[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Victor wartete auf ein Kläffen oder eben den eigenen Geruch des Hundes, doch nichts dergleichen war da. Kein Vierbeiner, der aufgeregt, aber diszipliniert an Nairas Seite wartete. Kein dickes Fell, dass sich an seiner Seite vorbei drückte, um zu seinem Frauchen zu kommen.

      In der Wohnung ließ Victor sich Zeit, überhaupt aus der Jacke zu kommen. Sein Arm brannte wieder. Die Wunde machte ihm zu schaffen, als er versuchte den Ärmel wieder auszuziehen. Er besah sich diesen, als er endlich vom Arm gezogen werden konnte. Der Blutgeruch daran war ihm nie aufgefallen. Es war einfach nur sein Geruch...Das war es auch schon. Der Ärmel des Hemdes war blutgetränkt und ebenfalls kaputt. Nur der verband darunter wiederum war noch weiß. Was machten sie nur alles, damit die unwissenden Menschen in dieser Stadt ruhig schlafen konnten. Doch die Hölle war nicht vorbei und der Gedanke daran, dass es noch schlimmer werden konnte, war sehr präsent. Naira war schnell in der Küche gewesen und wollte sich dort wohl ein wenig Ausruhen, bevor sie gemeinsam hätten schlafen können. Doch selbst Victor konnte gerade nicht so recht an Schlaf denken.

      Er brachte seine schmutzige Wäsche ins Bad und drückte sie in den Korb. Die Hose ließ er noch an und beugte sich über das Waschbecken, um sich Wasser ins Gesicht zu spritzen. Damit wachte er für zwei Sekunden auf und wurde dann wieder von den üblichen Kopfschmerzen behelligt. Schließlich ging er raus und ließ die Badezimmertür einen Spalt offen. Auf leisen Schritten trat er an den Schrank, von dem er wusste, dass sich darin Alkohol befand. Da stand noch immer etwas darin, dass er sich genehmigen könnte. Er musste doch nur einen Schluck trinken, dann ging es immer besser. Nur ein wenig und alles wäre vorbei.
      Victor räusperte sich und senkte den Kopf. Der gute Gedanke, dass er eigentlich aufhören wollte, war da und sehr laut und doch war die Sucht größer. Er wollte sich betrinken, so sehr...Victor leckte sich über die Lippen. Aber Naira war nicht unweit und ein Streit war wegen dem Thema gar nicht weit. Er war ein Säufer. Aber nur ein Schluck...Victor griff nach dem Henkel um die Schranktür aufzumachen.
    • Naira O’Connor

      Naira konnte förmlich das Ticken der Bombe in ihrem Innern hören. Auf den Brief und die Botschaft, dass sie raus musste sagte sie nichts, sie versuchte nicht drauf zu reagieren und sich den Brief noch einmal genauer anzusehen, wenn ihr Kopf klarer sein würde, nach einer Runde Schlaf zum Beispiel. Sie ließ den Brief offen liegen, spätestens beim Kaffee morgen früh würde er ihr ins Auge fallen, so würde sie es definitiv nicht vergessen.
      Naira wollte ins Bad, als sie hörte, dass Victor aus diesem raus war. Sie traf auf ihn, betrachtete seine Position an dem Schrank, im welchen sie den Alkohol aufbewahrte und lehnte sich gegen die Wand, an welcher sie stand. „ich dachte, du wolltest aufhören“, kommentierte die Frau das Vorhaben ihres Freundes und kreuzte die Arme vor der Brust. Erinnerungen waren vor ihrem geistigen Auge zu sehen, ihr Vater, der nach der Flasche griff. Betrunken in ihrem Bett, der die ganze Nacht darüber weinte, wie sehr er sie lieb hatte und wie sehr es ihm leid tat. Kurz darauf Victor auf, betrunken oder jedenfalls angetrunken, wie er ihr Liebe und Zuneigung gab. Scheinbar brauchten Männer genau das, um sich ihrer Gefühlen sicher zu sein..

      Mit einem Kopfschütteln signalisierte Naira ihrem Partner, er solle doch machen, was er wollte und verließ das Wohnzimmer, nur um sich im Bad einzuschließen und gegen die Tür zu lehnen. Tränen liefen ihr über die Wangen, es war ihr kaum noch bewusst, was richtig und was falsch war. Sie wusste nicht einmal, was sie noch tun sollte. Ihre Entscheidung war schnell getroffen: eine warme Dusche. Die nahm sie auch, doch anstatt wie jeder andere den Körper sauber zu machen setzte sich Naira auf den Boden und lehnte ihren Kopf gegen die Fliesen, um in Ruhe weinen zu können, während das warme Wasser von oben auf sie zu kam. Enttäuschung, ein gebrochenes Herz und Panik mit Schlafmangel, Hunger und Trauer waren definitiv keine gute Mischung.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es war wie eine Trotzreaktion, die ihre Worte in ihm hervorriefen. Ja, er wusste verdammt noch einmal, was er gesagt hatte. Doch keiner verstand wie unglaublich schwer das war, wenn man sich von einen Tag auf den anderen dazu entscheiden musste, dass man nichts mehr trank. Und sich daran halten war noch schwerer. Fast ein Ding der Unmöglichkeit.
      Victor hing bald 2 Jahre an der Flasche und ob er von dort wieder jemals nüchtern sein könnte ohne das Verlangen zu verspüren, das konnte er nicht mehr sagen. Er nahm sich eine der Flaschen heraus. Es war noch der Wein von ihrem gemeinsamen Weihnachtsessen. Da hatte er sich zusammenreißen können und nur das eine Glas getrunken. Aber jetzt war alles wieder vorbei. Der gute Wille hatte nicht einmal eine Woche gehalten. Er schraubte die Flasche auf und wartete noch einmal, abwägend ob das nun klug war. Der pulsierende Schmerz sowohl im Kopf, als auch im Arm, trieben ihn förmlich dazu einfach nur zu trinken. Dann würden all die Schmerzen vorbei gehen. Im Badezimmer ging die Dusche an und Victor nahm es als Startzeichen. Er schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken, die Flasche an den Lippen. Der rote Wein war trocken und bitter diesmal im Geschmack und doch gab er einem nicht das erwünschte Brennen im Rachen, dass er gerne gehabt hätte. Einfach nur Hitze. Doch sie kam nicht. Er übernahm sich sogar, seine Gefühle spielten ihm einen Streich und er musste absetzen, weil ihm sonst alles wieder hochgekommen wäre.
      Als er sich beruhigte, wanderte Victor zum Sofa und setzte sich dort hin, um die Flasche wieder anzusetzen. Wenn er wollte, konnte er ein gutes Tempo anlegen ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Solange die Dusche lief, so lange trank er und hoffte darauf, dass er einfach nur einschlafen wird.
    • Naira O’Connor

      Es lief einfach alles raus, was nur rauslaufen konnte und irgendwann konnte es nicht nur beim ruhigen weinen bleiben, irgendwann krümmte sich Naira zusammen und heulte allem nach. Ihrem Hund, ihrer Berufswahl, ihrem Freund und auch Thomas. Die Nerven waren blank, lange würden sie auch nicht halten, sie würde sicherlich früher oder später daran kaputt gehen und keiner würde sie auffangen. Derjenige, der es ihr versprochen hat saß im Wohnzimmer und machte sich an ihren Alkoholvorrat..
      Eine halbe Stunde hing sie in der Dusche, rappelte sich aber auch wieder auf, um aus der Dusche zu treten. Naira zog sich ihre Schlafsachen an, trocknete ihre Haare mit dem Handtuch und lief anschließend raus, um Victor tatsächlich im Wohnzimmer vorzufinden. Er hatte auch tatsächlich eine Flasche in der Hand, aber irgendwie war es ihr auch egal, er konnte zur Hölle fahren, wenn er es wollte, sie würde ihn definitiv nicht vermissen. Jedenfalls in ihrem jetzigen Zustand nicht.. Er war ein elendiger Alkoholiker, wann würde er sich dessen bewusst werden?
      Naira füllte den Wasserkocher mit etwas Leitungswasser und griff zu dem Schrank, im welchem Tee aufbewahrt wurde. Während das Wasser kochte öffnete sie das Fenster in der Küche und besorgte sich noch ihre Zigaretten aus der Jackentasche, bevor sie eine am offenen Fenster rauchte. Ihr war es übel, ihre Laune war so tief, dass man sie nicht mehr hochholen konnte und zu alldem fehlte ihr noch ihr Hund.. es war eine Katastrophe, aber ihr Handy vibrierte. Thomas war wohl noch nicht zur Ruhe gekommen..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Sein Kopf fühlte sich ganz warm und weich an, nachdem er die Flasche gekippt hatte. Auf leeren Magen war der Effekt unglaublich gut und er war erwünscht. So konnte er einschlafen, auch wenn noch nicht ganz. Das Verlangen nach Nairas Nähe wurde größer. Er hätte sie liebend gerne einfach nur in den Arm genommen, aber die junge Frau saß in der Dusche und kam nicht raus. Er hatte es in der Zeit geschafft betrunken zu werden und er hasste sich noch in der selben Sekunde, wo er es getan hatte.

      Irgendwann kam Naira aber raus und sie ignorierte ihn gefließenhaft. Victor beugte sich vor und merkte, wie stark die Wände um ihn herum anfingen sich zu drehen. Alles war irgendwie weich geworden. Stöhnend und ächzend hielt sich Victor den Kopf und ließ sich Zeit aufzustehen. Naira hatte sich derweil den Wasserkocher angemacht und ein kalter Windzug zog Victor zu ihr. Sie stand am Fenster und rauchte wieder. Das gefiel ihm nicht so sehr, aber er hatte nun keine guten Karten, um sich nun zu ärgern.
      Wankend schob er sich vom Sofa und lief zu dem offenen Fenster hin. Sein Blick sagte bereits alles und die sichtbaren Defizite im Gleichgewicht reichten aus, um ihm den betrunkenen Status zu geben.
      Er lehnte sich erst an den Sims, dann wollte er Naira umarmen, aber er befand es als klüger seine schwitzigen Hände bei sich zu behalten und so gab er ein Brummen von sich und bereitete sich sichtbar vor darauf zu reden.
      "Kann...ich auch eine haben?", er strengte sich an nicht übertrieben zu lallen, aber seine Zunge fühlte sich so taub und schwer an im Mund, dass er sie kaum drehen konnte.
    • Naira O’Connor

      Sie hätte es sicherlich vom weiten gehört, dass Victor sich vom Sofa erhob, wenn es schon in der Küche laut zu hören war. Innerlich bereitete sich Naira darauf, gleich eine Diskussion mit ihm anzufangen, wenn er nur irgendetwas sagen würde. Sie konnte ihn betrunken nicht leiden, viel zu stark erinnerte er sie an ihren eigenen Vater und viel zu viel Liebe gab er ihr in diesem Zustand, was sie weicher machte. Naira wollte nicht weich sein, sie war so genervt, dass sie ihn am liebsten rauswerfen würde, aber in dem Zustand würde er sicherlich erfrieren... oder er würde in der nächsten Bar seinen Kopf volltrinken.
      Er kam wankend auf sie zu und hielt sich am Fenster fest, während er nach einer Zigarette fragte. Die Frau hielt ihm die Packung hin, während sie noch einen tiefen Zug ihrer nahm und aus dem Fenster sah. Die Menschen gingen ihren Tag an, sie liefen zur Arbeit oder gingen einkaufen, durch die lange Schicht war ihr Rhythmus verschoben, am liebsten hätte sie gerne abends..

      Mit einem Klick war der Wasserkocher fertig, da nahm Naira den letzten Zug an der Zigarette, bevor sie diese wegwarf und zum Wasserkocher ging. „Willst du auch einen?“,fragte sie laut genug, damit Victor es hören konnte. Sie bereitete den Tee vor und setzte sich anschließend wieder ans Fenster, um sich eine weitere Zigarette anzuzünden. Es war giftig, krebserregend, aber in diesem Moment interessierte es Naira überhaupt nicht. Sie schaffte es gerade mal, ihren Mund zu halten und nichts zu sagen
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    • Victor fingerte sich eine der Zigaretten aus der Packung heraus und nahm das Feuerzeug vom Fensterbrett, um sie sich anzuzünden. Die Lust zu rauchen war nicht da, aber Naira tat es und es war die Nähe zu ihr, diese so halten konnte ohne übermäßig aufdringlich zu sein. Er versuchte es lediglich, gut war er nicht darin. Schwer atmete er durch und atmete tief den Rauch ein, räusperte sich und pustete den Rauch dann wieder nach draußen. Es war gerade mal früh morgens und doch hatten sie einfach die gesamte Nacht durchgearbeitet.
      Naira fragte nach, ob er auch einen Tee haben wollte und er gab ein zustimmendes Brummen von sich, konnte aber nicht artikulieren, dass er einen wollte. Nachdem er auch hastig die Zigarette geraucht hatte, trat er an den Tisch und stützte sich ebenfalls schwerfällig darauf.
      "Tut mir leid, Naira...Das war...ein beschissener Tag einfach.", nuschelte er in seinen Bart und senkte den Kopf tief über den Tisch.
      Und noch in der selben Minute wusste er, dass es dumm war, so etwas zu sagen.
      "Ja, dich hat es härter getroffen...", lallte er weiter und schob sich einen Stuhl her, damit er sich hinsetzen konnte. Ihm fielen bereits die Augen zu, doch er blieb wach, damit sie nicht alleine war. Schließlich wusste er sehr wohl, dass er sehr egoistisch gerade handelte.
      "es tut mir so leid...wegen allem...Spike...Thomas...Mir...", er sah auf zu Naira und hoffte, dass sie ihm gut gesonnen war. Aber das würde wohl nicht passieren.
    • Naira O’Connor

      Ihre Hände zitterten am Fenster, teilweise aufgrund der Kälte teilweise aufgrund dessen, dass sie sich zurück hielt. Im Kopf sagte Naira ihrem Partner mehrmals, dass es einfach den Mund halten sollte, aber er musste ihn öffnen. Es war wie der Zünder für die Bombe, die sich aus ihren Gefühlen gebildet hatte, das, was den Fass zum Überlaufen brachte. Klar, er meinte es ja irgendwie nur gut, aber er musste irgendwann mal lernen, dass er betrunken besser die Klappe hielt.
      „Du hast keine Ahnung Victor“, sprach sie noch relativ ruhig und warf die zweite Zigarette schon nach der Hälfte aus dem Fenster, bevor sie noch den Rauch ausatmete und das Fenster wieder schloss. Victor setzte sich stattdessen hin und musste weiter sprechen, scheinbar hatte er wirklich keine Ahnung, wann er den Mund halten sollte.
      Sie nahm sich vor, etwas zur Beschäftigung zu finden, denn lange würde sie ihre Gedanken nicht unterdrücken. Innerlich war sie am kochen, aber sie schrie den Mann nur in ihrem Kopf an, griff lieber zu der Tasse und lehnte sich an den Tresen. Mit beiden Händen hielt Naira die Tasse fest hob sie auch an, um einen Schluck zu nehmen. Durch den kalten Wind von draußen war der Tee nicht mehr kochend heiß, aber dennoch warm.
      Durch den letzten Satz von Viktor war die Frau nicht mehr in der Lage irgendetwas zurück zu halten. Sie ließ die Tasse los, während Victor seinen Kopf zu ihr drehte und die Tasse ging an den Fliesen der Küche zur Grunde. Die relativ warme Flüssigkeit verteilte sich auf dem Boden und ihren Füßen, während Naira die Augen aufriss. „Es tut Dir leid?!“, fragte sie relativ ruhig, bevor ihre Stimme ein wenig lauter wurde. „Es tut dir leid?!“. Er hatte definitiv verloren..
      „Ich mache die Hölle durch ..seit Wochen, werde tyrannisiert und verfolgt.. der verfickte Psychopath schreibt mir sogar..er hat mir das mit wichtigste genommen, was ich überhaupt habe! Und du?! du siehst die erst beste Gelegenheit dich zu betrinken .. nutzt sie und sagst mir, dass es dir leid tut?!“. Die Tränen in ihren Augen waren einerseits definitiv aus dem Schmerz an den Füßen und definitiv auch aufgrund ihres Zustandes. „Hast du schon mal etwas verloren, was für dich die Welt bedeutete?! Jemanden, der für dich da war und nicht über dich urteilte?! Der immer zu Dir hielt?! Es fühlt sich scheiße an!“.
      „Du kannst mir noch nicht einmal deine Gefühle zeigen, ohne etwas getrunken zu haben! Die innige Stunde mit Dir verdanke ich auch nur einer billigen Flasche Whiskey! Es ist mir scheiß egal, dass du trinkst, ich liebe dich auch so..aber dann gib mir keine verfickten versprechen!“. Mit jedem Wort wurde die Frau lauter, bis sie ihren Partner regelrecht anschrie.
      Es war der Frau nicht aufgefallen, dass sie in diesem Moment ihre Gefühle offenbarte, aber sie tat es. Sie sprach das aus, was in ihr steckte. „Ich kriege das einfach nicht hin dich und mich übers Wasser zu halten, wenn du jeden meiner Versuche abwehrst!“.

      Naira lief über die Scherben hinweg aus der Küche hinaus in ihr Schlafzimmer, dessen Tür sie so laut und fest zuknallte, dass sie wieder aufging. Die Frau warf sich auf ihr Bett und schrie in ein Kissen, damit nicht noch etwas zur Grunde ging.
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    • Victor zuckte zusammen. Er hätte den Mund halten sollen. Er musste endlich lernen, dass wenn er getrunken hatte, es besser wäre, wenn er einfach nur den Rand hielt und alles im Ungewissen blieb. Und doch hatte er gesprochen und sich entschuldigt, da er wusste, warum er getrunken hatte. Er war zu schwach gewesen und er konnte, obwohl er es ihr versprochen hatte, keine Stütze für Naira sein. Stattdessen zog er sie runter. Naira war fertig mit der Welt und das zeigte sie nun laut und deutlich. Sie schrie ihn an, war wütend und ließ diesen Emotionen freien Lauf. Vollkommen gerechtfertigt, wie Victor dachte und trotzdem wollte sein Mund etwas anderes sagen.
      "Du musst mich verstehen es ist...meine Art damit klar zu kommen...", redete sich Victor raus. Er wollte damit lediglich sagen, dass er sonst keinen hatte. Er wollte nicht Naira damit weiter hinunter ziehen, nur weil er es selbst nicht schaffte.
      "Es...geht nicht so einfach...", setzte er noch hinzu und legte die Hände über seinem Kopf zusammen. Die Tasse war am Boden zersprungen, wie bei ihrem letzten Streit und Naira verschwand in ihr Schlafzimmer. Spike wäre ihr hinterher. Dass der Hund ihn noch nicht gebissen hatte, obwohl er sie bereits so oft zum Weinen gebracht hatte, überraschte ihn.
      "Naira...", Victor rief nach ihr, doch sie reagierte nicht mehr. Stattdessen ist ein angestrengter Schrei ins Kissen aus dem Zimmer zu hören. Die Tür war bei dem Knall nicht richtig zugefallen, sondern wieder auf.

      Victor nahm sich noch Zeit und schaffte es nach ein paar Minuten wieder aufzustehen. Er musste tief durchatmen, damit ihm nicht übel wurde und lief rüber in die Küche, wo er erst in eine Scherbe trat und dann mit einem fluchen, fast gestolpert wäre, aber sich noch am Thresen festhalten konnte. Die Scherben räumte er dann mit einem Handtuch bei Seite und wischte mehr schlecht als recht den verschütteten Tee zur Seite.

      Nachdem er fertig war, ging er wieder ins Wohnzimmer, aber blieb in der Mitte stehen, mit dem Blick zum Schlafzimmer. So war er doch. Emotionen waren schwer...und sie hatte auch bemerkt, dass sie nur die Stunde gemeinsam hatten im Büro, weil er etwas getrunken hatte. Victor wankte an die offene Tür und sah hinein, beobachtete Naira, wie sie auf dem Bett lag, während es ihm immer noch schwer fiel auf den Beinen gerade zu stehen. Wenigstens war der Schmerz im Kopf und Armen weg. Da konnte man gut einfach nur mit dem Schwindel leben. Leise - so leise es ihm möglich war- trat er ins Zimmer und an ihr Bett, um zu sehen ob sie noch wach war.
    • Naira O’Connor

      Er lief ihr nicht nach, obwohl er nach ihr rief und das war besser so. Die Frau brauchte den Moment, um sich zu fassen und ihren Gefühlen einen freien Lauf zu lassen, deshalb schrie sie ins Kissen. Das gab Naira auch den Rest,zum zweiten Mal an diesem Abend ließ sie die Tränen einfach runter laufen und tränkte ihr Kissen damit, besser als würde sie noch weiter auf Victor eingehen.
      Einige Zeit war es still in der Wohnung, bis sich Victor wohl erhob und in der Küche was machte. Naira war zu faul die Tür zuzumachen und ignorierte einfach die Tatsache, dass ihr Partner ihr näher kam und rein sah. Den Blick konnte sie förmlich spüren, aber ihre Wut war fast abgeklungen. Die Müdigkeit nahm sie ein, die Trauer war größer als die Lust, Victor noch etwas anzutun. Sie wollte ihn nicht verlieren und sie würde ihm sicherlich nichts tun, aber die Lust war dennoch da, damit er einfach seinen Mund hielt.

      Der Rotschopf trat wirklich näher, er kam zu ihr ans Bett und die Frau wog es ab, ob sie überhaupt mit ihm reden wollte. Sie konnte sich einfach schlafend stellen und nicht mehr mit ihm reden, aber das würde genau das gleiche sein, was er tat.. und da sie sein Verhalten verabscheute, konnte sie nicht genau das gleiche tun.. innerlich seufzte sie.
      Anstatt etwas zu sagen drehte Naira ihren Kopf zur Seite und sah ihren Partner an, der am Bett stand. Mitleid machte sich an Stelle der Wut breit und widerwillig rutschte sie ein wenig, damit er sich setzen konnte. Ihr Kopf sagte nein, aber ihr Herz sagte definitiv ja. Er war in diesem Moment wie ein kleines Kind, ein Kind welches man beschützen musste.. aber ob sie das noch lange durchziehen würde, dessen war sich nicht bewusst.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor hätte nichts dagegen gehabt einfach nur still zu sein und sich neben sie zu legen. Er brauchte keinen Platz, hätte es auch voll eingesehen, wenn sie ihn auf den Boden schlafen gelassen hätte, aber sie sah ihn an. Müde, verweint und traurig. Und doch rutschte sie bei Seite. Victor schluckte schwer, kniete sich hin und ließ sich neben sie fallen. Laut und ächzend, dank des Betrunkenseins, aber er hielt den Mund eben so gut es ging.

      Eine Weile blieb er auf dem Rücken liegen und hielt die Augen offen. Sein Kopf drehte sich. Alles drehte sich und ihm war schlecht und doch nahm er dieses Gefühl lieber auf sich. Statt nüchtern für seine Freundin da zu sein. Er war ein Idiot. Ein unverbesserlicher Idiot. Er drehte sich um zu ihr, fröstelte sogar ein wenig, weil er seit seinem kleinen besuch im Bad nichts weiter als seine Jeans trug, und sah ihr Gesicht an. Die roten, verheulten Augen, die ihn hassten dafür, dass er überhaupt hier war.
      "Ich...kann auch auf dem...Sofa schlafen...", nuschelte er und trotzdem streichelte er ihr eine Strähne aus dem Gesicht, fuhr mit den Fingern so sanft es ging, die Wange nach.
      Das verlangen danach sich zu erklären wurde größer, doch er hielt dann doch lieber den Mund und rutschte ein wenig näher. Er wollte sie in den Arm nehmen und sie an sich drücken. Sich hassen lassen und gleichzeitig wissen, dass sie nirgends hin ging, sondern bei ihm blieb. Außerdem hätte er sie nun so gerne geküsst, sanft und dann leidenschaftlich, aber sie hasste ihn für ihre Zweisamkeit im Büro und dass er es nur mit Alkohol vollbrachte sie zu lieben...Er ließ es sein, nahm ihre Hand und drückte sie sich fest an die Brust.
    • Naira O’Connor

      Er legte sich zu ihr, so war es nicht gedacht, aber Naira nahm es einfach hin und betrachtete den Mann, während sie noch immer auf dem Bauch liegen blieb. Ihre Augen fuhren die Konturen seines Gesichts nach, sie betrachtete seine Brust, die Arme, den Bauch.. ihre Augen gingen noch weiter, bis sie an seinen Füßen ankam, dann ging der Blick weiter hoch. Er blieb für einen Moment an seiner Brust stehen, um zu sehen, wie sie sich beim einatmen erhob.. wenn man genauer hinsah, könnte man die Bewegung des Herzens darunter sehen.. es war irgendwie beruhigend, traurig war nur die Tatsache, dass sie sich selbst beruhigen musste und er es nicht tat. Er machte wirklich so gut wie alles falsch, was er falsch machen konnte.
      Ihre Augen fuhren hoch, als Victor sich tatsächlich zu ihr umdrehte und sie ansah. Er meinte, er könnte auf dem Sofa schlafen, sofort schrie ihr Kopf danach, ihm genau das zu sagen. Wahrscheinlich hätte Naira ihren Mund auch aufgemacht, wenn er nicht über ihr Gesicht streichen würde. Das Herz, welches eigentlich schon längst gegen den Verstand verloren hatte schlug wieder kräftig und ein wohliges Gefühl in ihrer Brust machte sich breit. In solchen Momenten schrie ihr Herz deutlich lauter, als es der Kopf tat, er ließ sogar nach, weil die komplette Anspannung nachließ. All ihre Muskeln lockerten sich und Naira drehte sich sogar auf die Seite, um ihren Freund zu betrachten.
      Die Hand an seiner Brust gab ihr den Rest, das Herz, welches so kräftig unter den Rippen schlug schlug nur für sie, dessen war sich die Frau sehr bewusst. Sie handelte komplett ohne nachzudenken und rutschte die letzten Zentimeter zu Victor, ehe sie ihre Stirn an seiner Brust ablegte und die Arme um ihn schlang. Er hielt sie doch an der Oberfläche, auch wenn er dafür Hilfsmittel brauchte..
      „Bleib hier.. bitte..“
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    • Es gab Möglichkeiten und Optionen, wie er alles hätte schlimmer machen können, aber auch besser. Dumm nur, dass nichts anderes übrig blieb, als mit dem zu arbeiten, was nun angestellt wurde. Naira hatte ihn eine Weile lang angesehen und rutschte schließlich ran. Er hielt ihre Hand fest in seiner an die Brust gedrückt. Sein Herz hämmerte schwer gegen den Alkohol, aber auch, weil sie in seiner Nähe war, weil alles in ihm nach einer Berührung lechzte. Sie gab ihm sie. Sie rutschte nur ran und drückte ihre Stirn an ihn, aber es reichte ihm. Ihre Hände gingen kurze Zeit darauf, um seine Taille und er schloss die Augen, wohlwissend, dass ihm deswegen schlecht wurde, weil er keinen Halt mehr fand. Er musste wieder etwas Essen. Sie beide brauchten endlich ordentlich zu Essen, damit er auch nicht so schnell betrunken wurde...
      Ungelenk nahm er den heilen Arm und legte ihn unter sie, um sie an sich zu drücken und um sie nie wieder loslassen zu wollen. Der verletzte hielt ihre Hand und wurde sogar ein wenig sanfter.
      Angestrengt hielt er sich noch wach und streichelte ihr sanft über den Kopf, damit sie wusste, dass er noch bei ihr war und nicht gehen würde. Er wollte schließlich für immer bleiben und Gott verdammt, er wollte auch, dass sie gemeinsam dieses land verließen und nur noch einem langweiligen Jobs nach gingen. Dafür forderte aber ihr Leben zur Zeit alles von ihnen ab. Von ihr mehr, als von ihm.
      "Versuchen wir...zu schlafen. Schlafen ist wichtig...", nuschelte er in seinen Bart und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. Selbst bereits halb am Dösen, aber immer noch mit aller Kraft dagegen ankämpfend. Sie soll vor ihm einschlafen, damit er sie beschützen konnte.
    • Naira O’Connor

      Es war schlimm, wie sehr es sie alles an ihre Kindheit erinnerte. Es war ihr vorher nicht aufgefallen, weil sie die Erinnerungen tief in ihrer Kiste vergraben hatte und nicht mehr rausholen wollte. Heute ist es passiert, heute ist alles wieder an die Oberfläche getreten und verlangte sehr viel von Naira.
      Sie schloss die Augen, als sie die nackte Haut von Victor spürte und versuchte tief durchzuatmen. Ihr eigenes Herz raste, ihr Kopf war verwirrt, denn den gleichen Geruch vom Alkohol roch sie immer bei ihrem Vater. Seine Haut fühlte sich genauso weich an und auch er entschuldigte sich dauernd, wie Victor es heute mehrmals getan hatte. Panik stieg in der Frau auf, sie kam nicht mehr darauf klar und wusste nicht, inwieweit sie die Realität von ihrer Vorstellung trennen konnte. Eine nächste Panikattacke bannte sich an, sie fing schon an zu zittern, als Victor anfing was von schlafen zu erzählen. Ihr Vater drückte ihr auch immer einen Kuss auf den Scheitel, er legte dann die Arme um sie und schlief ein, während Naira die ganze Nacht wach blieb.. die konnte danach nie schlafen, denn sie hatte Schuldgefühle, dass sie ihren Vater hasste.
      Die Frau kämpfte gegen die Panik an, sie öffnete sogar ihre Augen und blickte hoch, aber anstelle ihres Partners war das schlafende Gesicht ihres Vaters zu sehen. Er war fix und fertig mit den Nerven, genauso wie es seine Tochter war.
      Für einen Moment kniff sie ihre Augen zusammen, nur um sie gleich darauf wieder zu öffnen, aber sie sah nun nicht mehr ihrem Vater, es war Thomas mit seinem Grinsen, der sie in den Armen hielt. Naira schrie für einen Moment und stieß Victor von sich bevor sie sich auf dem Bett schnell aufrappelte und nach ihrer zweiten Waffe greifen wollte, die immer im Nachtschränkchen versteckt war. Sie blickte aber zurück und sah das rote Haar, als sie die Hand nach der Waffe ausstreckte.
      „Ich werde verrückt..“, brachte sie raus, aber musste mehrmals durchatmen, sie fühlte sich wie nach einem kilometerlauf.
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    • Manchmal musste einfach etwas passieren, dass sich die Welt weiter bewegte. Schließlich gab es keine Bewegung ohne eine Kraft, die dahinter steckte. Es brauchte diese treibende Kraft. Wie gut die nun war, konnte man nicht sagen. Für ein paar Sekunden lag Naira still in seinen Armen, doch urplötzlich stieß sie ihn fort, dass er fast vom Bett gerutscht wäre. Aber umso mehr bemerkte er, wie sein Arm noch immer schmerzte. Er verzog das Gesicht und zog schmerzhaft die Luft durch die Zähne ein.
      Naira sprang dabei mit einem Schrei vom Bett und wollte an ihre Schublade, hielt aber inne noch bevor sie etwas hervorziehen konnte. Victor sah sie überrascht an und erst, als sie sagte, sie würde verrückt werden, entspannte er sich.
      Wahnvorstellungen oder Halluzinationen hatte er nie gehabt und konnte nicht nachvollziehen, was mit ihr geschah. Doch statt sie dafür zu verurteilen, schob er sich über das ganze Bett auf ihre Seite rüber und nahm ihre Hände. Sein Blick war ernst. Betrunken, aber ernst genug, dass er den Sinn und die Schwere der Situation verstand. Er hielt ihre Hände fest und drehte sie so halbwegs zu sich herum.
      "Alles okay...Was...hast du gesehen?", Victor spielte mit dem Gedanken, ihr zu sagen, dass doch alles in Ordnung war, aber das war es nicht und möglicherweise würde es auch nie mehr werden. Solche leeren Versprechungen lernte man als Polizist schnell nich tmehr zu geben, denn meistens schoss man sich damit auch eher ins eigene Knie.
      Victor sah zu Naira hoch. Sie sah so ängstlich aus und verschreckt. Vorsichtig stand Victor auf, korrigierte sein Gleichgewicht und hielt sie an den Schultern dann, damit sie nicht weg rennen konnte oder sich gar einfach von ihm abwandte.
      "Ich...nur ich bin hier. Naira...nur ich...", wiederholte Victor, während er sie sanft festhielt, aber trotzdem mit genügend Kraft, so dass sie wusste, dass es jemand reales war.
    • Naira O’Connor

      Sie spielte mit dem Gedanken die Waffe rauszuholen und sie auf Victor zu richten, aber eigentlich nur.. weil sie nicht einschätzen konnte, ob er es wirklich war. Sie wollte nicht ihn damit bedrohen, dass sicherlich nicht, sie wollte eher die Geister in ihrem Kopf damit vertreiben, aber in dem Moment, in welchen sie realisierte, dass sie sicher war schloss sie die Schublade mit ihrer Hand wieder und beobachtete Victor.
      Ihre Augen waren aufgerissen und sie wiederholte sich im Kopf immer wieder den Satz, dass sie wachsam war. Sie würde ihn sofort erschießen, wenn er sich als Thomas entpuppen würde, aber spätestens als er ihre Hände in seine nahm war ihr klar, dass alles verrückt war. Thomas war nicht hier, definitiv nicht in diesem Raum.
      „Ich..ich..“, noch immer atmete sie ziemlich schnell und ihr Herz schlug wie verrückt. „Da war.. zuerst mein Vater.. und dann.. dann er“. Mehr brauchte sie nicht zu sagen, mehr kam auch nicht raus und die Frau war froh, dass Victor sie fest hielt, denn sie konnte für nichts garantieren. Sie hörte das klicken einer Waffe, die entsichert wurde, das Geräusch war ihr so klar, das würde sie auch immer wieder erkennen, aber sie hielt nichts in der Hand, dessen war sie sich sicher, sie bildete es sich ein.
      „Ich will .. das nicht mehr.. Victor..“. Sie fing an zu weinen, elendig zu weinen und einfach dem nachzugeben, was sie in letzter Zeit an der Oberfläche hielt. Ihr Wille war nicht mehr da, es war definitiv zu viel auf einmal und die Welt würde besser aussehen, wenn sie eine Runde schlafen würde, aber bis dahin musste sie noch kommen.
      Naira hörte ihre Mutter schreien, sie schrie mal wieder ihren Vater an, er solle doch zur Hölle fahren, wenn es ihm dort besser gefällt. Aus Reflex hielt sich Naira die Ohren mit ihrem Hänsen fest, um das nicht mit anzuhören, aber wie auch damals klappte es nicht. Ihr Vater schrie ihre Mutter an, sie wäre nichts wert und nur nutzlos, sie schenkte ihm eine Tochter und keinen Sohn. Die Welt würde so viel besser aussehen, währe Naira einfach männlich geworden.
      „Haltet doch einfach euren Mund!“.
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    • Es spielte sich alles in ihrem Kopf ab. Er konnte es nicht sehen und nicht hören, aber er versuchte zu verstehen und doch fehlte ihm der nüchterne Verstand für diesen Moment. Eine Hälfte seines Hirns warnte ihn davor, etwas Dummes zu sagen. Die andere Hälfte schrie förmlich danach, dass er etwas sagen sollte und es war egal was. Sie musste verstehen, dass er er war und nicht ihr Vater. Und keines falls war er Thomas.
      "Niemals...", flüsterte er leise. Niemals wird er Thomas in ihre Nähe lassen. Lieber nahm er sich das Leben, dachte er sich und sah dem Zusammenbruch von Naira zu. Wie sie mit den Händen ihre Ohren zu hielt und schrie, jemand solle den Mund halten. Aber wer, wenn niemand da war. Victor war überfordert und das war ein anderes Level von Überforderung, als das von seiner Arbeit. Wie konnte er helfen ohne bemitleidend zu wirken und ohne alles unter den Teppich zu kehren.
      Ein wenig hilflos stand er vor ihr, doch dann nahm er sie einfach in den Arm. Es hieß schließlich, dass man sich whrende Menschen oder eben ausfallende Leute, auf den Boden pressen musste, damit sie aufhörten um sich zu schlagen. Das tat Naira nicht, aber sie brauchte Druck, der ihr ihren eigenen aus dem Kopf entließ.
      "Nicht...sei vorsichtig...", sein lallen wurde schwächer, denn der Schrecken saß noch in den Knochen. So weit sein Arm es ihm erlaubte, hielt er sie aber fest an sich gedrückt, in der Hoffnung sie würde ihn wahrnehmen, als ihren Freund und nicht als Vater oder als einen Psychopathen, der noch immer da draßen sein Unwesen trieb.
      "Ich ...würde niemals jemanden rein lassen...nicht zu dir...Nicht nüchtern...nicht betrunken...", er wurde redseliger, aber nicht redegewandt. Mehr als festhalten konnte er sich aber nicht vorstellen. Nur nach einer Weile, wo er selbst merkte, dass er schwankte, drehte er sich vorsichtig herum und drückte sie runter auf das Bett, damit sie sich setzte: "Langsam...versuch zu atmen.", er machte die Übung selbst vor, die er ihr bereits im Wald gesagt hatte, damit sie sich beruhigen konnte. Aber die Vorstellung und die Angst konnte er nicht nehmen. Verdammt, warum war er jetzt nur betrunken!
    • Naira O’Connor

      Victor drang zu ihr durch, auch wenn sie noch immer ihre Eltern streiten hörte. Sie schlugen beide die Türen zu, nacheinander natürlich, ließen die arme Frau alleine. Alleine in den Armen ihres Freundes, wenn da nicht noch jemand anderes da wäre. Jemand, der sie in den Arm nahm, der mit bei den beiden stand, der ihr über den Kopf strich. Naira war kurz davor, Victor wieder von sich zu drücken, aber er sprach zu ihr, mit ihr. Er würde nie jemanden reinlassen, der ihr wehtun würde, sie verstand es auch, aber der Kopf kam nicht ganz hinterher, es hörte wieder das Klickern einer Waffe.

      Naira öffnete die Augen wieder, als ihr Freund sie auf das Bett setzte und sie sah ihn direkt an. Sie hatte Angst, mehr als nur Angst, die Panik war ihr ins Gesicht geschrieben. Victor zeigte ihr, wie sie atmen soll, die Frau tat es ihm nach und versuchte tief durchzuatmen, um die Luft kurz anzuhalten und wieder auszuatmen. Tränen liefen ihr über die Wangen und so langsam war ihr klar, dass nur Victor im Raum war, auch wenn die Angst noch groß war.
      „Ich will das nicht mehr..“,machte sie noch einmal deutlich und schüttelte den Kopf hastig, bevor sie stoppte und wieder durchatmete. „Ich will das nicht mehr...“. Das Gesicht vergrub sie in ihren Händen und ließ ihren Gefühlen freien Lauf. Es gab selten Momente, in denen sie vor jemandem heulte, die konnte sie gerade an den Händen abzählen, oder nur an einer.. aber sie konnte nicht mehr, es war Zeit für sie, zu schlafen und sich zu erholen..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victors Gehirn fing an zu arbeiten. Er war zwar selbst müde und unglaublich erschöpft, doch Naira so kaputt zu sehen, brach ihm das Herz. Es brach ihn noch mehr, weil er so dumm und egozentrisch war, dass er sich betrunken hatte. Ihr Blick zerrte an seinem schlechten Gewissen und die Tränen auf ihrer Wange ließen ihn sich zu ihr runterknien. Er blieb erst still und drückte sanft ihr Knie. Doch selbst die kleine Atemübung, um sie wieder zu beruhigen klappte nicht ganz. Naira weinte wieder stark und schluchzte vor ihm, das Gesicht in die Hände vergraben.
      Victor wusste nicht was er tun sollte und ließ sie für 5 Minuten nicht aus den Augen, um zu sehen, ob es einen Hinweis drauf gab, wo er helfen konnte. Doch diese gab sie ihm nicht. Langsam setzte er sich neben sie und wollte den Arm um sie legen, doch stattdessen beugte er sich vor und stützte sich auf den eigenen Knien ab. Schwer durchatmend, weil alles in seinem Kopf drehte.
      Sie beide wollten das nicht. Hätte er es nur besser abgeschätzt und sich nicht betrunken. So war er einfach keine Hilfe.
      "Du schaffst das, Naira...Ich will dir so gut es geht helfen. Ich will es...wirklich...Nur...bin ich nicht gerade der klügste Mann...".
      Er legte eine Hand auf ihren Rücken und streichelte darüber, wandte sich an sie, damit er sie nicht ablehnte und er hätte sie gerne in den Arm genommen.
      "Ich...habe nie eine stärkere Frau gesehen...ich bin stolz an deiner Seite zu sein...", Victor sprach leise, stark konzentriert und deswegen ein wenig langsamer, um seine Zunge richtig zu nutzen.
    • Naira O’Connor

      Naira hatte keine wirkliche Hilfe erwartet, sie hatte aber darauf gehofft, denn sie wusste selbst nicht, wie sie sich helfen konnte. Das aller beste war es wohl, einfach alles rauszulassen, was sich in den letzten Tagen und Wochen angesammelt hatte, damit sie es nicht weiter mit sich trug. Eine Erleichterung machte sich breit, als sie einfach nur frei heraus heulen konnte und sich nicht um andere kümmerte, sondern nur um sich und ihre Sorgen.
      Lange hielt es jedoch nicht an, sie wurde ein wenig ruhiger, als sich ihr Freund neben sie setzte. Er sprach mit ihr, er sprach sogar sehr offen mit ihr und wäre nicht in ihrem Kopf die Tatsache, dass er eigentlich betrunken war würde es ihr sicherlich helfen.
      „Ich bin gar nicht stark..“,murmelte die Frau kopfschüttelnd. „Sonst würde ich... nicht jetzt heulend vor Dir sitzen..“. Naira hob ihren Kopf für einen Moment an, um ihren Partner anzusehen, der verzweifelter wohl nicht aussehen konnte, bevor sie das tat, was er hätte tun können.. sie lehnte ihren Kopf gegen seine Brust und legte ihre Arme um sie herum.
      „Ich hasse ihn einfach.. ich hasse ihn und die ganze Welt.. dich würde ich am liebsten auch hassen“. Ja, er war definitiv nicht der klügste Mann der Welt, aber durch den Alkohol gelang es ihn deutlich besser mit ihr zu reden, als wenn er nüchtern wäre, jedenfalls konnte es sich Naira nicht vorstellen, wie der nüchterne Victor ihr hätte helfen können.
      „Aber ich kann es nicht.. ich kann dich nicht hassen, egal wie viel Scheiß du anstellst“. Sie flüsterte halblaut, durch die Tränen war es ihr schwer, deutlich zu sprechen.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
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