo. Es reizte sie.
      Seine darauffolgenden Lektionen waren nicht besser. Er schien das Reden zu lieben, denn jede Lektion leitete er mit einer ausführlichen Geschichte darüber ein, was für Renera das beste sein sollte, was er selbst erfahren hatte, wie er zu dem Schluss gelangt war und beendete das ganze mit irgendwelchen merkwürdigen Weisheiten. Als nächstes sollte sie mit ihren Waffen alltägliche Aufgaben erledigen. Sie sollte mit ihnen essen, Körbe auf ihnen balancieren, das Schnitzen mit ihnen lernen und sich Tricks mit ihnen ausdenken, um Cilla zum Lachen zu bringen. Eine ganze Woche ging allein für die Tricks drauf, bei dem sie sich auch noch selber in die Finger schnitt, weil sie die Schwerter versuchte auf den Fingerspitzen zu balancieren. Svenkov war von den Schnitten ganz begeistert, als sie ihm das nächste Mal begegnete.
      Er brachte ihr auch das Kämpfen bei, aber weniger wie sie zuzustechen hatte, und mehr wie sie sich mit den Schwertern zu bewegen hatte. Seine eindringlichste Lektion war, dass die Schwerter ein Teil von ihr sein mussten. Sie waren ihre verlängerten Arme, mit denen sie den Feind umspielen musste, ohne ihn direkt anzugreifen. Ein direkter Angriff konnte abgewehrt werden, ein Angriff der durch eine Bewegung getarnt war, war viel schwieriger als eben solcher zu erkennen. Also lernte sie sich in den nächsten Wochen zu bewegen.

      Drei Monate vergingen mit diesem Training, das Renera gar nicht wie Training vorkam, sondern eher wie ein Tanzunterricht. Mit jeder verstreichenden Woche wurde dafür Wilk umso fordernder und seine Unterrichtseinheiten umso anstrengender. Er hielt lange Ansprachen und hatte weniger Geduld für ihre Fehler. Eines kühlen Tages, an dem man bereits den Jahreswechsel spürte, redete er erneut darüber, dass das Leben außerhalb der Mauern hart war und niemand auf sie Rücksicht nehmen würde. Sie waren im Unterricht Übungskampf.
      "Ich will keine einzige Ausrede von euch hören, ob ihr die Waffen richtig haltet oder der Boden zu rutschig war oder euer Gegenüber zu fest zugeschlagen hat! Sowas gibt es bei mir nicht mehr! Ihr gebt euer bestes, denn da draußen geht es um euer Leben!"
      Er marschierte mit großen Schritten vor ihnen auf und ab, aber nun blieb er stehen.
      "Die fünf unter euch, die sich einer viel größeren Herausforderung stellen, beherrschen schon komplexe Schrittfolgen, während ihr bei den Kampfhaltungen versagt! Ich will zwei von euch fünf hier vorne haben, damit ihr den anderen endlich zeigt, was es heißt zu kämpfen! Aradan - du mit deinen Bogen, nimm dir die die Übungspfeile! Renera - nimm dir deine Schwerter und pack die Klingen in den Übungsschutz. Bewegung, ihr zwei! Kämpft bis zum ersten Treffer!"
    • Schon 3 Monate.. es waren schon 3 Monate.. waren es schon 3 Monate? Aradan wusste es nicht. Aber Wilk erwähnte es, also wirds wohl gestimmt haben..
      Aradan war ein körperliches Wrack. Er stand nicht mehr so gerade wie üblich und auch seine Energie geladene Art war überall außer in seinem Körper. Seine Haare waren zerzauselt, seine Kleidung sah ziemlich verwaschen und leicht beschmutzt aus, franzte an den Ärmeln sogar etwas auf. Dazu kam dass er neuerdings keine schwarzen Handschuhe mehr trug, sondern Bandagen bis hoch zu den Ellbogen. Dennoch waren die Knöchel aufgescheuert und wiesen klar altes Blut auf.
      Aber was solls. Er würde tun was Wilk verlangte. Alles kam ihm langsam wie Erholung vor solange Quin nicht in der Nähe war. Also schleppte sich Aradan zu einen der Übungsbogen, da er seinen nicht dabei, und legte sich diesen über die Schulter. Grob packte er sich dazu noch ein paar Pfeile und schlenderte wieder zurück und wartete auf Wilk's nächsten Befehl.
      Aradan spitzte die Augen als er den Auftrag hörte. Kämpfen bis zum ersten Treffen hm? Na gut wie er will.
      Sein Blick wandte sich Renera zu, welche schon in die aufgeforderte Position ging. Aradan selbst stand nur so da. Die Pfeile noch immer in seiner Hand und leicht zur Seite geneigten Kopf, als würde er auf Renera warten. Sein Ausdruck war dabei jedoch vollkommen leer. Er war weder angespannt, noch nahm er irgendeine Haltung ein.
    • Renera stellte sich in einiger Entfernung zu Aradan auf. Sie sollte gegen einen Bogenschützen kämpfen? Das war doch eher untypisch. Allerdings beunruhigte sie viel eher Aradan's Gestalt und wie er sich dort vor ihr auf den Beinen zu halten versuchte. Sie hatten sich in den letzten Wochen viel zu selten gesehen und jetzt erkannte sie auch erst, in was für einem Zustand er sich befand. Und gegen ihn sollte sie kämpfen? Er sah so aus, als würde er jeden Moment selbst umfallen.
      Sie hatte ihre Waffen zur Hand, sie waren bereits zur Standardausstattung geworden. Der Schutz legte sich über die Klingen, sodass sie niemanden verletzen würden. Sie stellte sich in Sturmhaltung auf, obwohl Svenkov betonte was für ein Unsinn das war, und hielt die Klingen gekreuzt vor sich. Ein letzter Blick ging in Richtung Wilk, der finster dreinblickte, und dann schoss sie los. Die eine Klinge hielt sie vor das Gesicht, die andere zur Seite ausgestreckt, bereit dazu, den Schwung zu nutzen, um sie bei ihrer Ankunft bei Aradan auf ihn lossausen zu lassen.
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