spellbound. (earinor & akira)

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    • Eiskalt war es hier unten schon immer gewesen, das hatte Oyu aus genug Geschichten gehört und außerdem lebte sie nicht weit von Yaoshen entfernt, aber gleichzeitig fragte sie sich, wie Caelan das hier aushielt. Der alte Kauz schlief wohl gerne in diesem weichen Bett, das sie für ihn ausgesucht hatte und Shuren hatte eine Wache vor der Tür, sowie mehrere vor den Stufen stationiert, damit er nicht davonrannte. Ihrer Meinung nach war diese Art von Vorsicht unnötig; wohin sollte er denn rennen? Hier gab es nichts, das ihm auch nur annähernd eine Hilfe war, um seinen Heimweg zu erhaschen und genau so viel hatte er selbst auch gesagt - es gab keinen Ausweg mehr, nicht aus der endlosen Schnee- und Eislandschaft in der sie sich wiederfanden. Wieso auch? Wer würde hier weg wollen, so lange im Osten der Krieg tobte und sich immer weiter durch ihre Heimat fraß? Keiner. Selbst Caelan war besser hier aufgehoben, und doch war sie es, die nicht hierbleiben wollte, obwohl sie wusste, dass Zuhause nichts und Niemand auf sie warten würde. Oyu ließ ihre Füße über den rutschigen Boden schleifen, als sie daran dachte, dass die Erwachsenen immer so elegant dabei aussahen, wenn sie sich durch die Gegend trugen - im Vergleich dazu sah sie wohl aus, wie ein kleines, tollpatschiges Entlein.

      Ihr Weg war nicht weit. Der Typ, der an Caelans Tür stand, sah sie mit starrer Miene an und schien seine Manieren abgelegt zu haben, als sie ihn still grüßte. Was für ein Saftsack. Egal. Ohne weiteres Gehabe griff sie nach der Türschnalle und ließ sich selbst in den kleinen Raum, in welchem noch immer Feuer brannte und ein schlafender Bär hauste, der sich unter seinen Decken versteckt hatte. Ein kleines Tableau mit etwas Medizin und einer Tasse Tee war alles, das sie dem Blonden brachte - sie stellte es auf seinem Nachttisch ab, bevor sie sich an die Bettkante setzte und auf den großen, unkenntlichen Haufen neben sich klopfte. "Opa, bist du noch immer am schlafen?", wollte sie von ihm wissen. Sie gähnte und ließ sich zurückfallen, nutzte Caelan als eine Art Rückenstützte und schlüpfte aus ihren Schuhen, bevor sie ihre Beine auch in das Bett zog - das war angenehmer. Ungefragt nahm sie sich ein Stück Decke, das sie zusammenrollte und als Polster nutzen wollte. "Aufstehen, oder ich schlafe hier auch gleich ein.", gähnte Oyu unzufrieden. Shuren wollte Antworten - leichter gesagt als getan, zumal ihr Gesprächspartner nicht mehr als eine Fusselraupe war, die sich gerade in seinem Kokon versteckte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Caelan ging es nur schleppend besser und langsam war er nicht sicher, ob diese verdammten Wölfe nicht dabei waren ihn zu vergiften. Seine Brust schmerzte und jedes Mal wenn er husten musste, glaubte er seine gesamte Lunge aus seinem Körper zu husten. Hatte Ronan sich jedes Mal so gefühlt wenn er ihn nach Fhaergus geschleppt hatte? Wieso dachte er ausgerechnet jetzt an ihn? Caelan biss die Zähne zusammen. Er wollte keine weitere Zeit hier verschweden, aber sein Körper wollte nicht so wie er. Als er gestern aufgestanden war um aus dem Fenster zu sehen, um vielleicht einen Ausweg zu entdecken, blendete ihn das gleißende Licht das vom weißen Schnee reflektiert wurde so dermaßen, dass ihn seitdem ein stechender Schmerz in seinen Schläfen heimsuchte. Sich einzureden, dass alles in Ordnung war führte zu nichts und doch konnte er nicht akzeptieren, dass er für den Rest seines Lebens nutzlos hier herum liegen sollte, während noch eine geringe Chance bestand, dass sein Sohn noch irgendwo lebte und seine Hilfe brauchte. Vielleicht hielten sie ihn in diesem verdammten Kerker gefangen, für den Fall, dass Caelans halbtoter Körper doch noch aus dem Meer emporstieg. All die Jahre hatte er getan was ihm aufgetragen wurde. Niemals hätte er gedacht von so vielen Seiten aus verraten zu werden. Darragh war die einzige Chance die Rain hatte. Er würde ihn doch beschützen? Was versuchte er sich hier eigentlich einzureden?

      Caelan hörte wie die Tür sich öffnete, aber er war nicht in der Stimmung sich zu rühren. Das Klappern von Geschirr brachte ihn auch nicht dazu seine Augen zu öffnen und im Endeffekt spürte er nur, wie sich die ihm bereits wohlbekannte kleine Gestalt auf sein Bett setzte. Schlafende Hunde sollte man nicht wecken und doch ließ dieses Mädchen nicht locker. Kurz darauf spürte er schon wie sie es sich bequem machte. "Opa?", knurrte er. Er hatte diesem Kind bereits einiges zu verdanken, zumindest dieses um einiges wärmere Zimmer, aber heute war er wirklich nicht in Stimmung. "Wenn du dann den Mund hältst...", seufzte er ohne sich zu bewegen. "Warum sollte ich aufstehen, wenn ich sowieso nirgends hin kann? Was willst du heute?" Er hatte ihr schon zu viel erzählt, er hätte gar nichts erst mit ihr reden sollen. Was für ein mieser Trick ein kleines Mädchen zu schicken - natürlich würde Caelan ihr nicht den Kopf abreißen.
    • Oyu hatte nicht erwartet, dass Caelan sonderlich gesprächig war - sie hatte eigentlich gar nicht geglaubt, dass er aufwachen würde. Shuren war, was seine Medizin anging, äußerst selektiv und schien nicht jedem alles verraten zu wollen - sie wirkte, auf ihre eigene Art und Weise. Dennoch schien es eher so, als hätte dieser schlafende, alte Bär es sich in seinem Bau gemütlich gemacht und wollte sich nicht wecken lassen, vor allem nicht von jemandem wie ihr, die ihm sowieso nur Dinge brachte, die sein Leiden vorerst linderten, damit er kurz darauf nach mehr verlangen würde, weil nicht alles ewig anhielt. War das Shurens Taktik? Nein, das konnte Oyu sich kaum vorstellen, und doch glaubte sie, den wunden Punkt erschnüffelt zu haben, der so glasklar vor ihren blinden Augen gelegen war, dass sie ihren eigenen Gedanken nicht vertrauen wollte, oder gar konnte. "Ja, Opa. Kranker Opa.", witzelte sie. Caelan war vermutlich gefährlich, das wusste sie, aber alte Wölfe keiften oft, ohne zu beißen, und in diesem Fall verhielt es sich genau so und kein Stück anders. Ohne zu fragen schmiegte sie sich an die Seite des Deckenhaufens und genoss die Wärme, die ein gewisser Jemand mittlerweile an die Stoffe abgegeben hatte.

      "Dann was? Haust du mich?", beendete sie den Satz. Oyu rollte mit den Augen, bevor sie erneut provokant gähnte. "Das traust du dich sowieso nicht.", reizte sie Caelan, als würde sie es gerade heute darauf anlegen, sich mit diesem alten Sturschädel zu streiten. Nie hatte sie falsch gelegen, als sie aus dem Stegreif heraus versucht hatte, zu attestieren, dass Caelan ihrem Vater durchaus glich - das hier war jedoch durchgehend anders, zumal Blut noch immer dicker war, als es Wasser je sein würde. "Willst du den Tag nicht sehen? Oder willst du lieber in deiner Höhle herummüffeln, bis dich die Verwesung einholt? Ich kann die Vorhänge auch zuziehen, wenn es dir noch immer zu hell ist." Gerade fühlte sie sich aber nicht danach und steckte lieber einen kalten Arm unter die Decke, um sich noch etwas anzuwärmen. Wenn sie dafür bezahlt bekäme, den ganzen Tag in einem Bett herumzuliegen und zu schlafen, dann würde sie auch weniger Probleme damit haben, als Caelan es zu tun schien. Wieso verhielt er sich eigentlich wie ein Einsiedlerkrebs, dem man die Schale geklaut hatte? "Shuren meinte, ich soll nach dir sehen und dich fragen, wie es dir geht. Und ich wollte dir Tee und Medizin bringen, weil es dir bestimmt noch immer beschissen geht.", murmelte sie. "Hast du in deiner Höhle noch Platz? Mir ist kalt."
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    • "Würde die Medizin helfen, wäre ich nicht mehr krank.", grummelte Caelan und hustete in seine Decke. Wieso war dieses verdammte Land so kalt? Wieso lebte er überhaupt noch? Er sehnte sich nach Ina, aber sie würde ihm den Kopf waschen, wenn er zu ihr kam und ihren Sohn im Stich ließ. Viel zu oft hatte er das schon getan aber am Ende brachte er ihm doch nur nichts anderes als Leid. Er hatte ihn in große Gefahr gebracht und diesen Wolf konnte er nun auch nicht mehr zurück in seine Heimat werfen. Er hätte ihn nie aus diesem Kerker holen sollen und doch hätte er ihn auch nicht zurück lassen können. Er wurde weich auf seine alten Tage und gegenüber dieser Wölfe die ihm alles genommen hatten. Es schien als vergaß er das und das tat er auch, denn im Moment galten seine Sorgen der einzigen Person die ihm noch blieb - vielleicht. "Leg dich einfach hin und schlaf, dann muss ich mich nicht mit dir unterhalten.", führte er aus was er eigentlich gemeint hatte. Oyu machte es sich tatsächlich bequem.

      "Es ist nicht zu hell...", log Caelan. Sie beide wussten das etwas mit seinen Augen nicht stimmte, aber er konnte sich nicht um solche Trivialitäten kümmern. Es spielte keine Rolle ob er blind war, oder einen Arm verlor, hierbleiben konnte er nicht mehr länger. Er riss seine Augen erst auf, als er kleine, zarte und überaus kalte Finger unter seiner Decke spürte. "Seine Medizin hilft nicht.", knurrte Caelan frustriert, denn mehr als das war er nicht. Oyu konnte gar nichts für seine Situation, oder seine Krankheit. Caelan konnte noch nie damit umgehen krank zu sein und dennoch fühlte er sich nicht dazu aufgelegt einer Göre alles zu geben wonach sie fragte. "Oyu. Ich bin nicht dein Vater. Ich habe schon einen Sohn.", antwortete er ihr womöglich ein wenig zu schroff, aber dieses Mädchen ließ sich ohnehin nie aus der Ruhe bringen, egal was ein großer böser Bär zu ihr sagte.
    • "Hast du dir überlegt, dass es nicht an der Medizin sondern den Temperaturen liegt?", warf sie ein. Shuren wollte sie auch nicht unbedingt verteidigen, waren seine Praktiken doch fragwürdig, und doch bezweifelte sie, dass dieser Taugenichts von Stammesführer es wirklich in seinem Sinn sah, Caelan außer Gefecht zu setzen. Wenn er das wirklich wollte, dann hätte er sich des alten Mannes schon zuvor entledigt und ihn nicht aufwendig behandelt, so wie er es jetzt gerade tat - in einer kalten Zelle zu versiffen war zwar nicht wirklich bequem, und doch glaubte Oyu, dass Caelan ein klein wenig zu harsch zu sich selbst war und alles auf die leichte Schulter nahm. "Also nerve ich? Sag das doch gleich.", prustete sie. Das hätte sie auch ohne das Zutun des alten Mannes gewusst, und doch kuschelte sie sich an seine Deckenburg, als hätte er ihr gerade erlaubt, sich einfach in seiner Nähe aufzuhalten, insofern sie ihre Klappe hielt und ihn einfach nicht ausquetschte, als wäre er eine Frucht auf Shurens Frühstücksteller. Konnte sie denn überhaupt etwas für ihn tun, außer ihm gut zuzureden? Nein, sie tat gerade ihr bestes, das offensichtlich alles war, nur nicht gut genug.

      "Lügner.", beschuldigte Oyu den alten Mann. Stur, mehr war er nicht, und doch hopste sie auf und ging zu den schweren Vorhängen, die sie zu zog, bis der letzte Tropfen Licht aus dem Zimmer entfleucht war. Mit kurzen Tapsern näherte sie sich wieder dem Bett und zog auch jene Vorhänge zu, bevor sie es sich wieder erlaubte, Caelan Gesellschaft zu leisten und ihre kalten Füße unter seine Decke zu stecken, damit sie ihr nicht abfielen. Ob ihn das stören würde? Vermutlich. Ob sie das interessierte? Nein, ganz und gar nicht. "Du solltest dir selbst etwas mehr Zeit geben. Sie kann nicht funktionieren, wenn du dich nur darüber aufregst, dass sie es nicht tut. Und außerdem hilft es auch nichts, wenn du dich unter deiner Decke verschanzt." Wieso gab sie Caelan solche Erklärungen? Umgekehrt sollte es sein, und doch war ihr das wiederum herzlich egal - sie war erwachsen, und doch kindlich für ihr Alter, gähnte und rollte sich wie eine Katze in Caelans Nähe zusammen, nachdem er sie dazu eingeladen hatte, sich auch hinzulegen - nicht? Oder hieß das eher, sie solle Leine ziehen? Was auch immer die Kernaussage war, die sie vermutlich nicht verstanden hatte, war gerade jetzt nicht wichtig. "Na und? Ich habe dich gefragt, ob du noch Platz hast, oder mir eine Decke geben willst. Dass ich nicht deine Tochter bin, und du nicht mein Vater, ist mir schon klar - aber vielleicht bist du einfach nur einsam und gestehst es dir nicht ein.", warf sie Caelan vor. Was er darüber dachte war schlicht und ergreifend nicht wichtig, hatte er es doch verdient, die Meinung gegeigt zu bekommen.
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    • "Wenn es an den Temperaturen liegt, wieso sollte ich dann aufstehen? Wenn dein König oder was auch immer er ist will, dass es mir besser geht, dann sollte er mich vielleicht zurück nach Adrestia schicken.", knurte Caelan wohlwissend, dass das niemals passieren würde. Stattdessen musste ein kleines Mädchen ein wärmeres Zimmer für ihn organisieren und ihm Medizin und warme Suppe einflößen. Sie hatte absolut nichts mit Caelans Sohn gemein und doch erinnerte sie den alten Mann daran, dass er seine Zeit mit einem dummen Krieg verschwendet hatte, statt sie mit seinem Sohn zu verbringen, weil er sich von seinem Vater Angst machen ließ, weil Ina so viel Leid erfahren musste und er nicht wollte, dass sie daran zerbrach, wenn noch eines ihrer Kinder starb. Wäre Caelan daran beteiligt gewesen, wäre es seine Schuld gewesen, Ina wäre gestorben, früher als ohnehin schon und selbst das war zu früh gewesen. Wenn man die Toten nach einem Rat fragen könnte, er würde es tun. Nein das stimmte nicht, er wusste nicht einmal was er fragen sollte, seine Frau hatte trotzdem immer gewusst was sie sagen musste. "Du nervst. Wenn ich mich erholen soll, dann muss ich schlafen, nicht? Dann weck mich nicht ständig auf. Wenn du eine Nachricht von deinem König für mich hast, dann rück doch einfach raus mit der Sprache."

      Caelan war wütend auf die falsche Person, das wusste er. Sein Schädel dröhnte und er war nicht sicher, ob er sich jemals wieder erholen würde. Es war unvorstellbar wie er sich immer noch an das Leben auf dieser schrecklichen Welt klammerte, aber es war so und diese Wölfe würden ihn nicht sterben lassen, selbst wenn er es versuchen würde. Statt beleidigt zu sein stand Oyu nur auf und schloss die Vorhänge die Caelan zuvor selbst aufgezogen hatte, damit er nach draußen sehen konnte. Nichts hatte er erkennen können und beinahe hätte er sich übergeben, nur weil es so hell war. "Nein? Tut es nicht? Was soll ich denn bitte sonst tun?", bellte er das Mädchen an. Wie kam er dazu sich von einem Kind Vorträge anhören zu müssen? Er schlug die Decken zurück und setzte sich an die Bettkante um nach der bescheuerten Medizin zu griefen und sie hinunter zu würgen. "Ich bin nicht einsam.", seufzte er tief und rieb sich den Nasenrücken. Das war höchstens dieses Mädchen, aber er war nicht ihr Vater und er würde sich nicht so verhalten. "Was will dieser Shuren von mir? Sag schon. Bring ihn her und sag ihm ich bin bereit ihm zu geben was er will, wenn er mir dafür eine Gegenleistung erbringt." Seinen Sohn aus dem Spiel zu lassen und so zu tun als gäbe es nichts, das ihn zur Kooperation bewegen konnte nützte nichts, wenn ebenjener Sohn so oder so in großer Gefahr schwebte.
    • "Wenn du so anfängst, dann kommst du nie nach Adrestia zurück! Du bist viel zu schwach ... außerdem hilft es, wenn du deinen Arsch endlich aus deinem Bett schwingst und dich einfach entspannst!", warf Oyu dem wütenden Beeren vor. Was sollte sie zu Caelans Verhalten denn noch sagen? Er war ein absoluter Idiot, der sich aufführte wie ein kleines Kind, dem nicht gegönnt wurde, wonach er verlangte. Zugegeben, er war ein kranker, alter Mann mit anderen Weltansichten, aber das hieß noch lange nicht, dass er dazu imstande war, auch nur die geringste Forderung zu stellen. Oyu gähnte und sah ihm dabei zu, wie er weiterhin vor sich hin grummelte. "Und was ist, wenn ich keine habe und einfach nur bei dir sein will?" Dass Caelan einen Sohn hatte war ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, auch schon wieder egal - ein Kind mehr konnte er sicherlich vertragen, wenn er über das Erste kaum reden wollte. Ob er da draußen kämpfte und seinen Vater suchte? Oder war er bereits tot? Sie konnte sich schlecht denken, was es war, und doch wirkte er eher so, als wolle er zurück nach Hause, zu der einzigen Familie die ihm blieb. Sie rümpfte die Nase. Unfair war es doch, wenn man bedachte, dass sie Niemanden hatte, zu dem sie nach Hause zurück kommen konnte.

      "Keine Ahnung. Dich nicht wie eine Leiche verhalten?", seufzte sie im Gegenzug, wurde aber beinahe aus dem Bett geworfen, als Caelan sich endlich aus seinem Kokon befreite. Gerade so konnte sie sich noch an den Bettlaken festklammern, aber der stürmische, alte Bär hatte bereits andere Vorstellungen und fraß das, was ihm vorgesetzt wurde, ohne Widerworte. Was er sonst tun sollte, das wusste sie wirklich nicht, und unfreundlich wollte sie dabei im besten Willen nicht wirken, aber dennoch ... "Wenn du dich nur wie ein alter Grantscherben verhältst, dann wirst du davon weder gesünder noch glücklicher.", gestand Oyu dem Schaf, das nicht nur ihr Nerven abverlangte. Zermürbt ließ sie sich wieder nach hinten fallen und kuschelte sich leicht in eine aufgeheizte Decke - sie war alles, nur nicht Caelans Dienstmagd, und auch, wenn sie normalerweise nicht so war, würde sie nicht wollen, dass er einfach so mit irgendwem umsprang. In welcher Welt war das in Ordnung? "Du bist einsam, das sehe ich auch so. Aber es geht mich nichts an.", nuschelte sie und starrte auf die alte, karge Figur, die leicht fröstelte ... oder bildete sich das ein? "Was willst du als Gegenleistung? Und keine Ahnung. Außerdem kannst du mich nett darum bitten, ich bin nicht dein Diener. Redest du mit jedem so, der dir über den Weg läuft?"
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    • "Entspannen soll ich mich?!", knurrte Caelan. "Wie soll ich das tun an einem feindlichen Ort, bevölkert von den Biestern die ich geschworen habe auszulöschen, während jede Minute die verstreicht verschwendete Zeit ist? Zeit, die ich aufbringen sollte um meinen Sohn zu finden.", erklärte er dem dummen Mädchen. Sie war vielleicht ein Kind, aber so jung nun auch wieder nicht. Sie war alt genug um das alles hier zu verstehen, um zu verstehen, dass ein verdammter Krieg tobte und dass Caelan hier nicht auf Urlaub war. "Wenn du keine Nachricht hast, dann hau wieder ab. Ich habe kein Interesse an einer Freundschaft mit einem Wolf und du tätest besser daran dir nicht jemanden als Freund auszusuchen, dem dein Vater höchstwahrscheinlich selbst vor die Klinge gelaufen ist." War Caelan nicht Schuld an seinem Tod? Wenn nicht aktiv, dann zumindest passiv und er hatte deswegen kein schlechtes Gewissen. Es gab Dinge die er bereute, aber einem ausgewachsenem Wolf den Kopf abzuschlgen zählte nicht dazu, egal ob er eine Tochter hatte oder nicht und egal ob er gute Absichten hatte und als Heiler über das Schlachtfeld lief. Vielleicht hatte er das seiner Tochter auch nur so erzählt, um mehr wie ein Held für sie zu wirken.

      "Nun sitze ich und wenn ich aufstehe, was dann? Dann kan ich mich in meinem zwei Quadratmeter großem Zimmer im Kreis drehen und mir den Hintern abfrieren?", fragte er Oyu. Wie naiv und vollkommen kurzsichtig dieses Kind war war kaum zu glauben. Rain war schon intelligenter gewesen da war er noch ein Kleinkind gewesen. Caelan brauchte kein Ersatzkind und wenn ihr König dachte, er konnte ihn damit quälen eine nervige Göre auf ihn zu hetzen, dann hatte er leider recht. "Das stimmt. Es geht dich nichts an.", fuhr er sie an, während sie es sich in seinem Bett bequem machte als gehöre ihr die Welt. War es nicht immer so? Wölfe nahmen sich einfach was sie wollten, aber wenn Adrestia dasselbe tat, dann heulten sie rum und zogen den Schwanz ein, weil sie allesamt nur wilde Tiere waren und der militärischen Gewalt einer Nation nichts entgegenzusetzen hatten. Caelan hatte seit geraumer Zeit genug von diesem Krieg, aber jede Minute mit dieser Göre motivierte ihn auf ein Neues, hier alles auseinander zu nehmen. "Und ich bin weder dein Vater, noch deine Amme, noch bin ich dein Spielzeug, dass du aus einer Kiste rauskramen kannst, nur weil dir langweilig ist. Und ja, ich rede mit jedem verdammten Wolf so. Ich erzähle Shuren alles was er wissen will, wenn er mich im Gegenzug zurück nach Adrestia lässt, damit ich erledigen kann, was ich erledigen muss. Von mir aus komme ich danach hierher zurück und er kann mich als Haustier halten."
    • Oyu zuckte zusammen, als der Wortschwall von Caelans Mund an ihre Ohren drang. "Biester also? Dafür, dass du gerettet wurdest und wir dir kein Haar gekrümmt haben?", murrte sie. Hinterfotzig, mehr war dieser alte Grantscherben nicht. Wenn er nach Adrestia ging und sich wieder erholte, dann würde er vermutlich wieder damit anfangen, sie alle zu zerlegen, Schritt für Schritt, bis auch der letzte Wolf eine aufgebarte Leiche war, die nicht verbrannt werden konnte. Adrestianer waren herzlose Barbaren und Oyu drehte es denn Magen um, wenn sie nun wirklich daran dachte, dass sie geglaubt hatte, Caelan auch nur irgendwie zu verstehen - das tat sie nicht, und das würde sie nie tun. "Ich kann mir aussuchen, mit wem ich befreundet sein will. Du überspannst den Bogen.", knurrte sie unzufrieden. Eigentlich wollte sie nicht mehr, als nach Caelan zu sehen, aber jetzt hatte sie den Salat: Dieser alte Schlaumeier wollte es wohl darauf anlegen, dass sie ihn in Ruhe ließ, und dabei wollte er keinerlei Beleidigung auslassen, die ihm einfiel. Hungrige Biester, die sich um die ach so armen Schafe, die mit diesem ganzen Mist angefangen hatten, scharten - mehr waren sie in den verblendeten Augen dieses alten Kauzes nicht.

      "Du könntest dich zumindest aufsetzen und versuchen, so zu tun, als ob du noch leben würdest! Und froh darüber sein, dass du es noch tust!" Nicht einmal dazu schien Caelan imstande zu sein und Oyu war diejenige, die nicht wusste, ob sie ihn noch mehr verärgern sollte, als ihre bloße Präsenz es ohnehin tat. Wölfe waren Tiere, zumindest in den Augen dieses Laien, und wenn er auf eine derartige Art und Weise mit ihr umgehen wollte, dann sollte er sich lieber jemand anderen suchen, der ihm derartige Privilegien schenkte. "Kein Wunder. Wenn du mit jedem so redest, wenn er dir nur helfen will, dann stirbst du irgendwann wirklich, einsam, unerfüllt und allein.", widersprach sie Caelan. Schlussendlich stand Oyu auf, wusste, dass sie nicht länger dort willkommen war, wo sie willkommen sein wollte - sie hatte den Bogen überspannt und Caelan zu viel angemaßt, gedacht, er wäre vielleicht jemand, der sie irgendwie verstand, aber das tat er nicht. Stur und alt, mehr war er nicht - mehr würde er nie sein, denn derartige Dinge änderten sich nicht. "Du redest gar nicht mit Wölfen, dich interessiert es nicht einmal wie wir wirklich heißen. Für dich sind wir nur Probleme - Bestien wie du so schön gesagt hast - die du abschlachtest, weil du glaubst, dass du im Recht bist. Wie stur kann man eigentlich sein? Wie viele Vorurteile kannst du haben? Alle steckst du in einen Sack, als ob ich etwas für die Dinge kann, die jede Person meines Volkes dir angeblich angetan hat. Aber das ist egal, das geht mich nichts an, weißt du?" Oyu stockte der Atem und die Tränen, die sich vor lauter Wut in ihre Augen fraßen, kullerten bald schon über ihre Wangen - sonderlich standhaft war sie nicht. "Ich sage Shuren, dass du gehen willst.", murrte sie, bevor sie sich zur Tür umwandte. "Ich weiß nicht, was dein Sohn von dir hält, aber wenn ich er wäre, dann wäre ich enttäuscht von dir."
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    • Gerettet? Gerettet. Eingesperrt hatten sie ihn. Caelan wollte nicht behaupten, dass er einen Wolf in derselben Situation besser behandelt hätte, aber dankbar war er deswegen trotzdem nicht. Er war diesen Wölfen nichts schuldig, sie waren es gewesen die einfach in ihr Land eingefallen waren und die eine Adelige und ihren Sohn getötet hatten. Warum? Weil sie brutale Bestien waren, mehr nicht. Man erntete was man säte. Mittlerweile sollte der Krieg gezeigt haben wer hier im Norden des Kontintents das Sagen hatte und Caelan wäre bereit gewesen aufzuhören, er war es immer noch, denn wie sich herraustellte hatte er in seiner Heimat mindestens genausoviele Feinde. Er konnte dem Mädchen ansehen, dass ihre sonst so fröhliche Schale geknackt war und dass er erreicht hatte, was er erreichen wollte. Es bedufte keiner weiteren Worte, er musste ihr nicht sagen, dass sie es war die den Bogen seit ihrer ersten Begegnung überspannte und sich naiverweise auf ein Schaf einließ, dass nicht mehr als ihr Feind war. Was hatte sie erwartet? Dass Caelan ab jetzt hier lebte? Sich wie ein Haustier von Shuren behandeln ließ? Mit dem sie Spielen konnte, wann immer es ihr passte, als gehöre dieses Zimmer und Caelan selbst ihr? Sie war es die den Bogen sowohl mit Caelan, als auch mit Shuren überspannte und das ständig.

      Caelan war nicht froh darüber, dass er lebte. Wenn es nicht diese winzige Chance gäbe, dass Rain noch lebte und seine Hilfe brauchte, dann hätte er bereits aufgegeben zu kämpfen. Vielleicht wäre er mit Fanfaren abgetreten, hätte sich mit einem Holzscheit bewaffnet um so viele Wölfe wie möglich mit in den Tod zu reißen. Es war genug, er hatte genug. Jeder um ihn herum starb viel zu jung. Ronan. Ina. Womöglich Rain. Sein Vater, seine Mutter, sein Onkel... sie waren auch tot und die Meisten seiner Soldaten ebenso. Was blieb ihm noch in dieser verdammten Welt in der erst die Wölfe ihm alles genommen hatten und dann die Schafe? Sein Land konnte ihm egaler nicht sein, er musste kein Fürst sein, kein Adeliger, alles was er je wollte war eine Familie und Sicherheit. Das wurde ihm entrissen, von einem Tag auf den Anderen und nun geschah dasselbe wie schon vor über dreißig Jahren. Was sollte er tun? Einen Krieg auch gegen Adrestia anfangen? Weil sie ihm seinen Sohn genommen hatten? Nein, er war zu alt dafür. Sicherzustellen was mit Rain passiert war, war das Einzige das er noch tun musste. Egal ob er ihn hasste, egal ob er enttäuscht von ihm war, es spielte keine Rolle, was Rain von Caelan dachte, solange er in Sicherheit war. Er schenkte den Worten eines naiven Mädchens, das weder ihn, noch seinen Sohn kannte und nur verletzt war, weil genau das seine Absicht gewesen war, keine weitere Beachtung. Er maß ihren Worten keinerlei Bedeutung zu. Er hatte gesagt was er wollte und er hatte dafür gesorgt, dass ihm nicht noch jemand zu nahe kam. Er war es leid Menschen sterben zu sehen und genaugenommen war er es auch leid, überhaupt jemanden in seiner Nähe zu haben, egal ob Freund oder Feind.
    • Oyu hatte die Schnauze voll von Caelan und von noch so viel mehr - nie konnte sie jemandem vertrauen, und keiner wollte sich ihrer annehmen. Vermutlich hatte Caelan dann doch nicht Unrecht: Wölfe waren dumme Bestien, die nur das taten, was ihnen am besten gefiel und die es nicht lassen konnten, zu jammern, weil etwas nicht in der Hinsicht funktionierte, wie sie es sich vorstellen. Caelan war dumm, aber so war es Shuren - alle Erwachsenen, denen sie über den Weg lief, waren Idioten und sie wollte nicht mehr, als sich das für ein und alle Mal hinter die Ohren zu schreiben. Weder Vater noch Mutter zu haben war ein Schicksalsschlag für sich, und doch nichts, das sie noch aus der Bahn werfen sollte - wieso weinte sie dann? Alt genug war sie, um sich wie ein Erwachsener zu benehmen, sich so zu fühlen und Entscheidungen zu treffen, die ihr keiner abnahm. Zuhause hatte sie ihr eigenes, kleines und beschissenes Zelt und sonst nichts. Dort brauchte man sie nicht und sie musste für sich selbst aufkommen, aber hier war alles anders. Hier brauchte man sie offensichtlich, so lange Caelan jemanden brauchte, der die thrianische Sprache und die adrestianische Sprache für ihn übersetzte, und doch wusste sie, dass auch er sie nicht wirklich brauchte - sie war nur ein Stück Ballast, das von einem Eck in ein anderes geschoben wurde.

      Die Tränen, die über ihre Wangen kullerten, musste sie selbst trocknen - es gab Niemanden, der sie in die Arme nahm und ihr sagen würde, das alles wieder gut werden würde, weil sie alle selbstsüchtig und viel zu früh erwachsen waren. Oyu wollte nicht wohl wirklich nicht mehr, als jemanden zu haben, der sich um sie sorgte, der sich - wenn auch nur kurz - für sie interessierte und der sie nicht einfach wieder wegwarf, wenn ihre bloße Existenz einfach wieder zu viel war. Hatte sie sich falsch verhalten? Vermutlich, aber trotzdem wollte sie sich all das nicht gefallen lassen! Ohne großartig darüber nachzudenken stapfte sie mit geballten Fäusten und verweinten Augen in Richtung Shurens Thronzimmer, wo dieser komische Vogel saß und irgendwelche Berichte durchging - es stank nach Rauch und getrockneten Früchten, nach Räucherstäbchen und nach irgendwelchen Kräutern. "Er will gehen.", warf sie Shuren vor die Füße, der aufsah, als hätte er gerade besseres zu tun, als einer kleinen Motte zu lauschen, die viel zu nah an den Kerzenschein heranflog. "Was soll das heißen?", schnalzte er und bat sie näher an sich heran. Oyu wollte nicht, und doch setzte sie sich auf ein Kissen vor Shuren, der aufsah und definitiv an ihrem verweinten Gesicht und der aufgezwungenen Grimasse hängen blieb. Ein Seufzen verließ seine Lippen. "Was hast du denn?", fragte Shuren, gespielt interessiert. "Gar nichts. Caelan will gehen. Er kommt zurück, damit du ihn hierbehalten kannst, aber er will gehen.", keifte sie. Shuren rollte mit den Augen und zuckte mit den Schultern. "Ich kann ihn nicht gehen lassen, und wiederkommen ... nein. Und du solltest an deinem Ton ar-" "Halt die Klappe." Jetzt war es auch schon egal. "Hast du einen schle-" "Nein. Caelan will gehen." Shuren schien sich nicht mehr für das Gespräch zu interessieren, stattdessen deutete er mit seinen Händen an, sie solle verschwinden. "Beruhig dich, dann können wir darüber reden." Grummelnd richtete Oyu sich wieder auf und knurrte davon, wie ein beleidigter Hund, der nichts ausrichten konnte, nur, um zu Caelan zurück zu stapfen. Diesmal hielt die Wache sie auf, als hätte er es sich zweimal überlegt, ob er sie wieder zu ihm reinlassen sollte. Schützend wollte er eine Hand um sie legen und sie in eine andere Richtung deuten, bevor sie ihn biss. "Ich brauche deine verdammte Hilfe nicht.", knurrte sie ihn an, bevor sie erneut Caelans Zimmer betrat. "Shuren meinte, er lässt dich nicht gehen."
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    • Caelan hasste die Wölfe. Oder vielmehr wollte er sie hassen, aber ein Mann konnte nur ein gewisses Maß an Hass in seinem Leben aufbringen und es waren zu viele Jahrzehnte vergangen. Wenn nicht das, dann sollte er wohl auf die Worte seiner Frau hören, die den Krieg nie wirklich unterstütztt hatte. Wie konnte sich eine wunderschöne, liebevolle und lebensfrohe Frau wie sie es war nur in einen alten Narren wie Caelan verlieben, der ihr nie das geben konnte, was sie wirklich und wahrhaftig wollte? Was sie wohl von ihm gehalten hätte, wenn er noch der siebzehnjährige Junge gewesen wäre, der nicht glauben konnte, dass ihm jemals etwas schlimmes in seinem Leben zustoßen würde? Sie hätte sich vermutlich nicht für ihn interessiert, weil er nur Dummheiten im Kopf hatte und viel zu selbstsicher gewesen war. Es waren nur Spekulationen, aber er wusste was sie heute von ihm halten würde. Sie wäre nicht wütend, sie war es nie und hatte ihre Stimme auch niemals erhoben. Eigentlich musste sie gar nichts sagen, er konnte sie sehen, wie sie bei der Tür stand und ihn einfach nur mit ihren hellgrünen Augen ansah und Caelan fühlte sich wie ein Hund, der nicht von seinem Herren getreten wurde, sondern nur mit Enttäuschung gestraft wurde und das war eigentlich die schlimmere Bestrafung. Trotzdem liebte sie ihn, trotzdem verstand sie und sie verzeihte ihm, immer.

      "Ich weiß...", murmelte er als stünde sie wirklich dort und das Aber brauchte er nicht erläutern, denn sie hatte recht. Sie hatte imm recht. Kurz darauf öffnete sich die Tür erneut und ließ die Illusion seiner Frau zerbersten. Oyu stand an ihrer statt wieder vor Caelan und überbrachte Shurens Nachricht wie eine kleine Brieftaube. Caelan konnte sehen, dass sie geweint hatte, den Ausdruck der Wache vor der Tür konnte er jedoch nicht erkennen. Wortlos stand er auf, warf dem Wolf einen Blick zu und griff an Oyu vorbei, um die Tür hinter ihr zu schließen und den Soldaten auszusperren. Er war um einiges Größer als das Mädchen, vor Allem jetzt, wo er sich zumindest in der Lage fühlte aufrecht zu stehen. Er blickte auf sie hinab, ehe er in die Hocke ging, um ihrer Größe eher zu gleichen und ihr in die roten Augen zu sehen. "Du hast Recht. Mein Sohn wäre enttäuscht von mir und meine Frau auch. Sie hätten einen kranken, verletzten Wolf aufgenommen, ihn in ein Zimmer, nicht eine Zelle verfrachtet und ihn nicht nur gesund gepflegt, sondern sie hätten auch versucht ihm zu zeigen, dass er nicht alleine ist.", gab er mit ruhiger Stimme zu. "Der alte Narr hätte sie gefragt, wie sie mit solch kindlicher Naivität durchs Leben gehen können, Naivität die er sich auf dem Schlachtfeld nicht erlauben konnte, weswegen er sein altes Ich tief in seinerm Inneren vergraben hat, wo er sich selbst nicht mehr finden kann und mein Sohn würde ihm sagen, dass es ihm egal ist, wer oder was er ist, weil seine Mutter ihm beigebracht hat, in den Menschen immer das Gute zu sehen, selbst in seinem dummen, kriegerischen Vater." Caelan machte eine kurze Pause, weil seine Worte vielleicht nicht nur für Oyu bestimmt waren, sondern auch für sich selbst. Kurzerhand griff er nach ihrer Hand und drückte sie. "Dein Vater hat dich gut erzogen, hörst du? Zweifle niemals daran. Und wenn ich ihn getötet habe, dann tut es mir Leid. Es tut mir Leid, dass du alleine bist Oyu."
    • Eigentlich hatte sie vorgehabt wieder zu gehen - sie wollte Caelan nur das Nötigste sagen und sich danach wieder vom Acker machen, damit eine Bestie ihn nicht weiter belasten würde. Dumm war es zu glauben, dass jemand, der in eine Richtung hohe Töne spucken konnte, nicht auch das Gleiche in die Andere tuen konnte. Als der Koloss auf sie zuwanderte, zuckte sie zusammen, weil sie glaubte, vielleicht doch eine Linie übertreten zu haben und eine gepfeffert zu bekommen, aber das blieb aus - hinter ihr knallte die Tür mit gewisser Wucht zu, und die Wache, der sie zuvor in die Hand gebissen hatte, schrie nur auf und grummelte vor sich hin, weil er erschrak. Oyu schluckte schwer und schniefte, als würde sie jeden Augenblick wieder anfangen, zu weinen - sie war zu alt, und sie wollte keinem Sorgen oder Mehraufwand bereiten, und doch schien sie entweder einen wunden Punkt in oder an Caelan erwischt zu haben, der ihn zumindest dazu anhielt, die Fehler, die er gemacht hatte, wieder auszubügeln. Dementsprechend verwirrt war sie, als er sich selbst kleinmachte und sie auf Augenhöhe ansah - er wirkte müde und seine Augen, wenn auch so fremd in Farbe, schienen sie ohnehin durchschaut zu haben.

      Sie wischte sich mit dem Handrücken nasse Kälte aus dem Gesicht, als sie zuhörte und nicht so recht wusste, wieso er sie noch nicht angefallen hatte - warum er sich schlussendlich doch mehr um sie scherte, als er zugab, aber gleichermaßen nichts von den Wölfen hielt. Wann war es jemals darauf angekommen? Oyu wusste es nicht, was sie sagen sollte - sie nickte und lauschte Caelan, der es nicht gerade viel besser machte; sie fühlte sich schlecht, weil sie ihn angegangen war und sie fühlte sich noch mieser, weil sie sich diverse Bemerkungen hätte sparen können. Ihr Mund hatte sich zu einem dünnen, bibberndem Strich zusammengezogen, damit sie nicht gleich zu schluchzen anfing und die roten Augen, die so nie wieder ihre normale Farbe bekämen, lagen bestimmt auf der gleichgroßen Figur, die all das gar nicht machen musste. Eine Hand wurde ihr genommen, mit der Anderen wischte sie sich die Tränen aus den Augen, die unerbittlich ihre durchsichtigen Linien über ihre Wangen zogen. "Es tut mir leid, dass ich das gesagt habe ...", erklärte sie Caelan zittrig, aber auch das half nichts. Bemitleidung brachte ihr wenig, auch wenn sie von Herzen kam - alleine würde sie so oder so bleiben, daran änderte auch eine Entschuldigung nichts; leider. "Es ... es ist in Ordnung. Mach dir keine Sorgen.", murmelte Oyu, weil sie nicht ehrlich sein konnte, oder wollte - sie erdrückte gerade Caelans Hand, bevor sie sich gegen ihn lehnte und anfing, zu schluchzen. "Ich frage Shuren ... nachher ... noch einmal ..." Nichts war einfach.
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    • Oyu war nicht mehr als ein Kind, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollte. Trotzdem war sie schlauer und reifer als er es war. Er war der Erwachsene und ließ seinen Frust an einem kleinen Mädchen aus, das absolut an gar nichts Schuld trug. Selbst dieser Shuren war noch nicht geboren worden als diese Fede mit den Wölfen anfing. Er hatte es weder befohlen, noch war er beteiligt, noch hatte er überhaupt davon gewusst. Der Krieg dauerte an, weil der adrestianische König Größenwahnsinnig war und Darragh die Wölfe schon immer gehasst hatte und niemals damit aufhören würde. Er hielt an, weil Väter und Söhne auf beiden Seiten gestorben waren und alte, dumme Männer wie Caelan der nächsten Generation auftrugen, sich für etwas zu rächen, das längst hätte vermieden werden können. Er würde nicht hier sitzen und keine Schuld auf sich laden, er wusste, dass er neben Darragh die größte Schuld trug, denn er war es, der König Henry damals vorgeworfen hatte, sich nicht um seinen besten Freund zu scheren. Er war es, der solange auf ihn eingeredet hatte, bis er zustimmte, dass Alster und Fhaergus Truppen entsenden durften und er war es, der dabei zugesehen hatte wie Berate aus dem Boden sproßen wie Unkraut, als Henry starb und sein Sohn übernehmen sollte. Sie hatten ihm gesagt er solle den Krieg fortführen um sich zu profilieren und es hatte Caelan genützt, also hatte er nichts dagegen unternommen. Dass Henrys Sohn war wie er war trug er auch auf seinen müden Schultern und dass sein eigener Sohn so viel besser war, war einzig und allein Ina zu verdanken.

      Caelan war kein guter Vater, nicht einmal ein guter Mensch und er konnte nicht mehr verdrängen, dass er nicht nur Oyus Familie ausgelöscht hat, sondern die tausener Menschen, von Wölfen und Schafen. Alles Geld der Welt, alle Entschuldigungen die Caelan aussprechen konnte, nichts was er tun würde, keine tausend Leben würden wieder gut machen, was er zu verantworten hatte. Jetzt da er sich bei Oyu entschuldigt hatte, musste er sich eingestehen, dass diese Entschuldigung abertausenden galt und selbst wenn es Monster unter ihnen gab, sie waren es nicht alle. Auch ihren Kronprinzen aus dem Gefängnis zu befreien machte gar nichts wieder gut. "Du hast nur die Wahrheit gesagt.", erklärte er dem Mädchen, das ihrer Tränen nicht Herr wurde und das sich kurzerhand in Caelans Arme flüchtete. Er wollte ihr das nicht nehmen und legte seine eigenen Arme um die kleine Gestalt um sie zu trösten. Nicht für sich, nicht um sich zu entschuldigen, oder gutzumachen, wo er bei seinem eigenen Sohn versagt hatte, es ging um Oyu und die Tatsache, dass er die Schwere seiner Taten nicht mehr ignorieren konnte. "Nichts ist in Ordnung und du darfst wütend auf mich sein." Das durfte sie, sie hatte jedes Recht dazu. Sie durfte weinen, schreien, nach ihm schlagen, was auch immer ihr half. Aber sie war nicht wie er, sie war vielmehr wie die Familie die Caelan nie verdient hatte. Sie würde ihn nicht schlagen, alles was sie wollte war, dass ihr jemand ihre Gefühle zugestand und das tat Caelan, aufrichtig und ehrlich. Shuren war jetzt nicht wichtig und Caelan musste auch seinen Sohn für ein paar Minuten vergessen, er würde es ihm nicht übel nehmen. "Mach dir keine Sorgen um Shuren, oder mich. Jetzt nicht."
    • An wen sollte sie sich denn auch klammern? Caelan war eine von vielen Optionen und vermutlich nicht gerade die Beste, aber wahrscheinlich derjenige, der sie am ehesten verstand - es war ironisch, wenn sie darüber nachdachte, aber gleichermaßen machte es beinahe irgendwie Sinn, wenn sie es durch den fusseligen Kopf gehen ließ. Sie beide hatten jemanden verloren, der ihnen wichtig war, und während sie kein Ersatz für einander sein konnten - das würde Niemand bewerkstelligen - so konnten sie die entstandenen Löcher zumindest irgendwie stopfen, damit ihnen der Schmerz nicht zum Hals heraushing. Oyu weinte noch immer, ruinierte damit die Kleidung des alten Mannes und fragte sich, ob ihr Vater stolz auf sie war, wenn sie sich so verhielt - stolz darauf, dass sie ihrem Schmerz endlich freien Lauf lassen konnte und nicht länger an ein Kreuz gebunden war, das sie sich selbst auferlegt hatte. Sie konnte nicht reden, nur weinen, nur schluchzen um all ihre Gefühle auszuschütten - sie war dankbar dafür, dass Caelan sie tun und lassen ließ, was sie wollte, sie festhielt und ihr zeigte, dass es vollkommen normal war, wenn es einem nicht gut ging, wenn man seiner Trauer freien Lauf ließ. Sie nuschelte, versuchte, etwas zu sagen, konnte sich aber nicht zusammenreißen und ließ sich von weggesperrten Gefühlen übermannen.

      Sie wusste nicht, wie viele Minuten sie hier standen, in einem kalten, kleinen Raum und wie lange ihre schmerzverzerrten Laute durch das Zimmer halten - sie wusste nur, dass ihre Tränen irgendwann aufhörten, zu fließen und sie nach oben sah, mit verweintem Gesicht, um einen Blick auf Caelans eigenes zu erhaschen. "Danke ...", murmelte sie und wischte ihr Gesicht mit ihrem Ärmel ab. Das hier war nichts für sie; sie wollte frei sein, wie ein Vogel, wollte zu ihrem Vater, ihren Eltern, die sich allesamt schon unfreiwillig von diesem vorwurfsvollem Leben losgesagt hatten, aber nichts davon half. Langsam löste sie sich vollends von Caelan, damit er etwas Platz für sich hatte und schniefte - sie müsste sich nachher die Nase putzen. "Tut mir leid, dass ich ... ich ... wollte dich nicht nerven. Oder dich als Ersatz verwenden. Ich ... es ist nur ... naja, ich kann dir nicht wütend sein, weißt du?" Nein - so sehr sie auch gegen Caelan gewettert hatte, so auffällig war es, dass sie kurz darauf ihre Tränen nicht mehr abwimmeln konnte und sich in die Arme von jemandem flüchtete, der sie davongescheucht hatte. Noch immer zitterte ihre Unterlippe leicht, aber sie hatte sich vorerst beruhigt. "Ich will dich nicht weiter stören, du solltest dich ausruhen."
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    • Caelan musste zugeben, dass es ihm nicht besser ging. Geöffnet hatte er sich selbst nicht, stattdessen lud er sich all den Schmerz und die Trauer auf die dieses kleine, viel zu junge Mädchen in sich trug. Sie war eine Repräsentation für alle Leben die er zerstört hatte, selbst wenn er es nicht selbst gewesen war, der die Klinge geführt hatte. Wie viele Waisen gab es in Adrestia und Thria und das nur weil er diesen Krieg angefangen hatte, den er nicht einmal mehr beenden konnte, wenn er es wollte und weil er mitschuldig war ein tyrannisches Monster entstehen zu lassen? Es war ihm immer schon klar gewesen, spätestens als er Ina kennen gelernt hatte, spätestens als sie ihm erklären musste, warum er sich leer und tot fühlte. Nicht etwa wegen Ronan, nein, nicht nur, sondern auch wegen seiner Taten die schwer auf seiner Seele lasteten, egal wie sehr er die Wölfe zu hassen glaubte. Auch adrestianische Kinder wurden in den Krieg geschickt, wie Declan, oder Grayson, oder Aramis. So viele namenlose Söhne, die niemals nachhause zurück gekehrt sind, weil sie niemanden wie Caelan hatten, neben dem sie sich Fehler erlauben konnten, die er für sie ausbügelte.

      Lag zuvor nur die Hälfte dieser Schuld auf seinen Schultern, so war es nun die Ganze, denn e konnte nicht mehr so tun, als wäre jeder Wolf nicht mehr als ihre Namensgeber. Sie waren keine Tiere, sie waren Menschen und auch wenn er das immer gewusst hatte, er konnte s nicht mehr absichtlich übersehen. Caelan war zu alt und zu erwachsen um vor einem Kind zu weinen und ihr ihren eigenen Moment zu stellen, also tat er nichts und sagte nichts, solange sie sich um sich selbst kümmerte. Es dauerte mehrere Minuten bis sie sich langsam beruhigte und von Caelan abließ. Er machte langsam ein paar Schritte zurück und setzte sich auf die Bettkante seines Bettes. Er brummte nur, was so viel bedeuten sollte wie "Du musst dich nicht bedanken." Er war müde und er hatte die Hoffnung, dass er sich besser fühlen würde, würde er einfach einschlafen. Nur weil dieses Mädchen ihm vergab hieß das nicht, dass all die anderen das taten und selbst ihre Vergebung konnte er nicht so akzeptieren, vor Allem, weil sie nicht die ganze Wahrheit kannte und ebenso zu jung war um sie zu verstehen. "Du kannst bleiben, wenn du willst. Und wenn du bereit bist zu gehen, dann kannst du Shuren sagen, dass euer Kronprinz noch lebt. Vielleicht möchte er dann persönlich mit mir sprechen. Eine Antwort akzeptiere ich nur von ihm. Du kannst ihm gerne noch ausrichten, dass du keine Brieftaube bist."
    • Sie sollte stolz darauf sein, wer sie war, nicht? Caelan war komisch, im besten Sinne des Wortes, aber er gab ihr auch eine gewisse Hoffnung, dass nicht jede Person, der sie über den Weg laufen würde, sie verteufeln würde, nur, weil sie die adrestianische Sprache ihr eigen nannte, dafür aber aussah, wie ein normaler Wolf, der durchaus nichts besonderes in seinem Leben fabriziert hatte, außer gehasst zu werden. Mit einem Mal war der Schleier gelüftet, der sich über ihre Augen gelegt hatte und sie warf einen Blick auf den alten Mann, der sich wieder auf sein Bett setzte - sie sollte damit aufhören, so war Caelan doch noch im besten Alter um ein Vater zu sein und hatte es nicht verdient, als Opa bezeichnet zu werden. Vorerst zumindest nicht. Oyu nahm sich Zeit und trocknete ihre Tränen - dann streckte sie sich und klopfte ihre Kleidung gleich. "Ich weiß, aber das hat mir gut getan. Danke.", widersprach sie, und schenkte Caelan dabei ein Lächeln. Oyu war größtenteils interessiert, andererseits aber auch Niemand, der sich - verloren wie sie war - aufdrängen wollte. Irgendwie würde sie zurechtkommen, ohne, dass sie jemanden an ihrer Seite hatte. Wie viel Einsamkeit sie akzeptieren konnte, wusste sie zwar nicht, aber ihr war klar, dass sie noch ein bisschen länger durchhalten musste.

      Die nächsten Worte waren etwas zu viel für sie. Zuerst schielte sie komisch, dann realisierte sie, dass sie sich Caelans Stimme nicht einbildete - nein, das hatte er gerade wirklich gesagt. "Ich ... kann hierbleiben? Störe ich dich nicht? Ich ... lasse dich auch schlafen und wecke dich nicht mehr auf!", teilte sie Caelan mit. Es war zu früh, um als einigermaßen gesunder Mensch in ein wohlig warmes Bett zu wandern, und es war nicht in ihrem Sinne, auf der faulen Haut zu liegen. Ob sie die Zeit nutzen konnte, um Privilegien aus Shuren herauszuquetschen? Womöglich. Gerade jetzt schuldete sie Caelan umso mehr und sie wollte ihm etwas Gutes tun, Abhilfe schaffen, wenn auch nur für einen Moment, bevor sie sich wieder selbst Flausen in den Kopf setzte. Froh, dass sie Caelan hatte, war sie dennoch. "Was sage ich ihm, wenn er mich fragt, wo unser Prinz ist? Dass er zu dir kommen soll?" Das würde er bestimmt - es waren wichtige Informationen, die ihm helfen würden - würde er Caelan dann gegen den Kronprinzen tauschen wollen? Oyu hoffte, dass dem nicht so war, aber plausibel schien es immerhin. "Und ... mhm. Sage ich ihm. Aber du verstehst ihn ohne mich doch nicht ..." Wenn sie keine Taube war, was dann? Sie war sich nicht sicher, aber sie setzte sich neben Caelan auf dessen Bettkante und griff nach einer Decke, um sie ihm überzuziehen. "Du solltest dich ausruhen. Wirklich." Ein heißes Bad täte ihm sicher auch gut.
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    • Sie einmal kurz weinen zu lassen machte gar nichts wieder gut, aber wer war er ihr zu verbieten sich zu bedanken? Er wusste nicht, ob es rechtens, oder schlau war dieses Mädchen nicht von sich fern zu halten, er wusste auch nicht, ob er egoistisch war, wenn er zuließ, dass sie bei ihm war. Hatte er Ronan nicht immer gesagt, dass es seine eigene Entscheidung sein sollte, ob er mit ihm zusammen bleiben wollte, oder nicht? Dass es nicht Ronans Entscheidung war, wenn er es doch wollte, aber Angst hatte nicht gut genug zu sein? Das traf wohl auch in dieser Situation zu. Oyu konnte selbst entscheiden, wen sie zum Freund haben wollte. Er hatte sie zuvor verletzt. Sehr sogar, das war klar und nun war das arme Mädchen vermutlich verwirrt, weil Caelan es bereute, eingelenkt hatte und ihr nun doch sagte, dass sie gar nicht so übel war und dass sie bleiben konnte, wenn sie das denn wollte und nichts besseres zu tun hatte, als ihre Zeit mit einem alten idioten zu verschwenden. Caelan blickte mit müden Augen zu dem verwirrten Mädchen auf und nickte lediglich.

      "Wenn er mehr wissen will, dann soll er mich persönlich fragen.", nickte Caelan, nur um dann leicht den Kopf zu schütteln. "Du übersetzt, aber er soll sich selbst herbeqeumen, statt dich hin und her laufen zu lassen. Ich will dem Mann in die Augen sehen, mit dem ich verhandle, egal ob ich ihn verstehe oder nicht." Auch wenn er stark wirken wollte und aus einer ebenso starken Position verhandeln wollte, so funktionierte das wohl eher weniger, wenn ein junges Mädchen sich seiner annehmen musste und ihn in eine Decke wickelte. Er nahm die Ecken trotzdem in seine Hand und hielt die Decke fest, die nun um seine Schultern lag. Selbst wenn seine Forderung erfüllt wurde, er glaubte kaum, dass er dafür gesund genug war. Ausruhen musste er sich wirklich, dabei war er nur ein paar Minuten auf den Beinen gewesen. "Vermutlich hast du recht.", murmelte er und blickte zu der Suppe, die mittlerweile eiskalt sein musste. Er rutschte trotzdem näher, nahm sie und leerte die Flüssigkeit in seinen Magen. Dann zog er seine Beine in das Bett und legte seinen Kopf auf seinen Polster. Dann hob er seinen Arm, für den Fall, dass Oyu immer noch unter die Decke wollte. "Weck mich einfach, bevor du Shuren holst. Ich will nicht, dass er mich so sieht."
    • Wie eine einfache Bandage, die man auf eine Wunde auftrug, die definitiv genäht werden musste - es hielt, und sog sich mit Blut voll, aber es half nicht wirklich. Fürs Erste hatte Oyu dennoch genug davon, sich selbst oder auch Anderen Vorwürfe über ihr eigenes Leid zu machen, und Caelan wollte sie damit auch nicht den ganzen Tag belasten, so wusste sie doch, dass seine Gedanken hauptsächlich einer anderen Hemisphäre und einem verlorenem Sohn galten, der ihn hoffentlich nicht hasste. Die kalte Suppenschale wurde geleert und die warme Decke akzeptiert, als würde sie irgendetwas daran ändern, dass sie beide sich nicht so behandeln sollten. Vater und Tochter waren sie in diesem Leben nicht, Caelan war auch kein Lückenstopfer, aber gerade wollte es wohl das Schicksal nicht anders. Hatten die Götter sie beide zusammengeführt? Oyu wusste es nicht, glaubte kaum an sie, und doch kam es ihr komisch vor. "Mhm, aber das hat Zeit.", erwiderte sie. Nicht jetzt, sie hatte diesen Narren schon genug vergrault. Zufrieden gähnte sie. Mit hastigen Bewegungen wollte sie auch schon wieder aufstehen, als man ihr anbot, zu bleiben - ohne jegliche Worte. Es zauberte ein kleines Lächeln auf ihre Lippen, bevor sie ihre Schuhe von ihren Füßen trat und sich in Caelans Höhle einlud.

      Warm war es auf alle Fälle, fast schon ungewohnt warm - sie hieß die Hitze willkommen, die ihr normalerweise nicht zuteil wurde und drehte sich etwas, damit sie in eine gemütlichere Position kam. Hatte sie sich mehr gewünscht? Nein, das war alles, was sie wollte und brauchte, für den Augenblick zumindest, und alles, wonach sie sich gesehnt hatte, weil es nicht mehr gab, das sie überhaupt haben konnte. "Danke ... und jetzt sollten wir schlafen.", erklärte sie Caelan nuschelnd. Kaum wurde sie von der Decke begraben, zog Oyu jene auch schon über ihren Kopf und machte es sich vollends bequem. Sie schloss ihre Augen, genoss die Situation in der sie sich wiederfand und begann, alsbald in eine Traumwelt abzudriften, in der vieles nicht passiert war - in der das alles hier nicht sein musste, auch, wenn sie glaubte, ein Blick auf das fremde Schafsgesicht in ihren Träumen zu erhaschen. Es war kein schlechter, viel eher war sie müde und ausgelaugt, bereit dazu, eine vergessene Vergangenheit mit offenen Armen zu akzeptieren - ob es für Caelan ähnlich war? Sie konnte nur mutmaßen, und selbst das lief in ihren verwirrenden Träumen nicht sonderlich gut - als sie die Augen wieder aufschlug, war es draußen schon dunkel, aber sie klebte noch immer an dem alten Mann, den sie eigentlich verteufeln sollte. "Psst, Caelan?", wisperte sie.
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    • Oyu hatte Recht. Schlaf war es den Caelan brauchte, aber er wusste beeits, dass er kein Auge zumachen würde. Oyu hingegen machte es sich bequem und verschwand unter der Decke bis nur noch ihre Nasenspitze herauslugte. Caelan sah sie an, auch noch als sie längst eingeschlafen war und er dachte darüber nach, dass sie so anders aussah, eindeutlich die wölfischen Gesichtszüge hatte und dennoch nur ein Mensch wie jeder andere war. Er fragte sich ob es richtig war sie in seine Nähe zu lassen, er fragte sich, wieso er seinen Sohn nie in sein Bett eingeladen hatte. Caelan war selbst nie zu seinem Vater ins Bett gekrabbelt, ihr Verhältnis war immer schon angespannt gewesen und im Endeffekt hatte er ihn scheinbar sosehr gehasst, dass er ihm seinen Titel und sein Land geraubt hatte. Ob Rain ihn auch hasste? Keine zwei Worte hatte er mit ihm gewechselt als er ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Wieso war er nicht einfach hinein gekommen, wieso hatte er sich nicht mit ihm unterhalten und wieso hatte er geglaubt er käme rechtzeitig aus Thria zurück um ihn zu beschützen?

      Es gab zu vieles in Caelans Leben das er bereute, zu viele Tote, zu viel verschwendete Zeit und zu viel Zwist. Er konnte nicht schlafen, er glaubte nicht, dass er es jemals wieder konnte, jetzt da eine Tür in seinem Inneren aufgestoßen wurde, die er nicht mehr schließen konnte. Ina war nicht hier um ihn zu trösten. Sie war nicht hier, um ihm zu sagen, dass er nicht immer alles falsch machte und sie war nicht hier um ihm zu versichern, dass es ihrem gemeinsamen Sohn gut ging, dass er sich gut entwickelte und Caelan allen Grund hatte stolz auf ihn zu sein. Wenn er die Augen schloss war es nicht nur Rain der ihn verfolgte. Es waren all die gesichtslosen Toten die er zu verschulden hatte. All die Adrestianer und all die jungen Wölfe, deren Generation nichts mit seinem Hass zu tun hatten. All die Kinder die waren wie Oyu und alleine überleben mussten, oder verhungerten, weil sie keinen mehr hatten. Seine Brust war schwer, sein Kopf dröhnte und ihm war übel, aber er ertrug es und blieb still. Oyu war es die seelenruhig schlief und erst so spät wieder aufwachte, dass es für Caelan zu dunkel wurde, um wirklich etwas in ihrem Gesicht ausmachen zu können, aber er hörte sie. "Was ist denn?"