spellbound. (earinor & akira)

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    • Schlaftrunken war wohl etwas zu wenig - Nayantai fühlte sich so, als balanciere er auf einem schmalen Grad zwischen der Realität und seinen Träumen, die nicht sonderlich gleichmäßig verliefen. Würde er die eine Richtung einschlagen, so war er sich sicher, dann würde die Andere ihn auch wieder einholen - aus dieser Misere gab es, zumindest bis er sich dazu bewegen konnte endgültig wieder in dem Land der Lebenden zu stolzieren, vorerst kein Entkommen. Wohin also mit ihm, dem müden Wolf? Vermutlich in dieses Bett, in dem er ohnehin schon lag, sich kaum aufgesetzt hatte und dann auch noch Rain dazu nötigte, sich nicht nur neben ihn zu setzen, sondern auch noch seine Haare einigermaßen ordentlich herzurichten. Verwundert sah er den Händen nach, die alsbald wieder zurückgenommen wurden und starrte nach oben, fand keinerlei lose Haarsträhnen - und doch gähnte der Wolf. "Zwei ... Tage?", fragte er verwirrt, nicht, weil er nicht verstanden hatte, sondern weil es für ihn so falsch schien, dass er wirklich zwei ganze Tage damit zugebracht hatte, nichts zu tun, als von der Schwärze in einen Traum geworfen zu werden, der blitzschnell vorbei war. Abschreckend war der Gedanke durchaus, aber stattdessen tat Nayantai etwas anderes.

      Ohne wirklich zu fragen, oder sich selbst zu hinterfragen warum, legte er seinen Kopf auf Rain's Schoss, starrte nach oben und blieb so liegen, als wolle er sich gar nicht erst die Möglichkeit geben, daran zu denken, dass er doch aufstehen könnte - das Bett verlassen sollte. "Mh, ich bin ... na ja", seufzte er, wusste gar nicht, wie er seine Gefühlslage überhaupt verdeutlichen sollte, kaum richtete er den Blick nach oben und tat das, wonach ihm beliebte - in diesem Fall Rain anstarren, der noch ganz unkenntlich für ihn wirkte. Die Müdigkeit versuchte er sich erneut aus dem Gesicht zu wischen, dieses Mal gelang es ihm auch. "Ich glaube eher, dass ich ziemlichen Durst habe", sprach der Wolf schlussendlich klarer, nachdem sich alles wieder einigermaßen einzupendeln schien. Auf die Idee, er könnte seinen Kopf jedoch wieder in Ruhe lassen, darauf kam der Wolf nicht. "Habe ich dir Sorgen bereitet?", wollte er wissen, wusste aber gar nicht erst, wieso er überhaupt nachfragte. Viel lieber streckte er die Hand nach dem Gesicht des Lammes aus, strich sanft über dessen Wange und versuchte erneut, eine lose Haarsträhne hinter dessen Ohr zu stecken. "Danke."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Es musste befremdlich wirken, wenn man einschlief und für einen die Zeit nicht verging, aber wenn man aufwachte sollen ganze zwei Tage vergangen sein. Nicht dass es hier in diesem Anwesen und noch dazu im Winter einen großen Unterschied machte, welcher Tag denn gerade war, jeder Tag war gleich, zumindest, solange man keinen wilden Wolf bei sich zu Hause hatte, der einen immer wieder aufs Neue überraschte und einem Dinge über sein Volk beibrachte, die man vorher nicht einmal erahnen hätte können. Rain nickte noch einmal, bestätigte, dass Nayantai richtig verstanden hatte und zog kurz darauf seine Hände von seinem Schoß, damit der Wolf sich nicht darauf legte.

      Immer noch verwirrt von dem was der Wolf da tat, von der Nähe die er suchte, lächelte Rain. Er als Schaf sollte einen Wolf nicht so behandeln wie er es tat, sollte nicht einmal mit ihm reden, geschweige denn ihn umarmen und ein Wolf sollte wohl dasselbe nicht mit einem Schaf tun. Ein Schaf, ein männliches Schaf sollte sich genaugenommen auch schlicht und einfach einem Mann nicht so annähern, wie das bei den Wölfen war, wusste Rain nicht. Aber wenn man schon ein Leben lebte, das einem nicht viel gab und sich weigerte jemanden zu finden, der an seiner Seite blieb... wenn es ihnen beiden in ihrer Lage half, warum denn auch nicht?

      Rain musste nicht recht, was er nun mit seinen Händen anfangen sollte, legte eine davon sanft auf den Kopf des Wolfes, weil es sich richtig anfühlte. Er wusste nicht, was der Wolf sich bei all dem dachte, was er vor hatte und Rain wollte auch nicht fragen, wollte nicht, dass der Wolf dann wieder umschenkte und entweder niedergeschlagen, oder zornig war. Rain wollte viel lieber mit ihm befreundet sein, mehr von ihm lernen, ihm helfen. Hatte er sich also Sorgen gemacht, um einen Wolf, der nichts wert war in der Welt der Schafe? Ja, er hatte sich bereits um ihn gesorgt, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte und auch wenn der Arzt dieses Mal gesagt hatte, dass es dem Wolf gut ging, er sich nur erholte, so hatte der leblose Körper in diesem Bett Rain trotzdem Sorgen bereitet. Zu viele Erinnerungen waren dabei in ihm aufgestiegen, an alle die er verloren hatten und Sorgen darüber, dass er irgendwann, früher als ihm lieb war, womöglich genau so da liegen würde, nur eben nicht mehr aufwacht. Er schluckte, lächelte wieder als Nayantais Hand sich plötzlich auf seine Wange legte und nickte leicht, beförderte damit die Strähne die gerade sein Sichtfeld verlassen hatte wieder vor seine Augen. "J...Ja.", antwortete er, sah zum leeren Wasserglas. "Durst... ja? Ich bringe dir etwas, aber... du musst mich aufstehen lassen.", murmelte er etwas verlegen, bewegte sich aber vorerst nicht. "Tut mir Leid...", murmelte er noch und realisierte, dass zu erklären, warum er sich gerade entschuldigt hatte, ziemlich peinlich werden würde, also schüttelte er einfach nur den Kopf, um dem Wolf zu bedeuten, er solle vergessen, was Rain gerade gesagt hatte. Die Wahrheit war, er fühlte sich etwas schuldig, dass er sich einfach aus dem Zimmer des Wolfes geschlichen hatte, aber er hatte auch schlecht zwei Tage in seinen Armen liegen bleiben können und... womöglich wollte der Wolf das ja auch gar nicht. Rain wäre bestimmt nur im Weg gewesen und sein penetranter Husten, hätte ihn in seinem Schlaf gestört.
    • Wieso also lag er da, ließ sich von Rain in den Bann ziehen und tat nichts dagegen, außer darüber nachzudenken, dass er all diese Dinge nicht tun sollte? Es gab keinen hier, der sich darüber echauffieren würde, dass die beiden sich zu nahe kämen, geschweige denn war es etwas, das über die Lippen des Wolfes springen musste, wenn man ihn danach fragen würde, wo er das letzte Jahr verbracht hatte. Obgleich Rain sich wohl unwohl dabei fühlen könnte, hatte dieser all die Zeit der Welt und jedes Recht dazu, die Pratze des Wolfes einfach wegzuschlagen, wenn er sie nicht mehr auf sich spüren wollte - aber er tat all das nicht, ließ sich nicht von Vorurteilen der Anderen blenden und schien auch gar nicht erst daran zu glauben, dass eine der beiden Seiten, die im Krieg aufeinanderprallten, erhabener war, als die Andere. Nayantai wusste gar nicht wohin mit ihm, oder mit seinem trägen Körper, der sich nicht einmal wirklich rühren wollte, sondern viel lieber den Blonden beobachtete, der wohl so viel mehr zu tun hatte als dem Wolf seine Aufmerksamkeit, geschweige denn den Rest seines Nachmittags und Abends zu schenken, die er vermutlich für andere Dinge aufwenden konnte. "Bin ich dir im Weg?", wollte er sogleich wissen, machte sich aber noch immer keineswegs die Mühe, sich zu bewegen. Nayantai wusste, dass er hier nur willkommen war, weil Rain ihn bei sich aufnahm, dass er dort draußen, alleine, in der Kälte, keinerlei Zuwendung bekommen würde. Er seufzte.

      Den Kopf hob er schlussendlich von dem Schoss des Blonden, setzte sich auf, wischte sich noch mehr seiner eigenen Müdigkeit aus dem Gesicht, streckte sich - gähnte. Ein Ziehen war es doch, das er in seiner Seite vernahm, aber es war nicht so schlimm, dass er wieder zusammenzucken musste, im Gegenteil - vielleicht bestärkte ihn diese Situation auch darin, zu hoffen, er war noch nicht gänzlich im Schlamm und Dreck dieser Welt versunken, aus dem er sich wiederum zu kämpfen versuchte, aber obgleich keine Chance hatte, wenn man ihn immer wieder zurück in diesen drückte. "Mh, ich glaube, jetzt kannst du aufstehen - ich wollte dich nicht dermaßen überfallen, tut mir leid", und in dem Moment, in dem er den Satz beendet hatte, knurrte der Magen des Wolfes - peinlich berührt schien er nicht zu sein, lediglich erstaunt darüber, dass selbst sein Magen nichts mehr auszuhalten schien. Murrend sah er dann zu Rain, der für all das jedoch nichts konnte. "... und hunger, glaube ich."
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    • "Im...Weg...?", erfragte Rain die Bedeutung der Worte, aber obwohl er nicht verstand, hatte er das Bedürfnis den Kopf zu schütteln, lächelte den Wolf an, der immer noch dabei war aufzuwachen. "Du hast nicht übertrieben, als du gesagt hast du wärst müde...", schmunzelte er, wollte aus einem Impuls heraus gerade über Nayantais Kopf streichen und die letzten, kurzen Strähnen, die nicht in den Zopf passten aus seinem Gesicht wischen, als der Wolf sich doch erhob. Rain hielt in der Bewegung inne, nahm seine Hand wieder herunter, als hätte er gerade gar nichts vorgehabt. Erneut schüttelte er den Kopf, als der Wolf sich entschuldigte, auch wenn er nicht verstand wofür, aber es gab nichts, wofür er sich entschuldigen musste. "Schon gut.", lächelte er und stellte gerade etwas fest. "Du bist noch nicht einmal eine Woche hier und auch wenn wir einander immer noch nicht richtig verstehen können... wir können uns trotzdem unterhalten, ohne ständig auf irgendetwas deuten zu müssen." Noch einmal winkte er ab, es tat nichts zur Sache und er stand auf. Beinahe lachte er, als der Magen des Wolfes sich meldete. "Ich lasse etwas zu Essen bringen.", nickte er, legte seine Hand noch einmal kurz sanft auf die Schulter des Wolfes und verschwand dann für ein paar Minuten aus dem Raum.

      Er hatte die Wachen und die Bediensteten fort geschickt, gesagt sie sollten einfach ihrer üblichen Arbeit nachgehen und so dauerte es nun ein bisschen, bis Rain jemandem über den Weg lief, dem er einen Befehl erteilen konnte, nämlich Essen herzurichten. Rain kam vorerst alleine zurück, mit etwas Wasser, das er dem Wolf gleich überreichte und sich dann ihm gegenüber an die Wand neben dem Fenster lehnte. "Es dauert noch ein wenig tut mir Leid. Danach möchtest du dich vielleicht waschen?", fragte Rain, machte nun doch mal wieder eine Bewegung die verdeutlichen sollte, was er sagte. "Und danach... ich weiß auch nicht." Er lächelte, blickte aber lieber aus dem Fenster, als er dem Blick des Wolfes für einen Moment begegnete.
    • Zögerlich klangen die Worte des Lammes, als es den Wolf nachahmte und vermutlich versuchte, zu ergründen, was es bedeuten sollte - oder nicht? Nayantai war sich nicht sicher, aber zumindest war er froh darüber, dass Rain versuchte, sich auch die Sprache der Wölfe anzueignen, anstatt, dass er versuchte, dem Wolf seine eigene Sprache aufzuzwingen, ihn dazu zu nötigen, mit ihm zu sprechen. All das geschah aus freien Stücken, schien für sie beide relativ angenehm zu sein, nicht gezwungen, so wie manch anderes Erlebnis, an das sich der Wolf nicht entsinnen konnte, oder gar wollte. Alles, was zählte, war in diesem Moment, dass es ihm gut ging, dass er noch wusste, wie man atmete und dass ihm klar war, dass er hier nur ein vorläufiger Gast war, der die Gastfreundschaft des Lammes wertschätzen sollte. "So müde war ich schon lange nicht mehr. Vielleicht schlafe ich wieder zwei Tage, auch, wenn ich es nicht hoffe", natürlich wäre das das höchste Maß der Gefühle, mehr würde sein Körper wohl auch nicht vertragen - zumindest zum Trinken müsste er die schweren Augenlider öffnen. Trotzdem hoffte er, dass dieser Fall nicht wieder eintreten würde, glaubte, er könnte davon profitieren, wenn er nicht den halben Winter lang schlief, sondern sich darauf konzentrierte, das Buch zu lesen, das man ihm gegeben hatte und die Sprache der Schafe zu verstehen - etwas, das ihm zu diesem Zeitpunkt noch immer schwerer fiel, als es sein sollte. "Danke, Rain", nuschelte der Wolf, der sich in seinem angewärmten Bett so alleine fühlte, auch, wenn es gar nicht erst das seine war.

      Lange ließ Rain nicht auf sich warten, doch Nayantai hatte es zumindest geschafft, aufzustehen, sich zu strecken und sich die Müdigkeit aus den Gliedmaßen zu schütteln, deren Herr er sich selbst nannte. Hätte er im Bett bleiben sollen? Er wusste es ehrlich gesagt nicht, nahm das Wasserglas entgegen und trank dieses auch wiederum fast aus, stellte es beiseite und sah zu Rain. "Mach dir keine Sorgen", sagte der ausgeruhte Wolf nun, der auf seine Verbände niederstarrte und dann wieder zu Rain, der Worte von sich gab, die ihm nicht ganz klar waren. "Sollte ich nicht zuerst die hier abnehmen, bevor ich mich waschen kann?", fragte Nayantai, deutete auf den Verband, der sich noch immer an seinen Körper schmiegte und vermutlich ohnehin gewechselt werden sollte. Besser, als noch vor ein paar Tagen fühlte er sich definitiv - vermutlich sollte er sich auch wieder das Hemd anziehen, das man ihm gegeben hatte, oder gleich nach frischer Kleidung fragen, bevor Rain wieder auf die Idee kam, ihn halbnackt durch die Gegend zu zerren. "Wieso setzt du dich nicht zu mir?" Er setzte sich wieder auf das Bett zurück und klopfte auf den freien Platz neben sich. Wenn er schon hier war, warum stand er sich die Beine auch in den Bauch?
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    • "Die Verbände..?", fragte Rain erneut nach, nickte lächelnd. "Wenn du gegessen hast, dann kümmern wir uns um all das. Brauchst du Hilfe dabei?" Er deutete nun selbst auf die verbundene Wunde, die wohl wirklich einen Verbandswechsel vertragen konnte. Aber bevor Nayantai noch verhungerte, sollte er sich zuerst stärken, dann konnte er den Verband ablegen, sich waschen und die Wunde frisch versorgen, oder wahlweise versorgen lassen. Und was er danach machen wollte war noch offen. Vielleicht war Rain naiv, weil er dem Wolf vertraute, mehr noch nun, aber er hatte entschieden, dass er sich im Wohnbereich des Anwesens frei bewegen können sollte. Die Wachen waren auf ihren Posten zurück, bewachten den Eingang zum Anwesen von ihrer Wachstube aus, die Bediensteten schlichen durch das Anwesen, hielten die Räume sauber, die das Lamm auch verwendete, kümmerten sich um das Essen, die Wäsche und darum das Feuer in den Kaminen am Laufen zu halten, und sie kümmerten sich um ihre eigenen Familien die hier ebenfalls wohnen durften. Es gab ein kleineres Haus hinter dem prunkvollen Anwesen, in dem die Bediensteten ihre Betten und ihre eigene Küche hatte, damit sie nicht immer den beschwerlichen Weg bis zum Dorf machen mussten. Rains Mutter schon hatte die ganze Familie der bediensteten eingeladen hier zu wohnen, viele jedoch hatten ihre eigenen Höfe, Saras Eltern zum Beispiel, sie besuchte sie einmal in der Woche. Die Köchin lebte mit ihren Eltern hier, konnte so sicher sein, dass sie es warm hatten und immer jemand da war, der nach ihnen sehen konnte. Ihre Mutter kümmerte sich seit Rains Mutter gestorben war manchmal um ihr Blumenbeet, sofern es nicht von Schnee bedeckt war. Der Arzt hatte seine eigenen Gemächer im Haupthaus, studierte die meiste Zeit, oder machte Hausbesuche im Dorf unten. Rain begegnete ihm nur äußerst selten. Somit würde auch Nayantai kaum jemandem über den Weg laufen, wenn er alleine durch das Anwesen spazieren wollte.

      Rain winkte ab als der Wolf ihm anbot sich zu ihm zu setzen, lächelte. So wenig er befürchtet hatte, dass sie neulich jemand sehen hätte können, jetzt war es eine andere Situation. Sara konnte jeden Moment herein kommen und dem Wolf sein Essen bringen und Rain wollte nicht riskieren, dass irgendjemand sah wie sie beide miteinander umgingen, konnte er doch selbst gar nicht beschreiben wie das denn war. Es würde nicht für ihn Probleme bedeuten, sondern auch für Nayantai. Dass er ihn gewähren ließ, ihm so viel Freiraum ließ, ihn hier wohnen ließ als wäre er ein gleichwertiges Wesen... das reichte schon um die Gerüchteküche in Gang zu setzen, oder zumindest reichte es, damit sich seine treuen Bediensteten Sorgen machten.

      Rain war froh, dass es nur kurz nachdem er abgewunken hatte an der Tür klopfte und Sara mit einem Tablett voller Essen herein kam. Die Köchin folgte ihr dicht auf dem Fuß, scheinbar hatten sie so viel vorbereitet, dass Sara es nicht allein hatte tragen können. Rain war froh, weil er Nayantai nicht vor den Kopf stoßen wollte und er wollte auch nicht erklären, oder konnte es mit so wenigen Worten die sie voneinander verstanden gar nicht. Sara stellte das Tablett auf dem Tischchen neben dem Bett ab und als sie sich an Rain vorbei bewegte um wieder nach draußen zu laufen, hielt er sie sanft am Handgelenk fest.
      "Kannst du bitte warmes Wasser vorbereiten? Und bringe frische Vebände ins Badezimmer. Und neue Kleidung.", bat er mit sanfter Stimme, Sara nickte, lächelte, machte sogar einen kleinen Knicks und machte sich sogleich an die Arbeit. Die Köchin blieb von selbst vor Rain stehen, sie war größer als er und stämmig, außerdem um einiges älter. Sie fasste Rains Kleidung, zupfte ein wenig an ihm herum und klopfte ihm dann leicht auf die Brust als sie fertig war. "Wenn Sie schon so nahe beim Fenster stehen, dann sollten sie sich auch ordentlich anziehen, junger Herr!", sagte sie streng, Rain lächelte entschuldigend und sah ihr dann nach als sie den Raum verließ und die Tür hinter sich schloss. Bevor sie das tat warf sie noch einen prüfenden Blick auf den Wolf, ihre Schritte entfernten sich dann aber schnell.
      Rain wartete noch einen Moment, stieß sich dann von der Wand ab und nahm die Einladung jetzt an neben Nayantai auf dem Bett Platz zu nehmen. "Lass es dir schmecken."
    • Ihnen fehlte es an kulturellen Gemeinsamkeiten, da war sich Nayantai schon beinahe sicher. Wölfe zerrissen sich nicht die Mäuler über die Dinge, die sich in ihren eigenen Reihen abspielten, sondern viel lieber über die Dinge, die andere Stämme oder gar über dumme Schafe, auf die sie während ihrer damaligen Reisen gestoßen waren. Thrianer oder Adrestianer hin oder her, obwohl es Gemeinsamkeiten gab, gleich wie es Unterschiede gab, war es im Endeffekt egal. Sein Volk würde es am Ende dieser Auseinandersetzung nicht mehr geben - die Reste, die Schandflecken, die man behielt, würde man als billige Sklaven für allerlei Dinge verkaufen, bevor man sie schließlich auch so ausrottete, wenn die letzte Generation von ihnen starb. Nayantai schluckte. "Ich glaube, ich komme allein zurecht", entgegnete er, griff sich in den Nacken, wollte die schlechten Gedanken loswerden, die ihn plagten. Warum dachte er ausgerechnet hier und jetzt daran? Waren es die toten Brüder, die fehlende Mutter oder gar der verschwommene Vater, an die er sich alle nicht mehr so recht erinnern konnte? Ein Schnauben entkam ihm, dann schüttelte er den Kopf. Es brachte nichts, an eine vermutlich tote Familie zu denken, oder an den Traum, der ihn immer wieder heimsuchen wollte, weil er wohl etwas vergessen hatte, das sich in eben jenem abspielte - was es war, das wusste er nicht, aber es war eine Plage. Ob Rain eine Antwort darauf kannte war fraglich, konnte er ihn doch nicht einmal diesbezüglich ausfragen, sondern musste selbst herausfinden, was seine Träume ihm verständlich machen wollten. Viel mehr, als dass er wieder zurück in die Tundra gehen sollte, hörte er aus diesen jedoch nicht heraus - aber das schien es wohl nicht zu sein, das man ihm verständlich machen wollte. Was dann?

      Sara und die Köchin fielen ihm im ersten Moment gar nicht auf, erst, als er die Worte einer fremden Stimme vernahm, sah der Wolf wieder auf, realisierte, dass man mit Rain redete, nicht mit ihm - wer würde auch mit einem Wolf reden wollen? Keiner, außer ein grenzdebiles Lamm, das sich vermutlich selbst fragte, wieso es sich mit dem Wolf herumschlug. Die Tür schloss sich hinter den Frauen, Rain wirkte sofort weniger angespannt, wandte sich wieder dem Wolf zu. "Mh", gab dieser lediglich zu verstehen, als er das zusätzliche Gewicht auf dem Bett spürte, Rain wohl eher einem Federgewicht glich und er selbst nicht mehr wusste, ob er grundsätzlich Hunger hatte. Kurzerhand griff er nach dem Wasserglas, trank den letzten Schluck aus diesem und rieb sich die Schläfen. Nein - wieso jetzt Trübsal blasen, wenn er besseres zu tun hatte? Würde er nicht essen, so dachte er es sich, würde er verkommen - vielleicht war es gerade deshalb, warum er schlussendlich zu dem Tablett griff und anfing, zu essen, wenn auch gleich einigermaßen lustlos. Was auch immer ihn plagte war sogleich egal, wenn er es nicht ergründen konnte, dann war es eben sein eigener Fehler - aber wofür waren die Träume dann gut? Vermutlich zu nichts, außer ihm den Verstand zu rauben, den er ohnehin schon nicht mehr haben sollte. Wäre es besser gewesen, sich wirklich mit schwarzer Magie zu beschäftigen, damit er ein Schaf wenigstens verfluchen konnte? Wer wusste das schon. "Rain, ich ...", aber was wollte er eigentlich? Auch das konnte er sich ganz und gar nicht beantworten. "Es ist sicher schrecklich langweilig mit mir ... entschuldige", raunte der Wolf, der schlussendlich nicht einmal die Hälfte des ihm dargebotenen aß, stattdessen legte er den Kopf lieber auf die Schulter des Blonden und starrte auf einen unbedeutenden Punkt. "Wenn du nur wüsstest ..."
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    • Der Wolf schien wieder in seine Gedanken zu sinken, er sah immer noch müde aus, auch wenn sein Körper es vielleicht nicht war, sein Geist war es bestimmt. bestimmt beschäftigte ihn vieles, was mit seinem Volk war, seiner Familie und seinen Waffenbrüdern. Bestimmt fragte er sich, wie er den Wölfen aus ihrer Lage helfen konnte, was er tun konnte, was seine Aufgabe sein sollte, wenn er denn endlich hier weg kam. Vielleicht beschäftigte ihn auch was er im Kerker erlebt hatte, alles das ihn so sehr gezeichnet hatte. Rain machte sich Sorgen, er glaubte den Wolf gerade an einem Punkt kennen gelernt zu haben, in dem er kurz davor war alles aufzugeben. Er war selbst nicht besser, aber das realisierte er nicht, wenn er den Wolf ansah, er wollte ihm einfach nur helfen.

      Der Wolf hatte hunger, aber es fehlte ihm an Willen zu essen, vielleicht zu leben. Auch das sollte Rain eigentlich von sich selbst kennen und das einzige Mittel das er bisher dagegen gefunden hatte, ohne es zu merken, war der Wolf. Was auch immer es war, dass Rain so in den Bann zog, vermutlich sollte er sich nicht zu fest an den Wolf klammern, der verschwinden würde sobald der Schnee schmolz, der vermutlich keinen Gedanken mehr an Rain verschwendete, wenn er erst einmal zurück in seiner Heimat war. Und was wurde dann aus Rain? Würde er wieder in die selbe trübe Stimmung verfallen, in der er zuvor gewesen war? Würde er keinen Grund mehr haben so zu tun, als wäre er glücklich, um einem fremden Wolf seine Probleme nicht aufzudrängen? Er spielte seine Rolle so gut, dass er sich die meiste Zeit selbst von seinen eigenen Problem ablenkte, sich belog und um das zu bewerkstelligen schien er noch viel größere Probleme zu schaffen.

      Der Wolf ließ seinen Kopf wieder auf Rains Schulter sinken, Rain griff darauf hin nach Nayantais Hand, die neben ihm auf den Bett lag, legte seine eigene, zierliche Hand einfach darüber. Es gab erneut nicht viel, das er sagen konnte. Er wollte keine falschen Versprechungen machen, oder die selben leeren Worte an den Wolf richten, die auch er schon oft gehört hatte. 'Du musst essen. Denk an deine Familie. Das alles geht vorüber. Morgen ist ein neuer Tag.' Nein. Es war nicht so einfach und es war in Ordnung, wenn man sich fühlte, wie der Wolf sich gerade fühlte, wie genau auch immer das war. Leere Worte würden nichts bringen und Rain verstand den Wolf nicht gut genug, um ernsthaft zu ergründen, was es war das ihn quälte. "Mir ist nicht langweilig...", murmelte er nur, sah auf das Essen, das für Rain locker eine Woche gereicht hätte. Im Grunde hatte der Wolf schon einiges gegessen und obwohl er so groß war, er musste es vom Kerker gewohnt sein kaum etwas zu bekommen. Dafür war es genug was er gegessen hatte.
      "Du... musst dich nicht mit mir unterhalten, oder anders beschäftigen. Wenn du lieber allein sein willst, lesen willst..." Der Wolf musste Rain nichts recht machen, er half ihm nicht deshalb, fragte sich aber, ob der Wolf nur so tat, als wäre er freundlich, als wollte er Rains Nähe... Vielleicht hatte er diese Gedanken nur, weil er selbst das Gefühl hatte den meisten Menschen einfach nur auf die Nerven zu gehen, dass er alles immer nur Arbeit machte.
    • So weit von Zuhause entfernt, so einsam und allein, was sollte man schon tun? Nayantai wusste sich selbst nicht zu helfen, wollte es eigentlich auch gar nicht - er hatte akzeptiert, dass er viel eher in der unkenntlichen Dunkelheit versinken sollte, die ihn auf Schritt und Tritt zu verfolgen schien, aber was dann? Hatte er sich erst einmal in diese gestoßen, so gab es kein Entkommen mehr, egal wie sehr man es auch versuchte. Eingenommen von der Finsternis, von den Schatten dieser Welt, gab es nicht sonderlich viel, das man tun konnte, außer die stickige Luft einzuatmen, die einen umgab, während man seine Zeit damit fristete, zu hoffen, man würde seines Lebens alsbald beraubt werden, wollte man doch ein weiteres, langgezogenes Leiden vermeiden. Wüsste es der Wolf jedoch nicht besser, oder bildete es sich zumindest auf diese Art und Weise ein, dann würde er beinahe behaupten, all die Sorgen, die er sich selbst machte waren unberechtigt. Es ging ihnen gut, er müsste es sich nur lange genug einreden, damit er es auch selbst glauben würde - leichter gesagt als schlussendlich getan. "Dir ist nicht langweilig? Bist du dir sicher?", fragte der Wolf, hatte die Augen beinahe schon aufgerissen - er war erstaunt darüber, dass Rain noch nicht den Gefallen an ihm verloren hatte, an dem Wolf, der nicht sonderlich viel mit sich brachte, außer Schmerzen und Geschichten, einen gebrochenen Geist. "Danke, es bedeutet mir wohl mehr als es sollte", lachte er leicht, mit gedämpfter Stimme, war sich sicher, dass es bald nicht mehr viel zu lachen gäbe, auch wenn es die beste Medizin war, die er haben konnte.

      "Rain", hallte es in der kurzen Stille wieder, die die beiden gerne umgab, wenn keiner von ihnen sich sicher war, was genau er sagen sollte. "Ist dir noch immer kalt?" Auch, wenn es erst dunkel wurde und im Kamin noch ein Feuer brannte, so wusste Nayantai, dass das Lamm sich wohl nicht mehr weit bewegen würde, bevor er die elendige Decke wieder mit sich durch die Gegend schleppte, die ihm keineswegs zu helfen schien. "Wenn du schon ...", er brach ab. Konnte er dem Blonden das überhaupt vorwerfen? Nach dessen letzten Worten vermutlich schon, drückte er seine Hand doch ein Stück fester zurück, wollte sie nicht mehr loslassen. "Wenn du schon nicht neben mir schlafen willst, dann lauf mir zumindest jetzt nicht davon", seufzte der Wolf, der die Augen für eine Sekunde wieder schloss, aber keineswegs so müde war, dass er gleich hier wieder einschlafen sollte, nicht jetzt, nicht an Ort und Stelle und sowieso nicht in den nächsten Stunden, außer die Müdigkeit ließe sich nicht länger abschütteln. Nayantai sah an sich herab, merkte, dass manch blauer Fleck vermutlich spätestens morgen keiner mehr wäre, dass sein Körper heilte, weil man ihm endlich die Zeit zu ruhen gab, die er eigentlich brauchte. "Ohne dich wäre es furchtbar langweilig und noch schmerzvoller hier zu sein, als es ohnehin schon ist."
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    • "Ich bin sicher. Sei einfach du selbst.", antwortete Rain, ihm war ja auch tatsächlich nicht langweilig und es würde ihm auch nicht langweilig werden, sollte der Wolf ihn nach draußen schicken. Zu viele Gedanken drehten sich um ihn, zu viele Fragen schossen Rain durch den Kopf, als dass ihm tatsächlich langweilig werden konnte. Wenn er hier neben dem Wolf saß, hatte er erstaunlicherweise kaum Fragen... genoss einfach nur die Stille und die Anwesenheit eines Menschen, der ihn besser verstand als manch anderer hier. Auch wenn der Wolf ebenfalls anfing sich um Rain zu Sorgen, so war es anders als wenn Sara das tat, oder Eraqus, oder der Arzt. Trotzdem ärgerte es ihn ein wenig, dass selbst der fremde Wolf Rain ansehen konnte, dass etwas mit ihm nicht stimmte, auch wenn er das Ausmaß vermutlich nicht einmal erahnen konnte.

      "Mir... ist...", Rain stoppte. War ihm denn kalt? Er... er hatte das Gefühl ihm war immer kalt, aber die Kälte entsprang nicht unbedingt der kalten Luft in einem Raum, sie hatte sich in ihm festgesetzt, ließ ihn erschaudern, zittern und frieren. Er konnte mit Wintermantel und Decke neben einem Feuer sitzen und trotzdem fühlte es sich nicht warm an, es war nicht einmal seine Haut die sich am kältesten anfühlte, seine Knochen waren es, als wären sie aus Eisen und würden sich deshalb nicht aufwärmen lassen wollen. Also ja, ihm war kalt, nicht unbedingt auf die Weise nach der der Wolf fragte, aber gleichzeitig wurde es auch dunkel, die Kälte draußen stärker. Sie drückte sich an das Fenster, durch das Fenster hindurch, wie ein Dämon oder der Tod höchstpersönlich, der schon sein Leben lang nach Rain griff. "Ein wenig...", antwortete er also, senkte den Blick auf den Boden. "Sara hat gesagt... sie näht mir etwas, angelehnt an deine Kleidung.", erzählte er weiter, lächelte ein falsches Lächeln, er wusste all das half am Ende nichts. Vielleicht war es nicht so schlimm, wenn der Wolf im Frühjahr verschwinden würde, womöglich erlebte Rain sowieso keinen weiteren Winter mehr... Wie auch der Wolf, verstärkten die zarten Finger des Lammes den Griff um Nayantais Hand.

      "Neben dir schlafen, also das...", wiederholte Rain, wurde zum Glück aus seinen trüben Gedanken gerissen und war stattdessen wieder etwas verlegen. Jedoch führte auch dieses Thema nur wieder dazu, dass Rain Verantwortung zu tragen hatte, dass er das hier nicht tun sollte, was auch immer das war. Er hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass der Wolf sich seiner taten treu blieb, offen sagte, dass er ihn nicht nur mit in sein Bett gezogen hatte, weil er verdammt müde und verletzt gewesen war. Obwohl... vielleicht war er das einfach immer noch, trotzdem fragte Rain, zumal er den nächsten Satz nicht richtig verstehen konnte: "Wieso... willst du das denn überhaupt?"
    • War der Wind in Faerghus auch so stark, wenn erst ein Gewitter aufzog? Um sich das zu beantworten müsste er wohl eine Weile bleiben, viel länger, als der Schnee sich Herr des Landes nannte und es fest umklammert in seinen Krallen hielt - viel länger, als der Wolf bleiben wollte, um sich daran zu entsinnen, wie genau sich heulender Wind anhörte. "Wenn du meinst", sprach der Wolf, der in der immer finsteren Dunkelheit etwas erkennen wollte, das mehr als schemenhafte Umrisse waren, die er nicht gänzlich zuordnen konnte. Viel lieber war er hier, klammerte sich an R- Nein. Was zum Teufel dachte Nayantai? Müdigkeit war ihm schon beinahe kein Begriff mehr und doch wollte er sich nicht von Rain lösen, auch dann, als er realisierte, dass er an Dinge dachte, die ihm nicht auch nur für eine Sekunde in den Sinn kommen durften, die von Schwäche zeugten, davon, dass er aufgegeben hatte - obwohl er all das nicht wirklich wollte. Der Wolf brummte, schloss die Augen wieder und wünschte sich, zumindest für den Moment, dass er hier nicht neben Rain, in dessem Steinhaus saß, sondern irgendwo in seinem Zelt aber ... mit wem? Das Bild war verschwommen, unkenntlich - der Wolf öffnete die Augen wieder, wollte davon nichts wissen. "Ein wenig? Soll ich dir meine Kleidung wieder anziehen?", fragte er nach, griff allerdings schon nach dem Stück Stoff, das er sein eigen nannte - eines der wenigen Dinge, die Nayantai überhaupt noch gehörten. Ohne auf eine Antwort oder ähnliches zu warten, löste sich seine Hand und sein Kopf von dem Blonden, damit er das Oberteil zumindest über dessen Schultern legen konnte. Kaum geschehen griff Nayantai wieder nach der Hand, die er sichtlich nicht loslassen wollte.

      "Sara ist ziemlich fleißig, hm?" Würde man Nayantai wohl mehr als nur einen Tag dazu verdammen, Kleidung nähen zu lassen, die nicht für ihn oder den Rest seiner Familie war, würde er wohl alsbald die Flinte ins Korn werfen und vor lauter Trotz auf den nächstbesten, wahrscheinlich zugefrorenen See oder Fluss, spazieren und dort seinen Frust abzulassen, der sich über die letzten Tage hinweg aufgestaut hatte. War man bei derartigen Vorhaben nicht vorsichtig, so versank man jedoch. Instinktiv griff seine Hand nach der des Lammes, als hätte er sich erneut an etwas erinnert, das er gar nicht erst wissen wollte. "Wieso?", wieso auch nicht? Aber das war keine gute Antwort, gleich wenig wie die Wahrheit - die, das Nayantai einsam war und sich nicht erinnern konnte, sein Bett nicht geteilt zu haben - keine gute Antwort war. Waren es nicht seine Geschwister oder andere Jungspunde, auf die er noch zu später Stunde ein müdes Auge hätte werfen sollen. Doch danach herrschte Leere, obwohl der Wolf wusste, dass er keineswegs alleine in seinem Bett gelegen hatte. Aber ... wer? "Ich glaube, ich bin allein schlafen nicht gewohnt", selbst, wenn man ein Jahr alleine in einem dunklen Kerker verbrachte, dann waren Angewohnheiten schwer abzutöten - dem Prinz der Wölfe ging es nicht anders, sollte es auch gleich gar nicht erst anders gehen. Mit der freien Hand griff er sich unbewusst an den Hals, wollte nach etwas fassen, das dort nicht war - sich von negativen Gedanken ablenken, aus diesen flüchten. Sein Blick fiel wieder auf den Talisman, dessen Umriss er erhaschen konnte. Irgendetwas passte nicht zusammen, aber was, das wusste der Wolf nicht. "Allerdings kann ich dich nicht dazu zwingen, neben mir zu schlafen - außer, du willst das."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain sah zu, wie der Wolf ihm erneut seine Kleidung um die Schulter legte. Er lächelte und nutzte seine freie Hand, um den Stoff enger um sich zu ziehen, unterdrückte in Husten. Es wurde schwieriger sein Lächeln aufrecht zu erhalten und seinen Körper so wirken zu lassen, als wäre alles in Ordnung. Aber solange er kein Fieber hatte, wollte er die Zeit mit Nayantai nutzen, zumal dieser offenbar nicht alleine sein wollte. "Danke...", murmelte er, wusste die Geste wirklich zu schätzen. Nun war Rain es, der sich am liebsten einfach zu Seite kippen hätte lassen, um seinen Kopf auf der Schulter des Wolfes abzulegen, aber er tat es nicht, hielt nur weiter seine Hand. Die warmen Finger wärmten seine eigenen etwas auf, Rain hatte immer kalte Hände...

      "Mhm...sie arbeitet viel.", nickte Rain, als der Wolf über Sara sprach. "Sie ist... etwa so alt wie du. Wir sind zusammen aufgewachsen." Wobei sich der Wolf darunter sicher etwas anderes vorstellte. Saras Großmutter hatte für Rains Familie gearbeitet und das kleine Mädchen durfte hier wohnen, jedoch hatte Rain sie nur selten zu Gesicht bekommen. Manchmal hatte sie sich in den Garten geschlichen und Rain hatte von seinem Fenster aus zugesehen. Als sie älter wurde hatte sie angefangen im Anwesen mitzuarbeiten, während Rain entweder gelesen, oder gelernt hatte, oder krank im Bett gelegen hatte, aber das war alles nicht wirklich wichtig.

      Rain sah lieber den Wolf an, der ihm erklärte, warum er sein Bett gerne mit Rain teilen wollte. "Hm... ihr Wölfe lebt wohl alle eng beisammen.", nickte er verstehend. Für die Wölfe schien zusammen zu sein viel wichtiger als für die Schafe. Rain hatte immer schon alleine geschlafen, manchmal war er vielleicht zu seiner Mutter ins Zimmer geschlichen, als er noch klein war, aber sonst hatte er immer alleine in dem selben großen Bett geschlafen. Er wusste nicht, was der dem Wolf aber auf seine indirekt gestellte Frage antworten sollte, sah lieber zur Seite, auf keinen bestimmten Punkt, Hauptsache der Wolf konnte ihm nicht ins Gesicht sehen. "Ein Wolf sollte wohl genauso wenig mit einem Schaf im Bett liegen, wie ein Schaf mit einem Wolf...", murmelte er und seufzte. Es war nicht nötig, dass ihrer beider Völker sich so sehr hassten und doch... Womöglich aber entsprang dies gar nicht der Wahrheit, womöglich waren nur die Schafe diejenigen, die die Wölfe in falschem Licht sahen...? Nein. Er war sich sicher, der Wolf müsste Rain mit demselben Blick ansehen, wie seine Bediensteten den Wolf anblickten. Wieso tat er es nicht?
    • Sie saßen nun also da, aneinander geschmiegt, hofften vermutlich, dass die Welt um sie herum sich aufhörte zu drehen, dass es lediglich Stille wäre, die den beiden blieb und dass sich keiner mehr rührte, obwohl es unwahrscheinlich war, dass genau das eben so eintreten würde. "Bedank dich nicht bei mir - Kleidung hält dich nur eine Zeit lang warm, wenn du die Kälte in deinem Inneren spürst und verbitterst, schafft nicht einmal Kleidung Wärme", seufzte der Wolf, der so viele von ihnen gesehen hatte, die wohl verkümmert wären, hätten sie sich weiter an den Hass gewöhnt, denen sie den Wölfen schenkten. Rain war anders - so ganz und vollkommen. Nayantai wusste selbst nicht, was genau ihn dazu ritt, dem Lamm zu erlauben, ihm so nah zu kommen, seine Hände auf ihn zu legen und mit ihm auf diese Art zu reden, doch was auch immer es war, der Prinz wollte es gar nicht erst wissen, glaubte, es würde nur zu noch mehr Unbehagen führen, zu unnötigen Realisationen, die Nayantai sich getrost sparen konnte. "Also ... mh", vermutlich war die Frage allein schon unangebracht, verhielten sich die Schafe in derartiger Relation doch anders. Ein erneutes Seufzen kam von seinen Lippen, er wusste gar nicht erst, wie oder was genau er das Lamm noch fragen sollte. "Zusammen ... aufgewachsen", murmelte der Wolf etwas gedankenverloren, als würde Rain gerade irgendetwas in ihm wachrütteln, als wollte er sich doch an die verschwommenen Gesichter erinnern, die er nicht wiedererkennen würde, selbst, wenn er sie vor sich hatte. Aber warum auch? Die letzten Worte, die Erklärung, nach der er nicht sonderlich gefragt hatte, traf nicht nur deshalb auf taube Ohren, weil Nayantai nicht verstand, sondern auch, weil er sich gerade mit anderen Dingen beschäftigte.

      "Mh, nein, das ist es nicht", meinte er, starrte weiter auf den Punkt an der Wand, wusste nicht so recht, wie er das mulmige Gefühl in seiner Magengegend deuten sollte, war sich nicht im Klaren darüber, was genau er vergessen hatte oder überhaupt weswegen. "Es gibt irgendwas, an das ich mich einfach nicht erinnern kann", raunte Nayantai. Irgendwie fühlte er sich verloren, alleine gelassen und missverstanden, wusste nicht, wieso oder weshalb sich überhaupt auf das Niveau eines einfachen Schafes herab begab, warum ausgerechnet er es war, der sich so sehr an das Lamm schmiegte, das ihm eigentlich egal sein könnte. Was fehlte ihm? War es wirklich die Zuwendung? "Und?", wollte Nayantai nach Rain's Aussage wissen. Schaf oder Wolf, es war doch vollkommen egal. "Wieso nennen wir einander so? Es wirk beinahe, als könnte kein Adrestianer einem Thrianer jemals Schaden zufügen, sondern als wären wir es, die kaltblütig auf euch einfallen, euer Land stehlen und eure Familien entführen." Seine Stimmung sollte eigentlich betrübt sein, aber es war nun einmal lediglich ein Fakt - seine Meinung, die er kundtat, von der er wusste, dass sie auf Unmut stoßen würde, dass sie ihm Peitschenhiebe einbringen konnte, verstand man ihn. Schließlich löste Nayantai sich von dem Lamm, zumindest seinen Kopf, drückte aber dessen Hand weiterhin. "Wen kümmert es schon, wer mit wem in einem Bett schläft, wenn all diese Dinge sowieso bald keine Rolle mehr spielen werden? Uns Wölfe wird es ohnehin bald nicht mehr geben", zischte er, wusste nicht, ob er aufstehen sollte, aber schlussendlich blieb er einfach dort, wo er war. "Und wenn es dich anwidern würde, dann würdest du meine Hand nicht freiwillig halten."
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    • "Erinnern...?", wiederholte Rain fragend. Er glaubte nicht, dass er dem Wolf helfen konnte sich an etwas zu erinnern, das er vergessen hatte, aber vielleicht hatte er aus gutem Grund vergessen. Vielleicht gab es etwas, das zu schmerzhaft wäre, um sich daran zu erinnern, das ihm am Ende den letzten Schubs geben würde, der ihn in den Abgrund riss, aus dem er nicht mehr entkommen konnte. Rain glaubte, der Wolf war kurz davor sein Leben aufzugeben, dass er glaubte nichts konnte ihn, oder sein Volk noch retten. Rain konnte nicht behaupten, dass es Hoffnung gab, dass die Wölfe ihr Land zurück erobern konnten, aber dennoch konnte der Wolf nach Hause kehren zu denen, die hoffentlich noch lebten und sich auf ihn verlassen. Vielleicht fanden sie eine neue Heimat... auch wenn es ungerecht war.

      Das Folgende ging Rain etwas zu schnell, aber er glaubte er verstand den Kern von Nayantais Aussage. Er sah ihn an, jetzt wo er seinen Kopf von Rains Schulter genommen hatte. Natürlich war es im Grunde dumm sich so zu verhalten, die Wölfe als anders zu betrachten und auch war es dumm sich darüber Sorgen zu machen, was andere denken konnten, aber so war die Gesellschaft der Schafe nunmal. Was man tat war wichtig, wie man sich verhielt ausschlaggebend. Wenn Rain auf die eine oder andere Weise sein Gesicht verlieren würde, weil jemand die Zeit die er mit dem Wolf verbrachte anders darstellte, dann konnte ganz Fhaergus in Gefahr sein. Und was sollte er machen, wenn sein Vater nicht zu Hause war, um seine Armee anzuführen und das Land zu verteidigen? Was sollte Rain machen, wenn er die Gunst des Königs verlor und ein Fürst diesen Zustand ausnutzen wollte um sein Land zu vergrößern? Es gab so vieles auf das Rain immer achten musste, obwohl er sich oft dachte, dass Fhaergus früher oder später sowieso unterging. Sein Vater und er selbst waren die letzten Überlebenden ihrer Linie, wer sollte das Land also eines Tages führen, wenn Rain und sein Vater nicht mehr waren?

      Rain drückte unbewusst die Hand des Wolfes fester, wandte den Blick wieder ab und zum ersten Mal schien es ihm nicht zu gelingen sein Lächeln aufrecht zu erhalten. Er hatte genug von all dem, er hatte genug von der Verantwortung, der er noch nie gewachsen war und von den Erwartungen die er nie erfüllen konnte. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn er als Verräter der Krone in die Geschichte einging, dann erinnerte man sich wenigstens an ihn, weil er dem Prinz der Wölfe Zuflucht gewährt hatte. Die ganze Zeit über bewegte er sich schon auf einem schmalen Grad, wusste nicht warum er sich und viele andere damit in Gefahr brachte und doch machte er weiter, half dem Wolf zu überleben. Auf der anderen Seite fragte er sich, warum er die Linie nicht ganz übertrat, für das was er bisher für den Wolf getan hatte, konnte man ihn hängen lassen, wieso also jetzt zögern? Rain schloss seine Augen, legte seine freie Hand über seine Augen, massierte für einen Moment seine Stirn als hätte er Kopfschmerzen und wischte sich anschließend eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel, die ihm mehr als unangenehm war. Darauf hoffend, dass der Wolf es nicht bemerkt hatte, schüttelte er leicht seinen Kopf, versuchte wieder zu lächeln, wusste aber nicht was er sagen sollte.
    • Vermutlich war die Antwort, nach der er suchte, irgendwo unter all dem Fleisch und den Wunden begraben, die seinen Körper nicht nur zeichneten, sondern auch auszumachen schienen. Es waren Schmerzen, viel zu viele von ihnen, als dass er sie wirklich auf sich nehmen wollte, nur damit er dazu käme, etwas über sich zu erfahren, dass in diesem Moment nicht sonderlich relevant erschien, sondern eher so, als wäre es kein Problem für ihn gewesen, dass er vergaß - dass er sich nicht auskannte, nicht mehr wusste wohin mit ihm. "Irgendetwas fehlt mir, aber ich weiß nicht, was", sagte der Wolf gerade heraus. Es war vorbei damit, sich verstecken zu müssen - er wollte es nicht länger tun, sah keinerlei Sinn darin, sich weiterhin wie ein wildes Tier zu verhalten - ob es ein Fehler war, den er im Endeffekt bereuen würde, das müsste er erst herausfinden. Gleich, wie er ergründen wollte, was genau ihn plagte und was ihn an dem Lamm so in den Bann zog, dass er sich nicht von diesem losreißen konnte, oder gar wollte, je mehr er es versuchte. Nayantai kam nicht darum herum, selbst den Kopf zu schütteln, die Ruhe für den Moment, der keineswegs ein langer war, zu genießen - was kam danach? Vermutlich heißes Wasser, in dem er sich ertränken konnte, ließe er es darauf ankommen. Dennoch, wer wollte auch schon die Leiche eines Wolfes, dem man durchaus nicht feindlich gesinnt war, in seinem eigenen Gemäuer wissen? Keiner, hoffte er zumindest, als er nicht ganze wusste wohin mit ihm, wohin mit seiner freien Hand. Sollte er sich auf Rain stürzen? Ihm die Kehle aufreißen? Nein, dafür gäbe es später genug Zeit, wenn er es denn überhaupt erst wollen würde.

      "Mh", bemerkte er nur, sah zu dem Lamm und versuchte herauszufinden, was dieses plagen könnte. Vermutlich Gedanken, die ihn darauf hinwiesen, dass es nicht mehr für ihn gab, außer diese triste, trostlose Welt in der er geboren wurde. Musste man nicht erst schrecklich einsam sein, durchlebte man derartige Dinge? So viel mehr als das vermutlich. "An was denkst du?", fragte er. Genau wissen konnte man es nie, unsicher war er sich ohnehin, glaubte beinahe, man würde ihm noch die Tür zeigen, oder gar den Weg zum Kerker, verhielt er sich nicht entsprechend oder käme er dem Lamm noch viel näher als er es ohnehin schon getan hatte. Nayantai schluckte. Ja, wohin mit ihm, wenn Rain ihm nicht mehr gnädig war? "Mach dir keine Sorgen, wenn du die ganze Zeit lächelst, dann wirkt es eher so, als würdest du dich dazu zwingen", ließ der Wolf ihn wissen, der nur gesehen hatte, wie sich der Gesichtsausdruck des Lammes verfinstert hatte und er, so wie es aussah, er nicht wollte, dass man ihn dabei erwischte. Nayantai zog einen Mundwinkel mit seiner freien Hand nach oben, machte sich gar nicht erst die Mühe, zu verstecken, dass dieses Lächeln keineswegs echt war. "Hin und wieder ... da wünsche ich mir einfach, dass ich noch immer Zuhause wäre - dass all das hier gar nicht erst passiert wäre", murrte Nayantai. Prinz hin oder her, er konnte seinem eigenen Land nicht helfen und war für Schafe nichts weiter als ein kaum verwertbares Stück Fleisch.
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    • Rain schüttelte den Kopf, lächelte trotz der Worte des Wolfes. Es waren seine eigenen Probleme, die den Wolf nicht kümmern sollten und vermutlich auch nicht interessierten. Es machte keinen Sinn zu versuchen ihn in irgendetwas einzuweihen, oder mit ihm zu sprechen. Es machte keinen Sinn, wenn der Wolf sich mit mehr als nur seinen eigenen Problemen herum schlagen musste, die so viel größer waren, als die Lächerlichkeiten die Rain beschäftigten. Er räusperte sich, sah den Wolf wieder an. "Schon gut.", meinte er, "Ich habe tatsächlich Spaß mit dir und freue mich, dass du hier bist." Er zog die Kleidung des Wolfes enger um sich, die zwar schon einmal gründlich gewaschen wurde, aber trotzdem nach ihm roch, nachdem er nun zwei Tage lang darauf geschlafen hatte. Rain schloss für einen Moment die Augen, sammelte sich, bevor er sich dem Wolf wieder zu wandte und eine Hand auf seine Brust legte. "Ich hoffe du findest was du verloren hast.", lächelte er, suchte den Blick des Wolfes. Er hatte so vieles verloren, so vieles verpasst und er wusste vermutlich gar nicht, wie es um seine Heimat und seine Familie stand. Es musste schwer sein jetzt auch noch hier fest zu sitzen, ohne die Chance diejenigen wieder zu finden, die er liebte und denen zu helfen, denen er verpflichtet war.

      Machte es jedoch Sinn deshalb trübsal zu blasen? Vermutlich nicht, der Wolf konnte die Zeit hier nutzen um sich auszuruhen, wieder zu kräften zu kommen, bald konnte er sich wieder genug bewegen um womöglich trainieren zu können. Rain wollte ihm nicht versprechen ihn gehen zu lassen, auch wenn er es wirklich vor hatte, aber er hoffte, dass der Wolf einfach daran glaubte hier weg zu kommen und er hoffte auch, dass er nichts dummes machte und versuchte auf eigene Faust zu fliehen. "Ich weiß... du willst nicht hier sein, hier weg, aber... nutze die Zeit bis der Schnee schmilzt, damit dein Körper und deine Seele heilen können. Ein ausgeruhter Wolf kämpft bestimmt besser."
    • War man erst in einem fremden Land wie diesem gefangen, so merkte man schnell, dass es mehr als ein paar Unterschiede gab - dass so viele der besagten Unterschiede nicht mehr waren als einfache Heuchlereien, als versteckte Tatsachen deren Sinn sich einem Fremden ohne Erklärung nicht erschloss. Die Wahrheit war, in diesem oder in jenem Fall, dass Nayantai nicht so recht wusste, wo ihm der Kopf stand - dass er nicht verstand, wohin mit ihm, oder was genau er mit sich selbst anzustellen hatte, damit es ihm besser ging, damit er sich selbst endlich einen Heilungsprozess ermöglichte, der nicht darauf ausgelegt war, sich selbst zu zerstören, damit man alten Schmerz mit neuem überschreiben konnte. Worte waren undeutlich, Gesichter unkenntlich und die Vergangenheit verloren, verlassen und weggesperrt - der Wolfsprinz hatte keinerlei Ahnung wohin mit ihm, was man noch mit ihm anstellen würde, begebe er sich wieder freiwillig in die Arme des Kaisers, der anfangs lediglich ein Juwel besitzen wollte, das es so nicht gab. "Rain ... ich. Ich bin nicht für die Ewigkeit." Nein, Nayantai würde nicht hierbleiben, nicht an diesem Ort, hatte sich wohl noch keinen Narren an dem schwachen Lamm gefressen oder einen großartigen Beschützerinstinkt gegenüber diesem entwickelt. Die Hoffnung, er würde nicht verstanden werden war für eine Sekunde dennoch größer als das Verlangen nach Freiheit. "Ich hoffe es auch - ansonsten plagt es mich spätestens in meinen Träumen", jammerte er, wusste, dass es so viel mehr in dieser fremden, schemenhaften Welt zu entdecken gab als das aufziehende Gewitter, dessen Ursprung er nicht kannte. Sein Vater war es nicht, gleich wenig wie es seine Brüder waren - aber die feine Stimme, die aus nichts mehr als dem Meeresrauschen bestand - wem gehörte sie dann? "Ansonsten verliere ich noch den Verstand", sagte er, griff nach dem alten Haarband, das auch irgendwo auf dem Nachttisch gelegen hatte und nahm die seine Hand von der Rains.

      "Was denkst du eigentlich über mich?", wollte er wissen, stand von seinem Platz auf und strich dem Lamm durch die Haare. Das Band landete zwischen seinen Lippen und auch wenn es wohl schon zu viel Staub und Dreck auf seiner Reise gesehen hatte, erfüllte es seinen Zweck. Etwas unsanft war der Moment, als er das Haarband um die durchaus kürzeren Haare befestigte - das Blau stand Rain dennoch, auch, wenn er wohl nicht die richtige Haarlänge für einen Zopf besaß. "Bin ich wie ein Haustier für dich?" Nayantai konnte ein beinahe schon aufgelockertes Kichern nicht verkneifen, etwas, das er in den letzten Monaten nicht oft getan hatte - und als er fertig damit war, griff er nach der einen und dann der zweiten Hand des Lammes, nur, um ihn auf seine Beine zu ziehen. "Was auch immer es ist, ich will es irgendwie gar nicht wissen", vielleicht würde es dieses Weltbild betrüben, das der Wolf sich in den wenigen Tagen aufgebaut hatte, dass Rain ihn gar nicht mochte, sondern lediglich als die Trophäe ansah, die er vermutlich hätte sein können, hätte man ihn wortwörtlich erlegt. Sein Herz pochte, sein Kopf fühlte sich schwer an und seine Hände taten das, was sie am besten konnten - etwas packen. Vermutlich hielt er Rain schlussendlich wieder in seinen Armen, drückte diesen an sich und drückte sein Gesicht gegen dessen Brust - wohin nur mit ihm, mit all diesen wirren Gedanken. "Ich habe miserabel geschlafen", brummte Nayantai, wohlwissend, dass er nicht die ganze Wahrheit sprach.
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    • "Ewigkeit?", wiederholte er das Wort das er nicht kannte. Hätte er verstanden, dann hätte er dem durchaus zugestimmt. Er wusste, der Wolf würde nicht ewig hier bleiben und selbst wenn Rain versuchte ihn hier einzusperren, er würde eines Tages einen Weg finden zu entkommen, lebend oder tot spielte dabei irgendwann keine Rolle mehr. Aber Rain wollte sich ehrlich gesagt um sowas keine Gedanken machen, wenn der Schnee Nayantai ohnehin noch mehrere Monate hier fest hielt und er noch genügend Gelegenheit haben würde, sich zu überlegen wie er weiter machen wollte.

      Rain sah zu wie der Wolf sich von ihm löste, aufstand und sich schließlich mit dem alten Haarband vor ihn stellte. Rain sah zu ihm auf, Nayantai war ohnehin groß, aber jetzt, von hier unten, sah er noch größer aus, angst hatte das Lamm trotzdem keine. Womöglich, weil er noch nie einen Wolf getroffen hatte, weil er noch nie blutend auf dem Boden gelegen hatte, während ein Wolf dabei war, ihm seinen Speer in die Rippen zu rammen... Rain war sich sicher, dass beide Seiten gleichermaßen brutal kämpften und vor dem Töten keinen halt machten.
      Der Wolf vor ihm jedoch, auch wenn er getötet hatte, genauso wie Rains Vater getötet hatte, wirkte auf den Fürstensohn nicht bedrohlich. Er glaubte ihm was er sagte und kaufte ihm ab was er tat. Er merkte wie Nayantai seine Nähe suchte und Rain hielt sich nur etwas zurück, weil er sich Sorgen machte, um mehrerlei Dinge. Und er hielt sich auch zurück, weil er offen gesagt keine Ahnung hatte, was eigentlich passierte, wie er damit umgehen sollte und was das was er fühlte bedeutete.

      Statt sich aber den Kpf darüber zu zerbrechen, schielte er nach oben, als könne er sehen was Nayantai mit seinen Haaren machte, ob es ihn störte, dass die blonden Strähnen ständig in Rains Gesicht hingen? Immerhin wollte er sie erneut beiseite wischen und diesmal womöglich sogar befestigen. "Haustier...?", erfragte Rain auch dieses Wort, sah immer noch zu dem Wolf auf. Hätte er verstanden, hätte er es verneint, wobei er sich selbst Sorgen machte, dass der Wolf nur so freundlich zu ihm war, damit er nicht wieder in einen Kerker geworfen wurde, dabei war das gar nicht nötig. Er hätte jedoch keine Gelegenheit gehabt zu antworten, denn der Wolf packte seine Hände und zog Rain auf die Beine. Rain war erneut etwas verwirrt, verwirrt darüber was der Wolf machte, was er wollte, ob er sich was dabei dachte und verwirrt darüber, wie er sich selbst fühlte, wie er reagieren sollte, was es war, das ihn den Wolf nicht von sich stoßen ließ. "Du bist noch müde?", fragte er den Wolf schmunzelnd. "Das kann doch gar nicht sein." Er lächelte erneut, wartete noch einen Moment ohne sich zu bewegen, bevor er den Wolf jedoch endlich ins Bad bewegen wollte. "Das Badewasser wird kalt, wenn wir uns nicht auf den Weg machen, die Verbände müssen gewechselt werden und... du bist ziemlich verschwitzt, weißt du das?"
    • "Ich habe keine Ahnung, wie ich dir dieses Wort erklären soll - es ist vermutlich ohnehin besser, wenn du es nicht weißt", der Wolf würde sich noch grämen, bemerkte das Lamm erst, was er in diesem Moment gesagt hatte. Die Wogen der Beziehung - wenn man das, was die beiden miteinander teilten überhaupt so nennen konnten - würden sich wohl auch erst glätten lassen, wenn es darauf ankäme. Von oben auf das Lamm herabzustarren lag ihm nicht, auch wenn besagtes Lamm einen ganzen Kopf kleiner als er war und ihm nicht sonderlich dabei helfen konnte, diese Schlacht zu führen, die noch vor ihm stand. Nayantai wusste, dass er sich immer weiter und immer tiefer in den Treibsand ritt, in dem er ohnehin stand, je mehr er versuchte, Rain näher zu kommen - je eher er sich einredete, dass er noch nicht ganz verrückt geworden war, sondern einfach nur das tat, was er brauchte, um zu überleben. In diesem Fall wohl die Zuneigung eines Lammes, dessen Worte wie Balsam für eine geschundene Seele sein konnten. "Wenn du mich hasst, dann hättest du es mir wohl längst deutlich gemacht", seufzte der Wolf, dessen Idee von der Welt der Schafe immer weiter gefestigt wurde, selbst wenn er nur mit einem Bein in dieser stand und sich nicht sonderlich sicher darüber war, was er erst tun würde, wenn Rain ihm tatsächlich eröffnete, dass er nicht mehr für ihn war als ein einfacher Sklave, dem er erlaubte, sich zu vergnügen, bis es ihm besser ging, weil er einen geschundenen Sklaven nicht brauchen konnte.

      Kaum hatte er sich an den Blonden angeschmiegt, versuchte noch immer zu ergründen, wieso seine Gedanken so finster waren, wurde ihm eines klar: Er sollte das hier nicht tun. Nayantai wollte dennoch nicht loslassen, auch, wenn er es sollte und vermutlich auch gewollt hätte, kannte er Rain noch ein Stück weniger. "Haustier. Mh. Halsband. Zahmer Wolf", raunte er, wusste, dass er so etwas wohl nie für den Adeligen sein würde, wollte aber dennoch eine glasklare Bestätigung aus dessen Mund vernehmen, als wäre es alles, was es brauchte, um die Wölfe von ihrem Leid zu befreien - oder zumindest das schlechte Gewissen Nayantai's, der Rain noch immer in seinen Armen hielt, befriedigen würde und ihm sagte, er tat nichts Falsches. "Ja, ist das so abwegig?", murrte der Wolf eher spielerisch, als dass er es ernst meinte und mit Rain auf Kriegsfuß stand. Wieso sollte er sich eigentlich rühren? Nun, vermutlich weil man ihm gerade gesagt hatte, dass er dringend ein Bad notwendig hatte. Plötzlich ließ er wieder von Rain ab, verschränkte die Arme und versuchte, einen ernsten Blick auf das Schaf zu werfen, bevor er schmunzelte und dann anfing, zu lachen. "Da sagt mir ein Schaf doch tatsächlich, ich solle mich waschen, obwohl ich ihm gerade meine Zuwendung zeigen will ... Rain, du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank", er schüttelte den Kopf, bevor er sich schlussendlich zur Tür begab. Nayantai hatte keine Ahnung, wo das Bad war - wollte er sich Hilfe suchen? Nein. Sollte er das tun? Definitiv.
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    • Der Wolf sprach un sprach und Rain verstand kein Wort, vielleicht war das alles auch gar nicht für seine Ohren bestimmt. Nicht einmal im Gesicht des Wolfes konnte er lesen, in welche Richtung was auch immer er sagte ging und so schwieg Rain, bis ihm die Bedeutung des Wortes Haustier mit mehr Worten, die er nicht kannte erklärt wurde, aber er glaubte zu verstehen. "Ah Haustier. Nein, natürlich bist du das nicht.", erklärte Rain, als wäre es vollkommen abwegig auf so einen Gedanken zu kommen, aber er verstand, warum der Wolf das fragte, mehr als ihm zu Bestätigen, dass es nicht so war, konnte er jedoch nicht tun.

      Schließlich, womöglich weil es dem Wolf nun doch unangenehm war Rain zu umarmen, war er doch vor wenigen Minuten noch schweißgebadet aufgewacht, ließ der Wolf ihn los. Der strenge Blick des Wolfes fiel binnen Sekunden in sich zusammen und Rain hörte ihn wohl zum ersten Mal lachen. Er hatte sich ein Lachen tiefer, donnernder vorgestellt, aber es war eigentlich ganz nett, er wirkte überhaupt nicht bedrohlich. Rain verstand nicht ganz was er sagte, lächelte aber trotzdem ehrlich, weil er sich einfach darüber freute, dass Nayantai guter Laune war. Schließlich begab er sich doch zur Tür und Rain folgte ihm, in dem Wissen, dass dieses Haus wie ein Labyrinth für ihn sein musste. Er nahm also seine Hand, als der Wolf einmal nach links und recht schaute und zog ihn mit sich. Das Bad war nur zwei Türen weiter. "Wir waren hier schon mal. Erinnerst du dich?", lächelte er und blieb mit Nayantai vor der Tür stehen. "Es liegt alles bereit. Ich habe die Wachen fortgeschickt, du kannst dich also frei bewegen." Rain war nicht sicher, ob Nayantai verstand, was Rain da sagte, aber er würde es schon merken, wenn er keine Soldaten mehr sah. Rain deutete lieber auf Nayantais Wunde. "Brauchst du Hilfe?"