spellbound. (earinor & akira)

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    • Rikiya war schon immer eher abweisend gewesen, wenn es um den Krieg ging. Nayantai würde nicht so weit gehen und sagen, sein Vater hätte ihn ignoriert, aber früher oder später hatte es sich allemal genau so angefühlt und immer wieder hatte er sich gefragt, was es überhaupt bringen würde, weiter darauf zu beharren, dass all das gar nicht der Wahrheit entsprach, dass dieser Krieg keinerlei Chancen hatte, gewonnen zu werden? Grundsätzlich war sein alter Herr kein Schwarzmaler, hatte stets nur gute Dinge auf seinen Lippen und doch wusste er viel zu oft und viel zu gut, wie er Dinge zu sagen hatte, wie das Gewicht der Welt auf seine Schultern zu drücken schien und viel zu selten schien er sein Leid zu teilen, viel eher schluckte er es hinunter und sah sich mit der Wahrheit konfrontiert, die wie ein eiskalter Dolch in einem geschundenen Rücken wirkte. "Aber was will er dann?", wollte der Wolf wissen, der diesen Mann nicht verstand - welchen Profit zog er daraus, ihn hierher zu bringen, obwohl Nayantai sich sicher war, dass der König ihm aufgetragen hatte, ihn für immer verschwinden zu lassen? Solle er froh darüber sein, dass man ihn am Leben ließ, dass er es schaffte, ihm doch noch eine Existenz zu geben? "Mh, mach dir keine Sorgen. Schafe und Wölfe sind wohl oder übel gleich schlimm, wir bringen euch doch auch um."

      "Ja, aber ich habe keine Ahnung was, ich habe absolut nichts verstanden", und Rain's Vater hatte ihn auch gar nicht verstanden. Egal, wie die beiden miteinander kommunizierten, sie schafften es gar nicht erst, einen endgültigen Sinn daraus zu ziehen. Egal, was passierte, sie beide hatten keinerlei Ahnung von irgendetwas. Ja, sie waren mehr oder minder kläglich daran gescheitert, sich einander vertraut zu machen, aber vielleicht sollte das auch gar nicht so sein. "Oder ... er weiß einfach nicht, wie er sich ausdrücken kann und soll? Vielleicht will er dir einfach nicht wehtun und hat Angst davor? Ich kenne ihn nicht, aber ihn in Schutz zu nehmen ist falsch von mir, tut mir leid - ich will dich nur nicht im Glauben lassen, dass man dich nicht leiden kann", erklärte sich der Wolf und sein Verhalten. Selbst, wenn Rains Vater nichts mit ihm zu tun haben wollte, dann hieß das noch lange nicht, dass Nayantai derjenige wäre, der all das auf sich sitzen ließ und seinem alten Mann nicht die Leviten las. "Ekelhaft. Thria ist nicht unbedingt schön." Heiliger Boden hin oder her, er war sowieso immer gefroren, kam ein Fleckchen Land war fruchtbar und die Wahrheit war, dass die Wölfe wohl Nomaden waren, weil sie ein einziges, karges Fleckchen Land nicht auf lange Zeit zu ernähren wusste. Die Wölfe am Eismeer hatten ihre Fische, die Wölfe an den verlorenen Grenzen des Landes den fruchtbaren Boden und diejenigen, die eher in Richtung Süden existierten, bessere Beziehungen zu denjenigen über den Grenzen hinaus - selbst die Kannibalen hatten mehr als diejenigen, die die Mitte des Landes bewohnten, so wie er. "Dann nehme ich dich mit."
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    • "Ich... weiß es nicht. Vielleicht möchte er Informationen. Aber das ist egal, du wirst hier weg sein, bevor er wieder kommt.", erklärte Rain, er wollte seinem Vater nichts unterstellen, aber ein weiterer Wolfskopf wäre wohl nichts was ihn stören würde. Er hatte ihn leben lassen, aber wenn es nur war, um irgendetwas von ihm zu erfahren, so wollte Rain nicht, dass Nayantai sein Volk verraten musste. Welch anderen Grund konnte es geben, als zu erfahren wo sich die letzten Wölfe versteckten, oder ihn zu benutzen als Druckmittel um den König der Wölfe, Nayantais Vater doch noch aus der Reserve zu locken? Rain wollte eigentlich nicht so über seinen Vater denken, aber was war er anderes als ein Soldat, ein Heerführer der schon vor Rains Geburt in Thria gekämpft hatte, schon bevor er überhaupt Rains Mutter kennen gelernt hatte, der nicht nach seinem eigenen Vater, Rains Großvater kam, der nie viel von dem Krieg gehalten hatte. Womöglich hatte er Rain sogar ausgenutzt, hatte gewusst, dass er es schaffte sich mit dem Wolf anzufreunden. Aber sollte er wirklich so über seinen Vater denken? Was wusste er aber auch schon über ihn? Die Dinge die er sah, die Dinge die sein Großvater hinter verschlossenen Türen sagte und die die Rains Mutter ihm erzählte passten alle nicht zusammen, er wusste einfach nicht wer er wirklich war.

      "Hm... ich wüsste nicht was er dich gefragt haben könnte, vielleicht wollte er nur wissen, ob du den Weg auch schaffst.", erklärte Rain mit einem leichten Schulterzucken, verwirrt darüber was er eigentlich denken sollte und was sein Vater sich gedacht hatte, als er Nayantai heir abgeliefert hatte. Er hatte Rain auch öfters kleine Geschenke aus Thria mitgebracht, aber doch keinen Menschen, Nayantai war kein Geschenk wie das Amulett, oder das Tagebuch, oder etwa doch? "Es muss dir nicht leid tun, danke. Mein Vater war immer schon wild und hat als er jünger war wohl selten getan was man ihm gesagt hatte, fast so wie du wahrscheinlich. Ich bin ganz anders, es ist schwer auf einen Nenner zu kommen, schätze ich." Nayantai brauchte sich wirklich nicht dafür zu entschuldigen Rain aufmuntern zu wollen und womöglich tat er seinem Vater selbst unrecht, ebenso wie seiner Mutter der er vorwarf ihn darüber angelogen zu haben, wer ihr Ehemann eigentlich war. Rain kuschelte sich ein wenig fester an Nayantai, vergrub sein Gesicht und wusste ohnehin nicht mehr was er denken sollte. "Du... magst deine Heimat nicht?", fragte er vorsichtig, Rain wusste nicht wie Thria aussah, aber es war immer noch der Ort an dem der Wolf aufgewachsen war. "Du kannst mir... alle möglichen Dinge zeigen...", murmelte Rain lächelnd. Pflanzen, Tiere, die Sterne... alles, ohne Fensterglas im Weg, während der Wind durch ihre Haare wehte und trotzdem hatte Rain Angst nach draußen zu gehen, fürs erste musste es genügen, dass er sich all diese Dinge vorstellte, während er sich an den Wolf schmiegte, vielleicht träumte er ja sogar von diesen Dingen.
    • "Aber wieso?", wollte Nayantai wissen, der nicht sonderlich verstehen zu schien. Nicht, weil er etwa zu gehen hatte und nicht, weil es absurd schien, das man jemanden wie ihn ausfragen würde - aber wenn sich schon der König nicht dafür interessierte, was ein Kronprinz über sein Land zu sagen hatte, wieso sollte es einen einfachen Fürsten kümmern? Waren sie nicht nur alle Instrumente des Krieges, geschundene Seelen die schon lange nicht mehr wirklich lebten? Was brachte es jemandem wie Rains Vater, mehr über ihn oder den Rest seines Volkes zu wissen, wenn er sie so abgrundtief hasste? "Wenn er schon irgendetwas wissen will, dann kann ich ihm das auch sagen, ich glaube nicht, dass ich ohne ihn überhaupt leben würde", murrte der Wolf. Tatsächlich verdankte er seine klägliche Existenz den Schafen, aber auch ein Mörder unter ihnen schien noch seinen Eigennutz aus all diesen Dingen ziehen zu wollen, schien zu glauben, dass er doch noch irgendwelche Informationen aus jemandem gewinnen konnte, weil er ihn vor dem sicheren Untergang rettete. Hatte Rain's Vater all das wirklich getan, nur, weil er ihm ein paar Fragen stellen wollte? War das wirklich alles? Irgendwie kam ihm all das nicht nur suspekt vor, sondern machte auch absolut keinerlei Sinn. Welchen Nutzen zog dieser Mann daraus, ihn den ganzen Winter hier durchzufüttern und eventuell auf seinen Sohn und Bediensteten loszulassen?

      "Wer weiß das schon? Vielleicht kannst du ihn ja fragen, wenn er wieder Zuhause ist", schlug der Wolf vor. Selbst dann wäre es wohl irrelevant - selbst wenn Rains Vater sich noch entsinnen konnte, was genau es war, dann würde er selbst wohl nie davon erfahren. Noch immer plagten ihn Gedanken, die er einfach loslassen sollte, aber die Wahrheit war, dass er Rain nie wieder sehen würde und das einfach zu akzeptieren hatte - egal wie lange sie aufeinander warteten. Das Leben der Schafe verlief anders als das der Wölfe, vermutlich auch dann, wenn sie sich mit einem Krieg konfrontiert sahen, gingen doch die Wenigsten von ihnen davon aus, nicht wieder nach Hause zurückzukehren. "Aber das heißt noch lange nicht, dass er dich nicht leiden kann." Oder tat es das? Nayantai war sich nicht sicher, in welche Schublade er den Vater des Lammes stecken sollte - verdammt nochmal, er kannte ihn überhaupt nicht, wusste nicht, wie er wirklich war und wenn Rain nicht wusste, was er von ihm halten sollte, wieso sollte Nayantai ihn dann in ein besseres Licht rücken, war er doch sowieso nicht mehr als ein Mörder? Nun, er selbst war wohl auch keinen deut besser. "Nein, das nicht, aber Thria hat glaube ich kaum etwas, das überhaupt ansatzweise jemandem gefallen könnte." Das Land war brach, die Nomaden nicht unbedingt offenherzig und alles in allem war das Land so wie seine Leute - kalt und lieblos. "Thria ist ziemlich leer, aber dafür kann man die Sterne umso besser sehen - selbst dann, wenn man in irgendeinem trockenen Flecken Gras liegt und eiskalter Wind durch die wenigen Bäume weht, die sich in der Nähe befinden", murmelte er, wohlwissend, dass seine Worte wohl nichtssagend waren. "Wenn es in Thria nur etwas wärmer wäre ..."
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    • "Du würdest ihm antworten?", fragte Rain, der den Rest seiner Fragen herunter schluckte. Würde Nayantai das auch, wenn sein Vater nur wissen wollte, wo er den Rest von ihnen fand, oder wie er sie noch schneller auslöschen konnte? Rain tat ihm vielleicht unrecht, seit er sich erinnern konnte, kam Caelan selten stolz nach Hause, einzig und allein die Geschenke die er Rain mitbrachte zeugten von dem was er getan hatte und auf diese Kleinigkeiten der Wölfe gab er acht, anstatt sie einfach zu zerstören. Rain war nicht sicher ob sein Vater das nur für ihn machte, weil er ihm einfach eine Freude machen wollte und wusste, dass Rain sich für all diese Dinge interessierte, oder ob er diese Dinge auch für sich selbst sammelte, statt jegliches Kulturgut der Wölfe zu verbrennen und zu zerstückeln. Nayantai hatte wohl recht, sie töteten sich alle gegenseitig und so war Rain wohl weder auf Nayantais Seite, noch auf der seines Vaters. Vielleicht lag es daran, dass er selbst nie ein Schwert geführt hatte, aber er konnte diesen Krieg nicht verstehen und auch den Hass nicht, den ihre Völker empfanden.

      "Das werde ich tun, wenn er nicht zu wütend ist, dass du nicht mehr da bist.", erklärte Rain. War sein Vater je wütend gewesen? Nein, er hatte ihn nie angebrüllt, nicht einmal seine Stimme erhoben, schon gar nicht seine Hand, Rains Interaktionen mit seinem Vater beschränkten sich tatsächlich auf ein Minimum, als wäre Rain gar nicht da, oder nichts weiter als ein weiterer Bediensteter der auf das Anwesen achtgeben sollte, solange der Herr des Hauses nicht da war. Vielleicht hatte Nayantai recht und so ein großer, starker und wilder Mann hatte einfach Angst seinen zerbrechlichen Sohn zu verletzen und das war alles das dahinter steckte, aber mit Worten alleine konnte er ihm kaum etwas tun, trotzdem sprachen sie selten miteinander. "Aber du magst doch die Kälte...", murmelte Rain müde, oder sagte Nayantai das nur, weil er Rain nicht an einen so kalten Ort bringen konnte, selbst wenn er es wagte einen Schritt vor die Tür zu machen? Rain würde es schon irgendwie hinbekommen, sobald der Krieg vorbei war...
    • "Wieso auch nicht?", fragte der Wolf, der sich ehrlich gesagt auch nicht sonderlich sicher war, wieso er sich bereitwillig dazu erklärte, Rains Vater Rede und Antwort zu stehen, obwohl all das bei weitem nicht vonnöten wäre. Was genau war es, das er diesem Mann überhaupt schuldete? Gab es denn überhaupt irgendetwas? Grundsätzlich war es doch dumm zu glauben, es brachte einen von ihnen weiter, oder half dabei, all das hier zu verstehen? "Wenn ich ihm schon Dinge über mich oder den Rest er Wölfe erzähle, dann hat er doch sicher auch etwas für mich übrig, das er mir erzählen kann - ich gehe davon aus, dass er mehr weiß, als ich", lachte Nayantai, der genau wusste, dass es vergebens wäre, sich mit einem der Schafe zu unterhalten. Was hätte Rains alter Herr auch für ihn übrig? Nicht viel mehr als sonst auch, oder etwa doch? War es überhaupt logisch, irgendetwas in eben jene Richtung zu unternehmen? Grundsätzlich war es, auch von seiner Seite aus, dumm zu glauben, man würde ihm Gehör schenken oder überhaupt daran denken, dass er sich womöglich für all diese Dinge interessieren konnte, die schlussendlich das Leben der Schafe prägte. "Einen Versuch ist es doch wert, oder?"

      Was auch immer es war, wofür er sich im Endeffekt entschied, war wohl auch recht egal - Nayantai wollte wenige Dinge, die meisten davon waren ohnehin nicht viel mehr wert als ein vergebens verschütteter Tropfen Wasser. "Glaubst du denn, dass er das sein wird? Ich kann auch hierbleiben, wenn er mich nur hierher gebracht hat, um später mit mir zu reden", gestand der Wolf. Noch immer kannte er Rains Vater nicht, aber irgendwie war ihm dieser dann doch recht unsympathisch wenn sein eigener Sohn so über ihn redete - auch, wenn dieser, wohlgemerkt, nicht wirklich interessiert daran war, sich mit besagtem Sohn zu verstehen, so wie es schien. Nayantai strich dem Lamm erneut durch das blonde Haar, wusste nicht so recht, wohin mit seinen Händen, außer dass er sich viel lieber an ihn schmiegte, ihn umarmte, als andere Dinge zu tun oder daran zu denken, er müsse bald wieder gehen, die Gegend verlassen und nach Hause, an einen Ort, den er nicht mehr als solches erkannte. "Ja, aber Thria ist viel zu kalt für dich - wenn es ein Stück wärmer wäre, dann bringt mich das auch nicht um", gestand der Wolf. Er hatte ja auch recht, oder etwa nicht? Was brachte es ihm auch, versuchte er weiterhin zu leugnen, dass es Rain in Thria nicht gutgehen würde? "Ich bin müde", murmelte er - er hatte nichts mehr zu sagen und wollte auch gar nicht mehr, als zu schlafen.
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    • "Ich... bin nicht sicher ob er dir etwas erzählen wollte, aber... ja, wieso nicht.", erklärte Rain nachdenklich, er wusste nicht recht was er darauf antworten sollte. Nayantai schien ihn aufmuntern zu wollen, aber Rain wusste einfach nicht was sein Vater tatsächlich wollte, vielleicht wollte er Nayantai am Ende doch töten, wenn er bekommen hatte, was er wollte und hatte einfach als er hier angekommen war keine Zeit dazu gehabt. Vielleicht besorgte er sich gerade auch nur einen Wolf, der ihm die Sprache übersetzen konnte, wer wusste das schon? Rain wollte jedenfalls nicht, dass sein Vater und Nayantai noch einmal aufeinander trafen, nur für den Fall, dass Rain mit seiner Schwarzmalerei recht hatte, er wollte nichts riskieren, nicht wenn es um das Leben des Wolfes ging. Rain würde es nicht ertragen, wenn er wegen ihm heir bleiben würde und dadurch in den Tod getrieben wurde.

      "Nein, es ist besser du gehst. Ich weiß nicht was er von dir will und selbst wenn er dich nicht töten will, es wäre schwer deine Anwesenheit zu erklären, auch für ihn. Du solltest verschwinden, bevor andere die Chance haben hier nach dir zu suchen." Rain wollte doch auch nicht, dass Nayantai ging, aber hier war es alles andere als sicher. Wenn er hier blieb brachte er nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch Rain und seinen Vater und damit ganz Fhaergus, es war zu gefährlich, auch wenn Caelan eventuell einen Plan hatte. Rain hatte seinen eigenen Plan und der bestand darin Nayantais Leben zu schützen. "Dann muss ich mich eben wärmer anziehen... oder die ganze Zeit an deine Seite gekuschelt bleiben...", murmelte Rain, auch er war müde und schloss die Augen. Er genoss die Streicheleinheiten die ihn tiefer in den Schlaf drückten. "Gute Nacht Nayantai....", wisperte das Lamm und schlief schließlich auch ein.
    • "Ob er will oder nicht liegt bei ihm, nicht bei mir", murmelte der Wolf. Nayantai war sich sicher, dass es ohnehin nicht wirklich wichtig war, was Rain's Vater von ihm hielt - würde er nicht wollen, dass er hier war, dann hätte er ihn nicht hierher gebracht und einfach nur ergründen zu wollen, weswegen er sich mit all diesen Dingen in der Welt der Schafe anzufreunden hatte - wieso er noch lebt - das war wohl auch etwas, das nur dieser Mann ihm beantworten konnte. Somit würde er sich entweder dazu durchringen müssen, sich ihm gegenüberzustellen wenn er nach Hause kam oder aber er fand sich selbst mit dem Problem konfrontiert, nie zu erfahren, wieso man ihn überhaupt am Leben gelassen hatte. "Ich ... ja, ich meine, du hast recht damit", seufzte er. Rain hatte recht, er gehörte nicht hierher und schon gar nicht in eines dieser vermaledeiten Steinhäuser, oder etwa in die Hände eines Adeligen, der sich nicht viel daraus machen würde, dass er auch ein Mensch war, dass auch er lebte, existierte und nicht nur ein wildes Tier war, das es zu erlegen galt. "Ich habe kein Problem damit, bei dir zu bleiben", scherzte er, wohlwissend, dass es nur noch wenige Wochen waren, bis er Adrestia zu verlassen hatte und ihn der Wind in Richtung seiner Heimat zog - dorthin, wo er gar nicht erst sein wollte. "Gute Nacht, Rain."

      Lange dauerte es nicht, bis er dem Schlaf verfiel, bis er für sich selbst zu realisieren hatte, dass er sich in Gefilden befand, die sich seine Träume nannten und irgendwo hoffte er doch, dass all das nur eine dumme Sekunde andauern würde. Pechschwarz, wo auch immer er hinsah und das ihn langsam beschleichende Gefühl, dass die Welt nicht mehr wirklich viel für ihn übrig hatte - dass es nichts mehr gab, wofür er gut war, oder weswegen seine Existenz fortbestehen sollte. War es die Angst, Rain verlassen zu müssen, gehen zu müssen und davonzurennen, oder war es die stille Erkenntnis, dass er nie hierher gehört hatte? Was auch immer es war, welches Gift es war, das in seinen Adern und seinem Kopf pulsierte, Nayantai konnte es nicht länger ignorieren, wollte es auch gar nicht, sondern hatte sich einzugestehen, dass es wohl besser wäre, würde er verschwinden - sich in Luft auflösen. Hoffnung war eines, die Wahrheit jedoch etwas anderes - und somit war es wohl auch kein Wunder, dass sein Schlaf nur von kurzer Dauer war, als er am nächsten Morgen beinahe schon schweißgebadet hochschreckte. Er fühlte sich miserabel, so sah er vermutlich auch aus - und anstatt Zeit zu vergeuden, die er weiterhin mit Rain verbringen konnte löste er sich von ihm, fing an, seine Kleidung einzusammeln und sich sein Hemd wieder überzustreifen. Sein Kopf fühlte sich schwer an, aber das war gerade auch egal - er musste nur weg, aber wohin?
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    • Wenn es nach Rain ginge würde Nayantai hier bleiben und nicht gehen, wenn es nach Rain ginge wäre er hier so frei wie er nur sein könnte, er würde draußen herum tollen können, jagen gehen, wenn es ihm Spaß machte, in das Dorf, um sich dort zu unterhalten und wenn er genug davon hatte, dann konnte er zurück in das Anwesen kommen, zu Rain und ihm erzählen was er erlebt hatte. Rain hätte ihn gerne bei sich und er hätte auch gerne jemanden durch dessen Augen er mehr von der Welt da draußen lernen konnte, der für ihn da nach draußen ging und bei dem er sich wohl fühlte. All das war nicht möglich, Nayantai müsste diesen Ort bald verlassen und vermutlich würde Rain nicht so lange leben, um ihn wieder zu sehen, auch wenn er es wirklich wollte. Selbst wenn sie versuchten den Krieg ihrer Völker zu beenden - an sich schon ein fast aussichtsloses Unterfangen - wie lange würde das dauern? Bestimmt mehrere Jahre und sich von Thria nach Fhaergus zu schleichen, jeden Winter, das war viel zu gefährlich.

      Trotz der Tatsache, dass Nayantai bald gehen würde und dem Wissen darüber, dass der Schnee bald tauen würde, schlief Rain an der Seite seines Wolfes besser als üblich. Dennoch, er hatte einen leichten Schlaf und als sich Nayantai neben ihm bemerkte, wachte er bereits auf. Spätestens die fehlende Wärme riss ihn aus seinem Schlaf und als er gänzlich wach war erinnerte er sich daran, dass er ja gerade auch gar nichts anhatte. Die Decke noch um sich geweckelt sah Rain nach Nayantai der sich hastig anzog, Rain hatte das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war. "Nayantai, was ist los?", wollte er wissen und schlug bereits die Decke zurück um aus dem Bett zu steigen. die Kälte fraß sich augenblicklich in seinen Körper und er beeilte sich damit seine eigenen Sachen zusammen zu suchen und überzustreifen, so wie er jetzt aussah konnte er nirgends hingehen, einerseits würde man ihn wohl fragen was er eigentlich trieb und andererseits wäre ihm spätestens auf dem Gang viel zu kalt.
    • Würde er hierbleiben, so glaubte er, würde sich zumindest irgendetwas an der jetzigen Situation in Thria ändern - auch, wenn es nicht viel wäre, wenn es nur zu seinem eigenen Vorteil wäre, dann war es Nayantai egal. Hierbleiben wollte er, aus irgendeinem Grund, durchaus - aber genau genommen nicht an Ort und Stelle, nein. Würde er bei Rain bleiben, so glaubte er, würde all das nur Unheil anrichten, das Lamm hatte recht, denn der Wolf fühlte sich miserabel, spürte das Kribbeln in seinen Armen und Beinen und die allgemeine Leere in seinem Kopf machte ihm Angst - die letzten Wochen hatte er damit verbracht, nicht mehr zu tun, als dem Lamm und seinen Bediensteten zu gefallen, sich einzuleben und sich einzureden, er könnte hier glücklich werden, oder? Wann hatte er schon mehr als das getan? Wann würde all das aufhören, wann hätte er endlich eine Sekunde Zeit für sich selbst in der er nicht zu hinterfragen hatte, wer er war oder wieso er derjenige war, der er glaubte, zu sein? Nayantai war verwirrt, aber selbst das war noch eine Untertreibung. Er fühlte sich müde, beinahe schlapp und ausgelaugt, wusste nicht, was genau er von sich selbst oder seinem eigenen Körper wollte, sondern war sich sicher, dass das Dröhnen in seinem Kopf genug darüber aussagte, wieso er all das, was er getan hatte, als falsch empfand. Niemals hätte er seine Hände an Rain legen dürfen und schon gar nicht hätte er versuchen sollen, sich ein besseres Leben vorzustellen.

      "Nichts", brummte er in die Richtung des Lammes, das er dann doch angelogen hatte - er wusste viel zu gut, dass sich all das hier falsch anfühlte, dass er Rain nicht bei sich wissen wollte, sondern dass er sich lieber verstecken würde, irgendwo, aber nicht hier. Nicht in diesem Haus aus Stein, nicht in der Nähe - er wollte nach draußen, hielt es hier drinnen nicht mehr aus. Alles schien verrücktzuspielen und die Dinge, die er eigentlich wissen sollte, waren wie davongeblasen, er hatte keinerlei Ahnung mehr. Aber wohin mit ihm und allem voran, wieso sollte er hierbleiben, wieso sollte er Rain dazu zwingen, ihn auszuhalten? Nayantai fühlte sich so, als würde die Welt selbst auf seine Schultern drücken, als würde alles um ihn herum - selbst die Luft - schwer wie Blei sein, ihn zu Boden reißen wollen und nicht mehr gehen lassen. All die Dinge, die er verdrängt hatte, die er vergessen wollte, schienen nun auf ihm zu lasten und dabei erinnerte er sich an nichts, sondern griff allgemein eher abwesend zur Tür, drückte diese auf und sobald sie auch nur einen kleinen Spalt geöffnet war, verschwand er aus dieser, nahm die Beine in die Hand und rannte davon - wohin? Keine Ahnung, alles wirkte fremd auf ihn und nichts davon machte irgendeinen Sinn für ihn, selbst dann nicht, als er gar nicht mehr wusste, wieso oder weswegen er überhaupt durch die Gegend rannte - es führte wohl lediglich dazu, dass er schlussendlich vor irgendeiner Tür stehenblieb, weil er gar nicht mehr wusste, wohin er eigentlich wollte und sich in den Raum dahintertraute, nur, um sich irgendeine Ecke zu suchen, in der er kauern konnte. Wo zum Teufel war er hier? Und ... wieso war er nicht bei Rain geblieben?
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    • Rain verfluchte sich dafür letzte Nacht nichts mehr angezogen zu haben und er verfluchte seinen Körper dafür, dass er so nutzlos war und er keine Möglichkeit sah Nayantai hinterher zu laufen, sobald dieser die Tür geöffnet hatte. Er beeilte sich damit seine Kleidung zusammen zu suchen und überzustreifen, am Ende sah alles sehr unordentlich aus, aber immerhin würde er nicht erfrieren. Ein frisches Hemd an dem noch alle Knöpfe vorhanden waren zog er einfach aus dem Schrank und sorgte für nur noch mehr Unordnung. Er schlüpfte noch in seine Schuhe und verließ ebenfalls hastig sein Zimmer, nur um dann erst einmal im Gang zu stehen und nach links und rechts zu sehen. Keine Spur von Nayantai, wohin mochte er gelaufen sein? Rain machte sich Sorgen, am Schlimmsten wäre es wohl, wenn er nach draußen gelaufen wäre und die Wachen ihn vor dem Tor aufhalten mussten. Rain lief in irgendeine Richtung los, während er noch an seiner Kleidung herum zupfte und den ein oder anderen Knopf zu machte. Er hatte keine Ahnung was passiert war, wieso Nayantai sich so komisch verhalten hatte und was er überhaupt vor hatte.

      Als Rain sich die Treppe hinunter beeilte und erst einmal einen Blick nach draußen warf, sah man ihm wohl schon an, dass etwas nicht in Ordnung war, auch wenn die Wachen draußen immer noch auf ihrem Posten standen und nicht so aussahen, als hätten sie etwas zu tun gehabt. Ein Soldat der gerade den Garten patrouillierte - etwas das nur gemacht wurde, seit Nayantai hier war - wurde wohl darauf aufmerksam und beeilte sich hinein, inzwischen befand Rain sich schon wieder auf der Treppe, über die er nicht laufen sollte, aber er tat es trotzdem. "Ist etwas passiert?", hörte er hinter sich und Rain schüttelte nur verneinend den Kopf, bereits ein wenig außer Atmen und deshalb machte er sich nicht die Mühe zu versuchen etwas zu erwidern. Das Kopfschütteln schien keine befriedigende Antwort gewesen zu sein und so beeilte Rain sich nicht mehr alleine durch die Gänge. "Alles... in Ordnung...", versuchte er klar zu machen, als er eine offene Tür entdeckte und beinahe schon in den Raum stürzte, nur um Nayantai dort tatsächlich zu finden. Rain blieb abrupt stehen und hob seine Hand, der Soldat folgte der Anweisung und bewegte sich nicht mehr. Womöglich hatte Nayantai auf einmal großes Heimweh bekommen, dass es ihn gerade in den Raum gezogen hatte, in dem Rain all die Dinge aufbewahrte die sein Vater ihm gebracht hatte, war vermutlich kein Zufall. "Nayantai...?", fragte Rain in den Raum hinein und drehte sich danach für einen kurzen Moment zu dem Soldaten um, der bereits Gesellschaft bekam. Bei all dem Aufruhr so früh am Morgen war das kein Wunder. "Wartet hier.", murmelte Rain, der doch tatsächlich eine Hand auf seiner Schulter spürte, die ihn davon abhielt in den Raum einzutreten. "Das ist zu gefährlich. Euer Vater...", begann einer der Soldaten der einige Gegenstände beäugte die Nayantai gar nicht brauchte um Rain zu verletzen. "Mein Vater ist aber nicht hier.", erklärte Rain bestimmt, schüttelte die Hand ab und trat ein paar Schritte in den Raum ein. Nayantai hockte einfach da, in einer Ecke des Raumes. "Nayantai, ist alles in Ordnung?"
    • Was wollte er noch hier, dort, wo er nicht hingehörte und was sollte er noch hier, an einem Ort, der ihm noch nie sonderlich vertraut gewesen war? Rain hatte recht - sobald der Schnee taute, sobald der Boden sich mit dem eisigen Wasser vollsog und die Vögel aus dem Süden wieder in Scharren über ihre Köpfe zogen, war es Zeit für ihn, diesen Ort zu verlassen. Es war Zeit, von Rain abzulassen und nach einem Ort zu suchen, an den er wirklich gehörte und im Notfall war eben das seine Heimat, das eisige und karge Thria, das seinem Herz gar nicht so unähnlich war. Allerdings saß er jetzt irgendwo, inmitten von Adrestia, in Fhaergus, an einem Ort an dem er gar nicht sein wollte und trat die letzten Stücke seiner Freiheit mit Füßen. Vielleicht hatte er Fieber, vielleicht war all das nur ein schlechter Traum gewesen, der durchaus deswegen entstanden war, weil er sich selbst zu Dingen gezwungen hatte, die nicht nötig gewesen waren - aber was auch immer es wahrhaft war, das konnte Nayantai nicht sagen, das wollte er vielleicht auch gar nicht, immerhin würde es nur dafür sorgen, dass er sich selbst so unsicher über die Dinge war, die er gar nicht erst verstand.

      Die ihm altbekannte Stimme ließ ihn aufhorchen, obwohl er eigentlich nicht mehr wollte als im Boden zu versinken, nie wieder gesehen zu werden und sich die Blamage zu ersparen, sein Verhalten erklären zu müssen. Vermutlich war er wirklich krank, zumindest bildete sich Nayantai eben das ein - oder es war nur die Eingebung, er müsse sich eine passende Ausrede zurechtlegen, weil er nicht wirklich wusste, was er sonst sagen sollte. Getuschel machte sich unter den Lämmern breit, denjenigen, die viel besser darin waren, ihr eigenes Leben zu führen, als er - diejenigen, die seine Existenz tolerierten, weil der Ranghöchste von ihnen meinte, es wäre in Ordnung. Aber was davon war wirklich in Ordnung und was davon war nicht mehr als Hohn, als eine bloße Blamage? Wieso scherte man sich auch um ihn, ein dahergelaufenes Biest, dessen bloße Anwesenheit für Unglück sorgte? Was war es auch wert, bei den Schafen zu leben, wenn sein eigenes Volk nicht mehr tat, als nach der Reihe abgeschlachtet zu werden, für Dinge zu sterben, an denen sie keine Schuld trugen? "Keine Ahnung", schnaubte der Wolf zurück, der offensichtlicherweise nicht sonderlich darüber erfreut war, dass man ihm so nahe kam, geschweige denn darüber, dass es nicht nur Rain war, der ihn mit seiner Anwesenheit beehrte. "Lasst mich einfach in Ruhe."
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    • Rain trat noch einen Schritt weiter in den Raum hinein und blickte den Wolf an, der sich beinahe so abweisend benahm wie an dem ersten Tag an dem er hier angekommen war, vielleicht sogar mehr. "Willst du nicht mit mir darüber reden?", fragte der Blonde und hockte sich langsam auf den Boden, damit er den Wolf nicht von oben herab ansehen musste, sondern sich einigermaßen auf Augenhöhe befand. Er behielt Abstand, schließlich war es das was Nayantai wollte. Für die anderen musste es so aussehen als näherte sich Rain einem bissigen Hund, langsam und vorsichtig, als könne er ihn jeden Moment anfallen, aber für Rain war Nayantai kein Hund und er konnte sich vorstellen, was diese Reaktion hier ausgelöst hatte. "Ist es wegen dem was gestern war? Hab ich etwas falsch gemacht? Es tut mir Leid, wenn es so ist, wir müssen nichts davon noch mal machen." Rain klaubte sich all die Worte zusammen und versuchte sich einigermaßen verständlich auszudrücken, alles damit nur sie beide verstanden worum es ging. "Ich hätte dich davon abhalten sollen, es tut mir Leid. Aber du bist sicher hier und du musst nichts tun, das du nicht willst."

      Vielleicht wäre es besser gewesen einfach still zu bleiben und nichts mehr zu sagen, vielleicht hätte Rain einfach nur zuhören sollen, aber er wusste, dass Nayantai nicht hier drin bleiben konnte, er hatte sich den schlechtesten Ort ausgesucht, um sich zu verstecken. Rains Blick glitt zu dem Speer den sein Vater ihm irgendwann einmal mitgebracht hatte, er wollte ihn Nayantai ohnehin überlassen, aber im Moment klebten alle Augen auf ihnen beiden und auf der Waffe die dem Wolf viel zu nahe war. "Du musst nicht mit mir reden.", erklärte Rain und warf einen kurzen Blick zur Tür. "Aber vielleicht wäre es besser, du gehst in dein Zimmer zurück, ja? Dort bist du ungestört, allein." Das war alles das Rain im Moment von Nayantai wollte und er legte seinen Kopf ein wenig schief, als er auf eine Antwort wartete.
    • Rain redete, redete immer mehr, ließ einen Schwall aus Wasser auf sie alle hereinbrechen und Nayantai fragte sich, wieso das Schaf so gut darin war, sich mit wenigen Worten selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben - wieso er sich, seinen Körper und seine bloße Existenz offensichtlich selbst hasste, es aber nicht schaffte, alledem ein Ende zu bereiten. Grundsätzlich war er sich nicht sicher, war es noch nie gewesen, aber wäre er wohl derjenige, der in Rains Körper zu leben hatte, hätte er sich selbst schon vor Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht und aufgegeben. Vorsichtige Schritte näherten sich ihm und alles, was der Wolf wirklich wollte, war seine verdammte Ruhe - die, die er nicht haben würde, solange Rain sich in seiner Nähe befand. "Hör' auf", brummte Nayantai lediglich, der gar nicht erst hinhören wollte. Wieso tat er es dann? "Du hast damit nichts zu tun", zischte er schließlich, als Rain ihm doch näherkam. Eigentlich wollte er nicht so reagieren, glaubte er doch eher, dass die Anwesenheit der Wachen grundsätzlich nichts Gutes bedeute und doch war er sich sicher, dass er selbst ohnehin genug damit zu kämpfen hatte, seine eigene Gefühlswelt ins Reine zu rücken. "Hör auf, dich zu entschuldigen und dir selbst die Schuld zu geben - du hast damit nichts zu tun. Absolut nichts", fauchte er schließlich, während er sich weiterhin an die kühle Wand drückte. Suchte er nach einem Ausweg?

      Rain hatte recht, er müsste nicht mit ihm reden, aber Nayantai wusste genau so gut, dass es auch gar nicht half, sprach er gegen eine Wand, die nur sich selbst dafür verurteilen würde, einen Wolf wie ihn in sein Haus und seinen Kopf, vielleicht auch sein Herz zu lassen. Der Wolf war zumindest dumm genug gewesen, ja, verrückt genug, um sich auf derartige Dinge einzulassen - und selbst dann, wenn er dort stand, im blutroten Schnee, dann würde ihm jemand wie Rain nicht aus dem Kopf gehen, mit dem feinen Unterschied, dass er sich hier bedrängt fühlte, nicht wusste, wohin und sein Blick sich schon längst auf die Tür gerichtet hatte, die noch immer offenstand und von der aus man ihn beobachtete, damit er seine Klauen nicht in den bleichen, dürren Körper vor ihm schlug. "Und du nicht mit mir", stellte er fest, bevor er sich auf seine zittrigen Beine drückte, nicht genau wusste, was er von sich selbst wollte - aber es reichte, dass Rain ihm sagte, er sollte sich doch lieber in seinem eigenen Zimmer verstecken, reichte, dass er sich hier nicht wohl fühlte und es reichte, dass man in klimperndem Metall eine Hand nach ihm ausstreckte, als er sich seinen Weg durch die Tür bahnte. Ein Scheppern folgte, seine geballte Faust schmerzte und die Wache, die gerade noch versucht hatte, irgendetwas dummes zu tun, hatte er zu Boden befördert - mit einem Schlag in sein Gesicht. "Fass mich nicht an", giftelte der Wolf lediglich, der eigentlich nicht einsah, dass er von diesem Typen ablassen sollte - was zum Teufel tat er da?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain hatte keine Angst vor Nayantai, selbst als seine Antworten so ausfielen wie sie es taten, aber er machte sich Sorgen, große Sorgen, nicht zuletzt weil er gerade betrachtet wurde, als müsse man ihn jederzeit überwältigen und von Rain herunter zerren. Der Blonde glaubte nicht, dass der Wolf ihm etwas tun würde, aber er konnte nur für sich selbst sprechen und die derzeitige Situation war nicht die Beste. Nayantai wollte seine Ruhe und hatte sich scheinbar nichts dabei gedacht, als er aus Rains Zimmer einfach hier her gestürmt war, wo er doch in seinem Zimmer tatsächlich seine Ruhe gehabt hätte. Rains Aufregung war es aber, die die Soldaten alarmiert hatte und dafür gesorgt hatte, dass Nayantai von mehr als nur Rains blauen Augen beobachtet wurde. Rains Blick wanderte für einen Moment auf den Boden, dann zurück zu den Wachen die es nicht gerade begrüßten, dass der wilde Wolf ihren Herren in seiner Sprache so anfauchte, auch wenn sie nicht verstanden was er sagte, vermutlich malten sie es sich jetzt auch schlimmer aus als es war. Rain hingegen verstand ihn und wollte sich entschuldigen, wusste aber nicht wie.

      Es war wohl am Besten nichts weiter zu sagen und so tat er das auch nicht, sondern stand einfach ebenfalls langsam auf, als Nayantai es tat und an ihm vorbei ging. Was folgte ging viel zu schnell um darauf zu reagieren, Rain hätte aber ohnehin nicht viel tun können. Nayantai beförderter einen der Soldaten auf den Boden, das war Grund genug für seinen Kollegen um nach seiner Waffe zu greifen, während Rain mit einem bestimmten "Stopp", versuchte beide Parteien davon abzuhalten sich gegenseitig zu verletzen. Zumindest schien es so, als wollte der Soldat den Wolf nicht aufspießen, vorerst, es hielt ihn aber nicht davon ab zu versuchen den Wolf unter Kontrolle zu bringen. Rain war inzwischen damit beschäftigt sich bereits zu überlegen, wie er diese Situation nun handhaben konnte und das mit dem geringsten Verlust. Die Zeiten in denen Nayantai frei im Anwesen herum laufen konnte, waren wohl vorbei und das alles wegen... weswegen eigentlich?
    • Nayantai war sich sicher, dass er diese Situation um einiges eleganter lösen könnte - aber auch das war mittlerweile egal, immerhin hatte er seine Hand schon gegen ein Schaf erhoben und er wusste selbst gut genug, dass er es wieder tun würde - dass er sich nicht dafür interessierte, wieso oder weswegen es ihn umbrachte, solange er derjenige sein konnte, der sich bis zum Schluss behauptete. In Wahrheit gab es nicht mehr außer Angst, die in ihm hochkochte, die ihm das Gefühl vermittelte, er sei nicht mehr wert als das, was man ihm im Endeffekt zuschrieb. Wüsste er, wie er sich selbst zu benehmen hatte, wie die bloße Irritation durch einen nichtssagenden Traum zu unterbinden war, dann würde er jetzt nicht in dieser Situation stecken - zumindest glaubte Nayantai das, aber er war sich bei weitem nicht sicher. In Wahrheit war es wohl einfach nur dumm, sich mit den Schafen anzulegen, aber es fühlte sich so richtig an - als würde es alle Sorgen von seiner Seele waschen, als ob es das Einzige war, das er kannte, wozu er gut war - was vermutlich auch der Grund dafür war, wieso er der am Boden liegenden Wache noch ein paar Schläge verpasste, damit er sichergehen konnte, er würde ihn nicht anfassen.

      Nayantai hätte sich eben jene Situation wohl ersparen können, hätte er einfach auf Rain gehört - hätte er das Stopp gehört - aber die gezückte Waffe machte es nicht besser, vor allem nicht, wenn er sich ohnehin schon wie ein aufgescheuchtes, wildes Tier benahm dessen einziges Hab und Gut sein Leben war, das es auf einmal zu wahren galt. Ein Freund der Schafe, das würde der Wolf wohl nicht werden, vor allem dann nicht, wenn er selbst ohnehin schon rot sah, ohne es zu wollen und die zweite Wache anfiel und mit ihm um sein Schwert rangelte - Fäuste sprachen doch mehr Worte als eiskaltes Metall und in diesem Fall wusste sich auch ein Wolf zu wehren, der kein Problem damit hatte, der fremden Gestalt den Schädel einzuschlagen, sobald er das Schwert zu greifen bekam. Nun, leichter gesagt als getan, wenn auch gleich es nicht schwer war, jemanden in einer Rüstung zu überwältigen, wenn dieser nur teils auf Widerstand gefasst war - egal, was er jetzt tat, er hatte ohnehin schon verloren und musste sich nicht länger darum kümmern, dass er Rain oder irgendeinem anderen Schaf gefiel, immerhin war er doch derjenige, der gerade damit beschäftigt war, jemandem dem gesamten Schädel zu brechen.
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    • Rain sah kaum noch eine Möglichkeit Nayantai weiterhin zu beschützen und jedem zu erzählen, dass er auch nur ein Mensch war, nicht in dieser Situation. Der Lärm und Tumult lockte bestimmt schon weitere Wachen an und auch andere Bedienstete die gerade im Haus unterwegs waren, auch wenn es noch früh war. Wenn Rain nur ein bisschen mehr von seinem Vater gehabt hätte, oder von einem Wolf, dann hätte er vielleicht etwas tun können, aber gerade jetzt wäre er wohl eher nur im Weg. Wenn er Nayantai nur klar machen könnte, dass er sich gerade selbst die größten Schwierigkeiten machte, andererseits wusste er das wohl irgendwie. Auch wenn Nayantai vorhin keine Entschuldigung hören wollte, Rain hatte das Gefühl, dass er der Auslöser für das hier war, dafür, dass Nayantai sich auf einen der Soldaten stürzte und dann auf den nächsten.

      Rain konnte nicht weiter tatenlos herum stehen und dabei zusehen wie Nayantai sich weiter seinem Untergang entgegen steuerte. Wenn er hier weg wollte, dann musste er das bald, bevor der Rest der Soldaten hier aufkam und im Moment wollte Rain nichts anderes. Er brachte es nicht übers Herz ihn wieder einzusperren, aber das würde er müssen, ebenso würde er ihn für seine Taten bestrafen müssen und auch das konnte er nicht, er wollte es nicht, egal ob er hier das Sagen hatte, oder nicht. Als Rain eine Gelegenheit sah, machte er die paar Schritte zu Nayantai und dem Soldaten hinüber und drückte sich zwischen sie beide. Der Soldat stoppte überrascht in seiner Bewegung, während Rain einfach nur hoffte, dass Nayantai dasselbe tat wenn nicht mehr irgendein Schaf vor ihm stand, sondern Rain, dessen blaue Augen versuchten Blickkontakt mit ihm aufzunehmen. Sein Gesicht spiegelte wohl alles wieder, was er gerade fühlte, am Meisten war es wohl Sorge, Sorge um Nayantai, aber auch Sorge um seine Männer denen seine Loyalität eigentlich gelten sollte.
    • Im Grunde waren sie doch gar nicht so verschieden - die Schafe waren ein hinterhältiges Pack aus Mördern, die glaubten, sie taten sich selbst etwas Gutes, indem sie sich dem Ballast in Form eines fremden Volkes entledigten und hofften, dass ihre Götter sie dadurch lobpreisen würden, wie sie selbst es taten - und die Wölfe, die ohnehin nicht viel der Schafskultur verstanden, wussten genau so viel, wie es ihnen voneinander zugetragen wurde. Im Endeffekt war der einzige Nachteil, den die Schafe besaßen, wohl der, dass der Kronprinz der Wölfe durchaus einem wilden Biest gleichkam, das sich selbst nicht zu beherrschen wusste, wenn er sich nicht danach fühlte - etwas, das genau jetzt der Fall war, vermutlich auch weiterhin sein würde, aber Nayantai wusste selbst gut genug, dass er in seinem jetzigen Zustand kein Schaf töten, geschweige denn sich mehrere von ihnen vom Hals halten konnte. Gerade durch seine Art, durch die Dinge, die er jetzt im Moment tat, verbaute er sich selbst seine eigene Zukunft - zumindest die, die er inmitten der friedlich lebenden Schafe gehabt haben könnte, hätte er sich am Riemen gerissen und nicht von kindlichen Gefühlsausbrüchen, hervorgerufen durch eine einzige Berührung, kontrollieren lassen. Aber das war nun einmal er - derjenige, der glaubte, bereits tot zu sein, ohne, dass er es wirklich war.

      Klebrig war die rote Substanz schon immer gewesen, die er auf seiner Faust spürte aber nicht sah - zumindest noch nicht. In Wahrheit war all das hier nur ein Vorwand, so glaubte er, ein Vorwand seiner eigenen Selbst, der Person in seinem Kopf, damit er aufhörte, sich Dinge einzureden, die gar nicht der Wahrheit entsprachen - er wollte nicht hier sein, aber wohin sollte er sonst? Egal, für diesen Moment würde man ihm früher oder später den Kopf abschlagen, man würde ihn wegsperren, irgendwo verrotten lassen und hoffen, man müsste nie wieder auch nur ein Wort mit ihm wechseln. Rain war zierlich genug, so dass er ihn mit einem Fingerwink zerbrechen könnte, keine Waffe mehr brauchte um sich zu behaupten, aber das tat er in den meisten Fällen nicht. Wieso? Nun, darauf eine Antwort zu bekommen war wohl gar nicht so leicht, erst recht nicht, wenn Rain es war, der ihm einen Strich durch die Rechnung machte und Nayantai schließlich zurückweichen ließ. "Was tust du!? Ich hätte dich verletzen können!", fauchte er, wie ein aufgescheuchtes Tier. Nun, wohin mit ihm? Hierbleiben konnte er auch nicht, aber er hatte weder seine eigene Kleidung bei sich, noch genug Ideen - außer ... weg von hier, nachhause, nicht?
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    • Auch wenn Rain eigentlich damit gerechnet hatte, war er trotzdem erleichtert als Nayantai inne hielt und zurück wich, anstatt Rain als ein neues Ziel anzusehen. Sein eigenes Herz schlug ihm bis zum Hals, obwohl sein Kopf und sein Herz ihm sagten, dass er persönlich nicht in Gefahr war. Trotzdem musste er sich jetzt mit dieser Situation auseinander setzen und herausfinden wie er Nayantai weiterhin beschützen konnte, ohne seinen eigenen Schutz aufzugeben. Regelte er das hier falsch, war er vielleicht die längste Zeit ein Fürst gewesen und war er das nicht mehr, dann konnte er auch den Wolf nicht mehr beschützen und ebensowenig konnte er sein Versprechen halten. Er biss sich auf die Lippe und wusste selbst, dass auch der Soldat nicht ewig darauf warten würde, dass sein Fürst ihm einen neuen Befehl gab, abgesehen davon, dass er sich sicher nicht darüber freute, dass ausgerechnet Rain sich zwischen sie beide geworfen hatte. Er schüttelte leicht den Kopf, Nayantai hatte Rain nicht verletzt und es war die einzige Möglichkeit die der Blonde gesehen hatte, um die Situation zu entschärfen.

      Rain stiegen beinahe schon Tränen in die Augen, aber das konnte er sich jetzt nicht erlauben, auch wenn das hier ein Abschied war, einer der viel zu kurz und plötzlich kam. "Ich kann dich nicht mehr beschützen.", erklärte er dem Wolf entschuldigend und warf einen kurzen Blick auf den am Boden liegenden Soldaten, der sich hoffentlich erholen würde. "Lauf. Nach Westen. Nach Hause." Was sonst konnte Nayantai tun? Das einzige das Rain noch tun konnte war seine Männer davon abzuhalten Nayantai doch noch aufzuhalten und einzusperren, aber er konnte ihm Zeit verschaffen, ganz bestimmt, wenn er nur mit sich reden ließ und tatsächlich von hier verschwand. Wenn er wieder zu sich selbst fand und sich entsann, dass er kein wildes Tier war und dass er noch eine Chance hatte. Nur hierbleiben konnte er jetzt nicht mehr so einach und Rain würde man predigen, dass man ihm ja gesagt hätte, dass der Wolf gefährlich war.
    • Sein Herz selbst fühlte sich so an, als würde es aus seiner Brust springen, als würde das Adrenalin, das seinen ganzen Körper übermannte, gar nicht mehr loslassen - Nayantai wusste selbst, dass er sich mit seinen momentanen Taten ins Fleisch schnitt, dass er sich einfach weiterhin zusammenreißen hätte sollen und versuchen müsste, wie ein normaler Mensch unter ihnen allen zu leben - aber das Land der Schafe war nicht seine Heimat, gleich wenig wie die Schafe seine Art- und Leidensgenossen waren. In Wahrheit verkomplizierte sich all das nur dadurch, wenn er länger hierblieb, als eigentlich vorgesehen. Was auch immer Nayantai wollte, oder im Auge gehabt hatte, war soeben zersprungen wie ein verräterischer Spiegel, dessen abgebrochenen Spitzen nun in seinem Auge hafteten. Es war ein kurzes, undurchsichtiges Zischen das über seine spröden Lippen kam, als Rains Worte an müde, taube Ohren drangen, in denen es vor lauter Lärm nur so rang. Nayantai wusste, dass das seine einzige Option war, dass sein Leben in dieser Welt hiermit vorbei war und doch, wollte er es wirklich akzeptieren? Was sollte er noch großartig sagen? Für einen Moment hielt er inne, als wäre er wie gefroren, als hätte er das, was Rain ihm gesagt hatte, nie gehört - so, wie er es immer tat, wenn er etwas nicht wahrhaben wollte.

      "Ach, verflucht", feixte der Wolf, der langsam auf seine Beine fand, der wusste, dass es eigentlich sinnlos war, in irgendeine Richtung zu rennen - der eigentlich noch viel mehr vorgehabt hatte, der Rain die Welt zeigen wollte und jetzt, nun, jetzt hatte er sich selbst den Gnadenstoß in eine Welt gegeben, die er nicht kannte. "Pass auf dich auf", presste er zwischen zusammengeknirschten Zähnen hervor, bevor er sich umdrehte und dem Rest dieser Welt keinen Blick mehr würdigte - laufen sollte er, bis seinem müden, toten Körper die Luft ausging und er die kalte, raue Winterluft in seinen Lungen brennen spürte. Nayantai wollte verschwinden, wollte nicht mehr als die Welt sehen, die er so lange nicht mehr erblickt hatte - das Leben hinter dem Tor, hinter dem Zaun und die unvertraute Landschaft, die er nur durch Fenster gesehen hatte, aber nicht mit seinen eigenen Augen. Rain alleine zu lassen, sich Hals über Kopf aus dem Haus zu stürzen und nicht noch einmal für Kleidung umzudrehen, war töricht, aber etwas anderes blieb ihm nicht übrig. Ein Schwall kalter Luft stürmte auf ihn herein, als er die hohe Eingangstür aufriss und sie hinter sich zuschlug, als er sich seinen Weg durch das eiserne Tor und in die Welt bahnte, die er nicht kannte - er rannte nach Westen, aber ... wie weit? Nayantai hatte keine Ahnung wollte, es nicht wissen, viel lieber rannte er, bis ihn keiner mehr finden konnte.
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    • Als Nayantai tatsächlich tat was Rain ihm sagte und sich nach einer kurzen Verabschiedung aus dem Staub machte, fiel Rain beinahe ein Stein vom Herzen, auch wenn der Wolf noch lange nicht in Sicherheit war. Der Soldat wollte nichts anderes als dem Wolf zu folgen, hatte er doch auch kein Wort von dem verstanden, was sein Fürst gesagt hatte. Rain ließ sich auf die Knie sinken und täuschte ein Husten vor, während er sich ein wenig krümmte. Der Soldat hielt inne und sah lieber nach seinem Fürsten, statt dem Wolf nach zu laufen und die Personen die dann auch schon angerannt kamen, wurden los geschickt, um den Arzt zu finden, oder sie wurden eingespannt, um Rain und dem verletzten Soldaten zu helfen. Dies sorgte wohl für genug Aufregung um dem Wolf seine Flucht zu ermöglichen, mehr konnte Rain nicht mehr für ihn tun. Er wusste nicht recht wie er darüber denken sollte, irgendwann hatte Nayantai gehen müssen, aber dass es so plötzlich und unerwartet kam, damit hatte Rain nicht gerechnet.

      Dass Nayantai fort war merkte Rain nicht nur daran, dass das ganze Anwesen in Aufruhr war. Rain vermisste ihn, auch wenn er sich das nicht wirklich anmerken lassen durfte, trotzdem starrte er in seinem Arbeitszimmer auf seine Papiere, ohne zu merken wie die Zeit verging. Er hörte kein Wort mehr von ihm, auch nicht von den paar Soldaten die nach ihm suchten, von denen Rain aber hoffte, dass sie seine Spur ohnehin nicht fanden. Er hörte allgemein wenig, langsam wäre es an der Zeit dass die Pässe passierbar wurden und einige Briefe eintrafen, sein Vater musste auch irgendwann nach Hause kommen, aber nichts davon passierte. Sollten die Pässe noch nicht frei sein, würde auch Nayantai Schwierigkeiten haben, auch wenn er aus Thria kam. Zusätzlich würde er wohl nicht einen Pass nehmen, sondern den offiziellen Wegen lieber aus dem Weg gehen. So weit Rain wusste, gab es auch nur im Süden Thrias so hohe Berge, er hoffte er schaffte es nach Hause.

      Rain brütete gerade über ein paar Papieren, aber alles was er las machte nicht gerade viel Sinn. Er konnte sich nicht wirklich konzentrieren, wurde jedoch ohnehin von Lärm unterbrochen, der von draußen kam. Rain stand gerade von seinem Sessel auf, als vier Wachen in sein Arbeitszimmer stürzten und die Tür hinter sich verschlossen. "Was ist los?", wollte Rain wissen und sah einen nach dem anderen fragend an. Er wusste bereits, dass etwas nicht stimmte und Rain war sich ziemlich sicher, dass sie sich anders verhalten würden, hätten sie einfach nur Nayantai aufgelesen. "Soldaten aus Lavern, sie sind auf dem Weg!", erklärte einer von ihnen und zauberte nun auch Rain Verwirrung ins Gesicht, aber dass dies nichts gutes bedeutete, war ihnen allen klar. Man hörte bereits Kampfeslärm von draußen, es war also anscheinend auch schon zu spät zu verschwinden, abgesehen davon, dass Rain sowieso nirgends hin konnte. Wann war das letzte Mal gewesen, dass Fhaergus angegriffen wurde? Was sollte das hier überhaupt, hatte jemand heraus gefunden, dass Nayantai hier war, andererseits hätte diese Nachricht nicht so schnell nach draußen dringen können, um eine militärische Operation zu planen. Dennoch, auf so etwas war Fhaergus nicht vorbereitet und die Außenposten schienen versagt zu haben. Während Rain überlegte was passiert war und was er jetzt tun sollte, diskutierten auch die Soldaten, die Rain hier weg bringen, oder zumindest das Arbeitszimmer verbarikadieren wollten. "Stopp!", ertönte Rains Stimme schließlich und die Soldaten hielten inne. "Legt eure Waffen nieder. Wir werden nicht kämpfen." Es war zu spät, Laverns Soldaten waren bereits hier und Rain konnte weder selbst kämpfen, noch konnte er von hier verschwinden. Sein Vater hätte vermutlich bis zum Tod gekämpft, aber Rain... er wollte nicht, dass seine Männer, oder irgendjemand anderes zu Schaden kam und er hatte beschlossen, dass die Situation bereits aussichtslos war. "Aber...", ertönte zögernd die Stimme eines Soldaten und Rain schüttelte nur den Kopf, seine Entscheidung war gefallen. "Tretet von der Tür zurück." Die Soldaten taten genau das, sie steckten ihre Schwerter weg und reihten sich an der Wand auf, während Rain hinter seinem Schreibtisch stehen blieb. Man hörte schwere Schritte von draußen und es dauerte nicht lange, bis die Tür des Arbeitszimmers aufgestoßen wurde.