Downfall of Arcadia // The Eight Cursed Waves (Cada & Crow)

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    • Als die Nacht hereinbrach, verblieben die Münder der kleinen Gruppe zwar stumm, doch drehten sich wohl in aller Häupter die Gedanken. Nach dem Ausbruch Vale´s herrschte eine bedrückte, wenngleich erleichterte Stimmung in dem kleinen Häuschen der Schwarzhaarigen, die niemand von den vieren wirklich ansprechen wollte. Dem möglichen Gemetzel entgangen, tauschten die Redensführerin, ihr Schützling und der Windgeist dankbare, jedoch nicht weniger besorgte Blicke. Leicht, beinahe als wüsste er um die aufgeregten Momente zuvor, legte sich draußen der weiße Schnee als feine Decke über Wald und Wiese, die Welt in eine tröstliche Umarmung ziehend, die Ruhe und Stille versprach. Suzume beobachtete des Treiben der sich ankündigenden Jahreszeit für ein paar Minuten stumm von ihrem Ohrensessel aus, welchen Lily ihr überlies, nachdem sie ihre Müdigkeit kundtat. Schnell war ihr Schlafplatz im oberen Stock gerichtet. Es war nicht viel, doch reichte es durchaus um die Nacht schlafen zu können. So nun, so abgelenkt von dem, was sie zuvor erledigen wollte, hatte ihr erschöpfter Körper die Notschnur gezogen und sie gezwungenermaßen in Entspannung geschickt. Gekräuselt sah ihr Antlitz in die dimme Dunkelheit hinaus, welche nur durch das glimmende Feuer in ihrem Kamin durchbrochen wurde. Ihr Haupt in ihrer Hand abgestützt, derer Arm auf einer der Lehnen ruhte, entkam ein verhaltenes Gähnen ihren Lippen, als sich hinter ihr ruhige Worte auftaten. "Du solltest schlafen gehen, Suzume... Hestia und ich haben gesprochen, wir werden die Nacht abwechselnd Wache stehen, weshalb sich diese auch bereits am Kamin niedergelassen hat. Du brauchst Ruhe...", vorsichtig legte sich die Hand des Windgeistes auf ihre linke Schulter, auf welche die Schwarzhaarige kurz desinteressiert starrte, im Hintergrund war das leise Schnarchen der Rothaarigen zu hören. "Was weißt du schon...", murrte sie ihm entgegen, wohlwissend, dass auf seinem Rücken nach wie vor die Last ihrer verletzten Freundin ruhte. Die schwerfälligen Augen wieder hinausrichtend, ergriff die Blauäugige ihr erkaltetes Teeglas und trank den letzten Rest des Getränkes, ehe sie sich erhob und zu Spüle gehen wollte. Doch weit kam sie nicht, da der Braunhaarige sie am Handgelenk zurückhielt. "Suzume, ich bitte dich.", leise zischte Gaius ihr entgegen, was der Trägerin einen erbosten Blick entlockte. Von der Umklammerung ihrer Hand hüpfte ihr Augenmerk zackig in des jungen Mannes Gesicht empor, der sie mit Qual in den Augen ansah. "Es tut mir Leid. Es tut mir Leid! Ich weiß und spüre wie verletzt du bist und ja, du hast auch jedes Recht dazu! Ich würde mich gerne so entschuldigen, dass du mir verzeihst, aber weiß nicht wie. Ich kann mir vorstellen, dass du mir als Freund nicht mehr vertraust, aber dann lass mich dir zumindest als Hauptmann sagen... Soldat, Sie sehen furchtbar aus und brauchen Schlaf, damit sie uns von Nutzen sind. Also, leg dich schlafen. Ich schiebe die erste Schicht.", etwas lag in seiner Stimme, was Suzume zögern lies. Ja, er hatte Recht. Wohl müsste er sich ihr Vertrauen nach diesem fürchterlichen Dilemma wieder erarbeiten... mehr aber musste sie schmunzeln, als er ihre Person als Mensch unterordnete und ihr quasi einen Befehl gab. Kühn musterten ihre von Müdigkeit ermatteten Augen die Gestalt des Windgeistes, welcher eine solche Entschlossenheit ausstrahlte, dass die Schwarzhaarige für einen Moment ihrer momentanen Abneigung gegen Gaius entsagen konnte und den Rat annahm. "Du hast Recht. Erschöpft bin ich keine Hilfe.", ruhig verließen jene Worte ihren Mund und als hätten sie den Zauber gebrochen, lies der Grauäugige von ihrerselbst ab, ein kurzes dankbares Nicken sehen lassend. So kehrte sich ihr Körper herum und stieg in das obere Stockwerk empor. Es war schon wahr was er sagte... denn als sich der schwarze Schopf in ihrer Hängematte niederlies und sie ihren Körper mit der festen Wolldecke vor der aufkommenden Kälte isolierte, umfing beinahe Sekunden später der kostbare Schlaf ihre Person und wog sie in heimeliger Wärme. Jedoch nur so lange, als die Diskussion der beiden Herren entfachte. Ihre Körper emporgerissen starrten sich Lily und Suzume im Schlafbereich für lange Zeit still an, den Zeigefinger vor die Lippen gehoben, andeutend ja keinen Mucks zu machen. Die Worte die Gaius und Vale sprachen, ja sich beinahe ungezügelt an den Kopf warfen, brannten sich tief in die Köpfe der anwesenden Damen und hinterliesen in den Augen der Schwarzhaarigen nichts als Abscheu zurück. Erst als Hestia sich mit ihrer dröhnenden Stimme an die zankenden Parteien wand, fand die Streiterei bald ein Ende, wenngleich dieses den neuen Tag mit einem herzlosen Händeschütteln begrüßte.

      Sie hatte kein Auge mehr zugemacht... zumindest nicht wissend... möglicherweise war Suzume dann doch nochmals eingeschlafen, doch fühlte sie sich am nächsten Tag wie gerädert. Hestia hatte die zweite Schicht übernommen und kehrte gerade durch die Luke zurück in das Zimmer, Gaius war wohl schon etwas länger auf den Beinen und hatte bereits für ein Feuer im Kamin gesorgt und Lily richtete eben eine frische Kanne Tee. War sie die letzte? Verschlafenen Blickes lugte ihre Gestalt über den Rand des Stoffes ihrer Hängematte und beobachtete kurz das wenige rege Treiben im Untergeschoss. "Guten Morgen...?", rau erklang ihre vom Schlaf gezeichnete Stimme, laut genug jedoch, dass sich die drei Köpfe in ihre Richtung drehten. Ein kleines Frühstück genossen, einen warmen Tee getrunken und das ach so traute Beisammensein wurde just wieder von dem überschattet, weshalb sich die kleine Gruppe wohl erst zusammengefunden hatte. Den Argumenten der anderen lauschend, zog Suzume eine nachdenklich Grimasse und rieb sich angestrengt denkend ihre Stirn. Stille legte sich um die drei und hinterlies eine elektrisierende Spannung. Die Schwarzhaarige musterte Gaius, der ihr gegenübersaß und ähnlich ihr, darüber grübelte, was wohl die optimalste Lösung für ihr Problem war. Hestia hingegen hatte den wachen, entschlossenen Blick aus dem Fenster gerichtet, leise an ihrer Teetasse schlürfend und Lily... Lily starrte beinahe schon etwas trotzig auf den Dielenboden hinab, hatte sie ihren Standpunkt wohl klar und deutlich vermittelt. Der Urgeistträgerin entkam ein schweres Seufzen und sie schloss ihre wasserblauen Augen vor den Blicken der anderen. Ihre Hände breit über ihr Gesicht legend, ließ sie auch ihre Miene ein Geheimnis für den Rest bleiben. "Unser Problem ist... dass, egal welchen Weg wir einschlagen, die andere Möglichkeit zum erliegen kommt... Entscheiden wir uns für Arcardia und Lux, wird uns das Einschreiten in Rens Plan verwehrt... Entscheiden wir uns aber für Ren, könnte das unser aller Untergang bedeuten... selbst Wiseman würde uns da nicht mehr aus der Patsche helfen... warum sollte er auch...", dumpf erklangen die Worte der Schwarzhaarigen hinter ihren Fingern, die sie zwar bewusst, jedoch nicht weniger hilflos von sich gab, obwohl es ihr beinahe ein Kichern entlockte, als sie an das Satzende ein gedankliches "der alte Griesgram.", hang, die Entscheidungsabstinenz des Alten somit umschreibend. Es war eine verzwickte Situation... "Soweit ich weiß, besitzt Canard nicht über die Möglichkeit ein Luftschiff zu arrangieren... zu Red Christmas wurden alle unsere Fluggeräte dem Erdboden gleich gemacht und niemand hat sich in der Zwischenzeit dazu aufraffen können sie zu reparieren... anders gesagt, niemand weiß um die Komplexität eines solchen Gerätes...", ihr Gesicht von ihren dünnen Fingern befreiend, ließ Suzume ihre Arme auf ihre Knie hinabsinken, das entmutigte Haupt in ihre schalengeformten Hände legend. Keiner der beiden Pläne löste Jubelklänge in ihr aus, keiner schickte ihr die Euphorie des nahenden Sieges in die Glieder. "Und Rachel? Weiß sie nicht Bescheid? Du warst lange nicht da... vieles könnte sich geändert haben.", den ruhigen Blick aus den bernsteinfarbenen Augen auffangend, zog es der Schwarzhaarigen Gedärme beim Klang des Namens der Braunhaarigen kurz zusammen und stieß ihr bitter auf. Hestia hatte jedoch Recht... Wenn jemand es war der über die kämpferische Ausstattung des Hortes des Widerstandes Bescheid wusste, dann sie. Suzume ließ ein kleines Nicken erkennen. "Es wäre zumindest einen Versuch wert... Rachel wird wahrscheinlich noch ohne Bewusstsein sein, aber eventuell kann ich... nun ja...", sie richtete den Blick auf den Grauäugigen vor ihr, welcher sie vorerst verwirrten Blickes musterte, dann aber große Augen bekam. "Du willst einen Mindshift versuchen? Suzume du weißt, welche Gefahr er birgt... und gerade bei einem Menschen, welcher unserer Kraft nicht gewachsen ist, kann es fatale Folgen haben.", bestimmt erklang die Stimme von Gaius, der ihr mit einem zuckenden Kopf dringends davon abriet, diese Methode der Kontaktaufnahme zu vollziehen. "Fatalere Folgen als die, die sie sowieso schon erlitt?", mit einem scharfen Seitenhieb wies die Blauäugige ihren Bruder im Geiste in seine Schranken und erkannte, wie sich eine erbleichende Starre auf seine Züge legte. "Es wäre einen Versuch wert... und wenn ich merke, dass die Verbindung nicht herzustellen ist, ziehe ich mich auf der Stelle zurück... so oder so, hätten wir jedoch für eine Option ein klares Ja oder Nein.", grübelnd, sich selbst nochmals in Frage stellend, ob Suzume dem bereits geschädigten Körper ihrer besten Freundin eine derart weitere Tortur antun würde, zweifelte die junge Frau bereits beim Aussprechen ihrer Worte an ihrer Ernsthaftigkeit.

      "Erklär es mir nochmal... was willst du machen?", es war Hestia die nach wie vor verwirrt davon, was sich in ihrer Reisegruppe in Bewegung gesetzt hatte, hinter der Schwarzhaarigen nachsetzte, beinahe schon joggen musste, um dem schnellen Schritt Suzumes nachzukommen. "Herrgott Weib das darf doch nicht wahr sein... zum letzten Mal... sie möchte einen Mindshift versuchen... ihren Urgeist also in das Bewusstsein von Rachel pflanzen, sodass dieser Kontakt mit ihr aufnehmen kann und Rachel uns durch Dantalion die Antworten gibt, die wir brauchen... es ist wahnsinnig gefährlich. Ungeübte Träger können schnell die Kontrolle verlieren... sodass sich die Kraft des Urgeistes ungehindert in dem Körper des zu besetzenden Menschens ausbreitet und Rachel im schlimmsten Fall das Hirn weichgekocht wird... Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist, um zu solchen Methoden zu greifen.", keuchend stieß Gaius, welcher ebenso versuchte neben der korpulenten Dame Schritt zu halten, zischend die Worte zur Erklärung des Vorhabens von Suzume hervor, seinen wütenden Blick auf dem Hinterkopf der Schwarzhaarigen versenkt. Das aber ließ Hestia hellhörig werden und ihren Gang verlangsamen, bis sie schlussendlich stehen blieb und ihrem Schützling mit sorgenverhangenen Augen hinterhersah, wie sie hinter dem Westtor verschwand. "Was ist los?! Warum bleibst du stehen?! Wir können sie nicht alleine zu ihr gehen lassen!", auch der Braunhaarige verlangsamte seinen Schritt und rekte nur vorwurfsvoll seine Arme nach vor, aufzeigend, dass Suzume ihren Plan ohne wenn und aber in die Tat umsetzten würde. "Oh und ob wir das können.", ein Nicken entkam dem roten Schopf, was dem Windgeist nur übergroße Fragezeichen ins Gesicht setzte. "Weißt du, ich kenne diese Frau nun schon mein halbes Leben... anfänglich war sie mir ein Klotz am Bein... ungeschickt, ungestüm und viel zu übereifrig, als wie das sie auch nur eine Chance gehabt hätte, diesen Feuerdämon in ihr auch nur für einen Moment zu zügeln... sie war viel zu... ungeduldig. Kein Erfolg war ihr gut genug, immer musste ihr Körper arbeiten und die Kraft die sie trug ertragen... selbst an den Tagen, an welchen sie halbkrank im Bett lag, gab es nur ein Thema... "Ich werde diesen Geist in mir das Fürchten lehren!"... ich sehe sie heute noch, mit diesem überschwänglichen Grinsen, dem aufgeregten Glitzern in ihrem Blick... aber nun... sehe ich in das Blau ihrer Augen und erkenne eine solch einsame Ruhe, eine solch bittere Sorge, dass ich manchmal fürchte, dass es ihr zu Kopf steigt, die Aufgabe die ihr zu Teil wurde. Wohl wahr, sie hat sich gemacht. Nichts davon hätte mich je auf den Moment vorbereiten können, an dem Tag, an dem ich ihr gratuliere und ein Freudenfest abhalte, wenn sie diesen Burschen, mit dem sie ihren Körper teilt, unter ihre Kontrolle bringt. Doch mit solch einer großen Verantwortung kommt auch ein großes Denken... stets wissen zu müssen, was im Moment das Richtige ist, was für alle am Besten ist... was den geringsten Schaden mit dem größten Erfolg hervorbringt. All das musste Suzume in ihrer Zeit hier in Canard für ihr viel zu junges Alter stemmen... und ja, sie hat sich gut gehalten. Aber glaub mir, dass sie im Moment ratlos ist... Ratlos und in die Enge getrieben... sie versucht nach wie vor das zu tun, für was sie geboren wurde... zu schützen. Aber, wer passt auf sie auf, wenn sie es selbst nicht kann, hm? Wer hört ihren Hilferuf, der neben all dem Gebrüll der Schwachen untergeht? Was also ist in sie gefahren, fragst du mich... ich kann dir ehrlich sagen, dass ich es nicht weiß... aber wir bei ihr bleiben müssen, sodass sie sich nicht selbst verliert. Ich glaube an sie. Sie kennt ihre Grenzen. Wir müssen ihr wohl einfach vertrauen"

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    • Trümmer verzierten das zuvor anmutige Dojo, hölzerne Überreste längst überholter Shoji Türen ragten über dem vom Blut ertränkten Papier, welches sich quer durch den Raum verteilt hatte. Einschusslöcher schmückten die zerbarsten Wände, die Decke, einst so stolz, brach über die Häupter danieder und gewährte dem schwachen Mondlicht Einlass in jenes Geschehen. Bröckel lösten sich, wo einst die Decke schützte und stürzten unnachgiebig auf das zerstörte Parkett, zerstörten auch die winzigen Reste die noch im alten Glanz erstrahlten. Ein schmerzverzerrtes Keuchen ertönte aus einer Ecke, halb vom Schutt bedeckt in einer Kuhle aus Trümmern gebadet, starrte ein Antlitz voller Zorn in Richtung des Teufels der für diese Katastrophe verantwortlich war. Blut tropfte in das verbliebene Auge hinab, ein Arm schien durch die Trümmer zerquetscht, ein Bein eingeklemmt, nicht in der Lage sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Der Junge, der einst noch so heldenmutig dem Teufel entgegentrat und mit seiner unmenschlichen Stärke für Hoffnung und Euphorie sorgte lag in einer Blutlache. Kaum war sein Gesicht unter den Holzresten zu erkennen, doch was zu erkennen war, war das die Gefährten eine bitterliche Niederlage mit einem hohen Preis erlitten. Doch obgleich der Schaden der Revenus zweifelsohne enorm war, ereilte dem stärksten Menschen der Himmelsinseln, des gesamten Kontinents ein noch schlimmeres Schicksal. „Wie..“
      Blut war es, welches zu Boden tropfte. Blut war es, welches mit dieser Tragödie den Untergang Arcadia's besiegelte. Der stärkste Mann war geschlagen, der stärkste Mann auf Knien, drückte mit letzter Kraft seine Hand gegen den Hals des Monsters welches auf ihn hinabsah und die unzähligen Löcher in seinem Körper betrachtete. Ein kaltherziges Grinsen verließ die Lippen des Teufels, in Gestalt des Schrecken des Todes, ein überhebliches „Hah..“, entwich seiner Stimme als er sein Werk betrachtete. Die Pistole drückte sich gegen die Stirn des Mannes, der vor ihn niederknie und trotz seines immensen Ruhms, trotz seiner endlosen Stärke dem Herrscher der Teufel unterlag. „Letzte Worte?“
      Die Miene des in die Jahre gekommenen Mannes verfinsterte sich, während sich seine Stimme mit letzter Kraft erhob. „Du bist eine Schande für diese Welt, eine Schande für diejenigen die an dich glaubten, eine Schande für die Revenus, eine Schande für deine Lehrmeister und eine Schande für die Person die dir am meisten bedeutete. Nicht nur das, nein, du bist eine Schande für die Person die du dein Leben lang suchtest... Ren!“
      Überrascht über die harschen Worte des Mannes, weiteten sich die Augen des Teufels, bevor ihn ein verhöhnendes Lächeln übermannte. „Dir ist bewusst, dass die Taten die unlängst begangen wurden nicht dein Schüler, sondern Ich, Ashiabal, vollbrachte?“
      Wiseman spuckte den Teufel Blut ins Gesicht und grinste in einem überheblichen Ausdruck, welcher zeigen sollte, dass er etwas wusste was der Teufel nicht wissen konnte. Es reizte ihn, verunsicherte ihn und brachte die Lippen des Schrecken des Todes dazu sich zusammenzudrücken. „Was wird das? Was soll diese Arroganz? Denkst du, du wüsstest etwas von dem Ich, der Erschaffer der Akasha Chronik, nichts ahnen könnte?“
      „Ignoranter Teufel.. In der Zeit, in welcher du deine Untertanen in den Krieg gegen die Neuankömmlinge auf diesen Planeten schicktest.. dachtest du wirklich das Damokles Schwert wäre die Katastrophe gewesen die diese Welt entzwei teilte? Ich sprach nie mit dir, niederen Teufel. Sondern mit dem Sohn Milis, der Herrscherin der Urgeister und dem Sohn Galaheads, den Nachkommen der künstlich erschaffenen Waffe menschlichen Ursprungs... Damokles.“
      „Damokles.. war ein Mensch?“, entwich es dem Teufel verunsichert während er seinen Finger fest am Abzug hielt. Wiseman's Augen waren derweil von schwarzen Rändern umzogen, der Blutverlust machte sich bemerkbar und die Sicht verschwamm vor seinen Augen. „Deine Ignoranz... erweckte großes Übel, Teufel...“
      „Halt, du wirst jetzt nicht sterben!“, ertönte es mit gar schon verzweifelten Unterton während der stärkste Mann sein Leben verlor und erbarmungslos zu Boden stürzte.
      „Damokles... Damokles-“
      Der Weißhaarige taumelte nach hinten, drückte seine Hand gegen die Stirn und sah entsetzt jenes vergangenes Massaker vor seinen Augen. Die Teufel waren hoffnungslos unterlegen, das Schwert des Unheils zerteilte einen nach den Anderen, obgleich sich sowohl schwarze als auch weiße Teufel zusammenschlossen, waren sie dieser Gestalt nicht gewachsen. Der Mann mit wallendem schwarzen Haar, der Unheilsbringer mit der stärksten Waffe in seinen Händen, doch war nicht die Klinge die Gefahr für die Teufel sondern die tiefroten Augen des Zorns die sie durchstießen. „Ich muss ihn vernichten.. doch dafür benötige Ich einen anderen Körper! Wiseman? Nein, das Potenzial seiner Kraft ist ausgeschöpft, gegen den Nachkommen Damokles hat er keine Chance.. Der Junge? Ein schier unbegrenztes Potenzial doch nicht genug um dieses Unheil zu beseitigen..“
      Die Hände des Mannes verkrampften sich in seinen Haaren, sein Blick suchte im Raum verzweifelt nach Lösungen als die Stimme einer Person niederhalte und den Blick des Teufels auf ihn zwang. „MEISTER?!“
      „Hoh.. Welch ein glücklicher Zufall..“
      „Ren?!“, entwich es dem Mann mit schlohweißem Haar erschüttert, entsetzt, das Gesicht voller Zweifel verzerrt.
      Der Teufel streckte seine Arme zur Seite aus. Ein kaltes Lächeln ummantelte seine Lippen und mit euphorischer Stimme verkündete er seine Botschaft. „Da bist du ja endlich.. mein perfektes Gefäß!“


      Ein Dialog zwischen den Parteien erstreckte sich über die Diskussion über die weitere Vorgehensweise und Lily enthielt sich des Gespräches. Schmollend, gar schon enttäuscht über den Verlauf, unterwarf sie sich dem Ergebnis und erhob sich widerwillig aus ihrer Sitzposition. „Eeeh, gehen wir jetzt schon? Ich bin noch gar nicht mit dem Frühstück fertig!“
      Doch ihr quengeln wurde nicht erhöht, viel zu sehr befassten sich Gaius und Suzume mit ihrer Streitigkeit. Der Braunhaarige hielt ihr Vorgehen für unverantwortlich und scheute sich nicht davor ihr seinen Standpunkt mitzuteilen, die Braunhaarige empfand ihre Wahl als die einzig vernünftige und schien nicht von ihr ablassen zu wollen. Welche Seite Hestia unterstützte, war unschwer zu erkennen und Lily selbst empfand keinerlei Bindung zur besagten Rachel, womit sie ein Fehlschlag des Mindshifts reichlich kalt lassen würde. Weshalb sich Gaius für sie einsetzte entzog sich ihrem Verständnis, die Sorge um Suzumes Versagen kam ihr gar nicht in den Sinn und von der Schuld Gaius an dem Zustand dieser Frau kannte sie nur jene Gesprächsfetzen die beide miteinander teilten. Gleichgültig folgte sie also besagten Personen, hatte ihre Mühe dabei Schritt zu halten doch holte die drei schließlich mit Mühe und Not ein. Während Gaius und Hestia an Ort und Stelle verblieben um ihre Diskussion zu führen, verharrte Lily kurz an ihrer Position einige Schritte vor den beiden und wandte ihnen einen Blick zu. Aus ihren Augenwinkeln vernahm Sie allerdings, wie Suzume ihren Weg fortsetzte und entschloss sich dem Konflikt aus dem Weg zu gehen und der Braunhaarigen zu folgen. Als die beiden alsbald das Krankenbett der stellvertretenden Anführerin Canards erreichten, vernahm Lily trotz des Starrsinns und der Entschlossenheit ihrer Weggefährtin ein unwillkürliches Zittern in ihren Händen. Wer konnte es ihr übel nehmen.. Selbst die größte Entschlossenheit war nicht in der Lage die Sorge um eine teure Person zu überwiegen, deren Schicksal durch die eigene Schuld besiegelt werden könnte. Zaghaft umschloss Lily die Hand der Braunhaarigen Frau und sah entschlossen zu ihr hinauf, drückte sie einmal fest zusammen und nickte ihr danach zu. Ein peinlich berührtes Lächeln verließ ihre Lippen, während ihre Stimme ertönte, doch statt aufmunternden Worte diese ertönten: „Flammende Göttin klingt irgendwie ziemlich peinlich, sobald Rachel wieder wach ist sollten wir uns zusammensetzen und einen vernünftigen Namen für dich finden. Nicht das irgendwann noch Leute für dich geopfert werden, um den Zorn der flammenden Göttin zu beschwichtigen...“
    • Ungehindert in ihrem Vorhaben ließ Suzume die beiden diskutierenden Parteien hinter sich und zog schnellen Schrittes weiter und weiter in das Dorfinnere hinein. Ihre Gesichtszüge erschienen durchaus gefasst, doch war es mehr Schein als Sein, dass die junge Frau so gekonnte nach Außen dringen ließ. Hinter der gut gehüteten Fassade aus Stolz und Ehrfurcht, tobte ein Sturm von Angst und Versagen. Wohl musste sie sich zusammenreißen nicht im ferngesteuerten Stechschritt in Richtung der Haupthalle zu schreiten und das blanke Entsetzen über sich hereinbrechen lassen. Sie sah sich selbst schon vor sich... das Haupt so weiß wie ein Rad Käse, die Augen gefüllt mit dicken Tränen und die Lippen vollends gespannt, nur Momente davor in Panik auszubrechen, trennten sie jedoch im jetzigen Moment nur mehr die dicke Holztüre vor dem Eintreten in die Halle, wo die Kranken und Verwundeten versorgt wurden. Ein Mindshift... was war nur über sie gekommen? Seit wann begann Suzume denn so unüberlegt und wagemutig zu handeln, ohne näher über potentielle Folgen nachzudenken? Sprach da nur die Hilflosigkeit aus ihr oder fügte sich Dantalion wirklich in einen Teil ihrerselbst ein, der sie stetig skrupelloser werden ließ? Ihren Atem in der Lunge stauend, entwich jener nur gedrosselt zwischen ihren Lippen hervor, wie ein leises, kaum hörbares Pfeifen schwang sie die Wärme aus jenem und vermischte sich mit der taunassen Kälte des Morgens. Zähneknirschend legte die Schwarzhaarige ihre Hand auf die schwenkbaren Tore, drückte das einst so tief dunkelbraun lasierte Holzkonstrukt nach innen und trat ein. "Es gibt kein Zurück...", schoss es ihr durch den Kopf, während ihre Schritte sie nun in die abgestumpfte Dunkelheit im inneren der weiten Fläche trugen. Es gab schon einen Grund, warum man die Lichtzufuhr hier so gering wie möglich hielt. Auch wenn die Halle über aufklappbare Dachflächen besaß, so stellte sich heraus, dass gerade Verletzte und Kranke die Dunkelheit als effektivere Methode empfanden, ihre Krankheiten und Schmerzen "wegzuschlafen" und nicht von der gleißend hellen Sonne, die Schnittwunden und Entzündungen nur unnötig erwärmte und anschwellen ließ, geheilt zu werden. Wohlwahr, Tageslicht hatte bestimmt eine durchaus therapeutische Wirkung und hellt die Stimmung auf wenn es von Nöten ist, doch auch erst dann, wenn man sich als gesamtes, wenn sich Geist und Körper, daran erfreuen können. So tief in Gedanken versunken erkannte sie die Augenpaare der Heilerinnen und Krankenmädchen, die sie verfolgten und ihren Blick danach wieder senkten, ob aus Respekt oder Mitgefühl sei dahingestellt. Suzumes Blick glitt über die vielen Einwohnerinnen und Einwohner, die in ihrer Abwesenheit das Alter heimgesucht hatte. Oruso, Inea, Nedej... sie waren einst drei der besten Nahkämpferinnen hier, noch eigenhändig von Rachels Vater ausgebildet und nun... zierten graue Locken und tiefe Falten die Gesichter der Damen, die nun schon lange mit einem schweren Husten zu kämpfen hatten. All das Goldkraut das man ihnen verabreichte löste die Symptome leider nur kurzfristig. Man konnte sich sicher sein, dass am nächsten Tag keine Besserung eingetreten war.

      Ein Seufzen entkam der Kehle von Suzume, die den Gang zum Krankenbett ihrer besten Freundin nun eher wie die Schritte zum letzten Geleit ansah, endlich verstehend dahingehend, was sie nun eigentlich vor hatte und mit WESSEN Leben sie glaubte, hier zu spielen. Trostlos sah sie auf das friedlich ruhende Gesicht Rachels hinab, wogleich ihr Blick mit ernster Sorge die wenigen Blutspuren um ihre Ohren wahrnahm und sich somit selbst das flaue Gefühl in ihren Magen boxte. Und kurz bevor sie dachte, sie müsse sich an Ort und Stelle über den bewusstlosen Körper der Braunhaarigen übergeben, ergriff etwas kühles ihre schwitzige Hand. Die Konzentration nun voll und ganz auf das lenkend, was ihr da wohl so unscheinbar leise gefolgt war, erkannte die Schwarzhaarige das bleiche, doch wenn nicht weniger aufgeweckte Gesicht Lilys neben ihr, die erwartungsvoll zu ihr hochsah. Danach verließen ein paar wenige Worte die Lippen der Weißhaarigen, was Suzume dann doch ein tonloses Kichern entlockte. Mit einem tiefen Atemzug sah sie wieder auf Rachel hinab und nickte dann. "Das klingt nach einer guten Idee...", lange ließ sie jedoch diese kurze Verbindung ihrer Hände nicht zu, denn nun war der Moment gekommen, wo auch die Schwarzhaarige wusste, dass sie sich nicht mehr davor drücken konnte. "Lily, es kann sein, dass mein Körper während des Mindshifts erschwacht und umkippt. Ich bitte dich darum, mit so viel Kraft, wie du sie nur aufbringen kannst, mich gerade zu halten. Die Verbindung zu Rachel darf nicht durch Kontaktabbruch reißen, ansonsten könnte es sein, dass ein Teil von Dantalion in ihr zurückbleibt und... das möchte ich dringendst vermeiden.", somit zog die Urgeistträgerin einen Stuhl näher an sich heran und setzte sich neben das Feldbett der Verwundeten. Kurz suchte sie nochmal den Blick zur Schwester ihres einstigen Weggefährtens. "Oder kurzgesagt... Rachel muss immer meiner Berührung unterliegen... ganz egal wie... da kann auch mein kleiner Zeh auf ihrer Nase ruhen, verstehst du?", auch wenn Suzume mit dem kleinen Spaß am Ende die Situation auflockern wollte, so erkannte sie, dass sie der Weißhaarigen diesbezüglich keien gutgläubigen Fallen stellen konnte, weshalb das künstlich aufgesetzte Schmunzeln auf ihren Lippen relativ schnell verschwand. Ein letztes, absicherndes Lächeln in die Richtung ihrer Begleitung und Suzume begann. Sie nahm eine der Hände von Rachel in ihre rechte und umfasste mit der linken ihren Kopf, nur um ihren Mittelfinger auf Höhe ihrer Schläfe liegen zu lassen. Sie atmete tief durch, sog die staubige Luft in ihre Lungen, schloss ihre Augen und versuchte sich selbst in Trance zu versetzen, während ihre Verbindung mit Dantalion aufgebaut wurde. "Dante, ich brauche deine Hilfe...", rief sie in die ewige Tiefe ihres Bewusstseins hinein und wartete auf eine Antwort. Nichts. Stille. Suzume zog ihre Augenbrauen zusammen. "Dante!", stach sie vorwurfsvoll hinterher, als ein Räuspern ihr inneres Ohr durchflog. "Du glaubst doch nicht allen ernstes das ich da mitmache, oder? Du hast wohl vergessen, dass du mich dazu nicht zwingen kannst. Genauso wenig wie ich dich nicht mehr zu etwas zwingen kann. Bist du übergeschnappt, Suzume?!", den Trotz und die Erbostheit in seiner Stimme konnte die Schwarzhaarige bis in ihre Knochen spüren, als er die Hitze seiner Wut über sie ergehen ließ. Er hatte wohl Recht. "Das ist mir schon bewusst! Glaubst du, ich würde es nicht wagen, wenn ich einen anderen Weg sehen würde?" - "Hmm... aber im Finden von Lösungen warst du doch eigentlich immer sehr... profund ausgestattet. Oder täusche ich mich?" - " ... Dante, das hier ist etwas anderes. Über den Ahnenhort können wir gerne nochmal wann anders reden. Jetzt geht es darum, dass die Teufel die Welt überrennen könnten... ganz liebreizende Gesellen, wie ich mithören konnte.", Suzume wollte eigentlich nicht mehr auf Kriegsfuß mit ihrem Urgeist stehen, aber manchmal machte er ihr es sonderbar schwer zusammen zu arbeiten. Jedoch ertönte ein genervtes Schnauben seinerseits. "Na gut, also was hast du vor?" - "Versuche Rachel zu erreichen und frag sie, ob es hier in Canard eine Möglichkeit gibt, nach Arcardia zu reißen... ein Luftschifft, ein Heißluftballon, eine... andere... Art des fliegenden Reisens... das ist alles." - "Das ist alles?" - "Ja, das ist alles. Ein einfaches Ja oder Nein reicht schon." - "... Suzume du weißt ich stehe danach gröber in deiner Schuld." - "Ich vergelte dir nichts mehr Dante, aber ja... wir können gerne-" - "Jajajaa... Ist ja schon gut... warte...", und dann verließ seine Stimme ihren Körper. Ein ungewöhnliches Gefühl, als jene Person, die jahrzehntelang ein treuer, wenngleich unsichtbarer Begleiter, mit einem Mal verschwand und nichts als Leere zurückließ. Suzume konnte die Leichtigkeit spüren, die sich um ihren Kopf ausbreitete und die plötzlich eintretende Schwere in ihrem Herzen. Ein letztes Mal durchdrang die Hitze ihre Finger, als sich eine gar normale Kühle um ihren Körper wog. Er war weg... er hatte sie verlassen... er war...

      Weg... Kaum hatte Suzume sich über den inneren Frieden gefreut, umso mehr stieg plötzlich die Panik in ihr hoch. Er war weg. Weg. Er war jetzt bei Rachel... was die Abstinenz seinerseits bei ihr auslöste, schockierte Suzume mehr als es eigentlich sollte. "Dante...", rief sie in den Raum ihres Kopfes, welcher nun gefüllt war mit abertausenden von schreienden Gedanken und Worten, die er zuvor so gekonnt unterdrückt hatte. "Dante!", hallte es erneut hinterher... wie ein Lichtstrahl im Labyrinth eines schwarzen Loches gefangen, verfing sich ihr drohender Schrei in dem mit Lärm überfüllten Gefäß ihrer Gedanken... als wäre jener Lärm ihr Atem, ihr Herzschlag, ihr Puls und Nervensystem... so sehr kitzelte es, so sehr kribbelte es auf ihrem gesamten Körper, beinahe schon, als würden tausende und abertausende Ameisen sich den Weg über ihre Haut suchen und eine Sensation von sich anbahnender Verrücktheit hinterlassen. Und ja, genauso kam es der jungen Frau vor... als würde sie ihren Verstand verlieren. "DANTALI-!", mehr erfuhr ihr vergebener Ruf nicht, als sich die Wärme zurück in ihren Körper fraß, schneller und geschmeidiger, als je zuvor. "Was schreist du hier so rum, hä?! Der ganze Platz ist nicht nur für dich und deine kleinlichen Ängste da!", sie konnte ihn direkt sehen, wie er erbost mit den Armen ruderte und ihr schneidende Blicke zuwarf. Angestrengt ging der Schwarzhaarigen Atem, doch drang ein Seufzen der Erleichterung mit jenem mit. "Ich... ich dachte... also, ich dachte nur..." - "Du dachtest ich lass dich hier zurück, oder? Meine Liebe, auch wenn mir deine Welt und alles was dich damit verbindet manchmal wirklich zuwider ist, du viel zu wenig isst und schläfst und auch, dass du Aiolos nun zu deinen Freunden zählst... hatte ich noch keinen Träger... und keine Trägerin wie dich. Ich geb´s nur ungern zu und das weißt du auch... aber... ich kann dich gut leiden und wir resonieren... vortrefflich.", Suzume sagte kurz nichts, konnte dann aber den Stolz in ihrer Brust spüren der sich ausbreitete. "Das ist dir echt schwer gefallen, stimmts?" - "NA HÖR MAL! Willst du jetzt wissen was Rachel zu sagen hatte oder nicht?! Spar dir solche Frechheiten, junge Dame!" ... der Blauäugigen im Stillen noch erzählend was er herausgefunden hatte, schickte er seine Trägerin, wohl noch etwas angesäuert über jene spitze Bemerkung, etwas zu forsch in ihr Bewusstsein zurück, was Suzume dazu veranlasste, wie von einer unsichtbaren Kraft nach hinten geworfen zu werden. Mit wachen Augen aber starrte sie dem fragenden und ohnehin in Sorge getauchten Gesicht Lilys entgegen. "Und?!", entwich es ihrer Kehle und über dem Mund der jungen Frau ging ein Strahlen auf. Sie hob sich auf die Beine, drückte nochmals kurz dankbar die Hand von Rachel, schnappte die Weißhaarige am Handgelenk und zog sie eilig hinterdrein, hinaus vor das Tor der Haupthalle, wo bereits Hestia und Gaius warteten. Dort angekommen wurde sie von einem Schwall an Fragen und Worten überhäuft. Die Neugier der Dreien kannte keine Grenzen und es war an dem Braunhaarigen der nähertrat und sie in dem lauten Stimmgewirr an den Schultern packte und leicht schüttelte. "Ingslöperaoameakcaeaehusshast du rausgefunden Suzume?!", beendete der Windgeist das eifrige Geplapper und starrte ihr erwartungsvoll entgegen. Auch wenn sie die Panik in seinem Blick sah, welche davon zeugte, dass er nicht glauben konnte, das der Mindshift wohl funktioniert hatte. "Dantalion sagte mir, es gäbe weiter im Norden, eine kleine Lichtung... dort hat Rachels Vater eine Art Propellerbetriebenen Luftgleiter gelagert... Eine Mischung aus Heißluftballon und Luftschiff... wir werden es sehen, wenn wir dort sind... die Forschung dazu steckte damals noch in den Kinderschuhen, aber sollte dieses Ding laut den Plänen funktionieren... sofern es noch da ist und nicht in Trümmern unter dem Stall liegt, welcher die Maschine schützen sollte.", während sie die erfahrenen Informationen mit ihren Gefährten teilte, erkannte sie, wie die Fragezeichen auf den Häuptern der drei größer wurden, gleichsam aber teilten sie alle vier den Funken der Hoffnung, welcher gerade der Schwarzhaarigen zuletzt gefehlt hatte.
    • "Dafür könnte es bereits zu spät sein."
      Fragend wandten sich die Blicke in Richtung jener Person dessen Lippen diese Worte verließen. "Wer bist du?"
      "Ashe", entwich es der Person in ruhiger Tonlage, während seine fast schon leblos wirkenden Augen in Richtung Suzume und Gaius starrten. "Urgeister. Ihr wisst bereits über die Existenz der Lebensformen außerhalb eures Planeten Bescheid, nicht wahr?" Gaius musterte die fremde Persönlichkeit und lehnte seinen Arm vor seine Gefährtin. Ihm war bewusst das Suzume keinerlei Schutz bedurfte, dass es sogar sinniger wäre sie an seiner Seite kämpfen zu lassen und dennoch überwog seine Schuld ihr Vertrauen in Form der Verletzungen ihrer treusten Gefährten, verletzt und missbraucht zu haben. "Ashe. Du beherbergst gefährliches Wissen. Nenn mir einen Grund weshalb wir dich nicht sofort umbringen sollten!"
      "Ren, war sein Name?"
      Lilly stürmte sofort an Gaius vorbei und stellte sich dem Weißhaarigen Mann in den Weg, legte ihre Hand vor die Brust und sah ihm entschlossen entgegen. "Was ist mit ihm? Ist er am Leben? Wo finden wir ihn?"
      "Du bist also auch..", ein leichtes schmunzeln entwich den Lippen des Mannes bevor seine Augen sich für einen kurzen Moment schlossen und er in Form einer Abwehrhaltung seine Hände erhob. "Junges Fräulein, dürfte Ich deinen Namen erfragen?"
      "Meinen Namen? Beantworte mir erst meine Fragen!"
      "Kanagi Lilly..", ertönte es von Gaius der lediglich mit seinen Schultern zuckte als seine Gefährtin ihn einen bösen Blick zuwarf. Nun mischte sich allerdings auch Hestia ein, dessen Geduldsfaden zu platzen schien und wandte sich zu Wort. "Das führt doch zu Nichts! Wer oder Was bist du und was willst du von uns?"
      "Eine komplizierte Geschichte für eine andere Zeit, doch vermutlich rückt der Begriff 'Teufel' Licht ins Dunkle. Bevor wir uns mit meiner Herkunft beschäftigen, solltet ihr wissen das Arcadia derzeit in höchster Gefahr schwebt und das Ren in Gestalt des weißen Teufels der Urheber dieser Katastrophe ist. Wir Teufel besitzen ein kollektives Bewusstsein, alles was der Herrscher uns mitteilt erfahren wir auf direktem Wege und so nutze ich den Teufel in mir um an Informationen zu kommen."
      "Korrigier mich falls Ich falsch liege Ashe, aber könnte es sein.."
      Ein seufzen entwich den Lippen der Weißhaarigen Gestalt bevor Ashe den Worten Gaius etwas zu erwidern wusste. "Gewinne ich dadurch euer Vertrauen? Ja, in der Tat. Ich bin das, was euch Urgeistern unter den Begriff Mensch bekannt ist. Kein Revenus, kein Eos, kein Logos sondern ein waschechtes Original. Doch die Zeit drängt, deshalb erbitte Ich dich Urgeist des Windes der noch keinen Wirt innehält, rettet ihn."
      Gaius brodelte förmlich vor Zorn, seine Lippen spitzten sich und sein Atem stockte bei den Worten die ihm entgegen gebracht wurden. Ihn retten? Selbst wenn Gaius nicht die wahre Persona Aiolos war, so wusste er dennoch die Gegenwart seines besten Freundes ferner Zeit zu schätzen, jenes Freundes dessen Leben der Schrecken des Todes kaltblütig nahm. Selbst wenn seine Gefährtinnen einen gewissen Draht zu jener Person besaßen, so war es ihm schier unmöglich den Schwarzhaarigen Revenus für seine Taten zu vergeben. Und nun bat eine schier fremde Person, eine gar weltfremde Entität ihm, einen der Herrscher dieser Welt für seinen Peiniger einzustehen und für seine Sicherheit zu sorgen. "Soll das ein Witz sein?"
      "Begrab deinen Groll, Urgeist. Ansonsten könnte seine Engstirnigkeit zum Untergang der Welt wie ihr sie kennt führen!"
      Lilly zog ihr Schwert und stellte sich vor Gaius und den Anderen. Ganz gleich ob die mysteriöse Person mehr über ihren Bruder wusste, so würde sie es nicht zulassen ihre Kameraden, die einzig wahre Chance ihren Bruder wiederzusehen, einer Gefahr auszulassen die sie mit ihren eigenen Händen beseitigen könnte. Ihr Blick war wacker, gar schon tapfer und zielgerichtet, doch ihr Gegenüber dachte nicht mal im Ansatz daran ihr auch nur ein Haar zu krümmen.
      "Suzume.. Du bist hier mit Abstand die Stärkste von uns.. Er scheint nicht mit der kompletten Wahrheit herausrücken zu wollen, doch sowohl Gaius und Lilly scheinen ihn zu misstrauen. Lass mich dir als altes Eisen jedoch etwas mitteilen. In meiner langen Zeit bei Wiseman, erfuhr ich von Mili und Galahead so einige Sachen obwohl beide Wesen zu sein schienen die nicht weltfremder sein könnten drückten sie dabei immer eine Aura aus die wohlgesonnener nicht sein konnte. Bei diesem Ashe spüre Ich ähnliches, mein Bauchgefühl sagt mir man könne ihn trotz des Teufels in ihm vertrauen. Was hältst du davon?"
      "Lasst mich meinen Plan erläutern bevor ihr eure Entscheidung fällt. Unter meinen Gefährten in Arcadia gibt es einen Revenus der den Klauen der Teufel entkam, ihn verzerrte und damit sein eigenes Leben wiederherstellte.. außerdem hatte er bereits Kontakt mit dem Windgeist. Für den Windgeist wäre es möglich einen Pakt mit jenen Revenus zu schließen und ihn als Wirt zu nehmen um direkt nach Arcadia zu gelangen. So könnte er Zeit für uns schaffen um selbst mit dem Luftschiff nach Arcadia zu gelangen und der bevorstehenden Katastrophe, vermutlich sogar dem Untergang von Arcadia Einhalt zu gebieten."
    • Das plötzliche Auftauchen der neuen Figur im Spiel, lies der Schwarzhaarigen Miene für den ersten Moment gefrieren. Wie auch aller anderen Blicke, war der ihre nun auf den Neuankömmling gerichtet, der sich ihnen als Ashe vorstellte. Zuerst dachte Suzume, es wäre ein einstiger Anhänger Van Zephyrs, der nach wie vor im Hintergrund, jenen zwielichtigen, grausam unreflektierten Grundgedanken des verschiedenen Feindbildes ausführte. Doch begann sich der Herr zu erklären und lies für geraume Augenblicke die gesamte Truppe in ungläubigen Staunen zurück. Das weiße Haar seinerseits schwebte ihm wie eine feste Wolke über dem Haupt und wog sich nur sanft, beinahe unmerklich in dem frühwinterlichen Wind, der die ruhebringende Jahreszeit so unspektakulär einläutete. Völlig von dem Erscheinen seinerseits geblendet, entkam es der jungen Frau, dass sich Gaius vor sie geschoben hatte... mit zusammengepressten Lippen huschte ihr Blick kurz auf den Hinterkopf des Windgeistes. Sie konnte die Beweggründe für seine Tat schon verstehen, dennoch... war sie für den Moment kaum bereit ihm zu verzeihen. Auch wenn es diese eher selbstlos wirkende Handlung ihr schon wieder etwas schwerer machte, den Groll auf den Gleichgesinnten in Geist und Seele aufrecht zu erhalten. So richtete sich Suzumes Aufmerksamkeit wieder auf den Erschienenen, lauschte dem kurzen, wenngleich sehr aussagekräftigen Gespräch zwischen den vier Parteien, bis sich Hestia in die Diskussion einmischte. Die großgewachsene Dame stemmte die durchtrainierten Arme in die Hüfte und rümpfte die Nase, während sie ihre Gedanken kund tat und ja, sie hatte schon Recht. Zwar war sich Suzume über die Abstinenz speziellerer Fähigkeiten bei Hestia durchaus bewusst, doch verfügte diese, in ihren Augen, Mutterfigur, doch eine sehr ausgeprägte Menschenkenntnis und niemals noch, nein kein einziges Mal, hatte sich Hestia getäuscht, was Personen und derer Absichten anbelangte. Sie hielt einen Moment inne, sog die nach Erde,m Pilzen und vermoderndem Laub riechende Waldluft tief in ihre Lungen... erkannte Noten von Harz, Schnee und Kiefernzapfen in jener, als würde sich die Welt in aller Sänfte vom Herbst verabschieden und Raum bieten für den kalten, stillen Schlaf von Mutter Natur, der Raum und Zeit gefühlt zum Stillstand brachte.

      Die Luft gestockt in ihren Lungen wahrend, entwich ihrer Nase nur langsam der Atem, der der Schwarzhaarigen Vernunft schenken sollte. Ihre Augen waren auf Ashe gepinnt, ihr Blick leicht verengt, als würde sie auch nur eine kleine Abweichung auf seinen Zügen suchen, der seine Aussagen zunichte machen würden. Es sich verhaltend zu fest ihre Zähne zusammenzubeißen, erkannte man bei genauerem Hinsehen, wie sich ihr Kiefer anspannte und wieder locker ließ. Mit einen schweren Schnaufen legte die Schwarzhaarige ihren Kopf schief. "Was sagst du dazu..." - "... wenn ich dir sage, dass ich zum ersten Mal nicht sicher bin... glaubst du mir dann?" - "Ja. Ich kann ihn auch nicht durchschauen... entweder er schafft es wirklich gut, seine Absichten zu verschleiern, in dem er seinen Teufel gut unter Kontrolle hat... oder umgekehrt..." - "Oder er meint es wirklich so wie er sagte... wir können uns nicht sicher sein, dafür vermögen auch meine Sinne zu stumpf zu sein... entweder er spielt ein Spiel... oder aber er sagt uns voll und ganz die Wahrheit" - "Da stimme ich dir zu... auch wenn die Neuschließung eines Paktes wohl oder übel heißen würde Zeit zu sparen... DAS kann ich unmöglich für Gaius entscheiden." - "Ich verstehe... vielleicht hilft es dir, wenn ich dir dennoch sage... die erste Welle eines Charakters die man als Dämon verspürt, sollte man einem andere nicht irdischen Wesen begegnen, ist für unser weiteres Denken über jene Entität ausschlaggebend... nach diesem Prinzip habe ich mir unter anderem für dich entschieden... und auch dieser Kerl da... in mir läutete keine einzige Alarmglocke... was jedoch besprochene Themen trotzdem nicht ausschließt." - "Gut... danke dir..."... Auch wenn im Kopf der Schwarzhaarigen das Gespräch zwischen dem Dämon und ihr dementsprechend lange gedauert hatte, so waren in der Welt hier vielleicht 20 Sekunden vergangen. Es war der Braunhaarige vor ihr, der den Blick interessiert nach hinten gerichtet hatte und ihre Wenigkeit wartenden Blickes über die Schulter ansah. Natürlich... es wäre ihm ein leichtes gewesen in ihr Gespräch einzudringen und zu lauschen... vielleicht hat er das auch getan... die Frequenzen der Urgeister waren nur für Paktträger und Benannte hörbar. Es wäre ein außerordentlicher Zufall gewesen, hätte Aiolos nicht zumindest wattierte Gesprächsfetzen heraushören können. Suzumes Blick aus den glasig erscheinenden Augen richteten sich auf das erwartungsvolle Grau des Mannes ihr gegenüber. Ein Räuspern war zu hören als auch Hestia mit verzogenen, fragenden Augenbrauen ihren Körper nach vor lehnte, die Arme vor der Brust verschränkt und der Schwarzhaarigen einen verständnislosen Blick zuwarf.

      Sie atmete nochmals kurz, tief durch. "Deine Schlussfolgerung klingt... plausibel. Glaub mir... wir alle hier, wollen das selbe Ziel erreichen. Wir wissen um die Lage Bescheid... wir sehen die Not, die Zeit die drängt... wir sehen die gesprengten Ketten und die Zerstörung die sie anrichten. Nichts lieber würde ich dafür geben, um der Vernichtung Einhalt zu gebieten. Ich würde mir eine Vene aufschneiden und die Lösung aus mir herausbluten, wenn das bedeuten würde, dass in dieser gebeutelten Welt endlich wieder Ruhe, Frieden und neues Leben einkehren kann... damit der Tod schwindet und die Trauer versiegt. Alles, wirklich alles bin ich bereit einzugehen, um dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten... aber ich kann nicht... für einen Freund entscheiden. Das steht außerhalb meiner Befugnis... Ich bin nicht die Person, die über das Leben einer anderen entscheiden kann... darf... ich will sie nicht sein. Ich habe schon so viele in den Tod geschickt durch meine Befehle... und ich werde wahrscheinlich noch viel mehr durch meine passive Hand erschlagen und erschlagen lassen... aber nicht ihn. Aiolos... soll und muss mit jener Person einen Pakt schließen, die er als fähig und würdig erachtet. Diese Entscheidung soll ganz und gar seinem Willen entsprechen. Natürlich natürlich... die Zeit drängt, es wäre die vernünftigere Option... das ist mir alles bewusst... ganz und gar. Aber ich entscheide nicht für ihn. Wir sind so weit gekommen, wir haben es bis jetzt geschafft ohne ein solches Opfer zu bringen und werden auch weiterhin einen Weg finden. Ich werde ihn nicht zum Spielball machen, nur weil es "vielleicht" zu spät sein könnte. Er ist sein eigener Herr, er entscheidet. Nicht ich.", diplomatisch wollte sie sein. Fair, aber nicht zu abwehrend. Ihr Tanz auf Messers Schneide zwischen diesen Extremen war aus ihrer Sicht erfolgreich. Ja, wohl hatte sie noch das ein oder andere Wort übrig, aber hatte sie genug gesagt. Die Blicke ruhten auf ihr und eine lange Stille breitete sich aus. Suzume sog schniefend die Luft durch ihre Nase empor und richtete ihre dunkel verschleierten Augen gen Boden, konzentrierend nicht die Härte ihrer aufgeregten Atmung durchscheinen zu lassen.
    • "Suzume, ist das wirklich dein Ernst?", entwich es mit verbitterten Unterton gar einer rhetorischen Frage gleichend, da die Person die jene Worte aussprach bereits die Antwort auf ihre Frage zu erkennen schien. Die heruntergezogenen Mundwinkel verzierten, jenes zierlich wirkende Gesicht der personifizierten Unschuld obgleich Unschuld mitnichten als Begriff für die Gestalt, in anderen Worten die Kopie die einst der orignalen Kanagi Lily entprang, genommen werden könnte. "Hast du seine Worte wahrgenommen?" Die Stimme der aschblonden Frau erhob sich fast schon hysterisch, in einer Lautstärke die noch kurz vor der unbändigen Wut innehielt und im bildlichen Sinne den letzten Tropfen darstellte, der das Fass zum überlaufen bringen sollte. "Lily, stopp! Du redest dich in Rage, versuch deine Gedanken zusammenzunehmen!", ertönte es in hartem Tonfall von Hestia, die mit ihrer schroffen Antwort nur Öl ins Feuer goß. "Hestia, du elende Heuchlerin! Bedeutet dir Ren gar nichts?" Die Rothaarige presste ihre Lippen zusammen. In ihren Augen funkelte für einen kurzen Moment der Zorn über diese unfaire Anschuldigung auf, bevor ihre Hand sich instinktiv erhob und der aschblonden Frau eine Ohrfeige verpasste. Der Kopf schnellte zur Seite, die Wange verfärbte sich rötlich und fast schon hasserfüllt drängten sich die gräulichen Augen aus Lily Augenwinkeln der Rothaarigen entgegen, die entsetzt auf ihre Hand starrte. "Lily warte, so war das nicht-"
      "HAT ÜBERHAUPT EINER VON EUCH ZUGEHÖRT?! WIR KÖNNEN REN RETTEN! DIE ZEIT DRÄNGT, JEDE SEKUNDE KÖNNTE DIE LETZTE SEIN UND DU REAGIERST SO? SUZUME!"
      Lily, zuvor noch diejenige die der Braunhaarigen Mut schenkte und ihr Unterstützung zusagte, als sie in der Not jemanden benötigte der ihr sagte, dass das was sie tat das Richtige war. Diejenige die ihr bei der Entscheidung um Rachel an der Seite stand, stapfte in Richtung der Braunhaarigen und packte ihren Kragen. "Ist dir dieser Mann wichtiger als mein Bruder?! Der Mann mit dem du deine Kindheit verbrachtest, der Mann der dir stets zur Seite stand, der Mann der dir nach deinem größten Verlust die schmerzhaften Erinnerungen nahm? Der Mann der dich über alles liebte?!" Fast schon angewidert sah das Mädchen zu ihrem Gegenüber hinauf um ihr direkt in die Augen zu sehen. "Du verdammst ihn, wendest dich von ihn ab nur um jemand Anderen die Möglichkeit zu geben frei entscheiden zu können?! Suzume, Ich.."
      Das Mädchen biss ihre Zähne zusammen, ihre Hände zitterten vor Zorn und ihr Augen kniffen sich leicht zusammen. Nach nur wenigen Momenten löste sich ihr Griff. Sie trat zurück, langsam aber stetig und fand an der Seite des Weißhaarigen Mannes Platz bevor sie vorerst in das erdrückte Gesicht Hestias sah, die verzweifelt versuchte die richtigen Worte zu finden, danach in Gaius Gesicht sah, der gegenüber der Schwester des Mörders seines besten Freundes keine Empathie entgegnen konnte und zum Schluss zu Suzume deren Blick sie nicht deuten konnte. "...bin fertig mit dir. Versuch deinem Schicksal als Träger der Urgeister gerecht zu werden.. Währenddessen werde Ich mich um die wichtigen Dinge kümmern und meine Familie retten! Und selbst wenn Ren dir einst verzeihen wird... Ich werde es niemals!"
      Die emotionskarge Miene des Weißhaarigen Mannes sah für einen kurzen Moment zu seiner Seite, an der jenes Mädchen Halt fand welches in ihrem Antlitz einer alten Gefährtin seinerseits ähnelte. Ein schlichtes Lächeln des Nostalgiewillens entwich seinen Lippen, bevor er noch einmal entschlossen zum Windgeist blickte und seine letzten Worte aussprach. "Ich schätze mit Loki an meiner Seite, hätte Ich euch zu eurer Entscheidung zwingen können doch auf mich allein gestellt werden meine Kräfte nicht genügen. Sagt mir, Urgeist Aiolos: Nach all dem was ihr vor Ort wahrgenommen habt, was ist euer Entschluss?"
      Gaius, der das ganze Schauspiel miterlebte blieb stur und konnte seine Verachtung dem Schrecken des Todes gegenüber nicht beiseite legen. Die Fürworte Hestias und Suzumes bestärkten ihn in seiner Meinung und befürworteten sein Vorgehen weshalb seine Meinung die gleiche blieb. "Ich, Aiolos der Geist der Winde und der Stürme bin bereit einen Pakt zu schließen. Doch wird mein Paktpartner nicht ein dahergelaufener Revenus sein, sondern Suzume selbst, die mir den Rücken stärkt! So wird es mein Eid sein den Wind widerzuspiegeln, der ihren Rücken stärkt und sie vorantreibt!"
      Fast schon niedergeschlagen sah der Weißhaarige zu Boden und schloss für einen kurzen Moment seine Augen. "Eine törichte Entscheidung... Dennoch wurde die Entscheidung gefällt und diejenigen die ihr entgegensprechen müssen sich beeilen um die Fehler jener zu beseitigen. Verzeiht meinen kurzen Auftritt, doch die Nachkommin meiner Gefährtin und meine Wenigkeit müssen zumindest ihren Bruder retten, wenn der Niederfall Arcadias schon in den Stein gemeißelt steht!"
      Weiße Flügel breiteten sich auf den Rücken des Mannes auf, doch nur Gaius und Suzume waren in der Lage sie zu sehen. Hestia blieb das Wissen verwehrt, doch ihre Gedanken befanden sich komplett woanders denn noch immer versuchte sie die Worte zu finden die Lily davor stoppten in ihr Unglück zu laufen und Suzume und Hestia das nötige Vertrauen zu schenken. Zeit, es war Zeit was sie brauchten. "Lily! Wir brauchen nur etwas-"
      "Spar dir die Worte, Heuchlerin. Auch Wiseman ist momentan in Gefahr und du lässt ihn im Stich, nur weil du auf seine Stärke vertraust. Ist dir in den Sinn gekommen, dass auch Wiseman sterblich ist? Es hätte nur einen Urgeist gebraucht um ihn zu unterstützen. Nur 7 Sekunden können über Leben und Tod unterscheiden, dennoch werdet ihr Tage brauchen um zu realisieren das alle die ihr liebtet ihr Leben ließen." Abwertend wandte sich der Blick Lilys noch einmal in Suzume Richtung, während der Weißhaarige sie von hinten umarmte und sich mit Lily zusammen in die Lüfte erhob. "Und das alles nur, weil dir die Entscheidungsfreiheit einer einzelnen Person wichtiger erschien. Ihr Blut wird an deinen Händen kleben, Flammende Göttin.."

      Inzwischen tobte der Kampf der zwei Gefährten, einst Kindheitsfreunde und nun Kontrahenten jener Parteien die Arcadia retten und die Arcadia vernichten wollten. Klingen klirrten einander, Funken sprühten erbarmungslos zur Seite und flogen über die Trümmer einher, hüllten die kläglichen Überreste des Anwesens des stärksten Mannes in Feuer und erhellten die finstere Nacht, sowie die fragilen Figuren die in der Ferne wieder und wieder zum Schwertspiel ansetzten. "REN! WARUM?!"
      Das diabolische Grinsen ummantelte die Lippen des Mannes, der einst die Gestalt Rens innerhielt doch nun dem Teufel in sich nahe kam und die Flügel des Teufels ummantelten den Körper des Königs, hinderten ihn daran sich loszulösen, auszuweichen, den Zorn beiseite zu legen und seiner Sicherheit im letzten Moment Sicherheit zu gewähren. "Was ist den los, mein teuerster Freund aus vergangener Zeit? Ren? Nanntest du mich, nein ihn nicht immer bei den Namen K? Mhh~?"
      "Wer bist du?! Was hast du mit Ren gemacht?"
      Noch immer begegneten sich die Schwerter beider Kontrahenten, doch fast schon mit gespielter Leichtigkeit nahm der Druck durch die Arme Ashiabals zu und brachte den König dazu eines seiner Beine nach hinten zu versetzen um mehr Gewicht in seinen Schwertstreich zu legen. Die Zähne fest zusammengebissen, die Augen verschmälert und mit voller Kraft dem Teufel standhaltend, vernahm er alsbald die Antwort auf seine Frage. "Bravo! Selbst als gewöhnlicher Eos bist du in der Lage, der Kraft des Teufels höchstpersönlich standzuhalten? Du bist es wahrlich, du bist mit absoluter Sicherheit das Gefäß nach dem Ich mich seit all den Jahren, den Jahrzehnten, den Jahrhunderten gesehnt habe! Wenngleich du nur der Nachkomme meines Originals bist, so steht es dennoch außer Frage das dein Potenzial grenzenlos zu sein scheint."
      "Gefäß? Wovon redest du?!"
      Noch ein Stück nach hinten, noch ein wenig weiter und schon ging der König in den Kniestand um mit letzter Kraft dem nahenden Ende durch den Hieb seines besten Freundes von seiner Kehle abzuhalten. Die Flammen loderten empor, das Blut all jener die an der Seite lagen verzierte das hölzerne Parkett, die Schreie der Bewohner Arcadias hallten noch immer in der Umgebung nieder und die Teufel schienen den Untergang Arcadia's fast vollständig erreicht zu haben. Noch immer standen die mutigen Kämpfe inmitten des Getümmels, selbst Veriae der sich den Schweiß von der Stirn wischte, doch in Angesicht der unsichtbaren Bedrohung nur mehr und mehr Wunden einzustecken vermochte. "Tragisch, nicht wahr? Ihr versuchtet vergeblich in die Fußstapfen eures Vaters zu treten und seinen sinnlosen Tot aufzuklären.. Soll ich euch zum Abschluss verraten, wer der wahre Mörder eures Vaters war, mein König? Zum Abschluss bevor Ich, Ashiabal, euren Körper übernehme? Hmmm~? Tick, Tack, die Zeit läuft ab!"
      "Red keinen Unsinn!", entwich es dem Weißhaarigen Mann, der sich aus seinen Kniestand erhob und der in jenem Moment den Teufel zumindest für ein kurzes Intervall zurückdrängte. "Hm"
      Ein simples Schmunzeln verließ die Lippen des Teufels. "Ich war es! Schon damals lag es in meinem Sinne Arcadia zum Niederfall zu bewegen und nun, benutze Ich euren teuren Freund als Werkzeug dafür!"
      Die Augen des Weißhaarigen weiteten sich und diesen Moment nutzte Ashiabal aus um in nach hinten zu drängen. Doch anstatt zu fallen, drückte sich der Rücken des Königs an die Flügel des Teufels. "Eh?" Entgeistert über den Halt im Unsichtbaren, starrte der König seinem Untergang entgegen. "Nun werdet ihr es sein, der für den Niederfall eures Königreiches sorgen wird! Ironisch, nicht wahr? Absolut fantastisch, nicht wahr?!"
    • Ein fahler Schatten legte sich über das Gesicht der jungen Dame, als die von Wut und Trauer getränkten Worte der jungen Frau sich lautstark den Weg durch die vorabendliche Szenerie drängten. Suzume konnte die Missgunst und das Unverständnis Lilys gut verstehen… sie erkannte den Schmerz in ihrer Stimme, das Glitzern des Hasses in ihren Augen und die Furchen des Zorns in ihrem Gesicht als ein letzter, nicht reumütiger, aber durchaus schuldiger Blick in ihre Richtung huschte. Das Schwarz ihrer Haarpracht verdreckte Großteils jedoch die Regungen in der Urgeistträgerin Gesicht, welche ihre Haupt seicht abwand und mit zusammengebissenen Zähnen gen Boden starrte. Lange trieften die schweren, zähflüssigen Worte der Schwester des Besessenen über die Häupter der Anwesenden, die sich durch die Worte der Schwarzhaarigen allesamt gegen den vorgeschlagenen Plan des Neuankömmlings stellten… freiwillig oder nicht. Suzume hatte entschieden. Und sich in den Augen ihres eigentlichen Schützlings gegen sie und ihren Bruder gewandt. Die Blauäugige verstand schnell… die Emotionen, die in Lily hochkochten, waren der bloße Eifer, die Sorge um das Wohlergehen ihres Bruders… ihre Worte waren hart gewählt, wahr, aber trotzdem nicht fair. Blind vor Liebe zu Ren, einem Mann der wohl oder übel gar nicht gerettet werden wollte, verlor sie das Wesentliche aus den Augen. Jegliche Schritte die nicht auf dem Weg gesetzt werden, den sie sich dachte zu gehen, waren die falschen, die verräterischen, die geheuchelten. Lily sagte es selbst… sie waren alle Heuchler. Auch als Hestia versuchte zu intervenieren, um die Lage zu entschärfen, gab es für die junge Frau aber nur einen Blickpunkt… Ren zu retten. Koste es, was es wolle… doch übersah sie dabei das große Ganze. Das, was ihr eventuell im Nachhinein noch klar werden würde, war für sie im Moment kurzum der höchste Verrat an Leib und Leben. Die Urgeistträgerin ließ ein angespanntes Seufzen hören. Natürlich, sie würde lügen, wenn sie sagen würde, der Ausbruch Lilys würde sie kalt lassen… aber musste sie entscheiden, was jetzt um voranzukommen das richtige war. Wohl, weder noch… richtig und falsch gab es nicht mehr. Egal welchen Weg sie einschlug, es würde immer irgendjemandem geschadet werden, ob sie wollte oder nicht. So konnte die junge Frau nur zusehen, wie sich Lily mit dem Fremden kurzerhand verbündete. Sie hielt sie nicht davon ab… wer solch harte Worte wählte, dessen Kampfgeist war unzügelbar und die Blauäugige wollte es nicht sein, die Lily davon abhielt, ihrem Ziel näher zu kommen. „Lily ich…“, schwach raunte die junge Frau die Worte hervor, die weder Anklang noch Gehör fanden, jenes Ziel aber auch nicht verfolgten. Jeden Versuch sich zu erklären würde die Weißhaarige dem Erdboden gleich machen.

      In Unglauben presste Suzume die Lippen aufeinander und sog scharf die Luft durch ihre Nase ein, als das kurze Gespräch zwischen Gaius und dem Menschen zu einem Ende kam und der Windgeist ihr somit verkündete, sich sie als neue Trägerin ausgesucht zu haben. Sie verhielt es sich den schwarzen Schopf herumzureißen, an den Hauptmann heranzutreten, ihn an seinen Schultern zu packen und durchzuschütteln. Ob er wohl dem Wahnsinn verfallen war, schob es sich für den Bruchteil einer Sekunde in die Gedanken der Feuergesegneten, ehe die harschen Worte der Schwester wieder die dünne, nun in Nachtschwärze getauchte Luft, durchbrachen. Mit einer Tirade an Schimpf und Schande verließ eben jene, ummantelt von den Armen des Erfolgs, getragen auf den Flügeln der Freiheit, mit dem Neuankömmling den Ort der Debatte und entschwand als kleiner werdendes Licht im königsblauen Firmament. Sie konnte sich nur ein wenig länger darauf konzentrieren, ehe sich der Körper Suzumes dann doch herumkehrte und sie zuerst in das niedergeschlagene, von Verdruss gekennzeichnete Gesicht von Hestia blickte, die mit ihrem zusammengekniffenen Augen nach wie vor versuchte, die Flugbahn der beiden Personen zu verfolgen. Stetig drehte sich ihr Haupt nun in die Richtung des Braunhaarigen, welcher sie bereits aus deterministisch glitzernden, grauen Augen ansah. Suzume musterte ihn. Die Spannung, die sich über sein Kiefer zog und als tiefe Falten auf seiner Stirn zurückblieb, war nicht zu übersehen, auch jetzt nicht, in diesem dimmen Licht, das nur wenig Platz für Interpretationen ließ. Hinter ihnen erklang das ergebene Murren der Amazone, gefolgt von ein paar wenigen, durch sanftes Laubrascheln unterstrichenen, Schritte. „Seht ihr sie noch? … Könnt… könnt ihr sie noch sehen? Wohin sind die verschwunden verdammt…“, murmelte Hestia dahin und suchte, sich nun im Kreis drehend, das Himmelszelt nach Spuren der Entflohenen ab. Der Blickkontakt aber hielt, Suzume kehrte ihren rechten Arm empor, drehte den Unterarm bis zum Anschlag nach außen und öffnete ihre Hand, sodass all ihre Finger in einer Treppenähnlichen Formation von jener abstanden. In jener Kuhle entflammte eine seichte Flamme, die die Dunkelheit um sie herum vertrieb und die Gesichter der beiden Urgeistträger in schelmische Schatten legte. Es war eine Frage des Stolzes, eine Frage der Standhaftigkeit… wer von ihnen beiden würde zuerst nachgeben und die Stärke, die sie teilten, hintenanstellen. Sich ein letztes Mal aufplusternd, ihre Lungen mit der frischen Waldluft füllend, entschwand die wohl geschützte, harte Miene der Schwarzhaarigen und wich einem Leiden, dass nur tief aus ihrem Herzen stammen konnte. „Warum hast du das gesagt?“, mehr als ein Flüstern war es nicht, dass ihre Stimme zustande brachte, sich Gaius nun vollends zukehrend. Der Bann war gebrochen, sein Blick fiel genauso in sich zusammen, wie ihre nun blätternde Gefasstheit. Es hatte sie wohl beide wieder eingeholt… jene Worte, die der Windgeist so gedankenlos von sich gegeben hatte, um den Eindringling zwar nicht schaden zu wollen, aber durchaus zu zeigen, dass es nicht reichte, etwas von sich zu behaupten, dass nicht unzweifelhaft der Wahrheit entsprach. Suzume trat einen Schritt näher, hüllte mehr von ihnen beiden in die Flammen die keinerlei Wärme ausstrahlten. „D-das ist ein Opfer, welches ich nur mitnichten annehmen kann… ich – ich meine… was passiert dann mit dir? Verschwindest du einfach? Löst sich die Gestalt Gaius einfach in Luft auf? Zerfällst du zu Staub und Asche? … Würdest…?“, hastig ruckte der Schwarzhaarigen Blick kurz über ihre Schulter zurück auf die herumtorkelnde Hestia, nur um umso schneller wieder den Weg in seine Augen zu finden. „Würdest du uns wiedererkennen? An wessen Seite du stehst?“, sich fassend fand auch die Artikulation ihren Weg zurück in die Stimme der jungen Frau.

      Sie konnte nicht sagen, warum genau es eine Woge der Erleichterung ihr auslöste, aber als Suzume das schiefe Lächeln auf den Zügen des Braunhaarigen erkannte, fiel ihr sondergleich ein Stein vom Herzen, der so nicht sein sollte. Wann hatte ihr Unterbewusstsein sich dazu entschlossen ihm seine Schandtat zu vergeben und die Wut verebben zu lassen? Er sollte es nicht bemerkt haben, ihr kurzes Zögern, als ihr ertappter Blick erneut zur Seite hinab rutschte und ein festes Schlucken schlecht versteckt, dennoch leise durch die Stille drang. Als ihr Gegenüber langsam Luft holte um zum Erklären anzusetzen, war es die großgewachsene Rothaarige die in das Gespräch der beiden reinplatzte um den Ernst des Hier und Jetzt wieder in beider Köpfe zu dreschen. „Ich störe euer Separee ja nur ungern, aber wir müssen ihnen nach, das wisst ihr schon? Egal was ihr zu besprechen habt, verschiebt es… das hier ist weitaus wichtiger. Auch wenn Lilys Art und Weise auf deine Entscheidung zu reagieren nicht vollkommen richtig war, so hat sie doch in einem Punkt recht… wer weiß wer in diesem Moment nicht alles in Gefahr schwebt. Und ja, möglicherweise kommen wir bereits zu spät, aber können wir auch diesen Faktor minimieren… indem ihr euren Kram geregelt bekommt, NACHDEM wir endlich in Richtung Arcadia aufgebrochen sind… und zwar JETZT!“, die Eile in ihrer Stimme ließ keinen Raum für Diskussionen. Es genügte ein kurzer Blick zwischen den drei verbliebenen der Truppe und sie durchstreiften weiter den dichten Wald, auf der Suche nach dem ominösen Luftschiff, welches Rachel in ihrer Erinnerung dem Urgeist gezeigt hatte. Beinahe wollte die Schwarzhaarige schon aufgeben, als Gaius es war, der einen Jubelschrei von sich gab. Fix hatten sich Suzume und Hestia um ihn versammelt. Ein erneuter, fester Schritt gen Boden ließ ein hölzernes Hallen erklingen und mit gemeinsamer Hände, hatten sie die breite Luke, die das Luftschiff versteckt hielt, geöffnet. Es würde kein Leichtes werden, dieses Wunderwerk der Technologie zum Laufen zu bringen, aber mussten sie es versuchen… sie hatten nur diese Chance und die Reise zurück zum Hafen raubte dem Gefolge zu viel der wertvollen Zeit. Suzume atmete tief durch, als sich die Kraft aller für ihre Mission vereinte und sie das Gefährt, versteckt wie den heiligen Gral, zum Laufen brachten.

      Es verging etwas an Zeit, doch segelte der kleine Bruder der sonst so imposant wirkenden Luftschiffe mit steter Geschwindigkeit durch die kalte Nachtluft. Die mickrig wirkenden 15 Quadratmeter des Oberdecks waren allesamt mit Streben, Ankern, Ösen und Seilen verbaut, sodass es eine winzig kleine Steuerkabine am Heck des Fluggeräts gab, in das nur eine Person passte. In dieses hatte sich Hestia verzogen, die geübt im Umgang mit Flugmaschinen war... wenn auch nur durch Bücher und Lehrmanuskripten. Der dicke, weiß aufgeblähte, ellipsenförmige Ballon, welcher über ihnen trudelte wurde am Dach der Steuerkabine von einem fauchenden Bunsenbrenner mit warmer Luft befüllt. Gleichzeitig trieb jenes Feuer eine Dampfmaschine an, welches die Rotorblätter links und rechts am Rumpf des Schiffes betrieb. Pfeifend war der Dampfkessel am brodeln und nicht nur ein durchrostetes Rohr musste mit der Kraft Suzumes geflickt werden, welche ihre Antriebskraft nun treibend in die mechanischen Teile schickte. Man durfte die Schwarzhaarige nicht fragen, wie genau dieses Wunderwerk der Technik funktionierte, aber schwörten in Arcardia alle darauf und dieser kleine Nachbau tat wirklich sein übriges. Gaius, der die Kabine von Hestia flankierte, sah ruhigen Blickes nach vor über den Bug, hinaus in die dunkle Nacht die mit einzelnen, fasrigen Wolken gespickt war. Verdrossen, sich beinahe unwürdig fühlend glitt sein Blick aus zusammengekniffenen Augen auf die Schwarzhaarige, welche sich rechtsseitig über die Reling gebeugt hatte und der Welt unter ihr beim vorbeifliegen zusah. Wild stürmte der beißende Fahrtwind durch Suzumes Haare, die eine verkrampfte Haltung angenommen hatte. Fest flatternd hob und senkte sich ihr Mantel, schlug wild von links nach rechts. Die Arme über dem dünnen Holz des Geländers der Reling überkreuzt, verbissen sich ihre Zähne in sich selbst ehe das Blau ihrer Augen bedeckt wurde. Ein bedrücktes Schnalzen ihrer Zunge ertönte und mit einem Seufzen griff Suzume in die Innentasche des festen Stoffes der sie umhüllte, nur um den Brief Wisemans und das goldene Medaillon aus dieser zu ziehen. Das Schmuckstück baumelte hypnotisierend vor ihrer Nase, als sie es anhob und erneut zu mustern... Die Zeit war gekommen... es war der richtige Moment, hier, wo sie ungestört und ungetrieben, eines der letzten Puzzlestücke zu ihrem Sein dem großen ganzen Bild hinzufügte, um es endlich zu vervollständigen. So nahm sie die Schrifrolle, verstaute sie ein letztes Mal in ihrer Manteltasche und begann am Medaillon herumzunesteln. Es schien, als wäre es schon des öfteren geöffnet und geschlossen worden, doch nur einmal mit einer derartigen Wucht, dass der Mechanismus sich vollends verkeilt hatte. "Na komm schon...", drang es leise über ihre Lippen, ehe sie den Fingernagel ihres Daumens in den kleinen Spalt schob und den Haken zu verschieben versuchte, der die beiden Hälften verband. Es war nicht mehr als ein sanftes Klacken, als es sich dann doch endlich dem Versuch der Schwarzhaarigen ergab und aufsprang. Genug Überraschungsmoment war dennoch auf der Seite des Schmuckstücks, denn obwohl Suzume mit nichts aufregendem rechnete, so stockte ihr dennoch für einen Moment der Atem, welchen sie jedoch im nächsten Moment zur Gänze einbüßte, als sie relativ unbeeindruckt das kleine Ding öffnete und dann aber erkannte, wer ihr da so friedlich lächelnd entgegenblickte. Ihr Mund öffnete sich leicht, begann ob der Entdeckung zu beben. "Das... das kann nicht...", wollten ihre verblendeten Sinne ihr einen Streich spielen? Verständnislos führte sie das kleine Bildchen näher an sich ran, aber blieb das Portrait das selbe. "Mutter...?", ein lasches Wimmern suchte sich den Weg über ihre erbleichten Züge... mehr noch als die Farbe die ihr aus dem Gesicht gewichen war, weiteten sich der Schwarzhaarigen Augen, als sie zum ersten Mal den vollen Namen ihrer Mutter las... Adeline Anoria Rikoru. Es brach über sie herein, wie ein Sturzbach, dass das kleine Flüsslein nach schwerem Unterwetter füllte... so plötzlich, so unbarmherzig und dennoch so wahrhaftig... Das Gold ihrer langen Locken... das Aquamarin ihrer Augen... die vollen, gespitzten Lippen in rosiger Farbe... eine kleine Stupsnase, hohe Wangenknochen und ein warmes Lächeln inmitten des Gesichts jener Frau, auf Grundlage derer ihre gesamte zweite Identität aufgebaut war. Sie war immer bei ihr gewesen... Suzume erinnerte sich nun schal an die Zeit im Waisenhaus, wo sie oftmals auf die Fotografie hinabgestarrt hatte, sie verfluchend, warum sie ihr das antun musste... Immer trug sie die Kette um ihren Hals, immer. Nach Red Christmas verschwand der gülden Schmuck in die Hände von Unbekannten... diese trugen es an einen Ort, den sie als Anoria wiederfand, als Ebenbild ihrer Mutter und eben dort das Medaillon auf sie wartete, in diesem kleinen Gazebo von Opferschrein, um heimzukehren, dorthin wo es hingehörte... zu ihr. Tränen stauten sich in dem wasserblau ihrer Augen... es konnte kein Zufall mehr sein, kein Wink der Akasha Chronic... oder Schicksal... mitnichten. Bebend durchatmend, staute sich in der Schwarzhaarigen Kopf der Gedanke, dass Adeline stets da gewesen sein musste, im Hintergrund, ungesehen... wie sonst... wie sonst konnte... ihr verschleierter Blick glitt wieder hinab auf das Bildnis, eingerahmt in goldenem Metall, dass stoisch in ihrer linken Handfläche ruhte, als sich zwei wässrige Tropfen auf ihrer Handfläche abzeichneten. Ein schrecklich leidender Ausdruck überzog das schöne Gesicht der vom Leben gezeichneten. Suzume umschloss den kleinen Anhänger fest in ihrer sich bildenden Faust, steckte die Kette im nächsten Moment ein um sie mit dem Stück Papier zu tauschen. Sich schniefend um die Augen wischend, faltete sie den Brief auseinander, hielt ihn ja fest, damit er nicht von der Härte des Fartwindes mitgenommen wurde. Konzentriert blickte die Urgeistträgerin hinab auf das geschriebene Wort des grauhaarigen Alten und begann zu lesen...

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    • "Suzume,

      wahrscheinlich wirst du diesen Brief erst dann lesen, wenn die Zeit nicht unpassender wäre, du aber endlich dem Drang nach Wissen nachgeben konntest... wie so oft. Nun ja - ich habe diese Zeilen nicht gänzlich freiwillig aufgesetzt. Mehr noch müsstest du wissen, das ich eigentlich keinerlei Interesse an deinem Privatleben hegte oder hegen werde... doch ist die Geschichte um deine Existenz etwas, ähnlich eines anderem Burschen den wir beide nur zu gut kennen, das dir niemand sonst fehlerfrei erklären kann. So lass mich es zumindest versuchen, auf das du mir danach nicht auf ewig mit Fragen im Nacken sitzt... also:

      Vermutlich wirst du an deine Mutter kaum Erinnerungen tragen, doch beginnt deine Existenz mit der ihren. Adeline war eine hoch angesehene Assistentin der aristokratisch geführten Universität im Land der Logos, stammte ihre Blutlinie jedoch weitläufig aus Arcadia. Oftmals führten ihre Reisen sie weit von der Hauptstadt weg, in fremde Breiten unserer Welt, sich jedoch immer dem Wissen verschreibend. Die Heimreise eines Auftrages endete für Adeline in einem Überfall und aus dieser Gräueltat an deiner Mutter bist du entsprungen. Zähle dich also als halbe Eos, halbe Revenus. Deine Mutter wäre wahrscheinlich gestorben, dort im Wald wo man ihre geschändete Person zurückließ, hätte sie eine dir wahrscheinlich bekannte Person nicht gefunden. Mili, die Hexe war es, die deiner Mutter Überleben sicherstellte und dich, nur wenige Tage alt, spüren konnte. Soviel ich weiß, war sie fasziniert von deiner Resonanz und erbat den Feuergeist, Dantalion, doch Gnade zu zeigen und dich als seine neue Trägerin anzunehmen. Sie hatte dich auserkoren, aus all den anderen Wesen die auf der Welt wandelten, warst du es, in der sie die Stärke sah, diese Bürde zu tragen und nur sie war es, die die Päkte mit den Urgeistern versiegeln konnte. Keine Woche alt und schon mit solch Kraft ausgestattet... die Aufgabe wurde dir sozusagen in die Wiege gelegt, ohne das du wusstest, wer es eigentlich war, der dir da innewohnte.

      Nun, ich muss dir nicht sagen, warum deine Mutter dich vor der Außenwelt versteckt hielt... schwarzes Haar und blaue Augen, du bist ein Bastard und ein im Land der Logos ungern gesehener noch dazu. Für deine Mutter hätte es den Galgen bedeutet, wäre deine Existenz nach draußen gedrungen... und für dich... nun das überlasse ich deiner Vorstellung. Die Zeit danach brauche ich dir nicht zu verdeutlichen, da du ja in meine Fittiche kamst mit diesen beiden Rotznasen. Ihr alle drei wart mir ein unredlicher Klotz am Bein, meine Güte.

      Setzen wir bei Red Christmas fort... ich erspare es dir, diese vernichtenden Momente erneut zu zeigen, wenn auch nur im geschriebenen Wort... Ren nahm dir an diesem Tag dein Bewusstsein und aufgegriffen wurdest du von niemand geringerem als Van Zephyrs Männern. Diese brachten dich in die erste Menschenfabrik, in welcher die Himmelsmenschen erschaffen wurden. Ein völlig unpassender Begriff meiner Meinung nach, da die Methoden direkt aus der Hölle stammten. Du solltest mit einer jungen Dame verschmolzen werden... mir ist ihr Name entfallen, doch war sie sterbenskrank. Deine Kräfte sollten sie heilen. Van Zephyr war der festen Annahme, dass du bloß ungeheures Stigma in der trägst. Dem alten Kauz war jedoch nicht klar, dass du in Begleitung von Dantalion warst. Gut das er bei den Messwerten nicht allzu genau hingeschaut hatte damals, sonst wäre im dieser Fehler mit Sicherheit aufgefallen. Ich schweife ab... du fragst dich bestimmt auch, wie es geschehen konnte, dass eben jener Begleiter deinerseits nach der Verschmelzung verdrängt wurde und du eine Resonanz zur Spirit-Alchemie bekamst. Nun... auch mein Wissen darüber ist beschränkt, aber drückte diese versuchte Verbindung eurer Körper, innerhalb beider einen Art Rücksetzungs-Knopf, was auch Dantalion in eine Art unsichtbaren, unerreichbaren Käfig in deinem Bewusstsein sperrte. Die mir namentlich Entfallene zahlte aufgrund dessen mit ihrem Leben, du warst die Stärke im Prozess der Verschmelzung und absorbiertest nicht nur ihre Lebensenergie sondern auch das wenige Stigma das sie trug. Und eben jenes war in ihrer Erscheinung äußerst selten... Callia, das war ihr Name. Callia war fähig, Leben und Tod zu manifestieren. Paradox, litt sie selbst an einer schweren Krankheit, die nicht behandelt werden konnte. Sie übertrug diese Art der Alchemie auf dich, in abgeänderter, weitaus stärkerer Form. Du erinnerst dich sicher gut an die Arten, wie die Magie durch dich wirkte... in entweder völliger Zerstörung oder dem Erwecken von Totgeglaubtem. Beispiele? Das verbrannte Gras, die verkohlte Leiche, deine Kraft dich selbst zu Heilen aber auch andere aus dem Tod zurückzuholen... die Fähigkeit dir alles lebendige, organische um dich herum zu deinem Eigen zu machen und in gegensätzlicher Natur auf und durch es zu wirken... Spiritification, eine Kraft die nur wenigen zu Teil wird.

      Es gewahr sich also, dass die Verstorbene für Van Zephyr keinen Nutzen mehr hatte und er dich anstelle von ihr weiterverkaufte. Mit einem ausgelöschten Gedächtnis und einer veränderten Erscheinung war die ehemals so mächtige flammende Göttin nichts weiter als eine normale Sterbliche, ein Himmelsmensch, die jedoch aus den Fängen des Menschenhandels entkam, durch die offene Hand der Tanabes. Deine einstige "Mutter" wird es dir wahrscheinlich nie gesagt haben, aber konnte sie keine eigenen Kinder bekommen, weshalb ihre Liebe zu dir nie verfälscht, aber vergiftetet war. Sie sah in dir eine Tochter, aber auch eine Widersacherin. Dein Vater hasste dich nicht, aber übertrug er seine Panik in seinen zwielichtigen Machenschaften entdeckt zu werden, direkt auf dich, da du der wandelnde, lebende Beweis warst, dass er in etwas verstrickt war, das an Unmenschlichkeit nicht zu überbieten war. Der Tag ihrer beiden Tode war eine Erlösung für ihre gequälten Seelen.

      Hm... mir schmerzt bereits meine Hand. Ich glaube aber auch, dass es nun wirklich reicht mit den Enthüllungen. Mehr muss ich dir wirklich nicht sagen, da es im Grunde alles darstellt, was ich weiß. Und komm ja nicht auf die Idee mich deswegen aufzusuchen und mir zu danken... ich habe das gemacht, damit du endlich Ruhe gibst und hast und ich die meine wieder bekomme. Ich bin alt geworden, nichts liegt mir ferner als das nervende Geplärre der heutigen Zeit über mich ergehen lassen zu müssen. Also bitte, Suzume, komm nicht nach Arcadia. Akzeptiere diesen Brief als die Wahrheit.

      Wiseman

      PS: Ich mische mich wirklich ungern ein, aber "die flammende Göttin" klingt mehr als übertrieben... manifestiere deine Person durch etwas das dich zeichnet, dich ausmacht... sei, was du bist. Hinoyari"


      Lustlos hatte sich ihr Gesicht in eine lasche Miene verzogen. Die Worte die Wiseman an sie richtete waren genauso wie sie einen Brief von ihm erwartete. Eher nüchtern gehalten, kaum Einfühlungsvermögen zeigend aber die Dinge auf den Punkt gebracht. Suzume atmete einmal kurz durch. Sie hatte, wenn sie ehrlich mit sich selbst war, schon mit dem ein oder anderen gerechnet... gerade die Umstände die ihre Zieheltern betrafen überraschten sie kaum. Doch zogen sich die Augenbrauen der Schwarzhaarigen in Aufregung empor, als er ihr erklärte, wie sie überhaupt an Dantalion gelangte und was die Verschmelzung ihrerseits in dem Labor von Van Zephyr mit ihrem Bewusstsein angestellt hatte. Irgendwie hatte sie ein überwältigenderes Gefühl erwartet, nachdem die Zeilen endeten. Etwas, dass sie in Jubelschreie ausbrechen lies, ihr die schiere Erleichterung in die Glieder schob und die Schwere aus jenen verbannte. Aber war ihr Gemüt ob der Enthüllungen nicht zu heben. Sie verblieb stumm und nachdenklich an Ort und Stelle zurück, faltete bedacht das dünne Papier zusammen, welches Sekunden darauf in Flammen aufging. Locker hielt sie die brennende Seite zwischen Zeigefinger und Daumen gefangen, während sich das glosende Feuer seinen Weg am nährenden Material hinwegfraß, alles von dem Zellstoff in sich verschlingend. Kurz bevor sie ihre Hand erreichten, öffnete Suzume ihre Finger und schickte das verglühende Stück Asche in die schwarze Nacht, nun auch endlich mit diesem Teil ihrer Vergangenheit abschließen könnend. Ihr Haupt richtete sich empor und erkannte unendlich viele Sterne am Firmament, die ihr nichtssagend entgegenfunkelten.
    • Einige Tage zogen von dannen und inmitten jener Tage, offenbarte sich im Land des ewigen Schnees eine Kutsche. Jenes hölzerne Gefährt trug einen vermummten Mann auf seinem Sitz, fest umschlungen hielt er die Zügel der Getiere die einer Kreuzung eines Wolfes und Pferdes gleichermaßen glichen. Monster, nannte man sie einst, doch mit dem Untergang der Monster in der glorreichen Zeit der Abenteurer galten sie als ausgestorben und fanden lediglich noch als Nutztiere ihren Wert. Streuner gab es zwar hier und da, doch oblag es der Miliz sich um jene Ungetüme zu kümmern und für Ordnung in den Dörfern des Umlandes zu sorgen. Kaum zu erkennen unter der zerrissenen Kutte, bewegten sich die Augen des Kutschers nach links und nach rechts. Zumindest eines von ihnen, denn das andere war erblindet. Infolge dessen schmückten ein eisblaues und ein gar bleiches Auge sein Gesicht, bisweilen den Teil der zu erkennen war. Seine untere Gesichtshälfte verbarg sich hinter einem abgetragenen, schwarzen Schal, der den Kutscher vor der Kälte des Sturmes und des Schnees schützten. Anhand seiner Statur und der Narben in seinem Gesicht war zu erkennen, dass er diesen Beruf schon seit einigen Jahren ausübte und vermutlich schon einige Überfalle auf dem Buckel hatte. An seiner Seite trug er einen Dolch in einer schwarzen Scheide, sodass man fast meinen könnte der Verdienst eines Kutschers wäre gut. Der Weg wurde holpriger, die Steine unter dem Schnee drückten sich in die Oberfläche und brachten die Kutsche dazu leicht zu schwanken. Mit der Kutsche schwankte der Mann, doch mit Leichtigkeit glich er sein Gewicht aus um standhaft auf dem hölzernen Sitz zu verweilen. Langsam neigte sich der Haupt des Mannes zur Seite und sein eisblaues Auge sah durch die Fahrerluke hindurch in den Wagen, erspähte dabei eine ebenfalls in einer schwarzen Kutte verhüllte Person und erhob seine raue Stimme, die im ersten Moment dem tiefen Gebrüll eines Bären glich. "Junger Meister. Es steht mir nicht zu nach dem Grund eurer Reise zu fragen, aber seit dem Tod des Königs ist die Stadt Alkaid für Außenseiter gesperrt. Man munkelt es habe sich ein extremer Hass gegen Vagabunden gebildet."
      Stille. Die Person im pechschwarzen Mantel war unter der Kapuze kaum zu erkennen, sein prachtvolles Schwert lehnte jedoch an seiner Schulter während er in einer gewöhnlichen Haltung mit gesenktem Kopf auf dem Passagiersitz saß. Unter dem schwarzen Schleier erkannte man auf Dauer die blasse Haut des Mannes, etwas darüber tiefe Augenringe und beim genauen hinsehen gräuliche bis hellblaue Augen die in einem leblosen Glanz zu Boden blickten. Ein tiefes Seufzen, gar schon einem bedrohlichen Brummen gleichend, entwich dem Kutscher während er kurz mit den Schultern zuckte und mit den Striemen peitschte um die Monster anzutreiben. "Von eurer Sorte gibt es eine Menge, junger Meister. Kommt nicht auf dieselben dummen Gedanken wie eure Vorgänger und versucht euch vor der Bezahlung zu drücken, nur weil ihr vor verschlossenen Toren steht. Eine Reise zurück ist ebenfalls ausgeschlossen, schließlich wartet in Alkaid schon mein nächster Kunde. Ich hoffe Ich hab mich klar und deutlich ausgedrückt!"
      Stille. Weitere Stille, und irgendwann das genervte Schnalzen mit der Zunge kurz bevor die Stimme des Mannes nun doch lautstark im Schneesturm widerhallte. "ANTWORTET MIR, VERDAMMT NOCHMAL!"
      Erschrocken zuckte er allerdings kurz zusammen, als der Kopf seines Passagiers durch die Fahrerluke sah und der verhüllte Mann einen Geldbeutel nach vorne ausstreckte. "Haltet ihr endlich euren Mund, wenn Ich ein paar Münzen extra springen lasse?"
      Die gräulichen, fast schon eiskalten blauen Augen starrten sein Gegenüber an, der lediglich aus den Augenwinkeln heraus in der Lage war das Geschehene zu fassen und erst seines Stolzes zum Dank widerwillig, doch dann selbstsicher den Geldbeutel umfasste. "Ihr habt ja doch Münzen, junger Meister. Ihr solltet an euren Sprachkünsten arbeiten, nicht jeder Kutscher ist so gnädig und lässt eine solche Wortwahl auf sich beruhen. Ich könnte euch hier und jetzt im Schneesturm euren Schicksal überlassen!"
      "Das wäre äußerst tragisch. Gebt mir meine Münzen wieder, wenn ihr mich weiter belehren wollt oder hütet eure Zunge!"
      Mit einer Geste hob der Kutscher seine Hand, drückte Zeigefinger und Daumen zusammen und fuhr sich über die Stelle seines Schales an dem sich sein Mund befinden sollte. Danach warf er seine Hand zur Seite um zu symbolisieren, dass seine Lippen noch versiegelt wären. Die Stille überkam schließlich die lange Fahrt über, sowohl Kutscher als auch Passagier hatten sich nichts mehr zu sagen. In der endlosen Wüste aus Eis, kämpfte sich der Wagen als Einziges durch die harsche weiße Gewalt, der Wagen schon längt überschneit und das Sichtfeld kaum über 2 Meter. Und doch nahm der Schneesturm langsam am Stärke ab, bestand weitestgehend in einer schwachen Form doch ließ den Blick über eine weitere Umgebung als zuvor zu. Nach allzu langer Weile, gelangte die Kutsche zum Halt und die gräulichen Augen öffneten sich, während ein poltern von außerhalb ertönte. Der Kutscher hatte sich erhob, sprang von der Kutsche und öffnete die Tür zum Wagen, lehnte seinen Arm wie ein Butler vor seine Brust und wies mit dem anderen Arm zur Seite um den Passagier anzuweisen den Wagen zu verlassen. Das Schwert fest umgriffen, die Kapuze fester ins Gesicht gezogen, erhob sich die Gestalt in der Kutsche, stieg aus und vernahm wieder Kutscher ihn am Arm packte. "Meine Bezahlung!"
      Aus seinen Augenwinkeln heraus, sahen die gräulichen Augen abwertend zu seinem Nachbarn, bevor seine freie Hand an seiner Seite den Beutel an seinem Gürtel ergriff und einige Münzen aus jenem sammelten. Nachdem der Kutscher die Münzen entgegennahm, zog er den Schal etwas hinab. Unschwer war zu erkennen, dass ihn einst schlimmes Leid angetan wurde. Seine untere Gesichtshälfte wies in der Lippengegend eine Öffnung auf, durch die seine Zähne zu sehen waren mit denen er geradewegs auf die Münzen biss um sie auf ihre Echtheit zu prüfen. Kurz darauf zog der Kutscher seinen Schal wieder nach oben und wank mit seiner Hand ab. "War mir eine Freude Geschäfte mit ihnen zu machen. Bitte suchen sie sich bei ihrer nächsten Reise einen Kutscher der ihnen für ihr freches Mundwerk die Kehle durchschneidet, insofern sie nicht schon vor den Toren Alkaids ihr Leben verlieren!"
      Ohne der Provokation des Kutscher etwas zu entgegen, wandte sich der Mann in schwarzer Kutte von ihm ab und lief auf geradem Wege in Richtung der Tore. Doch schon von der Ferne war zu erkennen, dass man jene geschlossen hielt und zwei Wachposten vor ihnen Halt fanden. "Haltet ein! Alkaid ist für Reisende im Moment geschlossen! In der Nähe befindet sich das Dorf Lepourance, dort findet ihr eine Herberge und könnt eine Kutsche für eure Rückfahrt organisieren!"
      Fremdenhass. Zumindest von diesem Wachmann war davon nicht viel zu spüren, doch vom Blick des anderen Wachmanns war die Abwertung förmlich zu spüren. Was geschah in der kurzen Zeit, in welcher der König sein Leben gab und Shin, sein vermutlicher Mörder, die Kontrolle über jene übernahm. Die Gestalt drückte sich an den Wachmann vorbei, doch wurde von ihn gewaltsam am Oberarm gepackt. "Ich sagte ihr sollt stehen bleiben! Seid ihr schwer von Begriff?!"
      Die Kapuze löste sich vom Antlitz des Mannes und enthüllt Silbernes Haar mit weißem Glanz, während die grau-blauen Augen in Richtung des Soldaten blickten und dieser erst vor Überraschung und dann vor Ehrfurcht erzitterte. Die Hand löste sich, drückte sich vor seine Brust seine Beine stemmten sich aneinander um der Person vor ihm zu salutieren. "Kommandant Vale?! Ihr seid zurück! Wo wart ihr so lange? Der Kö-"
      "Öffnet das Tor!", entwich es lautstark von Vale der die Worte des Mannes unterbrach um sie nicht wieder und wieder hören zu müssen. Ja, der König war tot. Ja, sein Schützling ist in seiner Abwesenheit gestorben! Diesen Misserfolg, dieses Gefühl des Verlustes und der Selbstkritik in jeder Faser seines Körpers zu spüren, aus jedem Mund jedes dahergelaufenen Trottels zu hören und die aufwirbelten Schuldgefühle wieder und wieder aufkochen zu lassen, zwangen den Silberhaarigen auf seine mentalen Knie. "J-Jawohl!"
      "ÖFFNET DIE TORE!"
      , brüllte der Wachmann, während der andere ebenfalls salutierte und in einem lauten Geräusch das Tor durch die Wachmänner im Inneren aufgedreht wurde. Wild wirbelten die silbernen Haare im wüsten Schneesturm umher, tief in seinen Gedanken versunken trag der Mann in schwarzer Kutte voran um die Torschwelle zu überschreiten. Kaum dort angekommen, wurde er durch die Fragen seiner Untergebenen durchlöcherten, doch hinterblieb nichts davon in seinen Gedanken. Und so schenkte er ihnen kein Gehört, ignorierte sie in seiner eigenen Welt der Sünde gefangen während die leblosen Augen lediglich nach vorne in Richtung des Anwesens der Suliman blickte. Nicht mal die Wachen die sich ihn in den Weg stellten vernahm er, schob sie regelrecht mit seinen Händen schlicht zur Seite, während seine Schritte ihn dumpf durch den Schnee vorantrieben und das Ende seiner langen Reise im Blick war. Das Ende seiner Reise? Als der Gedanke seinen Kopf umspielte, hinterfragte er die Tatsache weshalb er Alkaid noch einmal aufsuchte. War es wirklich um herauszufinden ob sein damaliger Waffenbruder, sein damaliger bester und wahrscheinlich einziger Freund der Mörder seines Schützlings war oder war es um den zweiten Fehlversuch anzuerkennen, den zweiten Schüler der zwar diesmal nicht auf Abwege geriet, aber dafür sein Leben gab. Wusste er Shin's Antwort bereits, ging er von den schlimmsten aus und wollte ein letztes Mal den leblosen Körper seines Lehrlings sehen bevor er sich ebenfalls das Leben nehmen würde? Noch bevor er seine Gedanken zu Ende führen konnte, erstreckte sich das Tor des Anwesens vor seinen Augen. Mühsam und langsam richteten sich seine Arme nach vorne, schoben das Tor gewaltsam auf und stoppten als die ratlosen Gesichter sein Antlitz voller Entsetzen erblickten. "Kommandant Vale! Wo wart ihr gewesen? Der König!"
      Der König. Der König, der König der König der KÖNIG DER KÖNIG DER KÖNIG. Ruhe, RUHE, HALTET VERDAMMT NOCH MAL EUER VERDAMMTES MAUL!
      Der Hasse in den Gedanken des Mannes überwog, schnürte sein Herz zusammen, ließ es im symbolischen Sinner erschwärzen. "Vale, ist bei euch alles in Ordnung?"
      "Wo ist Shin?"
      Entsetzt über die Antwort des Mannes, weiteten sich die Augen der Magd des Königs, die zuvor vermutlich die meisten Tränen um den Verlust ihres Herren vergossen hatte. Emilia richtete instinktiv ihre Hand auf und verpasste den Kommandanten eine Backpfeife, bevor sie verwirrt auf ihre Hand starrte. "E-Eh? I-Ich.. d-das wollte ich nicht!"
      Die gräulichen Augen verfinsterten sich, fast schon abwertend und kaltherzig starrte der Mann auf das mehr als einen Kopf kürzere Mädchen hinab, bevor er ebenfalls seine Hand erhob und sie ihre Augen zusammenkniff und zusammenzuckte. Vale legte die Hand jedoch auf ihrer Schulter ab, sah sie mit seinen leblosen Augen an und erhob lediglich seine Stimme. "Bring mich zu ihm, Emilia!"
      Tränen sammelten sich in den Augenwinkeln der jungen Magd, bevor sie schlichtweg nickte und mit eiligen Schritt voraneilte. Erst etwas langsamer, doch dann im ebenfalls erhöhten Tempo, folgte der Silberhaarige Mann der jungen Frau in die Katakomben, die einzig der König betreten durfte. Das Grabmal der ehemaligen Herrin des Anwesens Suliman, der älteren Schwester Logi's die seit nun länger als einem Jahrzehnt innerhalb einer Eissäule gefangen war und nun an seiner Seite ihren jüngeren Bruder in gleicher Situation begrüßen durfte. Ein Schimmer bildete sich in den Augen des Silberhaarigen Mannes, als er die zwei Eissäulen erblickte und an der bedrückt zu Boden schauenden Frau vorbeilief. "Emilia!"
      Die Magd erhob ihr Haupt, sah zum Kommandanten hinauf und versuchte möglichst dem Antlitz der Herrin und des König zu entgehen. "Logi ist am Leben! Es ist möglich das er all seine Erinnerungen verliert, doch wir können ihn retten!"
      "E-Eh? Wie genau soll das gehen? Die werte Herrin befindet sich schon seit 14 Jahren im Eisschlaf.."
      "Forneus! Der Urgeist des Wassers und Eises... Der Zustand seiner älteren Schwester ist dem Urgeist geschuldet. Sie stellte sich allein im damaligen Krieg gegen die Lords und ihr gelang es die Bündnis jener zu zerschlagen. Nur durch ihr ehrenvolles Opfer durch die Überkompensation Forneus Kräfte und ihrem Mental Shutdown war sie in der Lage die immensen Streitkräfte zu beseitigen und Alkaid ein Jahrzehnt des Friedens zu bringen. Doch eine Eissäule die von Forneus erschaffen wurde um seinen Träger vor dem nahestehenden Tod oder den Folgen des Shutdowns zu schützen, kann auch von Forneus wieder zerstört werden!"
      "Ich verstehe nicht.. aber dann erleiden Lord Logi und die werte Herrin doch den Mental Shutdown oder schlimmstenfalls den Tod!"
      "Nicht zwangsweise.. Ich kenne da eine Person die ebenfalls im Besitz eines Urgeistes ist und möglicherweise helfen könnte. Allerdings hielt Ich sie für die Mörderin unseres Königs."
      Wut formte sich in den Zügen der Magd, während ihre Stimme bebend ertönte. "Die niederträchtige Hexe Suzume und Gaius der Verräter!"
      "Halt mich für verrückt, Emilia- Aber ich denke sie sind die Einzigen die in der Lage sind Logi zu retten. Ob sie schuldig sind oder nicht spielt hier keine Rolle, und für ihre Taten können sie noch immer gerichtet werden doch könnte ihre Strafe milder ausfallen, wenn sie dem König ein neues Leben schenken. Nichtdestotrotz muss ich mit Shin sprechen und danach nach Suzume und Gaius lösen.. Sie waren auf den Weg nach Arcadia, wenn ich mich recht entsinne."

      "Lord Shin ist nicht im Anwesen der Suliman.."
      Vale's Augen weiteten sich leicht als er die Worte vernahm. Er drehte sich zu der Magd und sprach sie auf ihre Aussage an: "Shin lässt euch in eurer Misere allein? Wo zur Hölle ist er?"
      "In Arcadia..."
      Inzwischen erblickte der Teufel in seiner neuen Gestalt das Antlitz des Tages, ummantelte mit seinen Armen seinen Körper in Euphorie und breitete die weißen Flügel auf seinen Rücken aus. Ein lustvolles Grinsen ummantelte seine Lippen, während seine Stimme durch die des Königs der Eos erklang. "Mein perfektes Gehäuse, zwar einige Jahrzehnte zu spät doch immerhin ein Nachkomme! Fantastisch, endlich kann Ich, Ashiabal der Herr aller Teufel, meine vollen Kräfte entfalten und diese verabscheuungswürdigen Abkömmlinge der Menschen beseitigen um uns unseren rechtmäßigen Platz, als Herrscher dieser Welt zurückzuerobern!"
      Überheblich wandte sich das grinsende Gesicht in Richtung des Mannes mit schwarz-weißem Haar vor sich, welcher einst als seine Hülle diente. Mit Schwung, fast schon spielerisch trat er den Mann in die Seite und katapultierte ihn so gegen eine Wand. "Hahaha.. Eine Ewigkeit in diesem Körper eingesperrt, von einem Geist in seinem Kopf in Zaum gehalten und schließlich doch übermannt von meiner göttlichen Wenigkeit. Für solch eine bemitleidenswerte Kreatur hast du einen ganz schön großen Widerstand geleistet. Frohe Kunde, verlässt meine Lippen wenn ich kundtue das deine Existenz zumindest für meine Belustigung gesorgt hat und mir die letzten zwei Jahrzehnte amüsant gestaltete. Fast ist es dir gelungen mich wegzusperren und zumindest für die jämmerliche Lebenszeit eures Geschlechtes vor meinem Ziel abzuhalten, doch wie sich das Blatt nun gewendet hat. Ich liebe dich, mein aller liebster Zeitvertreib!"
      Luxuria Ains Arcadia, der König nun in Form Ashiabals trat voran und stieß seinen Stiefel gegen die Rippen des bewusstlosen Mannes am Boden. "Komm! Komm und hol mich! Vielleicht gelingt es dir ja wirklich, mein Lieblingsspielzeug! Vielleicht kannst du mich durch den Niederfall Arcadias ja wirklich auf- Pffr..Hahahahaha"
      Im Lachwahn verfallen, bemerkte der Teufel kaum die Anwesenheit zweier neuer Spielfiguren die den Bildschirm betraten, zumindest nahm es den Anschein bevor nach einer Weile sein Gelächter verstummte und der Teufel sich erneut zu Wort meldete. Ein verspieltes, fast schon finster verzerrtes Lächeln umspielte seine Lippen während er sich zu dem Weißhaarigen Mann mit Anhang umdrehte. "Und du bist?"
      Ein Pfeifen entwich seinen Schwarzhaarigen Begleiter, der die blutverschmierte Umgebung und die vielen leblos wirkenden Körper betrachtete, darunter auch den stärksten Mann der Welt. "Mein Name ist Shin. Ich bin der Schüler der Hexe Mili.", entwich es dem Mann bevor auch er ein freundliches Lächeln aufsetzte. "Ich bin hier um ein Bündnis mit euch zu schließen, Herr.. nein König der Teufel! Mein Ziel ist es alle Urgeister in mir zu vereinen und den letzten Willen meiner Meisterin in die Tat umzusetzen. Die Menschen müssen verschwinden um den Geistern ihren rechtmäßigen Platz zurückzugeben und dieses Ziel gelingt nur durch den Niedergang der Zivilisation und der Rückkehr der Natur."
      "Amüsant!"

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    • "Steh auf! STEH AUF, SOHN DER HEXE!"
      "Huh?", entwich es dem Weißhaarigen Mann in Gestalt des weißen Teufels, der sein Antlitz in Richtung Wisemans wandte, welcher trotz seines erbärmlichen und kläglichen Zustandes dennoch in der Lage war Worte an sein Gegenüber zu wenden. "Redest du mit ihm?", ertönte es von Ashiabal bevor er seinen Daumen in Richtung des zermürbten Mannes wandte, welcher in einem gar schon jämmerlichen Zustand an der Wand lehnte. Lehnte? Ashiabal's Augen versuchten aus seinen Augenwinkeln heraus die Situation zu erfassen, doch noch während er die Silhouette jenes ehemaligen Gefängnisses in menschlicher Gestalt wahrnehmen konnte, bäumte sich die Gestalt vor ihn auf und umfasste mit beiden Händen den Hals des Teufels. "Gib ihn zurück!"
      Erst ziemlich leise, kaum vernehmbar entwichen die Worte den Lippen des derweil wieder Schwarzhaarigen Mannes. Ashiabal, in Form des Königs Arcadias, stieß ein überhebliches Grinsen aus doch Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn als er die leeren, tiefroten Augen seines Widersachers vernahm. "Gib ihn zurück!", wiederholte es die Gestalt des Mannes, der zuvor noch unter den Füßen des Teufels kauerte. Noch bevor er ein drittes Mal jene Worte in den Mund nehmen konnte, erschien ein fremdes Bein und drückte sich gegen seine Rippen. Doch bevor die pralle Wucht ihn zur Seite stoßen konnte, löste er seinen Griff und drückte seinen seinen Ellenbogen zwischen die Knöchel der besagten Person, umschlang mit beiden Händen den Unterschenkel des Mannes und schleuderte ihn mit Wucht zur Seite. Der Schwarzhaarige der zur Seite geschleudert wurde, fing sich im Fall mit einer Rolle und landete einige Meter weiter wieder auf den Füßen, rieb sich schließlich mit den Handrücken über die Lippen und setzte ein diabolisches Grinsen auf. "Da ist er! Der wahre Schrecken des Todes! So lange versuchte Ich diesem Namen gerecht zu werden, mordete, verstümmelte, trat in Arenen an und verschonte niemanden. Und nun stehe Ich hier, als neuer Schrecken des Todes mit dem wahren Schrecken des Todes als mein Feind! Verzeih mir Shin, doch diese Gelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen!"
      Inzwischen hatte sich Ashiabal dem stärksten Mann Arcadias zugewandt, welcher sich aufgerichtet hatte um das Schauspiel zu beobachten. Die Wunde an seinem Arm triefte, das Blut sammelte sich erbarmungslos am Boden, doch trotz von Schwärze unterlaufenen Augen, weigerte sich Wiseman das Bewusstsein zu verlieren. "Teufel.. Ashiabal war dein Name? Ich bemitleide dich!"
      Ashiabal trat näher an den Graubärtigen Mann, stieß sein Knie in sein Gesicht und zwang ihn dazu wieder auf den Boden Halt zu finden. Der Körper des alten Mannes knallte zu Boden, doch blieb seine Mimik unbeeindruckt obgleich er für einen kurzen Moment Blut ausspuckte. "Meine Güte, wie überaus niedlich und zuvorkommen von dir! Doch sag mir, alter Mann, aus welchem Grund bemitleidest du einen Gott?"
      "Hehe.."
      Ein Schmunzeln verließ die Lippen des Mannes, bevor er sich ein weiteres Mal aufrappelte und dem König der Teufel mit ernstem Blick in die Augen sah. "Ashiabal.. warst du es der dem Gefängnis entkam oder warst du es der den Gefangenen befreite? Vergisst du nicht etwas? Dieser Junge ist nicht nur der Sohn von der Hexe die alle Urgeister kontrollierte, sondern auch der Sohn jenes Mannes der alle Urgeister unterwarf. In ihm hausen die Gene zweier Kreaturen, die die Stärke der Urgeister und selbst der Teufel bei weitem überragten. Wenn er auch nur einen Bruchteil von Galaheads Stärke besitzt, dann gnade dir ein wahrer Gott!"
      "Hahahahaha. Welch Mühe du dir gibst um mich vor Möglichkeiten zu warnen. Doch, vergisst du nicht in deinem hohen Alter, dass es sich hierbei nur um Möglichkeiten und nicht Gegebenheiten handelt? Ich sah seit nun mehr als zwei Jahrzehnten die Welt aus den Augen dieses Jungen und momentan reicht seine Stärke nicht mal an ein Zehntel jenes Mannes heran."
      "Du hast Recht, König der Teufel. Doch das war bevor er erwachte!"
      Der Kampf zwischen den Schrecken des Todes und Ren verlief in Hintergrund und nahm im Laufe des Gespräches an Fahrt auf. Momentan versuchten sich die Kontrahenten anhand eines Schlagabtausches auszustechen, doch gelang es nicht dem neuen Schrecken des Todes Überhand zu gewinnen woraufhin er Gebrauch von seinen Kräften machte. Eine Säule aus Erdspeeren schoss auf den Schwarzhaarigen Mann zu, doch mit nur wenigen Bewegungen wich er der geradlinigen Spur aus Speeren aus. Auch die folgenden, wenn auch besser koordinierten Speere und Felswänden wich er gekonnt im Eiltempo mit Sätzen aus. Doch der Schrecken des Todes war nicht dumm, so verarbeitete er Fallen in die Felswände, aus denen schließlich Felsbrocken schossen und wie ein Dauerschall von Kanonenkugeln auf den Revenus niederprasselten. "Genug.."
      Der Schwarzhaarige überkreuzte seine Arme und schwarze Würfel sowie weiße Punkte bildeten sich unter seinen Händen, bevor sich jene in die Form zweier Pistolen manifestierten die er mit beiden Händen schließlich ergriff. Mit der schwarzen Pistole schoss er auf die Felsbrocken und löschte sie komplett aus, mit der weißen Pistole schoss er in Richtung seines Kontrahenten doch verfehlte und erntete sich somit seinen Hohn. "Wo schießt du denn hin? Ist das alles was du kannst, Schrecken des Todes?!"
      "Hm.. Sieht so aus als wäre der Kampf entschieden."
      Schüsse ertönten, ein Hagel aus Felsen stieß in Richtung des Mannes, gar schon Säulen in Form von Tentakeln eines Tintenfisches ragten in Richtung des Mannes und peitschten auf den Boden, hinterließen gar ein Rumoren welche den Revenus aus dem Gleichgewicht bringen sollten. Doch mit Conception gelang es Ren schließlich Barrieren in der Luft zu erschaffen und sich von ihnen abzustoßen um schließlich den Boden nicht zu berühren. Von ihnen sprang er ab, landete auf einen der gigantischen Tentakel die zuvor mit wenigen Schüssen von Deception zerbarsten und rannte auf ihnen in Richtung seines Erschaffers, der weiterhin damit beschäftigt war die Kräfte seines Urgeistes im vollen Maße auszunutzen und gegen Ren zu wenden. Einige der steinernen Speere, nunmehr Pfeilen gleichend, streiften den Schwarzhaarigen an gewissen Körperteilen und entblößten an einigen Stellen seine Haut. Obgleich der Schrecken des Todes nun mehr Erfolge zu verweisen hatte und an Tempo zulegte um seinen Widersacher zu beseitigen, musste er Abstand aufbauen und trat so einige Schritte zurück, doch vernahm nach nur kurzer Zeit eine Blockade an seinen Rücken. Als er seinen Blick dann für einen kurzen Moment nach hinten wandte, nutze Ren diesen Moment aus und erschuf eine Barriere unter seinen Füßen, die er mit mehreren Barrieren verwirbelte und mit einem Schuss von Deception loslöste um sie schließlich wie eine Sprungfeder zu verwenden und in einem enormen Tempo auf den Schrecken des Todes zuzuschnellen. Dieser bemerkte, dass jene Schüsse vor nicht allzu langer Zeit nicht ihm galten sondern Barrieren hinter ihm erschufen um Shin und Ashiabal daran zu hindern sich einzumischen und somit beide in einen Kampffeld gefangen hielten. "Er sieht mich nicht einmal.. Das ist es! Genau das ist es wonach ich mich gesehnt habe! Krank, einfach nur krank! Der Schrecken des Todes in Leib und Seele und ich stehe ihm gegenüber!"
      In einem letzten Anfall an Wahn und Verzweiflung, Gelächter voller Irrsinn, erschuf der Schwarzhaarige Doppelgänger einen gigantische Lanze aus Erde, doch verfehlte jene sein Ziel da besagtes von Beginn an etwas anderes im Visier hatte. So schoss Ren in seinem Federsprung zwar an dem Schwarzhaarigen vorbei, doch richtete seinen Arm zur Seite um für einen kurzen Moment mit Deception vor der Stirn des Mannes Halt zu finden und ein Loch durch ihn hindurch in die Barriere zu schießen. Mit einigen Schüssen, schnitt er nun auch Shin seinen Fluchtweg ab, doch reagierte dieser anders und erschuf auf direktem Wege die Schleier Forneus um Ren noch vor seinem Aufprall den Weg abzuschneiden und die Kugeln Conceptions und Deceptions abzuweisen. Die vielen Schleier ummantelten die Gestalt des Silberhaarigen Mannes, der gespieltes Lächeln aufsetzte und in Richtung Wiseman starrte, welcher ihn einen giftigen Blick zuwarf. "Dachtest du wirklich, du wärst mein stärkster Schüler? Das warst du, aber nicht der mit dem meisten Potenzial!"
      Überrascht über den plötzlichen Stärkezuwachs Ren's, klatschte der Teufel in Gestalt des Königs in die Hände und jubelte seinem Peiniger zu. "Weiter so, Junge! Du schaffst es! und danach bin Ich dran, ja? Oh, dass wird ein Spaß, doch bis dahin ist mir noch etwas besseres eingefallen! Meister gegen Schüler, wie klingt das? Hmmmm?!"
      "Wa-", noch bevor Wiseman dieses Wort zuende bringen konnte, drückte Ashiabal mit seinen Händen die Wangen des stärksten Mannes zusammen und grinste schelmisch. "Für dich nehme Ich einen meiner treusten und stärksten Untergebenen. Ehre dem, den Ehre gebührt!"

      Langweilig, ja Langweilig traf es ganz gut. Es war nicht das erste Mal das der Urgeistes des Windes in einem Luftschiff saß, wenngleich er als die Inkarnation des Windes einen geeigneteren Weg fand um sich durch die Luft zu bewegen, doch die Entwicklungen der Menschen ganz amüsant wirkten. Doch selbst niederen Geistern des Windes war es möglich sich in einem schnelleren Tempo zu bewegen, als die immensen Bauten der Eos, die sie ihren Nachbarn den Logos vermachten. Fast schon träge, wandten sich die grün-gräulichen Augen aus dem schmalen Fenster des Gemaches jener Person die in der Ferne nichts weiter als die faden Wolken und den faden Himmel erblickten. Aiolos war noch nicht lange in der Rolle der Urgeister tätig und Gaius erblickte bei weitem weniger Zeit die Welt, doch glichen sich die Erinnerungen anhand der wenigen Abenteuer die beide vorzuweisen hatten und anhand der Befehle die sie stets folgen, der einige in Form seines Königs der andere in Form seiner Meisterin. War es sinnig der inneren Unruhe Gehör zu schenken und die Beihilfe zu verweigern, den Schrecken des Todes zu retten der die Gefährten Gaius auf den Gewissen hatte doch dessen Hilfe Aiolos verpflichtet wäre, da es sich hierbei um den Sohn seiner Meisterin handelte? Gaius Entscheidung überwog der Aiolos, seine Vermenschlichung nahm Überhand doch durfte er nicht vergessen das er der Abkömmling eines Gottes war, der schon seit Beginn der Zeit für die Balance dieses Planeten sorgte. Der innere Konflikt des Mannes nahm Überhand, obgleich sich Urgeist und Inhaber einen Geist, eine Seele und einen Körper teilten hinterblieben Schnipsel jener alten Persönlichkeit die mit dem Vorgehen der neuen Persönlichkeit, der geeinten Persönlichkeit mehr als nur unzufrieden waren. Frische Luft, ja frische Luft würde ihnen gut tun um die Gedanken neu zu sortieren und sich von alten Traditionen und Normen loszulösen, denn nichtsdestotrotz lebten sowohl Aiolos als auch Gaius in jenem Moment und mussten sich mit Entscheidungen obgleich die Fehl- oder gerechtfertigte Entscheidungen waren, zufrieden geben und mit ihren Konsequenzen leben. So begab sich der Braunhaarige Geselle schließlich auf direktem Wege durch die Korridore des Luftschiffes, vernahm Hestia auf dem Flure mit verschränkten Armen doch überließ sie ihren Gedanken, die sich vermutlich um die letzten Worte Lily's handelten die an sie gerichtet waren. Wer dieses Luftschiff steuerte? Ein erfahrener Vertrauter Suzumes, der sich im Umgang mit jenen auskannte und die kläglichen Überreste jener Crew an ihr Ziel bringen konnte, obgleich es einem Himmelfahrtskommando glich. Das Vertrauen der Leute in Suzume musste immens sein, groß genug um wenige Wert auf das eigene Leben zu legen nur um ihre Herrin an einen Ort zu bringen, der mit absoluter Sicherheit ihr Ende bedeuten sollte. Woher stammten diese Gedanken? Versuchte die alte Persona von Aiolos wieder den Körper des neuen Aiolos zu übernehmen und Gaius Existenz komplett aus der Welt zu löschen? Bevor dies geschah, musste unbedingt eine Sache geschehen. Bevor diese schier unvermeidbare Situation an den Tag trat, musste ein Pakt mit Suzume geschlossen werden um den aus der Kontrolle geratenen Urgeist an sich zu binden. So nach und nach erschlich Gaius ohnehin das Gefühl, die Erinnerungen an jenen Tag an dem er Rachel verletzte wieder aufrufen zu können und obgleich es nicht Gaius, Aiolos neue Persona war die diese Taten ausführte sondern die Überreste der alten Persona die versuchten den Körper zu übernehmen, so war es dennoch keine Ausrede nachgegeben zu haben. So war es, so würde es immer sein und somit müsse er sich arrangieren. Gaius, der gebrandmarkte Verräter des Königreiches Alkaids, verließ schließlich die Korridore und folgte der Reeling am Außendeck um schließlich in der Ferne Suzume zu entdecken, die allerdings in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen schien. Als sie schließlich ihren inneren Monolog zu beenden schien, aus ihren Augenwinkeln des Braunhaarigen Gefährten erblickte doch ihm nicht die Beachtung schenkte die er sich erhofft hatte, wandte er sich dennoch ihr zu und trat zu ihr heran. "Es ist viel passiert.. In letzter Zeit. Ich schätze wir mussten alle unsere Gedanken sortieren.. schließlich kommen ein paar schreckliche Wendungen, gar ein paar schreckliche Kämpfe auf uns zu. Suzume, was ich dir damals mitteilte entsprach der Wahrheit und bevor uns die Gelegenheit entgeht möchte Ich dich fragen ob es nicht sinnig wäre hier vor Ort unseren Pakt zu schließen.. doch.. sei dir gewiss das es sich hierbei um kein einfaches Unterfangen handelt."
      Gaius wandte seinen Blick für einen kurzen Moment ab, verschränkte seine Arme auf der Reeling und beugte sich leicht nach vorne während der Wind seine Haare wild durchwirbelte. "Es ist keine Ausrede, sei bitte auch nicht zornig das ich jenes Thema erneut anspreche, doch bei den Unfall mit Rachel handelte es sich nicht um mich. Jemand Anderes, mein altes Ich versucht wieder die Kontrolle über diesen Körper zu erlangen und der Mann den du als Gaius kennst könnte heute, morgen oder in nur wenigen Tagen dahinsiechen. Ich, Gaius, bereue meine Taten zutiefst und empfinde nichts als Scham nicht nur meinen König nicht beschützt zu haben, sondern auch für die Kraft alle zu beschützen meine Existenz wenn auch nur für einen kurzen Moment dieser erbarmungslosen Kreatur geopfert zu haben. Doch, wenn wir hier uns jetzt unseren Pakt schließen.. so weiß ich das selbst nach meinen Ableben sowohl Dantalion, als auch du gegen Aiolos kämpfen werden. Nur ihr beide könnt ihn bändigen, Suzume.. Ein Pakt kommt allerdings auch mit einem gleichwertigen Preis einher, einen Preis welchem der Paktgeber zu bezahlen hat."
      Gaius schenkte der Schwarzhaarigen jungen Frau einen kurzen, gar schon gequälten Blick bevor er sich abwand und erneut in Richtung des Himmels blickte. "Mili opferte einst einige ihre Erinnerungen an Forneus, ihr Augenlicht an Belial, ihre Gefühle an Dantalion und Sinne an mich. Obgleich sie eine gebrochene Frau war, entschied sie sich schließlich auch ihren Körper zu opfern um die Barriere zu erschaffen, die das Damokles Schwert umwob. Verstehst du worauf Ich hinaus möchte?"
      Gaius wandte sich der jungen Frau zu, umfasste ihre Hände und sah ihr tief in die Augen. "Du willst sie retten, nicht wahr? Lily, die Kinder im Waisenhaus, Wiseman, Ren. Was bist du bereit, dafür zu opfern? Womit willst du diesen Pakt besiegeln?"
    • Stet rauschte die klare, nach Schnee duftende Nachtluft an ihrer Nase vorbei. Ihre Augen brannten bereits, sie war müde geworden. Suzume hatte für die Zeit die sie hier heraußen verbrachte jegliches Gefühl verloren, es konnten schon Stunden vergangen sein, sie würde es nicht einordnen können. Ein tiefes Seufzen entkam ihrer Lunge und noch bevor sich ihr Körper zur Gänze aufgerichtet hatte, dem Verlangen nachgebend sich durchzustrecken, erkannte sie dumpfe Schritte die sich in ihre Richtung bewegten. Aus dem Augenwinkel erkannte sie den wohlbekannten braunen Schopf des Windgeistes, der das Gespräch suchte. Missmutig eine Schnute ziehend, kehrte die Schwarzhaarige ihren Schopf herum, zeigte ihm die kalte Schulter. Doch diesmal war es anders... Gaius trat näher an sie heran und richtete die versöhnlich, doch nicht minder angeschlagene Stimme an sie. Harsch klangen seine Worte, welche einen gequälten Unterton in sich trugen und ja... die Sätze die er sprach, die Wörter, welche die sich kräuselnde Stimme seinerseits anschlugen... alle trieften sie nur so von Reue und Scham. Suzume biss ihre Zähne fest aufeinander, ihr Kiefer spannte sich an. War es Mitleid das sie überkam? Oder spürte sie ihr eigenes schlechtes Gewissen, gegenüber jenem Herren neben ihr, welcher sie so selbstlos aus jeglicher Gefahr, möglichem Mord und Totschlag geführt hatte, ohne dabei auch nur eine Gegenleistung zu verlangen? Welchen Grund hatte sie noch, ihn derartig unversöhnlich abzulehnen, nachdem er ihr die Umstände erklärte? Wahrscheinlich war Suzume deswegen so sauer auf ihn gewesen, als Rachels Unfall passierte... sie hatte den Umstand einfach als wahrhaftig angenommen, dass dieser sonst so anständige Kerl neben ihr, denselben Tugenden folgte wie sie selbst. Wohl in der Hoffnung einen Verbündeten zu finden, jemand der ähnliches Schicksal teilt und ihr Wesen in den Tiefen ihrer Seele zu verstehen vermochte... Ja, genau. Sie suchte jemanden, zu dem sie aufsehen konnte, wenn sie selbst es schon nicht mehr schaffte, richtig von falsch zu unterscheiden. Aber nun... nun... Wortlos gesellte sich die Schwarzhaarige neben ihn an die Reling und verlor ebenso ihren Blick in der Unendlichkeit der stillen Schwärze, wo Horizont und Erdball eine unerkennbare, verschwommene Linie bildeten, getrennt nur von den wenigen Sternen am Himmelszelt. Nun da sie verstand was Gaius versuchte an sie zu vermitteln, erkannte sie den gebrochenen Mann neben sich, der seit jeher seine Existenz anzweifeln musste und tagtäglich den Krieg kämpfte, welcher für sie innerhalb weniger Stunden zum erliegen gebracht wurde. Er sprach weiter... mehr und mehr von dem was er ihr zu erklären versuchte, gelangte als glorreiche Botschaft in ihrem Kopf an und schenkte dem Puzzle Stück für Stück, ehe das Gesamtbild sich zu erkennen gab. Ihr unsicherer Blick rutschte schräg an dem Größeren empor, heftete sich auf die von unredlichen Schmerz zerfurchte Miene des Braunhaarigen... "... Ein Pakt kommt allerdings auch mit einem gleichwertigen Preis einher, einen Preis welchen der Paktgeber zu bezahlen hat." Der Schwarzhaarigen stockte der Atem. Suzumes Augenmerk lag bereits in dem Antlitz des Windgeistes, als dieser seine Qual einen Moment mit ihr teilte, dann aber verdrossen wieder gen Himmel blickte. Sagte er... wollte er ihr damit sagen das... sollte sie? Verständnislos weiteten sich der Urgeistträgerin Augen - vorerst. Noch hatte sie sich keinen Reim darauf machen können, was genau Gaius von ihr verlangte, erst als er weitersprach, verstand Suzume...

      War es das Ergreifen ihrer Hände, oder der gar tiefe Blick den er ihr schenkte... die flehenden Worte die er sprach, gefüllt mit Wahrheit und Hoffnung oder der einsame Moment der Aussprache zwischen den beiden... Suzume konnte nicht genau benennen was genau ihr Herz in diesem Augenblick erreichte, aber verstand sie endlich die ungeheure Wichtigkeit dessen, was Gaius von ihr wollte. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt weit, als sie scharf die kalte Luft in ihre Lungen sog und diese für ein paar wenige Sekunden, stockend in ihrer Brust behielt, versuchend ihren sprunghaft verschnellerten Herzschlag zu beruhigen. Silbern glänzendes grau mischte sich mit tosendem Gischtblau, während der Griff um seine Hände fester wurde. Suzume rang verzweifelt nach Worten, als ihr verlorener Blick zur Seite hinabrutschte und ihr Atem seufzenden Klanges ihrer Kehle entwich. "Und ich frage dich nochmal... was wird mit dir passieren, sofern ich den Pakt mit Aiolos eingehe? Ich... ich habe bereits so viele Menschen getötet... ich will nicht auch noch dich töten.", angsterfüllt stoben die Worte von dannen, malmend fest verbissen sich ihre Zähne ineinander. Er versuchte es gar nicht zu verbergen, das Ächzen das seiner Kehler entwich. "Nun... wir haben zwei Möglichkeiten... die erste wäre Aiolos durch einen Bringschuld-Pakt an dich zu binden... sich seiner Kräfte immer dann zu bedienen wenn du es brauchst, mir jedoch meinen Körper zu lassen. Der einzige Nachteil wäre hierbei, dass mein Körper ohne Bewusstsein wäre und Schutz bedarf. Ich wäre ein lästiges Anhängsel, eine unbrauchbare Hülle... Sollte ich in dieser Phase sterben, wäre die Bringschuld aufgehoben und Aiolos dauerhaft an dich gebunden... was mich zur zweiten Möglichkeit bringt...", Gaius hielt inne und suchte erneut den Blick der Schwarzhaarigen, nur lag in jenem nun eine unterschwellige Sänfte, als wüsste er, dass Suzume die nächsten Worte wohlmöglich aufwühlen würden. Nur ungern erwiderte die junge Frau den Blick des Größeren und sah ihm mit wachsender Skepsis auf den Zügen ins Gesicht, nickte jedoch, die erste Möglichkeit scheinbar verdaut. "Du verpflichtest Aiolos mit einem Bindungspakt an deiner Seite zu bleiben. Sofort. Ohne Ausnahme, ohne Zeit zu verlieren... ich jedoch... ich würde hier und jetzt, an Ort und Stelle, mein Leben lassen...", er riss es ab wie ein Pflaster über einer schlecht verheilten Wunde, die erneut Blut austreten ließ nur um den Schmerz des Vergangenen erneut zur Schau zu stellen. Die Schwere der Worte seinerseits sackte in ihr Verständnis, ließen sie Augen der jungen Frau in Schrecken weiten. Bleich wurde ihr Gesicht und ihren Kopf schüttelnd, entkamen der jungen Frau stotternde, verletzte Worte. "W-was... Gaius, dass kann... ICH kann nicht...", ehrlich war Suzumes Reaktion, die fühlte wie sich Tränen in ihren Augen bildeten. Was verlangte er da von ihr? Sich distanzieren wollend, tat die Schwarzhaarige einen kleinen Schritt nach hinten, vergaß aber in Anbetracht des Moments, dass beiderseits Hände sich noch in jenen des anderen befanden. So kam sie nicht weit, wurde just von dem kräftigeren jungen Mann vor ihr wieder näher gezogen, in seinen Augen glänzte nichts als die schiere Entscheidungskraft. "Du darfst jetzt nicht zögern, Suzume! Was... was willst du tun?" - "Ich KANN das nicht tun! Ich kann dir dein Leben nicht so selbstlos nehmen, Gaius! Jegliche moralische Faser in meinem Körper schreit und windet sich bei diesem Gedanken!" - "Es gibt aber kei-!" - "Natürlich gibt es eine andere Möglichkeit! Es gibt IMMER einen anderen Weg!" - "Ja? Welche fällt dir ein, wenn nicht diese die ich dir bereits genannt habe, hm?" - "Ich...!", ein Quell der Trauer suchte sich links und rechts den Weg an ihren Wangen hinab... die sonst so weichen Züge zu einer geplagten Fratze verzogen... ihr Haupt der Schwere der Worte ergebend, fallen lassend, nur kurz ein erstickendes Schluchzen von sich gebend. "Suzume..." - "Sei still... ich denke nach.", forsch schniefend erwiderte sie dem Drängen des Braunhaarigen nur knapp, welcher ein ... Kichern... ? von sich gab. Was war angesichts ihrer verzwickten Situation noch so amüsant um sich hier darüber lustig zu machen...

      "Glaub mir... ich habe jegliche weitere Optionen wieder und wieder in Gedanken durchgespielt... das Ergebnis bleibt, so Leid es mir tut, immer das selbe... die beiden Wege sind jene die am Erfolgversprechendsten sind... du musst dich nur für einen entscheiden.", es schien als würde er ihre Notlage verstehen, immerhin war gerade der Himmel über ihr zusammengebrochen. Aus dem hektischen, beinahe befehlshabenden Ton wandelte sich eine verständnisvolle Zartheit, die sich, ähnlich dem Element dem er zugeordnet war, leicht und schwingend um die beiden Gefährten webte. Der Windgeist legte seinen Kopf schief, drückte erneut die Hände seiner im Geiste verbundenen, was sie zum aufsehen zwang. Ihr Antlitz erschien gefestigt, das Blau in ihren Augen strahlte hervor, beinahe als hätte sie die Lösung für ihr Problem parat. Der Braunhaarige hob erstaunt die Augenbrauen. "Gaius... Aiolos... mit wem auch immer ich im Moment rede... ich kann und werde mich nicht erdreisten, deine Existenz aus der Welt zu reißen... es steht mir einfach nicht zu... Mili hat uns diese Bürde aus guten Gründen auferlegt, dir, sowie mir... Dantalion ist mein Begleiter und deiner Gaius, ist Aiolos... du sagtest, dein altes Ich versucht wieder Kontrolle über diesen - deinen - Körper zu erlangen... doch wird auch das nicht geschehen. ICH werde das nicht zulassen, ich verspreche es dir.", es war der Hauch eines Lächeln, welches sich auf die Lippen der Schwarzhaarigen legte, doch sorgte es für Verwirrung im Gesicht des Braunhaarigen. "Der Pakt der Bringschuld, Gaius... die Möglichkeit mich Aiolos zu bedienen wenn ich ihn brauche, wird sich aufgerechnet auf eine solch kurze Zeitspanne beziehen, dass die völlige Bindung seinerseits an mich überflüssig wäre. Hestia soll über dich wachen, solange ich mir Aiolos Kräfte zu Eigen mache. Seine Stärke werde ich gesammelt für die kommenden Geschehnisse in Arcadia benötigen, ja. Aber danach... soll er wieder dir gehören. Er ist ein Teil von dir, oder du bist Teil von ihm... ich schätze, in eurem Fall kann man das drehen und wenden wie man will... es bleibt das selbe. Ich würde mir deinen erzwungenen Tod bis zum Tage meines Sterbens nicht verzeihen, mit einer derartigen Schuld zu leben. Weswegen ich dir ebenso dieses Angebot machen möchte... entschwinden dir die Kräfte zur Bändigung seiner Stärke... dann wende dich an mich und Dante. Er wird dich nicht verzehren, solange ich da bin. Ich will dir helfen... du sollst nicht einfach von dieser Welt verschwinden, das wäre eines Hauptmannes nicht würdig.", ein Hoffnungsschimmer hatte sich in der kurzen Zeit wo Suzume ihre Gedanken kreisen ließ in ihrem Inneren aufgetan... natürlich, Dantalion hatte in diesem Fall nicht nur zugehört, nein... auch wenn er mit dem Windgeist nicht immer gut Kirschen gegessen hatte, sie entsprangen der selben Spezies, waren gemeinsam dafür verantwortlich was geschah und geschehen wird. "Diesen Luftikuss in die Schranken zu weisen wird mir eine Ehre sein... für wen hält er sich... unerkannt über die Erde zu schweben, versteckt als menschliche Veräußerung aufgrund seiner anscheinenden - entschuldige bitte - Demenz?!" Dafür strafte Suzume ihn gedanklich tausend Tode, worauf der Urgeist jedoch nur ein "Was? So vergesslich kann man nicht sein, ich bitte dich!" über hatte.

      Gaius Augen schlossen sich. Er ließ sein Haupt für einen kurzen Moment sinken, aber sah Suzume ein Zucken seiner Mundwinkel, welche sich zu einem Lächeln heben wollten, jedoch gezwungen wurden, die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zu vergessen. "Ich meine es Ernst... ich habe schon so viele verloren... und möchte dich nicht auch noch auf dieser Liste stehend wissen.", kaum hörbar war der jungen Dame Stimme, die sich ihrer Aussage bewusst wurde und erneut mit den Tränen kämpfte. "Und dein Opfer? Was gibst du im Austausch?", nahtlos hang der Braunhaarige an wohl jenes letzte gesprochene Wort seinerseits an und wartete stillschweigend. Suzume atmete tief durch und sah über sein Haupt hinweg in die Nachtschwärze. Natürlich... etwaige Wege waren der Schwarzhaarigen eingefallen, diesen Pakt zu besiegeln... doch nur einer schien ihr für all diese verrückten Entwicklungen stimmig... "Meine Fähigkeit Farben zu sehen... die Welt um mich soll in Schwarz, Weiß und all ihren Graustufen erscheinen... die Zeit um die Schönheit der Welt zu genießen ist für mich vorbei... es wurde zu viel tiefrotes Blut vergossen, zu viel lebendig grünes Gras befleckt, zu viele der bunten Sommerblümchen durch den Hunger meines Feuers in totes, braunes Gestrüpp verwandelt... sogar das Azurblau des Himmels leuchtet mir nur mehr schmutzig entgegen. Ist es eine Strafe, die ich mir selbst auferlege oder doch nur der Ansporn die Welt so zu sehen, wie sie ist, ohne verzerrte Bilder und der Verlockung zur Lüge?", Suzume verstummte, wandte ihren Blick wieder auf Gaius hinab, welcher sie mit einem unlesbaren Blick ansah, dann aber ein Nicken von sich gab... und merklich zögerte. Die Schwarzhaarige zwinkerte verständnislos. "Was? Ist... ist das nicht genug? Soll... brauche ich etwas anderes?", gerade wäre sie wieder nachdenklicher Miene in tiefe Gedanken versunken, wie sie diesen Schwur denn sinnig erklären konnte, da empfing sie ein Kopfschütteln von Seiten des jungen Mannes ihr gegenüber. "Nein... nein... ein nobles Opfer, so viel kann ich dir zusprechen... wie jedoch willst du den Pakt... besiegeln?" - "Was meinst du? Sind ein Opfer darbringen und Besiegeln nicht ein und das selbe?" - "Im sprachlichen Umgang... ja, durchaus. In dieser Situation aber... ist dein Opfer das, was du von DIR gibst um die Kräfte von Aiolos zu erhalten... und das Siegel ist wie bei einem Briefumschlag das Wachs, welches das Papier zusammenhält..." - "Oh... ich verstehe... ein Blutschwur sozusagen? Blut... für Blut." - "Genau... wobei wir nicht mehr auf das Aufschneiden unserer Handflächen zurückgreifen müssen... diese Weise ist mittlerweile eigentlich veraltet und entspringt barbarischen Lebenszeiten..." - "Mhm... aber was schlägst du dann vor? Ein... Handschlag? Eine Kopfnuss? Abklatschen? Sollen wir uns ohrfeigen?" - "Nein... es... ich habe mich im Voraus bereits in die Lektüre eingelesen, was es für eine neue Besiegelung eines Paktes braucht und welches das wohl einfachste Siegel darstellt... aber... nunja...", Gaius brach ab. Täuschte es Suzume oder war er plötzlich ganz kleinlaut geworden? Sie hob eine Augenbraue an und folgte seinem Blick, welcher dem ihren entschwand und an einer ganz anderen Stelle hängen blieb. Nur kurz war das Silber aus seinen Augen unter ihre Nase gewandert, festigte sich dann aber wieder in jenem überraschten Blick, den sie ihm entgegenschickte. "Oh... OH! Wir... wir sollen uns... hast du das damit gemeint? Gibt es... ich meine... gibt es eine andere Art und Weise? Müssen wir... müssen wir...?", eine fremdartige Hitze stieg der Schwarzhaarigen in den Kopf und legte sich glühend auf ihre Wangen, als der imaginäre Vorhang vor ihren Augen fiel und ihr den Weg zum Paktsiegel freilegte. Es war auch dem Braunhaarigen sichtlich unangenehm, er wich ihrem Blick aus, welchen sie selbst nicht lange auf dem Gesicht des Hauptmannes festhalten konnte. "Natürlich gibt es eine andere Möglichkeit... denkst du, ich hätte nicht vorplanen wollen? Als hätte ich nicht daran gedacht eine Art Tinktur mitzubringen? Meinetwegen hätte ich einen Tanz einstudiert... der Zeitpunkt dafür ist jetzt jedoch zu unverhofft spontan, dass ich dir nichts dergleichen anbieten kann... und wieder... sofern dir nichts anderes einfällt...", ein tiefes Ächzen entkam ihm, sein Blick irrte mühselig in der Ferne herum, ehe Gaius Augen wieder den Weg in das Gesicht der Schwarzhaarigen fanden, welche ihm bereits entgegenblickte. Sie hielten sich noch immer die Hände... "In Ordnung.", Suzume versuchte es zu unterdrücken, das nervöse Zittern, welches diese beiden kleinen Worte begleitete und sich verräterisch auf ihren Lippen ausbreitete.

      Doch waren sie es, die wohl jegliche Schwere aus dem Antlitz des Braunhaarigen zogen und nichts als Ruhe in jenem hinterließen. Es war ein letzter kurzer Blick der beiden Urgeistgesegneten, ein Nicken, ehe Gaius erneut seine Augen schloss und Suzume es ihm gleichtat. "Urgeister... vergeben von Mili der Hexe... hört uns an...", während er sprach, umhüllte eine lindgrüne Aura den jungen Mann und ein seichtes orange webte sich um die Schwarzhaarige, als eine sachte Druckwelle von den beiden ausging und sich in die Weiten der Nacht verflüchtigte. "Ein Pakt der Bringschuld will geschlossen werden. So vernehmet Inhalt, Opfer und Siegel, welche wir beide in Besitz unserer völligen geistigen Fähigkeiten beschließen. Ich... Gaius... der Träger von Aiolos dem Windgeist... vermache dir, Suzume, Trägerin des Feuergeistes Dantalion, die Fähigkeit, die Kräfte des Windes und der Luft zu den deinen zu machen, sofern du sie benötigst. Ich erlaube dir, auf mein Bewusstsein zuzugreifen und die Stärke und das elementare Vermögen von Aiolos mit den deinen und den von Dantalion zu verschmelzen und zu befehligen. Im Gegenzug wirst du alles in deiner Macht stehende tun, um meinen leblosen Körper vor dem Tode zu schützen. Dieser Pakt verlangt ein Opfer, welches durch die Abgabe von Suzumes Eignung Farben zu sehen, erbracht wird. Dieser Pakt verlangt ein Siegel, welches mit... einem Kuss... beschlossen wird. Ich erbitte euer beider Einverständnis und erkläre den Inhalt als dargelegt.", wie automatisiert öffneten sich beider Augenpaare und verwoben sich ineinander. Windwirbel stoben um den Körper des jungen Mannes und fahle Flammen züngelten an der sichtbaren Haut Suzumes empor, bevor der Schwarzhaarigen eine völlig neue Kraft zu teil wurde. Es war als würde man ihr den Boden unter den Füßen nehmen. Eine schiere Leichtigkeit durchfuhr sie, umwob ihr Herz in Frische, erhob ihre Haarspitzen in die Luft, trieb Energie in ihre Flammen, die aggressiv aufflackerten, als hätte man Petroleum in offenes Feuer geschüttet. Ein verzaubertes, halbes Grinsen legte sich auf die Züge, der jungen Frau, als sie Zeugin der Kraft von Aiolos wurde, welcher sich in seinen Grundpfeilern im Körper der Urgeistträgerin breitmachte, um eine erneute Übernahme weniger überrumpelnd zu gestaltend. Mit großen Augen verfolgte Suzume das Schauspiel, ehe ihr Blick wieder den des Braunhaarigen traf, welcher dem Schauspiel ebenfalls interessiert, aber in Maßen weniger aufgeregt zusah... er hatte wohl die richtige Wahl getroffen, diesen Schritt zu tun... denn die Schritte die nun folgten, ließen sowieso keinen Platz übrig, um zuvor schon in Panik auszubrechen. "Das Opfer...", mit Reue in der Stimme löste Gaius seine rechte Hand aus der Umklammerung Suzumes, seine Miene lasch verzogen, und legte sie ihr über die Augen. "... gegeben...", rauen Klanges brachte er den zweiten Schritt zu seinem Ende und gab der Schwarzhaarigen Blick wieder frei für die Welt und wie erwartet versteinerte ihr Antlitz in Unglaube. Ihr schockierter Blick hing im grauen Nirgendwo fest. Nichts hätte sie darauf vorbereiten können... Suzume zwang sich den schweren Klos in ihrem Hals hinab zu schlucken. Es war so... schnell gegangen. Entsetzt über das, was ihr so plötzlich gewahr wurde... was sie gegeben hatte... es trieb ihr die blanke Angst in den Körper, sog ihr jegliche Farbe von den zuvor so fein geröteten Wangen. Knapp daran dem Wahnsinn zu verfallen, waren es die Fingerspitzen des Braunhaarigen vor ihr, die sie zurück in diese Welt holten, ihr die plötzliche Furcht nehmend. Wärmliche Schleier hatte sich in dem sonst so kühlen Grau ausgebreitet, während Gaius vorsichtig seine Hand auf der Wange der Schwarzhaarigen bettete. Er zögerte... berechtigt. "Das Siegel...", kaum hörbar, vom Wind verschluckt, drangen die Worte seinerseits in der Blauäugigen Richtung. Es war ein furchtbares Gefühl, die Zeit die in diesem Moment verstrich... zu wissen was kommen würde, nicht fähig zu sein, es abzuändern... Langsam kam Gaius ihr dann aber doch näher, rücksichtsvoll auf ihr Einverständnis wartend, den glänzenden Blick auf ihren Lippen abgelegt. Suzume spürte die Geborgenheit seiner Berührung, erkannte seine Nervosität am ganzen Körper, konnte sie selbst sich doch keinen Zentimeter mehr bewegen und das gespannte Schielen ihrerseits auf das, was sich vor ihr abspielte, wich flatternder Lider der Dunkelheit. Eine Hand breit... ein Schritt näher... ein letzter warmer Hauch, der über ihren Mund streichelte, bevor der letzte, quälend lange Abstand überbrückt war und der Hauptmann mit schierer Fürsorge in seiner Tat, die junge Frau küsste. Ihr Atem stockte, das Herz schlug Suzume bis zum Hals... weshalb schoss ihr mit einmal das Kribbeln so haltlos in die Finger? Was war es, dass ihr diese plötzliche Unruhe in Form von elektrisierenden Schauern über den Rücken schickte? Verlor sie sich gerade in einer Tat, die bloß taktisches Vorgehen untermauern sollte? Verloren sie beide den Blick für das Wesentliche? Warum war dieser Augenblick der Nähe so... vertraut? Wohltuend? Die Schwarzhaarige fühlte, wie sich die versteinerte Statur Gaius auflockerte, seine warme Hand, die tiefer in Richtung ihres Nackens rutschte... seine linke, die die ihre losgelassen hatte, nur um den Griff um ihr Handgelenk zu suchen und ihren schlanken Körper noch etwas näher an sich zu ziehen. War es der Einsamkeit geschuldet oder hatte sich etwas ohne beider Wissen zwischen ihnen entwickelt, dass niemand auch nur wagte auszusprechen? Sollte sie sich fallen lassen? Denn auch suchten ihre Hände bedacht den Weg an seinem Arm empor, legten sich vorsichtig auf Höhe seines Zwerchfelles ab, als der Braunhaarige sie tiefer in seine Arme zog. Weiter und weiter durchbrach das Luftschiff die Dunkelheit... weiter und weiter ließ jenes Gefährt die Vergangenheit versiegen, steuerte eine ungewisse Zukunft an, brachte die verschiedenen Schicksale wieder näher zueinander. Fern aber, durchbrach ein einzelnes Wort die Stille, welche von dem gleichbleibenden Wummern der Rotorblätter unterlegt wurde. "... beschlossen."

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    • Flieg höher, erscheine heller als je zuvor. Erfasse den unbändigen Zorn, der dein Herz schnürte und unser Volk seit jeher plagte. Seit jenem Moment in welchem die Logos Fuß auf unseren Kontinent, seit jenem Moment in welchem sie unser Land stahlen, unserer Volk misshandelten und dem Vieh gleichstellten. Greife sie, zermalme sie als jener Dämon auf dessen Namen sie dich tauften. //..Wessen Stimme ist es die zu mir spricht? Wer bist du?..// Alles war schwarz. Nackt, gar wie der Wille der Welt ihn schuf, verharrte der in der Dunkelheit erstrahlende junge Mann in den Schatten, ummantelte in seinem Sitz seine Beine und sah mit seinen purpurroten Augen in die Ferne. Dort, fernab seiner Reichweite erstrahlte eine pechschwarze Flamme, mit violetten Linien umzogen um sie innerhalb der Schatten sichtbar zu machen. Sie nahmen dir alles, sie zerstörten das Leib deiner Mutter, den Geist deines Vaters, die Seelen deiner Geschwister und verfolgten dich als wärst du der Verantwortliche alles Unheils dieser Welt. Hasse sie, verurteile sie für ihre Taten, verschlinge sie wie es sich für einen Dämon gehört, wie es sich für den Schrecken des Todes gehört!
      Ren's Blick durchschweifte die Umgebung, doch außer seiner selbst und dem Licht in der Ferne war nichts Näheres zu erkennen. Sein Blick wandte sich seinen Händen zu, hell erstrahlend und doch zeitgleich in roter Farbe getränkt. Ein Seufzen ertönte aus seinen Lippen, während seine Augen sich erneut zur violett-schwarzen Flamme wandten. //...Bin ich das wahre Übel, dass über diese Welt herzieht? Bist du meine wahres Selbst, welches mich dazu drängt alles zu zerstören?...//
      Sei nicht albern mein Junge, nicht du bist das Übel dieser Welt sondern ihr Erretter. //...Ein fehlgeleiteter Held? Jemand durch extreme Taten für ein Wohl kämpft, welches sich nicht durch friedliche Maßnahmen umsetzt? Das notwendige Übel?...//
      Die Stimme der Flamme verstummte und nicht als Stille blieb zurück, doch noch während Ren seine Arme nach hinten abstützte und seinen Blick nach oben wandte, meldete sich die Flamme erneut zu Wort. Es schmerzt mich, dir jene Aufgabe anzuvertrauen an welcher deine Mutter und Ich scheiterten, doch du bist der Einzige der meinen Willen und meine Kraft erben und meine Aufgabe zu Ende bringen kann! Die Augen des Mannes weiteten sich für einen kurzen Moment, bevor ein schlichtes Lächeln seine Lippen umspielte. //...Das ist wirklich albern.. Ich kenne euch nicht einmal, zusätzlich verstießt ihr mich und brachtet mich zu Wiseman. Das Erbe eines Mannes anzutreten, welchen Ich nie kannte und die Aufgabe einer Frau zu Ende zu führen welche mich nicht wollte -//
      Die Augen des Schwarzhaarigen Mannes schlossen sich, bevor er sich aus seiner misslichen Lage erhob und in Richtung der Flamme lief. Als er jene erreichte, stoppte er und richtete seine Handfläche über jene. //...Anderseits wollte mich niemand auf dieser Welt.. Nein, dass stimmt nicht. Es gab eine Person die mich wollte, doch Ich nahm ihr alles und blieb mit meiner Schuld zurück... Genauso gut könnte Ich als Sühne diese verkorkste Welt wieder in Ordnung bringen und zum notwendigen Übel werden.. Meinen Zorn erfassen und freilassen, meine Wut nicht mehr zügeln sondern beherrschen... Um von der wahren Heldin am Ende beseitigt zu werden und von ihren Flammen von meinen Sünden gereinigt zu werden? Diese Flamme, Galahead, nein.. Vater. Eine Flamme wird also der Anfang und das Ende meiner Rebellion sein? In Ordnung, Held der Revenus! Verbrennen wir diese Welt...//
      Als Ren die Flamme mit seiner Hand zerdrückte, schwenkte das Geschehen wieder zur Gegenwart um in welcher der Schwarzhaarige mit seinem Widersacher zusammenstieß. Ein fast schon diabolisches Grinsen ummantelte die Lippen des Mannes, während eine seiner Pistolen von Shin's bloßer Handfläche abgefangen wurde und die zweite Pistole sich gegen seinen Hals drückte. Noch während der Schuss ertönte, duckte sich der Weißhaarige Mann weg, stieß seine Hand gegen den Brustkorb seines Gegenübers, doch zog sie schleunigst wieder weg als eine schwarze Flamme vor jenem aufloderte. Ren's Grinsen nahm an Breite zu während er wie ein Irrer seinen Kopf gegen Shin's stieß und diesen zum taumeln brachte. In einer brutalen Drehung stieß er den Lauf seiner Pistole gegen die Seite des Mannes und lehnte seine freie Pistole über seinen Unterarm um eine Salve hinterherzusenden. Doch selbst der Benommenheit des Kopfstoßes reichte nicht komplett aus, denn im letzten Moment gelang es in dem Weißhaarigen in einer geschmeidigen Bewegung nach hinten zu schlittern. Die Schleier Forneus breiteten sich über den Rücken des Mannes aus, welcher sich das Blut von der Stirn wischte und erleichtert aufseufzte. "Phew, hätte Ich keinen Urgeist wäre es um mich geschehen. Wiseman, du altes Schlitzohr. Wusste er etwa davon?"
      Sein Blick wandte sich kurz zu Ashiabal und Wiseman, zweitere Person lag auf den Boden und wandte sich als würde jeden Moment ein Teufel Besitz von ihm ergreifen, erstere Person lächelte amüsiert und zeigte mit dem Finger in Richtung Ren's. Shin wandte sich zwar wieder seinem Widersacher zu, doch war es zu spät denn ein schierer Schwall aus Tritten und Schlägen prasselte auf den Weißhaarigen nieder, der nur mit Mühe und Not trotz seines Urgeistes ausweichen konnte. Zwar ließ er hier und da Eisspeere aus der Umgebung erscheinen, die Ren aufspießen sollten und erschuf eine Bahn aus Eis unter sich um schneller ausweichen zu können, doch schmolzen die schwarzen Flammen das Eis in die Nichtigkeit und ließen den Schwarzhaarigen Revenus mehr als einen Dämon wirken, als Ashiabal, den König der Teufel selbst. Ren warf Conception zur Seite, ummantelte seine Hand in der schwarzen Dunkelheit und versuchte Shin's Gesicht zu haschen, doch kurz bevor die Hand jenes Gesicht berühren und verbrennen konnte, drückte sich das Knie des stärksten Mannes gegen den Ellbogen des Schwarzhaarigen und zwang ihn dazu zurückzuweichen. Angst, es war vermutlich das erste Mal das Shin dieses Gefühl in seiner Brust verspürte. Dennoch ummantelte ein breites Lächeln sein von Schweißperlen übersätes Gesicht. "Ich wusste es! Es war unmöglich das der Sohn meiner Meisterin und jenes Revenus den selbst Wiseman respektierte, lediglich ein Mittelmaß an Stärke besaß. Das ist also dein wahres Selbst, Ren? Das ist also deine wahre Stärke? Und das Potenzial nach oben steht wahrlich beängstigend hoch."
      Wiseman, der Stärkste Mann auf Erden stellte sich dem Sohn seines Schützling und seiner Vertrauten gegenüber. Die Augen des Mannes nahmen verfärbten sich pechschwarz, ein Teufel hatte ihn übermannt und seinen Geist übernommen. Dennoch überwog die Persönlichkeit des Mannes den Befehlen Ashiabals an seinen Untertanes. Wiseman lehnte seine Hände gegeneinander und verbeugte sich vor seinem Gegenüber, bevor er sich in eine geschlossene Kampfhaltung begab, die keinerlei Öffnungen aufwies. Um Ren's Körper tanzten wild die schwarz-violetten Flammen seines Zornes und seines Hasses, dennoch entgegnete er dem Wunsch seines Großlehrmeisters mit gleicher Gestik, bevor er auch Deception zur Seite warf und ebenfalls eine Kampfhaltung einnahm. "So gern ich dieses Schauspiel noch beobachten wollte, so wenig Zeit besitze Ich in meinem Repertoire." Innerhalb weniger Sekunden, noch nicht einmal die Zeit in welcher die zwei Fäuste Ren's und Wisemans gegeneinanderprallten, schnappte sich der König der Teufel den Verstorbenen 'Schrecken des Todes' und schloss zu Shin auf, auf dessen Schulter er seine Hand ablegte. "Es wird Zeit Arcadia zu verlassen und zum Ursprung zurückzukehren! Schon bald wirst du in der Lage sein, auch die restlichen beiden Urgeister zu bändigen und als mein Sprachrohr zur Welt zu fungieren, die Ich als Gott der Teufel beherrschen werde." Widerwillig ließ sich der Weißhaarige auf die Anweisung des Teufels ein und verließ mit ihm die Trümmer des Anwesens Wisemans während dieser mit aller Macht den erwachten Dämonen zurückhielt.
    • "Da seit ihr ja!", die hörbare Erleichterung lag in der Stimme Hestias, die schnaufend über das Deck gelaufen kam, die Arme in der Höhe und jene dann über ihre Haupt zusammenschlagend. "Ich hab euch überall gesucht. Ihr wart beide nicht in euren Quartieren und.... was ist hier los?", wohl noch eher unbekümmert, schief lächelnd und im Tonfall sanft unterstrichen von Sorge, klang ihr Wehen beleidigt, als sie ihren geklärten Blick dann doch endlich auf die beiden fallen lies und die vorerst so enge Nähe von Suzume und Gaius erkannte. Ihr Lächeln wurde im Keim erstickt, die Hühnenhafte Gestalt der Lehrmeisterin fror in sekundenschnelle ein und Fassungslosigkeit, nun, nennen wir es eher grundlegende Verwirrung, breitete sich wie ein Sturzbach an Emotion auf ihrem sonst so in Mimik gefestigten Gesicht aus. Suzume und Gaius hingegen starrten der Rothaarigen nur wort- und tonlos – doch auch in gewisser Weise ertappt - entgegen, zwinkerten das ein oder andere Mal, sahen sich dann sogar mit nachdenklich verzogenen Augenbrauen aus dem Augenwinkel her an... doch machte keiner der beiden den wahrhaftigen Anschein, auch nur irgendetwas von dem preisgeben zu wollen, was noch vor guten fünf Minuten hier passiert war. "Suzume... was ist los? Was ist passiert? Ihr seht beide aus, als hättet ihr einen Geist gesehen.", beschwichtigend stemmte Hestia ihre Arme in die Hüften und legte vorwurfsvoll den Kopf schief. Sie wusste es doch! Irgendetwas war passiert... das sagte ihr ihr Instinkt und keiner der beiden sah just auch so aus, als wüssten sie von nichts. Gaius verdrehte die Augen, ihm entkam ein Seufzen und auch Suzume haderte mit sich, wie ein geschlagener Hund... Ja, einen Moment überlegte die Feuergesegnete doch, ob sie ihre gute Freundin und Schwester im Geiste über die Situation aufklären wollte. Aber wie genau sollte sie es ihr erklären? Von all dem Zeugs mit den Urgeistern, ihren Kräften und ihrem Wirken, dem Bündeln ihrer Energien, den Verträgen und Krafteinwirkungen... Hestia verstand den Ausmaß dieser Gabe und wie sie am besten zu befehligen war... doch all das andere hatte sie noch nie so wirklich RICHTIG interessiert... weshalb sie auch damals, als Suzume Rachels Bewusstsein durch den Mind Shift infiltriert hatte, eigentlich nur Bahnhof verstand. Hestia würde nur das hören können und wollen, was sie als wichtig empfand und als wichtig aus dem gesprochenen Wort filterte. Sie war nicht dumm, keineswegs... die Rothaarige verstand sich einfach darauf ihre Energien richtig einzusetzen und keine Umschweife auf etwas zu machen, was für sie und alle anderen wahrscheinlich gar nicht wichtig war. In ihrem eigenen Gedankenspiel geschlagen, entkam Suzum ein gequältes Ächzen, ihre Statur fiel etwas in sich zusammen und sie griff sich, nervös vor dem was kommen würde, überfordert an die Stirn und begann sie unstet zu reiben, als würde sie schon prophylaktisch die aufkommenden Kopfschmerzen wegmassieren wollen, die sie nach all der Erklärerei haben würde. Erneut ein Seufzen, nur schwerer... und gebrochener. "Hör zu Hestia... es ist so das...", na das begann ja wunderbar, sie fand noch nicht mal die richtigen Worte dafür... "Ich... Wir... wir mussten..." - "Aaaaaah, is' ja eigentlich auch egal oder? Was auch immer ihr zwei hier im geheimen bereden musstet... ihr werdet schon eure Gründe dafür haben... genauso wie ich meine Gründe habe, euch jetzt noch um die Uhrzeit aufzusuchen, eh?", mit einer theatralisch ausholenden Bewegung und einem noch überspitzter wirkenden Verwirken ihrer Neugier, legte sich das gewohnt sorgenlose Grinsen auf das sonnengebräunte Gesicht der jungen Frau. Suzumes Mimik aber war ob dem plötzlichen Wechsel der Ernsthaftigkeit ihrer Lehrmeisterin wie vor den Kopf geschlagen und starrte ihr mit eingefrorenem, verwirrten Ausdruck auf den Zügen entgegen. Auch des Windgeistträgers Antlitz zeugte von verständnisloser... Überraschung. "Sicher.", das Kopfschütteln konnte und wollte Gaius nicht unterdrücken, welches sich als ungebetener Gast unter seine Stimme schob.

      Hestias Blick rückte dann für einen kurzen Moment auf den Braunhaarigen, während sich ihr Blick mit sichtbarer Bosheit in jenem, verengte. "Nun...", begann sie dann aber ihr wahres Vorhaben zu erklären, warum sie die beiden denn noch sprechen wollte. "... unsere Reise nach Arcardia nimmt noch einen ganzen Tag in Anspruch... wir fahren zwar mit vollen Knoten, aber da dieses Luftschiff hier nicht der neusten Generation angehört, können wir nur so viel an Geschwindigkeit aus dem Baby rausholen, ohne dass uns der Motor um die Ohren knallt...", Suzume hörte ihr nickend zu und biss sich dann geißelnd auf ihre Unterlippe... das ihre schnellste Möglichkeit nach Arcardia zu gelangen gleichzeitig die langsamste war, stieß der Schwarzhaarigen dann doch sauer auf, als sich jemand anderes für den Bruchteil einer Sekunde in ihre Gedanken verirrte... "Wenn du mir mein Hoheitsgebot gewähren würdest... wäre ein Flug nach Arcardia in wenigen Stunden machbar..." - ein prickelnder Schauer schlich sich über die Wirbelsäule Suzumes, die plötzlich hellwach war. Ihre Augen gewannen unkontrolliert an Größe, als Dantalion ihr einen machtvollen Wink seiner Kräfte schickte, denn auch Gaius wahrnahm, einen Schritt vortrat um der etwas Kleineren ins Gesicht zu sehen. Und auch Hestia wurde die Sinnesveränderung ihrer Schülerin gewahr, welche sie mit Sorge im Blick musterte. Doch diese winkte dann doch nur ab, schüttelte den Kopf und kratzte sich das Haupt senkend im Nacken. "Sprich... sprich ruhig weiter...", murmelte Suzume hinterdrein und nahm einen tiefen Atemzug. Die Rothaarige war sichtlich nicht vollends beruhigt, sie kannte ihren Schützling zu lange, als wie das sie ihr bestimmte Regungen vorenthalten konnte. Aber beließ Hestia es dabei... wenn Suzu sagte es sei alles in Ordnung, dann musste sie ihr wohl oder übel vertrauen. "... wir... wir sollten uns demnach überlegen, wie wir uns aufteilen, wenn wir erstmal angekommen sind... und... vorallem was uns erwarten wird... ich denke nicht, dass alles und jeder friedlich an seinem Platz verweilt und nichts von den möglichen Geschehnissen mitbekommen hat.", so verschränkte nun die Braunäugige ihre Arme vor der Brust und schloss ihre Augen. Auf ihren Zügen konnte man die ungefilterte Sorge vor dem was auf sie warten würde erkennen. Ja, Hestia, die Hestia die sonst immer alles relativ locker nahm, aber die Ernsthaftigkeit hinter vielen Dingen sah, war wohl zum ersten Mal in ihrem Leben von grundlegender Furcht umklammert. "Da sprichst du einen validen Punkt an... zu dritt zu einem möglichen Schauplatz zu laufen wäre sinnlos...", warf Gaius hinterdrein und griff sich, nun selbst in Gedanken versinkend, an sein Kinn und senkte den Blick. "Es gibt wohl eh nur zwei Möglichkeiten die wir anstreben sollten... das Schloss von König Luxuria und Wisemans Dojo... wobei ich lieber nach dem alten Griesgram schauen will und ich euch die Obrigkeit überlasse...", Hestias nervöser Drang in der Stimme und das gekünstelte herumwitzeln, rund um ihren Obdachgeber, konnte wohl einen Laien täuschen, doch erkannte Suzume, als sie ihren Kopf wieder hob den Stress in den Augen der Rothaarigen. "Denkst du denn, die Teufel haben es auf Wiseman abgesehen?" - "Ich bin mir nicht sicher... aber er ist der stärkste Mann der Welt... mit ihm hätten sie sicher ein Ass im Ärmel, würde er sich gefangen nehmen lassen." - "Glaubst du wirklich das liese er zu?" - "Nein, aber..." ... während sich Gaius und Hestia in einem klärenden Gespräch verloren, wanderte Suzumes Blick etwas ab, weg von der Szenerie rund um die kleine Gruppe, hinaus in die weite, tiefe Schwärze, die jegliches Licht verschlucken zu schien. Wieder ein Sträuben ihrer Nackenhaaren, deren darauffolgendes Zittern sie gekonnt unterdrückte. Sie musste es einfach wissen... ihre Neugier war zu groß, ihr Urgeist zu stolz. "Hoheitsgebot... Dante... was meinst du damit... was... was ist das?", ihre Stimme, welche als zitterndes Echo in ihrem Kopf wiederhallte, prallte vorerst auf taube Ohren. Ein dumpfes Lachen, aus ferner Ecke ihres Bewusstseins erklang, nachdem ein melodisches Summen den schwarzen Raum ihrer Gedanken füllte. Ein Rascheln folgte, fast schon so, als würde man ein Buch in aller Schnelle durchblättern... einmal, zweimal... "Wo ist es denn, wo ist es denn... AH, hab's gefunden!", die Süffisanz in seiner Stimme war nicht zu überhören und hypothetische Schritte beförderten den Urgeist an ein Lesepult – so zumindest stellte es sich die Schwarzhaarige gerade vor, die Dantalion in ihrem inneren Auge fixierte, wie ein Greifvogel seine Beute. Ein Räuspern, ein Stimmttest... "Das Hoheitsgebot eines Urgeistes gewährt dem Träger die vollständige Übernahme der Kräfte des Geistes für einen bestimmten Zeitraum, doch gewährt der Träger dem Urgeist ebenfalls die Nutzung des menschlichen Körpers. Da die Quintessenz des Urgeistes mit der menschlichen Hülle des Trägers verschmilzt, formt sich nach Anberufung des Hoheitsgebots eine dem Element nahe Rüstung, um das volle Potential der Kräfte nutzen zu können. Gleichermaßen zwingt der Urgeist dem Träger seine eigentliche Form auf, um diese in seinem Willen zu befehligen. Flügel, Klauen, Zähne, Hörner oder andere Deformitäten können allein bei dem Gedanken daran manifestiert oder demanifestiert werden, um den größtmöglichen, positiven Nutzen daraus zu ziehen. Das Hoheitsgebot einzulösen, wird nur Trägern empfohlen, die mit ihrem Urgeist in Einklang sind... Ansonsten behält sich der Urgeist vor, die Herrschaft über seinen Träger zu übernehmen... wie du siehst ein sehr zweischneidiges Schwert, ein wankelmütiger Ausflug auf Messer's Schneide, sehr dünnes Eis, ein möglicher Schuss in den Ofen, ein..!" - "JA, Dante. Danke, ich hab's verstanden...", fuhr Suzume entnervt dazwischen, ehe eine größere Pause entstand... eine quälende Stille, durch die nicht mal das gesprochene Wort von Hestia und Gaius dringen konnte. Suzume sah ihnen zu, wie sie sprachen, gestikulierten... doch hinter den Vorhang ihres geistigen Gespräches mit Dantalion schaffte es keiner... "... denkst du... ich meine... nur mal angenommen... wenn wir darauf zurückgreifen müssten... das-?" - "... niemand vor dir hat das je überlebt, Suzume... lass mich dir das gesagt haben... als... Freund.", so schnell wie er in seiner sonst so überheblichen, arroganten Art kam, so schnell war er wieder verschwunden... und hinterlies einen Nachhall von ernstgemeinter Besorgnis in ihrem Kopf, als sich ihre Ohren wieder klärten und der Fahrtwind ihr ungut sausend in jenen lag... "... dann sollten wir uns wahrscheinlich doch aufteilen... Suzume, was sagst du dazu?", Hestias wartender Blick lag plötzlich auf ihr. Verdammt... und sie hatte nichts von dem was die beiden gesagt hatten mitbekommen. "IMPROVISIERE!" - "Das Waisenhaus...", sprudelte es dann mit einem Mal aus ihr hervor.

      "Hä... wie... aber... was? Hast du uns nicht zugehört? Gaius geht zum Schloss und du und ich suchen Wiseman im Dojo auf." - "Nein... ich... ich gehe zum Waisenhaus... ich... ich muss da hin. Jemand muss sich um die kümmern, um die sich sonst nie jemand schert... wenn es denn nicht schon zu spät ist, aber das bin ich den Kindern dort schuldig... das bin ich mir schuldig... und Luxuria... Gaius kann und wird den König alleine davon überzeugen können, dass wir unschuldig sind. Und wenn er mit Aiolos im schlimmsten Fall das Bewusstsein des Königs besetzten muss um ihm die wahre Geschichte zu zeigen... er schafft das! Und du Hestia... du siehst im Dojo nach dem Rechten... Wiseman traut dir am meisten, er kennt dich am besten und du ihn... alles andere wäre Unsinn. Es wird nicht leicht werden, da bin ich mir sicher. Aber so haben wir die besten Chancen das Schicksal in unsere Richtung zu drehen, und sei es nur um ein paar Milimeter.", in Suzumes Blick lag eine bittere Ernsthaftigkeit, die neben ihrem unbrechbaren Mut auch das trostlose Wissen spiegelte, dass auch sie möglicherweise nicht siegreich aus dem Kampf gegen die Teufel hervortreten würden... aber sie nichts unversucht lassen würde. Hestia schmunzelte zuerst, wog gesprochenes Wort der Schwarzhaarigen in ihrem Kopf ab, nickte dann aber langsam, ohne ihren Schützling aus den Augen zu lassen. "Klingt fair... ich denke, das könnte so gut klappen... und... welche Wahl haben wir wirklich? Es kann auch alles den Bach runtergehen... wir müssen es wohl einfach versuchen...", sie versuchte tapfer zu klingen, doch schwang unleugbare Angst in den Worten der Rothaarigen mit. "Sollten wir alle erfolgreich sein... wo treffen wir uns um das weitere Vorgehen zu besprechen?", es war eine gerechtfertigte Frage, die der Braunhaarige stellte und Suzume wieder in Gedanken fallen lies. Doch wurde ihr diese Entscheidung abgenommen. "Treffen wir uns doch beim Dojo... es liegt abgelegen vom Stadtkern und keiner außer uns hat Zutritt.", ein motiviertes Nicken, unterstrichen von hochgezogenen, zustimmenden Augenbrauen, entkam der Rothaarigen, derer Lippen ein zaghaftes Lächeln formten. Kurz noch tauschten Suzume und Gaius einen eher zaghaften Blick aus, doch willigten auch sie in den Vorschlag Hestias ein.

      1 Tag später...
      Als würde halbtotes Vieh seine letzten Atemzüge nehmen, so beschwerlich lies das Luftschiff der dreiköpfigen Bande die letzten Meter hinter sich, ehe der Hafen Arcardias sichtbar wurde. Hörte man ganz genau hin, so glaubte man sogar ein schweres Schnaufen der Motoren vernehmen zu können, welche, genötigt davon ständig auf Hochleistung zu laufen, langsam aber sicher den Geist aufgaben. Hestia, Gaius und Suzume jedoch standen tatbereit am Bug des Schiffes und konnten das Andocken des jahrzehntealten Dampfers nur noch gezwungenermaßen abwarten. Jeder drei drei wusste wo er zu sein hatte, jeder wusste, wohin ihn die Schritte führen würden... Ins unausweichliche Verderben? Oder würde letztendlich doch das Gute über das Böse siegen, wie so oft, in jenen zuckersüßen Märchen, die alle als Kinder vorgelesen bekamen? Fest waren die Augenpaare jener auf das sich langsam erscheinende Festland gelegt, welches sich schlierenhaft hinter den sich teilenden Wolken auftat. "Und denkt daran... sollte irgendetwas schief gehen... wir sind auf uns alleine gestellt... niemand kommt dem anderen zu Hilfe, wenn es nicht zu hundert Prozent sicher ist.", es war eine prophetische Mahnung, die Gaius so unvermittelt aussprach, welche den Kern ihrer Unterredung gestern jedoch auf den Punkt brachte. Die Sonne war vor guten vier Stunden aufgegangen, es war eigentlich noch früher Morgen... man vermutete reges Treiben, Marktgeschrei, Kinderlachen, Düfte so herzhaft und klebrig von allerlei gebackenen und gebrateten Leckereien, dass einem schon allein der Gedanke daran, das Wasser im Munde zusammenlaufen lies. Nun, so etwas in der Art hatte die kleine Truppe zumindest erwartet... empfangen wurden sie jedoch von einem ganz anderen, verstörenden Bild. Ein rotscheinender Teppich, hoffendem Auge nach verstreute Rosenblätter, erstreckte sich in Sturzregengroßen Pfützen über den gesamten weiß gepflasterten Boden des Hafens und schien in den Gassen nicht Halt zu machen. Keine lebendige Seele war auf den Straßen zu sehen, nichts, was einem Menschen glich erkennbar. Nur... sackähnliche, reglose Körper, die in dem Rot ihr letzes Ruhebett fanden. Es war Hestia, die fragend die Augen zusammenkniff und einen Schritt nach vor tat, um die Szenerie besser im Bilde zu haben. "Ist... ist das etwa...?", begann sie, sich selbst die Situation erklären wollend, doch kam ihr Gaius zuvor. "Sie... Sie haben... das sind... Oh, mein...", dem sonst so kühnen Hauptmann wich wohl zum ersten Mal in all der Zeit in der sie miteinander reisten, die Farbe aus dem Gesicht. Auch wenn er bereits viel gesehen hatte, so übertraf das Gräuel welches sich seinen Augen darbot, wohl um vieles. Nur Suzume... sie wusste, irgendetwas war passiert... doch konnte sie das dunkel schattierte Grau nicht einordnen und sah die beiden fragend an. "Was... was ist los?", es sollte gar nicht anmaßend klingen, oder anderweitig nichtssagend, doch sah sie es nicht. "Es ist ein Gemetzel, Suzume... sie... sie haben alles und jeden umgebracht...", stieß Hestia tonlos hervor und auf dem Antlitz Gaius formte sich eine Zornesmiene unglaublichen Ausmaßes. "Wir müssen schnell sein...", knurrte der Braunhaarige hervor, ehe ein letztes Nicken durch die Runde ging und noch bevor die Rammpflöcke der Planke sich in den blutgetränkten Boden stießen, war die Gruppe von Bord gesprungen und teilte sich, in verschiedene Richtungen laufend auf...

      Hestia sprintete als währen die Jagdhunde hinter ihr her durch die gefallene Stadt... Tote über Tote zierten die einst so reinen Straßen der Stadt des Wissens, jene die überlebt hatten, waren geflohen... Einzeln hörte sie das wehklagende Jammern und schmerzerfüllte Schreien der Verwundeten oder dem Tode nahen. Sie durfte nicht schwach werden... Ein jeder hier bedurfte Hilfe, aber sie konnte jetzt nicht ihrem Instinkt nachgehen. Sie hatte einen Ort an den sie musste, nichts durfte sie davon abhalten. So ging es weiter, den Weg entlang, den sie tausende Mal schon gelaufen war... doch erinnerte nichts davon sie jetzt noch an die Zeit von damals. Rauchsäulen schoben sich der Rothaarigen in den Weg, Feuer züngelte aus Fenstern, zerfraß Türen, Dachstühle und Karren, das Chaos herrschte auf den Straßen... umgestoßene Fässer, zertretene Blumenkästen, Kleidung, Alltagsgegenstände – Löffel, Gabel, Kellen, Stühle, Nudelhölzer, Bücher und sogar ein ganzer Tisch lagen herum - mit denen man sich gegen die Eindringlinge zu wehren versuchte... und überall die vielen Toten... Hestias Blick schirmte sich im Lauf von all dem Leid ab, bildete einen schwarzen Kranz um ihr Sichtfeld, versteckte ihr Versagen. Doch nun, nach gefühlt ewigen, quälenden Minuten erkannte sie die bekannte Straße zum Dojo, die halbwegs frei von Gerümpel war. Es war ein kurzer Hoffnungsschimmer der sich auf das Gesicht der Assistentin von Wiseman legte, doch versiegte das Lächeln so schnell es gekommen war, alsbald die junge Frau ihren Blick gehoben hatte. Nichts. Nichts war mehr übrig. Das vom Aufbau gerissene Dach schien nie existiert zu haben... Die dunklen Eckpfeiler des einst so majestätischen Gebäudes ragten wie die spitzen Zähne eines Ungetüms aus der Erde... Bretter, Balken, Fenster... alles lag in völliger Zerstörung in und um die Grundfesten ihres einstigen Zuhauses... die prächtigen Bäume im Garten... entwurzelt und in Brand gesetzt... der reinweiße Kiesweg, welcher von dem kleinen, klaren, plätschernden Bach gesäumt wurde... unstet rot gesprenkelt und schlierig rot gefärbt... "Nein...", die ungläubigen Schritte ihrem verstörten Zustand anpassend, lies Hestia ihren mit Tränen gefüllten Blick über die absolute Verwüstung gleiten, hoffend, irgendetwas zu finden, das der Wut der Teufel Stand gehalten hatte, während sie tiefer in das bis zur Unkenntlichkeit annihilierte Anwesen schritt. "Zu spät... wir sind zu spät...", ihrer Trauer zu entkommen versuchend, presste die Rothaarige jene bitterlichen Worte hervor, als ihr Augenmerk auf etwas fiel, dass sie schon wieder gänzlich vergessen hatte. Es war der zarte, silberne Schein ihrer Haare, welcher sie aufsehen lies, doch erkannte Hestia sie sofort. "LILY!", es war ein Schrei der Verzweiflung der der Lehrmeisterin entkam, gefolgt von einem überhaspelten Lossprinten in die Richtung der jungen Frau, die ähnlich verloren wie all die Schönheit dieses Platzes, auf den Trümmern kniete. Ihr Haupt rückte nur minimal empor, als sie die Stimme der Rothaarigen vernahm, doch ruhte ihr Blick auf etwas anderem. Hestia strampelte eiligst näher und hatte bereits die nötigen Worte parat, doch stockte ihr der Atem, als sie erkannte, was sie Schwester des Schwarzhaarigen so minutiös zu bewachen schien... und so war auch die Erklärung nicht mehr von Nöten. "Ist... ist das...", Hestia hielt sich den Arm vor den Mund und starrte mit Unglauben im Blick auf den abgetrennten Arm von Wiseman hinab, welcher wie ein Mahnmal die Zerstörung des Dojos besiegelte.

      Suzume hingegen schickte ihre Beine tiefer in das Stadtinnere hinein und ähnlich jenen Bildern, welche Hestia auf ihrem Weg sah, so war auch die kurze Reise der Schwarzhaarigen mit Gleichnissen der selben Art gespickt. Ihr Weg hingegen war von kürzerer Dauer, denn schon nach wenigen Minuten hatte sie das Waisenhaus erreicht, welches für so lange Zeit ein Teil ihres Lebens war. Grau in grau jedoch war ihre Welt nun... das leuchtende Rot des Blutes der vielen Unschuldigen die ihr Leben gaben, war ein dunkles Grau, beinahe Schwarz... Blümchen, farbige Fensterläden, die Schaufenster vieler Geschäfte... die Leblosigkeit starrte ihr aus allen Ecken entgegen und beschenkte sie mit dem monotonen Leuchten einer Farbe, die wohl oder übel alles in ihr wiederspiegelte. Wo war die Freude hin? Wo war die Lust am Leben hin? Hatte sie nicht schon länger die Welt nur mehr in Graustufen erkannt? Sie sah sich um... es schien keinerlei Unterschied zu machen... selbst das hellblaue Gemäuer ihres einstigen Heimes, war nun ein strahlendes, schmutziges Weiß. Und das sollte reichen, oder? Nun also, vor den noch relativ intakten, halboffenen Toren stehend, haderte Suzume nur einen kurzen Moment mit sich und lauschte... aus dem Inneren drang ein Ton. Sie war sich sicher, dass sie alle geflohen waren... zumindest jene, die den Angriff in der Haupthalle mitbekommen hatten. Der Rest könnte eventuell in die versteckten Kerker unterhalb dieser alten Gemäuer entkommen sein und sich dort verschanzen, bis die Luft wieder halbwegs rein war. Sie sollte nachsehen. Sich den Kräften Dantalions bedienend, formte sich, geführt aus einem kurzen Handschwenk ihrer rechten, ihre Lanze aus plötzlich erscheinenden, goldenen Partikeln. Vorsichtig setzte die Urgeistträgerin einen Schritt vor den anderen, erklomm somit die wenigen Stiegen bis zum Haupttor und drückte jenes mit geführter Vorsicht nach innen auf. Ein schüchternes Quitschen durchzog die steinerne Halle, links und rechts fiel von den hochgesetzten Fenstern schräg das Licht ins Innere... doch hatten die Teufel auch hier nicht Halt gemacht und ließen nichts an seinem Platz. Die Sitzbänke und Tische fanden sich schief und schräg im gesamten Raum wieder, lehten an Wänden, waren in der Mitte gebrochen oder lagen auf ihren Rücken. Der einst so prächtige Luster an der Decke, lag in Scherben vor ihren Füßen. Die Kerzen hangen geknickt in ihren Halterungen oder fehlten völlig. Die Türen, welche links und rechts zu den Schlafsälen führten, waren aus ihren Angeln gerissen und achtlos von Dannen geschleudert worden. Doch spürte die Schwarzhaarige eines... auch wenn es den Anschein machte, dass hier niemand mehr sein konnte, wusste sie, dass sie nicht allein war. "Hallo?"
    • Unnachgiebig schlugen die Stränge des Windes erbarmungslos an den Häuptern des vom Teufel bemächtigten und seiner Kameradin vorbei. Der endlose Himmel erstreckte sich in die Ferne, die Wolken formten im azurblauen Zelt spezifische Gestalten, welche der Erzählung einer Geschichte in Bildform nachkommen konnten. Still und Leise ertönte die Stimme Ashe's während seines Fluges durch die Lüfte, gerichtet an die junge Frau, die er in seinen Armen barg. „War es die richtige Entscheidung, Lily?“
      Das Mädchen, vollkommen in Gedanken versunken, vernahm die Worte des Mannes allein durch den lauten Schall durch die vorbeiziehende Luft kaum, doch der Weißhaarige wiederholte sich in erhöhter Lautstärke und riss das Mädchen mit aschblondem Haar aus ihrer Gedankenwelt. Bedrückt, gar schon ertappt wandte sie ihr Antlitz vom Gesicht des Weißhaarigen ab, öffnete für einen kurzen Moment ihre Lippen doch verschloss sie fast zeitgleich wieder. Lily's Augen kniffen sich zusammen, der Weißhaarige Teufel ließ schließlich von ihr ab um die Sache auf sich beruhen zu lassen. Doch einige Minuten später wandte sich das Mädchen erneut zu Wort. „Sie haben ihn aufgegeben, Ashe.. Suzume hat sich für das Wohl einer anderen Person entschieden, doch mir bedeutet diese Person nichts! Ich hab nur ihn, er ist das Einzige was mir in meinem Leben verbleibt! War es die richtige Entscheidung? Vermutlich nicht, vielleicht kommen wir bereits zu spät.. Doch Ich will, nein Ich kann nicht aufgeben!“ Die Worte des Mädchens riefen unerträgliche Erinnerungen ins Gedächtnis des Weißhaarigen Mannes, verzerrt bildete sich in deinen Gedanken das Antlitz eines Schwarzhaarigen Mannes der jener Gestalt von Ren glich und mit einem lächeln auf den Lippen jene Worte von sich gab: „Wir können sie nicht aufgeben, Ashe! Nexus gehört zu uns, selbst wenn es zu spät für sie ist müssen wir alles geben! Sie ist unsere einzige Verbindung zu dieser Welt!“
      Ein gar schon trauriges Lächeln beschlich die untere Gesichtshälfte des Weißhaarigen Mannes, bevor er selbst für einen kurzen Moment seine Augen schloss und ein tiefes Seufzen von sich gab. „Ihr ähnelt ihn wirklich sehr.. Loki, Ren und du Lily.. Ihr hättet euch sicher gut verstanden!“
      Ein verwirrter Gesichtsausdruck ummantelte die Mimik der Aschblonden Frau, obgleich der Weißhaarige diese Worte von sich gab konnte sie mit jenen nichts anfangen und wusste keine passende Antwort bereit. Nachdem sie ihre Gedanken sortiert hatte und Arcadia in der Ferne in Sicht war, fasste sie dennoch ihren Mut zusammen um eine zufriedenstellende Gegenaussage zu liefern. „Verzeih mir, Ashe, doch leider kenne Ich Loki nicht und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er sich mit meinem Bruder verstanden hätte. Doch falls es dich etwas beruhigt.. Ich wäre nicht davon abgeneigt gewesen mich mit ihm zu unterhalten!“
      Ein simples Schmunzeln entwich dem Mann während er den Kopf des Mädchens an seine Brust drückte und einen ernsten Gesichtsausdruck aufsetzte. „Halt dich fest! Ich lege an Tempo zu!“
      Auf den Worten folgte Taten, so schlossen sich die Flügel für einen Moment zusammen und entfalteten sich erneut um die beiden Gestalten mit einem enormen Schub in die Höhe zu verfrachten. Mit Mühe und Not glich der Weißhaarige sein Gleichgewicht aus um nicht von der Windströmung mitgerissen zu werden und suchte in der Ferne nach einem Ort zum landen. Alsbald sich die Katastrophe vor ihren Augen ausbreitete, stockte der Atem der Aschblonden Frau und ihre Augen verloren an Glanz. Leichen über Leichen, Blut soweit das Auge reichte und Schreie die selbst in der Ferne niederhalten. Gar schon ein verbitterter Gesichtsausdruck spiegelte sich in Ashe's Augen wieder der in der Lage war die vielen Teufel auf den Straßen zu sehen, welche sich an den Leichen der Bewohner Arcadia's labten. „Lily! Wohin?“
      „Nein.. sag mir nicht, wir sind wirklich zu spät...“ Das Mädchen verharrte so schockiert in ihren Gedanken, dass sie Ashe's Worte kaum vernahm. „Er ist nicht dort, Lily! Wenn du ihn nicht siehst, dann lass ihn uns suchen!“ Die Worte des Weißhaarigen Mannes ergaben Sinn, doch wo sollten sie ihn zuerst suchen? Die Aschblonde Frau überlegte scharfsinnig und ließ ihren Blick durch die Umgebung schweifen, sei es der Nervosität geschuldet das sie nicht sofort auf Wiseman's Dojo kam. Erst nach einer geschlagenen Weile der Unruhe, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und woraufhin sie Ashe in Richtung des Dojo's navigierte doch dieses vollkommen zerstört wiederfand. Ashe setzte die junge Frau auf dem Boden ab, lief einige Schritte auf das zerstörte Gebäude zu und beobachtete wie Lily sich in die Hocke begab um einen abgetrennten Arm anzuheben. „LILY!“
      Als die schroffe Stimme der Rothaarigen Frau aus der Ferne ertönte, ließ die junge Frau schlagartig den abgetrennten Arm fallen und neigte ihren Kopf zu ihr. Binnen Sekunden fand die imposante Gestalt ihren Weg in Richtung des Geschehens, doch zum ersten Mal in ihrem derzeitigen Leben sah das Mädchen die Fassungslosigkeit im entrüsteten Gesicht Hestia's. Erst jetzt wurde der Aschblonden Frau das Ausmaß dieses Geschehens deutlich, so war es unmöglich das Ren am Leben war wenn Wiseman sein Leben gab. „Nein.. Nein, er muss hier sein!“ Lily erhob sich, doch wurde wenn auch unbeabsichtigt von Hestia beiseite gestoßen die den Trümmern entgegenlief und gar schon verzweifelt ihre Hand zu jenen ausstreckte. Mit Mühe rappelte sich die junge Frau wieder auf und fand an Hestia's Seite Halt, umfasste mit ihren zierlichen Händen den ausgestreckten Arm der hochgewachsenen Frau und schaute verbittert zu ihr hoch. „Lass uns gemeinsam suchen!“
      Auch Ashe schloss nun zu ihnen auf, doch die schier endlose Suche in den Trümmern entpuppte sich als fruchtlos und nach Stunden war noch immer keine Leiche vorzufinden. „Das ist nicht möglich.. Wo sind sie?“
      Der Weißhaarige erhob sich aus einigen Trümmern und streckte seinen Rücken durch, bevor er seinen Blick in Lily's Richtung wandte sie schwer schnaufend auf einigen Trümmern hockte und Hestia in der Ferne erblickte die noch immer unermüdbar schweren Schutt zur Seite hievte.
      „Es scheint zwei Möglichkeiten zu geben, entweder haben sie überlebt, oder-“, als der Mann seine Worte fortführen wollte vernahm er die bedrückende Atmosphäre und stockte in seinem Satz. „-Nein, sie haben definitiv überlebt. Die Frage ist nur ob sie noch hier in der Stadt und wenn ja, dann wo. Sollten wir uns aufteilen und suchen?“
      „Hestia? Wir sollten zum König, wenn Wiseman irgendwo ist dann dort! Wiseman muss wissen wo Ren ist, er muss einfach!“

      Schritte ertönten auf der oberen Etage des Waisenhauses, schwere Schritte, langsame Schritte, dumpf und nicht in Eile. „Wie es ist wenn man blind ist?“, ertönte es von einer bekannten Stimme, während sich die Schritte dem Treppen näherten und nur der Umriss zweier schwarzer Stiefel zu erkennen war. "Es wäre eine Lüge zu behaupten vollends erblindet zu sein, deshalb kann ich es leider nicht beantworten. Stellt dir vor, deine Sehkraft wäre da, doch du kannst sie nicht benutzen, weil da etwas ist das verhindert das du es benutzen kannst. So bist du blind und doch nicht blind zugleich. Vermutlich kann ich dir keine zufriedenstellende Antwort schenken, doch meine Auffassung ist das ein jeder Mensch dieser Welt erblindet ist. Und eben deshalb kann ein jeder diese Frage für sich selbst beantworten.."
      Die Stiefel trugen die Gestalt die Treppe hinab, in der Finsternis entpuppte sich erst recht spät die Silhouette eines Revenus der seine Augen geschlossen hielt. „Hast du deine Wahrheit gefunden, oder bist du ebenfalls erblindet, Anoria? Hast du die Wahrheit verkraftet, oder bist du vor ihr davon gelaufen Suzume?“
      Unter Ren's linker Hand bildeten sich schwarze Würfel und manifestierten sich in Deception, mit der Pistole zielte er folglich in Suzumes Richtung und hielt Daumen und Zeigefinger bereit zum betätigen des Abzuges. „Deine schmerzlichen Erinnerungen, die Wahrheit die sich vor deinen Augen ausgebreitet hat und dir dein Herz zusammenschnürt. Soll ich sie dir wieder nehmen, wie einst? Es genügt wenn die Bürde der Welt auf meinen Schultern lastet, es ist noch nicht zu spät für dich das Leben einer normalen Frau zu führen. Arcadia wird fallen und Ich werde für seinen Niederfall verantwortlich sein!“
    • Sie hatte sich zuvor eininge Male im Kreis gedreht... hievte mit den Füßen die abgesplitterten Holzplanken der zerstörten Bänke und Stühle zur Seite, um einen schmalen Weg zu bilden, durch den sie ungehindert durchgehen konnte. Ihren manifestierten Speer als zweckentfremdeten Besen benutzend, schob Suzume schweigend größere Trümmer von sich weg, in dem Chaos der gewaltigen Brutalität versuchend auch nur ein bisschen ihrer einstigen Kindheit wiederzufinden. Was erhoffte sie sich eigentlich davon? Das ihr die Bilder, Zeichnungen, Bücher oder andere Satonalien entgegensprangen, ihr die wohl heil scheinende Welt von damals, den Druck und die Schwere der jetzigen von den Schultern nahm? Dass sie all dem Leid hier endlich lebwohl sagen konnte, sich einhüllend in einen Kokon aus Leichtigkeit und in dieser irdischen Welt nicht erreichbaren, unheimlich überwältigenden Frieden fand? Suzume seufzte und ließ das erschöpfte Haupt hängen, als sich über ihr plötzlich Schritte hallend ausbreiteten. Eine starke, magische Präsenz grub sich in ihre Wahrnehmung und Dantalion schob sich beinahe automatisch in ihre Gedanken... "Er ist hier...", ein kaum hörbares Flüstern aus dem letzten Winkel ihres Bewusstseins erklang und zeugte von der unterschwelligen Überraschtheit die in seiner Stimme mitschwang. Die Schwarzhaarige verstand im ersten Moment nicht sofort, sie würden keinen Sinn machen, all die Möglichkeiten die eintreten könnten, die ihr ihr Geist vor die Füße warf. Trotzdem war ihr geschärfter Blick auf die Stelle gepinnt, wo der Klang der Schritte herkam und nicht abriss. Sie war auf jeglichen Angreifer gefasst... jeglichen Teufel in Menschengestalt... wer auch immer hier mit ihr verweilte... Unerwartet durchbrach eine Stimme die listig langsamen Schritte und schickte der Schwarzhaarigen einen Schauer sondergleichen über den Rücken. Als hätte sie der Blitz getroffen, so stoben ihre Nackenhaare empor, eine Gänsehaut breitete sich wie ein Sturzbach auf ihrem Körper aus. Die Worte die er sprach, die Sinnhaftigkeit dessen, was in seinem Gesprochenen lag... Das Blau ihrer Augen erkannte zuerst nur den Schuh, welcher verräterisch über die Kante der obersten Stufe lugte, dann empfing Suzume das gesamte Bild jener Person, die hier wohl auf sie gewartet hatte. Die Gestalt des Verlorenen schälte sich aus dem dumpfen Dunkel der schlecht einsehbaren Treppe und breitete sich wie eine Ode an all das Geschehene im Raum aus, erreichte Ecken und Kanten des Gemäuers, kroch bis hoch in die Decke um sich an die Stützpfeiler des Daches zu hängen, versiegelte sich zwischen den Fliesen, kittete die gebrochenen Fenster und stach somit auch in das überwältigte Herz der jungen Frau, die nicht mehr Herrin ihrer Emotionen war. Ein Beben sondergleichen, nicht kontrollierbar, nicht verstecken wollend, breitete sich auf den Lippen der jungen Frau aus, das Blau ihrer geweiteten Augen wurde von glasigem Glanz überzogen, selbst ihre Arme und Hände wurden butterweich, kaum in der Lage den Speer in ihrer rechten zu halten. Vom Unglauben gepackt setzte Suzume zwei Schritte zurück. Warum hatte sie das Gefühl, dass sie mehr Platz brauchte um völlig zu verstehen, wen sie da nach so langer Zeit nun wieder vor sich stehen hatte?

      "Ren...", formten ihre Gedanke abertausende Sätze die nur drängten aus hier herauszusprudeln, so schaffte nur das bloße Wort seiner Identität es über ihre Lippen. Festgefahren fixierten ihre Augen die Person, welche ihr nun so fremd war und trotzdem stets das Gefühl der Heimat in ihrem Inneren auslöste. Suzume versuchte sich zu entspannen, lockerte die verkrampfte Haltung ihrerseits etwas. Ihr Atem fand automatisiert den Weg in ihre Lungen und schaffte es nur geführt, geblockt aus jenen heraus. Unbedacht rutschte der Blauäugigen Blick auf seine manifestierte Pistole hinab, worauf ein klägliches Lächeln in ihrem Gesicht erschien, gefolgt von einem Kichern, dass unsagbare Schwere in sich trug. "Ich hatte sie schon fast vergessen, die Waffe die dich Gott spielen lässt, wenn du es willst...", die Augen der jungen Frau schlossen sich für einen Moment und sie kehrte sich halblinks herum, sondierte den Raum, welcher unzählige, unerzählte Geschichten in sich trug. Sie zögerte. "Kannst du dich noch erinnern Ren, als du, Rei und ich dort drüben an der Ecke saßen? Es gab mal wieder diesen verhassten Eintopf, mit den nach Erde schmeckenden Kartoffeln und Karotten, den wir alle in die Topfpflanzen gossen. Wir dachten, wir wären die schlausten Kinder hier an diesem Ort gewesen. Niemals würden unsere Ziehmütter darauf kommen, dass wir unsere Ration derart frech verweigerten.", Suzumes Lippen bildeten ein schräges Lächeln. "Oder das eine Mal... wo wir... wir mussten ein Buch lesen, als Strafe dafür, dass wir eben aus jenen Büchern einen Turm gebaut haben, um Nachts aus dem Fenster auszubüxen um auf Abenteuerreisen zu gehen... Dann wollte es aber niemand von uns gewesen sein, als sie uns fragten, wer von uns dreien diese bescheuerten Ideen hatte...", in Erinnerungen schwelgend spazierte Suzume auf eine der letzten halbwegs intakten Bänke zu und ließ sich mit einem Seufzen auf jener nieder, überschlug ganz locker, als säßen sie hier bei einem kleinen Kaffekranz zusammen die Beine übereinander und stellte ihren Speer neben sich, die Arme somit vor ihrer Brust überkreuzend. Ihr Haupt hob sich an, der Blick aus ihren weichgezeichneten Augen glitt zur Decke empor. "Hör auf die Serviette anzuzünden Suzume... verbieg' nicht ständig das Metall des Bestecks Suzume... Suzu, meine Suppe ist kalt? Kannst du sie mir wieder erwärmen? ... Nein, du darfst keine Löcher in Resas Jacke brennen... Suzu dein Kopf qualmt, du solltest dich beruhigen... Ren, ich versteh dieses Wort nicht, was heißt Freundschaft? ... Kannst du mir auch eine Schüssel mitbringen, Ren? ... Ich habe Angst im Dunkeln, kannst du nicht dableiben? ... Ren, wir sollten morgen mit Rei gemeinsam Schwester Ilma eine Freude machen, ihr Mann ist gestorben...", all jene Sätze die in diesen Hallen gefallen waren, verließen mit geschichtsträchtigem Gewicht die Kehle der jungen Frau. Natürlich warf dies die Frage auf, ob Suzume sich all jenes nur ausgedacht hatte... doch minder war es Dantalion, der ihr ihre Erinnerungen, sofern sie auch versiegelt waren, aus dem Unterbewusstsein hervorkramte und dem Geist der Schwarzhaarigen wieder zur Verfügung stellte.

      So wand sich der Blick der jungen Frau wieder auf Ren, welcher nach wie vor die Waffe auf sie gerichtet hatte und eine Erschöpfung unbekannten Maßes breitete sich auf ihrem Antlitz aus. "Ich bin es wirklich Leid Ren... dieses... Thema... diese Blindheit... ich dachte immer, ich wüsste wie die Welt zu sein hat... habe sie mir so gerichtet, wie ich sie wollte, wie ich sie brauchte... gedankenlos... reuelos... Alles was passiert ist, alles was passieren wird... Vergangenes kann ich nicht ändern, Kommendes nicht einschätzen... dir zuzustimmen mir nun jetzt hier wieder all das zu nehmen, was mich in dieser Sekunde als Mensch ausmacht, wäre die wohl feigeste, durchtriebenste, geheucheltste Entscheidung die ich treffen könnte. Ich würde nichts daraus lernen, weil ich nicht mehr weiß, was ich alles falsch gemacht habe. Niemand würde die Konsequenzen ziehen... Ich würde... vergessen. Welche Wege ich gewählt habe, die in das Verderben führten, welche Worte ich wählte die verletzten und zerfetzten... welche ungeheure Macht ich anwendete, um das Leben vieler zu retten und von noch vielen mehr zu nehmen... Ich würde flüchten, vor der Verantwortung, vor dem Scherbenhaufen, dem Chaos das vor mir tobt und sich hinter mir breit gemacht hat.", Suzume gewährte ihren Lungen einen tiefen Atemzug und setzte in gleichbleibend ruhiger Stimmte fort. "Schmerzt es mich, so wie du sagst? Ja. Jeden Moment, in dem ich so selbstsüchtig die Luft um mich herum atme, in der ich meine Schritte setze, die schwerer nicht sein könnten und Gedanken denke, die in Dunkelheit versinken. Die Frage ist nur... möchte ich mit ihnen in dieser unendlichen Schwärze untergehen? Und wenn ja, wem wäre geholfen, würde ich mich selbst von dieser Erde tilgen, Namen und Wirken ausradierend, als wäre man sein Leben lang nur eine Nummer im großen, weiten Spielfeld des Schicksals gewesen. Nein. Der Trost der sich bildet, wenn ich daran zurückdenke, wie unbeschwert wir damals unser Dasein fristeten... beruhigt mich. Es legt sich, wie die warme Milch mit Honig die du mir immer gemacht hast, in meinen Magen und erdet mich, egal wie turbulent der Kosmos sich um mich herum bewegt... wie sehr sich Zeit und Leben auch biegen und versuchen meinen Willen zu brechen... nichts verschafft mir solche Klarheit wie die Momente von damals...", ein Glänzen machte sich in ihrem Blick breit, während die Erinnerung an die Zeiten von früher einsetzten und Sanftheit in ihre Worte legte.

      "... und dennoch frage ich mich, wo nur, wo begannen wir uns so voneinander zu entfernen? War es Red Christmas? Oder bereits früher, als wir genau hier in diesem Raum grundverschiedene, moralische Ansichten teilten, obwohl uns das Schicksal zusammengeführt hat, als die Aussätzigen dieser Welt? Den Dämon und das Bastardkind eines solchen... Ich bin mir nicht sicher. Möglicherweise haben wir damals schon gespürt das wir unser beider Verderben werden würden... oder auch unsere Rettung. Möglicherweise haben auch alle Entscheidungen gefällt werden müssen um uns genau jetzt an diesen Ort zu bringen... die Neugier kann ich kaum zurückhalten! Was wäre, wenn wir uns an einem Tag anders entschieden hätten?", so erhob sich die Schwarzhaarige wieder aus ihrer gemütlichen Sitzposition und schüttelte den Kopf. "Verrückt, wie sich die Dinge entwickelt haben... und dennoch möchte ich keine dieser Erinnerungen mehr missen... denn wenn wir uns ehrlich sind, hatten wir nie die Chance auf ein normales Leben... ich war und werde nie eine normale Frau sein... und weißt du was? Das möchte ich auch nicht. Was würde ich denn den ganzen Tag machen? Unkraut jäten und Karotten ziehen? Ich bitte dich... was nützt mir ein ruhiges Leben, wenn die Ruhe in mir noch viel lauter schreit?", der Schwarzhaarigen Schultern fielen kraftlos an ihrem Körper hinab, verschaffte der sonst so schlanken Dame ein schlacksiges Auftreten. "Ich... bin es Leid. Ich kann nicht mehr. Du willst Arcardia brennen sehen? Gut. Ich denke, ich werde dir nicht mehr im Weg stehen, Ren. Ich werde nicht versuchen dich aufzuhalten, dafür habe ich schlicht und einfach keine Kraft mehr. Denn die Bedrohung außerhalb dieser Tore, ist eine viel Größere, als jegliche Rachegelüste und der Chance nach Vergeltung. Gerade jetzt sind Gaius, Hestia, ein Kerl namens Ashe und Lily da draußen und versuchen diese... Ausgeburten zur Strecke zu bringen. Ich weiß, du würdest keine Seite wählen... aber ich stehe an ihrer und sie verlassen sich auf mich. Also... ich werde nicht gegen dich kämpfen Ren. In diesem Kapitel bist du nicht mein Feind... das warst du nie. Und das wirst du nie sein. Nie verspürte ich etwas anderes, als den größten Respekt dir gegenüber... den größten Stolz, jemanden wie dach an meiner Seite gewusst zu haben... Danke, dass du mir so oft du konntest die Augen geöffnet hast.", es war ein Bild, welches man wohl nicht alle Tage zu sehen bekommen würde. Suzume ging in die Knie hinab, legte ihren Speer zur Seite und verbeugte sich vor dem Weißhaarigen.

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    • Einige Stunden zuvor
      "Öffne die Tür!", wild hämmerte eine Gestalt gegen die Tür, doch entgegnete aus dem leeren Inneren des bereits zerstörten Kinderheims keine Menschenseele dem Hilfegesuch des Mannes. "ÖFFNET DIE TÜR!", ertönte es erneut während das hämmern an Härte zunahm und, gar schon wilden Schlägen ähnelte um sich selbst Einlass zu gewähren. Plötzlich stoppte der Lärm, die Gewalt nahm ihr Ende und eine Stille kehrte ein. Nicht lange jedoch, bevor der junge Mann vor Schmerzen aufschrie und gegen die Tür knallte, die unerwarteterweise gar nicht verschlossen war. Durch die abrupte Öffnung der Tür, taumelte der Schwarzhaarige Mann über die Türschwelle, drückte beide Hände fest gegen seine Schläfen bevor er wild um sich schlug. "Hör auf!", ertönte es aus seinen Lippen, bevor sich eines seiner zusammengekniffenen Augen leicht öffnete und ein goldener Schimmer in der rötlichen Iris ertönte. "Nein, hör nicht auf! Kämpf weiter!"
      Der Schwarzhaarige drückte seinen Handballen gegen sein Auge, öffnete sein anderes Auge in welchem sich ein azurblauer Schimmer widerspiegelte. "Kämpft nicht weiter! Es ist zu gefährlich!", bevor der azurblaue Schimmer dem goldenen dahinwich und die andere Stimme wieder zu Wort kam. "Es ist gefährlich, aber es ist deine Aufgabe! Es ist deine Bestimmung, du bist der Rächer! Setze allem ein Ende!"
      "HÖRT AUF!", flehte der Schwarzhaarige Mann der sich wieder beide Augen zudrückte und mit der Schulter gegen eine Wand stieß, dabei einige Bilder aus ferner Vergangenheit zu Boden riss und auf den Boden niedersackte. "Zoa!" "Nero!" "Zoa, steh auf!" "Nero, lass uns aufhören!" "Zoa, es ist deine Bestimmung!" "Nero, du bist niemanden etwas schuldig!" "Zoa!" "Nero!" "Zoa!" "Nero!"
      "GENUG!!!", sprach es der Schwarzhaarige erneut im lautem Tonfall aus bevor er beide Augen öffnete und der goldene, der azurblaue und ein schwarzer bisher unbekannter Schimmer erbarmungslos in seinen Augen herumtobten. "Zoa, Nero, der Rächer. Wer bin ich? Was bin ich? Wieso? Wieso hören diese Stimmen in meinen Kopf nicht auf? WARUM VERSCHWINDET IHR NICHT EINFACH?! GEHT WEG!"
      "Gib auf!" "Steh auf!" "Erfülle deine Bestimmung!" "Lass uns Heimkehren!" "Lass sie leiden, für ihre Taten!"
      Der schwarze Schimmer nahm Überhand, eine neue Stimme ertönte in seinem Kopf, eine ihm vertraute und bekannte Stimme. "Date et dabitur vobis." Mit diesem gar unbekannten Worten einer ihm unbekannten Sprache, fand sich der Schwarzhaarige Mann schließlich in einem leeren Raum mit drei Türen wieder, erkannte hinter seinem Rücken jedoch die Gestalt eines Mannes der ihm stark zu ähneln vermochte. "Also. Da sind wir! Du hast die Wahl, kannst du sie denn auch treffen? Wähle weise, schließlich entscheidest du deine Rolle, deine Zukunft! Wird es der Bruder, der Außerwählte oder gar der Rächer?"
      Der roten Augen des Mannes wandten sich zu Boden. In diesem Raum war nichts als Leere, unendliche Leere aus weißer Farbe bis auf die 3 schwarzen Türen. "Hoo~ Du zögerst? Sind das etwa nicht die Wege die du beschreiten möchtest? Sind es die dir gegebenen Namen die dir zuwider sind? Zoa, der Rächer. Nero, der Bruder. Der Schrecken des Todes. Warst es nicht du, der einst zu dem Mädchen sagte sie solle die Wahrheit ergründen, warst nicht du es der meinte alle Menschen wären verblendet und würden ihre Augen vor ihrer Wahrheit verschließen? Mein Nachfahre, als dein Vorfahre und deine neue Stärke frage Ich, Loki, dich nach deinem Namen und deiner Bestimmung. Date et dabitur vobis."
      "Gib, und es wird dir gegeben werden."
      "Du kennst die Übersetzung?", ertönte es mit von der Gestalt hinter dem Rücken des Unergründeten während seinen Lippen ein simples Schmunzeln entwich. "Nein.", entgegnete es der Mann der vor den drei Türen stand, richtete seinen Blick auf und drehte sich zu seinem Gegenüber. Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden Männern war unschwer zu erkennen, doch gleichermaßen spiegelte sich ein Abbild Galaheads fast schon wie eine Silhoutte hinter dem Mann wieder. "Ich fühle es. Den Fluch der Revenus, der diesem Mann, nein, meinen Vater plagte. Wiseman, daher beziehst du also deine Kraft.. Der Fluch der Revenus und der Fluch der Eos.."
      "Gedenkst du ihm ein Ende zu setzen?" "Ja.", entwich es schlicht den Lippen des Schwarzhaarigen Mannes, bevor er sein Gegenüber ernst in die pechschwarzen Augen sah. "Wie gedenkst du diesen Fluch zu lösen?"
      "Arcadia. Der Angelpunkt der diese Welt spaltet, die Himmelsinseln die Armut und Reichtum, die für diese Rassentrennung sorgen. Es muss fallen, damit jenes gespaltene Land wieder eins werden kann."
      "Selbst wenn sie dich am Ende wirklich als Dämon verachten, selbst wenn sie nie erfahren was du für sie getan hast und selbst deine Nachfahren und deinen Missetaten leiden werden?"
      "Das ist das Schicksal eines verfluchten Menschen. Ich werde es erdulden, allein wenn nötig." "Du bist nicht allein, du wirst nie allein sein. Wir, der Fluch der Revenus. Ein jeder einzelner von uns steht hinter deiner Entscheidung. Du wirst ein Teil von uns, du wirst der Erlöser dieses jahrhundertelangen Schmerzes. Wir werden dich mit offenen Armen willkommen heißen, doch auch wir benötigen ein Zeichen deines Willens, ein Opfer deines Entschlusses. Also, Namenloser.. Was wirst du uns geben?"
      "Ren. Mein Name lautet Ren. Ich gebe all meine Namen daher." "All deine Namen? Selbst jenen, der dich mit deiner Familie verbindet? Nero, sei dir gewiss das du die Verbindung zu deinem Bruder Ren verlieren wirst."
      "Meine Namen und meine Augen. Denn für das was vor mir steht, benötige Ich sie nicht mehr. Ich erkenne die Wahrheit. Ich erkenne meinen Weg und weiß wohin er führt. Als Zeichen meines Willens, als Opfergabe gebe Ich mein Augenlicht. Und als Zeichen eures Willens, als eure Opfergabe verlange Ich das ihr meine Augen sein werdet!"
      "So sei es, Kanagi Ren. Der Fluch der Revenus akzeptiert dich als seinen neuen Wirt, im Austausch für all deine Namen und dein Augenlicht. Der Niederfall von Arcadia, wir legen ihn in deine Hände und beten für deinen Erfolg! Date et dabitur vobis."
      In der Gegenwart angekommen, vernahm der Schwarzhaarige Mann die Worte und Taten seiner einstigen Geliebten. Unlängst hatte der Lauf seiner Waffe sein Antlitz dem Boden entgegen gewandt, bis sie gar aus seinen Händen verschwand, sich zurück in die Schwarze Materie verwandelte aus der sie entstand.
      //..Ashe?..//
      In den Gedanken des Mannes, der eigentlich gefesselt und aufmerksam den Worten seines Gegenübers lauschte, ertönte auf einmal die Stimme Loki's. //..Das kann nicht sein.. Er blieb doch auf der Erde zurück..// Die wirren Gedanken halfen nicht sonderlich eine passende Antwort auf Suzumes Worte zu finden, fast schon wirkte es als müsse Ren zwei Gespräche zeitgleich führen doch erhielt seine langjährige Weggefährtin vorerst seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Als Suzume vor ihn auf die Knie ging, fing Ren an zu schmunzeln. Bald schon wich das Schmunzeln dahin und ein kurzes Gelächter entwich seinen Lippen, während er sich im Schneidersitz vor sie niederließ. In einer längst vergessenen Sänfte ummantelten seine Hände die Wangen der Schwarzhaarigen jungen Frau, bevor der Schwarzhaarige ihr ein Lächeln schenkte. "Wollen wir nicht aufhören so melodramatisch daher zu reden? Sie sind in Sicherheit.. Conrad, Ishmal, Zarah, Paye und die Anderen sind alle in Sicherheit. Die Teufel besitzen ein koordiniertes Netzwerk, als Ashiabal Besitz von mir ergriffen hatte musste Ich mir alles ansehen. Aus der Perspektive eines jeden Teufels, jede Schandtat die sie begannen, doch unter keinen ihrer Opfer war auch nur einer unserer Kindheitsfreunde.. Rei hingegen, steckt in ziemlich derben Schwierigkeiten. Ashiabal, der selbsternannte König der Teufel hat sich seines Körpers bemächtigt und versucht nun alle Eos und Revenus zu Teufeln zu machen um die Welt zu seinem Ursprung zurückzuführen. Danach will er nicht nur die Logos, sondern auch die Urgeister vernichten um eine Utopie der Teufel zu erschaffen.."
    • Regungslos hatten ihre Augen sich an die grau melierten Steinplatten zu ihren Füßen gesaugt, starrten mehr oder minder erwartungsvoll auf jene hinab. Eine einzelne Ameise war es, die sich durch ihr Blickfeld schummelte, während Suzume wartete. Sie hatte alles gesagt, was sie sagen wollte... oder konnte. Die Worte, die sich vorerst eigentlich nur als Schutzschild vor ihr aufbauen, wenngleich auch den Weißhaarigen, dessen Gemütszustand sie in jenen Sekunden nur raten konnte, erreichen sollten, trafen sie selbst dann mehr, als gewollt. Es waren Bilder aus längst vergessenen Tagen und Stunden, die sich so reuelos und unfair in ihre Gedanken schlichen, sich unsichtbar, zwischen dem Unausgesprochenen das nach wie vor inmitten des Lebens beider gedrängt hatte, verweilten und Suzume einen Kloß im Hals bildeten. Und was, wenn ihre Erwartungen, die sie mit jenen Geschichten, jener Wahrheit die sie zu Ren sprach, nicht ihn erreichte, sondern den Teufel, der wohlmöglich noch in ihm steckte? Es wäre... eine Offenbarung gewesen, die sie sich nur selbst zugesprochen und die ihn wohlmöglich nie erreicht hätte. Dann erklang etwas, dass sich die Schwarzhaarige dachte nur einzubilden. Ein Lachen durchdrang die leeren Hallen ihres einstigen Zuhauses und Suzume erstarrte. Mit bebendem Kiefer, spannten sich der Schwarzhaarigen Lippen an, welche vor sich aber Regung erkannte und sah, dass auch der junge Mann sich vor ihr niederließ.

      Zaghaft hob die junge Frau ihr Haupt empor und blickte Ren direkt in das friedlich wirkende Gesicht, als seine Hände bereits nach ihrem Gesicht griffen uns sie ein Zärtlichkeit umschlossen. Groß war das Blau in ihren Augen geworden, geweiteten Blickes sah sie dem Weißhaarigen entgegen. Was nun? Brach er ihr das Genick? War das wohl das letzte Mal, dass sie sich in solch Nähe begegneten? Rens Lippen verzogen sich zu seinem Lächeln, welches Suzume nur entgeistert betrachten konnte... was... passierte hier? Die Ungläubigkeit war über ihr gesamtes Antlitz gemalt, unstet zuckten ihre Augen über das seine. Die Worte die dann jedoch seine Kehle verließen, begegneten ihr mit Ruhe. Keins davon schien sich noch in Zorn oder Wut zu grämen, Ehrlichkeit lag in jenen... Ehrlichkeit und Versöhnlichkeit. Er berichtete ihr davon, was passiert war, was ihm wiederfahren ist... wie der Teufel Besitz von ihm ergriffen hatte und was er dadurch sehen konnte. Es klang zu abstrus in den Ohren der jungen Frau, trotzdem fühlte nicht nur so, sondern auch der Urgeist in ihr, dass das was Ren zu ihr sagte, der Wahrheit entsprach. Heiß stauten sich dann die Tränen in den Augen der Schwarzhaarigen, die ihrem Gegenüber, jenem Mann, den sie so lange verfolgt und gesucht hatte, ungläubig ihn nun wirklich vor sich sitzten habend, entgegensah.

      Unstet waren dann die Arme Suzumes auf die Schultern des Herren gewandert, welche sich kaum sicher sein konnte, ob jene Berührung denn auch in seinem Sinne war. Aber hatte sie ihn wiedergefunden und um nichts auf der Welt ließ sich die Schwarzhaarige diese Möglichkeit nun nehmen, ihren einstigen Partner an sich zu ziehen, in eine kläglich unbeholfene Umarmung. Vorsichtig drückte Suzume nun den Körper des Größeren an sich, umschloss ihn mit ihren Armen, während die Tränen über die Klippe der Trauer sprangen und an ihren Wangen hinabrollten. Fest biss die junge Frau ihre Zähne aufeinander, zu fest schon, als schmerzender Druck sich bis in ihre Schläfen ausbreitete. Sie unterband sich ein Schniefen und sog tief Luft in ihre Lungen. "Willkommen zurück...", murmelte Suzume dann nur kleinlaut, so wirklich wusste sie auch nicht, was sie auf die vielen Worte des Herren sagen sollte. Nach wie vor standen Welten zwischen den beiden, Welten die erobert gehörten, die Frieden verlangten. Nur einen Moment länger hielt Suzume diese Position und ließ dann von Ren ab, wissend, dass Rührseeligkeiten nun hinten angeschoben gehörten. Schnell wischte sich die junge Frau noch den Rest ihrer Tränen aus den Augenwinkeln und holte tief Luft. "Wir... wir sollten dann also Rei hinterher? Ist es das was du mir damit sagen willst?", ruhig erklangen jene Worte aus dem Munde der Schwarzhaarigen, die ihren Speer ergriff, der nach wie vor neben ihr verweilte. Ren sollte wissen, nachdem er die Pläne der Teufel gesehen hatte, wo der wohl nächste Punkt des Aufeinandertreffens sein wird. Langsam erhob Suzume, mit ihrer Waffe in der Hand, sich wieder auf ihre Beine empor, wartend darauf, was Ren ihr nun als Antwort gegen würde. Egal was er ihr sagen würde, sie würde ihm folgen. Ihre Gedanken drifteten kurz zu Hestia, Lily und Ashe, sowie Gaius, deren Schicksale ihr für den Moment ungewiss war.
    • "Ich wusste es!"
      Ein tödlicher Schwall aus verdichtetem Wind, eine unsichtbare Sense geformt aus dem Hass einer einzelnen Person gegenüber jedweden der Resolution durch seine Worte suchte und kurz davor war die geschundenen Fäden wieder zusammenzuführen, die einst den Jungen und das Mädchen und nun den Mann und die Frau verbinden sollten. Jener Schwall, jene Sense geformt aus dem Hass des Einen, dem alles genommen wurde, fand seinen Weg gezielt auf den Erblindeten, derweil Antagonisten, dieser Geschichte der unmöglich auf solch einen Überraschungsangriff reagieren konnte. Entzwei geteilt, sackte der Körper des Schwarzhaarigen Mannes zu Boden, während der Urgeist mit hellgrünen Haar zu ihn aufschloss. Entsetzen überkam sein Gesicht, Zorn übermannte seine Gefühle und Aiolos Persönlichkeit schmieg sich der Gestalt Gaius an. "Soll das ein Scherz sein? Steh auf! Das kann nicht alles gewesen sein! Du musst für deine Taten büßen, Schrecken des Todes!"
      Doch der Tod war allgegenwärtig, der Tod suchte sich nicht aus wann er eintrat. Jeder Moment wäre dazu fähig ein Leben zu nehmen, jede Tätigkeit schlug seine Folgen mit sich und ein jeder musste unter den diesen Folgen leiden. "EDWART! WIE KONNTEST DU IHN DAS LEBEN NEHMEN UND SELBST SO EINFACH STERBEN?! WIE KONNTEST DU NUR ALL DIESE GRAUSAMEN DINGE BEGEHEN UND DANN EINFACH SO... STEH AUF! STEH AUF SCHRECKEN DES TODES!"
      Gaius, nein Aiolos in Gaius Gestalt und doch Gaius zugleich sackte auf die Knie hinab. Nicht nur einem Moment wandte er sich Suzume zu, die das ganze Schauspiel vernahm, vor dessen Augen das Leben ihres längsten Kindheitsfreundes von ihrem derweil engsten Vertrauten genommen wurde. "Kate und Dalia! Das waren die Namen seiner Frau und seines Kindes! Es sollte sein letzter Auftrag sein,
      und du.. du hast ihn die Option des Rückzuges genommen! Du hast ihn die Zukunft genommen sein Kind aufwachsen zu sehen, du hast Dalia's Zukunft zerstört! Antworte mir! Entschuldige dich!"

      Ein schwarzer Schimmer waberte auf, ein dumpfes Licht ummantelte den Körper des Braunhaarigen Mannes, gar als würde die verbliebene Kraft des kürzlich verstorbenen Mannes auf ihn übergehen. "Das kann es nicht gewesen sein! Damit soll alles enden? Kämpfe! Ich muss dich doch.. Du musst doch.. Warum?.."
      Die grünen Augen des Mannes mit hellgrünen Haar verloren an Glanz, unermüdlich schossen die Tränen aus seinen Augen und fanden ihren Weg von seinem kaum noch hasserfüllten, derweil sogar Reue zeigendem Gesicht hinab. "Warum fühlt sich alles so leer an?.."
      Jede Handlung hat eine Konsequenz.
      Doch wo der Tod seinen Zoll forderte, so war es das Leben das einem geschenkt wurde.
      Fernab jenes Geschehens, gar fernab all der Geschehnisse in Arcadia gab es einen eisernen Kristall in Arcadia.. der Hauptstadt der Logos. Neben jenem Kristall aus Eis, fand der ein weiterer Kristall seinen Platz, der jenes Königs der als Erlöser gelten sollte und bereit war für Frieden zwischen den Logos und Revenus zu sorgen. Jener Rothaarige Held ruhte in seinem Gefängnis, seines Lebens durch einen engen Vetrauten aus Gier nach seiner Macht beraubt, betrauert von seiner Zofe die sein deren Kindheit stets sein Herz mit Segen umwob.
      //..Agni. Mein Name ist Agni.. der Feuergeist der Vergeltung! Bist du bereit, König der Logos?..//
      Keine Antwort.
      Der König der Logos, jener ehemaligen Menschen die einst auf diesen Planeten strandeten. Die Ureinwohner, die nicht ihre Gene mit denen der Teufel kreuzten, sondern das pure Blut der Invasoren die sich alles aneigneten um einen neuen Ort zu finden, an welchem sie nach dem Verlust ihrer Heimat Fuß fassen konnten. Ihr letzter Strohhalm, ihr letzter Versuch Not gegen Elend zu bekämpfen, für den eigenen Fortbestand gar eine komplette Spezies zu unterjochen um einfach Leben zu dürfen.
      //..König der Logos, ein weiteres Mal erfrage Ich: Agni, der unbedeutende Geist der Vergeltung und Flammen. Wirst du mich erhören?..//
      //..W..//
      Er war nicht verstorben, er war gefangen und so entfleuchten seinen verblieben Willen die Gedanken die sich in seinem Geist manifestierten. //..W..as.. i..st.. de..in.. Be..g..ehr?...//
      //...Lass uns die Welt in Flammen setzen, mein König! Lass uns die alte Ordnung der Urgeister, ihre Monarchie zerstören. Lass uns den Teufeln zeigen wo ihr Platz liegt und eine Harmonie erschaffen, die fernab dieser blutrünstigen Machtkämpfe ihr Ende findet!...//
      Keine Antwort.
      Kaum sichtbar, bildete sich über dem Kristall des Königs, innerhalb der verbotenen Kammer eine Silhouette aus weißem Dunst, die das Ebenbild jenes Mannes widerspiegelte.
      //..Teu-fel?.. Blu-rünstige.. Macht-kä..mpfe?..//
      //..Atme durch, mein König.. Das mag viel auf einmal sein, seltsame Begriffe vernebeln deinen Verstand und kaum, vermag dein Bewusstsein wieder zu erfassen das der Tod kaum mehr einen Einfluss auf dich hat, so spricht ein Geist, kaum der Bedeutung wert, zu dir um deine Gunst für seine Sache zu gewinnen. Doch wisse, König der Logos.. Es ist ihr Wille, nach allem. Es ist der Wille von Hundert Generationen vor deinem Selbst. Dies ist unser Planet, dies ist die Welt der Menschen!..//
      Risse, vorerst kaum vernehmbar doch nach und nach sich über den gesamten Eiskristall ausbreitend. Das dumpfe Geräusch einer sich schließenden Tür ertönte, alsbald das Antlitz jener Maid sich zu erkennen vermag die einst um die Sicherheit ihres Königs bat. Als das Eis zu zerbarsten begann, rannte die junge Frau ohne zu zögern zu ihren König dahin um ihn in die Arme zu schließen und den sicheren Fall zu Boden zu stützen. Eine Hand wärmte ihre Wange, ein Lächeln wurde ihr entgegnet während ihre Stimme bebend ertönte: "Erkennt ihr mich, mein König? Ich bin es, Emilia."
      "Wie könnte ich nicht?", entwich es den Rothaarigen Mann mit einem sanften lächeln, während schwache Flammen seinen Körper umgaben und das Herz der holen Maid erwärmten. "Agni.. Ich wusste du würdest ihn retten!"
      Tränen floßen zu Boden, doch der König erhob sich aus seiner misslichen Lage und begab sich im zielsicherem Eilmarsch zur zweiten Kristallsäule um schließlich dort seine Hand aufzulegen. "Lass uns diese Welt in Flammen setzen, Schwesterherz!"

      Und so wurde aus dem Held der nach Lösungen suchte, der König der nach Vergeltung suchte.




      Kapitel 7: Der Rächer
    • Und dann... war er einfach weg.

      Nun, nicht weg... aber... dem Maße der Lebenden entrissen. Die Absurdität des Moments schaffte es, der Schwarzhaarigen alle Möglichkeit zu nehmen, auch nur in irgendeiner Art und Weiße angemessen auf das zu reagieren, was sich vor ihr... entfaltete. Was sich vor ihr... festigte. Der... saubere, glatte Schnitt durch den Leib des Mannes geschah so schnell. Zu schnell. Verboten schnell, als ob das Blut es auch nur wagen würde, sich als fein gesprenkelte Linie durch den Raum zu ziehen. Das einzige Mahnmal darzustellen, welches die zweigeteilte Figur Rens der Sicherheit beraubte, auch nur ansatzweise ... existiert zu haben. Kein rosa Nebel. Kein... abstraktes Tröpfeln... Nichts. Verbrannt und versengt an den Schnittstellen schoben die Hälften sich übereinander, stapelten sich wie eine furchtbar perverse Installation des Horrors, dass jegliche Reaktion nur zu spät kommen konnte. Das Zucken ihres Körpers, das seichte, kaum wahrnehmbare Hochreißen der Schultern, gefolgt von der danach eintretenden Starrheit... als wäre man vom Blitz getroffen worden und konnte, nein wollte, es nicht wahrhaben. Ungläubig und dem lebendigen Glanze fern, sanken die Lider über ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde hinab, versuchten das zu schützen, was nicht hätte erblickt und erinnert werden sollte.

      Und dann... setzte die Realität ein. Drosch sich zurück in ihren Kopf, erstach ihre Lungen und schickte ihre die bittere, grausige, vermaledeite Galle die Kehle empor, nur um ihr den unterdrückten Würgereiz in den Hals zu setzen. Das Gesicht zu einer fassungslosen Miene verziehend, welche in ihrer Intensität kaum wahrnehmbar war, senkte sich das Haupt Suzumes quälend langsam hinab, während ihr Blick sich nicht zierte, ungehalten und gar frech über den verstorbenen Körper ihres... Ren... Freundes zu springen. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt, sogen sie die stickige Luft stockend wie Gift - Gott warum konnte sie nicht atmen?! - in ihren rebellierenden Brustkorb hinab... versuchten - Was ist dieses furchtbare, brennende, zerreißende Gefühl?! - den vibrierenden Körper mit Sauerstoff zu versorgen, welcher sich als logischste Handlung doch nur allzu gern dem allen hier ergeben wollte. Grau in Grau und noch mehr davon drängte sich in ihr Blickfeld, während sich eine Myriade an Emotionen auf dem Antlitz der jungen Frau erbrach, die sich gleich des inneren Kampfes in ihr... nicht einigen konnten.

      Tot. Er war tot. Ermordet. Gemeuchelt. Gelyncht. Wieder um wieder versuchte Suzume das Zwinkern ihre Augen in Griff zu bekommen, die dieses scheußliche Brennen in Zaum halten wollten, welches sich wie eine Prophezeiung in ihren Blick legte und die Welt um sie herum verschwimmen ließ. Nein... nein, nein.. Logisch, denke logisch Suzu... - Was war da gerade eben passiert? Ein Trugbild? Eine Täuschung? Fata-Morgana? Schabernack? Das sollte es also gewesen sein? Sie selbst sich in dem langsam nähernden Griff des Wahnsinns sehend, zuckte ihr das linke Auge wie fremdgesteuert. Oh, ja nicht zu vergessen, die Nase fiel ihr gleich mit ein in diesen Auftritt im Zirkus der chaotischen Schicksalsschläge, wo sich die vergangenen Tage und Wochen selbst die Klinke der Gräuel übertrumpfend in die Hand drückten. Wie unglaublich SINNLOS doch alles geworden war. Der Anflug eines ja gar schon manischen Kicherns entkam ihrem Munde. Schwach, schwächlicher, lächerlich in seiner Funktion. Ren würde doch nie... er würde nicht... Ein Schlucken, schwer wie Blei und final in seiner Gewichtung. Er würde nicht... nicht er.

      Und nun? Was sollte sie tun? Dem Schrei ihres Verstandes nachgehen, die Fassung zu behalten? Ihrem Körper gehorchen und sich einfach dazugesellen, in jene graue Suppe die sich vor ihr auftat? Möglicherweise auch noch die wenige Wegzehrung die ihr Magen in sich trug hinzufügen... unmerklich, flüchtig legte sich das schwere Haupt ihrer zur Seite. Ihre Schultern rollten und verschoben sich in alle Richtungen, versuchten das Biest zu bändigen, welches in ihren Adern schwamm, als neben dem premieren Schock noch etwas anderes in ihre glosenden Venen hineingeschwemmt wurde... Zorn. Die Härte, die Kraft die sie aufgebracht hatte um die Rundung ihres Speers zu umgreifen, kaum bemerkend wie schmerzhaft die Strenge war, waren es die weiß hervortretenden Knöcheln ihres knöchernen Inneren, die zeigten, dass Suzume darum kämpfte, nicht hier und jetzt die Besinnung zu verlieren.

      "Du bist stärker als das.
      Ich bin stärker als das.
      Du bist... stärker... als das.
      Ich... bin stärker als das.
      Du bist stärker als das.
      Ich bin stärker. Du bist stärker. DU bist stärker. Stärker. STÄRKER VERDAMMT!"

      Schnaubend das Haupt herumreißend, den vom Windgeist verzehrten Körper des Hauptmannes mit Blicken erdolchend, gloste die Glut, flogen die Funken hinter ihren Augen, welche sich ungefragt ungehalten ihrer Enttäuschung hingaben. Der Rahmen ihrer Existenz zitterte, bebte mit verdrängter Wut und Agonie, zuckten und entgleisten ihr die Gesichtszüge, verzerrten sich zu einer Fratze zwischen Menschlichkeit und Scheusal. Mit einem unterdrückten Schrei in der Kehle, warf sie den Speer zur Seite, packte Gaius am Kragen, hievte ihn mit erstaunlicher Leichtigkeit auf die Beine und drängte ihn zurück, stürzte seine Gestalt mit roher Gewalt gegen die nächstgelegene Wand. "Du... bist eine Enttäuschung.", ein Zischen zwischen den Welten ihrer gescheiterten, geteilten Existenzen, gleichend einem Spucken gen Boden um die abgrundtiefe Abneigung gegenüber jenem Herren auszudrücken... "... welcher sich einzig und allein von seinen Emotionen hat leiten lassen und keinen Moment die Sinnhaftigkeit seines Handelns hinterfragte."... tiefschwarz war der Schatten welcher sich unter die Augen der jungen Frau legte. Gebeutelt, getrieben davon ihrem Instinkt nachzugeben und diesem heuchelnden Gesicht seinerseits nicht die armseligen, unrechtmäßigen Tränen von den Wangen zu prügeln, hielt sie Inne um nicht den selben rohen Trieben nachzugeben.

      "Geh... mir aus den Augen...", ein Knurren diesmal, ein letztes kräftiges Pressen gegen kalten Stein, das Loslassen des Kragens, Schritte nach hinten, drohend, ein Abwenden, kein Platz für Diskussion. Kein Platz für Disssskussion. Kein Platz für Verhandlungen. "Verschwinde..."... erneut, rauer, tiefer... dämonischer. Besessener. "... verschwinde hier..."... ein Befehl? EIN BEFEHL! Waren ihre Augen schon leer? Konnte man sehen wie ernst Suzume es meinte? Oh und da, ihre Faust, sie geht ja in Flammen auf! Aaaaah, ein wunderschönes Schauspiel, nicht wahr? "... du vergisst deinen Platz. Ein Wort... und du gehörst du uns."... Die Abschätzigkeit stand der Gewandelten ins Gesicht geschrieben, welche die tiefroter Aura jenes Blutes annahm, welches in Arcardia so rücksichtslos vergossen wurde. Die Nase in unendlich wirkender Abscheu gerümpft, die verschwimmenden, roten Spiegel hinter tief hinabgezogenen Augenbrauen versteckend, trat sie noch einen Schritt zurück und schickte den schneidenden Blick auf den an der Wand lehnenden Gaius hinab. "... ein Wort und deine niederträchtige, menschliche, schwache Hülle verbleibt hier an Ort und Stelle... jenen ausgeliefert die wir hier versuchen aufzuhalten... du... du..."...

      Sie riss sich los... Riss sich raus aus diesem Mahlstrom der Rage, welcher sie zu verschlucken drohte. Wiederum führte der starrende Blick ihrerseits sie auf den Verstorbenen... die Kiefer knirschend aufeinander gepresst, mahlend gingen ihre Zähne innerhalb. Das war nicht passiert. Nichts davon. Es war ein Trick. Ren... nein. Sie kannte ihn doch. Nichts davon passte zu ihm. Er hätte es fühlen müssen, er hätte ihn spüren müssen. Zumindest wehren. WEHREN VERDAMMT.

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    • "Phew, ganz schön heiß hier!", ertönte es von einer bekannten Stimme aus dem Hintergrund während jenes bekanntes Gesicht über einen Trümmer trat und dabei fast stolperte. "Hoppla." Als er sich wieder fing wurde schnell sichtbar wie er sich gespielt mit der flachen Hand Luft zu wedelte. An seiner Seite offenbarte sich ein Kind, welches Dank der unzähligen Bandagen einer halben Mumie glich. "Ach du meine Güte, besitzt unsere rebellische Prinzessin heute ein feuriges Temperament?" Spielerisch setzte der Schwarzhaarige Mann seine flache Hand an seine Stirn an und drehte seinen Oberkörper um sich umzuschauen. "Na, ein Glück das hier alle Wände geöffnet sind! Obgleich, die Fenster doch gereicht hätten. Meinst du nicht, Ryu?"
      Der Junge an der Seite des Schwarzhaarigen drückte sich an seinem Begleiter vorbei und sah aufrichtig in Suzumes Richtung, bevor er sich auf geraden Wege zu Ren begab. "He, Ryu.. Warte mal! Das ist gefährlich, Junge? Die ist gerade nicht so wirklich zurechnungsfähig.. Heee, hörst du mir zu?"
      "Nicht tot.. Spüre Dunkelheit."
      Verwirrt zog Aslan seine Augenbrauen zusammen, während er seine Arme vor der Brust verschränkte und seinen Kopf in die Schräge hielt. "Hast du nicht zuletzt in Sätzen gesprochen? Fällt dir die Aussprache so schwer?"
      Der in Bandagen ummantelte Junge nickte etwas schüchtern, bevor er Aslan einen kurzen Blick zuwarf. "Ja. Hals schmerzt."
      Doch bevor der Junge irgendwie reagieren konnte, bemerkte er wie Suzume seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war unschwer zu erkennen, dass sie den ersten Worten des Jungens Gehör schenkte. Aslan zuckte mit den Schultern, lief an den beiden vorbei in Richtung Leiche, doch stoppte kurz vor Suzume um seine Hände beruhigend nach vorne zu bewegen. Es war eine Geste um ihr zu symbolisieren, das er nichts Böses im Sinn hatte. Als sich der Schwarzhaarige zu Ren's Überresten niederbeugte, entwich ihn ein schelmisches Grinsen. "Ich hab schon viele Lebewesen sterben sehen, zur Hölle Ich selbst hab sie sterben lassen. Aber mir ist noch nie so eine 'Leiche' unter die Augen ge-", noch bevor der Schwarzhaarige seinen Satz beenden konnte, kickte er ohne Rücksicht den Kopf des Geschändeten in Richtung der jungen Frau doch anstatt einen Aufprall zu bewirken, verflüchtigten sich die Überbleibsel in azurblaue Kugeln. "Wie hieß das Ding nochmal?"
      Eine Hand des Revenus verschwand in seiner Tasche, mit der Anderen ummantelte er mit Daumen und Zeigefinger den Stiel jenes Konstruktes. "Aschenhaupt? Silberkrone? A-"
      Aslan war nicht in der Lage das Wort zu Ende zu bringen, weil seine Stimme von jener der jungen Frau übertönt wurde. "Ja, wie auch immer... Jedenfalls hat dich unser kleiner Sonnenschein veralbert. Liegt bestimmt an dieser dämlichen Waffe. Die hat mir damals schon den ganzen Spaß versaut.." Kurz nachdem Aslan seine Worte beendete, runzelte er verwirrt die Stirn und stemmte seine Hände gegen seine Hüfte. "Warte mal, ist das so ein Liebes-/Trennungsding? Hasst ihr euch irgendwie richtig hart, oder will der Trottel nur den Märtyrer spielen?"
      "Rache."
      "Wie meinen?"
      Der Junge tippte der Schwarzhaarigen gegen den Arm und wies nach draußen. "Rache für ihn!", danach tippte er sich mit den Daumen gegen die Brust. "Rache gegen selbst!" und schließlich wandte sich sein Zeigefinger in Suzumes Richtung. "Liebe für dich. Abschied für Ende! Abschied für Neuanfang "
      "Okay, jetzt reichts mir aber langsam.." Aslan begab sich auf geraden Wege zum Jungen, umfasste sein Handgelenk und zwang seinen Blick auf ihn. "Wir haben hier gravierendere Probleme als so ein Liebesdrama, junger Mann. Ab sofort werden wir uns ausgiebig an deinen Sprachkünsten kümmern!"
      "Nein!", entwich es den Jungen während er sich von Aslan losriss und ernst drein schaute. "Versprochen! Ren finden, Ren retten!" Der Zeigefinger des Jungen wandte sich erneut zu Suzume und seine Faust drückte sich in seine flache Hand. "Ren eine verpassen! Für zurücklassen. "
      Die letzten Worte ließen Aslan die Ohren spitzen, fast schon dreist drängte er sich mir seinem Gesicht neben Ryu und sah mit funkelten Auge zu Suzume. "Eine verpassen? Ich bin dabei!"


      "Bruderherz? Warum bewachen wir eigentlich die Königin, während Veriae und der Neue den ganzen Spaß haben?"
      Mit verschränkten Armen lehnte der Schwarzhaarige an dem Gemäuer, neben dem Eingang zum königlichen Gemach in welchem sowohl die Königin als auch ihr Erbe ruhten.
      "Faye, sind wir nicht auch mehr oder weniger die 'Neuen'? Der König war so aufrichtig uns aufzunehmen. Und das obwohl wir zuvor unter seinem größten Feind, Van Zephyr, dienten. Sollten wir uns nicht erkenntlich zeigen, geliebte Schwester?"
      Enttäuscht seufzte die junge Frau während sie ihre Arme hinter dem Rücken verschränkte. "Var, du legst auch wirklich alles auf die Goldwaage. Wir könnten so viel mehr erreichen, wenn wir ab und an mal über den Tellerrand schauen würden. Pflichtbewusstsein und Moral haben unsere Mäuler nicht gefüllt, als wir Kinder waren."
      Der Schwarzhaarige Mann rollte mit den Augen und wandte seinen Blick von ihr Weg. Am Ende des Ganges erkannte er schließlich ein ziemlich bekanntes Gesicht. Es war jenes, des Königs welcher trotz der heiklen Situation außerhalb des Schlosses, mit einem lächeln in der Richtung schritt. "Faye."
      "Ich weiß.. Irgendwas stinkt da gewaltig."
      "Wohin des Weges?"
      Just als sich das Mädchen zum Gehen wenden wollte, überrumpelte das Antlitz des Königs sie, der sich noch vor wenigen Sekunden deutlich weiter von ihr entfernt befand. "Wie.. mein König.. verzeiht. Aus welchem Grund seit ihr hier? Und wie ist die Lage außerhalb?"
      Der sanfte Blick des Mannes veränderte sich, die Augen verschärften sich und wandten sich skeptisch der stammelnden jungen Frau und danach ihren versteiften Bruder zu. "Die Lage scheint sich vorerst beruhigt zu haben, doch ist das Ausmaß der Schäden bislang gänzlich Unbekannt. Es wäre ratsam, wenn ihr euch Veriae anschließen könntet um ihn bei der Rettung der Bevölkerung zu unterstützen."
      "..Der Bevölkerung?..", flüsterte Faye vor sich hin noch während Var ihre Worte übertönte um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Wir beide, Herr König? Sollen wir euch, eure Frau und euer Kind ohne Schutz zurücklassen?"
      Der König ummantelte den Türknauf und setzte ein sanftes Lächeln auf, bevor er fragend zu Var schaute. "Schutz? Wovor?"
      Ein Schauer überkam das Rückgrat des Mannes, gar als würde ein gejagtes Tier in die gnadenlosen Augen des Jägers schauen, welches ihm binnen weniger Sekunden das Leben nehmen würde. "Aber-", noch bevor Faye zu Wort ansetzen konnte, packte Var sie am Arm und nickte den König schließlich zu. "Nimm die Beine in die Hand, Faye! Wir brauchen Hilfe..", flüsterte er ihr entschlossen zu bevor sich die Beiden im Eiltempo durch den Flur bewegten. "Nun.. Mir bleibt wohl nicht viel Zeit.", ertönte es nach einer kurzen Stille aus den Lippen des Weißhaarigen Mannes, bevor er den Türknauf löste um jene zu öffnen und den Raum zu betreten. Der sorgenvolle Blick seiner Frau wandte sich zu ihm, und empfing zeitgleich wieder Hoffnung. "Lux! Wie ist die Lage? Sind wir in Sicherheit?" Ohne den Worten Sophelias Gehör zu schenken, wandte sich der Blick des Königs in ernster Miene seinem Kind in der Wiege entgegen. "Lux?" Sophelia vernahm wie er sich dem Kind näherte, stellte sich jedoch zwischen ihm und Soleil um seinen Blick auf sich zu zwingen. "Antworte mir! Luxuria Ains-"
      Die Augen der Frau weiteten sich, als sie die unendliche Leere, die unglaubliche Gleichgültigkeit in seinem Blick vernahm. "Nein.. Wer-"
      Erbarmungslos drückte der König der Teufel die Frau zur Seite, neigte sich zur Wiege nieder und packte das Kind unsanft an seinen Kragen. Während Soleil aus seinen Schlaf gerissen wurde und Geschrei anfing durch das Schlafgemach, gar der geöffneten Tür in den Flur zu hallen, verformte sich die Mimik des Königs zu einem erfreuten Grinsen. "Hier bist du also... Aus nächster Nähe würde mich meine Nase niemals verfehlen. Ich hab dich endlich gefunden!"
      Euphorisch rollten sich die Augen des Mannes zur Seite bevor ein schwarzer Schleier jenes Kind ummantelte. "Tiadrum, mein geliebter Bruder!"
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