spellbound. (earinor & akira)

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    • "Ich glaube auch nicht, dass sich ein lebender Wolf hierher bringen ließe", was wiederum hieß, dass Nayantai wusste, dass er gar nicht mehr in einem Stück war, nachdem er den Kerker verlassen hatte. Wer wusste schon, vielleicht hatte man ihn viergeteilt, war nur mehr die Einbildung eines kranken, sterbenden Mannes, der nicht mehr wusste, als sich mit seiner Illusion aus der anderen Welt zu unterhalten. "Aber wer weiß, vielleicht bringt er dir ja noch einen mit." Dann wäre nicht nur Nayantai selbst vermutlich überflüssig, sondern hätte ein ganz anderes Problem, mit dem er sich herumplagen musste - jemand, der vermutlich wusste, wer er war und der ihm Dinge vorhalten konnte, aber die Chancen dafür waren mehr als gering. Welche Gründe besaß ein Krieger auch schon, noch mehr Wölfe in ein fremdes Land zu verschleppen um sie vor dem Tod zu wahren? Keine. Nicht einen einzigen, der ihm konkret einfallen würde und keiner davon würde Sinn machen. "Du wirkst so, als redest du nicht gerne über deinen Vater, hm? Gibt es irgendetwas, das dich belastet?", fragte der Wolf, war sich im klaren darüber, dass er nicht in der Position war, sich um Rain zu kümmern und doch interessierte es ihn nicht, sich zügeln zu lassen. Wenn er schon hier war, schon umsorgt wurde, dann konnte er sich wenigstens dem jungen Fürsten erbarmen und darauf hoffen, er würde ihn dazu umstimmen können, dass Wölfe auch nur Menschen waren, denen man Unrecht tat.

      Wölfe und Schafe glichen sich, waren beide unvernünftig und doch konnten sie nicht miteinander koexistieren, weil der König der Schafe es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Wölfe schlecht zu reden, die nicht mehr taten, als sich aus den Machenschaften des anderen Volkes herauszuhalten und schließlich auch dazu gezwungen wurde, sich wieder gegen einen gemeinsamen Feind zu vereinen. Wann hatten alle Stämme das letzte Mal auch einigermaßen zusammen agiert? Nicht oft, höchstens, als sich ihre Oberhäupter trafen und Dinge diskutieren wollten - oder wenn die Prinzen auf die Jagd gingen. "Um eine Frau? Wölfe tun das ... auch, aber nicht alle", nuschelte der Wolf, der dennoch die Nähe des Schafes suchte, jetzt, da sie auf ihren Rücken lagen und er seinen schweren Kopf nicht mehr auf die Schulter seines Lammes legen konnte. "Wenn sich die ... Prinzen? ... der Wölfe treffen dann ... schlagen wir uns aus Spaß, oder weil jemand ... schlecht über ein anderes ... Volk redet", gab er dann doch zu. Nayantai hatte zwar nicht oft zu der Fraktion gehört, die auf einer mehrtägigen Jagd wie eben jener sich einfach mit jemandem schlug, aber Meinungsverschiedenheiten gab es immer, spätestens dann, wenn man sich mit jemandem das Zelt teilen musste, den man nicht kannte oder kennen wollte.

      Hier war es anders, es war keiner auf Krawall gebürstet und die einzigen Personen, die ihn umgaben, waren auch keine Wolfsprinzen, die ihn nicht leiden konnten - oder ihn zu gut leiden konnten. "Nicht immer. Ich glaube, ich habe mich eher auf ... andere ... Dinge konzentriert", lachte Nayantai. Sah man sich nur wenige Tage im Jahr, nutzte man die Zeit eben nicht nur, um irgendein mystisches Tier zu jagen, das man sich dann ohnehin miteinander teilen musste, sondern auch, um Bände zu knüpfen und unerfahrenen, jungen Prinzen zu zeigen, dass ihre Väter oder Mütter sich nicht ewig vor sie stellen würden, nur, weil sie ihre Kinder waren. Mit Konsequenzen musste man leben und wer austeilte, der musste auch einstecken können. "Ich meinte nur, dass wir auch ... nachts jagen ... manchmal", mehr brauchte Rain auch gar nicht erst zu wissen. Sein Blick wanderte nach oben, bevor er den Talisman vor seine Augen hielt und diesen nochmals eindringlich anstarrte. "Daraus werde ich auch nicht schlau."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain lachte für einen Moment und schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht... dass mein Vater noch einen Wolf hier her bringt. Ich weiß auch gar nicht, wieso du hier bist, er hat es mir nicht gesagt, als wir gesprochen haben, er hat mir nur erklärt wer du bist und wo du vorher warst.", erklärte Rain und starrte an die Decke über sich, als gäbe es da irgendetwas, das ihm seine Fragen beantworten konnte. "Er hat mir auch nicht gesagt... was ich mit dir tun soll. Nur, dass er dich hätte töten sollen, aber ich weiß nicht, warum er es nicht getan hat und ich bin sicher, dass er es nicht von mir erwartet... oder doch? Vielleicht ist es eine Art Test." Rain biss die Zähne zusammen, sein Vater war tatsächlich kein Thema, das Rain lag und das merkte scheinbar sogar der Wolf. "Ich bin einfach... ganz anders als mein Vater.", erklärte er, seufzte tief. "Nicht alle Schafe sind wie ich und sie sollten es nicht sein. Auch wenn nicht alle Fürsten mit an der Front kämpfen, so wie mein Vater, dann sollten sie doch zumindest an den Einladungen des Königs teilnehmen können, diplomatische Reisen auf sich nehmen können... ich denke mein Vater wäre glücklicher mit einem anderen Sohn, mit jemandem wie dir... mit dem er auf die Jagd gehen kann, dem er zeigen kann, wie man in der Kälte überlebt... Ich finde, er gleicht euch Wölfen mehr, als einem Schaf und als Sohn hat er ein Lamm, das niemals mehr sein wird als das." Rain hatte nie jemanden gehabt, mit dem er so ehrlich sein konnte, er hatte weder mit seiner Mutter über dieses Thema sprechen können, noch mit seinen Bediensteten. Bei Nayantai war es anders, vielleicht half es auch, dass er das Meiste wohl nicht verstanden hatte, aber Rain glaubte, er hätte das nun auch gesagt, wenn der Wolf die Sprache der Schafe fließend hätte sprechen können. Es tat gut es auszusprechen, auch wenn die Gedanken an all das schmerzten und sich schon seit Jahren in Rain hinein fraßen, wie die Krankheit mit der er seit seiner Geburt leben musste.

      "Hm es tut mir Leid... ich rede zu viel.", murmelte er, wollte lieber erneut darauf zu sprechen kommen, was Nayantai von seiner Heimat zu erzählen hatte. "Prinzen? Deine Brüder?", fragte er, nachdem die Gesellschaft der Schafe ganz anders aufgebaut war, als die der Wölfe. Die Schafe hatten einen König, seine Söhne waren die Prinzen und der älteste war der Kronprinz. Direkt unter ihnen in der Hierarchie waren die Fürsten, die ihre eigenen Ländereien führten, aber dem König unterstellt waren. Warum das so war, konnte Rain gar nicht so genau sagen, aber der König hatte sich in eine Position gebracht, in der er ein einzelnes Fürstentum das rebellieren wollte, niederstrecken konnte, ohne sich viel dafür anzustrengen. Nicht dass Rain das vor hätte, er befürwortete den Krieg nicht, aber er hatte auch nicht vor sein Land zu verraten... weil... ja warum? Weil sein Vater dem König die Treue geschworen hatte? Vermutlich... Wieder kam er bei seinem Vater an...

      "Ihr schlagt euch aus Spaß...?", fragte Rain weiter, etwas verwirrt, aber es gab sicher auch Schafe die das taten. "Aber du nicht, hm?" Wenn Rain ehrlich war, hatte er das auch nicht erwartet. Nayantai wirkte auf ihn nicht wie jemand, der sich gerne prügelte, aber womöglich hatte er einfach noch nie eine solche Seite an ihm gesehen. Sich mit einem schwachen Lamm zu prügeln, dürfte auch kaum Spaß machen, warum sollte er ihn also auch grob behandeln? Zudem hatte er bestimmt auch Angst vor den Konsequenzen. "Nachts... jagen...? Was beduetet jagen?", fragte er weiter, ließ seinen Blick dann aber ebenfalls zu dem Talisman wandern, den Nayantai hoch hielt und von dem er seine Augen scheinbar nicht mehr abwenden wollte. "Was ist damit...?"
    • So viele, unverständliche Worte - Rain kannte sie alle, aber Nayantai nicht. Konnten sie denn unterschiedlicher sein? Oder lebten sie ihr Leben nur nebeneinander her, damit sie realisieren konnte, dass sie eigentlich nichts trennen musste? Menschen waren schon immer komisch gewesen, lebten in zwei Ländern, die einst womöglich ein Großes gewesen waren und doch sprachen sie nicht ansatzweise die gleiche Sprache, sondern verließen sich darauf, dass sie doch irgendwie, irgendwo verstanden wurden, wenn sie sich anstrengten. "Du meintest doch, du bist nicht dein Vater, also wieso versuchst du es auch? Du bist du, ich bin ich und er ist er", und egal wie sehr sie es versuchen würden, dem Lamm würde vermutlich nichts helfen, das der Wolf konnte. Einen Speer konnte er vermutlich gerade noch halten, aber dann würde er sich entweder selbst damit verletzen, oder irgendwann nicht mehr spüren, ob seine Finger noch an seiner Hand waren. In einer direkten Konfrontation hätte er auch keine Chance, würde einfach so von seinen Beinen gefegt werden, wenn er versuchte, sich gegen jemanden zu behaupten. "Dein Vater ist allerdings trotzdem noch ein Schaf, auch, wenn er sich eher verhält wie ein Wolf. Mein Vater ist teilweise aber auch ... zu sanft und einfühlsam, um Thria zu überleben. Irgendwie schafft er es trotzdem", der bittere Nachgeschmack in seiner Kehle verblieb. Sie redeten über zwei Männer, die sie nie sein würden, die sie seit Ewigkeiten kannten und vielleicht an einem Punkt sogar als ihr Idol betrachtet hatten - aber jetzt schien relativ wenig davon übrig zu sein.

      "Es ist in Ordnung, wirklich", entgegnete er Rain und schüttelte den Kopf, der so sehr danach verlangte, schlussendlich in einem weichen Federkissen zu landen und dem Wolf den Weg in das Land der Träume zu präsentieren - etwas, wovon sich Rain eben noch fernhalten hätte sollen, nachdem sich der Wolf, der augenscheinlich ein Heuchler war, beschwert hatte. "Meine Brüder? Nein. Meine Brüder sind tot", murrte der Wolf, der Rain eben das einfach so offen eröffnete, als wäre es normal, einfach zuzugeben, dass von vier Kindern nur mehr zwei übrig waren. Schwach waren sie nicht gewesen, einfach nur zu jung, um sich schlussendlich zu behaupten - jetzt waren sie nicht mehr als verlorene Seelen, ihre Asche davon getrieben vom Wind und im eingenommenen Land verteilt. "Jedes Volk hat mindestens einen Prinzen - ich bin nur der, den euer König lebend erwischt hat", erklärte er. Verschiedene Völker hatten verschiedene Sitten, aber all das kulminierte schlussendlich bei seinem Vater - dem einzigen König der Wölfe. Jedes Oberhaupt war nicht gleich ein König und nicht jeder Prinz gleich ein Kronprinz, aber Prinzen gab es bei ihnen wie Sand am Meer. Ein Anrecht auf den unsichtbaren Thron hatte ein jeder von ihnen, aber Nayantai war es nun einmal, der von Geburt an dafür vorbestimmt war - etwas, das er nicht realisieren könnte.

      "Nicht immer, aber hin und wieder, wenn es einen Anlass dazu gibt ... oder zu wenig zu tun", antwortete Nayantai. In Zeiten wie diesen dürften derartige Prügeleien allerdings eher selten sein, weil man die nötige Kraft - vor allem an der Grenze - einfach nicht aufwenden konnte und jeder verlorene Sekunde eine war, die man hätte nutzen können. "Nicht immer. Manchmal kann ich mir aber auch nicht helfen", gestand er dem Schaf. Zusammenreißen sollte er sich, weniger auf die Trivialitäten des einfachen Lebens konzentrieren und mehr darauf, dass auch er - der gebrochene Kronprinz eines sterbenden Volkes - nicht mehr als ein Mensch war, der nur das tun konnte, was man ihm gezeigt hatte. "Tiere töten? Essen?" Wie beschrieb man so etwas auch schon verständlich für ein Schaf? Hm. "Mit dem Talisman? Ich weiß es nicht, aber ich träume immer davon ... nicht von dem aber", er fasste sich an die eigene Kehle. "Von dem, den ich hatte."
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    • Der Wolf hatte wohl recht, Rain war nicht sein Vater und er würde niemals er sein können, das musste er wohl auch nicht. "Das stimmt...", murmelte er, "... aber manchmal... ich habe keine Geschwister - Brüder oder Schwestern - keine Tanten und Onkel sind übrig, höchstens entfernte Verwandte, die nichts mit uns zu tun haben. Meine Mutter ist tot, aber mein Vater lebt. Dennoch, wenn ich mich mit ihm unterhalten möchte, dann scheint es mir oft noch schwieriger als es mit dir ist, obwohl wir die selbe Sprache sprechen. Ich... ich wünschte einfach, dass wir uns besser verstehen würden. Er liebt mich zwar und ich ihn, aber... bis auf unser Blut verbindet uns nichts." Rain seufzte erneut, sein Vater war der Einzige der noch übrig war und er war nach ein paar Worten wieder verschwunden, hatte Rain mit dem Wolf alleine gelassen und wieder wusste Rain nicht, was sein Vater eigentlich von ihm erwartete. Ob es Nayantai mit seinem Vater ähnlich ging? "Bist du deinem Vater ähnlich?"

      Vielleicht hätte er jedoch nicht von all diesen Themen anfangen sollen, eröffnete Nayantai ihm nun ja, dass seine Brüder ebenfalls tot waren. "Das tut mir Leid...", murmelte Rain, wollte keine alten Wunden aufreißen und dem Wolf schon gar nicht zu Nahe treten. Er war froh, dass der Wolf einfach weiter redete, Rain wollte das Thema nicht vertiefen. "Hm... also als Prinz gehört dir nicht eines Tages Thria...? Es ist also mehr wie... wie ein Fürst, wie ich einer sein werde." Wenn er denn so lange lebte. "Bei uns funktioniert das alles wohl etwas anders..." Nun drehte Rain sich auf die Seite, bettete seinen Kopf auf seinem Arm und betrachtete das Profil des Wolfes, sein Gesicht spiegelte sein kämpferisches Dasein eigentlich gar nicht so wieder, wie der Rest seines Körpers, den er schon wieder entblößt hatte, weil ihm in den Steinhäusern der Schafe immer zu warm war.

      "Hm... ich habe mich nie geprügelt, aber das überrascht dich vermutlich nicht. Wieso.... hast du dich geschlagen?", wollte der Blonde wissen, war weiter neugierig auf ein paar Geschichten, auch wenn er nur die Hälfte verstehen konnte. Er hoffte, dass er den Wolf nicht zu sehr an eine Welt denken ließ, die er für eine Zeit lang missen musste und auf die er noch warten musste, womöglich aber gab ihm das auch ein Ziel, das Ziel zu seinem Leben zurück zu finden. Weg von Rain... nein das war egal! "Ah... jagen. Verstehe. Ist das Nachts nicht schwerer?" Er hatte zwar keine Ahnung davon, aber um einen Pfeil abzufeuern, sollte man wohl etwas sehen können. Als Nayantai jedoch wieder von dem Talisman sprach, richtete Rain sich etwas auf, stützte sich auf seinen Arm und sah den Wolf an. "Du hast eine Frau?", fragte er, ohne sich im Klaren darüber zu sein, was er eigentlich davon denken sollte, aber vermutlich hätte er dann nicht... "Das... es tut mir Leid, dass ich...dass wir..." Erst dann zählte Rain Eins und Eins zusammen. Der Wolf träumte davon, hatte Albträume? Und heute Morgen... vielleicht hatte er eher eine Frau, vielleicht war sie... Rain fragte besser nicht danach, er hätte erst gar nichts sagen sollen.
    • "Und jetzt sitze ich wieder hier und hoffe, dass ich mehr als nur einen Teil davon verstanden hätte. Wieso grämst du dich denn so? Du hast mich, du hast Sara - was dein Vater von dir denkt ist egal", brummte der Wolf als Antwort. Sein eigener Vater, so weich er auch sein konnte, hatte auch etwas von diesem kalten Winterwind. Manchmal konnte er beinahe schon ruchlos sein, nahm sich, was er wollte und beugte sich dem Willen der Alten, die nicht mehr taten, als sich darüber zu echauffieren, dass die Wölfe immer sanfter wurden und immer öfter versuchten, sich jemandem anzunähern, der sie hasste. "Ich? Meinem Vater?" Vermutlich unterschied die beiden, dass Nayantai noch lebte und imstande war, sich zu bewegen, ohne dass er von tausenden Schmerzen auf einmal geplagt wurde. "Mein Vater ist sanfter als ich, freundlicher - aber wenn es darum geht, wer ein Schaf erlegt, stehen wir uns in nichts nach. Ich würde ihm auf dem Schlachtfeld nicht gerne als Feind begegnen." Die Wahrscheinlichkeit, Rikiya würde ihm den Kopf von den Schultern reißen, ohne mit der Wimper zu zucken, weil man es von ihm verlangte, war nicht nur hoch - nein, er würde sich vermutlich auch gar nicht erst wehren können. "Also ja, ich glaube schon, dass wir uns in gewisser Weise ähneln", seufzte Nayantai, der besser als jeder Andere wusste, dass viele der Dinge, die Rikiya tat, oft anders gemeint waren, dass das Lächeln des alten Mannes auch nicht mehr als eine Taktik war. "Du musst dich nicht entschuldigen - ich vermisse sie, aber es ist besser so. Sie müssen den Krieg so nicht miterleben." Umgebracht hatte man sie, weil sie nicht mehr gewesen waren als Welpen, weil sie nicht den Idealen der Schafe entsprachen - zuerst seine Mutter und einer von ihnen und dann der Zweite, aber er war es gewesen, der sie nicht hatte beschützen können. "Nicht ... ganz? Thria gehört keinem Wolf, aber ich bin der ... Kronprinz. Mein Vater ist der einzige König. Insofern sie mich nicht als tot abgestempelt haben, bin ich irgendwann König", dann wäre Thria zwar vermutlich nicht sein eigen, aber alle Völker waren die seinen, nicht nur eines. Was wiederum auch hieße, seine Schwester würde nachrücken, hatte man ihn für tot erklärt.

      Wäre Thria nicht in Schutt und Asche, dann wäre er gar nicht hier, sondern frei von den Fesseln, frei von jedweder Aufgabe, die er hier gehabt hätte - frei von dem Ballast, den er hier ablegen musste und der sich in ihm aufgestaut hatte. Leben würde er, atmen, ohne, dass er Schmerzen empfand, wenn er sich nur an etwas entsinnen wollte, das ihm entkommen war. "Wieso? ... Wieso nicht? Wobei, nein, wenn ich mich geschlagen habe, dann meistens über ... Meinungsverschiedenheiten. ... Uh. Konflikte? Krieg?" Die Welt der Wölfe war klein genug, damit man sich nicht aus dem Weg gehen konnte, so dass verschiedene Aspekte oftmals aufeinander krachten und dazu führten, dass jemand - oder etwas - dafür sorgte, dass es Anderen schlecht erging. Könnte Nayantai sich etwas wünschen, so wäre es vermutlich die Freiheit, die er schon lange nicht mehr gehabt hatte. Thria sollte er regieren, die Wölfe in den Krieg führen, wenn er musste - wie schaffte er all das nur? Nie. Immer mehr baute sich auf seinen Schultern auf, der Schmerz wurde größer und doch wurde er nichts davon los, egal wie sehr er sich nach Hilfe umsah. Was machte er hier nur? Sich einem Lamm öffnen, mit Herz und Seele. "Schwerer?" Wieder ein Wort, das ihm noch nicht untergekommen war - und noch eine Kerbe mehr, die er an dem Talisman entdeckte, der von seinem Lederband baumelte und so aussah, als ob seine besseren Tage bereits gezählt waren. "Nein. Ich hatte ... sie war nicht meine Frau. Weder sie noch ich wollten das", brummte er und sah zu Rain, der vermutlich so viel mehr in die Situation interpretierte, als dort eigentlich war. "Was tut dir leid? Meintest du nicht, du bereust nichts?" Der Gesichtsausdruck des Wolfes wurde grimmiger, aber wieso sollte er Rain es auch verübeln? Was genau mit Tei passiert war, das wusste Nayantai selbst nicht, aber es lag nicht fern, dass ... "Sie ist vermutlich ohnehin tot. Aber selbst, wenn sie es nicht ist - was ändert das daran?" Seine freie Hand griff nach der des Schafes und drückte diese - Rain gehörte ohnehin schon ihm, früher oder später müsste er es wohl auch erst noch erfragen - und doch waren es Tränen, die Nayantai nicht zurückhalten konnte, weswegen er sich seinen Unterarm gegen die Augen drückte. Was ... sollte das?
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    • Rain hätte fast angefangen zu lachen, stattdessen schüttelte er den Kopf, die Welt der Wölfe musste so anders sein, andernfalls hätte Nayantai nicht gesagt, was er gerade gesagt hatte. "Sara?", fragte Rain, "Nein. Sara ist... ich weiß nicht ob du das verstehen kannst. Sie naja... sie arbeitet für mich, ich bin höher gestellt als sie und auch wenn ich sie schon lange kenne und ich möchte, dass es ihr hier gut geht, ich kann mich mit ihr nicht unterhalten, als wären wir Familie, oder Freunde. Ich sollte es auch nicht mit dir, aber das ist etwas anderes. Es würde... nein, ich... ich kann es dir nicht erklären, weil es wohl ziemlich dumm klingt." Rain hatte eine Rolle zu spielen, die es vor Allem vor seinen Bediensteten aufrecht zu erhalten galt und Sara hatte dasselbe zu tun. Sie konnten keine Freund sein, hatten einander wohl nie so gesehen, obwohl es vermutlich dumm war. Sara lag Rain zwar am Herzen, aber er könnte ihr nie erzählen was ihn bedrückte und er konnte auch nicht unbeschwert mir ihr über banale Dinge lachen. Das ging einfach nicht...

      Rain war jedoch interessiert an Nayantais Familie, an seinem Vater, auch wenn es klang, als wäre er ein furchtloser Krieger, aber war Rains Vater nicht auch einer? Trotzdem konnte er auf seine Art sanft sein. Rain fragte sich, ob Nayantai im Gegensatz zu Rain, mit seinem Vater gelernt hatte zu jagen, eine Feuer zu machen und zu kämpfen. Rain hatte sich oft gefragt wie es gewesen wäre, wäre er nicht in diesem Körper geboren worden. Nayantai wusste es vielleicht, auch wenn er dafür sein ganz eigenes Kreuz zu tragen hatten. Weder sollte ein Schaf freundlich zu einem Wolf sein, noch sollte es ihn beneiden. Was hatten die Wölfe die letzten Jahre schon, außer Krieg und Tod, außer dass sie immer mehr ihrer Heimat verloren? So unbeschwert Rains Kindheit vielleicht hätte sein können, so hatte Nayantai so eine unbeschwerte Zeit wie er bestimmt nie erlebt und als doch eine Art 'richtiger' Prinz, war es bestimmt noch schwerer und auch er hatte Erwartungen zu erfüllen, vor Allem aber, sollte er wohl nach Hause zurück kehren. Rain ließ also einen Wolf laufen, der so wichtig für sein Volk war... tat er das Richtige?

      "Schwerer, ja... hm... als du mich vorhin hoch gehoben hast... ich bin leicht, das Gegenteil ist schwer, du bist schwer.", versuchte Rain zu erklären, es war aber kaum so wichtig. Viel wichtiger war wohl, dass Rain doch zu viel gesagt hatte und die Gesichtszüge des Wolfes sich verdunkelten. "Ich... es ist nur... ich schätze ich will niemandem etwas wegnehmen...", antwortete er und fühlte sich, als hätte er den Wolf gerade noch zusätzlich gekränkt, weil er sich entschuldigt hatte. Der Gedanke, dass jemand auf Nayantai wartete und Rain seine Situation hier in irgendeiner Weise ausnutzte war einfach nur etwas, über das Rain bisher noch nicht nachgedacht hatte und das Ganze war etwas, das er nicht tun wollte. Jedoch konnte er auch nicht darüber froh sein, dass Nayantai die Frau - wie auch immer sie nun zu ihm stand - tot war, noch weniger, als dem Wolf die Tränen erneut in die Augen schossen, wie am Morgen schon, obwohl er sich scheinbar solche Mühe gegeben hatte weniger aus der Möglichkeit zu machen, als sie es war. Rain wusste erneut nicht was er tun wollte, war nicht sicher, ob nicht jetzt gerade der falsche Zeitpunkt war, um den Wolf erneut in den Arm zu nehmen, auch wenn er seine Nähe so oft suchte. Den Ausschlag gab die Hand, die sich so fest an seine eigene drückte. Rain beugte sich über den Wolf, schob seinen freien Arm unter ihm hindurch und drückte ihn an sich.
    • "Ich kenne mich bei euch Schafen wirklich nicht aus", grummelte der Wolf, der selbst keine Bediensteten hatte, obwohl er - rein theoretisch - höher gestellt war, als ein einfaches Schaf. Ein Prinz musste selbst wissen, wie er seine Aufgaben zu erledigen hatte, musste mithelfen, damit er später einmal wusste, was er tun musste und durfte sich nicht von leeren Versprechungen fehlleiten lassen, nur, weil sie an seine tauben Ohren drangen. "Wölfe brauchen Niemanden, der sich ihnen darbietet. Aber Schafe sind wiederum anders." Zueinander finden schien, als wäre es fast unmöglich - die Kluft wurde mit jeder Frage größer, tiefer - nicht zwischen ihnen beiden, aber zwischen den Völkern, die sich nicht miteinander vertragen wollten, weil Mord eine bessere Lösung zu sein schien. Einen Strick würden sie sich so oder so aus dieser Situation binden können, doch ob es im Endeffekt der wäre, an dem sie alle zogen oder nur der, mit dem man sich schlussendlich der Wölfe entledigte, würde sich zeigen. "Dann hast du zumindest noch mich", murrte er. Wenn schon, dann wollte er sich auch für die netten Gesten des Lammes erkenntlich zeigen, wenn auch gleich er das weder musste, noch vermutlich sollte - keine wachsamen Wolfsaugen ruhten auf ihm, ließen ihn alleine, unbeschützt in dieser weiten aber tristen Welt, in der er schließlich versuchen sollte, zu überleben.

      Ob er grundsätzlich verstanden hatte, das wusste er gar nicht - irgendwie sollte sein Kopf gerade nicht so recht. "Trotzdem warst du nicht unbedingt leicht ... aber ich bin auch einfach nur außer Form", beklagte er sich prompt, was daraufhin die Frage von vorhin so viel klarer machte, wenn auch gleich er sie nun ignorierte, weil er wieder in Tränen ausgebrochen war, die er selbst nicht spüren wollte. "Du nimmst Niemandem etwas weg - Tote können nichts besitzen." Tote Wölfe hatten kein Land mehr, keine Familie und schon gar nichts, das sie besitzen konnten. Seinen eigenen Talisman musste er verloren haben, irgendwo zwischen Thria und dem Königspalast, oder in dem Feuer davor - frei war er, von der Bürde, die man ihm auferlegt hatte und doch stimmte es ihn traurig, Murrend schüttelte er den Kopf, befand sich jedoch schon in den Armen des neugierigen Lammes. "Mh, entschuldige ... ich ... ah", feixte der Wolf unzufrieden, der sich lieber an Rain drückte und sein Gesicht in dessen Schulter vergrub, als sich selbst die Tränen wegzuwischen. "Du nimmst keinem etwas weg, ... du kannst ... so viel von mir haben ... wie du willst." Auch wenn seine Gedanken nicht Rain galten, vielleicht gehörte diesem schon so viel mehr als er eigentlich wusste und als Nayantai sich eingestand.
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    • Erneut hielt Rain den Wolf einfach nur fest, der sich wieder an ihn drückte, auch wenn es womöglich nur war, weil Rain der Einzige war, der sich für sein Leid interessierte, während der Wolf wohl auch der Einzige war, der Rain wahrlich mit seinem eigenen helfen konnte, einfach weil Rain sich noch nie in der Lage gefühlt hatte, sich gegenüber eines anderen zu öffnen. Gerade ein Wolf sollte von seinen Problemen nichts wissen, doch obwohl es ihm nicht leicht fiel diverse Dinge anzusprechen, so fühlte er sich befreit, wenn er sich dem Wolf mitteilte. Er hoffte nur, das beruhte auf Gegenseitigkeit, musste es aber, wenn der Wolf seine Tränen vor Rain erneut nicht verbarg, oder höchstens in seiner Schulter versteckte.

      Rain drückte Nayantai weiter an sich, konnte seine Trauer vielleicht nicht gänzlich nachvollziehen, aber auch er hatte Menschen verloren, die er geliebt hatte. Aus dem Leben des Wolfes jedoch wurden die meisten brutal gerissen, von einem Schaf aufgeschnitten und wie Müll liegen gelassen. Eltern, Brüder, Geliebte... der Wolf konnte sich vermutlich nicht einmal sicher sein, dass überhaupt noch jemand übrig war, der auf ihn wartete. "Du musst dich für nichts entschuldigen...", murmelte Rain, der niemals auf die Idee gekommen wäre, den Wolf für seine Tränen zu verurteilen, oder eine Entschuldigung zu verlangen, weil er sich so an ihn drückte. Unfair war was ihm widerfahren war und immer noch widerfuhr und der Wolf sollte die Schafe - alle Schafe - vermutlich dafür hassen und doch drangen Worte an Rains Ohr, die nun ihn etwas sprachlos zurück ließen. Waren die Worte wirklich an ihn gerichtet, oder war der Wolf erneut in seiner Trauer versunken und wusste gar nicht, was er da eigentlich sagte? Rain brauchte einige Momente in denen er sich darüber klar werden musste, ob er die Worte des Wolfes richtig verstanden hatte und was denn die richtige Erwiderung darauf war, die schlussendlich aber einfach nur ehrlich sein sollte.
      "Ich... ich werde nur nehmen, was du mir geben möchtest...", wisperte er, nicht sicher, ob er die Stille hätte durchbrechen sollen, aber es fühlte sich auch falsch an, das Gesagt einfach in der Luft schweben zu lassen. Vielmehr als er diesen Worten jedoch antworten wollte, die ihn auf eine seltsame Art und Weise freuten, wollte er den Wolf ein wenig aufmuntern. Er wirkte unzufrieden damit, seinen Körper nicht vollends unter Kontrolle zu haben und erneut ein paar Tränen zu vergießen. "... auch wenn es nur deine Tränen sind, wenn du denkst sie sind in meinem Hemd besser aufgehoben.", fügte er also an, lächelte, auch wenn Nayantai ihn gerade nicht sehen konnte. "Ich bin gerne für dich da..."
    • Hätte man einen Grund dazu gehabt, so glaubte er, hätte man ihm längst seiner Sünden vorgeführt und ihm gesagt, dass es falsch war, vor einem Schaf zu weinen, dass es sich nicht gehörte, seine eigene Schwächen an die Oberfläche kommen zu lassen und zu behaupten, er war derjenige, der stark war. Vermutlich musste er das aber auch gar nicht sein und all das, was man ihm eingetrichtert hatte, war nichts weiter als eine Lappalie gewesen. "Ich sollte nicht vor dir weinen", murrte der Wolf, der sein Antlitz gänzlich in der fremden Schulter vergraben hatte und glaubte, so oder so den Verstand zu verlieren, wenn er sich weiterhin zurückhielt und den Tränen nicht freien Lauf ließ. Irgendwann musste er sich von dem Schaf auch noch abwenden können und die Dinge, die passiert waren, hinter sich lassen, damit er sich selbst wieder dazu aufrappeln konnte, nach Thria zurückzukriechen und dort vor sich hinsiechte, bis auch dem letzten Wolf die Luft zum atmen ausging. "Und trotzdem kann ich nicht anders", zischte er, riss sich von Rain los. Tränen waren überflüssig, vor allem für jemanden, der vermutlich gar nicht erst wollte, dass man über sie weinte. Nayantai wischte sich die letzten von ihnen aus dem Gesicht und legte sich wieder neben Rain, starrte auf die Decke über ihnen.

      "Nimm alles - du kannst alles haben", wenn Rain nach seinem noch schlagenden Herz verlangte, so sei es - Nayantai würde es sich vermutlich aus der Brust reißen und schlimmstenfalls auf einem Silbertablett servieren, damit es wenigstens einigermaßen ansehnlich wirkte. Danach, das wusste er gar nicht - vielleicht gab er auch einfach auf und legte sich hin um zu schlafen - so lange, bis all seine Wunden nicht mehr waren. "Du kannst so viel mehr als meine Tränen haben, glaub mir", murmelte der Wolf, der wiederum den Talisman nahm, den er in den Händen hielt und sich aufsetzte, um sich ihn um den Hals zu binden. Dieses Ding anzustarren brachte ihn nicht weiter, aber es zu tragen würde zumindest weniger Unbehagen in ihm auslösen. "Allerdings", seufzte er und sah zu Rain, der nun alleine auf dem Bett lag, während er nur neben ihm saß. "Hast du mir diesen Talisman ohnehin schon angedreht, also gehörst du mir", gab er zu verstehen und griff wieder nach der Hand, die er losgelassen hatte. Seine Augen waren nicht rot, aber vermutlich wäre es trotzdem etwas fragwürdig, sah man ihn so.
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    • "Hm... ich habe nicht vor dich deswegen aufzuziehen, oder dich weniger ernst zu nehmen. Ich habe vielleicht keine Angst vor dir... aber ich respektiere dich und ich finde, du bist sehr stark, in vielerlei Hinsicht.", murmelte Rain, ließ den Wolf aber los, als der es so wollte und legte sich wieder neben ihn, betrachtete sein Profil und die Augen die an die Decke starrten. Rain fragte sich, ob er etwas falsches gesagt hatte, oder den Wolf besser nicht in den Arm genommen hätte. Wenn der Wolf sich schon so elend fühlte, nach dem was ihm passiert war, vielleicht wollte er seine Schwäche nicht auch noch einem Lamm offenbaren und sich kleiner fühlen als Rain, der die Kraft eines Kleinkindes hatte. Dabei fand Rain, dass der Wolf einer der stärksten Männer war, die er je getroffen hatte. Er hatte so lange Zeit überlebt, hatte viele Schlachten geschlagen und tödliche Wunden überlebt. Sein ganzer Körper war übersät von Narben und teils noch heilenden Wunden, es gab kaum eine Stelle an seinem Rücken, die keine Narbe aufwies. Er hatte all das ausgehalten, lebte immer noch, irgendwie. Wenn er nur wieder zu sich selbst finden konnte und zurück in seine Heimat fand...

      "Wieso sagst du sowas...?", fragte Rain, sah den Wolf an, der wohl noch das letzte Bisschen von sich verschenken wollte und das an ein Lamm, das ihn niemals als sein Eigentum betrachtet hatte. "Es gibt keinen Grund mir irgendetwas von dir zu geben. Du bist dein eigener Mensch und ich möchte, dass du bald wieder frei bist. Ich will dich nicht besitzen und dich auch nicht einsperren, bis du verkümmerst. Es reicht mir schon, ein paar Geschichten von dir zu hören, wenn du sie mir erzählen möchtest.", lächelte er, strich dem Wolf sanft über seinen Arm und ließ schließlich zu, dass er wieder nach seine Hand griff. Rain sah zu dem Wolf auf und war nicht ganz sicher was in ihn gefahren war, warum er sich Rain beinahe schon auf dem Silbertablett servierte. "Ich... ich gehöre dir...?", fragte er, nachdem der Wolf eine Kehrtwende hingelegt hatte und den Spieß auf einmal umdrehte. "Müsstest du mir nicht auch einen schenken...?" Zumindest hatte Rain es so verstanden und wenn überhaupt, dann trug der Wolf den Talisman, den Rain ihm so leichtsinnig überlassen hatte, nun wie ein Halsband, das für die Wölfe markierte, dass er bereits vergeben war. Obwohl das natürlich gar nicht die Intention des jungen Adeligen gewesen war. "Und was... was bedeutet es, wenn ich dir gehöre...?"
    • "Das denke ich auch gar nicht, wenn ich ehrlich bin." Würde Rain es wagen, auch nur einen Schritt in die falsche Richtung zu machen, so glaubte Nayantai, würde er selbst nicht lange zögern und ihm einfach alles nehmen, was er einem kranken Schaf nehmen konnte - vermutlich dessen Leben und nicht viel mehr. Nayantai hingegen konnte sich selbst nicht mehr viel nehmen, oder gar verschenken, außer seinen Körper und ein Buch, das er geschenkt bekommen hatte - also war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er sich selbst noch am ehestem einem Schaf anbot, das auf wirre Gedanken kam. "Du magst zwar keine Angst vor mir haben, aber ich glaube nicht, dass das so bleiben wird - wenigstens bleiben dir die unschönen Seiten erspart, hoffe ich zumindest", murrte Nayantai, der wusste, dass er vermutlich nicht halt machen würde, wäre er erst alleine. Seine Aufgabe, von hier bis Thria, wäre, zu überleben - und das war im feindlichen Gebiet alles, nur nicht einfach. Blut würde wiederum an ihm und seiner Kleidung kleben, sein Antlitz würde er weiter besudeln, aber was interessierte ihn das auch? Insofern sein eigenes Blut nicht floss, waren die Schmerzen zu verkraften und wenn, dann wusste er hoffentlich noch, wie er sich aus dem Schlamassel heraus ritt. Dafür müsste er Rain jedoch entkommen und momentan, so sehr er sich nach Thria sehnte, fühlte es sich so an, als würde er jeden weiteren Schritt in die falsche Richtung bereuen können.

      Wieso? Rain stellte nicht nur relevante Fragen, irgendwo amüsierten sie den Wolf auch. "Wieso? Vielleicht fühle ich mich so, als ob ich in deiner Schuld stünde", beichtete er dem Lamm. Kein einziges Mal war ihm gewollter Schmerz widerfahren, seitdem er hier war - vermutlich fühlte er sich schuldig, war er doch ohnehin nur mehr ein Scherbenhaufen den es zu begutachten galt - sich selbst wieder zusammenzusetzen schien unmöglich, hatte er die Splitter auf dem Weg hierher verloren. Nayantai drehte sich auf die Seite, drückte seine freie Hand gegen die Brust des Blonden. "Ich gehe auch nicht davon aus, dass du mich besitzt - ich sage nur, dass du alles von und an mir haben kannst, wenn du es haben möchtest. Rain, ich habe kein Problem damit", lachte der Wolf belustigt, darüber, dass man ihm nicht nur Verstand sondern auch die Wahrheit entgegenbrachte, die er vermutlich so nicht akzeptieren wollte. Gehörte er nicht ohnehin schon einem König, der sein teuerstes Juwel in einem gebrochenen Wolf sah? Aber wieso sollte er ihm gehören wollen? Bei Rain war alles viel besser, angenehmer, sanfter. "Ja, tust du", entgegnete er, als seine Hand von der Brust des Lammes zu dessen Kehle wanderte. "Das kommt darauf an, ob du überhaupt mir gehören willst - und, ob du mir ein Stück Holz und ein Messer geben kannst", eine Beschäftigung, einen Talisman für ein kränkliches Schaf zu schnitzen, wäre es immerhin. Ob er diesen dann allerdings überhaupt verfärben konnte war die nächste Frage, die er sich stellte. "Was es bedeutet? Dass ich dich nicht mehr gehen lasse und du mit mir sterben musst - willst du das wirklich?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich weiß, dass du wieder kämpfen wirst, wenn du dich erst einmal auf den Heimweg machst...", entgegnete Rain und musterte den geschundenen Körper vor sich, der nicht erst nach der Zeit im Kerker des Königs so ausgesehen hatte. "Aber würde man jeden verurteilen, der für sein Land, seine Familie, oder einfach nur des Überlebens willens kämpft, wer bliebe dann noch übrig? Höchstens so schwache Schafe wie ich, die den Krieg lieber aus der Ferne beobachten und so tun wollen, als hätten sie nichts damit zu tun, obwohl das nicht stimmt..." Rain seufzte leise. "Wenn ich dich gehen lasse, dann bin ich eventuell mitverantwortlich für noch mehr Tote... ich weiß das." Er wusste es tatsächlich, auch wenn er selbst niemanden persönlich umbringen würde. Er glaubte jedoch daran, dass der Wolf eben nicht so war, wie die Geschichten es ihm weiß machen wollten und einfach ein ganzes Haus niederbrennen würde, einfach nur weil es ihm Spaß machte. Er glaubte daran, dass wenn er nicht bedroht wurde, auch niemanden verletzen würde, aber vielleicht irrte er sich. So oder so lief er davor weg, derjenige zu sein, der jemanden tötete, nämlich den Wolf und opferte dafür lieber irgendwelche Fremden... vermutlich war es nicht richtig, was er tat.

      Rain hatte seinen Blick gedankenverloren durch den Raum schweifen lassen, fokussierte sich nun aber wieder auf den Wolf, der neben ihm saß und zu ihm herunter sah. Seine Hand fand ihren Weg auf Rains Brust der für einen Moment unbewusst die Luft anhielt und ihn mit seinen großen Augen ansah, die widerspiegelten, dass er nicht wusste, was der Wolf nun vor hatte. "Du... hast kein Problem damit?", wiederholte Rain etwas verwundert, wieso sollte der Wolf ihm etwas schenken wollen, auch wenn es nur seine Zeit war. Er musste sich jedenfalls für nichts revanchieren, aber Rain wusste auch gar nicht, was er denn wollen würde und schon gar nicht konnte er es aussprechen. Ihm genügte die Zeit zusammen, die ihm Spaß machte und ihn ablenkte, sowie etwas Abwechslung bot. "Würdest du mir denn einen schenken wollen?", fragte Rain weiter, fühlte die Hand seine Brust zu seinem Hals hinauf wandern und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass dies sein Herz ein wenig schneller schlagen ließ. Durchaus konnte er dem Wolf wohl das Material für einen Talisman besorgen, aber... warum sollte der Wolf ihm so etwas schenken, nachdem er Rain schon erklärt hatte, was es eigentlich bedeutete und Rain es ihm nur gegeben hatte, weil er nicht gewusst hatte, was es ist. "Ich... muss mit dir sterben? Ich glaube nicht, dass ich so lange überleben kann...", murmelte Rain mit einem leichten Lächeln. "Schon gar nicht, wenn du mich hier heraus zerren wolltest... Ich würde Thria gerne sehen... oder auch nur mein eigenes Land... aber für Abenteuer die eines Wolfes würdig sind, bin ich der Falsche." Zudem hatte Rain das Gefühl, dass Nayantai womöglich nur jemanden suchte, der das Loch in seinem Herzen stopfen konnte, das diejenigen hinterlassen hatten, die er eigentlich liebte. Rain konnte niemanden ersetzen und wollte auch nicht vorgeben, dass er es konnte. Auch wenn Nayantai sagte er würde all das hier nicht bereuen, Rain hatte immer noch die Befürchtung, dass er es eines Tages doch tun würde.
    • "Schlussendlich tue ich nur das, was ich tun muss - das, was von mir verlangt wird." Sein Vater wollte, dass die Wölfe nicht starben - aber das wollte vermutlich auch kein Einziger von ihnen. Leben wollten sie, allein und ungestört, es blieb ihnen jedoch nichts anderes übrig, außer sich die Hände mit Blut zu besudeln und die Schafe zu töten, die sie töten wollten. "Bist du dir sicher, dass du mich nicht dafür verurteilen kannst, dass ich so viele deiner Artgenossen umbringe? Ich sollte gar nicht hier sein", und doch war er es. Im Vergleich zu Rain war er nicht mehr als ein Mörder, jemand, dessen einst so weiße Weste all das Blut gar nicht mehr auffangen konnte und stetig tropfte, so dass ihr Besitzer einen blutroten Pfad hinter sich her zog, egal, wohin er ging und egal, wie sehr er versuchte das Blut von seinem Körper zu waschen. "Wieso bringst du mich dann nicht um? Oder sperrst mich für immer weg?" Rain war zu gutmütig und glaubte wahrscheinlich auch gar nicht daran, dass der Wolf mehr Schaden anrichten konnte, als er es ohnehin schon getan hatte. Eine oder zehn Leichen mehr - was war der Unterschied? Jeder tote Körper gehörte einem gesichtslosem Krieger, der dem falschen Wolf zu nahe getreten war. Mehr als ein Krieger war eben jener Wolf zwar ohnehin nicht, aber er wusste, dass selbst zehn Pfeile in seinem Rücken nicht genug waren, damit die Rachsucht seinen Körper nicht weiter antreiben konnte. Egal wie viele Wunden es wären, seinen schwächelnden Körper hatte er noch immer nach Hause gezerrt.

      Was war es, das ihn dazu antrieb, einem Lamm so nah zu kommen? Selbstzweifel waren es nicht, doch auch das Loch in seinem Herzen, das vorher schon dort war - die offene, klaffende Wunde die nie verheilte - war nicht mehr zu stopfen. Warum also war Rain so interessant für ihn? "Wieso sollte ich? Bei dir bin ich gut aufgehoben", lachte er - sein grimmiger Gesichtsausdruck wurde von einem Grinsen ersetzt, das nicht viel auszusagen vermochte, außer, dass Nayantai nichts dagegen hatte, Rain zu gehören, wenn auch gleich dieser nicht darauf aus war, jemanden wie den Wolf sein eigen zu nennen und ihn zu behandeln wie ein kostbares Juwel, das einzig und allein ihm gehörte. Rain war, gelinde gesagt, anders als so manches Schaf das er bis jetzt getroffen hatte. "Ja", entkam es seinen Lippen knapp. Mehr wollte der Wolf auch gar nicht, außer vielleicht seinen inneren Frieden zurück, den man ihm auch geraubt hatte. Wenn er erst wieder in Thria wäre, so dachte er, wäre aber auch all das egal - er wäre frei, müsste sich nicht mehr auf dieser Ebene mit einem Schaf beschäftigen und konnte das, was hier geschehen war, vergessen. "Musst du nicht. Wenn du vor mir stirbst, dann sterbe ich mit dir", die Wölfe waren frei, dennoch waren ihre eigenen Regeln es, die sie oftmals fesselten - an diese Erde, an ihr Land, an diejenigen, die ihr Herz stahlen. Der Tod war es, der sie in ihrem Schatten verfolgte. "Sag niemals nie. Ich sollte dich einfach warm anziehen und mitnehmen. Dorthin, wo dich keiner findet." Die Hand, die um den Hals des Schafes lag, festigte sich leicht, ließ aber sofort wieder ab - seine Hand wanderte weiter nach oben und vergrub sich in den Haaren Rain's. "Dich hier zurückzulassen, ich weiß gar nicht, ob ich das kann."
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    • Ja, warum brachte Rain einen dreckigen Wolf nicht einfach um, der nichts wert war, oder sperrte ihn weg, weil er sich seine Finger nicht schmutzig machen wollte? Warum zwang er ihn nicht einfach mit ihm zu reden, warum folterte er ihn nicht für etwaige Informationen? Nicht einmal das was er heute zu seinen Bediensteten gesagt hatte, um sie Nayantai und sich selbst vom hals zu schaffen, nicht einmal das war wahr. "Ich... weiß es nicht.", gab Rain ehrlich zu. Vielleicht fühlte er sich selbst so, als stünde er in der Schuld des Wolfes, dem sein Land so vieles angetan hatte, von dem Rain sich nicht einmal eine Vorstellung machen konnte. Abgesehen davon war er wohl zu weich und wollte keine Entscheidungen über Leben und Tod treffen, auch wenn er damit mehr anrichtete als es den Anschein hatte. Vielleicht wollte er nur kein Blut an seinen eigenen Händen, aber an den Händen eines anderen, war es ihm egal.

      Meinte der Wolf das was er sagte wirklich alles ernst, oder war am Ende Rain derjenige, der von dem Wolf ausgenutzt wurde, damit er Informationen erhielt, oder sich schlicht und einfach ein wenig erholen konnte. Ob der Wolf so ein guter Schauspieler war, so überzeugend zu weinen? Nein, vermutlich nicht. "Ich... sei doch nicht albern. Warum solltest du dein Leben an jemanden binden, der schon länger lebt, als er sollte?", fragte Rain schüttelte leicht den Kopf und schluckte, als die Hand des Wolfes sich enger um seinen Hals legte. Oder war es das, was der Wolf wollte, einen Grund zu sterben? War das wirklich, was dieser Talisman für die Wölfe bedeutete? Müsste der Wolf dann nicht schon tot sein, wenn die Person es war, wegen der er vorhin geweint hatte? Rain verstand das alles nicht, es machte keinen Sinn für den Wolf, sein Leben ausgerechnet in die Hände eines schwachen Lamms zu legen, er konnte das nicht ernst meinen. Rain fühlte die Finger des Wolfes in seinen Haaren und wollte lieber nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn der Wolf tatsächlich gehen würde, aber bestimmt legten sich all diese verwirrenden Gefühle und die Aufregung, wenn ein wenig Zeit vergangen war. Schon bald wurden sie einander bestimmt langweilig. "Mitnehmen... mit dir...? Der Gedanke gefällt mir..." Vielleicht sollten sie ihrer beider Völker beide im Stich lassen und in den Süden verschwinden, wo keine wachsamen Augen sie beobachteten und darauf warteten sie dafür zu verurteilen, was sie füreinander empfanden, auch wenn Rain sich im Moment nicht eingestehen wollte, dass es mehr war, als nur eine gewisse Faszination an einem Wolf, dessen Art so fremd für ihn war. Er streckte eine Hand nach der Brust des Wolfes aus, ließ sie seinen Körper hinunter wandern, ohne genau zu wissen warum. Der Wolf konnte wohl etwas mehr zu essen vertragen, aber dennoch faszinierte Rain der Anblick, der im Schein der untergehenden Sonne fast schon malerisch aussah. "Hm... wohin würdest du mich bringen...?", fragte Rain lächelnd, auch wenn es nur eine Fantasie war, die nicht wahr werden würde, er stellte es sich gerne vor.
    • Jetzt hätte er zudrücken können, Rain die Luft abschnüren und all das so hinstellen, als wäre das von Anfang an sein Ziel gewesen, weil er nicht einmal daran gedacht hatte, dass das Lamm ihm seine Schauspielerei wirklich abgekauft hätte. Rain war naiv und viel zu freundlich, war kein Teil dieser Welt, sondern lediglich ein Ergebnis dieser - Nayantai würde sich vermutlich auch dann nicht dazu überwinden können, ihm etwas anzutun, wenn er es war, der die Befehle erteilte, die Schafe nach Thria zu schicken aber selbst nicht ein einziges Mal Hand anlegen konnte. Er wusste es nicht besser, empfand sein Gegenüber nicht nur als sonderbar sondern auch - irgendwo - als verwirrend. Wer hielt es hier aus, wer wurde nicht verrückt, wenn er sich jahrelang mit der gleichen Szenerie konfrontiert sah, seinen eigenen Körper nicht dazu aufrappeln konnte, ihm vollends zu gehorchen? Das Lamm hatte diese Aufgabe gemeistert, war sich selbst treu geblieben und doch war er es, der seine Hände an einen Wolf legte, weil es vermutlich das Einzige war, das er all die Jahre selbst nicht zu Gesicht bekommen durfte. "Es liegt dir einfach nicht", entgegnete der Wolf ihm knapp, als er einen Arm um das Lamm legte. Jemanden zu töten, sich auf dem Schlachtfeld zu bewegen, das war die Aufgabe eines Kriegers, aber nicht etwa die eines Lammes, das sich selbst nicht zu helfen wusste. Aber wieso musste Rain das auch? So lange er hier war, bestand kein Grund dazu.

      "Zum einen, weil ich selbst gar nicht mehr leben sollte", nicht nur, weil er mit Tei im Feuer verbrennen sollte, sondern eben auch, weil er auf dem Schlachtfeld schon viel zu oft nur glimpflich dem Tod entkommen war. Wenn man spürte, wie sich alles in einem zusammenzog, die Schmerzen einen plötzlich losließen, aber die Schwärze das eigene Sichtfeld fest im Griff hatte, dann wusste man, dass man sich eigentlich nicht mehr wehren sollte und den eigenen Untergang akzeptieren sollte, aber das tat kein Wolf, der noch klar denken konnte und sich bewusst wurde, wie stumpf und kalt die Welt plötzlich wurde. "Und zum Anderen ... was habe ich noch? Wer weiß, ob es überhaupt noch einen Wolf gibt, der mich mit offenen Armen empfängt", seufzte er, war unzufrieden, dass ihre Konversationen wieder in dieses Szenario abdrifteten. Rikiya war vermutlich tot, seine Schwester höchstwahrscheinlich auch - und bevor einer von ihnen starb, starb vorher der Großteil ihres Stammes, der sich nicht kampflos ergeben würde. Wenn dem also so wäre, dann gab es auf dieser Welt wirklich gar nichts mehr. "Mhm, weit weg von hier ...", ließ er verlauten, als hätte er einen Plan, den er sich allerdings erst einfallen lassen musste. Sobald er sich den Fürsten schnappte, war er so gut wie tot, trat er über die Türschwelle hinweg. Zu den Wölfen konnten sie gehen, nachsehen, ob es sie doch noch gab und wenn der Krieg sich für sie beide nicht mehr rentierte - wenn Nayantai die Rache bekam, die er wollte - konnten sie Thria hinter sich lassen. "Vermutlich nach Thria ... aber vielleicht sollten wir auch einfach gleich in den Süden, da müsstest du dich wenigstens nicht vor der Kälte verstecken." Ein paar ältere Wölfe meinten einst, dass es im Süden warm genug war, dass man auch ohne die dicke Winterkleidung der Wölfe überleben konnte - ein Ort, den er sich nicht vorstellen konnte.
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    • Nayantai hatte recht, es lag nicht in Rains Natur einen anderen Menschen zu töten, oder auch nur zu verletzen, oder einzusperren, aber konnte er so wirklich ein ganzes Land führen? Manchmal musste man unschöne Entscheidungen treffen und musste Opfer bringen, für etwas Größeres, um mehr Menschen zu retten. Wie sollte Rain das alles nur anstellen? Woher sollte er wissen was richtig und was falsch war, wen er zu töten hatte und wen nicht? Wenn er nicht einmal einen dreckigen, abgemagerten Wolf töten konnte, sondern ihn stattdessen in eine Badewanne und frische Klamotten steckte, wie sollte er dann jemals über das Leben eines anderen entscheiden können. Der Gedanke einfach von hier zu verschwinden und vor seiner Verantwortung weg zu laufen, wurde immer einladender. Der Wolf war nicht einfach, es war schwierig ihn zu verstehen und er hatte viel, das er gerade erst dabei war zu verarbeiten und doch fühlte Rain sich in seinen Armen wohl und konnte die Welt ein wenig aussperren. Bei ihm zu bleiben klang eigentlich ganz schön...

      "Gib die Hoffnung nicht auf...", lächelte Rain und legte seinen Arm ebenfalls um den Wolf. "Ich weiß, dass es noch Wölfe gibt, genug von euch. Und sagtest du vorhin nicht, dein Vater stände dir im Kampf in nichts nach? Wenn du noch lebst, dann doch bestimmt auch er." Rain schloss die Augen, fühlte sich erneut wohl im Arm des Wolfes und hoffte, dass er bald zu dem Schluss kam, sehr wohl noch einen Grund zu haben weiter zu leben. Er wollte nicht sehen, wie der Wolf hier langsam verwelkte wie eine Blume. So gerne er ihn aus jetziger Sicht auch hier behalten hätte, so sehr wollte er ihn auch endlich von hier fort schicken, bevor er sich ebenso als Gefangener in diesem Haus sah, wie Rain es tat. Es machte keinen Sinn für ihn sich an das Lamm zu klammern und den Sinn in seinem Dasein bei ihm zu suchen, statt bei seiner Familie.
      "Weit weg...hm...", murmelte Rain, stellte sich einen Ort vor, der eben das war, aber er schaffte es kaum. Bilder gab es zwar, vom Meer, oder Wäldern, aber Rain hatte noch nicht einmal den Wald vor seinem eigenen Fenster betreten. Wie sich wohl der Wind in den Blättern anhörte, der in zahlreichen Büchern beschrieben war, oder die salzige Luft am Meer? Wie wohl die Tiere klangen wenn man Nachts im Walt schlief, unter den Sternen die nur ab und zu zwischen dem Laub zu sehen waren. Und wie sah Thria eigentlich aus? Wie roch frischer Schnee und wie war es den kühlen Wind um seinen Körper zu fühlen? "Erzähl mir mehr...", bat das Lamm, das noch nie etwas anderes in seinem Leben gesehen hatte, als dieses Anwesen. "Was gibt es dort... wo du mich hinbringst? Würden wir in einem Zelt schlafen... oder einfach unter den Sternen?" Rain zog den Wolf auf einmal fester an sich. "Ich will keine Steinwände mehr sehen..."
    • Unterschiedlicher konnten Schaf und Wolf gar nicht sein - einer von ihnen wusste weder, wie er eine Waffe richtig benutzte, während das Leben des Anderen nur aus dem Kämpfen bestand, damit er eines Tages wieder die wahre Freiheit kosten konnte, die ihm verwehrt blieb. Weggesperrt hatte man nicht nur ihn, sondern auch so viele seiner Art, die vermutlich doch ihr Leben ließen - Schafe hatten kein Rückrat, waren ebenfalls Bestien und doch konnte er an Rain keinen Fehler, keinen Markel erkennen. Wieso auch? Wer nie etwas Falsches tat, der wurde vermutlich auch nicht bestraft - so anders, als er. "Dann hoffe ich, dass du Recht behältst", brummte er, wusste, dass es nicht anders sein konnte. Sein Vater stand ihm in nichts nach, das mochte zwar der Wahrheit entsprechen, aber es war nun einmal auch die Wahrheit, dass Nayantai nicht immer mit klarem Verstand kämpfte und seine Reue sich beschränkte, während seinen Vater derartige Dinge zu plagen schienen. "Vielleicht sollte ich auch einfach aufhören, daran zu denken. So sehr ich auch nach Thria will, ich glaube immer mehr, dass es eine schlechte Idee ist." Wenn er auf dem Weg dorthin nicht niedergestreckt wurde, oder jemandem in die Hände fiel, der sich einen Narren an ihm fraß, dann endete sein Leben womöglich spätestens in seiner Heimat. Wollte er wirklich sterben?

      Tei hätte ihn mit sich in den Abgrund reißen sollen, in den er gehörte. Der Tod hatte seine Krallen noch immer fest in ihm verankert, wollte Nayantai auch gar nicht fliehen lassen und doch saß er hier, lag Rain gegenüber und teilte sich mit diesem seine Luft, begann, zu heilen und zu verstehen, dass er so viel mehr war, als ein sterbendes Stück Fleisch und bemerkte, dass es noch immer Unbehagen in ihm auslöste, wenn er daran dachte, dass ihm all das Leid nicht hätte widerfahren müssen. "Mehr? Von der Welt, die dich nicht mag?", harkte er nach und starrte dem Lamm dabei in die Augen - seine Züge selbst waren weicher als die des Wolfes, aber das war nicht verwunderlich, wenn man bedachte, das sie in ihrem bisherigen Leben erlebt hatten. "Also willst du doch nach draußen, hm? Ich kann es dir nicht verübeln", lachte er lauthals, gab nach und kam dem Schaf näher, das drauf und dran wäre, sein Gesicht wieder in seiner Brust verschwinden zu lassen, weswegen er seinen anderen Arm unter Rain schon. "Wenn es draußen wärmer ist, dann kann ich dir so viele Sterne zeigen, wie du sehen möchtest. Wir könnten vermutlich selbst im fahlen Mondschein in einen Bach steigen, oder einfach nur den Wind genießen, der durch die Baumkronen zieht", erklärte er dem unwissenden Schaf, das all das noch nie in seinem Leben gerochen hatte oder gespürt hatte, wie es schien. "Die Luft riecht salzig, wenn wir uns in der Nähe des Meeres befinden, diverse Vögel würden uns wohl auch nachschreien ... und wenn es nicht danach riecht, dann ist es entweder der Geruch von trockenem Gras, das die Sonne verbrannt hat oder aber die Blätter verschiedener Bäume. Wer weiß, vielleicht werden wir auch einfach Schafhirten im Süden. Freiheit ist schön, aber sie hat ihren Preis. Du weißt, dass dort draußen alles anstrengend ist?"
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    • "Eine schlechte Idee?", fragte Rain und seufzte leise. Er konnte Nayantai wohl verstehen, vielleicht wollte er lieber nicht wissen was aus seinem Land und seiner Familie geworden war. Vielleicht wollte er nicht nur ein paar verkohlte Leichen finden, um am Ende ganz alleine da zu stehen, vielleicht war es einfacher vor All dem wegzulaufen, weiter daran zu glauben, dass seine Familie lebte und selbst wieder anzufangen sein eigenes Leben zu führen. Rain wusste wie es war fort zu laufen, auch wenn er hier nicht raus konnte, so drückte er sich vor vielen Pflichten die er eigentlich hatte, weil er Angst hatte sich oder andere zu enttäuschen. "Hm... du kannst so lange hier bleiben wie du willst...", murmelte Rain, sagte das so, als wäre es ganz einfach, auch wenn es das nicht war. Im Winter war hier kaum etwas los, niemand interessierte sich für Fhaergus wenn es vom Schnee begraben und umgeben von eisigen Winden da lag, denen niemand trotzen wollte, nicht einmal Boten, oder gar Vögel die mit einer Nachricht los geschickt wurden, aber wenn der Frühling erst einmal einkehrte und die Schafe von dem Wolf erfuhren, so wusste es bestimmt auch bald der König und dann... dann blieb Rain wohl nur zu lügen, oder sein gesamtes Land aufs Spiel zu setzen, für einen einzigen Wolf.

      Rain hob seinen Kopf, damit der Wolf seinen Arm unter ihn schieben konnte, erwiderte seinen Blick interessiert, auch wenn er bestimmt weniger als die Hälfte von dem evrstehen würde, was der Wolf ihm erzählte. Er verzichtete darauf erneut zu sagen, dass er nicht nach draußen konnte, auch nicht im Sommer, viel lieber lauschte er den unverständlichen Worten, machte sich seinen eigenen Reim daraus. Es klang schön sich die Sterne anzusehen, er stellte sich vor mit Nayantai auf einer Wiese zu liegen und einfach nur in den Himmel zu starren, um sich gegenseitig zu erzählen, welche Geschichten es zu den Sternen in ihrer Kultur gab. Auch wenn Rain den Rest kaum verstehen konnte, Nayantais Stimme zuzuhören reichte ihm, um sich an einen besseren Ort zu denken, einen friedvollen, wo sie beide ein Stück glücklicher wären, in Freiheit. "Schaf...hirten? Auf Schafe aufpassen meinst du, echte Schafe? Ich habe nie ein echtes gesehen! Sind sie so flauschig wie sie aussehen?", fragte er beinahe wie ein Kind, das alles zum ersten Mal erlebte, so wie er nun Mal auch. "Anstrengend...? Arbeit? Mh..." Rain hob eine Hand, betrachtete sie. Sie war weich, ohne irgendein Zeichen von Abnutzung, was machte er auch schon neben Schreiben und die Seiten eines Buches umzublättern? Er war nicht sicher, ob er da draußen überleben könnte, wenn seine Krankheit einfach verschwinden würde. Konnte er ein Feuer machen? Fischen? Kochen? Nähen? All das musste er nie machen, durfte es gar nicht. Kurzerhand griff er nach Nayantais Hand, legte ihre Handflächen auf einander und ließ anschließend seine Finger über die raue Oberfläche wandern. Nayantais Hände zeugten von viel harter Arbeit... er konnte es ihm in seiner kleinen Fantasiewelt doch bestimmt beibringen...? "Es wäre wohl ziemlich... anstrengend..., mit mir unterwegs zu sein.", lächelte er und wiederholte Nayantais Worte von vorhin. "Willst du das wirklich?"
    • "Wer weiß, ob sie mich überhaupt wiedersehen wollen - vielleicht wollen sie ja auch, dass ich tot bin", gestand der Wolf und seufzte. Seine Familie mochte klein sein, bestand dafür aus allerhand Personen, die sich an ihre Traditionen gebunden fühlten und die es oftmals nicht übers Herz brachten, sich von diesen loszusagen. "So lange wie ich will? Rain, sei nicht albern, ich glaube nicht, dass ich überhaupt hier sein sollte", brummte Nayantai. Nein, er wollte nicht hier sein und sobald jemand Wind davon bekam, dass er hier war, würde er vermutlich auch davongescheucht werden - etwas, das er in den letzten Tagen eigentlich gar nicht mehr hören wollte. Vielleicht war er einfach verweichlicht, oder aber Rain war schuld daran, dass er sich immer mehr so fühlte, als wäre es in Ordnung, wenn er sich noch etwas Zeit ließ, seine Wunden heilten und er erst dann davon zog, zurück in eine Schlacht ohne Wiederkehr. "Aber so lange du mich hier wissen willst, habe ich kein Problem damit, hier zu sein. Zumindest momentan." Gleichgültigkeit war es oft, die sich in der Stimme des Wolfes widerspiegelte - etwas, das schon immer der Fall war, wenn er sich nicht von Zorn durchtränkt fühlte. Rain hingegen verwirrte den Wolf auf so vielen Ebenen, dass es irgendwo scher schien, ich ihm nicht zu öffnen - beinahe so, als könnte Rain einem nicht böse sein, als wäre er alles, nur nicht imstande dazu.

      Was waren sie beide? Sie kannten sich nicht mehr als zwei Wochen und doch überschritten sie jede Barriere, die es je gegeben hatte - es kümmerte sie augenscheinlich nicht, was die Welt von ihnen dachte und doch kämpften sie mit sich selbst, in der Hoffnung, dass alles passierte nur, weil sie so verdammt einsam waren. Wollten sie das? Einander satt werden und abdriften, in ihre eigenen Spähren? Nayantai glaubte nicht, dass er diese Einsamkeit nochmals auf seinen Schultern tragen wollte und Rain war es, der vermutlich auch nicht angetan davon wäre. "Ja, das meinte ich ... uh ... flauschig?" Meinte Rain damit die Wolle, die diese Ausgeburten der Hölle trugen? Anders konnte es gar nicht sein. Zu früh hatte er geredet, hatte ein mulmiges Gefühl im Magen, nachdem er sich nochmals an die Schafe erinnern musste, die sich die Wölfe hielten - zottelige Biester, die immer mehr Laute von sich gaben, als sie sollten und die jemanden, den sie nicht kannten, gerne bissen. Verflucht, wenigstens hatte er davon keine Narbe. Neugierige Augen wanderten zu ihren beiden Händen, die sich wieder berührten, bevor der Wolf die seine um die des Schafes schloss und grinste, als hätte er gerade eine wunderbare Idee gehabt. "Arbeit ist anstrengend. Dich zu tragen wird anstrengend. Aber wenn ich es nicht könnte, wieso würde ich es dir anbieten? Mach dir keine Sorgen Rain - wenn du hier weg möchtest, dann nehme ich dich mit."
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    • "Es ist mir egal, ob du hier sein solltest.", gab Rain zurück, "Ich lasse mir schon etwas einfallen, wenn es Probleme gibt." So wie die Lüge die er vorhin erzählt hatte, um nun Zeit mit seinem Wolf zu verbringen, sich von ihm umarmen zu lassen, ohne, dass ihn jemand dafür auspeitschen lassen wollte. Sie würden vermutlich nicht mehr auf Rain hören, einen Priester kommen lassen, der versuchen sollte den Fluch von ihrem Fürsten zu nehmen, während sie den Wolf vierteilten, damit sein Fluch von Rain gelöst wurde. Es war als wurde ihm erst jetzt bewusst, was für gravierende Folgen es haben würde, würde sie irgendjemand so zusammen sehen. Es wurde ihm so bewusst, dass er am Liebsten aufgestanden wäre, um die Tür abzuschließen, er beruhigte sich jedoch selbst, sagte sich, dass niemand einfach so hier herein spazieren würde... hoffentlich. Der Gedanke verursachte trotzdem ein mulmiges Gefühl in Rains Magen.

      "Flauschig... ah... nicht so wichtig... so etwas wie weich...mh... egal.", lächelte Rain, der nicht wusste wie er das Wort erklären sollte, es war aber auch gar nicht wichtig. Wann würde der Wolf schon das Wort 'flauschig' verwenden, oder verstehen müssen, das war bestimmt nichts, das er in seinen Wortschatz aufnehmen brauchte. Stattdessen sah Rain den Wolf an, der auf einmal so breit grinste und Rains Hand fest hielt. Wieder verstand er nicht alles, was der Wolf von sich gab, aber es hörte sich fast so an, als würde er ihn tatsächlich hier heraus tragen, wenn Rain es tatsächlich wollen würde. Er sollte sich keine Sorgen machen und der Wolf wollte ihm das schenken, was er sich schon immer gewünscht hatte? Es war ein gutes Gefühl, ein schöner Gedanke, wenn auch nur eine Fantasie und Rain tat das, was ihm in dem Moment in den Sinn kam, als der Wolf ihm dies eröffnete. Sein Blick schweifte einmal über Nayantais Lippen, die Rain beinahe schon zum Lachen gebracht hatten, aber jedenfalls dafür sorgte, dass ein breites Lächeln auf seinen Lippen zu sehen war. Dann lehnte er sich nach vorne und drückte seine Lippen auf die des Wolfes, es dauerte allerdings nicht lange, bis Rain sich etwas beschämt wieder zurück zog. "Ich... äh...Tut mir Leid..." Wieso - bei all den Göttern - hatte er denn das gerade getan?