spellbound. (earinor & akira)

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    • Rikiya lauschte Rains Erzählungen eindringlich; er würde es heute tun, gestern, übermorgen, wann auch immer - er wollte alles wissen, das er wissen durfte und er wollte helfen, wo er konnte, irgendwie. Es war nicht einfach, das gab er zu, aber er musste sich auch darüber im klaren sein, dass er den Verstand früher oder später verloren hätte, wenn er sich allein mit Nayantai herumschlagen müsste, oder aber wenn Rain es war, der ihn, irgendwo auf dieser Welt, aushalten musste, wenn er wieder eine seiner Eingebungen hatte. "Hört sich so an, als ob er keinerlei Interesse daran hatte, wirklich wieder einen Fuß nach Thria zu setzen und jetzt, wo er wieder hier ist, bauscht er sich eben auf und bildet sich ein, er kann mit uns beiden umspringen wie er möchte, weil er eine Chance auf Rache, oder was auch immer es ist das er haben will, wittert. Ich will gerne behaupten, dass er nicht so ist, glaub mir, aber das ist er nicht. Das hört sich genau nach ihm an, egal wie ich es richte oder drehe.", seufzte er niedergeschlagen. Sein Sohn war ein Fall für sich und nun kam Rikiya eine Idee, die er vielleicht gar nicht aussprechen sollte, oder durfte. "Denkst du denn, du wärst mit ihm im Süden glücklicher geworden?" Vielleicht dachten die beiden von Grund auf verschieden und die Frage war von vornherein irrelevant.

      Genau so, wie Rain alles beschilderte, hatte er es mittlerweile irgendwie im Kopf - ins Bilde hatte man ihn schon vor einiger Zeit gesetzt, einfach weil er nicht alles wusste, wie denn auch, wenn er schon seit Ewigkeiten nicht mehr in Adrestia war? Dumm nur, dass er auch noch eine Rechnung mit einem gewissen jemand offen hatte und, ehrlich gesagt, auch irgendwo nach Rache bellte, nein? "Also fährt sich Adrestia entweder selbst in den Tod, sollte das so weitergehen wie es das bis jetzt getan hat, oder aber, wir unternehmen etwas dagegen und sorgen dafür, dass nicht noch mehr von denen leiden muss, die ohnehin nichts dafür können, egal aus welchem Land. Manchmal frage ich mich wirklich, wie sie Henry dazu getrieben haben, diesen Krieg wirklich anzuzetteln ..." Rikiya konnte es sich denken, war sein alter Herr doch ein aalglatter, redegewandter Zeitgenosse und Caelan ein aufbrausender, stürmischer Mann gewesen. Sie beide waren wohl genug, um ein wenig Wind in die bereits aufgewölbten Segeln des imaginären Kriegsschiffes zu pusten. "Das weiß ich, ich meine nur, rein faktisch. Ich bin sein Vater, ich sollte so oder so mit ihm reden - aber ich sollte meine Schuld nicht aus den Augen lassen. Weder du noch Nayantai könnt etwas für den Krieg, oder irgendwelche Zustände. Ihr seid jung, ihr kennt die Welt nicht anders.", offenbarte sich Rikiya, der seinen Tee in einem kräftigen Schluck in seinen Rachen kippte und schmunzelte. "Mach dir nicht so viele Sorgen, ich biege das schon wieder gerade. Hast du Hunger?" Sie hatten noch Fisch, der verarbeitet werden musste. "So ist er immer. Er zielt es darauf ab, dass du ihn dann in Ruhe lässt, ohne Rücksicht auf Verluste, weil er seinen Kopf nicht benutzt - ich hatte gehofft, das renkt sich irgendwann ein, wenn er älter wird ...", murmelte Rikiya, wohlwissend, dass er vergebens auf etwas hoffte, das beim besten Willen nie passieren würde. "Lass uns etwas kochen und essen, wenn er bis dahin noch nicht wieder zurück ist, gehe ich ihn holen, ja?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain nippte an seinem Tee und genoss die Wärme die von innen in ihm aufstieg. Er war froh, dass Tee in Thria sogar noch beliebter war als in Adrestia, Rain trank ihn gerne. "Im Süden? Ich denke, dass er sich ein Leben dort einfacher vorgestellt hat als es ist. Wir hätten nichts gehabt und dort funktioniert alles eher wie in Adrestia, als in Thria. Außerdem... ich denke nicht, dass Nayantai wirklich nicht hier sein möchte und dass du, oder euer Volk ihm egal seid. Wenn euch etwas passiert wäre, er hätte sich immer die Schuld gegeben einfach davongelaufen zu sein... zumindest würde ich mich so fühlen.." Oder vielleicht fühlte er sich auch genau jetzt so, weil er Fhaergus im Stich ließ und nicht einmal einen Versuch unternahm sein Volk zu retten und zu verteidigen. Wie auch? Er war kein Kämpfer, ganz und gar nicht und er konnte die Wölfe nicht fragen einem Adrestianischen Fürsten dabei zu helfen sein land zurückzuerobern, das war hinrissig, auch wenn sowohl Rikiya als auch Nayantai es anboten, die anderen würden da nicht mitmachen.

      Den krieg zu beenden war ein nobles Ziel und vielleicht sollte Rain nicht darauf warten, dass etwas schreckliches passierte, bevor er in die Gänge kam. Er dachte oft darüber nach was es braucht, um das Blatt zu wenden, aber es war nichts, was er umsetzen konnte, oder was ihm die Wölfe glauben würden. Er konnte auch nicht hellsehen, nur ein paar Schritte vorausplanen und dann würden sie vielleicht noch mehr verlieren, weil sie Fhaergus nicht halten konnten. "Ein Bürgerkrieg ist möglich, aber ich denke nicht, dass er den Krieg gegen Thria langfristig beenden würde... Olette würde die Zügel in die Hand nehmen und dann würde es für euch nur noch schlimmer werden. Manche Länder im Süden handeln immer noch mit Menschen und ich glaube nicht, dass Olette abgeneigt wäre daraus Geschäft zu ziehen...", murmelte Rain. Myriad, so schlimm es auch klang, war das geringere Übel. Würde Thria die Chance nutzen und während eines Bürgerkriegs angreifen, dann würde Adrestia sich nur erneut gegen sie vereinen. "Du hast den Krieg nicht begonnen, so gesehen trägt meine Familie die größere Schuld." Rain wusste das nur zu gut. Er war nicht wirklich hungrig, aber er wollte den Fisch auch nicht verderben lassen und vielleicht konnten er und Rikiya ein wenig Ablenkung vertragen. "In Ordnung... uhm... zeigst du mir wie es geht? Ich habe noch nie... naja gekocht. Wie war das für dich als du hier ankamst...? Wenn ich fragen darf."
    • “Du hast nicht Unrecht, Rain, aber du weißt, dass wir beide heute Abend wenig an der Weltordnung ändern können. Lass uns das morgen bereden, ja? Heute Abend können wir beide eher von Ruhe profitieren, denke ich.”, schlug Rikiya dem aufmerksamen Lamm vor, als wolle er entweder lediglich seine Ruhe haben, oder zumindest einen kleinen Moment in welchem sie beide innehalten durften. Egal was es war, insofern sie damit glücklich wurden, war das schon in Ordnung - Rain musste nur wissen, was er wollte und Rikiya, nun, er hatte sich wohl weniger von seinen eigenen Gedanken plagen zu lassen, das wäre zumindest ein Anfang. Just in diesem Moment goss er sich also noch einen Tee ein und schenkte Rain ebenfalls nach, als wolle er die Flamme ihrer Konversation aufrechterhalten aber nicht in ein ungesundes Territorium abrutschen, wie sie es eigentlich schon ein wenig getan hatten. Wieso auch mit Wahrscheinlichkeiten beschäftigen, die ihnen gerade nicht davon liefen? “Ich glaube nicht, dass Nayantai anders denken würde. Ihr würdet ich wohl beide genug Schuld einreden, aber selbst wenn, ich wäre euch keineswegs nachtragend. Zumal ich nicht einmal wüsste, dass es dich gibt, oder Nayantai noch lebt.”

      Traurig stimmte ihn der Gedanke schon. Rikiya wollte allerdings kein Trübsal blasen sondern seine Ruhe haben, nicht aber vor den Dingen die Rain ihm mitteilte, sondern von seinen eigenen, überspitzten Sorgen. Wann war er denn auch für sich selbst da? “Olette und Alster empfehle ich keinem, der sein Leben wertschätzt. Ich kann weder Darragh vertrauen, noch konnte ich Antoine je gut leiden und sein Vater war nicht wirklich anders.”, warf er noch schnell ein, ehe er sich aufrappelte und den Korb holte, sowie ein passendes Messer - und ein zweites für Rain, der auch schon Interesse an dem Handwerk zeigte. Rikiya schmunzelte. “Was willst du denn daraus machen? Suppe? Eintopf? Willst du ihn garen oder einfach nur grillen?”, fragte er seinen Schwiegersohn interessiert - Rain könnte sich etwas aussuchen, aber die ersten Schritte waren ohnehin standard und änderten sich kein bisschen. Er nickte, drückte Rain das zweite Messer in die Hand und zeigte ihm, wie er den Fisch aufzuschneiden hatte, die Organe entfernte und die Gräten grundsätzlich entfernte - auch die Schuppen zerrüttete er mit dem Messer zumindest ein wenig. “Es war, hm, nicht wirklich einfach. Abgesehen davon, dass du mich alles fragen darfst, was du möchtest.”, lachte Rikiya. “Ich kannte ein paar Dinge, weil ich sie mir selbst beigebracht hatte oder Caelan sie mir irgendwann gezeigt hat, aber ich habe mich ziemlich allein und einsam gefühlt, als ich dann krank wurde, war das noch schlimmer und dann kam die Unbeholfenheit hinzu. Irgendwie hat mich das alles ziemlich überfordert.”
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    • "In Ordnung...", murmelte Rain. Irgendwie hatte er immer das Gefühl die falschen Themen anzusprechen, nachdem ihm so oft gesagt wurde, dass sie besser ein andermal darüber sprachen. Tee bekam er trotzdem noch einen und er nahm ihn dankend an. "Es würde wohl nichts daran ändern, dass Nayantai an seinen Problemen arbeiten muss, aber ich schätze im Süden wäre er damit beschäftigt uns irgendwie am Leben zu erhalten. Jagen, oder anderes... ich glaube er wollte eine Farm, dabei weiß ich gar nicht ob Nayantai jemals eine Farm gesehen hat.", kicherte Rain. Die Wölfe waren Nomaden, hier gab es keine Farmen. Ein paar Tiere liefen durch das Dorf, aber so weit Rain gesehen hatte, hatten sie nicht einmal einen Pferch. Rain hatte allerdings auch noch nie eine echte Farm gesehen und er wäre wohl nicht sehr hilfreich. Vielleicht hätte er Wolle spinnen können? Den Stall ausräumen wäre wohl keine Tätigkeit für ihn gewesen. Hier konnte er auch nicht viel tun und die Hälfte der Dinge die er sich ausgemalt hatte, die er tun konnte, sollte er endlich nach draußen können, hatte er auch nicht getan.

      "Das mit dem Süden habe ich auch versucht Nayantai auszureden, weil er durch Olette hätte reisen müssen, Olette und Lavern. Wezette ist weniger gefährlich, dort gibt es nicht genügend Soldaten um alle Grenzen zu bewachen. Nayantai hätte es vielleicht auch über die Berge südlich von Fhaergus geschafft, aber ich kenne niemanden der das auch nur versucht hätte." Nicht einmal sein Vater und der kannte Fhaergus sonst in und auswendig. Rain bekam schon bald ein Messer in die Hand und starrte den Fisch an. Er war bereits tot - zum Glück - und er sah auch nicht so niedlich aus wie ein Hase, also hoffentlich ein einfacher Anfang. "Grillen?", fragte Rain mehr als dass er eine Antwort gab. Er bekam so oft Suppe, er hatte Lust auf etwas anderes. Rikiya machte vor was er tun musste und Rain versuchte es ihm gleich zu machen. Dabei war er vielleicht ein bisschen zu vorsichtig, er wollte nichts kaputt machen und er wollte sich auch nicht selbst in den Finger schneiden. "Das mit meinem Vater und dir will immer noch nicht in meinen Kopf... ich kenne ihn eher als Einzelgänger." Wenn er um Hilfe gebeten wurde würde er wohl nicht nein sagen, aber er verbrachte seine Zeit lieber für sich. "Ich schätze du wusstest mehr als ich... ich wäre gerne eine größere Hilfe und ich würde mich gerne auch mit den anderen unterhalten, aber ich weiß nicht wie sie darauf reagieren würden, würde ich in der Siedlung herum laufen. Sie wussten damals wer, beziehungsweise was du bist, oder? Aber ohne den Krieg war es wohl halb so schlimm?"
    • “Hm? Was ist los? Willst du lieber jetzt darüber reden? Dann nur zu.”, erwiderte Rikiya ihm schlussendlich, nicht, dass er seine Meinung bezüglich der Thematik großartig geändert hatte, allerdings schien Rain weniger zufrieden mit der Aufschieberei zu sein, die hier von sich ging. Klar, wer wäre das auch? “Dann hätte er seine Probleme auch nur vor sich hergeschoben, vermutlich länger, weil er dann etwas tun müsste, und nicht aus könnte, so wie hier. Trotzdem hätte er vermutlich irgendwann Probleme bekommen und der Druck, den er euch durch so viel Arbeit geschenkt hätte, wäre wohl auf dir liegen geblieben. Und nein, nicht wirklich - im Westen ist alles ein wenig anders, die Völker dort unten haben einen festen Stammplatz und wandern nicht mehr, also haben sie annähernd so etwas für ihre Schafe und Hühner, aber das gleicht keiner Farm in Adrestia.”, erklärte Rikiya weiter, als hätte er sich gerade überlegen müssen, wie genau es dort unten wirklich nochmals aussah. Naja, wirklich da - mit seinem Kopf - war er in Yaoshen ohnehin nicht gewesen. “Außerdem, ich glaube zwar, im Süden wäre es angenehmer für euch, aber ihr beide könnt keine der Sprachen dort und je nachdem, wo ihr euch niedergelassen hättet, hätte das relativ unschön ausgehen können.”

      Immer alles schwarz zu malen war lediglich die Realität mit der sie sich beide konfrontiert sehen mussten - Rikiya wollte nicht, dass einer von ihnen im Krieg aufwuchs, wollte nicht, dass Andere für solche Dinge kämpfen mussten und doch war ihm klar, dass es sich mittlerweile fast schon gehörte. Es gab Niemanden, der für die Generationen nach ihnen einlenken würde; sie mussten ja auch nicht. “Eben. Ich weiß nicht, was in Olette los ist, aber fast jeder, der sich gut mit Darragh versteht - oder eher von seinen Machenschaften profitiert - hat Dreck auf seiner Weste.”, erklärte er Rain, als ob sie das beide nicht ohnehin wussten. Zumal, wer passte auch schon auf diese Dinge auf? Rikiya konnte adrestianische Politik die letzten Jahre über gestohlen bleiben, da hatte sich bis jetzt nicht unbedingt viel verändert. “Hast du die Schnauze voll von Eintopf?”, lachte der Wolfskönig. Natürlich, das hatte er auch, aber es war nun einmal die einfachste Option, an Essen zu kommen und brauchte auch nicht unverschämt lange. Rikiya warf die Eingeweide des Fisches den Flammen zum Opfer vor, gleich wie die Gräten, damit sie sich nicht um den Abfall kümmern mussten, der wiederum wilde Tiere anlockte - er nahm die dünne Stange, an der sie normalerweise den Kessel aufhängten und spießte den Fisch seitlich darauf auf. “Du kannst ruhig etwas fester zupacken, sonst rutscht er dir aus der Hand.”, erklärte er Rain noch. “Ich kenne ihn absolut nicht so, ich war immer eher der Einzelgänger.”, bemerkte er schmunzelnd. “Willst du irgendetwas über ihn wissen? Also, von damals.” Einige Geschichten würde Rikiya durchaus für sich selbst behalten, die gingen Rain immerhin nichts an - aber nicht nur ihn, auch sonst keinen. “Probier es einfach. Sie werden nicht mit Schnee oder Steinen nach dir werfen und vielleicht sind ein paar von ihnen dann auch mutig genug, dich anzureden, hm? Abgesehen davon bist du uns schon eine große Hilfe, du redest dich selbst klein. Was mich angeht, die Meisten wussten es nicht, aber selbst nachdem es ein paar von ihnen erfragt haben, hat das nichts geändert - für sie bin ich einfach ein Teil von ihnen, da macht es nichts aus dass ich zu Teilen ein Adrestianer bin. Hätte ich das Zuhause, noch vor dem Krieg, überhaupt öffentlich angesprochen, wäre mein Kopf gerollt.”
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    • "Nein, schon in Ordnung. Wir können ein andermal über den Krieg sprechen." Es war kein gutes Thema, nicht für jetzt und es war das Thema das sie beide ohnehin am meisten besprachen, hauptsächlich weil Rain helfen wollte und Rikiya mitteilen wollte, was er glaubte Adrestia würde es als nächstes tun. Bis jetzt hatte er ganz guten Erfolg damit, die Späher fanden die Armee dort, wo Rain es vorhergesagt hatte, aber er war nicht allwissend und mit seinem Vater und Fhaergus fehlte der Armee ein wichtiger Teil. Rain wusste nicht wer diesen übernehmen würde und wie und er wusste auch nicht was die anderen Fürstentümer von Fhaergus Annexion hielten. "Nayantai hat ein bisschen von dort erzählt, aber nicht viel. Ich weiß nur, dass es sehr kalt ist und das Eis niemals schmilzt, selbst nicht durch ein Feuer. Ich werde dort wohl nie hinkommen. Dir ging es dort auch nicht gut richtig? Und auch andere hier würden dort nicht überleben?" Es hatte nichts mit Schaf sein zu tun, soweit Rain verstanden hatte. Nicht jeder hatte die Gene die eisige Kälte dort zu überleben. "Es gibt viele Händler aus dem Süden die unsere Sprache sprechen, aber sie sind auch eng mit Olette verbunden um ihre Geschäfte zu machen. Ansonsten weiß ich auch nicht viel, aber sie mischen sich in diesen Krieg nicht ein. "

      "Das sagst du so, aber Fhaergus und Alster waren immer enge Verbündete. Mein Vater verbrachte viel Zeit dort, auch mit deinem Bruder. Er besuchte uns manchmal als ich noch jünger war, Lord Darragh nicht, aber ich glaube mein Großvater verhinderte das weitgehend. Sie haben sich nie vertragen, aber mir wurde nie gesagt wieso. Laut unseren Aufzeichnungen hätte er Lady Saroise einmal heiraten sollen, vielleicht liegt es daran, aber ich weiß nicht viel mehr. Meine Familie wollte nie so recht über solche Dinge sprechen, weder meine Großeltern, noch mein Vater und meine Mutter wusste selbst nichts von alldem, soweit ich weiß." Rain versagte miserabel dabei die Gräten aus dem Fisch zu holen, also zupfte er sie jetzt einzeln heraus. "Ich würde gerne einmal wieder etwas kauen und ich wäre auch ein paar Gewürzen nicht abgeneigt... ich will mich nicht beschweren, es ist nur, ich weiß ihr bereitet mein Essen extra für mich zu, weil ich eure Würzung definitiv zu scharf finde, aber es ist... ein bisschen langweilig.", gab er zu. Der Brei schmeckte immer gleich, aber wie sollte jemand der alles was Rain essen konnte für langweilig empfand, seinen Geschmack treffen? Und warum sollten sie sich die Mühe machen? "Ich weiß nicht wirklich wonach ich fragen soll, ich kannte meinen Vater nicht sehr gut..."Nayantai schimpfte auch ständig über Rikiya, aber am Ende waren sie einander doch viel wichtiger, so kam es Rain zumindest vor. "Mh... Lord Darragh war nie ein Freund von Thria und der Fakt, dass seine Frau... naja... selbst wenn es ein Adrestianer gewesen wäre, hätte das Probleme gemacht." Rain stockte kurz, dachte über Rikiyas Geschichte nach. "Ich sollte ihn verteidigen und dir nicht glauben, aber all das macht zu viel Sinn und ich denke... wenn das alles so ist, dann wird auch er von Laverns Angriff auf uns gewusst haben. Wäre Nayantai nicht bei mir gewesen, wäre ich zu ihm geflohen... ich schätze dann wäre ich jetzt tot. Es macht mich nicht wirklich traurig, oder wütend, ich habe nie ein Wort mit ihm gesprochen und mein Großvater rümpfte immer die Nase wenn er erwähnt wurde, aber mein Vater... ach die meiste Zeit verstehe ich ihn nicht und deine Geschichten und mein Bild von ihm passen überhaupt nicht zusammen. Es ärgert mich irgendwo..."
    • "Alles klar.", entgegnete Rikiya ihm noch. Das Thema war so oder so heikel und sie beide wussten, dass sie einander lediglich dabei helfe konnten, beide Seiten des Krieges wirklich zu verstehen und womöglich auch ein klein wenig zu akzeptieren, so gut man es eben konnte. Was brachte es denn auch, seinem Feind die eigene Klinge nicht nahezulegen, wenn man selbst nicht von dem überzeugt war wofür man stehen sollte? "Ja, da hat er schon recht. Der Westen ist unerbittlich kalt, für ein paar Tage halte ich ihn schon aus, aber ansonsten ist es wohl eher so als ob sich die Kälte durch Mark und Bein frisst und du ihr nicht mehr entkommst. Dir würde ich diesen Ort noch weniger ans Herz legen, als mir selbst, aber ich muss auch gestehen, dass es relativ egal ist, wer von uns es ist - auch die Wölfe hier würden dort unten wohl nie wirklich leben können. Es ist einfach zu kalt.", gestand er seinem Schwiegersohn salopp. Rikiya wusste, dass selbst er vermutlich irgendwann der Kälte zum Opfer gefallen wäre, hätten sie den Rest seines zerrütteten Lebens dort unten verbracht. Was ein Pech aber auch, dass er schlussendlich doch noch einen Ausweg gefunden hatte. "Das müssen sie auch nicht, selbst, wenn der Krieg nicht in ihrem Interesse ist. Der Süden ist ein wenig eigenartig, wenn du so darüber nachdenkst. Eigentlich sind sie unsere einzigen Nachbarn aber wir haben gefühlt nichts mit ihnen zu tun, egal ob Wolf oder Schaf." Dazu gab es dennoch sicher genug Ausreden um es zu erklären.

      "Darragh hat euch nie besucht? Hört sich für mich nach nichts Neuem an, ganz ehrlich. Ich glaube, wenn du ein wenig mehr wie Caelan und ein bisschen weniger wie ich gewesen wärst, dann hätte er so viel Zeit mit dir verbracht, dass du ihn nicht mehr ansehen könntest. Er war schon immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ... Was meine Mutter angeht, ja, sie war mit deinem Großvater, Allard, verlobt, aber mehr weiß ich dazu auch nicht unbedingt. Ihre Wege haben sich irgendwann getrennt.", nuschelte Rikiya als Erklärung vor sich hin - ihm war klar, dass er deswegen, oder vielleicht deshalb, einen Moment innehalten sollte und sich überlegen musste, ob das denn auch das war, das er wollte - brachte es denn etwas, würde er sich wieder auf seinen Vater und solche Lappalien aus der Vergangenheit einlassen? "Langweilig? Das ist natürlich ein Problem. Ich könnte nachsehen, ob ich noch irgendwo ein paar ältere Gewürze auftreiben kann, die dich nicht sofort, naja, umbringen ist vielleicht überspitzt.", erklärte er sich. Rikiya wollte nun wirklich nicht, dass Rain hustend und röchelnd auch noch von seinem Fisch abließ, weil er ihm dann doch zu scharf war. Das konnte er doch nicht verantworten. Das wollte er auch gar nicht. "Naja, interessiert es dich wie er war, als er noch jung war? Ich kann dir von seinen endlosen Frauengeschichten erzählen und dass ich ziemlich eifersüchtig war, aber das würde den Rahmen wahrscheinlich wieder irgendwo sprengen.", gestand er. Natürlich wusste er, dass es dumm war sich auf solche Gedankenexperimente einzulassen und dass es für sie beide weniger vorteilhaft war, dass sie sich gerade um solche Dinge scheren mussten, aber ehrlich? Rikiya redete doch irgendwo gerne über Caelan - er misste ihn schon viel zu lange. "Seine Frau hat nie wirklich ihm gehört, er ist einfach ein trauriger Jammerlappen und anders kenne ich ihn auch nicht.", erwiderte er. Natürlich, Errungenschaften hatte auch ein Darragh, aber mal ganz ehrlich, wen interessierten die schon? "Was ärgert dich? Dass du so wenig über ihn weißt? Dass er nicht ehrlich war und sich so verändert hat? Ich kann mir ehrlich auch nicht vorstellen, dass er so ist, wie du ihn beschreibst."
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    • "Schade eigentlich, ich würde gerne sehen wo Nayantai aufgewachsen ist und ich denke es würde ihm auch einfacher fallen dort hin zu reisen, seinetwegen, wenn er mich einfach mitnehmen könnte. Ich glaube nicht, dass er mich alleine lassen will, auch wenn er gerade wütend auf mich ist. Selbst wenn wir nicht zusammen während und er mich nur aus Nettigkeit gerettet und hier her gebracht hätte, irgendwie versucht doch immer jeder mich zu beschützen." Rain lächelte leicht. Er wusste nicht, ob er diesen Fakt gut oder schlecht fand. Es war natürlich nett, aber jeder machte sich zu viele Sorgen um ihn. Er war zerbrechlich und kränklich, ja, aber aus seiner Sicht würde er früher oder später sterben und niemand konnte etwas dafür oder hätte es verhindern können, das war nun einmal so. "Naja wir sind auch sehr abgeschnitten von ihnen, durch die Berge und Olette hat immer sicher gestellt, dass sie Adrestia über das Meer nichts anhaben könnte, daran hat sich auch im Krieg nichts geändert." Adrestia hatte aber auch nicht allzu viel, dass sie ihnen anbieten konnten, der Süden war von Außen betrachtet viel reicher, aber dort gab es mehrere Länder und es war bestimmt nicht so einfach wie es von Außen aussah.

      "Ich bin überhaupt nicht wie mein Vater, aber er hat eigentlich immer gut von ihm gesprochen, beziehungsweise war oft bei ihm. Meine Mutter mochte ihn glaub ich nicht besonders, obwohl er es wohl war, der meinen Großvater irgendwie davon überzeugt hatte meine Eltern heiraten zu lassen. Meine Familie spricht nicht oft über diese Dinge und ich muss mir selbst einiges zusammenreimen, es war aber sehr offensichtlich, dass mein Großvater und meine Mutter nicht gut miteinander ausgekommen sind. Es wurde mir bewusster, als ich älter wurde." Es war alles sehr verwirrend, mehr noch für Rikiya der die Hälfte der Personen gar nicht kannte. "Ich denke mein Großvater konnte Lady Saroise nie heiraten, weil er zum Fürst von Fhaergus wurde. Das hätte eigentlich sein Bruder übernehmen sollen. Eine Heirat hätte bedeutet, dass Fhaergus und Alster ein einziges Land gewesen wären und nachdem Lady Saroise so stark darum gekämpft hatte das Fürstentum zu übernehmen, obwohl sie eine Frau war, glaube ich nicht, dass sie das wollte." So ging es zumindest aus den Aufzeichnungen hervor. Rain schüttelte schnell den Kopf als Rikiya ihm schon wieder alles recht machen wollte. "Nein, ist schon in Ordnung, ich esse den Fisch auch so." Naja, nicht den den er immer noch vor sich liegen hatte vielleicht, er sah irgendwie massakriert aus. "Frauengeschichten?", fragte Rain verwirrt. Das klang auch nicht nach seinem Vater. "Ich meine, theoretisch, wenn er sagte er geht in die Berge, oder seinen Onkel besuchen, hätte er auch woanders hingehen können, aber so schätze ich ihn nun wirklich nicht ein. Wenn er nicht alleine war, dann bei meiner Mutter." Den Mann den Rikiya beschrieb kannte Rain nicht, obwohl er sich schon vorstellen konnte, warum es so war. "Darragh war wohl wie ein Mentor für ihn, soweit ich weiß.", erwiderte Rain. Er wollte ihn nicht unbedingt verteidigen und er glaubte Rikiya, aber trotzdem war alles seltsam. "Es ärgert mich, dass ich nie wusste was er denkt. Normalerweise bin ich ganz gut darin Situationen und Menschen zu lesen, zumindest kann ich mir vieles zusammenreimen und andere verstehen, aber mein Vater? Ich wusste nie was er dachte, oder warum er tat was er tat, oder was es war, das ihn genau an mir störte. Warum hat er Nayantai nach Fhaergus gebracht? Was wollte er das ich tue? Warum ist er dem Befehl eines Königs gefolgt, dessen wertvollsten Gefangenen er ihm gerade gestohlen hat? Wieso hat er das überhaupt getan? Nichts was er jemals getan hat machte jemals Sinn für mich."
    • "Vielleicht reicht dir schon ein Stückchen Eis aus seiner Heimat, oder möglicherweise irgendetwas kleines? Der Westen kann so schön sein, aber keine zehn Pferde sollten einen von uns dorthin bringen, nur so als Rat. Aber abgesehen davon, stört dich das? Wenn dich ständig jemand beschützen will?" Es war nun einmal alles andere als einfach, Rain zu sein - Rikiya wusste, wie es sich anfühlte umsorgt zu werden, nur, weil man so aussah, als bekäme man alleine nichts auf die Beine gestellt; dementsprechend konnte er Rain wohl noch eher verstehen. Caelan hatte lange Zeit alles für ihn getan, ihn jedem Wunsch von den Lippen abgelesen, auch, wenn er hin und wieder mit ein paar Wünschen seinerseits kam, die Ronan ihm eben nie ausschlagen wollte, oder würde. Schwachsinnig wäre das. "Haben sie das, oder haben sie einfach nur gut mit den Leuten aus dem Süden gehandelt? Ich kann es dir nicht sagen, aber das, was ich weiß, ist, dass ich meinen Kopf darauf verwetten kann, dass es in Olette kaum mit rechten Dingen zugeht.", machte er Rain weiß. Das musste es zwar nicht, nur bedingt, aber insofern das alles einen Einfluss auf andere Nationen hatte, so wie die seinige, so schien das alles zu einem noch größeren Problem zu werden und sich stetig zu wandeln. Wann würde die Welt einmal, für kurze Zeit, innehalten? Er konnte es wahrlich kaum erwarten, ein Stück lang ersehnte Ruhe zu finden - abseits eines Krieges, der schon immer so halbherzig geführt wurde, dass er kaum Sinn ergab.

      "Hat er das? Ich kenne Darragh vielleicht die letzten Jahre nicht mehr so gut, aber so, wie ich ihn gekannt habe, ist er größtenteils auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Wenn er hinter deinem Vater, also Caelan, steht und ihn bei Dingen unterstützt, die er gerne macht, die Allard ihm allerdings verbieten würde, dann glaube ich auch, dass er eher zu Darragh tendieren würde, verstehst du?" Oft hatte sich Caelan über Allard nicht beschwert, aber ein gutes Haar konnte er an seinem alten Herren nicht lassen - da waren sie sich nicht unähnlich, auch, wenn Rikiya nie etwas gegen Allard gehabt hatte und wunderbar mit ihm ausgekommen war, beinahe so, als wäre er eigentlich dafür bestimmt gewesen, Fhaergus' Sprössling zu sein, während Caelan viel eher zu Darragh passte, wenn es um die resche, kämpferische Ader ging, die ihr Blut speiste. "Das dürfte der Fall gewesen sein, zumindest klingt das ziemlich schlüssig. Schade ist es allemal, aber vielleicht auch besser so - meine Mutter hatte keine Geschwister, also wäre Alster aufgeben ohnehin keine Option gewesen. Wir können daran ohnehin nichts mehr ändern und meine Mutter und dein Großvater sind beide schon länger tot." Ganz tief in seinem Inneren, das wusste er selbst, verteufelte sich dieses jung geblieben Stück Ronan noch immer dafür, dass er seine Mutter einfach sterben ließ, dass er es nicht mit Darragh aufnehmen konnte und das die Rachegelüste mit den Jahren immer weniger wurden, aber er wusste auch, dass es so einfach besser für alle Beteiligten war. "Ach was." Rikiya war derjenige, der aufstand und anfing zu kramen, während er Rain noch lauschte - sie hatten noch einen dritten Fisch, den könnten sie sich beide teilen, denn so wie er Nayantai kannte, wollte dieser sowieso nichts davon. "Ich glaube nicht, dass er sich noch auf eine Frau eingelassen hat, als er mit deiner Mutter zusammenkam. Damals, bevor wir zwei überhaupt irgendwie miteinander etwas hatten, auch nur freundschaftlich, war dein alter Herr ein Aufreißer. Das hat sich dann gelegt, aber frech war er selbst noch zu mir.", witzelte er bei seiner Erzählung - er musste schmunzeln wenn er an die alten Zeiten dachte, in denen nichts für ihn wichtig schien, außer die einzige Person in Caelans Leben zu sein und von ihm geliebt zu werden. Was machte das auch schon aus? Nichts in seinem Leben war je wichtiger gewesen. "Ugh, das hört sich ja widerlich an." Darragh war wirklich Niemand, den Rikiya leiden konnte, auch, wenn er ihn nicht einmal eines gedanklichen Anblicks würdigte und mit ihm abgeschlossen hatte. "Hm, wir können ihn das alles wohl nicht mehr fragen und ich denke, vielleicht waren es einfach unglückliche Zufälle, aber ... naja, sie haben sich doch Fhaergus geholt, oder? Meinst du, der König hat seine Finger im Spiel? Es ist abwegig, aber womöglich hat er gehofft, Nayantai fällt ihn an und bringt ihn um - ich bezweifle nämlich, dass sie eine Ahnung davon hatten, wer er ist, abgesehen von der Sprachbarriere. Ein Wolf, der durch Fhaergus pirscht, stirbt auch früher oder später. Wenn er dann noch den Fürsten im Nirgendwo umbringt? Das hört sich nach gefundenem Fressen an."
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    • "Nein, ist schon in Ordnung, es ist nicht dasselbe wie dort zu sein und wie gesagt, ich denke er würde eher gehen, wenn ich mitkönnte.", erklärte Rain mit einem kurzen Lächeln. Er wollte gerne von Nayantai herumgeführt werden, sehen was er als Kind getrieben hatte und woran er Spaß hatte. Das Leben der Nomaden war schon seltsam, es gab nicht den einen Ort der immer ihre Heimat sein würde. Nayantai konnte nicht aufstehen und ihm zeigen an welcher Stelle er immer am Feuer gesessen hatte, weil sie vermutlich Kilometerweit entfernt lag und er sie selbst nicht mehr finden konnte. Das war alles seltsam für Rain und er merkte, dass er seine eigene Heimat, sein Zimmer, seine Aussicht und alle dort sehr vermisste. "Wenn mich nicht ständig jeder beschützen wollte, dann hätte ich mit meiner Mutter im Garten sein können, ich hätte die Stadt besuchen können, so wie meine Familie es immer tat und ich hätte bei ihrem Begräbnis sein können. Ganz offensichtlich bin ich nicht ganz so zerbrechlich wie alle immer gesagt haben, ich habe immerhin die Reise hier her überlebt und sie war nicht einfach.", führte er aus. Es ärgerte ihn, er war vielleicht sogar ein bisschen wütend, auch wenn es irgendwie unfair war jemandem vorzuwerfen, ihn beschützen zu wollten. Er war auch wütend auf sich selbst, er hätte sich ja nur durchsetzen müssen, hätte nur nach draußen gehen müssen, um allen zu beweisen, dass er es konnte.

      "Je mehr ich darüber nachdenke, desto komplizierter ist meine Familie. Am Ende sind wir wohl alle nicht miteinander ausgekommen... Mein Vater und mein Großvater haben sich jedes Mal gestritten, wenn er nach Hause kam, auch wenn sie glaubten ich würde es nicht merken. Meine Mutter ging meinem Großvater größtenteils aus dem Weg und ich ging meinem Vater aus dem Weg, wenn er zu Hause war. Vielleicht ist meine Familie einfach so... mein Großvater hat auch nie über seinen Vater gesprochen." Nicht dass es jetzt noch einen Unterschied machte, Rain war der Einzige der übrig war und er würde auch der Letzte sein. Rain blickte auf und sah zu wie Rikiya ein wenig herumkramte. "Ein Aufreißer...?" Auch das passte nicht zu dem Mann, den Rain als seinen Vater kannte. Immer wieder fragte er sich, ob sie wirklich von derselben Person sprachen. Seine Mutter kannte ihn zu der Zeit auch nicht, sie hatte immer nur von dem Mann erzählt, den sie kennengelernt hatte und auch da passte Rikiyas Bild absolut nicht. Auf der anderen Seite kannte er seinen eigenen Vater auch nicht wie seine Mutter ihn schilderte. Oft fragte er sich, ob sie nur so gut von ihm sprach, weil sie nicht wollte, dass Rain schlecht von ihm dachte. Rain brauchte nicht lange zu grübeln um mit Rikiyas Theorie uneins zu sein. "Das glaube ich nicht. Jeder der ihn gesehen hat konnte ganz klar erkennen, dass er meinen Vater in seinem Zustand nie und nimmer etwas hätte antun können. Als er in Fhaergus ankam konnte er kaum stehen und er war sehr krank, auch wenn er versuchte es zu überspielen. Ich bezweifle nicht, dass er mich hätte töten können, aber das auch nur, wenn wir alleine waren und ich glaube nicht, dass der König davon ausgegangen ist, dass ich das wäre. Nayantai kann sich an die Reise nach Fhaergus kaum erinnern. Ich habe nur angenommen, dass mein Vater ihn aus dem Kerker geholt hat, wenn ich ehrlich bin, ich denke aber nicht, dass er ihn nach Fhaergus gebracht hätte, hätte er ihn nicht über den Winter in Sicherheit wissen wollen. Hätte er ihn einsperren lassen wollen, hätte er ihn einfach nach Alster bringen können und dort hätte sich jemand darum gekümmert, oder wenn er Lord Darragh nicht vertraute ihn am Leben zu lassen, dann hätte er ihn immer noch nach Stenz oder Wezette bringen können und wenn er ihn hätte töten wollen, dann hätte er es einfach selbst getan. Abgesehen davon kann ich nur mit Sicherheit sagen, dass Lord Grayson zumindest davon ausgegangen ist, dass Nayantai bei mir war. Warum, das weiß ich nicht, aber vielleicht hat es auch nur jemand ausgeplaudert. Ich glaube er sagte etwas davon, dass der König ihn zurückwollte, aber all das ist ein bisschen schwammig in meiner Erinnerung. Das Einzige das mir logisch erscheint ist, dass meinem Vater aufgetragen wurde in nach Fhaergus zu bringen, damit man ihm im Nachhinein unterstellen konnte, er hätte ihn versteckt und somit hätte man den Angriff legitimieren können. Wenn es ein Befehl war, hätte er ihn wohl auch ausgeführt, warum er allerdings mir gegenüber kein einziges Wort darüber verloren hatte, verstehe ich trotzdem nicht. Er hat mir Nayantai in die Hand gedrückt wie einen Welpen und meinte er müsse nach Thria. Dann ist er einfach gegangen..."
    • "Wahrscheinlich. Alleine lassen will er dich bei weitem nicht, aber vielleicht tut euch die Distanz auch etwas gut. Wer weiß?", philosophierte Rikiya herum. Er wusste, dass er seinem Sohn keinerlei Entscheidungen abnehmen konnte, ihm war jedoch auch klar, dass er sich gerade auf dem besten Weg in eine Grube befand, aus der es kein Entkommen mehr gäbe, fand er sich erst einmal am Ziel seiner Reise wieder. Der König rappelte sich durch, wusste, dass Trübsal blasen einfach nicht helfen würde und ihm war durchaus klar, dass er sich selbst damit verrückt machte, wenn er nur darüber nachdachte, wie all das ausgehen könnte. "Einfach ist es definitiv nicht - ich bin froh, dass du das alles in einem Stück überstanden hast, aber noch dazu bin ich froh, dass es dir jetzt einigermaßen gut geht. Man hätte dir wohl ruhig mehr aufhalsen können, aber ich glaube, man wollte nur das Beste für dich. Dass man das alles komplett falsch angegangen ist, naja, das wird wohl erst im nachhinein offensichtlich.", seufzte Rikiya. Was brachte man sich damit auch bei? Rain konnte in dieser Welt leben, wie es ein Vogel im Käfig tat und dann, wenn man ihm das Tor aus seiner Misere öffnete, wollte er gar nicht erst darin verweilen. Unruhe musste sich wohl in seinem Inneresten breitmachen, als er das erste Mal eine offene Tür erspähte - ein Tabu, und doch, ein Ticket in die Freiheit, in den Tod; es widerte Rikiya gar an, so darüber denken zu müssen. So, wie es Rain im Moment ging, ging es ihm eben gut und die frische Luft zog kaum Nachteile mit sich - wäre sie doch nur nicht so kalt.

      Die Gewürze, von denen er schon gar nicht wusste, ob er sie überhaupt gekauft und nicht erträumt hatte, tauchten schlussendlich auch noch auf - er nahm sie mit sich und hockte sich wieder zu Rain, zu dem Feuer, und begann den zweiten Fisch seinerseits zu zerlegen, vorsichtig, damit Rain im flackernden Flammenschein auch noch etwas davon mitbekommen konnte. "Hört sich so an, als ob die Beziehung zwischen den beiden noch mehr versauert ist, als ich in Erinnerung hatte. Sie haben sich nie so wirklich verstanden, also, irgendwie schon, aber Allard hatte immer Ansprüche an Caelan, denen er sich selten gewachsen gefühlt hat. Irgendwann wollte er mir Fhaergus andrehen, aber ich bin nicht einmal Darraghs Sohn, also wurde aus alldem ohnehin nichts, selbst wenn ich in Alster geblieben wäre und man mir nicht den Schädel abgeschlagen hätte." Rikiya wusste, dass er verbittert sein konnte und doch wollte er nie so wirklich ein Fürst sein. Mit Caelan in die Wogen des Meeres verschwinden, sich in die Welt davonstehlen, das war doch viel ansprechender gewesen, zumindest in der Theorie. Irgendwo, alleine, zu zweit, am Ende der Welt ... "Bevor er mich kennen und lieben gelernt hat war es nicht ganz unüblich, dass er auf Turnieren oder anderen Veranstaltungen die ein oder andere in ein Zimmer oder in einen Heuhaufen mitgenommen hat, weißt du? Das heißt aber nicht, das sie ihn nicht auch noch wollten als er schon mich hatte." Rikiya rieb den Fischkadaver mit der Gewürzmischung ein und hing ihn ebenfalls ins Feuer; vorsichtig griff er nach einem der anderen beiden, nur, um festzustellen, dass sie wohl noch ein wenig Zeit brauchte. "Verzwickt, nicht? Irgendetwas ist hier faul, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht was. Wenn er Caelan nicht umbringen sollte, oder könnte und dafür einfach nur als Vorwand gedient hatte, wieso würde der König ihn wiederhaben wollen?" Der Wolfskönig zog eine Augenbraue nach oben. "Irgendetwas ist doch faul. Aber ich weiß einfach nicht, was es ist. Wie nervtötend ..." Er rieb sich die Schläfen und starrte dann Rain entgegen; wusste er mehr? Nein, sie beide mutmaßten gerade nur Wahrscheinlichkeiten und Rikiya wusste einfach nicht, was er damit anfangen sollte. "Und Caelans Verhalten macht auch nicht gerade viel Sinn ... das stinkt doch zum Himmel. Nayantai weiß auch nicht mehr als du, oder?"
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    • "Vielleicht... seit er nach Fhaergus gekommen ist waren wir immerhin immer zusammen...", murmelte Rain. Vielleicht brauchte Nayantai Zeit für sich, auch wenn er sie sich hier jederzeit nehmen konnte. Vielleicht hätten sie auch mit der Hochzeit warten sollen. Manchmal fragte Rain sich immer noch, ob Nayantai nicht nur so an ihm hing, weil Rain ihn in gewisser Weise gerettet hatte. Das war kaum ein gutes Fundament für eine Beziehung, aber was wusste er schon von all dem? Er dachte immer er würde alleine bleiben. Rikiya hatte mit so Vielem recht und er ging immer so ruhig an alles heran. Wie machte er das? Er wurde aus seinem Land gejagt, verlor die Hälfte seiner Familie und führte einen aufsichtlosen Krieg und trotzdem blieb er immer optimistisch und freundlich. "Du hast recht.", gab Rain zu, wenn auch nur ungern. Es wäre wohl einfacher wütend zu sein, aber am Ende brachte das doch auch nichts. Seine Familie wollte ihm nicht schaden und er hatte es definitiv einfacher als so manch anderer der nicht in einen reichen Haushalt geboren wurde, auch einfacher als so ziemlich jeder Wolf in seinem Alter.

      "Ja, mein Vater und mein Großvater sind alle Dinge sehr unterschiedlich angegangen.", bestätigte Rain. Wenn sein Vater in Thria war, dann übernahm sein Großvater einen Großteil der Führung und nicht nur einmal stritten sie sich im Herbst, als sein Vater zurück kam, darüber. Viel mehr allerdings stritten sie über Rains Mutter, meist hinter verschlossenen Türen, aber auch ab und zu beim Essen, bis einer von den beiden rausstürmte. Meistens war es sein Vater der sich geschlagen gab und sich lieber in die Berge verzog. Nicht selten war Rain der eigentlich ausschlaggebende Streitpunkt gewesen, auch wenn er es nicht wissen sollte. "Ich komme wohl eher nach meinem Großvater.", stellte Rain fest als er Rikiyas Geschichten über seinen Vater lauschte. "Dein... vermeintlicher Tod muss ihn sehr verändert haben." Rain wusste warum dieser Krieg Alster so wichtig war, nun wusste er auch, warum Fhaergus darauf bestanden hatte, es machte Sinn, das konnte er nicht abstreiten, auch wenn er sich seinen Vater nicht so vorstellen konnte, wie Rikiya ihn schilderte. Rain blickte Rikiya an, der seinerseits Fragen hatte. Er wich dem Blick ein bisschen aus, er hatte wohl mehr Information, aber war es sein Recht Rikiya davon zu erzählen? Nayantai hatte es ja nicht einmal Rain erzählt, er wusste sich nur einiges zusammenzureimen und der Arzt der Nayantai untersucht hatte, teilte ihm auch einiges mit. "Ich glaube Nayantai kann sich an die Zeit im Kerker kaum erinnern und das ist wohl auch besser so. Abgesehen davon konnte er ja nur ein paar Worte Adrestianisch verstehen, ich glaube also nicht, dass er etwas von Wert erfahren hätte. Danke und Bitte konnte er sagen, den Rest hat er in Fhaergus gelernt." Rain machte eine kurze Pause und blickte dann wieder zu Rikiya auf. "Für den König war Nayantai... ein Spielzeug und vielleicht auch... ein Experiment oder so etwas. Ich weiß nur was Nayantai mir angedeutet hat und was ich gesehen habe, als er ankam." Manches davon wusste Nayantai selbst nicht einmal und Rain empfand es als unnötig ihn damit aufzubringen. Es machte keinen Unterschied welche Intentionen der König hatte, nicht für Nayantai.
    • “Ich wünschte, ich könnte es dir beantworten.”, erwiderte Rikiya ihm, seine Augen müde, seine Lippen von einem Lächeln umspielt. Sein eigener Sohn bereitete ihm Sorgen - Nayantai bereitete ihm die letzten fünf Jahre Sorgen, und die Jahre zuvor tat er nichts anderes. Widerwillig wie der kalte Nordwind stritt er durchs Leben, mit seinem Kopf in den Wolken, als wäre er für etwas durchaus größeres bestimmt als das ihm ein vom Krieg zerfressenes Land bieten konnte, und dennoch schaffte er es nur knapp, eben jenes eitle Haupt auf seinen durchgestreckten Schultern zu behalten. Ein Jammer. Rain hingegen fungierte als die Stimme im Hintergrund, derjenige, der sich eher benahm wie er in seiner Jugend - nicht, dass er anders konnte und doch war jede Interaktion der beiden wohl wie ein teuflisches Gemisch. Der Eine hatte die Ideen, die innere Ruhe um Dinge kalkuliert und mit Geschick anzugehen und der Andere die Stärke, die aufbrausende Art und den niemals ruhigen Verstand, um die Füße in die Hand zu nehmen und all das wirklich umzusetzen. “Meinst du?”, grunzte Rikiya als ihm ein Lachen entkam, zwischen einem Schnapper nach heißbegehrter Luft. “Ich glaube eher, dass selbst ich nicht immer bei allem Recht behalten kann und dass du dir deinen Pfad im Endeffekt selbst ergründen musst.” Dabei konnte ihm kein König von Thria und kein wildgewordener Prinz helfen, der sich immer mehr in seiner eigenen Schale verkroch, als bekäme er hier draußen Platzangst, als würde ihm der Himmel eines Tages auf den Kopf fallen und ihn erschlagen. Was es war, das Nayantai plagte, das konnte selbst Rikiya nicht sagen.

      “Mhm. Caelan hatte zu meiner Zeit weder Freude noch Interesse daran, eines Tages für Fhaergus zuständig zu sein. Immer wieder hat er versucht, eure Heimat an mich abzuwälzen, wenn auch nur als schlecht gemeinter Scherz.”, erklärte er sich. Wie oft kam er auf solche Schnapsideen? Ronan konnte schwören, dass er alle dummen Versuche Caelan’s nicht mehr an zwei Händen abzählen konnte, sondern wohl eine Liste dafür benötigen würde, die von hier bis ans Ende der Grenze reichte, wenn er die Missetaten von Rain’s Vater zusammenfasste und dabei einiges aussparte. “Nach Allard? Hm, nein. Nicht unbedingt.” Natürlich verband ihn und Rain kein Blut, allerdings würde er keineswegs behaupten dass der Junge nach seinem Großvater käme, mit dem er selbst bereits in seiner Jugend einige amüsante Gespräche führen durfte. “Allard war um einiges grießgrämiger als du ihn vermutlich kennst, aber ich denke wohl kaum, dass du ihm dahingehend ähnelst. Ihr seid beide eher in euch gekehrt und still, da stimme ich zu, muss ich dich aber wirklich mit jemandem vergleichen, dann würde ich wohl eher behaupten, dass du mir ähnelst, so, wie Nayantai Caelan ähnelt.” Einen Seufzer später wischte Rikiya sich die Müdigkeit aus dem Gesicht, in welchem die eisigen Winde Thrias Furchen geschlagen hatten - er war müde, wirkte vermutlich wohl auch so und der allgemeine Aspekt seiner gesamten Existenz schien, für das gleiche Adelsgeschlecht, egal welcher Generation, als Berater zu fungieren, für jedwede, individuelle Lebenslage die sie gerade plagte. “Wahrscheinlich hat es das. Ich glaube nicht, dass er es verkraftet hätte, wenn ich mich selbst aus dem Weg geräumt hätte, aber auf diesem Weg hatte er zumindest etwas, das er hassen und dafür verantwortlich machen konnte. Das hat ihn vermutlich auch angetrieben.” Und wohin hatte es ihn geführt? In die tiefsten Tiefen dieser Landschaft, nur niemals in die Richtung des Mannes, nachdem sein geschundenes Herz lechzte, als wäre Ronan die Lösung für seine Probleme, der Flicken in seiner Hose, oder aber der Mond an seinem Sternenhimmel. “Mh, ich verstehe. Es wäre vermutlich besser wenn er sich jemandem anvertraut der ihm helfen kann, aber ich glaube kaum, dass er das wollen wird. Nayantai war schon immer stur und ziemlich von sich selbst überzeugt.”, erklärte er Rain, beinahe so, als hätte Nayantai es wohl nie selbst gezeigt oder zugegeben. Wieso? Rikiya war zu alt dafür um einen erwachsenen Mann, der es eigentlich besser wissen müsste, in Schutz zu nehmen oder wie ein kleines Kind zu behandeln, selbst dann, wenn er ihn vermisste und selbst tot glaubte. Als Rain sich ihm weiter mitteilte und Dinge an sein Ohr drangen, die er bei weitem nicht hören wollte, verzog sich sein Gesicht - Argwohn, Hass und Unwohlsein gaben sich die Hand als sie sich in seiner Miene breit machten, kein gutes Zeichen. Sein Blick glitt ab, suchte einen Ausweg, als er seinen Kopf zu schütteln began. “Lassen wir das. Wenn er darüber reden will, dann soll er es selbst tun - wenn du es für ihn tust, dann hilft ihm das nicht. Ich verstehe, dass du nur helfen willst, aber die Überwindung die du brauchst und das Halbwissen, dass du hast, sind es nicht wert, um dich dafür hin zu schinden.”
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    • "Ich denke nicht, dass ich ihn zum Gehen überreden kann, oder sollte, wenn er es nicht will.", erklärte Rain. All das war kompliziert. Nayantai ging es schlechter als jemals zuvor seit Rain ihn kannte, mental zumindest. Zuvor hatte er immer eine Aufgabe, oder ein Ziel. Er wollte trotzig und stark wirken, dann musste er daran denken nach Hause zu kommen. Er hatte Rain beschützt, eine ganze Zeit lang und jetzt? Jetzt war er hier und sein Vater, als der König der Wölfe, stellte ihm alles zur Verfügung was er brauchen konnte. Auch wenn Rain vorschlug, dass sie sich ein eigenes Zelt bauten, Nayantai konnte sich nicht aufraffen das warme Zelt seines Vaters zu verlassen, wenn er sich auch einfach hier ausruhen konnte. "Mein Pfad? Bisher habe ich nur alle in Fhaergus in Gefahr gebracht und jetzt sitze ich hier fest und tue so als wüsste ich mehr vom Krieg als ihr." Wäre Rain nicht so auf seine Manieren bedacht und hätte er nicht immer noch im Hinterkopf, dass Rikiya hier der Ranghöchste und noch dazu sein Schwiegervater war, dann hätte er sich jetzt das Gesicht gerieben. Er war müde und vor Allem störte es ihn, dass er nichts reparieren konnte, weder die aussichtslose Situation der Thrianer, noch Nayantai.

      "Er hat meinen Großvater dazu gebracht abzudanken, bevor es an der Zeit gewesen wäre. Wohl um den Krieg voranzutreiben. Mein Großvater wollte ihn nicht und mein Vater... Fhaergus Armee besteht nur aus Freiwilligen, wir haben nie jemanden gezwungen in den Krieg zu ziehen und ich denke mein Vater hat sich im Kampf oft brilliert nicht des Ruhmes wegen, sondern weil er nicht wollte, dass der König höhere Anforderung an unsere Soldaten stellt, oder an unsere Minenarbeiter. In den letzten Jahren aber... So sehr ich der Kriegstreiberei meines Vaters nicht zustimme, er ist kein schlechter Fürst und hat sich immer um das Wohl unseres Volkes gekümmert. Er verweigerte größere Eisenlieferungen, weil wir nicht die Arbeiter hatten und weil die Minen zu gefährlich waren. Selbst wenn ich noch dort wäre, ich hätte an seiner statt niemals so standhaft sein können..." Und jetzt hatte er ohnehin alles verloren und sein Volk wurde vermutlich an seine Grenzen getrieben. "Dir?", fragte Rain verwirrt. Nein, er war nicht wie Rikiya, ganz und gar nicht und Nayantai ähnelte Rains Vater auch nur bedingt. Dieser Krieg war so sinnlos. Was wenn Rikiya sich in Alster einfach zu erkennen gab? Er war immerhin der rechtmäßige Erbe. "Sollte ich nicht derjenige sein der Nayantai hilft? Als sein Ehemann?", fragte Rain mit großen Augen. Für einen Moment hatte es Nayantai glücklich gemacht, aber seither verzog er sich nur und machte den ganzen Tag über nichts. Und Rain war mit ihm hier gefangen wenn er ehrlich war, weil Nayantai ihm zwar oft Dinge versprach, sie aber dann nicht einhielt. Wenigstens das Lesen hatte er ihm besser beigebracht, aber auch nur weil Rain darauf bestanden hatte. "Rikiya? Wenn ich irgendwie alleine hier angekommen wäre, ohne Nayantai und... wenn du meinen Vater nicht gekannt hättest... wie würdest du mich dann behandeln? Ich meine ich... ich möchte nicht alles hier geschenkt bekommen. Ich sollte mir meinen Platz hier auch erarbeiten. Wenn ich Nayantai dasselbe sage, dann ignoriert er mich meistens. Er sagt mir zwar, er könnte mir ein paar Sachen beibringen, aber dafür hat er eben gerade keinen Kopf... Nicht, dass ich will, dass du dir Zeit für mich nimmst, ich meine nur... Es fühlt sich ungerecht an, dass ich nichts für all das Essen hier und ein Dach über dem Kopf tun muss."
    • "Da hast du wohl nicht Unrecht - wenn du möchtest, dann kann ich es ihm zumindest unterbreiten.", entgegnete Rikiya ihm. Nayantai jemals aus dieser Siedlung zu bekommen war wohl ein Ding der Unmöglichkeit, oder aber, sie gingen die Situation beide komplett falsch an. Immerhin entspannten sich die Züge des alten Wolfskönigs einmälig, wenn auch nicht mit der besonnen Hurtigkeit, die er sonst an den Tag legte; das Thema, mit dem sie sich befassten, war nicht nur verzwickt sondern machte nicht nur dem gefallenen Fürsten zu schaffen. "Du weißt zumindest mehr als ein Laie, selbst, wenn du nie in einer Schlacht gekämpft hast. Das wollte ich auch nicht, die vollendete Tatsache ist allerdings, dass sich kaum jemand sein eigenes Schicksal wirklich so zurechtlegen kann, wie er oder sie es sich wünscht." Die Stricke, die Fäden, die welches Schicksal auch immer im Hintergrund zog schienen in ihren vorgesehenen Laufbahnen verklemmt, unlösbar von dem Pfad, über den sie gespannt wurden und tat man es doch, so zog man gegenüber der scheinheiligen Schicksalgestalten oftmals den Kürzeren, woraufhin man sich selbst in den Tod hinabstieß, der auf einen wartete wie ein hungernder Bluthund, der von seinem Herren und Gebieter für seinen letzten Fund nicht rechtmäßig entlohnt wurde. "Außerdem bist du noch jung, dein Pfad endet nicht dort, oder hier, sondern irgendwo, auf einem unbeschriebenem Blatt in der Zukunft.", versuchte er, seinen Schwiegersohn aufzuheitern. Rikiya wusste nie so wirklich wie, und doch schien ein kurzes Lächeln als Botschafter guter Nachrichten zu fungieren, wie eine Taube mit einem Palmzweig im müden Schnabel.

      Ein Prusten entwich ihm nicht, als er die fadenscheinigen Worte des Fhaergus-Sproßes entnahm und sich, in Gedanken, ein Bild des Zwists und Tumults in seiner vierten Heimat malte, wie er sie gedanklich hin und wieder benennen wollte, selbst, wenn es wohl nicht sonderlich richtig von ihm war, sich derartige Behauptungen anzumaßen. "Ich versuche nicht, Caelan schlechtzureden. Ich bin beeindruckt, dass er sich gegen Allard durchsetzen konnte, und dann auch noch einen kriegstreibenden König mit dem, was Fhaergus ihm auch ohne Krieg bietet, zufriedenstellen kann - das erfordert Talent, dass er sich gut und gerne immer absprechen wollte.", erklärte er Rain, wohlwissend, dass sein Vater es war, der auch einige Orte in Thria in Schutt und Asche legte, genau so viele Leute des Volkes auf dem Gewissen hatte, wie wohl jeder, der mit ein wenig Verstand diesen Krieg bestritt und doch tat er nur das, was er für richtig hielt - für sich selbst, für sein Land. "Ja, aber lassen wir das, ich glaube, ich rede mir den Mund nur fusselig wenn ich versuche dir alle Parallelen aufzuzeigen." Rikiya war derjenige, der von einem Fuß auf den Anderen zu wippen begann, der hoffte, sich noch aus seinen eigenen Dummheiten herausreden zu können und der es bereute, überhaupt seinen Mund aufgerissen zu haben, bevor er sich sicher war, dass er sich auf eine weitere, verwirrende Diskussion einlassen wollte. "Mh, ja - allerdings denke ich auch, dass ihr beide ein wenig Abstand vertragen könntet. Wenn ihr euch deswegen noch mehr auf die Pelle rückt, dann erreichst du damit genau das Gegenteil, möchte ich meinen." Seinen imaginären Bart streichelnd, begann der König der Wölfe nun also, sich einen Plan zurechtzulegen wie er seinen Sohn aus diesem Loch herausbekäme, wenn es sein sogenanntes Herzblatt schon nicht erreichte. Wieso war es auch immer er, der als Schlichter, als Endlösung, herhalten musste? Ein Seufzen entkam ihm, die Frustration die in ihm aufkochte spürte er bis in seine Venen. "Ja, Rain?" Sein Name war immerhin noch genug, um ihn aus dem körperlichen Schlummer zu reißen, den er mimte. "Wenn du ohne ihn hierher gekommen wärst, und nichts über dich wüsste, dann wäre ich vermutlich ein wenig schroffer zu dir, aber nicht mehr. Dich einzusperren, festzuhalten oder als Geisel zu nehmen bringt uns nicht weiter, ehrlich gesagt wäre er vermutlich sogar klüger, dich einfach hierzubehalten, in der Hoffnung, du weißt etwas, das uns helfen kann. Thrianer nehmen selten Gefangene, zumal wir die Kapazitäten und Räumlichkeiten dafür gar nicht haben - Auge um Auge, Zahn um Zahn." Missverständnisse und Missetaten wurden allesamt auf ein und dieselbe Art geregelt, was allerdings nicht bedeutete, dass es viel fairer war, als es in Adrestia der Fall war. "Nayantai ist wirklich ... ach, verflucht." Rikiya war derjenige, der sich die Schläfen erneut rieb und Rain anstarrte, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen. "Ich kann ziemlich wahrscheinlich jemanden finden, der dir dabei helfen kann und sein oder ihr Wort hält, wenn es darauf ankommt. Wenn du dich beteiligen willst, nur zu, je mehr Hände, desto besser. Ich kann leider nicht garantieren, dass ich dir bei allen Dingen zur Hand gehen kann, aber ein offenes Ohr habe ich für dich ohnehin, wann auch immer."
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    • Ob Rain das wollte wusste er nicht, er wollte Nayantai bei sich haben, aber wenn es ihm hier nur schlechter und schlechter ging, dann wollte er ihn natürlich nicht an sich fesseln. Also nickte Rain wenn auch etwas widerwillig, aber Rikiya konnte es Nayantai ja wenigstens vorschlagen. Rain war allerdings nicht sicher ob Nayantai darauf eingehen würde wenn er Rain nicht mitnehmen konnte und das konnte er nicht. Rain seufzte leise. Sein Wissen stammte nur aus Büchern und Berichten die er allesamt gelesen hatte, aber er konnte nicht behaupten zu wissen wie eine Schlacht wirklich stattfand, oder wie es sich anfühlte Soldaten, Freunde in den Tod zu schicken und zu verlieren. Rain hustete, das kalte Wetter hier machte ihm immer noch zu schaffen und obwohl der Boden mit Decken ausgelegt war, war er trotzdem kalt und fröstelte Rain selbst in seiner dicken Kleidung wenn er nur hier saß und sich nicht bewegte. Wie weit in der Zukunft würde dieser Pfad von dem Rikiya sprach enden? Vermutlich nicht allzuweit, aber was wurde dann aus Nayantai?

      Rain nickte leicht. Sein Vater war ein großartiger Fürst für sein Volk, zumindest in den letzten Jahren, aber er war ihm kaum ein Vater gewesen. Rain wusste, dass Rikiya sich das nicht vorstellen konnte, dass der Mann den er kannte, so anders war als Rains Vater, also belies er es dabei und abgesehen davon sollte man nicht schlecht von den Toten sprechen. Rikiya schien dem Gespräch leid zu werden und Rain verstand warum. Seine positive und optimistische Art hatte ebenfalls ihre Grenzen und Rain hatte nichts positives zu berichten, weder von Nayantai, noch von seinem Vater. "Mhm ich verstehe.", antworte Rain. Er konnte schwer irgendwo anders hin wenn Nayantai seine Ruhe brauchte, aber er würde eben nicht mehr versuchen ihn dazu zu bewegen irgend etwas zu tun. "Als Gefangenen würdet ihr mir doch sicher auch Aufgaben geben?", fragte Rain. Er wusste einfach nicht was er tun sollte. Er las die Berichte did Rikkya ihm brachte kritzelte ein paar Notizen, oder sprach mit ihm darüber wenn er Zeit hatte, aber so viele Berichte gab es dann auch nicht, er war nicht einmal den halben Tag beschäftigt. "Ich möchte dir nicht zur Last fallen, ich weiß du hast viel zu tun. Ich würde auch selbst fragen ob man mich braucht, aber... Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen hier meine Hilfe annehmen, geschweige denn mit mir reden wollen." Er wusste nicht ob nicht vielleicht sein bloßer Anblick reichte um einigen hier den Tag zu vermiesen. Wieder einmal war er gefangen, nicht mehr in seinem Anwesen, sondern in diesem Zelt.
    • Rikiya war sich dessen bewusst, dass selbst seine Worte nicht immer sang- und klanglos an Leuten vorbeizogen, selbst dann nicht, wenn er sich in seien Vergangenheit zurückversetzt fühlte, in der er für die Meisten nur wie ein Hauch von abgestandener, missachteter Luft war, den man leicht zu ignorieren wusste, ohne die Nase auch nur ein einziges Mal zu verziehen. Sein Schwiegersohn nahm seine Meinung zumindest hin, was ein Anfang war, den Rikiya willkommen hieß, allerdings war ihm nun einmal auch klar, dass diese Dinge nie so blieben, wie sie waren. Ein Umschwung, der wie eine einfache Brise aufzog, zu einer Böe wurde, die sich in einem immer schneller werdenden Sturm verwandelte, würde wohl oder übel auf längere Zeit auch nicht ausbleiben, zumindest nicht, wenn man dem Rest der Welt glauben schenken wollte und sich auch nur einen Moment Zeit nahm, um einen längeren Blick auf denjenigen zu werfen, der ohne wenn und aber aus den tiefsten Gefilden Fhaergus' gekrochen kam, als bliebe ihm nun einmal nichts anderes über, als den bereits angebrochenen Krieg zu beenden und die Missetaten seiner Vorväter aus dem Weg zu räumen. Auch, wenn er kein Wort darüber verlor, so war Rikiya stolz auf Rain, jemanden, der weniger kannte, als es den Anschein machte, auch, wenn er sich verhielt, als hätte er die letzten Jahrzehnte durchaus an Caelans Seite verbracht, ihn auf jedem seiner Wege begleitet, sich endlich aus dem goldenen Käfig in Alster freigekämpft und dann - nun, Hochmut kam zumindest noch vor dem Fall, nicht danach.

      Die Misere, die ihnen beide zu schaffen machte, die einen einzigen Namen durch die Welt zog, den er womöglich auch gar nicht wollte, stand im Raum, ohne wirklich genannt zu werden - Nayantai würde versauern, und mit ihm würde es Rain tun. Konnte er sich das denn überhaupt guten Gewissens ansehen? Endlich überkam es Rikiya, der weniger sanft auf den Tisch klopfte. "Ja, aber wenn ich dazu verdonnere, Holz zu hacken, dann schindest du dich sinnlos und ich glaube nicht, dass du genug Kraft hast, um ein derartig schweres Beil zu heben. Das habe ich teilweise kaum." Alt war er geworden, sein Körper nicht mächtiger, aber auch nicht schmäler - Ronan hatte sich gehalten, bis auf die ein oder andere Falte und graue Strähne, die ihm noch wachsen würde, weil sein Sohn ihm auch noch den letzten Atemzug aus den Lungen presste, wenn er sich weiterhin verhielt, als befände er sich noch immer in einem Kerker, fernab ihrer Heimat. "Das tust du nicht, wenn es denn so wäre, dann wären wir gar nicht erst hier.", murmelte Rikiya Rain etwas schroffer entgegen - sie beide, Rain und Nayantai, verhielten sich wirklich wie Kinder, die glaubten, eine einfache Entschuldigung würde die Wogen der Welt glätten, die Flut zur Ebbe werden lassen und die Götter, die sich sonst auch keinem Heiden zeigten, würden in lobpreisenden Hymen von oben herabsteigen, um aus ihren Worten Taten werden zu lassen. Machte es ihn denn krank? Nicht mehr, als er es ohnehin schon war. "Ich weiß, dass sie allesamt in sich gekehrt und engstirnig sind. Wie wäre es, wenn ich dir jemanden suche, der weniger von Vorurteilen behaftet ist? Und bis ich jemanden finde, übernehme ich deine Aufgabensuche eben selbst. Hm, wie wäre es damit - ich kann einen der Sammler fragen, ob sie dich mitnehmen, wenn sie morgen nach Wurzeln und Kräutern suchen. Würdest du das denn machen wollen?" Rain lange nach draußen zu schicken wäre vielleicht eine schlechtere Idee, aber eine Pause stand ihnen allen zu, auch, wenn er dafür trotzdem in der Kälte verharren musste. Dann schien Rikiya allerdings etwas einzufallen. "Hm, vielleicht ist das mit deinem Fuß nicht unbedingt die beste Idee. Lass mich überlegen ... wenn du willst, dann könntest du die Kräuter aufteilen und pressen, dafür musst du nicht stehen, oder in einem Zelt verharren."
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    • Rikiya beschütze Rain ebenfalls, alle taten das, nur Nayantai war anders. Natürlich wollte auch er Rain beschützen, aber er war es auch, der nie eingesehen hatte, warum er nur in seinem Anwesen saß und niemals nach draußen ging, der ihm etwas Schnee brachte, ihm half auf einen Baum zu klettern und durch die halbe Welt schleppte, weil er genau wusste, dass Rain das alles schaffen konnte. Seine Familie hatte immer Angst um ihn und Rikiya schien nicht so, als wolle er Rain irgendetwas aufhalsen, weil die meisten Aufgaben die es zu erledigen gab zu schwierig für ihn waren. Rain empfand es als unfair allen anderen gegenüber, aber auch Nayantai nahm Rains Ideen in letzter Zeit nicht ernst, tat sie ab, oder wollte nicht helfen. Er verließ sich auch darauf, dass Rain selbst alleine sowieso nichts tun konnte wie ihnen ein eigenes Heim zu bauen, damit sie Rikiya nicht mehr so auf die Nerven gingen. Es machte keinen Sinn sich über seinen eigenen Körper zu beschweren, nichts würde sich daran ändern, aber das hieß nicht, dass man ihn wie ein Kind behandeln musste.

      Rikiya wurde sogar etwas ungehalten als Rain einfach nur verlangte nicht immer alles geschenkt zu bekommen. Wäre Nayantai nicht mit seinen eigenen Problemen beschäftigt, so würde er Rain vermutlich einfach alles mögliche in die Hand drücken, oder ihn umher zerren und ihm die Landschaft zeigen, oder Pflanzen, oder vielleicht würde er versuchen Rain das Bogenschießen beizubringen. Zumindest wollte Rikiya helfen, aber irgendwie war es auch unfair wenn der König jemanden darum 'bat' Rain mitzunehmen, natürlich würden sie nicht nein sagen. "Ich... weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich da mithalten kann." Nicht nur seines Beines wegen, aber Rikiya merkte das auch selbst. Seine zweite Idee war schon besser. "Das klingt machbar. Wen muss ich fragen, wenn ich helfen will? Ich werde es selbst tun." Rain hatte genug davon eingesperrt zu sein und andere vorzuschicken, damit sie seine Nachrichten überbrachten. Vielleicht war er ja auch selbst Schuld an seiner Lage. Er wollte niemanden mit seiner Anwesenheit belästigen, aber wenn es so war konnten sie es ihm auch selbst sagen.
    • Die Jugend von heutzutage zu verfluchen, und sich über diverse Schnapsideen aufzuregen, wirkte für Rikiya so, als würde er selbst alt und senil werden, wie sein vermaledeiter Vater, der ihm anno dazumal schon die Hölle heiß machte, weil sein "Sohn" einfach nur existierte. Wieso er daran dachte, das wusste er einigermaßen, aber wirklich daran denken wollte er trotzdem nicht; Rikiya hasste Darragh, so sehr wie dieser ihn nicht leiden konnte und glaubte kaum, dass er jemals mit einem Sympathisanten seiner auf einem grünen Zweig kommen würde, allerdings schien es so, als hätte derjenige, den er am meisten vertraute, der von den Missetaten des alten Mannes wusste, ihn verraten, weil er keinen anderen Ausweg kannte und Rain, der nun vor ihm stand, nannte ihn seinen Patenonkel. Ausgerechnet jetzt musste ihm dieser Gedanke durch den müden Kopf kreisen und mehr Platz einnehmen, als er eigentlich sollte - und ausgerechnet jetzt musste Rikiya greinen, um davon abzulassen. "Das habe ich ganz außer Augen gelassen, entschuldige die Unart.", erklärte sich der Wolf in Schafswolle, der sich so fühlte, als hätte er Rains illustren Plan mit Füßen getreten. War es eigentlich immer so schwer gewesen, mit jungen Menschen zu reden? Desto älter er wurde, desto eher schien es so, als hätte er eigentlich absolut keinen Plan davon, wie er mit den Jüngeren umspringen sollte - Rikiya fühlte sich auf frischer Tat ertappt und belächelte den blonden Fhaergus-Sproß schlussendlich nur gutherzig.

      Seine Neugierde, sein Wissensdurst und sein Tatendrang kamen wohl auch nicht von irgendwo aus dem Äther - die neuentdeckte und leicht aufgezwungene Freiheit schien wie ein gefundenes Fressen für Rain, auch, wenn Rikiya nicht glaubte, dass er sich hier draußen unbedingt nützlich machen konnte, wenn es nicht darum ging, seinen Kopf in Kriegsplanung zu stecken. Wer würde ihm schon helfen wollen? All die Thrianer, die Wölfe, waren misstrauisch und Rains Umstände waren, wenn auch verständlich, wie eine rote Fahne, die ihnen im Gesicht flatterte - er war ein Feind, nicht mehr, nicht weniger, auch, wenn ihr eigener König es war, der es bei weitem nicht so empfand. "Bist du dir sicher?", versuchte er sich erneut zu vergewissern. Passierte Rain etwas, so wusste er, dass er dafür büßen würde und mit seinem Gewissen wohl nicht vereinbaren wollen würde, dass überhaupt etwas passieren konnte. Rikiya fiel erst kurz darauf auf, wie er sich eigentlich benahm - unmöglich, um es mit einem einzigen Wort wiederzugeben. "Lassen wir das, ich werde dir nicht im Weg stehen, wenn du dir das alles schon zumuten möchtest. Mei ist dafür zuständig, ihr Zelt ist ... naja, kaum zu übersehen. Die Kräuter riechst du schon von weitem und die bunten Wurzeln und Beeren sind auch nicht gerade übersehbar, geh einfach von hier aus nach rechts.", erklärte er ihm schlussendlich. "Sollte sie dich wirklich abwimmeln, dann bist du hier jederzeit willkommen - wir suchen dir einfach etwas, bis jemand ja sagt."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich bin sicher.", erklärte Rain. Er war ein erwachsener Mann, er konnte seine Hilfe selbst anbieten und auch wenn einige hier vielleicht schroff waren, solange allen klar war, dass er unter Rikiyas Schutz stand, so würde ihm schon nichts gröberes passieren. Konnte es überhaupt schlimmer werden als die Dinge die er schon erlebt hatte? Wohl kaum. "Okay. Danke Rikiya." Rain unterdrückte ein Husten damit Rikiya nicht versuchte ihm das alles wieder auszureden. Der Fisch war mittlerweile fertig und Rikiya servierte ihn ihnen beiden. Den dritten Fisch hoben sie für Nayantai auf, wobei Rain nicht sicher war ob dieser überhaupt noch nach Hause kommen würde. Sie sprachen noch über ein paar belanglose Dinge während sie aßen, dann war es ohnehin schon spät und dunkel, sodass sie sich darauf einigten ins Bett zu gehen. Rain legte sich in sein Bett, alleine, es fühlte sich etwas leer an, aber er war müde genug um einzuschlafen. Irgendwann Nacht fühlte er wie Nayantai doch noch zurückkam und sich an ihn kuschelte. Er sagte aber nichts und tat einfach so als würde er noch weiter schlafen.

      Am nächsten Morgen war Nayantai wieder verschwunden. Vielleicht hatte er nicht schlafen können. Rain stand auf und machte sich langsam fertig für den Tag. Er wusch sich sein Gesicht und stellte sicher dass seine Kleidung einigermaßen saß. Nayantais Fisch war fort, vielleicht hatte er Nachts noch Hunger bekommen, oder hatte ihn wo auch immer hin mitgenommen. Rikiya war auch schon auf den Beinen wie üblich. Rain verließ das Zelt also als Letzter. Die Siedlung war größtenteils schon auf den Beinen und die Einwohner gingen ihren Aufgaben nach. Rain ging nach rechts wie Rikiya ihm gesagt hatte und schlängelte sich an den Bewohnern vorbei die allesamt einen misstrauischen oder neugierigen Blick auf ihn warfen. Rain ignorierte sie und nickte nur einigen ein "Guten Morgen." zu. Das Zelt das er suchte war tatsächlich nicht schwer zu finden, innen und außen waren Kräuter auf Schnüren aufgebunden und der Geruch war ziemlich stark. Rain hatte gar nicht gewusst, dass es hier draußen so viele verschiedene Kräuter gab. Erneut war er ein wenig verwirrt darüber wie man jemandes Zelt betrat wenn man nicht anklopfen konnte, aber er trat schließlich ein und blieb beim Eingang stehen. "Hallo?", rief er hinein als er keinen sah, wurde aber kurz darauf von jemandem empfangen. Rain verbeugte sich leicht, wie er dachte es wäre angemessen. "Guten Morgen. Ich bin Rain." Das wusste vermutlich mittlerweile jeder. "Ich habe gehört, dass ich hier vielleicht etwas aushelfen kann, wenn du meine Hilfe annimmst?"