spellbound. (earinor & akira)

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    • Wurmte es den großen, bösen Wolf nicht danach, seine Freiheit auszukosten, die Fesseln des Krieges abzulegen und seinem Land zu beweisen, dass er auch ohne metaphorische Krone regieren konnte, dass er leben konnte, ja, verdammt nochmal, dass er wusste, wie er sich in dieser Welt unterzuordnen hatte? Anscheinend schon, wenn auch nur für einen ungeküssten Augenblick in welchem er sich mit Rain außerhalb der Siedlung aufhielt, die ihn sonst so sehr beschäftigte; normalerweise hätte er sich verkrochen, wie ein zorniges, sterbendes Tier, das glaubte, die Wahrheit befände sich außerhalb seiner Kontrolle, in den Händen der Götter, aber er wusste mittlerweile wieder einmal mehr, dass nichts davon der Realität entsprach und dass er, schlaftrunken oder nicht, aus einem vergifteten Bottich trank, wenn er sich weiterhin einreden würde, dass er womöglich falsch an alles heranging. Das tat er nicht, das hatte er noch nie. "Du hast wohl recht. Dieser Krieg ... ich wäre froh, wenn er gar nicht erst existieren würde, auch, wenn ich dich dann wohl nie gefunden hätte. Nein, warte, du hättest mich nie gefunden.", entgegnete der Größere salopp. In Wahrheit wäre es Rains Vater, der ihn gefunden hatte und gut verpackte, der ihn nach Fhaergus brachte und ihn dort liegen ließ, nachdem er sich noch darum fürchtete, dass er auf dem Weg durch die Kälte erfrieren könnte. Ein Tier der Nacht, im dunklen Schatten und jetzt, ohne dass Nayantai seinen Dank jemals kundtun konnte, war er nicht mehr, einfach und allein weil ein Krieg wütete, den keine Seite zu kontrollieren wusste - loderndes Feuer züngelte sich über zahllose Existenzen und verschluckte sie, ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken, wie schmerzhaft das Leben ohnehin schon war.

      Unter seinen Stiefeln gab selbst alter, vereister Schnee nach und Nayantai wusste, dass die Wärme seine Heimat in Jahrhunderten noch nie derartig früh heimgesucht hatte - dass er dieses Geräusch vermisst hatte und dass er Rain anstarrte, als hätte er die Antworten auf all die missbilligenden Fragen, die ein sterbender Mann auszusprechen wusste. "Dafür steht es länger als ein Zelt! Da bin ich mir ziemlich sicher! Eigentlich ... ich schätze, das Einzige, das noch beständiger ist, als ein Haus aus Stein, ist hier draußen ein Haus aus Eis.", schlug er vor. Aber nicht hier oben, sondern dort unten, an der frierenden Küste, die Rain nie in seinem Leben sehen würde; nie in seinem Leben spüren würde, weil auch himmelhohes Jauchzen nicht dazu führen würde, dass sein Körper beständiger würde. "Und jetzt beschwere ich mich über alles in Thria, ist das so schlimm?", lachte Nayantai auf. Womöglich waren seine Sinneswandlungen gespielt, vermutlich war es aber auch einfach um davon abzulenken, dass er sich nicht gut fühlte, dass er nicht wusste, wie er sich fühlte, und dass er - verdammt nochmal - sowieso mit einem Fuß im Grab stehen würde, wüsste er es nicht besser. Wohin mit seinem Kopf, wenn nicht in den eiskalten Schnee unter seinen Füßen? Der Goliath seufzte als Rain innehielt und versuchte, seine Gedanken zu schildern. "Wieso machst du dir darüber eigentlich solche Gedanken?", hinterfragte der verstoßene Kronprinz schließlich mit verzogener Miene. Ob es ihm nun schmeckte oder nicht, dass sein rechtmäßig angetrauter Ehemann Gedanken zu ihrem Überleben hatte, musste er beim besten Willen nicht herausposaunen - allerdings stand wohl fest, dass Nayantai es als vergeudete Liebesmüh bezeichnen würde, sein Volk zu beschützen. Keiner von ihnen würde ewig leben, Niemand von ihnen hatte das Privileg diesen Krieg wirklich zu überleben; die Lage war so oder so hoffnungslos. "Nicht, dass es mich etwas angeht, aber ... dir ist klar, dass wir von Schnee umgeben sind und das meiste Holz und Stroh definitiv nass sein wird, ja? Ich meine, brennende Pfeile schön und gut, aber vielleicht sollten wir unsere Karten nicht auf einen Graben und ein bisschen Öl setzen. Das kann genau so gut nach hinten losgehen."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Eigentlich hat mein Vater dich gefunden.", ergänzte Rain mit einem leichten Lächeln. Er wusste immer noch nicht was es überhaupt damit auf sich hatte und was aus ihm geworden war. Vermutlich war er tot, aber unter welchen Umständen er gestorben war konnte Rain nicht sagen und auch Rikiya schien nicht mehr zu wissen. Hätten die Wölfe im Winter oder Frühjahr gegen die Adrestianische Armee gekämpft, dann wüssten sie es, aber Rain fand mit Nayantais Hilfe keine solche Berichte und auch der König der Wölfe hatte viel zu viel Zeit damit zugebracht alle Papiere durchzugehen, ohne jemals eine Antwort zu erhalten. "Aber ich weiß was du meinst. Wenn es keinen Krieg gäbe, dann hättest du allerdings frei reisen können, vielleicht hättest du als Prinz dann ja die Adrestianischen Fürsten besucht, vielleicht hätten wir uns also doch getroffen!" Nicht dass solch eine Beziehung zwischen ihren Völkern je bestanden hatte. Vielleicht war es besser sich an der Fantasie festzuhalten, dass der Krieg zumindest eine gute Sache zutage gefördert hatte, ihre Beziehung, aber am Ende konnte man sich was wäre wenn Fragen nie mit Sicherheit beantworten.

      "Klar steht es länger und ich bin mir nicht sicher ob Eis beständiger ist als Stein, selbst wenn es sehr dick ist. Hm... nein womöglich hast du recht, erst recht wenn alles zusammen geschmolzen ist und es keine einzelnen Blöcke mehr gibt. Dafür ist es noch kälter darin als in unseren Häusern." Schließlich wäre ein Feuer dann etwas gefährlich. "Du bist ziemlich faul geworden, jetzt wo du reichlich zu Essen bekommst, musst du vielleicht aufpassen, dass du nicht zu dick wirst.", grinste Rain und blickte zu seinem Ehemann auf. "Warum ich mir darüber Gedanken mache? Ich lebe doch schließlich auch hier. Ich meine... ich will nicht sagen, dass ich alles besser weiß als ihr, bin ich unhöflich?" Vielleicht war er das. Die Wölfe brauchten wohl nie Verteidigungsmaßnahmen, ihre Maßnahme war in Bewegung zu bleiben und warum mehr Kraft aufwenden, wenn man einfach weiterziehen konnte? Nayantai schien jedenfalls nicht allzu begeistert von Rains Ideen. "Ich sage ja nicht, dass wir sonst nichts tun können. Einfache Gräben alleine würden schon helfen die Armee auszubremsen." Rain wusste allerdings nicht wie einfach oder schwer es sein würde hier Gräben auszuheben. Er hatte keine Ahnung was sich unter dem Schnee befand, oder wie hart die eisige Erde hier draußen sein konnte. "Gräben bräuchten zumindest keine Ressourcen... Pfähle schon. Ich weiß ihr baut keine Mauern und Befestigungen und all zu viel Holz habt ihr dieser Tage auch nicht zur Verfügung, aber... naja, vielleicht war es eine dumme Idee." Rain zog seinen Handschuh wieder an und stand auf. Außerdem zog er sich seinen Schal über Nase und Mund, die kalte Luft brannte in seiner Lunge und er wollte nicht wieder krank werden.
    • "Eigentlich hat er mich nur zu dir gebracht.", murmelte Nayantai, und um Wahrheitswillen wollte er nicht unbedingt darüber streiten, wer nun derjenige war, der Recht behielt und wer es war, der nur zur Hälfte eine Ahnung davon hatte, worüber sie da eigentlich gerade schwafelten. Mit einem Moment war dieser kleine Spaziergang vermutlich doch keine schlechte Idee gewesen, zumindest insofern, damit man ihn endlich aus seiner Schale pellen konnte, in welcher er sich immer weiter verkroch, weil es doch der Wahrheit entsprach, dass er ziellos durch eine Welt irrte, der er nicht mehr dienlich werden sollte. Nayantai war ein Prinz gewesen, der Kronprinz eines Volkes das im Krieg verschluckt worden war und außer einem Schlachtfeld, einem Massaker, einem Gemetzel kannte er noch nie viel. Rain dagegen schien so, als wären ihm selbst die Taktiken in Büchern oft fremd, oder viele Begriffe, die er in Theorie verstand, nicht mehr als ein Stein in einem verkeilten Weg, den er kaum zu beschreiten wusste. "Meinst du? Glaubst du nicht eher, dass ich gar nie einen Fuß aus meiner Heimat gesetzt hätte? Ich gebe zu, das wäre ein trauriges Ende gewesen, aber wer weiß, wenn es den Krieg nicht geben würde, dann wäre ich vielleicht auch ein anderer Mensch - vielleicht wäre ich auch einfach ein Landstreicher geworden!", sinnierte er beherzt vor sich hin. Nayantai hatte oft noch eine blühende Fantasie, zumindest wenn man sie ihm abverlangte, oder wenn er tief genug in Eventualitäten versunken war, so dass die Wahrheit nur mehr ein auszublendendes Fünkchen in seinem Oberstübchen schien und nicht die eiskalte Realität, die er soeben durchlebte.

      "Ich wünschte, ich könnte sie dir zeigen! Sie sind überhaupt nicht kalt und wirklich putzen musst du sie auch nicht. Und wenn doch etwas kaputt geht, dann reicht ein wenig Wasser um das Problem zu lösen, weißt du? Aber hier oben ist es dafür viel zu warm - wenn ich dich in den Westen verschleppe, dann erfrierst du mir wirklich. Vielleicht finde ich jemanden, der sie für dich zeichnen kann?", schlug er schließlich vor. Würde dieser Krieg nicht enden, dann eben innerhalb der nächsten Monate. Sie hatten Zeit, zumindest ein wenig, bevor sie weiter in das Innere Thrias ziehen mussten, ehe sie sich vollends zu ergeben hatten oder womöglich Gift schlucken durften, um der Hölle auf Erden zu entkommen. Diesmal, so glaubte er, würde er wohl doch liebend gerne den einfachen Ausweg suchen, den er sonst gar nicht erst in Erwägung ziehen wollte. "Pff, was soll das denn heißen? Glaub mir, das passiert schon nicht!", prahlte er stolz, als hätte er etwas anderes getan außer faul herumzuliegen und seinen Kopf in seinen Fellen zu verstecken. Rain hatte Recht, aber gemein war er schon! "Unhöflich? Hast du jemals mit einem Wolf geredet der nicht ich bin? Nein. Insofern du nicht ... naja, anfängst dich als die beste Person in dieser Siedlung zu präsentieren." Oder wie ein Nebelreiher durch den Schnee zu stolzieren, aber das musste er einer kleinen Flauschkugel wie Rain wohl nicht sagen; sein Lamm sah ziemlich dumm aus, eingewickelt in warme, dicke und vor allem weite Kleidung die früher oder später noch von seinem Körper fallen würde wenn man sich nicht darum kümmerte. Dennoch, gefährlich schien dieses Ding ohnehin zu sein, auch ohne die richtigen Mittel zu haben. "Ich schätze, das lässt sich einrichten, und wenn ich sie alle alleine aushebe, dann sei's drum.", seufze er schlussendlich. "Es wäre einfacher, wenn das Wetter hier beständiger wäre, aber das ist es nicht. Anzünden können wir auch nichts, vor allem nicht wenn es die Hälfte der Zeit nass ist." Nayantai stand schließlich auf, drückte sich schon fast nach oben und starrte das rötliche Gesicht Rains an, das alsbald hinter einem Schal verschwand. "Und, wie fühlst du dich hier draußen, komplett ohne Mauern, nach ... naja, allem?"
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    • "Du magst meinen Vater nicht besonders, oder?", fragte Rain nach. Nicht, dass es noch wichtig wäre, er war höchstwahrscheinlich tot und selbst wenn nicht, dann würde Rain ihn wohl nie wieder sehen. Was er wohl tun würde, jetzt da Fhaergus verloren war? Würde er versuchen es zurückzuerobern? Würde er den König anflehen ihm sein Fürstentum wiederzugeben? Nein, das war eher unwahrscheinlich, Rains Vater war niemand der anderen bereitwillig die Füße küsste. Vermutlich würde er sich ein paar willige Männer zusammen suchen, gegen die Armee von Lavern oder gar des Königs rennen und dabei sterben. Rain seufzte. Vielleicht war er selbst unfair gegenüber seines Vaters und wenn er tatsächlich tot war, dann sollte er wohl nicht so schlecht von ihm denken. "Ich weiß nicht, du warst doch ziemlich wild, hätten dich andere Orte nicht interessiert? Ich meine ihr reist ohnehin viel, aber Adrestia sieht doch noch einmal anders aus. Selbst als wir uns kennengelernt haben hast du viel davon gesprochen den Süden zu bereisen.", erwiderte Rain und versuchte zu erläutern warum er sich eher nicht vorstellen konnte, dass Nayantai mit dem zufrieden gewesen wäre, was er schon kannte.

      "Nicht kalt? Aber du kannst doch gar kein Feuer in einem Gebäude aus Eis machen?" Rain verstand nicht ganz. Vielleicht, wenn das Eis dick genug war, ging das schon, aber er konnte sich das eigentlich nicht vorstellen. Vielleicht reichten eine Menge Decken und Felle und dicke Kleidung, auch aus, aber selbst mit alledem war ihm in seinem Steinhaus immerzu kalt gewesen. "Aber ich fände es schön wenn ich Bilder davon sehen könnte." Rain lächelte. Bücher und Bilder waren jahrelang sein einziger Zugang zur Außenwelt gewesen. Vielleicht sollte er seine Erfahrungen in Thria selbst auch aufschreiben. Besonders gut zeichnen konnte er nicht, aber für Skizzen würden seine Fähigkeiten reichen. Fürs erste grinste er allerdings ein wenig und warf einen Blick auf Nayantais Bauch. "Sehe ich da etwa schon etwas Fett ansetzen?" Natürlich nicht, Nayantais Kleidung war um irgendetwas erkennen zu können zu dick und weit, aber Rain wollte ihn dennoch aufziehen. Vielleicht half das ja dabei ihn dazu zu bewegen auch mal wieder etwas zu tun. "Ja habe ich, mit deinem Vater und deiner Schwester und mit eurem Heiler." Das waren ehrlich gesagt nicht allzu viele Personen, aber Rain traute sich auch nicht nach draußen und schon gar nicht sprach er irgendwelche fremden Wölfe an. Es musste schon komisch sein ein Schaf im Zelt ihres Königs hausen zu haben, das nicht einmal herauskam. Beinahe als wäre er ein Gefangener. "Sollte ich vielleicht... mit mehr von euch sprechen? Ich weiß nicht ob irgendjemand meine Hilfe überhaupt wollte... abgesehen von Rikiya natürlich." Rikiya gab sich teilweise viel zu viel Mühe Rain alles recht zu machen und ihm das Gefühl zu geben, dass er hier willkommen war. Rain wusste wieso, auch wenn er es gegenüber Nayantai definitiv nicht ansprechen würde. "Naja wenn wir es abdecken können, wäre es trocken und hätten wir Öl, würde Nässe auch nicht so schlimm sein. Aber ich schätze davon habt ihr bestimmt nicht viel..." Vielleicht konnten sie welches erbeuten, sollten sie die Adrestianischen Außenposten angreifen, aber das war gefährlich und es war nicht Rains Intention irgendjemanden in Gefahr zu bringen, schon gar nicht nur einer seiner wahnwitzigen Ideen wegen. Er blickte zu Nayantai auf, sein Gesicht wieder halb bedeckt. Die Frage die er stellte kam plötzlich und Rain hatte eigentlich noch gar nicht darüber nachgedacht. "Uhm... Ich weiß nicht. Ich... habe zumindest keine Angst davor auf der Stelle tot umzufallen. Nach allem was wir überlebt haben kommt es mir dumm vor, dass ich niemals auch nur unseren Garten betreten habe..." Jetzt wo Rain darüber nachdachte stimmte es ihn traurig und vielleicht auch ein wenig wütend. All diese Sorgen und Ängste die ihm eingeredet wurden, wenn auch nicht völlig haltlos, waren zu viel des Guten gewesen. Er hätte den Garten betreten können, hätte die Hügel besuchen können und Blumen pflanzen können. Nachdem er durch das eisige Fhaergus, über die Berge, durch Wald und Schnee, Höhlen und Dörfer geschleppt wurde und immer noch atmete, da konnte er sich nicht vorstellen, dass ihn ein einfacher Spaziergang umgebracht hätte. Natürlich hatte ihn Nayantai beziehungsweise ihr Pferd die meiste Zeit getragen, aber zumindest hätte er Fhaergus zu Pferd bereisen können. Ja, er war schwach und kränklich und endete nicht nur einmal mit hohem Fieber, aber das hatte er auch in seinen eigenen vier Wänden bekommen. "Um ehrlich zu sein ist Thria ein wenig... unheimlich. Fhaergus ist umringt von Bergen und voller Hügel und Wezette war voller Wälder, aber hier kann man seinen Blick so weit schweifen lassen..." Es war ungewohnt und bisher hatte Rain andere Probleme gehabt als sich darüber Gedanken zu machen. Seit sie die Siedlung erreicht hatten, hatte Rain sie auch nicht wieder verlassen - bis jetzt. "Und du? Bist du froh wieder hier zu sein?"
    • "Hm, keine Ahnung. Ich kenne ihn nicht wirklich, ich schätze, das ist eher das Problem?", schlug er Rain schließlich vor. Ohne den alten Mann wäre er wohl nie in Fhaergus aufgetaucht und hätte Rain auch nie unterbreiten können, dass er ihn so mochte, wie er nun einmal war. Hand in Hand ging dabei nichts und ehrlich gesagt war Nayantai sich nicht einmal im entferntesten darüber im klaren, ob es Sinn machte, in seiner eigenen, kleinen Blase zu existieren und den Rest der Welt vor den Kopf zu stoßen. Wieso musste er sich auch mit derartigen Gedankengängen brüsten? Mochte er Rains Vater? Das war eher unwahrscheinlich, aber gleichermaßen sollte er dem alten, vermutlich totem Mann nicht vor den Kopf stoßen - seine letzten Momente, in denen er zumindest etwas Gutes tun wollte, hatte er immerhin dafür genutzt, dass der Kronprinz Thria's nicht zu Grunde ging, oder? Genau derartige Taten sollte man ihm eigentlich hoch anrechnen. "Keine Ahnung, ich glaube, das habe ich auch nur gesagt, damit ich nicht daran denken muss, wie meine Heimat verfällt. Es hört sich nicht besonders schön an, ich weiß, aber es war zumindest ein Gedanke, der mich davon abgehalten hat, wahnsinnig zu werden. Vor allem am Anfang." Rain konnte er doch auch nicht von Tag eins an leiden, und doch hatte er Mitleid mit dem winzigen Wesen das sich nicht einmal selbst retten könnte, wenn es wollte. Und jetzt? Jetzt war er in dieses winzige Wesen verschossen. "Was? Als ob! Wie denkst du, wird so ein Gebäude sonst innen warm?" Wenn er Rain an die thrianische Küste schleppen könnte, so würde er es tun - allerdings standen seine Karten dafür wohl doch eher schlecht.

      "Mein Vater kann dir sicher welche zeichnen.", erläuterte Nayantai des weiteren. In Wahrheit wusste er nicht einmal, ob Rikiya sich dafür Zeit nehmen konnte, oder gar wollte. Es war dumm, auch nur einen Moment lang zu glauben, dass der König Thrias für derartige Dinge Zeit hatte, und doch blieb schließlich nur zu hoffen, dass er das tat. “Als ob, du Witzbold.” Rain lehnte sich ziemlich weit aus dem Fenster; Nayantai sollte ihn mit Schnee einreiben und ihm die Leviten lesen, in der Hoffnung, er würde wieder anfangen, sich zu benehmen - wenigstens war der kleine Giftzwerg glücklich, das war am allerwichtigsten. “Naja … stimmt auch wieder.” Nayantai zuckte mit der Schulter, wurde ihm doch erst klar, dass Rain sich bereits bestens in Thria eingebürgert hatte. War es denn dumm, wenn er glaubte, dass das kleine Energiebündel neben ihm noch ein oder zwei Asse im Ärmel hatte? Vermutlich schon. Es brachte bei weitem wenig, wenn er sich verhielt, als verstünde er jeden Aspekt und jede Tatsache seines eigenen Lebens - er verstand sich doch gerade selbst nicht. “Thria hat viel Schnee und da hört es dann auch schon auf.”, legte er Rain nahe. Reich waren die Nomaden dieser frostigen Landschaft auf keinen Fall und unbedingt tauschbereit auch vor dem Krieg nicht wirklich. Sie alle zankten doch sowieso seit Uhrzeiten untereinander. “Das können wir auch noch nachholen, spätestens wenn irgendwelche fleischgewordenen Götter über Adrestia herfallen.” Was brachte es, einen bereits verlorenen Krieg zu führen? Natürlich ließ sich darüber streiten, gab es doch so viele Menschen, die bereits für sie alle gestorben waren - es war dumm, zu glauben, es würde sich daran irgendetwas ändern, wenn sie sich weiterhin kopfüber in die Misere stürzten. “Wenn der Schneesturm dir das erste Mal im Nebel die Sicht raubt, dann willst du auch nicht hier draußen sein. Ich wünsche es jedem Adrestianer, dass er sich verläuft und erfriert.”, warf er Rain vor die Füße. War er denn gerne hier draußen? Nayantai wusste nicht einmal, was genau es war, das er sagen sollte - konnte er denn etwas sagen? “Keine Ahnung. Irgendwie schon, irgendwie nicht.”
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    • "Du hast Recht.", nickte Rain. Vermutlich war es besser so, Rain glaubte nicht, dass Nayantai viel von seinem Vater halten würde. Er war... eigen. Er wollte immer alles alleine schaffen, er wollte Rain so sehr beschützen, dass er ihm wohl geschadet hatte und er war immer dann, wenn es darauf ankam, nicht da. Er konnte es ihm schwerlich vorwerfen und doch tat Rain es und er fühlte sich jedes Mal schlecht deswegen. Es war nicht seine Schuld, dass er nicht zu Hause war, als Rains Mutter gestorben war und beerdigt wurde und es war wohl auch nicht seine Schuld, dass er nicht da war als Fhaergus angegriffen wurde. Rain hatte es auch nicht kommen sehen, also auch das konnte er seinem Vater nicht vorwerfen. Wollte er so sehr wütend auf ihn sein? Wieso? Es gab so viele Menschen die es mehr verdient hatten, sein König zum Beispiel, Lord Grayson auch. In letzter Zeit war Rain oft wütend und er mochte sich selbst so nicht. "Ja das kann ich verstehen. Ich mochte den Gedanken auch, auch wenn ich nicht wirklich daran geglaubt habe." Er lächelte leicht, nur um anschließend das gesicht zu verziehen. "Schmilzt das Feuer das Eis denn nicht?", wollte er wissen.

      "Ach dein Vater hat schon genug um die Ohren. Er ist so nett, er kümmert sich viel zu viel und ich will eigentlich gar nicht wissen, was er sich alles wegen mir, wegen uns anhören muss..." Rains zwanghaftes Lächeln wich einem verschmitzten. Nayantai brauchte ein wenig Motivation sich mehr zu bewegen. "Ja ich weiß, es ist schwierig hier." Wenn sie die Adrestianischen Lager überfall konnten, dann hätten sie Öl und Holz und Nahrung... es war wohl besser als sie einfach niederzubrennen, aber wie lange würde das gutgehen? Am Ende war es Rikiyas Entscheidung, aber er stimme Rain viel zu schnell zu. Er wollte die Verantwortung eigentlich gar nicht. Rain blickte zu Nayantai auf, sein Blick etwas mehr trübe und er seufzte. "Es sind immer noch meine Landleute von denen du da sprichst. Ich bin auch ein Adrestianer und ich werde es immer sein. Ein einfacher Soldat sucht sich auch nicht aus hier zu sein, ich wünsche keinem den Tod, auf keiner Seite." Nicht einmal dem König. Es war nicht Rains Platz über irgendjemanden zu richten, auch wenn es den Krieg vielleicht beenden würde, wäre er tot. "Ist es wegen Khojin?"
    • Genau genommen war Nayantai nicht davon abgeneigt, Schafen zu vertrauen, allerdings waren es lediglich eine Handvoll die er tatsächlich als gut erachten konnte. Rains Vater, zum Beispiel, mochte sich zwar erbarmt haben ihn erst in einer gewissen weise zu retten, dennoch war schmerzhaft klar, dass er womöglich nicht einmal wirklich wusste, wie Rain auf die Präsenz eines Wolfes reagieren würde und dass der alte Herr seinen eigenen Sohn im Stich ließ. Nayantai wusste, dass er sich sehr wohl über die ungestümen Wege einer verkorksten Welt zu beschweren wusste, musste jedoch an irgendeinem Punkt auch versuchen, einzulenken und wenn es nur für wenige Minuten war, die er deswegen wie gelähmt in der eingefrorenen Landschaft Thrias stand und die Zahnräder in seinem Kopf abmühte. “Schade, aber ich würde behaupten, Tagträumereien sind auch wichtig. Du hast doch sicher auch darüber nachgedacht wie es sein könnte, wenn du einfach nach draußen gehen könntest.”, stellte der Wolf für sie beide fest, oder zumindest maßte er es sich an, darüber einen Gedanken zu verschwenden, der ohnehin nur dazu diente, die vorlaufende Konversation in einen Kreis zu leiten, damit er nicht zu viele Worte über sich selbst und all die angestaute Wut und Trauer verlieren musste, die ihn immer mehr zu plagen schien. “Nein, das Eis ist so kalt und dicht, dass selbst loderndes Feuer nichts an der Struktur beschädigen kann - eher erstickt es oder wird so sehr von Wasser beträufelt, dass es erlischt.”

      Nayantai seufzte, als seine eigenen, nervösen Schritte im Kreis verliefen und er sich abermals fragte, ob diese Konversation überhaupt ein richtiger Ansatz für ihn war. Hier draußen zu sein fühlte sich frei und ungezwungen an, wie ein Traum, der endlich wieder die Farben der Realität annahm und doch war es gleichermaßen wie ein frühzeitiges Ende der Welt, das ihn plagte. Hier gab es nichts, keine schützenden Wände, keine hohen Gemäuer - endlose, ruhige Ferne die sich kaum voneinander unterschied. Eine Schneise zog sich in seiner Brust. “Wenn wir auch noch darüber nachdenken, dann machen wir ihn verrückt. Ich denke, er behauptet sich relativ gut, aber ich weiß genau so gut, dass wir beide wohl ein wenig … hm. Wir sind manchen Leuten wohl definitiv ein Dorn im Auge.”, schnaubte der große, böse Wolf dessen Blick sich bei eben jenem Gedanken schon verdunkelte. Nichts wollte er mehr als nicht darüber nachzudenken, wohl wissend, dass man ihn dafür bluten lassen würde, würde er sich selbst verteidigen und ebendas nicht auf seinen alten Herren abwälzen. “Und? Dass meine Leute auch Familien haben, diesen Krieg nicht führen wollen und einfach ihr Leben leben wollen ist ihnen doch auch egal. Wenn ich jemandem den Tod wünsche, dann lieber ihnen als meinen eigenen Leuten.”, grummelte Nayantai. Rain schien sich in derartiger Hinsicht nie sonderlich sicher zu sein - ein Krieg forderte Opfer, ob man es wollte oder nicht. “Ein wenig, aber sie ist bei weitem nicht der einzige Grund. Es fängt damit an, dass ich nie gedacht hätte, jemals wieder hier sein zu können und hört damit auf, dass ich mich alles andere als wohl fühle.” Die unendliche Weite machte ihn paranoid, zu sehr. Nayantai tat gut daran, sich zu beruhigen, wenn auch nur für einen Moment.
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    • "Naja schon, aber ich habe irgendwann damit aufgehört. Sich vorzustellen draußen im Garten zu sein, aber es niemals zu können war schmerzhaft. Als meine Mutter noch lebte stellte ich es mir öfter vor. Wenn ich ihr von meinem Fenster aus zusah, dann malte ich mir aus wie ich ihr mit den Blumen half, aber als sie dann gestorben war... ich weiß nicht. Ich wollte gar nicht mehr nach draußen. Eigentlich wollte ich gar nichts mehr. Ich wünschte mir einen Bruder, damit mein Vater jemanden hatte der das Fürstentum übernehmen konnte, vielleicht eine neue Frau für ihn, aber ich glaube nicht, dass er daran interessiert war. Naja, vielleicht habe ich auch irgendwo Halbgeschwister, ich habe keine Ahnung... nein, das ist unfair, ich glaube nicht, dass das zu ihm gepasst hätte. Er war immer sehr pflichtbewusst, ich glaube auch gegenüber meiner Mutter, aber im Nachhinein betrachtet denke ich, dass sie wie ich war, naiv und... hm, schwach, nicht nur im körperlichen Sinne... ach tut mir leid, ich plappere vor mich hin, aber das war alles eigentlich gar nicht Thema." Das war alles etwas womit er sich selbst auseinandersetzen musste und das er vielleicht niederschreiben sollte. "Ich kann mir einen Ort voller Eis gar nicht vorstellen... ich habe schon mehr geschafft, als ich jemals geglaubt habe, aber das würde ich glaube ich nicht überleben." Rain lächelte leicht. Auch jetzt war ihm kalt, eigentlich war ihm immer kalt, so sehr, dass sein ganzer Körper schmerzte, aber es war nicht schlimm. Trotz der Kälte hier, wollte er einfach nicht mehr eingesperrt sein und ihr Zelt hatte nicht einmal ein Fenster.

      "Gibt es hier niemanden sonst, den du von deiner Zeit hier kennst? Jemandem mit dem du sprechen möchtest?", fragte Rain nach. Vielleicht, wenn Nayantai seine Geschichte teilte, zumindest einen Teil davon, vielleicht würden er und Rain besser aufgenommen werden. Der Blonde hatte ein schlechtes Gewissen, eigentlich sollten alle froh sein, dass ihr Prinz zurück und wohlauf war, aber stattdessen mieden sie ihn, weil er ein Schaf mitgebracht hatte und es zu allem Überfluss auch noch geheiratet hatte. Rain erwartete nicht, dass sie sich bedingungslos für ihn freuten, sie kannten Rain nicht und dennoch fand er es unfair. Ob es einen Weg gab ihr Misstrauen auszuräumen? Rain seufzte. "So zu denken schürt den Krieg nur weiter und selbst wenn er enden würde, sorgt es nur dafür, dass Thria und Adrestia sich weiterhin hassen. Wir sind alle Menschen, wir alle wollen nur Sicherheit und dieser Konflikt kann nur beigelegt werden, wenn wir anfangen einander zu verstehen." In diese Hinsicht würde er mit Nayantai wohl nie gleicher Meinung sein, aber es war auch nicht Rains Volk das am Verlieren war, nicht in diesem Ausmaß jedenfalls. "Wieso fühlst du dich nicht wohl?", wollte Rain wissen. "Ich denke du wärst freundlicher empfangen worden, wäre ich nicht hier... das tut mir Leid. Vielleicht könnten wir versuchen etwas zu tun? Wir könnten gemeinsam mit den anderen essen? Oder irgendwo aushelfen? Was ist mit deinen Freunden aus deiner Heimat? Vielleicht könntest du sie besuchen? Der Westen ist sicher und Rikiya passt hier auf mich auf."
    • Beide von ihnen waren nicht ohne Fehler, Nayantai sah es eben ein, er verstand jedoch auch, dass es wenig Sinn machte, sich auf bodenlose Argumente einzulassen, die sie beide nicht einmal hypothetisch in irgendeine Richtung brachten, sondern lediglich für mehr Unruhe sorgten. Der starre Wolf machte ein durchaus enttäuschtes Gesicht, als er Rain lauschte - sie beide waren von ihren eigenen Fehlern und den Missetaten anderer verfolgt und geprägt, dementsprechend sollten sie für einander ein Anker sein und keineswegs anders. “Rain, ich denke, wir sollten uns einfach beide um einander kümmern, weißt du? Wenn du mir solche Singe erzählst, dann macht mich das auch traurig - ich glaube nicht, dass dein Vater einen anderen Sohn wollen würde, oder dass du oder deine Mutter nicht gut genug für ihn wart. Vielleicht hat er euch auch einfach gar nicht verdient wenn er so denkt … und du solltest nicht denken, dass solche Thematiken keinen Platz bei mir haben.”, erwiderte Nayantai mit besorgtem Blick - um ihn sollte es gehen und doch war klar, in Essenz ging es um sie alle beide. Es war gut so. Der ehemalige Wolfsprinz wagte sich an einem schiefen Grinsen, das lediglich dazu beitrug, ihn nervös wirken zu lassen. “Ich denke nicht, dass der Westen etwas für dich ist. Selbst ein gestandener Soldat würde dort unten nicht überleben - mein Vater hat seine Zeit dort gehasst, das sagt er zumindest immer. Er war auch immer ziemlich krank.” Die Kälte war es wohl, die ihn heimsuchte und von außen nach innen zerfraß.

      “Es gibt wenige von ihnen, aber wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich nicht, ob ich das überhaupt wollen würde. Was, wenn sie mich nicht verstehen, oder mir sagen, sie hätten nie gedacht, dass ich so tief sinke? Ich fühle mich sowieso schon missraten.”, gestand er Rain, wandte dabei jedoch den Blick ab - Nayantai fühlte sich verkorkst und unvollständig, vielleicht sogar in seinen Grundfesten erschüttert und wie jemand, der auf festem Boden, im Trockenen, ertrank. Und doch, in ihm loderte noch immer ein Feuer, das sich wohl nie wirklich bändigen lassen würde, so unwohl er sich hier draußen auch fühlte. “Ich will nicht behaupten, dass du Unrecht hast, aber kannst du es mir verübeln, dass ich so denke, wie ich es tue? Dass ich sie bluten sehen will?”, hinterfragte er die Intentionen seines nun-Ehemannes. Rain war noch immer wie ein Lamm für ihm, jemand der Schutz und Geborgenheit brauchte und doch auch zu vielem fähig war - anketten oder zurechtweisen wollte er ihn nicht, auch metaphorisch nicht, er wollte mit Rain auf einer Augenhöhe sein, und doch wirkte er oft viel zu naiv wenn es um das Leben ging, das er zuvor nie wirklich hatte auskosten dürfen. “Rain, es ist nichts davon und es muss dir nicht leid tun, es hat nichts mit dir zu tun. Der laue Empfang und Khojins Verhalten tun weh, natürlich, aber …” Für einen Moment hielt der Wolf inne und ließ die leichten Winde über sie hinwegfegen, durchsäumt von der Stille, zu welcher sie beide beitrugen. Es ist offen, frei, unendlich weit und wunderschön hier draußen. Ich hatte immer gedacht, ich wünsche mir diese Freiheit zurück, aber nach dieser … Ewigkeit in Adrestia ist es das Schlimmste, das ich mir vorstellen kann. Ich hasse es, keine Wände um mich zu haben, nicht eingepfercht zu sein, nicht an Regeln gebunden zu sein - ich hasse die Freiheit, nach der ich so lange verlangt habe!”, gestand Nayantai, sein Gesichtsausdruck beinahe schon verzweifelt, bevor er spürte, wie es warm über seine Wangen träufelte und schließlich schon eiskalt an seinem Kinn ankam.
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    • "Natürlich, trotzdem, heute bist du an der Reihe. Mein Vater ist höchstwahrscheinlich tot, also werde ich es sowieso nie wissen.", erwiderte Rain trocken und mit einem Seufzen. Es machte ihm etwas aus, natürlich, aber es hatte auch keinen Sinn sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Nicht jetzt zumindest. Rain freute es natürlich, dass Nayantai für ihn da sein wollte, aber Rain kam gut zurecht in seiner jetzigen Situation, erstaunlich gut, hauptsächlich weil er einfach viel hatte womit er sich beschäftigen konnte und wenn es nur war zu lernen wie man die Schrift der Wölfe las. "Hm, ja ich weiß, ich meine Thria ist für mich an sich schon der Westen. Mir geht es gut, einigermaßen, aber ich glaube, dass ich nicht einmal für das Wetter hier gemacht bin, geschweige denn das Leben. Aber wir müssen nicht immer aufeinander kleben, wenn du dort hinmöchtest. Du bist dort aufgewachsen, wenn es dir Trost spendet, oder du nach dem Rechten sehen möchtest, dann werde ich dich nicht aufhalten." Bei den Wölfen war es vielleicht anders, aber für Rains Volk war es ganz normal, dass ein Ehepaar über längere Zeiten getrennt war. Die Männer gingen in den Krieg, oder hatten andere Verpflichtungen und die Frauen blieben zu Hause.

      "Denkst du denn, dass du tief gesunken bist? Es ist nicht deine Schuld, dass du jahrelang eingesperrt warst. Niemand würde als der gleiche Mann zurückkommen. Und was wenn sie dir einfach sagen, dass sie froh sind, dass du lebst. Es wird wohl immer schwierig sein zu erklären, warum du mich mitgebracht hast, aber auch das lässt sich wohl nur durch ein Gespräch lösen." Nayantai war pessimistisch, vielleicht war es ja gar nicht so schlimm wie er dachte? Er müsste es aber ausprobieren. "Ich verstehe, dass du wütend auf die Schafe bist... dennoch wenn du sie alle tot sehen willst, macht dich das dann besser als...", beinahe hätte Rain seinen König erwähnt, aber er krazte noch die Kurve, "... als die Schafe?" Er wollte nicht noch mehr Wunden aufreißen. Natürlich musste Nayantai sich auch mit seiner Zeit im Kerker auseinandersetzen, aber das schien gerade weniger das Problem. Rain hörte ihm aufmerksam zu und nahm schließlich Nayantais Hände in die seinen, um sie tröstend zu drücken. "Ich... ich schätze ich kann das verstehen. Du musstest dir lange keine Gedanken darüber machen, was du als nächstes tun willst, nachdem wir die Reise hierher überlebt hatten... ich war auch wütend und traurig, weil ich endlich Zeit hatte darüber nachzudenken was passiert ist und weil ich nicht wusste, was ich nun ohne Land tun sollte." Rain drückte Nayantais Hände etwas fester. Er hätte ihn einfach umarmt, aber er war etwas zu Klein dafür, Nayantai in eine tröstende Umarmung zu ziehen. "Mir hilft es immer auf etwas hinzuarbeiten und etwas zu tun zu haben, das war schon in Fhaergus so."
    • Machte es denn überhaupt noch Sinn, sich darüber zu beschweren, wer oder was Rains Vater war? Der Mann war tot, sehr sicher sogar, und doch, so sehr Rain an ihm zu hängen schien, so einfach wäre es wohl, ihn in ein anderes Licht zu rücken - Nayantai hielt von ihm nicht sonderlich viel, ebst jenem Unmut musste er nicht weiter kundtun, mochte er den alten Mann doch lediglich nicht gut leiden, weil er glaubte, er war es, der seinem eigenen Sohn Unrecht bescherte. War es denn überhaupt recht sich solche Urteile zu zumaßen? Der Wolfsprinz verzog die Miene voller Argwohn, unterstrichen mit einem leicht überforderten Seufzen. “Nein, so meinte ich das nicht. Meine Heimat, ob hier oder dort, ist mir wichtig, aber so bist es du. Ich glaube nicht, dass ich es aushalten würde, dich hier alleine zu lassen, selbst wenn man dich gut umsorgt.”, gestand er dem Lamm als wolle er nicht, dass es sich so sehr um ihn sorgte. Nayantai wusste, dass es dazu ohnehin schon zu spät war und doch musste er sich wohl auch eingestehen, dass es nicht von Vorteil war, sein ganzes Leben in den Schatten zu rücken, weil er nun einmal glaubte, es würde Rain damit etwas Gutes tuen.

      “Ich bin nicht einmal mehr ich, aber dieses Gespräch haben wir schon zuhauf geführt. Tiefer sinken als in den Tod kann man ohnehin schlecht.”, nuschelte er halbherzig hervor. Nayantai fühlte sich erschöpft, aufgebraucht, am Ende seiner Kräfte - ausgebrannt, als würde die Vergangenheit nie ebendas einholen, was die Zukunft verbarg. Seine benetzten Augen ruhten auf der kleineren Gestalt, die es ihm gerade recht machen wollte - die ihm Trost spendete, oder es zumindest versuchen wollte. “Wahrscheinlich nicht, aber diese Bürde lässt sich schultern. Irgendjemand muss es ohnehin tun, sollten wir diesen Krieg jemals beenden wollen.” Müde war er schon lange, so war er es auch jetzt, als er Rains Wärme erwiderte, ihm selbst einen leichten Händedruck spüren ließ und weiterhin seinen Tränen Freiraum bot. Wohin mit all den Emotionen, die er verschluckte? “Ich weiß nicht, was ich noch wollen können wollte.”, nuschelte der große Mann, der mit verlorenen Augen auf den Kleineren der beiden herabblickte und ihn in eine Umarmung zog. Was blieb ihm auch über. “Ich möchte zurück gehen.”, seufzte Nayantai über Rain gebeugt, mit seinem Kopf in seiner Schulter versteckt - beinahe war er der Meinung, er zerbrösele ihn. Nayantai’s Tränen floßen ohnehin, ob hier oder dort spielte kaum Rolle.
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    • Rain lächelte Nayantai an. "Das ist lieb von dir.", erklärte er und eigentlich hatte er Nayantai auch lieber um sich, als alleine zu sein. Dennoch, es schien nichts zu geben, das ihn aufmuntern konnte, weder hier noch anderswo. Wäre Silesse die Lösung, so würde Rain Nayantai nicht hier behalten, aber es schien nicht zu sein was er brauchte. Rain konnte kein Ziel für Nayantai wählen, das musste er schon ganz alleine schaffen. Es war schwierig ihn so zu sehen. In Fhaergus war es ihm wohl kaum besser gegangen, aber er hatte seine Wut und dann die Aussicht vielleicht fortzulaufen, oder einfach gehen zu können. Jetzt war er hier und weder er noch Rain wussten recht, was es bedeutete. Nayantai wirkte nicht, als wollte er irgendwann der König der Wölfe werden und Rain wollte damit eigentlich auch nichts zu tun haben, es fühlte sich ganz einfach falsch an. Er steckte sich kleine Ziele und hatte einiges worauf er sich konzentrieren konnte, das reichte ihm vorerst, aber Nayantai kam teilweise nicht einmal aus dem Bett, wenn Rain ihn nicht dazu brachte.

      "Nayantai... du musst doch gar nicht sein, wer du einmal warst. Also ich habe dich lieber, wenn du mir nicht den Hals umdrehen möchtest, nur weil ich ein Schaf bin.", erwiderte er und versuchte Nayantai zu einem Lächeln zu bewegen. "Willst du den Krieg denn beenden? Ich meine aktiv. Wir wollen alle, dass der Krieg endet, schätze ich." Das wäre doch ein Ziel, aber Rain bezweifelte, dass Nayantai das wirklich wollte. Er wollte keine Verantwortung und Rain glaubte, dass er sich auch schwach fühlte, im Vergleich zu früher. "Also ich hätte gerne ein eigenes Zelt, damit Rikiya auch einmal seine Ruhe haben kann." Ein klein gestecktes Ziel, eines das Rain alleine ohnehin nicht erreichen konnte, aber Nayantai fehlte wohl auch dafür die Motivation. Er erwiderte die Umarmung in die er gezogen wurde und holte einmal tief Luft, so tief er es eben konnte, ohne Husten zu müssen. "Okay." Rain hatte nichts einzuwenden. Er konnte Nayantai nicht helfen, aber er glaubte Rikiya könnte es, wenn er nur ein wenig ehrlicher wäre. Vielleicht würde es Nayantai nur schaden, wüsste er von seinem Geheimnis, aber auf der anderen Seite hatte auch er alles verloren und nun war er der König der Wölfe. Wenn er ihm schon nicht die Wahrheit sagte, dann konnte er seinen Sohn vielleicht trotzdem aufmuntern. "Weißt du, ich denke du solltest mit Rikiya über all das sprechen... ich bin keine große Hilfe, tut mir Leid, aber vielleicht kann er dich aufmuntern."
    • Lieb konnte es auch allemal sein - Nayantai war vernarrt in sein Schaf wie kein anderer, wollte kaum teilen und glaubte zudem nicht, dass es auch in irgendeiner Form nötig wäre. Ganz im Gegenteil. Wenn es etwas gab, dass der Wolf nun einmal gerne tat, dann war es wohl, sein eigenes Schaf zu verziehen und ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen - anders konnte Nayantai oft gar nicht. In diesem Moment, oder eher in den letzten Tagen, fehlte ihm jedoch die Motivation und die Kraft dazu, es auch nur zu versuchen; es war gar nicht abwegig zu glauben, dass er es nicht einmal wollte. Oft fühlte sich der Wolf müde und matt, jetzt im Moment sogar überlastet - alles zog einen Rattenschwanz mit sich, kaum setzte die innere Unruhe ein und er fühlte sich wiederum von seinen eigenen Gedanken verfolgt. “Das … ich … ich weiß was du meinst, aber das ist doch gar nicht was ich damit sagen will. Den Gedanken würde ich nicht hegen, ich will doch einfach nur, dass ich wenigstens ich bin.”, beklagte er schlussendlich - er fühlte sich selbst jetzt nicht wie er selbst und hasste jeden Moment, in dem er eingängig mit sich selbst darüber diskutieren konnte, dass er der Verzweiflung kaum zu entkommen wusste. Nayantai hasste den Aspekt des Verlorenseins.

      “Ich wünsche mir, dass er aufhört, aber das Ganze selbst in die Hand nehmen ist mir zu viel. Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde, egal wie sehr ich es versuche.”, murmelte der verlorene Prinz in der Umarmung, die er sich selbst gekünstelt hatte. Rain hatte wohl nicht Unrecht, brauchte er doch ein Ziel, würde er doch stattdessen in seinem Selbstmitleid baden und ertrinken und das für immer und ewig. Da war er auch schon andere, bessere Dinge gewohnt. “Wenn du das möchtest, dann lässt sich das sicher einrichten. Du weißt aber schon, dass wir uns dann selbst um das Zelt kümmern müssen und es ordentlich sein sollte?”, neckte er Rain, noch immer mit betrübter Stimme, aber wohlauf davon überzeugt, dass er wohl oder übel nichts dagegen hatte. Ob das Lamm unordentlich werden würde, wäre es erst in seinen eigenen vier Wänden? Nayantai ließ sich gut mit derartigen Gedanken ablenken, weswegen er schließlich losließ. “Mh, ich schätze ich kann es versuchen. Wenn er Zeit dafür findet … egal. Ich möchte jedenfalls zurück.” Nayantai wischte sich den Rest der Tränen in den Ärmel und stapfte danach auch schon los, bedacht darauf, dass Rain mithalten würde.
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    • "Kann ich dir irgendwie dabei helfen?", fragte Rain. Er kannte Nayantai so gesehen gar nicht, auch wenn er selbst jetzt anders war, als zu dem Zeitpunkt zu dem sie sich kennengelernt hatten. Er war aber bestimmt schon damals ein anderer Mann, nach all der Zeit im Kerker und das war okay. Jetzt allerdings? Er schien kaum nach am Leben zu sein und Rain wusste nicht, was er tun sollte. Er kannte sich selbst in diesem Zustand nur zu gut, aber auch an seinem besten Tag, war er nicht einmal halb so stark und aufbrausend wie Nayantai. Er hatte sich damals auf Nayantai gestürzt, wollte alles wissen und vergessen, dass er sein Leben eigentlich schon aufgegeben hatte, aber was konnte Nayantai tun? "Was meinst du? Wir halten unsere Seite doch jetzt auch einigermaßen ordentlich... willst du damit sagen ich wäre unordentlich? Hm... ich habe hier gar nicht so viele Bücher die ich überall herumliegen lassen kann..." Er war es vielleicht nicht gewohnt aufzuräumen und sauber zu machen, aber dennoch schmollte er ein wenig. Nayantai ließ los und Rain blickte zu ihm auf. Er hätte gerne eine Nacht alleine hier draußen mit Nayantai verbracht, auch wenn er halb am erfrieren war, er dachte einfach, dass es Nayantai vielleicht gut tun würde, aber scheinbar hatte der Wolf andere Pläne. "Er nimmt sich bestimmt Zeit für dich, wenn du ihn fragst." Nayantai war schon auf dem Rückweg und Rain humpelte ihm so schnell er konnte hinterher.

      Caelan war ungeduldig, er konnte nicht schlafen, er wollte nur hier raus und seinen Sohn suchen. Wie lange würde sein Körper das noch mitmachen? Er war nicht mehr der Jüngste und auch wenn er glaubte das Fieber überwunden zu haben, war er noch nicht gänzlich erholt. Das warme Zimmer und Bett hatten geholfen und doch hielt sich ein hartnäckiger Husten und die Tatsache, dass er Kopfschmerzen von all dem grellen Schnee bekam. Das Problem hatte er hier unten zwar nicht, aber es würde zum Problem werden. Seine frischen Verletzungen waren nicht schlimm, trotzdem hoffte er auf ein Pferd. Gab es hier überhaupt Pferde? Er bezweifelte, dass hier draußen irgendetwas überlebte, wenn er ehrlich war. Es war klar, warum niemand jemals aus dem eisigen Westen zurück gekommen war und er war sich sehr sicher, dass es nicht an ihrem verrückten Anführer lag. Naja, zumindest hatte er Caelan nicht sofort den Kopf abgeschlagen, warum auch immer, der Junge wusste immer noch nicht mit wem er es zu tun hatte und sein eigenes Volk war ihm egal, so lange er hier sicher war. Caelan war zu unruhig um schlafen zu können, dieser andere Junge musste doch bald zurück sein, oder? Er stand auf und trat an die Gitterstäbe um nach oben zu schielen. Ob er ihm wohl auch seine Sachen besorgte? Nicht, dass sie wichtiger waren als Rain. Er würde es verstehen, wenn er keine seiner Waffen zurückbekommen würde, auch wenn er bezweifelte, dass er in seinem jetzigen Zustand eine Gefahr darstellte, nicht für diesen Muhan.
    • Oyu war klar, dass Caelan wohl eher weniger daran interessiert war, den Rest seines Lebens in einem abgedunkelten Keller zu verbringen und darauf zu warten, dass jemand wie Shuren die Güte besaß, ihn endlich gehen zu lassen. Sie selbst würde es hinnehmen wenn sie es müsste, verstand aber, wenn dem nicht so war - es schien als ob sie jedoch noch eine Weile warten mussten, denn kaum entfloh Caelan ihren sonst so wachsamen Augen, fühlte sich das Bett schon um einiges kälter an. “Du bist rastlos.”, stellte das junge Mädchen fest, das sich nun auch selbst zwangsweise aufrichtete - sie streckte sich und gähnte herzhaft, als gäbe es in diesem Leben, dieser Situation, kein einziges Problem das sie nicht verstehen würde. Stattdessen trat sie a die Gitter heran, dort wo Caelan stand und versuchte mit gut Glück, ihre Hand herauszudrücken und von außen a das Schloss zu gelangen, dass sie hier drinnen einpferchte - vergebens. “Glaubst du denn, er kommt noch und hat uns nicht angelogen?”, wollte sie von dem alten Mann wissen - ihre eigene Miene war durchaus verzogen, grübelnd und durchaus schwer zu deuten. Egal was sie täte, so fühlte sie sich, sie würde wohl irgendwann und irgendwie einlenken müssen.

      Gerade als Oyu ihre Hand wieder zu sich zurückzog, hörte sie das eingebende Knarzen der Tür am oberen Tür, die sie hier unten einsperrte und wohl für gedämmtes Tageslicht sorgte - der Raum füllte sich für einen Moment mit mehr Licht, als einer von ihnen beiden gewohnt war und dann, als wäre es lediglich ein Glücksgriff gewesen, verdunkelte sich der gesamte Raum drastisch und die Tür fiel ins Schloss. Schwere Schritte folgten die Treppe hinab und Oyu wusste sogleich, dass das keineswegs Shuren sein konnte - Muhans Gesicht zeigte sich ihnen noch früh genug, denn der Wolf schien sich wohl doch an sein Versprechen zu halten. “Ihr solltet euch etwas Wärmeres anziehen.”, meinte dieser lediglich als er ihnen beiden wärmere Kleidung durch die Stäbe schob - sein Gesichtsausdruck sprach nicht von viel, eigentlich von gar nichts und Oyu wusste ihn nicht zu deuten, aber sie nahm die geschenkte Bekleidung dankend entgegen und begann damit, sich ungefragt aus zumindest einem Teil ihrer restlichen Kleidung zu rappeln - ob Caelan überhaupt wusste, dass …? Nein, das passte wohl schon so. “Du sollst dich umziehen, ich glaube wir gehen gleich.”
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    • "Natürlich bin ich das. Rain ist die einzige Familie die ich noch habe und jede Minute in der ich hier herumsitze, ist eine in der ich ihn nicht suchen kann, wenn er überhaupt noch lebt...", murrte Caelan, ohne einen Blick auf das Mädchen zu werfen. Rain war nicht wie die Wölfe, oder Caelan, er konnte nicht kämpfen, geschweigedenn in der Kälte überleben. Wenn Fhaergus angegriffen wurde... er konnte nur hoffen, dass ihn irgendjemand versteckt hatte. Er vertraute darauf, dass sein Volk alles für seine Familie tun würde und es war umgekehrt genauso. Es war seine einzige Hoffnung. Der Prinz der Wölfe würde wohl weniger Glück haben, aber vielleicht hatte er sich einfach frei gekämpft und war auf dem Weg nach Hause. Caelan konnte nicht behaupten, dass es ihn sonderlich interessierte, aber er log zumindest nicht, wenn er sagte, dass sein Sohn die beste Spur war ihn zu finden. "Keine Ahnung. Vielleicht hat er es sich anders überlegt, oder irgendjemand hat ihn aufgehalten. Ich kenne ihn noch weniger als du." Er verstand nicht einmal was er sagte und musste sich da voll und ganz auf Oyu verlassen. Er fragte sich ob das irgendeine Art Falle oder Spiel war, aber er wollte lieber nicht darüber nachdenken.

      Caelan blickte gen Treppe, als er die schwere Tür hörte, die sich gleich danach wieder schloss. Es dauerte viel zu lange bis Caelan die Figur überhaupt erkennen konnte, nicht dass er sich Muhans Gesicht gemerkt hätte, die Wölfe sahen doch alle gleich aus... Er sagte irgendetwas und Caelan nahm ein Bündel Stoff entgegen sobald er es gereicht bekam. Umziehen? Caelan faltete die Kleidung auseinander und murrte unzufrieden. Eigene Kleidung hatte er keine mehr und dieses Zeug... naja, es war unpraktisch in seinen Augen. Wenigstens wirkte es warm. Er würde sich nicht beschweren, solange er hier raus kam. Anstandshalber drehte er sich um, damit Oyu sich nicht beobachtet fühlte und zog sich dann wie gewünscht um, so gut er eben mit dieser Kleidung zurechtkam. Caelan war immer noch kalt nachdem er sich umgezogen hatte, aber nicht allzusehr. Trotzdem war es für ihn ein komisches Gefühl, Kälte machte ihm normalerweise nichts aus.
    • Ihre eigene Kleidung passte weder wirklich noch gänzlich - es fühlte sich eher so an, als hätte jemand etwas aus seinem Gewandschrank gekramt, das seit Jahrzehnten dort gelegen hatte und vielleicht in seiner Kindheit gepasst hatte. Die grüne Farbe ließ auf einen spezifischen Übeltäter schließen und doch fand Oyu es nett genug, dass sie überhaupt Kleidung bekam - sie akzeptierte sie, richtete sie zurecht, wusste, dass sie eventuell damit zu rechnen hatte, dass das alles beinahe schon ein wenig zu viel war und dann wandte sie sich zu dem murrenden, unwilligen alten Mann um, der ihr genug Kopfzerbrechen bereiten würde, wenn das alles so endete, wie sie glaubte, es im Kopf zu haben. “Die Sachen passen dir ziemlich gut!”, ließ Oyu den Schafmann wissen, bevor sie sich erlaubte, an seiner Kleidung zu zupfen und einen schlechten Knoten, den er gemacht hatte, wieder aufzulösen bevor sie ihm neues Leben einhauchen konnte. So sah es besser aus und passte wohl auch besser - sie grinste Caelan fast schon verschmitzt zu, stolz darüber, diejenige zu sein auf die er sich verlassen musste und nicht andersrum. Was würde er nur ohne sie tun? Verzweifeln, so schien es doch. “Ich glaube, das passt ganz gut.” Sie stemmte ihre Hände in die Hüfte.

      Muhan, wir sind bereit!”, ließ das junge Mädchen noch verlauten - sie wusste ganz genau, was es war, das ihnen dort draußen blühte. Der ältere Wolf im Bunde schien die Worte der Kleinen wohl ernst zu nehmen, denn schon bald öffnete sich die Zellentür und Oyu - die ihr bestes gab - versuchte zumindest, sowohl sich als auch Caelan heraus zuschieben. “Shuren weiß hiervon, ihr müsst euch also nicht bedeckt halten.”, erklärte der Goliath, der selbst größer als Caelan zu sein schien. Oyu glaubte oft, wenn sie selbst auch eines Tages so groß werden würde, dann stünde auch eine Armee keine Chance gegen sie und sie würde es wohl auch schaffen, ihren Vater zu rächen - aber wollte sie das denn? “Du hast es ihm erzählt?” Angesäuert teilte sie Caelan die Neuigkeiten mit, aber das bestärkte sie nur in ihrer Aufgabe, das Schaf dorthin zu bringen, wohin er wollte - außerhalb dieses Kerkers. “Ja, er lässt uns sogar einen Schlitten ausborgen. Das sollte einfacher für uns alle sein.”, erwiderte Muhan mit einem Lachen - er schien durchaus überzeugt von Shurens Fähigkeiten zu sein, egal wie man es sah oder nahm. “Und jetzt?” “Man hat uns Proviant und ein Fortbewegungsmittel geschenkt, ihr solltet euch darüber freuen. Darüber hinaus sollten wir aufbrechen, der Weg dauert lange und je mehr Zeit wir verschwenden, desto länger werden wir brauchen bis wir irgendeinen Ort erreichen. Also, auf auf.” Muhan wandte sich, vorfreudig wie eh und je, zum Gehen um und Oyu nutzte die Chance, um Caelan einen Blick in ihre Lage zu geben. “Wir bekommen einen Schlitten! Du weißt vermutlich gar nicht, wie aufregend das ist, oder? Naja, und er meinte wir sollen Shuren dankbar sein.”
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    • Sich von einem kleinen Mädchen anziehen zu lassen war nichts das er wollte, aber er ließ es geschehen. Er brummte erneut unzufrieden. Er glaubte nicht, dass die Sachen gut passten oder ihm standen, aber solange sie ihn warm hielten, war er vorerst zufrieden. Er musste keinen Schönheitswettbewerb gewinnen und hoffentlich musste er auch nicht kämpfen. Er hatte genug davon, sie hätten genug zu tun erreichten sie erst einmal die Grenze von Adrestia. Er wusste nicht was Oyu zu dem Wolf sagte, aber es war wohl etwas wie 'wir können los', denn Muhan öffnete die Zellentür. Oyu brauchte Caelan wirklich nicht nach draußen schieben, er sprang dem Wolf nur lieber nicht entgegen, er wollte schließlich nicht den falschen Eindruck erwecken. Er wusste wie man sich zu benehmen hatte und irgendwie war er immer noch ein Gefangener. Er war froh, dass der Wolf ihm vertraute und das musste auch so bleiben, wenn er Rain irgendwie wieder finden wollte. Oyu war ein bisschen aufgebracht und Caelan wusste kurz darauf auch wieso. Shuren hatte also eingelenkt? Dieser Wolf schien mehr Einfluss zu haben als gedacht.

      Der Wolf schien ziemlich fröhlich, vielleicht weil er sich Hoffnungen machte den Prinzen wiederzufinden und Caelan teilte ihm lieber nicht mit, wie schlecht es ihm ergangen war und dass er kaum noch gehen konnte, als er ihn aus dem Kerker gezerrt hatte. Dahingegen wurde Caelan regelrecht wie ein König behandelt seit er hier war, den kleinen Zwischenfall ausgenommen an dem er selbst wohl auch Schuld trug. "Dankbar? Mh... wenn sich das hier als schlechter Scherz herraustellt, dann drehe ich ihm den Hals um...", grummelte Caelan und folgte Muhan die Treppe hinauf. "Ich schätze er ist ein bisschen größer, als das was ich unter einem Schlitten verstehe... so oder so, je schneller wir reisen desto besser." Er hätte gerne sein Schwert zurückgehabt, auch wenn Muhan es lieber selbst herumschleppte. Er wäre ohnehin besser dran, würde er Caelan irgendwann eine Waffe geben, zumindest wenn sie die sicheren Ländereien der Wölfe hinter sich gelassen hatten, er fragte aber lieber nicht nach, er wollte nur endlich hier fort. "Wieso ist der so fröhlich?", wollte er außerdem wissen.
    • Sie tapste den beiden Männern hinterher - an Caelan klebte sie sich beinahe, aber den gesunden Abstand zu Muhan schienen sie wohl beide penetrant zu suchen. War es denn richtig? Oyu wusste es nicht, aber sie wusste vieles nicht so wirklich oder konnte sich mit diversen Gedanken einfach nicht so gänzlich anfreunden. Genau genommen sei es gut, so glaubte sie, wenn sie sich einfach darauf einließe, Vorsicht war nun einmal dennoch besser als Nachsicht. “Den Hals? Dabei will ich zusehen!”, stellte sie viel zu schnell fest - der alte Mann würde es ihr wohl keineswegs erlauben und doch wollte sie nicht von ihm bevormundet werden, sondern zog es vor, wenn er wenigstens ein wenig ehrlich mit ihr war und sie die Brutalitäten zu denen er und die Welt selbst fähig waren, sehen ließ. Oyu kicherte, nein, viel eher lachte sie sich ins Fäustchen. “Den Schlitten wirst du lieben! Ich meine, ich denke, wir könnten auch Pferde nehmen, aber ich schätze, der Schlitten ist die bessere Variante um uns im Auge zu behalten.” Wenn sie versuchten, abzuhauen, würde man sie erst recht finden, was wohl eher weniger der Fall sein würde, aber Schuren schien es nicht sonderlich zu gefallen, keine Kontrolle über gewisse Situationen zu haben. Na gut.

      “Muhan? Caelan will wissen, wieso du so fröhlich bist.”, erkundigte sie sich wohlwollend bei ihrem Reiseführer - Muhan summte vor Vorfreude beinahe und führte sie aus dem eisigen Schloss heraus, in die unendlich weite Expanse der Siedlung, oder eher der entstehenden Stadt, die sich um das eisige Gebäude zu erheben schien. Seine Schritte waren schneller als die Oyus und der einzige Vorteil, den sie außerhalb des gedämmten Kellers hatte, war Caelan gegenüber - er schien seine Augen schon wieder zuzukneifen, weswegen sie nach seiner Hand schnappte und ihr bestes gab, einen Schritt voraus zu machen. “Ich bin einfach fröhlich! Und, naja, ich habe einen Kuss von Shuren bekommen, das stimmt mich auch freudig. Wir sollten bald da sein.” Der Himmel war noch immer wolkenverhangen wie Tage zuvor und doch war es hell, beinahe schon viel zu hell für sie, als sie durch die breiten Gassen und Straßen tapste. “Er und das Ekelpaket haben sich geküsst, deswegen, denke ich.”, stellte sie für Caelan klar. “Er meint außerdem, wir sollten bald da sein. Willst du ihn noch irgendetwas fragen?” Ein Bad oder derartiges hätte Oyu zwar auch willkommen geheißen aber es schien doch so, als würden sie beide keine derartige Genugtuung bekommen.
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    • Oyu blieb nah bei Caelan, dabei war er es vor dem sie eher Angst haben sollte, aber damit war es wohl schon lange endgültig vorbei. Muhan schien auch keinerlei Sorgen zu haben, das war fast schon kränkend, auch wenn Caelan nicht vorhatte zu fliehen oder irgendjemanden zu verletzen. Es schien als wussten die Beiden absolut nichts vom Krieg, ebenso wie er Anführer, der nur hier draußen saß und abwartete. Als sie die Dunkelheit des Kerkers hinter sich ließen und das grelle schneebedeckte Dorf betraten, das Caelan nun zum ersten Mal sah, musste er blinzeln. Ihm wurde beinahe übel, dabei schien die Sonne gar nicht, was wohl seine einzige Rettung war. Er konnte versuchen es auf den drastischen Lichtwechsel zu schieben und darauf, dass sich seine Augen erst an die Helligkeit gewöhnen musste, aber er konnte nicht abstreiten, dass mit seinen Augen etwas nicht stimmte. Die Explosion musste ihn stärker erwischt haben als er dachte, aber auch daran konnte er jetzt nichts ändern. Oyu schien ebenfalls zu merken, dass etwas nicht stimmte und sie nahm seine Hand um ihn hinter Muhan her zu führen.

      Caelan fühlte sich in diesem Moment sehr viel älter als er eigentlich war. Der Jüngste war er zwar auch nicht mehr, aber er war noch zu jung um gebrechlich und blind zu sein. Es frustrierte ihn, aber er hatte keine Zeit darüber nachzudenken und vielleicht wurde es mit der Zeit ja wieder besser, wenn er dieser Kälte erst einmal entkommen war. "Ekelhaft...", kommentierte Caelan Oyus Übersetzung. "Wieso hat dieser Shuren es sich anders überlegt?", wollte er weiter wissen. Dadurch, dass dieser Kerl seine Finger im Spiel hatte, traute Caelan der Situation um einiges weniger, aber er würde im Moment auch nach jedem Strohhalm greifen. "Und wie lange wird es dauern, bis wir euren König finden? Wochen? Ich habe keine Ahnung wo wir sind..." Im Westen, ja, aber wie weit? Kein Schaf war je von hier zurückgekehrt und es grenzte an ein Wunder würde Caelan es schaffen.