[2er RPG] Killer Instinct

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    • Der kleine Junge wurde unsanft hinter seinem Vater hergezogen, machte sich aber nichts daraus. Er versuchte einfach nur, so gut es ging Schritt zu halten und nicht über seine eigenen kleinen Füße zu stolpern. Er sagte nichts, während der Mann leise vor sich hinfluchte, versunken in seine wütenden Gedanken. Als sie beim Familien eigenen Laden ankamen, stoppte der Mann kurz und sah durch das Fenster. Dann seufzte er, ließ seinen Sohn los und ging in die Hocke, um mit ihm auf Augenhöhe reden zu können.
      "Tut mir leid, Johnny. Geht's dir gut?"
      Der Junge nickte und drückte seinem Vater eine Saftpackung in die Hand. Der Mann lächelte und öffnete sie für seinen Sohn, der stumm daran nuckelte. Der Mann betrachtete den Jungen kurz, dann wuschelte er ihm durch die Haare.
      "Du bist clever, das weißt du."
      Wieder nickte der Junge.
      "Das hier ist für dich. Es ist vielleicht ein bisschen kompliziert, aber bei dir weiß man ja nie."
      Er drückte dem Jungen ein Buch in die Hand. Es dauerte einen kleinen Augenblick bis der Knirps den langen Titel gelesen hatte. Dann rannte er in den Laden und krabbelte unter einen alten Tisch, den niemand haben wollte, ganz hinten und begann zu lesen. So lief das immer ab, wenn ihn sein Vater genervt von der Schule abholte. Er schenkte ihm ein Buch, sagte ihm wie clever er sei und dann stritten sich seine Eltern im Laden, wenn niemand da war, während er ungesehen im hinteren Teil des Ladens seine Bücher las und die Streit mitbekam.
      "Du warst schon wieder bei dieser Schlampe!", schrie eine Frauenstimme durch den Laden.
      "Und deswegen rennst du gleich zu Thomas?!", entgegnete der Mann.
      So ging das einige Zeit lang hin und her und hin und her. Wüssten sie, dass ihr Sohn all das hörte, würden sie sich nicht streiten. Sie stritten sich nie vor ihm. Sie stritten sich nie in der Wohnung über dem Laden, denn die Wände waren dünn, man konnte leicht mithören.
      Der Junge betrachtete die Bilder in dem Buch, das ihm sein Vater gegeben hatte. Normalerweise bekam er keine mit Bildern drin. Das waren keine Bilder für einen Siebenjährigen. Das war kein Buch für einen Siebenjährigen. Es waren nie Bücher für sein Alter, aber für gewöhnlich waren es keine derartigen Bücher. Der kleine Junge saugte auch die Luft aus seiner Saftpackung, während er fasziniert die Bilder aufsog wie ein Schwamm. Als er eine Tür knallen hörte, bildete sich eine Idee in seinem Kopf. Immer wenn er eine Idee hatte, setzte er sie auch um. Er hatte keine Impulskontrolle. Noch nicht. Er krabbelte aus seinem Versteck, warf die Packung weg und schlich sich mit dem Buch aus dem Laden. Er wusste, dass zwei Straßen weiter hinter dem Restaurant immer dieser fette Waschbär auf Beutezug war. Er musste nur lange genug warten....
      In der Gasse fand er einen zerbrochenen Spiegel. Das sollte reichen. Er versteckte sich mit einer der größeren Scherben in der Hand und wartete. Die Sonne ging schon unter, als der Waschbär endlich auftauchte. Das Tier hörte ihn nicht kommen, war zu sehr mit fressen beschäftigt. Der kleine Junge rammte die Scherbe in den Nacken des dicken Tieres. Es kreischte auf, zappelte herum und kratzte ihn am Arm. Dann bewegte es sich nicht mehr. Der kleine Junge betrachtete den leblosen Körper. Er bekam plötzlich Angst und rannte nach Hause. Seinen Eltern erzählte er, er habe sich an einem Zaun geschnitten. Sie schöpften keinen Verdacht. Und nachts, seine Eltern schliefen schon, da las der kleine Junge weiter in dem Buch, das überhaupt nicht für kleine Jungs gedacht war...


      John schlug die Augen auf und streckte sich. Auf einer Couch zu schlafen war unbequemer als auf einer Pritsche im Gefängnis. Neben sich sah er Vincent sitzen, die Augen geschlossen. Der Polizist schlief nicht, das konnte er ihm ansehen.
      "Na? Spaß gehabt, von dem guten Dwayne ignoriert zu werden?", säuselte John und drehte sich um, damit er den Kopf auf Vincents Schoß legen und zu ihm hinauf sehen konnte, "Wie viele Männer hat er abgestellt, den Park zu überwachen? Vier? Fünf?"
      Er kicherte leise, wurde dann aber wieder ernst.
      "Du siehst erschöpft aus, mein Hübscher. Willst du nicht doch ein bisschen schlafen? Ein Powernap. Ich wecke dich in neunzig Minuten. Ich kann auch bei dir bleiben, kein Problem. Für Lesestoff hast du ja gesorgt."


    • Vincent hörte wie John sich bewegte un wenig später spürte er ein Gewicht auf seinem Schoß. Er öffnete die Augen und sah nach unten in Johns Gesicht, der gar nicht wusste, wie recht er hatte. "Zwei.", war Vincents knappe Antwort, als er seine Mundwinkel nach unten zog und sich kurz über die Schläfen rieb. "Ich frage mich wie er Polizeichef geworden ist..." Er war der unfähigste, sturste und faulste Mann, den Vincent je erlebt hatte, aber es nütze wohl nichts, sich darüber aufzuregen. Eigentlich gehörte Dwayne hinter Gitter, seine Unfähigkeit war es, die Serienkillern wie John und dem Puppenspieler Tür und Tor öffnete und ihnen erlaubte, frei auf der Straße herum zu laufen.
      Vincent überging Johns Frage und sah ihn seinerseits ernst an. Er wollte eine Frage stellen, formulierte sie aber um, bevor er seinen Mund aufmachte. Er wollte John nicht anzweifeln, wenn er schon Hilfe brauchte. Ihn vor den Kopf zu stoßen brachte nichts. "Weißt du wo er die Leiche ablegen wird? Oder könntest du es erahnen, wenn wir uns den Park ansehen?", fragte er den Killer also, auch wenn er daran zweifelte, wirkliche Hilfe von ihm bekommen zu können. Im Gegenteil, Vincent hatte das Gefühl, dass John diesen Killer bewunderte, dass es nicht nur ein Scherz war, als er sagte er hatte ein Idol gefunden. Und warum sollte er ihn dann aufhalten?
    • "Dwayne ist kein Polizist, er ist Politiker. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er nach dem mit ziemlicher Sicherheit eintretenden Tod des Bürgermeisters selbst für das Amt kandidieren wird."
      John zuckte leicht mit den Schultern. Scheinbar stand Unfähigkeit unter den Voraussetzungen um erfolgreich in diesen Sachen zu sein.
      Bei Vincents Frage schmunzelte John.
      "Ich habe dir alles gesagt, was ich weiß, mein Hübscher. Ich weiß wann, ich weiß wer, ich weiß ungefähr wo, aber nicht wo genau."
      Er griff hinauf und legte seine Hand an Vincents Wange, als müsse er sich für seine 'Unwissenheit' entschuldigen, als wolle er mehr beisteuern, wenn er nur könnte. Sein Daumen strich über Vincents Unterlippe und er stellte sich vor, sie auf den seinen zu spüren.
      "Mit weichen Lippen schmeckst du viel besser...", flüsterte er gedankenverloren.
      Damals im Keller waren sie aufgrund der Dehydration trocken und brüchig gewesen. Manchmal auch blutig.


    • "Du meinst er würde einen Menschen sterben lassen, nur um bessere Chancen zu haben? Abgesehen davon dürfte es ihm nicht gerade helfen, wenn der Bürgermeister umkommt, während er mehr oder weniger für seine Sicherheit zuständig ist und von den Drohungen eines Serienkillers wusste, ohne etwas unternommen zu haben." Vincent konnte sich nicht vorstellen, dass Dwayne so machtgierig und dumm war, das durchzuziehen. Andererseits sträubte er sich auch dagegen, Vincent zuzuhören. Dabei war er es, der ihn gedrängt hatte sich mit Johns Hilfe um diesen Fall zu kümmern.
      Johns nächste Aussage überraschte Vincent etwas, während sich seine sanften Berührungen mehr und mehr normal anfühlten. "Du kannst über ein wo genau nicht einmal eine Vermutung anstellen?", fragte Vincent und zog eine Augenbraue nach oben, vielleicht war er zu misstrauisch, aber konnte er das bei John überhaut sein? Er griff nach seinem Handgelenk und drückte ihn ein wenig von sich, sah ihn ernst an. "Und wie kommt es, dass du nicht Feuer und Flamme bist, wenn ich vorschlage nach draußen zu gehen? Schon genug von deiner Freiheit?"
    • "Menschen sind gut darin wegzusehen, mein Hübscher. Was glaubst du, warum ich euch immer noch Leichen vorlegen kann, nach all der Zeit?"
      John lächelte sanft und ließ die Hand wieder sinken. Kurz herrschte Stille, während er in den Tiefen seines eigenen Verstandes versank. Hier war er gern. Gefängnis, sein Laden, dieses Haus, es war egal, wo sich sein Körper befand, seinen Geist konnte niemand einsperren. Das war alles, was er brauchte.
      "Würdest du denn das Risiko eingehen wollen mit mir in den Park zu gehen? Ich könnte abhauen. Uns könnte jemand sehen. Ich könnte dich töten. Ich könnte mit Pauken und Trompeten im Kugelhagel dutzender ziviler Polizisten untergehen, die versuchen, dein Leben zu retten. Natürlich weißt du, dass das nicht meine Art ist. Und töten würde ich dich auch nicht. Vielleicht würde ich auch gar nicht versuchen abzuhauen. Aber die Gesellschaft... ich bin ein bunter Hund und heute hat jeder eine Kamera und eine Internetverbindung. Du könntest Dwaynes Karriere binnen weniger Sekunden völlig zerstören, wenn du das tust. Und das alles nur für eine Antwort, die ich dir nicht geben kann. Er könnte diese Leiche überall ablegen. Er ist Künstler, also wird er es offen machen. Über eine große Fläche verteilt natürlich. Und ein Teil wird fehlen. Ich kann dir nicht sagen, welches. Ich kann dir nicht sagen, wo die Teile liegen werden. Er wird im Park sein. Irgendwo, wo Platz ist."
      Er setzte sich seufzend auf und fuhr sich durch die Haare, um sie ein wenig zu richten. Dann legte er den Kopf gegen Vincents Schulter und schloss die Augen.
      "Wenn nicht einmal mehr mein Verstand ein Ort ist, an dem ich mich wohlfühle...", murmelte er, "Was machst du nur mit mir, mein wunderschöner Vincent?"


    • Johns Antwort klang mehr oder weniger plausibel, trotzdem war Vincent weiterhin misstrauisch, ließ es aber auf sich beruhen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass John nicht ein oder zwei Plätze entdecken würde, an denen er ein Teil vermuten würde, es würde zumindest die Patrouille der beiden Polizisten erleichtern, die ein ohnehin viel zu großes Areal absichern mussten. Vincent hatte auch nichts dagegen Dwaynes Karriere zu zerstören, aber er war sich sicher, dass er das ganz alleine schaffte. Er hatte es irgendwie geschafft Vincents Überleben als seine Heldentat darzustellen und der Tod seines Partners wurde kaum erwähnt. Wie lange sie in den Zeitungen waren, weil man nach ihnen gesucht hatte, schien fast schon zu schnell in Vergessenheit geraten. Stattdessen war da der junge Polizist, der mithilfe von Simon Dwayne den Mörder des Jahrunderts geschnappt hatte... oder so ähnlich. Wo Vincent so darüber nachdachte, machte ihn diese Berichterstattung ziemlich wütend, aber er schüttelte diese Gefühle ab, er konnte sowieso nichts daran ändern. Bis auf John und ihn selbst, würde niemand jemals verstehen können, was da unten passiert war, ja Vincent verstand es selbst noch nicht einmal und auch John schien nicht alles ergründen zu können.
      Sein Kopf auf Vincents Schulter und seine gemurmelten Worte, drangen fast schon unheimlich passend zu Vincents Gedanken an sein Ohr und noch einmal schossen ihm die Worte von Lucy durch den Kopf. Er legte seinen Arm um John, drückte ihn kurz an sich und stand dann auf. "Ich mache uns etwas zu essen und dann werde ich schlafen gehen. Ich war vorhin noch einkaufen." Ein Gähnen machte deutlich, wie Müde Vincent war und er war etwas zu schnell aufgestanden. Ein leichtes Pochen in seinem Kopf, machte es ihm schwer sich noch zu motivieren, aber sie Beide hatten heute noch nichts Richtiges gegessen, er musste wohl oder übel irgendetwas machen, also machte er sich auf den Weg in die Küche.
    • Es war seltsam, wie normal sich das alles gerade anfühlte. Einfach nur zwei Männer, die zusammenlebten und sich über die Arbeit unterhielten...
      John sah Vincent hinterher, lächelte. Normal... ein merkwürdiges Wort, dass er noch nie wirklich gemocht hatte. Für gewöhnlich hatte es impliziert, dass er nicht dazugehörte. Er wusste, dass er das nicht tat. Mittlerweile wollte er es gar nicht mehr. Aber als Kind war es brutal und schmerzhaft, wenn man nicht Teil des Ganzen war.
      John streckte sich und griff nach dem Buch, das er gelesen hatte, bevor er eingenickt war. Viel mehr hatte er nicht zu tun, bis der Puppenspieler sein nächstes Meisterwerk präsentierte. Alles weitere war Polizeiarbeit und das war nicht seine Nische. Seine Aufgabe war nun eine andere. Aber allein war das schwer umzusetzen.


    • Vincent beschloss nichts großartiges zu kochen, sondern einfach etwas frisches Gemüse, Wurst und Käse, sowie ein paar Brote aufzutischen. Er ließ sich Zeit dabei, dachte noch etwas nach, während er das Gemüse klein schnitt. Er hatte wirklich das Gefühl, ein wenig zu seinem alten selbst zurück gefunden zu haben. Er fühlte sich nicht ständig so, als würde er gleich durchdrehen, er schaffte es wieder stärker aufzutreten und selbst Johns Gegenwart beunruhigte ihn nicht mehr so sehr. Es war noch gar nicht so viel Zeit vergangen seit John frei war, aber es war so viel passiert. War es vielleicht eher so, dass Vincent letztendlich doch verrückt geworden war? Fühlte er sich deshalb besser? Eines hatte sich jedenfalls nicht geändert, seine Gedanken kreisten immer wieder um dasselbe Thema, John.
      "Scheiße..", fluchte er unterdrückt, als er sich mit dem Messer selbst in den Finger schnitt. Statt etwas zu tun, sah er allerdings für einige Momente zu, wie das Blut aus seinem Finger quoll und dachte dabei über die letzte Nacht nach. Er musste verrückt sein.
      Vincent schüttelte den Kopf und legte das Messer weg, um seinen Finger dann kurz unters kalte Wasser zu halten. Der Schnitt war nicht tief und er hörte schnell auf zu bluten. Vincent verbannte erneut seine Gedanken und machte das Essen fertig. Anschließend brachte er alles ins Wohnzimmer und stellte es auf den Tisch. John las wieder sein Buch.
    • Johns Gedanken wanderten überall hin, er konnte sich nicht für fünf Minuten auf sein Buch konzentrieren. Er versuchte es weiterhin, aber die Worte weigerten sich, von seinen Augen erfasst zu werden. Vielleicht weigerte sich auf einfach sein Verstand.
      Genervt klappte er das Buch zu und warf es auf den Tisch. Es war frustrierend, wenn er nicht einmal lesen konnte! John seufzte schwer, fasste sich wieder und stand auf.
      "Uh... Küchenunfall oder Absicht?", fragte er scherzhaft und doch ernsthaft interessiert, als er den kleinen roten Schnitt an Vincents Finger sah.
      Ihn überkam den Drang, die Reste des Blutes abzulecken. Er unterdrückte das, lehnte sich aber direkt neben Vincent gegen den Tisch.
      "Wenn du mich lässt, kann ich dir damit helfen...", schnurrte er und griff doch nach dem Finger, schob ihn sich in den Mund und ließ seine Zunge über den Schnitt tanzen.
      Was er mit seiner Aussage meinte - Vincent weitere Schnitte zuzufügen oder den vorhandenen Schnitt zu verarzten - ließ er leer im Raum stehen.


    • "Ich bin müde... war unkonzentriert...", war Vincents ehrliche Antwort, als John nach seinem Finger griff. Er sah ihn an und merkte wie sein eigenes Herz einen Zahn zulegte. Es waren so viele Faktoren, die die Sache zwischen ihnen so aufregend, so erregend machte. Dennoch zog er seine Hand langsam zurück. "Lass uns essen." Vincent setzte sich und wartete bis auch John sich hinsetzen würde, während seine Gedanken darum kreisten, ob er ihm nachher ein Messer geben sollte. Gab es überhaupt noch einen Grund die Küche versperrt zu lassen? John würde ihn nicht umbringen und er würde auch nicht versuchen zu fliehen, das dachte Vincent zumindest. Abgesehen davon, wäre ein Messer nicht das Ausschlaggebende für John, wollte er wirklich verschwinden. Ein unbehagliches Gefühl machte sich in Vincent breit, als er darüber nachdachte und er identifizierte es als Angst. Angst, dass John wirklich verschwinden würde und ihn hier alleine zurück ließ.
    • John kicherte leise und ließ sich auf einen der Stühle sinken. Er beobachtete den inneren Kampf Vincents einen kleinen Augenblick und glaubte, Angst in seinem Blick zu erkennen.Er griff quer über den Tisch und ergriff die Hand des Polizisten.
      "Einen Penny für deine Gedanken", sagte er.
      Vincent war nicht einfach nur müde. Da war mehr. Mit etwas Zeit könnte John von allein herausfinden, was nicht stimmte, aber das wollte er nicht. Es war besser, wenn Vince es ihm freiwillig erzählte. Außerdem war es einfacher.
      "Du kannst mir alles erzählen, du weißt, dass ich stillschweigen bewahren kann."


    • "Manches bleibt besser unausgesprochen.", murmelte Vincent, zog seine Hand aber nicht wie sonst zurück. Er sah John an, aber er musste das Ego dieses Mannes nicht noch höher heben, als es ohnehin schon war. Und wer wusste schon, was er mit dieser Information anfangen würde. So normal es sich vorhin kurz zwischen ihnen angefühlt hatte, es war eben alles andere als normal, nichts daran war normal. Innerlich seufzte der junge Ermittler, ließ dies aber nicht nach außen. John ließ alles immer so klingen als wäre es einfach und als brauchte Vincent nicht darüber nachzudenken, aber diese Sichtweise war naiv. Er war Polizist, John war ein Killer und es steckte noch viel mehr dahinter. Er fragte sich, warum er eigentlich immer wieder in Gedanken mit sich selbst diskutieren musste, wieso er all das hier überhaupt mitmachte, als ihm Lucys Worte wieder in den Sinn kamen. Er fühlte sich besser, aber das machte alles nur noch schwieriger.
    • "In Ordnung."
      John zog seine Hand zurück und aß schweigend. Er ließ den Polizisten ausnahmsweise in Ruhe. Je normaler er ihre Beziehung wirken ließ, desto wohler würde sich Vincent fühlen, desto leichter war es, ihn zu etwas zu bewegen, was er nicht tun wollte. Einfachstes Entführer ABC, auch wenn das hier technisch gesehen keine Entführung war.
      "Weißt du... ich will dir wirklich helfen", sagte er schließlich, als er den Tisch aufräumte, so gut er konnte, ohne Zugang zur Küche zu haben, "Wenn du mich also in diesem Park haben willst, dann werde ich mitkommen. Immerhin hast du ja das Sagen, wenn es um mich geht. Ich werde mich auch benehmen und so unauffällig sein, wie du es willst."


    • Sie brachten das Essen schweigend hinter sich, nur das Kratzen des Bestecks auf den Tellern war zu hören und es machte Vincent ein wenig nervös. Erst als John half den Tisch abzuräumen, sagte er wieder etwas. "Du tust das hier doch nicht wegen mir.", weiter sprach er nicht. Es lag ihm auf der Zunge, dass er nicht glaubte, dass John ihm alles sagte was er wusste, oder einfach nur vermutete. Aber Vincent wusste, dass er womöglich ein wenig paranoid war und er wollte John nicht verärgern, indem er ihm so etwas vorwarf. Man konnte es Vincent zwar nicht vorwerfen, bei diesem Mann misstrauisch zu sein, aber er musste es ihm auch nicht unter die Nase reiben.
      "Ich werde das irgendwie regeln, wir fahren morgen in den Park und du sagst mir was du denkst. Ich bin sicher, dass du zumindest einen Tipp abgeben kannst und das ist mehr, als den ganzen Park im Auge behalten zu müssen."
    • "Stimmt", gab John ehrlich zurück, "Ich mache das hier nicht wegen dir. Ich mach das wegen mir. Ich bin die größte Gefahr, die diese Stadt je gesehen hat. Ich bin ein Medienphänomen und ich bin der gefürchtetste Serienkiller dieses Landes seit H. H. Holmes. Mein Ego allein verlangt schon danach, dass es auch so bleibt. Du gibst mir die Möglichkeit dazu, also spiele ich mit. Du bist nur ein Bonus."
      Er trat Vincent in den Weg, ergriff dessen Hände und lehnte sich sanft an ihn.
      "Der beste Bonus, den man sich wünschen kann. Du wirst es mir wahrscheinlich nicht glauben, weil du mein psychologisches Profil auswendig kennst, aber... ich bin dir sehr dankbar für das hier. Das Gefängnis... ich wusste, worauf ich mich einlasse, als ich damals den Krankenwagen gerufen habe. Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so schlimm werden würde. Die Unterforderung hat mich wahnsinnig gemacht. Weißt du, wie viele Wege ich mir überlegt hatte, auszubrechen? Die Wachen zu töten? Mich töten zu lassen? Ich wollte dieser Qual einfach ein Ende setzen. Und dann kamst du, wie jeden Monat mein Lichtblick, und willst meine Hilfe in diesem Fall."
      Er hob den Blick zu Vincent und lächelte sanft.
      "Ich habe dich gefoltert und dir dann das Leben gerettet. Du hast das gleiche mit mir getan. Ich danke dir dafür."
      Er küsste Vincent. Sanft, beinahe liebevoll.


    • Manchmal kam Vincent sich vor, als konnte er keinen Schritt gehen, ohne nicht von John aufgehalten zu werden, ohne dass John ihn berührte und Dinge wie diese sagte. Er fragte sich, ob das zu einem von Johns Plänen gehörte, sein Vertrauen zu gewinnen und dann hier abzuhauen, oder sonst etwas anzustellen. Zu Vincents Ärger ging Johns Plan - wenn es denn einer war - auf, denn je länger der Killer auf ihn einredete, desto eher glaubte Vincent was er sagte. Er glaubte ihm schon allein deshalb, weil er in sich das Gefühl trug, John wäre sein Retter, auch wenn sein Verstand ihm sagte, dass er gar nicht erst in eine lebensgefährliche Situation gekommen wäre, wäre John nicht gewesen. Er glaubte ihm, dass er für ihn mehr war, als irgendein Kerl und er glaubte auch immer mehr, dass es in Ordnung war, was sie hier taten und was er fühlte.
      Vincent erwiderte den Kuss, konnte ein Mensch einen solchen Kuss nur vorspielen? Und selbst wenn, sollte Vincent es nicht einfach genießen, solange er konnte? Langsam löste er sich wieder von John und sah ihn seine makellosen, blauen Augen.
      "Ich habe dich nicht gefoltert und auch nicht gerettet, da sprichst du mir zu viel zu. Ich habe dich weder hinter Gitter gebracht, noch habe ich dich verurteilt und ich habe auch nicht veranlasst, dass du wieder heraus kommst." Ein toller Polizist war Vincent, so gesehen, hatte er nichts geschafft. John hatte sich selbst ins Gefängnis gebracht und Simon Dwayne hatte ihn wieder heraus gelassen, nur um jetzt nicht auf ihn zu hören. Vincent war nur eine Schachfigur in diesem Spiel und er hatte die Illusion von Kontrolle schon lange aufgegeben.
    • John lachte leise.
      "Oh, und wie du mich gefoltert hast....", sagte er leise und ließ von dem Polizisten ab.
      Er schlenderte ins Wohnzimmer, ließ sich auf der Couch nieder. Gedanken verloren strich er über die Stelle, wo Vincent ihn so brutal genommen hatte. Das war seine Rettung gewesen...
      Er lächelte und nahm sich das angefangene Buch vom Couchtisch. Wirklich nach lesen war ihm eigentlich nicht zumute, aber er schlug es trotzdem auf. Dank seinem Nickerchen war er noch nicht müde, zumal es auch noch nicht sonderlich spät war.
      Während er las genoss er das leichte Brennen in seinem Brustkorb, das Muster gedanklich vor Augen.


    • Vincent hatte es aufgegeben zu versuchen, diesen Mann zu verstehen. Er sah ihm nach, seufzte kurz und brachte dann das dreckige Geschirr in die Küche um es gleich abzuwaschen. Er war eigentlich nie ein ordentlicher Mensch gewesen, aber er brauchte die Ablenkung, er brauchte etwas zu tun. Als er nach dem Krankenhaus nach Hause gekommen war, hatte er seine ganze Wohnung geputzt. Erst hatte er unzähligen Kram ausgemustert und weggeworfen oder verschenkt, er hatte alle seine Möbel umgestellt, jedes Fenster und jede Fliese geputzt. Am Ende hatte er auf seinem Sofa gesessen und sich alles angesehen. Alles war sauber gewesen, so sauber wie noch nie. Seine Rippen, die immer noch nicht ganz in Ordnung waren taten höllisch weh, ebenso wie seine Knie und seine Arme, doch was ihn viel mehr gestört hatte, war dass er nichts mehr zu tun hatte. Und nichts zu tun zu haben hieß, an John zu denken.
      Allgemein kam Vincent keine Gelegenheit in den letzten paar Monaten in den Sinn, in der seine Gedanken ihn nicht über mehr oder weniger Ecken zu John geführt hatten. Als er dann eingewilligt hatte ihn im Gefängnis zu besuchen um Informationen für die Polizei zu erhalten, konnte er wenigstens so tun, als denke er wegen seiner Arbeit an den Killer.
      Das Geschirr war sauber und Vincent betrachtete das Messer, das er zuvor an John ausprobiert hatte, es kam ihm fast schon zu sauber vor. Vorsichtig strich er mit dem Finger über die scharfe Spitze, nahm es aber schließlich aus der Abtropftasse, um es aus seinem Blickfeld verschwinden zu lassen. Fast schon wütend warf er es in die Bestecklade und knallte diese vielleicht etwas zu energisch zu. Es gab einen kurzen Knall und das Besteck schepperte. Der junge Ermittler stapfte kurz darauf aus der Küche - ohne abzuschließen - und in Richtung Bad, um sich die Zähne zu putzen.
    • John hörte den kleinen Wutausbruch seines temporären Mitbewohners, aber er beschloss, nichts zu unternehmen. Vincent hatte eine Krise. Er würde sie überwinden, vielleicht ohne Hilfe, vielleicht mit Hilfe. Vielleicht holte er sich diese Hilfe bei einem Psychologen. Vielleicht kam er zu ihm. John würde warten. Er war gut darin, zu warten. Das war eine Fähigkeit, die er sich antrainiert hatte, als er mit seiner Kunst angefangen hatte. Jedes Raubtier musste lernen, auf den richtigen Augenblick zu warten.
      Jonathan las das Buch endlich zu Ende und räumte es dann zurück in den Schrank. Er fand zurück zu seiner Mitte, beinahe als hätte er meditiert. Er konzentrierte sich einfach auf den Inhalt der Bücher.
      Er ging das Bücherregal durch und griff sich drei neue Bücher. Nach lesen war ihm zwar nicht, aber viel mehr hatte er momentan nicht zu tun. Es war ein angenehmer Zeitfüller solange er auf Vincent warten musste. Oder auf den Moment, in dem er müde genug wurde, um zu schlafen.


      Er beobachtete Vincent, wann immer ihm danach war. Nicht nur unten im Keller. Er hatte viel Geld und Zeit in ein ordentliches Überwachungssystem investiert, sowohl für außen, als auch für innen. Zu jeder Zeit waren nicht weniger als acht Kameras auf den Polizisten gerichtet. Am besten war natürlich immer noch die Live-Version.
      Vincent schlief friedlich auf dem kalten Metalltisch dort unten in der Dunkelheit. Die Tabletten hatten ihn schnell einschlafen lassen, die körperliche Erschöpfung hätte wahrscheinlich nicht viel länger gebraucht. John trat an den Tisch und strich dem Polizisten sanft über die Wange. In seiner Brust schwoll etwas an, als er den anderen Mann betrachtete. Er wusste nicht, was es war. Er mochte diesen Mann. Noch immer hinterfragte er seine Taten an diesem Abend. Warum hatte er das getan? Er hatte das noch nie gemacht. Nicht mit seinen Kunstwerken zumindest. Er wollte ihn hübsch machen. Das beste Kunstwerk, das er je geschaffen hatte. Aber irgendwie... das war nicht, worauf dieses Gefühl abzielte. Irgendwas stimmte nicht, die Teile passten nicht zusammen.
      "Was mache ich nur mit dir?", murmelte John und strich dem Polizisten eine Strähne aus dem Gesicht.
      Er müsste ihn mal rasieren, der Bart wurde zu lang.


    • Vincent legte sich ins Bett und wusste, dass er trotz der Müdigkeit nicht sofort einschlafen konnte. Er musste daran denken, dass er gerade nichts unter Kontrolle hatte, John, dieser Fall, was er tat, nichts. Er dachte daran wie er das Messer genommen hatte, John ihm das Gefühl von Kontrolle geben wollte, Vincent aber in Wirklichkeit wieder nur tat, was der Killer wollte.
      Während seine Gedanken weiter um seine missliche Lage kreisten, glitt Vincent langsam in den Schlaf und somit in einen Traum, der weiter zu führen schien, worüber er eben noch nachgedacht hatte.

      Vincent wachte schweißgebadet auf, nichts neues für ihn, aber der Traum, der ihm schon wieder langsam entschwand, war anders gewesen. Wie üblich konnte er die Bilder nicht festhalten, aber das Gefühl blieb. Es war ein Gefühl von Hilflosigkeit und Sehnsucht, er erinnerte sich, wie er in seinem Traum verzweifelt versucht hatte, etwas festzuhalten, aber alles unter seinen Füßen einfach verschwand. Ein Gefühl von Verlust blieb aber nicht zurück.
      Als Vincent sich langsam aufsetzte, merkte er erst wie schnell sein Herz schlug und dass er außer Atem war. Er fühlte einen Druck in seiner Brust und er stand auf um sich im Bad ein wenig Wasser ins Gesicht zu spritzen. Doch als er den Flur entlang ging, ignorierte er das Badezimmer und schlenderte weiter, nicht schlaftrunken oder verwirrt, er hatte ein klares Ziel. Im Wohnzimmer brannte noch Licht, Vincent wusste nicht ob John noch wach war, oder beim Lesen eingeschlafen war. Es war dem Ermittler aber egal und er stapfte auf die Couch zu und ließ sich davor auf die Knie fallen. Eine Hand griff nach Johns Shirt, suchte halt, während er seinen Kopf auf den Schoß des Killers drückte. Er wollte seine Nähe fühlen, er wollte nicht alleine sein und es war ihm egal ob das richtig oder falsch war. Vincent murmelte leise Johns Namen und klammerte sich an ihn.
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