[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Entgegen Gedmir's leisen Flüchen, war Marudan stets darauf bedacht vorsichtig und leise exakt die selben Schritte zu machen wie Cetra. Er kannte sich in diesen Tiefen des Waldes nicht genug aus um auf anderen Weg sicher zu laufen. Eine Eigenschaft die Gedmir in Zukunft noch lernen musste. Genau wie die Redseligkeit von Eredik, welcher ihm schon wieder etwas fragen musste.
      Der Situation geschuldet, empfand Marudan die Frage an sich aber ganz und gar nicht unangebracht. Solange der Schwertkämpfer daraus seine Lehre ziehen könnte und eventuell mehr Vorsicht walten lies, wäre es ein guter Tausch an Informationen gewesen.
      So sprach Marudan bedächtig und laut damit es alle hörten aber leise genug damit es nicht weiter als bis zum nächsten Busch ging.
      "Keine Ahnung was man in den Märchen erzählt.. So etwas interessiert mich nicht."
      Ein Moment verging, was die meisten neugierigen Zuhörer wohl als Antwort akzeptierten, nichts über die Schlacht zu erfahren. Doch dann überwand er sich.
      "Sie war blutig. Inspirierende Worte des Hauptmanns. Kriegsschrei. Entschlossener Ansturm... Blut. Körperteile. Hilferufe. Brechende Knochen. Freunde und Kameraden dessen letzte Blicke nach verzweifelter Hilfe rufen. Hilflosigkeit. Das war der Yorak Pass. Das hast du verpasst."
      Bedächtig schritt Marudan voran und hielt während seiner Worte stets die Augen überall um sich herum.
      Kommt eins dieser Dinger auf dich zu ist dein erster Instinkt ihm das Schwert entgegen zu halten. Oder dein Schild. Sei nicht so dumm wie die erste Front. Schilder werden samt Hand gefressen. Schwerter haben die Wirkung eines Splitters. Selbst zwischen den Augen dieser Kreaturen. Solange der Kopf auf den Schultern ist, blickt ihr eurem Tod entgegen. Seid ihr unachtsam oder beschwert euch zu viel!..."
      letzteres ging klar in Gedmir's Richtung
      "... riskiert ihr das Leben aller."
      "Ssscht!"
      Cetra stoppte den kleinen Geschichtsausflug und hielt die Truppe an. Handzeichen übernahmen nun die Worte, welche der Truppe deutlich machte, dass sie Fußabdrücke eines Läufers auf dem Boden sah. Sie waren sehr frisch und es schien als würde dieser Läufer humpeln. Eventuell ein überlebender Läufer des Vorfalls? Aber seit wann flüchteten diese Dinger wenn sie verletzt waren?
      Marudan verlor keine Zeit und legte beinahe Lautlos seinen Rucksack auf den Boden und öffnete die große Lasche am oberen Ende. Kurz darauf machte es Sinn dass Marudan eine Ärmellose und mehr Lederne Rüstung trug. Denn seine Wahl der Waffen waren fein geschmiedete, komplett Arm einnehmende Fäustlinge, die man in diesem Fall wohl eher schon spaßhaft als Armlinge bezeichnen konnte. Die Fäuste selbst waren gespickt mit spitzen und hatten die künstlerische Form von Bärenköpfen. Diesen Schmied wollte man sich ganz sicher nicht zum Feind machen.


      Alles geschah viel zu schnell als dass Aradan realisieren konnte was grade passiert war. Erst als er das Blut aus Renera's Nase laufen sah, zog er scharf die Luft an und wollte am liebsten sofort zu ihr laufen um alles wieder gut zu machen, wären da nicht diese Gefühl von Eis in seinen Beinen, welches ihn daran hinderte sich zu bewegen. Erst als Wilk zornig seinen Namen äußerte, besinnte er sich wieder etwas und stolperte dabei etwas nach hinten.
      "Ich.."
      Seine Stimme zitterte leicht bis sich alles in ihm gegen Wilk richtete
      "Das ist nicht meine Schuld! Tokiv hat mich auch..."
      "SCHLUSS!!"
      unterbach Wilk direkt die Ausflüchte.
      "Du tust was ich sage!"
      Kurz sah er Renera in die Augen um zu prüfen ob sie auch selbst laufen kann, sah aber keinen Grund dafür dass sie es nicht könnte.
      "Sollte sie schwanken, will ich dass du sie trägst. Sollte ich hören dass Renera auf dem Weg irgendwo hin gefallen ist, gibt es richtig Ärger!"
      Aradan seufzte bewusst laut damit es auch jeder hören konnte und er Wilk seinen Widerspruch ohne Worte kund tun konnte. Es blieb ihm aber nichts anderes übrig als zu tun was von ihm verlangt wurde. Zwar lag ihm selbst viel daran Renera sofort zu helfen aber nicht unter dem Befehl von Wilk.
      Er half der nun doch weinenden Renera auf und sorgte mit fast schon übertriebener Fürsorge dafür dass ihr auch kein Stein in den Weg kam. Den ganzen Weg über brachte er kein Wort raus, auch wenn er sich innerlich bis zum Haus schon mindestens 1000 mal dafür entschuldigt hatte.
      Wie es der Zufall wollte stand Reona sogar auf der Straße vor dem Haus und begutachtete die Eingangstür des Schmiedeladens als würde sie etwas planen. So merkte sie schnell wie die beiden Kinder auf sie zu kamen. Es dauerte nicht lang bis sie merkte wie Renera weinte und sich die Hände immer wieder um die Nase legen wollte, diese dann aber nicht berührte. Dass Aradan ihr zu winkte um nach Hilfe zu bitten, bemerkte sie gar nicht da ihr Fokus nur auf Renera lag. Ihr direkt entgegen schnellend, hob sie Renera hoch und brachte sie nach Momo ins Krankenhaus. Die Beiden waren schon ein gut eingespieltes Team was allerlei Verletzungen betraf. So wusste Momo natürlich schnell dass es sich um eine gebrochene Nase handelte und es eher darum ging Renera die Schmerzen zu nehmen, was wohl entspannter war als um das Leben eines Patienten zu kämpfen.
      "Meine Güte. Was habt ihr denn getrieben?"
      meinte Momo während sie schon eine Binde mit einer dickflüssigen weißen Masse durchnetzte.
      "Ich hielt bei den Übungen von Wilk den Ellbogen zu hoch..."
      Reona seufzte. Sie musste ernst wirken, dabei war das glücklicherweise nur ein kleiner Unfall.
      "Gut. Renera? Kein Grund besorgt zu sein. Das wird bald schon nicht mehr zu sehen sein. Deine Nase wird wieder genau wie sie vorher war. Der Vorteil bei einem so schönen Bruch ist, dass keine Narbe zurück bleibt"
      Sprach Reona ihr beruhigend zu und zwinkerte ihr mit einem Auge zu.
      "Ich muss dir die Nase nur kurz richten, dann wird sie kein bisschen mehr weh tun. Nur erschreck dich nicht. Wenn sie wieder an Ort und Stelle ist, wird wohl ein bisschen Blut hinaus kommen. Das ist aber vollkommen normal. Okay? Gut. Ich werde von 3 runter zählen und dann..."
      Knack
      Während der ablenkenden Erklärung schlich sich schon Momo leichtfüßig von hinten an und richtete die Nase noch während der Erklärung. Wahrlich ein eingespieltes Team. Sogar Aradan war überrascht wie schnell das ging. Mindestens genau so überrascht über die plötzliche Menge an Blut die ihr aus ihre Nase kam.
      Seiner Mutter und Momo dabei zusehend wie eine Hand in die andere Spielte, war einfach nur beeindruckend. Sogar das Blut lief direkt in eine Schüssel die seine Mutter während ihrer Erklärung schon unter das Kinn von Renera hielt.
      "Das war es schon. Hast das schlimmste hinter dir mein Schatz"
      Meinte Reona zu Renera als das Blut auch schon schnell aufhörte zu fließen. Direkt danach rieb sich Reona eine Kräutermischung auf die Daumen und fing damit an die Schläfen der kleinen Patientin zu massieren. Es war ein schnell wirkendes Mittel dass Schmerzen beinahe sofort für einen kurzen Zeitraum nehmen konnte. Genug zeit um Renera den matschig milchigen Verband auf die Nase zu legen und darüber einen Verband zu binden.
      "Und schon sind wir fertig. Keine Sorge. Das matschige Zeug wird in wenigen Augenblicken knochen hart sein. Aber bitte fummel daran nicht rum, auch wenn es jucken sollte."
      Sprach ihr nun wieder Momo zu.
      Aradan selbst stand einfach nur räudig dort und wusste nicht wohin mit seinen Händen oder seinem Blick.
    • Die Truppe nahm auf Cetra's Zeichen hin Formation an. Marudan blieb vorne, Eredik stellte sich nach hinten und die beiden Bogenschützen blieben in der Mitte. Die Taktik war recht simpel: Die Nahkämpfer würden die Kreatur auf sich lenken und den Schützen damit ermöglichen, sie von hinten zu erwischen. Die Realität war allerdings schwieriger als das, aber solange sie nicht wussten, mit wie vielen sie es zu tun hatten, würden sie sich erstmal darauf verlassen müssen.
      Cetra untersuchte die Spuren so genau sie konnte, dann richtete sie sich lautlos auf und bewegte sich nicht mehr. Ein paar Sekunden lang verursachten alle fünf kein Geräusch mehr, ihre Körper erstarrt, ihre Atem flach gehalten, sodass nur noch die Geräusche der Natur zu hören waren. Die Blätter bewegten sich manchmal in der leichten Brise, jetzt konnte man auch ein Kleintier im Gebüsch hören, irgendwo surrten Insekten. Cetra wartete noch einen Moment, dann gab sie wieder ein Zeichen und die Gruppe setzte sich langsam wieder in Bewegung. Mit der größten Vorsicht nicht auf Blätter oder Zweige zu treten, bewegten sie sich in Richtung der Spuren, langsam und konzentriert, die Fußstapfen des Vordermanns nehmend, soweit es nur möglich war. Dann erstarrten allesamt, als es vor ihnen laut knackte, gefolgt von mehreren stampfenden Geräuschen und dem Rascheln vieler Blätter. Cetra beförderte sich sofort mit einem riesigen Schritt zur Gruppe und zog selbst ihre Waffe, während die anderen sich schon darauf zuwanden. Eredik trat wieder neben Marudan und nahm die Sturmhaltung an. Wie zur Warnung stob ein Vogelschwarm aus den Baumkronen vor ihnen, dann ertönte ein lechzendes, knurrendes Geräusch und ein Läufer brach vor ihnen aus dem Gebüsch. Er hatte die Gestalt eines Menschen, war ein bisschen größer als Marudan und besaß zwei übernatürlich lange Arme. Sein Gesicht bestand aus einem Maul, das mit messerscharfen Zähnen bestückt war und das er so weit aufgerissen hatte, dass ein ganzer Kopf hineingepasst hätte. Zwischen seinen Vorderzähnen stob weißer Schaum hervor als er auf sie zugeprescht kam, den Oberkörper nach vorne gebeugt, die Arme bereits ausgestreckt. Man hätte meinen können der Wald um ihn herum würde seinen Anlauf eindämmen, doch er schien sich nicht um die Unebenheiten des Bodens kümmern zu müssen und Äste, die ihm gegen den Körper schlugen, brachen einfach weg oder blieben sogar stecken. Allerdings schien er tatsächlich verletzt zu sein: Sein linkes Bein schien nicht ganz so stark wie das rechte und so wirkte es, als ob er bei jedem zweiten Schritt gleich einknicken würde, was seine ganze Gestalt eher grotesk wirken ließ. Außerdem schien der linke Arm ein wenig tiefer zu sein als der rechte, doch es war nicht abzusehen, ob es am Arm selbst oder der Schulter liegen mochte.
      Die beiden Schützen legten sofort jeweils einen Pfeil an und schossen, doch zwei Pfeile würden die Kreatur noch längst nicht zu Fall bringen. Die Gruppe sprang auseinander und teilte sich auf, sodass jeder den größtmöglichen Abstand zu seinem Nachbarn einhalten konnte. Der Läufer schien sich kurz orientieren müssen, rollte im Laufen seinen Kopf herum, und rannte schließlich direkt auf Valia zu, die furchtlos die Zähne zusammenbiss und ihren nächsten Pfeil einlegte. Ihr Vertrauen in die Gruppe bestärkte sie in ihrem eigenem Vorhaben und so spannte sie die Sehne, zielte mit ruhigen Händen und schoss ein weiteres Mal. Der Läufer war nahe genug, um sie in wenigen Moment mit seinen Armen zu erwischen.

      Renera ließ sich von Aradan ins Krankenhaus bringen und die Behandlung über sich ergehen, wobei sie mehr damit beschäftigt war zu weinen aufzuhören, anstatt die Schmerzen zu stoppen. Zu ihrem größten Leid war die Behandlung doch nochmal schmerzhafter als der Unfall und sie heulte ein weiteres Mal auf, als die Ärztin ihre Nase wieder zurechtrückte. Glücklicherweise ging es nun aber deutlich besser und sie konnte sich endlich soweit in den Griff kriegen, dass sie ihre Tränen stoppte und versuchte, nicht mehr zu zittern. Jetzt konnte sie auch Aradan sehen, der wie ein nasser Hund in der Ecke stand und auf seine Bestrafung zu warten schien. Oder war ihm das etwa peinlich? Sie konnte es nicht einschätzen.
      "Ich denke für heute ist es genug mit Unterricht, meinst du nicht auch?", fragte Momo mütterlich und tätschelte ihr das Haar, während Reona die Mischung wegräumte. Renera hätte ihr gerne das Gegenteil gesagt, aber sie traute sich nicht, an diesem Tag ihren Klassenkameraden wieder gegenüberzutreten.
      "Aradan bringt dich bestimmt nachhause. Nicht wahr? Ist deine Mutter Zuhause?"
      "W-Weiß nicht." Sie schniefte und versuchte sich zusammenzureißen. Die Schmerzen waren fast vollständig verschwunden, aber der Verband juckte tatsächlich.
      "Ich sage ihr wo du bist, wenn ich sie sehe. Also? Hop hop, bevor Wilk euch noch sieht und zu Strafrunden verdammt."
      Renera vergewisserte sich, dass Aradan noch da war, und ging schließlich raus. Schweigend legten sie den Weg zum Markt zurück, gingen an der Brücke vorbei und die Straße am Fluss entlang. Renera beruhigte sich mit jedem weiteren Schritt, doch stieg auch ihre Wut dabei. Ihre Wut auf das Mädchen, auf Wilk und auf die dummen Übungen, die sie ständig machen sollten. Schließlich hielt sie es selbst nicht mehr aus.
      "Ich find den Unterricht bei Wilk scheiße. Das wär' gar nicht erst passiert, wenn wir nicht sowas dummes üben müssten. Was bringt es uns denn uns bewusst umschubsen zu lassen? Ich dachte wir sollen die Monster gar nicht erst so nahe herankommen lassen, damit sie uns umschubsen lassen. Dann müssen wir das auch gar nicht trainieren."
      Sie blickte über den Fluss hinweg zum Wald und zeigte in den Himmel auf einen Vogelschwarm, der daraus hervorflog.
      "Siehst du die Vögel? Das haben wir Zuhause gelernt, Hauptsache Vögel beobachten. Die da sind aufgescheucht, weil sie erst hoch und dann wegfliegen. Wenn ich da draußen wäre, würde ich die Orte meiden die sie meiden und dorthin gehen, wo sie hingehen. Ich müsste gar nicht erst lernen wie ich richtig stehe, wenn ich auch niemandem begegne."
      Sie grummelte ein wenig vor sich hin und stampfte beleidigt auf. Sie näherten sich ihrem Haus, dem einzigen Haus in Melora, bei dem man zu jeder Tageszeit ein Kind auf der Straße sehen konnte. Bei dem guten Wetter waren sogar drei draußen, die sich gegenseitig ärgerten.
      Renera blieb in einiger Entfernung stehen, als würde sie nachdenken müssen, und drehte sich schließlich zu Aradan um. Die Kinder in der Entfernung hatten die beiden noch nicht bemerkt.
      "Du kannst das doch, oder nicht? Diese Verteidigungshaltung. Kannst du sie mir nicht beibringen? Dann muss ich mich nicht nochmal blamieren."
    • So schnell wie die Situation doch zu einem unerhofften Einsatz ihrer Taktik kam, waren es wohl größtenteils die Reflexe aller, welche die Haltung und den Abstand in solch einer Geschwindigkeit haben ausüben lassen. Es war beinahe Fatal, wie sich Marudan kurz darauf dachte. Andere Herangehensweisen wären in dieser speziellen Situation deutlich besser gewesen aber er war einfach schon viel zu lange nicht mehr auf dem Schlachtfeld gewesen um eine solche Situation schnell genug zu adaptieren. Es kam sogar so weit, dass der Läufer sich nun Valia zum Ziel nahm.
      "Verdammt!"
      Stieß er aus und löste sich aus der einstudierten Sturmhaltung, da das Monster nun nicht mehr wie geplant agierte. Nun galt es zu improvisieren um Valia zu retten. So schnell Marudan nur konnte, studierte er vor seinem inneren Auge die Gestalt des Läufers. Verletztes Bein, mittelgroßes Maul bei einem eher schweren Körper. Das bedeutete klar dass die Schwachstelle dessen Schwerpunkt war, so rannte er dem Läufer flankierend entgegen und rief
      "VALIA! GEDMIR! Das Knie! Schießt auf das Knie des gesunden Beins!"
      Kaum ausgesprochen, fand Valia's Pfeil direkt sein Ziel. Direkt zeigte es Wirkung. Der Läufer humpelte noch mehr als zuvor. Dann traf der Pfeil von Gedmir. Der Ansturm des Läufers stoppte für einen Augenblick damit es einen tiefen, finsteren Schrei hinaus brüllen konnte und sich zu Gedmir umdrehte. Perfekt. Marudan ergriff den Moment sofort und hechtete dem Wesen auf Beinhöhe entgegen als würde er eine flinke Katze schnappen wollen, doch war es in diesem Moment eher so, dass er aus vollem Flug und heran sausenden, weit ausgeholtem Schlag mit seiner Waffe beide Beine des Läufers zertrümmerte, ja sogar das angeschossene Bein zur Hälfte vom Fleisch trennte.
      Erfahren wie er war, rollte er sich daraufhin ab um direkt wieder auf den Beinen zu stehen statt flach auf dem Boden zu liegen. Mehr noch. Er hatte das Bein des Monsters direkt gepackt bevor es reagieren konnte und brüllte laut wie ein Bär, spannte dabei jeden Muskel in seinem Körper auf das Maximum an und schleuderte das Monster heftig mit dessen Seite gegen einen Baum, was das Monster erneut aufschreien lies.
      Gefährlich wie diese Monster nun mal waren, blieb kein Augenblick Zeit um sich zu sammeln. Sofort riss sich der Läufer mit den Armen herum und nutzte seine Kraft um auf Marudan zu springen, welcher bei dem Versuch auszuweichen über eine dicke Wurzel nach hinten stolperte und direkt mit dem Rücken auf den Boden landete und dem heran fliegenden Läufer auf sich zu kommen sah. Ein würdiger Test seiner Arm Waffen, welche er schützend vor sich hielt. Unmittelbar danach verbiss sich die Kreatur in dessen gepanzerten Arme. Doch was zuvor in der Schlacht vom Yorak Pass dafür gesorgt hätte seine Arme direkt los zu sein, schaffte es das Monster einfach nicht sich durch Marudan's Erfindung durch zu beißen. Im Gegenteil. Hier und dort brachen doch tatsächlich Zähne des Monsters ab ehe Eredik die Distanz ebenso geschlossen hatte und mit seiner Schwertkunst dafür sorgte, dass dieser Läufer fortan auch keinen Nutzen mehr für seine Arme hatte. Gefolgt von dem Einsatz aller in der Truppe um das Wesen von Marudan hinunter zu ziehen und einen guten Meter von sich zu werfen. Dort zappelte und brüllte es herum als wolle es nach wie vor nichts mehr als wieder anzustürmen, doch konnte er mit den gebrochenen Beinen und abgetrennten Armen keinen Weg zurück legen, außer es würde lernen sich mit der großen Zunge weiter zu bewegen.


      Aradan widersprach keinem einzigen Befehl und erfüllte auch jede Bitte ohne etwas zu sagen. Zwar war ihm der Anblick von Renera sehr unangenehm mit ihrem jetzigen Gesicht und er hätte nun alles lieber getan als sie nach Hause zu begleiten aber er wusste genau dass diese Situation nur aus seinem Fehler heraus entstanden war, also nickte er auch diese Bitte ab und begleitete Renera. Die ganze Zeit über erwartete er dass sie ihn jeden Moment anbrüllte und zurecht beschuldigen würde. So zuckte er auch leicht zusammen als sie plötzlich zu wettern begann. Zu seiner Verwunderung galt ihre Wut aber gar nicht ihm, sondern dem Training selbst? Die Erleichterung war ihm ins Gesicht geschrieben auch wenn er nicht ganz nachvollziehen konnte warum Renera das Training als so Sinnlos betrachtet hatte. Direkt schluckte er die Antwort hinunter dass die Trainingsmethoden ihres Dorfes dazu geführt haben dass sie nun hier ist. Hätte er das gesagt, wäre der Zorn ganz sicher auf ihn über gegangen. Stattdessen hörte er einfach nur zu und bemerkte wie sie wohl alles andere als nach Hause wollte.
      Er bemerkte all die Geschwister von Renera und verstand recht schnell. Einerseits fand er es immer schade keine zu haben, doch wenn er sich ausmalte wie Renera ständig für alle sorgen zu müssen, war er doch wiederum ganz froh darüber keine Geschwister zu haben. Auf ihre Frage hin nickte er sofort. Diesen Tag hätte er Ihr aus Reue ohnehin jeden Wunsch erfüllt.
      "Selbstverständlich helfe ich dir. Komm mit"
      Direkt ging es in einen Seitenweg hinein um die Hauptstraße zu vermeiden. Vorbei an mehreren Hinterseiten der Häuser und Gassen, befanden sie sich schnell auf den Viehfeldern, welche er komplett bis kurz vor dem Nordwall durchlief.
      "Hier wird uns keiner so schnell sehen und der alte Svenkov wird zu dieser Zeit wohl eh betrunken sein. Zumindest meint Vater dass er meist betrunken auf einem Stein schläft..."
      Aradan stellte sich auf die Fußspitzen und versuchte den Stein in der Menge der Schafe zu finden. Einen Augenblick später erblickte er tatsächlich den alten Svenkov wie er auf dem Stein saß, mit einer Flasche in der Hand, scheinbar mit sich selbst redend.
      "Sehr gut."
      meinte er gelassen und sah Renera an. Bei dem Anblick überkam ihn direkt wieder ein Schuldgefühl, was ihn doch etwas erröten lies und dennoch ging er auf sie zu.
      "Ehm. Okay. Wobei hast du denn Probleme? Dein Versuch mich zu stoßen war doch ziemlich kräftig. Es war tatsächlich nicht deine Schuld... Ich hatte meinen Ellbogen zu hoch wegen diesen doofen Tokiv... Der hat sich einfach nicht zurück gehalten und ist größer als ich.. Das war einfach nur unfair.. dummer alter Wilk! Wir könnten viel besser trainieren wenn..."
      Da kam ihm eine Idee von welcher er hoffte dass Renera einverstanden wäre
      "Du... Was meinst du. Wollen wir öfter mal zusammen trainieren? Wir könnten unser eigenes Tempo vorlegen und.. ich weiß auch nicht.."
      Mehr Zeit miteinander verbringen. Das waren die Worte die er letzten Endes nicht mehr aus sich heraus bekam. Dennoch war er auf ihre Antwort gespannt.
    • Eredik war schnell zur Stelle, um dem Biest ein Ende zu setzen. Mit einem einzigen, wohlgezielten Schlag seines Schwertes trennte er erst den Kopf ab und schnitt dann den Körper in zwei Teile. Der Läufer, der bis dahin noch versucht hatte sein Bein zu erreichen, wurde mit einem Schlag still und verwandelte sich in einen Haufen dunklen, leblosen Fleisches. Eine Flüssigkeit tropfte von seinem Körper, die so dunkel wie das Fleisch selbst war und so aussah, als könnte sie das Blut sein. Sie sammelte sich auf dem Boden darunter.
      Cetra war als erste zur Stelle um Marudan eine Hand zu reichen. Allerdings galt ihre Aufmerksamkeit eher seiner Rüstung und auch Valia, die herüberkam, hatte einen staunenden Blick drauf, während sie seinen Arm betrachtete. Mittlerweile hatten sich auch die anderen wieder gefasst und sammelten sich um ihn herum.
      "Ein Glück dass wir den Schmied dabei hatten!", gluckste Gedmir und auch Eredik klopfte Marudan auf die Schulter.
      "Das war eine wirklich gute Leistung. Was anderes hätten wir gar nicht erwarten können."
      "Was ist das für eine Rüstung, Marudan?", fragte Cetra geradeheraus. In ihrer Stimme schwang Ehrfurcht mit.
      "Wenn wir alle so eine hätten, bräuchten wir uns überhaupt keine Sorgen mehr machen. Dann könnten wir die Kreaturen sogar zurückdrängen, anstatt uns immer nur zu verteidigen."
      Das Thema regte eine Diskussion an, die sich mit der benötigten Ruhepause vermischte. Bald ermahnte sie Cetra allerdings, dass sie noch immer ein Stück vor sich hätten und sich nicht darauf verlassen könnten, dass dieser eine Läufer schon die ganze Gefahr gewesen war. Also begaben sie sich bald in ihre Formation zurück und bewegten sich wieder vorwärts.
      Gegen Nachmittag erreichten sie die andere Seite des Waldes. Es wurde dort zunehmend tiefer, die Gruppe musste einen rutschigen Hang hinunterklettern, und die Bäume standen weiter. Das hatte zum Vorteil, dass sie weiter sehen konnten, allerdings mussten sie auch damit rechnen, selbst schneller gesehen zu werden. Cetra führte sie an, immer vorsichtig, und erreichte bald den Waldrand, an dem der Boden einigen steinigen Untergründen Platz machte und bald in eine wilde Vegetation überging. Das Gras hier war beinahe Hüfthoch und beherbergte einige Pflanzen, die sich mit farbenfrohen Blüten dazwischen zeigten. Der Boden fiel hier weiter ab, bevor er auf der anderen Seite wieder aufstieg und den Rest der Welt hinter den Hügeln versteckte, die sich am Horizont aufbauten. Das Tal.
      Die Truppe blieb im Schutze der letzten Bäume stehen und überblickte die abfallende Landschaft vor ihnen. Vereinzelte Bäume sorgten sonst dafür, dass es hier eine rege Tierwelt gab, doch im Moment war alles ausgestorben. Alles, bis auf eins.
      Drei Läufer streunten im Tal herum, dicht zusammen und doch nicht so dicht, dass man sie als Gruppe hätte sehen können. Der eine war vergleichsweise klein, dünn noch dazu und schien, wenn man menschlichen Maßstäben folgen wollte, jung zu sein. Der andere war mittelgroß gewachsen und massiv, ebenso der dritte, der allerdings besonders durch seinen übergroßen Kopf auffiel. Das gewaltige Maul, das sich dort öffnete und schloss und seine riesigen Zähne fletschte, war sogar für die Maßstäbe eines Läufers groß. Obwohl er nicht so breit war wie der andere, fiel er allein deswegen unangenehm auf.
      Die fünf verharrten regungslos, ehe Cetra sie auf ein Zeichen hin zum Rückzug drängte. Vorsichtig, um so wenig Geräusche wie nur möglich zu machen, gingen sie wieder tiefer in den Wald hinein, bis die Läufer außer Sicht waren. So vorsichtig wie sie waren gingen sie auch bis zum Hang zurück, bevor Cetra leise das Wort ergriff.
      "Wir sollten uns aufteilen, um sie nicht durch unsere Gruppengröße auf uns zu bringen. Ich schlage Zweierteams vor, ich selbst werde die drei noch ein wenig im Auge haben, bevor ich zu euch aufschließe. Sind damit alle einverstanden?"

      Aradan und Renera gingen hinüber zu den Viehfeldern, was sich als weise Entscheidung entpuppte, denn bis auf Svenkov gab es tatsächlich niemanden, der sie gestört hätte - und der Viehtreiber war mit anderen Probleme beschäftigt.
      Renera drehte sich zu Aradan um und bereute fast, den Vorschlag gebracht zu haben. Wollte sie sich etwa wieder auf den Boden schubsen lassen? Es war natürlich allemal besser als Zuhause zu sitzen, aber wenn sie gedemütigt werden wollte, hätte sie auch zurück in den Unterricht gehen können.
      Aber sie konnte es zumindest versuchen. Aradan schien schließlich so, als wolle er ihr tatsächlich etwas beibringen. Er schien sogar ziemlich ambitioniert.
      "Vielleicht probieren wir es erstmal aus. Immerhin habe ich nicht viel Freizeit - und du doch auch nicht. Solang wir uns nicht jeden Tag durch einen Vorwand aus dem Unterricht schleichen, wird das wahrscheinlich eh nichts."
      Aber sich aus dem Unterricht zu schleichen hörte sich gar nicht schlecht an. Sie könnten in den Wald hinaus gehen oder am See trainieren und müssten nicht immer auf dem selben matschigen Trainingsplatz rumstehen. Es hatte schon etwas verführerisches.
      Aber erst einmal musste sie dafür sorgen, dass sie sich nicht noch einmal umstoßen lassen würde.
      "Ich versteh's nicht, wie es mir Halt geben soll, wenn ich den einen Fuß so und den anderen Fuß so stehen habe. Dann kann ich doch ganz leicht zur Seite fallen. Warum nicht beide waagrecht? Nach hinten zu fallen ist doch viel schwieriger und lässt sich besser abfangen als zur Seite."
    • Marudan enthielt sich als die kurze Diskussion entfachte. Es gab nun wirklich bessere Zeitpunkte um das zu klären und zu seinem Glück sah es Cetra genau so.
      Viel wichtiger war für ihn die Frage, warum sich dieser Läufer zurück gezogen hatte. Warum folgte dieser nicht dem scheinbar für alle anderen Läufer üblichen Trieb auf geballte Menschengebiete zu zu marschieren? Kümmerte das keinen der anderen? Aber auch diese Frage hatte Zeit. So verlief alles glücklicherweise weitestgehend harmlos ab bis Cetra den Plan vorschlug, nachdem die Sichtung der anderen Läufer gemacht wurde.
      Marudan korrigierte den Plan Cetra's jedoch etwas.
      "Es sind 3 von denen. Darunter ist aber noch eins dass wir in der Schlacht Pest genannt haben. Nicht weil es sich in seinem Verhalten unterscheidet. Sondern weil es entgegen jeder Erwartung genau so stark ist wie die anderen Beiden. Dafür aber nicht so schwer ist. Es ist verflucht flink, kann aber genau so stark zubeißen. Ich bin dafür dass Eredik und Cetra sich um das Kleine kümmern. Ich werde mit Valia und Gedmir gehen."
      Cetra sah keinen Sinn darin dem erfahrensten Kämpfer großer Monstermassen etwas zu entgegnen, doch musste sie alleine aus der Vernunft heraus zumindest erwähnen
      "Bist du dir sicher? Du bist stark keine Frage aber 3 Menschen gegen 2 Läufer? Ich weiß ich muss dir das nicht sagen aber das wäre als müsstet ihr gegen mindestens 9 Menschen kämpfen."
      Marudan nickte zustimmend.
      "Das stimmt. Aus diesem Grund handeln wir auch nicht sofort. Ich, Valia und Gedmir werden voraus laufen, etwa 50 Meter weiter in diese Richtung dort. Da werden wir eine Stolperfalle aufbauen. Ich habe das Seil verstärken lassen und es mit Kryss Nägeln versehen die große Widerhaken besitzen. Diese Dinger sind wild. Es wird leicht sie hinein zu locken. Egal welches der beiden Exemplare sich darin verfängt, wird ganz klar ein großes Handicap haben. Und egal welches danach auf uns zu preschen wird, wird sich an meinen Armen die Zähne ausbeißen."
      Cetra sowie alle anderen hörten zu, doch dieses Mal widersprach Cetra ganz entschlossen.
      "Eine Falle? Aus verstärktem Hanfseil? Du solltest wissen dass die sich da durch beißen als wären es Spinnenweben."
      Marudan äußerte nichts außer Cetra einen starren Blick entgegen zu werfen. Dann wagte Cetra eine Vermutung.
      "Sag Marudan. Kann es sein dass du den direkten Kampf suchst? Ist es wegen der Schlacht? Sag mir nicht es ist Vergeltung die du suchst."
      er verweilte einen weiteren Moment in Stille bis er zumindest ein Teilgeständnis abgab
      "Nicht nur. Natürlich will jede Faser in mir diese Viecher blutend am Boden sehen. Aber..."
      Er schüttelte den Kopf und sah Cetra in die Augen
      "... Okay. Was schlägst du stattdessen vor?"
      Sein Ton gab deutlich zu verstehen dass er dieses Thema nun nicht weiter ausführen würde. Stattdessen würde er Cetra's Plan ausführen, egal wie dieser aussieht.


      Aradan ging regelrecht darin auf alleine Zeit mit Renera verbringen zu können. Er sog jedes Wort von ihr auf und dachte direkt darüber nach wie sie zumindest vorübergehend mehr miteinander trainieren könnten.
      Auf Anhieb vielen ihm ein paar kleine Ideen ein, welche sich aber schnell als unmöglich erwiesen nachdem er sie zu Ende gedacht hatte. Aus diesem Thema aber auch schon wieder entrissen, sah er sich Renera's Haltung an und vergaß einfach alles um sich herum. Direkt stellte er sich neben Sie und ging in die selbe Haltung welche demonstriert wurde.
      "Schau her"
      Aradan legte ein kleines bisschen mehr Gewicht als Renera nach vorne, wodurch sich die ganze Haltung eher auf das vordere Bein verlagerte statt auf beide gleichzeitig.
      "Deine Grundhaltung ist gut. Aber du willst schon zu viel Sicherheit haben. Du musst dich etwas mehr nach vorne lehnen. Mehr Gewicht auf das vordere Bein. Es fühlt sich an als könnte man dich leichter aus deine Balance bringen aber du vergisst den kommenden Stoß deines Gegners. Versuch es mal"
      Aradan lächelte zuversichtlich und stellte sich kurz darauf vor Renera. Er würde sie keinesfalls kräftig anrempeln. Stattdessen wartete er bis sie sich etwas mehr nach vorne lehnte und ihr anderes Bein wie von Wilk verlangt nach hinten zur Stütze ausstreckte.
      "Genau so. Fühlt sich an als würdest du fast nach vorne umfallen oder? Aber schau"
      nun legte Aradan seine Hände auf Renera's Schultern und übte nur minimalen Druck gegen sie aus. Sofort wirkte das nach hinten gestreckte Bein wie eine natürliche Stütze für die man keinerlei Kraft aufwenden musste. Man stand unmittelbar stabil und spürte nicht mal mehr Gewicht auf dem vorderen Bein umso mehr Kraft Aradan ausübte.
      "Siehst du? Wie ein Fels im Fluss"
      Folgend korrigierte Aradan noch hier und da kleine Dinge die an der Haltung zwar keinen Fehler aus machten, jedoch für ihn wesentlich besser funktionierten wenn er Leute wie Tokiv gegenüber stand. Alles in allem übten die Beiden eine ganze Stunde so bis Aradan eine kleine Pause vorschlug und mit Renera ein Stück zur Seite ging bis sie am schmalen Fluss ankamen, welchen man mit genug Schwung sogar überspringen konnte, wenn man es denn wollte. Dort zog sich Aradan sein langes Oberteil aus, welches noch immer voller Matsch war, wenn auch längst fest getrocknet.
      Er wusch es so gut es eben ging am Flusswasser und hoffte nicht allzu viel Ärger von seiner Mutter zu bekommen dass es schon wieder so schmutzig war.
      "Wie geht es deiner Nase?"
      fragte er über die Schulter blickend. Er achtete das gesamte Training über darauf dieser nicht mal im Ansatz nahe zu kommen.
    • Cetra schien sichtlich mit sich selbst zu ringen, sah abwechseln auf Marudan und zum Waldrand zurück, dann seufzte sie und rieb sich das Kinn.
      "Wir können nichts riskieren. Ich will nicht sagen, dass ich nicht glaube, dass du einen allein schaffen könntest Marudan, aber es ist einfach zu gefährlich. Wenn einem von uns etwas passiert sind wir aufgeschmissen. So weit draußen wird uns niemand in Melora hören und die nächsten, die uns suchen kommen, könnten genau in diese Gruppe reinlaufen. Auch wenn wir es schaffen könnten - und dabei vertraue ich dir wirklich, Marudan - haben wir noch den halben Wald vor uns. Wir müssen erst einmal sicherstellen, dass die unmittelbare Umgebung sicher ist, bevor wir uns um diese drei kümmern. Wenn wir erst gegen sie kämpfen und später auf weitere treffen, könnten wir zu geschwächt sein."
      Nun sah sie Marudan direkt an, bevor sie in die Runde blickte.
      "Einer sollte hierbleiben und sie im Blick behalten. Vielleicht kann er ja Schutz auf den Bäumen suchen - Gedmir, du kannst doch sicher gut klettern, nicht wahr?"
      Der Schütze zuckte mit den Schultern.
      "Was ist das? Entweder ja oder nein."
      "Ich schätze schon."
      "Dann bleibst du hier am Waldrand und behälst sie im Auge. Wir werden den Rest des Waldes durchsuchen und später mit Verstärkung zurückkommen. Bleib in jedem Fall hier, selbst wenn sie wegwandern, außer sie kommen in den Wald. Dann ziehst du dich lautlos zurück und machst dich auf den Weg, den wir gekommen sind, zurück zum Dorf. Wenn wir dich unterwegs treffen werden wir gleich wissen, dass sie schon im Wald sind."
      Sie wartete auf Gedmir's Einverständnis und blickte dann in die Runde, wobei sie mehr Marudan fixierte.
      "Sind alle einverstanden damit?"

      Aradan hätte selbst Lehrer sein können, so wie er sich auf den Unterricht fokussierte. Renera hätte ihm diesen Gedanken mitgeteilt, wenn er nicht so sehr in seine Lektion vertieft wäre, dass ihn das wahrscheinlich herausgerissen hätte. Sie lächelte. Wenn Ella nicht so vernarrt in ihn gewesen wäre, hätte sie in diesem Moment wahrscheinlich selbst Gefallen gefunden.
      Sie ahmte seine Bewegung nach, wobei sie sich bewusst gegen ihren Instinkt stemmen musste. Es war tatsächlich ein ungewohntes - und unnatürliches Gefühl so zu stehen, aber schließlich musste doch etwas daran sein, wenn es jeder so einfach beherrschte und außer ihr niemand dabei umgestoßen wurde. Und tatsächlich: Es schien zu funktionieren, wenngleich Renera bei Aradan's Gegendruck reflexartig das Bein nach hinten nahm. Aber es war zumindest ein Fortschritt, ihre Laune erhellte sich merklich. Sie trainierten diese Bewegung weiter, bis Renera ein Gefühl dafür bekam und Aradan eine Pause vorschlug. Gemeinsam gingen sie zum Fluss herunter und Renera setzte sich ins Gras, während Aradan sein schmutziges Oberteil auswusch. Er war schmaler als Tokiv, eher schlank gebaut und definitiv nicht so kräftig wie der Bauerssohn. Renera beobachtete trotzdem, wie seine Muskeln unter der Haut spielten und fragte sich, ob jeder Junge in seinem Alter schon so kräftig war.
      Seine darauffolgende Frage brachte sie ein bisschen aus dem Konzept.
      "Wie? Achso. Es juckt noch, aber sonst spür ich sie gar nicht. Momo ist eine echt gute Ärztin."
      Sie beobachtete, wie Aradan sein Hemd auswrang und fragte sich, ob sie ihr Waschbrett holen sollte, damit es richtig trocknen konnte. Aber nein, dann müsste sie nachhause gehen und so wie es aussah, gab es heute keinen Unterricht für Kleinkinder.
      "Sind alle in der Klasse so gut wie du? Bei solchen Übungen fallen sie nie so oft um wie ich. Oder Ella, aber das zählt nicht."
      Die Frage brachte sie auf einen anderen Gedanken und sie fügte gleich noch hinzu:
      "Wieso hast du eigentlich keine Freunde? Ich seh' dich nie mit jemandem rumhängen als mit mir und Ella und das ja bestimmt auch nur wegen ihr. Und natürlich mit Händlern und mit deinem Vater, aber das zählt ja nicht."
    • Nicht umsonst war Cetra die fähigste Späherin. Sie konnte die Gefahren richtig einschätzen und planen ohne die Gruppe zu demoralisieren. Eine Eigenschaft die Marudan in diesem Moment sehr an ihr schätzen lernte und sich das ganz klar für die Zukunft merken würde.
      An ihrem Plan hatte er auch jetzt nichts auszusetzen, nachdem sein Drang sich diesen Monstern entgegen zu stellen gezügelt wurde.
      "Ein guter Plan"
      Stimmte er zu und sah sich mit den anderen nach einem geeigneten Baum um, dessen Baumkrone guten Sichtschutz gab. Einer eignete sich besonders gut auf welchen man sogar eher etwas schwerer hinauf konnte, dafür aber sogar ermöglichte dass man sich auf einen dickeren Ast setzen konnte und dennoch an einem zweiten die Füße ablegen konnte. Als wäre dieser Baum für einen Spähposten gemacht. Was Marudan direkt auf eine Idee brachte, während er Gedmir seine Hände als Leiter anbot um schwungvoll hinauf zu kommen.
      "Cetra. Ich denke wir sollten hier in Zukunft einen Außenposten zu errichten. Was denkst du?"
      Die Vorzüge musste er gar nicht groß erklären. Der Wald wäre direkt geschützt, wodurch nicht mal mehr Begleitungen für die Holzfäller und Sammler nötig wären. Lieber 2-3 Spähposten in den Baumkronen aufbauen die am Waldrand entlang ihren Platz finden statt täglich knapp 10 Männer als Aufpasser mit in den Wald zu schicken.


      Aradan lachte erfreut als er zu hören bekam was für eine gute Ärztin Momo ist. Immerhin trug er selbst noch einen Verband um seinen Kopf.
      "Ja sie ist spitze. Tut immer nur am Anfang tierisch weh. Ich kann jetzt schon wieder leicht Druck auf die Stelle ausüben, auch wenn ich es nicht soll. Ich frag mich immer wieder wie simple Kräuter aus dem Wald so etwas zu stande Bringen."
      Das daraufhin angeschnittene Thema sorgte dann aber dafür dass sein Lächeln verschwand und er sich wieder dem groben waschen widmete damit Renera nicht sehen konnte dass es ihn bedrückte.
      "Ob alle so gut sind wie ich? Was ist schon gut. Ich kann mit dem Bogen schießen und sehe besser als alle im Dorf."
      Dann kam die Frage bezüglich den Freunden. Das wohl unangenehmste Thema für Aradan. Er seufzte. Stand dann aber auf und legte sein Oberteil zum trocknen auf einen großen Brocken, welcher an diesem warmen Tag durch die Sonne schon schön aufgewärmt war und sich somit bestens für Aradan's Zwecke eignete.
      Ein Stückchen darüber setzte er sich dann auch auf den Stein und war somit etwas erhöhter als Renera.
      "Wo soll ich anfangen. Das offensichtlichste sind wohl meine Augen würde ich sagen."
      Er trieb sich ein gespieltes Lächeln hinaus als er Renera ansah und auf seine Schläfe tippte um auf seine Augen hinzuweisen, welche im Schein der Sonne beinahe strahlend weiß wirkten.
      "Sowas gibt es einfach nicht. Sogar Händler die aus dem fernen Königreich kommen, fragen mich ständig was ich für ein Sonderlingbin. Manche bezeichnen mich sogar als Fehler."
      Kurz lachte er
      "Einmal wollte sogar ein sehr kurioser reisender Händler Gold dafür zahlen mich mitnehmen zu dürfen. Mein Vater brach ihm den Kiefer und musste von 4 Leuten zurück gehalten werden um nichts schlimmeres zu tun. Worüber die Beiden gesprochen hatten weiß ich bis heute nicht. Es war aber das erste und einzige mal dass ich meinen Vater so sah. Normalerweise scheucht er mich umher um schwere Aufgaben zu erledigen. Ich soll ständig schwere Dinge Tragen oder Wassereimer holen statt unsere kleine Karre dafür nutzen zu dürfen. Ich durfte nie mit den anderen Kindern nach dem Unterricht Zeit verbringen und naja... Ich wollte es auch nicht."
      nun wanderte der Blick zum Wasser
      "Seit die Händler mich immer so seltsam behandelt haben, haben die anderen Kinder sich einen Spaß daraus gemacht mich ebenfalls als Sonderling zu betrachten. Meine Mutter meint dass sie es nur nicht besser wissen aber.. Sie haben es auch nie wirklich versucht. Ich denke aus dem Grund werde ich auch immer in der Schmiede mit eingebunden. Sicher bin ich mir aber nicht. Auch darf ich nie in den Unterrichtsstunden mit essen. Ich soll immer mein eigenes Essen verzehren dass mir Mutter macht und ich darf es niemand anderen geben. Komisch oder?"
      Erst als Aradan zum ersten mal so frei darüber sprach, bemerkte er selbst wie seltsam das alles eigentlich war. Bisher hatte er sein Leben nie so sehr hinterfragt da es für ihn eher normal war.
      "Hier"
      Er griff hinter sich in die kleine Gürteltasche und holte zwei kleine Gebäcke hinaus welche sich in der Form und Farbe nicht von den anderen im Dorf unterschieden. Eines davon bot er Renera an, warf es ihr auch zu ohne auf eine Antwort zu warten.
      "Ich weiß ich soll nicht teilen aber wir haben zusammen so viel trainiert. Ich würde mich schlecht fühlen wenn du mir beim Essen zusehen müsstest."
      Aradan biss von seinem Gebäck ab und fühlte sich, kaum dass er es hinunter geschluckt hatte, direkt pudelwohl. Als würde sein ganzer Körper direkt von positiver Energie durchflutet werden. Er liebte dieses Gefühl. Es war schade dass er nie eine extra Portion von seiner Mutter bekam, selbst wenn es ihm so lecker schmeckte und er gewiss nicht dick werden würde.
      "Was meinst du denn wegen Ella? Wegen ihr? Ich versteh nicht. Ihr Zwei seid die einzigen die mich nicht verurteilen nur weil ich andere Augen habe. Wieso sollte ich nur wegen Ihr mit euch beiden Zeit verbringen?"
      Aradan sah Renera ziemlich verwundert an
    • Gedmir kletterte in den Baum hoch - er war tatsächlich recht geschickt - und nahm seinen Posten ein. Von dort aus winkte er ihnen zu und machte es sich gemütlich. Cetra winkte knapp zurück und wandte sich dann Marudan zu.
      "Ein Außenposten? Wieso nicht. Ich werde es dem Hauptmann vorschlagen, er kann besser einschätzen, ob wir Wachen dafür entbehren können. Außerdem müssten wir etwas aufbauen, damit unsere Späher sicher sind, aber das können wir später besprechen. Vielleicht wäre es hilfreich eine zweite Versammlung dafür anzuberaumen."
      Sie schien Zuversicht in dem Vorschlag zu haben und die Idee darüber hinaus selbst weiterverfolgen zu wollen. Sie rief die Truppe zusammen, doch während sie sich formatierten sah sie noch immer nachdenklich aus, so als würde sie in Gedanken bereits die Wachposten aufstellen.
      Der Rückweg verlief recht harmlos. Sie fanden weitere Spuren von Kreaturen, allerdings waren sie alt und stammten vermutlich von den Läufern, die den Händler attackiert hatten. Cetra betonte, dass sie dennoch vorsichtig sein sollten, aber sie waren sowieso schon angespannt, sodass es der Warnung gar nicht bedarf. Schließlich untersuchten sie auch noch die Stelle, an der der Händler angegriffen worden war.

      Renera stützte ihren Kopf auf ihre Hand, während sie zuhörte. Aradan schien ein hartes Leben zu haben, weil seine Augen so eisblau waren, ein Umstand, der lächerlicher nicht hätte sein können. Sie stellte sich vor, wie ihr Heimatdorf jemanden wie ihn behandelt hätte und kam einfach nicht auf den Entschluss, dass sie ihn verkauft oder ausgegrenzt hätten. Jede helfende Hand war doch gut, oder nicht? Jedes gesunde Kind konnte später eine Kreatur bezwingen und das war doch schon Grund genug sie eher einzubeziehen - oder etwa nicht? Renera starrte seine Augen an, während er erzählte und versuchte zu erkennen, wieso man ihn nur darauf beschränken würde. Es erschien ihr aus jedem Blickwinkel unsinnig.
      Sie wollte etwas sagen, etwas um ihm genau diese Gedanken mitzuteilen, aber es schien ihr nicht der richtige Augenblick. Sein Problem würde bestimmt nicht gelöst werden wenn sie ihm erzählte, wie sie ihn in Erathis behandelt hätten.
      Von seinem Gebäck nahm sie trotzdem gern.
      "Danke."
      Sie musterte es, während er selbst reinbiss und gleich die nächste Frage stellte. Sie drehte es in den Fingern, während sie erst antwortete.
      "Ich dachte du hängst nur wegen ihr mit uns rum. Weil sie ja so in dich verknallt ist. Das weißt du doch, oder nicht? Sie macht es nicht sehr unauffällig."
      Sie biss ab - und vergaß sofort, worüber sie gerade gesprochen hatten. Ihre Zunge fühlte sich an, als würde sie ins Feuer gehalten werden.
      "Au!"
      Sie spuckte das Stück wieder aus und verfiel sofort in einen Hustanfall, der aus den tiefsten ihrer Lunge zu kommen schien. Ihre Zunge brannte da, wo sie in das Gebäck gebissen hatte, so stark wie tausend Feuer. Sie sprang auf, rannte zum Wasser und spülte sich den Mund aus. Zu ihrer Erleichterung ebbte das Gefühl bereits wieder ab.
      "Wie kannst du sowas essen?! Das ist scharf wie sonst was!"
      Sie drehte sich zu Aradan um, der schon fast die Hälfte aufgegessen hatte.
      "Meins kannst du auch wiederhaben, wenn es dir so schmeckt. Das macht dich ganz sicher mehr merkwürdig als deine Augen!"

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    • Marudan war den Weg zurück über recht nachdenklich. Zwar achtete er noch auf seine Umgebung und ebenso auf jeden Tritt, doch als Cetra auf die alten Spuren stieß, legte er seinen schweren Rucksack mit seinen Waffen nieder.
      "Es wird bald dunkel. Wir sollten ein Lager aufschlagen."
      Es waren zwar nur noch wenige Stunden bis zum Dorf, doch war es einfach sicherer zu rasten, obendrein war es Marudan doch ziemlich wichtig in einer kleinen Gruppe etwas anzusprechen, was er bisher nur seiner Frau, dem Bürgermeister und dem Hauptmann erzählt und von allen eine stark unterschiedliche Meinung zur Antwort bekommen hatte.
      Glücklicherweise stimmte Cetra zu nachdem die Spuren wohl allesamt den alten Läufern, welche bereits tot waren, galten. So war das Lager schnell aufgeschlagen und auch das Feuerholz lies sich schnell zusammen treiben.
      Wenn man im dichten Wald ein Lager aufschlug, wirkte es stets so als wäre man schon 2 Stunden voraus, so dunkel wie es hier werden konnte.
      So saßen recht schnell alle am Lagerfeuer und blickten wärmend in die große Flamme als Marudan ungewohnter weise als erstes Sprach. Dabei blickte er auf seinen Rucksack neben sich
      "Ihr habt mich wegen denen gefragt. Warum ich das nicht für alle Schmiede."
      Daraufhin zog er eine der Arm bedeckenden Waffen hinaus und hielt sie selbst betrachtend vor sich
      "Ich habe diese Waffen zum Schutz geschmiedet. Mit meiner Frau und ihren Studien habe ich etwas geschaffen, was tatsächlich einen Paradigmenwechsel bedeuten könnte. Sie sind mit in einem Verhältnis zu 69 zu 31 geschmiedet. Wobei die 69 der Kryssstaub ist."
      Das war eine Tatsache die allgemein als albern unmöglich galt. Kryss war Porös und schon beim Abbau von dessen Kristallen konnte man nicht verhindert dass ein wenig Staub zurück blieb. Kryss galt oft als nette Verzierung oder in der Schmiede von Marudan als schnell vorüber gehender Begleiter von schwacher Magie, wie es eigentlich als längst verboten, oder gar unmöglich galt.
      Man sprach in der Regel von einer möglichen Kryss Verschmelzung von 11 Prozent und keinen 69. Wobei diese 11% im besten Fall dafür sorgten dass man eine Klinge für knappe 2 Minuten zum Brennen bringen konnte. So wurde es schon vor Jahren als ineffizient abgetan. Marudan hingegen behauptete 69% verschmelzen zu können. Valia war die Erste die ihre Stirn runzelte. Kurz gefolgt von einem misstrauischem zurück lehnen samt verschränkter Arme von Eredik. Sogar Cetra blickte skeptisch drein, vertraute aber darauf dass dieser Schmied noch nie etwas erzählte, was nicht der Wahrheit entsprach.
      Eredik war dann aber der Erste der nicht mehr inne halten konnte und klar seinen Zweifel aussprach
      "Ach komm schon. 69%? Das ist doch lächerlich. Jeder weiß dass das Königreich im Norden schon längst Schmiede ausbilden würde die ihm Reihenweise solcher Waffen herstellen sollen, gäbe es denn so eine hohe....."
      Marudan unterbrach Eredik's Zweifel damit, dass er sich einen der Armwaffen anzog und ins offene Feuer hielt. Was sich nun zeigte war ganz klar nicht für Augen bestimmt die Dörfler aus Melora verraten würden. Nicht nur schien Marudan keinerlei Schmerzen zu haben, selbst nachdem er seinen gepanzerten Arm für eine Weile hinein hielt. Doch fingen die verzierten Augen der Bärenfäuste nun langsam an zu glühen. Und es ging weiter. Weitere schmale Verzierungen bis hoch zur Schulter glühten auf bis der vorher silbern stählerne Arm nun eher rot glühend wirkte.
      Marudan stand auf und hielt diesen Arm zur Seite hinweg und schien sich zu konzentrieren. Es dauerte einen ganzen Moment samt angespanntem Ausdruck in seinem Gesicht, bis sich sogar Schweißperlen darauf zeigten, ehe er doch ziemlich viel seiner Kraft nutzen musste, diese mit einem Brüllen begleiten lies um seinen kompletten Arm in Flammen aufgehen zu lassen. Doch war das keine normale Flamme. Es sah komplett so aus wie die Eiserne Form. Nur in Flammen. Beinahe lebendig wirkend sah es nun so aus als hätte Marudan einen flammenden Arm dessen Faust einen gefräßigen Bären formte.
      Marudan's Blick galt weiterhin äußerst konzentriert und doch blutrünstig und überlegen in die Runde blickend.
      "69%."
      sprach er schwer mit sich kämpfend ehe sich seine Faust öffnete und die Flammen im nichts verschwanden. Sein Arm war wieder in Eisen gehüllt. In dampfenden Eisen.
      Marudan lies seine Waffe von seinem Arm rutschen und präsentierte einen unversehrten Arm, wenn auch einen komplett erledigten Schmied, dessen Energie wohl komplett für diese Demonstration drauf ging.
      "Wenn davon andere Dörfer oder der hirnlose König im Norden erfährt, wird es nicht lange dauern bis die Menschheit gänzlich drauf geht. Das verspreche ich euch."
      Marudan fing an zu husten und fiel auf die Knie, nach seinem Wasserschlauch schnappend und eine ganze Tagesration trinkend bis er wieder zu Atem kam.
      "Ich nenne es Krysstech.. Es ist unfassbar stark, doch zerrt es an einem. Und der Forschung meiner Frau nach, können diese Biester keinen Kryss durchbeißen. Zumindest die Läufer nicht, wie wir feststellen konnten. 69% sollten also reichen um zumindest gute Schilder zu schmieden."
      Zuversichtlich klingend, raffte ihn diese Anstrengung aber so sehr dahin, dass er nun sogar Blut husten musste.


      Aradan sprang sofort auf als Renera auf sein Gebäck reagierte. Erst dachte er sie hätte sich verschluckt, also sprang er zu ihr um ihr auf den Rücken zu klopfen, was er kurz davor dann aber doch stoppte da er nicht genau wusste ob es zu einer schmerzenden Nase führen konnte. Er fand sich schnell sehr hilflos gegenüber und sah beinahe panisch hin und her, wissend dass es Renera schon wieder wegen ihm schlecht ging. Am liebsten hätte er ihr so schnell es ging geholfen und wäre danach in das nächste Dorf gezogen, so sehr schämte er sich allmählich.
      Als sich dann aber doch relativ schnell alles wieder legte, hockte er nach all dem Trubel recht nah neben ihr und sah ihr sehr besorgt in die Augen.
      "Geht es wied..."
      Da äußerte sie den Satz dass ihn das merkwürdiger machen würde als seine Augen.
      Das traf ihn als hätte Renera ihn mit einem Pfeil erwischt. Nun war er also auch in ihren Augen wie ihn jeder hier im Dorf sah.
      Er stand auf und ging einen Schritt zurück.
      "Tut mir Leid.. Ich.."
      Es war eigenartig. Dieses Leben war für Aradan eigentlich vollkommen normal und doch traf es ihn härter als alles was er bisher mit gemacht hatte. Ihm gingen Bilder durch den Kopf wie er von Tokiv und seinen Freunden gehänselt wurde als sie jünger waren. Bilder wie er ständig auf seine komischen Augen reduziert wurde oder auch dass er als Streber bezeichnet wurde weil er immer die besten Noten in allem erzielte.. dabei war er doch einfach nur aufmerksam und tat was ihm seine Eltern sagten.
      Aradan wusste nicht wie ihm geschah als er sich den Kopf halten musste. Kopfschmerzen prassten auf ihn ein wie er es noch nie erlebte. Dabei bemerkte er gar nicht dass seine Augen in diesem Moment tatsächlich leicht zu leuchten begannen ehe er einfach nur noch schreien wollte. All das was er nicht verstand, all das was ihn stets so zurück hielt... es kam einfach alles zusammen ehe er unbedacht auf den Nordwall zu rannte. Er preschte voran wie vom Teufel getrieben und sogar die Wache, welche den üblicherweise friedlichen Nordwall bewachte, bekam noch vor dem freundlichen Gruß einen irrsinnig schnell anstürmenden Aradan in den Bauch gerammt, was die Wache um dessen Bewusstsein brachte.
      Was grade geschehen ist, war ganz klar nicht von menschlicher Natur. Aradan drehte nicht nur durch sondern überwältigte die Nordwache und rannte einfach so abseits des Dorfes? Abgesehen davon dass die Wachen auf Angriffe von starken Monstern trainiert waren und ein Kind gerade ohne jede Mühe eine solche regelrecht überrannt hatte, wusste auch Aradan nicht wo er sich in diesem Moment befand. Es war als hätte ihm jemand die Erinnerungen gestohlen als er sich an einem Fluss wieder fand den er zuvor noch nicht gesehen hatte. Was ging hier nur vor? Eben noch sprach er mit Renera und plötzlich fühlte er sich mies ehe er nahezu im selben Moment hier stand?
      "Wo bin ich?"
      Sprach er ziemlich ruhig und blickte sich um. Er wusste ganz genau dass irgendetwas nicht zu stimmen schien, doch konnte er einfach nicht aus machen was es war.
    • Die Gruppe beobachtete Marudan's Vorführung mit ansteigendem Erstaunen. Anfängliche Zweifel über die tatsächliche Beschaffenheit der Rüstung waren spätestens dann aus dem Weg geräumt, als klar wurde, dass sie keineswegs eine gewöhnliche Rüstung war. Verwunderung, Ehrfurcht und teilweise auch Entsetzen spiegelten sich in den beleuchteten Gesichtern der anderen wieder, als sein ganzer Arm in Flammen aufging. Dass diese Vorführung ein Kraftakt zu sein schien, war die einzige Sache, die irgendwie beruhigend wirkte, denn es war nicht auszumalen was mit dieser Rüstung alles angestellt werden konnte, wenn sie einfach zu bedienen wäre. Besonders wenn sie in die falschen Hände geraten sollte. Daher war es auch für jeden einleuchtend, als er sie noch einmal darauf hinwies, dass dies eine Entdeckung war, die nicht gefeiert werden sollte. Je weniger Leute davon wissen würden, desto besser.
      Nichtsdestrotrotz hatte das Marudan's Respekt noch mehr gesteigert. Wenn sie ihn davor schon wie einen Anführer behandelt hatten, würden sie ihn jetzt eher wie einen Auserwählten sehen. Oder sogar noch etwas höheres. Nur Cetra konnte sich nicht von ihrer Professionalität abhalten und war die einzige, die eine der Bandagen aus ihrer Tasche holte und sie Marudan für das Blut reichte.
      "Ich denke für heute ist es genug mit den Vorstellungen. Du bist auch nicht mehr der jüngste, Marudan, und ich bin mir sicher, dass wir alle von den Fähigkeiten deiner neuen Rüstung überzeugt sind. Hier, da vorne ist eine Wurzel, setz dich da hin."
      Sie machte Anstalten ihm aufzuhelfen, ließ es dann aber doch bleiben. Ob vor Ehrfurcht ihm gegenüber oder um seine Würde nicht zu verletzen, war unklar, doch sie blieb in seiner Nähe für den Fall, dass er selbst ihre Hilfe verlangte. Den Blick auf die anderen gerichtet fügte sie hinzu:
      "Und wir werden ganz sicher niemandem davon erzählen. Nicht wahr? Es wird ein Geheimnis bleiben."
      Valia und Eredik nickten fast gleichzeitig, in ihren Blicken lag noch immer der selbe Ausdruck wie von vorhin. Eredik hatte es nicht noch einmal gewagt das Wort zu erheben, er schien zu merken, dass er bisher keinen sehr guten Eindruck bei Marudan gemacht hatte und wollte das nun wohl ändern. Auch Valia schien sich deutlich unwohl damit zu fühlen im Plauderton weiterzureden und ließ es daher ganz bleiben. Sie starrten beide Marudan an, als ob er ein Geist wäre.
      Cetra blieb von diesen Gefühlen nicht außenvor, aber sie riss sich doch so weit zusammen, um den Schein zu wahren. Marudan hatte es ihnen sicherlich nicht erzählt, damit sie ihn von nun an anhimmeln würden, wenngleich sie das alle wahrscheinlich gerne getan hätten.
      "Wenn du tatsächlich Schilde daraus schmieden kannst, wird es dennoch nicht lange dauern, bis der König davon erfährt. Ein einzelnes Dorf, das nicht durch seine Kampfeskraft, sondern seine Ausrüstung die Kreaturen bezwingt, wird sicher bald von seinen Soldaten heimgesucht werden, um eben diese einzufordern. Als Steuerzusatz oder sowas. Oder man wird es beschlagnahmen wollen. Wir werden sehr vorsichtig mit dieser Entdeckung sein müssen, wenn Melora weiterhin in relativer Unabhängigkeit leben möchte."

      Aradan schien von den einen auf den anderen Moment wie verwandelt. Er entschuldigte sich - für was denn eigentlich? - und hielt seinen Kopf, als ob er Schmerzen hätte. Kopfschmerzen vielleicht? Seine Augen wurden auch heller, schienen ein Eigenleben anfangen zu wollen. War er krank? Vielleicht sollte Renera ihn zurück zu Momo bringen.
      "Aradan? Deine -"
      Weiter kam sie nicht, als er plötzlich reißaus nahm.
      "Was? Aradan! Wo willst du denn hin?!"
      Er sprintete zum Nordwall, rannte eine Wache über den Haufen die fast doppelt so groß war wie er und sprintete wieder in Richtung Fluss. Renera brauchte einen Moment, bis sie überhaupt reagieren konnte.
      "... He, so schlecht war das Gebäck doch gar nicht! Ich probier' nochmal!"
      Sie rannte ihm nach und ihrem Beispiel folgten auch drei weitere Wachen, die den wahnsinnig gewordenen Aradan gesehen hatten und es nun als ihre Aufgabe betrachteten, ihn wieder einzufangen. Renera schloss sich dieser Verfolgung von der Seite her an, doch alle vier mussten nicht weit laufen, als Aradan beim Fluss schon wieder zum Stillstand kam. Diese zweite unverhersehbare Wendung des Tages veranlasste die vorderste Wache, die schon fast zu Aradan aufgeholt hatte, aufzuschreien, ihn von sich aus umzuwerfen und mit ihm in den Fluss zu kugeln, der an dieser Stelle glücklicherweise weder tief noch breit war. Die beiden platschten ins Wasser und die anderen drei kamen am Flussrand zum Stehen.
      "Aradan! Du hast mir einen Schrecken eingejagt!", rief einer der Wachen, die am Ufer standen. "Beram, lass den Jungen doch los!"
      Beram kämpfte sich prustend auf die Beine und ließ jetzt erst Aradan los, den er fest an sich gekrallt hatte. Er konnte seine riesigen Hände fast ganz um den Jungen legen, was er auch getan hatte, so wie es aussah. Die anderen beiden kamen heran und Renera sah nur mit offenem Mund zu, während sie ihn aus dem Wasser begleiteten.
      "Wir dachten schon du wärst von Dämonen besessen! Bist du das auch nicht?!"
      Er klopfte ihm auf den Rücken.
      "Komm, wir bringen dich zur Schmiede. Ach nein, Marudan ist ja gar nicht hier! Dann eben ins Krankenhaus zu deiner Mutter. Alles klar?"
      Jetzt bemerkte er erst Renera.
      "Ist das deine Freundin? Sie kann ruhig mitkommen."
      Renera sagte nichts, sie starrte nur. Jetzt wäre eigentlich ein guter Zeitpunkt um sich für das Gebäck zu entschuldigen, aber sie sagte nichts.
    • Die Reaktionen waren wie es Reona voraus gesagt hatte. Nur war der Feldtest nicht ganz wie erwartet.
      Das Angebot zum Sitzen auf der dicken Wurzel nahm Marudan aber dankend an und wirkte noch eine Weile als hätte er den ganzen Tag gekämpft. Glücklicherweise führten alle eine berechtigte Diskussion, genau das was er eigentlich hören wollte. Sie waren alle dafür dass es unter Verschluss bleiben sollte, so wie es auch Marudan selbst und Reona empfanden. Bevor sie aber dem Bürgermeister davon unterrichten würden, wollte er vorerst einen kleinen engeren Kreis damit betrauen und im Notfall direkt die Waffen zerstören um sie direkt vor zu neugierigen Menschen zu verbergen.
      "Gut. Ihr seht es wie ich und meine Frau. Ich bin mir aber nicht sicher ob wir es Bürgermeister Rodon oder gar Hauptmann Salkiv zeigen sollen."
      Sein Blick wanderte in diesem Moment vor allem nach Eredik, welcher direkt unter Salkiv diente.
      "Ich hoffe wir verstehen uns in diesem Punkt. Kein Wort an Salkiv. Er mag ein erfahrener Kämpfer und fähiger Hauptmann sein. Doch ist er schon immer Machthungrig gewesen. Nicht im Bezug auf Führung. Viel eher was Erfindungen betraf."
      Darauf hin seine Hände betrachtend
      "Abgesehen davon lief die Demonstration nicht wie erwünscht. Es ist sehr Kräfte zehrend aber dass es einem nach Sekunden schon alles Kraft raubt haben wir so nicht kommen sehen. Ich werde weiter daran arbeiten müssen bevor es überhaupt nutzbar wird. Es mag zwar robust sein aber wenn man dessen Funktion versehentlich nutzt, wird man viel zu schnell zu einem Ziel."
      Er begann bereits zu grübeln wie man dieses Problem angehen könnte, doch war seine Frau wohl eher dafür geeignet in diese Richtung zu forschen.
      So verging der Rest des Tages eher harmlos unter kleineren Gesprächen und eventuelle Planungen der Außenposten.


      Aradan blickte sich weiterhin um und bemerkte wie ihm ein paar Wachen entgegen kamen. Zum Glück. Die könnten ihm sicher erklären wo er sich grade befand. So hob er grade seine Hand an um die Wachen zu grüßen, bekam aber kein Wort mehr hinaus, so schnell wie ihn eine der Wachen entgegen hechtete und gemeinsam in den Fluss rollte.
      "HEY!" schimpfte er. Grade noch hatte er sein Oberteil am Fluss gewaschen, waren nun seine restlichen Klamotten durchnässt und dreckig.
      "Sag mal spinnst du Beram?!"
      Nun auch Renera bemerkend, fiel ihm erst wieder ein wie sonderbar dieser Moment war. Und was meinte Renera denn mit vom Dämonen besessen?
      Es brachte nichts. Von allen Seiten wurde er getadelt bevor er überhaupt eine Frage stellen konnte. Und zugleich wurden Renera und er auch schon wieder zurück geschleift. Jetzt erst fiel ihm auf dass er tatsächlich nicht im Dorf, sondern vor den Mauern war. Wie zum Teufel kam er hier überhaupt hin? Und warum verhielt sich Beram so aggressiv?
      Etwas Glück hatte er dann aber doch noch. Die Wachen brachten sie nur auf dem halben Weg zum Krankenhaus wodurch sie nun alleine auf dem Hauptweg, neben den Viehfeldern standen.
      Endlich ein Moment für seine Fragen.
      "Renera? Kannst du mir bitte mal erklären was hier los ist? Was habe ich vor den Mauern gemacht und wie kam ich dort hin?"
    • Renera legte die Stirn in Falten. Es war ein Ausdruck, der bei ihr entweder Skepsis oder Unbehagen ausdrückte, ganz der Situation entsprechend.
      "Was soll ich dir erklären? Ich fand dein Essen nicht gut und dann bist du weggerannt."
      Sie kratzte sich am Kopf.
      "Ich wollte ja auch nicht die Backkünste deiner Mutter beleidigen, so schlecht war es ja gar nicht. Ich probier gern nochmal, wenn du willst. Aber nimm diesmal nicht wieder reißaus."
      Sie musterte ihn, wie er in seiner nassen Kleidung vor ihr stand. Er erinnerte sie an einen nassen Hund, es fehlte nur noch der eingezogene Schwanz oder die gebleckten Zähne.
      "Ich denke aber bevor du dir weitere Gedanken darüber machst, solltest du dir trockene Kleidung anziehen, sonst erkältest du dich noch."
      Sie klang schon ganz wie ihre Mutter. Wenn das so weiterging, würde sie in 10 Jahren wahrscheinlich das genaue Ebenbild sein.
      "Wir könnten sonst nochmal zum Fluss gehen, wenn du dich umgezogen hast. Oder du bleibst für heute lieber daheim und ich geh' nachhause, da gibt's schließlich genug zu tun. Hauptsache du denkst nicht, dass ich deine Mutter beleidigt habe."
      Sie zuckte karg mit den Schultern.
    • "Ich soll wegen dem Essen meiner Mutter weggelaufen sein weil es dir nicht geschmeckt hat?"
      Fragte er mit den Fäusten an den Hüften gestemmt überfordert und misstrauisch zugleich.
      "Das war ganz normales Gebäck. Jedes mal wenn ich frage ob ich mir etwas von unserem Bäcker holen kann, meint sie dass es das selbe Rezept sei. So seltsam kann das doch gar nicht schmecken"
      Ihn kam deutlich rüber dass Aradan eher stutzig bezüglich der Aussage war, nicht etwas wegen einer Kränkung. Bevor er aber eine Antwort abwarten würde, kam ihm schon ein kleiner Schauer über den Rücken als der Wind durch die Straße schnellte. Es wirkte für ihn als hätte er plötzlich einen Eismantel an, winkte Renera aber ab bei dem Vorschlag sich etwas neues holen zu gehen.
      "Ist schon gut. Wenn ich jetzt nach hause gehe, ist Mutter da und wird mich durch den Fleischwolf drehen.. Vor allem wenn ich ohne meinem Oberteil wieder komme. Wenn es dreckig ist oder ich es ausziehe sobald mir zu heiß wird, kriege ich ständig irgendwelche Strafen aufgebrummt. Einfach ätzend..."
      So entschieden sich beide Wortlos einverstanden zurück zum Fluss zu gehen. Dort lag noch das Gebäck auf dem Boden welches Renera nicht mochte. Es kam wieder dieses ungute Gefühl in Aradan hoch. Ab dem Zeitpunkt als Renera von diesem Stück abgebissen hatte... So setzte er seine Gedanken laut fort"
      "Seit du davon abgebissen hast... weiß ich nicht mehr was passiert ist. Das ist doch nicht normal, oder?"
      Klar war es nicht normal, doch zweifelte er seine Zurechnungsfähigkeit langsam mehr an als sonst schon.
      Er hob das Stück auf und betrachtete es skeptisch. Ein kleines Stück riss er davon ab legte es vorsichtig auf seine Zunge. Zugleich verlor er seinen skeptischen Blick und wandte sich Renera zu.
      "Das ist doch vollkommen in Ordnung. Schmeckt wie immer."
    • Sie gingen wieder zum Fluss zurück, nachdem Aradan seiner Mutter mit den nassen Klamotten wohl eher aus dem Weg gehen wollte. Keine schlechte Entscheidung, wenngleich Renera sich fragte, weshalb sie so streng war. Erst würzte sie sein Essen zu stark und dann gab sie ihm Strafen auf, wenn er etwas mit seiner Kleidung anstellte. Vielleicht war Reona ja doch nicht so toll wie Renera immer gedacht hatte.
      Sie setzten sich zurück ins Gras und Aradan schien wieder ins Grübeln zu verfallen, doch diesmal verstand Renera endlich die Frage, die er vorhin schon gestellt hatte.
      "Warte - meinst du, du weißt überhaupt nicht, was gerade passiert ist? Du hast eine richtige Gedächtnislücke, so als... wärst du bewusstlos?"
      Aber bewusstlose Leute liefen nicht zur Mauer raus.
      "Das ist wirklich nicht normal. Vielleicht solltest du mit Momo darüber reden, sie hat bestimmt Kräuter für sowas."
      Ein wenig erleichtert darüber, dass Aradan seine Aufmerksamkeit wieder simpleren Themen zuwenden wollte, beobachtete sie ihn, wie er ein weiteres Stück in den Mund nahm und es mühelos herunterschluckte. So sah es sogar ziemlich lecker aus, ganz luftig und weich.
      "Gib mir das."
      Sie nahm ihm den Laib aus der Hand und riss sich selbst ein Stück ab, das sie sich in den Mund steckte. Bereits beim Kauen fing ihre Zunge Feuer und ihr stiegen die Tränen in die Augen, als sie sich dazu zwang das Stück aus ihrem brennendem Mund herunterzuschlucken. Kaum war es in ihrem Hals wurde es aber auch schon wieder besser und sie atmete aus, als das Gefühl wieder langsam zu verebben begann. Allerdings fühlte sich ihr ganzer Mund nun wund an.
      "Es ist... speziell, schätze ich. Du bist einfach anderes Essen gewohnt als ich."
      Sie gab ihm den Rest zurück, als ihr Magen ein knurrendes Geräusch von sich gab. Es hörte sich so an, als wäre es Hunger, bis er ein weiteres Mal knurrte, diesmal deutlich lauter und eindringlicher. Ein Gefühl breitete sich in ihr aus, als würde sich ihr Magen zusammenziehen und mit einem Mal begannen die Schmerzen wie ein Stich, als ob sich auch der Rest ihrer Gedärme zusammenkrampfen würde. Sie legte eine Hand auf den Bauch.
      "Ohh... Ich glaub... Mir geht's nicht gut..."
      Eine Hitzewelle schoss durch ihren Körper, die ihr schlagartig den Schweiß auf die Stirn trieb, während sich ihre Innereien zusammenzudrücken versuchten. Bald hielt sie sich den Bauch mit beiden Armen und rollte jammernd auf dem Boden umher.
    • Laut Wache wie vom Teufel besessen, eine der Wachen umgerannt als wäre es ein Kinderspiel, keine Erinnerungen und nun soll auch noch das Essen so anders sein? Zumal es führ ihn eher Süßlich schmeckte. Für Renera war es nach ihrem nun zweiten Versuch aber ganz klar eher höllisch scharf. Wie konnte das denn alles zusammen passen?
      "Vermutlich hast du recht... Ich sollte Momo wirklich danach fragen."
      Es beflügelte Aradan sogar dass Renera ihm solche Vorschläge machte anstatt ihn direkt abweisend zu behandelt wie es die anderen Kinder wohl direkt getan hätten. Es war auch langsam die Zeit in welcher Reona nicht mehr im Krankenhaus aushalf also war es für Aradan vollkommen in Ordnung dort vorbei zu schneien. Direkt griff er sich auch seinen mitlerweile getrockneten und nur noch leicht schmutzige Stellen aufweisenden Mantel, zog diesen über seine nun nur noch leicht klammen Klamotten und wollte schon voraus gehen ehe sich Renera plötzlich etwas krümmte.
      "Was ist los? Hast du Magenkrämpfe?"
      Als ihr dann aber schon der Schweiß sichtlich ausbrach und sie zu Boden ging, zögerte Aradan keinen Augenblick mehr, stopfte den Rest des Gebäcks in seine Tasche und riss Renera auf seine Arme hoch um auf den schnellsten Weg nach Momo zu kommen.
      "Verdammt was ist nur heute los?! Halt durch wir sind sofort da"
      Er rannte konzentriert und geschwind auf direkten Weg bis er die Tür schon in Sichtweite hatte, dabei sah wie Momo grade diese schließen wollte.
      "Nein Momo. Bitte hilf Renera!"
      Leicht erschrocken bemerkte Momo den anstürmenden Aradan mit Renera auf seinem Arm und riss die Tür direkt weit auf.
      Renera fand ziemlich schnell ihren Platz auf einem Bett wo Momo schon ihren Bauch abtastete.
      "Was habt ihr gemacht? Sie glüht regelrecht. Hol bitte kühles Wasser und Tücher. Sorg dafür dass sie stets einen kalten Umschlag auf ihrer Stirn hat."
      Ohne Worte führte Aradan augenblicklich jeden Befehl aus, konnte Momo aber auch nicht wirklich sagen was passiert ist. Seinen Verdacht legte er aber direkt auf einen Abstelltisch.
      "Wir haben nichts getan. Wir haben nur gemeinsam ein paar Haltungen trainiert, oben beim alten Svenkov. Später hab ich Renera was von meinem Essen angeboten. Es war total eigenartig. Sie sagt es wäre scharf dabei ist es doch nur ein normales Süß Gebäck von Mutter. Renera hat es dann nochmal versucht und ein Stück gegessen. Seitdem krümmt sie sich und hat schmerzen"
      Momo hörte aufmerksam zu und wunderte sich. Wenn es von Reona kam, konnte das unmöglich am Essen liegen. Diese Frau war schon bei ihrer Medizin Mixtur stets so peinlich genau, dass ein verdorbener Teig wie ein schlechter Witz klang.
      Bevor sie nun aber zu viel spekulieren würde, galt es vorerst Renera zu helfen. Es dauerte nur wenige Augenblicke da hatte Momo schon eine Kräutermischung in einem Mörser zu einer Art Mus gemischt, welcher durch die Zugabe von Pflaumen auch nicht schlecht schmeckte, solange man Pflaumen mochte.
    • Renera ließ sich jammernd von Aradan zurück ins Krankenhaus bringen, wo sie sich schnell in einem der Betten wiederfand. Mit einem Gefühl, als würde sie um ihr Leben kämpfen, rollte sie sich herum, während ihre Innereien in sich zusammenschrumpften, als hätte man sie unter eine große Presse gelegt. Der kalte Umschlag auf ihrer Stirn half ihr nicht wirklich, eigentlich sorgte er nur dafür, dass sich ihr Kopf kalt, aber der Rest ihres Körpers heiß anfühlte. Sie hätte sich auch beschwert, wären aus ihrem Mund mehr als nur Schmerzenslaute hervorgekommen.
      Momo schob ihr einen Löffel mit einer Paste in den Mund, die nach Pflaumen schmeckte und befahl lautstark, dass Renera schlucken sollte, was sich leichter anhörte als es war. Sie hätte der Ärztin gerne gesagt, dass sie gar nicht schlucken konnte, wenn ihr Rachen nirgends hinführte, doch Momo schien ihren verkniffenen Blick von allein zu bemerken. Einen Moment später spührte sie ihre Hand am Hals und in Windeseile beförderte ihr Reflex das Gemisch hinunter.
      Einige Herzschläge vergingen, in denen Momo bereits eine zweite Paste anrührte, als sich zu ihrem Schmerz auch noch ein unangenehmes Druckgefühl ausbreitete, das sich einen Weg nach oben zu bahnen schien. Momo sah sie kurz an.
      "Hol' einen Eimer, Aradan! Neben der Tür steht noch einer!"
      Keine Sekunde zu spät schob er ihr den Eimer ans Bett, als Renera sich schon vornüber beugte und einen Schwall Essensreste herauswürgte, der zum größten Teil ihr Frühstück beinhaltete und auch das noch unverdaute Gebäck beinhaltete. Die Reste hoben sich gut von dem milchigen Brei ab, den sie am Morgen gegessen hatte.
      Sie sackte auf das Kopfkissen zurück, diesmal ruhiger. In ihrem Magen tobte noch immer ein Sturm, aber das Erbrechen hatte sie so viel Energie gekostet, dass sie sich gar nicht mehr in der Lage fühlte sich zu bewegen. Ihr Gesicht war mittlerweile kalkweiß geworden und sie glühte immer noch, obwohl Momo den Umschlag schnell wieder auf ihre Stirn legte. Ihre Sicht wurde verschwommen, ihr Geist träge. Der Schmerz dominierte ihre Gedanken.
      Momo prüfte skeptisch den Eimer, schien mit dessen Inhalt zufrieden zu sein und schmierte die zweite Paste auf Renera's Lippen, wobei sie sie noch einmal zum Schlucken bringen musste. Dann, als ob es ihr erst jetzt aufgefallen wäre, drehte sie sich zu Aradan um.
      "Du hast doch auch davon gegessen, nicht wahr? Aber dir geht es gut? Keine Magenschmerzen?"
      Er verneinte und sie wandte sich wieder Renera zu. Ihre Augenlider flatterten.
      "Geh' und hol' deine Mutter, sie muss mir sagen, was alles in dem Stück drin war. Und dann hol' auch noch ihre Mutter, vielleicht ist sie gegen irgendwas davon allergisch. Lauf so schnell du kannst!"
      Sie prüfte Renera's Puls und schnappte sich bereits die nächste Salbe, die sie, wie schon am Vormittag, auf ihre Schläfen massierte. Dann, als Aradan gerade aus der Tür verschwand, beugte sie sich über sie und murmelte:
      "Wach bleiben, Schätzchen... Bloß nicht einschlafen..."
    • Kaum befohlen, sprang Aradan aus dem offenem Fenster neben sich da es einfach schneller ging als wieder bis zur Tür zu laufen. Eine knappe Minute später brach er durch die nicht verschlossene Hintertür der Schmiede hinein, in welchem seine Mutter meist bis zur Ermüdung ihren Studien nach ging. Glücklicherweise war das auch heute der Fall. Reona erschreckte sich kurz, lächelte aber als sie ihren Sohn erkannte. Der schien mal wieder viel zu viel Energie zu haben und... waren das dreckige Klamotten? Direkt verschwand ihr Lächeln. Dabei suchte sie nicht nach weiteren Flecken sondern ob sie irgendwo Risse in der Kleidung fand, was dann aber schnell von Aradan's auf ein anderes Thema abweichen lies. Reona stand sofort von ihrem Hocker auf, welcher dabei um fiel und ihr einen sehr ernsthaften und zugleich besorgten ausdruck ins Gesicht brachte.
      Aradan selbst war noch ganz außer Atem und wusste nicht was er tun sollte. Seine Mutter gab ihm immerhin keine Befehle sondern rückte ein Regal mit Kolben, anderen Reagenzen und Kräuter nach vorne. Dabei ging das ein oder andere Glas kaputt, was Reona vollkommen egal zu sein schien. Ein absolut ungewohnter Anblick für Aradan. Sonst meckerte seine Mutter schon wenn er den Reagenzen auch nur zu nahe kam.
      Was sich dann aber hinter dem Regal befand wollte Aradan nicht glauben. Er hatte das sein ganzes Leben weder gesehen noch bemerkt. Dort war eine große Aussparung mit einer Kiste die ganz klar sein Vater geschmiedet hatte. Sie sah aus als hätte man sie einen Berg hinunter werfen können ohne dass sie einen Kratzer bekommt. Und leicht war sie wohl ebenso wenig denn hatte Reona mehr Probleme damit diese Truhe vor zu ziehen als mit dem Regal.
      Sofort half Aradan seiner Mutter und gemeinsam schafften sie es diese vor zu ziehen. Reona schuppste ihren Sohn danach auf einen gewissen Abstand zurück ehe sie einen Schlüssel aus ihrer Kleidung hervor holte und das dicke Schloss entriegelte. Den knarzenden Deckel öffnend war das was Aradan aus der Entfernung zu sehen bekam fast schon magisch. Er konnte Kristalle sehen, so groß wie seine Hand. Schimmernd und... flüsternd?
      Reona brach davon eine kleine Kante ab und schon war die Show vorbei. Sie verriegelte die Truhe wieder und machte sich daran aus sehr vielen verschiedenen Utensilien etwas zusammen zu mischen, was am ende eine rot schimmernde Flüssigkeit ergab. Diese zog Reona dann in eine Spritze auf die für seinen Geschmack ziemlich groß war. Niemals hätte er zugelassen dass ihm so eine Spritze auch nur ansatzweise zu nahe käme.
      Als die Flüssigkeit dann in der Spritze war, packte Reona Aradan am Handgelenk und rannte zurück mit ihm ins Krankenhaus. Die gequälten Geräusche die Renera von sich gab, waren kaum zu überhören als sie erstmal im Krankenhaus war, so ging sie auch ohne jedes Wort auf Renera zu, sorgte dafür dass ihr Bauch frei war, was Aradan sofort rot wie eine Tomate werden lies, und drückte ihr vorsichtig die Spritze hinein. Ebenso langsam lies sie die Flüssigkeit ihren Weg in Renera's Körper finden.
      "Aradan. Halt sie gut fest. Sie könnte krampfen"
      Kaum befohlen, fing es auch schon an. Die rote Flüssigkeit schien sich wie ein Geäst unter ihrem Körper in alle Richtungen auszubreiten und dabei dafür zu sorgen dass sich jeder dort befindliche Muskel stark verkrampft. Aradan hatte starke Mühe Renera's Arme fixiert zu halten. Momo und Reona taten das Selbe bei Renera's Beinen.
      Nun waren es 3 unendlich lang wirkende Minuten bis das Serum seine Wirkung erfüllt hatte und Renera endlich von allen Schmerzen befreit war.
    • Momo stellte keine Fragen, sondern wich allzu bereitwillig zur Seite, als sie Reona anstürmen sah. Sie hatte die Zeit damit verbracht Renera wach zu halten, die mittlerweile schon das Laken durchgeschwitzt hatte und war auch jetzt wieder zur Stelle, als sie die Spritze sah. Allerdings schob sie sich vor Renera's Gesicht, damit sie eben nicht die Spritze zu sehen bekam, wobei sie sowieso nicht mehr klar sehen oder denken konnte. Ihr Kopf wollte in der beruhigenden Schwärze versinken, die ihn heimzusuchen drohte.
      Dieses Gefühl sollte ein jähes Ende finden. Ihren Körper durchbohrte ein neuer Schmerz, ein stechender, beißender Schmerz, als ob sich tausend Nadeln gleichzeitig in ihr Fleisch bohrten. Sie riss die Augen weit auf und schrie, während ihr Körper sich gegen die Schmerzen aufbäumte. Sie schien für einen Moment wie erstarrt, dann rollten ihre Augen nach hinten und ihr ausgelaugter Körper beförderte sie endlich in die Bewusstlosigkeit, der sie sich schon entgegen gesehnt hatte. Doch selbst als sie scheinlichst einschlief, bäumte sich ihr Körper zwei weitere Male auf und erzitterte, als würde jede Faser einzeln durchgeschüttelt werden. Dann war es mit einem Mal vorbei und sie erschlaffte.
      Momo war sofort zur Stelle und überprüfte den Puls. Sie verharrte zehn Herzschläge lang unbeweglich an Renera's Seite, bevor sie langsam nickte und Renera zudeckte. Sie schien erleichtert, aber ihr Gesicht zeigte eine tiefe Sorge, als wäre es ihre eigene Tochter, die vor ihr läge.
      "Aradan, Renera's Mutter", erinnerte sie ihn nun deutlich sanfter und der Junge schoss sogleich noch einmal los.

      Fijena kam in seiner Begleitung kaum zwei Minuten später hereingestürmt. Sie war eine mittelgroße, dünne Frau mit sehnigen Armen und Beinen und tiefen Falten im Gesicht, die sie zehn Jahre älter wirken ließen. Sie hatte dieselben braunen Haare wie Renera, wenngleich sie ihre Haare kurz und zusammengebunden trug. Ihre Augen trugen dunkle Augenringe, die sich niemals zu lichten schienen.
      "Renera!"
      Sie war in Windeseile an ihrem Bett und beugte sich über ihre Tochter, als müsse sie sich vergewissern, dass sie noch lebte. Ihre Stimme bebte und sie machte abgehackte Bewegungen, als müsse sie sich kontrollieren.
      "Was ist passiert?!"
      Die beiden anderen Frauen hielten respektvollen Abstand, doch nun kam Momo heran und stellte sich neben Fijena. Sie war ein ganzes Stück größer als die Mutter.
      "Sie hat etwas schlechtes gegessen." Sie warf Reona einen kurzen Blick zu. "Ich denke, dass sie gegen etwas davon allergisch war. Hat sie irgendwelche Allergien?"
      Fijena wandte sich jetzt erst der Ärztin zu, in ihrem Gesicht spiegelte sich die blanke Angst wieder.
      "Allergien? Nein, ich... nun, ich weiß es nicht, aber ich denke nein."
      Ihr Blick huschte fiebrig zwischen den beiden Frauen umher.
      "Woher hat sie etwas schlechtes zu essen bekommen?"
      "Es war an sich nicht schlecht, nur für sie. Sie hatte eine sehr starke Reaktion darauf."
      "Was hat sie gegessen?"
      Momo verwies an Reona, die ihr eine kurze Beschreibung des Gebäcks gab. Fijena hörte ihr zu und richtete sich auf. In ihrem Gesichtsausdruck schien sich etwas zu verwandeln.
      "...Wie kann es sein, dass Aradan auch etwas davon gegessen hat, aber es ihm gut geht und Renera hier liegt?"
      Ihre Stimme wurde fester, als sie die Augen zusammenkniff.
      "Hast du etwa versucht meine Tochter zu vergiften? War es das? Gift?"
      Fijena war eine zermürbte, gebrechliche Frau, die weder so willensstark wie Reona, noch so kräftig wie Momo war, doch in diesem Moment zeigte sich die Frau in ihr, die mit eigenen Händen eine Horde Kreaturen abhielt, um fünf Kindern und einem in ihrem Bauch die Flucht zu ermöglichen. Es zeigte sich die Frau, die zwei Wochen durch die Wildnis gewandert war mit nichts als ihren Klamotten am Leib und zwei Kindern in den Armen, während sie ihre letzte Energie dafür aufgewendet hatte, um ihnen Nahrung zu beschaffen. Dasselbe Feuer von damals entfachte sich in ihren Augen, als sie Reona damit zu verglühen versuchte.
      "Was hast du ihr angetan?"
    • Alles geschah so rasend schnell dass Aradan gefühlt erst wieder zu Atem kam als Renera schmerzfrei und zu schlafen schien. Langsam aber sicher stieß er aber auch an seine Grenzen. Dieser Tag war so kräftezehrend wie schon lang nicht mehr. Kaum vorstellbar wie es da Renera ginge. Dabei war das Training mit ihr doch so schön gewesen. Er hätte sie unglaublich gerne wieder dazu eingeladen aber nach dem heutigen Tag würde er wohl eher davon absehen, ganz zum Schutz für Renera.
      Doch nun wies Momo ihn nochmal darauf hin Fijena zu holen. Er hatte es ganz vergessen, oder vielleicht verdrängt? Von wem würde es wohl den meisten Ärger geben? Seine Mutter war klar aber bei Fijena fürchtete Aradan direkt dass sie ihn mit einem Happs den Kopf abbeißen würde.
      Und so kam es auch mehr oder weniger. Sie entwickelte sich zu einem regelrechten Läufer als sie Renera dort liegen sah. Es war schon ziemlich einschüchternd und dennoch konnte Aradan nur sagen wie es wirklich gewesen ist, immer wieder so detailliert wie es ihm nur möglich war. Dabei aber immer auslassend wie er seinen Filmrisse hatte.
      "Versuch dich zu beruhigen Fijena"
      Meinte Reona im ruhigen Ton.
      "Wir können alle verstehen dass du dich sorgst aber sowohl Momo als auch ich haben diese Situation bestens unter Kontrolle."
      Die berechtigten Einwände, dass es Aradan ja gut ginge und Renera nicht, obwohl sie das selbe gegessen hatten, waren nur schwer zu erklären aber eben genau diesen Umstand versuchte Reona zu nutzen
      "Ich weiß. Das ist tatsächlich merkwürdig. Wir können uns das auch noch nicht erklären aber wir werden uns selbstverständlich direkt auf die Suche nach dieser Ursache machen. Ich selbst werde mit Aradan an den Fluss gehen um alles geschehene zurückzuverfolgen. Es muss irgendeine Erklärung geben."
      Reona's Blick während dieser Erklärung stach ein mal ganz kurz Aradan. Dieser kurze Blick hat gereicht um ihn ausreichend genug zu verängstigen, dass er vorerst das Krankenhaus verließ um draußen an frische Luft zu kommen.
      Momo vertraute derweil auf Reona und spielte vorerst mit. Es musste einen Grund haben dass Reona sofort wusste was sie zu tun hat. Momo selbst hätte immerhin zugeben müssen keine wirkliche Lösung für Renera's Fall gehabt zu haben. Ihre Fragen mussten nun aber vorerst warten. Das vor der berechtigt aufgebrachten Fijena zu besprechen wäre nicht nur taktlos gewesen, sondern auch äußerst unklug.
    • Fijena sah erst Reona finster an, dann wandte sich dieser Blick auch Momo zu. Sie schien darüber nachzudenken, ob sich die beiden Frauen gegen sie verschworen hatten, doch die Antwort darauf behielt sie für sich. Nach einer kurzen Stille sagte sie schließlich:
      "Das will ich auch hoffen."
      Als ob sich das Thema damit für sie erledigt hatte, setzte sie sich auf die Bettkante und tupfte Renera mit ihrem Ärmel den Schweiß von der Stirn. In ihrem Gesicht stand noch immer die Wut geschrieben, doch zumindest schien sie es vorerst abgehakt zu haben.
      Momo bedachte Reona mit einem stummen Blick, der ihr klarmachen sollte, dass sie gerne weitere Informationen von ihr bekommen würde. Allerdings sagte sie nichts, sondern brachte Fijena einen Stuhl und machte sich dann davon die restlichen Arbeiten zu erledigen. Sie würde sicherlich auf Reona zurückkommen, wenn sie es nicht schon selbst tat.
      Fijena verbrachte den ganzen restlichen Tag an Renera's Seite und ging nur ein Mal, um Ellaya vom Unterricht abzufangen und die kleine Cilla zu füttern. Ellaya wurde mit den Aufgaben betraut, die sonst Renera übernommen hätte und war stinkwütend. Die einzige Information, die sie von dieser ganzen Sache erhalten hatte, war die eigene Beobachtung, wie Aradan die weinende Renera wegbegleitet hatte und anscheinend den ganzen restlichen Tag an ihrer Seite verbracht hatte, denn sonst wäre er ja gar nicht im Krankenhaus gewesen, als sie wegen ihren Magenkrämpfen gekommen war. Daraufhin reimte sie sich ihre eigene Geschichte zusammen: Die beiden hatten sich auf ihrem Weg aus dem Unterricht prächtig unterhalten, hatten sich verliebt und suchten jetzt nach Möglichkeiten Zeit miteinander zu verbringen, während Ellaya mit allem beauftragt wurde, was sonst Renera gemacht hätte. So hatten sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Renera hatte ihre Freizeit und Ellaya war zu beschäftigt, um sich um Aradan zu kümmern. Ganz toll.
      Während Fijena's Abwesenheit, als sie ihre vier undankbaren Geschwister zu verpflegen versuchte, schmiedete sie daher einen Racheplan. Sie würde sich Aradan zurückholen.

      Renera erwachte in den frühen Morgenstunden. Sie fühlte sich seltsam erholt, aber sie hatte Angst sich zu bewegen. Ihr Magen fühlte sich flau an, aber das kam eher davon, dass sie nichts gegessen hatte. Sie hatte riesigen Hunger. Ein vorsichtiger Blick in ihre Umgebung zeigte ihr, dass sie alleine war und das versetzte sie in leichte Angst. Wenn wenigstens Momo hier gewesen wäre, oder auch Aradan, hätte sie sich bestimmt beruhigt, aber der ganze Raum war leer. Schließlich versuchte sie sich doch aufzusetzen.
      Momo erschien nur wenige Zeit später und kümmerte sich um sie. Es dauerte auch nicht lange, da kam ihre Mutter durch die Tür und schien überglücklich zu sein sie wohlauf zu sehen. Die beiden Frauen redeten leise miteinander, da versank Renera schon wieder in einem Halbschlaf, der von ihrem knurrendem Magen begleitet wurde.

      Einige Stunden nach ihrem Erwachen fing der Unterricht an, den sie heute nicht besuchen würde - Waffenkunde. Was ist eine Waffe und wie pflegt man sie. Der größte Teil davon war theoretischer Unterricht, bevor man sich für einzelne Stunden dem praktischen Teil davon widmen würde. Dementsprechend fand er im Schulgebäude statt.
      Ellaya kam früh genug um sich, wie immer, einen Platz neben Aradan zu ergattern. Sie winkte ihm zu, als er hereinkam und begrüßte ihn fröhlich.
      "Hey, Ari!"
      Sie verspürte eine kleine Nervosität als er sich setzte, und legte sich die Wörter im Kopf zurecht.
      "Du, sag mal, ich hab gehört, dass du gestern den ganzen Tag mit Renera zusammen warst. Stimmt das?"
      Sie sah sich einmal verschwörerisch um, wobei ihr Blick kurz an Tokiev hängen blieb. Dann beugte sie sich zu Aradan rüber und hielt die Hand vor.
      "Ich sollte dir wahrscheinlich sagen, dass Rey letztens mit Tokiev zusammengekommen ist."
      Sie zeigte ganz vorsichtig in seine Richtung.
      "Ich glaub' er hat es nicht so gerne, wenn seine Freundin immer mit Jungs abhängt. Deswegen reden sie auch über dich, wenn du nicht da bist. Lästern über deinen Vater und sowas. Sonst würde sie wahrscheinlich nicht mit dir rumhängen."
      Sie lehnte sich wieder ein bisschen zurück.
      "Ich dachte mir das solltest du wissen. Ich nehm' sie ja immer mit, weil sie meine Schwester ist, aber eigentlich mag sie dich gar nicht."