[2er RPG] Burning Desire

    • "Dana würde blöd gucken und den ganzen Tag versuchen, nicht zu neugierig zu sein. Wenn sie könnte, würde sie dich mit Fragen löchern, gerade über das Penthouse, aber dafür ist sie zu profssionell."
      Nur konnte Carson seiner Angebeteten keinen Wunsch ausschlagen, weswegen er bereits einen anderen Plan fasste.

      Eine Stunde später saß Carson in seinem Büro an seinem Schreibtisch und arbeitete in aller Ruhe an einer Pressemitteilung den Brand betreffend. Es klopfte leise, dann öffnete Dana die Tür und ließ Austin und Julia hinein. Austin schleppte eine Kiste, auf der das Logo von Julias Arbeit abgebildet war, und zwei Laptops. Er stellte alles auf dem Couchtisch in der Ecke von Carsons Büro ab und verschwand dann.
      "Na? Gut so, oder soll ich dir einen eigenen Schreibtisch bringen lassen?", fragte Carson lächelnd und setzte seine Ok unter die Pressemitteilung, die noch heute rausgehen würde.


    • Julia hatte ein sehr schlechtes Gewissen, da sie Carson nun seinen Arbeitstag erschwerte. Es war sicher nicht angenehm, dass er sein Büro nun mit jemanden teilen musste. Selbst wenn das seine Freundin war.
      Und Austins unzufriedener Blick, mit dem er Juliana betrachtete, als er ihre wenigen Habseligkeiten in einer Kiste vor sich her in Richtung des Büros seines Chefs trug, beruhigte ihr schlechtes Gewissen auch nicht. Nur Dana schien sich über den seltsamen Sonderwunsch ihres Vorgesetzten nicht zu wundern. Oder sie war einfach professionell genug, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Während Julia ein Dokument unterschrieb, in dem sie bestätigte, dass sie keine internen Informationen nach außen tragen würde, lächelte die dunkelhäutige Frau ihr freundlich zu. Julia versucht das Lächeln zu erwidern, aber es wirkte wesentlich schüchterner. "Das ganze tut mir ehrlich leid. Ich wusste nicht, dass er so etwas plant.", sagte sie entschuldigend, doch Dana schüttelte nur den Kopf. "Das ist bei weitem nicht das seltsamste, was Mr. Davis sich ausgedacht hat.", gab sie zurück und ihr Lächeln schien noch etwas breiter zu werden. Kurz sah es so aus, als wollte sie noch etwas hinzu fügen, doch dann öffnete Austin die Tür zum Büro und Julia beeilte sich, um ihm zu folgen. "Wenn Sie irgendwas brauchen, lassen Sie es mich wissen Mr. Kinnley.", rief Dana ihr noch hinterher.

      Nachdem der griesgrämige Assistent wieder verschwunden war, saß Julia einen Moment lang etwas unschlüssig auf der Couch. "Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.", setzte sie an, stellte dann aber fest, dass sie sich selbst widersprach. "Ich weiß, dass du das für mich tust. Vielen Dank.", sagte sie stattdessen und schaffte es sogar ein wenig zu lächeln. "Aber bist du sicher, dass ich dich nicht störe? Es könnte sein, dass ich telefonieren muss...", kurz sah sie zu ihrem Laptop, um sicher zu gehen, dass der Ton ausgestellt worden war. Das letzte, was sie gerade gebrauchen konnte war, dass ständig ein Hinweiston erklang, wenn sie eine E-Mail bekam. Währenddessen kaute sie unbewusst auf ihrer Unterlippe herum, doch das schlechte Gewissen wollte sich einfach nicht beruhigen lassen.
      "Das gute an meinem Sitzplatz hier ist, dass du herkommen und dich hinlegen kannst, wenn es dir nicht gut geht.", begann sie nach einer kurzen Pause, in der sie sich eingeredet hatte, dass sie dankbar dafür sein sollte, dass Carson sich wegen ihr so viele Umstände machte. "Versprich mir bitte, dass du wenigstens das tust. Okay?"
    • Carson legte den Kugelschreiber beiseite, der bis eben noch über seine Finger getanzt war, während er Papierkram überflogen hatte. Er sah zu Julia und lächelte sanft.
      "Natürlich", sagte er, "Ich habe Dana auch darum gebeten, mich alle drei Stunden zu einer Pause zu zwingen und da neben dir auf dem Bartresen zieht eine Kanne Tee."
      Allein dass Juliana anwesend war, sorgte dafür, dass Carson so auf sich achtete. Früher hätte er wahrscheinlich einfach weiter gearbeitet, bis sein Schädel drohte zu explodieren oder dergleichen.
      "Wenn du telefonieren musst, dann mach das ruhig. Ich bin einem Haushalt mit drei anderen Teenagern aufgewachsen und habe in einem Studentenwohnheim gelebt. Ich weiß, wie man Lärm ausblendet. Außerdem werde ich selbst das ein oder andere Gespräch führen müssen, also keine falsche Zurückhaltung, nur weil du denkst, du störst mich. Du könntest mich niemals stören, Juli."


    • Einen Moment lang sah Julia Carson still an, während sie das Gefühl hatte, dass ihr Herz auf die doppelte Größe anschwoll und ihr das Atmen erschwerte. Immer wenn sie dachte, dass sie diesen Mann nicht noch mehr lieben könnte, tat oder sagte er etwas, was sie vom Gegenteil überzeugte. Und er schien das nicht einmal zu bemerken. Am liebsten wäre sie aufgestanden und hätte ihn geküsst, doch sie hielt sich zurück und erinnerte sich selbst daran, dass sie hier war um zu arbeiten und Carson nicht ablenken wollte.

      Einige Minuten lang beschäftige Julia sich damit ihre wenigen Arbeitsmaterialien auf dem kleinen Tisch zurecht zu legen und es sich mit ihrem Laptop auf der Couch bequem zu machen. Sie brauchte nicht viel, da sie die meisten Dinge online erledigte. Hauptsächlich bestand ihre Aufgabe im überprüfen von Rechnungen und Bestellungen. Es war keine besonders interessante Aufgabe, doch sie war genauso wichtig wie die Arbeit im Frauenhaus.
      Sie war gerade dabei eine Dankesmail an einen ihrer Sponsoren zu verfassen, als ihr Handy klingelte. Erschrocken zuckte Julia zusammen und ging eilig dran, bevor das Klingeln noch weiter die Ruhe im Raum zerstören konnte und sie nahm sich gleichzeitig vor, es sofort auf 'stumm' zu schalten, sobald dieser Anruf beendet war. "Kinnley?", sagte sie, da sie nicht auf den Display geschaut hatte und deshalb nicht sicher war, mit wem sie gerade sprach.

      Am anderen Ende blieb es einen Moment lang still, aber dann war es Leahs Stimme, die sich meldete. "Du kommst also wirklich nicht zur Arbeit? Als Rosa sagte, dass du diese Woche geschäftlich unterwegs bist, konnte ich es gar nicht glauben." Julia warf Carson einen kurzen Blick zu. Es wunderte sie nicht, dass ihre Kollegin sie anrief, doch gleichzeitig ärgerte es sie ein wenig, dass sie wegen so etwas Carsons Konzentration störte. "Es stimmt tatsächlich und weil ich hier kein Büro für mich alleine habe, kann ich nicht wirklich telefonieren, Leah, es tut mir leid.", sagte sie sanft, da es ihr gleichzeitig ein wenig leid tat, dass sie die andere Frau abwürgen musste, obwohl diese sich vermutlich nur Sorgen machte.
      Ein leises Lachen war zu hören, Leah war anscheinend von Julias Worten nicht beleidigt. "Ich stelle mir das so aufregend vor. Andrew hat erzählt, dass Mr. Davis persönlich nach dir verlangt hat. Arbeitest du nun vom Davis-Tower aus? Kannst du mir ein Foto schicken?" Die Blondine seufzte. "Hast du mir überhaupt zugehört?", gab sie zurück. "Och, nun seid doch nicht so, Juli.", Leah klang wie ein schmollendes Kind und Julia konnte ein schmales Lächeln nicht unterdrücken. "Du musst ihn auf der Konferenz ziemlich beeindruckt haben, wenn er dich zu einem Geschäftsessen mitnehmen will.", fuhr Leah nach einer kurzen Pause fort. "Obwohl... wenn ich ein Mann wäre, würde ich auch lieber eine hübsche, junge Frau mitnehmen, anstatt Andrew.", sie lachte belustigt, wurde dann aber auf einmal ungewöhnlich ernst. "Du passt doch auf dich auf, Juli, oder? Wenn er irgendwas macht, was du nicht willst, sagst du sofort einem von uns Bescheid, okay?" Beinahe hätte Julia aufgelacht, doch sie hielt sich zurück, da die andere Frau nicht verstanden hätte, was sie an dieser Aussage so lustig fand. "Mach dir keine Sorgen, Leah. Mr. Davis war bisher sehr zuvorkommend zu mir.", sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Kollegin anlog, doch sie sagte sich, dass dies im Moment das beste war.

      "So gerne ich mit dir rede, möchte ich seine Gastfreundlichkeit wirklich nicht weiter ausnutzen oder die anderen hier stören. Wenn du also nichts berufliches besprechen möchtest, müssen wir das Gespräch später fortsetzen.", Julia bemühte sich ihre Stimme freundlich klingen zu lassen, da sie die andere nicht verletzen wollte. Und ausnahmsweise gab Leah diesmal erstaunlich schnell nach. "Beruflich... oh ja richtig. Da war wirklich etwas...", sie schien kurz zu überlegen und Julia fragte sich, ob sie vor lauter Aufregung ihre Frage vergessen hatte oder nun nach einer Ausrede suchte. "Samantha hat morgen ihre Gerichtsverhandlung und ich kann ihre Akte nicht finden. Sie ist nicht bei den anderen.", erklang es nach einigen Sekunden aus dem Hörer. Julia nickte. "Ich habe die Dokumente etwas sortiert, damit man morgen alles besser findet. Die Akte ist in der oberen Schublade vom Schreibtisch. Du weißt ja, wo der Schlüssel ist."

      Nachdem sie das Gespräch beendet hatte, schrieb Julia ihre E-Mail fertig, bevor ihr Blick wieder zu Carson wanderte. Sie machte sich noch immer Sorgen um ihren Freund, wollte ihn aber nicht ständig fragen wie es ihm ging und ihn dadurch stören. Aber da sie es auch in den nächsten Minuten nicht schaffte sich zu beruhigen, stand sie schließlich auf und ging zum Tresen. Mit der dampfenden Teetasse in der Hand ging sie zu dem Schreibtisch und stellte sie vorsichtig auf eine freie Stelle, an der sie nicht umkippen konnte. "Vergessen Sie bitte nicht Ihren Tee zu trinken, so lange er noch warm ist, Mr. Davis.", sagte sie sanft und lächelte dem Mann zu. Sie konnte sich nicht davon abhalten ihm leicht über die Schulter zu streichen, während sie sich abwandte und zu ihrem Abrbeitsplatz zurück kehrte.
    • Der Papierkram ging. Hin und wieder beschwerten sich seine Augen, wenn er das Kleingedruckte lesen musste, aber allgemein kam er mit dem Papierkram klar. Nur dass das bloß ein Bruchteil seiner Arbeit war. Den meisten Kram musste er am Computer machen und das war, wie Carson schon sehr bald feststellte, weit weniger angenehm. Er stellte die Helligkeit schon so weit runter, wie er konnte, ohne dass das einen großen Effekt hatte. Relativ schnell pendelte er sich dabei ein, immer nur kurz etwas am Bildschirm zu machen und seinen Augen dann mit dem Papierkram eine Auszeit zu gönnen. Seinen Kopfschmerzen war das allerdings herzlich egal.
      "Vergessen Sie bitte nicht Ihren Tee zu trinken, so lange er noch warm ist, Mr. Davis."
      Carson lehnte sich zurück und sah Julia danken an. Daran hatte er gar nicht mehr gedacht vor lauter Wie arbeite ich effizient, obwohl ich am liebsten schlafen würde. Er griff nach der Tasse und trank einen großen Schluck. Er hatte die irrationale Hoffnung gehabt, dass der Tee alles besser machen würde, aber so gut war dieses natürliche Heilmittel dann doch nicht. Allerdings konnte er damit eine Aspirin runterspülen, die in fünfzehn Minuten zumindest ein bisschen helfen würde.

      Nachdem er sich durch den ganzen Quatsch für die Presse und die PR-Abteilung gefressen hatte, hatte Carson keine Lust mehr. Sein Schädel hämmerte bedrohlich im Takt seines Pulses, seine Augen waren trocken und juckten die ganze Zeit und Tee hatte er auch keinen mehr. Er schickte die letzte Mail an die PR-Leute, dann stand er auf, stapfte zu Julia rüber und ließ sich auf die Couch fallen. Ein Nickerchen war jetzt genau das richtige. Es dauerte nur zwei Minuten, da schlief er schon. Auf dem Bauch liegend, die edlen Schuhe neben der Couch stehend, in einen ordentlichen Anzug gehüllt. Das Jackett hing ordentlich an der Garderobe neben der Tür und eine Krawatte hatte er sich vorausschauenderweise gar nicht erst angezogen. Dennoch wirkte es ein wenig seltsam, selbst mit all der hochwertigen Designerausstattung im Büro.

      Einige Zeit später klopfte es leise und Dana trat in das Büro.
      "Mr. Davis, ich wollte Sie an Ihre Pausen er-"
      Sie stoppte, als sie ihren Arbeitgeber friedlich auf der Couch schlummern sah.
      "Da hat er einmal seinen Terminplan im Kopf", sagte Dana lächelnd.
      Sie ging zu seinem Schreibtisch und nahm die Teetasse mit. An der Bar setzte sie freundlicherweise gleich eine neue auf.
      "Darf ich offen sprechen, Ms. Kinnley?", fragte sie auf einmal und wandte sich zu der Blondine um, "Sie tun ihm gut. Dass er jetzt so auf sich achtet wäre vor drei Monaten noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Er hat sich einmal so sehr in seiner Arbeit verloren, dass er die Erkältung verschleppt hat. Hat danach drei Wochen mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus verbringen dürfen."
      Sie schüttelte den Kopf, als sie sich daran erinnerte, wie sie seinen Cousin hatte anrufen müssen, damit dieser Carson davon überzeugte, sich endlich etwas Ruhe zu gönnen und nicht auch noch im krankenhaus zu arbeiten.
      "Aber seit er Sie kennengelernt hat, ist er viel besser drauf. Und damit meine ich nicht nur das breite Grinsen, das er montags immer mit ins Büro trägt. Er gibt sich wirklich Mühe. Fragt mich ständig, was einer Frau denn so gefallen würde und so was. Er will Sie beeindrucken."


    • Julia lächelte leicht, als Carson endlich einmal von seinem Schreibtisch aufstand. Doch dieses Lächeln verschwand schnell wieder, da ihr auffiel, wie blass er noch immer war. Besorgt beobachtete sie, wie er sich auf das Sofa fallen ließ, das neben dem Sessel stand, auf dem sie saß, und noch während sie überlegte, ob es wirklich sinnvoll war ihn zu fragen wie es ihm ging, war er bereits eingeschlafen.
      In den nächsten Minuten versuchte Julia so leise wie möglich weiter zu arbeiten, ihr Blick wanderte jedoch immer wieder zu dem schlafenden Geschäftsmann herüber. Ihr Handy hatte sie inzwischen ausgeschaltet, da sie vermutlich jeden umbringen würde, der jetzt ihren Geliebten aufweckte. Es war deutlich, dass er diese Ruhepause brauchte und Julia war unendlich dankbar dafür, dass er sie sich auch nahm.

      Da sie versuchte besonders leise zu sein, zuckte Julia zusammen, als sich auf einmal die Tür öffnete. In der Ruhe des Büros kam ihr das Geräusch, das ihr sonst vermutlich gar nicht aufgefallen wäre, unendlich laut vor. Sie drehte den Kopf und bemerkte Dana, die den Raum betrat. Einen Moment lang betrachtete die Frau ihren schlafenden Chef mit einem verwunderten Blick, doch dann legte sich ein Lächeln auf ihr hübsches Gesicht.
      Es überraschte Julia ein wenig, dass Dana ein Gespräch mit ihr begann und ihre Augen weiteten sich staunend, als sie die freundlichen Worte hörte. "Er will mich beeindrucken?", wiederholte sie irritiert. Sie war sich sicher, dass auch Dana wusste, wie absurd diese Aussage klang. Carson hatte alles, was er sich wünschte. Alleine was er schon alles erreicht hatte war beeindruckend - von seinem Reichtum und gutem Aussehen ganz zu schweigen. "Falls er Sie noch einmal fragt, können Sie ihm sagen, dass es mich am meisten beeindruckt, wenn er an seine Pausen denkt und sich nicht überarbeitet.", sagte sie leise und schaffte es ein wenig zu lächeln. Sie wollte gerade noch etwas hinzu fügen, als sich auf einmal ihr Magen zu Wort meldete. Anscheinend schien er sich daran zu erinnern, dass Julia vor lauter Sorge das Frühstück nicht herunter bekommen hatte.
      Danas Mundwinkel hoben sich etwas nach oben, doch sie schaffte es ein Lachen zu unterdrücken. "Möchten Sie, dass ich etwas zu Essen bringe?" Julia dachte kurz über das Angebot nach. Sie hasste es die andere Frau auszunutzen, obwohl das im Grunde ihr Job war. "Vielleicht etwas mit Vitamin C? Obst oder Orangensaft.", sagte sie vorsichtig. Dana hielt kurz inne. "Ich meinte eher für Sie selbst.", gab sie schließlich zurück, nachdem sie anscheinend beschlossen hatte, dass es in Ordnung war Widerworte zu geben. Julia nickte nur. "Ja, ich esse mit ihm zusammen, wenn er aufwacht.", erklärte sie.

      Nachdem Dana sich wieder zurückgezogen hatte, stellte Julia ihren Laptop auf dem Couchtisch ab und sah noch einmal zu Carson. Vorsichtig streckte sie eine Hand aus und strich ihm einige Haarsträhnen zurück, die ihm ins Gesicht gefallen waren. Sein Kopf fühlte sich nicht mehr ganz so heiß an, was Julia sehr erleichterte. Auch wenn ein Teil von ihr nicht sicher war, ob sie sich das vielleicht nicht einfach nur einbildete, weil sie so sehr daran glauben wollte. "Kannst du deine Krankheit nicht einfach mir geben?", flüsterte sie ihm zu und fuhr ihm noch einmal durch das weiche Haar. Danas Worte klangen noch deutlich in ihrem Kopf wieder. Allein die Vorstellung, dass Carson diese Erkältung vielleicht verschleppt hätte, wenn sie nicht mit ihm gekommen wäre... und dass vielleicht so lange, bis er ins Krankenhaus musste, war schrecklich für sie. "Hey Carson, wenn du wieder gesund wirst, ziehe ich sofort bei dir ein." Es war eine sehr kindische Aussage und Julia wusste, dass eine Krankheit sich nicht bestechen ließ. Trotzdem würde sie alles tun, damit es dem Mann besser ging. Sie würde alles für ihn tun.

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    • "Ich nehm dich beim Wort", geummelte Carson und ein breites, triumphales Grinsen bildete sich auf seinem blassen Gesicht.
      Er stemmte die Arme gegen die ledrigen Polster, drückte sich hoch und ließ sich auf den Rücken fallen. Sein Blick schnellte zu Julia hoch und die Sprge in ihren Augen brach ihm gleichermasen das Herz, wie ihn ihre Überraschung belustigte. Er griff nach ihrer Hand und spielte mit ihren Fingern.
      "Du solltest aufhören, dir so große Sorgen um mich zu machen. Das ist tatsächlich das Einzige, was an dir nicht schön aussieht. Sorge, Angst, Traurigkeit... das steht dir nicht."
      Er drückte einen liebevollen Kuss auf ihre Fingerknöchel, dann bettete er ihre Hand unter seinen auf seiner Brust und schloss erneut die Augen. Das Nickerchen hatte gut getan, aber die Aspirin hatte aufgehört zu wirken, entsprechend beschwerte sich sein Kopf.


    • Als Carson plötzlich sprach und die Augen öffnete, wäre Julia vor Schreck fast vom Sessel gefallen. Natürlich musste er ausgerechnet diesen einen Satz hören...
      "Ich wollte dich nicht wecken.", gab sie zurück, während sie in ihrem Kopf noch nach einer Ausrede suchte. Als ihr jedoch keine einfiel, ließ sie sich vom Stuhl rutschen, so dass sie sich neben der Couch auf den Boden setzen konnte. So war es für sie etwas bequemer, da Carson noch immer ihre Hand festhielt und außerdem konnte sie nun ihren Kopf an seine Schulter anlehnen. "Jemand, der so unvernünftig ist wie du, sollte sowieso nicht alleine wohnen.", gab sie leise zu. "Ich bin wirklich froh, dass ich hierher gekommen bin und ein wenig auf dich aufpassen kann. Und ich kann leider nicht damit aufhören mir Sorgen zu machen, dafür bist du mir zu wichtig. Würde es dir nicht genauso gehen, wenn ich krank wäre?" Sie wusste, dass die Frage nicht ganz fair war, aber gleichzeitig fühlte sie sich immer noch ein wenig von Carson ausgetrickst und fragte sich, wie viel von ihrer Unterhaltung mit Dana er wohl schon mitbekommen hatte.

      Einige Minuten saß sie still neben dem Sofa und musterte ihren blassen Partner. "Wollen wir nicht ins Bett gehen? Das ist bestimmt bequemer als hier.", Julia versuchte erst gar nicht Carson dazu zu überreden, dass er alleine in die Wohnung zurück ging. Im Grunde würde sie ihm irgendwann sowieso folgen, da sie Angst hatte, dass er heimlich wieder zu arbeiten anfangen könnte.
    • Julia hatte ja Recht. Wäre Julia krank würde er ihr nicht eine Sekunde von der Seite weichen.
      Er schüttelte den Kopf, als Julia ihn dazu bringen wollte, sich ins Penthouse zurückzuziehen, um sich auszuruhen. Er hatte noch einiges zu tun, selbst wenn er kürzer trat, um sich nicht zu Tode zu arbeiten.
      "Ich muss noch ein paar Mails beantworten und Leute rumscheuchen, damit ich die Woche ein bisschen mehr Luft habe. Heute ein bisschen mehr, dafür den Rest der Woche weniger. Sollte doch eigentlich deinen Plänen entsprechen, oder?"
      Er lächelte sanft und küsste erneut Julias Fingerknöchel.
      "Wenn alles nach Plan läuft, können wir morgen ausschlafen."
      Er wusste, dass er kürzer treten musste, um wieder auf die Beine zu kommen und er wusste, dass er schnell wieder auf die Beine kommen musste. Er hatte zu viel zu erledigen, um krank im bett rumzuliegen.


    • Julia zog die Mundwinkel nach unten und lehnte ihren Kopf dabei ein wenig fester gegen Carsons Schulter. Es gefiel ihr nicht, dass er unbedingt weiter arbeiten wollte und die Tatsache, dass sie ihn nicht umstimmen konnte, frustrierte sie. "Gerade heute solltest du weniger arbeiten... und du sollst dir doch wegen mir keine Umstände machen.", murrte sie, schaffte es aber nicht sauer auf ihren Partner zu sein, da ihre Sorge einfach zu groß war.
      Es kostete sie einiges an Willenskraft, doch schließlich gelang es ihr ihre Hand unter seiner hervor zu ziehen. "Ich vertraue dir.", sagte sie langsam und versuchte sich gleichzeitig selbst von ihren Worten zu überzeugen. "Dana hat mir erzählt, was das letzte Mal passiert ist, als du dich überarbeitet hast. Lass es bitte nicht wieder soweit kommen. Ich könnte mir das niemals verzeihen." Einen Moment lang sah sie den Mann, den sie so sehr liebte, still an. "Es ist vermutlich eine dumme Frage, aber kann ich irgendwas tun, um dir zu helfen?"
    • Carson setzte sich auf und legte seine Hände an Julianas Wangen.
      "Du musst nichts tun", sagte er sanft und strich ihr sanft über das Gesicht, "Außer hier bei mir zu sein. Solange du hier bist, mache ich keine Dummheiten. ich will ja nicht, dass da noch mehr dieser unschönen Sachen auf deinem Gesicht auftauchen. Ich werde heute meine Arbeit erledigen. Wenn es zu viel wird, mache ich eine Pause. Und wenn ich meine Arbeit erledigt habe, dann habe ich Zeit, krank zu sein und mich auszukurieren. Richtig gesund zu werden. Deswegen mache ich das doch alles."
      Er zog Julias Gesicht ein wenig näher zu sich, dann drückte er ihr einen Kuss auf die Stirn.
      "Nur wegen dir passe ich auch mich auf und solange du da bist, werde ich das auch weiterhin mit Sicherheit tun."
      Er betrachtete seine Angebetete eine kleine Weile.
      "Weißt du, wenn du nicht willst, musst du nicht bei mir einziehen. Normalerweise nehme ich Leute beim Wort, aber ich will dich zu nichts zwingen. Der Geschäftsmann in mir muss einfach mal die Klappe halten. Wird ihm schon keinen Zacken aus der Krone brechen."


    • Julia verstand einfach nicht, wie Carson es mit so einfachen Worten immer wieder schaffte ihr Herz schneller schlagen zu lassen und ihr das Gefühl zu geben, als würde sie innerlich schmelzen. Vermutlich wusste er gar nicht, was für eine Wirkung er auf sie hatte und die junge Frau war im Moment sehr dankbar dafür.
      "So lange du dich nicht übernimmst, ist das in Ordnung.", gab sie schließlich zu, nachdem sie beschlossen hatte, dass sie Carsons Leben nicht zu sehr beeinflussen sollte. Seine Aufgaben waren wichtiger als ihre und sie konnte sich nur ansatzweise ausmalen, was geschehen könnte, wenn er diese vernachlässigte.

      "Nur wegen dir passe ich auch mich auf und solange du da bist, werde ich das auch weiterhin mit Sicherheit tun." Julia war sich nicht sicher, ob Carson bewusst war, was diese Aussage bei ihr auslöste. Während ein kleiner Teil von ihr sich immer noch dagegen sträubte, war ihr Großteil bereits schwach geworden und dieser Satz war ein zusätzliches Argument für sie.
      Doch als hätte der Geschäftsmann ihre Gedanken gelesen, entkräftete er kurz darauf seine Worte wieder. Julia sah ihn einen Moment lang still an, während sie überlegte wie viel Willenskraft es ihn wohl kostete, so geduldig auf ihre Entscheidung zu warten und ob es wohl frustrierend für ihn war. "Ich mache normalerweise keine Versprechungen, die ich nicht halten kann.", verteidigte sie sich. "Ich habe das auch wirklich so gemeint. Wenn ich ehrlich mit mir bin, würde ich wirklich gerne mit dir zusammen leben. Es ärgert mich nur, dass ich nichts dazu beitragen kann. Für dich mag das albern klingen, aber wenn man mit jemandem zusammen wohnt, wollte man sich die Aufgaben und Kosten teilen. Aber ich kann mit deinem Lebensstil nicht ansatzweise mithalten.", sie machte einen nachdenklichen Laut, während sie realisierte, dass ihr Grund für Carson vermutlich kindisch klang. "Ich möchte nicht auf deine Kosten leben, verstehst du?"
      Sie sah Carson liebevoll an. "In meinem Kopf existiren so viele 'Was wäre wenn' s, die ich schon seit Tagen versuche zum schweigen zu bringen. Aber an dem einen Punk kann ich nichts ändern."
    • Carson lachte leise. Das war alles, was Julia davon abhielt, bei ihm einzuziehen?
      "Schatz, mach dir darum doch keinen Kopf", sagte er und lehnte sich entspannt zurück, "Du darfst gern ein paar meiner Designermöbel rauswerfen, Bilder aufhängen, deinen weibliche Note rein bringen. Ich habe dir gesagt, dass ich dir mein Imperium zu Füßen lege, dass es dir gehören kann. Ich meine das Ernst. Du kannst das gesamte Penthouse umdekorieren, wenn du dich dann besser fühlst. Du darfst mir in den Arsch treten, um mich aus der Küche zu befördern, wenn du kochen willst."
      Meinte er das gerade wirklich ernst? Er hatte ohne zu zögern die Kontrolle über sein Heim abgetreten und es machte ihm nichts aus. Er fühlte sich nicht anders als zuvor, er hatte kein Interesse daran, seine Worte zurück zu nehmen.
      "Du hast freie Hand. Was immer du tun willst, um dich wohl zu fühlen, tue es."


    • Carsons Lachen bestätigte Julia darin, dass er ihre Einwände wirklich als kindisch betrachtete. Und vielleicht waren sie das sogar.
      In den letzten Tagen hatte sie wirklich oft darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn sie mit Carson zusammen leben würde. Sie hatte sogar einige schlaflose Nächte deswegen verbracht. Doch je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr Zweifel erfand ihr Kopf.

      Was wäre wenn es am Ende doch nicht funktionierte? Wo sollte sie hingehen, wenn sie jetzt ihre Wohnung kündigte und alles aufgab? Würde sie wieder ganz alleine sein?
      Was würden ihre Kollegen und Andrew denken, wenn sie erfuhren, dass Julia mit dem Geschäftsmann ausging. Was würde Carson Familie dazu sagen, dass sie bei ihm einzog? Was würden die anderen Leute denken? Würde man sie für eine Goldgräberin halten? würde die Presse Carson schlecht dastehen lassen? Würde sein Geschäft darunter leiden?

      Es war wie eine unendlich hohe Welle an Ängsten, die über ihr zusammen schlug und ihr die Luft nahm.

      Doch Carson schien sich über all das keine Gedanken zu machen. Er hatte keine Angst oder Zweifel. Seine Worte waren für Julia wie ein Rettungsseil, nach dem sie nur noch greifen musste. "Hast du nie darüber nachgedacht, was passiert, wenn es nicht funktioniert?", fragte sie, ohne weiter darüber nachzudenken.
      Kurz schwieg sie und sah in die blauen Augen des Geschäftsmannes. Man konnte ihm noch immer ansehen, dass es ihm schlecht ging, doch gleichzeitig lag ein so sanfter Ausdruck in seinem Blick, dass es Julia kurzfristig die Sprache verschlug. Sie leckte sich einmal nervös über die Lippen, da ihr die nächsten Worte nicht leicht fielen. "Sobald du wieder völlig gesund bist, fange ich an meinen Umzug vorzubereiten."
    • "Warum sollte ich über etwas nachdenken, was nicht eintreten wird?", stellte Carson die Gegenfrage.
      Als Julia ihm dann aber versprach, wirklich bei ihm einzuziehen, da hätte er sie am liebsten geküsst. Sie wusste gar nicht, wie viel ihm diese kleine Entscheidung bedeutete.
      "Jede Hilfe, die du brauchst, sollst du bekommen. Papierkram, packen, egal was."
      Er schlang seine Arme um Juliana und zog sie auf seinen Schoß. Das war vielleicht eine richtig dumme Idee, er könnte sie anstecken, aber er brauchte das gerade! Er lehnte seine Stirn an Julias, das Grinsen konnte er einfach nicht abstellen.
      "Ich könnte dich gerade aufessen vor Freude", lachte er, doch das Lachen wurde ziemlich schnell zu einem leichten Hustenanfall.
      Er beugte sich an Julia vorbei, halb lachend, halb hustend. Schließlich ließ er sich wieder zurück gegen die Rückenlehne sinken, die Hände ließ er über Julias Arme streichen.
      "Nur noch ein bisschen Arbeit, okay?"


    • Alle Zweifel von Julia verschwanden augenblicklich, als die Carson lachen hörte. Sie hatte nicht mit einer so überschwänglichen Reaktion gerechnet, lehnte sich aber dennoch in seine Umarmung. Sie war noch immer nicht sicher, ob sie das ganze nicht überstürzte, aber sie schaffte es nicht mehr ihre Entscheidung zu bereuen. Vor allem nicht, so lange Carson sich dermaßen darüber freute.
      Aber bevor sie anfangen konnte darüber nachzudenken, was sie alles bedenken musste und sich nur noch mehr Fragen in ihrem Kopf bilden konnten, konzentrierte sie sich lieber auf den Mann vor sich. Es fiel ihr nicht leicht ihn gehen zu lassen, aber sie hatte es ja versprochen. "Nur noch ein bisschen...", stimmte sie zu, während sie sich einredete, dass Carson seinen Zustand besser einschätzen konnte als sie und sich nicht übernehmen würde.
    • Ein letztes Mal drückte Carson der Frau seiner Träume einen Kuss auf die Stirn, dann schob er sie von sich herunter und stand auf. Sein Kreislauf beschwerte sich, aber Carson ignorierte das. Die wenigen Meter zum Schreibtisch schaffte er beinahe ohne Schwanken.
      Die nächsten drei Stunden verbrachte er damit, einen Arbeitsplan aufzustellen, damit möglichst viele Leute möglichst viel Arbeit von ihm übernehmen konnten. Er versuchte, sich den Rest der Woche komplett freizuschaufeln und bis auf eine Telefonkonferenz mit Frankreich, einem Update der Ermittlungen beim San Francisco Police Department mitsamt dem Fire Department und einer Vertragsunterzeichnung beim Notar konnte er auch wirklich alles delegieren. Dana würde er danach allerdings eine Woche Urlaub extra gestatten müssen...

      "Fertig", sagte er lächelnd in Julianas Richtung.
      Wenn er ehrlich war, dann hätte er aber auch nicht viel länger arbeiten können. Sein Schädel explodierte, obwohl er sich schon eine weitere Aspirin gegönnt hatte und so langsam beschwerte sich auch sein Magen. Er hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, denn allein der Anblick von dem Snack, den Dana vorbei gebracht hatte, hatte dazu geführt, dass er sich schlecht fühlte. Das Risiko hatte er nicht eingehen wollen, aber jetzt schien das seinem Magen egal zu sein. Carson rechnete eigentlich jeden Augenblick damit, ins Bad stürmen zu müssen, um das Schlimmste zu verhindern. Dazu war auch Schüttelfrost gekommen. In Abständen von etwa zwanzig Minuten schwankte er zwischen Ich will mir alle Klamotten vom Leib reißen und die Ice Bucket Challenge machen und Ich sollte mich in das Michelin-Männchen verwandeln. Er versuchte gar nicht erst, es zu verbergen. Julia würde ihn durchschauen und sich noch mehr Sorgen machen. Das wollte er nicht.
      Er fuhr seinen Computer herunter, schaltete sein dienstliches Mobiltelefon aus und sein privates auf stumm. Er meldete sich jetzt bei sich selbst krank und würde sich die Woche über schonen.


    • Während sie versuchte selbst ein wenig zu arbeiten, sah Julia immer wieder zu Carson hinüber und ihre Sorge schien mit jeder Minute stärker zu werden. Es war deutlich zu sehen, dass der Zustand des Mannes sich verschlechterte und es kostete Julia all ihre Willenskraft, um nicht aufzuspringen und ihm am Kragen vom Schreibtisch wegzuziehen. Doch sie war fest entschlossen ihr Versprechen zu halten.
      Trotzdem war sie unendlich erleichtert, als er endlich verkündete, dass er fertig war und freiwillig aufstand. Sofort sprang sie auf und eilte an seine Seite, damit sie ihn stützen konnte und spürte sofort, wie heiß sein Köper war. "Komm, bringen wir dich ins Bett.", sagte sie zu ihm und als keine anzügliche Antwort von dem Mann kam, war sie endgültig davon entfernt, dass er sehr krank war.

      Julia war eigentlich kein dominanter Mensch, doch sobald sie im Penthouse angekommen waren, schob sie Carson geradezu ins Schlafzimmer und half ihm beim ausziehen. Nachdem sie ihm einen Pyjama angezogen hatte, verfrachtete sie ihn mit sanfter Gewalt ins Bett. Danach verschwand sie kurz in der Küche und kehrte wenige Minuten mit einer Tasse Tee zurück, die sie auf dem Nachttisch abstellte. Wenig später stand dort auch noch ein Glas Wasser und eine Packung Paracetamol. Neben Schmerztabletten war das das einzige Medikament, das sie in der Wohnung finden konnte. Man merkte, dass Carson versuchte Krankheiten zu ignorieren und deshalb überhaupt nicht auf sie vorbereitet war.
      Einen Moment lang überlegte die junge Frau, ob sie nach hause fahren und ein paar Dinge von dort holen sollte, aber sie schaffte es nicht ihren Geliebten in diesem Zustand alleine zu lassen. Also versuchte sie das beste aus dem zu machen, was sie hatte.

      Und so kam es, dass sie die nächsten Stunden in einem Sessel an Carsons Bett saß und seine Hand hielt. Wenn er schwitzte tupfte sie eine Stirn mit einem feuchten Waschlappen ab, wenn er fror deckte sie ihn mit einer zusätzlichen Decke zu, wenn er zur Toilette musste, stützte sie ihn auf dem Weg und sie sorgte dafür, dass immer ein warmer Tee an seinem Bett stand.
      Es brach Julia das Herz Carson so leiden zu sehen. Um sich ein wenig zu beruhigen erinnerte sie sich daran, dass Fieber im Grunde etwas gutes war, da es zeigte, dass der Körper sich gegen die Krankheit wehrte. Trotzdem nahm sie sich insgeheim vor am nächsten Morgen Chase anzurufen, wenn sich herausstellte, dass ihre Hausmittel nicht gewirkt hatten.

      "Wenn irgendetwas ist, rufst du nach mir.", flüsterte sie Carson zu, obwohl sie nicht wusste, ob er ihr zuhörte oder schon wieder fast eingeschlafen war. Liebevoll küsste sie ihn auf die Stirn, bevor sie den Anteil des Bettzeugs nahm, den sie sonst immer benutzte, und ihn ins Wohnzimmer trug, wo sie sich ihr Bett auf der Couch einrichtete. Sie wäre am liebsten die ganze Nacht lang neben dem Bett sitzen geblieben, doch sie vermutete, dass Carson einige Stunden lang seine Ruhe haben wollte und besser schlafen konnte, wenn er ungestört war. Im Gegensatz zu ihm fand die Blondine jedoch keine Schlaf in dieser Nacht.
    • Er hätte nicht gedacht, dass es so angenehm sein konnte, eine private Krankenschwester zu haben. Vielleicht lag es aber auch nur an Julia oder dem aufgeflammten Fieber und er war gerade im Delirium oder sowas. Seine Befürchtungen hatten sich bewahrheitet. Eine Weile nachdem Julia ihn ins Bett verfrachtet hatte, war er ins Badezimmer gestürmt und hatte sich sein Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Es war noch zweimal passiert, aber da er nicht wirklich viel gegessen hatte, war nicht mehr viel gekommen. Er hatte sich einfach im Bett zusammengerollt und versucht zu schlafen. Hatte auch ziemlich gut funktioniert. Zwischendrin war er immer mal wieder aufgewacht, aber aufgestanden war er nicht. Er war sich jetzt sicher, dass das keine Erkältung, sondern ein Magen-Darm-Infekt war. Es sei denn, sein Restaurant hatte gehörig Mist gebaut und er hatte jetzt eine Lebensmittelvergiftung. Da er aber auf Qualität bestand, würde das wohl eher nicht der Fall sein.

      Er schlief nicht besonders gut. Sehr tief, aber nicht besonders gut. Er war wieder dort. In der Küche. Starrte auf seine blutende Mutter hinab. Hörte die Beleidigungen seines Vaters. Hatte das Messer in der Hand.
      "Du nutzloses Stück Scheiße...", lallte sein Vater.
      War er damals betrunken gewesen? Carson konnte sich im Augenblick nicht erinnern. Alles, was er sah, war seine sterbende Mutter. Er wollte ihr helfen. Aber er konnte sich nicht bewegen. Irgendetwas hinderte ihn daran. Er konnte es spüren. Die Wut in seinem Inneren. Er presste die Zähne so hart gegeneinander, dass seine Zähne zu zerbrechen drohten. Dann drehte er sich um, fixierte seinen Vater wie ein Raubtier seine Beute.
      "Dich werd ich auch umbringen...", lachte der Mann.
      Carson stürzte nach vorn, holte ihn von den Beinen und rammte ihm das Messer in den Bauch. Immer und immer wieder stach er auf den Mann ein, schreiend, das Blut spritzte überall hin, hüllte ihn von oben bis unten ein. Als er endlich aufhörte, erschöpft keuchend das Messer fallen ließ, da sah er seinem Vater noch einmal ins Gesicht. Nur um sich selbst zu erkennen. Erschrocken sah er weg, rüber zu seiner Mutter, doch da lag Julia. Nicht sterbend, sondern tot. Von ihm getötet.
      Carson schreckte aus seinem Traum hoch. Er brauchte einen Augenblick, um wieder in der Realität anzukommen. Dann sprang er aus dem Bett und stolperte ins Badezimmer. Er machte sich nicht die Mühe, sich kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Er ging ohne Umwege zur Dusche, schaltete das Wasser ein und ließ sich unter dem kalten Strahl zu Boden sinken. Die Bilder aus seinem Traum hatten sich in seinen Verstand eingebrannt, er sah sie vor sich, als sei es wirklich passiert. Es war das Schrecklichste, was er je gesehen hatte.


    • Ein wenig benommen hob Julia den Kopf von ihrem Kissen und verzog leicht das Gesicht, da ihr Hals sich aufgrund ihrer ungewohnten Schlafposition sehr steif anfühlte. Es dauerte einige Sekunden, bis ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten und sie sich daran erinnerte, wieso sie auf dem Sofa in einer Wohnung lag, die nicht ihre eigene war. Doch dann hörte sie das Geräusch der laufenden Dusche und war mit einem Schlag hellwach.
      Auf nackten Füßen rannte sie ins Badezimmer und ignorierte die Tatsache, dass sie sich unterwegs den Arm an einer Türklinke stieß, da sie sich in dem Appartement im dunkeln noch nicht so gut orientieren konnte.

      Im Badezimmer war es dunkel, doch dank des Mondlichts, das durch das Fenster in den Raum fiel, konnte sie die zusammengekauerte Gestalt sehen, die in einer Ecke der Dusche saß. Julia spürte, dass ihr Körper starr vor Angst wurde. Sie verstand nicht genau, was gerade geschehen war, doch noch während sie überlegte, ob Carson wohl schlafwandelte, hatte ihr Körper sich bereits in Bewegung gesetzt. "Carson?", fragte sie vorsichtig und ging vor dem Mann auf die Knie. Es war ihr egal, dass nun auch sie von dem Wasser völlig durchnässt wurde. "Was ist passiert?", vorsichtig streckte sie die Hand aus, ihre Finger zitterten leicht, als sie die Wange ihres Geliebten berührte und sie erschrak, als ihr auffiel wie kalt sie war.
      Es dauerte ein paar Sekunden, bis der logische Teil ihres Verstandes wieder einsetzte und Julia darauf aufmerksam machte, dass dieser Ort für einen Kranken überhaupt nicht geeignet war. Obwohl es Julia kaum möglich war den Blick von Carson abzuwenden und ihr Herz panisch in ihrer Brust hämmerte, schaffte sie es, sich kurz aufzurichten, damit sie die Dusche ausschalten und ein großes Duschhandtuch, das nicht weit entfernt an der Wand hing, greifen konnte. Dieses legte sie Carson um die Schultern und zog ihn dann in eine Umarmung. "Ich weiß nicht was los ist, Schatz. Aber du musst zurück ins Bett gehen.", flüsterte sie, auch wenn sie nicht sicher war, ob er sie überhaupt hörte. Sein Körper war von dem Wasser ganz kalt und Julia drückte sich automatisch etwas fester gegen ihn, um ihm so viel von ihrer Wärme zu geben, wie nur möglich. "Du musst dir keine Sorgen machen, es wird alles wieder gut." Sie wusste nicht, ob das der Wahrheit entsprach, da sie immer noch nicht genau wusste was los war, doch sie wollte fest daran glauben.