[2er RPG] Burning Desire

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    • Carson zitterte, als er sich an Julia klammerte. Er hatte beinahe daran geglaubt, was er gesehen hatte. Er hatte beinahe geglaubt, dass Julia tot war. Dass er sie umgebracht hatte.
      "Du musst dir keine Sorgen machen, es wird alles wieder gut."
      Jetzt glaubte er an das. Er glaubte an Julias Worte, glaubte dem Klang ihrer Stimme und den Berührungen, die seinen kalten Körper wieder auftauten.
      Er lehnte seinen Kopf gegen Julias Schulter und versuchte, wieder vollständig in der Realität anzukommen. Normalerweise verfolgte ihn seine Vergangenheit nicht so. Er hatte keine Panikattacken und die Alpträume blieben in den meisten Fällen aus. Aber heute hatte es ihn mit Anlauf getroffen. Wahrscheinlich lag das am Fieber oder sowas.
      Er ließ sich von Julia aus der Dusche helfen und trocknete sich etwas fahrig die Haare ab.
      "Ich hab schlecht geträumt", erklärte er sich heiser, "wirklich schlecht..."


    • Julia brach das Herz, als sie Carson sprechen hörte. Auf einmal wirkte er auf sie wie ein kleines Kind und unwillkürlich musste sie daran denken, wie ihre Mutter sie umsorgt hatte, wenn sie krank gewesen war. Julia war eines von den Kindern, die weinten, wenn sie Fieber hatten, weshalb ihre Mutter die ganze Nacht an ihrem Bett sitzen oder sie im Arm halten musste, bis es ihr wieder besser ging und die Tränen getrocknet waren. Julia hatte es immer als tröstlich empfunden, dass sie während dieser Zeit nicht alleine sein musste.

      Kurz betrachtete sie den nassen Mann vor sich, der wie ein Häufchen Elend aussah. "Wir werden morgen einen Arzt kommen lassen, damit es nicht noch schlimmer wird, aber jetzt musst du erstmal wieder ins Bett.", erklärte sie sanft und strich ihm noch einmal über die Wange. Sie half ihm sich aus seinen nassen Sachen zu befreien und sich abzutrocknen. Er jetzt fiel ihr auf, dass auch ihre Kleider an ihrem Körper klebten und unangenehm kalt waren. Und im Gegensatz zu Carson hatte sie nur einen Pyjama hier...
      Da sie aber im Moment ganz andere Sorgen hatte, schluckte Julia ihre unnötigen Hemmungen herunter und entledigte sich ebenfalls ihrer Kleidung. Im Dunkeln konnte man sowieso nicht viel von ihnen erkennen und sie war sich sicher, dass Carson im Moment ganz andere Probleme hatte und nicht auf dumme Ideen kommen würde.
      An der Hand führte sie den Mann ins Schlafzimmer und durchsuchte den Kleiderschrank, bis sie einen weichen Schlafanzug für ihn und ein langes T-Shirt für sich selbst gefunden hatte.

      "Warte einen Moment, ich bin sofort zurück.", sagte sie zu ihm, nachdem sie ihm beim Anziehen geholfen und ihn wieder ins Bett verfrachtet hatte. Eilig lief sie zurück ins Wohnzimmer und packte ihr Bettzeug. "Du musst dir keine Sorgen machen. Du kannst beruhigt schlafen, weil ich auf dich aufpassen werde.", versprach sie, während sie ihr Kissen neben das von Carson legte und es sich auf dem Bett bequem machte. Sie legte ihm ihre Arme um die Schulter und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Ich bin hier und ich werde so lange hier sein, wie du mich brauchst." Gerne wäre sie zu ihm unter die Decke gekrochen, doch sie wusste nicht, ob Carson das im Moment mochte. Deshalb beschränkte sie sich darauf ihm durch das Haar zu fahren und darauf zu achten, dass er gut zugedeckt war.
    • Carson schwieg die gesamte Zeit über. Ihm war nicht nach reden zumute. Er ließ sich einfach helfen und verkroch sich dann wieder im Bett. Und als sich Julia neben ihn legte, da klammerte er sich an sich wie ein hilfloses Kind, das Angst in der Dunkelheit hatte. Nur so konnte er sich sicher sein, was Realität war und was nicht und dass Julia wirklich noch da war.
      "Ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert", murmelte er, bevor er wieder einschlief.
      Er schlief besser, als noch zuvor und er schlief vor allem lang. Die Stunden zogen vorüber, acht, neun. Erst um elf schlug er die Augen auf und nichts hatte sich geändert. Sein Kopf schmerzte, ihm war viel zu warm und zu kalt zur gleichen Zeit und sein Hals schmerzte.
      Vorsichtig setzte sich Carson auf und sah sich nach Julia um.


    • Julia fand in dieser Nacht keinen Schlaf mehr. Still hielt sie den schlafenden Carson in ihren Armen und drückte ihn an sich, als wäre er ein zerbrechliches Kind. Und im Moment war er auch so etwas für sie. Er war der wichtigste Mensch für sie, den sie um jeden Preis beschützen wollte.

      Erst als sie das Geräusch der Wohnungstür hörte, wagte Julia es sich wieder zu bewegen. Sie setzte sich auf und lauschte einen Moment lang ängstlich auf die Geräusche, die nun im Appartement zu hören waren. Glücklicher Weise dauerte es nicht lange, bis sie sich daran erinnerte, dass der Besucher lediglich Ricardo war, der nun Frühstück machte. So vorsichtig wie möglich löste sie sich von Carson und stand auf und schlich aus dem Zimmer.
      Es gelang ihr unbemerkt einige Kleider ihrer Tasche zu holen und diese anzuziehen, bevor sie sich auf den Weg in die Küche machte. Ricardo drehte den Kopf und ein breites Lächeln legte sich auf sein Gesicht, als er die blonde Frau bemerkte. "Guten Morgen, Julia." begrüßte er sie fröhlich, doch dann zog er leicht die Stirn in Falten. "Du siehst nicht gut aus. Schlecht geschlafen?" Er warf ihr einen besorgten Blick zu, während er bereits mit einer Hand nach einer Kaffeetasse griff.
      Julia biss sich auf die Unterlippe. Sie wusste nicht, was sie dem Koch verraten durfte, doch letztendlich beschloss sie ehrlich zu sein. Carson musste dem Koch vertrauen, wenn er ihn in seine Wohnung ließ. "Carson ist krank, er wird kein Frühstück essen können.", antwortete sie und beobachtete sie sich die Sorge in Ricardos Blick noch etwas verstärkte. "Ich weiß nicht, ob er überhaupt etwas essen kann... er hat sich gestern mehrmals übergeben. Und ich weiß nicht, was ihm gut tut..." Ein wenig frustriert strich sich Julia durch das Haar, das inzwischen wieder getrocknet war und vermutlich sehr unordentlich aussah. "Hast du vielleicht die Nummer von Chase?" Während sie wach neben Carson gelegen hatte, hatte Julia überlegt, was sie tun konnte und war letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass sie den Anwalt um Hilfe bitte musste. Er würde wissen, wie man mit der Situation umging, ohne einen Skandal zu verursachen und welche Ärzte das Penthouse betreten durften.

      Wenige Minuten später saß Julia im Wohnzimmer, eine dampfende Tasse Kaffee vor sich auf dem Tisch. Kurz zögerte sie, bevor sie die Nummer wählte, die Ricardo ihr gegeben hatte.

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    • Carson zwang sich aus dem Bett und ging ins Badezimmer. Dort spritzte er sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht, um wach zu werden, da er sich keinen Kaffee zutraute. Seine Hände zitterten. Er wusste genau, warum er das hasste.
      Danach ging er vorsichtig die Treppe ins Wohnzimmer hinunter, eine Hand immer am Treppengeländer. Er sah Julia auf der Couch, ihr Handy ans Ohr gepresst. Er entschied sich dazu, sie nicht zu stören und ging in die Küche, wo sein Kooch ihn überrascht ansah.
      "Guten Morgen, Mr. Davis. Ich hoffe es geht Ihnen besser?"
      Carson grüßte den Mann unmotiviert und schüttelte leicht den Kopf. Ricardo seufzte und berichtete, dass Julia ihm erzählt habe, was los sei. Er hatte sogar schon ene Kanne seines Lieblingstees aufgesetzt und reichte Carson eine dampfende Tasse.
      "Danke. Sieh zu, dass Julia was isst. Sie hat sich gestern den ganzen Tag um mich gekümmert und vergessen, auf sich selbst zu achten."
      "Natürlich, Sir."
      Carson ging zurück ins Wohnzimmer, während sich Ricardo an die Arbeit machte. Er ließ sich vorsichtig neben ihr auf die Couch sinken, legte ihr eine Hand aufs Knie und seinen Kopf auf ihre Schulter. Er wusste nicht, mit wem sie da telefonierte, aber es war wohl egen ihm.

      "Chase Davis?", meldete sich der Anwalt.
      Er war gerade erst aufgestanden und stand im Wohnzimmer mit einer halben Tasse Kaffee und einer Frisur, die nicht wusste, was Physik war. Er hatte keinen Fall mehr angenommen, seit seine Ehefrau in den neunten Monat gekommen war. Er wollte auf alles vorbereitet sein und dumm wie er war, hatte er die gesamte frustrierende Erfahrung des Vaterwerdens selbst erleben wollen, weswegen seine schlimmsten Feinde mittlerweile nicht mehr uneinsichtige Richter, sondern Bauanleitungen für Kinderwagen und Laufställe waren.
      Als sein Handy geklingelt hatte, war er überrascht gewesen, die Nummer nicht zu kennen. Jeder, der die Nummer seines Privattelefons hatte, war mit Namen registriert. Als er dann aber die Stimme Julias hörte, schrillten sofort alle Alarmglocken. Warum sollte ihn die Freundin seines Cousins anrufen? Warum würde sie es nicht mit einem von Carsons Telefonen tun?
      "Was ist los?", fragte er, von jetzt auf gleich war die Müdigkeit verflogen.
      Er ließ sich von der Blondine jedes kleinste Detail erzählen und ging in Gedanken schon alles durch. Gott sei Dank hatte die Frau seinen sturen Verwandten gleich ins Bett gepackt, bevor der es wieder hatte übertreiben können.
      "Ich kümmere mich um alles. Hab du nur ein Auge auf den Sturkopf. Wenn du irgendwas brauchst, wende dich an Dana oder Austin, die können dir in beinahe allem weiterhelfen. Danke, dass du angerufen hast."
      Chase rief nach dem Gespräch den Arzt an, der Carson damals bei der Lungenentzündung behandelt hatte. Der Arzt hatte genau den richtigen Umgangston für ihn: Wenn ich noch eine Akte in ihrem Zimmer sehe, dann fackel ich sie ab! Er bestellte den Arzt für den nächst möglichen Termin. Danach schickte er Austin los, ein paar Apotheken leerräumen, wusste er doch, dass Carson bloß das Nötigste im Haus hatte. Bei Dana erkundigte er sich nach Carsons Terminen und stellte erleichtert fest, dass dieser sich tatsächlich die Woche leergeräumt hatte. Den Termin beim Notar würde Chase übernehmen, bei den anderen Sachen würde er sehen, ob er das verschieben konnte.

      Ricardo stellte eine Tasse Kaffee und ein herzhaftes Frühstück vor Julia auf dem Couchtisch ab. Carson wandte den Blick davon ab, um nicht schon wieder kotzen zu müssen.
      "Tu mir einen Gefallen, ja?", begann Carson und stand wieder auf, "Mach dir einen schönen Morgen. Mir geht's gerade einigermaßen, also nutze das. Iss in Ruhe, sieh ein bisschen fern oder sowas. Ich geh wieder ins Bett, okay?"
      Er küsste Julia auf die Stirn und folgte seinem Versprechen. Ricardo brachte die Teekanne und ein magenschonendes Sandwich nach oben, falls Carson Hunger bekam und etwas drin behalten konnte. Mit dem Wunsch nach einer baldigen Besserung ging der Koch dann wieder.
      Kurz darauf platzte Austin herein, in der Hand eine Tüte. Er stellte sie auf dem Esstisch ab und packte einen ganzen Haufen Medikamente aus: Fiebersenkender Saft, Hustensaft, Kopfschmerztabletten in verschieden starken Dosierungen, etwas gegen Sodbrennen, Vitaminpräparate für Eisen, Vitamin C, Magnesium, Zink und allerlei, Ein Mittel zur Beruhigung des Magens, Schlaftabletten und eine Salbe gegen verstopfte Atemwege. Er hatte Chases Befehl befolgt und eine ganze Apotheke leergeräumt. Er wünschte Julia noch einen schönen Tag und verschwand wieder. Er hatte einen Arzt abzuholen.


    • Julia hätte vor Schreck fast ihr Handy fallen gelassen, als sich auf einmal das Sofa neben ihr nach unten neigte und sich ihr eine kalte Hand auf den Schenkel legte. Allein die Tatsache, dass die gerade mit Chase sprach hielt sie davon ab, Carson nicht auszuschimpfen und ihn sofort wieder ins Bett zu schicken.
      Umso überraschter war sie darüber, dass der Geschäftsmann sich von alleine wieder zurück zog. Auch wenn es vielleicht nur am Fieber lag, dass Carson auf einmal so folgsam und vernümftig war, erleichterte es Julia doch sehr. Doch obwohl sie sich vornahm auf Carson zu hören und sich einen entspannten Morgen zu gönnen, wanderte ihr Blick immer wieder in Richtung des Flures, an dessen Ende das Schlafzimmer lag. Sie schmeckte das Essen kam, das ihre Zunge berührte, stattdessen überlegte die krampfhaft, was sie noch tun konnte, um Carson zu helfen. Vielleicht sollte sie Dana fragen, ob es irgendwas gab... Julia schüttelte den Kopf, um diese unnötigen Gedanken zu vertreiben. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie sich das letzte Mal solche Sorgen um jemanden gemacht hatte. Und Carson hatte eigentlich nur eine einfache Grippe. Die Blondine wollte nicht daran denken was geschehen würde, wenn ihm etwas schlimmeres zustieß. Nein, das würde nicht passieren. Sie würde alles tun, um das zu verhindern.

      Julia hatte gerade ein halbes Brötchen verspeist, als Austin in die Wohnung platzte und eine Tüte voller Medikamente vor ihr auf dem Tisch abstellte. Zwar hatte die junge Frau gehofft, dass man ihr Medizin bringen würde, doch sie hatte nicht mit einer so großen Auswahl gerechnet. Trotzdem dankte sie dem Assistenten aufrichtig, bevor dieser wieder genauso schnell aufbrach, wie er erschienen war.
      Nachdem Julia die Tüte einige Minuten lang durchstöbert hatte, machte sie sich mit einer kleinen Auswahl in den Händen auf den Weg ins Schlafzimmer. Die starken Schmerztabletten und das Schlafmittel hatte sie erst einmal im Wohnzimmer gelassen, da sie hoffte, dass diese unnötig waren.

      "Austin hat eine Apotheke für dich ausgeraubt.", scherzte sie, während sie sich neben das Bett kniete und die verschiedenen Packungen auf dem Nachttisch ausbreitete. Ihr Lächeln wurde sanft, als sie die Hand ausstreckte und Carson über den Kopf strich. "Es kommt gleich ein Arzt. Vielleicht wartest du noch so lange, bevor du irgendwas von den Medikamenten nimmst. Nur für den Fall, dass er dir etwas anderes verschreiben will...", sagte sie vorsichtig. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie Carson seit Tagen nur bevormundete, aber wenn man Dana und Chase glauben konnte, was das die einzige Möglichkeit, um diesem Sturkopf zu helfen.
      "Danke, dass du dir frei genommen hast und dich von mir herumkommandieren lässt. Ich weiß wie schwer dir das fällt.", setzte sie an und griff nach seiner Hand, die für ihren Geschmack immer noch zu kalt war. "Ich liebe dich und wenn das hier vorbei ist, werde ich versuchen es wieder gut zu machen." Sie küsste seine Knöchel und schloss dann auch noch ihre andere Hand um seine, um sie ein wenig aufzuwärmen.
    • Carson rollte sich auf die Seite, als Julia hoch ins Schlafzimmer kam.
      "Es fällt mir nicht schwer. Nicht bei dir. Vielleicht ist das das Fieber, das aus mir spricht, aber es ist eigentlich ganz angenehm, mal nicht über alles nachdenken zu müssen."
      Er zuckte lächelnd mit den Schultern.
      "Du musst nichts wieder gut machen. Das hier... das ist nicht selbstverständlich. Du spielst hier gerade Krankenschwester für einen reichen Sturkopf, anstatt deiner eigenen Arbeit nachzugehen."
      Er legte ihr eine Hand an die Wange. Wie gern würde er sie jetzt küssen? Seine Hände in ihren Haaren vergraben und sie einfach nur im Arm halten?
      "Ich liebe dich auch, Juli. Und wenn es jedesmal so läuft, wenn ich krank werde, dann habe ich damit auch kein Problem mehr. Da verzichte ich gern auf Papierkram und Telefonkonferenzen."


    • Julia lächelte sanft. Vermutlich sprach gerade wirklich das Fieber aus Carson, doch es freute sie dennoch, dass es ihm nichts ausmachte ihr kurzfristig die Kontrolle zu überlassen. "Ich spiele nicht Krankenschwester, ich sorge mich um den Menschen, der mir besonders am Herzen liegt. Das ist doch normal, oder?", gab sie sanft zurück. "Und wenn es dir gefällt, kann ich das öfter für dich machen. Dafür musst du nicht krank werden." Der Gedanke, dass sie bald hier wohnen würde, war noch immer etwas ungewohnt für sie, aber im Moment gab es keinen Ort für sie, an dem sie lieber wäre. Sie legte ihre Hand auf seine und lehnte ihren Kopf ein wenig fester in seine Berührung. Noch immer sah Carson so hilflos aus, dass sie ihn am liebsten in den Arm genommen hätte. Doch gerade als sie sich etwas nach vorne lehnte, um ihn zu küssen, hörte sie das Geräusch der sich öffnenden Wohnungstür.
      Wiederwillig stand sie auf und gab Carson einen Kuss auf die Oberseite des Kopfes. "Während du dich von dem Arzt ausschimpfen lässt, schaue ich einmal nach meiner Arbeit, okay? Und falls Andrew fragt, wieso ich nicht erreichbar war, sage ich ihm, dass ich ein sehr wichtiges Treffen mit einem Geschäftsmann, einem Arzt und einem Anwalt hatte." Sie zwinkerte ihrem Patienten zu. "Das ist noch nicht einmal gelogen."
      Noch einmal strich sie Carson durch das Haar, es fiel ihr sehr schwer ihn zu verlassen. Doch sie vermutete, dass der Arzt lieber ungestört mit dem Kranken sein wollte. "Wenn du etwas brauchst, ruf einfach nach mir.", sagte sie noch, bevor sie den Raum verließ, um die beiden Besucher zu begrüßen.
    • Carson sah seiner Angebeteten lächelnd hinterher, ehe er sich zumindest ein bisschen im Bett aufsetzte. Er hasste es, jetzt nicht im Anzug an seinem Schreibtisch sitzen zu können. Er wollte arbeiten, es war ein Wochentag! Noch dazu empfing er jetzt einen 'Gast' und sollte das im zerknitterten Schlafanzug tun? Im Bett? Es widerstrebte ihm, das zu tun, mehr als alles andere, aber welche Wahl hatte er schon?
      Er fuhr sich ein paar mal durch die Haare, strich sein T-Shirt glatt, ordnete die Kissen und die Bettdecke, um wenigstens ansatzweise einen guten Eindruck zu machen. Es gefiel ihm trotzdem nicht. Kranksein war Folter für ihn!
      "Na da haben wir ja meinen Lieblingspatienten!", grüßte ihn Dr. Hearne überschwänglich in seiner sarkastischen Art.
      Dieser Mann war so zynisch wie er professionell war. Eigentlich arbeitete er im Krankenhaus, aber da Carson einen ganzen Flügel gestiftet hatte, leihte besagte Institution den Arzt gern für einen Hausbesuch aus. Was der Mann ihm natürlich gleich unter die Nase reiben musste.
      "Sie haben einen verdammten Fahrer, Carson! Sie hätten ihren millionenschweren Arsch auch einfach rüber bewegen können", sagte Dr. Hearne.
      Der Doktor checkte Carson kurz durch, fragte ein paar unangenehme Fragen und zog dann einen Schlussstrich unter alles, nachdem er die Medikamente auf dem Nachttisch durchgesehen und kritisch beäugt hatte. Er schrieb alle Anweisungen auf und legte den Zettel neben die Packungen.
      "Und seien Sie nett zu der Dame da unten", mahnte er, bevor er ging, "Sie scheint nett zu sein. Sowas brauchen Sie in Ihrem Leben. Zumal sie das Unmögliche geschafft zu haben scheint."
      "Und das wäre?"
      "Sie von der Arbeit abzuhalten!"
      Lachend ging der Arzt runter in den Wohnbereich, wo Austin grimmig wie immer am Esstisch saß und sich einen Mittagssnack von Ricardo aufzwingen ließ. Der Arzt ignorierte die beiden Männe und begab sich zu Juliana.
      "Also", begann er, "Der werte Herr hat meiner Auffassung nach bloß einen Magen-Darm-Infekt. Ruhe, Schlaf, viel trinken, dann ist das in ein, zwei Wochen wieder behoben. Er kann essen was er will, die Frage ist nur, was drin bleibt. Daher würde ich magenschonendes empfehlen. Medikamente kann er eigentlich auch einwerfen, worauf er so Lust, hat, solange er sich an die Dosierungen hält. Das Fiebersenkende Mittel würde ich allerdings erst verabreichen, wenn sein Fieber die neununddreißig Grad durchbricht, vorher ist es relativ sinnfrei, etwas gegen das Fieber zu tun. Es hilft ihm, sich vom Erreger zu befreien. Wenn er sich übergeben muss, ist das auch kein Drama, so kommt's wenigstens raus. Alles, was rauskommt, ist gut. Nur sorgen Sie dafür, dass er hydriert bleibt, das ist das Einzige, was besser drin bleiben sollte. Wollen ja keinen Kreislaufzusammenbruch riskieren. Und wundern Sie sich nicht, wenn er plötzlich auch noch aus einem anderen Grund im Badezimmer verschwindet. Das ist normal. Wie gesagt: viel trinken, viel schlafen, viel Ruhe, dann hat sich das. Sollte es nächste Woche um diese Zeit nicht besser geworden sein, holen Sie mich nochmal. Dann check ich ihn nochmal durch und pumpe ein paar Nährstoffe in den Mann rein. Sorgen Sie dafür, dass er sich von seinem Büro fernhält. Und lassen sie keinen Laptop in seine Nähe!"
      Der Arzt verabschiedete sich und Austin sprang auf, um ihn zurück ins Krankenhaus zu bringen.


    • Julia sah immer noch zur Wohnungstür, als diese sich schon lange geschlossen und der Arzt schon lange wieder verschlossen hatte. Es beruhigte sie, dass Carson keine schlimme Krankheit hatte, doch gleichzeitig sah sie sich nun einer neuen Herausforderung gegenüber. "Sorgen Sie dafür, dass er sich von seinem Büro fernhält...", wiederholte sie die Worte des Arztes und klang dabei ein klein wenig sarkastisch. Der Mann hatte ja keine Ahnung wie lange es gedauert hatte, um Carson überhaupt aus seinem Büro heraus zu bekommen. Diese Neuigkeiten würden ihm überhaupt nicht gefallen.

      Mit einem leisen Seufzen machte Julia sich schließlich auf den Weg ins Schlafzimmer, musste dann jedoch lächeln, als sie das zerwuschelte Haar des Mannes sah. "Na, wie geht es meinem Patienten?", scherzte sie und küsste ihn auf die Stirn. Kurz ließ sie ihren Blick über die Medikamente auf dem Nachttisch wandern und sie stellte erleichtert fest, dass der Arzt einige Anweisungen zurück gelassen hatte. Zumindest würde sie Carson nun nicht vorschreiben müssen, wie er seine Medizin einnahm, sondern konnte darauf vertrauen, dass er vernünftig war... hoffentlich.
      "Der Arzt sagt, dass du viel trinken und schlafen sollst.", begann sie vorsichtig, da das eine der guten Nachrichten war, die sie überbringen durfte. "Und dass es dir bald wieder besser geht, wenn du dich weiterhin schonst... so für... zwei Wochen." Sie hob die Hände in einer abwehrenden Geste, um zu verhindern, dass Carson sofort widersprach. "ich weiß, ich weiß. Du kannst nicht noch eine Woche im Bett bleiben und du willst es auch nicht.", kam sie ihm zuvor und streckte dann eine Hand aus, um ihm über die Wange zu fahren. "Ich werde dich nicht zwingen, du musst das selbst entscheiden. Ich wollte nur, dass du weißt, was der Arzt gesagt hat. Alles was ich möchte ist, dass du wieder gesund wirst und ich werde alles tun, um dich zu unterstützen. Du musst es nur sagen. Wenn du nächste Woche entscheidest, dass du wieder arbeiten willst, weil du dich fit genug fühlst, werde ich dir vertrauen, aber kannst du zumindest versuchen ehrlich zu dir selbst zu sein und auf deinen Körper zu hören?"
      Kurz überlegte sie, ob sie ihren Geliebten irgendwie bestechen konnte, damit er zu hause blieb. Wie zum Beispiel ihm jeden Tag das Frühstück in ihrer Unterwäsche servieren... Aber das kam ihr im Moment dann doch nicht sehr fair vor.
    • Carson zuckte mit den Schultern. Wie sollte es ihm schon gehen, nachdem er jemanden in seinem Bett, im Schlafanzug, unrasiert und ungestylet hatte empfangen müssen und dazu auch noch krank war? Er drückte Julia allerdings nichts davon auf die Nase. Sie machte sich schon genug Sorgen um ihn, da musste sie sich nicht auch noch um sein gebrochenes Ego kümmern.
      "Zwei Wochen?"
      Er seufzte und schüttelte den Kopf etwas. Dieser Arzt hatte doch keine Ahnung von Carsons Arbeit und deren Relevanz!
      Carson rutschte ein bisschen tiefer ins Bett, während Julia ihm ihre Hilfe zugestand und sie ihn arbeiten lassen würde, wenn er sich dazu bereit fühlte. Was nur dafür sorgte, dass er sich jetzt schon schuldig fühlte, sollte er nächste Woche auch nur daran denken, arbeiten zu wollen. Er konnte ihr doch nicht einfach das Herz brechen, indem er sich gegen die Anweisung des Arztes auflehnte.
      "Ich versuch's", antwortete Carson, "Aber versprechen kann ich nichts. Ich muss zumindest ins Büro, um alles zu delegieren, sonst kann ich mir nicht freinehmen."
      Er seufzte erneut, dann lehnte er den Kopf nach hinten gegen die Wand. Er hatte gleich eine Kopfschmerztablette genommen, nachdem Dr. Hearne gegangen war, aber die Wirkung ließ noch auf sich warten. Zumindest an das viele Schlafen würde sich der Geschäftsmann halten können. Er fühlte sich kaum dazu in der Lage, die Augen offen zu halten.
      "Was macht deine Arbeit?"; fragte er.
      Er wollte einfach nur Julias Stimme hören. Er wusste nicht, ob das war, um sich selbst wieder und wieder zu beweisen, dass es ihr gut ging und sie wirklich hier war, oder ob er einfach nur den Klang ihrer Stimme genießen wollte.


    • Julia sah zu Carson hinunter, der sich gerade in seinem Bett einkuschelte wie ein kleines Kind. Die Tatsache, dass er die Anweisung des Arztes einfach so hinnahm, ohne sofort vehement zu widersprechen, zeigte ihr wie krank er noch war. "Wir finden zusammen schon eine Lösung.", sagte sie und war verwundert wie leicht ihr diese Worte fielen. Natürlich konnte sie Carson nicht so gut unterstützen wie seine Assistenten es konnten. Aber es musste einen Weg geben und Julia war fest entschlossen diesen zu finden.

      Nach kurzem Zögern setzte sie sich auf die Bettkante und griff nach Carsons Hand. Es fühlte sich gut an ihn zu berühren und zu wissen, dass er bei ihr war. Oder besser, dass sie bei ihm sein konnte. "Meine Arbeit?", wiederholte sie und hob fragend die Augenbrauen. Es wunderte sie ein wenig, wieso Carson danach fragte, aber schließlich kam sie zu dem Schluss, dass er vermutlich einfach das Thema wechseln wollte. "Es ist nicht wirklich spannend.", begann sie und ihre Finger begannen wie von allein über Carsons Handrücken zu streichen. "Hauptsächlich schreibe ich E-Mails an Leute denen wir Geld schulden oder von denen wir Geld haben wollen. Und zwischendurch mal eine an Andrew, der immer noch ein schlechtes Gewissen hat.", kurz kicherte sie belustigt. "Irgendwann sollte ich ihm von uns erzählen... Ich muss der Organisation melden, wenn ich umziehe, weißt du. Aus Sicherheitsgründen und natürlich auch, damit mein Arbeitgeber mich im Notfall finden kann." Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt das Thema anzusprechen so lange Carson noch krank war, weshalb sie es schnell wieder fallen ließ. "Ich habe vorhin kurz mit einer der Frauen telefoniert, die im Frauenhaus wohnen. Sie hat einen Gerichtstermin und brauchte etwas Zuspruch. Sowas ist keine schöne Erfahrung, aber sie muss da leider durch." Sie lächelte traurig, da sie sich an ihre eigene Verhandlung erinnerte. Sie hoffte, dass sie so etwas nie mehr erleben würde und hatte deshalb großes Mitgefühl für alle Frauen, die das durchstehen mussten.
    • Carson brummte zustimmend. Er hatte keine Ahnung, was diese Frauen durchmachen mussten. Bisher hatte er ja aich nur seine Mutter gekannt, die das Ganze nie hatte hinter sich bringen müssen. Und jetzt kannte er Julia, die er aber nicht danach fragen würde. Reichte, wenn sie das einmal hatte durchstehen müssen. Stattdessen ergriff er ihre Hand, die mit seiner spielte und drückte sie leicht.
      "Danach wird sie endlich frei sein und sich wehren können", versuchte er, Julia etwas aufzumuntern.
      Er schwieg einen Augenblick, da er keine Ahnung hatte, wie man mit diesem Thema umging. Kurzerhand beschloss er, es eknfach zu wechseln.
      "Den Papierkram kannst du meinen Leuten überlassen. Ich such dir wen, der das alles für dich erledigt. Um sowas Triviales musst du dich nicht mehr kümmern. "
      Als er Julias Blick sah, musste er lavhen, was einmal mehr in einem leichten Hustenanfall mündete.
      "Keine Sorge, ich werde mich nicht gleich auf die Suche nach jemandem machen. Ich werde nicht einmal eine Mail an die Personalabteilung schicken, dass sie jemanden suchen sollen. Oder an Dana, damit sie der Personalabteilung Bescheid gibt. Oder Austin, der Dana sagt, dass sie... du weißt, was ich meine."


    • Manchmal fragte Julia sich, ob Carson nicht vielleicht doch ihre Gedanken lesen konnte. Mit der freien Hand strich sie ihm liebevoll ein paar Haarsträhnen von der Stirn. Sie hätte ihn wirklich gerne geküsst, aber im Moment war das leider keine gute Idee. "Der Vorteil an dem Papierkram ist, dass ich ihn von hier aus erledigen kann.", erklärte sie und lächelte. "Deshalb bin ich im Moment sehr froh, dass ich ihn machen darf und deshalb bei dir bleiben kann." Sie war sich nicht sicher, was Andrew dazu sagen würde, wenn er erfuhr, dass Julia in dieser Woche bei keinem Geschäftsessen gewesen war. Aber er hatte sicher Verständnis dafür, wenn sie ihm erklärte, dass Carson krank geworden war. Sofern sie das durfte. "Du solltest Dana damit sowieso nicht belasten, sie hat im Moment sicher genug zu tun."
      Julia war sich nicht sicher, was aus ihrer Arbeit werden würde, wenn sie erst einmal hier wohnte, doch im Grunde konnte sie das Frauenhaus mit dem Auto von hier aus gut erreichen, weshalb sie beschloss sich erst einmal keine Gedanken darüber zu machen.

      Einen Moment lang betrachtete sie ihren Patienten. "Möchtest du was essen? Oder lieber schlafen?" So gerne sie sich mit Carson unterhielt, da es zeigte, dass es ihm schon etwas besser ging, wollte sie ihn doch nicht überanstrengen. "Du hattest keine Alpträume mehr, oder?", fügte sie etwas sanfter hinzu. Es hatte sie erschreckt, dass sie Carson nachts in der Dusche gefunden hatte und es besorgte sie, da sie nicht wusste, wie sie dem Mann helfen konnte.
    • Carson wollte gerade antworten, als Julia seinen Alptraum erwähnte. In diesem Augenblick konnte er ihr nicht in die Augen sehen. Sie hatte so viel durchgemacht, hatte so viel erleiden müssen und dann träumte er davon, wie er ihr etwas antat? Es machte ihn immer noch auf so vielen Ebenen fertig. Dabei war es nur ein Traum!
      "Ich rede lieber mit dir. Ich bin nicht müde. Und das Sandwich, das mir Ricardo gebracht hat, habe ich auch noch nicht angerührt."
      Er rutschte tiefer in das Bett, zog die Decke mit der freien Hand etwas höher. Ihm war auf einmal kalt.
      "Ich höre dir gern zu, weißt du? Du hast die schönste Stimme, die ich je gehört habe. Aber sag das nicht meiner Cousine. Sie denkt immer noch, sie könnte ihre Modekarriere um eine Gesangskarriere ergänzen."


    • Julia betrachtete Carson einen Moment lang. Sie bereute es, dass sie nach seinen Träumen gefragt hatte, denn sein Verhalten zeigte deutlich, wie unangenehm ihm das Thema war. Anscheinend war der Traum schlimmer gewesen, als sie angenommen hatte und sie schämte sich für ihr fehlendes Einfühlungsvermögen. "Es tut mir leid.", sagte sie sanft und strich Carson über den Kopf, da es das einzige war, was nun noch unter der Decke hervor guckte.
      "Wenn du meine Stimme magst, kann ich dir ja etwas vorlesen.", scherzte sie und kicherte leise. Auch wenn es ihr schwer fiel, beschloss sie das Thema zu wechseln, damit Carson sich hoffentlich wieder etwas entspannte.

      Wieder vergingen einige Sekunden, in denen sie still zu ihrem Geliebten hinab blickte, der sie schon wieder an ein kleines Kind erinnerte. Es war niedlich, brach ihr aber auch gleichzeitig das Herz. Sie wollte ihm gerne seinen Wunsch erfüllen und ihm etwas erzählen, leider war ihre Vergangenheit nichts, was für eine schöne Geschichte herhalten würde. Und wenn sie Carson schon unterhielt, sollte es doch etwas angenehmes sein. "Mein Leben ist leider nicht interessant genug, um dich zu unterhalten, aber wie wäre es stattdessen damit..." setzte sie an und räusperte sich kurz, während sie noch einmal ihre Gedanken sortierte.

      "Es war einmal eine Prinzessin, die lebte ganz alleine in einem Schloss. Sie hatte große Angst vor der Welt, weshalb sie einen hohen Turm baute und sich in ihm versteckte. Über die Jahre hinweg schickte sie alle ihre Diener fort, bis sie ganz allein zurück blieb und irgendwann alle vergaßen, dass sie hinter diesen hohen Mauern lebte. Die Prinzessin störte das nicht, denn sie sagte sich, dass sie lieber einsam war, anstatt hinaus in die gefährliche Welt zu gehen.
      Aber eines Tages kam ein Prinz an dem Turm vorbei. Er bemerkte die Prinzessin und versuchte Einlass in den Turm zu bekommen. Doch sie wies ihn ab - wieder und wieder. Leider war der Prinz stur und nicht bereit einfach aufzugeben. Deshalb ersann er einen Plan. Er begann der Prinzessin Blumen zu schicken. Jeden Tag erhielt sie einen anderen Strauß, bis das Innere des Turmes vollkommen mit Blumen gefüllt war, als wäre es ein Garten. Zuerst war die Prinzessin davon sehr verwundert und sie sagte sich "Wieso soll ich jemanden trauen, der versucht mich mit Geschenken aus meinem Turm zu locken. Es ist sicher nur ein Trick und am Ende wird er mir genauso schaden wie jeder andere in der Welt dort draußen." Aber je länger sie die Blumen betrachtete, die ihr Zimmer schmückten, desto mehr war sie davon überzeugt, dass der Prinz kein schlechter Mensch sein konnte und sie wurde neugierig.
      Und so kam es eines Tages, dass die Prinzessin vorsichtig die Tür öffnete und dem Prinzen gegenüber trat. "Ich habe keine Erfahrung mit all dem hier.", sagte sie ängstlich. "Bitte pass gut auf mich auf." Der Prinz lächelte und griff nach ihrer Hand. "Du musst keine Angst mehr haben, so lange ich bei dir bin, wird die niemals jemand etwas antun." Seine Worte klangen so aufrichtig, dass die Prinzessin ihm glaubte. Und deshalb folgte sie ihm. Der Prinz schenkte ihr schöne Kleider, reiste mit ihr an wundervolle Orte und zeigte ihr sogar sein prunkvolles Schloss. Doch all das war nebensächlich, für die Prinzessin zählte nur, dass er bei ihr blieb, obwohl er gesehen hatte, was für ein abweisender Mensch sie gewesen war. Er ließ sie nicht allein und zum ersten Mal hatte die Prinzessin keine Angst mehr. Denn sie wusste, dass ihr nicht passieren würde, so lange er bei ihr war."

      Julia lächelte sanft zu Carson hinunter. "Und da er nicht gestorben ist - auch nicht an einer Magen-Darm-Grippe, leben sie noch heute."

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    • Sollte sich Carson albern vorkommen, dass er hier im Bett lag wie ein kleiner Junge und sich eine Geschichte von einer Prinzessin anhörte? Vielleicht. Aber er hatte Fieber, er war krank und er wollte nichts mehr, als der Stimme seiner Freundin zu lauschen. Vielleicht war es albern, vielleicht war es kindisch, wen interessierte das schon? Er mochte diese kleine Geschichte.
      "Du solltest das aufschreiben", riet er Julia, "irgendwann verkaufen wir das als unsere Autobiografie. Die Kids Edition."
      Er lächelte sanft und senkte den Blicknauf ihrer beider Hände. Seine Gedanken schweiften kurz ab in ein Was-wäre-wenn-Szenario, wo er mit Julia in einem schicken Haus lebten, mit ordentlichen Garten, weißee Zaun, Hund, zwei Kinder...
      "Hast du je über Kinder nachgedacht?", hörte er sich selbst sagen.
      Am liebsten hätte er sich die Hände vor den Mund geschlagen. Er hatte sie gerade so weit gebracht, bei ihm einzuziehen! Hoffentlich schon sie es auf das Fieber. Oder nahm es ihm zumindest nicht krumm...


    • Julia war Carsons Blick gefolgt und betrachtete gerade auch ihre beiden Hände, als sie von der Frage des Mannes aus ihren Gedanken gerissen wurde. Sie hob den Kopf und sah Carson verwundert an, da sie nicht verstand wieso er auf einmal auf dieses Thema kam. Er wollte doch nicht etwa... Es kostete Julia einiges an Willenskraft, um nicht den Kopf zu schütteln. Doch die Vorstellung war so abwegig für sie, dass die den Gedanken gleich wieder verwarf. Sie kannten sich noch nicht lange und obwohl sie Carson wirklich liebte, war es bereits ein großer Schritt für sie, dass sie mit ihm zusammen zog. Über irgendetwas anderes nachzudenken wäre im Moment völlig überstürzt. Und bestimmt wusste der Geschäftsmann das auch. Ja, bestimmt sprach gerade nur das Fieber aus ihm.

      Die Erkenntnis beruhigte Julia ein wenig und sorgte dafür, dass sie entspannt antworten konnte, ohne das Gefühl zu haben sich verteidigen zu müssen. "Ich mag Kinder.", begann sie und wandte ihren Blick wieder auf Carsons Hand, die immer noch ihre festhielt. "Aber ich habe noch nicht darüber nachgedacht selbst welche zu haben. Ich hätte ihm ja auch nichts bieten gekonnt. Ein Kind sollte in ein Umfeld geboren werden, in dem es sich sicher fühlt und wo es zwei Eltern hat, die sich lieben und das weitergeben können." Sie begründete ihre Aussage nicht weiter, da sie sicher war, dass Carson wusste, wieso sie keine Kinder mit ihrem Ex-Freund zusammen haben wollte. Kein Kind hatte es verdient in so eine Beziehung hinein geboren zu werden und dann in einer Welt gefangen zu sein, in der der Vater gewalttätig war und die Mutter zu ängstlich, um etwas dagegen zu unternehmen. Zu spät wurde ihr bewusst, dass sie Carson gerade vermutlich an seine unangenehme Kindheit erinnerte und sie biss sich auf die Unterlippe.
      "Wie ist es bei dir? Hättest du gerne Kinder?", es war vermutlich nicht klug das Thema weiter auszubauen, aber Julia hoffte, dass sie Carson so ein wenig aufmuntern konnte.
    • Das war allerdings eine gute Frage. Wollte er Kinder? Wollte er eine Familie gründen?
      "Ich weiß nicht. Ich hab nie darüber nachgedacht. Ich habe immer nur gearbeitet. Hätte ich da überhaupt Zeit für Kinder?"
      Aber er bekam dieses Bild nicht aus dem Kopf. Stattdessen wurde es immer detaillierter und immer realistischer. Und gegen Kinder hatte er noch nie etwas gehabt. Er mochte sie sogar irgendwie. Ihre fröhliche und ehrliche Herangehensweise ans Leben.
      Carson schütteltr den Kopf etwas und rollte sich auf die Seite. Er musterte Julia einen kleinen, stillen Augenblick lang.
      "Du solltest was essen", sagte er schließlich, "Ricardo macht dir bestimmt was. Wenn er nicht schon fertig ist. Eine halbe Stunde werde ich schon allein überleben."


    • Julia sah Carson einen Moment lang in die Augen, die immer noch ein wenig glasig wirkten. Aber letztendlich nickte sie und stand auf. "Du hast Recht, ich sollte dir ein wenig Ruhe gönnen.", gab sie zu und lehnte sich nach vorne, um ihm einen Kuss auf die Stirn zu geben. "Wenn du irgendwas brauchst, ruf nach mir. Ich bin ja gleich nebenan." Mit diesen Worten verließ sie das Schlafzimmer, auch wenn ihr das nicht leicht fiel.
      Genau wie Carson vermutet hatte, wartete im Wohnzimmer bereits ein gedeckter Tisch auf Julia. Ricardo hatte vorsorglich einen Salat und einige kleine, belegte Brote bereit gestellt. Julia war verwundert, wie aufmerksam der Koch war, so etwas war sie nicht gewohnt. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen nahm sie am Tisch Platz und ließ ihren Blick über das Essen schweifen. Es war alles so hübsch angerichtet, dass es beinahe zu schade zum essen war... aber nur beinahe.
      Ein letztes Mal sah Julia in Richtung des Schlafzimmers. Aber da von dort aus kein Laut zu hören war, schaffte sie es endlich sich auf sich selbst zu konzentrieren und ihrem Magen eine lang überfällige Mahlzeit zu gönnen.
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