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  • "Sag das nicht zu laut," grummelte Santi und drückte auf den grünen Hörer. Er hielt sich das Smartphone ans Ohr, während es klingelte. Hatte er Angst davor, mit Diego Geschäfte machen zu müssen? Nein. Zwar hatte er noch nie auf dieser Seite der Geschäfte gestanden, aber er hatte jahrelang dabei zugesehen, wie Diego Leute auf seine Art und Weise durch die Mangel nahm. Er hatte also, auf eine gewisse Weise, vom Besten gelernt.Nein, er hatte keine Angst davor, Geschäfte mit Diego zu machen. Aber er…

  • Santi schüttelte den Kopf. Manchmal vergaß er, dass Lewis neu in dieser Welt war. "Die Leute selbst sind irgendwelche Collegeprofessoren und Experten, die in Dokus rumrennen, ja," erklärte er. "Aber wir wollen ja nicht, dass sie durch die Gegend rennen und jedem, der fragt, erzählen, dass sich noch jemand für ihre spezielle Nische interessiert hat. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass wir hier von heißer Ware sprechen, auch wenn sie ganz brav im Museum hockt. Apollo wird das Zeug aus einem…

  • "Um Ash mache ich mir keine Sorgen," entgegnete Calder. Er kannte den Wolf, sie waren gemeinsam aufgewachsen. Ash hatte eine gute Nase und war, wie der Rest von deren Familie, loyal zum Rudel. Sie alle gehörten schon seit Generationen zum Rudel, ohne dabei so dickes Blut zu haben, dass sie es auf irgendeine hochgestellte Position abgesehen haben könnten. Ash hatte sich ausschließlich durch deren Können hochgearbeitet. Cal vertraute dem Wolf mit seinem Leben. "Dey wollte schon mehrfach helfen, ab…

  • Am nächsten Morgen war die Welt wieder richtig herum: Santi schlich sich kurz nach Sonnenaufgang aus dem Bett und machte Frühstück, rollte ein paar Joints für Lewis, dann weckte er ihn mit dem Lärm, den seine Kaffeemaschine machte. Frühstück gab es, weil ihm danach war, im Bett, was dem Streuner zu gefallen schien. Santi scheuchte Lewis ins Badezimmer, anstatt auf dessen Avancen einzugehen, damit sie vom Fleck kamen. Er hatte vorhin eine Nachricht auf einem seiner Wegwerf-Handys bekommen, dass d…

  • Cal hatte es eilig, nach dem Abendessen wegzukommen. Die Nacht kroch bereits über die Dächer, als er durch die weiten, von Laternenlicht erhellten Straßen eilte, die Schultern ein wenig hochgezogen und die Hände tief in den Hosentaschen, gegen den aufkommenden Wind. Es war zwar eigentlich eine angenehme Nacht, aber der Wind war überraschend kühl. Und es roch immer noch nach Regen. Die Gespräche vom Abendessen - die Zweifel des Ältestenrats, die Worte seines Onkels – all das hallte in seinem Schä…

  • Der Duft von Gegrilltem und Wildkräutern lag in der Luft, dazu das entfernte Klirren von Besteck – jemand deckte den Tisch auf der Terrasse. Cals Schritte waren ein bisschen träge, aber die Wärme, die von dem alten Haus ausging, lockerte etwas in ihm. Es war eines der wenigen Häuser im Revier, in denen er sich nicht beobachtet fühlte. Noch bevor er den ersten Schritt auf die Holzveranda nehmen konnte, riss jemand die Terrassentür auf. "Du stinkst, Cal!" Robin stand barfuß in der Tür, ein Becher …

  • Ilyas Bewegungen waren langsam und eindeutig ungeübt. Sie wusste zwar, was sie tun sollte, aber für jemanden wie Cal war es offensichtlich, dass sie dieses Wissen noch nie wirklich angewandt hatte. Cal blockte den ersten Schlag, indem er Ilyas Handgelenkt abfing, den Versuch an seinen Hals blockte er mit Leichtigkeit mit seinem Unterarm. Er registrierte, dass seine Schürfwunden nicht mehr schmerzten. Netter Nebeneffekt. "Einfacher gesagt als getan," kommentierte Ilya, als sie wieder zurücktrat. …

  • "Das ist nur unfair, wenn du Stärke mit Stärke bekämpfst. Wenn du weißt, dass du körperlich schwächer bist, als die meisten Gegner, denen du begegnen wirst, dann musst du eben anders kämpfen. Noch besser ist es, wenn du weißt, wie dein Gegner kämpft." Cal mochte vielleicht nicht gut in Politik und Diplomatie sein, aber die Sprache der Fäuste war ihm von Kindesbeinen an bekannt gewesen. Und wie jedem anderen Jungwolf im Rudel auch, hatte man ihm das Geschäft beigebrach. Selbst wenn man seine Natu…

  • "Vermutlich zerlegt mich ein Jungwolf von euch ohne Probleme." Cal stutzte. "Warte. Willst du mir damit sagen, dass das Nesthäkchen der Vampire nicht weiß, wie sie sich selbst verteidigen kann?! Kein Wunder, dass die ständig behaupten, du hättest keine Erfahrung! Die lassen dich ja gar keine machen!" Er setzte sich auf, ignorierte dabei das unangenehme Ziehen in seiner Seite. Er lagerte hier auf der Lichtung immer ein paar Ersatzklamotten, falls mal was sein sollte. Er stand auf und holte sie au…

  • "Ist 'ne ziemlich christliche Originstory, findest du nicht? Würde mich nicht wundern, wenn euer Vatikan das so umgeschrieben hat, damit alle nach seiner Pfeife tanzen. So wie's die Christen eben gemacht haben." Cal zuckte mit den Schultern. "Ich weiß, dass meine Geschichte wahr ist. Ich bin ein Nachkomme der ersten fünfzehn. Ziemlich direkt sogar. Das ist das, was ich mit Blut meine. Eigentlich sind wir beide gar nicht so verschieden: je reiner das Blut eines Wolfes, desto stärker ist er. Und d…

  • "Damit haben sie mehr getötet, als in den letzten vierzig Jahren durch unsere Streitigkeiten gestorben sind, das stimmt schon. Aber sieh es mal so: Ember ist der erste Wolf, der seit vierzig Jahren in unserem Revier gestorben ist und die einzige Sache, die sich seither geändert hat, ist die Rudelführung. Unter meiner Mutter herrschte Frieden. Unter meinem Onkel herrschte Frieden. Kaum fange ich an, das Rudel zu übernehmen, stirbt ein Wolf. Ein Jungwolf. Das reicht den richtig alteingesessenen sc…

  • "Nicht so viele, wie du vielleicht denkst. Rudelführer hat mit dem Blut zu tun. Es gibt nur eine Handvoll Wölfe, die überhaupt ein Anrecht auf diesen Titel hätten - und nur ungefähr die Hälfte von denen ist stark genug, mir gefährlich zu werden. Aber wenn ich aufmüpfige Wölfe nicht in ihre Schranken weise, dann hält man mich für schwach und die paar Leute, die stark genug wären, würden es drauf anlegen. Oder schlimmer: Ein anderes Rudel würde versuchen, mir an die Kehle zu gehen." Das war der Te…

  • "Hat sie." Cal ging rüber zu dem Gedenkstein und befreite ihn ein bisschen vom Moos, aber nur gerade soweit, dass man den Stein noch sehen konnte. Er sollte von der Natur umgeben sein, als umarme sie den Stein. "Mein Onkel, ihr Bruder, hat mir erzählt, dass sie immer hier hergekommen ist, wenn sie mal nachdenken musste. Als Kind bin ich ständig weggerannt und auch hergekommen. Ich wusste nie, warum, da hat er mir das erzählt." Er strich über den Namen seiner Mutter. "Ich hab sie nie kennengelern…

  • Die Worte, die sonst nur irgendwelche Plattitüden waren, hörten sich aus ihrem Mund irgendwie anders an. Ehrlicher. Sie gingen tiefer und erreichten, was ihm alle anderen auch hatten sagen wollen. Vielleicht war Ilya ja zur Hälfte Hexe, dass sie wieder und wieder so einen magischen Effekt auf ihn haben konnte. Er seufzte und sah wieder zu Ilya auf. Noch immer spielte er mit dem Fangzahn, der um seinen Hals baumelte. "Dafür, dass dich immer alle Eisprinzessin nennen, kannst du ziemlich einfühlsam…

  • Warum war ihr Oberschenkel so bequem? Das war gemein. "Du kennst doch schon alle Details. Normalerweise muss ich unsere Waffenlieferungen nicht überwachen, das läuft von allein. Normalerweise muss ich mich nicht mit meinen Patrouillen beraten. Normalerweise habe ich gar nicht so viele Patrouillen. Aber wer auch immer uns da so auf den Sack geht, mischt sich gern in unsere Geschäfte ein. Zeug verschwindet aus unseren Lagerhäusern, Lieferungen werden so sabotiert, dass wie Deadlines nicht einhalte…

  • Calder schreckte geradezu aus seinen Gedanken, als er eine kalte Hand auf seinem Kopf spürte. Er hatte gar nicht bemerkt, dass Ilya nicht nur aufgewacht war, sondern sich auf aufgesetzt hatte. Und jetzt war ihre Hand in seinen Haaren, kraulte ihn beinahe so wie einen seiner Hunde. Und er konnte nicht sagen, dass ihm das nicht gefiel. "Du denkst zu viel nach. Davon bekommt man Falten," sagte sie und Cal lächelte unweigerlich schief. Er seufzte und entspannte die Schultern ein bisschen. Er sagte i…

  • Das Lagerhaus war wie erwartet leer, bis auf die ordentlichen Reihen aus Kisten, die sauber beschriftet auf ihre Reise warteten. Der Geruch von Öl, Metall und altem Staub lag in der Luft. Cal lehnte sich gegen einen der Pfeiler, verschränkte die Arme. Die Uhr zeigte kurz vor neun. Pünktlich wie immer tauchte Linden in der Seitentür auf. Wölfe trugen praktische Klamotten, aber sein Onkel hatte sich heute herausgeputzt - er musste sich nachher mit dem Rat der Altwölfe herumschlagen. Deswegen sah e…

  • Wie fühlte es sich an, wenn man rot wurde? Wie Feuer im Kopf? Wenn ja, dann wurde Cal gerade sehr rot. Ilya wollte auf ein Date mit ihm? Was sollte er dazu sagen?! Dankenderweise kam sie ihm zuvor, indem sie das Thema wechselte. Vielleicht hatte er ja Glück und sie übersah seine neue Gesichtsfarbe einfach. Er konnte nur hoffen. "Äh... ja. Ja, ich muss eine Lieferung überwachen und ein bisschen... Wolf-Zeug machen. Wir mich den ganzen Tag lang beschäftigen. Da fällt immer ein bisschen was an." Er…

  • "Ich mach mir mehr Sorgen um dich. Sicher dass ich das nicht mal ablecken soll oder so?" Cal lachte schallend los. Nicht, weil er die Idee so seltsam fand, sondern weil Ilyas Wortwahl einfach zum Schreien komisch war. "Ne, lass mal," meinte er, noch immer kichernd. "Das geht schon. Ist nicht mein erstes Rodeo. Aber danke für das Angebot, so seltsam es auch klang." Er wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. "Aber du kannst mir gern helfen, mich wieder in eine Mumie zu verwandeln. Ich würd's …

  • Nach dem herausragenden Essen machten sie gemeinsam den Abwasch. Jay stand mit Santis Mutter an der Spüle, Lewis und Santis papito trockneten ab, und Santi räumte alles weg. Anschließend entführte Santi den jüngeren Castro Bruder und zeigte ihm, wie man den Smoker sauberzumachen hatte, während Rosa ihm einen Kaffee machte und rüberbrachte. Die Blamage über seine Veranlagung, Streuner zu sammeln und mitten in der Nacht irgendwelche Bücher zu lesen, um sie mit ein paar alten Damen zu besprechen, w…