[2er RPG] Burning Desire

    • Carson hatte keineröei Interesse daran, zu schlafen. Ja, er war erledigt und erschöpft, aber er konnte sich einfach nicht dazu durchringen, die Augen zu schließen und sich etwas Ruhe zu gönnen.

      Er bekam nicht mit, wie unten ein weiterer besorgter Gast eintraf. Austin ließ den ältlichen Mann hinein, der gleich Rocardo begrüßte und sich einen Espresso bei ihm bestellte.
      "Ah! Juliana, meine Liebe!", grüßte Charles die Blondine, "du bist genau die Person, die ich suche!"
      Er setzte sich ihr gegenpber und schnappte sich ein kleines Häppchen.
      "Chase hat mir verraten, dass mein Neffe krank ist. Da dachte ich mir, ich schaue mal vorbei und sehe nach dem Rechten. Jetzt sag doch mal, Liebes: wie geht's ihm?"


    • Julia hatte gerade eine Tomatenscheibe mit ihrer Gabel aufgespießt und war im Begriff sich diese in den Mund zu schieben, als die Türe sich öffnete und Austin einen neuen Gast herein brachte. Kurz ärgerte Julia sich über die Störung, da ihr heute anscheinend niemand eine Mahlzeit gönnte, doch ihr Unmut war sofort vergessen, als sie den grauhaarigen Mann wiedererkannte, den sie vor ein paar Wochen in seiner Villa kennen gelernt hatte. Eilig stand sie auf, um ihn zu begrüßen.
      Sein unbeschwertes Lächeln sorgte dafür, dass ihre Nerven sich wieder ein wenig beruhigten und deshalb schaffte sie es sogar, dieses zu erwidern. "Chase hat mir verraten, dass mein Neffe krank ist. Da dachte ich mir, ich schaue mal vorbei und sehe nach dem Rechten. Jetzt sag doch mal, Liebes: wie geht's ihm?" Die Blondine sank ein wenig auf ihrem Stuhl zusammen. Sie mochte Carsons Onkel und wollte ihm gegenüber nicht unhöflich sein, doch gleichzeitig wusste sie nicht, wie viel sie dem Mann anvertrauen durfte, ohne dass Carson sauer auf sie wäre.
      "Es geht ihm schon etwas besser, er muss sich nur ausruhen und schonen.", sagte sie vorsichtig. "Heute morgen war ein Arzt da, der sagte, dass es nur ein Magen-Darm-Infekt ist. Es ist sehr lieb, dass du ihn besuchst, aber bitte pass auf, dass du dich nicht ansteckst." Erst nachdem sie den letzten Satz ausgesprochen hatte, wurde Julia bewusst wie ironisch diese Aussage war. Doch ihr selbst war es egal, ob sie krank wurde. Sie würde bei Carson sein, so lange wie er sie brauchte - wenn sie könnte, würde sie ihm sogar seine Krankheit mit Freuden abnehmen.
    • "Ach mach dir darum mal keine Gedanken. Ich wollte sowieso nur kurz bleiben und gleich weiter. Die Arbeit ruft, auch wenn man schon so ein alter Sack ist wie ich."
      Er lachte leise und schob sich das Schnittchen mit zwei Bissen in den Mund. Den Espresso leerte er auch in nur zwei Zügen. Dann stand er auf und ging zur Tür.
      "Dass du ihn mir gut im Auge behälst, ja? Dieser Sturkopf weiß nicht, was gut für ihn ist."
      Er verabschiedete sich und ließ sich von Austin wieder hinaus führen. Ricardo räumte unterdessen die Tasse wieder weg. Der Alte kam nie für lange, wenn es nicht um irgendein Geschäft ging, dass er Carson schmackhaft machen wollte.


    • Julia sah dem Mann hinterher, als er das Apartment genauso schnell wieder verließ, wie er es betreten hatte. Austin tat ihr ein wenig leid, weil er heute von all den Leuten, die hier ein uns ausgingen, auf Trab gehalten wurde. Aber er sah zumindest nicht griesgrämiger aus als gewöhnlich, was hoffentlich hieß, dass es ihm nicht zu viel ausmachte.
      Mit einem leichten Seufzen ließ Julia ihre Gabel auf dem Teller liegen und stand auf. Zum zweiten Mal an diesem Tag hatte sie auf einmal keinen Hunger mehr. Der kurze Besuch von Charles hatte sie verwirrt. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er Carson sehen wollte, aber stattdessen war er wieder gegangen, nachdem er lediglich ein paar Sätze mit ihr gewechselt hatte. Irgendwie fühlte sich das seltsam an und auf einmal hatte Julia Angst, dass sie etwas falsches getan oder gesagt hatte.

      Deshalb machte sie sich doch wieder auf das Weg ins Schlafzimmer und streckte vorsichtig den Kopf durch die Tür. Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie bemerkte, dass Carson nicht schlief und sie ihn anscheinend auch nicht geweckt hatte. "Dein Onkel war gerade hier, um zu fragen, wie es dir geht. Aber er ist schon wieder gegangen...", sagte sie, während sie das Zimmer betrat.
    • "Was? Mein Onkel war hier?"
      Carson schossen hundert Sachen durch den Kopf. Warum war er nicht hoch gekommen? Er kam doch immer zum Quatschen zu ihm, wenn er vorbei kam, egal wie lange. Also war er nicht von sich aus gekommen... Seine Mutter!
      Carson schwang die Decke beiseite und stand auf. Sein Ziel war das Badezimmer, um sich zumindest ein bisschen aufzufrischen. Er musste zu seiner Mutter und ihr versichern, dass es ihm gut ging. Sie machte sich immer gleich so viele Sorgen um ihn! Warum hatte Chase nicht seine Klappe halten können?! In einer Woche wäre alles wieder in Ordnung gesesen und niemand hätte etwas mitbekommen.
      Im Badezimmer sprizte sich Carson eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht, um auf Trab zu kommen, dann zog er sich sein verschwitztes Shirt über den Kopf. Die ruckartige Bewegung nach oben löste eine erneute Schwindelattacke aus und der Geschäftsmann musste sich kurz am Waschbecken festhalten. Aber das hielt ihn nicht davon ab, sich ganz auszuzieheb und unter die Dusche zu steigen. Aber nur kurz, nur zu auffrischen. Danach ging er zu seinem begehbaren Kleiderschrank und fischte eine Jeans und ein T-Shirt, dazu ein Hemd heraus.


    • Julia zog leicht die Schultern nach oben, als ihre Worte dafür sorgten, dass sich ein besorgter Ausdruck auf Carsons Gesicht legte. Nun wusste sie mit Sicherheit, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Trotzdem traf es sie unerwartet, als ihr Freund auf einmal aufstand und eilig ins Bad verschwand. Doch ausnahmsweise war es diesmal nicht, um sich zu übergeben. Stattdessen hörte die völlig überforderte Frau im nächsten Moment die Dusche rauschen.
      "Carson, was machst du?", fragte sie besorgt, während sie die Tür zum Badezimmer öffnete. Doch ihre Worte schienen ihren Freund überhaupt nicht zu erreichen. Und so musste sie hilflos mit ansehen, wie der blasse Mann zu seinem Kleiderschrank ging - oder besser wanke - und begann darin herum zu kramen. "Carson...", setzte sie noch einmal an, wurde aber erneut nicht beachtet.

      Julia verstand nicht, was gerade geschah, doch das Verhalten ihres Geliebten machte ihr Angst. Und so tat sie letztendlich das erste, was ihr einfiel; Sie schlang von hinten ihre Arme um Carsons Taille und drückte sich an ihn. "Es tut mir leid, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Das wollte ich nicht.", sagte sie und schloss ihre Arme noch etwas fester um ihn, als könnte sie ihn so davon abhalten sich weiter anzuziehen. "Bitte geh nicht weg. Es tut mir leid. Sag mir, wie ich es wieder in Ordnung bringen kann."
    • Carson war völlig in seine Gedanken um seine Mutter versunken. Erst, als sich zwei Arme um ihn legten, stoppte er in seinem Tun und fand zurück in die Realität.
      "Flasch gemacht?", murmelte er und brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was Julia damit meinte.
      Dann drehte er sich in ihrer Umarmung um und hob sanft ihr Kinn an, damit sie ihm in die Augen sah.
      "Du hast nichts falsch gemacht, Liebling. Im Gegenteil. Na los, zieh dir was an. Wir müssen zu meinem Onkel fahren und verhindern, dass meine Mutter einen Herzinfarkt bekommt."
      Er küsste sie sanft auf die Stirn, dann wandte er sich aus Julias Umarmung und zog sich weiter an. Die Welt drehte sich dabei nicht einmal! Viellleicht drehte er sich aver einfach nur mit, wer konnte das schon so genau sagen?


    • Julia lehnte ihren Kopf gegen Carsons Brust und versuchte sich zu beruhigen. Sie verstand nicht genau, was er vorhatte, aber ihre innere Stimme rief ihr warnend zu, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. "Du kannst nirgendwo hin fahren.", sagte sie und festigte den Halt ihrer Arme erneut etwas mehr, auch wenn sie wusste, dass sie Carson kräftemäßig unterlegen war, sollte er es wirklich darauf anlegen. "Warum rufst du deinen Onkel nicht einfach an, wenn du mit ihm reden musst. Oder besser noch, rufen wir Austin an. Er hat Charles hierher gebracht, dann soll er ihn eben wieder zurück bringen.", schlug sie vor.
      "Carson, du hast Fieber, du musst zurück ins Bett. Deine Mutter bekommt höchstens einen Herzinfarkt, wenn sie hört wie unvernümpftig du dich gerade benimmst.
    • Carson schüttelte den Kopf.
      "Austin hat meinen Onkel nur rein gelassen, der hat seinen eigenen Fahrer. Und er ist es nicht, den ich beruhigen muss. Wir fahren nur kurz hin, versprochen. Nur ganz kurz."
      Carson würde dich nicht davon abbringen lassen. Er schlüpfte bereots in seine Schuhe und kaum war das erledigt, ging er auch schon die Treppe in den Wohnbereich hinunter. Ricardo und Austin waren überrascht ihn zu sehen. Während Austin sich nichts anmerken ließ und stattdessen der Anweisung folgte, den Wagen zu holen, fragre Ricardo, ob sein Chef etwas essen wolle. Allein beim Gedanken an Essen spürte Carson das unangenehme Grummeln in seinem Magen, also verneinte er. Ricardo solle bloß Abendessen für Julia vorbereiten und dann Feierabend machen.


    • Julia protestierte, als Carson sie von sich schob, aber genau wie sie erwartet hatte, war sie nicht stark genug, um ihn aufzuhalten. "Carson warte...", rief sie ihm hinterher, während sie ihm bereits folgte. "Warum rufst du deinen Onkel nicht einfach an?", fragte sie noch einmal, während sie mit beiden Händen nach seinem Unterarm griff. Es war ein kläglicher Versuch ihn aufzuhalten und Julia wusste das. Aber ihr gingen langsam die Optionen aus, vor allem da Carsons Angestellte den Anweisungen ihres Chefs blind zu folgen schienen und ihr damit unbewusst in den Rücken fielen. "Du fährst nirgendwo hin.", beharrte sie, aber es klang inzwischen eher flehend als bestimmend. "Hast du mal in den Spiegel geguckt? Jeder der dich so sieht macht sich Sorgen, du wirst überhaupt niemanden beruhigen, wenn du so draußen rum läufst." Sie sah bittend zu dem Geschäftsmann hinauf. "Bitte Carson, es muss einen anderen Weg geben. Du bist krank und gehörst ins Bett, auch wenn dir das nicht gefällt."
    • Carson seufzte. Aber er würde sich nicht aufhalten lassen. Zu sehr wollte er seiner Mutter zeigen, dass es ihm gut ging - zumindest besser als sie es sich wohl gerade vorstellte - und sie beruhigen.
      Er wandte sich zu Julia um. Sein ernster Gesichtsausdruck wich einem sanften, liebevollen. Er zog sie an sich und legte ihr eine kalte Hand an die Wange, lächelte beruhigend, schüttelte aber leicht den Kopf.
      "Nur kurz", war alles was er sagte.
      Ricardo reichte ihm seinen Mantel. Der Blick des Kochs war entschuldigend, aber er hatte in dieser Sache überhaupt nichts zu sagen, also konnte er auch nicht helfen.
      Carson griff sich Julias Jacke aus dem Wandschrank und hielt sie ihr hin.
      "Passt du unterwegs auf mich auf?", fragte er.


    • Eigentlich war Julia ein sehr ruhiger Mensch, aber in diesem Moment hätte sie gerne frustriert aufgeschrien. Wie konnte ein so erfolgreicher Geschäftsmann nur so ein sturer Kindskopf sein. Es war als hätte seine Krankheit jegliches logisches Denken bei ihm ausgeschaltet. Leider wusste Julia nicht, was sie dagegen tun konnte, denn es sah nicht so aus, als wäre Carson bereit auf sie zu hören. "Wenn ich nicht mitkomme, gehst du dann ohne mich?" Ein Blick in die Augen ihres Partners reichte aus, um Julia die Antwort auf ihre Frage zu geben. Carson war fest entschlossen.
      Einen Moment lang stand sie still im Flur, während sie innerlich mit sich rang. Sie wollte Carsons unvernünftiges Verhalten nicht unterstützen, doch gleichzeitig wollte sie ihn nicht alleine draußen herum laufen lassen. Sie schloss die Augen, da sie fühlte, dass sie Kopfschmerzen bekam. Doch dann erkannte sie, dass sie im Grunde keine Wahl hatte. "Warte kurz hier.", sagte sie zu Carson. "Schön, was für Anstrengungen du unternimmst, damit deine Familie sich keine Sorgen macht, während ich hier vor Sorge sterbe.", murmelte sie, während sie sich abwandte und zurück ins Schlafzimmer ging, um die Medikamente, die noch immer auf dem Nachttisch lagen, in ihre Handtasche zu packen.
      Als sie wieder zurück kam, hielt Ricardo ihr bereits eine Wasserflasche entgegen und Julia bewunderte einmal mehr seine Aufmerksamkeit. Sie schenkte ihm ein schmales Lächeln, zu mehr war sie leider gerade nicht mehr in der Lage.

      "Also gut, gehen wir du Dickkopf.", sagte sie mit einem kleinen Seufzen und nahm Carson ihre Jacke ab. "Dir ist hoffentlich klar, dass deine Familie mich dafür hassen wird, dass ich dich draußen herum laufen lasse." Sie schaffte es nicht mehr wütend zu klingen. Und im Grunde war sie auch nicht sauer auf Carson, sie war enttäuscht von sich selbst. Alle hatten ihr gesagt, dass sie auf Carson aufpassen sollte, damit er sich schonte und im Bett blieb. Aber es hatte nicht einmal einen Tag gedauert, bevor sie versagt hatte.
    • Carson war nicht froh über den Ausruck, der in Julianas Augen lag, aber er brachte es einfach nicht über's Herz, jetzt nicht zu seiner Mutter zu fahren. Wahrscheinlich war diese Reaktion auch mehr, um ihn selbst zu beruhigen und nicht sie. Sie machte sich garantiert Sorgen, aber wohl nicht so viel, wie sich Carson darum sorgte, dass sie sich sorgte. Und ein Teil von ihm wusste das auch, aber sein Hirn war Matsch, er konnte nicht einen Gedanken geradeaus denken. Alao machte er sich so große Sorgen um die Frau, die ihn großgezogen hatte und er fand keinen anderen Weg, dagegen vorzugehen, als zu ihr zu fahren. Vielleicht war das aber auch einfach nur der kleine Junge in ihm, der sich nach den Armen seiner Mutter sehnte, weil er krank war.

      Nur kurze Zeit später saßen er und Julia im Wagen und Austin fuhr sie zu dem großen Anwesen von Mr. Davis Sr. Carson hielt Julias Hand und starrte gedankenverloren aus dem Fenster, während er auf der Haut zwischen Zeigefinger und Daumen seiner anderen Hand herumkaute. Sein Bein wippte nervös auf und ab und mit jeder Minute, die verstrich, schien das Zappeln schneller, hektischer zu werden. Vergessen war die Magen-Darm-Grippe, vergessen waren die Kopfschmerzen und der Schüttelfrost.

      Beim Anwesen angekommen, ging Carson ohne zu zögern zur Tür und ließ sich selbst hinein.
      "Carson! Solltest du nicht im Bett liegen?", grüßte ihn sein Onkel verwirrt, der gerade mit einer Tasse Tee aus der Küche kam.
      "Wo ist Mom?", fragte er gehetzt.
      Charles verstand und seufzte.
      "Im kleinen Salon, so wie immer. Ich wollte ihr gerade einen Tee bringen."
      Überflüssigerweise hielt der alte die filigrane Teetasse in die Höhe. Carson interessierte das nicht. Er hielt sofort auf die Tür zu seiner Linken zu und stürmte hinein.
      Seine Mutter saß, den sorgenvollen Blick auf das Kaminfeuer gerichtet, dort in ihrem Rollstuhl, neben der Couch. Sie hob den Blick, als Carson hereinplatzte.
      "Mom!"
      Carson eilte mit langen Schritten durch den kleinen Raum und sank neben ihr auf die Knie. Seine Hände umklammerten die seiner Nutter, die lächelte und ihm durch die verhassten dunklen Haare streichelte.
      "Warum bist du hergekommen?", fragte sie, klang aber alles andere als tadelnd.
      Sie freute sich, dass es ihrem Sohn offensichtlich nicht so schlecht ging, soe sie gedacht hatte. Sie erwartete immer gleich das Schlimmste, niemand wusste warum.


    • Julia schaffte es nicht Carson anzusehen, während sie gemeinsam im Auto saßen, da sich jedes Mal ihr Herz so stark zusammen zog, als wollte es zerspringen. Die junge Frau fühlte sich hilflos und obwohl Carson ihre Hand festhielt, hatte sie im Moment das Gefühl kilometerweit von ihm entfernt zu sein.
      Und diese Entfernung wurde nur noch größer, als sie die Villa betraten und Carson sich von ihr löste, um nach seiner Mutter zu suchen. Julia konnte sein Verhalten nicht ganz nachvollziehen, doch sie ließ ihn gehen. Nachdem sie so lange auf ihn eingeredet hatte, fand sie nun keine Kraft mehr dazu.

      "Es tut mir wirklich leid.", sagte sie zu Charles, der immer noch ein wenig verwundert auf dem Flur stand und die filigrane Teetasse in der Hand hielt. Der Mann warf ihr einen fragenden Blick zu, doch Julia hatte ihre Aufmerksamkeit schon wieder auf das Wohnzimmer gerichtet. Es schmerzte ihren kranken Freund auf dem Boden sitzen zu sehen, während er sich mehr um seine Mutter sorgte als um sich selbst. Kurz fragte sie sich, ob sie an seiner Stelle das selbe getan hätte. Die Antwort war einfach: Nein, das hätte sie nicht. Obwohl das andere Gründe hatte.
      Einen Moment lang betrachtete Julia die zerbrechlich wirkende Frau, die liebevoll zu ihrem Sohn hinab blickte und auf einmal schämte sie sich. Sie kannte Carson und seine Familie kaum, trotzdem hatte sie geglaubt zu wissen, was das Beste für ihn war. Ihre Gedanken wanderten weiter und auf einmal fragte sie sich, was Carsons Mutter nun wohl von ihr dachte. Schon während des Treffens war sie ihr gegenüber sehr reserviert und abweisend gewesen. Selbst wenn sie Julia damals gemocht hatte, nahm sie ihr bestimmt übel, dass sie ihren Sohn in so einem Zustand hergebracht hatte. Keine gute Mutter würde wollen, dass ihr Kind mit einem so verantwortungslosen Menschen ausging. Sie würde Julia hassen... sie würde Carson sagen, dass er sie nicht mehr wiedersehen sollte...
      Juliana fühlte, dass ihre Augen feucht wurden und biss sich auf die Unterlippe.

      "Liebes, ist alles in Ordnung?", hörte sie auf einmal Charles Stimme neben sich und drehte erschrocken den Kopf. Sie schluckte einmal, um die Tränen zu unterdrücken. Sie würde nicht weinen, da sie nicht wollte, dass andere sich wegen ihr unwohl fühlten. "Ja, ich bin nur etwas müde. Und ich bin erleichtert, dass er gut hier angekommen ist.", sagte sie sanft und nickte leicht. Sie richtete ihren Blick wieder auf Carson. "Könnte er nicht vielleicht für ein paar Tage hier bleiben? Er fühlt sich hier bestimmt wohler als allein in seiner Wohnung und er wäre vermutlich auch besser versorgt. Und je weiter er von seiner Arbeit entfernt ist, desto besser." Julia wusste, dass sie eigentlich kein Recht hatte solche Fragen zu stellen, da sie im Grunde eine Fremde war, die erst einmal die Villa betreten hatte. Aber je länger sie Carson und seine Mutter betrachtete, desto mehr war sie davon überzeugt, dass er hier glücklicher wäre als bei ihr.
      Sie lächelte, obwohl sie sich nicht glücklich fühlte. In Situationen wie diesen war sie dankbar dafür, dass sie anderen Menschen so lange etwas hatte vorspielen müssen. "Ich glaube, dass es Carson wirklich gut tun würde, wenn er bei seiner Familie wäre. Und wenn ich weiß, dass er in guten Händen ist, könnte ich auch in Ruhe zuhause die Arbeit nachholen, die ich in den letzten Tagen vernachlässigt habe.", sagte sie zu Charles und fühlte, dass bei diesen Worten ihr Herz brach.

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    • Er wechselte ein paar Worte mit seiner Mutter, stellte sicher, dass sie sich nicht zu sehr aufregte. Nachdem der erste Schwall an Emotionen vorüber gezogen war, setzte sich Carson auf die Couch, ließ die Hand seiner Mutter aber nicht los. Er lehnte sich zurück und atmete tief durch. Er musste einen leichten Hustenanfall unterdrücken.

      "Weißt du ,Liebes", begann Charles und setzte ein aufmunterndes Lächeln auf, "Hier wäre niemand, der auf ihn aufpassen und sich um ihn kümmern könnte. Ich arbeite den ganzen Tag, Claire ist normalerweise nicht hier. Glaube mir, bei dir ist dieser Sturkopf wesentlich besser aufgehoben. Und - das ist jetzt nur geraten, aber - mit dir ist er so glücklich wie ich ihn noch nie gesehen habe."
      Er stupste Julia leicht mit dem Ellenbogen an, dann ging er ebenfalls in den kleinen Salon, nickte unterwegs aber der Blondine zu, es ihm gleigleich zu tun.


    • Mit vorsichtigen Schritten folgte Julia Charles ins Zimmer. Ihre Körperhaltung war aufrecht und ihr Lächeln freundlich, genau so wie sie es viele Jahre lang gelernt hatte. Es war ein automatischer Schutzmechanismus, da sie nicht zeigen wollte, wie viel Angst sie vor Carsons Mutter hatte. Sie wollte nichts mehr, als von der Familie ihres Geliebten angenommen zu werden, aber bisher hatte sie nichts getan, um sich den Respekt der Frau zu verdienen. Im Gegenteil.
      "Es tut mir sehr leid, dass wir so unangekündigt hier aufgetaucht sind.", sagte sie zu der Frau und lächelte sie entschuldigend an. Sie wusste nicht, was sie sonst sagen sollte, weshalb sie sich einfach auf den freien Platz auf dem Sofa setze, nachdem Charles sie mit einer Geste dazu aufgefordert hatte. Sie achtete darauf nicht zu nah an Carson heran zu rücken und sie machte auch keine Anstalten seine Hand zu ergreifen. Im Moment schien er die Nähe zu seiner Mutter zu brauchen und Julia wollte sich nicht dazwischen drängen.
      Nervös faltete sie die Hände auf dem Schoß zusammen. Am liebsten wäre sie wieder nach hause gefahren - in ihre eigene Wohnung, in der sie sicher war und sie sich verstecken konnte wie die Prinzessin in ihrem Turm. Doch natürlich konnte sie nicht einfach so gehen, das wäre zu unhöflich. Ganz egal, ob sie sich hier fehl am Platz fühlte oder nicht.
    • Claire ignorierte Julias Entschuldigung. Die alte Dame war einfach nur froh zu sehen, dass ihr Sohn nicht sterbenskrank war. Sie hob kurz den Kopf und lächelte Julia dankbar zu.
      Carson selbst schien auch entspannter zu sein, weniger gehetzt. Er angelte nach Julias Hand, rutschte ein wenig weiter in ihre Richtung und legte seinen Kopf schließlich auf ihre Schulter.
      "Jetzt, wo ihr schon hier seid, könnt ihr uns doch auch ein bisschen informieren. Wie läuft's bei eich so?", fragre Charles, um die Stille zu durchbrechen.
      Der Alte hatte sich in seinem Sessel niedergelassen, nachdem er seiner Schwester den Tee gereicht hatte. Er wusste, wie angespannt es sein konnte, wenn sich sein Neffe oder seine Schwester Sorgen um den jeweils anderen machten. Die beiden waren nicht voneinander zu trennen und das aus verständlichen Gründen. Aber Charles war auch schon immer jemand gewesen, der solche Spannungen gern löste oder sie gar nicht erst aufkommen ließ. Er hatte auf die harte Tour gelernt, dass man sich auch mal entspannen musste, um ordentlich leben zu können. Man sah es dem Alten zwar nicht an, aber er war ein richtiger Yogi.


    • Julia sah sich unsicher um. Es erleichterte sie zwar, dass Carson sich anscheinend wieder etwas beruhigt hatte, doch seine Hände waren immer noch zu kalt. Am liebsten hätte sie ihn ins nächste Bett getragen und zugedeckt. Aber da sie das nicht konnte, saß sie still auf ihrem Platz und lehnte unbewusst ihren Kopf gegen den von ihrem Partner.
      "Jetzt, wo ihr schon hier seid, könnt ihr uns doch auch ein bisschen informieren. Wie läuft's bei euch so?" Charles Frage sorgte dafür, dass Julia aufblickte. Sie hoffte sehr, dass Carson die Unterhaltung an sich reißen würde, da sie keine Ahnung hatte, was sie antworten sollte. Sie hatte sich bereits für ihr Verhalten entschuldigt und sie konnte unmöglich sagen, dass sie ursprünglich gegen ihren Besuch hier gewesen war. Vor allem nicht nachdem was sie gerade gesehen hatte.
      Auf einmal fühlte sie sich wieder so unsicher, wie sie es vor einigen Jahren immer gewesen war. Sie wusste nicht, was sie sagen konnte - oder sagen durfte. Am liebsten wäre sie einfach still auf ihrem Platz sitzen geblieben und hätte gewartet, bis man ihr erlaubte zu gehen, aber da Charles sie angesprochen hatte, war das natürlich nicht möglich. "Nun... es geht uns gut, denke ich.", begann sie vorsichtig, wirkte dabei jedoch so unsicher, dass ihre Worte eher nach einer Frage klangen. "Es wäre natürlich besser, wenn Carson gesund wäre.", fügte sie noch mit einem schmalen Lächeln hinzu.
    • Carson sar nicht nach einer Unterhaltung zumute.
      Allerdings spürte er Julias Unbehagen wie sein eigenes, also sprang er ein: "Julia wird bei mir einziehen."
      Sein Onkel Charles verschluckte sich an seinem Brandy, Claire stellte gesittet ihre Tasse auf den antiken Kaffeetisch ab.
      "Hälst du das nicht für ein bisschen überstürzt, mein Junge?", fragte Charles heiser und schlug sich selbst kräftig auf die Burst, "ihr kennt euch doch erst seit ein paar Monaten?"
      "Und ich kannte sie erst ein paar Wochen, als ich sie euch vorgestellt habe. Ich liebe Julia. Zeit spielt da keine Rolle."
      Charles war noch immer skeptisch, Claire schwieg. Carson schien das nicht zu kümmern. Er hatte seine Entscheidung gefällt und würde sich davon nur durch einen ganzen Haufen Fakten, die dagegen sprachen, abbringen lassen.
      Er drückte Julias Hand etwas fester, wollte ihr Halt in dieser Situation geben und ihr wortlos versichern, dass er auf ihrer Seite stand, egal was passierte. Er stand zu seinen Entscheidungen und zu seinen Gefühlen für die Blondine.
      "Nun, wenn das so ist...", begann Charles und lächelte breit, "dann ist das wohl ein Grund zu feiern. Wenn du wieder fit bist, gehen wir alle ordentlich essen, um dieses Ereignis zu zelebrieren."
      "Charlie, spar dir die hochtrabenden Worte. Wir haben dich verstanden ", schaltete sich Claire endlich lachend ein, "ich freue mich für euch beide", fügte sie hinzu.


    • Julia spürte, dass ihr Körper erstarrte. Sie warf Carson einen fragenden Blick zu, während sie sich fragte, ob sie sich vielleicht gerade verhört hatte. Er musste doch wissen, dass gerade nicht der richtige Zeitpunkt war, um das Thema anzusprechen. Vor allem, da sie erst vor zwei Tagen zugestimmt hatte bei ihm einzuziehen. Sie hatte noch nicht einmal ihren Mietvertrag gekündigt oder ihren Chef informiert...
      Doch der erstaunte Ausdruck auf den Gesichtern der beiden älteren Personen in ihrer Runde zeigte deutlich, dass sie sich leider Carsons Worte nicht nur eingebildet hatte. "Ich habe ihm auch gesagt, dass wir noch warten sollten.", warf sie leise ein, wurde jedoch von den anderen übertönt. Kurz warf sie Claire einen vorsichtigen Blick zu und war erleichtert, weil die Frau nicht wütend zu sein schien und auch nichts gegen die Entscheidung ihres Sohnes sagte.

      Sie spürte, dass Carsons Hand sich ein wenig fester um ihre schloss und festigte ihren Griff auch ein wenig. Doch es war nicht, weil sie ihm Halt geben wollte, sondern weil sie seine Nähe brauchte. Er war im Moment ihr einziger Schutzschild und auch wenn sie sich egoistisch vor kam, so wollte sie ihn im Moment doch nicht gehen lassen. Sie wollte nicht alleine sein.
      "Ich habe Carson gesagt, dass ich nichts tun werde, so lange er noch krank ist. Im Moment bin ich also nur als Gast bei ihm.", sagte sie, damit ihre Entscheidung nicht völlig unüberlegt klang. "Gerade ist es am wichtigsten, dass er wieder gesund wird. Alles andere kann warten."
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