[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • [2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

      Es war einmal eine Zeit, in der Magie großgeschrieben wurde. Diese Wissenschaft, die sich ganz auf die Verwandlung und Erschaffung von Dingen konzentrierte, fand begeisterte Schüler in Schulen und überall dort, wo man die Zeit und Fähigkeiten besaß, sich ihr zu widmen. Die Zeit des Schwertes und des Stahls waren vorüber, die Wissenschaft regierte die Welt. Kriege wurden mit ohrenbetäubendem Krachen geführt, wenn ganze Kompanien an Magiern sich beschossen. Der einfache Soldat wurde zum Wachmann eben jener Magier. Nun galt nicht mehr die gegnerische Armee anzugreifen, sondern den verbündeten Magiern das Wirken zu ermöglichen. Die Welt gelang in eine Hoch-Zeit, geprägt von dem machtvollem Einfluss aller Magie, die bekannt war.
      Und sie hätte auch andauern können, hätte man nicht auch die dunklen Seiten entdeckt. Die tödlichen Seiten. Die Seiten, die nicht nur die Magier beeinflussten, sondern auch ihre ganze Umgebung.

      Melora ist ein idyllisches Dorf, das sich seinen Verdienst mit Holz, Getreide und Vieh macht. Eigentlich ist das 300-Mann starke Dorf auch stets neutral gegenüber sämtlichen Ereignissen, die sich auf der Welt so abspielen, wären da nicht die Kreaturen, die durch die Welt streifen und sich die Mäuler nach Blut lecken. Die Plage, die Verderbten, die Verfaulten oder wie auch immer man sie nennen darf. Kreationen dunkler Magie, die sich in den Landschaften verfestigte und das hervorbrachte, was den Menschen als die tiefsten Albträume bekannt ist. Kreaturen sämtlicher Formen und Größen, die nicht eher aufhören würden, bis die gesamte Menschheit unter ihren Fängen zerfleischt wurde.

      Und ausgerechnet diese Kreaturen sind es, die Melora und andere Dörfer, welche nicht den Schutz hoher Mauern genießen, ihr Leben lang heimsuchen. Nur einen einzigen Vorteil hat die Welt, die sich nun neu geschaffen hatte: Kein Bauer wusste nicht, wie man mit einem Schwert umgehen musste.


      @TobiMcCloud
    • Renera Elquin


      Alter: 13
      Herkunft: Dorf Erathis, 13 Tagesreisen von Melora entfernt
      Familie:
      Eltern: Fijena und Korth Elquin
      Geschwister: Ellaya, Schwester (11)


      Anthea, Halbschwester (7)
      Varus, Halbbruder (5)
      Edek, Halbbruder (4)
      Tysin, Halbbruder (2)
      Cilla, Halbschwester (1)

      Vorgeschichte: Renera lebte einst in dem von Landwirtschaft geprägtem Dorf Erathis, das durch seine offene Lage besonders in den letzten Jahren vielen Überfällen der Kreaturen ausgesetzt war. Als die letzten Palisaden schließlich stürzten und das verarmte Volk sich dem Sturm aus blutgierigen Monstern gegenübersah, unternahm Renera's Familie eine waghalsige Flucht über die Hügel, lediglich angetrieben von ihrer Mutter und den beiden Schwestern Renera und Ellaya, die den Rest der Brut nachscheuchten. Nach zwei nervenaufreibenden Wochen, in denen der schwächliche Halbbruder Idlin am Hungerstod verstarb, erreichten sie Melora als sichere Rettung. Die Bewohner nahmen die Familie bei sich auf, eine warmherzige Geste, die in allzu großem Kontrast zu der Kälte stand, die sie in Erathis verspürt hatten.

      Familiengeschichte: Vater Korth verließ die Familie, als Renera fünf war. Die Kreaturen hatten ihn in einen furchtsamen und nervösen Mann verwandelt, der es nicht mehr ertragen wollte, ihrer ständigen Bedrohung ausgesetzt zu sein. Er verließ seine Familie, um sich der Seefahrt anzuschließen, nachdem es auf dem Ozean friedlich war. Im Versuch, die Kinder im hungernden Dorf zu unterstützen, suchte Mutter Fijena Hilfe bei ihren Nachbarn und schließlich im ganzen Dorf. Manche unterstützten sie, manche nicht, manche waren ihnen gütig gestimmt, manche nicht. Sie stürzte sich in einen immer mehr zunehmenden Verkauf ihres eigenen Willens, um den Kindern ein Essen auf den Tisch zu bringen. Dieser Verkauf hatte zur Folge, dass die damals noch einzigen beiden Schwestern fast jedes Jahr neuen Nachwuchs erwarteten, den es zu füttern und zu verpflegen galt. Eine nicht enden wollende Aufgabe, die sich sogar in Melora fortsetzte, wo man ihnen freiwillig unter die Arme greifen wollte.

      Charakter: Renera hat bereits Kreaturen zu Gesicht bekommen und ist damit früh auf den Ernst des Lebens eingestellt. Sie ist pflichtbewusst und führt ihre Verantwortungen sorgsam aus, allerdings wendet sich diese frühe Reife auch zu ihrem Nachteil. Sie leidet oftmals unter Stimmungsschwankungen, sucht die Schuld bei anderen und würde sich am liebsten den ganzen Tag an den kleinen Fluss setzen, anstatt ihre fünf Halbgeschwister zu verpflegen. Die einzige Hochstimmung, die sie verspürt, entsteht wenn sie sich in der Natur bewegt, von der es glücklicherweise in dem größeren Dorf mehr zu sehen gibt. Außerdem lässt sie sich schon jetzt mit Geschenken bestechen.

      Stärken: Renera lernt gut und ist zielgerichtet. Sie führt ihre Tätigkeiten mit großer Sorgfalt durch und ist darum bemüht, stehts alles richtig zu machen. Im Unterricht kann sie eine gute Leistung verzeichnen.

      Schwächen: Sie wird oft von ihren Emotionen beherrscht und handelt gegen ihren Instinkt. Besonders dem Lehrer gegenüber ist sie gerne aufmüpfig und sagt auch sonst geradeheraus, wenn ihr etwas nicht passt. Im Unterricht führt das dazu, dass sie schnell frustriert ist und an wichtigen Stellen ganz aufgibt.

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    • Alter: 14
      Herkunft: Dorf Melora
      Familie:
      Vater: Marudan Elric
      Mutter: Reona Elric
      Bruder: Verstorben

      Vorgeschichte:
      Aradan ist der zweite Sohn des Krysstec Schmied's Marudan Elric und der, als eigenartig geltenden, Forscherin Renoa.
      Von harter Disziplin geprägt, wuchs Aradan in Melora auf. Einem Dorf dass sich ausgezeichnet in der Abwehr der Kreaturen bewehrt und einen Namen gemacht hat. So wurde auch Aradan schon mit gute Nacht Geschichten geschult wie angeblich mächtige Helden das Dorf in vergangener Zeit mit diversen Taktiken verteidigt hat, damit er diese schon verinnerlicht bevor ihm überhaupt bewusst war was der Zweck dahinter war. Sobald er aufrecht stehen und Dinge greifen konnte, wurden ihm statt Rassel und Puppen, stumpfe Messer und kleine Meißel in die Hand gelegt.

      Familiengeschichte:
      Marudan, der einzige und doch ausreichende Schmied in Melora ist ein ruppiger, gezeichneter Mann welcher alles schmieden kann was sich zwischen seinen Hammer und Amboss befindet. In Melora genießt er hohes Ansehen da seine Schmiedekunst seines gleichen sucht. Nicht nur ist er in der Lage wie andere Schmiede in der Umgebung in kurzer Zeit Waffen herzustellen oder Dinge zu reparieren, sondern vermag er es, samt Hilfe seiner Frau, das Kryss nutzbar zu verarbeiten. So ist er der einzig bekannte und selbst ernannte Krysstec Schmied. Mit Hilfe seiner Verarbeitungskunst nutzen sich seine Produkte deutlich langsamer ab und wirken obendrein als Katalysatoren für Magie.

      Möglich macht das nur die prächtige Zusammenarbeit mit seiner Frau Reona, welche schon in ihrer Kindheit vernarrt darin war alles über Pflanzen und Kräuter in Erfahrung zu bringen. Oftmals als Aushilfe für den Medikus arbeitend, erforscht sie mit ihrem Mann nahezu täglich neue Mittel und Wege um Kryss anderweitig nutzbar zu machen.

      Charakter:
      Aradan wurde schon sehr früh, früher als es im Dorf üblich war, in anstrengende Tageswerke mit eingebunden, welche sich zu Anfang darauf beliefen dem Vater beim schmieden zu helfen. Etwa den Hochofen stets mit Kohle zu speisen, neue zu besorgen oder als Packesel der Mutter zu dienen wenn diese wieder neue Kräuter im Wald suchen ging. Wenn andere Kinder nach ihrem Unterricht meist eigenständig den Rest des Tages verbringen durften, musste Aradan nahezu täglich im eigenen Haus helfen. Oftmals fühlte er sich regelrecht bewacht und fragte sich zunehmend warum er nicht mit den anderen lernen dürfe. Doch hat er als Antwort, wenn er sich denn wagte zu fragen, stets einen zornigen Blick des Vaters geerntet, welcher ihm immerzu eine Gänsehaut durch den ganzen Körper zu jagen vermochte. Schnell merkte Aradan dass sein Vater diese Wirkung auch bei anderen Dörflern hatte. Kaum einer wagte es ihm Vorschriften zu machen. So war es jedes Mal ein beeindruckendes Schauspiel wenn das Dorfoberhaupt ihm einen direkten Befehl erteilte, welcher meist mit einem grummelnden Nicken hingenommen wurde.
      Erst im alter von 10 Jahren, als er stark genug war um sich im Dorf nützlich zu machen, genoss er ein kleines bisschen mehr Freiheit. So liebte er es jede freie Minute zu nutzen um mit seinem Bogen auf Trainingsziele zu schießen.

      Stärken:
      Aradan ist wissbegierig wie seine Mutter und strebt stets danach seine Leistungen zu steigern um seine Grenzen kennen zu lernen und zu überwinden.

      Schwächen:
      Oftmals kommt ihm der Leistungsdruck, welchen er sich selbst macht, in die Quere. Er übernimmt sich und schadet sich dadurch. Seine Gier nach Wissen hat ihn schon Oftmals in Schwierigkeiten gebracht, so scheint für ihn jede Vernunft auszusetzen wenn er etwas will. Konsequenzen interessieren ihn nicht.

      Besonderheit:
      Aradan ist das zweite Kind seiner Eltern, doch starb dieses mit einer starken Fehlbildung der Knochen schon bei der Geburt. So war seine eigene Geburt ebenso etwas besonderes. Seltsamerweise dauerte die Schwangerschaft ganze 2 Monate länger, was sich der Medicus nie erklären konnte, ebenso wie die Besonderheit Aradan's Augen, welche in einem beinahe strahlend hellem Blau daher kamen.



      Marudan
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      Reona
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    • Monster: Spinnenmutter



      Geschwindigkeit: Langsam
      Stärke: Schwach
      Kampfmittel: Fäden schießen, die das betroffende Körperteil paralysieren, den Gegner damit zu Fall bringen, ihn in seine Fäden einwickeln und aufessen
      Eigenschaften: Sehr leises Anschleichen, kann ein Kreischen von sich geben, das im schlimmsten Fall das Trommelfell zum bersten bringt, kann menschliche Schreie imitieren, kann klettern
      Kampftaktik um sie zu besiegen: In Bewegung bleiben, den Fäden ausweichen, möglichst auf Abstand bleiben. Wenn möglich Ohren schützen. Der Bestie den Kopf abschlagen und die Waffe hinterher gründlich reinigen, bevor man sie wegsteckt. Nicht auf den Boden fallen.
      Sinne: Sie können ausgezeichnet riechen, aber schlecht sehen.
      Verhalten: Wenn sie nicht durch die Welt wandern tendieren sie dazu, sich Nester zu bauen, wenn es in der Umgebung genug zu essen gibt. Die Faustregel besagt, dass eine Spinnenmutter sich nach drei hintereinander folgenden Jagden im selben Gebiet ihr Nest bauen wird.
    • Monster: Läufer
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      Geschwindigkeit: Moderat
      Stärke: Stark
      Kampfmittel: Scharfe Reißzähne um ihre Opfer regelrecht zu zerfleischen
      Eigenschaften: Körperlich dem Menschen überlegen, besitzt scheinbar den Instinkt immer von Menschenmassen angezogen zu werden.
      Kampftaktik um sie zu besiegen: Möglichst im Fernkampf bekämpfen. Im Falle des Nahkampfes, keine Hiebe parieren sondern ausweichen.
      Sinne: Instinkt getrieben. Können nichts sehen oder riechen.
      Verhalten: Gehen meist im normalen Tempo gradlinig auf Menschenansammlungen zu bis sie in 30-40 Metern Nähe sind. Dann verfallen sie in Raserei und stürmen auf ihr nächstes Ziel zu. Scheinbar nicht auf Nahrung aus zu sein da diese sich sofort das nächste Ziel suchen sobald das letzte tot ist.
    • [2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

      Die heiligen drei Tugenden, die einen Menschen ausmachen, sind Umsicht, Tapferkeit und Fürsorge. Umsicht, weil man die Konsequenzen der Zukunft abschätzt und entsprechend handelt. Tapferkeit, weil man in Momenten, in denen es gefordert ist, gegen seinen Instinkt handelt. Fürsorge, weil man anderen hilft, obwohl man vielleicht selbst Hilfe benötigt. Ein Mensch, der alle Tugenden in sich vereint, ist ein Mensch, der der Vollkommenheit einen Schritt näher gekommen ist und sich damit über andere Menschen stellen kann, wenn es die Situation erfordert. Ein König hat durch sein Sein alle Tugenden in sich vereint.

      Renera ging den Lehrspruch in Gedanken durch, während sie durch die Marktstraße stapfte und den Leuten, die ihre Körbe mit sich herumtrugen, und ihr damit in den Weg kamen, finstere Blicke zuwarf. O ja, sie war fürsorglich, und wie sie das war. Sogar so fürsorglich, dass sie ihren freien Nachmittag für Botengänge opferte. Dabei hätte Varus locker gehen können, er war alt genug um den Markt allein zu besuchen. Aber nein, Varus hatte seinen blöden Kleinkinderunterricht. Er konnte ja noch nicht einmal ein Schwert halten, was sollte es ihm dann bringen sich Bewegungen einzuprägen? So ein Mist.
      Sie überquerte die Straße, wich dabei einem Karren Holzplanken aus, der sich seinen Weg durch die Menge erkämpfen musste, und näherte sich dem Schmied. Das rhythmische Klirren von Eisen, das man tagsüber hören könnte, mischte sich stets zu dem Lärm des Marktes und verstärkte sich mit jedem Schritt, mit dem sie sich näherte. Schon bald war es so nah, dass es ihr mit jedem Schlag durch Mark und Bein ging und in ihren Ohren schmerzte. Sie hasste diesen Lärm. Man konnte noch nicht einmal die Vögel zwitschern hören. Es schien ignorant gegenüber den natürlichen Naturgeräuschen.
      Mit zwei großen Schritten beförderte sie sich nach innen und knallte die Tür hinter sich zu.
      Der Innenraum war eine Ausstellung von Meisterwerken, wie sie fand. Schwerter, Bögen, Speere, Äxte, Hämmer und Zangen schmückten die Wände über den Tischen, auf denen Rüstungen und Ketten lagen. Schilde, die fast so groß waren wie sie selbst, waren so platziert, dass das Sonnenlicht der Fenster sie zum leuchten brachte. Zu allem Überfluss konnte man das Hämmern von draußen noch immer hören.
      Sie schlurfte durch den Raum auf den braunhaarigen Jungen zu, der irgendwas hinter der Theke veranstaltete. Sie stellte sich vor, wie er sich heimlich Ohrenschützer bastelte, denn ihm schien der Lärm weitaus weniger etwas auszumachen, obwohl er den ganzen Tag hier verbrachte. Sie sollte ihn mal fragen, ob er mittlerweile schon taub war.
      Hey, Ara.
      Sie lehnte sich auf die Theke und versuchte, halb neugierig, halb gelangweilt, einen Blick dahinter zu erhaschen. Die Theke ging ihr fast bis zur Brust, sie war klein für ihr Alter.
      Ich brauch’ eine Kette. So eine für Zuhause, nicht diese schweren dahinten.
      Sie zeigte in Richtung der Rüstungen.
      Meine Mama hat gesagt, dass es ruhig mehr kosten kann.
      Sie hoffte darauf, dass Aradan ein bisschen brauchen würde um eine Kette zu finden, oder ihr sagen würde, dass sie keine mehr hatten, aber leider schien er von seinem Vater zu gut im Umgang mit Kunden geschult zu sein. Kaum eine Minute später hielt sie eine Kette in den Händen.
      Danke. Außerdem…
      Sie drückte sich ein wenig herum, trat von einem Fuß auf den anderen, suchte nach einem Ausweg aus dieser peinlichen Situation und seufzte schließlich gequält, bevor sie die Arme vor der Brust verschränkte und die Augen verdrehte.
      Außerdem soll ich dich von Ella fragen, ob du mit ihr schießen kommen willst. Sie will dir unbedingt ihre selbst geschnitzten Pfeile zeigen.
      Ellaya hatte in der Sekunde angefangen sich für Bogenschießen zu interessieren, als sie herausbekommen hatte, dass Aradan ganz vernarrt darin war. Dabei war sie eher ein Tiermensch und wollte ihr ganzes Leben schon auf einem Pferd reiten. Bogenschießen und reiten? Das passte einfach nicht zusammen. Sie hätte sich lieber einen Bauersjungen aussuchen sollen.
      Sie meint, dass es nicht mehr viel Gelegenheiten dafür gibt, weil ja nächste Woche die Prüfung ist und wir danach noch weniger Freizeit haben als jetzt.
      Von wegen Freizeit! Botenzeit hätte sie es eher genannt. So eine Verschwendung in diesem stickigen Raum zu palavern.
      Kommst du mit? Oder nicht?


      @TobiMcCloud
    • Der Tag verlief wie jeder andere in dieser Woche. Vor dem ersten Sonnenstrahl aufstehen um das Feuer in der Schmiede zu zünden, die Kühlvorrichtung mit neuem Wasser auffüllen, nachsehen ob noch genug Holzkohle zum nachwerfen verfügbar ist und anschließend die Bestände prüfen.
      Mittlerweile war Aradan so darauf konditioniert, dass er es wie ein schlafwandelnder Trunkenbold ausübte, so kam es immerhin schon mal vor, dass er Schlaftrunken gegen eine Rüstung oder geschlossene Tür lief.
      Wie ein Uhrwerk schritt sein Vater kurz nach letzter Erledigung nach draußen als Aradan die Doppeltüren zum Lagerraum, welches sich wenige Meter neben dem Haus befand, zu fallen lies.
      "Guten Morgen Vater"
      sagte Aradan begrüßend während er sich selbst noch den Schlaf aus seinen Augen rieb. Marudan selbst sah finster drein, wie er es nahezu immer tat und nickte seinem Sohn entgegen, gefolgt von einer weiteren Kopfbewegung in Richtung des Lagers.
      "Und?"
      Fragte er mit seiner rauen Stimme während er sich streckte und daraufhin etwas alten Leibkraut aus seiner Tasche zog und dieses anfing zu kauen.
      "Es sind nur noch 3 Barren Eisen und 2 Barren Zinn da. Kalk haben wir noch genug und Kohle ebenso."
      erklärte Aradan recht zügig und blickte zum Amboss hinüber, welcher ein in Tuch gehülltes, unfertiges Werk vor den nächtlichen Tau schützte.
      "Reicht das Eisen für diese Bestellung?"
      fragte er neugierig
      "Wohl kaum. Aber der alte Svenkov wird den Unterschied ohnehin nicht bemerken. Dem könnte ich Nägel als Kühe andrehen. Verdammter alter Säufer"
      Aradan zog amüsiert leicht den Mundwinkel hoch als er sich diese Worte vorstellte. Sein Vater hatte nicht unrecht. Selten wurden die Menschen älter als 60 und wenn sie es doch schafften, waren sie nicht mehr in der Lage bei der Arbeit zu helfen also wurden sie als Schafshirten eingeteilt, was nun wirklich kein spannender Beruf war. So wurde Svenkov nicht nur einmal dabei erwischt wie er mit Starkbräu, vollkommen benebelt auf der Wiese zwischen den Schafen lag und irgendwelchen Tannt von sich gab.

      Einen kurzen Moment später sortierte der Schmied sein Werkzeug und und delegierte seinen Sohn umher bis die Schmelze nun langsam zu glühen begann. Aradan wusste schon immer, an diese Hitze würde er sich einfach nie gewöhnen können. Kein Wunder dass sein Vater immer nur in Hosen dort stand. Und dennoch fragte er sich immer wieder wie dick diese Haut sein muss um Stunden lang so nah an der Glut stehen zu können. Viel wichtiger war nun aber die Frage was heute anstehen würde. So fragte Aradan vorsichtig, wissend dass ohnehin kaum noch Eisen vorhanden ist
      "Vater. Soll ich nachher zum Händler gehen und neues Eisen bestellen? Anschließend könnte ich den Holzfällern helfen. Immerhin steht für mich heute kein Unterricht an. Mutter ist noch in den Wäldern."
      Marudan sah auf und blickte Aradan prüfend an. Als hätte er nicht die Abwesenheit seiner Frau bemerkt, rief er mit seiner bedrohlich wirkenden Stimme in Richtung Haus ihren Namen. Als keine Antwort kam sah er wieder seinen Sohn an und grummelte.
      "Wenn deine Mutter nicht da ist, wirst du den Laden führen. Das solltest du langsam wissen. Danach kannst du dem Händler bescheid geben. Und nun rann an den Blasebalg."

      Aradan seufzte innerlich. Niemals hätte er seine Enttäuschung vor seinem Vater gezeigt. Zumindest nicht seit er sich das letzte Mal eine Woche Strafarbeit aufgebrummt hatte.
      So begann dieser Morgen zumindest wie viele andere. Die Schmiede wurde zum laufen gebracht während die anderen Dörfler ebenso wach wurden, was in der Regel spätestens nach dem ersten Hammerschlag der Fall war. Sobald alles lief und die Feuer heiß genug waren, durfte sich Aradan zurück ins Haus und in den vorderen Bereich machen, wo der Laden aufgebaut war. Um Langeweile zu vermeiden, putzte er stets jedes Ausstellungsstück. Er wollte das Risiko vermeiden dass seine Mutter unerwartet hinein kam und Dreck, geschweige denn Staub auffand. Es war nicht dass sie so strickt war wie sein Vater. Viel eher reagierte sie mit einer Niesattacke wenn sich zu viel Staub im Laden befand, was schnell der Fall war wenn sein Vater Kalt oder Kryss zerkleinern musste.

      So verlief dieser Morgen recht flott. Der ein oder andere Kunde kam hinein um neues Geschirr für das ein oder andere Vieh zu kaufen, oder auch um neue Pfeile zu bestellen. Letzteres war nie ein großes Problem. Das Lager war voll mit Holzstangen, Pfeilspitzen aus geschliffenem Stein sowie ein paar sehr teuren Krysstec Pfeilspitzen, welche Aradan auf Bestellung nur zusammensetzen musste.
      Kurz nach der letzten Bestellung der 50 Pfeile, setzte er sich direkt daran hinter den Tresen diese zusammen zu setzen als dann auch schon die nächste Kundschaft kam. Dieses mal war es das Mädchen Renera. Eine der Flüchtlinge aus Erathis, welche nun schon seit guten 2 Jahren in Melora lebte.
      Ihre Bestellung war recht schnell abgehandelt, doch gerade als er sich schon wieder den Pfeilen widmen wollte, frage sie ihn doch tatsächlich nach einer seiner Lieblingsthemen. Sofort wurde er hellhörig und sah ihr direkt in die Augen.
      "Zum schießen? Aber natürlich. Ich muss nur noch zwei Stunden den Laden hüten und anschließend zum Händler."
      Die Erwähnung der geschnitzten Pfeile oder gar Ellaya, schien vollkommen an ihm vorbei zu gehen. Doch dann druckste auch er leicht rum und zwang sich nach einem kurzen Blick auf seine Pfeile zu fragen
      "Kommst du auch?"
    • Renera runzelte die Stirn. Hatte er überhaupt gehört, was sie gesagt hatte? Es schien immer so, als würden seine Ohren auf Durchluft schalten, wenn man auch nur ein Wort über einen Bogen oder Pfeil verlor. Er war dann immer wie ein ausgehungerter Hund, dem man ein Stück Fleisch vor die Nase hielt. Wieso hatte sich Ellaya gerade ihn ausgesucht? Bis auf die hübschen Augen konnte er nicht viel bieten. Er war eher noch komisch, wobei er wenigstens schießen konnte.
      Sie gab ein theatralisches Seufzen von sich.
      "Ich muss noch zur Schneiderin eine Weste abholen und dann muss ich noch Milch kaufen gehen und Cilla baden..."
      Plötzlich kam ihr ein Lichtblitz.
      "Ich werd' auch kommen. Wir treffen dich auf der Brücke!"
      Belebter als vorhin, als sie reingekommen war, hüpfte sie wieder nach draußen und machte sich auf einen schnellen Heimweg, um die Kette anzubringen. Wenn Ella sie schon vorschickte, um sie zu verkuppeln, würde sie eben auch die Wäsche übernehmen müssen. Und Cilla würde sie auch waschen müssen, wenn sie wollte, dass Renera ihr erzählte, ob Ara zugesagt hatte oder nicht. Das war doch mal ein Beweis der Umsichtigkeit!

      Zwei Stunden später standen die beiden Mädchen auf der Brücke, Ellaya aufgetakelt und nervös, Renera zufrieden. Ellaya hatte sich extra ihr feines, braunes Kleid angezogen, das ihr nur bis zu den Knie ging und sie schmal aussehen ließ. Die Haare hatte sie sich in aufwendiger Arbeit nach hinten geflochten und sogar ein wenig Puder aufgetragen - sie sah fast aus, als sei sie 15. In der Hand hielt sie den schmalen Übungsbogen, den sie von Waffenmeister Rodrik geliehen hatte, nachdem ein echter Bogen zu teuer war. In der Ledertasche hatte sie ihre eigenen Pfeile dabei. Renera hatte sie schon gesehen, sie hatte kitschige Herzen hineingeritzt.
      "Du hast doch viel zu wenig geübt, um mit ihm mithalten zu können! Du hast den Bogen letzte Woche kaum angefasst."
      Ella warf ihr einen bösen Blick zu, sah aber sofort wieder zur Schmiede. Ihre Haare sahen in der Sonne wie das Sonnenlicht selbst aus.
      "Ich komm' schon klar. Ich will ihm ja auch nur die Pfeile zeigen. Er wird sie bestimmt mögen."
      "Ich glaub nicht, dass er ein romantischer Typ ist. Ich glaub eher er ist wie... ein Hund."
      "Rey, hör auf!"
      "Ist doch so! Von seinem Vater dazu erzogen immer gehorsam zu sein und das Bogenschießen ist sein Leckerchen. Es fehlt nur noch, dass er hechelt."
      "Du bist doof."
      Renera kicherte. Sie beobachteten beide, wie Aradan aus der Schmiede herauskam und den Weg zum Händler einschlug. Sie waren zu früh gekommen.
      "Oh - sieht er herüber? Sieht er?"
      Sie reckte sich und winkte ihm mit dem ganzen Arm zu, aber es war nicht zu erkennen, ob er sie überhaupt schon gesehen hatte. Ein paar Minuten später ging er wieder in die Schmiede zurück und Ellaya hörte mit dem albernen Gewinke schließlich auf. Renera verdrehte die Augen.
      "War Mama heut schon Zuhause?"
      "Ne. Vielleicht. Keine Ahnung."
      "Wie keine Ahnung? Du warst doch den ganzen Tag daheim?"
      "Ja, aber ich hab sie nicht gesehen."
      "Also war sie nicht Zuhause?"
      "Keine Ahnung."
      Renera stöhnte, da ging die Tür zur Schmiede erneut auf und Aradan kam erneut heraus. Er hatte seinen eigenen Bogen dabei, der ein deutliches Stück größer und eindrucksvoller war als das, was Ella da in der Hand hielt. Wenn Renera an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte sie das wahrscheinlich gekränkt.
      "Ari! Hier drüben!"
      Sie winkte ihm erneut zu und präsentierte ihr strahlendstes Lächeln. Ihr Blick haftete auf ihm, als wären ihre Augen mit seiner ganzen Erscheinung verbunden. Renera verzog nur die Mundwinkeln zum Gruß, als er zu ihnen kam.
      "Rey hat vorgeschlagen, dass wir zu dem kleinen See neben den Feldern gehen. Vielleicht stehen da noch ein paar Kisten rum und ansonsten können wir die Vogelscheuchen abschießen."
      Sie lächelte immer noch beglückt und machte anstalten, sich bei Aradan einzuhaken. Renera war alles recht, solange sie nahe der Felder bleiben würden. Es gab dort einen Bauersjungen, der sie wahrscheinlich genauso verrückt machte, wie Aradan Ellaya.
    • "Wir treffen uns auf der Brücke" war an diesem Tag wohl das Erste was Aradan etwas Freude eingehaucht hatte. Ab dem Zeitpunkt als Renera den Laden wieder verlassen hatte, verging für Ihn die Zeit einfach nicht mehr. Alle zwei fertige Pfeile kam es ihm vor als hätte er wieder eine Stunde rum, wobei es dann doch nur 10 Minuten gewesen sind.
      Zu seiner Verwunderung kam sein Vater dann sogar schon etwas eher in den Laden, schweiß getränkt und nach Eisen riechend.
      "Geh. Setz das Eisen auf die Liste. Wenn du dich sputest, erwischst du ihn noch. Wenn er zu viele Bestellungen bekommt wird er keine neuen mehr annehmen und jetzt ist die Zeit in welcher die meisten Arbeiten."
      Aradan nickte, prüfte nochmals ob er die Pfeile auch gut mit einem Bindseil verschnürt hatte und eilte zur Tür.
      "Und bevor ich es vergesse. Bestell auch noch zwei Kryss dazu. Sag ihm dass er mir noch was schuldet. Wenn er sich sträuben sollte, soll er mit mir persönlich sprechen"
      "Jawohl Vater"
      bestätigte Aradan ehe er dann flott zum Händler eilte, mit den Gedanken längst bei den Trainingspuppen. Sich selbst dabei immer mal wieder ertappend wie er hoffte dass Renera ebenso die Zeit gefunden hat zu kommen.

      Beim Händler angekommen geschah genau das was zu erwarten war. Er versuchte zu drucksen. Lies dann aber gefühlt bleicher werdend alles durch gehen als der Rat kam sich mit Marudan selbst über die Bestellung zu einigen.
      Zwar fragte sich Aradan für einen Augenblick was sein Vater mit dem Kryss wollte, doch würde er ohnehin keine Antwort auf seine Frage bekommen. So eilte er wieder schnell zurück um seinem Vater die Lieferung zu bestätigen. Dieser war grade damit beschäftigt sich den Ruß und anderen Dreck abzuwaschen. Diesem Moment nutzte Aradan augenblicklich um sich beinahe diebisch seinen Bogen samt Pfeile zu krallen und sich auf zur Brücke zu machen.

      Direkt konnte er zwei Personen warten sehen, von welcher eine Renera war. Aufgeregt darüber endlich Freizeit zu haben, fing er an seine aufgestaute Energie laufend los zu werden. Er war ziemlich schnell zu Fuß und konnte es kaum abwarten seinen Bogen zu nutzen. Am Ansatz der Brücke sprang er direkt auf das Geländer und machte sogar einen Salto in welchem er seinen Bogen zog, einen Pfeil anlegte, unglaublich elegant und grazil in der Hocke auf kam und mit aller Kraft den schon knarzenden Bogen anzog. Der daraufhin fliegende Pfeil gab schon ein leichtes Pfeifen von sich und durchbohrte die letzte Trainingspuppe genau zwischen den Augen so weit dass der Pfeil am Hinterkopf schon fast wieder komplett hinaus schaute.
      Dass er aber eigentlich auf den Oberarm gezielt hatte, musste nun auch nicht jeder wissen. So stand er wieder auf und streckte sich erst mal die Langeweile aus seinem Körper hinaus und streifte sich sein langes Gewand ab. Es störte ihn schon immer beim Bogenschießen. Obendrein bekam er ständig ärger wenn er es dreckig machte, also fand es nun gefaltet Platz in seiner Gürteltasche.

      Kurz darauf wandte er sich der beiden Mädchen zu und winkte kurz in dessen Richtung, wobei es wohl eher Renera galt.
      "Bin ich zu spät?"
      Nicht auf eine Antwort wartend, stellt er schon die nächste Frage.
      "Wo soll es hin gehen? Habt ihr schon eine Idee? Bald sind die Prüfungen. Wollen wir etwas trainieren? Ich komme kaum dazu"
      Doch erklärte Renera's Schwester schon den Plan. Aradan sah in die geplante Richtung und nickte.
      "Klar. Warum nicht."
      Er hatte ganz klar nichts gegen diesen Plan. Das einzige was ihm dort manchmal zum üblen Aufstoßen brachte war dieser nervige Tovik. Ständig machte er sich über seine Augen lustig. Wenn es eine Sache gab die Aradan nicht einfach hinter sich lassen konnte, war es dieses eine Merkmal was ihn im gesamten Dorf so sonderbar machte.

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    • Die kleine Vorstellung, die Aradan ablieferte, brachte Ellaya in großäugiges Staunen und selbst Renera war beeindruckt davon. Die Leichtfüßigkeit, mit der Aradan aufzutreten schien und die schiere Gleichgültigkeit, mit der er den Bogen spannte und sein Ziel mit einem einzigen Schuss versenkte, waren Beweise seines frühen, hohen Könnens. Renera wusste genau wie schwer es war eine Bogensehne zu spannen, sie hatte Ella's Bogen auch mal ausprobiert und schon nach zwei Mal Schmerzen in den Armen bekommen. Er tat es aber mit einer Gelassenheit, als wäre er mit dem Bogen auf die Welt gekommen. Sie hatte sich im Unterricht oft gefragt, weshalb er noch nicht die Klasse übersprungen und die Zwischenprüfung abgelegt hatte. Es schien, als hätte er alles bereits perfektioniert und könne von heute auf morgen die Tore bewachen.
      Aber natürlich war das nicht möglich. Es hatte in der Geschichte von Melora einen einzigen Mann gegeben, der seine Klassen übersprungen hatte und dieser Mann war später zu einer Legende aufgestiegen. Obwohl Aradan auch etwas meisterhaftes an sich hatte, glaubte sie nicht, dass er eine Legende war. Zumindest noch nicht.
      Ella klatschte begeistert in die Hände und dann setzten sich die drei in Bewegung. Renera blieb ein wenig zurück, während Ella ganz dicht zu ihm auflief und sich nach seinem Tag erkundigte, ob er schon die Hausaufgaben gemacht hätte, ob sie es zu zweit tun sollten. Sie überquerten die Brücke und bogen noch vor den Kornspeichern gleich links ab, um nicht die Aufmerksamkeit der Bauern auf sich zu ziehen. Normalerweise sah man es nicht gern, wenn Schüler woanders als auf der freien Fläche im Osten trainierten und heute hatten sie nicht die Absicht, das zu provozieren.
      Der Fluss wurde an dieser Stelle breiter und floss weiter oben aus einem kleinen See - oder einem großen Teich - heraus, der wiederum von dem Strom entstanden war, der von den Wäldern kam. Zu dieser Jahreszeit tummelten sich die Enten auf dem Wasser und manchmal wurde hier auch gefischt, wenngleich die Beute recht rar ausfiel. Viele Kinder gingen hier baden, wenn es besonders heiß war, und manchmal wurden Wasserspiele veranstaltet. Renera hielt sich gerne am See auf, weil sie von dort aus das Wasser, den Wald hinter den Palisaden und den freien Himmel auf einmal sehen konnte. Dass sie dabei selten allein war, machte ihr nichts aus.
      Die beiden Bogenschützen stapelten sich, aus Ermangelung an Alternativen, ein paar Holzkisten auf und Ella malte mit ihrem Holzkohlestift jeweils eine Zielscheibe auf die verschiedenen kleinen Kistentürme. Dann gesellte sie sich freudig erregt zu Aradan, der sich bereits aufgestellt hatte. Renera setzte sich hinter sie ins Gras.
      "Du musst mir nochmal zeigen, wie ich den Bogen richtig halte. Ich glaube, ich mach das immer noch falsch."
      Das war typisch - hauptsache Aradan würde sie anfassen. Renera verzog die Miene und sah dann zu den Feldern hinüber, während Ella sich unterweisen ließ. Die erste Ernte dieses Jahres war bereits eingefahren worden und so waren die neuen Sprossen noch nicht hoch genug, um die Bauern bei ihrer Arbeit zu verdecken. Und siehe da: In einiger Entfernung, am Rand des ihr nächst gelegenen Feldes, entdeckte sie tatsächlich Tokiv.
      Tokiv war der zweite Sohn des Bauern Hergh, dessen erster Sohn bereits im Wachdienst und verheiratet war. Hergh hatte die Statur eines Hünen mit stählernen Armen und einer breiten Brust und Tokiv sah so aus, als wolle er dieses Körperbild nachahmen. Er hatte breite Schultern, kraftvolle Arme und war darüber hinaus groß gewachsen. Die Lehrer redeten bereits davon (Renera belauschte sie gerne, wenn es um Tokiv ging), dass er einen ausgezeichneten Kämpfer abgeben würde. Sein Kampf mit dem Streitkolben war überaus vorbildlich und er schien äußerst kreativ damit zu sein, seine Gegner möglichst schnell auszuschalten. Renera stützte ihren Kopf auf ihre Hand, während sie ihn bei der Arbeit beobachtete. O ja, sie würde sich auch von ihm ausschalten lassen, ganz definitiv. Im Moment trug er eine Sichel in der einen Hand, die andere war in einem Handschuh versteckt, er hatte sein Oberteil ausgezogen und beugte sich alle paar Sekunden hinab, um mit der Sichel irgendwas zu zerhacken, während sein Vater mit in die Hüften gestemmten Händen daneben stand und ihn entweder lobte oder berichtigte. Dann richtete Tokiv sich immer auf, warf die paar Blätter weg, die er in der Hand hielt, sagte ein Wort oder zwei und beugte sich wieder hinab. Seine sonnengebräunte Haut glänzte von seinem Schweiß und seine Bewegungen sorgten stets dafür, dass die Muskeln unter seiner Haut spielten. Renera seufzte verträumt. Dann sah sie wieder zu den Bogenschützen.
    • Aradan streifte sich hochnäsig den Finger unter der Nase als er Beifall bekam. Auch wenn er wusste sein Ziel nicht an der erwünschten Stelle getroffen zu haben. Es war tatsächlich manchmal etwas schwierig die richtigen Reaktionen zu zeigen. Ihm kamen ständig die Worte seines Vaters in den Kopf dass man niemals Schwäche zeigen soll. Schwäche führt im Kampf dazu dass man die Gruppe runter zieht da diese immer nur so stark ist wie das schwächste Glied. Aradan verstand einfach nicht was das zu bedeuten hatte aber bevor er wieder Stubenarest bekam, folgte er dem Leitspruch ohne groß aufzumucken.
      Automatisch mit den beiden Mädchen in Richtung ihres Ziels gehend, wurde der Junge erst aus seinen Gedanken gerissen als ihm Ella immer näher kam. So sehr dass ihm schon das ein oder andere mal ihre Haarsträhnen ins Gesicht flogen. Immer wieder etwas auf Abstand gehend, sah er sich doch das ein oder andere Mal um ob Renera überhaupt noch da war. Vermutlich hielt sie schon wieder Ausschau nach diesem doofen Fleischklopps. Was Mädchen an dem fanden, fragte er sich schon immer. Sein Vater hätte diesen Tokiv ganz sicher in die Tasche gesteckt wenn es um reine Kraft ging. Zudem war Aradan der Überzeugung dass Geschwindigkeit im Kampf einen viel größeren Vorteil bringen würde. Aus diesem Grund liebte er es auch seine Umgebung ständig mit seinen Bewegungen einzubauen. So hoppste er auf dem Weg zu den Kisten auch immer von einem Stein zum anderen, welche sich hier und dort mal sehen ließen.

      Es war ein herrlicher Tag zum üben. Der Himmel war wolkenlos und eine sanfte Briese sorgte immer mal wieder für eine angenehme Frische. Aradan lies sich so gerne vom Frühlingswind in eine Art Meditativen Zustand versetzen. Ach wäre er doch nur ein Vogel und kein Mensch.
      Als einer der angenehmen Winde an ihnen vorbei säuselte, schloss er sofort seine Augen und legte den Kopf in den Nacken als würde er aus dem Wind seine Energie wieder auftanken. Manchmal hatte es sogar den Anschein als würden seine Augen sogar noch ein kleines bisschen mehr strahlen, zumindest meinte das seine Mutter öfter zu ihm wenn sie im Wald nach Kräutern suchten.
      Mit der kurz darauf eintretenden Windstille nickte er zufrieden und lies Ella noch die Ziele aufmalen ehe er wieder zurück ging und auf etwa 30 Metern Entfernung stehen blieb.
      "Das sollten in etwa 30 Meter sein. Vater sagte dass die Mädchen in der Prüfung aus dieser Entfernung das Ziel 3 mal in Folge treffen müssen."
      Er hielt kurz inne, verschränkte die Arme vor sich und sprach in Renera's Richtung
      "30 Meter... Was soll das bringen. Wir Jungs sollen das Ziel auf 50 Meter 4 mal in Folge treffen. Warum nicht direkt 90? Wenn diese Läufer so gefährlich sind, rasen sie doch ab 30 erst auf einen zu. Dann sind sie keine langsamen Ziele mehr. Das macht keinen Sinn"

      Kurz darauf hockte er sich hin und spannte die Sehne seines Bogens noch mal nach bis man in der Ferne zwei mal eine Glocke am Westtor hören konnte. Zwei mal hatte zu bedeuten dass der Handelskarren eintraf. Es stellte sich jedes Mal die Frage ob sie überfallen wurden oder ob auch mal etwas mehr Ware gehandelt werden konnte. Schon beim letzten Mal gab es statt den bestellten 10 Eisenbarren nur 3. Auch das verstand Aradan nicht. Als würden diese Monster Waren klauen... Es kam ihm viel mehr so vor als würden sich andere Dörfer heimlich mehr abzwacken.
      Als der Handelswagen dann hinein kam war es ziemlich deutlich. Keine Begleitung und die Laken die über die Karre gespannt waren um die Ware zu sichern, war an einigen Stellen schwer mit Blut benetzt. Ein Anblick an welchen er sich wohl nie gewöhnen würde. Ein wenig hasste er sich für seine Gedanken die er eben noch hatte. Vielleicht gab es ja doch Monster die Ware klauen.. was wusste er schon wirklich über die Welt außerhalb der Palisaden.
      "Der kommt aus dem Westen..."
      Flüsterte Aradan. Das war schon eher ungewöhnlich im Wald auf etwas scheinbar so gefährliches zu treffen.
      "Und dort sollen wir die Prüfungen absolvieren?"
    • Zu Schießübungen kam es erst gar nicht: Zu dritt beobachteten sie, wie sich das Westtor öffnete und den Handelskarren hindurchließ, der eigentlich schon für letzte Woche angekündigt gewesen war. Binnen weniger Sekunden tummelten sich gleich aufmerksame Wachen um ihn herum, die den Händler ins Verhör zu nehmen schienen und dann Anweisungen durchgaben, woraufhin ein paar von ihnen die Stadt durch das Tor verließen. Der Händler, ein mittelgroßer Mann mit einem wettergegerbtem Gesicht und schwieligen Händen, schien froh zu sein seinen Wagen endlich los zu werden und humpelte ein paar Schritte zur Seite. Er hatte sich eine seiner eigenen Laken um den Oberkörper gebunden und ein Teil davon abgerissen, um das Bein zu verbinden, auf dem er so humpelte. Zwar schien er wohlauf, aber sein Gesicht schien blasser als gewöhnlich und er reagierte wenig auf das, was die Soldaten ihm sagten. Sie bedrängten ihn mit ihren Fragen, wollten sich zeitgleich um seine Wunden kümmern und schickten schließlich ein paar von ihnen los, um die Ärztin des Dorfes zu holen. Währenddessen wurden auch schon die Bauern auf den Feldern neugierig und näherten sich dem unüblichem Schauplatz, bis es bald vom Händler nicht mehr viel zu sehen gab. Renera beobachtete, wie auch Tokiv und sein Vater sich näherten und sprang sogleich auf.
      "Lass uns auch hingehen."
      Sie eilte los und auch Ellaya schien für einen Moment die Aufregung des Bogenschießens mit Aradan vergessen zu haben. Sie packte ihn bei der Hand, sagte:
      "Komm, Ari!", und lief Renera hinterher.
      Die drei kamen gerade an, als der Wagen mit dem nun erschöpftem Händler obendrauf sich wieder in Bewegung setzte und ruckelnd über die Straße zog. Fünf Wachen begleiteten ihn, alles Männer des Ortes, die mit ihren finsteren Blicken die Schaulustigen von ihrer Seriösität überzeugen wollten. Es gelang auch ganz gut, die Leute machten freiwillig Platz vor dem Wagen und zogen ihm im kleinen Schwarm hinterher. Auf der Brücke erschien bereits die Ärztin, die ihm entgegen eilte.
      Renera stellte sich wie zufällig neben Tokiv und sah dem Wagen nach, bevor sie sich zu ihm drehte.
      "Hi, Tokiv."
      Er sah kurz zu ihr runter und dann wieder nach vorne. Er trug noch immer die Sichel in der Hand.
      "Hi."
      Von hinten verlangte man bereits, den armen Händler in Ruhe zu lassen. Viele Menschen tuschelten geheimnisvoll untereinander, andere wandten sich kommentarlos wieder ab und wieder andere sprachen ihre Sorgen laut aus. Ellaya kämpfte sich zu Renera durch, immer noch die Hand von Aradan haltend, und stupste sie an.
      "Lass uns nachgehen. Ich wette deinen Vater wird sowas auch betreffen, Ari."
      Die drei schlossen sich der kleinen Truppe an, die trotz aller Hinweise dem Karren nachgingen. In der Entfernung sprang die Ärztin bereits leichtfüßig hinauf und beugte sich zu dem Verwundetem hinab. Sie war eine energische Frau, steckte aber voller Leidenschaft für ihre Berufung, die sich darin zeigte, mit welcher Selbstlosigkeit sie sich um die Gesundheit des Händlers sorgte. Mit dem zusätzlichen Passagier zuckelte der Wagen gemütlich weiter und bog nach der Brücke links ab, wahrscheinlich um zum Krankenhaus zu gelangen. Das Trio lief ihm nach, bis er seinen Patienten abgeliefert hatte, und stand dann auf der Marktstraße vor dem Gebäude. Um sie herum verflüchtigte die Menge sich allmählich wieder.
      "Was meint ihr, woher kommt das Blut? Ich sage es waren Wölfe."
      "Wölfe? So ein quatsch. Das waren doch keine Wölfe."
      "Wieso nicht? Wölfe gibt's doch in Wäldern. Oder nicht?"
      Sie sah hilfesuchend zu Aradan, als ob sie von ihm erwartete, ihr etwas über Wölfe beizubringen. Auch Ellaya drehte sich zu ihm um.
      "Was meinst du, wer das war?"
    • Aradan's Blick hätte die Luft schneiden können, so sehr fokussierte er sich auf den Karren, bis ihm dann die Sicht seitens der lästigen Leute genommen wurde. Erst sah er sich um ob noch eine Kiste in der Nähe war, doch wurde er schnell schon von Ellaya mit gezogen. Er folgte dem Impuls der Gruppe, auch wenn sie dadurch genau den selben Unsinn folgten wie die anderen. Es war ein unangenehmes Bild was er zu sehen bekam. Doch allem voran fiel ihm auf dass es hier doch tatsächlich ähnlich roch wie in der Schmiede.
      Erst jetzt bemerkte er dass Ellaya noch immer seine Hand hielt, was ihm langsam dann doch etwas störte und er sich daraufhin ruckartig von seiner Fessel befreite um noch ein paar Schritte näher zu gehen. Es gelang ihm dem Händler bis auf einem guten Meter näher zu kommen bis er von einer Wache grob in die Meute zurück geschupst wurde. Der Moment reichte ihm aber. Es schauderte ihn was er zu sehen bekommen hatte. So sehr dass er einfach nur da stand und in Gedanken verfiel.
      "Das kann nicht sein..."
      Flüsterte er nachdenklich mit halb verschränkten Armen, wobei eine Hand an seinem Kinn lag, vor sich hin.
      "Genau wie die Zeichnungen von Mutter"
      Unfreiwillig wurde er schon wieder von Ellaya gegriffen bis ihm die Fragen gestellt wurden, dessen Antworten er selbst nicht wirklich glauben wollte. Doch gab es keine andere Erklärung. So antwortete er überzeugt und dennoch hoffend falsch zu liegen.
      "Das waren keine Wölfe. Die Wunden des Händlers und all das Blut an der Karre."
      Als hätte er sich beim lauten aussprechen selbst überzeugt, nickte er
      "Das muss ein Läufer gewesen sein. Und ein großer noch dazu. Ich meine... Habt ihr ihn humpeln sehen? sein Bein war abgebunden und fast sein ganzer Oberkörper war in blutiger Notbandage gehüllt. Es ist wie in den Büchern von Mutter. Sie erklärte mir wie die großen, bulligen Läufer mit ihrer Beute umgehen. Sie greifen Gliedmaßen so fest, dass diese manchmal brechen. Es gibt aber auch welche, die eher drahtige Arme haben und ihre mangelnde Stärke der Hände mit dessen Klauen ausgleichen. Die wetzen dir ihre klauen in den Oberschenkel und beißen dir mit ihren riesen Mündern die komplette Seite samt Rippen hinaus. Ihre Kiefer sind wie ihr wisst stark genug um unsere Knochen zu durchtrennen als wären sie aus Butter."
      Wieder sah er sehr nachdenklich drein
      "Doch ist es seltsam dass er überlebt hat. Wenn man erst mal gegriffen wurde, soll es unmöglich sein zu entkommen. Ihr durch nach Blut und Hunger nach Verwüstung soll so immens sein, dass man ihnen Arme oder Beine abtrennen könnte und sie würden dennoch weiter wüten, als könnten sie nichts spüren..."

      Plötzlich wurde Aradan und halb Renera in einen Schatten geworfen, was Aradan sofort hinter sich blicken sah und schwer schluckend seinen Vater erkannte. Das gab sicher ärger. Doch entgegen seiner Erwartung, nickte dieser und sah zum Krankenhaus.
      "Gute Analyse. Deine Mutter hat alle Arbeit geleistet. Aber sei niemals so vorschnell. Er wird nun versorgt. Dann werden die Fragen gestellt."
      Aradan wusste in dem Moment nicht recht was ihm eine größere Gänsehaut eingejagt hatte. Der verletzte Händler und somit Gefahr im Wald oder sein Vater der ihm vor anderen ein Lob aussprach. Und mehr noch. Er sah seinem Vater etwas an, dass er definitiv noch nie gesehen hatte. Und kaum als Aradan darüber nach dachte, wurde es ihm schneller klar als ihm lieb war.
      "MUTTER!!"
      Schnell wie ein einschlagender Blitz raste Aradan los in Richtung Westtor, sofort den Bogen im Anschlag. Sie war seit über 24 Stunden im Wald nach Kräutern suchen. Sein Hirn konnte die Menge an Horrorscenarien gar nicht schnell genug verarbeiten, bis ihm nach beachtlichen 12 Metern die Lichter aus knippsten. Schuld war sein Vater, welcher mit ziemlicher Wucht einen Holzhammer, welcher in der Regel zum glätten von Rüstungen genutzt wurde, seinem Sohn hinterher geworfen hatte mit dem Ziel ihn ins Traumland zu schicken.
      Der Hammer fand sein Ziel ziemlich hart, so knallte Aradan mit ordentlicher Wucht komplett aus der Balance gerissen mit dem Gesicht voran auf dem trockenem Boden.
    • Die Schwestern starrten Aradan mit dem selben Ausdruck im Gesicht an. In diesem Moment wie in keinem anderen wurde die Abstammung der beiden deutlich: Dieselben runden Augen, die immer größer wurden, derselbe breite Mund, der leicht offen stand, dieselbe hohe Stirn, die sich langsam in Falten legte. Sogar den selben Gedanken hatten die beiden, als sich vor ihren inneren Augen dieselbe Gestalt materialisierte, das Monstrum, das durch rissige Palisaden brach, mit einem Gesicht, das aus Zähnen bestand und langen, rauchschwarzen Armen und Beinen, in denen Teile der Palisade steckten. Sie mussten sich nicht von Aradan erklären lassen, was es mit den Läufern auf sich hatte. Sie mussten eigentlich überhaupt nichts über Läufer hören.
      Glücklicherweise ersparte ihnen der nachdenkliche Aradan weitere Schilderungen, als sein eigener Vater auftrat. Ellaya wich schon vor ihm zurück, sämtliche Elquin-Kinder hatten bereits das Fürchten vor dem strengen und herrschaftlichen Vater und Ehemann gelernt. Es wäre ihr Untergang gewesen, wenn er sie dabei erwischt hätte, wie sie mit Aradan Händchen hielt.
      Das Gespräch kippte erneut, diesmal aber in eine andere Richtung. Schneller, als einer der drei jemals hätte reagieren können, rannte Aradan nach einem kurzen Schrei in Richtung Brücke los. Ellaya setzte bereits an ihm zu folgen, sie wäre ihm wahrscheinlich überall hin nachgelaufen, da sorgte sein Vater schon dafür, dass der Junge nicht nur beim Laufen scheiterte, sondern wahrscheinlich die nächsten Tage überhaupt die Räumlichkeiten nicht mehr verlassen würde. Ellaya starrte seinen Vater mit offenem Mund an.
      "Geht nach Hause, Mädchen. Und hört auf die Glocken", brummte er sie an, bevor er sich in Bewegung setzte.
      Renera nickte stumm, Ellaya reagierte gar nicht. Schließlich ließ sie sich von ihrer Schwester fortziehen.

      Auf die Glocken sollten sie hören. Renera saß in dem kleinen Esszimmer, das von zwei Fenstern beleuchtet wurde, und sah aus einem davon nach draußen. Der Glockenturm stand zentral, so, dass er in alle Richtungen läuten konnte und war hoch gebaut. Sie hatten in Erathis auch einen Glockenturm gehabt, allerdings war es mehr ein dröhnender Gong, als tatsächliche Glocken gewesen. Hier hörten sich die Glocken so melodisch an, als wollten sie zu einem Fest einladen und nicht vor Gefahren warnen. Allerdings hatte der Gong in Erathis auch nicht geholfen, vielleicht würde es ja bei diesen Glocken anders sein.
      Sie beugte sich vor, um in den Himmel hoch zu schauen und wartete auf den nächsten vorüberziehenden Vogelschwarm. Ob Ara von seiner kleinen Behandlung mittlerweile wieder aufgewacht war? Sie fragte sich, ob ihr Vater auch so grob gewesen war.
    • Nach endlos lang wirkenden Albträumen wie sich die verschiedensten Monster seine Mutter schnappten und sie sogar selbst ein Monster war, wurde Aradan schreckhaft wach und saß sofort aufrecht in einem Bett dass nicht seines war. Schnell gefolgt von heftigen Kopfschmerzen die ihm in den ersten paar Sekunden beinahe den Verstand raubten. Die Zähne zusammen beißend, griff er seinen Kopf und bemerkte dass er einen Verband trug. Was war hier nur los?
      Ganz vorsichtig, unter den minimalsten Bewegungen die ihm möglich waren, sah er sich um. Es war Nacht. Mondlicht erhellte ein paar Stellen des Raumes und etwas weiter neben ihm stöhnte ein Mann. Hatte er schmerzen? War das vielleicht nur ein weiterer Traum? Nein. Es fühlte sich real an.
      Sehr vorsichtig legte Aradan seine Decke von sich und legte seine Füße seitlich von seinem Bett auf den festen Boden. Der Versuch aufzustehen gelang jedoch nicht. Er riss eine Schale voll Wasser mit um, fiel zu Boden und rang um sein Bewusstsein, welches vor Schmerzen beinahe zu verschwinden schien.
      Glücklicherweise bekam jemand mit dass die Schale zerbrach. Es war eine junge Frau die eine im Glas geschützte Kerze mit sich trug. Aradan hatte nach wie vor keine Ahnung wo er sich befand.
      "Ganz ruhig. Leg dich wieder hin."
      wurde ihm sanft zugesprochen ehe ihm ebenso etwas sehr bitteres in den Mund geträufelt wurde. Wenige Augenblicke danach verschwamm seine Sicht wieder bis es nach einem gefühltem Wimpernschlag hell war. Er lag wieder im Bett und richtete sich, dieses mal langsam, auf. Seinem Kopf ging es deutlich besser als vorher und ebenso den Ort konnte er definieren. Aber was machte er bitte im Krankenhaus? Schnell prüfte er wieder seinen Kopf, was ihm schnell klar machte dass zumindest der Verband kein Traum war.
      Jeder Versuch sich zu erinnern, fing direkt an sehr unangenehm zu werden. Ihm wurde schwindelig und er hatte das Gefühl als müsse er sich übergeben umso länger er es versuchte, also zwang er sich im jetzt zu bleiben und blickte sich um. Er sah seine Mutter an einem Stuhl schlafend. Hatte sie die Nacht hier verbracht? Er wusste es nicht. Aber vielleicht sie, also lehnte er sich vorsichtig zu ihr und rüttelte sie wach. Sein Ziel im nachhinein wohl eher bereuend erreicht, riss seine Mutter die Augen weit auf und umarmte ihn so sehr dass ihm beinahe die Luft zum Atmen fehlte.
      "Ist gut ist gut ! Sag mir.. Was ist denn passiert?"
      Fragte er in der Hoffnung dass er endlich los gelassen wird. Und er bekam seine Antwort. Sie erklärte ihm den gesamten Tag, welchen sie nach findiger Detektiv Arbeit selbst in Erfahrung gebracht hatte. Nur der Anfang und das Ende war ihm gänzlich neu. Der Mittelteil kam ihm tatsächlich bekannt vor. So erzählte sie ihm, dass sie und ihre zwei Begleiter von 3 Läufern überrascht wurde, dass sie sich aber rechtzeitig in einer Höhle verstecken konnten. Dort harrten sie einen ganzen Tag aus bis die Läufer von etwas abgelenkt wurden, was im Nachhinein erfahren, der Händler mit ganzen 6 Begleitern war.
      Alle Begleiter wurden wie Spielzeuge in der Luft zerrissen und auch der Händler wäre beinahe in zwei geteilt wurden. Die Reißzähne bohrten sich grade so in dessen Fleisch hinein bis sie selbst einen großen Stein warf und den Läufer nicht nur am "Kopf" traf, sondern auch noch ein neues Ziel bot. Glücklicherweise stammte ihre Begleitung aber aus Melora, wodurch es ihnen gelang dem Läufer Herr zu werden. Der Grund warum der Händler früher im Dorf an kam war eigentlich nur dem geschuldet dass sie noch eine weitere Pflanze sammeln wollte, welche ihrer Meinung nach ganz in der Nähe sein musste.
      Genau genommen kam sie sogar eine halbe Stunde nach dem Händler im Dorf an.
    • Der Vorfall versetzte das Dorf in Aufregung. Nicht nur waren drei Läufer gesichtet wurden - kein einzelner, sondern gleich drei - sondern noch dazu waren sie im Wald herumgestreunt, ein für Läufer, der die Geschwindigkeit bevorzugte, ein durch und durch ungewöhnliches Verhalten. Viele betrachteten das als schlechtes Omen: Die letzten sicheren Orte der Natur schienen nun auch unsicher zu werden. Wie würde man nun mit der neuen Bedrohung verfahren? Würde man Wachen hinausschicken lassen, um den Holzfällern Rückenschutz zu geben? Konnte man bedenkenlos Kräutern, Pilze und Beeren sammeln gehen, ohne dabei von Rüstung behindert zu sein? Es war offensichtlich, das sich viele bedroht fühlten. Noch am selben Tag wurden die Bewohner laut und das Leben von einer auf die andere Stunde unangenehm. So berief der Bürgermeister als einzige Lösung eine Notfallsitzung ein.

      Am nächsten Tag versammelten sich die wichtigsten Bewohner im Bürgerhaus, dem größten Gebäude des Dorfes. Es bestand aus einem hallenähnlichem Raum, den ein großer Tisch mit einzelnen Stühlen dominierte, und führte hintenrum in weitere Räume, die nur dem Bürgermeister selbst und seinen Bediensteten zur Verfügung standen. Für diese Versammlung war durch die kurze Zeit nichts vorbereitet worden. Der Tisch war blank und als die verschiedenen Persönlichkeiten eintrafen, setzten sie sich einfach nur schweigend an den Tisch. Ihnen vorneweg kam der Hauptmann, der den Befehl über sämtliche Wachen und eventuelle Spähers des Dorfes führte und zwei seiner Wachmänner mitgebracht hatte. Er war ein hochgewachsener, stattlicher Mann, der in seinem Behaben sehr dem Bürgermeister ähnelte und damit zu jeder Zeit eine gewisse Authorität versprühte. Er kam mit festen Schritten herein, bedeutete seinen beiden Begleitern mit einem Wink, dass sie sich zu ihm setzten sollten, und ließ sich gleich auf einem der Stühle nieder. Er hatte in seinem Leben schon in der Armee gedient, was man ihm ansehen konnte.
      Als nächstes folgte die örtliche, selbsternannte Handelsvertretung, eine kleine, herzliche Frau, die einen festen Stand am Markt besaß und von den anderen Verkäufern als eben ihre Vertretung auserkoren war. Sie war eine durch und durch freundliche Frau mit einem warmen Lachen und genoss ein im gesamten Dorf gutes Ansehen. Als sie hereinkam, lächelte sie den Anwesenden zu und suchte sich einen Stuhl.
      Kurz nach ihr kam der Schmied herein, eine Person für sich, die auf ihre eigene Art stattlich wirkte. Obwohl es nicht so schien, als würden ihn soziale Bindungen sehr interessieren, wurde er von allen Seiten respektvoll gegrüßt.
      Zum Schluss kam die Ärztin. Sie war jung, Anfang 30 und gerade einmal frisch aus der Lehre heraus, als ihr Meister an Keuchhusten erkrankt und gestorben war, ein Schicksal, das jeden Mann in seinem fortgeschrittenen Alter erreicht hätte. Sie war sogleich zur neuen Ärztin ernannt worden und hatte sich seit jenem Tag mit nichts anderem mehr als mit Forschung und Medizin beschäftigt, was dazu geführt hatte, dass mittlerweile sogar weniger Betten im Krankenhaus belegt waren, als vor zehn Jahren. Sie lächelte knapp, begab sich allerdings mit großen Schritten sogleich auf einen Stuhl und regte sich nicht mehr. Der Bürgermeister, der am Kopfende der Versammlung stand, erhob das Wort.
      "Meine lieben Mitbürger! Ich danke euch allen für das kurzfristige Erscheinen. Ich denke, ich muss niemandem erklären, worum es gehen soll."
      Er blickte einmal in die Runde.
      "Wie geht es denn dem Händler?"
      "Er wird sich erholen. Er hat viel Blutverlust erlitten, aber seine Wunden sind nicht tödlich."
      "Das ist gut zu hören. Ich denke, wir sollten darüber nachdenken, wie wir die Sicherheit zurück in unser Dorf bringen können - zurück in unseren Wald. Ich denke niemand von uns möchte eines Tages aufwachen und die Kreaturen am Westtor kratzen hören. Ich bin ganz offen für sämtliche Vorschläge, die ihr anzubieten habt."
    • Der Tag der Notfallsitzung lief langsam an. Reona trieb sich nach wie vor im Krankenhaus herum und sorgte für ihren Sohn und nebenher auch für ein kleines Mädchen welches am Abend zuvor leicht fiebrig von dessen Mutter vorbei gebracht wurde. Hin und wieder sah sie auch mal nach dem Händler, doch war der meist tief am schlafen, was ganz klar an ihrer Kräutermixtur lag. Sie half ihm nicht schneller zu genesen, doch wenigstens hielt er dadurch die Klappe. Das war schon ein ganz schöner Jammerlappen.. Hier arbeiteten die Meisten noch nachdem sie sich verletzt hatten. Natürlich trugen diese reisenden Händler ein enormes Risiko und hatten dadurch auch Renoa's Respekt, doch die robustesten Leute waren das nicht.
      Nachdem sie des Händler's Wunden geprüft hatte, welche nun endlich aufgehört hatten immer mal wieder leicht nach zu bluten, wurde auch die Ärztin tätig. Pünktlich wie immer.
      "Guten Morgen Momo. Ich hab hier alles im Griff. Die Blutung ist endlich stabil und der kleinen Dort sollte es bis zum Abend auch wieder etwas besser gehen."
      Momo wollte sich grade schon zum Händler schlängeln, da stoppte sie abrupt wie ein kleines Erdmännchen und sah zu Reona
      "Oh. Dankeschön Reona. Das hört sich gut an. Und wie geht es deinem Sohn?"
      Reona seufzte und stemmte ihre Fäuste an die Hüften
      "Marudan hat es mal wieder übertrieben. Ich fürchte Aradan wird noch eine Weile Kopfschmerzen haben. Es würde mich nicht wundern wenn der Schädel einen Riss abbekommen hat. Aber das sollte kein großes Problem darstellen. Seine Verwirrung lässt auch schon deutlich nach. Ich denke wenn er wieder wach ist, wird es auch wieder etwas besser sein."
      Momo nickte und hatte nichts einzuwenden.
      "Sehr gut. Ich sehe du hast hier alles im Griff. Würde es dir etwas aus machen noch etwas zu bleiben? Ich fürchte ich verspäte mich schon leicht zur Sitzung."
      Reona schüttelte den Kopf und versicherte ihr auf alles acht zu geben ehe Momo auch schon geschwind aufbrach.

      Die Notfallsitzung verlief zum ersten mal ziemlich Mager ab. Ganz nach dem Geschmack Marudan's. Er konnte es nicht leiden wenn ein Problem angegangen werden sollte und vorerst alles noch dekoriert wurde und sonst welche Aufwände betrieben wurden nur um eine Sache zu klären. So setzte er sich mit den Armen verschränkt an den Tisch und hörte vorerst zu. Innerlich musste er schon mit dem Kopf schütteln als er den Hauptmann sah. Hier ging es um die scheinbar steigende Gefahr aber dieser Typ hatte es nötig zwei Wachen mit sich zu bringen statt sie zusätzlich im Westen zu postieren. War der Kerl paranoid geworden oder mochte er es nur sich wichtig zu machen? Ebenso der erste Vorschlag zur Besserung, welcher von einer der mitgebrachten Wachen kam, lies Marudan staunen.
      "Wir sollten den Holzfällern mehr Schutzgeleit zustellen. Statt einem Späher für eine Gruppe sollten zumindest noch ein oder zwei Schützen zugeteilt werden. Das würde das Risiko senken."
      Der Bürgermeister nickte
      "Das ist nicht falsch. Senken würde es das Risiko, doch können wir uns das auf dauer leisten? Nehmen wir Schützen vom Osten, könnte das fatale Folgen haben, sollte in diesem Moment eine Welle anrücken"
      Der Hauptmann erhob das Wort um seiner Wache das Wort zu verstärken
      "Was für eine Welle? Die letzte Welle an Läufern war vor über zwei Monaten und selbst diese hätten wir spielend abgehalten wenn uns Schützen gefehlt hätten. Ich bin ebenso dafür dass wir ein Schutzgeleit zusammen stellen. Zumindest bis sich die Lage beruhigt hat."

      Der Ball spielte sich noch ein paar male hin und her bis Marudan sich eine finster fragende Mine auflegte, welche dem Hauptmann galt. "Sag mir.. Oder nein. Sag DU mir" so wanderte die Frage an die Wache weiter
      "Was macht ihr wenn sich diese Seuche im Wald genau so ausbreitet wie im Osten? Was wenn die Sichtung nur der Anfang war? Wir würden nicht nur einen Späher, zwei Schützen und die Holzfäller verlieren. Wir würden alle sterben. Wir können den Osten verteidigen. Das stimmt. Aber nun auch den Westen? Wo willst du die Männer her nehmen wenn du schon zu einer sicheren Versammlung wichtige Männer, welche den Westen untersuchen könnten, mit bringst?"
      Letzteres regte den Hauptmann direkt auf als hätte Marudan einen Nerv getroffen, doch bevor dieser die Fassung verlieren konnte, nickte auch hier der Bürgermeister.
      "Marudan hat recht. Eine zweite Front können wir nicht halten. Wir sollten aber ruhig bleiben. Noch ist nicht klar woher die Läufer kamen. Möglicherweise irrten sie schon eine sehr lange Zeit umher und haben sich in den Wald verirrt."
      Da meldete sich die zweite Wache zu Wort. Etwas bedachter und ruhig schilderte er seinen Vorschlag
      "Wir alle haben Angst vor einer zweiten Front oder einer Eskalation der Lage. Doch was haltet ihr davon wenn sich ein kleiner Trupp einmalig zusammen stellt um den Wald vorerst gründlich ausspäht? Sagen wir für 3 Tage. So könnte der Trupp bis zum Waldrand vorstoßen und das Tal erblicken. Wenn sich ein neues verderbtes Gebiet breit macht, wird es von dort aus ganz klar zu erkennen sein. Mein Vorschlag ist einen Späher, zwei Schützen und zwei Kämpfer vorstoßen zu lassen. So ist die maximale Sicherheit gewährleistet. Im Wald haben wir durch diese Konstellation unsere meisten Taktiken sofort einsatzbereit. Es würde das Risiko minimieren und uns deutlich mehr Einsicht über die Lage bringen."
      Der Bürgermeister lehnte sich daraufhin zurück und fasste sich an seinen Vollbart, welchen er für einen Moment nachdenklich rieb, bis seine Augen Marudan wortlos fragend ansahen. Der Schmied war selbst für einen Moment in Gedanken vertieft, bis er fast schon zeitgleich zum Bürgermeister sah und nickte.
      "Ich bin einverstanden. Aber nur unter der Bedingung dass ich in dem Trupp dabei bin. Ich kann die Schmiede ohnehin nicht anfachen. Es fehlt an Eisen."
    • So war es schnell zur Zufriedenheit aller beschlossen. Anstatt die Sicherheit zu erhöhen, würde man erstmal direkter nach Kreaturen Ausschau halten. Das war keine Seltenheit: Späher wurden oft eingesetzt, um nach möglichen Gefahren Ausschau zu halten, doch dieses Mal sollten diese Kreaturen nicht nur ausgespäht, sondern im besten Fall auch gleich getötet werden. Die Zukunft des Dorfes würde davon abhängen, ob sie den Wald als sicher oder unsicher befinden würden. Sollten sich gleich viele Monster von Westen nähern, würde man das ganze Verteidigungssystem von Melora ändern müssen. Das könnte fatal sein.
      Dementsprechend groß war auch die Schaulustigkeit der Bewohner, als die kleine Truppe ein paar Tage später ausrückte. Sie wünschten ihnen Glück, klopften ihnen auf die Schultern und scherzten, dass sie ihnen Krankenbetten freihalten würden, doch ganz lustig fand es niemand. Die Stimmung war angespannt, man rechnete bereits mit dem Schlimmsten.
      Teil der Gruppe waren vorneweg Marudan der Schmied, dicht gefolgt von der Wache der Sitzung, die Eredik hieß, Mitte 40 war und 30 Jahre lang den Schwertkampf gemeistert hatte. Dahinter kamen die beiden Schützen Valia und Gedmir, die manchmal selbst Händler ein Stück begleitet hatten und zum Schluss folgte Cetra, eine Späherin mit exzellentem Orientierungssinn, die schon öfter den Wald erkundet hatte, entweder um Untersuchungen durchzuführen, oder nach vermissten Personen zu suchen. Sie würde ihre Karte sein; Die 40-jährige hatte das Gedächtnis einer Krähe und die Augen eines Adlers. Sie hatte sich freiwillig für den Auftrag gemeldet, denn allein in der letzten Woche war sie bereits zwei Mal in den Wald gezogen und war nun Teil derer, die sich am meisten Sorgen um dieses Gebiet machten. Sie war entschlossen, das Gebiet vollständig zu sichern.
      Alle fünf hatten Ledertaschen gefüllt mit Bandagen und Verpflegung dabei. Sie würden den Wald so weit erkunden, wie es ihnen möglich war, doch wenn sie sich einer hohen Anzahl an Kreaturen gegenüber finden würden, würden sie den Rückzug antreten, so lautete der Plan. Allerdings konnte das natürlich schief gehen und so hatten sie genug dabei, um zumindest für zwei Tage auszukommen. Falls es denn notwendig wäre.

      Das ganze Ereignis ging zum großen Bedauern an der jungen Bevölkerung vorbei. Sie hatten Kampfhaltung auf dem östlichen Feld, während die Truppe aus dem Westtor zog. Sie waren in zwei Reihen aufgestellt, während die hintere Reihe Kampfhaltung einnahm und die vordere versuchen sollte sie umzuschubsen. Die Übung war bereits für den fortgeschrittenen Unterricht und setzte eine solide Grundhaltung voraus, die nun perfektioniert werden sollte, indem man einen sicheren Stand übte.
      Für Renera war es aber alles andere als fortgeschritten. Sie musste sich nach zwei Jahren noch immer merken welcher Fuß zurück und welcher nach vorne ging und fiel dementsprechend alle paar Sekunden um, wenn ihre Partnerin sie stieß. Das Mädchen zeigte wenig Mitgefühl.
      "Wie kannst du das noch nicht? Das ist voll leicht! Der linke vor, der rechte waagrecht dazu hinten, das Gewicht vorne! Du machst den rechten immer zur Seite!"
      "Was soll ich denn sonst machen, wenn du mich zur Seite drückst?!"
      "Halt gegendrücken!"
      Ihr Lehrer marschierte an ihnen vorbei. Es war einer der Bauern, der Nachbar von Hergh, Wilk. Er war muskulös gebaut und hatte ein breites Gesicht. Eigentlich war er immer ganz hilfsbereit, aber Renera brauchte jede Stunde Hilfe. Immer konnte er ihr auch nicht zur Seite stehen.
      "Seid euch immer darüber im Klaren, wo euer Gewicht liegt! Gibt es nichts, was euer Gewicht stützt, fallt ihr zu Boden und das war's! Die richtige Geistesanwesenheit sorg dafür, dass ihr immer darauf achtet!"
      Er schenkte Renera einen kurzen Seitenblick, stapfte dann aber weiter.
      "Umdrehen und tauschen!"
      Renera rappelte sich auf, starrte das Mädchen finster an und tauschte dann mit ihr Plätze. Dann bewegte sich die erste Reihe einmal und sie stand vor Aradan. Sie blickte zu seinem Verband auf dem Kopf.
      "Wenn ich es schaffe, dass du auf den Kopf fällst, dann darf ich dich zurück ins Krankenbett tragen. Das wär' doch eine gute Alternative zu dem hier."
      Sie nahm selbst Haltung an, dann versuchte sie ihn umzustoßen.
    • Die Planung verlief sehr routiniert ab. Kaum dass der Beschluss vom Tisch war, gingen alle Mitglieder des Trupps in ihre Behausungen und sorgten zu aller erst dafür, dass dessen Familie unterrichtet wurde. In Marudan's Fall ging er direkt in das Krankenhaus um seiner Frau den Plan zu erklären. Er war immerschon sehr froh darüber dass sie bei solchen Dingen nie ihre Sorge der Logik Vorrang gab. Im Gegenteil. Sie nickte das Meiste ab und machte sich direkt daran bei der Planung zu helfen. Aradan würde ohnehin bis zum nächsten Tag nicht helfen können, also träufelte Reona ihm noch etwas Medizin auf die Lippen damit er bis zum Morgen durch schlafen würde bevor Sie sich mit ihrem Mann zur Schmiede auf machte.
      So gingen im Handumdrehen schon 3 Tage rum in welcher die Schmiede kein Feuer entfacht hatte. Doch die Planung galt als nahezu unfehlbar, sollten sich alle daran halten. Aradan war ebenfalls wieder in der Lage umher zu laufen und auch fähig genug sofort seinen Unmut zu zeigen dass sein Vater am Spähtrupp teilnehmen würde. Glücklicherweise wusste Reona genau wie sie mit Aradan reden musste um auch ihn davon zu überzeugen wie wichtig dieses Unternehmen war, ohne ihm zu viel erzählen zu müssen.
      Als dann die Zeit gekommen war, standen schon einige Leute am Westtor um den Trupp eine sichere Heimkehr zu wünschen.
      Marudan sah sich um und begrüßte nur die Teilnehmer der Unternehmung und hielt allen eine handflächen große Schnitzerei hin.
      "Nehmt das. Ich habe das von Logar schnitzen lassen. Pustet in die Öffnung und es wird zwitschern wie ein Vogel. So können wir uns im Notfall Zeichen geben ohne einen Läufer auf uns Aufmerksam zu machen. Lasst uns hoffen dass wir sie nicht benötigen."
      Alle nickten und banden es an ihre Gürtel wie Marudan es vor machte ehe es auch schon ohne große Worte in den Wald hinein ging.
      Erst als sie schon etwas tiefer im Wald waren, erhob Eredik das Wort.
      "Herr Elric?"
      Marudan sah zur Seite
      "Seid ihr euch sicher dass ihr dabei sein wollt? Es könnte sehr gefährlich werden und ihr seid hauptberuflicher Schmied, kein Kämpfer."
      Cetra musste sich etwas das grinsen verkneifen und auch Valia und Cedmir, welche hinter Eredik liefen, konnten nicht umher zu schmunzeln.
      "Ich meine.. Nehmen sie es mir nicht übel, ich weiß sie können sich sicher durchaus im Kampf beweisen aber wir verbringen jeden Tag damit diese Wesen abzuhalten. Ebenso ihr Gepäck. Dieser riesige Rucksack wird sie daran hindern schnell agieren zu können."
      Von Marudan kam die ganze Zeit kein einziges Wort. Stattdessen antwortete Cetra amüsiert
      "Keine Sorge Eredik. Nicht alle im Dorf wissen es da unser Schmied hier nicht gerade aus dem Nähkästchen plaudert und seine Vergangenheit lieber hinter sich lassen will, doch für diese Unternehmung wäre es wohl das Beste es zu wissen. Marudan, der Bürgermeister und der Hauptmann. Sie alle drei waren in der großen Armee des Nordens. Und sie kamen gemeinsam nach der blutigen Schlacht am Yorak Pass in unser Dorf."
      Marudan lies ein tiefes, schwermütiges Seufzen aus als ihm die Erinnerungen kamen. Cetra bemerkte es und hielt kurz inne. Sie wollte Marudan nicht zu nahe treten oder unerlaubt zu viele Informationen Preis geben, doch wusste sie auch dass er direkt etwas gesagt hätte, wenn es zu viel gewesen wäre.
      "Der Yorak Pass?!"
      fragte Eredik schockiert. Nicht mal der Hauptmann mochte über diese Schlacht sprechen. Es hieß dass dort die größte bisherige Welle abgewehrt wurde. Eine Anzahl an Monstern die in ihrer rasenden Horde unmöglich zu zählen war, gegen eine Königsarmee von ganzen 10000 einberufenen Soldaten. Die Welle wurde tatsächlich abgewehrt, doch überlebten grade mal 80 Soldaten. Es war schon ein Wunder dass der Hauptmann einer dieser Helden in Melodan lebte, doch gehörte der Bürgermeister und der Schmied ebenso dazu?! Sofort ging die Ehrfurcht durch Eredik's ganzen Körper. Wie konnte er es wagen Marudan in Frage zu stellen.
      "Ich... Bitte verzeiht mir Herr Elric."
      Marudan grummelte nur, was die meisten die ihn kannten als klares "Ist schon gut" verstanden.
      So verlief die Expedition bisher recht ruhig ohne dass sie auf Widerstand stießen.


      Anders war es bei den Übungen im Dorf. Das Training für die Kampfhaltungen war ziemlich Hart. Immer wieder versuchen einen Stoß abzuwehren ging sehr auf die Ausdauer. Vor allem wenn man es nicht schaffte seine Haltung richtig auszuüben. So war es für Aradan langsam alles andere als leicht jeden weiteren Stoß perfekt zurück zu halten. Zumal sein letzter gegenüber stehender 'Stoßer' auch noch Tokiv war... Und hielt dieser sich zurück? Selbstverständlich nicht. Aradan war es, als hätte er eine Dampfwalze abwehren sollen. Zwar war die richtige Haltung klar von Vorteil für den abwehrenden, doch konnte wohl die perfekte Abwehr nichts gegen einen solchen Rammbock machen. So klappte sein Bein doch unter der Kraft des Einschlag's ein, wodurch er nicht mehr in der Lage war seine Standfestigkeit auszuüben. Es endete darin dass Aradan mit voller Wucht nach hinten weg geschleudert wurde und ausgerechnet in einer matschigen Pfütze landen durfte. Tokiv fand das lustig und setzte ein überlegenes Grinsen auf. Aradan stand wieder auf und schüttelte leicht den Kopf. Klar. Dachte er sich. Wenn er so ein Fleischklopps wäre, hätte er auch leichtes Spiel.. Aber Aradan hatte eine Idee wie er sich an Tokiv rächen könnte, so machte er sich wieder bereit und ging in die abwehrende Haltung.
      Doch dann... Umdrehen und tauschen?! JETZT? Innerlich kochte Aradan. Sofort wollte er Wilk entgegen brüllen dass er noch einen Versuch wolle, da bemerkte er dass er nun Renera gegenüber stand, was augenblicklich dafür sorgte dass sein Gemüt wieder abkühlte.
      Er musste sogar schmunzeln als sie das mit seinem Kopf erwähnte.
      "Ja das wär was. Kannst es gerne versuchen!"
      Meinte er entschlossen und setzte all seine verbleibende Kraft in die Abwehr, was im nachhinein etwas zu extrem war. Er war noch komplett auf Tokiv eingerichtet, was für diesen nicht reichte, doch für Renera wohl eher so war, als würde sie gegen eine Wand aus Eisen rennen. Schlimmer noch. Seine Haltung war noch auf die Größe von Tokiv eingerichtet, was bei Renera dafür sorgen würde, dass sie mit dem Kopf genau gegen seinen Ellbogen hechten würde. So blieb es abzuwarten wie Aradan's Gegenüber den Stoß ausüben würde und ob sie bemerkte dass Aradan seine Abwehr viel zu intensiv und obendrein auf eine falsche Größe ausübte.
    • Cetra führte die Gruppe zielsicher in einen links verlaufenen Bogen, der nach eigener Aussage dafür sorgen würde, dass sie im Kreis laufen konnten, den Ort erreichten, an dem der Händler überfallen wurde, das Tal erblicken würden und dann genau an der ersten Lichtung wieder herauskommen würden, der sie sich bereits näherten. Sie erläuterte diesen Plan ein weiteres Mal, während sie die Gruppe um eine große Eiche herumführte und dabei die Führung übernahm. Ihre Schritte waren auf dem unebenem Boden selbstsicher und sie schien eine versteckte Wurzel zu ahnen, bevor sie darüber stolpern konnte. Je weiter sie hinein gingen, desto dichter bewachsen wurde es und desto mehr mussten sie zusammengehen, um nicht im Gebüsch zu landen. Gedmir litt am meisten unter dieser Wanderung, er schien es sich zur Aufgabe zu machen sämtliche Unebenheiten des Bodens zu erkunden und dabei alle paar Sekunden einen Fluch von sich zu geben, wenn ihm eben jener Boden den Gleichgewichtssinn nahm. Cetra warf ein paar Blicke auf ihn zurück, entschied sich aber dazu, ihm seinem Schicksal zu überlassen. Nach einer Weile des Schweigens meldete Eredik sich ein weiteres Mal zu Wort.
      "Also... Wie war diese Schlacht? Beim Yorak Pass?"
      Er warf einen kurzen, nervösen Blick auf Marudan und schien rot anzulaufen.
      "Ich meine, sofern Sie darüber reden möchten. Schließlich gibt es mittlerweile sogar Kindermärchen von dieser Schlacht und naja, Sie können bestimmt besser sagen, was davon alles falsch ist und was nicht."
      Er sah noch einmal zu Marudan und diesmal blickte auch Cetra neugierig herüber. Der Schmied war nicht gerade bekannt dafür, in allen Einzelheiten von diesem Ereignis zu berichten, doch dieser besondere Umstand, in dem sie sich befanden, konnte dafür sorgen, dass er diesmal eine Ausnahme machen würde.

      Im Unterricht wurde Renera unterdessen kühn. Jetzt konnte sie selbst jemanden umstoßen und sich dafür für die ganzen eigenen Niederlagen rächen. Auch wenn es dabei um Aradan ging; Er hielt das schon aus. Sein Rücken war eh schon ganz schlammig, da machte ein bisschen mehr auch keinen Unterschied.
      Sie ging selbst in die Knie, Sturmhaltung, das konnte sie zumindest, den Kopf nach vorne, dann mit aller Kraft los und - ihr Kopf knallte gegen Aradan's scharfen Ellbogen, sie stolperte zurück, fiel auf den Rücken und riss die Augen auf.
      "AAAAAAAAAU!!!!"
      Ein beißender Schmerz schoss ihr durch die Nase, der gleichzeitig drohte ihre Tränen herauszudrücken, die sich schlagartig in ihren Augen sammelten. Sie setzte sich auf, schloss die Hände um ihre Nase und hielt sie dann wieder weg, um ein paar Blutstropfen darauf zu erkennen. Krampfhaft versuchte sie nicht zu weinen, als hinter ihr schon Wilk's brummende Stimme ertönte.
      "Aradan!"
      Sein Schatten fiel auf sie, als er sich hinter ihr aufbaute und Aradan kritisch begutachtete. Sein kritischer Blick glich einem Dämonenblick, seine Stirn wurde dann zu einem Meer aus Falten, seine Augen verschwanden beinahe komplett hinter seinen buschigen Augenbrauen und neben seinem Mund bildeten sich zwei starke Falten, die so aussahen, als würde er jeden Moment losbrüllen. Glücklicherweise war er sehr schwer aufzuregen und so blieb es nur bei diesem Blick.
      "Ich sage es noch einmal für alle: Die Arme unter dem Kopf! Sind sie auf Kopfhöhe, werden sie nicht mehr an euren Schultern, sondern in den Mäulern der Kreaturen stecken!"
      Er blickte auf Renera herab.
      "Renera, aufstehen!"
      Sie kam mit zitternden Knien nach oben. Diesmal senkte er zumindest seine Stimme ein wenig.
      "Lass mal sehen... Ach! Das ist aber ein schöner Bruch. Ganz sauber, das wird sicherlich wieder gut verheilen."
      "W-w-w-was?"
      Sie kämpfte noch immer mit den Tränen, war aber auf gutem Weg zu verlieren. Eine hatte sich schon aus ihren Augen freigekämpft und die nächste wollte gleich mit.
      "Aradan, bring sie zu deiner Mutter und lass dir erklären, wie man Nasenbrüche behandelt. Das wird eine gute Lektion sein."
      Dann klopfte er Renera auf die Schulter.
      "Bloß nicht schniefen, dann tut's auch nicht viel weh."
      Renera tat genau das und brach bei dem Schmerz dann doch in Tränen aus.