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  • "Nein danke" Diego zuckte mit den Schultern und nippte ans einem Wein. Dann stand er auf und suchte sich gezielt ein zweites Glas, um es für Lewis zu füllen. "Ähm, schickes Hotel haben Sie da ausgesucht. Muss teuer gewesen sein." "So teuer war es gar nicht. Der Trick ist, es den Leuten abzunehmen, die Angst davor haben, was passiert, wenn sie pleite gehen." Santi schüttelte den Kopf. Lewis hatte wahrscheinlich nicht den Preis des gesamten Hotels gemeint. "Schade, dass es hier keinen Smoker gibt.…

  • Das Palisades Hotel war einer dieser Orte, bei denen allein der Duft in der Lobby reichte, um das Gefühl zu bekommen, zu den oberen zehntausend zu gehören. Hochglanzmarmor unter den Schuhen, mundgeblasene Leuchter an der Decke und Personal, das nie zu lange hinsah, aber nie zu wenig wusste. Santi und Lewis tauchten am Haupteingang auf wie zwei, die eher zum Inventar gehörten anstatt zur Kundschaft. Ein page, ein junges, blasses und professionell unauffälliges Kerlchen, erwartete sie bereits. Ohn…

  • Santi schlang seine Arme um Lewis' Taille."Wenn er es nur auf Spielchen im Bett abgesehen hat, dann kann ich ihn wenigstens handhaben," gestand er. Das waren die einzigen Momente gewesen, in denen sich Santi dem Mann ebenbürtig gefühlt hatte. Hatte sich Diego ihm willentlich unterworfen und hätte jederzeit alles wieder ändern können? Klar. Aber wenigstens hatte Santi das Gefühl gehabt, nicht vollkommen nach der Fuchtel eines anderen agieren zu müssen. Diego war ein Meister im Manipulieren, aber …

  • Santi lachte. Er wusste gar nicht, was er sonst tun sollte. Der Stress dieses kleinen Treffens bahnte sich einfach einen Weg in die Freiheit und er lachte. Der Rauch seiner Zigarette kam ihm dabei über die Lippen und aus der Nase. Schließlich nahm er seine Sonnenbrille ab und rieb sich die Augen, bevor er die Hand durch seine Haare schob. "Er ist kein Magier, Lewis. Er ist ein ganz normaler Mann. Und dieses Abendessen... ich gebe zu, es hätte schlimmer kommen können, aber glaube bloß nicht, dass…

  • Das Azure Temple war kein Ort, den man einfach betrat – er war so exklusiv, dass sich sogar die Superreichen darum kloppten, eine Einladung zu bekommen. Nur Mitglieder konnten Leute auf die Gästeliste setzen, was diesen Ort zu einem von Diegos Lieblingsbüros machte: Niemand kam rein, den man nicht zurückverfolgen konnte. Das Gebäude lag halb verborgen in einer Seitenstraße, gut abgeschirmt von der rohen, vibrierenden Energie der Stadt – als hätte man es absichtlich dort versteckt, wo nur Eingewe…

  • "Ganz so einfach wird das nicht. Und das ging auch nur so schnell, weil Diego immer noch einen Narren an mir gefressen hat." Santi ging rüber zur Couch uns ließ sich darauf sinken. Er starrte die hohe Decke seines Apartments an. "Wir gehen da hin als wir selbst. Ich als Rückführspezialist, der jetzt auch Sachen zu sich selbst zurückführt. Du als Frischling, der lernen will, wie's geht. Wir geben ihm die Liste und sagen ihm ganz genau, was wir wollen: Offizieller Preis, inoffizieller Preis, inter…

  • "Sag das nicht zu laut," grummelte Santi und drückte auf den grünen Hörer. Er hielt sich das Smartphone ans Ohr, während es klingelte. Hatte er Angst davor, mit Diego Geschäfte machen zu müssen? Nein. Zwar hatte er noch nie auf dieser Seite der Geschäfte gestanden, aber er hatte jahrelang dabei zugesehen, wie Diego Leute auf seine Art und Weise durch die Mangel nahm. Er hatte also, auf eine gewisse Weise, vom Besten gelernt.Nein, er hatte keine Angst davor, Geschäfte mit Diego zu machen. Aber er…

  • Santi schüttelte den Kopf. Manchmal vergaß er, dass Lewis neu in dieser Welt war. "Die Leute selbst sind irgendwelche Collegeprofessoren und Experten, die in Dokus rumrennen, ja," erklärte er. "Aber wir wollen ja nicht, dass sie durch die Gegend rennen und jedem, der fragt, erzählen, dass sich noch jemand für ihre spezielle Nische interessiert hat. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass wir hier von heißer Ware sprechen, auch wenn sie ganz brav im Museum hockt. Apollo wird das Zeug aus einem…

  • "Um Ash mache ich mir keine Sorgen," entgegnete Calder. Er kannte den Wolf, sie waren gemeinsam aufgewachsen. Ash hatte eine gute Nase und war, wie der Rest von deren Familie, loyal zum Rudel. Sie alle gehörten schon seit Generationen zum Rudel, ohne dabei so dickes Blut zu haben, dass sie es auf irgendeine hochgestellte Position abgesehen haben könnten. Ash hatte sich ausschließlich durch deren Können hochgearbeitet. Cal vertraute dem Wolf mit seinem Leben. "Dey wollte schon mehrfach helfen, ab…

  • Am nächsten Morgen war die Welt wieder richtig herum: Santi schlich sich kurz nach Sonnenaufgang aus dem Bett und machte Frühstück, rollte ein paar Joints für Lewis, dann weckte er ihn mit dem Lärm, den seine Kaffeemaschine machte. Frühstück gab es, weil ihm danach war, im Bett, was dem Streuner zu gefallen schien. Santi scheuchte Lewis ins Badezimmer, anstatt auf dessen Avancen einzugehen, damit sie vom Fleck kamen. Er hatte vorhin eine Nachricht auf einem seiner Wegwerf-Handys bekommen, dass d…

  • Cal hatte es eilig, nach dem Abendessen wegzukommen. Die Nacht kroch bereits über die Dächer, als er durch die weiten, von Laternenlicht erhellten Straßen eilte, die Schultern ein wenig hochgezogen und die Hände tief in den Hosentaschen, gegen den aufkommenden Wind. Es war zwar eigentlich eine angenehme Nacht, aber der Wind war überraschend kühl. Und es roch immer noch nach Regen. Die Gespräche vom Abendessen - die Zweifel des Ältestenrats, die Worte seines Onkels – all das hallte in seinem Schä…

  • Der Duft von Gegrilltem und Wildkräutern lag in der Luft, dazu das entfernte Klirren von Besteck – jemand deckte den Tisch auf der Terrasse. Cals Schritte waren ein bisschen träge, aber die Wärme, die von dem alten Haus ausging, lockerte etwas in ihm. Es war eines der wenigen Häuser im Revier, in denen er sich nicht beobachtet fühlte. Noch bevor er den ersten Schritt auf die Holzveranda nehmen konnte, riss jemand die Terrassentür auf. "Du stinkst, Cal!" Robin stand barfuß in der Tür, ein Becher …

  • Ilyas Bewegungen waren langsam und eindeutig ungeübt. Sie wusste zwar, was sie tun sollte, aber für jemanden wie Cal war es offensichtlich, dass sie dieses Wissen noch nie wirklich angewandt hatte. Cal blockte den ersten Schlag, indem er Ilyas Handgelenkt abfing, den Versuch an seinen Hals blockte er mit Leichtigkeit mit seinem Unterarm. Er registrierte, dass seine Schürfwunden nicht mehr schmerzten. Netter Nebeneffekt. "Einfacher gesagt als getan," kommentierte Ilya, als sie wieder zurücktrat. …

  • "Das ist nur unfair, wenn du Stärke mit Stärke bekämpfst. Wenn du weißt, dass du körperlich schwächer bist, als die meisten Gegner, denen du begegnen wirst, dann musst du eben anders kämpfen. Noch besser ist es, wenn du weißt, wie dein Gegner kämpft." Cal mochte vielleicht nicht gut in Politik und Diplomatie sein, aber die Sprache der Fäuste war ihm von Kindesbeinen an bekannt gewesen. Und wie jedem anderen Jungwolf im Rudel auch, hatte man ihm das Geschäft beigebrach. Selbst wenn man seine Natu…

  • "Vermutlich zerlegt mich ein Jungwolf von euch ohne Probleme." Cal stutzte. "Warte. Willst du mir damit sagen, dass das Nesthäkchen der Vampire nicht weiß, wie sie sich selbst verteidigen kann?! Kein Wunder, dass die ständig behaupten, du hättest keine Erfahrung! Die lassen dich ja gar keine machen!" Er setzte sich auf, ignorierte dabei das unangenehme Ziehen in seiner Seite. Er lagerte hier auf der Lichtung immer ein paar Ersatzklamotten, falls mal was sein sollte. Er stand auf und holte sie au…

  • "Ist 'ne ziemlich christliche Originstory, findest du nicht? Würde mich nicht wundern, wenn euer Vatikan das so umgeschrieben hat, damit alle nach seiner Pfeife tanzen. So wie's die Christen eben gemacht haben." Cal zuckte mit den Schultern. "Ich weiß, dass meine Geschichte wahr ist. Ich bin ein Nachkomme der ersten fünfzehn. Ziemlich direkt sogar. Das ist das, was ich mit Blut meine. Eigentlich sind wir beide gar nicht so verschieden: je reiner das Blut eines Wolfes, desto stärker ist er. Und d…

  • "Damit haben sie mehr getötet, als in den letzten vierzig Jahren durch unsere Streitigkeiten gestorben sind, das stimmt schon. Aber sieh es mal so: Ember ist der erste Wolf, der seit vierzig Jahren in unserem Revier gestorben ist und die einzige Sache, die sich seither geändert hat, ist die Rudelführung. Unter meiner Mutter herrschte Frieden. Unter meinem Onkel herrschte Frieden. Kaum fange ich an, das Rudel zu übernehmen, stirbt ein Wolf. Ein Jungwolf. Das reicht den richtig alteingesessenen sc…

  • "Nicht so viele, wie du vielleicht denkst. Rudelführer hat mit dem Blut zu tun. Es gibt nur eine Handvoll Wölfe, die überhaupt ein Anrecht auf diesen Titel hätten - und nur ungefähr die Hälfte von denen ist stark genug, mir gefährlich zu werden. Aber wenn ich aufmüpfige Wölfe nicht in ihre Schranken weise, dann hält man mich für schwach und die paar Leute, die stark genug wären, würden es drauf anlegen. Oder schlimmer: Ein anderes Rudel würde versuchen, mir an die Kehle zu gehen." Das war der Te…

  • "Hat sie." Cal ging rüber zu dem Gedenkstein und befreite ihn ein bisschen vom Moos, aber nur gerade soweit, dass man den Stein noch sehen konnte. Er sollte von der Natur umgeben sein, als umarme sie den Stein. "Mein Onkel, ihr Bruder, hat mir erzählt, dass sie immer hier hergekommen ist, wenn sie mal nachdenken musste. Als Kind bin ich ständig weggerannt und auch hergekommen. Ich wusste nie, warum, da hat er mir das erzählt." Er strich über den Namen seiner Mutter. "Ich hab sie nie kennengelern…

  • Die Worte, die sonst nur irgendwelche Plattitüden waren, hörten sich aus ihrem Mund irgendwie anders an. Ehrlicher. Sie gingen tiefer und erreichten, was ihm alle anderen auch hatten sagen wollen. Vielleicht war Ilya ja zur Hälfte Hexe, dass sie wieder und wieder so einen magischen Effekt auf ihn haben konnte. Er seufzte und sah wieder zu Ilya auf. Noch immer spielte er mit dem Fangzahn, der um seinen Hals baumelte. "Dafür, dass dich immer alle Eisprinzessin nennen, kannst du ziemlich einfühlsam…