spellbound. (earinor & akira)

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    • "Ich dachte nur, dass du gestern eventuell nicht gleich ins Bett wolltest. Deswegen.", erläuterte Nayantai. Vermutlich hätte Rain ihm das auch gebeichtet, so feig war er immerhin nicht, aber gleichzeitig wusste der Wolf, dass er sich um etwas Schlaf gerissen hatte, als hänge sein Leben davon ab. Wieso auch nicht? Mehr, als in seinen tiefsten Träumen zu versinken hatte er gestern ohnehin nicht geplant, und doch fühlte er sich gleichermaßen schuldig, weil das Energiebündel in seinen offenen Armen andere Ideen gehabt haben könnte. Ein leises Murren verließ seine Lippen. "Gar nichts? Hast du wenigstens gut geschlafen?" Es gab keine Asche, aus der sie prophetische Träume deuten würden, aber es gab zunehmend mehr Fragen, die sich Nayantai früher oder später stellen musste. Alles und jeden zu analysieren lag weder in seiner Familie, noch war es sonderlich rechtens - das musste er zugeben und akzeptieren, aber gleichermaßen wollte er das vielleicht gar nicht. "Ich habe gut geschlafen, aber meine Träume waren ... komisch. Ich glaube, ich habe Tei und Khasar gesehen, aber wirklich einen Albtraum würde ich es nicht nennen. Es war einfach nur verwirrend." Seine Vergangenheit verfolgte ihn noch immer, und doch wollte er sie gleichermaßen nicht zurücklassen.

      Besitzergreifend wie Nayantai war vergrub er sein Gesicht in Rain Nacken und wollte nicht mehr, als dass dieser Tag besser wurde, als er ohnehin schon war. Sie waren Zuhause angekommen und machten sich gleichermaßen genug Sorgen um etwas, das sie beide wohl nie und nimmer für sich selbst entscheiden würden, wenn es nach dem Rat der Ältesten ging. Ob sein Vater sich auf diese Gestalten einließ? Nayantai hielt es für fraglich. "Ach komm, das sind ein paar alte Greise. Aber ja, vielleicht hast du doch Recht.", zwitscherte Nayantai beinahe schon entschlossen - das Einzige, worüber er sich sicher war, war, dass er Rain nie wieder aus den Augen und aus den Armen lassen wollte und gleichermaßen wusste er auch, dass er sich selbst lieber den Kopf abreißen würde, als zuzugeben, dass er seiner Aufgabe eventuell doch nicht gewachsen war. "Da hast du mich eiskalt erwischt ... aber was, wenn ich dich hier festhalte und nie wieder gehen lasse, hm? Was dann?", witzelte er, ließ aber im selben Moment etwas locker - Rain konnte sich wehren, wenn er wollte, und auch, wenn Nayantai sich benahm wie ein Welpe, so war ihm peinlichst klar, dass er sich damit eventuell einen Gefallen tat. "Ein Spion? Genau, und ich bin dein Wachhund. Wir sollten aufstehen, etwas essen und uns waschen ... außerdem hätte ich gerne nicht muffige Kleidung, und dann können wir deine Dokumente übersetzen. Was meinst du?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Das macht doch nichts. Du kannst schlafen wann du möchtest und ich bin auch nicht sehr viel später eingeschlafen.", erklärte Rain mit einem Lächeln. Nayantai machte sich zu viele Sorgen um Rain. "Ich denke ich habe gut geschlafen. Es tut gut wieder in einer Art Bett zu liegen. All die Geräusche hier bin ich nur nicht gewohnt, ich bin schon länger wach.", gab Rain zu. Der Lärm störte ihn aber nicht, er genoss all die neuen Eindrücke. Fhaergus war immer so still gewesen, da das Anwesen auf einem Hügel fernab der Stadt stand. Selten kam jemand nach oben und selbst wenn die Bediensteten sich einen schönen Abend machten, von Rains Gemächern aus konnte man davon nichts hören. Seine Eltern waren auch nie sehr laut gewesen. Sein Vater hatte sich immer schnell zurück gezogen und auch beim gemeinsamen Essen nicht viel gesprochen. Seine Mutter war allgemein eine ruhige Person gewesen. Sie hatten sich zwar unterhalten, aber laut war keiner von ihnen. Früher hatten Rains Großeltern Hunde gehabt, die hätten vermutlich für ein bisschen mehr Leben im Anwesen gesorgt, aber für Rain hatten sie diese aufgegeben.

      "Auch wenn dein Vater nicht zulassen würde, dass dir etwas passiert, ist es vermutlich einfacher, wenn er sich gar nicht erst mit ihnen streiten muss.", erklärte Rain mit einem Lächeln. Am Besten war wohl sie benahmen sich. "Dir wird bestimmt vor mir langweilig.", lachte er dann und legte seinen eigenen Arm um Nayantai. "Ein Frühstück? Oder Mittagessen? Egal, es ist eine gute Idee.", nickte er, auch wenn die Luft außerhalb all der Felle kalt war und Rain eigentlich gar nicht hervorkommen wollte. "Uns umziehen sollten wir auch, ja. Wir tragen seit Wochen diesselbe Kleidung. Ob dein Vater noch ein paar Dinge von dir hat? Ich weiß, du hast eigentlich nicht mehr hier gewohnt, aber er hat bestimmt etwas aufgehoben! Vielleicht dein Lieblingsspielzeug?", fragte Rain aufgeregt nach. Er wollte gerne mehr von Nayantai wissen, auch wenn es dem Wolf bestimmt peinlich war.
    • "Kein Schlaf mehr für uns, nie wieder, bis ich dir nicht ganz Thria gezeigt habe!", posaunte er heraus. Nayantai wusste zumindest, dass er nicht sein Leben lang mit schlafen verbringen konnte und Rain war sich, offensichtlich, auch darüber im klaren. Dennoch stellten sich ihm mehr als einzelne Fragen, die in seinem Kopf keinerlei Sinn ergaben - er wollte nicht derjenige sein, der sein leben damit verbrachte, nichts zu tun, außer sich die Welt selbst schönzureden - aber gleichermaßen war genau er es, der eben das tat. Wieso auch nicht? Wenn er weiterhin in seiner kleinen, wenn auch feinen aber unmenschlichen Blase lebte, dann würde er nie wieder über irgendeinen seiner Schatten springen können - so viel stand fest, und Nayantai sollte daran festhalten. "Das hier ist ein thrianisches Bett, aber ich kann verstehen, wieso dir eines aus Adrestia lieber ist. Heute Nacht können wir uns ordentlich in diesen Fellhaufen kuscheln, vielleicht auch zwanzig Felle tief.", schlug er Rain vor. Ob sie das wirklich machen konnten blieb, zumindest vorerst, fraglich und doch fühlte er sich gleichermaßen darin bestätigt, es zumindest in Erwägung zu ziehen wenn es ihm einen guten Schlaf bescherte.

      "Hm, ja, vielleicht schon. Aber jetzt wo ich hier bin will ich zumindest etwas ... ein paar Freiheiten schaden doch nicht, selbst wenn ich sie mir nehmen muss.", beschwerte Nayantai sich mit einem Grinsen auf den Lippen. Langsam aber sicher schälte er sie beide aus dem Fellkokon in dem sie sich eingewickelt hatten und, bevor er es wusste, wälzte er sich auch schon aus seinem Bett. Träge fühlte er sich durchaus, aber das tat Nayantai nun einmal immer, und in Wahrheit war er eben nicht bereit dafür, auf zwei wackligen Beinen durch die halbe Weltgeschichte zu grätzeln. "Irgendwas, vielleicht auch frühes Abendessen. Aber davor hätte ich gerne ein Bad." Wie zwei starre Stöcke fühlten sich seine Beine an, aber gleichermaßen musste er sich bewegen - zuerst heizte er das Feuer an und stellte einen Kessel auf, in welchem er so viel Wasser schöpfte, wie irgendwie möglich. Erst dann wanderte er durch das Zelt und, fand hinter einem einigermaßen gut ausgerichteten Vorhang, eine hölzerne Wanne. So bequem und lang wie die in Fhaergus war sie definitiv nicht, aber gleichermaßen hatten sie wohl keine andere Wahl. "Kleidung? Uh, lass mich nachsehen.", murmelte er noch, bevor ihm die Röte leicht in sein Gesicht stieg. "Sei nicht albern, als ob er noch Spielzeug hier herumliegen hat! ... Brauchst du Hilfe?"
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    • "Ich glaube hier zu sein reicht mir erst mal.", lächelte Rain als Antwort. Wenn er ehrlich war, dann wollte er im Moment wirklich nirgends hin. Er wollte entspannen, sich ein bisschen ausruhen und nicht länger durch die halbe Welt reißen. Er hatte sich das wzar immer gewünscht, aber selbst unter besseren Umständen hätte er wohl langsam eine Pause gebraucht. Es war nicht wirklich ihr Zelt und auch nicht Rains Zuhause in dem die sich gerade aufhielten, aber sie hatten einen Platz an dem sie bleiben durften und an den sie zurück kehren konnte. Es war ein schönes Gefühl. "Ich wollte nicht sagen, dass ich es nicht mag, es ist einfach nur sehr anders. Es ist trotzdem bequem und sehr warm.", erklärte er dann schnell. Er wollte das Bett nicht schlecht machen, es sah nur nicht wirklich aus wie ein Bett - das musste es aber auch nicht. Es reichte, dass es warm und bequem war und nachdem sie auf Waldböden, teils schneebedeckt, geschlafen hatten, war eigentlich jede Abwechslung willkommen. Rains Standards waren nicht sehr hoch. Es freue ihn, dass er ein feuer in seiner Nähe hatte und das reichte erst einmal.

      "Nayantai, ich bin sicher, die Ältesten werden nicht zu lange auf sich warten lassen und wenn sie mit uns gesprochen haben und sie bestätigen, dass du immer noch der Thronfolger bist, dann darfst du ohnehin tun und lassen was du willst. Gedulde dich einfach nur ein paar Tage.", schlug Rain lächelnd vor. Er wollte nur das Beste für Nayantai und wenn der Wolf ehrlich war, dann wollte er doch gar nicht gleich wieder aus der Siedlung verschwinden. Er war schließlich nach so langer Zeit endlich wieder Zuhause, das sollte er also auch genießen. "Okay zuerst ein Bad.", nickte Rain. "Was ist eigentlich mit deiner Schwester? Willst du sie gar nicht begrüßen?" Rain war nicht sicher ob er sie selbst treffen wollte, es klang als würde sie Rain vielleicht nicht mögen, aber Nayantai konnte ihn ruhig ein wenig alleine lassen und mit seiner Schwester reden. Rain sah Nayantai dabei zu, wie er wohl ein Bad vorbereitete. Dazu schöpfte er Wasser in einen Topf den er über das Feuer hing, das er ebenfalls wieder entfacht hatte. Eine Art Nische im Zelt, die mit einem Vorhang abgetrennt war, förderte eine Art winzige Badewanne zutage, sobald Nayantai den Vorhang zurückzog. Ob Nayantai überhaupt da reinpasste? "Wieso denn nicht? Dein Vater wirkt als wäre er sehr sentimental, er hat bestimmt etwas von dir aufgehoben.", lächelte Rain und besah sich anschließend seiner Situation. Er kam wohl nicht ohne Hilfe bis zu der Nische, aber das Wasser war sowieso noch nicht bereit. "Ich bleibe einfach erstmal hier sitzen."
    • "Wir waren wirklich lange unterwegs, eigentlich kann ich dir das gar nicht wirklich übel nehmen.", bemerkte Nayantai am Rande. Das waren sie, und sein Rücken schmerzte ohnehin schon - auch, wenn er eigentlich nicht bereit gewesen war, Rain eine Nacht nicht auf sich schlafen zu lassen, damit er zumindest einen einigermaßen stabilen Untergrund hatte. Wieso hatte er sich nicht früher aufgeregt? Weil er ganz einfach wusste, dass es nicht in seinem Sinne stand, zu jammern - Nayantai hatte noch nie wirklich in seinem Leben wegen einer Lappalie gejammert und grundsätzlich wollte er auch nicht mehr, als seine Ruhe zu haben. "Das freut mich! Aber du musst dich wirklich nicht damit abfinden. Ich weiß, dass es anders ist, als das, was du gewohnt bist, aber ich weiß auch, dass du dich vermutlich über alles freust, das nicht gerade der harte Boden ist.", suggerierte er. Ob er damit recht behielt wusste Nayantai nicht, aber er konnte sich zumindest ansatzweise denken, was Rains Problem sein könnte. Abgesehen davon war ohnehin alles ungewohnt und er konnte ihn - vor allem dafür - nicht verurteilen. Wer machte es sich schon gerne in einer ungewohnten Umgebung bequem?

      "Oder sie entscheiden sich dazu, dass sie mich nicht mehr brauchen. Und wenn sie das tun, dann ... keine Ahnung, ich glaube, dann sollten wir in die nächstbeste Siedlung verschwinden, die uns nicht verrät.", murmelte er, eher an sich selbst gerichtet als Rain, bevor er den Blonden wiederum vergeblich anlächeln wollte. Die Situation war doch trüber als angenommen, aber ehrlich gesagt konnte er auch nichts dafür. "Khojin? Ich habe keine Ahnung, ob sie Zuhause ist. Ehrlich gesagt habe ich gestern gar nicht daran gedacht. Uhm. Ich meine, ich vermisse sie, aber ich weiß nicht, ob es so gut ist, wenn sie dich trifft ... ich sollte meinen Vater fragen, ob sie Zuhause ist. Immerhin ist sie momentan die Thronfolgerin.", nuschelte er und kaum war das Wasser in dem Kessel erhitzt, hob er ihn an und kippte ihn in das Becken, bevor er das Prozedere wiederholte, bis sie ein brauchbares Bad in einer winzigen Wanne hatten, die vermutlich groß genug für zwei Kinder wäre. "Ich wette, du willst peinliche Geschichten über mich hören - ich hätte Sara ausquetschen sollen!", witzelte er, als er zurück zum Bett kam und Rain einen Arm anbot. "Du zuerst."
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    • "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so weit reise.", lächelte Rain Nayantai an. "Ich habe mir das immer gewünscht, aber ich bin doch froh jetzt erst einmal nirgends hin zu müssen. Vielleicht können wir irgendwann eine kurze Reise ohne Stress und ohne Verfolger wagen, aber für den Moment möchte ich eigentlich nirgends hin." Er war müde, nicht weil er zu wenig geschlafen hatte, sondern allgemein. Er wusste selbst, dass er für solche Reisen nicht gemacht war, selbst wenn ihnen niemand auf den Fersen war und er musste sich erholen von all den Verletzungen und Krankheiten die ihn heimgesucht hatten. "Solange es warm und weich ist nehme ich jede Art von Bett. So einen großen Unterschied macht es nun wirklich nicht. Wenn überhaupt, dann bin ich nur nicht an ein Zelt gewöhnt und an die Tatsache, dass man draußen so viele Menschen hört." Vielleicht sollte er allgemein aufhören in seiner eigenen Landessprache zu sprechen, sollte jemand zu nahe an dem Zelt vorbeigehen. Ihm fiel auch auf, dass er sich ein wenig beobachtet fühlte, zumindest konnte man ihn durch die Zeltplane hören, wenn man denn wollte und das war ungewohnt.

      "Das glaube ich nicht. Und selbst wenn, dein Vater hat auch noch ein Wörtchen mitzureden und ich wette deine Schwester steht auch auf deiner Seite, nicht wahr?", wollte Rain Nayantai aufmuntern. Es gab genug Leute die ihn unterstützen würden, egal wie die Entscheidung der Ältesten ausfiel. Rain war es, der sich wohl ein wenig mehr Gedanken um sein eigenes Wohl machen sollte. "Du musst mich ihr nicht vorstellen. Ich kann auch eine Weile alleine hier bleiben, wenn du mit ihr sprechen willst." Nayantai musste nicht so viel Rücksicht auf Rain nehmen. Er hatte zwar im Moment nicht wirklich etwas zu tun, aber er würde schon nicht vor Langeweile sterben. Dann ruhte er sich eben aus, oder vielleicht konnte er ihre Kleidung waschen, selbst wenn er soetwas noch nie gemacht hatte. Er sah Nayantai dabei zu, wie er die Badewanne vorbereitete und schließlich wieder zu Rain hinüber kam. Er griff langsam nach seinem Arm und zog sich auf die Beine. "Du könntest dich zuerst waschen und anschließend ein wenig nach draußen gehen, während ich mich wasche.", schlug Rain vor, aber er glaubte kaum, dass Nayantai darauf eingehen wollte und ließ sich hinüber zu der Nische helfen.
    • "Und jetzt bist du hier, irgendwo im nirgendwo, mit mir. Wie hast du das nur angestellt?", fragte Nayantai und gaukelte seinem Lamm in gewisser weise seine eigene Verwirrung vor. In hundert Jahren käme er nicht auf die Idee, sich auf solch hirnrissige Taten einzulassen und doch hatte er es - irgendwo - getan. Sie beide waren nicht mehr als Glückspilze die versuchten, Fuß in einer einseitigen fremden Umgebung zu fassen. Nayantai kannte das Leben hier, wusste, wie lange er hier noch existieren würde; aber Rain war ein Fremder, der sich eigentlich einen Dreck darum scheren musste, wie er von Anderen wahrgenommen wurde. "Wir können hierbleiben, auch, wenn ich gerne ein eigenes Zelt hätte.", murmelte er. Lange war es her, dass er sein eigenes Zelt hatte und noch viel länger war es her, als er freudig in diesem hier gelebt hatte. Entfernt erinnern konnte er sich noch; jeden Morgen herrschte reges Treiben und Rikiyas Augenringe, wenn er sich um Khenbish kümmerte, reichten beinahe bis zum Mond - zum einen weil seine Kinder nie die Klappe hielten und mit den ersten Sonnenstrahlen erwachten, und zum Anderen weil seine Mutter auf dem Schlachtfeld war, irgendwo, verloren im Strudel der Zeit. Nayantai war, als Zweitältester, vermutlich ähnlich nervig wie Dayan gewesen, der sich regelrecht an das Hosenbein seines Vaters klammerte.

      "Ja, das schon, aber ... naja, ich habe nicht vor zu sterben weil ein paar alte Säcke mir sagen, dass ich es tun muss, weißt du?" Die Götter waren ihm ohnehin nicht hold - glaubte Rain denn an sie? Vermutlich nicht die adrestianischen, aber die thrianischen schien er liebgewonnen zu haben. Mit einem Mal wusste er nicht so recht, wie er seine Aussage verschönern könnte, weswegen er sie herunterschluckte. "Das meine ich nicht. Du kannst dich doch noch an mich erinnern, als ich in Fhaergus ankam. Jetzt stell dir vor, wie das gelaufen wäre, wenn ich nicht abgemagert oder verwundet gewesen wäre. Khojin reißt dir den Kopf ab, wenn sie herausfindet, dass du keine taktische Geisel bist.", flüsterte er Rain halbstark zu. Seine Schwester würde er, egal wie er es drehte und wendete, nie besiegen - sie war stärker und gewitzter als er, auch dann, wenn sie wie ein wildes Tier kämpfte; ein wildes Tier mit Verstand, den Nayantai nicht hatte. Gedankenverloren brachte er Rain zu der Wanne, zu dem dampfenden Wasser, und zog hinter ihnen den Vorhang der Nische zu, bevor er sich aus seiner eigenen, dreckigen Kleidung zu schälen begann - so gut er es mit einer Hand konnte, damit Rain noch stabil stehen konnte. Nayantai lachte auf. "Was? Wir steigen da gemeinsam rein!", klärte er Rain auf. Etwas eng würde es werden, aber wen kümmerte das schon?
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    • "Ach dazu musste ich nur mein Land verlieren und fast sterben.", zuckte Rain beinahe zynisch mit den Schultern. Er sagte es mit einem Lächeln, als wäre nichts dabei. Die Wahrheit war, er musste sich ohnehin damit abfinden und konnte nichts an der Situation ändern. Nicht alles was passiert war war schlecht, immerhin hatte er noch Nayantai und einen Stiefvater - wenn er ihn so nennen durfte - der ihn auch zu mögen schien, selbst dann, wenn er Dinge gesagt hatte, die er besser unausgesprochen gelassen hätte. "Was braucht man denn für ein eigenes Zelt? Musst du alle Materialien selbst besorgen?", wollte Rain wissen. Da war die riesige Plane, Holzpfeiler die die Plane hoch hielten, ein paar Seile, die vermutlich zur Stabilität dienten und natürlich die ganze Einrichtung. Das Zelt war winzig im Vergleich zu Rains Anwesen, aber wenn man nicht einfach losgehen und etwas kaufen konnte, dann schien die Aufgabe schier unmöglich. Alleine die ganzen Felle für ein Bett zu besorgen würde eine halbe Ewigkeit dauern, oder etwa nicht? Und so viel essen konnte man auch nicht. Man sollte schließlich nichts verschwenden? Was war dann mit sämtlichen Werkzeugen und Utensilien? Würde Nayantai die Schüsseln selbst schnitzen?

      "Das verlangt auch keiner von dir. Niemand der wichtig ist. Du musst dir bestimmt keine Sorgen machen Nayantai." Nicht um sich selbst zumindest. Was die Ältesten von Rain halten würden war eine andere Frage. Er war immerhin ein Schaf, ein Feind und er konnte nicht einmal viel zu ihrer Gesellschaft beitragen. "Aber das heißt doch nicht, dass du dich hier vor ihr verstecken kannst. Sie will dich bestimmt auch sehen und sie wird bestimmt erfahren, dass du zurückgekehrt bist, oder etwa nicht? Wenn du mich verstecken willst, wäre es dann nicht besser du kommst zu ihr, als dass sie irgendwann hier hereinplatzt?" Das hieß aber auch, dass Rain doch nicht tun und lassen konnte was er wollte. Bisher hat ihn wohl niemand da draußen gesehen oder als Schaf erkannt, vermutlich wussten nur die Ältesten davon. Nayantai klang als sollte Rain sich lieber hier drinnen verstecken, auf unbestimmte Zeit. Nicht, dass Rain das nicht in gewisser Weise gewohnt wäre. "Vielleicht sollten wir aufhören in meiner Sprache zu sprechen, wenn du mich hier drin versteckt halten willst.", erklärte Rain ein wenig leiser und blickte dann auf die Wanne. "Huh? Passen wir da überhaupt beide rein? Abgesehen davon wird die Wanne bestimmt übergehen, so viel Wasser wie du da rein geleert hast!" Rain lachte ein wenig, aber mit Nayantai zu diskutieren würde zu nichts führen. Stattdessen schälte er sich auch aus seiner eigenen Kleidung und zitterte sobald die kalte Luft auf seine haut traf.
    • "Wenn's sonst nichts ist.", warf Nayantai zurück. Natürlich war es keine Situation über die man scherzen sollte, aber gleichermaßen fiel ihm auf, dass Rain das Ganze wohl mit etwas Sarkasmus und Zynismus nahm, der ihm eigentlich nicht so schlecht stand. Hatte er ihn auf dieser Reise für sich entdeckt oder ihn zuvor einfach nur verloren? Diese Frage wusste er sich nicht zu beantworten, weswegen er herzhaft gähnte und darüber lachen konnte - genau genommen musste er nichts tun das er nicht tun wollte, und doch war er gleichermaßen nicht abgeneigt, eine neue Seite seines Liebhabers, seines Verlobten, kennenzulernen. Hörte es sich dumm an, wenn er so dachte? Vermutlich. "Eine Plane, viele Planen, Leder und Holzplanken. Vorerst. Natürlich sollten wir zumindest ein Bett haben." Das war auch schon alles, aber eigentlich war es gar nicht so wenig, wenn man bedachte, dass er sich eigentlich sputen sollte, um an solche Dinge zu kommen - Holzhacken war in den sommerlichen Monaten noch immer angenehmer als während eines Schneesturms, auch dann, wenn die Jahreszeiten sich vielleicht nur durch winzige, nicht erwähnenswerte Aspekte unterschieden.

      "Ich mache mir keine Sorgen, ich bin mal wieder nur viel zu ehrlich.", gab er zu. Das war er, nicht immer - so ehrlich musste er auch sein - aber zumindest ehrlich genug um in seiner generellen Einstellung Sinn zu ergeben. Wieso er sich solche Dinge eintrichterte, das wusste Nayantai selbst nicht, aber die kalte, wenn auch leicht angeheizte Luft in diesem Zelt ließ ihn kurz zittern - er bekam Gänsehaut und freute sich ungemein über eben jenes Gefühl. Schlecht war es allemal nicht, so viel stand fest, und doch lehnte er sich gleichermaßen in Rains Nähe, um ihn dumm anzugrinsen. "Ich will dich gar nicht verstecken, aber du solltest etwas anhaben, wenn sie hier hereintanzt.", gab er zu und, ohne auch nur einen Moment zu lange über all die Komplikationen und Implikationen seiner folgenden Tat nachzudenken, stieß er Rains Kleidung mit einem Fuß unter dem Vorhang heraus, in den großen Rest des Zeltes. Damit hätte sich das Problem auch geklärt. "Wir können auch weitermachen, aber ich muss sagen, ich habe es vermisst, dein Thrianisch zu hören." Niedlich war es allemal, genau so wie Rain. "Ist doch egal, das ist ein Zelt und kein Steinboden! Und jetzt rein mit dir - husch husch!", stiftete Nayantai ihn an, bevor er sich selbst in die Wanne stellte und Rain hereinhalf. Kaum setzte er sich selbst hin, mit angewinkelten Beinen, schwappte das Wasser auch schon über, vermutlich auch deswegen, weil er Rain mit sich herunterzog. Es war ... eng und kuschelig, aber sie passten beide in die Wanne. "Siehst du? Ich hatte recht!"
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    • "Hm... ich weiß nicht ob ich dir bei irgendetwas helfen könnte.", erklärte Rain nachdenklich. Er konnte kein Holz hacken, er konnte keine Planen herstellen und auch kein Leder oder Felle gerben. Er konnte auch nicht jagen, um die Felle zu bekommen. Kochen konnte er vielleicht lernen, aber das war auch schon alles. Vielleicht konnte er noch Nayantais Kleidung flicken, wenn er sie sich an einem Ast aufriss. Er wünschte er könnte hier mehr tun und er hoffte, dass er zumindest Rikiya helfen konnte. Er wollte nicht arrogant oder besserwisserisch rüberkommen, aber vielleicht konnte er ihn ja ein wenig beraten. "Und wie schnell ist es auf- und abgebaut? Ihr seid doch Nomaden, oder? Ihr zieht also umher, aber da nehmt ihr alles mit, richtig?", wollte er weiter wissen. Die Siedlung war dafür ziemlich groß und die Zelte auch. Er konnte sich nicht vorstellen, wie all diese Menschen einfach den Platz wechselten. Sie würden eine Menge Karren brauchen, oder bauten sie sich jedes Mal alles von vorne auf? Vielleicht teilte sich eine Familie ja ein so großes Zelt genau aus dem Grund, dass die Arbeit einfacher war, wenn mehrere Leute daran arbeiteten.

      "Du klingst aber als würdest du dir Sorgen machen. Sie werden ihre Entscheidung erst treffen, nachdem sie mit uns gesprochen haben, oder? Das heißt bis dahin kann uns beiden nichts passieren, das hat zumindest Rikiya gesagt." Und so wie es gerade stand sollten sie die Zeit nutzen, um sich zu erholen. "Na ich hoffe nicht, dass sie in den nächsten dreißig Minuten hier auftaucht...", murmelte Rain kopfschüttelnd. "Wenn du mich nicht verstecken willst, ich sie aber nicht kennen lernen soll, was willst du dann?", erfragte er dennoch etwas ernster. Immerhin meinte Nayantai eben noch sie würde Rain den Kopf abreißen, würde sie ihn entdecken, was blieb ihm denn dann übrig, als sich zu verstecken? Die anderen Wölfe waren sicher auch nicht begeistert von seiner Anwesenheit. Rains Kleidung war sogleich verschwunden, dabei hatten sie noch gar keine frische Kleidung die sie nachher anziehen konnten, es schien als würden sie das in der falschen Reihenfolge angehen. "Vermisst? Wieso das denn?", fragte er anschließend, aber wartete nicht zu lange, bevor er einen Fuß in die Wanne setzte, in der Nayantai schon lag. Es war angenehm warm, vielleicht sogar ein wenig heiß, aber Rain wäre es lieber gewesen, wenn er genug Platz gehabt hätte, um bis zu seiner Nasenspitze im Wasser zu versinken. Der aufsteigende Dampf half allerdings dabei ihn warm zu halten. Rain suchte sich eine Position in der er möglichst vollständig im Wasser versank und lehnte sich gegen Nayantais Brust. Er blickte auf seine Finger und fragte sich, ob er sich verändert hatte. war er noch dünner geworden? Nein, das war eigentlich kaum möglich, aber seine Finger waren schmutzig und gefühlt hatte er überall blaue Flecken. Bestimmt hatte er auch zwei Narben auf seinem Rücken und die Neue an seinem Bein. Sie sah grauenhaft aus. Rain strich mit eienr Hand darüber, als könne er das Narbengewebe einfach wegwischen, dann beschloss er sich nicht weiter damit aufzuhalten.
    • "Musst du auch nicht.", erwiderte Nayantai. Nicht nur wollte der Wolf nicht, dass Rain irgendwie in Bedrängnis geriet, es reichte ihm auch, wenn er einfach an seiner Seite war und die Ruhe vor dem Sturm ausnutzte, der definitiv noch auf sie zukommen würde. War er ehrlich, so wusste er, dass er früher oder später wieder auf das Schlachtfeld zurück musste, aber gleichermaßen wollte er gar nicht erst daran denken; lieber zog er sich in den Tiefen Thrias zurück und genoss die Zweisamkeit, die er mit Rain teilen konnte, so lange es möglich war. "Ja, wir sind Nomaden und hm, ich würde schätzen, dass du das Zelt hier nicht so schnell abbauen kannst, vielleicht in fünf bis zehn Minuten? Ein anderes Zelt, das weniger imposant ist, sollte sich innerhalb von wenigen Sekunden packen lassen. Grundsätzlich nehmen wir nur die wichtigsten Dinge mit, das Königszelt ist selten eines davon - zumindest wenn wir schnell weiterziehen müssen.", klärte er das Schaf auf. Das entsprach nicht nur weitgehend der traurigen Wahrheit, es hieß auch, dass ein Zelt dieser Größe unhandlich wäre. In diesem Fall lag es jedoch eher an dem Alter der Planen und Gerüstes, das vermutlich auch nur mehr so gut stand, weil es schleichend in aufgebautem Zustand bewegt wurde.

      "Ich mache mir immer Sorgen, irgendwie. Es fühlt sich nur ausgerechnet jetzt sehr viel realer an, als es das noch vor ein paar Tagen getan hat. Sterben will ich noch nicht, obwohl es eine Ehre sein sollte, aber gleichzeitig ... es macht mir Angst." Nayantai stieß ein tiefes Seufzen aus und fummelte mit dem Verband in seinem Gesicht herum, den er sich einfach ungeniert herunterriss, als wäre er zu nichts zu gebrauchen. Jemand sollte sich die Wunde zumindest heute ansehen, aber davor träufelte er sich lieber heißes Wasser in sein Gesicht und wusch es anständig. "Wird sie schon nicht.", behauptete er, unwissend, ob Khojin es wirklich täte. "Hm ... dass sie sich von dir fernhält. Khojin ist Schafen einfach nicht wohlgesinnt, das lässt sich schlecht ändern, aber ich kann sie dir in meinem jetzigen Zustand kaum vom Hals halten. Das ändert sich auch bald.", versprach er, mehr sich selbst als Rain - oder doch? Ungeachtet dessen sah er der Kreatur zu, die sich, ohne Rücksicht auf Verluste, im warmen Wasser rekelte und eine gute Position suchte, in der er sich zu waschen vermochte. "Es erinnert mich etwas an Fhaergus, auch wenn das wenig Sinn macht.", gestand er Rain. Eine Handvoll Wasser war es, die er Rain über die trockenen Haarspitzen, welche an seiner Stirn noch aus dem Wasser ragten, goss - nur, um schlussendlich die eigenen, endlos langen und überall verteilten Haare seinerseits in Rains Richtung zu schubsen. An der Wasseroberfläche schwammen sie, ungeachtet dessen, dass sie durchaus sinken könnten. "Wir könnten dir auch meine Haare aufsetzen."
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    • "Ich will aber.", erwiderte Rain beinahe trotzig wie ein Kind. Nayantai konnte nicht immer alles für sie beide erledigen, Rain wollte auch beitragen und nicht noch mehr wirken, wie ein verwöhntes, adeliges Schaf, auch wenn er das war. Er sah sich um und fragte sich wie die Wölfe so eine große Siedlung einfach an einen anderen Ort schoben. "Fünf bis zehn Minuten? Aber das sollte doch genug Zeit sein, oder? Wie lange dauert es sie wieder aufzubauen? Wie lange, bis die ganze Siedlung abgebaut ist?", fragte er weiter. Eine große Armee würde sich früher als 10 Minuten vor dem Eintreffen ankündigen und die Siedlung war groß genug, um einen kleinen Spähtrupp abzuschrecken, vor Allem jetzt, da Fhaergus nicht mehr am Krieg beteiligt war, beziehungsweise nicht mehr so direkt. Natürlich hieß eine große Siedlung wohl auch, dass man langsam war und wenn man alles schnappen musste, um einer Armee davon zu laufen, dann brauchte man wohl mehr Zeit und eine Möglichkeit nicht noch einmal aufgespürt zu werden. Einer Belagerung standzuhalten sollten die Wölfe wirklich nicht versuchen, auch wenn die königliche Armee vermutlich nicht darauf vorbereitet wäre. Mehr als ein paar Holzpfähle in den Boden zu rammen, war hier aber kaum möglich. Wobei Rain sich wohl nicht so sicher sein konnte und nur wusste, was er aus Büchern gelernt hatte.

      "Du wirst nicht sterben und jetzt hör auf damit dir Sorgen zu machen, wenn doch noch gar nichts passiert ist.", erklärte Rain dem Wolf. Bevor irgendetwas entschieden werden würde, würde man mit ihnen reden wollen, das hieß bis dahin hatten sie definitiv nichts zu befürchten. Was der Wolf hinter Rains Rücken tat konnte dieser nur vermuten und statt sich umzudrehen, rubbelte er mit seinen Fingern ein wenig über seine Haut, damit er den Schmutz der letzten Tage und Wochen abwaschen konnte. "Denkst du nicht sie will mich sehen, wenn sie von mir erfährt?", fragte Rain weiter. Nayantai machte gerade wenig Sinn. Es machte ihm nichts aus hier in diesem Zelt zu bleiben, er konnte da draußen sowieso nicht viel tun. "Also mich erinnert hier gar nichts an Fhaergus.", lachte Rain anschließend. Es war völlig anders. Es war lauter, enger und dunkler, vor Allem, weil man einem Zelt nur schwer Fenster geben konnte. "Auch mit deinen Haaren würde ich noch ganz anders als ihr aussehen."
    • "Welpe.", degradierte er Rain lediglich mit einem flachen Grinsen auf müden Lippen. Ja, wie ein kleiner Welpe verhielt er sich, der sonst so starke und ambitionierte Fürst aus Fhaergus, der eigentlich nie einer gewesen war. "Bist du denn auch bereit, dir von mir Dinge beibringen zu lassen?", neckte Nayantai amüsiert, als wüsste er, dass Rain wiederum ablehnte. Wieso spielten sie dieses Spiel eigentlich? Genau konnte er es nicht sagen, aber die Handvoll Wasser, die er anfangs noch leicht gegen seinen Körper drückte, bevor er sich ordentlich wusch, würde ihm diese dumme Frage auch nicht beantworten. Selbstfindung war nun wirklich kein Phänomen mit welchem er sich in seinem Alter noch herumschlagen wollte. "Naja, schon, aber das Ding hier ist etwas kompliziert aufgebaut, war es schon immer. So gesehen ist es einfacher, es stehen zu lassen, wenn du wirklich in Eile bist.", erklärte er dem Blondchen. Mit einer Hand wusch er oberflächlich seinen eigenen Körper und mit der Anderen goss er erneut heißes Wasser über Rains Stirn, damit ihm stetig warm blieb. Ob dieser Vorhang, der sie umgab, wirklich gut genug war, um Hitze zu speichern? Wohl eher nicht. "Das Aufbauen? Kommt auf das Zelt an, ich würde je nach Größe um die zwanzig Minuten schätzen? Für das hier eher eine Stunde ... und die ganze Siedlung? Keine Ahnung, wie groß sie ist ... du bist noch schärfer darauf, Sachen herauszufinden, als ich!", rügte er Rain, kaum fühlte er sich ausgefragt und ertappt. Zugegeben, wenn er nicht ihn oder Rikiya ausfragen würde, so wären es wohl andere Wölfe, die glauben würden, er würde sie ausspähen wollen.

      "Du hörst dich an wie ich!" Eigentlich nicht wirklich, aber gleichermaßen hatten sie wohl Charakterzüge voneinander gestohlen - Nayantai machte sich Sorgen um Unwahrheiten und Rain war derjenige, der sich mühsam darum zu scheren schien, ihn wieder auf die Beine und die richtigen Gedanken zu bringen, nachdem er in eine Schweinwelt abdriften wollte. Schlimme Gedanken halfen nicht, das wusste er, und doch wollte er gleichermaßen mit allem rechnen, das ihm blühen konnte. "Willst du sie denn sehen?", harkte er offen und ehrlich nach. Thria hatte seine eigenen Traditionen größtenteils gefressen, verschluckt und weggeworfen, damit sie Platz für den Krieg in ihrer Mitte hatten, der schon viel zu lange wütete - Khojin war kein zart besaitetes Mädchen, dem man helfen oder mit schönen Worten Honig um den Mund schmieren musste. "In Fhaergus ist es auch kalt! ... Und da wäre ich auch fast gestorben.", zweiteres nuschelte er. War das denn der Sinn seines Lebens? Orte miteinander zu vergleichen, an denen er fast gestorben wäre? Nayantai seufzte lediglich und starrte Rain mit trockener Miene entgegen - das Wasser, in welchem sie sich rekelten, war definitiv sauberer gewesen. "Sie würden dir aber auch stehen ... hm. Wieso können nicht alle Schafe so sein wie du?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Idiot.", antwortete Rain kühl, immerhin hatte Nayantai zuerst angefangen. "Natürlich, aber nur, wenn du mir nicht alles aus der Hand nimmst und wenn ich damit deine Zeit nicht verschwende. Ich lerne auch beim Zusehen. Oder ich halte Werkzeuge für dich." Rain war kein Kind und er war auch nicht abgeneigt etwas zu lernen, er wollte nur nicht, dass Nayantai seine Zeit verschwendete, wenn er auch etwas Nützlicheres tun konnte, als Rain irgendetwas beizubringen. "Aber die Siedlung steht nicht da, wo sie stand als du das letzte Mal hier warst?", fragte Rain nach. Das würde ja bedeuten, dass das Zelt bewegt wurde. "Wenn ich deinem Vater helfen will den Sommer zu überstehen, am Besten ohne jeglichen Kampf, dann muss ich wissen in welchen Parametern ihr euch bewegen könnt. Es macht immerhin einen Unterschied, ob wir kurzfristig aufbrechen können, oder ob es mehrere Tage braucht. Ich weiß auch nicht, ob es Plätze gibt an denen man keine Siedlung aufschlagen kann und dergleichen. Das ist eigentlich ganz gut, weil das bedeutet die königliche Armee weiß das auch nicht. Sie müssen also sowieso überall nachsehen."

      "Das stimmt nicht. Ich bin nicht so pessimistisch wie du. Zumindest jetzt gerade nicht." Ds wunderte Rain fast ein bisschen, aber vielleicht war es einfach die Reise gewesen, die ihm zu viel geworden war. Er fühlte sich sehr viel besser, jetzt wo sie endlich hier waren. Hoffentlich konnten sie auch hier bleiben. "Nein. Ich will, dass du sie siehst. Sie ist immerhin deine Schwester.", erklärte Rain bestimmt. Natürlich würde er sie treffen wenn Nayantai das wollte, aber es klang nicht so. Er wollte aber auch nicht der Grund sein, warum die Beiden nicht miteinander sprachen. "Aber vielleicht ist es besser du bist ehrlich. Dann muss Rikiya eben auch auf mich aufpassen. Wenn du ihr etwas verschweigst und sie erfährt es erst später, oder nicht von dir, dann wäre sie doch bestimmt wütender als ohnehin schon, oder?", wollte er wissen. "Ich war auch wütend auf dich, weil du mir nichts von den Ältesten gesagt hast. Du hättest mit mir reden sollen, nicht Rikiya." Das war die Wahrheit, auch wenn Rain nicht nachtragend war. Dann seufzte Rain. "Du wärst wohl eher in Myriad fast gestorben und jetzt bist du auch nicht am Sterben." Nayantai zog sehr seltsame Vergleiche. "So wie ich? Ich glaube ein Großteil der Schafe möchte den Krieg nicht. Nur die Adeligen profitieren davon, das Volk leidet. Ehemänner und Söhne sterben, die die nicht eingezogen werden müssen schuften um die Armee zu ernähren. Die Felder haben nicht genug Arbeiter und die Menschen hungern. Es kommt natürlich auf die Region an, der Hass auf die Wölfe liegt in Wezette und Alster tief in den Herzen der Menschen, aber in Fhaergus, Myriad oder Lavern sieht das schon wieder ganz anders aus. Sie teilen sich ja auch keine Grenze mit euch. Olette ist reich genug um nicht sehr vom Krieg betroffen zu sein und mein Vater hat nie einen Soldaten gezwungen für Fhaergus zu kämpfen, was auch bedeutet, dass wir genug Viehzüchter für das ganze Jahr haben. Myriad geht ganz anders damit um und Wezette fehlt die nötige Unterstützung." Er könnte wohl Stunden darüber reden, aber das interessierte wohl eher Rikiya, nicht Nayantai.
    • "Fiesling.", keifte er zurück. Wirklich ernst meinte er seine Worte dabei zwar nicht, aber offensichtlich war es schon, dass er früher oder später einen Streit heraufbeschwören würde, wenn er sich weiterhin so benahm wie ein besserwisserisches Kind, dass es demjenigen zeigen musste, der offenbar die richtigen Fragen stellte und auf eine gewisse Art von Tuchfühlung. "In Ordnung, dann darfst du dich ausnahmsweise in meiner Nähe aufhalten und mir helfen, wenn du das möchtest. Du musst aber nicht und fühl dich ja nicht dazu gezwungen!", mahnte er Rain ein weiteres Mal. Nayantai war sich sicher, dass sie beide einander noch in den Haaren liegen würden, wenn sie sich nicht gewisse Grenzen setzten - vor allem dann nicht, wenn sie erst ein Gefühl für die Persönlichkeit des jeweils Anderen bekämen, sobald sie sich nicht mehr an Regeln halten mussten. "Ich glaube nicht? Aber das ist auch so, keine Ahnung, fünf Jahre her. Ich kann dir auch nicht mehr genau zeigen, wo ich fast wirklich gestorben wäre, als sie die Zelte niedergebrannt haben.", seufzte er, lang und ausgiebig, als wolle er die Thematik, die er selbst anzettelte, einfach wieder hinter sich lassen. Nayantai tat sich selbst nichts Gutes damit. "Dann musst du doch mit ihm reden, nicht mit mir. Ich kann dir auch nur so viel sagen, wie ich weiß, und nachdem ich mir hier vorkomme, wie ein Fremder, weiß ich auch nicht vieles, das dir helfen kann. Ich kann dir sagen, dass du - je weiter du ans Meer rückst - Probleme damit haben wirst, Zelte aufzuschlagen, weil der Boden immer mehr zu Eis wird und es dort unten überhaupt keinen fruchtbaren Fleck mehr gibt, weil Erde faktisch inexistent ist." Er lehnte sich zurück und legte den Kopf in den Nacken, starrte nach oben auf die Flicken in der Zeltplane, die ihm nicht mehr so vorkam wie damals, und auf die komischen Muster, die über die Jahre hinweg ihren Weg hineingefunden hatten. "Also willst du nicht kämpfen, sondern die Schafe an der Nase herumführen? Glaubst du, sie sind so dumm?"

      Für einen Moment überlegte er, hob seine Hand aus dem Wasser und fing an, in der Luft zu zeichnen - Nayantai war sich nicht ganz sicher, was die Positionen anbelangte, aber dumm war er allemal nicht; zumindest dann, wenn er sich anstrengte und sich wirklich mit einem Thema befasste. "Tut mir leid, dass ich schwarzmale. Ich will realistisch bleiben." Das hatte er ohnehin vorgehabt, auch, wenn alle sonstigen Ambitionen, die er die Tage zuvor noch in seinem Kopf herumstrudeln ließ, alles andere als der Wahrheit entsprachen. Gerade jetzt fühlte er sich aber nicht mehr vogelfrei, und schon gar nicht zufrieden mit dem, was er tat. "Ich meinte auch nicht jetzt, sondern allgemein. Ich sehe meine Schwester, ob du willst oder nicht - das stand noch nie zur Debatte.", grummelte er. Die kleinen Dampfwolken, die über ihren Köpfen verpufften, halfen herzlich wenig dabei, wenn er versuchte, sich an die verschiedenen Lager der Wölfe zu erinnern. Eine Karte würde er brauchen, so viel leuchtete ihm ein, aber gerade jetzt würde Rain wohl auch einfache Dinge in seinem Kopf zu visualisieren wissen. "Willst du mir jetzt Schuldgefühle in den Rachen kippen, weil ich nicht ehrlich war, damit du deinen Kopf nicht noch mehr im Boden versenkst? Glaubst du wirklich, meine Schwester reißt mir den Kopf ab? Dass du wütend auf mich warst, habe ich fast gar nicht bemerkt. Und mein Vater sicher auch nicht.", brummte er mit sarkastischem Unterton. Das würde Khojin nicht tun, Nayantai glaubte es zumindest nicht, und doch war er sich keineswegs sicher, ob er sich in seiner Anmaßung bestätigt fühlen durfte - vielleicht hatte Rain recht, Ehrlichkeit währte noch immer am längsten. "In Myriad? Ich glaube ich war dem Tod näher, als ich deinen Arzt nicht sehen wollte, als in Myriad. Die hätten mich nicht sterben lassen, auch wenn ich es versucht hätte. Und glaub mir, ich war nicht nur kurz davor." Wieso steigerte er sich auch so in dieses Thema hinein? Mehr als ein heißes Bad hatte er nicht nehmen wollen, aber Nayantai hatte wohl eher genug davon und kippte sich selbst etwas heißes Wasser über das noch trockene Haar; Rain lauschte er, seinen imposanten Tönen und Erzählungen, aber irgendwann stand er auf und begann, das Wasser, das in seinen Haaren haftete, wieder zurück in die Wanne zu quetschen. Das Wasser schwappte über, links und rechts, und Rain hatte wohl mehr Platz. "Glaubst du denn, dass Wölfe den Krieg überhaupt wollten? Das Ganze könnte einfacher sein, wenn wir uns alle einfach mit dem Ursprung des Krieges befasst hätten und nicht weiter Öl in das Feuer gießen würden." Ungeniert tapste die nasse Gestalt zwischen dem Vorhang heraus und begann, diverse Schubläden und Truhen zu öffnen, auf der Suchte nach etwas, bevor er sich klitschnass aber halb angezogen - zumindest in Unterwäsche und Hose, die an allen Enden und Ecken lose wirkte - mit einem Sessel zu Rain setzte, den er von seinem neuen Platz aus angaffte. "Notfalls würde es auch reichen, wenn wir das Nomadendasein einfach sein lassen."
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    • Rain ließ es bleiben darauf zu antworten, es führte zu nichts und Nayantai schien auf einmal alles viel zu ernst zu nehmen. "Ausnahmsweise?", wiederholte Rain Nayantais Worte. Er war nicht sicher ob der Wolf gerade einen Scherz machte oder nicht. Im Endeffekt war es wohl auch ihm lieber Rain blieb einfach in seinem Bett und tat gar nichts. Der Unterschied zu Fhaergus war nur, dass Rain keine Bücher hatte und auch niemanden dafür bezahlte bedient zu werden, sondern das wohl als selbstverständlich nehmen sollte. Warum der Wolf die brennende Siedlung erwähnte konnte Rain auch nicht sagen. Es fühlte sich an als hätte Rain etwas falsch gemacht, aber er wusste nicht wieso. Wenn Nayantai ihm keine Fragen beantworten wollte, dann fragte er eben Rikiya. "Ich hatte angenommen eure Beweglichkeit ist in etwa dieselbe wie damals.", stellte er einfach fest. Rain wusste nichts über das Leben der Wölfe, es reichte ihm schon zu wissen ob es sich um Stunden oder Tage handelte. Rikiya hatte immerhin viel zu tun, es war doch besser Nayantai danach zu fragen, solange er selbst noch keine Aufgaben hatte. "Ich weiß, dass die adrestianische Armee euch überlegen ist, da wäre es doch besser einem Kampf gleich aus dem Weg zu gehen. Eure Beweglichkeit ist doch euer Vorteil. Hättet ihr Festungen, dann könntet ihr versuchen einer Belagerung zu widerstehen, aber die habt ihr nicht. Eure Armee ist viel kleiner und schlechter ausgerüstet und eure Kinder, Alten und Schwachen Mitglieder sind nicht weit entfernt in einem anderen Land, hinter steinernen Mauern in Sicherheit. Der König hat mit meinem Vater seine besten Späher verloren. Ich denke die beste Taktik wäre es Späher abzufangen, oder auf falsche Fährten zu locken und zu fliehen, sollte man uns doch finden."

      Rain sagte nur ehrlich seine Meinung und es war Rikiyas Entscheidung ob er diese teilte und entsprechend reagieren wollte oder nicht. Mehr als das konnte Rain nicht anbieten. "Nayantai, schwarzmalen bringt doch nichts. Ginge ich nachdem hätte ich gleich in Fhaergus tot umfallen können. Die Chancen, dass ich es bis hierher schaffe waren sehr viel geringer, als die Chance, dass dein Vater dich einfach sterben lässt, selbst wenn die Ältesten gegen dich entscheiden." Sie waren endlich an einem Ort den sie Zuhause nennen konnten, wieso freute Nayantai sich nicht darüber? "Ich will dir keine Schuldgefühle machen, ich sage nur, dass meine Vermutung nicht frei erfunden ist. Es war nur ein Vorschlag.", erklärte Rain. Nayantai schien wütender und wütender zu werden und Rain wusste nicht wieso. Er stand sogar plötzlich auf und stürmte am Vorhang vorbei. "Ich habe nie behauptet, dass ihr den Krieg wollt. Ihr verteidigt euch nur, aber es ist nicht so einfach dem adrestianischen Adel zu widersprechen. Ich habe nur gesagt, dass es vermutlich viele Schafe wie mich gibt.", rief er ihm hinterher und seufzte anschließend. Er schrubbte sich schnell ab und versuchte seine Haare zu ordnen. Nayantai kam zurück. Vermutlich wartete er nur, weil Rain es nicht alleine zum Bett zurück schaffte, also beeilte das Schaf sich. "Ich weiß nicht was du damit meinst.", seufzte Rain. Das Nomadendasein sein lassen und mitten im Krieg Siedlungen und Felder aufbauen? Wie stellte er sich das vor? Ein Handtuch sah Rain für sich nicht, aber er wollte Nayantai nicht länger an dieses Zelt binden, also stand er eigenständig auf und kletterte aus der Wanne. Es war sofort kalt und der Temperaturunterschied ließ Rain husten.
    • "Das war ein Witz ... ich glaube, ich sollte mich wieder mehr am lächeln versuchen.", bemängelte er bei sich selbst. Rain hatte ihm schon einmal gesagt, dass seine dummen Witze nicht sonderlich aussagekräftig waren, wenn sein Gesicht sich weiterhin in einer Stockstarre verkrümmte - es machte keinem das Leben leichter. Mit einem Seufzer verkreuzte er seine Beine, die sich ohnehin schon um das Holz des Hockers schlangen; seine Augen beobachteten die Figur im Wasser aufmerksam, als würde er sich jeden Moment in etwas verwandeln, das sich in trüben Dampf auflöste und dann für immer verschwand. "Ist sie, schätze ich. Ich weiß nur nicht, wie groß oder klein die Siedlung mittlerweile ist, aber wenn ich von der gleichen Anzahl wie damals ausgehe, und schätze, dass zumindest gute neunzig Prozent ihr Zelt selbst abbauen können, und keines davon größer ist, als dass hier, dann würde ich meinen, das Lager ist in allerhöchstens zwei bis drei Stunden Geschichte.", erwiderte er. Gesehen hatte er einen derartigen Massenexodus nur einmal - er war schwieriger gewesen, weil ihre Zelte nicht mit einfachen Pflöcken im Boden verankert waren, nein. Gefrorene Metallstücke in dickem Eis waren es gewesen, aber auch damals hatten sie alle Zeit der Welt - sie flohen nicht, sie bewegten sich aus eigenen Stücken und verließen ihre eisige Heimat. "Ich will nicht sagen, dass du Unrecht hast, aber dafür bin ich wirklich die falsche Ansprechperson. Dass es besser wäre, jeglichen Kampf zu vermeiden, da stimme ich dir zu, aber du willst doch nicht jedes Mal das Lager wieder abbauen und davonrennen, oder?"

      Nomaden sollten diese Art und Weise zu leben zwar gewohnt sein, aber oft vergingen Monate, wenn nicht ein oder zwei Jahre bis die spärlichen Ressourcen, die sie an einem Fleck hatten, wirklich erschöpft waren und sie dazu zwangen, weiterzuziehen. Dementsprechend wäre es wohl auch klug, wenn sie sich gleich einen Ort suchen würden, an dem sie länger unentdeckt blieben, aber gleichzeitig brauchten sie wohl auch eine Bastion, damit nicht zu viele der Ländereien zu schnell an die Schafe fielen. Verzwickt war das Ganze allemal. Nayantai brummte. "Ich weiß, aber das Leben besteht nicht nur aus Wahrscheinlichkeiten und Eventualitäten. Im Endeffekt kann ich mich zwar wehren und davonrennen, wenn es wirklich nötig wird, aber ich will das alles nicht ... ich ... nein, vergiss das. Ich bin einfach nur etwas frustriert." Ein fester Schwall Luft wurde aus seinen Lungen gestoßen und Nayantai legte den Kopf in den Nacken; er war müde, erschöpft und vielleicht sogar etwas zu sehr von sich selbst und seinem Umfeld überzeugt gewesen. Wer würde ihn schon retten, wenn es wirklich sein musste? Keiner. "Agh, na gut! Du hast Recht! Ich werde Khojin alles erzählen, aber bevor sie dir den Kopf abreißt, reiße ich ihr ihren ab!", keifte er unzufrieden und lehnte sich nach hinten, als er ob er die Thematik und den Anblick Rains vermeiden wollte. Das Wasser platscherte jedoch einmal zu viel, weswegen er sich auch schon beinahe erschrocken aus seiner Sitzposition erhob und nach Rains Arm griff. "Was machst du denn?", fragte Nayantai besorgt, bevor er Rain zurück in die Wanne setzte. Seine emotionalen Ausbrüche waren wohl wirklich zu viel des Guten. "Ich wollte dich nicht hetzen, oder dir das Gefühl geben, dass ich dich auch raus haben will. Bitte entspann dich, in Ordnung? Wir haben sowieso nichts zu tun bis Rikiya auftaucht." Der Wolf kniete sich neben das hölzerne Behältnis und besprenkelte Rain mit ein wenig Wasser, in der Hoffnung, ihm so ein Friedensangebot bescheren zu können. "Tut mir leid ..."
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    • "Das weiß ich schon, aber du wirkst wütend.", erklärte Rain ruhig. War Nayantai das? Weil Rain so viele Fragen stellte, oder weil er sich einmischte? Er verhielt sich wohl wie ein besserwisserisches Schaf, jemand den die Wölfe hier nicht haben wollten und jemand dessen Hilfe nicht willkommen war und villeicht auch gar nicht nützlich. Rain konnte nich behaupten, dass er es besser wusste als der Prinz, die Prinzessin oder der König. Das wollte er auch nicht. Er wollte nur Vorschläge machen und dafür musste er alle Fakten kennen. Nayantai gab ihm trotzdem eine Antwort, auch wenn er etwas ungewillt klang. "Das habe ich nicht gesagt, aber man sollte immer einen Notfallplan haben und darauf vorbereitet sein. Wenn die Siedlungen in Adrestia angegriffen werden, dann verlassen die Menschen ihre Heimat und ziehen sich in die Festungen zurück. Das ist eure Version davon und wenn ihr alles mitnehmt, oder den Rest vernichtet, dann wird die Armee es in Zukunft schwieriger haben. Hier draußen gibts es keine Felder und das Wild flieht wenn eine große Armee auf sie zukommt, auch wenn die Armee für Nahrungsversorgung sorgt. Trotzdem plündern sie auch häufig was ihr habt. Es hilft der Armee, wenn ihr unvorbereitet seid."

      Wahrscheinlichkeiten und Eventualitäten war worauf sich Rain oft verlassen hatte, aber Nayantai brachte dieses Argument dem Falschen vor. "Wir sind endlich hier, wolltest du das nicht?", fragte Rain nur. Egal was er sagte, Nayantai wollte es nicht hören. Er konnte sagen, dass alles gut werden würde, oder aber, dass selbst wenn nicht, alles gut wäre, aber nichts davon schlug bei ihm an. Rain war in der Hinsicht manchmal nicht besser, also war es wohl nicht Recht, sich darüber zu beschweren. "Ich hab nicht versucht Recht zu haben.", erklärte Rain weiter. Wieso machte Nayantai aus allem einen Kampf? Er hatte nur seine Meinung gesagt und er war nicht wütend gewesen, Nayantai schien heute nur alles falsch zu verstehen. "Ich stehe auf.", antwortete Rain Nayantai der schockiert versuchte ihn wieder in die Wanne zu drücken. Das war nicht schwer für den großen Wolf. "Du musst nicht hier sitzen und auf mich warten." Rain seufzte und schloss für einen Moment die Augen. Es stimmte nicht, dass sie nichts zu tun hatten. "Du könntest uns doch Frühstück besorgen."
    • Nayantai wollte winseln, hielt sich selbst aber davon ab - gerade noch so. Was würde er auch erreichen, wenn er sich vor Rain aufregte und ihm weiter das Leben zur Hölle machte? Sie hatten alle genug Ballast, den sie mit sich bis nach Thria geschleppt hatten; und jetzt, wo sie endlich hier waren, verhielt er sich wie ein besserwisserisches Kind, das durchaus verstehen wollte, was an seinem Verhalten falsch war, aber jede Art von Kritik nicht aufnehmen konnte und lieber abwehrte. War es denn falsch, wenn er sein Volk verteidigen wollte und behaupten wollte, sie hätten bis jetzt alles, das menschenmöglich war, getan um sich vor dem krieg zu schützen? Nein, aber er kannte auch keine genauen Details und Rain wollte ihnen lediglich unter die Arme greifen, mehr auch nicht - er sollte dafür dankbar sein, stattdessen schnaubte der ehemalige Kronprinz. "Ich ... ich bin nicht wütend, nur irritiert. Es liegt nicht an dir. Das ist meine eigene Dummheit und mein sturer Schädel.", gestand er offen und ehrlich. Nayantai sah sich selten selbst dabei zu, wie er in die Knie gezwungen wurde und noch viel seltener ließ er es einfach geschehen - Rain war derjenige, der ihn weich machte, menschlich machte - der ihm das Gefühl des Seins, des Lebens gab.

      "Das sehe ich ein, aber dafür bin ich wirklich nicht der richtige Gesprächspartner. Ich bin nicht auf dem aktuellsten Stand und ich will dir keine falschen Hoffnungen machen. Rikiya weiß mehr als ich, Khojin vermutlich auch.", bemerkte er kopfschüttelnd. Nutzlos fühlte er sich, das irritierte ihn, und angegriffen, in seiner Ehre und Arroganz, die ihn bis jetzt dazu gedrillt hatten, seinen Kopf - wie ein Sündenbock - hocherhoben auf seinen Schultern zu tragen, bevor er sich auf dem Scheiterhaufen wiederfand. "Doch! Aber ich ... ich hatte Angst davor, hierherzukommen. Ich wollte es dir nicht sagen, verflucht, ich wollte mir das gar nicht erst eingestehen! Den Kopf jetzt in den Sand zu setzen bringt nichts, das weiß ich, aber ... nein, vergiss es." Vor dem Tod hatte er keine Angst mehr, und doch füllten seine Gedanken sich immer wieder mit bösen Omen, mit der Realisation des eigenen Untergangs - er war ein toter Mann, der seine Beine noch bewegen konnte, weil er einfach nicht wahrhaben wollte, dass er sein leben schon gelassen hatte. "Ich sitze gerne hier und warte auf dich.", murrte er und bot Rain die Hand an, die er brauchte, um zumindest aus der Wanne zu kommen. Nayantai legte Teile seiner Kleidung um Rain, die ihm definitiv zu groß waren, aber sie waren frisch - oder eher nur verstaubt - und dementsprechend sauberer als all das, was sie sonst zu bieten hatten. "Kommst du alleine zurecht? Dann hole ich etwas. Was möchtest du über- ... ah. Ich weiß gar nicht, was es gibt."
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    • "Verstanden. Ich werde dich nichts mehr fragen.", erklärte Rain, der Nayantai seine Geschichte nicht abkaufte. So oder so wollte er wohl nicht darüber sprechen und Rain würde sich seine vielen Fragen eben aufheben. Anscheinend ärgerte es Nayantai, dass er die Fragen nicht beantworten konnte, oder wollte. Eigentlich glaubte Rain, dass Nayantai sich einredete hier nicht mehr herzugehören und das war der einzige Grund, warum er behauptete, er wüsste überhaupt nichts. Rain konnte ihm nicht helfen und ganz allgemein fragte er sich, wie der Wolf denn glaubte wie Rain sich dann fühlte. Er gehörte hier noch weniger her, aber er wollte helfen und sich nützlich machen. Nayantai schien weder das tun zu wollen - und es gab bestimmt genug Arbeit für ihn, auch wenn er die Siedlung nicht verlassen durfte - noch schien er sich entspannen zu wollen. Rain war nicht einmal sicher ob er Rain übersetzen wollte, oder ihm mit anderen Schriftstücken beibringen wollte ihre Sprache zu lesen. Rain schaffte es vielleicht irgendwie selbst. Er kannte schließlich die Sprache, nur die Schrift nicht. Wenn Rikiya ihm jeden Buchstaben aufmalen könnte, dann würde Rain den Rest schon selbst herausfinden.

      "Aber was?", hakte Rain nach. Es brachte nichts dem Wolf immer und immer wieder zu sagen, dass alles gut werden würde. Er wollte das scheinbar nicht hören und etwas anderes konnte Rain ihm auch nicht anbieten. Sein Vater wusste vielleicht was er tun musste, aber Rain nicht. Er glaubte auch nicht, dass Nayantai gerne herum saß und auf Rain wartete, er ließ sich also aus der Wanne helfen und wurde in etwas muffige Kleidung gepackt, die er fest um sich zog. Es war Nayantais Kleidung, dementsprechend war sie Rain viel zu groß, aber er musste auch nicht präsentabel aussehen, er würde das Zelt ohnehin nicht verlassen. "Ganz egal, irgendetwas.", erklärte Rain. Er glaubte es würde Nayantai guttun einfach da raus zu gehen und einen Spaziergang in seiner Heimat zu machen. Vielleicht verwickelte ihn ja sogar jemand in ein Gespräch. Er sah Nayantai dabei zu wie er das Zelt verließ und hüpfte dann zurück zum Bett, wo er sich zumindest die Mühe machte die viel zu große Kleidung ordentlich zu verschließen. Anschließend lehnte er sich seufzend zurück, ehe er doch wieder aufstand. Er wollte nicht schnüffeln oder dergleichen, aber er hatte neben Rikiyas Bett ein Buch gesehen, das er sich hüpfend holte. Alle Bücher hier mussten alt sein, selbst konnten die Wölfe bestimmt kein Papier herstellen und so gab es auch nur die Ressourcen die sie vor dem Krieg gehabt hatten. Es spielte allerdings keine Rolle, Rain nahm das Ding mit zurück zu Nayantais Bett und schlug es auf. Wenn er sich häufig vorkommende Worte ansah, dann konnte er die Schrift vielleicht selbst entziffern, ohne Hilfe.