spellbound. (earinor & akira)

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    • Was gab es Zuhause schon? Wurzeln, irgendwelche Obst- und Gemüsesorten, die auch ohne das Zutun einer kultivierten Zivilisation wuchsen und Fleisch, haufenweise Fleisch das die Wölfe jagten - viel zu selten hielten sie sich Tiere, die einen sonderlichen Nutzen hatten, bis auf wenige Schafe und Vögel, an die sie ihre Hände bekamen. Im Vergleich zu den Schafen waren ihre Optionen mager, das hieß allerdings noch lange nicht, dass ihr Essen nicht doch vielfältig sein konnte, gleich wenig wie es hieß, dass sie nicht doch freundliche Personen sein konnten, die nicht vom Glauben an ihre eigenen Götter in die Irre geführt wurden, die sich nur das Gewand der Menschen anlegten um sie zu täuschen. Was war es denn, wenn nicht ein Zeichen ihrer eigenen Unvernunft und der Wahrheit, die die Schafe als Lüge ansehen? Genug Anekdoten gab es, die ihm hätten eingebläut werden sollen, aber er sprach kein Wort der Schafssprache und so waren es Taten, die mehr für ihn tun mussten als einfache Worte, die einem jeden aus den Mund quollen wie verschlungener Teer. Die Kerben an seinem Rücken und das schwindend winzige Mosaik aus blauen Flecken an seinem Körper waren Zeuge von all jenen Dingen, die ihm widerfuhren. Nicht nur Zeugen, sondern auch ein Beweis dafür, dass er nicht träumte, sondern sich durchaus in der bitteren Realität wiederfand. Nur, dass er Rain nicht auf die stillen Worte antworte, schien offensichtlicher als alles andere zu sein.

      "Ich kann tun, was du von mir willst", gab er zurück an Rain, der sich noch immer nicht sicher war, welche Worte gerade an ihn gerichtet waren, oder was deren Bedeutung zu sein schien. Womöglich hatte er recht und es war einfach eine schlechte Idee gewesen, zu versuchen, ein Schaf zu verstehen - wieso würde jemand das wollen? Gab es dafür überhaupt einen Grund? "In dem Fall tue ich, was ich will!" Nayantai war noch immer ein kleines bisschen stur und egoistisch, etwas, das sein altes Ich allemal gewesen war, aber hier und jetzt war er nicht nur frei von solchen Bürden, sondern auch von der Tatsache, dass er keine Ahnung davon hatte, wie er mit alledem umzugehen hatte - er konnte tun und lassen, was er wollte, solange er sich maßregelte und keinem der Schafe zu nahe kam, oder sie gar bedrohte. Die Konversation des Arztes und Rains war nicht ganz verständlich und trotzdem wollte er sich, selbst bei den Dingen die er verstand, nicht einmischen - er wollte nicht den Zorn einer der beiden auf ihn ziehen, wenn auch gleich ihn lediglich Rain verstehen würde, gab er etwas in Wolfssprache von sich. "Gut! Ich stehe mir hier noch die Beine in den Bauch ... außerdem glaube ich noch immer, dass dein Arzt mich anfällt, wenn ich dich auch nur schief ansehe!" Etwas zu essen wäre jetzt wohl auch etwas, das ihm gefallen würde - etwas, das er eigentlich haben wollte, nicht? Gleich, wie er gerne wieder mit Rain zurück in dessen Bett klettern wollte, aber vorerst musste er sich damit begnügen, wieder mit ihm allein zu sein, als er die Tür hinter ihnen schloss. "Er macht mir noch immer Angst."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain lächelte Nayantai an, musste aber zugeben, dass er nicht gänzlich sicher war, ob Nayantai wusste was genau er da gerade gesagt hatte, er glaubte ihm schon, dass er es so in der Art meinte, aber gleichzeitig klang es etwas zu unterwürfig, obwohl es den Arzt natürlich freuen dürfte, dass Rain seinen Wolf so unter Kontrolle hatte. Er traute sich deshalb nicht zu sagen, dass das nicht nötig war und beließ es einfach dabei, lachte dann aber doch etwas und dieses Mal konnte der Arzt nicht verstehen warum. Er blickte Rain fragend an, aber er erklärte lieber nicht was sie gerade gesagt hatten und dass der Wolf ihn tatsächlich schon öfter herum getragen hatte. "Nicht so wichtig.", sagte er deshalb und widersprach auch hier vorerst nicht, stattdessen verließ er mit Nayantai das Zimmer des Arztes. Als die Tür geschlossen war kam Nayantai auch erneut nicht darum herum Rain seine Sorgen mitzuteilen. "Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen...", lächelte Rain und schritt schnellen Schrittes voran, um ein wenig Abstand zwischen sich und das Zimmer des Arztes zu bringen, dann endlich ließ er das Husten entweichen und räusperte sich danach. Hätte er das da drinnen getan, dann hätte er sich sicher etwas anhören müssen, Medizin hatte er sich ja schon besorgt, er wollte nicht noch mehr gequält werden.

      Auf dem Weg zum Speisesaal sah Rain zu Nayantai der neben ihm ging und so viel größer war als er und dementsprechend auch weniger Schritte machen musste um das Tempo zu halten. "Ich denke... du... solltest heute in deinem... Bett schlafen.", gab er in der Sprache der Wölfe zu verstehen, er wollte so etwas mitten auf dem Gang besser nicht in seiner eigenen Sprache sagen. "Ich meine das nicht böse, ich denke nur... ich würde dich nur nicht schlafen lassen...?", fragte er, weil er sich nicht ganz sicher war, ob er nicht nur Müll von sich gegeben hatte. Er wusste bereits, dass er diese Nacht vermutlich nicht viel schlafen würde, bei jedem Atemzug kratzte es unangenehm in seinem Hals und er musste ein Husten zurück dahin kämpfen wo es herkam. Zudem wollte er Nayantai auch wirklich nicht anstecken. Er glaubte nicht, dass es wieder so schlimm werden würde wie vor nur ein paar Tagen, aber es war auch so unangenehm genug und wer wusste schon, wie Nayantai sich erst benehmen würde, wenn er ein wenig krank war. Wie ein Welpe vermutlich.
    • Der Kontakt zu Fremden, zu Schafen, war noch immer etwas, das Nayantai nicht geheuer war. Er stellte sich keiner Angst und nicht dem Tod, dem er sonst immer gegenübertrat - stattdessen versuchte er sich zu überwinden, all die Dinge zu vergessen, die ihm zu schaffen machten und in Wahrheit war es so, dass er selbst nicht wusste, ob all das überhaupt half. Der Wolf quälte sich, hin und wieder und grämte sich, über das, was ihm widerfahren war - im Endeffekt kulminierte all das in ihm, auf einem Haufen an Scherben, den sich die Bestie der Tundra nicht erklären konnte. Sollte er davonrennen, nach Hause, nach Thria und hoffen, man würde einfach von ihnen ablassen wenn sich die Wölfe als aggressiv genug präsentieren konnten oder war es ohnehin schon um ihn geschehen und er war unbrauchbar für sein eigenes Volk? Womöglich wäre es sogar klüger, zurück in die Fänge des Königs zu kriechen und dort den Rest seines widerwärtigen Lebens zu verbringen, den Schmerz über sich ergehen zu lassen und zu hoffen, er würde selbst irgendwann daran gefallen finden, wie ein Stück Dreck behandelt zu werden und den Verstand verlieren, damit er nicht länger zu leiden hatte? All diese Gedanken, zerfressen von der Unsicherheit die aus einem Trauma resultierte, waren es nicht wert - schlussendlich war er hier, bei Rain, der ihm kein Haar krümmen würde.

      "Keine Sorgen? Bist du dir sicher?", fragte er nach, wissentlich darüber, dass auch der Blonde ein Sturkopf sein konnte, wenn er wollte - dass Rain, so klein, fragil und zierlich er auch war, wenigstens Worte hatte, mit denen er umzugehen wusste. Nayantai hatte, im Vergleich eben dazu, nicht einmal mehr den Verstand. Alles in ihm sträubte sich gegen seine kontinuierte Existenz während in seinem Hinterkopf die Wahrheit lebte, die davon zeugte, dass er nicht mehr atmen sollte, dass sein Leben eine Verschwendung für seine Brüder und Schwestern war. "Hm? Wieso?", fragte der Wolf schlussendlich als er Rain ansah. Eigentlich fragte er sich, wieso ihm eben das an den Kopf geworfen wurde - nur, weil er ein paar Mal husten musste? "Weil du husten musst? Es gibt schlimmeres, zum Beispiel die heulenden Winde in der Tundra, aber selbst dann schlafe ich wie ein Stein. Hast du ... Angst, dass ich mich anstecke? Sei nicht albern", gab er dem Lamm zu verstehen, das vermutlich noch immer wusste, was am besten für ihn und für seine Schoßbestie war. Nun, eigentlich hatte er nichts dagegen, alleine zu schlafen, allerdings fühlte er sich jetzt schon schuldig, dass Rain vermutlich ausgerechnet wegen ihm krank wurde. "Ich ... habe nichts dagegen, weißt du? Und ich glaube nicht, dass ich mich anstecke." Ehrlich gesagt wäre es vermutlich eine futile Idee, überhaupt in Rains Nähe zu sein - er würde sich anstecken und folglich von einer Krankheit der Schafe zerrissen werden, weil sein Körper und sein Immunsystem in letzter Zeit vermutlich zu viel durchgemacht hatten, als dass es überhaupt irgendwie möglich wäre, sich auch noch gegen eine einfache Erkältung zu wehren.
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    • "Absolut sicher!", antwortete Rain mit einem Lächeln. Rain war zwar nicht sicher, dass jeder hier sein Spielchen mit einem gefährlichen Wolf mitspielen würde und es machte ihm auch etwas Sorgen, aber weder der Arzt, noch Sara, oder Judith würden etwas gegen den Wolf unternehmen. Auch seinen Soldaten vertraute Rain so weit, viele davon waren schon jahrelang hier, oder bildete Rain sich diese Sicherheit nur ein? Wie lange würde es dauern, bis jemand bemerkte, dass der Wolf nie in seinem Bett schlief und stattdessen mehr als einmal aus Rains Zimmer kam, in dem er eigentlich gar nicht sein sollte? Wie lange würde es dauern bis jemand einen Blick auf Rains Hals erhaschte und sich fragte woher diese dunklen Flecken kamen? Wie lange würde es dauern, bis sich jemand fragte woher die ganzen Male an Nayantais Körper kamen, der sich ohnehin weigerte ein Hemd zu tragen, das verdecken konnte was Rain da getan hatte. Konnte Rain ihn wirklich beschützen, so wie er es schon so oft versprochen hatte? Sollte man entdecken was Rain hier mit dem Feind trieb, dann war ihrer beider Leben wohl zu Ende und obwohl Rain mit seinem eigenen abschließen konnte, weil er das doch schon vor so langer Zeit getan hatte, so würde es ihn zerfressen, dass er das Versprechen, das er dem Wolf gegeben hatte, gebrochen hatte.

      Rain blickte zu Nayantai auf, der natürlich widersprach und irgendwas vor sich hin plapperte, das Rain nicht verstehen konnte. Er schüttelte leicht den Kopf, wenn Nayantai sich anstecken konnte, dann hatte er das vermutlich bereits getan, aber wozu noch mehr Risiko eingehen? Rain glaubte zwar durchaus, dass Nayantais Körper trotz der Strapazen des letzten Jahres, immer noch stärker war als Rains eigener Körper, aber er wollte nicht herauf beschwören, dass der Wolf am Ende noch an das Bett gefesselt war, weil er die Krankheiten der Schafe nicht gewohnt war. Sollte Nayantai tatsächlich krank werden, so konnte Rain ihn vermutlich nicht einmal besuchen, niemand würde ihn zu ihm lassen, aus Angst er holte sich dasselbe und den Wolf alleine zu lassen war ein schrecklicher Gedanke. "Ich will kein Risiko eingehen.", lächelte Rain. "Aber es ist deine Entscheidung." Mit diesen Worten stieß Rain die Tür zum Speisezimmer auf und begab sich erneut zu einer dieser Gerätschaften, von denen Nayantai immer noch nicht wusste, was genau sie machten. Es würde bald jemand vorbei kommen um Rain zu fragen was er wollte. Man konnte tatsächlich stundenlang durch all diese Gänge gehen und niemandem begegnen... Rain blickte zum Fenster, vor dem es immer noch schneite, aber wie lang noch, bis Nayantai von hier verschwinden würde? Rain hustete erneut und ließ sich auf einen der Sessel fallen. Es ging ihm besser mit Nayantai hier, aber all die Aufregung die er nicht gewohnt war zollte ihren Tribut. Was wenn Rain den Frühling gar nicht mehr erlebte? Was würde dann aus Nayantai werden?
    • "Mhm", antwortete Nayantai lediglich. Was würde er tun, sobald der Schnee schmolz? Eigentlich wollte er nicht mehr zurück nach Hause, nach Thria, weil die Wahrheit immer klarer wurde. Würde er es wagen, das gelobte Land der verteufelten Wölfe wieder zu betreten, so würde es wohl darin enden, dass er sich - Hals über Kopf - in seinen eigenen Tod stürzte, aber das machte er auch hier und das war, wenn er ehrlich war, nichts anderes. Verblieb er in Fhaergus, in Adrestia, dann würde es darin enden, dass er auch hier irgendwann den Tod fand, weil man entweder glaubte, einem Wolf war sowieso nicht zu vertrauen oder weil man herausfand, was er mit Rain anstellte - weil man sich einredete, dass er den jungen Fürsten verflucht hatte, ihn in die Abgründe des menschlichen Daseins zog und ihm Dinge einredete, an die er normalerweise gar nicht denken würde. Nayantai tat allerdings nichts dergleichen, sondern suchte sich lediglich einen halbwegs festen Pfeiler in dieser ihm unbekannten Welt, jemanden der ihn am Leben erhalten würde und der nicht dafür sorgte, dass er alsbald seinen Weg in sein Grab antrat. Vielleicht war es aber auch die eigene Zuversicht und die Tatsache, dass er Rain und seine macht durchaus überschätzte, als dass er sich wirklich eine Meinung darüber bilden konnte, ob er nun doch sein Leben alleine fristen durfte oder nicht.

      Würde man ihn jemals wieder gehen lassen? Eben das konnte Nayantai nicht beantworten, auch wenn er wusste, dass er gar nicht wirklich gehen wollte, dass er hoffte, man behielt ihn hier und würde ihm einfach die Heimreise verneinen - warum auch immer. Was hatte sich Rains Vater dabei gedacht, ihn einfach hier abzusetzen anstatt ihn umzubringen? Letzten Endes konnte er sich kaum an den Weg hierher entsinnen und glaubte beinahe, er musste sich wie ein kranker Welpe aufgeführt haben, aber irgendetwas sagte ihm, dass er vermutlich um einiges widerspenstiger als das gewesen war - dass er zu diesem Zeitpunkt nicht daran gedacht hatte, dass es Konsequenzen gäbe, wenn er zurück nach Hause fand. All das betrübte ihn, aber schlussendlich ließ er sich neben Rain auf einen der Sessel sinken und legte den Kopf in den Nacken - sollte er sich das Hemd nicht zuknöpfen, wenn er schon hier saß? "Mh, du lässt mich selbst eine Entscheidung treffen?" Eigentlich war es keine gute Idee, eben das zu tun - Nayantais Antwort lag auf der Hand, auch wenn er wusste, dass es vermutlich nicht die klügste Entscheidung war, aber wann hatte ihn das schon jemals davon abgehalten, irgendetwas zu tun? "Ich meine, ich würde eigentlich lieber bei dir schlafen, aber ... wenn du meinst, es ist keine gute Idee, dann sollte ich das vielleicht nicht tun", seufzte der Wolf, der bereits anfing, sein Hemd wieder zuzuknöpfen - irgendwie fühlte es sich dann doch komisch an, so herumzurennen. Beinahe schon falsch.
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    • Kaum hatte Rain sich hingesetzt, merkte er auch schon wie müde er war. Er war doch nur von Nayantais Zimmer zum Arzt und dann hier her gegangen, das war nicht gerade eine Weltreise gewesen. Nachdem er das Fenster geöffnet und in der Kälte gestanden hatte, schien all seine Energie aus ihm heraus gesogen worden zu sein und seine Fingerspitzen fühlten sich auch jetzt noch kälter an als normalerweise, all das obwohl er mit Nayantai unter eine Decke gelegen hatte, um sich wieder aufzuwärmen. Er hustete noch einmal und zog seine Jacke etwas enger um sich. Sicherheitshalber fasste er sich für einen Moment selbst an die Stirn, aber er hatte kein Fieber, das war gut, trotzdem war ihm schon wieder so kalt, als hätte sein Körper keine Energie mehr, um sich selbst aufzuwärmen. Er war müde und hätte sich am Liebsten ins Bett gelegt, etwas Essen und ein heißer Tee halfen aber vielleicht genau so gut. Er blickte zu Nayantai hinüber der sich ebenfalls setzt und sogar anfing sein Hemd zu zu knöpfen. Rains Wangen färbten sich ein wenig rot, als er daran zurück dachte, wie er seine Zähne in Nayantais Haut versenkt hatte, so fest, dass es diesmal wohl Spuren hinterlassen würde, aber er musste zugeben, dass es bei Nayantais geschundenem Körper weitaus weniger auffiel als an Rain. Zum Glück brauchte er sich keine Sorgen zu machen, dass ihn jemand schief ansah, weil er sich ein Kleiderschichten einwickelte. Was machte er hier eigentlich? Zum ersten Mal wirklich etwas leben? Er wusste es nicht, aber er hatte Nayantai bereits in sein Herz geschlossen, Wolf hin oder her.

      "Natürlich!", lächelte Rain und setzte sich etwas aufrechter hin, er wollte nicht aussehen wie ein Haufen Elend. "Ich sagte doch, du bist mein Gast und nicht mein Gefangener, auch wenn ich dich im Moment einfach nicht fort gehen lassen kann." Der Winter würde den Wolf bei einem zweiten versuch die Berge zu überqueren und ohne jemanden wie Rains Vater der die Pässe kannte, vermutlich töten und das wollte Rain nicht. Nur noch ein paar Wochen, dann dürften die Pässe wieder frei sein. "Tut... mir Leid. Vielleicht geht es mir Morgen schon besser...", lächelte Rain entschuldigend, der genau wusste, dass Nayantai eigentlich nicht so gerne alleine war. Immerhin kam er immer wieder zu Rain zurück wie ein Hund, Rain machte das aber auch nichts aus. Sie wurden unterbrochen als Sara den Raum betrat und einen kleinen Knicks machte, auch wenn Rain ihr schon so oft gesagt hatte, dass das nicht nötig war. "Wollt Ihr zu Abend essen, junger Herr?", fragte sie höflich und warf auch einen kurzen Blick auf Nayantai. Rain nickte lächelnd. "Und könntest du Nayantai etwas Stoff aus dem Lager holen? Er will sich seine eigenen Handschuhe nähen, sofern ich das richtig verstanden habe. Es reicht morgen Früh." Nun richtete auch Rain seinen Blick wieder auf Nayantai, der den Handschuh ja eigentlich noch irgendwo in seiner Hosentasche haben musste. "Nayantai, gibst du ihr den Handschuh von vorhin?", fragte er und tippte auf seine Hand, um ihm verständlich zu machen was sie eigentlich von ihm wollten.
    • Sich einzubilden, sein eigener Körper war bereits wieder auf der Höhe, die es brauchte, um ihn nach Thria zu schleppen, war gar töricht. Noch immer litt er daran, dass er er selbst war - jemand, der die letzten Jahre in einem dunklen, modrigen Verlies zugebracht hatte und der absolut keine Ahnung davon hatte, was es war, dass diese Welt antrieb, geschweige denn, was ihn dazu verleitete, er selbst zu sein - oder noch immer bestehen zu wollen. Natürlich war klar dass er nie wieder derjenige sein konnte, der er einst gewesen war, so viel konnte sich der Wolf auch selbst beantworten, doch auch dieser Schein trügte. Nun saß er hier, zusammen mit einem Schaf an einem hölzernen Tisch, umgeben von steinernen Wänden, irgendwo in einer malerischen Landschaft, eingezäunt von blendend weißem Schnee, der sich wie eine dicke Decke über jedwedes Plätzchen im Land gelegt hatte. Wüsste Nayantai es nicht besser, so würde er glauben noch immer in Thria zu sein, in seiner Heimat, von der er nicht wusste, ob er sie missen durfte oder gar sollte - von dem Ort, an dem er nicht sein sollte, weil seine Existenzberechtigung vor Jahren in lodernden Flammen erloschen war, gleich wie das Leben derjenigen, die er seine neue Familie zu schimpfen bedurfte. All das nagte an ihm, an seinem Verstand und die Frage, ob er das Richtige tat, hatte womöglich keine Antwort mehr.

      "Was?", seine Stimme klang, wenn auch verwirrt, durchtränkt von Entsetzen, von der Faszination darüber, dass man ihm soeben einen Schlüssel für die metaphorischen Fesseln reichte, die ihm noch immer zu schaffen machten. "Ich soll eigene Entscheidungen treffen?" Nayantai konnte sich nicht entsinnen, auch, wenn er vermutlich zu viel vergessen hatte, wann er das letzte Mal seine eigene Person gewesen war - seine Entscheidungen hatten schon vor Ewigkeiten kein Gewicht mehr getragen und sobald sie es taten, wurden sie mit Peitschenhieben geahndet, der Einfachheit halber - oder doch eher weil der König der Schafe seinen schmerzverzerrten Gesichtsausdruck zum Fressen gern hatte? "Mach dir keine Sorgen, Rain", antwortete er. Nun, da sein Hemd wohl doch durch die winzigen Knöpfe zusammengehalten wurde, fragte er sich, wieso er sich auf diesen Schabernack hier einließ. Rain hatte recht, er war kein Gefangener, er konnte dementsprechend tun und lassen, was er wollte - auch, wenn Nayantai wusste, dass eben jener Gedanke der falsche Ansatz zur Lösung seines Problems war. "Ich ... äh ... ja", murmelte der Wolf knapp, der anfing, nach dem Handschuh zu suchen, den er alsbald Sara übergab, damit sie mit diesem wieder verschwinden konnte. Seinen eigenen Handschuh zu nähen wäre keineswegs schwer - immerhin war eben das nichts, was Wölfe nicht schon seit Ewigkeiten taten - und er würde sich ein kleines Stück wohler in seiner Haut fühlen. "Das hier ist alles so ... komisch."
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    • Rain konnte sich nicht vorstellen was Nayantai erlebt hatte, aber bestimmt hatte er in dem Kerker nicht viel Freiheiten gehabt - im Gegenteil, er war dort gewesen um gebrochen zu werden, um ihm jedwede Entscheidung abzunehmen und ihm zu nichts weiter zu machen, als ein Haustier - weniger noch vermutlich. Nayantai konnte sich in Fhaergus jedoch erholen, er konnte lernen wieder er selbst zu sein und entscheiden, was er tat, auch wenn Rain ihm natürlich Dinge nahe legte, von denen er glaubte sie wären richtig. Zum Beispiel, dass er sich besser nicht anstecken sollte und auch, dass Nayantai noch warten sollte, ehe er versuchte das bergige und kalte Land zu verlassen, um zu seiner eigenen, eisigen Heimat zurück zu kehren. Rain fragte sich wie es wohl wäre, würde er wie sein Vater oder die Wölfe mit der Kälte fertig werden, aber diese Gedanken waren töricht, denn er konnte nichts an seiner Situation und dem Gefängnis das er seinen Körper nannte, ändern. Vielleicht hatte dies aber auch etwas Gutes, immerhin verspürte er nicht den Drang einen Wolf in seine Schranken zu weisen und er strahlte absolut keine Bedrohung aus, was wiederum ermöglicht hatte überhaupt mit Nayantai zu sprechen.

      Nun sah Rain zu wie Nayantai nach dem Handschuh kramte und ihn überreichte. Sara verschwand damit kurz darauf wieder und ließ die beiden alleine, bis das Essen servierfertig war. Jedes Mal wenn Nayantai Rains Namen aussprach, durchfuhr ihn aus irgendeinem Grund ein angenehmer Schauer und er konnte nicht anders, als den Wolf anzulächeln. "Hm?", fragte er und legte den Kopf schief, nachdem er den wichtigsten Teil des Satzes schon wieder nicht verstand, was war das hie alles? Naja es war fremd für Nayantai, ungewohnt, für einen Wolf, als auch einen Gefangenen, Rain sollte ihm ja ohnehin keine Freundlichkeit entgegen bringen. "Es ist... seltsam?", versuchte er die Lücke zu füllen. "Das liegt wohl an mir, ich benehme mich nicht wie man es von mir erwartet, aber das ist mir im Moment egal. Ich vertraue meinen Bediensteten, niemand wird dich verraten, oder mich und selbst wenn, dann ist das erst im Frühjahr wichtig." Er redete schon wieder zu viel, oder etwa nicht? Entschuldigend und schulterzuckend schüttelte er den Kopf, es war nicht wichtig, auch wenn er es sich da selbst ein wenig zu einfach machte.
    • Nayantai wollte nicht mehr als die Freiheit, die ihm keiner schenken wollte - und er wollte auch nicht mehr, als zu leben, so viel war verständlich. Wollte er wirklich zurück nach Thria, in seine verruchte Heimat oder wäre es nicht besser, sich Rain anzubieten, sobald er eine Chance dazu bekam? Natürlich wusste Nayantai, dass er momentan nicht sonderlich ansehnlich war, aber vielleicht würde der Blonde ihn doch akzeptieren und einfach bei sich behalten, egal wie. Nach Hause zu gehen und in einem sinnlosen Krieg zu sterben, war das denn etwas, das er wollte? Musste das sein? Im Endeffekt wäre er nicht mehr als eine der unzähligen, namenlosen und gesichtslosen Leichen, die irgendwo auf einem verwüsteten Schlachtfeld lagen und den weißen Schnee in rote Gewänder hüllten. Nayantai wusste eben das, beinahe schon peinlichst genau - oft genug hatte er bei ihnen gelegen, oft genug hatte er einige Stunden bei ihnen verbracht, bevor er wieder einen Weg fand, sich zu rühren, sich zu bewegen und auf die Beine zu drücken, die nicht dazu imstande waren, sein gesamtes Gewicht zu tragen und oftmals versuchte er vergebens, zurück zu den anderen Wölfen zu kriechen, die auch noch Laute von sich gaben, die noch atmeten und hofften, ihr Leben wäre noch nicht hinüber. War es nicht traurig? Oder bildete er sich all das nur ein? Vielleicht schon, vielleicht interpretierte er zu viel in eben jene Gedanken hinein.

      Hier zu sein war auch nichts, das er seiner Heimat vorziehen würde, aber schlussendlich war es angenehmer als in der altbekannten Kälte um sein Leben bangen zu müssen und zu hoffen, man fände sich selbst nicht als Leiche in irgendeinem Haufen, der irgendwann angezündet worden wäre, um die Spuren des Krieges zu beseitigen und die gepeinigten Seelen in Frieden ruhen zu lassen. "Selt ... sam?", fragte der Wolf nach, der seinen Kopf schieflegte. Nayantai war noch immer mit der fremden Sprache überfordert, gleich wie Rain wohl nicht immer zu wissen schien, wie er die Wolfssprache zu bändigen hatte. Genau genommen schien eben jenes aber egal - irgendwie schwammen sie, ohnehin, auf einer Wellenlänge und konnten nicht mehr tun als zu hoffen, dass sie einander irgendwo, irgendwie verstanden. "Äh, ich ... du ... was?", erneut war der Wolf sich nicht sicher, ob er gerade verstanden hatte was er verstehen wollte oder verstanden hatte, was Rain ihn verstehen lassen sollte - war das wichtig? "So langsam fühle ich mich ziemlich dumm, wie lang bin ich eigentlich schon hier?", seufzte der Wolf, der wohl nichts lieber tun würde, als sein Gesicht in einem Teller Suppe zu ertränken, auch, wenn er schlussendlich Essen aufgetischt bekam, aß er dieses lieber. Rain meinte, er solle sich erholen und Nayantai selbst wusste, so dürr er nun auch war, all das würde ihm nicht helfen. "Wieso ist die Schafssprache auch so unnötig schwer?" Hatte er aus Frust gerade ein Stück Wurzelgemüse mit seiner Gabel erstochen? Ja.
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    • "Mach dir nichts draus.", erwiderte Rain lächelnd als der Wolf erneut nicht verstand, manchmal sprach Rain auch mehr mit sich selbst, beantwortete sich seine eigenen Fragen, oder plapperte vor sich hin, um seine Handlungen vor sich selbst zu rechtfertigen, vielleicht kam es daher, dass Rain so lange alleine war und nie jemanden gehabt hatte, dem er groß etwas erzählen konnte. Briefe schrieb er, aber die waren wohl kaum dasselbe wie ein Gespräch unter vier Augen und niemand kam hier her zu Besuch, schon lange nicht mehr. Als Rain noch ein Kind war, war er auch krank gewesen, aber mit den Jahren wurde es immer schlimmer. Jedes Mal wenn sie einen Gast empfangen hatten und Rain diesen begrüßt hatte, oder auch nur mit seiner Mutter gesprochen hatte, nachdem der Gast wieder fort war, wurde er krank und bekam hohes Fieber. So wie vor einer Woche, nachdem er Nayantai begrüßt hatte, es war nicht nur die Kälte die ihm zusetzte, sondern alles, was Menschen von draußen herein schleppen konnten. Er hätte sterben können, wie so oft und manchmal wurde er auch einfach so krank, scheinbar ohne Grund. Die Bediensteten in diesem Haus selbst gingen selten in die Stadt und wenn sie es taten, dann hielten sie sich anschließend einige Tage fern von ihrem Herren. Und da waren sie wieder, alle diese Gedanken die Rain den Appetit verdarben, dabei hatten sie einander doch versprochen mehr zu essen, oder etwa nicht? Trotzdem stocherte Rain nur in seinem Essen herum.

      "Du bist nicht dumm.", lächelte Rain und schüttelte seinen Kopf, dann überlegte er für einen Moment. "Du bist schon mehr als ein Monat hier, also... mindestens vier oder fünf Wochen, das macht... hm so weit kann ich in der Sprache der Wölfe nicht zählen. Drei mal zehn und fünf Tage in etwa." Er legte den Kopf schief, hoffentlich war das einigermaßen verständlich und mit Tagen dürften sie auch auf einem gemeinsamen Nenner sein. Wer wusste denn, ob Wölfe überhaupt Wochen und Monate hatten und ob diese gleich lang waren, aber ein Tag war von Sonnenaufgang bis zum nächsten, da konnte man nicht viel falsch machen. "Noch einmal so lange und die Pässe sind frei.", erklärte Rain, vielleicht dauerte es nicht einmal so lange. Selbst wenn Nayantai dann immer noch nicht gehen wollte, er würde wohl müssen. "Schwer? Hm... unsere Sprachen sind sich eigentlich sehr ähnlich, das macht es einfacher, auch wenn die Aussprache eine ganz andere ist.", lächelte Rain, aber zumindest Grammatik und Satzbau waren gleich, das machte es schon Mal einfacher. Anschließend würgte er doch noch ein paar große Bissen herunter, damit er es schnell hinter sich hatte und schob danach den Teller von sich.
    • "Hm?" Nayantai fand des Öfteren, dass er sich zu sehr von einfachen Dingen verwirren ließ - wie, beispielsweise, Gestiken Rain's, die absolut nicht herabwertend gemeint waren. Nichts mehr als ihn zu verstehen und bei ihm zu bleiben, das wollte der Wolf, aber aus jetziger Sicht schien eben das unmöglich zu sein, wieso auch immer er sich überhaupt noch auf seine eigenen Gedanken einließ, nun, das wusste er selbst nicht ganz. Vermutlich könnte er blind sein, nicht wissen, wer oder was Rain war und er würde ihm noch immer um den Hals fallen, ihn himmelhochjauchzend anbeten und für einen Gott halten, der ihn endlich aus dem ewigen Miasma gezogen hatte, in dem er die letzten Jahre aus Schmerz und Leid verbracht hatte. Leider hieß das aber auch, er vergötterte jemanden, der so fernab der Realität lebte, er wüsste vermutlich gar nicht, wie er sich passende Ausreden zurechtlegte, um seinen treusten Anhänger davon zu überzeugen, dass er wirklich der Lobpreisungen wert war. Nun, da er ohnehin schon ein Ketzer und ein Verräter war, wieso kratzte er sich nicht die Augen aus dem Kopf und zwang sich selbst dazu, hierzubleiben? Ehrlich gesagt wäre das nicht nur schmerzvoller Aufwand, sondern auch etwas besorgniserregend - Nayantai war Rain dankbar, aber nicht auf eben jene Art und Weise.

      "Ich weiß, ich fühle mich einfach nur dumm, weil ich mir die einfachsten Dinge nicht merke", am liebsten hätte er seinen Kopf in einer Schüssel Suppe versenkt. Das letzte Mal, als er sich mit solchen Dingen herumschlagen musste, war vor einer halben Ewigkeit. Nayantai wusste von manchen Dingen nicht viel, vor allem wenn sie dann passiert waren, wenn er unter Blutverlust litt, zu viel Medizin zu sich genommen hatte, vergessen wollte, oder einfach nur betrunken war - aber all das war hier keine Option mehr. Viel lieber würde er sich an die unschönen Details erinnern, an den Schmerz und die Wunden, die bereits alle widerlich verheilt waren und seinen Körper in ein Meer aus Narben wandelte. "Fünfunddreißig?", fragte der Wolf ungläubig. Hier schmolz als nach fünfunddreißig Tagen kein Schnee, ganz im Gegenteil, die dicken Flocken fielen beinahe schon unaufhaltsam vom Himmel und erschwerten ihm jedwede ungeplante Flucht. "Pässe?", redete Rain da etwa von dem Gebirge, das er überqueren musste, damit er Zuhause ankam oder gab es doch einen ganz anderen Beweggrund für den Satz? Alles, was sich auf seinem Teller befand, landete schlussendlich auch in seinem Magen - er wollte auf die Energie nicht weiterhin verzichten. "Es wäre leichter, wenn zumindest einer von uns die Sprache des Anderen könnte." Aber welcher Adelige würde seinem Sohn schon solche Dinge beibringen? Die sterbende Sprache der Feinde?
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    • "Das heißt... es ist nicht wichtig.", lächelte Rain erneut, nachdem Nayantai ihn wohl nicht ganz verstanden hatte, manchmal vergaß Rain, dass sie zwar schon einige Worte teilten, aber Sprichworte und Phrasen wie die eben machten natürlich keinen Sinn, ohne den Kontext zu kennen. "Wir haben schon eine Menge voneinander gelernt.", widersprach Rain, der zwar auch nur die Hälfte von dem was Nayantai gesagt hatte verstanden hatte, aber er glaubte trotzdem zu wissen worum es ging. Sie kannten sich ein wenig über ein Monat und die meiste Zeit davon hatten sie verschlafen, weil Rain mit hohem Fieber im Bett gelegen hatte, oder weil nayantai sich von seiner Infektion erholen hatte müssen. Dafür hatten sie schon so verdammt viel voneinander gelernt und schafften es doch ein relativ flüssiges Gespräch zu führen. Natürlich war alles davon holprig, aber es war mehr als Rain anfangs erwartet hatte.

      "Fünfunddreißig.", wiederholte Rain in der Sprache der Wölfe, das klang doch eigentlich ganz ähnlich wie das was er fabriziert hatte um Nayantai verständlich zu machen. "Die Pässe, ja... die Wege über den Berg heißen Pässe. Und... nochmal fünfunddreißig, dann kann man über den Berg gehen.", versuchte Rain zu erklären. Sie waren jetzt etwa in der Halbzeit ihrer gemeinsamen und vor Allem ruhigen Zeit hier. Was auch immer geschah, Nayantai würde es nicht leicht haben, sobald der Schnee schmolz. "Ich finde wir verstehen uns schon ganz gut, dafür, dass wir vorher kein einziges Wort in der Sprache des anderen kannten." Es überraschte Rain tatsächlich, jedenfalls war damit bewiesen, dass die Wölfe keine wilden Tiere waren und sie waren auch nicht dumm, auch wenn das Vielerorts behauptet wurde. Gut, Nayantai war ein Prinz, aber so wie er von seiner Heimat erzählt hatte, machte das gar keinen so großen Unterschied. Zufrieden blickte Rain auf Nayantais Teller, der heute komplett leergeputzt wurde und im Gegenzug zwang er auch noch ein paar Bissen in seinen Magen. Er war immer noch müde von der Aufregung des heutigen Tages und so verabschiedete er sich dann auch bald ins Bett und das dieses Mal alleine.

      Die folgende Woche verbrachte Rain damit zu arbeiten und tatsächlich etwas weiter zu bringen, während Nayantai Draußen und im Haus mit anpackte und somit ebenfalls beschäftigt war. Ab und zu sah Rain ihn unten an seinem fenster vorbei gehen, weil er irgendetwas von A nach B trug, oder sich mal die Beine vertreten wollte. Die Soldaten waren immer in seiner Nähe, aber auch sie schienen sich langsam an seine Anwesenheit zu gewöhnen und zu merken, dass er niemandem etwas böses wollte, schon gar nicht Rain. Der junge Fürst hatte immer noch Halsschmerzen, jedes Mal wenn er schluckte und auch der Husten blieb hartnäckig bestehen, weswegen er Abends etwas länger mit Nayantai beisammen saß und sich mit ihm unterhielt, aber lieber in seinem eigenen Bett schlief. Er hatte kein Fieber und langsam kam der Husten nur sporadisch zum Vorschein und so hatte er sich überlegt Nayantai vielleicht wieder in sein Zimmer einzuladen, auch wenn es so verdammt falsch war auch nur daran zu denken. Alleine war es jedoch kalt und einsam, Rain schlief nicht gut und er sehnte sich nach etwas Wärme und nach Nayantais Armen, so seltsam das auch klang. Nun war er gerade alleine im Speisesaal und wartete auf Nayantai und das Essen, er wusste nicht recht was ihn so lange aufhielt, aber Rain machte sich auch keine Sorgen. Stattdessen steckte er seinen Kopf in ein Buch solange er wartete. Er hatte gute Laune, weil er ziemlich sicher war, dass Nayantai sich freuen würde, wenn Rain ihm erlaubte sich wieder auszusuchen wo er schlafen wollte.
    • Schlussendlich war es jedoch egal, was Rain ihm erklärte - Nayantai wusste, dass er sich all das ohnehin irgendwann beibringen musste und selbst, wenn jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt dazu war, fand er sich noch immer in einer ihm fremden Welt wieder, in einer Büchse der Pandora, aus der es kein Entkommen gab, solange der Frost nicht verschwand, der ihn und sein Leben einnahm. Genau genommen stellte er sich oftmals Fragen, auf die er keine Antwort hatte - und diese blieb eben deswegen aus. Nach Thria zu gehen, nach Hause - war das überhaupt eine Option? Immerhin fand man hier Dinge, die er tun konnte und man musste ihn nicht dafür bezahlen, wenn auch gleich die schrägen, misstrauischen Blicke einiger Diener sich in seine Haut bohrten, als wären sie stumpfe, rostige Klingen, die ein Mahnmal hinterlassen sollten, an das er sich zu erinnern hatte. Nayantai wusste genau so gut, dass Rain nichts außer das Beste für ihn wollte und dass er hoffte, ihn irgendwann wieder gehen lassen zu können, aber Fhaergus hatte das, was Nayantai auch in Thria hatte - eisige Kälte, festen Schnee und unbekannte Gesichter. Musste er denn dorthin zurückgehen, wo es keine Zukunft für ihn gab, nur weil die Schafe die Wölfe verschmähten? Weil in ihren Herzen nicht mehr als Wut auf ein ganzes Volk brannte, das nicht verstand, wieso es diesen Krieg überhaupt gab? Er wusste nicht, wieso oder weswegen er sich all das gefallen ließ - aber er tat es.

      Frost verbiss sich in den Herzen der Hartnäckigsten, zerfraß sie von innen heraus und gab ihnen das Gefühl, sie wären nicht mehr als ein Auslaufmodell, ein ersetzbares Stück Fleisch, ein Scheit Feuerholz, der irgendwann dazu benutzt werden würde, um die Flammen des Krieges weiter anzuheizen und schlussendlich ausbrannte, zu Asche wurde und sein unerfülltes Leben nicht sein eigen nennen konnte. Nayantais Erinnerungen an den Kerker waren schwammig, gleich wie es sich schon beinahe schwammig anfühlte, Rain in seinen Armen liegen zu haben - sie sahen sich nicht oft, einfach weil sich der junge Fürst mit seinen Aufgaben beschäftigte und der Wolf mit den Dingen, die man nun von ihm erwartete. Dadurch, dass er Energie, die er ohnehin kaum hatte, nun auch noch verbrauchte, war es ihm egal, was ihm vorgesetzt würde - er aß alles, damit er sich nicht ausgelaugt fühlte und es fiel ihm wohl auch leichter, in tiefen Schlummer zu versinken, ohne von Albträumen geplagt zu werden. Der einzige Nachteil war, dass er kaum bis gar keine Zeit mit seinem Rain verbringen konnte, weil beide von ihnen viel zu beschäftigt waren. Nun, nachdem er sich so anfühlte, als hätte er sich die Finger seit langem wund gearbeitet, war er umso glücklicher, dass er endlich seine Kleidung ablegen konnte, in andere Gewänder schlüpfen durfte und sich schlussendlich auf den Weg in den Speisesaal machte - in dem Rain seine Nase in einem Buch vergrub. "Wie schlimm sehe ich aus?", fragte der Wolf lachend, als er sich auf einen Sessel neben den Blonden fallen ließ. Vermutlich standen seine Haare zu Berge, zumindest ein paar von ihnen, oder er hatte noch irgendwo Dreck im Gesicht.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Als die schwere Holztür zum Speisezimmer geöffnet wurde, sah Rain auf und lächelte Nayantai an. Das Buch wurde gleich zugeklappt und weg gelegt, er brauchte es nicht mehr und las es ohnehin nicht zum ersten Mal, stattdessen hatte er jetzt Nayantai der seinen Verstand noch eine Weile beschäftigen konnte. Wie der Wolf hier herein spazierte ließ Rain schmunzeln und in so kurzer Zeit wurde seine Aussprache und vor Allem die Fähigkeit Sätze zu bilden und sich an Worte zu erinnern, viel besser und er klang schon beinahe wie ein Schaf, wie ein Ehemann der nach einem harten Tag nach Hause kam und seine Familie begrüßte. Rain fand es interessant Nayantais Entwicklung zu sehen und die Tatsache, dass er hier lachend auftauchte machte ihn glücklich. Es war noch nicht so lange her, da wollte die Erschöpfung, Trauer und Wut gar nicht aus dem Gesicht des Wolfes verschwinden und jetzt schien es ihm wesentlich besser zu gehen. Eine Aufgabe war vielleicht genau das, was er gebraucht hatte. "Du siehst ganz ordentlich aus!", erwiderte Rain und beugte sich schließlich vor um zumindest den Kragen von Nayantais Hemd zu richten. "Du hast dein Hemd von ganz alleine zu geknöpft, das ist doch schon Mal ein Fortschritt!", schmunzelte Rain. "Willst du mir von deinem Tag erzählen?"

      Der junge angehende Fürst lehnte sich wieder zurück und faltete die Hände auf seinem Schoß, wusste aber gar nicht wie er seine Nachricht übermitteln sollte. "Mir geht es schon viel Besser, die Halsschmerzen sind fast weg und auch der Husten scheint vorüber zu gehen.", teilte er mit einem Lächeln mit, ohne auszusprechen, worauf er eigentlich hinaus wollte, einfach weil er sich nicht wirklich traute. Es war ihn ein wenig peinlich Nayantai einfach zurück in sein Bett einzuladen, mal davon abgesehen, dass er sich eigentlich für solche Gedanken schämen sollte, aus mehrerlei Gründen. Mehr brachte er jedenfalls vorerst nicht heraus und alles was er noch tat, war den Kopf schief zu legen und zu hoffen, dass Nayantai Eins und Eins zusammen zählen konnte und einfach fragte, ob sich an den getrennten Zimmern für die Nacht ebenfalls etwas geändert hatte.
    • "Ordentlich?", Nayantai konnte ein belustigtes Gluckens nicht unterbinden, nicht, weil er nicht verstanden hatte, sondern weil Rain gerade sagte, dass er - er, der nicht mehr trug als die Kleidung derjenigen, die er eigentlich hassen sollte - anscheinend auch noch so aussah, als würde ihm all das hier passen. "Meinst du das ernst?" Dennoch verfiel er in alte Muster, war aber dennoch allein dadurch belustigt, dass man sich wohl auch freute, ihn zu sehen - jemanden wie ihn, der eigentlich nicht mehr sein sollte und der schon so viel durchgemacht hatte, dass es beinahe schon komisch wirkte, dass er überhaupt noch hier war. "Ich kann draußen auch nicht mit aufgeknöpftem Hemd herumlaufen!", wehrte er sich, noch immer absolut belustigt von der Situation und in der Hoffnung, er konnte das dumme Grinsen auf seinen Lippen bald verschwinden lassen - irgendwie tat ihm das Gesicht schon jetzt weh. "Mein Tag war anstrengend, aber ... irgendwie war es angenehm? Das ... ist jetzt nicht unbedingt aussagekräftig, aber ich hatte genug zu tun und bin ausgelaugt und vielleicht etwas hungriger, als ich zugeben will!" Alles in allem empfand er jedoch, dass eben das gar nicht wichtig war - dort draußen gab es noch immer nicht viel mehr als weißen Schnee und eventuell ein paar Fußstapfen seinerseits, die sich durch diesen gebohrt hatte. "Wie geht es dir?"

      Nayantai würde dem Blonden am liebsten um den Hals fallen, ihn zurück in dessen Bett schleppen und ihn die ganze Nacht nicht mehr loslassen, aber ... irgendwie wollte er sich das Privileg nicht nehmen, wollte lieber abwarten und hoffte, dass Rain ihn wieder in sein Bett einlud. "Das hört sich gut an! Du hörst dich allgemein schon viel besser an!" Wieso war er eigentlich so froh darüber, dass er sich ein Bett mit einem Schaf teilen konnte, dass ihn dieses Schaf durchfütterte als wäre er kein wilder, rabiater Köter und als wäre ebendas Liebe, die keiner von ihnen jemals gespürt hatte? "Um, heißt das ...", murmelte er, kratzte sich am Hinterkopf und sah das Lamm an, das seinen Köpf schieflegte und wohl auf genau das Gleiche hinauswollte. Dann hieß ebendas genau ... "... dass ich wieder in deinem Bett schlafen kann?", fragte er, mit einem beinahe spitzbübischen Grinsen auf dem Gesicht, dass jedoch bald verstand, bevor er sich selbst nicht mehr zusammenreißen konnte und nochmals lachte. "Ich ... sollte dich vermutlich nicht so anschauen, irgendwie fühlt sich das falsch an." So, als würde er nur Hintergedanken haben und Rain ausnutzen wollen, was mittlerweile definitiv nicht mehr der Fall war.
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    • "Natürlich meine ich das ernst!", lachte Rain der gar nicht zu verstehen schien, wieso Nayantai überhaupt fragte und es dann auch noch so unterhaltsam fand. Er war eigentlich nicht darauf aus Nayantai zu etwas zu machen, das er nicht war, er wollte ihn nicht verbiegen, damit er einem Schaf ähnelte, aber er wollte trotzdem, dass Nayantai hier akzeptiert, oder zumindest weiterhin toleriert wurde und dazu musste er sich wohl oder übel ebenfalls an die Etikette halten die die Schafe scheinbar so sehr liebten. "Aber nur weil dann selbst dir ein wenig kalt werden würde.", schmunzelte Rain und betrachtete den Wolf, die zerzausten Haare, die beim Arbeiten bestimmt ein wenig störten und den Schmutz in seinem Gesicht. Beinahe beneidete Rain ihn, einfach weil er so viel tun konnte und so stark war, während Rain nur dazu gut war Berichte zu lesen und den Überblick über Finanzen zu haben. "Es freut mich, dass du ein wenig Freude daran hast.", erwiderte Rain mit einem Lächeln, auch wenn er nicht alles verstanden hatte. Dass Nayantai so viel auf einmal sagte, ohne sich darüber zu beschweren, dass er nicht alles sagen konnte was ihm in den Sinn kam, war ebenfalls erfrischend. "Was gab es denn heute für dich zu tun?", wollte er weiters wissen.

      "Hm, meine Stimme ist weniger kratzig, nicht?", fragte Rain mit einem Nicken. Er war ohne Fieber davon gekommen, obwohl er das verdammte Fenster einfach so geöffnet hatte, ohne darüber nachzudenken, er hatte nur Glück gehabt, ebenso wie er Glück mit dem Wolf hatte. Er hatte ihn nicht angefallen und würde es auch nicht tun, aber wie lange konnte dieses Glück eigentlich noch anhalten? Nun wurde Rain ein wenig rot und blickte zur Seite, als Nayantais Blick den seinen traf. Er sah wieder auf als Nayantai aussprach, was er selbst nicht sagen konnte und nickte mit einem Lächeln. "Mhm, wenn du das willst?", erwiderte Rain verlegen und musterte den Wolf erneut, der schon wieder vor sich hin lachte. Dieses Haus war so viel lebhafter seit er hier war, Rain wünschte er könnte ewig bleiben. "So anschauen...? Wie denn?", fragte Rain etwas verwirrt und zuckte aufgrund der Situation die ihn immer noch verlegen machte, ein wenig zusammen, als sich die Tür erneut öffnete und ihnen das Essen serviert wurde. Nayantai half zwar draußen mit, aber dennoch durfte er auch mit Rain an einem Tisch speisen, das wurde wohl von Manchem in Frage gestellt, aber was der junge Fürst wollte, wurde ohne wiederrede ausgeführt. Die Bediensteten verschwanden so schnell wieder, wie sie gekommen waren, aber nicht bevor Rain sich nicht bedankt hatte, obwohl er das nicht musste.
    • "Wirklich wirklich ernst?" Nayantai verhielt sich wie ein kleines Kind, dem nichts wichtiger war als von seiner Umgebung zumindest toleriert zu werden - Akzeptanz war ausgeschlossen, zumindest in manchen Fällen und damit musste er sich abfinden, auch, wenn er genau so gut wusste, dass er das nicht immer konnte. Rain war eine Ausnahme, einer von wenigen der einfach die Differenzen ihrer Völker nicht sehen wollte, oder für den sie keine Rolle spielten - er hatte keine Angst vor jemandem wie ihm, vor einem Wolf der so vieles mit ihm hätte anstellen können, aber nichts davon getan hatte, weil er viel zu erschöpft und ausgelaugt war, um sich selbst dazu zu zwingen. "Naja, ich glaube eher, sie würden mich komisch ansehen und denken, ich bin wirklich ein Monster", gab er von sich. Auch ihm wurde kalt, das war klar und Fhaergus' Temperaturen waren nun einmal denen in Thria am ähnlichsten, aber an manchen, besseren Tagen, rannte auch er mit halb angezogener Kleidung herum, einfach weil ihm so verdammt warm war oder wurde. "Es ist lustig, wenn ich helfen kann!", erklärte er salopp, als wäre es ohnehin nicht selbstverständlich für ihn überhaupt irgendjemandem zu helfen und irgendwo war das auch war, das wusste er. "Mh, ich habe Holz gehackt und viel zu viele Dinge durch die Gegend geschleppt, nichts aufwendiges, aber ..." Sollte er wirklich zugeben, dass er gemerkt hatte, wie viel Kraft ihm eigentlich auch fehlte?

      "Und du siehst weniger erschöpft aus." Noch immer fielen ihm manche Worte nicht leicht, aber es funktionierte beinahe schon viel besser, mit Rain eine Konversation zu führen und sich nichts darauf einbilden zu müssen, oder hinterfragen zu müssen, ob er wohl das Richtige gesagt hatte. Natürlich klang das irgendwie so, als würde er selbst nicht gerade wirklich verstehen, was er eigentlich tat, aber er wusste zumindest, dass sie sich beide schon irgendwie zu helfen wussten und je länger er hierbleiben würde, desto mehr würde er verstehen - das war auch keine schlechte Ausgangssituation, nicht wahr? "Wenn ich das will? Ich ... mh, ja, ich möchte das, sehr gerne sogar." Nun war wohl er es, der leicht rote Wangen hatte und seinen Blick kurzerhand abwandte. Wieso stellte er sich so an? Selbst Muhan hatte ihn nicht so fühlen lassen - aber Rain war anders, wie frischer Wind der sich in zerfetzten Segeln verfing und nie wieder abebbte. War es nicht komisch, neue Liebe zu empfinden, wenn alte Flammen noch immer flackern konnten? Nayantai würde hierbleiben, so lange er konnte und dementsprechend spielte nichts anderes eine Rolle, außer Rain. "So als ... ähm. Wie soll ich das sagen?", erneut lachte er, dieses Mal etwas nervöser, vor allem als er einen Blick auf das verlegene Gesicht des Blonden erhaschte. "Als könnte ich dich mit Haut und Haar fressen?" Auch wenn es vermutlich komisch war, redete er die Wolfssprache vor Rains Dienern, so war es ihm beinahe schon egal - er musste nicht alle Geheimnisse publik machen.
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    • "Hab ich dich jemals angelogen?", fragte Rain, statt die Frage zu beantworten mit einem Lächeln. Er konnte dem Wolf nicht alles versprechen, was er sich wünschte, aber das wusste er auch und so hatte Rain es bisher vermieden ihn zu belügen, selbst wenn er es hören wollte. Er brachte sowas gar nicht übers Herz und die einzige Gelegenheit die er nutzte, um nicht die Wahrheit zu sagen, war, wenn es um seine eigene Gesundheit ging und das war eine alte Angewohnheit, die nur dazu diente den Leuten in seiner Umgebung nicht noch mehr zur Last zu fallen, als ohnehin schon. Aber auch hier hatte er den Wolf dieses Mal nicht belogen, er fühlte sich tatsächlich besser und nicht so, als konnte er den Wolf noch anstecken, oder würde ihn mit seinem Husten die ganze Nacht wach halten, wenn er bei ihm bleiben wollte. "Ein Monster? So weit würde ich nicht gehen und dass du hilfst ist Beweis genug dafür, dass du es auch nur gut meinst.", lächelte Rain. Natürlich gab es Leute die ihn nicht als Menschen betrachteten, aber ein Monster war er nicht, wenn dann sahen sie ihn wohl eher als wildes Tier, dass sich aus irgendeinem Grund von Rain zähmen ließ. Andererseits war den Meisten seiner Bediensteten klar, was er für ein Mensch war und auch sie dienten ihm größtenteils weil sie es wollten und nicht weil sie mussten. "Lustig, ja?", wiederholte Rain mit einem leichten Lachen, das hatte er nicht erwartet, aber umso besser. "So viel wie du Holz hackst, brauche ich mir um Feuerholz wohl die nächste Zeit keine Sorgen machen!", lachte er weiter und merkte, dass die Freude die Nayantai scheinbar wieder zu empfinden lernte, auf ihn selbst überschwappte und allein das ließ ihn sich so viel besser fühlen, als die Monate davor. "Aber du wolltest noch etwas sagen...?", fragte er und spielte darauf an, dass Nayantai seinen Satz nicht beendet hatte, er brauchte sich für nichts zu schämen, nicht vor Rain.

      "Erschöpft?", wiederholte Rain, da gab es immer noch Wörter die er nicht kannte und manchmal waren sie an Punkten angelangt, an denen auch eine Erklärung zu schwierig wurde. manchmal traute Rain sich kaum zu fragen, weil Nayantai immer gleich in Frage stellte, warum das Lernen einer Sprache so schwierig war. "Meinst du... müde?", fragte Rain und versuchte sich einfach aus dem Kontext zusammen zu reimen, was Nayantai meinen konnte. Jedoch war dies auch schon bald unwichtig und Rains Wangen blieben rot gefärbt. Er war sich schon gar nicht mehr sicher gewesen, ob Nayantai noch genügend Interesse für ihn empfand, um die Nacht bei ihm verbringen zu wollen, aber er freute sich natürlich darüber und so nickte er mit einem Lächeln. Die Erklärung die folgte war nicht gänzlich verständlich, aber Rain verstand genug und kicherte leise, während niemand sonst die Worte des Wolfes verstehen konnte. Es war wie ihre eigene kleine Geheimsprache. "Der Blick stört mich nicht.", erklärte Rain, immerhin hatte ihn noch nie jemand so angesehen, schon gar kein Wolf mit so dunklen und trotzdem leuchtenden Augen.
    • "Nicht, dass ich wüsste", Rain war der Erste und Einzige der Schafe, der es nicht für nötig hielt ihn im Dunkeln tappen zu lassen - aber Nayantai konnte es im Endeffekt nicht beurteilen. Vielleicht log der Blonde über seine eigene Gesundheit, vielleicht bildete er sich das alles nur ein und es war, schlussendlich, verschwendete Energie die er aufwandte, um herauszufinden, wie es ihm ging, wenn alles in Ordnung war. "Ich wüsste zumindest nicht, welchen Grund du dazu hättest", konkludierte er, wohlwissend, dass es abertausende gab, aber so schätzte er Rain gar nicht erst ein. Was war das hier, wenn nicht die Freiheit die er sich selbst nicht geben wollte und was war das, wenn nicht die Hoffnung mehr zu erreichen, als er konnte? Sie beide waren wohl für immer in dieser Welt gefangen, aber wie lange? "Schafe sind manchmal komisch, das meine ich damit." Manch einer von ihnen kreidete Leute wie ihn an, weil sie atmeten, weil sie eigene Traditionen hatten und andere von ihnen, nun, sie suchten nach Dingen die man wohl für kaum menschenmöglich empfinden konnte. Wölfe hatten eine schwarze Magie, keine Flüche und auch keine komischen Tendenzen und dennoch versuchten die Schafe, ihnen all das unterzujubeln. "Ja!" Es fühlte sich gut an, wieder ein Stück von Freiheit zu haben, dem er schon längst abgeschworen hatte. "Dann wird dir auch nicht mehr kalt!" Hackte er so viel Holz, weil er danach gefragt wurde, weil er stärker werden wollte, oder weil es noch immer um Rain ging? "Oh, nein, mein Fehler!"

      Eigentlich hätte er Rain in diesem Moment wohl alles beichten können, egal was es war, so lange es von Herzen kam und so lange er ehrlich war, aber irgendwie schienen diese Fakten schon fast offensichtlich zu sein. In Wahrheit gab es wohl auch nichts, das er tun konnte, um zu erklären, dass er und Rain wohl oder übel ein besseres Leben hätten, wenn er noch derjenige wäre, der er einst gewesen war - aber musste, oder konnte er ihm das wirklich erklären? War das überhaupt, was er wollte, was wichtig war? Immerhin konnte er nicht definieren, ob sein altes Ich auch so handzahm war. "Erschöpft ... ja, müde. Aber nicht, müde weil es spät wird, sondern weil ich mich angestrengt habe?" Rannte man dort draußen herum und sah sich gezwungen, sich mit seinem Auftraggeber zu verständigen, so lernte man doch die ein oder anderen Worte oder schnappte neues Vokabular auf, weil man anderen dabei zuhörte, wie sie sich die Mäuler zerrissen. Nayantai war all das mittlerweile auch wieder egal - er war hier, weil Rain ihn hierbehalten wollte und das war, was zählte. Würde er Rain nach Thria verschleppen, so hatte Nayantai beinahe schon Angst, das jeder ein Stück von ihm wollen würde - und, dass er nicht teilen würde, weil das Lämmchen ihm gehörte. "Er ... stört dich wirklich nicht?", fragte er belustigt, lachte herzhaft. Rain war komisch, aber auf eine gute Art und Weise. "Wir sollten essen."
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    • "Ich lüge nicht gerne und... ich bin auch nicht besonders gut darin.", lächelte Rain und das stimmte zumindest Meistens. Er wollte einfach nur keinem Sorgen bereiten, aber sonst konnte er Lügen nicht ausstehen. Er fühlte sich schmutzig und als hätte er sein gegenüber verraten, das störte ihn so sehr, dass er eine Lüge meist gar nicht erst aussprechen konnte. Was seine gesundheit anging, so war er ebenfalls nicht überzeugt davon, ob er so gut lügen konnte wie er glaubte, die meiste Zeit sah man ihm vermutlich an, dass er nur versuchte stark zu sein, wenn er sich in Wahrheit miserabel fühlte. An viele Unannehmlichkeiten hatte er sich aber auch längst gewöhnt, zum Beispiel daran, dass seine Finger sich eigentlich immer steif anfühlten und er gar nicht mehr wusste, wie es früher einmal gewesen war. Erneut musste Rain ein wenig kichern und wurde von Nayantais guter Laune angesteckt, er war sich sicher, dass auch die Bediensteten merkten, dass es ihm wesentlich besser ging, solange er Nayantais Gesellschaft genießen konnte, aber das würde nicht jeder verstehen. "Ja richtig.", lächelte Rain, auch wenn es Unsinn war, er hatte immer genug Holz und trotzdem war ihm kalt, aber es war auch wahr, dass sie mittlerweile einen größeren Vorrat haben mussten als üblich. "In Ordnung.", lächelte er noch, wenn es nichts mehr zu sagen gab, dann war das so.

      "Ah ich verstehe. Ja es geht mir wirklich wesentlich besser. Ich hab mich gut erholt.", lächelte er und ärgerte sich immer noch ein wenig über seine eigene Dummheit. Die Kälte von draußen hatte ihn nicht umgebracht, aber sie hätte es können, was hatte er sich oder Nayantai überhaupt beweisen wollen? Am Ende hatte er nur vor dem erloschenen Kamin gekauert, nicht mehr als ein jämmerlicher Haufen Elend. Rain schüttelte den Kopf und machte ein verneinendes Geräusch. "Nein, du bist der Einzige der mich je so angesehen hat und es... naja, ich...", Rain war schon wieder verlegen und hätte sich die Hände vors Gesicht geschlagen um seine roten Wangen zu verbergeben, wenn es nicht so albern gewesen wäre. Stattdessen atmete er durch und zwang sich den Satz zu einem Ende zu führen, aber er konnte es nicht und blickte stattdessen auf seinen Teller. "Du hast recht. Guten Appetit.", nickte er also und beschäftigte seinen Mund mit etwas Fleisch, statt zu versuchen Worte zu finden, die beschreiben konnten, wie glücklich Nayantai ihn machte.