[2er RPG] Killer Instinct

    • Sobald der Polizist aus dem Raum war, begann Marcus, die Akten zu sortieren. Dieses Chaos machte ihn nervös. Er packte alles in den Stapel zurück und setzte den auf den beiseite gerückten Kaffeetisch. Er setzte sich und begann, die Akten durchzusehen und sie zu sortieren. Er hatte dabei sein eigenes System, das überraschend universell war. Jeder kam leicht damit zurecht. Und er selbst hatte alles nach einem ersten Durchsehen im Kopf.





      "Hallo, mein Hübscher."
      Als ob John es geahnt hätte, rief er an, kaum dass Vincent aus dem Hotel raus war.
      "Was du heute so gemacht? Fortschritte bei unserem Freund?"
      Heute war er nicht im Park. Heute war er in einem Café und ging einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nach. Er beobachtete alle möglichen Leute hier in der Mall, alle am shoppen, alle völlig sorglos. Wenn sie wüssten, dass hier ein Killer unter ihnen sitzt. Er könnte eine Massenpanik auslösen, indem er einfach sein Messer zückte und jemandem die Kehle durchschnitt. Im Zuge dessen wörden weitere Menschen verletzt werden und vielleicht sogar sterben.
      Er hatte angerufen, sobald ihm diese Gedanken gekommen waren. Vincents Stimme erinnerte ihn an das Versprechen, dass er ihm gegeben hatte. Er hielt sich eisern dran, aber jeden Tag wurde es schwerer, der Hunger größer und mächtiger.


    • "John...", seufzte Vincent fast schon erleichtert, als er seine Stimme hörte. Wie immer versuchte er zu erkennen wo er war. Er konnte Menschen reden hören und er hörte das Klappern von Geschirr. Ein Restaurant oder so etwas vielleicht? Er besann sich auf Johns Frage zurück und entschied sich zu Fuß nach Hause zu gehen, er wollte nicht unbedingt in einem Taxi mit John telefonieren.
      "Ich ähm... ja, kann man so sagen.", erklärte er und überlegte wie viel er preisgeben sollte. Diese Agenten hatten es mit Sicherheit auch auf John abgesehen, aber das sollte Vincent ja eigentlich nicht stören. Dennoch... er wollte John wirklich erzählen was los war, aber womöglich verspielte er damit seine einzige Chance ihn zu finden.
      "Mein Zwangsurlaub ist ab morgen zu Ende... ich kann also wieder richtig ermitteln. Der Puppenspielerfall gehört auch wieder mir...", begann er und zögerte kurz. Er entschied sich vorerst nicht weiter ins Detail zu gehen. "Ich denke ich habe eine Spur, aber ich kann noch nichts genaues sagen. Außerdem werde ich mich jetzt eher daran setzen das nächste Opfer ausfindig zu machen, bevor noch jemand stirbt." Vincent hörte wie eine Kellnerin - so vermutete er - vermutlich an Johns Nachbartisch gerichtet eine Bestellung aufnahm. Es war nicht wirklich ein Anhaltspunkt.
      "Was machst du den ganzen Tag John? Lesen? Vielleicht ein Besuch in einem Museum?" Vincent wollte nicht herausfinden wo er war, er wollte tatsächlich wissen was der Killer so trieb. Immerhin tötete er im Moment nicht, aber irgendwie musste er sich wohl ablenken.
    • "Das ist gut. Du solltest wirklich ein bisschen mehr unter Leute gehen, weißt du? Das tut dir gut."
      John rührte seinen Kaffee um und nahm einen Schluck, während er über seine Antwort nachdachte.
      "Ich arbeite", sagte er schließlich, "Nach meinem Besuch im Museum ist mir klar geworden, dass das Leben langweilig ist, wenn man nicht aktiv daran teilnimmt."
      Als die Bedienung vorbeikam, bestellte er sich noch einen zweiten Kaffee. Die junge Frau verschwand und zeitgleich kam Johns neue Freundin von der Toilette zurück. Er beduetete ihr, still zu sein. Vincent musste vei weitem nicht alles wissen.
      "Hast du das Messer dabei", fragte John, wie am Tag zuvor, "hast du an mich gedacht, als du es in der Hand hattest?"


    • "Ich glaube nicht, dass man mich in der Polizeistation mit offenen Armen empfängt...", murmelte Vincent, er hätte gerne die Mittel die er brauchte, aber trotzdem die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten. Wenigstens wurde ihm seit damals kein neuer Partner aufgezwungen.
      Als er nach dem Messer fragte, antwortete Vincent mit Ja, stockte aber, als die zweite Frage direkt hinterher geschossen kam. Er zögerte bevor er antwortete. "Ja, habe ich..." Unbewusst griff er nach dem Messer, behielt es aber schön da wo es jetzt war.
      "Was arbeitest du?", fragte er dann. Im Museum? Das wäre dreist auffällig... also durchaus möglich. Seine Gedanken schweiften kurz zu dem Puppenspielerfall und ihm kam eine Idee. Es war nur ein kurzer Gedanke, aber vielleicht im Bereich des Möglichen. Vincent fragte sch nur mit wem er die Idee erörtern sollte. Auf welcher Seite stand er eigentlich? Was wollte er selbst eigentlich? Und was wollte John. Ein weiterer Gedanke kam wie aus dem Nichts.
      "Das Messer... ist es für den Puppenspieler?", fragte er John direkt. Er hatte es ihm nicht umsonst gegeben, auch nicht zur Verteidigung, das machte keinen Sinn. Es würde viel mehr Sinn machen, wenn er ihn zu einem Mörder machen wollte. Vielleicht hatte es aber auch einen anderen Zweck, oder keinen.
    • John lachte leise.
      "Wenn du es dafür benutzen möchtest. Ich werde dich nicht davon abhalten. Aber vielleicht solltest du dann noch an deiner Technik feilen, sonst sieht es nicht gut aus."
      John hob einen Finger und schüttelte leicht den Kopf, als seine Begleitung das mitschreiben wollte. Sie legte Stift und Notizblock brav beiseite.
      "Bist du allein?", fragte John als nächstes.
      Die Frage nach seinem Job ignorierte er gekonnt. Wie gesagt, Vincent musste nicht alles wissen. Und Geld brauchte John keines. Das war bloße Beschäftigungstherapie.
      "Geh nach Hause und ruf diese Nummer an, wenn du dort bist", befahl John sanft, "dann können wir ungestörter reden."


    • John legte auf und Vincent merkte erst jetzt, dass sein Herz raste. Er war immer nervös wenn John anrief, aber nicht so nervös. Ob es daran lag, dass er ihn anlog? John hatte ein unglaubliches Aufmerksamkeitsvermögen, ob er es an Vincents Stimme merkte wenn er log? Genau genommen hatte er noch nicht gelogen, nur nicht die ganze Wahrheit gesagt.
      Auf dem nach Hause Weg lenkte er sich mit anderen Gedanken ab. Er fragte sich, ob er dem Puppenspieler eine Falle stellen konnte. Wenn er der Presse mitteilen würde, dass er den Code geknackt hatte, ohne den Code preiszugeben... vielleicht konnte er den Killer herausfordern. Vielleicht wäre er dann das nächste Ziel und vielleicht konnten sie ihn so schnappen. Der Plan konnte aber auch in die Hose gehen und dafür sorgen, dass der Puppenspieler sich erst einmal zurück zog... Er würde die Idee wohl mit den zwei Agenten besprechen müssen, vor Allem weil er ihre Hilfe dafür brauchte.
      Zu Hause angekommen setzte Vincent sich auf seine Couch und rief die Nummer an, wie John es verlangt hatte. Ob er selbst auch an einen abgeschiedeneren Ort gegangen war? Wie kam es eigentlich, dass John immer unter Leuten war, wenn er mit Vincent telefonierte?
    • "Was machst du?", fragte die Reporterin, als John aufstand.
      "Ich gehe mich unterhalten. Warte hier, das dauert nicht lange."
      Er verließ das Café umd ging ein paar Schritte. Er wusste, dass hier eine kleine Gasse war, unbeachtet von der Masse, unauffällig. Dort ging er hin und lehnte sich am Rande der Gasse gegen die Wand. Er wirke wie jemand, der ein bisschen Ruhe beim Telefonieren brauchte, nicht wie ein Drogendealer oder Mörder. Bloß ein Geschäftsführer.
      Als das Pre-paid Telefon klingelte, ging er sofort ran.
      "Wie hast du geschlafen?", fragte er, "wovon hast su geträumt?"
      Er lauschte Vincents Stimme, wanderte in der Gasse entspannt auf und ab.
      "Ich will, dass du Messer nimmst. Was fühlst du, wenn du es hälst? Woran denkst du, wenn du es siehst?"


    • "Ich hab nicht gut geschlafen.", antwortete Vincent, erwähnte aber nicht warum das so war. Er konnte sich aber nicht wirklich erinnern was er geträumt hatte. "Ich glaube ich bin gelaufen und... ich weiß nicht mehr was ich geträumt habe... ein Albtraum wie immer."Müde legte er sich auf die Couch, den Kopf auf der Armlehne und an die Decke schauend. Er schloss die Augen und seufzte leise. Manchmal fühlte er sich, als wäre John sein Psychiater. Eigentlich eine schlechte Mischung.
      Er nahm das Messer, wie John es wollte, wog es ein wenig in seiner Hand und machte die Augen auf um sich die Klinge anzusehen. Er merkte wie bei dieser Frage sein Herz wieder schneller schlug.
      "Es ist ziemlich scharf... ich hab mich heute daran geschnitten.", merkte er an und dachte daran, wie seine Gedanken fast verrückt gespielt hatten, als ihm das passiert war. "Ich habe daran gedacht wie du das Symbol in deine Hüfte geritzt hast..." Mit der anderen Hand wanderte er an die Stelle an seiner eigenen Hüfte, wo dasselbe Symbol zu finden war. "Außerdem schmerzt meine Schulter bei dem Gedanken daran... auch wenn es ein anderes Messer ist. Und ich denke an dich, wenn ich es ansehe und versuche herauszufinden ob das der einzige Grund ist, warum du es mir gegeben hast." Er machte eine kurze Pause, den ganzen Tag lang hatte er John weniger gemocht, hatte sich daran erinnert, dass er ein Mörder war, der unter Anderem seinen Partner, Freund und Mentor getötet hatte. Aber jedes Mal, wenn Vincent Johns Stimme hörte verflog das Gefühl und stattdessen hatte er jetzt Angst um ihn. Angst, dass die zwei Agenten ihn finden und erschießen würden.
      "John...?", fragte er, obwohl er genau wusste, dass der Killer noch zuhörte. Er wollte ihn warnen, aber die Worte kamen nicht über seine Lippen, er schaffte es nicht. "Ich vermisse dich John... verrückt, nicht wahr? Aber ich schätze das weißt du. Wenn ich das Messer ansehe, dann fühlt es sich an als würde etwas fehlen. Das ist der Eindruck der am längsten bleibt."
    • John lächelte, als der Polizist die Narve erwähnte. Er legte seine Hand auf seine Hüfte.
      "Es sind doch erst ein paar Tage, mein Hübscher. Wir werden uns bald wiedersehen, keine Sorge. Aber wir beide müssen vorher noch einiges erledigen."
      Er sah die Straße rauf und runter. Kaum ein Mensch war unterwegs, keiner beachtete ihn.
      "Vincent, zieh dein Shirt aus. Leg die Klinge auf deine Brust, Griff nach unten zeigend. Schließ die Augen. Fühle das Messer."
      John stellte sich das Bild vor. Herrlich.
      "Weißt du, warum ich immer Messer benutzt habe? Sie betrügen die nicht. Sie verletzen, wenn du das möchtest. Sie töten, wenn du das möchtest. Aber sie können auch Fesseln durchtrennen. Sie sind zuverlässig. Sie können sogar Verbindungen aufbauen. Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass ich gerade das gleiche Messer in der Hand habe?"
      Das tat er. Er hielt die Klinge versteckt im Ärmel seines Jacketts, aber den Griff hielt er fest unklammert.
      "Wenn du dich nach mir sehnst... fass dich nicht an. Schneide dich nicht mit dem Messer. Das darf nur ich. Im Gegenzug werde ich es auch nicht tun. Nur du hast dieses Privileg."
      Er legte auf und lehnte sich gegen die Mauer hinter ihm. Er musste dem Drang widerstehen, sofort zu Vincent zu eilen und ihn sich zu nehmen.
      Johm sammelte sich, dann ging er zurück zu seiner Freundin, als sei nichts passiert.


    • Das Messer lag immer noch auf Vincents Brust, als John schon lange aufgelegt hatte. Die Angewohnheit ohne Vorwarnung aufzulegen machte Vincent fast wahnsinnig, aber es hatte gut getan Johns Stimme zu hören. Er schloss wieder die Augen, er kannte jede Narbe auf seinem Körper, er wusste wie er jede davon bekommen hatte und es waren nicht wenige. Das Unendlichkeitssymbol auf seiner Hüfte, der noch nicht ganz verheilte Diamant auf seiner Brust. Ein Schnitt bei jeder seiner Rippen, der Knochen darunter ebenfalls hart und vernarbt. Der Schnitt über sein Schlüsselbein, über dem immer noch ein steriles Pflaster klebte, war auch nicht der einzige der in dem Bereich zu finden war, die Knochen dort waren ebenfalls vernarbt. Seine Hand wanderte auf seine Schulter, die immer noch schmerzte, kein Wunder, nachdem er ein Messer darin stecken hatte. Er rief sich Johns Gesicht ins Gedächtnis, die Wut die er in dem Moment hatte. Es ging dabei nicht um ein Kunstwerk, es war purer Hass in Johns Augen gewesen. Er lag noch eine Weile lang so da und ging im Kopf jede Wunde durch, die John ihm zugefügt hatte, bevor er sich ins Bett schleppte.

      Jeder Atemzug brannte, jedes Einatmen, jedes Ausatmen und alles dazwischen. Vincent versuchte seine Atmung flach zu halten, aber das war nicht so einfach, wenn John auf einem saß, nackt. Jede Bewegung die John machte tat höllisch weh, doch gleichzeitig war es das beste Gefühl das es gab. Sein Herz schlug schneller und nach langem wieder ein wenig stärker. Auch das schmerzte, seine Brust brannte. Er konnte nicht anders als laut aufzustöhnen, als John sich schneller bewegte, eine Mischung aus Schmerz und Lust zugleich, die er noch nie zuvor gefühlt hatte. Er bekam nicht richtig Luft, seine gebrochenen Rippen drückten auf seine Lunge und schmerzten bei jedem Atemzug. Er sah John an, verlor sich in seinen eisblauen Augen, suchte Zuflucht darin wie immer. Er schnappte wieder nach Luft, doch er bekam keine.

      Vincent schreckte hoch und schnappte nach Luft. Das war kein Traum gewesen, mehr eine Erinnerung. Er brauchte eine Weile um sich zu fangen, bis er schließlich aufstand um zur Arbeit zu fahren. Es war verdammt früh, aber er konnte nicht mehr schlafen und um die Uhrzeit hatte er dort seine Ruhe. Er war sich sicher, dass dieser Marcus auch nicht schlafen konnte, weswegen er versuchte ihn über das Hotel anrufen zu lassen.
    • Marcus giff nach dem Telefon bevor das erste Klingeln verstummte. Niemand, der nicht ihre Handynummer hatte, wusste, dass Andrew und er hier waren.
      "Ja?", blaffte er in den Hörer.
      Der Nachtportier entschuldigte sich höflichst und sagte, er habe einen Anrufer. Marcus ließ ihn durchstellen.
      "Detective", grüßte er, "legen Sie auf und rufen Sie diese Nummer an."
      Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern nannte seine Handynummer und versicherte sich, dass der Polizist für zwei Sekunden im Hirn hatte. Dann legte er auf und wartete auf den nächsten Anruf.
      "Was verschafft mir die Ehre so früh am Morgen?"
      Er schien handzahmer als gestern und das obwohl Andrew im Schlafzimmer lag und tief und fest schlief. Marcus konnte sein Schnarchen leise durch die Wand hören.
      "Es ist erst halb vier. Nicht viele sind so früh wach. Ich habe eine Stunde geschafft. Wie lange haben Sie geschlafen?"
      War das etwa ein Versuch, freundlich zu sein?


    • Vincent schrieb sich die Nummer schnell auf und rief dann zurück. "Ich dachte mir schon dass Sie auch wach sind.", erklärte Vincent und seufzte. "Ich denke schon, dass ich an die 3 Stunden geschafft habe. Wie auch immer, mir ist gestern eine Idee gekommen und ich wollte wissen was sie davon halten. Ich denke wir könnten dem Puppenspieler eine Falle stellen, aber das könnte auch nach hinten los gehen. Im Sinne davon, dass er uns entwischen könnte. Ich werde weiter versuchen das nächste Opfer zu finden, aber sollten uns die Ideen, oder die Zeit ausgehen..." Vincent begann seinen Plan zu erläutern. Wenn er vor der Presse preisgeben würde, dass er den Code geknackt hatte, mit Hinweisen die dem Puppenspieler bewiesen dass er nicht bluffte, dann würde Vincent vielleicht das nächste Ziel werden. Und so konnten sie ihm vielleicht eine Falle stellen.
      "Was halten Sie davon?"
    • Marcus schwieg einen Augenblick., während er im Kopf alles durchging, was er über den Puppenspieler wusste.
      "Das ist ein Glückspiel. Der Puppenspieler plant alles minutiös, so sehr dass eine Liste rausgegeben hat und trotzdem immer pünktlich war. Ich bezweifle, dass er sein Muster brechen wird, nur weil jemand hinter seine kleine Spielerei gekommen ist. Allerdings haben wir nut noch zwei Opfer und damit nur noch fünf Tage Zeit, ihn auf diese Weise zu finden."
      Er knirschte leise mit den Zähnen und schob aich einen Kaugummi in den Mund.
      "Ich schick Ihnen eine Adresse, kommen Sie sofort hin."
      Er legte auf und schuckte dem Detective die Adresse. Es war ein kleines, ruhiges Diner, dass auch Frühstück servierte, selbst zu dieser unmenschlichen Stunde. Danach schrieb Marcus Andrew eine Nachricht, die dieser lesen könnte, sobald er wach war.

      Eine halbe Stunde später saß Marcus in der hinteren Ecke des Diners und überblickte die zwei anderen Gäste, die Kellnetin und sogar den Koch, sowie alle Ausgänge. So hatte er es gern, auch wenn das nur, für das geschulte Auge, seine Paranoia unterstrich.


    • Vincent machte sich gleich auf den Weg, er war froh aus dem Revier raus zu kommen. Er hatte keine Lust darauf über sein Leben zu reden, egal in welche Richtung das Gespräch gehen würde, also war es ihm nur recht sich anderswo zu treffen. An der Adresse angekommen sah er das Diner und trat ein. Er bemerkte Marcus sofort in einer Ecke sitzen, er war nicht gerade eine unauffälliger Mensch, Vincent setzte sich zu ihm. Die Kellnerin kam gleich vorbei um ihm eine Tasse hinzustellen und Kaffee einzuschenken, Milch und Zucker stand schon auf dem Tisch, aber Vincent brauchte seinen Kaffee schwarz, damit er den Tag überlebte. Er bedankte sich bei der Bedienung und sie fragte ihn nach Frühstück. Eigentlich keine schlechte Idee, also bestellte er sich eine Eierspeise und wartete dann bis sie weg war, bevor er sich Marcus zuwendete. Er wusste nicht recht was er hier sollte, außer sein Plan gefiel dem Agenten doch irgendwie, ansonsten hätten sie es wohl bei ihrem Gespräch belassen können.
      "Ich denke richtig formuliert lässt er sich provozieren. Er wird keinen Fehler machen, wenn er weiter arbeitet wie bisher.", fing Vincent an und sah kurz von seinem Kaffee hoch. Marcus Augen bohrten sich regelrecht in ihn hinein, weswegen er auch wieder in die Tasse blickte und der schwarzen Flüssigkeit zuschaute, die er ein wenig im Kreis schwenken ließ.
    • "Wenn Sie das durchziehen wollen, machen Sie's. Aber rechnen Sie mit dem Backlash. Das Revier wird nicht froh darüber sein und Andrew und ich sind definitiv nicht genug Leute, um Ihnen den Rücken freizuhalten. Ich bin nicht der Psychologe, aber ich glaube, der Puppenspieler sird seine Liste fertig machen, bevor er irgendwas anderes macht."
      Marcus ließ den Blick durch den Raum schweifen, um sicherzugehen, dass niemand mithörte.
      "Das ist nicht das erste Mal, dass der Puppenspieler aifgetaucht ist", sagte er dann, "offiziell soll ich die Klappe halten, aber ich bin ein Verfechter der Trasparenz zwischen Kollegen. Der Puppenspieler war schon in Atlanta tätig. Hat sieben Menschen in achtundzwanzig Tagen getötet und Frankensteins Monster gebastelt. Es gab eine Liste, es gab eine Zeitangabe. Am Ende waren alle auf der Liste tot und ein neuer Brief kam an. Bloß eine Adresse. Da haben wir die Puppe gefunden. Der Typ hat seinen Spaß dabei, die Cops an der Nase herumzuführen. Er wird die Liste fertig machen, dann kriegen wir die Adresse der Puppe. Aber danach... er hat fünf Jahre Pause gemacht. Wenn Sie ihn jetzt provozieren und das durchziehen, bis er fertig ist, wird er ein letztes Opfer fordern. Sie. Ich steh hinter Ihnen, wenn Sie das machen, aber seien Sie sich des Risikos bewusst. Der Typ ist uns schonmal entkommen und wird es vielleicht ein zweites Mal. Für Ihre Sicherheit kann ich nicht garantieren."


    • "Ich habe nichts zu verlieren.", war Vincents Antwort, er nahm noch einen kräftigen Schluck von seinem Kaffee. "Wenn Sie weg sind kann ich froh sein, wenn ich überhaupt noch arbeiten darf. Das Revier steht ohnehin nicht hinter mir. Abgesehen von der Zeit vor meiner Beförderung zum Detective, habe ich nichts vorzuweisen. Ich habe den Diamond-Killer nicht geschnappt, er hat mich geschnappt und sich gestellt. Ich habe auch den Puppenspieler nicht geschnappt und wenn er noch so genau arbeitet wie bisher, dann stehen die Chancen hoch dass er wieder entwischt. Statt den einen Killer zu finden, ist der Andere unter meiner Aufsicht geflohen, mit mir im Schlepptau. Ich bin nicht einmal seiner Gewalt entkommen, er hat mich gehen lassen." Er sah auf, dieses Mal hielt er den Augenkontakt zu Marcus. "Ich war vielleicht ein Held und eine Art Vorbild als ich überlebt habe was mir angetan wurde und der Diamond-Killer hinter Gittern saß, aber das Image ist spätestens jetzt zerstört. Dwayne, das selbstsüchtige und arrogante Arschloch ist auch nicht mehr Polizeichef, jeder Andere hätte mich nicht darum gebeten den Mann zu besuchen, der meinen Partner ermordet hat. Ich gebe ihm aber nicht die Schuld an dem was passiert ist, es war meine. Jetzt kann ich nur arbeiten, weil Sie über mich an Johnathan heran kommen wollen." Vincent hätte jetzt gerne eine Zigarette gehabt, er hatte die Packung wie immer einstecken, aber er ließ sie schön wo sie war. Er unterbrach kurz als die Kellnerin heran gehüpft kam um ihnen beiden noch einmal nachzuschenken, Vincent nahm gleich noch einen Schluck und blickte wieder in seine Tasse.
      "Es ist egoistisch von mir zu sagen, dass es nichts mehr gibt, wofür ich zu leben brauche. Meine Familie ist noch da, aber die Wahrheit ist, dass der größte Teil von mir da unten in dem Keller gestorben ist. Alles was ich seither angefasst habe ging den Bach runter, alles was ich getan habe, hat eine Kettenreaktion an schrecklichen Ereignissen zur Folge gehabt. Ich kann nicht schlafen, wach bin ich auch nie richtig, aber ich schätze das kennen Sie. Trotzdem...", er sah wieder auf, "Sie haben etwas, weswegen sie weiter leben müssen, dass sehe ich, obwohl Sie auf Jobs wie diesen auf ihre Arbeit fixiert sind und auf nichts anderes." Vincent schüttelte den Kopf und seufzte, er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. "Wie auch immer, das interessiert Sie nicht. Fakt ist, dass Sie mich brauchen um den Diamond-Killer zu schnappen, Fakt ist auch, dass er definitiv nicht will dass ich sterbe, zumindest nicht ohne sein zutun. Die Falle für den einen Killer ist also auch eine für Johnathan, weil er sich seine Beute nicht wegschnappen lässt. Andernfalls würden Sie mein Leben nicht riskieren, liege ich da richtig?"
    • "Sie unterschätzen mich, Detective. Ich riskiere niemandes Leben gern. Aber mir ist dieser Mistkerl schon einmal entkommen und ich habe keine bessere Idee. Wenn Sie es also drauf anlegen wollen, werde ich Sie nicht aufhalten."
      Marcus' Handy vibrierte und er warf einen Blick auf das Display. Wenn man vom Teufel sprach, dachte er und ging ran.
      "Hey, Buddy. Alles klar bei euch?"
      Er stand auf und verließ das Diner für sein Telefonat. Es dauerte nur ein paar Minuten, bevor er wieder reinkam. Er griff in seine Jackentasche und holte eine Packung Kaugummis hervor.
      "Auch einen? Helfen gegen den Drang."
      Er hatte die typischen Zeichen eines Mannes, der mit dem Rauchen aufgehört hatte, erkannt. Er hatte sie ja selbst.


    • Bevor Vincent etwas sagen konnte wurde Marcus angerufen. Seine Stimme veränderte sich merklich und Vincent wandte seinen Blick ab, das Gespräch ging ihn nichts an. Der Agent ging dann aber auch nach draußen und Vincent wartete geduldig. Er fragte sich ob er das auch konnte, eine Familie gründen, ein normales Leben führen. Er wusste nicht was Marcus Geschichte war, aber sein Gesicht kam ihm ein wenig bekannt vor, jetzt wo er ihn etwas länger angesehen hatte. Er konnte aber nicht recht sagen woher, also verwarf er den Gedanken. Seine Hand wanderte zu Johns Messer, das passierte ihm in letzter Zeit öfter wenn er nachdenklich wurde.
      Als Marcus zurück kam bot er ihm einen Kaugummi an, aber Vincent lehnte ab. Sein Essen kam ein paar Minuten später. "Ihr Sohn...?", fragte Vincent, winkte aber ab, als er an Andrews Worte dachte. Er fragte besser überhaupt nichts das ihn nichts anging, wenn er Zeit hatte, konnte er vielleicht mal ein wenig nachforschen. "Das geht mich nichts an. Zurück zu vorhin, ich bin mir des Risikos bewusst und immerhin war das meine Idee. Ich habe schon Mal einen Killer überlebt, vielleicht habe ich ja ein zweites mal Glück." Oder Pech, je nachdem wie man es sehen wollte. Wenn alle Stricke rissen hatte er es vielleicht wenigstens geschafft, doch noch einen Serienkiller aus dem Verkehr zu ziehen. "Ich werde Ihren Partner brauchen um zu überlegen was genau ich vor der Presse sage um den Puppenspieler aus der Reserve locken zu können, ohne ihn zu verscheuchen. Aber ich denke er wird eine direkte Herausforderung nicht auf sich sitzen lassen."
      Die Eierspeise war überraschend gut, aber Vincent konnte sie nicht richtig genießen. Er erinnerte sich daran wie er mit seinem Partner öfters in einem Diner nahe des Polizeireviers gegessen hatte. Sie hatten immer nur von der Arbeit geredet, aber sie hatte ihnen beiden irgendwie Spaß gemacht. Sie hatten sich über jede winzige Spur gefreut, Vincent hatte sein Essen meistens verschlungen um schnell wieder an den Schreibtisch zu können. Er vermisste seinen alten Partner und Mentor, würde er noch leben, wäre vielleicht einiges anders gelaufen.

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    • "Jap. Dreizehn Jahre alt und er ruft trotzdem jeden Morgen an, wenn ich nicht da bin."
      Marcus gestikulierte der Kellnerin, seine Kaffeetasse aufzufüllen.
      "Hätte nie gedacht, dass ich mal ein Mini-Me haben könnte", sagte er und schüttelte leicht den Kopf bevor er einen großen Schluck nahm.
      "Das Leben ist unberechenbar, chaotisch und gnadenlos in seiner Willkür."
      Er zuckte mit den Schultern. Eindeutig hatte er schon mehr gesehen, als irgendjemand sehen sollte. Er hatte gelernt, damit zu leben.
      "Halten sie die Hand drauf, sonst schreibt Andrew Ihnen ein literarisches Meisterwerk."
      Er lachte leise und ignorierte das Vibrieren in seiner Hosentasche. Es war nur Andrew, der würde sich kaum einem Kopf machen. Oder ein Sondereinsatz-Kommando schicken...
      Marcus fischte sein Smartphone aus der Tasche und schrieb Andrew eine Nachricht wo er war und mit wem.


    • Vincent bekam trotzdem eine Antwort und er fragte sich erneut ob er es da raus schaffen konnte, wo auch immer er gerade war. Selbst ein Idiot konnte Marcus ansehen, dass er in seinem Leben viel durchgemacht hatte, aber im Moment schien er zumindest glücklich. Sein Sohn hatte vermutlich ein ähnliches Schicksal erlitten wie sein Vater. Er selbst hatte dreißig Jahre glücklich und normal gelebt, also wer war er eigentlich sich zu beschweren?
      Marcus sprach Vincent fast aus dem Herzen, dies widerrum schürte allerdings wieder sein Misstrauen. Gestern war sein Gegenüber jedenfalls noch ganz anders gewesen, kühl und berechnend. Aber er wäre wohl genauso in der Situation, er nahm es ihm also nicht übel, sollte er nur freundlich spielen.
      Vincent merkte außerdem wie ihn der Gedanke, dass John geschnappt wurde immer weniger störte, sobald er aber darüber nachdachte änderte sich das wieder. Seine eigene Meinubg drehte sich im Moment wie eine Fahne im Wind und es war erschreckend wie leicht er in alle Richtungen beeinflusst werden konnte. Das Gefühl nervte ihn, aber er wusste nicht was er dagegen tun sollte.
      Inzwischen hatte er sein Frühstück aufgegessen und lehnte sich ein wenig zurück. "Was denken Sie? Wird ihr Partner dem Plan überhaupt zustimmen? Er wirkt freundlich, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl er hätte weniger Skrupel als Sie."
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