[2er RPG] Burning Desire

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    • Julia sah Carson hinterher, als er den Raum verließ. Auf einmal fühlte sich das Bett sehr groß und kalt an. Sie hatte sich gerade aufgesetzt, als der Mann bereits zurück kehrte, anscheinend hatte er sein Telefonat schnell beenden könnten. Nur leider sah es nicht so aus, als würde er sich wieder zu Julia legen. "Austin hat angerufen. Abflug in zwei Stunden", sagte er und bestätigte Julia damit in ihrer Vermutung. Seine Stimme klang nicht mehr so warm wie zuvor, stattdessen lag in ihr ein sachlicher Unterton, der gut zu einem Geschäftsmann passte. Nun waren sie also wieder in der Realität angekommen.
      Während Carson im Bad verstand, stand Julia auf und suchte in der Wohnung ihre Kleidung zusammen. Sie packte ihre Schlafsachen in die kleine Tasche, die sie mitgebracht hatte und suchte sich etwas frisches zum Anziehen heraus. Es war etwas seltsam nackt durch eine unbekannte Wohnung zu laufen, doch Julia wollte wirklich keine sauberen Kleider anziehen, so lange sie noch völlig verschwitzt war. Außerdem kam es ihr ein wenig unsinnig vor sich erst anzuziehen, nur um sich kurz darauf wieder auszuziehen, um zu duschen.

      Nach einigen Minuten verstummte des Geräusch des Wassers im Badezimmer und es dauerte nicht lange, bis Carson komplett angezogen ins Schlafzimmer zurück kam. Julia saß inzwischen auf der Bettkante und hatte die Decke um sich gewickelt, damit ihr nicht kalt wurde. Sie lächelte dem Mann zu, während sie an ihm vorbei ins Bad verschwand. Diesmal fragte sie ihn nicht um Erlaubnis, ob sie seine Dusche benutzen durfte, sie setzte einfach voraus, dass er nichts dagegen hatte. Immerhin war es auch seine Schuld, dass sie überhaupt eine brauchte...
      Da sie sich diesmal nicht schminkte, brauchte Julia nicht ganz so lange wie Carson im Bad. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass sie viel zu lange brauchte. Die Zeit schien ihr durch die Finger zu rinnen und es war frustrierend, dass sie nichts dagegen tun konnte. Obwohl sie bereits gewusst hatte, dass ihr Wochenende mit Carson irgendwann enden musste, gefiel ihr der Gedanke nicht. Egal wie oft sie sich sagte, dass die vernümftig sein musste, so blieb doch immer eine kleine, penetrante Stimme in ihrem Hinterkopf, die ihr trotzig zurief, dass sie sich nicht von dem Mann trennen wollte.

      Als Julia letztendlich das Bad wieder verließ, sah sie sich erst einmal suchend um, bis sie Carson fand. Vielleicht war es die Tatsache, dass er sich rasiert hatte, doch er glich wieder dem Geschäftsmann, der Julia am Freitag in Empfang genommen hatte und erinnerte sie erneut daran, dass sie beide nun in ihre Welten zurück kehren mussten.
      Die Blondine ging durch die Wohnung, bis sie neben ihm zum Stehen kam. "Bist du diese Woche viel unterwegs?", fragte sie und sah zu ihm hinauf. Eigentlich hätte sie ihn lieber gefragt, wann sie sich wiedersehen konnten, aber sie brachte die Worte nicht heraus. Sie klangen einfach zu sehr nach einem Abschied.
    • "Ich kaufe diese Kickstarter-Firma. Ich werde die aktuellen Produktionsstätten besuchen, neue finden und die Produktion ankurbeln. Dazu die übliche Arbeit und ein Sicherheitscheck bei einer meiner anderen Firmen. Ich rechne damit, dass ich mindestens vier Tage von sechs bis zehn arbeiten werde."
      Eine schlichte Rechnung, die er aufgrund seiner Erfahrung anstellen konnte. Normalerweise hatte er kein Problem mit solchen Arbeitszeiten, aber es jetzt und hier laut auszusprechen, störte ihn. Denn es führte ihm vor Augen, wie lange er jetzt auf Juliana warten musste, wie lange er auf sie verzichten musste. Jetzt hatte er sie endlich für sich einnehmen können und dann musste er sie wieder gehen lassen.
      Er drehte sich zu Juliana um, schlang die Arme um sie uns küsste sie. Er presste sich regelrecht an sie. Er wollte sie nicht gehen lassen.


    • Julia legte die Arme um Carson und schmiegte ihren Körper an seinen. Es überraschte sie etwas, wie richtig sich das anfühlte, beinahe so als wäre ihr Körper dafür geschaffen, um in seiner Umarmung zu liegen. Sie ließ ihre Augen zufallen und erwiderte seinen Kuss. In diesem kurzen Moment schien alles perfekt zu sein. Nichts um sie herum war von Bedeutung und es gab keinen ungemütlichen Alltag - keine Arbeit - sie sie voneinander trennen wollte.
      Doch leider ging auch dieser Moment vorüber. Irgendwann endete der Kuss und sorgte dafür, dass Julia ihre Augen wieder öffnete. Ein wenig verträumt strich sie ihm mit einer Hand über die Wange. "Es ist vermutlich dumm, dass ich das sage; Versuch dich nicht zu überarbeiten. Du bist das vielleicht gewohnt, aber es klingt schrecklich anstrengend." Tief in ihrem Inneren wusste Julia, dass Carson wusste was er tat und seine Arbeitsweise für sie nicht ändern würde. Warum sollte er das auch? Trotzdem gefiel ihr der Gedanke nicht, dass der Mann so viel arbeitet und dabei überhaupt keine Zeit für sich zu finden schien.

      Als es letztendlich Zeit zum Aufbruch war, folgte Julia Carson aus dem Haus. Dabei hielt sie seine Hand fest, als könnte sie so noch die wenigen gemeinsamen Minuten in seiner Nähe verbringen. Sie wusste, dass sie sich etwas kindisch benahm, doch in diesem Moment war es ihr egal.
    • Carson ignorierte sein Handy. Noch hatte er frei, noch war Sonntag. Trotzdem hatte er miese Laune. Austin bemerkte das und hielt sich zurück. Er nahm nur die Koffer an und setzte sich dann ganz vorne in den Jet und sah sich irgendeinen Film an, um seinem Boss die größtmögliche Privatsphäre zu gönnen.
      Carson grübelte vor sich hin, eine Hand ans Kinn gestützt, die andere mit Julianas verschränkt. Er wollte sie nicht loslassen. Egal, was er tat, er konnte sie nicht loslassen. Und er musste einen Weg finden, wie er mehr Zeit mit ihr verbringen konnte. Nur wie?!

      Die Fahrt nach der Landung verlief ähnlich ruhig. Aber carson verfluchte innerlich jeden Meter, den sie ihrer Wohnung näher kamen.
      "Ich will nicht, dass du gehst", sagte er, als sie vor ihrer Tür standen, "Ich will dich jeden Tag sehen..."
      Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und erlaubte sich, sich in ihren Augen zu verlieren.
      "Du bist so wunderschön..."
      Er küsste sie und die Welt stand still. Wieder verschwand alles und nur noch Juli existierte.

      Carson ertränkte sich selbst in Arbeit. Er vergaß sogar zu schlafen! Am Mittwoch konnte er nicht mehr. Er brach zusammen, brach seine eiserne Disziplin und ließ sich von Austin zu Juliana fahren. Ihm war egal, ob sie da war.
      Sie war nicht da, noch nicht. Aber er konnte warten. Austin saß unten im Wagen. Er würde erst gehen, wenn er die Nachricht bekam, dass sein Boss hier schlafen würde, oder wenn er ihn nach hause fahren sollte. Und Carson wartete oben vor Julianas Wohnungstür, verzweifelt auf der suche nach ihrer Nähe. Er war müde, aber er wollte sie erst noch sehen. Er saß schließlich auf ihrer Fußmatte. Er wartete einfach. Er wartete, dass sie nach Hause kam und das war völlig in Ordnung für ihn. Achttausend Dollar Anzug hin oder her.


    • Julias Woche begann so wie jede andere Woche und doch hatte sie das Gefühl, dass etwas fehlte. Und es half nicht, dass sie auf der Arbeit sofort darauf angesprochen wurde, dass sie irgendwie glücklicher wirkte und von innen heraus zu strahlen schien. Julia wusste nicht genau, was Leah mit dieser Aussage meinte, aber sie wollte auch nicht weiter nachfragen. Die andere Frau hätte sie nur mit einer Vielzahl von Frage bombardiert und Julia so lange bedrängt, bis sie ihr jedes Detail ihres Wochenendes erzählte. Und dazu war die Blonde im Moment wirklich nicht bereit.

      Aus diesem Grund war es Julia auch ganz Recht, als Andrew sie bat eine ihrer ehemaligen Mitbewohnerinnen zu besuchen, die seit einigen Wochen ihre eigene Wohnung hatte. Viele der Frauen waren zuerst überfordert, wenn sie auf einmal alleine lebten und sich um alles selbst kümmern mussten. Julia kannte das nur zu gut von sich selbst. Deshalb nahm sie am Dienstag auch die mehrstündige Autofahrt gerne auf sich. Die andere Frau hatte Julia immer besonders gern gemocht und freute sich deshalb sehr eine vertraute Person zu sehen, der sie vertraute und bei der sie keine Sorge haben musste, dass diese sie verurteilen würde.
      Bis zum Nachmittag verbrachte Julia ihren Tag damit die Frau zu verschiedenen Behörden zu begleiten und die Nachbarschaft mit ihr zu erkunden, damit sie in Zukunft unbesorgt aus dem Haus gehen konnte. Sie aßen gemeinsam und irgendwann fühlte es sich nicht mehr wie ein Arbeitstreffen, sondern wie eine Verabredungen unter Freundinnen an. Und für einige Stunden schaffte Julia es sogar ihre Gedanken an Carson ein wenig in ihren Hinterkopf zu verbannen. Aber ganz verschwand er nicht.

      Nachdem Julia sich von der anderen Frau verabschiedet hatte, besuchte sie noch ein Cafe, um sich für die Rückfahrt einen Kaffee mitzunehmen. Gerade hatte sie sich vom Tresen abgewandt, als sie hinter sich eine Stimme hörte. "Juliana?" Die blonde Frau hatte das Gefühl, als würde jemand einen Eimer Eiswasser über ihr auskippen. Ihr Herz machte einen erschrockenen Hüpfer und sie vergaß kurz zu atmen. Sie kannte diese Stimme, sie würde sie überall wiedererkennen.
      Langsam drehte sie sich herum und ihr Blick fiel auf einen Tisch, an dem zwei Männer saßen, jedoch nahm sie den einen von ihnen kaum war. Die ganze Welt schien auf einmal verschwommen zu sein, bis auf die eine Person vor ihr. "Simon.", hörte Julia sich selbst sagen. Der Angesprochene lächelte leicht, ein warmer Ausdruck trat in seine hellblauen Augen. Aber dann schien ihm aufzufallen, dass Julia dieses Lächeln nicht erwiderte, sondern ihn noch immer fassungslos anstarrte. "Du darfst das nicht falsch verstehen, ich bin nur geschäftlich hier. Ich wusste nicht, dass du hier wohnst.", fügte er eilig hinzu und hob die Hände in einer beschwichtigenden Geste. Unbewusst nickte die junge Frau. Sie wusste, dass Simon das Kontaktverbot nicht brechen würde, das ihm von Gericht auferlegt worden war. Dazu war ihm sein Ruf zu wichtig. Und im Grunde war er auch kein schlechter Mensch. Er wusste, dass er etwas falsch gemacht hatte, das hatte er schon immer. Nur war er niemals in der Lage gewesen etwas dagegen zu tun.

      "Ich wohne hier nicht, ich bin nur heute beruflich hier.", antwortete Julia, nachdem sie beschlossen hatte ihm nicht in dem Glauben zu lassen, dass sie hierher gezogen war. Sie wollte nicht mehr, dass er ein Teil ihres Lebens war und deshalb musste er auch nichts über sie wissen. "Ihr kennt euch?" Der andere Mann am Tisch blickte ein wenig irritiert zwischen den beiden hin und her. Genau wie Simon trug auch er einen Anzug, jedoch war er von minderer Qualität. Julia vermutete, dass er ein Klient des Anwalts war.
      Simon warf Julia einen vorsichtigen Blick zu. "Nun ja, wir...", er hielt inne, da er offensichtlich nicht wusste, wie er diesen Satz beenden sollte. Julia fühlte, dass sich ihre Hand ein wenig fester um den Kaffeebecher schlossen. "Ich habe einmal für ihn gearbeitet.", beendete sie seinen Satz und bemühte sich um ein freundliches Lächeln. "Aber ich muss nun wirklich los, ich habe noch einen Termin." Das war eine Lüge, aber im Moment war Julia jeder Grund recht, mit dem sie aus dieser Situation flüchten konnte.
      Einen Moment lang sah Simon sie still an, aber dann legte sich das charmante Lächeln auf sein Gesicht, das seine Augen glänzen ließ und wegen dem Julia sich einst in ihn verliebt hatte. Aber erstaunlicher Weise fühlte sie diesmal nichts. "Du siehst gut aus, Juliana." sagte er und klang dabei ein wenig erleichtert. Kurz fragte die Blonde sich, ob er sich wohl immer noch Vorwürfe machte, aber sie hatte nicht vor ihn danach zu fragen. "Es geht mir auch gut.", sagte sie stattdessen wahrheitsgemäß. Kurz blitzte Carsons Gesicht vor ihrem inneren Auge auf. Zum ersten Mal fühlte sie nichts, wenn sie ihren Ex-Freund ansah. Keine Reue, keine Trauer, keine Angst... nichts. Zum ersten Mal hinterfragte sie nicht ihre Entscheidung und überlegte auch nicht ihm noch eine Chance zu geben. Er war einfach nur ein Teil ihrer Vergangenheit, den sie hinter sich lassen wollte. Und Julia wusste, dass dies auch Carsons Verdienst war.
      "Pass auf dich auf.", sagte sie sanft, bevor sie sich von den beiden Männern verabschiedete und das Cafe verließ. Simon machte keine Anstalten sie aufzuhalten, wofür Julia ihm sehr dankbar war.

      Kaum hatte Julia im Auto platz genommen und die Tür hinter sich geschlossen, atmete sie einmal tief durch. Sie spürte, dass ihre Hände zitterten und ihr Herz raste, als wäre sie gerade einen Marathon gelaufen. Sie stellte ihren Kaffeebecher auf der Ablage ab, um ihn sich nicht versehentlich überzuschütten.
      Einige Minuten saß sie still auf dem Fahrersitz und starrte ihr eigenes Bild an, das sich in der Windschutzscheibe spiegelte. Es war vielleicht naiv gewesen, aber sie hatte geglaubt, dass sie Simon niemals wieder sehen würde. Und nun, da es doch geschehen war, tobten so viele Gefühle in ihr, dass die junge Frau befürchtete an ihnen ersticken zu müssen. Aber eines von ihnen war stärker als alle anderen, weshalb Julia ihm letztendlich nachgab. Sie kramte ihr Handy aus ihrer Handtasche hervor. Kurz zögerte sie, bevor sie Carsons Nummer in ihrem Adressbuch auswählte und ihn anrief. Es klingelte einmal... zweimal... und dann sprang die Mobilbox dran. Julia lauschte auf die mechanische Frauenstimme, bevor sie seufzte und wieder auflegte. Sie kam sich auf einmal sehr albern vor.
      Was hätte sie überhaupt gesagt, wenn Carson an sein Telefon gegangen wäre? 'Ich habe gerade meinen Ex-Freund getroffen und gemerkt wie sehr du mir fehlst und deshalb rufe ich dich nun an, weil ich deine Stimme hören möchte' Nein, das klang selbst in Julias Ohren ein wenig verrückt.
      Mit einem erneuten Seufzen ließ die Blonde ihren Kopf auf das Lenkrad fallen. Carson hatte eine viel anstrengendere Woche als sie selbst, vielleicht war er sogar in einer ganz anderen Zeitzone. Sie hatte kein Recht ihn mit ihren kleinen Problemen zu belasten, vor allem nicht, so lange sie ihm diese nicht ordentlich erklären konnte. Er würde sich nur unnötig Sorgen machen. "Was mache ich nur?", fragte Julia sich selbst, während sie sich wieder aufrichtete. Wenn es um den Geschäftsmann ging, verstand sie manchmal ihr eigenes Verhalten nicht. Sie griff nach ihrem Becher und nahm einen Schluck Kaffee, musste dabei aber leider feststellen, dass dieser inzwischen kalt geworden war.


      Am nächsten Tag fühlte Julia sich zerschlagen. Sie hatte kaum geschlafen, da ihre Gedanken ihr keine Ruhe lassen wollten. Trotzdem erzählte sie auf der Arbeit nichts von dem Zusammentreffen mit ihrem Ex-Freund. Sie wollte keinen unnötigen Wirbel darum machen, nur weil sie sich zufällig getroffen hatten. Trotzdem erwischte sie sich ein paar Mal dabei, wie sie ihr Handy zur Hand nahm und durch die Adressliste tappte. Mehr als einmal blieb sie an Carsons Namen hängen und es kostete sie einiges an Willenskraft, um ihn nicht noch einmal anzurufen. "So oft wie du auf dein Handy schaust, könnte man meinen, dass du auf einen Anruf deines Liebsten wartest.", scherzte Leah irgendwann im Vorbeigehen und sorgte dadurch dafür, dass Julia ihr Mobiltelefon für den Rest des Tages in ihre Handtasche verbannte.

      Es dämmerte bereits, als Julia endlich wieder zurück nach hause kam. In einer Hand trug sie eine gut gefüllte Einkaufstüte, während sie mit der anderen bereits in ihrer Tasche nach dem Haustürschlüssel kramte. Kurz hielt sie an, als sie unweit von ihrem Appartmentkomplex ein schwarzes Auto stehen sah, dass dem von Carson sehr ähnlich sah. Die junge Frau schüttelte ein wenig frustriert den Kopf. Es reichte nicht, dass sie schon den ganzen Tag lang an ihn dachte, nun bildete sie sich sogar schon ein seinen Wagen hier zu sehen. "Ich brauche eindeutig mehr Schlaf.", beschloss sie.
      Doch als sie im die Ecke bog, um die letzten Meter zu ihrer Wohnung zu gehen, blieb sie wie angewurzelt stehen. Auf der Fußmatte vor ihrer Haustür saß eine Gestalt mit schwarzem Haar und einem dunklen Anzug. Julia blinzelte einmal verwirrt, doch das Bild vor ihr veränderte sich nicht. Ein leises Poltern war zu hören, als die Einkaufstasche zu Boden fiel, aber die junge Frau bemerkte gar nicht, dass sie ihre Hand geöffnet hatte. Um genau zu sein, hatte sie gerade sogar vergessen, dass sie überhaupt einkaufen gewesen war.
      Mit eiligen Schritten lief sie zu ihrer Wohnung und ging vor dem Mann in die Hocke. "Carson?", fragte sie ungläubig. Sie streckte vorsichtig eine Hand aus und legte sie dem Mann auf die Schulter. "Ist etwas passiert? Was machst du hier?" Beinahe erwartete sie, dass Carson sich unter ihrer Berührung in Luft auflösen würde, doch der weiche Stoff seines Anzuges fühlte sich sehr real unter ihren Fingern an.
    • Er wusste nicht, wie lange er hier schon herum saß, als ihn jemand an der Schulter berührte. Als er erkannte, wer es war, sprang er auf und schlang die Arme um sie, als sei sie das letzte Mittel, dass ihn vor dem ertrinken retten könnte.
      "Es ist nichts passiert. Ich musste dich einfach nur sehen. Ich wollte dich gestern zurückrufen, aber du hast wohl schon geschlafen. "
      Er drückte sie eng an sich, das war alles, was er gerade brauchte. Einfach nur ihre Nähe. Doch als er sah, dass sie offensichtlich ihre Einkäufe wegen ihm hatte fallen lassen, ließ er sie los und sammelte alles ein.
      "Tut mir leid, dass ich dich so erschreckt habe, aber... ich konnte einfach nicht mehr. Und ich wollte dich nicht bei der Arbeit stören. Du hast gesagt du magst deine Arbeit, deswegen..."
      Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und dann über das Gesicht, während er ein Gähnen unterdrückte. Die Müdigkeit trat ihm gerade mit Anlauf ins Gesicht.


    • Julia lehnte ihren Kopf an Carsons Schulter. Sie konnte sein Aftershave riechen und die Erkenntnis, wie sehr sie ihn vermisst hatte, traf die wie ein Blitz. Sie legte ihre Arme um ihn und obwohl Carson sie so eng an sich drückte, dass ihr das Atmen schwer fiel, wäre sie ihm gerne noch näher gewesen. Obwohl ein kleiner Teil von ihr sich Sorgen machte, wieso der Mann auf einmal vor ihrer Haustür auftauchte und dadurch vielleicht seine Arbeit vernachlässigte, war sie trotzdem glücklich darüber, dass er endlich wieder bei ihr war.
      "Du hättest wirklich nicht vor meiner Tür warten brauchen.", sagte sie, nachdem Carson sich von ihr gelöst hatte und sie ihm dabei half die Einkäufe wieder zurück in die Tüte zu packen. Sie verstand nicht, wieso er nicht einfach im Wagen sitzen geblieben war, um dort auf sie zu warten, aber es gab vieles an dem Verhalten des Mannes, was sie noch nicht verstand. "Du hättest mich anrufen können...", erst jetzt erinnerte sie sich daran, dass sie ihr Handy die größte Zeit des Tages sich bei sich getragen hatte und bekam augenblicklich ein schlechtes Gewissen. Sie verschränkte ihre Finger mit Carsons und sah zu ihm hinauf. Der Mann sah müde aus und schien auch ein wenig blasser zu sein als sie ihn in Erinnerung hatte. Besorgt zog Julia die Augenbrauen zusammen. "Ich mag meinen Job, ja. Aber deshalb kannst du trotzdem dort vorbei kommen. Auch wenn Andrew vermutlich einen Herzinfarkt bekommen würde.", sie lächelte etwas bei dem Gedanken, wurde dann jedoch schnell wieder ernst.

      "Du siehst müde aus. Du solltest dir nicht so viel Stress machen, nur weil du mich besuchen möchtest." Der Gedanke, dass er sich überanstrengt oder vielleicht sogar auf Schlaf verzichtet hatte, damit er sie sehen konnte, obwohl er einen so engen Terminplan hatte, gefiel ihr gar nicht. "Wenn du willst kannst du reinkommen und dich ausruhen. Ich könnte dir auch etwas zu essen machen.", bot sie an, während sie ihren Haustürschlüssel aus ihrer Handtasche zog.
    • "Ich konnte die letzten Tage nicht wirklich schlafen", gestand Carson ohne zögern, "Ich musste immer an dich denken, also wollte ich mich mit Arbeit ablenken. Hat nicht funktioniert."
      Er folgte der Frau ins Innere ihrer Wohnung und stellte die Tüte mit den Einkäufen in der Küche ab. Normalerweise kaufte er nicht ein. Sein Koch erledigte das, oder er gab austin Bescheid. Und doch begann er instinktiv damit, die Tüte auszupacken und alles zu sortieren, ehe er den Kühlschrank öffnete und ein paar sachen einräumte.
      "Ich glaube, ich schaffe das nicht. Hättest du etwas dagegen, wenn wir abends telefonieren?"
      Die Sachen, deren zukünftigen Standort er nicht kannte, ließ er auf der Arbeitsplatte stehen. Er lehnte sich gegen die Platte und ließ den Kopf hängen.
      "Du hast irgendwas mit mir gemacht", murmelte er, "Ich brauche dich einfach."
      Er griff nach Julianas Hand und zog sie an sich. Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter und hielt sie einfach nur fest.


    • Automatisch legte Julia ihre Arme um Carsons Schulter und strich ihm mit einer Hand durch das Haar. Sie hatte ihn noch nie so erlebt und es besorgte sie ein wenig. "Natürlich können wir telefonieren. Ich habe dich auch vermisst.", gab sie zu und drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Oberseite des Kopfes.
      Einen Moment lang standen sie still zusammen, bis Julia das Gefühl hatte, dass Carsons Kopf langsam etwas schwerer wurde. "Ich habe letzte Nacht auch nicht gut geschlafen. Wenn du willst kannst du hier bleiben und wir gehen früh ins Bett. Sofern deine Arbeit es zulässt." Den letzten Teil des Satzes fügte sie hinzu, da ihr schlechtes Gewissen einfach keine Ruhe geben wollte. Kurz ließ sie ihren Blick über die letzten Einkäufe wandern, die noch auf der Küchentheke standen, beschloss dann aber, dass sie diese auch morgen noch einräumen konnte. Gerade wollte sie einfach nur bei Carson sein, alles andere war erst einmal unwichtig.
    • "Das klingt nach einer guten Idee", murmelte Carson und richtete sich wieder auf.
      Er zückte sein Smartphone und schrieb Austin eine kurze Nachricht, dass er heite bei Juliana übernachten würde und er ihn morgen um sieben abholen sollte. Das kleine Stück Technik verschwand in der Innentasche seines Jacketts. Und dann landete das Jackett mitsamt Krawatte auf der Sofalehne. Er hielt es kaum drei Sekunden aus, ohne Juliana zu berühren. Es tat beinahe schon weh.
      "Ich hab dir ja schon damit gedroht, dass ich die Nächte bei dir verbeingen werde", scherzte Carson und legte seiner Angebeteten einen Arm um die Schultern, ehe er ihr einen Kuss auf die Schläfe drückte.
      Er war das erste Mal hier, sah sich aber nicht besonders um. Allerdings zählte er die Türen ab, um das Schlafzimmer zu finden. Er fand es beim Versuch. Zusammen mit Julia ging er hinein und ließ sich auf das Bett fallen. Himmlisch. Er könnte auf dee Stelle einschlafen. Die wenigen Stunden, die er die letzten Tage geschlafen hatte, hatte er am Schreibtisch oder sitzend auf der Couch verbracht. Keine sehr angenehme Schlafhaltung.


    • Julia sah sich vorsichtig um, während sie von Carson ins Schlafzimmer geführt wurde. Zum ersten Mal erleichterte es sie, dass sie ihre Wohnung immer ordentlich hielt, so stolperte er zumindest nicht über liegengelassene Schmutzwäsche oder anderes, wofür Julia sich sonst bis ans Ende ihrer Tage schämen müsste. Aber Carson schien das alles nicht zu interessieren. Sein Weg führte ihn direkt zum Bett, auf dass er sich sofort fallen ließ. Und da er Julia nicht losließ, sorgte das dafür, dass sie ebenfalls dort landete.
      "Ähm... ist das nicht unbequem?", warf sie ein, da sie sich nicht vorstellen konnte, dass Carson in seinen Anziehsachen schlafen wollte. Aber im Moment sah es so aus, als hätte er genau das vor. "Du musst wirklich müde sein.", murmelte sie und strich ihm dabei durch das Haar. Dann ließ sie ihre Hände etwas tiefer wandern und öffnete die oberen Knöpfe seines Hemdes. "Du bist sonst morgen ganz zerknittert.", versuchte sie ihre eigene Handlung ein wenig rechtzufertigen. "Und es ist auf die Dauer bestimmt nicht angenehm. Du bist nicht im Büro, du solltest mehr auf dich achten."
    • "Austin bringt neue mit", grummelte Carson, ließ Juliana aber freie Hand über ihn.
      Ungewöhnlich, er gab sonst nie die Kontrolle auf. Dafür hatte er sie zu gern. Dafür brauchte er sie zu sehr, um zu funktionieren.
      Er riss die Augen auf und starrte an die Decke. Kontrolle... Wieso ließ er sich auf eine Frau ein, der er die Kontrolle frewillig übergab? Aber... konnte er sich überhaupt entscheiden? Er brauchte Julia zum Atmen, aber er brauchte auch die Gewissheit, alles im Griff zu haben.
      "Juli...?", setzte er an, doch was sollte er schon sagen?
      Er setzte sich auf und rieb sich müde die Augen.
      "Du wirst mich doch nicht hintergehen, oder?"


    • Julia war gerade beim letzten Knopf von Carsons Hemd angekommen, als dieser sich auf einmal aufsetzte. Sie sah zu ihm hinauf, wurde dann aber von seiner Frage völlig unerwartet getroffen. "Du wirst mich doch nicht hintergehen, oder?" Einige Sekunden lang konnte sie den Mann nur still anstarren. Eigentlich wollte sie sofort verneinen, aber irgendetwas an Carsons Tonfall ließ sie inne halten. Sie hatte das Gefühl, dass ihm diese Frage viel bedeutete - als hätte es ihm einige Kraft gekostet, um sie überhaupt zu stellen.
      Sie rutschte etwas näher zu ihm und legte ihm eine Hand auf die Brust. "Was meinst du damit?", fragte sie, bevor sie leicht den Kopf schüttelte. "Wenn du befürchtest, dass ich mit irgendeinem anderen Mann schlafe, nur weil du viel unterwegs bist, kann ich dich beruhigen. Du erinnerst dich vielleicht noch daran, wie schwer du es am Anfang mit mir hattest. Du bist da keine Ausnahme und ich hoffe, ich habe dir keinen Grund gegeben, um irgendetwas anderes von mir zu denken." Es war nicht leicht so offen über ihr eigenes Verhalten zu reden, aber es war besser als sich unterstellen zu lassen, dass sie irgendwann fremd gehen könnte. Allein der Gedanke war sehr schmerzhaft für sie. Kurz überlegte sie, ob Carson vielleicht deshalb unangekündigt bei ihr aufgetaucht war, aber so schätze sie ihn dann doch nicht ein.
    • "Das meine ich nicht. Ich rede von Verrat. Ich habe dir gerade die Kontrolle über mich gegeben, sowas tue ich nicht. Niemand bekommt die Kontrolle über mich und ich habe eben nicht einmal darüber nachgedacht und sie dir einfach gegeben. Ich..."
      Er schüttelte den Kopf.
      "Ich habe die Kontrolle über mich noch nie jemand anderem gegeben. Aber ich... dir will ich sie geben. Ich muss nur wissen, dass du mich nicht hintergest, wenn ich das tue."
      Er presste die Kiefer aufeinander. Er war ein ehrlicher Mensch und er war ein direkter Mensch, aber solche Fakten waren so unendlich privat, dass nicht einmal Austin über alles Bescheid wusste.
      Carson griff nach der Hand, die auf seiner Brust lag und schloss die Augen. Allein diese nichtssagende Berührung sorgte dafür, dass er sich wohl fühlte. Er wollte Juliana so unbedingt die Kontrolle anvertrauen können. Aber er musste genauso sehr wissen, dass sie sie nicht gegen ihn einsetzen würde.


    • Julia sah Carson nachdenklich an, während sie seine Erklärung einige Zeit lang auf sich wirken ließ. "Ich weiß gar nicht, ob ich sie will.", gab sie schließlich zu. Vermutlich war sie gerade sehr unhöflich, aber der Gedanke, dass sie jemanden kontrollierte war ihr irgendwie unangenehm. "Ich kann doch noch nicht einmal entscheiden, was ich zu Mittag essen will, wie soll ich denn da einen anderen Menschen kontrollieren..." Auch wenn ihre Aussage vielleicht wie ein Scherz klang, war sie für Julia traurige Realität. Sie war so lange jemand anderem ausgeliefert gewesen und hatte gelernt sich zu fügen, dass sie regelmäßig überfordert war, wenn Carson eine Entscheidung von ihr forderte.
      "War das falsch, was ich gerade gemacht habe?" Die Frage rutschte ihr heraus, als wollte ihr Kopf noch einmal ihr Argument untermauern. "Ich möchte nicht, dass du dich unwohl fühlst, oder dass du dich mir ausgeliefert fühlst. Sei einfach du selbst, so mag ich dich am liebsten." Noch einmal sah sie den Mann still an, bevor sie ihre Hand so drehte, dass sie ihre Finger mit seinen verschränken konnte. "Wieso sagst du sowas? Ich glaube, ich verstehe nicht genau, was du meinst."
    • Carson lachte leicht und ließ sich wieder nach hinten fallen. Er hatte seine Antwort bekommen und es war die richtige gewesen.
      "Ich bin einfach nur müde...", murmelte er, scheinbar zufrieden.
      Und das war er. Diese ganze Sache mit der Kontrolle war bloß wieder eines von den Dingen, die er nicht als das erkannte, was sie waren. Vielleicht würde er nie dahinter kommen, was genau es war.
      Für den Moment schaltete er sein Denken aus und ließ soch von Julianas Duft einlullen, dee ihn hier in ihrem Bett umgab. Wer brauchte schon ein zwölftausend Dollar Kingsizebett mit Luxusmatratze, wenn man stattdessen ein ausgelutschtes IKEA-Bett haben konnte, das nach der Person roch, die einen komplett verändern konnte? Juliana war plötzlich in sein Leben getreten und ohne es zu bemerken veränderte sie ihn langsam. Das war es, wovor Carson eben solche Angst gehabt hatte. Aber auf ihre eigene, unbeholfene und verwirrte Art hatte sie ihm die Angst davor genommen. Zumindest für den Augenblick.


    • Noch immer verstand Julia nicht, wieso Carson ihr auch einmal diese Frage gestellt hatte und sie erhielt auch keine Erklärung dafür von ihm. Aber als er sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck zurück in die Kissen fallen ließ, brachte sie es auch nicht übers Herz noch weiter darüber mit ihm zu sprechen. Vielleicht war das auch besser so.
      "Wenn du so müde bist, dass du nicht einmal deine Arbeitssachen ausziehen willst, solltest du wirklich schlafen.", stellte sie fest, nachdem sie beschlossen hatte ihn nicht noch einmal zu bitten es sich etwas bequemer zu machen. Ein Hemd war zwar kein sehr angenehmer Untergrund, um die ganze Nacht lang seinen Kopf darauf abzulegen, aber so lange es Carson war, hätte Julia vermutlich auch auf einem Nagelbett geschlafen. Wichtig war nur, dass sie zusammen waren.
      Die junge Frau rutschte etwas zum Bettende und zog die Bettdecke nach oben, um Carson etwas zuzudecken. "Ich bin gleich zurück.", sagte sie und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Nachdem sie ihre Alltagsklamotten gegen ein weites T-Shirt und Shorts getauscht hatte, kletterte sie wieder ins Bett und schmiegte sich an Carson an. Seine Nähe hatte etwas unglaublich beruhigendes und nun fühlte auch Julia, wie müde sie war. "Schlaf gut, Carson." Mit diesen Worten schloss sie die Augen.
    • Carson war schon eingeschlafen, als Juliana wieder zurückkam. Aber zuvor hatte er noch den letzten Knopf seines Hemdes aufgemacht und das Ding ausgezogen. Die Schuhe hatte er auch abgestreift, ehe das Koma ihn ereilt hatte. Aber auch wenn er nicht mehr bei sich war, sein Körper merkte doch instinktiv, dass Juliana an seiner Seite lag.

      Trotz der entspannten Stunden an Schlaf war Carson bereits um fünf Uhr morgens wach. Vorsichtig löste er sich von Juliana,um erst dem Ruf der Natur zu folgen und dann herauszufinden, wienihre Kaffeemaschine funktionierte. Es dauerte länger als erwartet.
      Erst, als er eine Tasse des schwarzen Zaubertrankes in der Hand hatte, sah er sich in der Wohnung etwas um. Sie war winzig. Carson kannte Wohnzimmer, die größer als die ganze Wohnung waren. Sie hatte Recht gehabt, als sie gesagt hatte, ihre Welten seien verschieden. Müsste er hier leben, würde er an Platzangst krepieren.
      Julianas Handy klingelte ungefähr um halb sieben, aber da sie noch schlief und es eine der Nummern von Safe Haven war, nahm sich Carson die Freiheit, dran zu gehen.
      "Bei Kinnley?", meldete er sich und bekam ein langes Äh als Antwort.
      "Entschuldigung?", fragte er noch einmal nach.
      "Ja, äh, hi... ich wollte eigentlich mit Julia sprechen..."
      "Die schläft noch. Soll ich ihr etwas ausrichten?"
      "Ähm... nein, so wichtig ist das nicht, trotzdem danke."
      Die Frau am anderen Ende legte auf und ließ einen verwirrten Carson zurück.

      Kurz vor sieben lehnte er sich über Julia, küsste sie sanft und verabschiedete sich von ihr. Er hatte sich ausführlicher in einer Notiz in der Küche bedankt, die neben einem kleinen Frühstück lag.
      Er verließ die Wohnung und stieg zu Austin ins Auto, der ihn ins Büro fuhr. Und unterwegs zog er sich auf der Rückbank um. Kaum waren sie angekommen, war von seinem gestrigen 'Zusammenbruch' nichts mehr zu sehen.


    • Nach einem tiefen und friedlichen Schlaf, schlug Julia die Augen auf, als die Sonne bereits aufgegangen war und durch ihr Schlafzimmerfenster fiel. Die junge Frau drehte sich zur Seite, fand aber die andere Hälfte ihres Bettes leer vor. Ein wenig verwirrt zog se die Augenbrauen zusammen. Sie glaubte sich schemenhaft daran zu erinnern, dass Carson sie geküsst und sich von ihr verabschiedet hatte, doch ihre Gedanken waren noch müde und ein wenig vernebelt. Noch etwas verschlafen richtete sie sich auf und sah sich in dem Raum um, das ihr auf einmal viel größer und kälter vorkam als zuvor. "Carson?" fragte sie in die Stille der Wohnung hinein, während sie sich auf den Weg ins Badezimmer machte. Doch sie erhielt keine Antwort.
      Kurz hatte die junge Frau Angst, dass sie sich den letzten Abend nur eingebildet hatte, doch diese Befürchtung verschwand, als sie in der Küche eine kleine Schale mit Obstalat und eine Notiz des Mannes fand, in der er sich noch einmal von ihr verabschiedete. Ein sanftes Lächeln legte sich auf Julias Lippen. "Ach Carson.", sagte sie sanft und schluckte die Tränen herunter, die sich in ihren Augen sammeln wollten. Sie wusste selbst nicht einmal genau, wieso ihr gerade zum weinen zu Mute war. Vielleicht war sie von dieser Geste einfach zu sehr gerührt, oder sie vermisste den Mann schon wieder zu sehr.

      Bevor sie zur Arbeit aufbrach schrieb Julia Carson noch eine kurze SMS, in der sie sich für das Frühstück bedankte und ihm einen schönen Tag wünschte. Kurz überlegte, ob sie ihm schreiben sollte, dass er auf sich acht geben und regelmäßig essen sollte, aber sie wollte nicht so wirken, als würde sie ihn herumkommandieren. Noch immer hatte sie Carsons Frage vom letzten Abend im Kopf. So sehr sie auch über seine Worte nachdachte, wollten sie doch keinen rechten Sinn für sie ergeben. Den ganzen Morgen lang hatte Julia darüber nachgedacht, was sie wohl falsch gemacht hatte, um bei dem Mann einen solchen Gedanken auszulösen. War es nicht normal, dass man sich umeinander kümmerte? Hätte sie ihn fragen sollen, bevor sie sein Hemd auszog? Mochte er nicht, wenn sie ihn einfach so anfasste? Die junge Frau verstand es einfach nicht und leider sah es so aus, als würde Carson es ihr nicht erklären.
      Julia seufzte leise, bevor sie ihre Schuhe anzog, sich ihre Tasche schnappte und die Wohnung verließ. Es half nicht, wenn sie den ganzen Tag darüber grübelte. Sie musste einfach darauf hoffen, dass Carson ihr irgendwann vertrauen konnte.


      ((Ich muss hier eine kurze Pause einlegen und würde nachher weiterschreiben. Falls du schon einen Post dazwischenschieben möchtest, darfst du das gerne tun))

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    • Julia war keine zehn Minuten auf der Arbeit angekommen, als sie bereits von einer sehr wachen und gut gelaunten Leah begrüßt wurde. "Na, hast du ausgeschlafen?" In den Augen der Frau lag ein seltsamer Ausdruck, den Juliana nicht ganz zuordnen konnte. Sie schien irgendwie zufrieden zu sein. Die Blonde legte den Kopf leicht zur Seite. "Ja, danke der Nachfrage. Du auch?" Leah schwieg einen Moment lang, ihre Augenbrauen zogen sich ein Stück weit zusammen und Julia bekam das Gefühl, dass sie eigentlich auf eine andere Antwort gehofft hatte. Sie wusste nur nicht auf welche. "Juli, ich freue mich für dich. Dir muss das nicht peinlich sein." Julia war über diese Aussage so verwirrt, dass sie nicht einmal daran dachte die andere Frau daran zu erinnern, dass sie nicht diesen Spitznamen benutzen sollte. "Was muss mir nicht peinlich sein?", fragte sie nach und erntete erneut einen verständnislosen Blick.
      Einen Moment lang schwieg Leah, bevor sie leise seufzte. "Ich habe dich heute Morgen angerufen und ein Mann ist dran gegangen. Erst dachte ich, mein Handy hätte irgendeine Macke und hätte mich falsch verbunden, aber er kannte offensichtlich deinen Nachnamen und hat gesagt, dass du noch schläfst." Erneut hielt sie kurz inne, diesmal breitete sich aber ein warmes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. "Ich bin so stolz auf dich, dass du endlich mal einen Mann an dich ran lässt." Julia konnte geradezu fühlen, wie ihr zuerst jegliches Blut aus dem Gesicht wich, nur um dann mit voller Wucht dorthin zurück zu kehren und sie rot anlaufen zu lassen. Wieso musste Leah ausgerechnet heute früh anrufen und wieso war Carson an ihr Handy gegangen? Sie verzog leicht gequält das Gesicht, da ihr klar wurde, dass die andere Frau nun dachte, dass sie einen One-Night-Stand gehabt hatte. Und man konnte es ihr nicht mal verübeln, immerhin hatte Julia bisher noch nicht davon erzählt, dass sie mit jemandem ausging.

      "Ja, wir treffen uns seit ein paar Wochen.", gab sie zu, da sie wusste, dass sie die Wahrheit nun nicht mehr verschweigen konnte. Leahs Augen weiteten sich. "Im ernst? Und du hast mir nichts davon erzählt?" Sie sah nicht beleidigt aus, stattdessen schien völlig begeistert von dieser neuen Information zu sein. Julia nickte leicht. "Ich war mir nicht sicher, ob das funktioniert oder überhaupt was festes draus werden kann. Deshalb wollte ich erstmal abwarten.", erklärte sie, um ihre Kollegin etwas zu beschwichtigen. Auf einmal war sie sich nicht einmal sicher, ob sie Carson als ihren festen Freund vorstellen durfte. Sie hatten nie darüber gesprochen, was sie eigentlich waren und Julia wusste nicht, als was er sie sah. Aber inzwischen war sie sich sicher, dass er sie ehrlich mochte und das reichte ihr aus. Es wunderte sie selbst ein wenig, als sie bemerkte, dass sie nichts gegen eine Beziehung mit dem Mann hätte... das war eindeutig etwas neues für sie.
      Julia wurde unsanft aus ihren Gedanken gerissen, als sich zwei Arme um sie legten und sie in eine enge Umarmung zogen. "Aww, meine kleine Juli wird erwachsen." Die Angesprochene machte einen unzufriedenen Laut. "Könntest du mich bitte nicht wie ein kleines Kind behandeln?" Als Antwort erhielt sie lediglich ein vergnügtes Lachen. "Aber es ist eindeutig ein Fortschritt für dich. Vor ein paar Monaten wärst du noch nicht einmal freiwillig mit einem Mann irgendwo hin gegangen. Ich bin so froh." Langsam bekam Julia das Gefühl, dass Leah sich über die ganze Sache mehr freute, als sie selbst.

      Irgendwann erinnerte sich die ältere Frau glücklicher Weise doch daran, dass sie eigentlich arbeiten sollten und gab Julia wieder frei. Jedoch hieß das nicht, dass sie das Thema einfach so fallen ließ. "Und wie ist er so? Hast du ein Bild von ihm? Er klang am Telefon sehr nett." Julia war gerade dabei das Geschirr in die Spülmaschine einzuräumen, das einige Frauen nach dem Frühstück in der Küche stehen gelassen hatten. Sie machte sich nicht einmal die Mühe aufzublicken. "Nein, ich habe kein Bild von ihm.", gab sie zurück und setzte dabei ihre Arbeit fort, jedoch wurden ihre Bewegung etwas langsamer. Insgeheim hoffte sie, dass Leah irgendwann aus Langeweile aufgeben würde, wenn ihre Kollegin sie nur lange genug ignorierte. Aber sie hätte es eigentlich besser wissen müssen.
      "Juli...", ertönte die Stimme der Frau einige Sekunden später hinter ihr, wobei jeder Vokal des Namens unnötig in die Länge gezogen hatte. "Sei doch nicht so. Ich freue mich doch einfach nur für dich und ich will, dass es dir gut geht.", inzwischen klang Leah wie ein beleidigtes Kind. Julia stellte den letzten Teller in seine Halterung und schloss dann die Tür der Spülmaschine mit ein wenig zu viel Schwung. "Das ist sehr nett von dir. Ich möchte nur nicht, dass du enttäuscht bist, wenn es am Ende doch nichts wird.", sagte sie, nachdem sie sich zu der anderen umgedreht hatte. Leah grinste zufrieden, anscheinend spürte sie, dass sie Julianas Widerstand bereits gebrochen hatte. "Du weißt, dass ich immer für dich da bin. Egal, ob es dir gut oder schlecht geht. Du kannst immer mit mir reden. Um genau zu sein, wäre ich sogar ziemlich beleidigt, wenn du nicht zu mir kommst, obwohl es dir schlecht gehst." Diesmal konnte Julia ein kleines Lachen nicht zurück halten. Auch wenn Leah oft etwas zu neugierig war, war sie doch ein guter Mensch.

      Einen Moment lang rang Julia mit sich, bevor sie sich mit dem Rücken an die Küchentheke lehnte und etwas unsicher die Hände vor dem Bauch faltete. "Erinnerst du dich noch daran, als wir uns in der Bar getroffen haben und mich dieser Mann angesprochen hat?" Die andere Frau nickte fast augenblicklich. "Der Gutaussehende?" Sie stockte kurz, bevor ihre Augen sich weiteten. "Im Ernst? Der ist das?" Julia hob die Hände in einer Beschwichtigen Geste, da Leahs Stimme auf einmal um einiges laute geworden war. "Wir haben uns danach zufällig nochmal getroffen und es hat sich herausgestellt, dass er nicht so unausstehlich ist, wie ich anfangs dachte." Sie verschwieg, dass Carson eigentlich ihr Vor-Vorgesetzter war, da dieser Gedanke selbst für sie immer noch ein wenig seltsam war. Während ihrer gemeinsamen Touristentour durch New York hatte sie sogar kurzfristig vergessen wie reich der Geschäftsmann wirklich war.
      Leah wartete einige Augenblicke lang darauf, dass Julia noch etwas zu ihrer Erklärung hinzu fügen würde. Aber irgendwann schien sie zu akzeptieren, dass dies nicht geschehen würde. "Und? Magst du ihn?" Die Frage ließ Julia kurz inne halten. Sie redete nicht oft über ihre Gefühle, da diese früher immer unwichtig gewesen waren und auch jetzt fiel es ihr noch sehr schwer. Sobald sie laut aussprach was sie fühlte, wurde es zu einer Realität, die sie nicht mehr abstreiten konnte. Weder vor anderen noch vor sich selbst. Dadurch wurde sie sehr verletzlich und davor fürchtete sie sich. Doch trotz allem öffneten sich ihre Lippen fast schon von allein. "Ja, ich mag ihn. Sehr sogar.", gab Julia zu und spürte dass sie rot wurde.

      Juliana war sehr erleichtert, als sich einige der anderen Frauen zu ihnen gesellten und Leah ihre Fragerei deshalb erst einmal einstellen musste. Die Blonde wusste es sehr zu schätzen, dass ihre Kollegin die Neuigkeiten nicht gleich verbreitete, sondern Julia ihre Privatsphäre ließ. Aber sie ahnte, dass sie das Thema nicht einfach so fallen lassen würde, sondern noch eine ganze Menge von anderen Fragen auf sie warteten. Das würde ein anstrengender Tag werden...