spellbound. (earinor & akira)

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    • In seiner Nähe fühlte sich der Wolf ungemein wohl, fast so, als bräuchte er auch sonst nichts, als gäbe es auf dieser Welt gar nichts, das ihn in diesem Moment glücklicher machen konnte als ein paar lose Worte, die ungemein der Wahrheit entsprachen und nicht nur völliger Humbug waren, den sie beiden sich selbst einredeten. Rain vermochte seine eigene Person zu sein, gleich wie Nayantai nicht mehr als eben das war - und doch funktionierten sie ohne einander irgendwie nur halb so gut, glaubte der Wolf. Aber warum? Weil sie sonst beide in einem endlosen Loch aus Depressionen und Angst vor dieser Welt fest saßen, die sie bereits fest im Griff hatte, oder weil sie beide einfach die Motivation brauchten, die sie voneinander abbekamen? Was immer es auch war, Nayantai wollte es eigentlich nicht wissen - glaubte, dass es die Magie, die er glaubte zu verspüren, kaputt machen würde - nur, was war es dann, wenn nicht ein hinterlistiger Zauber, der auf ihm ruhte? "Manchmal sprichst du Wörter aus, die ich nicht einmal ansatzweise verstehe", seufzte er und sah den Händen nach, die auf ihn zukamen und die ... ja, was hatte Rain da eigentlich vor? Nayantai hätte wohl seinen wildesten Fantasien freien Lauf lassen können, oder sich einbilden können, dass er Rain mehr als nur seine Nähe wollte, doch wohin würde das auch führen?

      "Ein ... Ungeheuer?", fragte der Wolf nach, der vermutlich ähnliches über sich selbst behaupten würde und glaubte, dass ihn ohnehin alle Schafe als eine hirnlose Bestie sehen musste, die früher oder später wieder ihren Hunger auf Blut bekäme und sich - mir nichts dir nichts - an einem einfachen Lamm, so wie Rain es war, vergehen könnte. Nayantai wusste nicht, warum Rain ihn ausgerechnet anfasste und sich die Mühe machte, seine Haare zu bändigen, die das Wasser ohnehin schon durcheinander gebracht hatte. "I-ich verstecke mein Gesicht nicht!", rief der Wolf beinahe schon empört aus und versteckte die rot werdenden Wangen unter seinen Händen, als er sich auf sein Gesicht schlug, bevor er merkte, dass er es doch tat und sie nur - protestlos - wieder ins Wasser sinken ließ. "Oder doch ...", murrte er, hatte sich selbst auf frischer Tat ertappt und fragte sich, ob er vor einem Jahr noch gleich auf solche Gesten regiert hätte, wie er es jetzt tat. Nayantai lehnte sich nach vorne, obwohl Rain sich eigentlich gerade erst zurückgezogen hatte und, anstatt in zu küssen, biss er das Lamm in sein Schlüsselbein, wanderte näher an den Hals heran und tat dort das Gleiche. Vermutlich ... sollte er das nicht tun, aber wieso auch aufhören?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich weiß, es tut mir Leid...", lächelte Rain, versuchte aber gar nicht das Wort zu erklären. Irgendwann würden sie sich schon besser verstehen können und er fand eigentlich, dass sie das ohnehin schon sehr gut hin bekamen. Es war zwar viel Raten von beiden Seiten dabei, aber alles in allem konnten sie ein fließendes Gespräch führen und einander sogar von ihren Problemen berichten, damit der andere tröstende Worte erwidern konnte. Dafür, dass sie vor wenigen Tagen beide noch kein Wort der jeweils anderen Sprache gekannt hatten, machten sie das eigentlich sehr gut. Vielleicht würden sie sich gänzlich unterhalten können, bevor der Schnee schmolz, obwohl sie beide scheinbar weniger motiviert waren sich einzelne Worte zu erklären, als am Anfang. Trotzdem konnten sie gemeinsam vom Süden träumen und Nayantai als Ungeheuer bezeichnen.

      Rain kicherte als der Wolf so trotzig widersprach und doch tatsächlich verlegen war. Die Röte in seinen Wangen konnte eigentlich nicht noch intensiver werden, aber spätestens als er die Hände auf sein Gesicht schlug, wurde es Rain klar. Die Hände fielen wieder ins Wasser, als wäre Nayantai ein Kind und das tiefe Murren, hätte wohl jemand anderen als Rain vielleicht sogar ein wenig geängstigt, wenn es von einem Wolf kam. Was Rain jedoch einen gewaltigen Schauer über den Rücken schießen ließ war Nayantai, der sich ohne Vorwarnung nach vorne lehnte und seine Zähne erneut in Rains Haut drückte. Damit noch nicht genug, der vergleichsweise immer noch warme Atem wanderte seine Haut entlang und der sanfte Schmerz in seinem Hals ließ ihn erneut erschaudern. Er war froh zu sitzen, weil er glaubte, andernfalls wäre er vermutlich umgefallen, trotzdem ließ die Anspannung in seinem Körper, die bei der ersten Berührung in ihn gefahren war nach und ließ ihn ein wenig nach unten sinken, während er gar nicht bemerkte, dass er seinen Hals streckte und ihn dem Wolf beinahe präsentierte. Er wusste nicht, was er mit seinen Armen, oder Beinen, oder dem Rest seines Körpers in dieser Situation anfangen sollte und er glaubte, würde er den Mund aufmachen, hätte er nichts heraus bekommen, schon gar nichts ohne seine Stimme zittern zu lassen. Der Atem des Wolfes stieß immer noch gegen seine Haut, die Zähne übten einen bestimmten, aber angenehmen Druck aus und alles in allem fühlte Rain sich, als konnte er jede Einzelheit dieser Handlung viel zu deutlich wahrnehmen. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, dabei verging vermutlich nur der Bruchteil eines Augenblickes. Seine Gedanken rasten und Rain wusste nicht, wie er dem Wolf verständlich machen konnte, dass er nichts gegen diese Zärtlichkeiten hatte, bevor der Wolf sich wieder zurück zog und sich womöglich entschuldigte, aber ihm fiel nichts ein. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und alles wozu er in der Lage war, war die Luft die er vorhin eingesogen und unbewusst angehalten hatte, langsam wieder nach draußen zu lassen.
    • "Mm-mh", brummte der Wolf lediglich, als täte es ihm fast leid, dass sich diese Situation schon wieder in solch eine Richtung entwickelt hatte, dass er dem Lamm vermutlich nicht mehr bereitete, als Kopfschmerzen und zu viele Gedanken, die es zu verarbeiten galt. Aber was dann? Sollte er einfach von ihm ablassen, sagen, er brauchte das warme Wasser nicht mehr und er wollte sich von Rain lossagen, brauchte dessen Zuneigung für den Moment nicht mehr, weil er sich ohnehin schon an ihr genährt hatte und weil er jeden, weiteren Körperkontakt vermeiden wollte? Das klang auch wiederum eher so, als redete der Wolf sich etwas ein, das nicht der Wahrheit entsprach und im direkten Kontrast zu dem stand, was er vor ein paar Minuten erst über die Lippen gebracht hatte - er mochte Rain, viel mehr, als er ihn vermutlich mögen sollte. Nayantai war sich dessen bewusst, dass er gerade in ein bodenloses Loch stieg, aus dem er schließlich nicht mehr entkommen würde, wenn er erst einmal in der erschwärzten Umgebung untergetaucht war und lediglich spürte, das es kochendes Wasser und nicht Luft wäre, die seine Lungen füllte.

      Warum also biss er Rain, wenn er all das gar nicht wollte? Und wieso streckte er die Hände nach ihm aus, schlang sie um den Oberkörper des Lammes und drückte ihn an sich heran, nur, damit er ihm nochmals in den Hals beißen konnte? Das heiße Wasser machte ihn nicht nur verrückt, so glaubte er, sondern benebelte ihn, raubte ihm den Verstand und brachte ihn schlussendlich dazu, nicht mehr zu wissen, was genau er eigentlich wollte - was richtig war, was falsch war - und was ein Wolf in dieser Situation eigentlich tun sollte. Ungeniert leckte er über die Stelle, an der er wiederum Abdrücke hinterlassen hatte, küsste sie allerdings nicht, sondern wanderte ein Stück weiter nach oben und wiederholte, was er zuvor getan hatte. "Rain ... meintest du nicht, du gehörst mir?", flüsterte er dem Schaf ins Ohr, als er von dessen Hals abgelassen hatte und ihn lediglich in den Armen hielt. Sollte er Rain nochmals beißen? Wollte er Spuren an seinem Körper hinterlassen, die allen zeigen würden, wie das Lamm mit dem Wolf verkehrte? Nein, dafür wäre es zu früh ... vermutlich.
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    • Rain konnte förmlich spüren, wie sein Herz das Blut sehr viel kräftiger als sonst durch seinen Körper pumpte, glaubte sein ganzer Körper pulsierte, als er sich in den Armen des Wolfes wiederfand. Es war auf einmal so still, nur das Brummen des Wolfes drang für einen Moment durch die Stille, sowie ein sanftes Plätschern, als der Wolf sich vorhin bewegt hatte. Rain spürte die Arme des Wolfes zum ersten Mal, ohne ein Stück Stoff dazwischen um seinen Körper, fühlte die Wärme und den sanften Druck viel deutlicher, der die Stellen an denen er ihn berührte heiß werden ließ. Er spürte die Zunge des Wolfes über die pochende Stelle lecken, die der Wolf verursacht hatte und kniff die Augen zusammen, nur um festzustellen, dass das ausschalten eines Sinnes nur zur Folge hatte, dass die anderen viel schärfer wurden und alles nur noch intensiver wurde. Er wusste nicht, was er tun sollte, ob er es wagen sollte sich zu bewegen, oder lieber weiter still da saß, während der Wolf dabei war ihm auch noch den Rest seines Verstandes zu rauben. Die Stimme die ihm sagte, dass er das hier nicht tun durfte, die sonst so penetrant war, die war kaum noch zu hören und verschwand gänzlich, als der Wolf Rains Namen in den Mund nahm und ihm einen erneuten Schauer durch den ganzen Körper schickte.

      "Mm--mhm...", bestätigte Rain, dessen Magen sich weiter zusammenzog, weil er diese Worte aus irgendeinem Grund gerne vernahm. Langsam hob er nun selbst seine Arme aus dem Wasser und legte sie um den Wolf. Etwas zögernd drückte er sich an an ihn, wollte seine warme Haut auf seiner eigenen spüren... ging er zu weit, machte er etwas falsch, wenn er sich auch erlaubte sich ein wenig davon zu nehmen, was er haben wollte? Vermutlich hätte Rain derjenige sein müssen, der den Wolf wieder aufhielt, so wie das letzte Mal, als er dessen Zähne an seinem Hals fühlen konnte, der letzte Ort, an dem ein Wolf seine Zähne haben sollte und doch... er bereute es ein wenig ihn das letzte Mal aufgehalten zu haben, fragte sich warum, sie einander nicht schenken lassen sollten, was auch immer sie wollten. Sie waren bereits so weit gegangen, dass es nur noch sie beide etwas angehen sollte, was sie miteinander taten und was nicht und auch wenn Rain im Moment gar nicht weiter dachte, als bis ins Hier und Jetzt, so wollte er nicht, dass der Wolf ihn sofort wieder los ließ. Mehr..., er wollte mehr, aber er wagte es nicht, dies auszusprechen, wollte absolut gar nichts von dem Wolf verlangen...
    • Wieso legte er seine dreckigen Hände an ein Schaf? Wieso besudelte er Rains Ansehen? Was brachte ihm all das, wenn nicht den Untergang, sobald sie jemand erwischte? War es das Adrenalin, nach dem er sich sehnte, das er in seinem Körper verspüren wollte, oder war es doch eher die Angst, dass er etwas tun konnte, dass sie beide aus der Bahn warf? Ablassen sollte er, die Wanne verlassen und Rain für sich sein lassen - nie hätte er einen Fuß in sie setzen sollen, oder sich vom Wasser benetzen lassen - seine Finger hätte er bei sich lassen sollen, legte allerdings seine Arme um das Lamm, das er nicht mehr gehen lassen wollte, das mehr als nur ihm gehörte, das er als mehr als nur seinen Besitz erachtete. Nach den Sternen musste er erst greifen, aber im Moment versuchte er zumindest, mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen, sich einzugestehen, dass es nicht nur Rains Herz war, das so vehement an dessen Brust klopfte, sondern auch das Seine. Nicht nur das Wasser schien daran schuld, dass ihm so warm war, er sich fühlte, als würde sein gesamter Körper brodeln und ein angenehmes Kribbeln unter seiner Haut auslösen. Nayantai fühlte sich so, als wären all seine Sorgen nichtig, als sollte er das tun und sich nicht länger zurückhalten, aber ... warum?

      Erneut biss er zu, ließ sich weiter von seinen törichten Gedanken blenden und sich einreden, dass er - so sehr es auch schmerzen würde - von Rain ablassen sollte, auch, wenn seine Finger hinter dem Rücken des Lammes fest ineinander verwoben waren und der Wolf nichts mehr spüren wollte, außer dieses Glücksgefühl, das sich durch seinen ganzen Körper zog, nachdem es irgendwo in seiner Magengrube aufgetaucht war. Nie wieder loslassen, nie wieder einsam sein - Rain sein blutendes, triefendes Herz zu schenken - ja, konnte der Wolf das denn? Was er sollte, das spielte keine Rolle mehr - was er wollte war hingegen wichtiger. Nayantai kicherte, beinahe schon zufrieden, als das Beißen seinerseits sich in sanfte Küsse verwandelte, die den Hals des Lammes nach oben stiegen und - an dessem Unterkiefer angekommen - stoppten. Aufhören wollte er nicht, sollte er nicht und biss das Lamm schlussendlich in sein Ohrläppchen, während sich die Arme, die sich um das Schaf gelegt hatten, etwas lockerten, während eine Hand ihm, beinahe schon lächerlich sanft, über den Rücken kratzte und, irgendwo an Rains Hüfte blieb. Auch der Wolf rutschte weiter nach hinten, ließ von Rain vorerst ab, suchte aber nicht die Distanz, sondern blieb dort, wo er war. "Wenn du einen Kuss willst, hol' ihn dir."
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    • Rain war nicht kalt, ihm tat nichts weh, er konnte atmen und er fühlte sich einfach nur gut, mehr als das. Er wollte mehr von diesem Gefühl, das in ihm aufstieg, mittels seines immer kräftiger schlagenden Herzens durch seinen ganzen Körper gepumpt wurde, bis in seine Finger- und Zehenspitzen. Das Gefühl überdeckte alles andere, die müden Knochen, die kalten Finger und den Druck in seiner Brust. Was war das und woher kam es? Waren es nur die sanften Berührungen des Wolfes, oder die Tatsache, dass Nayantai der letzte war, der ihn so anfassen sollte? Oder lag es gar daran, dass die Tür zum Badezimmer nicht einmal abgeschlossen war, dass jederzeit jemand herein kommen konnte und Rain diese Situation definitiv nicht erklären konnte? Vielleicht war es ja Zauberei die Rain dazu brachte sich nicht los zu reißen, den Kopf nach hinten zu strecken und sich auf die Lippe zu beißen,damit ihm nicht schon wieder ein Ton entwich, der ihm die Röte in die Wangen trieb und eigentlich niemals hätte aus seinem hals kriechen sollen. Störte es Rain, wenn der Wolf ihn nur verhext hatte und in Wahrheit dabei war, seinem schwachen Körper endgültig die letzte Lebenskraft zu entziehen? Nein. Dazu fühlte er sich zu gut, die Schmerzen die ihn sonst ständig begleiteten, fehlten und wurden höchstens ersetzt durch ein leichtes Zwicken an Rains Haut.

      Das Kichern des Wolfes durch brach die Stille, ließ seine Brust und seine Lippen vibrieren, die sich an Rains Hals hocharbeiteten, ihn kitzelten und die sich ihn fragen ließen, wie er sich dafür revanchieren konnte. Wie konnte Rain wissen was der Wolf wollte, wenn er noch nicht einmal selbst wusste, was ihm gefiel, bis auf das, was der Wolf ihm bisher offenbart hatte. Rain fragte sich ob die Lippen einer Frau sich auf seiner Haut genau so gut angefühlt hätten, aber kam lediglich zu dem Schluss, dass er gar niemand anderen an seiner Haut spüren wollte, als Nayantai. Rain öffnete die Augen als der Wolf seinen Griff um ihn löste, wollte schon beinahe widersprechen, ihm sagen, dass er nicht aufhören brauchte, jedoch von dem sanften Kratzen an seiner Haut daran gehindert wurde. Stattdessen wurde er nur noch röter im Gesicht, wenn das denn überhaupt möglich war und fühlte sich, als würde die Hitze nun ihm zu Kopf steigen.
      Eine von Rains Händen wanderte in Nayantais Nacken, während die andere über seine Schulter und seine Brust nach unten glitt und irgendwo bei seinem Bauch halt machte. Die Hand in Nayantais Nacken zog den Wolf das letzte Stück zu Rains Lippen, der viel zu lange so kurz vor ihm halt gemacht hatten und Rain damit beinahe schon die Luft zum atmen genommen hätte, zumindest hatte es sich so angefühlt.
    • Plötzlich war die Hitze nicht mehr so unangenehm, plötzlich war das Wasser nicht mehr viel zu heiß und die Wunden, die brannten und gepocht hatten, schienen endlich Ruhe zu finden - oder wurde im Fluss der Gefühle ertränkt, fielen Nayantai's Habgier zum Opfer, der immer mehr von dem Schaf verlangen wollte, obwohl er sich schon mehr genommen hatte, als er eigentlich haben sollte. Sein Herz pochte, schnell, aufgeregt - das Blut stieg ihm nicht nur in sein Gesicht, dafür war es aber auch die Unsicherheit, die sich durch ihn nagte. Das hier sollte er nicht machen, die Hände sollte er nicht an Rain legen, er sollte ihm keine leeren Versprechungen machen, ihm keine Küsse geben, oder ihn gar beißen, sollte mit ihm nicht verkehren, als wäre es etwas vollkommen normales und sollte sich schon gar nicht mit ihm ein Bett teilen - und doch sollte er leben, sollte atmen, sollte sich nicht unterkriegen lassen. Nayantai wollte lediglich etwas, verlangte danach, als wäre es Wasser, das er brauchte, um zu überleben - was er dabei wirklich tun sollte, das wusste der Wolf nicht, wobei er eher zu ignorieren versuchte, was sein Kopf ihm vermitteln wollte, hörte er doch lieber auf das Kribbeln in seinem Körper und das Herz, das sich nicht mehr beruhigen konnte.

      Standen sie denn beide unter dem Zauber des Anderen, oder glaubte er, er wäre hier besser aufgehoben und musste deswegen seinen Körper - seine Nähe - seinem Besitzer anbieten? Nein. Daran sollte er besser nicht denken, nicht jetzt und auch nicht hier. Nicht, wenn er die zierlichen Hände an sich spürte, deren Berührungen sich in sein Fleisch brannten, nicht, wenn er die Lippen des Lammes auf den seinen hatte und sich nicht losreißen konnte, und auch nicht dann, wenn seine Hände wieder nach oben wanderten. Wollte er das? Ja. Mehr als nur für den Moment, in dem er es vermutlich übertrieb und das Lamm an sich drückte, kaum lösten sich ihre Lippen kurz voneinander, indem er eine seiner eigenen Hände in den Nacken des Lammes legte, es zurückküsste und sich so fühlte, als würde er auf Holzkohle sitzen, die ihn dazu bringen würde, jedwedes Gefühl zu verlieren, weil er verbrannte - ihm war zu warm und plötzlich fühlte sich das alles unaufhaltsam an, eskalierte in eine Richtung, die dem Wolf nicht mehr so gefiel, als er nach der Hand griff, die noch immer auf seinem Bauch ruhte. "Nicht da", murrte er und zog sie beinahe schon mühelos nach oben, als er sich wiederum von Rain gelöst hatte und sie sich lieber an den Mund hielt, bevor er in sie biss, als wollte er dem Schaf damit zeigen, dass er tatsächlich einen Fehler begangen hatte - was vermutlich besser funktionieren würde, würde er nicht anschließend über die Stelle lecken. "Rain", lockte er ihn erneut, schob seine Hand zwischen ihre Oberkörper und legte sie wiederum auf die Stelle, an der das Herz des Lammes saß. Sollte er ihm sagen, dass er sich unwohl fühlte? Dass er nicht glaubte, dass er weitergehen wollte als dort, wo sie jetzt waren? Oder ... ja, was sollte er der Wolf auch machen? Rain konnte er sich nicht von sich stoßen, gleich wenig wie die Gedanken, die noch immer in seinem Hinterkopf herumgeisterten. "Ich ... wir ... sollten wir das hier tun?"
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    • Rain fühlte die weichen Lippen des Wolfes auf den seinen und küsste ihn, ohne wirklich darüber nachzudenken. Der Wolf raubte ihm beinahe den Atem und Rain hätte seinen Körper verflucht, hätte er ihn jetzt aus dieser Situation gerissen, so wie aus allem anderen, das ihn glücklich machen konnte. Sein Körper hatte ihm schon genug verweigert, hatte ihn hier eingesperrt, aber das nahm er ihm nicht weg, dazu war Rain fest entschlossen. Er schnappte erst nach Luft als der Wolf sich für einen Moment zurück zog, sog die Luft ein, mit der sein Körper nun für eine Weile wieder auskommen musste, während der Wolf Rains Nacken kitzelte, ihn an sich drückte und sie ihre Lippen wieder aufeinander legten. Rain vergaß seinen schwachen Körper, konzentrierte sich lieber auf dem Wolf, dem er zumindest für den Moment genug war, der nichts an ihm zu bemängeln hatte, der ihm nicht sagte, er wäre zu schwach um dieses oder jenes zu tun. Er war es nicht, er...

      Rain öffnete die Augen, der Kuss war gelöst und stattdessen fühlte er Nayantais Zähne bald wieder auf seiner Hand. Rain suchte den Blick des Wolfes, war ein wenig verwirrt und es kam ihm vor, als hätte er eben noch an einem ganz anderem Ort verweilt. Sein Atem ging schneller als es normal gewesen wäre und er blickte für einen Moment auf die Hand, die sich auf seiner Brust wieder fand, bevor er wieder zum Wolf aufblickte. Was hatte er...? Sanft legte er seine Hände um die Hand auf seiner Brust, seufzte leise und schüttelte den Kopf, als ob ihm das helfen konnte zu sich selbst zurück zu finden. Rain ließ sich zurück sinken, holte einmal tief Luft und lehnte sich gegen den Beckenrand hinter sich. Seine Beine winkelte er wieder an, als wäre ihm erst jetzt aufgefallen, dass er ja immer noch nichts an hatte. "Es tut mir Leid, ich..." Für einen Moment schloss Rain die Augen, sammelte sich, dann schlug er sie wieder auf und ließ die blauen Augen auf Nayantai ruhen. Er wusste eigentlich gar nicht was das war, oder wohin es führte, aber er fühlte sich schlecht, weil er für einen Moment nur an sich selbst gedacht hatte und nicht an den Wolf, fühlte sich schlecht, weil er es gewesen war, der es überstürzt hatte, zumindest glaubte er das. Aber es gab keinen Grund sich für das zu schämen, was sie eben getan hatten und auch keinen dafür, die Situation jetzt auf die ein oder andere Weise zu verteufeln. "Wir... wir können tun was auch immer wir wollen. Was wir beide wollen.", lächelte er zuversichtlich, bestätigend. Er zog die Hand, um die seine eigenen Hände noch immer sanft lagen, nun zu seinem eigenen Mund, gab Nayantai einen sanften Kuss auf seine Finger und ließ ihn schließlich los.
    • So, als hätte man den Zauber aufgelöst, der auf ihnen beiden gelegen hatte - sie warne frei von den Ketten, die sie vor wenigen Sekunden noch aneinander gebunden hatten, frei von den Worte, die sie nicht ausgesprochen hatte und frei von der Hitze, die sie eben noch gespürt hatten. Nayantai glaubte, dass er Rain nicht hätte wegstoßen sollen, dass er die Zweisamkeit der beiden womöglich noch eine Weile länger genossen haben sollte, aber was dann? Dann wäre es zu spät gewesen, als dass er hätte nein sagen können - Gefühle und Gedanken hätten ihn überrumpelt, er wäre vermutlich angewidert gewesen und sah sich schon wieder in den Armen des Lammes, das versuchen würde, den großen, bösen Wolf zu trösten, der er schon lange nicht mehr war. Noch immer kribbelte es unter seiner Haut, selbst dann, als Rain sich wieder zurückzog und auch bemerkte, dass er womöglich zu weit gegangen war, dass sie beide nicht mehr als die eigene Selbstsucht im Kopf gehabt hatten und nach mehr verlangten, als man sie besitzen ließ. Er wusste es nicht, wollte es nicht wissen, wozu diese Situation potentiell noch geführt haben könnte, aber er konnte sich selbst verteufeln, weil er wieder das getan hatte, was er tun sollte, nicht, was er wollte.

      "Nein ... es ... es muss dir nicht leid tun. ... Das ... wir ... wir wollen es doch beide, oder? ... Ich ... ich glaube, dass ... dass ich mich noch nicht ... dazu ... bringen kann", erklärte der Wolf so einfach er konnte, schüttelte den Kopf. Sein Ziel war es nicht, das Lamm von sich zu stoßen, oder Rain zu verunsichern - er wollte lieber wissen, was es war, das ihn plagte, wollte lieber wissen woher der Wind geweht hatte, der ihm den Kopf von einer Sekunde auf die Andere verdreht hatte und alles, das er tun konnte, war, seine Augen an Rain zu heften. Sie beide waren einsam, naiv und unsicher, gingen aufeinander zu und träumten von Dingen, die unmöglich waren, weil sie nicht ihrer Natur entsprachen. Dennoch sollten sie es versuchen, hatten keinen Grund, es nicht zu tun, aber was dann? Sollte er einfach aufgeben und hoffen, dass er sich früher oder später dazu überwinden konnte, seine Hände an Rain zu legen und ihn die seinen Hände an ihn legen zu lassen? "Aber ... was? Was willst du? Was will ich?", fragte der Wolf, der sich wiederum nach vorne lehnte, die Nähe zum Lamm suchte, aber ihm nicht zu nah kam, sondern dort, vor seinen Knien, hocken blieb und ihn ansah, die Hand ansah, die er zurücknahm, die gerade geküsst worden war. "Ja, was will ich eigentlich?", murmelte er vor sich her, bevor er die Hand wieder ausstreckte. "Vielleicht ... vielleicht will ich einfach deine Hand halten."
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    • "Es tut mir nicht Leid, dass...mh... nicht so wichtig." Rain schüttelte den Kopf, lächelte, es spielte tatsächlich keine Rolle, denn es war ja schließlich auch nichts passiert. "Für mich ist das alles neu, also verzeih mir wenn... wenn ich etwas tue, das dir nicht gefällt.", murmelte er, wusste aber selbst nicht so recht, was überhaupt in ihn gefahren war, oder was er noch vor gehabt hätte. Jedoch war es Nayantai, der noch viel unsicherer wirkte, als das kleine Lamm, der wohl glaubte, er musste sich zu etwas zwingen, obwohl es gar nicht stimmte, zumal Rain sowieso nicht wusste, was er tun sollte, wenn sie tatsächlich so weit gingen, wie der Wolf es sich scheinbar vorstellte. Er hatte keine Ahnung von solchen Dingen, wüsste sich vielleicht gerade noch zu helfen, wenn eine Frau vor ihm saß, aber Nayantai war ein Mann, ein Wolf und nichts in Rains bisherigen Leben hatte ihn jemals auf das hier vorbereitet. Für jemanden, der immer danach strebte, die Erwartungen anderer zu erfüllen, auch wenn es eben die Erwartung war, dass er etwas nicht schaffte, für so jemanden war die Situation schwer zu meistern, wenn er nicht wusste, was die Erwartungen waren.

      Rain streckte seine Hand wieder aus, griff nach Nayantais und hatte das Bedürfnis für ihn da zu sein, als müsse er nun stark sein, obwohl er doch nur ein mickriges Lamm war. Er lächelte Nayantai an, sah in die unsicheren Augen, die tatsächlich nicht wussten, was sie überhaupt wollten. "Ich weiß nicht was ich will, aber das ist egal. Wir müssen es beide nicht wissen. Wenn es sich richtig anfühlt, dann tun wir es und wenn nicht, dann hören wir auf, so wie eben. Du musst dich nicht dazu zwingen mich zu berühren und ebenso musst du keine Angst haben, meine Nähe zu suchen." Rain richtete sich wieder etwas auf, fischte auch Nayantais zweite Hand aus dem Wasser und hielt nun beide fest, während er ihm in die dunklen Augen sah. "Wir versprechen einander etwas!", verkündete er, "Ich verspreche dir, es zu sagen, wenn es mir zu viel wird und ich verspreche, es dir nicht übel zu nehmen, wenn du das selbe tust." Rain lächelte breit, fast schon aufmunternd. Er glaubte nicht, dass das Gefühl, dass Nayantai manche Dinge nur tat, damit Rain ihn nicht ebenso behandelte wie der König, oder ihn einfach wegwarf, einfach nur durch ein versprechen verschwand, aber dennoch würde er sich wohl besser fühlen. "Und jetzt... dreh dich um! Damit ich endlich einmal deine Haare in Ordnung bringen kann!"
    • "Entschuldigung angenommen, keine Sorge", meinte der Wolf knapp und lächelte das Lamm wiederum an. Vermutlich sollten sie beide den Abstand zueinander wahren und sich nicht länger einreden, dass es nichts gab, das sie beide brauchten, damit sie glücklich waren - Nayantai wusste, dass er es so oder so nicht wäre, so lange er hier war und doch spielte er mit dem Gedanken, sich auf den Fürsten einzulassen, so lange hierzubleiben, wie man ihn an Ort und Stelle behalten wollte und dann ... ja, was dann? Würde er einfach irgendwann gehen müssen, selbst, wenn er Rain lieb gewonnen hatte? Oder fand er doch noch seinen Weg unter die Erde, an einem unbedeutenden Fleckchen Land, soweit von seiner Heimat entfernt? Weder wollte noch sollte er daran denken. "Mh, du kannst es nicht wissen, aber ich werde es dir sagen", seufzte der Wolf erleichtert, der sich so fühlte, als hätte er gerade einen gewaltigen Rückzieher gemacht, aus einer Situation, die einzig und allein von ihm selbst angetrieben wurde. Nayantai wusste, es gehörte sich schlicht und ergreifend nicht, aber was sollte er auch tun? Gegen sich selbst war er machtlos, bis zu dem Punkt, an dem alles in ihm aufgab, nicht mehr versuchen wollte, sich all das gefallen zu lassen, sondern sich wehrte, irgendwie.

      "Ist es wirklich egal? ... Aber, ich bin gerne in deiner Nähe", nuschelte er wiederum und wusste ehrlich gesagt nicht, was er damit bezwecken wollte. Rain konnte sich vermutlich nicht viel von ihm abgewinnen, wäre er nicht einmal willig, sich berühren zu lassen, empfand es als unangenehm, andere Hände auf sich zu verspüren und doch war es nicht so - er redete sich etwas ein, das er gar nicht erst hören wollte, glaubte, er hätte schon längst aufgehört, für sich selbst zu funktionieren, sondern tat es nur mehr, für einen Mann, dem er nie dienen wollte. Seine Hände wurden gehalten und doch fühlte es sich nicht so an, als zwang man sich im auf, sondern er bekam lediglich das, wonach er gefragt hatte - das, was er wollte. "Mh - mhm!", gab der Wolf wieder, der vermutlich zum ersten Mal nicht den Kopf schüttelte, sondern lächelnd das Lamm annickte, sich jedoch auch nicht gänzlich sicher war, ob er wirklich verstanden hatte. Versprach man einander solche Dinge? So viel auf einmal? "Mei-meine Haare!?", rief der Wolf verwirrt, aber nicht empört aus, bevor er sich so fühlte, als würde er derjenige sein, der in Verlegenheit geriet, selbst, er sich mit dem Rücken zu Rain drehte. "S-Soll ich näherkommen o-oder ... recht dir das?"
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    • Rain nickte, er wollte nichts tun, was dem Wolf unangenehm war und würde er es ihm einfach sagen, dann musste das doch reichen. Er zwang sich seine Unsicherheit hinunter zu schlucken, die ihm mitzuteilen versuchte, dass ohnehin alles falsch war, das er versuchte, auch wenn es womöglich gar nicht stimmte. Was brachte es sich zu ärgern, über Dinge, die er gar nicht so genau wusste und welche, die ihm eigentlich gar nicht richtig übel genommen wurde? Der Wolf sagte ja selbst, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte. Wenn er sich über etwas Sorgen machen musste, dann über das, dass er den Wolf für einen Moment völlig vergessen hatte und wohl nicht mehr war als das Bild, das die Wölfe ohnehin von den Schafen hatten. Es hatte ihn selbst überrascht und als er vorhin wieder in die Realität geschmissen wurde, wäre er am Liebsten weg gelaufen. Er war vielleicht nicht in einem dunklen Kerker gewesen, aber auch Rain musste sich selbst eingestehen, dass die Jahre die er in seinem eigenen Körper eingesperrt waren, auch Spuren an ihm hinterlassen hatten. Seit der Wolf hier war, benahm er sich nicht wie er selbst, so kam es ihm zumindest vor und er wusste nicht, ob es etwas Gutes, oder etwas Schlechtes war.

      "Was ich will werde ich sehen, wenn ich es bekomme.", grinste Rain und wusste, dass es nicht wirklich eine Antwort war, auch wenn es in seinem Fall tatsächlich stimmte. Er hätte sich nie ausgemalt, dass er einen Kuss von einem Wolf haben wollte und doch war es so, jetzt war er eben ein wenig schlauer als vorher. Viel lieber aber kümmerte er sich jetzt um Nayantais Haare, wollte, dass er sich wohl fühlte und die Zeit mit einander nicht schlecht in Erinnerung behielt. "Das passt so.", erklärte Rain als der Wolf ihm den Rücken zugekehrt hatte und Rain nach den Haaren griff, damit er sie ein wenig entwirren konnte. Er fing unten an, löste all die kleinen Knötchen, bis er mit den Fingern durch die Haare fahren konnte, ohne hängen zu bleiben. Die vielen und langen dunklen Haare lagen wie eine Decke über Nayantai und vielleicht war es besser, Rain konnte sich nicht erneut mit den unzähligen Narben beschäftigen. "Du wirst doch keine Angst vor einem winzigen Lamm haben?", lächelte Rain, der die Unsicherheit des Wolfes deutlich hören konnte. "Entspann dich. Ich könnte dir nicht einmal etwas antun, wenn ich es versuchen würde, was ich nicht werde. Schließ' einfach die Augen und gönn deinen Gedanken eine kleine Pause. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn dir die Hitze wieder zu Kopf steigt."
    • Regeln waren im Endeffekt nichts wert, wenn der eigene Verstand sich dagegen auflehnte. Wieso wollte er sie überhaupt befolgen, wenn er sowieso nicht mehr glaubte, dass er ein Wolf war? Warum bildete er sich ein, er würde nach Thria zurückfinden, würde die vergangenen Tage seine Kindheit am Eismeer erneut durchleben können? Dort, wo ihre Zelte zuletzt gestanden hatten, gab es nicht mehr, als die offene, weitläufige Tundra - als den Schnee und die Kälte, die trockenen Gräser, die sich vereinzelt aus diesem empor kämpften und die Schreie derjenigen, die den nächsten Tag nicht mehr erleben würden. War er hier, würde er hier bleiben, dann gab es das alles nicht - dann endete seine Freiheit mit dem Beginn der steinernen Mauer und begann nie wirklich - dann würde er vermutlich kein Blut mehr sehen, das sich durch den eiskalten Schnee fraß, kein Leid mehr erleben, das sich in ihn hinein brannte aber der Wolf würde sich vermutlich selbst nicht mehr spüren, würde das dumpfe, nicht vorhandene Gefühl, das sich durch seine vernarbte Hand zog, in seinem ganzen Körper vernehmen. Abgestumpft wäre er, nicht mehr als eine rostige Klinge, deren einzige Aufgabe es vermutlich wäre, Rain zu gefallen - und dann? Ja, was dann, wenn er ihm nicht mehr gefiel? Irgendwie wollte er nicht daran denken, als würde jeder weitere Gedanke in diese Richtung dafür sorgen, dass die Hand, die um sein Herz lag, fester zudrückte und ihm noch mehr raubte.

      "Wenn ... du es bekommst?", aber wollte das Lamm eben das dann überhaupt? Es war wohl etwas, das er selbst wissen musste und dass Nayantai ihm nicht beantworten konnte, weil sie beide von Grund auf verschieden waren - weil Rain nach anderen Dingen verlangte, als er es tat. Nur, was konnte er ihm auch schon bieten? Nichts, nicht einmal ein schützendes Dach über dem Kopf, oder genug Wärme, um die Kälte dort draußen zu überleben. Nayantai konnte so vieles nicht, außer, an sich selbst und seinen Taten zu zweifeln, war nicht mehr der, der Thria verlassen hatte - war das falsch? "Angst? Vor dir? Nein ...", entgegnete er Rain und wusste, dass er sich nun in der Situation befand, in der er vermutlich geneckt werden würde. Rain konnte nicht sonderlich viel gegen ihn ausrichten, das mochte die Wahrheit sein, aber das brauchte es auch nicht mehr. Der Wolf war geschunden, war einsam und fühlte sich, als würde er nie wieder ganz werden - und doch glaubte er nicht, dass das - zumindest mit Rain an seiner Seite - ein Ding der Unmöglichkeit war. Angenehm war es, hier mit ihm zu sitzen, die Augen zu schließen und zu hoffen, dass ihm die warme Luft tatsächlich mehr als nur gut tat, dass sie seine schlechten Gedanken davontrug und ihn einfach vergessen ließ. "Würdest du mir denn etwas antun wollen?", fragte er und konzentrierte sich beifällig auf die Hände, die sich mit seinen Haaren beschäftigten - waren sie wirklich so interessant? War es das, was Rain wollte?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Nachdem Rain es geschafft hatte die ersten Knoten zu lösen und mit seinen Fingern durch Nayantais Haar gleiten zu können, lehnte er sich kurz zurück, streckte sich und schnappte sich einen Kamm, mit dem er auch wirklich jeden weiteren Knoten entfernen wollte. Es waren so viele Haare, dass Rain sicher war, er wäre eine ganze Weile damit beschäftigt sich von den Spitzen bis nach oben zu arbeiten. Vermutlich würde es dann nicht lange dauern, bis Nayantais Haare sich erneut ineinander verhedderten und ständig in sein Gesicht fielen, als wäre er tatsächlich ein Ungeheuer. Dass man sich vor der Welt verstecken wollte war für Rain jedoch nicht unbekannt, trotzdem musste der Wolf es nicht tun und konnte auch mit diesen ungewohnt langen Haaren ein bisschen weniger wie ein wilder Wolf aussehen. Rain war sicher, dass er zu Hause auch nicht so herum gelaufen war. Wenn Rain mit einem Teil der Haare fertig war, legte er den Kamm wieder beiseite und entknotete das gröbste erneut mit den Fingern. "Hm... stört es dich, den Rest deiner Haare mal kurz ins Wasser zu tunken?", fragte er den Wolf, nachdem es viel einfacher war die Haare zu entwirren, wenn sie tatsächlich nass waren.

      "Ja, wenn ich es bekomme. So wie den Kuss. Ich... vertraue dir. Als ich dich das erste Mal aufgehalten habe, hast du nach einem Wort aufgehört, also vertraue ich darauf, dass ein Wort von mir genügt und darauf kannst du genau so vertrauen. Ich lasse dich nichts tun, was ich nicht möchte. Gleichzeitig reicht auch ein Wort von dir. Und wenn du mich gar nicht mehr sehen wolltest, dann würde ich dich trotzdem nicht wegsperren lassen. Ich weiß es ist schwer sich nicht zu viele Gedanken zu machen und zu glauben, dass ein Schaf wie ich existiert, aber es existiert wohl auch ein Wolf, der mir nicht gleich an den Kragen will." Rain lächelte, auch wenn der Wolf das im Moment nicht sehen konnte. Er wusste nicht wieso er sich so verhielt wie er es tat, aber er war immer schon zu weich gewesen... er hatte nie vor dem Wolf etwas anzutun. Er hatte zwar auch nicht damit gerechnet, dass er ihm so nahe kam, aber das hatte nichts damit zu tun, dass er gerne wollte, dass es ihm gut ging. "Angst vor mir, ja, vielleicht beiße ich ja das nächste Mal zurück!", lachte er, machte aber nur weiter mit Nayantais Haaren, was er die ganze Zeit schon tat. Er glaubte nicht, dass es jetzt angebracht war ihm zu nahe zu kommen. "Nein. Warum sollte ich dir etwas antun wollen? Das wollte ich nie. Nenn' mich egoistisch, aber ich würde das nicht übers Herz bringen, selbst wenn es nötig wäre."
    • Er selbst war nicht mehr als vergänglich, gleich, wie es das Lamm hinter ihm war - sie beide waren nicht für die Ewigkeit, mussten sich eingestehen, dass sie nebeneinander und aneinander eigentlich nichts verloren hatten, aber was dann? Hier zu sitzen war, momentan, das Einzige, das man ihnen erlaubte, weil sie sich selbst am Riemen rissen und nichts überstürzen wollten. Gab es überhaupt noch etwas, das sie überstürzen konnten, nachdem sie sich voreinander entblößt hatten? War es die Hitze, oder gar das klaffende Loch in seinem Herzen, das ihn unbewusst in seinem Inneren schreien ließ, ihm weiß machte, er hätte den Verstand ohnehin schon verloren und dass es daran nichts mehr zu rütteln gab? "Mh, nein", antwortete der Wolf, der nicht wusste, ob er sich zurücklehnen konnte, weswegen er - mit dem Kopf voraus - vermutlich auch einige Arbeit des Lammes ruinierte, nur, damit er den Rest seiner Haare nass bekam. Wäre er alleine in dieser Wanne, dann hätte er sich darum vermutlich keine Gedanken machen müssen, es wäre allerdings auch darauf hinausgelaufen, dass er vermutlich wieder eingeschlafen wäre und von einem Ort träumte, den es nur in seinen Erinnerungen gab - denen es an den Ecken und Enden an Farbe und Form fehlte. Nayantai lehnte sich wieder zurück und wischte die restlichen Haarsträhnen zurück - es war ungewohnt, so viel auf einmal von dem zu sehen, was er nicht länger erblicken wollte.

      "Möchtest du denn noch einen haben?", fragte der Wolf, der vermutlich lieber den Mund halten sollte und eher hoffen sollte, dass Rain nicht an seinen Haaren ziehen würde, ihn nach hinten riss und ihm doch eröffnete, dass es nicht mehr gab, als seinen Körper, der ihn interessierte - aber so war er nicht, das hatte sich Nayantai schon oft genug angehört, auch, wenn er immer wieder die gleichen Gedanken und Ängste hatte, die ihn plagten. Sollte er nicht lieber an Thria denken, oder gar an den Süden, in dem er sein wollte? Oder war er verdammt dazu, die falsche Realität seinen Käfig zu nennen? "Wieso sollte ich mich dir auch aufzwingen? Was bringt das?" Einem König brachte es vielleicht das Gefühl von Macht, das Gefühl, dass er besser war, als ein mickriges Schaf und die Realisation, dass er sich nehmen konnte, was auch immer er möchte. Einem Wolf hingegen - was gewann er daraus, außer einen hinterhältigen Sieg, den er nicht haben wollte? "Wir sind beide komisch", brummte er, wusste, dass er nicht so war, wie er sein sollte - dass all die Dinge, die er tat, so wirkten, als hätte er kein Problem damit, seine Hände an ein Schaf zu legen, als würde der Hass nicht in ihm brodeln. Nayantai war verrückt. "Dann beiß mich doch gleich und droh es mir nicht nur an!", antwortete er lachend, als wäre es lustig, sich über solche Dinge zu unterhalten - als hätten sie vor wenigen Minuten noch getrost dort weitermachen können, wo sie im Endeffekt aufgehört hatten. Wollte er das denn? "Dann sind wir schon zwei, hm?"
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    • Rain musste ein wenig zurück weichen, damit er nicht einen Großteil von Nayantais Haaren selbst ins Gesicht bekam, machte aber schließlich dort weiter, wo er aufgehört hatte und löste weitere Knoten, damit der Wolf wieder aussehen konnte wie ein Mensch. Ein paar hartnäckige Knoten waren dabei, die er gewissenhaft und vorsichtig auseinander zog und mehr als nur einmal ein endlos lang wirkendes Haar in der Hand hielt, dass er irgendwo beim Beckenrand wieder los wurde. Er arbeitete sich weiter vor, legte einzelne entwirrte Strähnen über Nayantais Schulter und machte mit den nächsten weiter. Irgendwie machte es Spaß ihn zu kämmen und sich mit seinen Haaren zu beschäftigen, die so ungewöhnlich waren. So lang, dunkel und fest...

      Rains Wangen wurden ein wenig rot und er stieß lächelnd etwas Luft aus seinen Lungen. "Mh... sicher. Irgendwann.", schmunzelte er, machte aber keine Anstallten sich jetzt sofort einen zu holen. Er küsste den Wolf gerne, auch wenn er sich vorhin ein wenig selbst verloren hatte, dies schob er jedoch auf die Hitze in diesem Raum, hatte außerdem nicht vor, es noch einmal vorkommen zu lassen. "Nichts. Ich werde mich dir auch nicht aufzwingen." Stattdessen strich er viel lieber durch das dunkle Haar und holte sich auch noch die letzten vereinzelten Strähnen, die doch wieder ihren Weg nach vorne gefunden hatten. Ob er den Wolf tatsächlich beißen sollte überlegte er eine Weile. War es in Ordnung ihm jetzt wieder so nahe zu kommen? Rain wollte die Stimmung nicht versauen und vermutlich machte er sich aber selbst gerade schon wieder viel zu viele Gedanken. "Jaja, ich weiß, ich bin viel zu klein und schwach, manche bezeichnen mich vielleicht sogar als niedlich, als dass man mir etwas antun könnte. Alle wollen mich beschützen, dabei kann ich meine Zähne in einen großen, bösen Wolf schlagen, ohne dass etwas passiert!", lachte er schließlich und tat eben das, biss den Wolf sanft in seine Schulter und frisierte anschließend weiter seine Haare, als wäre nichts passiert. Jetzt wo er vom Haaransatz bis ganz nach unten kam, ohne irgendwo hängen zu bleiben, fragte er sich, was er mit den Haaren noch so anstellen konnte... Während er überlegte, hätte er vielleicht seine Finger von Nayantais Kopf lassen sollen, den er fast schon massierte, während er mit seinen Fingern weiter durch sein Haar kämmte.
    • Wann hatte er sich das letzte Mal seine Haare abgeschnitten, die feinen Strähnen einfach mit einem Messer zurechtgestutzt und sie dann vom Wind verwehen lassen? Nayantai wusste, dass seine Haare noch nie kurz gewesen waren, aber sie noch nie gewesen. Es fühlte sich befremdend an, wenn er einen Blick in den Spiegel warf, wenn er seinen dürren Körper ansah und die langen, verhedderten Haare sah, die vermutlich irgendwann den Boden berühren durften, wenn er sie nicht abschnitt - wenn er sich hinter ihnen versteckte, dann war er vermutlich wirklich nicht mehr als ein Ungeheuer, aber jetzt - im Moment - sah er vermutlich aus wie ein frisch gestriegelter Hund, der lediglich seinem Herren zu gefallen hatte, der nicht aussehen durfte, wie eine wilde Bestie, die man an einem Straßenrand aufgegabelt und mit nach Hause genommen hatte. Verkümmert war er, zerwelkt wie eine Pflanze, die weder Sonne noch Wasser bekam und vom Strom mitgerissen, musste sich den ungleichmäßigen Wellen anpassen - und jetzt, wo all das wieder zum Stillstand kam, fragte er sich doch ungemein, ob er sich nicht wieder gerade biegen konnte.

      Die Haare konnte er sich vermutlich einfach abschneiden, irgendwo, wenn er mit ihnen ein Zopf machte - die Narben würden nicht vergehen, aber der Schmerz blieb nicht ewig und was man nicht sah, das war - zumindest für den Augenblick - nicht da. "Wann auch immer du willst", lachte der Wolf, der seine Antwort nicht bereuen wollte - der seine Taten nicht bereuen sollte und doch wusste er nicht, ob es recht war, was er hier tat. Immer wieder spürte er leichtes Zurren in seinen Haaren, lauschte lieber dem sanften Bewegungen des Wassers und der Konversation, die er mit dem Lamm führte, als seinen eigenen Gedanken, fühlte sich, als ob er sich an einem anderen Ort befand. "Dich beschützen? Du kannst dich doch sowieso wehren! Und außerdem, ja! Ich bin nur ein armer Wolf, der dir ausgesetzt ist", lachte der Wolf, dessen Magen sich etwas zusammenzog, als er doch gebissen wurde - es war nicht schlecht, so viel stand fest, er hatte nur nicht damit gerechnet, tatsächlich gebissen zu werden. "Du bist ein ziemlich rabiates Schaf", scherzte der Wolf plötzlich. Rain schien in anderen Spähren, während der Wolf sich ebenfalls nicht gerade an diesem Ort befand und die Augen schloss, damit er vielleicht doch mehr sah, als dieser Raum zu bieten hatte. "Überlegst du dir gerade, wie viele Haare du mir abschneidest?"
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    • "Darauf komme ich... vielleicht zurück. Wenn du dich nicht wieder über mich lustig machst.", murmelte Rain der sich ein paar Strähnen aus den langen Haaren heraus suchte und sie in drei Teile teilte. Er fing an sie abwechselnd zu überkreuzen und arbeitete sich so von oben, bis nach unten durch. Er hatte zwar nicht viel Ahnung von langen Haaren und Frisuren, aber seine Mutter hatte sich ab und zwei Zöpfe geflochten, damit ihre langen, blonden Haare ihr beim gärtnern draußen nicht im Weg waren. Rain dachte, das konnte ja nicht so schwer sein und er hatte recht, denn er hatte ziemlich schnell einen passablen, geflochtenen Zopf zusammen, der nun in einem Meer von einzelnen Haaren herum hing, sich aber bereits langsam wieder aufzulösen versuchte. Rain hatte nichts dagegen und nahm sich noch ein paar Strähnen vor, weil es Spaß machte, seine Finger zu beschäftigen.

      "Ein armer Wolf? Pah! Du hast Kekse zum Frühstück bekommen!", lachte Rain, der zwar sehr wohl einen gebrochenen Wolf vor sich sitzen sah, aber das ließe sich wohl wieder ändern. Er war erst zwei Wochen hier, in einer Welt, die ihm ebenso fremd war, alleine mit einem seltsamen Schaf, dem er nicht ganz vertrauen konnte und immer noch eingesperrt in den Mauern dieses Hauses. Ob der Wolf wohl gehen würde, wenn der Schnee schon geschmolzen wäre? Würde er es denn so zurück nach Thria schaffen? Vielleicht, aber er sollte die Zeit hier nutzen und wieder zu Kräften kommen. Er sollte also auch etwas anderes essen als Kekse.
      "Abschneiden?", fragte Rain und war sich fast sicher, dass er wusste was das bedeutete, "Warum sollte ich das tun? Ich bin dich so gewohnt und die langen haare gefallen mir. Hm... es sei denn sie stören dich, dann können wir sie natürlich abschneiden. Dann sehe ich vielleicht auch wie die Wölfe ihre Haare normalerweise tragen." Wenn sie ein bisschen kürzer waren, dann würde er sie wohl immer noch flechten können, so wie jetzt. Ab und an erhaschte der junge Fürst auch einen Blick auf Nayantais Rücken, der immer noch rot und geschunden war, aber immerhin gab es kaum noch so tiefblaue Flecken wie zuvor. An manchen stellen löste das Wasser die Reste der verheilenden Wunden bereits und Rain fragte sich, ob das alles noch schmerzte. Er fragte sich außerdem, ob er Nayantai irgendwie helfen konnte, sprach ihn aber lieber nicht auf das Chaos da hinten an.
    • "Über ... dich lustig ... machst?", es war ihm nicht sonderlich klar, was das Lamm von ihm wollte - der Wolf hatte keine Absicht, ihm zu nahe zu treten, geschweige denn, ihn zu kränken. Irgendwie fühlte es sich so an, als konnten sie es einander nicht recht machen, vermutlich aus dem Grund heraus, das sie beide noch immer kein Gefühl dafür entwickelt hatten, wie sie miteinander umgehen sollten. Die Sprachbarriere war dabei auch ausschlaggebend, aber das würde vermutlich nie einer von ihnen zugeben wollen, verstanden sie sich doch schon so gut und konnten miteinander kommunizieren, ohne sich andauernd dabei zu erwischen, wie sie über ihre eigenen Worte stolperten und vermutlich nur Verwirrung in dem Kopf des Anderen stifteten. Was dann? Gab es noch irgendetwas, das sie überhaupt tun konnten, außer versuchen, sich einig zu werden, zu versuchen, in die Arme voneinander zu finden und irgendwie dort die eigenen Wunden zu lecken, die selbst mickrige Worte hinterlassen konnten? So, als schnitten sie sich mit einem Messer, kaum sprachen sie auch nur etwas aus, das dem Anderen missfallen konnte - sollten sie das denn?

      "Wenigstens waren sie gut!", murrte er als Antwort. Es fühlte sich besser an, wenn Rain es war, der seine Haare kämmte, sie berührte und vermutlich seine Zeit mit ihnen vergeudete. Warum sich das Schaf die eigenen Haare wohl nicht so lange wachsen ließ? Vermutlich, weil es nicht aussehen sollte, wie ein zotteliger Hund, der es nicht schaffe, sich um sich selbst zu kümmern, oder nach Hilfe zu winseln. Er hingegen sollte selbst aufhören, sich auf diesen Schabernack einzulassen, sollte essen, was man ihm vorsetzte und sollte hoffen, dass er nicht aus einem Traum erwachte und noch immer im Bett des Königs weilte. "Nein ... also ... ich ... es ... sie gefallen mir auch?", gab er etwas beschämt als Antwort und wollte sich noch am Hinterkopf kratzen, hielt sich aber schließlich selbst davon ab, um das Werk des Lammes nicht in den Dreck zu ziehen. Nayantai wusste, dass Rain es nur gut mit ihm meinte, dass er sich nicht immer von seinen Impulsen leiten lassen sollte und doch - waren es die Schmerzen an seinem Rücken, die ihn um den Verstand brachten oder doch eher die schwerelosen Gedanken? "Sie waren noch nie so lang."
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    • "Wenn du nicht über mich lachst.", wiederholte das Schaf mit anderen Worten, damit der Wolf ihn verstehen konnte. Eigentlich hätte er sich jetzt gerne einen Kuss abgeholt, oder Nayantai zumindest gerne einen auf die Wange gedrückt, aber er ließ es bleiben und beschäftigte sich lieber weiter mit seinen Haare. Schließlich holte Rain sich zwei dicke Strähnen von vorne, legte sie locker über die anderen Haare und flechtete sie dann ab etwa der Höhe von Nayantais Schultern zu einem dicken Zopf, der die Strähnen davon abhalten sollte, erneut ihren Weg in Nayantais Gesicht zu suchen. Es war nicht so, als wollte Rain ihn zu etwas machen, das er nicht war, ihn anziehen und kämmen, nein. Es war vielmehr so, dass er Nayantais Gesicht gerne sehen wollte, weil er ihn gerne ansah, wenn sie miteinander sprachen und weil er auch ein hübsches Gesicht hatte. Zumindest gefiel es Rain.

      "Du kannst mehr Kekse haben. Wenn du sonst auch brav isst!", grinste Rain, als rede er mit einem Kind, das Nayantai auch manchmal zu sein schien. Vielleicht sollte er ihn nicht so bevormunden, aber wenn er die Reise nach Thria in ein paar Wochen antreten wollte, dann musste er ausgeruht sein und wieder zu Kräften kommen. Mit Keksen würde er kaum zu seiner alten Stärke zurück finden, wenn er sich selbst noch von den Worten eines Lammes verunsichern ließ. "Wenn du willst, dann gebe ich dir eine Schere, oder ein Messer, damit du sie schneiden kannst. Ich schätze... sie können auch im Weg sein, wenn sie so lang sind.", lächelte Rain, der nun alle Haare zusammen sammelte und sie schließlich über Nayantais Schulter legte. "Sie brauchen sicher den ganzen restlichen Tag zum trocknen.", stellte er fest, während sein Blick aber schon auf Nayantais Rücken geheftet war, den er vorhin beiläufig berührt hatte. Nayantais Rücken war heiß, schien zu arbeiten, um die tiefen Furchen verheilen zu lassen. Peitschenhiebe... hauptsächlich, da war Rain sicher. Der Anblick stimmte ihn traurig. "Nayantai.", kam es von Rain, der seinen Blick von dem Rücken löste, "Darf... darf ich dir helfen... mit deinem Rücken...? Du kannst nein sagen."