A Demons Soul [Yasa&Heavy]

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    • A Demons Soul [Yasa&Heavy]

      A Demons Soul

      Hier geht es zur Vorstellung :3
      @Yasacura be my bad boy xD
      Erklärung:
      "Antwort" - Da Claire stumm ist, kommuniziert sie mit Gebärdensprache. Die Geste wird beschrieben, die durchgestrichene, wörtliche Rede ist die Bedeutung dieser Geste.




      Säulen aus feinstem Marmor säumten den mit Rosenquarz gepflasterten Weg, der direkt zu einer machtvollen Kirche führte. Steinerne Ornamente, die an die ehemaligen Magier und andere wichtige Wenigkeiten des Krieges erinnerten, zierten die Pforte zur Heiligkeit des Ordens. Die wahre Kathedrale mit einem riesigen Buntglasfenster, dessen Zentrum ein mächtiges Wesen, der Mutter Erde selbst, darstellte, glänzte in vielerlei wundervollen Farben. Von Rot zu Gelb und Violett zu Türkis schimmerte es im hellen Licht der Mittagssonne. Um die Mutter Erde herum spielte sich dafür jedoch eher die Tragödie, gefasst in kunstvolle, gläserne Bilder, ab. Dämonen-so nannten Menschen die ihnen unbekannten Wesen- wurden von Männern und Frauen in weißen Gewändern hingerichtet, sodass ihr Blut den Boden tränkte und aus diesem neues Leben erwachte. Jener Kreislauf, welcher die siegreiche Geschichte des Ordens der Sonne selbst darstellte und den Menschen Hoffnung gab, die düsteren Zeiten zu vergessen.
      Weißes Gestein erstrahlte förmlich und ließ einen kurzzeitig erblinden, türmten sich die Mauern der Kathedrale doch hoch in den Himmel. Hauptaugenmerk der wahren Kunst an Architektur lag jedoch auf dem hohen, spitzzulaufenden Dach aus einem kristallartigen Material, welches sehr an Diamant erinnerte- es jedoch laut den Erfahrungen der verträumten, jungen Dame keineswegs war. Steinfiguren von Wasserspeiern oder gar mystischen Wesen zierten den Übergang der steinernen Mauern und der edlen Überdachung. Ein monumentales Bauwerk, welches einem wahren Kunstwerk glich und so viel Macht ausstrahlte, dass man sich unwillkürlich klein und unbedeutend vorkam. Doch mittlerweile hatte sie sich an diesen Anblick gewöhnt. Er war schön, nahezu bezaubernd, keine Frage. Doch waren es die Mauern, welche ihr Heim darstellten. Nicht in den heiligen Gebetshallen, welche von Jägern und Bürgern aufgesucht wurden. Nein, sie lebte in einem dahinterliegenden Gebäude, welches sich im Schatten dieser Kunst befand und für das Auge der Bürger und den anderen Besuchern verborgen, sogar unbetretbar blieb. Damit kam sie klar. Ihr Ziehvater hatte gesagt, dass es gefährlich war, sollten andere Menschen sie zu Gesicht bekommen. Lediglich ihr privater Lehrer, welcher ihr Schreiben und das Lesen beigebracht hatte, war einer der wenigen welcher den Zugang zu ihr gewährt bekam. Ansonsten war es nur dem obersten Priester und einigen wenigen Vertrauten, inklusiver einer ihr zugeteilten Dienstmagd gestattet, einen Blick auf sie zu werfen. Wobei Blick relativ war, die junge Frau mochte es nicht, angestarrt zu werden. Der Blick der Magd, welcher bei ihrem ersten Zusammentreffen mit ungläubiger Ehrfurcht über sie gewandert war, hatte ihr gar nicht gefallen. Sie wusste, dass ihre Haare zu auffällig waren. So ein tiefes Rot war eben nicht einfach so auf der Straße zu sehen. Hatte man ihr zumindest erzählt. Ein tiefes Seufzen löste sich aus der hellen Kehle, als die in braunen, dünnen Mantel gehüllte Frau ihre Beine etwas baumeln ließ. Sie hatte es sich erlaubt, früher aus ihrem Studienzimmer auszubüchsen. Dorian, ihr Lehrer, konnte ihr ohnehin kaum noch etwas beibringen. Sie hatte jedes Buch verschlungen, hatte sich Orte eingeprägt welche sie nie gesehen hatte und sogar die ein oder andere Sprache gelernt. Auch wenn sie diese mit ihren Händen wiedergeben musste.

      "Hier seid Ihr, Claire... Der Hohepriester sucht Euch bereits!" Ganz außer Atem hielt ein älterer, untersetzter Mann in einem kirchlichen Gewand vor ihr und holte Luft. Offenbar musste er herbeigeeilt sein, auf der Suche nach der eben Angesprochenen. Die Rothaarige legte leicht ihren Kopf schief und ihre blauen Miasmen fassten den schwer atmenden Mann genauer in ihr Sichtfeld. Sie ballte ihre Finger zu einer Faust und drehte sie dem Kirchlichen mit den Fingern zuerst zu, ehe sie diese langsam von links nach rechts über ihr Handgelenk schwenken ließ.
      "Warum?"
      Claire hatte nichts angestellt, weshalb ihr Ziehvater nach ihr verlangen könnte. Der alte Mann hatte es aufgegeben, sie darum zu beten, ihre Studien ohne Unterbrechungen nachzugehen. Demnach konnte es dies nicht sein. Zumal nichts verwerflich daran war, im Garten der Kathedrale zu sitzen und einige der spätsommerlichen Sommerstrahlen auf der Haut zu genießen. Die weißen Rosen standen zu dieser Zeit in voller Blüte, sodass ihr süßer Duft den der anderen Gewächse bei Weitem übertönte. Sie hatte nicht in dieser dunklen Kammer sitzen wollen. Nicht bei dem Wetter und der Aussicht auf die blühenden Pflanzen um sie herum.
      "Es ist wichtig. Er will Euch jemanden vorstellen.", antwortete der Kirchliche und hatte zumindest soweit wieder Luft geholt, dass er sich nicht länger mit beiden Händen auf seinen Knien abstützte. Nun war es an der Rothaarigen behände vom Rande der kleinen Mauer zu springen, auf der sie gesessen hatte. Jemanden vorstellen? Sie sollte wirklich jemand Neues kennenlernen? Das war zugegeben doch sehr aufregend! Sie lernte selten neue Gesichter kennen, und das obwohl sie nur zu gern von der Welt hinter den heiligen Mauern hören wollte. Sie nickte mit einem begeisterten Funkeln in ihren unnatürlich intensiven Augen und der Mann mit schütterem Haar atmete erleichtert aus. Er war einer der wenigen, welcher mit Claire sprechen durfte und ihre Zeichensprache verstand. Es wäre müßig, Konversationen jedes Mal über Papier zu führen, daher hatte ihr Ziehvater angeordnet, dass die wenigen Vertrauten diese Deut-Sprache lernten. Für Claire war es damit einfacher sich zu verständigen. Sie hörte ohne Probleme, sie sprach nur nicht und gab auch so keinen Laut von sich. Stimmlose Schönheit hatte jemand sie mal genannt und vielleicht war dem auch so. Claire stritt es zumindest nicht ab.

      Die junge Frau folgte der hellen Gewandung des nun eilenden Mannes und betrat das Monstrum einer Kathedrale durch einen kleinen Seiteneingang, welcher durch einige dunklere Gänge direkt in den Hauptraum führte. Jene Gänge mochten durch kleine Kerzenleuchter beleuchtet gewesen sein und doch traute sie sich kaum, dem Diener des Hohepriesters von der Seite zu weichen. Erleichtert atmete sie auf, als sie die hellen Hallen betrat, welche die äußere Schönheit mit ihrem Farbenspiel des Glases und den inneren Verzierungen noch zu übertreffen wusste. Inmitten des großen Saales, welcher von einer großen, goldenen Orgel an der Wand und einem vorstehenden Pult eingeleitet wurde, bis hin zu den edlen Holzbänken der Gläubigen, stand ihr sogenannter Ziehvater. Oder zumindest jener, welcher sie aufgenommen hatte und sie unterrichtete. Der Hohepriester Adham. Gekleidet in ein weißes, nahezu fürstliches Gewand mit aufwendigen, goldenen Stickereien wandte sich der deutlich vom alter gezeichnete Mann an sie. In seiner Begleitung ein für Claire völlig Fremder. Doch zunächst galt ihre Aufmerksamkeit dem Heiligen, dessen Haare vielleicht grau und lang sein mochten, doch die grünen Augen waren dafür nahezu voller jugendlicher Energie und seine Stimme eindrucksvoll. Um seinen Hals hing ein goldenes Kreuz, in dessen Spitzen die Zeichen der Elemente selbst eingraviert waren.
      "Claire, meine Liebe. schön, dass du da bist.", begrüßte Adham sie nahezu warm und streckte seine knöcherne Hand nach ihr aus. Die Jüngere zog ihre Kapuze etwas tiefer in ihr Gesicht und um ihre Haare zu verstecken, ehe sie die Hand ergriff und zu ihrem Vater aufblickte. Sie deutete einen kleinen Knicks an und lächelte stumm zur Begrüßung.
      "Mein Kind, das ist fortan dein Beschützer und neuer Begleiter. Er wird dich sicher zu deinem Ziel bringen." Adham zeigte ausschweifend auf dem Fremden. Sein Lächeln mochte vielleicht nicht schwinden, doch seine Stimme verdeutlichte ihr einen ganz klaren Befehl. Moment... Ziel? Begleiter? Sie...Sie sollte die Kathedrale verlassen? Wann wurde das entschieden und wohin sollte sie gehen? Fragen über Fragen türmten sich über die plötzliche Entscheidung in ihr auf und Claire sah einen Moment zwischen dem weißhaarigen Fremden und ihrem Ziehvater hin und her. Sie wandte sich an Adham mit deutlich verständnislosem Gesicht und wiederholte jene Geste, welche sie dem nunmehr verschwundenem Diener zuvor gezeigt hatte.
      "Warum?"
      Als Adham nicht sofort antwortete wurde Claire ungeduldig. Sicher freute sie sich, dass sie endlich diese Mauern verlassen durfte. Doch irgendwie hatte sie kein gutes Gefühl bei der Sache. Sie streckte Zeige- und Mittelfinger zusammen aus und wischte mit diesen von Brusthöhe hin zu ihrem Ohr, dabei die Lippen schürzend.
      "Antworte mir!" Doch anstatt ihr zu antworten wandte sich Adham etwas entschuldigend an den Fremden. "Das hatte ich vergessen zu erwähnen. Claire... besitzt keine Stimme und besaß auch noch nie eine. Sie wird also weder mit dir sprechen noch einen Laut von sich geben können." Claire verzog das Gesicht. Sie hasste es, wenn man sie ignorierte und Adham schien sich nicht die Mühe machen zu wollen, es ihr allzu schnell zu erklären. Schön, dann eben nicht... Sie warf nun einen genaueren Blick zu ihrem angeblich neuen Begleiter. Schneeweißes Haar rahmte etwas zerstreut sein markantes Gesicht ein, die haut ebenso hell als würde sie kaum von der Sonne geküsst. Die Augen blieben ihr noch verborgen, sie traute sich nicht, näher auf ihn zuzugehen. Seine Gestalt war groß, jedoch nicht so schmächtig wie die des Hohepriesters. Im Gegenteil er war... Plötzlich kam ihr die Erkenntnis, dass er ein Jäger sein musste. Oder war er Soldat? Unsicherheit breitete sich in dem Rotschopf aus. Sie hatte einige Jäger aus der Ferne heimlich beobachtet, aber den hier hatte sie noch nie gesehen. Für einen einfachen Soldaten sah er jedoch zu... gefährlich aus.

      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."




    • „Können wir bitte gehen?!" „Wohin?" „WEG!" Bluthochdruck. War es dieser Krankheit eigentlich mit fortwährendem Auftreten möglich, das rote Plasma irgendwann aus diversen Körperöffnungen fließen zu lassen? Wohl kaum. Sonst wäre Alph sicherlich längst verschieden, konkretisiert: verblutet. Der kleine, in einen Barbiereaufenthalt scheinbar zu wenig investierte Halbwüchsige, welcher eher den Eindruck vermittelte, als würden sich um seinen Arsch noch Stoffbinden zieren, hob entgeistert den Kopf, wie das Alphynum energischen Schrittes auf die Gruppe zutrat. „Sollten Eure Ur-blütige Schlächtigkeit nicht bereits zur Kathedrale aufgebrochen sein?“ erdreistete sich der Knabe zu erkundigen und hielt es scheinbar genauso minder von Nöten, die offenkundige Missbilligung seiner Anwesenheit im Unterton zu verbannen, wie auch die provokant unterschwellige Suggestion, ihn auf seine längst überfällige Abreise hinzuweisen. "Mitnichten ersinnt sich meine Wenigkeit daran, windeltragende Babies beordert zu haben." quittierte der Jäger die Anmerkung trocken und ebenso tödlich, während in seinem Unterton allmählich latent spürbar die Resonanz mörderischer Tendenz entfachte. "Nun zu dir, >Mutter< Teresa." fuhr er unbeirrt an die Brünette gewandt fort fort, "Ich biete dir einen lukrativen Vorschlag an: Da du scheinbar ein großes Interesse an deinem erzeugten Leben hegst, Gott segne dein armseliges Dasein, und es wirklich eine Schande wäre, meine kürzlich polierte Klinge derart primitiv beschmutzen zu müssen, obliegt es mir dich zu verschonen – wenn du deine verkommenen Zellhaufen von Gehilfen einpackst, dich wieder verziehst und mein Panoptikum in Frieden lässt!“ Wenn es etwas gab, das ihn, neben der Tatsache der Spielball politischer Machtverhältnisse zu sein, noch mehr zur eigenen Pflichttreue trotziger Renitenz anregte, dann berief sich dieser Umstand auf die pure Ignoranz der jungen Dame. Das war doch Sabotage an seinem Kontrollzentrum für Selbstbeherrschung, ihn mit einer solch dezenten, aber effektiv kalkulierten Arroganz zu ignorieren, nur um sich ihm allmählich – ganz langsam, als ob Zeit nur eine Anomalie in ihrem Bewusstsein für relative Unsterblichkeit darstellte- zuzuwenden und den Anblick auf eine von Gleichgültigkeit gesäumte Maskerade freizugeben, welche die nicht vorhandene Geduld des jungen Mannes drohte durch reine Mordlust zu ersetzen. Fast geschmeidig schürzten ihre Lippen ein abschätziges Lächeln. „Klingt verlockend, ich lehne dennoch großzügig ab. Gesetz ist Gesetz. Auch gültig für einen vom Orden selbst exerzierten Gesellen. Aber du könntest natürlich ein Klagelied intonieren, falls es dich beruhigen sollte.“ „Gut, dann lausch dem Gesang meiner Waffen!“ Instinktiv schnellte die Rechte des Weißhaarigen an die am Gürtel befestigte Scheide, bereit, ein Gefecht, dessen Dauer nur wenige Minuten und noch weniger Tote fordern würde, einzuläuten, selbst der Gefahr, dass sein Posten degradiert würde – aber niemand dürfe jemals dem Glauben verfallen, sich mit jugendlicher Leichtsinnigkeit an seinem Artefaktearsenal zu vergreifen. Behände schob die ignorante Naturmilbe seine Wenigkeit, ohne seiner Drohung groß Beachtung geschenkt zu haben -wozu auch, schließlich befand sie sich ja im Windschatten des Ordens persönlich- bei Seite und überwand die Schwelle vom subterranen Wohnstil zur ätherischen Sphäre uralter Relikte. „Lasst das Unbrauchbare liegen. Nehmt nur das illegale Güterangebot zu Pferd.“ Instruierte die insolente Diebin so monoton, als wäre sie keinesfalls im Begriff, gerade ihr Todesurteil zu unterschreiben, sondern der Funktion einer adligen Herrin nachzukommen. „Dann ist meine Kammer ja leer?!“ konstituierte Alph halb entsetzt, die Finger beinahe verzweifelt um den Griff des Schwertes geschlungen. „Nun, Eure gestandene Aufgebrachtheit, aber das was drinbleibt, ist legitim.“ „Habt Dank, dass Ihr mir wenigstens das Nichtsüberlasst.“ „Gerngesehenen.“ Die Mundwinkel der kleinen Pissnelke umspielte ein schier zuckersüßes, von Unschuld ummanteltes Lächeln, während ihre Fingerspitze fast versöhnlich über seine Bartstoppeln glitt. „Du weißt genauso gut wie ich – und jeder andere arme Teufel dieses Landes– dass der Besitz von uralten Fragmenten, Artefakten und Relikten ausschließlich der Kirche vorbehalten ist. Und du scheinst in den letzten 2 Jahrzehnten einiges an Schätzen unterschlagen zu haben, mein Lieber. Sei froh, wenn du deinen Kopf behalten darfst.“ „Hah! Blödsinniger Aberglaube! Die einzige Magie, die sich in lebhafter Form manifestiert hat, sind diese Bestien in Menschengestalt und derer, die ihre Magie durch ihren Blutkreislauf strömen lassen.“ „Das mag ja sogar stimmen. Aber deine Überzeugung hat, angesichts der Machtverteilung, keinen Wert. Und wenn Hohepriester glauben, archaische Artefakte bewahren eine substanzielle Kaskade der Ur-magischen Wesenheit, dann wird dir das Recht der eigenen Meinung systemisch abgesprochen. Und nun empfehle dich endlich, das macht den Schmerz vielleicht ein wenig erträglicher, als dem Trumpf dabei zuzusehen, wie er sich sukzessive in Verlust wandelt.“

      ~ Ein Morgen voller Missgunst und Rachegelüste später. ~

      Die Fassade monumentaler architektonischer Meisterwerke verschlang sein Antlitz im Schatten altertümlichen Weltbilds, indessen die Schritte des Mannes langsam das Steintreppenhaus hinaufglitten, wie ein Spieler, der sich des Ruhmes frenetischen Applaus' im Licht des Sieges bereits sicher schien. Schmiedeeisengeländerdocken wanden sich bis zum Eingang einem aus Holz angefertigten Tore, die hölzerne Ouvertüre, die in den Rachen voller Perfidität und temporärem Nutzen führte, die sich der Besitzer (und er) wohl kaum hätte bewusst sein können, waren die Fäden doch schon vor langer Zeit gespannt worden. Identität und Herkunft wurden unmittelbar dem Tanz der Marionetten unterzogen. Zwei kolossal korinthische Säulen ragten aus dem Gemäuer hervor, galante Faszien stellten einen Hauptbestandteil der Konstruktion zwischen dem Abakus und dem Fries dar, derweil die spiralförmige Einrollung am Kapitell als Volute untermalen sollte. Der Zahnschnitt glich einer antiken und ornamentierten Dachkonstruktion aus Urzeiten fremdländischer Tradition. Sein Zuhause. Die Vorstellung, die auf den Mauern positionierten Statuen würdigten ihrem alten Freund durch stumme Begrüßung seine längst überfällige Rückkehr, hatte er sich nicht erwehren können. Dennoch paradox, die Zusammenkunft als Unauffälligkeit eines trivialen Usus deklarieren zu wollen, so hatte das Oberhaupt den Anlass nahezu kryptisch bekanntgegeben.
      Zaghaft wanderten die Iriden des Exekutor zum Vorbau der Front des Gebäudes. Fast aus der Erwartung alter Erinnerungen heraus, die Silhouette einer jungen Frau würde sich zwischen purpurnen Vorhängen hervorschieben, ihm sanft eines freudigen Winken begrüßen, durchfuhr den Mann ein seichtes Kribbeln und durchwog die Glieder einer schmerzvollen Sehnsucht in der Wiege gebrochener Liebe. Stets war ihr Umriss bei Ankunft seiner Wenigkeit hinter gläsernen Fassaden räumlicher Träume erschienen. Geisterhaft edel. 18 Jahre... Seit er ihr Antlitz das letzte Mal hinter der Marquisette hatte erspäht. 18 Jahre... Und der Schmerz begriff sich noch immer so lebensecht, als hätte er sie erst vor wenigen Minuten verloren... Das Gestern hinterließ seine Spuren. Die Gegenwart ertrug sie. Der Morgen schloss die Wunden. Und die Zukunft erkannte sie als Narben wieder. Obgleich nicht immer sichtbar, doch so mancher Schnitt gebrauchte keine rote Quelle, um sich des Blutes Tränen zu verschreiben.
      Die gemächlichen Schritte des Alphynen - wozu auch beeilen? - hallten durch die endlose Stille, und selbst der Klang seines Seufzers erlag dem Durst flüsternden Schweigens. Der offizielle Empfang, der sowohl die Ersuchung seiner Anwesenheit, wie auch die Erörterung seines Auftrags behandelte, überschritt weit mehr als nur seinen radikal hereinbrechenden Fluchtinstinkt und begann, mehr und mehr der Flutwelle maskuliner Entrüstung zu gleichen. "Euer Ehren, ich erbitte Euch dieses voreilige Urteil nochmals zu überden...-" setzte Alph konsterniert an, verleitet, dem Hohepriester sein verbales Bombardement an Widerstand auf die feinen, aber sturen Hörsinne zu feuern, schien im letzten Moment sich eines Klügeren zu belehren und tauchte die Worte unter die Oberfläche dunkler Hasstiraden, ehe ein junges Fräulein - vermutlich der Grund für diese an Sinnlosigkeit kaum zu überbietende Verpflichtung - die Audienz unterbrach. Oder erst reell beginnen ließ? Der Weißhaarige kam gar nicht umhin, NICHT genervt die Augen zu verdrehen, so geheuchelt liebevoll und sanft der Priester die Hand jener verlumpten Eminenz ergriff, um ihr vorsichtshalber behutsam den Entscheid seiner Fehlkalkulation (und in Alphs Augen der reine Irrsinn) nahezubringen. Mein Kind, das ist fortan dein Beschützer und neuer Begleiter. Alphyn bedachte die zarte Sprosse mit einem so abschätzigen Lächeln, dass selbst sein feindseliger Blick tiefer schürte als die notdürftig erfundene Wahrheit in den unterirdischen Verliesen, die die Peiniger versuchten aus den unschuldigen Seelen verrannter Untreue zu foltern. Anscheinend hatte man der Karikatur eines Vampirs - weshalb sollte sie sich vor aller Augen und der Sonne sonst verstecken? - bislang nicht über seine Reise aufgeklärt. Hm, amüsierend hinterhältig, wirklich beeindruckend.
      Alph's in den letzten Sekunden sichtlich verfinsterte Gesichtszüge, der scheinbar unmöglich verkennbare Auftakt zur Wettersimulation eines verfrühten Wintereinbruchs, schweifte bedrohlich langsam Richtung Hohepriester, bevor er seine zwei nächternen Monde halb missbilligend gen Modeentgleisung manövrierte und abschließend ein nüchternes Schulterzucken zustande rang.
      "Nun, zweifelsohne vermögen sich ihrerseits keinerlei Widerworte zu behaupten, selbst jene zweischichtige Einsamkeit bedarf einer (K)einsilbigen Konversation - wird sie ihren Pfad der Tugend wohl alleine antreten müssen." ereiferte sich der Schlächter zu widersprechen, doch grundsätzlich vermochte der Entschluss des Priesters wieder kaum weniger zu sein als eine weitere Anordnung, die er sich zwar zu fügen weigerte, aber schlussendlich doch bewerkstelligen würde. "Oh! Gewiss, können wir die Distanz zur Zivilisation gering halten, werden ohne Stimme auch keine Schreie, die sie verraten könnten, den Segen der Melodie erblicken. Hahahahaha." Ein vergnügt infernalisches Kichern begann an den Relief versehenden Wänden entlangzuscharren, dunkel und lüstern, während die restlichen Anwesenden den verqueren Humor des Jägers durch scharfes Schweigen zu strafen maßregelten und dem Alphynen je gewahr wurde, dass sein Gelächter wohl das Einzige Teufelsgut bildete, das der Kehle über diesen Scherz entrungen schien. Die unbehagliche Stille legte gleich eines undurchdringbaren Nebel auf seine Schultern nieder. Erdrückend schwer, aber erträglicher wie jene pfeilgespitzten und zum Töten geschärften Blicke der Umstehenden. Ein Vöglein ließ sein zwitschendes Liedchen erklingen. Alph blinzelte leicht. "Ähem..." räusperte sich die weißhaarige vom Fluchtinstinkt geplagte Bloßstellung schließlich, der Versuchung unterstehend, seine peinliche Blamage durch ein gekonnt kaltes Lächeln zu kaschieren. "Meine Antwortet lautet: Nein. Erkiest jemand anderen, Eure hoheitliche Prestigeträchtige, der dieses Rumpelkäppchen zu Wege führt. Tz. Wahrlich eine Schmach, meine wertvolle Zeit so unverhohlen zu verschwenden, wo doch die Dunkelseelen ihrem Tod durch meine Klinge entgegenlechzen." Kopfschüttelnd griff das Alphynum nach der Feldflasche, - dieser Schock musste erst einmal verarbeitet werden - deren Inhalt nichts weiter nachwies wie die betäubende Gunst des Alkohols, und ließ die Spirituose genüsslich den Gaumen umschmeicheln. "Außerdem..." begann er, das Getränk gerade den Rachen hinuntergleitend, "Ich bezweifle, dass unser Rapunzelstilzchen sehr erfreut über ihren auserkorenen Begleiter ist. Freude lässt Gesichter zumeist erstrahlen, nicht erstarren." schloss die jagdschaftliche Fraktion einer Ein-Mann-Armee unter einem geschwinden Seitenblick auf das falsch verstandene Verständnis für Modegeschmack hinzu, verstaute den Behälter am Gürtel und ließ die Zunge dann genüsslich - Alph's gegenwärtige "Eskalation" eines Hochgefühls - anzüglich über seine abendscheingehauchten Lippen gleiten, ehe er ein paar flinke Schritte vortrat, um seinen Korpus demonstrativ vor dem sonnenlichtscheuen Exemplar aufzubauen. "Oder... Bist du vielleicht....-" Alphyn strich beinahe bedächtig an der Kapuze des jungen Fräuleins entlang, während auf der Leinwand ein erwartungsvolles Blitzen durch zwei nächterne Tropfen zu flackern begann, "Mein Präsent für die langjährigen Dienste, die ich unablässig zur vollsten Zufriedenheit meiner Auftraggeber verrichte? Umhin, werte Dame, so wäret meine Wenigkeit mit Freuden entzücket, ein solches Gut mein Eigen schimpfen zu dürfen. Gelüstet es meinem Geschenk danach, sich ihrer Gewänder zu entledigen und ausgepackt zu werden?" wisperte der Weißhaarige nahe ihrem Ohr, (zumindest an der Stelle wo er ihr Ohr vermutete) das Haupt leicht hinabgeneigt. Er war kaum umhin gekommen, ein obszönes Kichern als kleinen Abschiedsgruß zu unterdrücken und wandte sich dann nochmals an Adham. "Hm. Nun, bedauerlich, aber ich bin sicher, Eure magiesensorische Altertümlichkeit wird eine neue Garde zitieren können und sich dieser... durchaus deliziösen Kostbarkeit annehmen. Adieu, petite princesse. Oder was auch immer du darstellen sollst. Hahahaha."

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    • Claire starrte den Fremden vor sich an und verspürte durchaus den Drang, ihre Hand gegen ihn zu erheben und ihn für diese dreisten Worte die Bekanntschaft einer Ohrfeige zu lehren. Was dachte er sich denn, wer er war? Und vor allem wo er sich befand?! Er war in allen Belangen definitiv respektlos und seine Aura strotzte nur so von einem egozentrischen, durch und durch verdorbenen Jägers. Oh nein... Da machte auch der Rotschopf nicht mit. Zum einen hatte sie keinerlei Kenntnisse einer Reise und verstand nicht, wieso man sie nach all den Jahren in diesem goldenen Käfig nun woanders hin manövrieren wollte. Die Priester hatten sich so viel Mühen gegeben ihr Gesicht vor aller Welt geheim zu halten, sie in diesen heiligen Mauern eingesperrt zu lassen nur weil sie erhofften, ihre wahre Macht wäre ihnen eines Tages von Nutzen. Und nun beschloss Adham, dass sie gehen sollte? Wohin? Warum? Und vor allem zu wem würde sie gebracht werden? Ihre azurblauen Augen sahen mehr als anklagend und sehr wenig begeistert zu Adham, dessen Miene sich offensichtlich verdüsterte bei dem Auftreten des Silberhaars. Offenbar schien dieser ebenso wenig angetan zu sein von den mehr als lüsternen Worten des Mannes vor ihnen und dem noch dunkleren Anflug eines Lachens, welches einsam von den Wänden widerhallte.

      Dieser Mann lehnte den Befehl ab. Sehr offensichtlich und er machte keinen Hehl daraus, dass ihm diese Reise als lächerlich vorkam. Als würde ihm dabei die Freude fehlen, Dämonen zu meucheln. Claire umgriff ihren braunen Mantel etwas fester. Ein Gefühl sagte ihr schon, dass an seinen Händen sehr viel Blut kleben musste. Nichts ungewöhnliches bei Jägern, dazu waren sie nun einmal die Waffen der Kirche. Und dennoch, ihm schien dieses Verüben der Gräueltaten nahezu Freude zu bereiten. Claire sah stumm dabei zu wie er einen Schluck seiner Feldflasche nahm und sich anschließend anmaßte, ihre fehlende Begeisterung zu bekunden. Nun, freuen tat sich Claire definitiv nicht und abermals, diesmal eindrücklicher, wiederholte sie ihre Frage gegenüber Adham. Doch der Hohepriester ignorierte sie ein weiteres Mal, seine Miene war steinern um nicht zu sagen völlig eisig auf den Silberschopf gerichtet.
      "Oder... Bist du vielleicht....-mein Präsent für die langjährigen Dienste, die ich unablässig zur vollsten Zufriedenheit meiner Auftraggeber verrichte? Umhin, werte Dame, so wäret meine Wenigkeit mit Freuden entzücket, ein solches Gut mein Eigen schimpfen zu dürfen. Gelüstet es meinem Geschenk danach, sich ihrer Gewänder zu entledigen und ausgepackt zu werden?" Die plötzliche Nähe zu dem fremden Mann ließ die junge Frau nun endgültig erstarren und ihre Augen weiteten sich angesichts dieses....Mistkerls! Dachte er, sie wäre eine einfache Hure? Ein bloßer Gegenstand? Oh.... sie wünschte sie könnte ihm offen ihren Ärger ins Gesicht schreien. Aber das war leider nicht möglich. Nicht, wenn sie nicht in Ketten des dunkelsten Verließ landen wollte, welches die Kirche zu bieten hatte. Seine Betitelung als Prinzessin war dann schließlich zu viel für Claire. Erbost und beleidigt nahm sie eigens ihre Kapuze ab und funkelte den Fremden mit kalten, wütenden Augen an. Sie formte mit ihren Lippen das Wort "Mistkerl" ohne dass ein Ton eben diese verließ. Schließlich wandte auch sie sich an Adham und zog mehr als auffordernd die Brauen hoch, sich endlich zu erklären und offenbar schien nun endlich Leben in den Heiligen zu kommen.

      "Mir scheint du hast mich falsch verstanden, Alphyn. Ich habe keine Bitte ausgesprochen." Selbst Claire, welche diesen alten Mann nun schon ihr ganzes Leben kannte, schluckte leicht bei der Macht, die er plötzlich in seine Stimme legte.
      "Für jemanden, der die Regeln des Ordens nicht befolgt und sich unerlaubt an Eigentum bemächtigt sprichst du zu unbekümmert. Vielleicht hast du Recht und wir sollten einen fähigeren Jäger auserkoren und dir deine Befugnis, die schattenbehafteten Seelen zu jagen, abnehmen. Jemand der einen einfachen und doch wichtigen Auftrag wie diesen ablehnt ist es nicht würdig, die Klingen gegen eine Bedrohung zu erheben." Damit streckte Adham seine Hand auf, seine Miene unbewegt und sein Blick strahlte deutlich seine erhabene Position als Führer aus.
      "Dann gib mir deine Waffen und du kannst deiner Wege gehen. Damit haben wir keine Verwendung mehr für dich, Alphyn." Claire stockte und sah kurz erschrocken zu dem Jäger. Der Heilige machte keinen Hehl daraus, dass er die Existenz dieses Mannes jederzeit in einen Scherbenhaufen wandeln konnte und so, wie ihr Ziehvater gerade wirkte, schien er dies sogar ernst zu meinen. Damit wandte sich der in weiß gekleidete Herr ab und sah nun endlich seinem Ziehkind wieder deutlich freundlicher entgegen.
      "Es tut mir leid, dass ich dir nichts gesagt habe. Aber deine... Fähigkeiten werden von unserem anderen Orden benötigt. Ebenso eine heilige Gemeinschaft hoch im Norden. Du hast bei mir alles gelernt, was ich dir beibringen konnte. Aber nun ist es Zeit, deinen Zweck zu erfüllen bei unseren heiligen Brüdern des Mondes.", erklärte er dem Rotschopf endlich worum es ging. Doch Claire riss nur entsetzt ihre Augen auf. Ihre Fähigkeiten? Das würde bedeuten... Oh nein, nein das konnte sie nicht! Das durfte sie nicht! Es würde den Tod vieler bedeuten und Claire war nicht gewillt, dieses Blutbad zu verursachen.
      Heftig schüttelte sie den Kopf und diesmal lag ihre Angst deutlich in den schönen Zügen, doch Adham erbarmte sich nicht und legte lediglich eine Hand auf ihren weichen Schopf.
      "Du wirst der Kirche von Nutzen sein, Claire. Und ich erwarte deinen Gehorsam." Claire wusste, dass sie in diesem Moment verloren hatte. Es war ein Befehl. Und die indirekte Botschaft, dass sie nur deswegen noch am Leben war. Ihre blauen Seelenspiegel senkten sich und sie nickte mit zusammengepressten Lippen. Zufrieden richtete sich der Hohepriester wieder auf und wandte schließlich gekonnt teilnahmslos seinen Blick wieder auf diesen Alphyn.
      "Habe ich mich nicht klar ausgedrückt? Lege deine Waffen ab wenn du nicht gewillt bist, diesen Auftrag auszuführen. Dann kannst du gehen.", wiederholte sich der alte Mann abermals doch diesmal umspielte ein wissendes Lächeln seine Lippen.
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    • Ein fast triumphales Grinsen umrahmte das Antlitz des Weißhaarigen, während er fälschlicherweise dem Glauben verfiel, sich im Lichte des Sieges rühmen zu dürfen, um ihr, - eine weitere Schachfigur des Ordens – die Dominanz maskuliner Autorität nahezubringen. Reell schien es sogar, der Priester selbst hatte bei den Elementen strikter Erziehungsmethoden die Etikette adäquater Begrüßungsfloskel versäumt. Mistkerl. Oh ja, welch herrliche Bezeichnung – direkt und unverblümt. Obgleich der Mann mehr minder wie zulänglich die Sprache der schweigenden Stille bewerkstelligte, so hatte er jedoch den geformten Worten ihrer stummen Lippen die Bedeutung einwandfrei entnehmen können. Das zähnefletschende Lächeln, das der Jäger offenbarte, glich in jenem Moment einem hungrigen Raubtier; doch nicht etwa gelüstet nach dem Blut ummantelten Fleische, nein, sondern nach der Willensschwäche beugsamer Feminität. „Du bist ja richtig frech, petite Princesse.“, stellte der Jäger amüsiert fest, „Hah, möchtest du dich etwa emanzipieren? Na komm, ich zeige dir eigens auf, welche Möglichkeiten zum Scheitern verurteilt sind.“ Eisiges Feuer flammte vor der nachtfinsteren Spiegelwelt auf; eine blutige Schneise drohendem Brandes unter dem Gefrierpunkt, das die Haut unschuldiger Jungfräulichkeit erkaltet sehen mochte, reflektierte die reine Mordlust Alphyn’s missglückter Geduldsprobe. Gerade geneigt der lumpenfleddernden Verpackung den Rücken zu kehren, stob sich das Fräulein die Kapuze von Haar und Stirn, ließ den dunklen Vorhang aus Schatten aus ihrem Angesicht weichen und enthüllte die sinnbetäubende Faszination roter Rosenblätter – selbige, die einst das Feuer der Leidenschaft dem Eis hatten entlocken können, hingen nun inmitten roter Blütenschweife um das zartbesaitete Antlitz‘ einer jungen Frau. Alphyn hätte nicht zu deuten vermocht, wie langesich sein Blick in den ozeanblauen Unweiten einzigartiger Charme verfing, deren Oberfläche von tausend kleinen funkelnden Diamanten gespickt waren, die das Licht nahezu leidenschaftlich mit der Wildheit eines Tangos aufzufordern gedachten. Es vergingen Sekunden, Minuten – eine winzige Ewigkeit, welche immerhin lang genug andauerte, um Alph jegliche Ausflucht wirksam absprechen zu können- ehe er sich seiner schieren Trance gewahr wurde und den Kiefer mit einem (viel zu lauten) Klacken zuklappte, das seines Bedauerns nach sogar fähig gewesen wäre, die Stille gleich eines schrillen Schreis zu durchschneiden. Kopfschüttelnd wandte sich der Weißhaarige ab – das hätte noch ein (durchaus klingengeschärftes, oder sollte er lieber seine Lanze nutzen?) Nachspiel, auf dessen Ausgang er ungern verzichten wollen würde. Seufzend ließ er seine wintertosenden Iriden, ein mit dem Morgengrau aufsteigender blasser Nebel, über die geschichtlichen Epochen, gehauen aus Stein, verziert durch Glas und interpretiert mit der Diversität geistlicher Phantasie(Eskalation), schweifen. Wenn die Sonne ihre sanften Strahlen im Glas zu brechen inszenierte und das spielerische Spektakel gleißender Farbimpression dem entsprungenen Schöpferelement seinen Begutachter in einen regenbogen-artigen Sinneseindruck zurück ins Gestern verführte, so spintisierte (=abwegigen Gedanken nachhängen, grübeln) der abtrünnige Teil seiner Gedanken so manches Mal, am Abyss seiner Seelenfragmente das leise, uralte Flüstern wahrer Historie zu vernehmen, als entstamme das monumentale Bauwerk den bleichen Knochen gefallener Helden. Und vielleicht hätte das Alphynum ja sogar den Horizont aus abschweifender Realität und possessiven(= besitzanzeigend) Farbspektrum durchbrochen, wenn die kalten Worte des Priesters sein Bestaunen nicht zurück zur unbeugsam Fügung seiner Pflicht katapultiert hätten. Verdammt, hatte er sich nun mal für eine Sekunde ablenken müssen. „Euer Ehren, ich erachte…-“ bemühte er sich hastig die konventionentheoretische Option der Rechtfertigungsstrategie zu gebrauchen, doch das apodiktische(= keinen Widerspruch duldend) Urteil priestischen Starrsinns verbannte jeglichen Protest, noch bevor der Schlächter überhaupt hätte die Fetzen seiner Gedanken zu einem ausgereiften Satz bilden können. „Für jemanden, der die Grundsätze des Ordens nicht befolgt?“ wiederholte Alphyn deutlich brüskierter, als er selbst hatte beabsichtigt und bereute diesen Akt des dezenten, aber ersichtlichen Fehlschlages seiner emotionalen Kontrolle bereits nach dem zuletzt ausgesprochenen Wort, „Euer Ehren, niemals würde meine Wenigkeit auch nur dem Gedanken verfallen, Eure Leitsätze zu missachten und…-“ Sein Atem stockte. Die Befugnis entziehen? Zwar, der Weißhaarige hatte nicht einen Augenblick an der Wichtigkeit dieses Auftrags gezweifelt, wohl aber daran, dass gerade er die auserkorene Garde spielen müsse, auf deren präzise Schwerthiebe und unter destruktiven Einsatz‘ jeglicher Gliedmaßen zum Schutze eines überprivilegierten Funktionärs sich die gesamte Gildschaft würde verlassen können. Möglicherweise war es der verbale Blitz gewesen, der sich knisternd durch die angespannte Atmosphäre (und seine Fibrillen) zog, oder schlichtweg die Erkenntnis, der logischen Konsequenz fataler Entscheide unterworfen zu sein, die er mit seiner Freiheit – oder Leben – würde zahlen müssen, sollte er sich abermals gegen die Direktive(= von übergeordneter Stelle gegebene Weisung, Regel für das Verhalten) zu behaupten versuchen. Wenn das diplomatische Verständnis dem Mittel zum Zweck diente und sich allmählich der Erpressung begriff, dann käme es der Definition einer verwerflich ergriffenen Interventionsmaßnahme schon sehr nahe. Mundtot folgte Alphyn dem raschen Wortwechsel und am liebsten hätte er dem Priester das Lächeln, mit welchen er den Jäger bedachte, mitsamt der wenigen Zähne aus dem Gesicht geschlagen. Die wenigen Zähne, die er dem alten Drill-Instructor gerne hinzugeflucht hätte. "Du wirst der Kirche von Nutzen sein, Claire. Und ich erwarte deinen Gehorsam." Noch signifikanter hatte er dem Fliegenpilz ihr Sklavendasein – ihre verdammte Existenzberechtigung –kaum vorwerfen können. Nicht, dass der Weißhaarige seine Gefühlsbasis dazu mobilisiert hätte, so etwas wie Mitgefühl empfinden zu wollen, und doch glaubte er erahnen zu können, dass sich ihrer beider Gemütsverfassung einer gewissen Parallele einigten. Wortlos schritt Alph, ohne der Distanz auch nur einen Millimeter abgewichen zu sein, an dem Priester vorbei und packte Claire so unsanft am Arm, dass die Krallen, hätte er über welche verfügt, sich vermutlich unweigerlich in ihre Haut gebohrt hätten. „Los, wir ziehen von Dannen.“ Obschon die junge Sprosse selbst befähigt war zu laufen, genoss der Schlächter die wenigen Augenblicke, wo er die Übermacht seiner verborgenen Muskelpracht missbrauchen konnte, als seine Linke Claire’s Korpus grob vor sich her stieß und sie aus der Grundlage von Ungerechtigkeit bugsierte. Draußen angekommen – und nicht ohne vorher feinsäuberlich das Tor geschlossen zu haben – beförderte Alph den Rotschopf unter einem hasserfüllten Knurren zu Boden. „Regel Nummer eins!“ begann er diktatorisch, „Du wirst tun, was ich sage dir sage! Grundsatz Zwei: mein Wort ist Gesetz! Du wirst diesem Gesetz ohne Widerwor… WiderSCHRIFT Folge leisten, falls nicht…“ Die Pause, die Alphyn bewusst einschlug, um dem Seelenschwarz seiner Aura genug Intensität zu entfesseln, wirkte beinahe bedrohlicher wie die Macht seiner Stimme selbst, „Niemand hat veranlasst, wie du schlussendlich dein Ziel erreichen sollst. Nur, dass du es zu erreichen hast. Dein Zustand jedoch ward kaum erötert, möglichst lebend, aber halb lebendig ist ja nicht gänzlich tot, nicht wahr, petite Princesse?“ Leichtfüßig ließ Alph die muskeltänzelnde Dimension eines monumentalen Körperbaus in die Hocke gleitend, derweil seine flache Hand sanft (sanft in Bezug auf sein Verständnis) an ihrer Wang entlang tätschelte. Auch, wenn er sich die Überraschung nicht hatte anmerken lassen, befand er Claire’s Haut unheimlich zart, wie ein samtenes Kleid, dass dem Träger seine Eleganz selbst entblößt hätte niemals entziehen können. „Der nächste Markt (wo ausreichend Güter gibt) liegt im Nordosten, etwa 2 Stunden entfernt. Dort werden wir unsere Ressourcen auffrischen. Du bleibst in meiner Nähe, egal was passiert. Wenn ich sage, steh – dann hast du zu stehen! Wenn ich dir bedeute, an meiner Seite Platz zu nehmen, wirst du meinem Befehl unweigerlich nachkommen. Und wenn ich dir anordne zu warten, dann wartest du! Keinen Millimeter wirst du dich von der Stelle bewegen. Hast du meinen Worten die Bedeutung entnehmen können?“ fragte er mehr rhetorisch, machte sich aber nicht die Mühe, ihre Antwort abzuwarten, sondern umschloss abermals den Arm des Naivchen, um sie rüde empor zu ziehen und ihre zierliche Gestalt Richtung Schlachtross zu schubsen. Das Tier musterte ihn skeptisch, – obgleich es seinen Herren kannte, aber offensichtlich alles andere als leiden konnte – und eigentlich wäre entgeistert die passendere Bezeichnung gewesen, und schüttelte schnaubend die Mähne, während der Jäger dem Fliegenpilz mit einer Geste signalisierte, aufzusteigen. Wo war eigentlich der Sattel geblieben, jetzt, wo er sein Eigentum genauer betrachtete? Und seine zwischen den Sattelblättern verstauten Pfeile? Und der Bogen? Und die Trinkreserve? Scheiße. „Diese verdammten…!“ Leise fluchend trat er an die junge Frau heran, „Los, steig auf. Über meine Räuberleiter. Und wage es nicht, deine Schuhe in meine Hände zu rammen.“
    • Die Rothaarige zuckte heftig zusammen als Alphyn sie unsanft am Arm packte. Sein Missmut war förmlich in der Luft greifbar und das erhabene, vielleicht auch etwas spöttische Lächeln des Hohepriesters legte sich auf die ungewollten Reisegefährten. Noch immer fiel es Claire nicht leicht, einfach hinzunehmen welch Urteil ihr Ziehvater über sie verhängt hatte. Es bereitete ihr Magenschmerzen, um nicht zu sagen dass eine langsam schleichende Angst über ihren Rücken kroch und sich in ihrem Inneren festsetzte, gleich einem Parasiten. Die Lippen zusammengepresst, obgleich ihrer Unzufriedenheit oder dem Schmerz, welcher dieser ungehobelte Jäger ihr mittels seiner Hand zufügte, folgte sie mehr stolpernd als laufend dem hochgewachsenen Weißhaarigen. Ein letzter Blick aus blauen Augen wurde zurückgeworfen auf den Mann ganz in Weiß und Gold geziert. Doch dieser hatte sich bereits abgewandt und sie wusste instinktiv, dass kein Weg daran vorbeiführte, ihr gefürchtetes Schicksal zu erfüllen. Natürlich hatte sie von dem Luna-Orden gehört, jener kirchlichen Institution welche in den eisigen Berglandschaften des Nordens residierten. Jene Priester sollten dort vom Wesen genauso unterkühlt wie die Landschaft sein und ebenso grausamer, wenn es darum ging, die Ordnung zu erhalten. Bislang hatte die junge Frau nur davon gelesen, hatte sich die vier Orden eingeprägt und ebenso deren bisherigen aufgezeichneten Erfolge. Und trotzdem war auch sie auf das ein oder andere Gerücht gestoßen, welches nicht anders als beängstigend zu beschreiben war. Sie konnte sich denken was die Luna-Heiligen mit ihren Fähigkeiten anfangen wollten und allein das verursachte den bitteren Geschmack von Übelkeit in ihrem Rachen.

      Lange konnte sie nicht in den finsteren Gedanken verweilen, als ihr Körper unsanft zu Boden geworfen wurde. Ihr Körper protestierte über diese grobe Behandlung auf und etwas wütend funkelte sie zu diesem arroganten Mistkerl auf. Gleich einem General baute er sich bedrohlich vor ihr auf und legte die Regeln ihrer Reise überaus deutlich fest. Was dachte er denn, wer sie war?! Sie war keine idiotische Bauerndirne und auch kein Soldat, den es zu befehligen galt. Trotz ihrer inneren Rebellion zuckte sie etwas aufgrund der nahezu pechschwarzen Ausstrahlung zusammen, welche dieser Jäger besaß. Es war absurd, dass ausgerechnet er zu den Waffen der Heiligen gehörte. Er schien ihr nicht besser als ein verfluchter Söldner zu sein. Ein Schlächter... Claire unterband den Drang, ihm eben jetzt diese sogenannte Widerschrift zu geben, die er ihr untersagt hatte. Besann sich jedoch eines besseren, sie wollte nicht riskieren, dass sie geschunden und verwundet im Norden ankam. Und etwas sagte ihr, dass dieser Mann durchaus seine Drohung wahr machen würde. Zumindest schien sein eines, sichtbares Auge nicht für Scherze zu sprechen. Sie verspürte sogar den Drang sich seiner großen Hand zu entziehen, die über ihre Wange tänzelte. Schlussendlich nickte sie lediglich stumm auf seine Worte hin zum Zeichen, dass sie verstanden hatte. Sie war keine Närrin, welche gleich bei Beginn ihrer Reise ihren Begleiter und sogenannten Beschützer sogleich verärgern würde. Auch wenn er vergessen konnte, dass Claire wie eine Puppe zu allem nur nicken würde. Nicht mit ihr, aber das musste er jetzt noch nicht wissen. Sie wurde abermals unsanft nach oben gezogen und sich danach den schmerzenden Arm reibend sah sie dem Weißschopf nach. Er war offenbar niemand, der unbedingt die Bedeutung des Wortes Sanftmut oder Rücksicht zu verstehen schien. Vielleicht sollte sie ihm eine Definition dessen aufschreiben, damit dieser ungehobelte Klotz ein wenig Manieren lernte.
      "Mistkerl", formte sie abermals mit ihren Lippen als Alphyn sich zu dem großen Pferd gewandt hatte, welches auf sie wartete und war nahezu erleichtert, dass er es nicht hatte sehen können. Er schien über irgendetwas zu fluchen, was Claire nicht nachvollziehen konnte. Ihre Augen lagen viel mehr ehrfürchtig und ein wenig begeistert auf dem dunklen Ross. Ein schönes, jedoch etwas furchterregendes Tier von stattlicher Statur und Größe. Die dunklen Augen schienen ebenso wenig begeistert zu sein, seinen Reiter wiederzusehen. Ein Gefühl, welches Claire nur zu gut nachempfinden konnte.

      Kurz blickte sie auf seine Hände ehe sie ein leises Seufzen ausstieß und zunächst ihre Kapuze wieder tief in ihr Gesicht zog, um ihre flammende Haarpracht zu verbergen. Kurz sah sie auf die Kathedrale, welche ihr ganzes Leben lang ihre Heimat gewesen war. Doch statt Wehmut erfüllte sie auch eine gewisse Freude. Man hatte sie aus ihrem Käfig entlassen und sie hatte zum allerersten Mal die Möglichkeit, die Welt sehen zu dürfen von der sie so viel gelesen hatte. Kurz umspielte ein Lächeln ihre Lippen, ehe sie sich wieder dem Jäger zuwandte. Schließlich hielt sie sich etwas unbeholfen am Rücken des Pferdes fest und dank des Jägers Hilfe kam sie etwas wackelig auf dem Rücken zum sitzen. Ihr fiel es schwer das Gleichgewicht zu halten, zumal die Höhe sie überraschte. Himmel, sie hatte noch nie auf einem Pferd gesessen und etwas panisch krallte sie sich in die Mähne des Tieres. Glücklicherweise schien dieses ruhig zu halten bis sein Herr sich nahezu mühelos hinter sie schwang. Ihr war es unangenehm, dass dieser Mann ihr nun so nahe war. Es war kaum Platz zwischen seinem Oberkörper und ihrem Rücken und die Arme, welche um sie herum die Zügel ergriffen, erweckten in ihr das Gefühl einer Gefangenheit. Doch etwas anderes ließ sie etwas entsetzt zu ihm sehen. Er dachte doch jetzt nicht daran, mit dem Tier davon zu preschen oder? D-Das würde er nicht wagen! Sie hatte keine Ahnung wie man sich auf so einem Tier hielt und das Fell unter ihr war nicht gerade dazu geeignet, einen festen Halt zu finden. Claire wurde etwas blass und unruhig umherrutschend versuchte sie eine halbwegs sichere Position zu finden, bei der sie nicht sofort das Gefühl hatte herunterzufallen.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Neu



      "Braves Mädchen. So verfüge ich über meine Ware am liebsten. Schließlich möchte ich die mir anvertrauten Güter auch unversehrt zustellen können." Fast erwartungsvoll und mit einer unverhohlen wie gleichermaßen lasziven Neugierde bedachte Alphyn das Antlitz der jungen Frau, als wünsche er eine Protest regende Geste zu prognostizieren, die ihm nicht nur einen fundierten Beweggrund darbrächte, Claire eine durch seine Hand (respektive Wort) gerechtfertigte Sanktion aufzuerlegen, sondern genauso gut sich ihres Willen bemächtigen, um ihr den seinen letztendlich ungeniert aufzwingen zu können. Natürlich wäre es an reiner Charakterverleugnung angegrenzt, hätte der Weißhaarige den Blick nicht anschließend doch noch provokativ über die charmanten Reize kapriziöser Weiblichkeit gleiten lassen, um sich dann auf eine derart anzügliche Art und Weise mit der Zungenspitze über die Lippen zu fahren, wofür Adham ihm vermutlich den Gesang herausgeschnittener Zungen und abgetrennter Gliedmaßen nahegerbracht hätte - wenn er denn in den "Genuss" von Alphyns Phantasievielfalt gekommen wäre. Glücklicherweise aber befand sich die archaische Magieströmung maskuliner Auftragsnötigung selbst hinter dem Ehrfurcht anmutenden Gemäuer und somit außer Reichweite lebenverzehrender Abmahnung. "Wobei..." stimmte das Alphynum in Begleitung eines schauerlich vergnügten Grinsen an, "Bedauernswert, dass meiner Wenigkeit die Überprüfung der Qualität des Produkts verwehrt bleibt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich herausstellt, dass du in deiner Funktion als unzugänglich eingestuft wirst. Dem könnten wir durchaus... Abhilfe verschaffen. Eine zweifellos... Lukrative Präventivmaßnahme, findest du nicht?" Der Jäger ließ seine wintergraugehauchten Iriden abermals über die feinen Konturen der zarten Rose schleichen; ganz langsam, als wolle er jeden kleinsten Winkel ihrer attraktiven Kurven gänzlich auskosten - geradezu verschlingen - und der Phantasie ein reales Ebenbild verpassen, mit welchem er sich später (des Nächtens) hinlänglich beschäftigen könne, ehe Alphyn den Blick inne hielt und für ein paar flüchtige Wimpernschläge zu lange auf den zwei schwarzrunden Monden verharren ließ, deren schwarze Tönung sich wie nächterne Kristalle vom ozeanblauen Hintergrund abhoben. Warum musste dieser feuerrote Blütenschweif eines Sonnenaufgangs auch unter der Obhut kirchlicher Gewalt stehen? Sie hätte einen exorbitanten Erlös auf dem Schwarzmarkt erzielt oder, - und dieser Verzicht nagte an seinem Stolz nahezu bitterlicher als die Tatsache hinter den Kulissen selbst - für seine Zwecke missbrauchen können. Sich der Feuerassel entledigen hätte er sich ihr ja ohnehin jederzeit - und an Abnehmern wäre es wohl ebenso minder gescheitert. Naturelles Selektionsverfahren. Der Preis ihrer Existenz. Und ganz unterschwellig... Seine Rachegelüste.
      Noch während das System für unbewusste Verhaltensweisen den Kopf des Weißhaarigen zum Schütteln anregte, trat der junge Mann knurrend zur Seite, suchte einen geeigneten Baumstumpf von dem aus er sich auf das Pferd schwingen konnte (in der Hoffnung, dass Claire beim ersten Schritt des Tieres nicht gleich würde den Boden küssen) und schmiegte seinen Koloss eines Körper unerwartet sanft hinter die zarte Sprosse. "Bezüglich meiner Reitkunst orientiert sich meine Präferenz auf das härtere, Intensitäsausgeprägte Reiten, doch ich befürchte, für den Anfang werden wir uns mit der sanften Tour begnügen müssen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, Prinzesschen. Ich bin sehr gut von hinten, musst du wissen. Hahaha." Das lüsterne Gelächter schien selbst die borkigen Schutzmäntel der Bäume abscharren zu wollen, so ungehemmt wie er seine Begierde in die Verpackung obszöner Bemerkung mantelte. Zwar setzte sich das Tier unter einem leichten Schenkeldruck nur widerwillig in Bewegung, anscheinend vermochte es die Doppelbelastung nur schwerlich zu verkraften (also ihn), letztendlich fügte sich der domestizierte Sklave jedoch seinem Schicksal und beschleunigte das Tempo zu einem angenehmen Tölt. Der gleichmäßige Rhythmus begann nicht nur die Hüften beider Hassliebenden im Takt zu wiegen, nein, auch die unangenehm wohlige Wärme brach spätesten nach 20 Minuten unnachgiebigem Reibungsmechanismus den Widerstand seines sexuellen Spannungsfeldes. Mittlerweile hatte Alphyn den Kiefer so fest aufeinandergepresst, dass der Schmerz wie ein dünner, aber willkommener Faden der Ablenkung durch seine strapazierten Nerven zog. Dass die neu entwichene Distanz seiner Willenskraft dem sporadisch flüchtigen, aber nicht weniger laut vernehmbaren Stöhnen- trotz aller vergeblich errungenen Bemühungen den Reflex weitestgehend zu unterdrücken - abgelöst wurde und einen göttlichen Einblick in die wahre Prüfung des Lebens bot, nämlich der Auftakt einer unsagbar lieblich gequälten Gesichtsentgleisung, verlieh dem Komplex männlicher Triebe eine süße toxische Note weiblicher Privilegien. "Hör auf damit, verdammt!" fauchte der Weißhaarige nach weiteren 10 Minuten innerer Konflikteinheit, welche er ganz nebenbei am verlieren war, "Das...! hah... DU du machst mich wahnsinnig!" Wie sollte er den Ritt denn bitteschön ohne einmal zu kommen überstehen? Präzisiert: Nicht ohne mindestens einmal über sie hergefallen zu sein, sei es, um sie hinter ihn festzubinden damit sie ihre Arschbacken fortan am Pferderücken würde reiben können, oder schlichtweg seiner Bestimmung als (Gottes) Sklave Mann nachgekommen zu sein? Es oblag ihm mitnichten, mit einer geschwollenen Blutwurst am unteren Ende seines Sexual-Instinkts über den Markt zu schlendern, und noch weniger, von Sinnen beraubt zu sein, auf dass seine Neigung zum Sadismus in possessive Eifersucht umschlagen, und im Nachhinein einem realen Tagtraum gleichen würde. Oder einem Wachtrauma. Gut. Dann sähe sie Präventivmaßnahme eben anders aus. Der Schlächter steuerte das Pferd zu einer Lichtung, dessen unebener Untergrund darauf deuten ließ, dass er höchstens Tieren eine bislang unbekannte Abkürzung geboten hatte, und hielt wenige Minuten später an einem See. "Absteigen!" befehligte Alphyn die junge Dame unwirsch, doch anstatt ihre Antwort, gar Folgsamkeit abzuwarten, - scheinbar schien seine Messlatte am oberen Bereich der Geduldsbelastung angekommen - riss er Claire grob vom Rücken des Tieres und ließ sie unsanft ins Gras stolpern. "So Rapunzelstilzchen, darüber reden wir noch!" Entgegen aller Erwartung wandte der Weißhaarige hastig seinen Korpus um, - es glich schier einer Flucht - schritt unbeirrt auf das kühle Nass zu, welches sicherlich nicht nur sein erhitztes Gemüt abkühlen sollte und neigte den Körper unter einer gleitenden Hockstellung dem Wasser zu. Vielleicht würde es nicht gleich seinen Fortpflanzungsdrang mildern können, aber zumindest die dafür vorgesehene Gunlance ihrer derzeit unzweckmäßigen "Hilfestellung" berauben. "Kleines Biest, das wirst du mir büßen..." entfloh dem Mann ein dunkles Knurren über die Lippen, indessen er die kühle Erfrischung durch sein Gesicht gleiten ließ. Noch einen weiteren, halbstündigen Ritt... Wie sollte er das überleben? Besser er band sie einfach hinter - oder noch besser: neben das Pferd, und ließ sie nebenherlaufen wie einen Hund an der Leine.