spellbound. (earinor & akira)

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    • "Dann nehme ich dich halt mit nach draußen, oder wir rennen durch die Gänge!", meinte der Wolf schon fast empört, wenn auch gleich er das nicht war. Eher war er etwas angespannt, wusste nicht so ganz, was man von ihm wollte und wenn er ehrlich war, dann wusste er auch gar nicht, ob er das so genau wissen wollte. Immer wieder waren es falsche Vorwände gewesen unter welchen man ihn zu irgendetwas bewegt hatte, den Wolf davon überzeugt hatte, dass es im Endeffekt in Ordnung wäre, sich einfach nur benutzen zu lassen, aber was dann? Hier und jetzt sollte und wollte er für sich selbst entscheiden, so wie Rain es von ihm verlangte, nur wusste er gar nicht, wo er anfangen sollte, wenn man es explizit von ihm wollte. War er es nicht gewohnt, dass er derjenige war, der Entscheidungen zu fällen hatte, damit sie schlussendlich nicht alle auf einem Stück Metall aufgespießt wurden? War nicht er es, den man mit Tei verheiraten wollte, damit er schließlich Entscheidungen traf? Nayantai grummelte, sah nach unten zu Rain, kurz nachdem er sich dort hingesetzt hatte, wo man ihn haben wollte - und zu dem Lamm, das sich zögerlich zwischen seine Beine setzte und wohl seinen Rücken an ihn drücken würde.

      "Ja, du darfst", entgegnete der Wolf mit einem Grinsen, der allerdings nicht lange warten wollte. Natürlich, sie beiden waren unsicher und zögerlich, leicht aufzuwühlen und vielleicht nicht immer gewillt, sich gänzlich einander hinzugeben, aber war diese Form und Art der Zweisamkeit nicht etwas, das sie genießen sollten und durften? Nayantai legte seine Arme bereits an das Lamm, kurz nachdem es sich hingelegt hatte und schlängelte sie schließlich um ihn, als wäre das alles, was der Wolf wollte und haben konnte. "Weißt du, das hier macht mich glücklich ... vielleicht glücklicher, als ich sein sollte", erzählte er dem Schaf, das es mit ach so kleinen Gesten schaffte, ein Lächeln auf seine Lippen zu zaubern. Womit er selbst seine Zeit vergeuden sollte, das war ihm nicht ganz klar, aber es wäre vermutlich auch angenehm, eine Weile lang nichts zu tun und einfach die Augen zu schließen, nachzudenken und darüber zu philosophieren, was es war, das man innerhalb der letzten Monate und Jahre alles verdrängt hatte. "Aber ich bin gerne bei dir und gerne in deiner Nähe ... und ich halte dich viel zu gerne in meinen Armen", erläuterte der Wolf weiter, bevor er sich an Rain schmiegte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich bin nicht so gut im rennen.", erklärte Rain entschuldigend. Er ragte sich, ob der Wolf jemals von diesen Ideen ablassen würde, dass er Rain einfach nach draußen mitnahm, oder irgendwo mit ihm herum lief, jedoch verstand Rain, dass es nicht so einfach war, zu erkennen, was Rain tatsächlich plagte. Der Wolf wusste nichts über den blonden Adeligen, sah nur, dass er dürr und schwach war, weiter nichts. Wozu er wirklich in der Lage war, konnte er nicht beurteilen und Rain machte wohl oft auch den Eindruck, als traute er sich weniger zu, als er eigentlich konnte. Ebenso war er nie auf die Idee gekommen, einfach etwas Schnee von draußen zu holen und natürlich reichte das nicht aus, um ihn umzubringen und doch brauchte es erst den Wolf, damit er das kalte, nasse und gefrorene Stück Wasser in Händen halten konnte. Dennoch, Rain wusste, dass er mit dem Wolf kaum mithalten konnte, wenn dieser durch das Anwesen laufen wollte, wenn er doch noch nicht einmal auf der großen Treppe mit ihm mithalten konnte.

      Als der Wolf es ihm erlaubte, lehnte Rain sich langsam zurück, ohne sich Sorgen zu machen, dass er vielleicht zu schwer für den Wolf war, das konnte er sich eigentlich gar nicht vorstellen. Er fühlte die Arme des Wolfes, die sich fest um ihn legten und die ein Kribbeln in seinen Körper zauberten. Der Wolf war glücklich, sagte er und das veranlasste auch Rain sich noch ein wenig mehr zu entspannen und es sich in seiner neuen Position bequem zu machen. "Mhm... ich bin auch glücklich und ich liege gern in deinen Armen...", lächelte Rain und legte seine Hand auf den Arm des Wolfes, der ihn festhielt wie eine Schlingpflanze. Wie lange jedoch würde dieses Glück für sie anhalten? Wie viel von dem was sie fühlten war echt und wie vieles eine Illusion, erschaffen durch ihre Einsamkeit? "Und... wenn du eines Tages anders fühlst, dann ist das auch in Ordnung.", murmelte er. Wenn der Wolf realisierte, dass Rain niemand war den er lieben sollte und konnte, dann würde Rain nicht darauf bestehen, weiter in seinen Armen zu liegen und er würde ihn auch nicht der wenigen Freiheiten berauben, die er hier hatte. Er hatte es dem Wolf bereits gesagt, aber dieser schien ihm das womöglich nicht gänzlich glauben zu können, vielleicht hatte er auch Angst, es wäre eine Lüge deren Aufdeckung er nicht verkraften würde, wenn er sie erst einmal geglaubt hatte. Jetzt allerdings spielte das gar keine Rolle und die Verlockung einfach die Augen zu schließen und die Wärme des Wolfes zu genießen, war viel zu groß. Vielleicht konnte Rain es sich ja für einen Moment erlauben, bevor er nach seinen Büchern griff und in den Armen des Wolfes weiter arbeitete, sofern er sich noch konzentrieren konnte.
    • "Dann trage ich dich und renne für uns beide", entkam es dem Wolf sogleich. Nayantai wusste, dass seine Beine sie beide nicht lange tragen würden, aber für den kurzen Moment, in dem er spüren konnte, wie sich der nicht vorhandene Wind anfühlte und seine schnellen Schritte auf dem Boden anhörte, würde er alles geben. Damit er sie beide wirklich für eine Ewigkeit schleppen konnte, so schien es, müsse er erst wieder genug Fleisch auf den Knochen haben, war er doch selbst nicht mehr der, der er eigentlich einst gewesen war. Erst dann wäre es wirklich egal, was er tat oder was er mit seinem Körper anstellte, wie er ihn verrenken und verbiegen würde - dann war es vollkommen in Ordnung, wenn er Rain nie wieder losließ und in seinen Armen durch die Gegend trug, als wollte er allen präsentieren, dass das Lamm sein wichtiges Hab und Gut sei. "Oder ich gehe einfach mit dir, wohin auch immer du gehen willst", murmelte Nayantai, der die Wahrheit doch ohnehin bereits kannte. Rain konnte nirgendwohin, würde die Blase in der er sich befand - das Anwesen, in dem er eingesperrt war -, nicht zum Platzen bringen können, weil ihn so vieles im Inneren der Mauern festhielt. War es denn richtig, sich schlecht für ihn zu fühlen? Ob er ihn einfach mit sich reißen sollte, wie der Sturm es mit allen erdenklichen Dingen tat?

      Alles war vergänglich, nicht anders würde es ihnen beiden ergehen, dennoch schien es - zumindest im hier - egal. Sie beide mussten nirgendwo hin, sie beide brauchten nicht mehr als einander und sie beide wussten auch, dass es töricht war, von seinem Land zu träumen, in das sie beide niemals fliehen sollten. Der Süden war es, irgendwo fern am Horizont, den sie beide sehen wollten. Wären sie erst dort, dann wären sie vermutlich Namenlose, denen man keinerlei besondere Beachtung schenken würde. Den Wolf würde es nicht stören, wäre er erst dort angekommen, wo er sicher war - dort, wo es nicht mehr gab, als ein Leben, das nicht sofort von gierigen Schafen zertrampelt werden würde. "Das freut mich!", lachte der Wolf, der anfing, mit einer Hand dem Lamm durch und über das blonde Haar zu streichen, das so anders war, als das sein - so kurz, so bleich. Der andere Arm schien aber gar nicht erst von Rain ablassen zu wollen, als gehöre er schon immer ihm, als müsse Nayantai der Welt zeigen, dass er seine Beute nicht mehr gehen lassen würde, hatte er sie erst einmal in seinen Klauen. "Und was, wenn ich mich gar nicht anders fühlen will?" Liebte er Rain denn wirklich? Oder war all das hier nur daraus entstanden, dass er wusste, dass Zuhause nichts auf ihn wartete und er sich an etwas klammern wollte? Nayantai sollte aufhören, so kleinlich zu sein - natürlich liebte er Rain.
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    • Rain legte seinen Kopf in den Nacken, damit er zumindest einen Teil von Nayantais Gesicht sehen konnte und lächelte. "Das wäre bestimmt lustig, sofern du mich nicht fallen lässt!", scherzte er und war sich nicht sicher, ob der Wolf im Moment überhaupt dazu in der Lage war. Er hatte bestimmt einmal ganz anders ausgesehen, war kräftiger gewesen, eigentlich sah man ihm das immer noch an, dass einmal mehr an ihm dran gewesen war. Rain glaubte auch nicht, dass es Nayantai so schwer fallen würde, seinen Körper wieder auf Vordermann zu bringen, sofern er wieder vernünftig aß und sich einen Moment von Rain trennen konnte. "Weißt du, wenn du möchtest, dann kannst du hier im Haus helfen, sobald der Arzt das Okay dazu gibt. Es gibt immer etwas zu tun, vielleicht könntest du in der Küche helfen, oder draußen etwas erledigen." Vielleicht half auch die körperliche Arbeit Nayantai wieder zu stärken, oder ihm zumindest seine Grenzen aufzuzeigen, außerdem hatte er hier dann einen Zweck und auch das fühlte sich womöglich gut an. Immerhin hatte der Wolf gesagt, dass es in seiner Heimat immer etwas zu tun gab und er selten still saß. Das war hier nicht der Fall, aber zumindest ein paar Stunden könnte er vielleicht Holz hacken, oder schwere Säcke vom Lager in die Küche tragen, oder mit Waren helfen, die zum Anwesen geliefert wurden. Vielleicht fand sich auch etwas am Haus auszubessern, obwohl Nayantai da schwerlich Erfahrung haben dürfte und Rain bezweifelte, dass es ihm jemand beibringen wollte.

      Rain schloss nun tatsächlich für einen Moment seine Augen und lehnte sich an die breite Brust hinter sich. Nayantais Finger die durch sein Haar strichen waren angenehm. Er fragte sich, ob Nayantai Rains Haare genau so interessant fand, wie der Adelige die des Wolfes. Nicht nur die Farbe war anders, sondern auch die Beschaffenheit und wie sie sich anfühlten. Ob es auch Wölfe gab, die helle Haare hatten? Den Geschichten nach zu urteilen nicht, während die Schafe Haare in allen Formen und Farben zu haben schienen. Blond, braun, rot, gewellt, gelockt,... nur in Rains Familie, eigentlich in ganz Fhaergus, war es üblich, dass die Haare blond und die Augen blauen waren. Natürlich gab es ausnahmen. Die Gebiete die eine Grenze mit Thria teilten waren ein wenig anders, dort hielten sich hell und dunkel die Waage und Rain war sicher, dass sich Schafe und Wölfe dort früher gemischt hatten und es deshalb dazu gekommen war. Würde das irgendjemand jedoch aussprechen, würden sich eine Menge Leute gekränkt fühlen, schließlich waren die Wölfe ihre erbitterten Feinde und das seit Langem. "Ich glaube wie man fühlt, kann man sich nicht immer aussuchen. Hättest du dir ausgesucht, mich zu mögen? Ein Schaf?", fragte Rain, der immer noch ein Feind des Wolfes war. Er selbst sah das anders, er wollte von Anfang an eine Freundschaft zu Nayantai aufbauen, aber er hatte auch noch nie jemanden wirklich gehasst, auch nicht die Wölfe, egal ob sie nun vor ihm standen, oder in Thria waren, egal ob sie seinen Vater verletzt hatten, oder nicht, immerhin beruhte das auf Gegenseitigkeit.
    • Wer war er? Das war nicht nur jetzt eine berechtigte Frage, sie würde später genau so berechtigt sein - denn wer er wirklich war, das konnte Nayantai beim besten Willen nicht mehr sagen. Die Person, die er vermutlich unbedingt sein sollte und wollte, existierte schon lange nicht mehr, war lediglich ein Funken gewesen - irgendwann hatte er aufgehört zu glühen, war vergangen und hatte nichts zurückgelassen, außer die Schale, die Hülle, die dieser Funken einst sein Zuhause genannt hatte. "Ich würde dich nie fallen lassen!", sprach der Wolf, der sich allerdings sicher war, dass er sich früher oder später nicht auf den Beinen halten konnte, wenn er es wirklich demnächst versuchen würde. Rain eine kurze Distanz zu tragen war nicht schwer, aber mit ihn in seinen Armen umher zu rennen wäre - im Angesicht der jetzigen Situation - nicht sonderlich klug. Das, was von dem einstigen Krieger noch übrig geblieben war, war nicht viel - sein Körper war verwelkt und sein Geist verbogen und seine Schreie nach Hilfe würden auf dumpfe Ohren fallen, die sich all das nicht länger anhören wollten und auch keinerlei Sinn darin sahen, ihn noch am Leben zu lassen. "Dann würde ich vielleicht nicht den ganzen Tag herumliegen, aber andererseits wäre ich dann nicht unbedingt in deiner Nähe", seufzte er. Nayantai wusste, dass es töricht war, zu glauben, er würde nicht ohne das Lamm auskommen. Aber was, wenn es ausgerechnet so war?

      Würde er sich grämen, würde er am liebsten schreien wollen, sich wenden und drehen, hoffen, dass der Fluch der auf ihm lag, endlich von ihm wich? War es denn nicht Rain, der ihn verzaubert hatte, der so beneidenswert und doch hilflos war? Ein Leben ohne Schmerz, das besaß eben keiner von ihnen, aber während Rain's eigener Körper versuchte, sich zu zerstören, war es der Nayantai's, den alle anderen zu zerstören versuchten und der beinahe unter seinem eigenen Gewicht einbrechen würde, wenn der Wolf sich nicht um sich selbst kümmerte. Ob es denn wahr war, dass er nur lebte, weil die Schafe es so wollten? Sein Schicksal spielte keine Rolle, gleich wenig, wie es der heilige Boden der geschundenen Wölfe tat - alles drehte sich um die habgierigen Schafe, denen alle Mittel recht waren, damit sie nicht an Macht verloren. "Ausgesucht bestimmt nicht, aber ich sage nur, dass ich mich gerne weiterhin so fühlen würde und es mir nichts ausmacht, wenn ich es tue, bis ich mein Leben irgendwann lassen sollte", antwortete er Rain und strich weiterhin durch seine Haare, schloss selbst die Augen und versuchte den Sternenhimmel zu erkennen, den er in seinen Träumen sehen durfte. Wie es wohl wäre, wenn er sich losreißen würde und Rain mit sich nahm? Wie viele Pfeile es bräuchte, bis man ihn niederstreckte? "Meinst du denn, dass du es dir ausgesucht hättest, einen Wolf zu mögen?"
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    • "Nicht absichtlich.", kicherte Rain, aber er glaubte schon, dass enorm viel passieren musste, damit der Wolf zuließ, dass Rain etwas geschah. Selbst wenn er ihn tragen würde und stolperte, so würde er selbst im Fallen noch daran denken, Rain zu schützen, zumindest glaubte er das. Was war Nayantai eigentlich für ihn? Für andere mochte es so aussehen, als war er tatsächlich sein Schoßhund, der sich schon wie eine Leibgarde schützend vor ihn stellen würde, der tat was Rain ihm sagte, auch wenn es gar nicht seine Absicht war, Nayantai irgendwelche Befehle zu geben. Er wollte nicht, dass Nayantai sich fühlte, als würde er nur irgendein Spielzeug von Rain sein, denn das war er nie. Trotzdem hatte er es irgendwie geschafft, den Wolf erneut anzuleinen, der an ihm zu kleben schien, statt mit eisernen Ketten auf den Boden gedrückt zu werden, vielleicht wäre ein wenig Abstand für Nayantai gar nicht so schlecht. "Ich will dich nicht los werden. Es ist deine Entscheidung.", lächelte Rain, der Nayantai erneut alle Optionen offen hielt, auch wenn er vorhin schon ein wenig überfordert schien.

      "Ich freue mich, dass du mich nicht für meine Herkunft hassen willst... das will ich auch nicht...", antwortete Rain und genoss das Gefühl der Finger in seinen Haaren weiterhin, er wollte nicht arbeiten, er wollte seine Augen nicht öffnen, aber er wollte auch nicht wieder einschlafen und seine Zeit vertrödeln. "Ich wollte dich von Anfang an mögen.", murmelte Rain schmunzelnd, "Aber nicht... so sehr... nein, das war nicht geplant." Und doch hat es nur eine so kurze Zeit gedauert, dass sie sich geöffnet hatten. Der eine Moment in Rains Arbeitszimmer, als der müde Nayantai seine grimmige Maske abgelegt hatte und sich einfach an Rain gelehnt hatte, einfach nur schlafen und nicht alleine sein wollte, den Moment würde Rain wohl niemals vergessen und der Moment war es wohl gewesen, der ihnen beiden aufgezeigt hatte, dass sie nicht alleine sein mussten, wenn sie es nicht wollten. Trotzdem würde die Zeit zu Zweit vorbei gehen und erneut wünschte Rain sich einfach, dass er einfach jemand anderes wäre, jemand der hier weg konnte, jemand der einen Wolf lieben durfte, jemand der noch eine ganze Weile lang leben würde und mit seinem Wolf alt werden konnte, in Frieden und ohne verurteilt zu werden. Rain schmiegte sich fester an den Körper hinter sich, fühlte seine Wärme an seinem gesamten Rücken und konnte gar nicht fest genug gehalten werden.
    • "Auch nicht unabsichtlich", gab der Wolf etwas unzufrieden zurück und brummte. Rain hatte recht, er konnte sich nicht ewig auf seinen zwei Beinen halten und er konnte auch nicht ewig versuchen, einfach nur das zu tun, was er seinem geschundenen Körper abverlangen wollte. Nayantai war klar, dass sich die Welt nicht nur um ihn drehte und ihm war klar, dass es unmöglich war, diese Hülle zu etwas zu zwingen, das sie nicht mehr tun konnte. So vieles, das wie getrocknete Farbe an ihm haftete, blätterte langsam von ihm ab und gab ihm ein Zeichen, dass es langsam Zeit wurde, sich einzugestehen, dass es keinen Sinn mehr machte, sich selbst anzulügen. "... wobei, vielleicht lasse ich dich dann einfach absichtlich in dein Bett fallen", lachte der Wolf schließlich, damit er die Stimmung doch noch irgendwo und irgendwie auflockerte. Empört war er nie gewesen, aber vielleicht hatte er Rain ein anderes, falsches Bild vermittelt, ihm nicht all das offenbart, was er eigentlich fühlte, weil Worte ohnehin oftmals unbrauchbar waren, wenn es darum ging, Gefühle zu vermitteln. "Ich glaube auch nicht, dass das deine Intention war ... aber kommst du ohne mich überhaupt aus?", neckte der Wolf, der genau wusste, dass er nicht etwa behauptete, ihn loswerden zu wollen. Das wäre nicht Rain.

      Gehörten sie zueinander, mussten sie aneinander kleben, als würde Teer sie befinden oder war es doch eher so, dass sie voneinander abzulassen hatten und sich lieber an einem anderen Ort voreinander verstecken sollten? Nayantai war nicht scheu, wollte es gegenüber einem einfachen Lamm auch gar nicht erst sein und doch zierte er sich. Sein Kopf schrie, sein Körper wehrte sich und jeden Schritt, den er wagte, musste er unterbrechen, damit er nicht unter seinem eigenen Ballast in sich zusammenfiel. Mehr als ein lockeres Gerüst, das kaum noch eine Aufgabe erfüllte, schien er gar nicht zu sein - etwas, das von Vorteil war, wenn auch nur für den Moment. "Ich glaube nicht, dass wir beide gedacht haben, dass das passieren wird", sprach der Wolf, dessen Hand aus dem Haar des Lammes wanderte, seine Schläfe herab, bis zu seinem Hals über den er schließlich strich, nur, damit er seine beiden Hände wieder ineinander verschränken konnte und lächelte. "Aber vielleicht ist es gerade das, was das Schicksal von uns will." Blasphemie, nicht mehr, mh? Wozu würde das führen? Im Endeffekt wäre es doch die Person in seinen Armen, die er enttäuschen würde, weil er ihm nicht das geben konnte, was er wollte - weil es nichts gab, das Nayantai hier hatte. "Es ist gut so, dann kann ich dir wenigstens so nahe kommen, wie ich will."
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    • Hatte Rain Nayantai nun beleidigt? Das war nicht seine Absicht gewesen, jedoch lenkte der Wolf selbst ein und nachte nur wenig später erneut. "Du wolltest doch mit mir herum laufen, damit wir nicht den ganzen Tag sitzen und liegen!", lachte Rain ebenfalls und streckte seine Hand kurz nach hinten, um dem Wolf in die Wange zu kneifen, auch wenn er wusste, dass er gerade nicht unbedingt in einer vorteilhaften Lage war, aber wann war er das auch schon? Er nahm seine Hand schnell wieder zurück und schüttelte leicht den Kopf. "Ich bin gerne bei dir, aber wir können nicht ständig aneinander kleben, oder? Leider... habe ich auch Dinge zu erledigen, ich will einfach nicht, dass dir langweilig ist, oder du dich einsam fühlst. Am Liebsten würde ich den ganzen Tag mit dir hier liegen, aber... selbst wenn ich nichts zu tun hätte, du musst doch kräftiger werden, damit du den Weg zurück nach Thria auch schaffst, richtig? Wenn der Arzt also das Okay gibt, dann werde ich dich einfach aus meinem Bett werfen, ob du willst oder nicht! Natürlich habe ich auch nichts dagegen, wenn du ein wenig trainieren möchtest, oder ein paar Runden laufen willst, draußen im Schnee? Wie gesagt, das ist deine Entscheidung und mach dir um mich keine Sorgen."

      All diese Gefühle die sie füreinander hegten schienen für sie beide unerwartet und zumindest für Rain neu. Kam er ohne Nayantai aus? natürlich würde er nicht vergehen, nur weil Nayantai nicht mit ihm im selben Raum war, dennoch wünschte Rain, dass er ihn nie wieder los lassen würde. Die Vernunft siegte jedoch meistens und irgendwann, würden sie wieder aufstehen müssen, solange das aber nicht der Fall war, genoss Rain die Wärme und das sanfte Streicheln über seine Haut, das ihn zum Lächeln brachte. Er konnte kaum genug davon bekommen. "Das Schicksal, ja? Hm... ich frage mich, ob noch mehr auf uns zu kommt, aber für jetzt bin ich zufrieden damit." Das Schicksal erlaubte sich wohl einen Scherz mit ihnen beiden, wenn es denn so war, dass sie deshalb zueinander gefunden hatte, aber warum sollte Rain sich beschweren, wenn er sich ausnahmsweise lebendig fühlte? Er streckte seinen Fuß aus und angelte damit nach der Decke, die er sich bis zu Hüfte hochzog, Nayantai damit jedoch verschonte. Die feste Umarmung war angenehm und Rain streckte sich nach einem der Bücher, die er mitgebracht hatte, er wollte schließlich auch arbeiten. "Ich hoffe dir wird nicht zu langweilig... es stört mich nicht, wenn du dich weiter unterhalten willst, oder doch lieber aufstehst... tu einfach was du willst.", lächelte er noch, bevor er das Buch aufschlug, das Tabellen und Zahlen enthielt, sowie Schrift, die Nayantai bestimmt nicht lesen konnte, aber selbst wenn, hätte Rain keine Bedenken gehabt ihm die Finanzen von Fhaergus offen zu legen.
    • Den Verstand zu verlieren war eine Sache, sich aber auch einfach dem Ganzen hinzugeben eine vollkommen andere. Nayantai war nicht beleidigt, glaubte auch gar nicht, dass Rain in der Lage war, eben das zu bewerkstelligen. Alles, was der Wolf hatte, war das, was man ihm gab und geben wollte - und in Rain's Fall war das sehr viel, aber kaum etwas davon konnte er mitnehmen, wenn er wirklich nach Thria aufbrach. Rain musste er hier zurücklassen, gleich wie er es mit seinem Herz tat und dann musste er auch lernen, sich einzugestehen, dass er es so unmöglich in seine Heimat schaffte. Unwichtig war es nicht, wie er seinen Körper behandelte, aber was, wenn er unter ihm wieder zusammenbrechen würde, weil er nicht mehr brauchbar für ihn war? "Dann sollten wir das demnächst auch in die Tat umsetzen, ich gebe keine leeren Versprechen!" So etwas konnte nur eine Lüge sein, nicht mehr als das. Nayantai wusste selbst, dass er seinem Volk mehr als genug versprochen hatte und sich schlussendlich nicht hatte daran halten können. Was kam danach? Die Einsicht, es wäre futil, sich gegen sein Schicksal zu wehren? "Nicht, dass wir das nicht könnten, ich verbringe auch gerne Zeit mit dir aber ... Erde an Rain. Du redest wieder zu schnell." Der einzige Fluch, der vermutlich auf ihm lastete war der, dass sie beide gerne plapperten und vergaßen, dass sie einander noch immer nicht ganz verstanden.

      Wenn er seine Hände nicht auf dem Lamm hatte, wohin sollten sie sonst wandern? Wusste er überhaupt, dass er alleine funktionieren konnte und durfte, oder war auch all das nur eine Farce, als er langsam aber sicher zu realisieren begann, dass er Rain gehören wollte? Vielleicht ginge es ihm nicht schlecht, hier, als aufgekratzter Schoßhund eines Adeligen der nie seine Finger an einen dreckigen Wolf legen wollte, war es nicht genau das? Woran dachte er nur schon wieder? Nayantai grummelte - er sollte sich solchen Blödsinn nicht einreden, strich viel lieber über die versteckte Haut des Lammes, nachdem die eine Hand wieder von der anderen abließ und stoppte dort, wo er seine Spuren an Rain hinterlassen hatte, drückte wiederum auf die Stelle. "So, wie all das hier jetzt ist, ist es in Ordnung", lachte Nayantai und schien ganz zufrieden damit zu sein, dass er nicht mehr hatte, oder brauchte, als das Schaf, dem er womöglich nicht mehr entkommen könnte, so sehr er es auch versuchen würde. "Widme dich lieber deiner Arbeit, ich renne dir nicht davon", murmelte er lediglich und grinste dabei, wenn auch ungesehen, als er seine Augen wieder schloss und an ganz andere Dinge dachte. Einschlafen würde er jetzt vermutlich noch nicht, aber was sollte er sonst tun. "Was machst du überhaupt?"
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    • "Du rennst, ich sehe zu.", lächelte Rain, weil er auch gar nicht mehr tun konnte. Ob er seinen eigenen Körper stärken konnte, wenn er es einfach mal versuchte? Als er jünger war, hatte er diese Illusion irgendwann aufgegeben, weil er am Ende immer keuchend am Boden gelegen hatte und dachte, er müsse sterben, am Tag zuvor reichte für das selbe Ergebnis eine Diskussion aus, wie also sollte er überhaupt damit anfangen etwas stärker zu werden? Der dürre und schwache Körper war wohl etwas, womit er sich abfinden musste und das hatte er auch getan, bis jetzt. Jetzt wo der Wolf hier war wollte er wieder mehr, obwohl er eigentlich schon vor langer Zeit aufgegeben hatte. "Ah... Entschuldige...", lächelte Rain, als der Wolf ihn darauf hinwies, dass er schon wieder viel zu viel gesagt hatte und das in zu kurzer Zeit. "Ich meinte nur... wenn deine Wunde verheilt ist... dann wirst du dich etwas mehr bewegen müssen. Auch wenn ich dich aus dem Bett werfen muss.", wiederholte er nun etwas langsame den Kern seiner Aussage.

      Rains Körper zuckte ohne sein zutun, kaum merklich, aber dennoch, als der Wolf auf einen der blauen Flecken drückte. Die sanfte Berührung rief ihm ins Gedächtnis, was gestern Abend passiert war und sorgte für eine leichte Gänsehaut, die Rain zu ignorieren versuchte, während er sich fragte, ob der Wolf das absichtlich machte, während er noch sagte, dass Rain sich seiner Arbeit widmen konnte. "Nur in Ordnung...?", fragte Rain schmunzelnd, aber vielleicht hätte er das gar nicht fragen sollen. Wie konnte der Wolf mehr als nur in Ordnung sein, wenn er bis eben noch in einem dunklen Keller gefangen war, weit weg von seinem Volk und immer noch nicht nach Hause konnte, während alle die er kannte womöglich schon längst tot waren. Rain sollte gar nicht darüber nachdenken und erst recht nicht darüber sprechen. Er horchte auf als der Wolf ihm eine Frage stellte und konzentrierte sich wieder auf seine Unterlagen. Wie sollte er erklären, was er da machte? "Fhaergus muss... ein paar Dinge bezahlen...", begann er, wollte den König darin gar nicht erwähnen. "Ich sehe nach, woher ich das bekommen kann, ohne dass etwas anderes auf der Strecke bleibt... so ungefähr. Außerdem muss ich nachsehen wie viel wir überhaupt entbehren können... und einschätzen wie viel wir im kommenden Jahr produzieren werden..." Einfacher konnte er es wohl nicht ausdrücken.
    • "Ich renne mit dir, ob du willst oder nicht", brummte der Wolf, allerdings nur gespielt. Wenn Rain nicht wollte, dass der Wolf sich bei seinem eigenen, dummen Versuch, wieder etwas mehr Fahrtwind in sein Leben zu bringen, übernahm, dann würde er eben jenen Wunsch respektieren und ihm nichts nachhalten. "Aber zwingen will ich dich auch zu nichts", gestand Nayantai ihm und seufzte. Hier war er noch immer derjenige, der nach der Pfeife der Schafe zu tanzen hatte und wenn ein lautes aber deutliches Pfeifen nicht genügte, dann würde Rain ihn vermutlich auch gar nicht erst aufhalten können. "Jetzt entschuldigst du dich!", rief er aus, als hätte er das Lamm auf frischer Tat ertappt - und so, als wolle er es bestrafen, drückte er ihm etwas fester gegen die beleidigte Stelle, von der in sein paar Tagen auch dann nichts mehr zu sehen wäre, wenn Rain das Hemd auszog. "Ich gehe weder davon aus, dass du mich einfach so herumliegen lassen wirst, noch, dass ich das aushalten würde. Ab irgendeinem Punkt würde ich vermutlich auch selbst nicht mehr stillsitzen können, wenn ich ehrlich bin." Da war es, die Wahrheit, die ihnen beiden zustand - Nayantai wollte nicht herumsitzen, wenn er nicht musste, aber Rain war derjenige von ihnen beiden, dem man in dieser Hinsicht nicht helfen konnte. Das, was sein Körper von ihm verlangte war das, was er tun musste.

      "Es wäre natürlich mehr als nur in Ordnung wenn ich einen Kuss haben kann ... das meine ich nicht ernst", scherzte der Wolf sogleich, der vermutlich mehr als nur einmal damit konfrontiert werden würde - wenn auch gerade nur von sich selbst - dass er Rain nicht so vieles abverlangen konnte. Ein Kuss war wohl kaum die ganze Welt wert, aber je mehr er von dem Lamm stahl, desto mehr fühlte es sich an, als würde er Scherben einsammeln und damit die eigenen Lücken füllen, obwohl sie gar nicht passten und obwohl es nicht die seinen sein konnten. "Ich fühle mich wohl hier, mit dir", murmelte er und ließ wieder von der Stelle am, lächelte und drückte Rain wieder an sich, weil er auch gar nicht mehr als das wollte. "Wohler, als sonst irgendwo." Wollte er wach sein? Wollte er schlafen? Oder reichte ihm die krumme Zwischenwelt, die ihn früher oder später einfangen und einbeihalten würde, damit er nicht mehr leiden musste? Gerade jetzt war es einfach nur schön, sich die sanfte Abendbrise und das Gras unter seinem Rücken einzubilden. "Ihr Schafe seid also wirklich viel komplizierter, als ich angenommen habe ..." Dass sich Wölfe gar nicht an irgendeine Währung hielten, sondern lieber miteinander tauschten, war vermutlich offensichtlich ... oder? "Und was, wenn du irgendetwas nicht auftreiben kannst?"
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    • "Ich wünschte ich hätte deine Kraft.", lächelte Rain schwach, der wusste, dass er niemals mit Nayantai mithalten konnte, nicht einmal mit dem ausgehungerten Wolf, der vor mehr als zwei Wochen vor seiner Tür gestanden hatte. Es wäre wohl schwierig zu erklären, wie es Rain tatsächlich ging, warum er nicht mit ihm durch die Gänge laufen konnte, oder mit ihm in den Schnee stieg. So viele Worte kannten sie von der jeweils anderen Sprache nicht und so vieles war es, das Nayantai sich vielleicht gar nicht vorstellen konnte. Er war bestimmt immer kräftig gewesen, musste in Thria schon früh mithelfen und war sonst die meiste Zeit herum gelaufen, während Rain an sein Bett gefesselt war, oder keuchend am Boden lag, nur weil er die Stufen zu schnell besteigen wollte. Er wusste gar nicht, wie oft er deshalb schon geweint und sich in seinem Zimmer eingeschlossen hatte, sodass seine Mutter schon Angst hatte, er würde gar nicht mehr heraus kommen und seine Großeltern kurz davor gewesen waren, einen Soldaten die Tür aufbrechen zu lassen. Es war alles jedoch lange her, aber jetzt schien Nayantai diese alten Gefühle wieder auszugraben, die Rain eigentlich gar nicht an sich heran lassen wollte. "Hm, ja, du hast recht, ich hab mich entschuldigt.", lächelte Rain, während er versuchte die negativen Gedanken wieder auszusperren. "Wenn es so weit ist, dann mach dir keine Sorgen um mich, ich warte hier drinnen auf dich und du läufst so viel du möchtest."

      Rain legte seinen Kopf in den Nacken und sah Nayantai an, ein Kuss klang nicht schlecht, vielleicht lenkte er ihn etwas ab. "Du kannst aber gerne einen haben...", erwiderte er, trotz des Scherzes, sah aber bald wieder auf die Unterlagen vor sich. Wenn Nayantai ihn wirklich küssen konnte, dann konnte er das jederzeit tun und Rain würde vermutlich nicht Nein sagen können. Auch er fühlte sich wohl und wollte nirgends anders sein, als bei Nayantai. Was sollte er nur ohne ihn tun? "Kompliziert? Ja. Wir sind auch eine Menge Schafe...", erklärte Rain und dachte über Nayantais Frage nach. "Hm... wenn ich es nicht... auftreiben kann... naja... ich muss es einfach. Ich schätze sonst... würde als erstes unser Handel leiden und mein Volk müsste auf Dinge verzichten... und ich müsste sie zwingen, härter zu arbeiten und womöglich ihren eigentlichen Beruf aufzugeben... das... will ich eigentlich nicht." Das alles klang sehr vereinfacht, aber wie zuvor wollte Rain den König selbst besser nicht erwähnen und ganz abgesehen davon, würde Nayantai wohl nicht alles verstehen, wenn er ihm eine umfassende Antwort geben würde.
    • "Und ich wünschte, ich würde sie nicht brauchen", murmelte der Wolf etwas unzufrieden. Dieses Thema war nichts Neues und Rain war auch bei weitem nicht der Erste, der solche seltsamen Dinge von sich gab. Nayantai wusste allerdings, dass das Schaf so etwas aus einem ganz anderen Beweggrund sagte - vielleicht auch, weil es ihn ein kleines bisschen beneidete, aber das war nicht der überwiegende Faktor. "Aber selbst das ist nicht immer gut", nuschelte er zusätzlich noch. War man kräftig, dann wurde man für allerhand Arbeiten zur Hand gezogen und glaubte selbst, man bekäme irgendwann keine Luft mehr, weil es einfach unmöglich war, sich auf irgendeine Art und Weise auf sich selbst zu konzentrieren, gleich wie es unmöglich war, Ruhe zu finden. Wie ein Teufelskreis war es, der sich beständig weiter drehte, aus dem es einfach kein Entkommen mehr gab und der Wolf war sich dessen bewusst, dass Rain noch lange nicht der Letzte war, gleich wenig wie er der Erste war, der ihn beneidete. Dennoch hatte Nayantai, hier und jetzt, gar nichts. Keinen starken Körper, keinen eigenen Willen und auch keine Freiheit. Das, was ihm blieb, war seine Hülle, so leer sie auch war. "Ich will dich aber nicht alleine zurücklassen, wirklich. Das wäre ... falsch. Das ist nichts, das ich freiwillig tun will."

      Zweimal müsste Rain ihm vermutlich nicht sagen, dass er von ihm einen Kuss haben konnte - Nayantai grinste schief, wusste eigentlich, dass er Rain damit aufziehen könnte und - ohne wirkliche Intentionen - küsste er das Lamm einfach auf den Kopf. "Willst du nicht auch einen?" Warum war es eigentlich so lustig, Rain zu nerven und ihn potentiell aufzuziehen? An irgendeinem anderen Ort in Adrestia konnte er sich das hier nicht erlauben, aber mit Rain schienen all die schlechten Gedanken vergessen und die Welt wieder im Einklang - vielleicht war es gar nicht schlecht, wenn es so war und er für sich selbst akzeptieren konnte, dass er einem Lamm gehörte, dass er nichts anderes mehr wollte. "Mehr Schafe als Wölfe bestimmt." Natürlich lag es nicht unweit, dass ein Wolf mehrere Schafe zu töten vermochte, doch auch dass verging, gleich wie die sanften Berührungen, die Nayantai Rain schenkte, weil er seine Hände lieber nutzte, um das Lamm an sich zu drücken, als wäre es nicht mehr als eine Decke, die ihm dabei half, nicht zu erfrieren, obwohl es nachts eigentlich das genaue Gegenteil war. "Aber selbst der stärkste Krieger muss irgendwann einsehen, dass er seine Schlacht verloren hat", gestand der Wolf, der nicht glauben konnte, dass man viel zu viel von einem schwachen Lamm abverlangen wollte. "Und wenn ein Wolf etwas will, dann nimmt er sich das."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Wieso denn das?", fragte Rain überrascht, konnte sich wohl aber zusammen reimen, dass er die Kraft die er besessen hatte eben gebraucht hatte, um sich gegen all die Schafe zu verteidigen, die ihm nach dem Leben trachteten, obwohl er lieber in Frieden leben wollte. "Ich... wenn ich... wenn ich stärker wäre, dann wäre ich jetzt vermutlich selbst in Thria, mit meinem Vater, also vielleicht hast du recht... andererseits... wäre ich trotzdem hier, dann könnte ich zumindest mit dir nach draußen.", murmelte er, aber was brachte es schon sich in Szenarien zu verlieren, die so fernab der Realität waren? "Du lässt mich aber nicht zurück, wenn du alleine nach draußen gehst, oder ein wenig läufst. Du kommst doch wieder und ich warte auf dich. Ich finde bestimmt auch etwas zu tun, während ich auf dich warte, genug eigentlich.", lächelte er nun, drehte seinen Kopf zur Seite und gab dem Wolf einen Kuss auf den Arm, ohne wirklich von seinen Zahlen aufzusehen. Der Stoff des Hemdes war dabei richtiggehend stören, dass Nayantai es noch an hatte wunderte Rain eigentlich auch.

      Rain bekam einen Kuss auf den Kopf und wurde etwas rot. "Ja, aber... ich wollte doch... arbeiten.", nuschelte er, vermutlich hätte er wissen sollen, dass er nicht dazu kommen würde, wenn der Wolf ihm so nahe war. Er schaffte es trotzdem noch sich auf beides zu konzentrieren, auch wenn der Wolf ihn aufzog und vermutlich nur darauf wartete, ihm den Kopf erneut zu verdrehen und ihn gänzlich von der Arbeit abzulenken. "Mhm... Fhaergus ist noch klein, es hat am wenigsten Einwohner von allen Fürstentümern.", erklärte Rain, wobei sie wohl immer noch mehr Einwohner hatten als ein einziger Wolfsstamm. "Würden sich die Schafe von anderen Schafen einfach nehmen was sie wollen, dann würde hier alles auseinander fallen. Jeder besitzt etwas, das ein anderer gerne haben möchte und das würde auch bedeuten, dass sich die Schafe einfach nehmen, was ich ihnen nicht geben kann, weil mein eigenes Volk auch etwas zum Überleben braucht...ich glaube jedoch, so schlimm... kommt es nicht." Warum eigentlich nicht? Was hielt die Fürstentümer davon ab sich einfach gegenseitig anzugreifen? Wohl nur Gewohnheit, weil die Adelshäuser so schon seit vielen Generationen existierten.
    • "Wenn ich schwach bin, dann falle ich zwar allen zur Last, aber ich muss mich wenigstens nicht so sehr anstrengen, weil sowieso Niemand von mir erwartet, dass ich ehemaligen Anforderungen gerecht werde", erklärte der Wolf dem Schaf. Wirklich glücklich konnte man in solch einem Leben dennoch nicht werden, es schien unmöglich - und Rain war vermutlich der lebende Beweis dafür, dass er sich einreden konnte, was er wollte aber schlussendlich noch immer nach mehr verlangte, als man ihm eigentlich geben wollte. Nayantai beneidete ihn, wenn auch nur ein minimales, winziges Stück - sie vermochten es nicht zu schaffen, sich gegenseitig etwas zu schenken, das war wahr, doch auch das Mitleid, das sie füreinander übrig hatten, wäre wohl etwas. "Und dann würdest du noch so viele Wölfe töten, wärst aber gleichzeitig nicht mehr hier eingesperrt - was ist es denn, was du lieber willst?", harkte er nach und ließ seine Hände wieder nach oben, in die Haare des Lammes gleiten, durch das er strich, behutsam fuhr, während er darüber nachdachte, dass er hier doch auch gar nichts haben konnte. Hätten sie beide sich auf dem Schlachtfeld getroffen, so hätte Rain ihn getötet, davon ging er aus - es wäre unausweichlich gewesen. "Aber du wärst trotzdem einsam und ich würde dir unfreiwillig wieder zeigen, was du nicht kannst, obwohl ich es nicht so seine", seufzte der Wolf.

      Nayantai war selbst noch nie gut darin gewesen, sich auf seine eigenen sieben Sachen zu konzentrieren - es schien fast schon kein Wunder zu sein, dass er es schaffte, Rain auch noch von seinen eigenen Aufgaben abzulenken. Hibbelig war er schon immer gewesen, wollte und konnte gar nicht stillsitzen, empfand es als eine Störung, irgendwann doch noch Ruhe finden zu müssen, damit er zumindest die Nacht hindurch schlief. Hier lag er allerdings, unter einem Schaf das ihn als Polster missbrauchte und lachte mit ihm, lebte bei ihm, als wären sie beide ebenbürtig. "Also willst du doch einen Kuss", entgegnete er, als man ihn auf den Arm küsste - er strich weiter durch das blonde Haar, grinste zufrieden und dachte daran, wie schön es erst wäre, wenn Rain sich nicht um solche langweiligen Dinge kümmern musste. Oh, wovon träumte er denn nachts nur? "Dann sind Schafe wohl doch die zivilisierten Menschen", kicherte er beinahe schon, als er der Erklärung halbherzig lauschte. Nayantai wusste doch, dass es nichts gab, worüber sie beide streiten sollten oder gar konnten - es wäre doch egal, so glaubte er, wenn sich die einen so und die anderen so verhielten. "Aber ... wenn Schafe nur Dinge besitzen wollen, was wollen sie dann von uns? Karges Land?"
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    • "Mhm... da hast du wohl Recht...", murmelte Rain, der genau das doch jeden Tag erlebte. Niemand erwartete viel von Rain und das was von ihm erwartet wurde, dem wurde er nicht gerecht, so glaubte er zumindest. Er konnte kaum im Haus helfen, nicht auf Reisen gehen um die anderen Fürstenfamilien, oder den König zu treffen und er konnte nicht einmal draußen spazieren gehen, oder endlich eine Frau finden. Wäre er stärker, dann könnte er sich beweisen, auf dem Schlachtfeld so wie sein Vater, aber Nayantai hatte recht, wollte er das denn? "Ich... ich will niemanden töten.", gab er zu, noch etwas womit er seinen Vater wohl enttäuschte, noch etwas, wozu er zu schwach war, nicht nur die körperliche Kraft fehlte ihm. "Mh... ich glaube so wie es jetzt ist, ist es mir dann wohl lieber.", murmelte er und sah sich nicht in der Lage, irgendjemanden zu verletzen, aber auch das musste er wohl irgendwann lernen, wenn ein Richtspruch angefochten wurde und Rain als letzte Instanz um ein Schicksal entscheiden musste, konnte er nicht immer alle laufen lassen, das würde womöglich zu noch mehr Schmerz führen. Aber mit Nayantai tat er es ja auch, ließ ihn einfach gehen, damit er auf dem Schlachtfeld noch mehr Schafe töten konnte... "Nein, ich... Nayantai, ich sehe dir gerne zu, wie du... draußen Spaß hast. Wirklich. Es macht mir nichts aus, ich sehe es sogar gerne."

      Die Hände des Wolfes hatten wieder in Rains Haare gefunden und er genoss das Streicheln, während er gleichzeitig versuchte sich darüber klar zu werden, wie er mit seinem Land weiter vorgehen wollte. Er glaubte früher oder später Kopfschmerzen davon zu bekommen, denn es war unmöglich, alle in diesem Szenario glücklich zu machen. Er schloss die Augen erneut, brauchte die Zahlen gar nicht mehr sehen, sondern dachte einfach noch einmal über die Vor- und Nachteile seiner Optionen nach, während die Hand die durch sein Haar strich, ihm dabei half, wenn auch der, dem die Hand gehört für ein wenig Ablenkung sorgte. "Ich... mh... ja...", antwortete er mit leicht geröteten Wangen, nachdem er keine Ausrede finden konnte, warum, oder warum er nicht einen Kuss von Nayantai wollte. Die Frage die Nayantai jedoch stellte war berechtigt, vor Allem aus dem Mund eines Wolfes. "Mh nein, ich glaube nicht, dass wir etwas von euch wollen...", murmelte Rain, wie ehrlich konnte er hier sein? Jetzt wo Nayantai schon gefragt hatte, machte es auch nicht viel Sinn, sich irgendwohin flüchten zu wollen. "Mh... ich kann dir erzählen, wie der Krieg von den Schafen gerechtfertigt wird... wenn du willst. Ich sage nicht, dass alles was mir gesagt wurde der Wahrheit entspricht, aber... es ist was in unseren Geschichtsbüchern steht, aber willst du das denn wissen?"
    • Ihn anzulügen, das kam ihm nicht in den Sinn - auch, wenn Nayantai es schon ein paar Mal getan hatte. Die Last, die auf seinen Schultern ruhte, fühlte sich wie ein immenser Berg an, der ihn unter sich begraben wollte. Wie viele Leichen mehr waren es am nächsten Tag? Und was war am Tag danach? War es richtig, aus Zorn und Hass zu töten, weil man sich davor fürchtete, noch mehr zu verlieren, als man schon verloren hatte? Wonach verlangte er, wenn nicht der Freiheit, die er so selten bekam? "Mit der Zeit gewöhnt man sich daran", erläuterte er. Sein junges Ich würde, trotz all der Angst und des Hasses, wohl keinen Speer in die Hand nehmen und die Schafe und Lämmer daran aufpfählen, wenn sie in Reichweite waren. Aber vielleicht war es der Nayantai, der er erst vor kurzem noch gewesen war, der sich einfach dazu entschieden hatte, dass es für ihn in Ordnung war, wenn alle starben, die ihm unter die Augen traten, dass es in Ordnung war, wenn sich ach so viele Leichen um und auf ihm türmten - dass der Tod der Schafe die einzige Lösung war, die er anpeilen sollte. "Ah, also willst du mir einfach nur dabei zusehen? Ich bin mir sicher, dass lässt sich irgendwie arrangieren, aber nicht jetzt", denn auch, wenn er sich sogar rühren wollte, war es gerade viel zu entspannend, um es wirklich zu tun,

      Würde sein wunder Körper es schaffen, sich selbst und ein Lamm in ein fremdes Lamm zu schleppen, nur, weil sein Kopf davon überzeugt war? Was würde er denn mit Rain anstellen? Wenn ihn die Kälte nicht dahinraffte und die Wölfe ihn akzeptierten, dann hatte er noch immer keine guten Überlebenschancen, vor allem dann nicht, wenn sie zum Eismeer fliehen mussten. Irgendwie war all das verzwickt, gleich, wie es verzwickt war, dass er Rain nicht einfach mitnehmen konnte, so wie er wollte - er wollte den Fürsten nicht in ein fremdes Land zwingen, sondern lieber freiwillig mit ihm gemeinsam dorthin reisen. "Wenn nur alle Schafe so einfach gestrickt wären, wie du, dann gäbe es vermutlich nichts, das sie uns noch abverlangen würden." Dann würden sie sich aber auch keine Wölfe als Sklaven halten, oder sie als billiges Spielzeug benutzen, dann wäre all das hier nichtig und er würde nicht unter Rain in dessem Bett liegen, so zärtlich mit ihm umgehen und mit seinem Handrücken über dessen Wange streicheln. "Ich habe Zeit, als erzähl ... wenn es dich nicht ablenkt. Ich gehe davon aus, dass es irgendwelcher Schwachsinn ist", grummelte er. Weit entfernt lag diese Vermutung nicht, aber die Wölfe waren auch öfter keinen deut besser als das, das wusste er auch gut genug.
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    • "Ich weiß nicht ob ich das will...", murmelte Rain nur und seufzte. Zu töten war etwas, das er sich nicht vorstellen konnte, obwohl er gut reden hatte, wenn er in seinem Steinhaus saß und seinen Truppen nur Befahl Thrias Bevölkerung nieder zu metzeln. War es denn besser aus der Ferne zu befehlen und sich nicht einmal anzusehen, was er da anrichtete? Vermutlich nicht und groß eine Wahl hatte Fhaergus bei diesem Krieg gar nicht. Was würde wirklich passieren, wenn Rain die Forderungen des Königs nicht erfüllte? Wenn er weiterhin nicht mehr Truppen nach Thria schickte, wie sein Vater, weil er sich weigerte Fhaergus Bauern als Kanonenfutter vor die wilden Wölfe zu werfen? Was würde passieren, wenn er ihm sagte, dass er gar keine Truppen mehr für einen unsinnigen und teuren Krieg abstellen wollte? Wenn der König seine Streitmächte dann auf Fhaergus konzentrierte, dann würde Rains eigenes Volk in Gefahr sein und was sollte er auch tun, gegen sechs andere Fürstentümer? War er der Einzige der so dachte, oder traute sich einfach niemand es auszusprechen? Wie sollte man das auch heraus finden, ohne die Gefahr, dass einem wegen Hochverrats der Kopf abgeschlagen wurde? "Mh... wenn du raus willst, sag bescheid.", lächelte Rain gedankenverloren.

      "Einfach... wie ich?", fragte Rain und war nicht sicher, ob er das als Kompliment verstehen sollte, oder eher als Beleidigung. Was die Wölfe wohl tun würden, wenn die Schafe den Krieg beenden wollten, oder einfach nur alle so schwach wären wie Rain? Vermutlich wären es dann die Wölfe, die die Schafe verfolgten und abschlachteten, bis keines mehr übrig war und all die Steinhäuser nieder gerissen wurden. Rain ließ die Augen geschlossen, drückte seine Wange etwas in Richtung der Hand die sie streichelte und seufzte. Der Wolf wollte die Geschichte der Schafe also wissen. "Vor etwa... 25 bis 30 Jahren war die Beziehung zu den Wölfen nicht so schlecht... die Schafe und die Wölfe lebten nebeneinander, auch wenn es an den Grenzen manchmal zu Problemen kam. Aber eines Tages sind die Wölfe tief nach Alster eingedrungen - unsere Nachbarn - und das Ergebnis davon war der Tod der Fürstin von Alster und ihrem ältesten Sohn. Alster verlangte Rache - Auge um Auge - , der König weigerte sich zuerst, aber Stenz und Wezette - die Länder die sich eine Grenze mit Thria teilten - unterstützten einen Feldzug und der Druck auf den alten König wurde zu groß, als Fhaergus sich ebenfalls anschloss. Er bewilligte also eine Expedition nach Thria und die erste Schlacht in diesem Krieg wurde geschlagen. Von da an... war es eigentlich nur noch ein hin und her, in dem jede Seite wohl Rache an der anderen nehmen wollte und Alster nutzte den Krieg, um seine Grenzen nach Thria hin auszubreiten. Olette und Lavern stießen zu den Truppen, weil sie sich Anerkennung erhofften, nicht, weil sie selbst einen Grund gehabt hätten, so weit von Thrias Grenzen entfernt. Die Wölfe wurden zunehmend als Bedrohung gesehen, als wilde Bestien, die eine Adelige und ihren Sohn kaltblütig ermordet hatten. Ich und auch der jetzige König sind mit schrecklichen Geschichten über die Wölfe aufgewachsen und das erklärt wohl den Hass im ganzen Land, aber... du bist gar nicht so, wie in den Geschichten und... ich wollte einen Wolf zuerst kennen lernen, bevor ich ihn verurteile...wenn das nur jeder sehen könnte..."
    • "Das musst du auch gar nicht", lachte Nayantai. Tatsächlich war es so, dass Rain die Wahl hatte, ob er einen Wolf am Schlachtfeld begegnen wollte, oder nicht, zumindest jetzt - denn sein Körper trug ihn vermutlich nicht weit, nicht weiter als bis zu Türschwelle, zumindest. Alles, was dort draußen passierte, sollte nicht von Relevanz für das Lamm sein - dafür würde der Wolf zumindest momentan noch sorgen, bis er es dann - schlussendlich - zu sich nach Hause oder doch in den Süden bringen würde. Schmerz und Leid wären dann vermutlich vergessen, wären nichts mehr, das ihn tagtäglich begleitete - wollte er das nicht? "Ich bin hier, um dich zu beschützen", murmelte der Wolf. Auch, wenn Rain sein Lamm und seine Beute war, so glaubte er nicht, dass es auch nur einigermaßen sinnvoll war, würde er ihn verhätscheln - etwas, das er allerdings zu gerne tat. Nahm er ihn doch mit zu den Wölfen, dann würde er sich irgendwann damit konfrontiert sehen, dass Rain nicht hier sein sollte und das Wetter gar nicht überleben konnte. Was machte er dann? Seine vergessenen Götter anbeten und hoffen, die Mythen, die man über sie verbreitete, waren wahr? "Nicht jetzt, ich bin lieber bei dir." Schlussendlich war aber auch das gar nicht mehr relevant, oder? Irgendwann würde all das hier an Farbe und an Wichtigkeit verlieren und Nayantai wäre es, der alleine dastehen würde, weil er sich zu sehr auf ein einfaches, kränkliches Lamm fixierte.

      "So naiv und offenherzig", entgegnete er. Es war wichtig, dass man anderen offen gegenüber trat, versuchte, sie zu verstehen und sich nicht von Vorurteilen einnehmen zu lassen, so wie es viel zu viele Schafe taten. Alle von ihnen glaubten vermutlich, dass die Wölfe nicht weiter als unzivilisierte, blutlüsternde Barbaren waren, die jede Gelegenheit nutzen würden, um Dörfer und Familien zu zerstören und sich einfach nahmen, was auch immer sie wollten. War es denn nicht so? Die Schafe waren doch diejenigen, die sie töteten und verschleppten, die so viel zerstörten, das gar nicht ihnen gehörte, nur, weil die Habgier siegte. Während er Rain weiterhin über die Wange strich, lauschte er der Erklärung - gerne hätte der Wolf mehr verstanden, als er tat, aber der Kern der Aussage war, dass Schafe sich wohl wieder viel zu viel einbildeten. Nayantai konnte sich so etwas gar nicht vorstellen. "Heißt also, dass die meisten Schafe einfach nur glauben, dass wir Wölfe wichtige Personen getötet haben? Damit begründen sie ihren Hass?" Das Blut in seinen Adern gefror. Irgendwie glaubte er nicht, dass all das hier relevant war, aber ... wieso hatte sich so etwas ähnliches eigentlich überhaupt abgespielt? "Und sie glauben, dass sie das Richtige tun, indem sie einfach abertausende Wölfe umbringen, weil irgendwann, irgendwer, irgendwem erzählt hat, dass Wölfe eine Fürstin töten?", er brummte. "Was wollt ihr noch alles von uns? Reicht es denn nicht, dass man auch noch die Königin der Wölfe umbringt? Oder müssen wir erst alle sterben?"
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    • "Ich... ja... muss ich wohl nicht.", murmelte Rain, der sich eigentlich darüber freuen sollte, es aber nicht tat. Er musste niemanden töten und doch würde er es irgendwann sein, der den Mord an noch mehr Wölfen befahl, während er nicht einmal wusste, was das bedeutete und andere die Drecksarbeit machen ließ. Er wollte niemanden töten, oder verletzen, aber wenn man es von seinem Schreibtisch in seinem sicheren Haus aus tat, dann war es selbst für ihn möglich, fühlte sich aber umso mehr falsch an. "Du willst mich beschützen...?", fragte Rain, der das Wort zum ersten Mal hörte, aber genau wusste, was es bedeutete, weil auch so viele Schafe, schon dasselbe zu ihm gesagt haben, genau in der selben Tonlage. Man musste ihn beschützen, weil er nicht auf sich selbst aufpassen konnte, das war wohl eine Tatsache und scheinbar etwas, das jeder sofort sah. Wovor wollte der Wolf ihn jedoch beschützen? Er war hier sicher, hatte seine Soldaten die das Anwesen sicherten und was brauchte er mehr? Der Wolf konnte ihn nicht vor Rains eigenem Körper schützen.

      Rain wusste immer noch nicht, ob er all das als Kompliment auffassen sollte. Er war schwach, schützenswert, naiv und offenbar viel zu nett. Waren das Eigenschaften auf die er stolz sein konnte? Wohl kaum... Er war noch nie das gewesen, was der Erbe von Fhaergus, oder der Erbe von irgendetwas sein sollte. Er war eine Enttäuschung, er ließ einen Wolf bei sich schlafen und enttäuschte damit bestimmt seinen Vater und er konnte den Krieg nicht beenden und enttäuschte damit Nayantai. Es gab nichts, das er richtig machen konnte, genau so wie es vermutlich falsch war, den Wolf über den Grund des Krieges aufzuklären. Nayantai sprach zu schnell und aufgeregt, da waren zu viele Worte die Rain entweder nicht verstand, oder auch gar nicht kannte. Selbst wenn Rain die Fragen des Wolfes gänzlich verstanden hätte, so hätte er sie nicht beantworten können. Er zog seine Beine ein wenig an, fühlte sich unwohl, weil er den Wolf verärgert hatte, er hätte den Mund halten sollen. "Ich weiß es nützt nichts, wenn ich mich entschuldige, aber es tut mir Leid, was euch passiert." Er unternahm aber auch nichts dagegen.