Lucifers Possession [Nihal & Heaven)

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    • Lucifers Possession [Nihal & Heaven)

      Sollte der Teufel eine von Gott gewählte Seele dazu bewegen, nicht nur an ihn zu glauben sondern sie ebenso in eine Sünderin zu wandeln, so würde Gott seinem Sohn einen Wunsch erfüllen. Gleich welchen. Sollte der Teufel verlieren müsse er sein Haupt in Demut nicht nur vor Gott sondern auch vor den Menschen neigen. Lucifers bislang unterdrückte Rachegelüste übernehmen sein Handeln und er stimmt dem selbstsicher zu. Wie schwer konnte es sein, einen kleinen Menschen zu verführen? Gerade für ihn ein leichtes Spiel- dachte er. Der ausgewählte Mensch ist jemand, welcher sich in einer sogenannten Grauzone befindet. Sie ist Gottes Wahl, um seinen Sohn eine kleine Lektion zu erteilen. Tatsächlich begibt sich Lucifer dieses Mal persönlich in die Menschenwelt, welche er schon länger nicht mehr betreten hatte. Unwissend, worauf er sich da wirklich eingelassen hatte, denn diese Frau bedeutete eines: Chaos.

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      @Heaven_Lumen

      ~ the fate is not unchallengable ~
    • „Los geh schon“
      „Geh doch selber!“
      „Das ist dein Tisch, nicht meiner. Hopp, hopp, der Chef macht mir sonst die Hölle heiß. Der hat heute schon den ganzen Tag schlechte Laune.“
      „Man Lissy…ich will nicht!“
      „Jetzt geh!“
      „Aargh… du bist so herzlos!“

      Mit einem runden Tablett vor ihre Brust gedrückt und einem schüchternen Lächeln auf den Lippen bewegte sich die blonde Kellnerin auf einen der Außentische zu. Umsäumt von den Bäumen des Central Parks saß dort ein junger Mann und blätterte bereits seit einer Stunde in einem Magazin.
      „E-Entschuldigen Sie bitte, Sir. Haben Sie jetzt vielleicht etwas ausgesucht?“
      Weder antwortete der Angesprochenen noch ließ er erkennen, ob er die junge Frau überhaupt bemerkt hatte.
      „Sir, ich…es tut mir Leid, aber wenn Sie nichts bestellen, dann … müssen Sie leider den Platz -“
      Mit einem erhobenen Zeigefinger brachte er sie zum Schweigen, die Augen weiter auf das Heft gerichtet. Nach einem kurzen Moment senkte er seine Hand wieder und wandte sich zu der Kellnerin.
      „Kann ich Ihnen behilflich sein?“
      Seine Stimme war gleichmütig und sein Blick lediglich leicht desinteressiert, dennoch zuckte die Frau zusammen als seine Augen in ihre blickten.
      „Mö-Möchten Sie vielleicht etwas be-bestellen?“
      „Nein, danke. Ich warte noch auf Jemanden“
      „O-ok."
      Sie blieb weiter vor dem Tisch stehen, unfähig den Blick zu lösen und starrte ihn einfach nur aus großen Augen an. Abwartend lehnte der Gast sich in dem Stuhl zurück, doch die Blondine bewegte sich nicht.
      „Sie können gehen.“
      Erst auf seine Worte hin bewegte sie sich ein paar Schritte nach hinten, neigte schließlich den Kopf in einer Art Verbeugung – bevor sie sich besann, sich umdrehte und zu ihrer Kollegin eilte, wobei sie beinahe in ihren Stöckelschuhen hinfiel.

      Mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen beobachtet Lucifer den Abgang der Kellnerin. Menschen … je unsicherer sie waren, desto stärker war ihre Reaktion auf seine Präsenz. Er hatte sie nicht einmal bewusst beeinflusst und dennoch hatte sie sich vor ihm verbeugt. Möglicherweise sollte er seine Aura in der Menschenwelt noch etwas mehr eindämmen. Er war es einfach nicht mehr gewohnt hier oben zu sein. Wie lange war es her seit seinem letzten Besuch? Dieser Park war zu dem Zeitpunkt zumindest noch nicht hier gewesen und die Kleidung war wesentlich … bedeckender gewesen. Sein Blick folgte einer Joggerin, dessen kurze Shorts und Sport-BH der Fantasie nur noch wenig Platz einräumten.

      Er musste sich erst wieder daran gewöhnen, wie empfindlich diese Rasse auf ihn reagierte. Ein wenig belustigend war es dennoch…
      Kurz schloss er die Augen und massierte sich mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken – eine Angewohnheit wenn er sich konzentrierte. Als er sie wieder öffnete, hatte er seine Aura soweit zurückgezogen, dass auch die Tiere sich um ihn herum wieder etwas normaler verhalten würden. So waren schließlich die Regeln.
      Er durfte sie nicht direkt beeinflussen. Mit Worten, Taten - ja, aber nicht mit... seinem Wesen.
      Das gestaltete die Sache für ihn nur insoweit schwieriger, dass er dauerhaft darauf achten musste was er tat. Menschen waren einfach viel zu schwach und zerbrechlich... . Aber das machte das ganze noch etwas interessanter. Er konnte sich nicht nur auf seinen Gewinn freuen sondern auch auf etwas Abwechslung. Er hatte das Spiel eine ganze Weile nicht mehr so gespielt.

      Lucifer fuhr sich mit der Hand durch die weißblonden Haare und nahm wieder die Zeitschrift zur Hand. Er studierte den Artikel dieser Journalistin gründlich. Achtete nur bedingt auf den Inhalt, sondern vielmehr auf die Wortwahl, auf die Art der Satzstellung, die Vergleiche die sie zog und welches Wissen sie miteinbrachte.
      Dinge, die ihm etwas über die Person sagen konnten, dessen Seele sein Vater ausgesucht hatte.
      Es war einfach ihren Chef davon zu überzeugen ihr einen Partner zur Seite zu stellen. Ein Zusammenschluss mit einer europäischen Zeitschrift in Aussicht zu stellen, war durchaus lukrativ. Und für den geldgierigen Redakteur hatte es weiterer Gründe nicht gebraucht.
      Und jetzt saß er hier und wartete in einem Café, dass er nicht kannte... und ihm nicht gefiel in einer Stadt, die einmal gekannt hatte auf eine Frau. Normalerweise kam der Jäger ja zu der Beute.

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    • Sarah L. White
      Sarah war zu spät. Natürlich war sie zu spät, Pünktlichkeit gehörte nicht gerade zu ihren Stärken. Und nebenbei gesagt war sie auch alles andere als begeistert. Vielleicht drehte sie deswegen eine besonders große Runde durch den Central Park und sah ganz fasziniert einer vorüberziehenden Musikertruppe zu, welche mit klassischen Instrumenten ihr Bestes gaben. Doch so schön die Musik auch war und so fröhlich wie der Klang stimmen mochte, heute war Sarah nicht danach zu mute, sich davon begeistern zu lassen.
      Das war doch alles nicht zu fassen. Sie arbeitete seit sechs Jahren in diesem Magazin, mit einer ziemlichen Erfolgsrate wie sie meinte. Und jetzt, aus dem heiteren Nichts hatte ihr Redakteur entschieden, sie solle mit jemanden kooperieren. Irgendein großer Fisch, wie Mr. Willson sagte. Die Dollarzeichen waren nur allzu deutlich in seinem gealterten Gesicht sichtbar gewesen. Sarah stieß frustriert die Luft aus. Wie sollte sie mit jemand zusammenarbeiten? Dieser Typ würde wohl nach zwei Tagen das Handtuch werfen bei ihrer Art... Es gab Gründe warum sie allein für den Skandal-Teil des Magazins arbeitete. Nicht nur, weil sie es hasste an irgendwelche Zeiten gebunden zu sein und in eine Routine gezwängt zu werden, nein ihre...Recherchen waren etwas speziell. Ein weiteres Gesicht würde die junge Frau nur ausbremsen. Wütend darüber, nun irgendeinen Snob vorgesetzt zu bekommen blies sie kurz in kindlicher Manier ihre Wangen auf. Dabei kickte sie achtlos einen Stein von sich weg und zuckte zusammen, als dieser mit lautem Scheppern gegen einen Hotdog-Stand knallte. Ups...
      Schnell sich unschuldig anmutend abwendend lief sie auf den Ausgang des Parks zu, jener Seite auf der sich auch das Café befinden sollte. Ein kleines, nichtssagendes Etablissement. Zumindest für die Meisten. Sarah kannte es nur vom Hörensagen und auch, dass der Chef dort ein sexistischer Mistkerl sein sollte, der seine weibliche Belegschaft in enge Röcke und Pumps steckte. Als sie in Sichtweite der Außenterrasse kam wurde ihr bewusst, dass dies nicht nur ein Gerücht war. Die Kellnerinnen trugen tatsächlich Absätze und sofort verzog sich das gebräunte Gesicht. Die armen Dinger... Sie hatte zu College Zeiten mal gekellnert, den Beruf in hohen Schuhen ausüben zu müssen glich schon Folter. Nach spätestens drei Stunden würden die Füße brennen wie die Hölle und man könnte kaum noch laufen. Aber Hauptsache die naiven Dinger hier sahen gut aus. Sarah seufzte lautlos und schüttelte den Kopf. Nein, sie war nicht deswegen hier. Sie konnte es einfach nur nicht lassen zu beobachten.
      Suchend sah sich der braunhaarige Wirbelwind um und tatsächlich entdeckte sie weit abseits einen Mann sitzen, der das Magazin ihres Verlages in den Händen hielt. Bingo! Das musste Lucian Morgan sein. Ihre blauen Augen musterten kurz die gerade Haltung. Mh, autoritär? Sie wusste es nicht, er war erstaunlicher weise schwer einzuschätzen. Einzig dass die Mädels hier ziemlich vor ihm zu kuschen schienen, zumindest bemerkte sie die immer wieder unsicheren Blicke in seine Richtung. Sarah sah kurz prüfend auf ihr Handy. Oh Mist, sie war wirklich eine ganze Stunde zu spät... Na hoffentlich gehörte er nicht wirklich zu den langweiligen Strebern, die mit Geld zählen beschäftigt waren. Wobei er eher aussah als würde er für das Cover eines Magazins modeln und nicht...Artikel schreiben? Schrieb er überhaupt? Mr. Willson hatte ihr keinerlei Information gegeben was dieser Mann hier überhaupt machte und weshalb ausgerechnet er ihr...Partner werden sollte. Urgs, wenn sie das Wort schon dachte schauderte es ihr. Er würde doch alles nur versauen!

      "Hey! Lucian Morgan richtig?", setzte sie an als sie vor dem Tisch stehen blieb und ihn aus der Nähe nochmal von oben bis unten musterte. Sie musste nicht wirklich auf eine Antwort warten, ihre Frage war rhetorischer Natur.
      "Der Boss meinte ich sollte Sie treffen, Partner. Ich hoffe Sie haben nicht zu lange warten müssen?", letzteres sagte sie zuckersüß mit deutlich sarkastischem Unterton und hob schließlich nur ihre Schultern. Entschuldigen für die Verspätung würde sie sich nicht, warum auch? Sie ließ sich ungefragt in den nächsten Stuhl ihm gegenüber fallen und verstaute unterdessen die Zeitschriften anderer Verlagsgruppen sowie die New York Times in ihrer großen Handtasche. Meistens fand man an irgendwelchen Randartikeln oder sogar auf der Titelseite neue Informationen und ab und zu auch mal ein neues Ziel. Sie winkte die nächstbeste Kellnerin heran und grinste ihr gegenüber.
      "Einen Café Latte für mich. Oh und versuch mal Kühlungsgel, deine Füße sehen ziemlich wund aus..." Sie konnte es nicht lassen, aus dem Kontext zu greifen und ihre vorherigen Gedanken bezüglich der Arbeitsbekleidung anzusprechen. Die Blondine vor ihr blinzelte etwas perplex und sah schließlich runter auf ihre Füße. Dann wurden ihre Wangen etwas rot und sie stammelte eine Entschuldigung, welche Sarah abwank. Sie hatte es nur erwähnen wollen, manche im Kopf gefassten Gedanken mussten bei ihr einfach raus. Egal wie schräg sie manchmal dafür angesehen wurde. Doch die Kellnerin interessierte sie jetzt nicht weiter, welche nun seine Bestellung aufnahm und sie lehnte den Kopf auf eine Hand, spielte mit der anderen etwas an ihrem Armbändchen herum.
      "Dann erzählen Sie mal... Warum ich jetzt ausgerechnet mit einem Partner feststecke den ich nicht einmal brauche. Nichts für Ungut aber in zwei Tagen werden sie ohnehin bitten, jemand anderen in der Redaktion unterstützen zu dürfen.", grinste sie ohne den Hauch von Reue. Sie hoffte es ja irgendwo. Wie wollte sie so einen großen Mann mit so auffallenden Merkmalen denn verkleiden? Da sah doch jeder sofort durch... Nein, nein- für ihre Recherche-Ausflüge war er nicht geeignet und im Schreiben ließ sie sich von Niemanden reinreden. Also dürfte für ihn ja nicht viel zu tun bleiben...
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

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    • "Hey! Lucian Morgan richtig?"
      Lucian Morgan alias Lucifer wendete sich diesmal direkt der Person zu die ihn ansprach. Er musterte sie ebenso wie sie ihn und ließ sie ersteinmal reden.
      Laut, ablenkbar, sarkastisch ... frech, freundlich - auch wenn nicht unbedingt zu ihm. Ihre Aura war unglaublich wechselhaft. Als er sie spürte musst er an die eines Kindes denken. Typisch für die Grauzone.
      Lucifer analysierte sie und überlegte, wie er ihr am Besten entgegentragt. Sie war nicht sonderlich erfreut über ihren neuen Arbeitskollegen und schien auch nicht viel von ihm zu halten. So wie sie ihn ansah und mit ihm sprach, war sie auch nicht eine von den Frauen, die sich bereits von seinem Äußeren Erscheinungsbild beeindrucken ließ. Also ließ er es vorerst bleiben auf die einfachste aller Sünden einzugehen - die Lust. Vorerst...

      "...Nichts für Ungut aber in zwei Tagen werden sie ohnehin bitten, jemand anderen in der Redaktion unterstützen zu dürfen."
      Diese Sarah schien diese Partnersache anders zu deuten als es in seinem Sinn stand. Als sie endlich aufhörte zu reden, schob er das Magazin auf Seite und lehnte sich ein wenig in ihre Richtung.
      "In der Regel bitte ich nicht sondern werde gebeten jemanden zu unterstützen. Allerdings habe ich nicht vor Sie zu "unterstützen", Sarah. Wir sind jetzt Partner. Jeder ist eigenständig und ab zu strecken wir uns mal eine helfende Hand hin. Ob Sie mich brauchen ist daher unerheblich. Aber sie brauchen ihren Vorgesetzen und dieser braucht meinen Chef um aus diesem Magazin hier", - er tippte auf das bunte Deckblatt der Zeitschrift - "aus dem Ruf eines nur halbwegsbekannten Klatschblattes zu holen."

      Er lehnte sich wieder ein Stück zurück als die blonde Kellnerin die Bestellung auf den Tisch stellte und sich vielleicht etwas zu schnell wieder von dem Tisch entfernte. Kurz nippte er an seinen mit Honig gesüßten Tee. Er verzog leicht missbilligenden das Gesicht. Den Geschmack von Äpfeln und Honig hatte er anders im Kopf. Er schob die Tasse ein wenig von sich weg.
      "Ich denke wir können uns auf die ein oder andere Weise arrangieren. Am Besten sollten wir uns ersteinmal richtig vorstellen."

      Er streckte seine Hand über den Tisch.
      "Ich bin Lucian Morgan, ein 32 jähriger Europäer in Manhatten, Enthüllungsexperte und ob Sie es glauben oder nicht, außerordentlich gut darin die tiefsten Geheimnisse der Menschen ans Licht zu bringen."
      Die Zweite Regel. Nicht lügen.
      Also musste er nur seine Worte entsprechend wählen.

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    • Sarah L. White

      Sarah zog lediglich ihre Brauen nach oben als der Mann vor ihr mit einer erstaunlich samtenen Stimme zu sprechen begann. Ihr wurde klar, dass er definitiv zu den Menschen gehörte, welcher es gewohnt war, andere zu überzeugen. Oder zu befehligen? Vielleicht auch das, zumindest schien seine selbstsichere Haltung dem zu entsprechen. Also war er kein nerviges Anhängsel? Wie sollte sie sich dann die Partnerschaft vorstellen? Sie blickte noch nicht zur Gänze durch seine ihr dargebotene Rolle. Doch sie wäre nicht sie, wenn sie dem nicht nachgehen würde. Definitiv hatte Mr. Willson ihr einiges zu erklären, das stand fest.
      Kurz musterte die Dunkelhaarige den blonden Schönling abschätzend. Europäer also? Herrje... Hoffentlich kein Franzose. Wobei dies unwahrscheinlich war, er sprach keinerlei Akzent oder Dialekt, im Gegenteil sein Englisch war sehr klar und deutlich. Deutlicher als das der meisten Amerikaner.
      Sie zog etwas die Brauen zusammen als er dieses Magazin als Klatsch abtat. Leider konnte sie dem nicht einmal etwas entgegnen. Sie waren ein relativ kleiner Verlag und der Großteils des Magazins bestand aus Trendteilen, Gerüchten um Stars und lediglich ihr eigener Abteil war ziemlich ernst gehalten. Zumindest war sie stolz auf ihre Arbeit, das ließ sich nicht leugnen. Sie lebte für ihre texte, welche erst nach langen Recherchen und Ausarbeitungen wirklich zu ihrem Chef kamen.

      Die ihr dargebotene Hand ergriff sie nach kurzem Zögern und seufzte dabei resigniert auf. Eine Wahl hatte sie ja immerhin nicht.
      "Sarah Laureen White. Alias Miss Brooks, wie Ihnen sicherlich schon gesagt wurde. Enthüllungsjournalistin der...etwas anderen Art." Seine deutlich größere Hand wirkte erschreckend kühl in ihrer eigenen. So kühl, dass sie beinahe fröstelte. Doch so schnell wie das Gefühl gekommen war verschwand es auch wieder. Sie ließ recht schnell seine Hand wieder los und lehnte sich mit ihren Latte zurück, der angenehm warm im Vergleich zu dem Mann vor ihr wirkte.
      "Ich selbst bin eher gut darin, die schmutzigen Geheimnisse von Firmen aufzudecken als die einzelner Menschen. Ich warne Sie lieber gleich vor, Lucian, da ich glaube, dass Mr. Willson Sie noch nicht zur Gänze eingeführt hat... Bei mir gibt es keine Regeln welche man nicht etwas ausdehnen und überstrapazieren kann, um an gewünschte Informationen zu kommen. Aber Ihnen als Experte muss ich das sicherlich nicht erklären, oder?" Sie grinste wieder etwas unbefangener, hatte sie doch bislang ihre Stimme dezent gesenkt um es nicht allzu laut hinauszuposaunen. Zum einen war sie was das anging mehr als vorsichtig, nahezu misstrauisch. Und zum anderen wollte Sarah wissen ob dieser Experte vor ihr verstand, was sie mit ihren Worten meinte. Immerhin beschaffte sie die gewünschten Informationen immer. Aber nicht bei jedem funktionierte es auf hundert Prozentige legale Art und Weise. Zumindest log sie oft genug und verkleidete sich um sich Zugang zu verschaffen. Oder umging diverse Sicherheitsprogramme bei Computern... Etwas, was Mr. Willson tolerierte, sie sogar deckte- aber eben ungern laut ansprach. Sollte dieser Mann wirklich ein...Partner werden müsste er sich auch damit arrangieren. Mehr oder minder, er wäre ja immerhin kein direkter Teil davon. Er müsste einfach nur hübsch den Mund halten und am Besten auch keine Fragen stellen, dann würde es irgendwie schon funktionieren.
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    • "Nein das brauchen Sie nicht, ich denke wir haben beide eine eigene Art unserem Geschäft nachzugehen.", er erwiderte das Grinsen ebenso. Die ersten Schritte ihrer Seele in seine Richtung waren damit schon gemacht. Er musste sie nur dazu bringen, ihre Grenzen diebsezüglich etwas mehr auszudehnen.

      Regeln waren ohnehin etwas recht dehnbares in Lucifers Kreisen. Außer seiner eigenen, diese galt es zu befolgen.
      Bisher hatten sich auch nur Wenige getraut sie zu brechen oder versucht zu umgehen und diese gaben dem Rest nun ein deutliches Zeichen ihrem Beispiel nicht zu folgen.

      Lucifer fuhr mit seinem Zeigfinger über den Rand seiner Teetasse.
      "Zu Anfang bräuchte ich dennoch ihre Hilfe. Ich kenne mich noch nicht so gut hier aus. Was ist ihr nächstes ..Ziel?"

      Während er ihr zuhörte, wanderte sein Blick hinter sie, wo ein bekanntes Gesicht einen kurzen Augenblick seiner Aufmerksamkeit einnahm. Ein kleiner Mann mit Halbglatze und einem speckigen Bauch stand in der Tür der Terasse und starrte ihn unverhohlen an. Eine Mischung aus Furcht, Unglaube und Überraschung stand ihm in sein verschwitztes Gesicht geschrieben.

      Es war seltsam sie so hier oben zu sehen. Sie sahen anders aus und dennoch glichen sie ihrer wahren Gestalt in ihren Merkmalen.
      Er wendete seinen Blick wieder ab, ein kleiner Dämon wie er war unwichtig und er wollte ihm gar nicht erst das Gefühl geben, er sei wegen ihm hier. Wobei der kleine Wicht mit Sicherheit dafür sorgte, dass die Nachricht seiner Anwesenheit sich äußerst schnell verbreiten würde.

      Das war ohnehin nicht vermeidbar gewesen. Es ging sie allerdings auch gar nichts an.
      Die dritte Regel. Die Wette ging nur ihn und seinen Vater etwas an. Weder arbeiteten die Engel noch die Dämonen mit, noch sollten sie davon wissen.

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    • Sarah L. White

      Nun, zumindest schien dieser Lucian dahingehend den Wink verstanden zu haben. Auch wenn sie zugegeben doch neugierig war, auf welche Methoden er zurückgriff. In dieser Welt in welcher sie sich bewegten ging es meistens wirklich darum, dass man jemanden kannte, der wiederum jemand kennt. Die alte Leier. Ein Gefallen für ein Gefallen. So zumindest handhabte Sarah ihre Angelegenheiten. In manche Firmen wäre sie nie hereingekommen, wenn sie nicht etwas Hilfe gehabt hätte von diversen Leuten. So vermutete sie es auch bei dem Blondschopf vor sich. Wobei er sicherlich noch einige Kontakte mehr besaß, wenn er wirklich als Experte eingestuft wurde, wenn es um das Enthüllen ungewollter Wahrheiten ging. Sie nickte lediglich daraufhin und ihr Grinsen schwand als er um mehr Informationen bat, bezüglich ihres nächsten Ziels. Er kam also gleich zur Sache. Gut, das sollte ihr Recht sein. Sie war nicht gut in irgendwelchen Höflichkeitsfloskeln und bevorzugte eher eine direkte und einfache Art, sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Demnach beugte sie sich leicht nach vorne und als keiner weiter in der Nähe zu sein schien fing sie geschäftlich an mit dem Neuling in Manhatten zu sprechen.

      "Mein nächstes Ziel ist ein verhältnismäßig kleineres Unternehmen, welches Darlehen vergibt. Ein Kreditunternehmen, welches keiner direkten Bank untersteht. Ich denke ich muss nicht erwähnen, dass es ein schlichter Kredithai ist, der das Ding führt. Allerdings hat er anhand meiner ersten Recherchen...das ganze auf ein neues Level gehoben. Er verleiht nicht nur Geld, von dem niemand weiß wo es herkommt, er verkauft anscheinend seine Kundendaten an Dritte weiter. Ich vermute an welche im Dark Web oder generell zwielichtigen Partnern die dem Schwarzmarkt angehören. Einige dieser armen Seelen, die auf seine Masche hereingefallen sind, haben Haus und Hof verloren und sind auf der Straße gelandet, weil ihnen plötzlich Dinge untergeschoben wurden welche sie nie getan haben.", begann sie mit ihren Ausführungen und kramte nebenbei in den Zeitschriften, welche sie auf den Weg hierher gekauft hatte. Darunter befand sich auch eine Wirtschaftszeitung, in der sie eine Anzeige dieses Unternehmens gefunden hatte.
      "Ich gebe zu, es ist mehr als dämlich wenn jemand auf so etwas hereinfällt. Gerade kleine Firmen in ihren Startlöchern sind ihm zum Opfer gefallen, aber auch private Haushalte. Menschen tendieren eben sich an jeden Strohhalm zu klammern, so traurig das auch ist. Dennoch, die Daten auf einem uneinsichtlichen Markt zu verkaufen, unwissend bei wem diese Informationen landen, würde New York noch unsicherer machen als ohnehin schon.", fuhr sie leise mit ihren Ausführungen fort und reichte Lucian jenes Blatt mit der Annonce. Kurz warf sie einen unauffälligen Blick zur Seite, unter dem Vorwand ihre Tasche wieder auf den Boden zu stellen. Sie ging nochmal sicher, dass niemand zuhörte, ehe sie Fortfuhr.
      "Ich werde als Vertreter einer technischen Sicherheitsfirma mir Zugang zu ihren Hauptservern verschaffen. Dort werden ohnehin die Finanzwege gespeichert und die Konten, über welche das Geld fließt, warten hübsch verpackt. Ich vermute ebenso die Namen jener Kontaktpersonen, mit denen dieser Kerl in Verbindung steht. Er ist etwas unvorsichtig, da man ihm bislang nichts nachweisen konnte und ist recht schlampig im Beseitigen der Hinweise. Aber...ich kenne da jemanden, der jemanden kennt... Sie wissen wie das Spiel funktioniert. Jedenfalls schuldet mir jemand noch einen Gefallen und ist zufällig ein begnadeter Spezialist in Sachen...unerlaubten Zugriffes zu Netzwerken und Geräten jeglicher Art." Ihre Gedanken wanderten zu dem introvertierten Hacker. Sobald sie hier fertig wären würde Sarah sich wohl gleich auf den Weg machen müssen, um diese Angelegenheit mit dem Nerd zu besprechen.
      "Er wird für mich für etwas Chaos sorgen, sobald ich ihn unterwiesen habe. Dass diese Firma gezwungen ist, sich um eine neue Sicherheitssoftware zu kümmern und natürlich wird als erstes meine Wenigkeit auf der Liste auftauchen." Sie lehnte sich nun wieder grinsend zurück und nahm einen weiteren Schluck ihres Getränkes, als wäre nichts gewesen.
      "Soweit die Informationen. Ich kümmere mich nur um mehr oder minder kleinere Fänge. Sich an die korrupten Politiker zu wagen oder in große Firmen ist leider Großteils ein mehr als riskantes Unterfangen, was mein Boss mir nicht erlaubt. Noch nicht, zumindest.", zuckte sie mit den Schultern. Zugegeben, für derlei große Angelegenheiten war Sarah zu nichtssagend und einfach eine zu kleine Persönlichkeit, um auch nur im Entferntesten in diese Reihen zu gelangen. Was nicht bedeutete, dass sie nicht manchmal mit dem Gedanken spielte, es zu versuchen. Aber ihr gesunder Überlebensinstinkt riet ihr bisweilen davon ab.
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    • Lucifer hörte aufmerksam zu und unterdrückte es seine Augenbraue missbilligend nach oben zu ziehen als Sarah sich verschwörerisch zu ihm rüber beugte und ihm schließlich ein Zeitungsausschnitt rüber schob.
      Dezenter hätte auch ein Drogenkurier nicht gehandelt. Aber in diesem Café schien dies ohnehin niemanden zu interessieren. Die Kellnerinnen hielten sich von ihrem Tisch fern und der dämonische Restaurantbesitzer hatte sich wieder zurückgezogen. Vermutlich um die neuen Informationen bestmöglich weiterzuverkaufen.

      Soweit er erkennen konnte, gehörte dieses Unternehmen nicht zu den seinen, also war es ihm entsprechend egal wenn man sie unschädlich machte. Ein kleiner Kredithai also.
      °Noch unsicherer als ohnehin schon°... die Frau vor ihm schien also wirklich etwas bewirken zu wollen. In welcher Form auch immer.
      So lange sie aber nicht den Drahtzieher hinter dieser Firma entdeckte, würde der nächste Laden in wenigen Tagen einfach neu eröffnen. Unter anderem Namen, in einem anderen Stadteil mit der gleichen Masche.
      So wie die Firma aufgebaut zu sein schien, war sie nur einer von vielen kleinen Zweigen.
      In der Regel gab es einen unbekannten Kreis von Geldgebern, die investierten und mindestens 50 % der Gewinne plus ihr Geld zurückerhielten. Die kleinen Handlager die vorne herumhampelten und die Geschäfte abschlossen trugen das einzige und volle Risiko. Namen, Kontoüberweisungen - alles anonym ohne dass jemals ein Name auftauchte. Es gab nur ein paar wenige Kontaktpersonen, die sie kannten.
      Es sei denn ihre Namen und Daten würden auf einmal in irgendeiner Datei auftauchen. Hierzu bedurfte es aber einer etwas anderen Überzeugungsarbeit.
      Je nachdem wie gut sie sich schlug, würde er ihr eventuell diese Informationen mitteilen. Die Verhörmethoden, welche Informationen über einflusseiche, gewissenlose Geldgeber beschafften, könnten eine erste Probe für sie werden.
      Aber an dem Punkt war er noch nicht mit ihr.
      Bei dieser Wette musste er mit äußerstem Fingerspitzengefühl herangehen. Er hatte genügend Zeit. Ersteinmal konnten sie ein paar kleine Unternehmen auffliegen lassen.

      Er schob Sarah den Artikel wieder zurück.
      "Klingt nach einem guten Anfang. Ich könnte die Ohren für Sie auf dem Markt aufhalten. Wenn wir den Verkäufer kennen, lernen wir vielleicht noch ein paar neue Händler kennen. Vorausgesetzt sie sind einverstanden?"
      Mit einer beiläufigen Geste hob er die Hand um die Kellnerin zu rufen um zu zahlen.
      "Wann sollen wir anfangen?"
      Ihm war bewusst, dass Sarah ihn eigentlich nicht dabei haben wollte, aber das war ihm einerlei. Einen guten Assistenten der neuen IT-Firma würde er schon abgeben. Er hatte leider nur relativ wenig Ahnung von der praktischen Computer-Nutzung. Das sollte er bei nächster Gelegenheit wohl besser ändern.

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    • Sarah L. White

      Sie verstaute den Artikel wieder in ihrer Tasche und nickte auf Lucians Vorschlag hin. Sich auf dem Markt umzuhören war gar keine schlechte Idee. Er hatte Recht, es gab sicherlich mehr als einen Händler, die Denkweise von ihm war gar nicht so schlecht. Kurz überlegte sie. Eigentlich wollte sie niemanden da mit einbeziehen. Je weniger Menschen davon wussten desto besser. Allerdings saß er ja quasi schon mit im Boot als Mr. Willson diesen Mann gerufen hatte. Kurz strich sie sich durch die braune Mähne als er fragte, wann sie anfangen würden. Er lud sich also selbst ein, na herrlich.
      Sie seufzte und wartete, bis die junge Kellnerin nervös ihre Rechnung hinlegte.
      "Okay, der Kaffee geht auf Sie, Lucian. Dann nehm' ich Sie vielleicht mit...", grinste Sarah und lehnte sich ohne ihre Brieftasche herauszunehmen zurück. Zufrieden sah sie zu, wie der blonde Schönling die Rechnung übernahm, welche ja nun wirklich Peanuts im Vergleich zu dem, was sie vorhatte, glich. Kaum war das junge Ding mit einem nervösen Abschiedsgruß wieder verschwunden streckte sich die Brünette kurz.
      "Wann, fragen Sie? Also ich für meinen Teil habe schon längst begonnen.", meinte sie unbeschwert. "Ich suche meinen vorhin genannten... Kumpel auf, der sich etwas besser mit Technik auskennt." Natürlich hatte Sarah sich nicht angekündigt bei ihrem kriminellen Nerd, im Wissen, er würde ihren Überraschungsbesuch hassen. Wie jedes Mal, wenn sie bei ihm vorbeikam. Aber so grummelig er auch wirkte, seine Arbeit war einzigartig. Er war nahezu ein Künstler wenn es ums Hacken ging.
      "Das war ohnehin mein Plan für heute, bis der Boss meinte ich solle mich mit Ihnen treffen auf ein Kaffeekränzchen. Dass er ausgerechnet das Café von 'nem sexistischen Mistkerl auswählt sieht dem alten Sklaventreiber wieder ähnlich." Wenig begeistert sah sie zu der Tür, welche ins Innere führte. Früher oder später würde sie diesen Kotzbrocken auch noch auffliegen lassen, egal ob beruflich oder privat! Die Mädels die hier versuchten zu arbeiten würden in so vielen anderen Lokalen weitaus besser behandelt werden. Und bezahlt...
      "Nur gut dass es bei mir keine Zeitpläne gibt.", eröffnete sie nahezu vergnügt um auf das Thema zurückzukommen und erhob sich, dabei ihre Tasche schulternd.
      Schließlich musterte sie ihn noch einmal. "Aber ob ich Sie mitnehmen kann... Mein...Freund mag Menschen nicht sonderlich, er gehört eher zu der introvertierten Sorte an Leuten. Computerchips sind seine einzigen Freunde. Sie könnten ihn etwas nervös machen.", bemerkte sie kurz zweifelnd.
      "Aber ich hab's versprochen. Seien Sie nur so freundlich, mich reden zu lassen. Mit Fremden spricht er nicht.", entschied sie schließlich und ging voran. Ihr war es gleich ob ihr Begleiter mithalten würde oder nicht, sie war auf dem Weg zur U-Bahn und leider hatte diese nicht so viel Zeit, wie Sarah es gerne hätte. Sie mussten lediglich zwei Stationen fahren, zu Fuß wäre dieser Weg jedoch locker eine Stunde länger. Außerdem war einer der Nebenschächte der U-Bahn der direkte Weg zu ihrem Hacker. Er lebte wortwörtlich im Untergrund und sie fragte sich öfters mal, ob der Typ überhaupt mal das Sonnenlicht sah.

      Vor einer mit elektronischen Zahlenschloss versehenen Tür blieb Sarah schließlich stehen. Sie sah hinter sich nur um Lucian anzusehen und ihm mit einem Blick klar zu machen, er solle einfach still sein. Dann gab sie den achtstelligen Code ein und trat in die düstere Wohnung, in der eine stickige, von Rauch verpestete Luft herrschte. Ein Umstand den sie bei dem Hacker gar nicht leiden konnte. Nicht nur, dass seine Wohnung keinerlei Fenster besaß, nein er rauchte hier drinnen auch noch und die Belüftungsanlage kam kaum hinterher. Sie seufzte und sah sich das hier herrschende Chaos aus Kabeln, USB-Sticks, Bildschirmen und vereinzelte Klamotten an. Also wirklich, der Typ brauchte ne Putzfrau. Ganz dringend...
      "Hey, Brandon. Wo steckt mein Lieblings-Nerd?", rief sie betont fröhlich in die Düsternis. Einzig ein Raum schien heller zu leuchten, jenem in dem er die Wand mit Monitoren verziert hatte an denen er arbeitete. Die Luft surrte und war stickig Warm durch die vielen technischen Geräte, Servern und Festplatten. Er war eben ein Musterbeispiel von jemanden, der sich ohne Probleme wohl auch ins Pentagon hacken konnte.
      "Wie oft soll ich dir noch sagen, melde dich verflucht nochmal an!", kam eine knurrende Stimme aus eben jener Hauptzentrale. Ein hochgewachsener, schlanker Mann tauchte mit wenig begeistertet Miene in der Tür auf. Seine Haut war sehr hell und das schwarze Haar hing ihm lang ins Gesicht. Wobei er für einen derart Sozialscheuen Typen sogar noch gepflegt aussah.
      "Don, bitte... Etwas mehr Freude mich zu sehen! Ich bin hier um deine Dienste einzufordern, die du mir schuldest.", entgegnete Sarah unbeirrt der schlechten Laune ihres Gegenübers. "Das hast du bei den letzten drei Angelegenheiten auch schon gesagt. Langsam sollte meine Schuld beglichen sein..." Oh er war wirklich ein Miesepeter. Doch als er ihre Begleitung erblickte wurde er nahezu kreidebleich und die dunklen Augen weiteten sich entsetzt. Er wich sogar zurück, was Sarah kurz einen irritierten Blick zu Lucian werfen ließ. Sie wusste ja er mochte keine Menschen, aber die Reaktion war jetzt doch ziemlich heftig.
      "Bin...ich in Schwierigkeiten...?", kam es sehr unsicher von Brandon, doch diesmal sprach er nicht an Sarah gewandt.
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      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Ohne zu zögern reichte er der immer noch leicht verstört wirkenden Blondine ein paar Scheine und stand ebenfalls auf.
      Wieder redete die Frau beinahe durchgehend und er ließ sie einfach. Ihr Monolg benötigte es nicht eine Antwort von ihm zu erhalten.
      Das mit dem fehlendem Zeitplan kam ihm jedoch ganz Recht.
      Die Zeit war für ihn ohnehin etwas sehr weit gefasstest und nicht an diese menschliche Messung angepasst. Je weniger er sich nach ihr richten musste, desto besser.

      Er zog sich seinen lockere Sommerjacke über sein Hemd und folgte Sarah, die mit schnellen Schritten voreilte. Es war ein leichtes mit ihr Schritt zu halten.
      Sie war eine von den kleinen, noch zerbrechlicher wirkenden Menschen. Er mit seinen ca. 1,90m überragte sie um mehr als einen Kopf. Ihr Mundwerk passte allerdings nicht zu ihrem zarten Aussehen.
      Während sie durch die Straßen eilten, beobachtet Lucifer aufmerksam alles um sich herum. Die Welt hier oben hatte sich doch mehr verändert als er erwartet hatte. Alles war viel schneller, hektischer. Überall blinkten Werbetafeln, die über neue Gesundheitstrends berichteten oder Alkohol und Zigaretten anpriesen. Menschliche Laster...
      Sie kamen auch an dem bunten Werbesymbol einer bekannten Fast Food Firma vorbei. Ein Unternehmen, welches Lucifer sehr gut kannte.
      Es gab eine Sache, die man über die Arbeit von Lucifer und seinen Gefolgsleuten wissen musstte. Sie bestand nicht darin, den Menschen ihr sündiges Verhalten unfreiwllig aufzuerlegen oder sie mit Zwang zu "bekehren".
      Das was sie taten, war, das Verderbliche der Mennschen etwas herauszukitzeln.
      Wollust? Striplokale und ein paar äußerst veführerische Dämoninen die sich den Männern annahmen. Das Geschäft hatte sich von selbst weiter entwickelt.
      Völlerei? Fast Food Ketten, die günstig viel verkauften und die richtigen Geschmacksrezeptoren ansprachen. Gleichzeitig wurde damit auch der Trägheit gefördert. Genauso wie es die Technik tat.
      Die Menschen konnten ihr erbärmlich kurzes Leben auf einer Couch verbringen. Essen wurde geliefert, Medikamente unterdrückten die Schmerzen des Körpers, der dagegen rebellierte, das Fernsehen vertrieb die Langeweile.
      Es war einfach solche Dinge zu fördern.
      Insbesondere der Neid. Der übermäßige und unnötige Konsum war da Ergebnis. Alles was jemand anderes hat und immer noch mehr.

      Lucifer hatte den Anfang gemacht und die Menschen hatten es weiterentwickelt und beinahe perfektioniert. Eine selbstzerstörerische Rasse.
      Die Engel versuchten mit immer wieder neuen Trends dem entgegen zu wirken. Fitnesstrends, zurück zu Körper und Geist, Konsum einschränken, bla bla bla. Die kleinen Wellen dieser Ideen waren ärgerlich aber sie vergingen nach einer gewissen Zeit wieder.
      In der U-Bahn stand Lucifer vor einem großen, bunten Werbeaufdruck, welcher einen neuen Snack anpries. Nur aus natürlichen Produkten, liefert Energie und Freude, schenken sie ihrem Körper etwas Gutes.
      Wohl ein neuer Versuch von oben...

      Als sie endlich vor einer Tür standen und Sarah ihn mit einem befehlenden Blick zu verstehen gab ihr das sprechen zu lassen, musste Lucifer wieder ein wenig schmunzeln. So ein Blick war ihm bisher nur äußerst selten zugeworfen worden. Interessant wie es sich auswirkte, wenn er sich und seine Präsenz zurückhielt.
      Die Reaktion dieses Brandon war ihm hingegen bekannt.
      "Bin...ich in Schwierigkeiten...?"
      Mit einem unschuldigen Lächeln hob Lucifer die Hände abwehrend vor sich.
      "Oh, ich bin kein Polizist. Nur ein neuer Kollege von Miss White. Kein Grund zur Sorge."

      Sich interessiert umschauend schritt er an Sarah vorbei zu der Wand mit den Bildschirmen. Als er an Brandon vorbeikam warf er ihm einen kurzen aber unmissverständlichen Blick zu. °Reiß dich zusammen°.
      Dann ignorierte er ihn wieder und ließ Sarah sich um ihn kümmern.
      Brandon also ... er hatte sich schon eine ganze Weile gefragt wo er abgeblieben war. Vor Jahrhunderten war er einer seiner besten Informanten gewesen, bevor er sich entschieden hatte damit aufzuhören.
      Lucifer hatte damit kein Problem, solange man sich nicht auf die andere Seite schlug. Verrat war etwas, was er nicht tolerierte. Aber er hier hatte sich wohl in seiner eigenen Grauzone niedergelassen.
      Vielleicht könnte er ihm sogar ein wenig behiflich sein. Es würde zunehmend lästig werden, wenn ihn jedes nichtmenschliche Wesen erkannte.
      Brandon hatte mit Sicherheit etwas, was ihm da behiflich sein könnte oder kannte jemanden der es hatte. Zwar konnte er seine Präsenz selbstständig soweit verschleiern. Das Problem war, dass er dann selbst nicht mehr viel spürte. Es war dann als würde er vor einer Glaswand stehen, durch die nur er schauen konnte. Auf die Dauer war dies recht unangenehm. Wer mochte es schon seine eigenen Sinne zu verstümmeln.

      Aber das sollte er wohl besser in Abwesenheit von der Menschenfrau klären. Er wandte sich wieder zu dem diskutierenden Paar und zog eine einfache Visitenkarte aus seiner Jackentasche, welche Brandon unaufgefordert reichte.
      "Sie sind ziemlich gut ausgestattet, Brandon. Vielleicht können wir uns einmal darüber unterhalten, wie man am Besten von jeglichem Radar verschwindet."

      Er würde schon verstehen was er damit meinte.

      ~ the fate is not unchallengable ~
    • Sarah entspannte sich wieder, als Lucian das offensichtliche Missverständnis klärte. Offenbar hatte Brandon lediglich einen Schnüffler gefürchtet. Gut, er hackte sich nicht immer nur in harmlose Systeme, weshalb er seinen Namen ebenso wie seine Spuren meisterhaft verwischte. Sicher hätten Interpol und FBI durchaus Interesse an seinen herausragenden Fähigkeiten. Aber Brandon hatte kein Interesse an derlei Aufträgen und hielt sich aus den Geschehen meistens zurück. Sie entspannte wieder etwas, hatte sie für einen Moment tatsächlich ein ungutes Gefühl verspürt.
      Brandon hingegen wirkte noch immer mehr als mitgenommen und er war...nervös. Das war ganz deutlich. Die Brünette seufzte tief. Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, Lucian mit herzubringen. Doch dafür hatte sie nun keine Zeit mehr und offenbar schien sich ihr Nerd langsam wieder halbwegs zu fassen. Auch wenn er des Öfteren unsichere Blicke zu dem blonden, hochgewachsenen Mann warf der sich neugierig umsah.

      "Also... nachdem das ja geklärt ist...", begann sie etwas unwohl und sah ein letztes Mal zwischen beiden Männern hin und her. Dann klatschte sie etwas unbeholfen in die Hände, damit der Schwarzhaarige wieder zu ihr sah.
      "Es geht um mein nächstes Ziel. Ich brauche dabei jemanden mit deinen Fähigkeiten.", begann sie und seufzend winkte Brandon sie zu seinem Arbeitspult. Er nahm vor den unzähligen Monitoren platz und bedeutete ihr fortzufahren. Sarah schob mit spitzen Finger den vollen Aschenbecher an den Rand des großen Tisches, um sich an diesen zu lehnen.
      "Es geht um eine Darlehensfirma welche die Daten ihrer Kunden weiterverkaufen. Ich muss herausfinden an wen und warum... Es wäre das leichteste, wenn ich auf ihre Server zugreifen könnte...", begann Sarah mit ihren Erklärungen und schilderte ihm ihren Plan, dem Brandon zunächst stumm lauschte. Er selbst schien nachzudenken.
      "Ob die Daten wirklich auf den Servern zu finden ist scheint mir fraglich. Und selbst wenn dürften einige Algorithmen dafür sorgen, dass diese Daten verschlüsselt und unvollständig sind. Oder gar sich im Wind verlaufen, und nicht zu jenen Konten führen die du dir zu finden erhoffst. Du hast keine gänzliche Garantie, dass es funktioniert, wie du es dir wünscht, Sarah.", meinte Brandon zweifelnd und begann mit flinken Fingern etwas in seiner Tastatur einzugeben. Sarah seufzte. Sie hatte schon geahnt, dass es nicht so leicht werden dürfte.
      "Aber wie ich dich kenne hättest du sicherlich schon die ein oder andere Idee, wie wir dies umgehen können.", meinte sie optimistisch und der Hacker zog nur eine Braue hoch.
      "Hör zu... Ich brauche dich, dass du in dieser Firma etwas für Chaos sorgst. Genug Chaos, dass sie zufällig bei einer...neuen IT-Sicherheitsfirma anrufen."-"Und zufällig eine Kate Williams empfohlen bekommen. Oder willst du diesmal eine neue Identität?" Brandon kannte das Spiel bereits. Sarah nickte zufrieden.
      "Ganz genau. Und...vielleicht hast du ja ein gewisses Programm, mit dem ich ganz einfach diverse Informationen von den Servern abrufen kann?" Sie zog mit einem nahezu unschuldigen Lächeln die Brauen hoch. Brandon seufzte nur genervt auf und schüttelte den Kopf.
      "So einfach ist das nicht.", meinte er bis er kurz von Lucian unterbrochen wurde. Mit nun mehr wieder nervösem Blick nahm er die Karte entgegen.

      "S-sicher...", erwiderte er etwas stotternd und vermied es tunlichst, dem Blonden direkt anzusehen. Sarah zog nur kurz die Brauen zusammen und sah auf die kleine Karte. Das passte gerade so gar nicht in die Unterhaltung und dem Hacker schien auf nicht wohl dabei zu sein. Vielleicht versuchte Lucian ja sich ihrer Kontaktperson anzunehmen um hier ebenso Fuß zu fassen? Brandon war kein schlechter Anfang, er war ein hervorragender Informant.
      Schließlich wandte sich der Schwarzhaarige wieder an sie. "Sobald du in der Firma drinnen bist versuche den Laptop, den ich dir gebe, anzuschließen. Ich werde den Rest erledigen, du musst mir lediglich einige Minuten Zeit verschaffen, dass ich mich in Ruhe einklinken kann. Mach das was du am Besten kannst und quatsche die Idioten zu. Sollte dir nicht schwer fallen." Letzteres mit beigefügten, spöttischen Grinsen sagend lehnte er sich etwas in seinem Stuhl zurück. Sarah schnaubte lediglich leicht, boxte den Nerd gespielt erbost gegen die Schulter, grinste jedoch dabei.
      "Dann haben wir ja einen Deal. Ich komme nächste Woche vorbei um den Laptop zu holen, bis dahin habe ich noch einige Nachforschungen angestellt und erstelle dir ein passendes Profil, welches ich annehmen werde. Ich brauche noch eine Weile um eine Verkleidung zu finden.", meinte Sarah abschließend.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
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      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

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    • "Ich brauche noch eine Weile um eine Verkleidung zu finden."
      "Ich würde Ihnen empfehlen eine Perücke aufzusetzen. Kinnlange glatte Haare, eine dicke Brille und ...weit geschnitte Kleidung, wenn sie es authentisch machen wollen. Oder," Lucifer musterte sie eingehender "Sie machen genau das Gegenteil. Kurzer Rock, weiter Auschnitt, Absatzschuhe und spielen meine Praktikantin. Die Typen hinter denen sie her sind, würde das mit Sicherheit im geeigenten Maße ablenken."
      Sein Vorschlag trug er nüchtern vor, kein anzügliches Lächeln, kein Anzeichen, dass er sie auf den Arm nehmen wollte.
      Menschen waren nuneinmal einfach gestrickt und Klischees waren immer noch die einfachste und wirksamste Art normal zu wirken.
      Er warf nochmal einen Blick auf die zahlreichen Bilder, die an der Wand hingen und begab sich dann zur Tür.
      "Wenn wir hier alles erledigt haben, würde ich mich jetzt verabschieden. Sarah, ich habe mich gefreut Sie kennen zu lernen. Wir sehen uns vermutlich morgen, sagen Sie mir Bescheid. Brandon, kontaktieren Sie mich sobald es ihre Zeit zulässt."

      Natürlich erwartete er, dass der Dämon ihn heute noch kontaktierte und das würde dieser mit Sicherheit auch tun. Jemanden wie Lucifer ließ man schließlich nicht warten.
      Wieder an der Bahnhaltestelle angekommen, studierte Lucifer kurz die Streckenübersicht, stieg jedoch nich in eine der U-Bahnen. Er folgte dem Strom an Menschen, die sich auf den Ausgang zubewegten und verschwand unter ihnen. Als er aus der U-Bahn-Station trat war er in der Nähe von Sarahs Wohnung und seiner Eigenen.
      Die wenigen Schritte zu seinem Apartment ging er ganz normal zu Fuß, den Gruß des Portiers ignorierend stieg er in den Aufzug und ließ es dann zu, dass das zaghafte Klopfen in seinem Kopf eine Antwort erhielt.
      "Was willst du, Ezekeel?"

      "Lucifer, wo bist du?"
      "Ich bin oben, gibt es was Wichtiges?"
      "Nein, ich woll-"

      Lucifer hatte keine Lust, sich mit etwas Unwichtigem zu beschäftigen und brach das Gespräch daher wieder ab. Sein Augenmerk lag auf der Seele dieser Frau. Ezekeel würde die kurze Zeit auch ohnen ihn zurecht kommen und wenn er ihn brauchte, würde er ihn schon erreichen.

      Er schloss die Tür hinter sich und sicherte sie zusätzlich mit einem kleinen Zauber. Der Druck auf seinen Schläfen ließ dadurch augenblicklich nach und er merkte erst jetzt wie viel mehr hier oben gesprochen wurde. Der Großteil seiner Anhänger befand sich schließlich in der Menschenwelt und ging ihrer Arbeit nach.
      Unten - in der sogenannten Hölle - war es weitaus ruhiger.

      Erleichtert schälte Lucifer sich aus den Menschenklamotten und streckte sich. Sein Körper war beinahe makellos. Kein Muttermal, keine Wunde, keine Unebenheit. Helle, glatte Haut spannte sich über eine Figur, die jedem Schönheitsideal entsprach.

      Nur auf seinem Rücken zog sich eine lange Narbe die Wirbelsäule entlang. Eine Narbe, die er seinem Bruder zu verdanken hatte und es ihm unmöglich machte seine Flügel länger zu nutzen.
      Auch nach der längst vergangenen Zeit spürte er noch ab un zu einen scharfen Stich durch seinen Körper fahren. Etwas, was ihn jedes Mal wütend machte, erinnerte es ihn doch zu sehr an seine damalige Niederlage.
      Doch er hatte ihn lange nicht mehr gespürt und dachte gerade nicht daran.
      Er ließ sich nackt auf den Sessel nieder, der Richtung Fenster gewandt war und ihm einen ungehinderten Blick zu Sarahs Wohnung gewährte. Ein Fernglas brauchte er nicht um Einzelheiten durch das Fenster zu erkennen. Doch die Wohnung war dunkel. Sie war noch bei dem Dämon oder gerade dabei sich zu verabschieden. So genau wusste es Lucifer nicht.
      Also lehnte er sich zurück und schloss seine Augen. Konzentrierte sich und ließ es zu, dass all die Geräusche, Stimmen und Eindrücke, die er ausgeschlossen hatten auf ihn einprasselten. Er hörte zu, suchte in der Flut nach Nützlichem und filterte nervende Stimmen aus.
      Nahm die Wesensart der Menschen auf, die in diesem Gebäude lebten und weitete seine Suche nach draußen aus.

      Das Klingeln seines Handys störte ihn irgendwann dabei.
      Er schloss die Welt draußen wieder aus seinem Kopf aus und nahm ab. Da der Dämon der einzige war, der seine Nummer hatte, brauchte er sich nicht zu fragen, wer dran war. Es waren bereits ein paar Stunden vergangen.
      Lucifer warf noch einen kurzen Blick zu der leeren Wohnung und begab sich dann wieder in seine Kleidung. Diesmal nahm er nicht den Weg durch die U-Bahn sondern landete direkt vor der Tür von Brandon.

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    • Sarah L. White

      Auch Lucians Bemerkung musste sie nur schmunzeln. Sie wusste schon die perfekte Verkleidung, sie tat dies immerhin selbst lange genug. Trotzdem amüsierte es sie, wie er offensichtlich auf die typischen Klischees zurückgriff. Wobei Sarah hingegen gelernt hatte, dass genau diese andere Menschen das ein oder andere Mal mit Misstrauen erfüllten, wenn es zu übertrieben dargestellt wurde. Sie würde tatsächlich mit einer Mischung aus beidem gehen von jenem, was er als Verkleidung erachtet. Sie legte sich innerlich bereits ein passendes Outfit zurecht und mit einem kurzen Blick auf die digitale Uhrzeit auf einem der unzähligen Bildschirme fand sie sogar heute noch Zeit, die ersten Besorgungen zu machen. Das bedeutete Shoppen. Und das Beste: Die gebrauchten Utensilien konnte sie als Arbeitsmittel vergüten lassen und bezahlte keinen Dollar aus eigener Hand. Wenngleich ihr Boss dies manchmal zur Weißglut trieb. Sie unterdrückte ein grinsen und nickte dafür schnell dem Blonden zu, welcher sich verabschiedete.
      "Ja...bis morgen, Lucian.", winkte sie halbherzig zum Abschied und fragte sich, wann entschieden worden war, dass sie nun doch so etwas wie Partner waren. Offenbar mochte dieser Fremde es sehr, sich in andere Angelegenheiten ungefragt einzumischen. Sie seufzte kaum dass er zur Tür hinaus verschwunden war.
      Brandon schien nahezu erleichtert aufzuatmen und sackte etwas in seinem Stuhl zusammen, ehe er Sarah mit einem ungewohnt ernsten Blick musterte.
      "Tut mir leid, dass ich einen Fremden mit hergebracht habe. Aber er...lässt nicht so schnell locker und muss hier erst Fuß fassen.", entschuldigte sie sich sogleich bei ihrem Nerd und legte die Hände vor ihrem Gesicht als Geste zusammen. Der Schwarzhaarige schnaubte nur leicht.
      "Pass... einfach ein wenig auf dich auf, okay?", meinte er schließlich leise und etwas verwundert hob Sarah die Brauen. Sogleich legte sie besorgt ihre Hand auf seine Stirn.
      "Hast du Fieber? Du sorgst dich doch sonst nicht um mich! Aber keine Sorge, mit ihm komme ich schon irgendwie klar. Muss ich ja er ist jetzt mein Kollege.", versuchte sie ihn aufzumuntern doch sah nur dabei zu, wie er ihre Hand von seiner kühlen Haut nahm. Brandon erwiderte nichts weiter und drehte sich wieder zu seiner Technik um. Die Brünette verstand sein seltsames Verhalten nicht doch auch er schien noch immer etwas angespannt. Hoffentlich ergab sich dies bald, es wäre schade, wenn die beiden Männer nicht gut miteinander auskämen. Aus ihrer Tasche kramte sie für ihn eine Schachtel Zigaretten hervor, welche er am liebsten rauchte, und legte sie kommentarlos auf den Tisch. Sie meinte ein kleines Lächeln zu sehen ehe sie sich in gewohnter, euphorischer Manier verabschiedete und über die Kabel hinweg hinausbalancierte. Jetzt rief die Shoppingmeile Londons nach ihr. Sie hatte einiges zu besorgen, das stand fest. Und sie würde ihrem neuen Partner schon zeigen, was eine perfekte Verkleidung wäre. Grinsend bei dem Gedanken begann sie mit leichtem Schritt zur U-Bahn zu laufen.


      Brandon Smithers | Valefor

      Kaum war die Menschenfrau verschwunden stieß er ein mehr als frustriertes Seufzen aus. Das war nicht gut. Das war ganz und gar nicht gut! Verfluchter Mist! Nicht nur, dass die Kleine offenbar ihre Nase wieder in zu große Angelegenheiten stecken wollte, nein jetzt wurde sie auch noch vom Höllenherrscher persönlich begleitet. Valefor alias Brandon hatte einen halben Herzinfarkt bekommen als er das Gesicht seines Königs erkannt hatte. Im ersten Moment hatte er wirklich geglaubt, er wäre wegen ihm hier. Weil er sich für ein Exil in der Menschenwelt entschieden hatte... Doch bei dem mehr als eindeutigen Blick des gefallenen Engels war ihm bewusst, dass ein kleiner Dämon wie er den Teufel nicht interessierte. Was nur verständlich war, er und Lucifer waren im Guten auseinander gegangen und er hatte nie auch nur ansatzweise einen Verrat begangen, der seinen Zorn entfachen könnte. Mehrmals strich er sich durch die lange, dunkle Mähne. Fuck... Was sollte er jetzt machen? Er wollte gar nicht wissen in welchen Schwierigkeiten Sarah steckte. Wenn der ehemalige Morgenstern persönlich die Erde betrat musste es etwas Großes sein. Das letzte Mal dürfte einige hundert Jahre her sein, als Lucifer zum letzten Mal die irdische Welt betreten hatte. Und damals ging und um eine ernstzunehmende Angelegenheit mit einigen Engeln... Aber Sarah war ein normaler Mensch. Er kannte diese quirlige Frau nun schon knappe vier Jahre. Tatsächlich hatte sie ihm bei einer misslichen Angelegenheit geholfen, als er mit den falschen Leuten Geschäfte gemacht hatte. Diese Sorte Menschen, welche einem jedes Verbrechen in die Schuhe schoben und er hatte schneller die Police vor der Tür gehabt als er reagieren konnte. Der Nachteil in dieser Welt war einfach der, dass es ihm nicht erlaubt war, seine Kräfte direkt zu nutzen. Zum einen weil er in der Grauzone bleiben wollte, die weder mit Engeln noch mit Dämonen zu tun hatten. Und zum anderen war er schon etwas sehr lange hier, dass er kaum noch wusste wie sich sein wahrer Körper anfühlte.
      Zweifelnd sah er kurz auf den Namen welcher auf der Visitenkarte stand.

      Lucian Morgan

      Nun, einen anderen Namen hätte er der Personifizierung der Todsünde des Stolzes auch nicht zugetraut. Es klang seinem Namen sehr ähnlich. Valefors dunkle Augen huschten über die angegebene Handynummer und seufzend gab er sich einen Ruck. Er hoffte- und daran merkte er wirklich, wie langsam die Menschen auf ihn abfärbten- dass Lucifer der Kleinen nichts antun würde. Es wäre schade um sie. Sie war einer der wenigen Menschen, welche niemanden verurteilte. Selbst ihn nicht, obwohl sie ihn als angeblichen Kriminellen kennengelernt hatte. Im Gegenteil, sie hatte mit ihrer üblichen Art es irgendwie geschafft, die Gang auffliegen zu lassen und ihn zu entlasten. Etwas wofür er ihr seine Hilfe angeboten hatte. Eine Art Deal, den sie geschlossen hatten- ohne dass sie von seiner wahren Natur wusste.
      Valefor wählte mit nervösen Fingern die Nummer auf einem seiner vielen Smartphones. Doch obwohl abgenommen wurde drang keine Stimme an sein Ohr, was den Dunkelhaarigen noch nervöser machte.
      "Herr...", begann er unsicher, ehe das Gespräch auch schon beendet war. Valefor schluckte schwer und spürte es noch ehe die Security Kamera ihn erfasst hatte. Lucifer war hier... Nervös sorgte er dafür, dass sich die Tür öffnete und ließ ihn eintreten. Er kam dem mächtigsten Wesen der Unterwelt entgegen, nicht wagend den Blick zu heben. Stattdessen verneigte er sich.
      "Mein Herr Lucifer...", brachte er mit ehrfurchtsvoller Stimme über die Lippen. Die Präsenz des Teufels war nahezu erdrückend, ein Dämon von niederem Stand würde sogar in die Knie gezwungen werden.
      "I-Ihr meintet...meine Hilfe...zu brauchen?" Was sollte er von ihm wollen? Warum war er überhaupt hier? Fragen über Fragen und ein Hauch Sorge mischten sich in seinem Kopf zu einem wahren Strudel.
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    • Beinahe sofort wurde ihm die Tür von einem ergebenen Valefor geöffnet. Den Kopf geneigt, die Stimme ehrfurchtsvoll gesenkt. Etwas was er auch von den Menschen erwartete. Doch es war mühselig diesem verhätschelten Volk ihre eigentliche Stellung klar zu machen.
      Eine Augenblick ließ er seinen Blick auf dem Dämon ruhen, bevor er an ihm vorbeischritt und sich auf das einzige Möbelstück Im Raum niederließ, welches nicht von Kabeln, Kameras oder Verpackungsmaterial bedeckt war. Als er sprach war seine Stimme härter, unbeugsamer als vorher. "Ich hatte dich etwas größer in Erinnerung. Und etwas unempfindlicher."

      Valefor hatte ihm viele Jahre gedient. Nah an seiner Seite und war es damals gewohnt gewesen, seine Präsenz zu spüren. Dass er jetzt förmlich in sich zusammenschrumpfte, war entäuschend.
      "Du solltest dich auch in der Grauzone mehr von den Menschen fern halten. Es macht dich schwach."
      Sein Ton wurde noch herblassender als er weiter sprach, "weiß dieses Weib eigentlich, welchen Pakt sie mit dir geschlossen hat?"
      Er hatte nicht erwartet, das Valefor sich dazu niederließ mit einem Menschen zu handeln. Gewöhnlich taten das nur die niederen Dämonen. Es war erfolgreich, aber in Lucifers Augen niedere Arbeit. Mit jemanden zu handeln hieß, dass man seinem Gegenüber einen gewissen Wert zusprach, und diesen besaßen die Menschen nicht. Mit dem Teufel verhandelte man nicht...nur mit seinem Vater ließ er sich darauf ein.

      Gelangweilt griff Lucifer nach einem der Bilder an der Wand, die er sich vorhin schon angeschaut hatte. Es waren Ausdrucke von Kameraufnahmen. Sie zeigten für Menschen nur nichtssagende Bilder, doch es waren Zeichen, Symbole. Einfache Veränderungen in der Natur wie ein in sich gewachsener Baum, aufeinanderbalancierende Felsen, veformte Steinhänge. Etwas was passierte, wenn Engel auf die Erde kamen ...oder auch Dämonen wenn sie stark genug waren.
      "Schon rausgefunden was ich verursacht habe?" Ein wenig interessierter wandte er seinen Blick wieder zu Valefor, der weiterhn im Raum stand. Seufzend fuhr sich Lucifer durch die blonde Mähne. Es war müßig..
      "Du hast dich gut versteckt. Ich will wissen wie. ich will selbst für eine gewisse Zeit unerkannt bleiben. Es wird lästig wenn mich jeder von euch anstarrt, als würde ich ihm gleich die Zunge raus reißen wollen."
      Ein Gerücht, was ihn schon länger begleitete. Dabei würde er so etwas niemals tun. Jemanden verstummen lassen, konnte er auf eine andere, weniger unschöne Art und Weise.

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    • Brandon Smithers | Valefor

      Der angesprochene Dämon presste leicht die Lippen zusammen, als der Teufel an ihm vorbeigeschritten war um sich in seinem kleinen Rückzugsort bequem hinzusetzen. Tatsächlich waren seine Sinne und auch er selbst weitaus empfindlicher geworden, seitdem er die ruhigen, eisigen Hallen der Unterwelt verlassen hatte. Die Schatten waren nicht länger Teil seines Lebens und so seltsam es für einen Dämon klingen mochte: Valefor genoss sein Leben hier. Mehr als den verdammten Ort von dem er stammte.
      "Du solltest dich auch in der Grauzone mehr von den Menschen fern halten. Es macht dich schwach. Weiß dieses Weib eigentlich, welchen Pakt sie mit dir geschlossen hat?" Die Stimme seines Königs war nahezu spottend, eisig und nicht gerade begeistert. In seinen Augen musste der Schwarzhaarige tief gesunken sein, immerhin hatte er früher eine respektierte Stellung inne. Eine von Lucifer respektierte... Kurz huschten die dunklen Augen des Dämons durch sein kleines, hochmodernes Reich. Er hatte die Technik dieser Welt förmlich lieben gelernt und den Fortschritt, den die Menschen machten, beobachtet. Für die meisten Dämonen waren die Sterblichen kaum mehr als Vieh. Valefor hingegen hatte begonnen Potential in ihnen zu sehen, wo andere seiner Sippe nur darauf spuckten.
      "Sie weiß nichts davon... Ich hatte eine Schuld zu begleichen.", murmelte er auf Lucifers Worte hin. Es war nicht seine Absicht gewesen, einen Pakt mit einer Sterblichen zu schließen. Und doch war es irgendwie dazu gekommen. Und es gab schlimmeres, Sarah gehörte nicht zu jenen, welche solche Möglichkeiten gedankenlos ausnutzte. Und jedes Mal kam sie ihm mit einem Geschenk entgegen obwohl sie es nicht müsste und hinterfragte sein ganzes Sein auch nicht. Ja, er hatte angefangen Menschen zu mögen. Doch er hütete sich, dies vor dem Gefallenen auszusprechen.
      Valefors Augen folgten jeder Bewegung Lucifers und natürlich erkannte dieser die Absichten hinter den Bildaufnahmen. Er war vorsichtiger geworden und hatte trotz allem nach Zeichen für Ärger gesucht. Vor allem nach Ärger der himmlischen Seite... Selbst im Exil hatte er das Treiben weitestgehend beobachtet um im Notfall nicht mehr als eine kleine Information an Lucifer zu schicken.
      "Eure Anwesenheit zeigt noch keine Auswirkungen. Sonst wären die Dämonen in dieser Stadt weitaus nervöser und die Engel unruhig.", antwortete er wahrheitsgemäß. Valefor hatte nicht gewusst, dass der Teufel auf Erden wandelte. Erst als er hier gestanden hatte wurde es dem Exilierten klar.
      "Du hast dich gut versteckt. Ich will wissen wie. ich will selbst für eine gewisse Zeit unerkannt bleiben. Es wird lästig wenn mich jeder von euch anstarrt, als würde ich ihm gleich die Zunge raus reißen wollen."
      Valefor horchte bei seinen Worten auf. Darum ging es also... Der ungute Gedanke, dass er ungewollt in eine größere Angelegenheit gezogen wurde, bestätigte sich. Lucifer wollte unerkannt auf Erden wandeln... Aus welchem Grund? Er räusperte sich leicht ehe er sein Shirt anhob und Lucifer ein Mal zeigte, welches sich über seine rechte Brust ausbreitete. Es waren keltische Symbole, welche den Kreislauf darstellten, den das Leben folgte. Ebenso wie einigen Zeichen aus ihrer Heimat, der Unterwelt.
      "Es... verbirgt meine Aura ohne mein Zutun und macht mich für die hier Anwesenden Dämonen und Engel unsichtbar. Es ist eine Illusion, die mich als Mensch erscheinen lässt. Allerdings darf ich meine Kräfte nicht benutzen, ansonsten löst es sich auf. Für Menschen ist es nicht mehr als ein okkultes Tattoo." Er ließ den schwarzen Stoff wieder sinken, nachdem Lucifer das Symbol für seinen Geschmack zu eingehend gemustert hatte.
      "Ich hab es hier in der Menschenwelt gefunden auf einer schwarzen Messe. Es...wirkt ja offensichtlich." Etwas angespannt stieß er die Luft aus.
      "Bei Euch sollte dies trotzdem etwas schwieriger sein... Der Zauber ist zwar stark, doch Eure Präsenz ebenso. Das Siegel müsste in die Haut gebrannt werden und könnte sich durchaus unangenehm anfühlen." Valefor wagte einen unsicheren Blick in die hellen Augen seines Königs. Lucifers ganzes Sein verschwinden zu lassen war ein schweres Unterfangen. Eine rein oberflächliche Behandlung wie bei ihm selbst würde nicht reichen. Und genau darum machte er sich Sorgen, er war der letzte, der Lucifer irgendwie Schmerzen zufügen wollte. Auch um seines eigenen Leben willen.
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    • Mit einem Schulterzucken nahm er die Information über das fehlende Zeichen hin. Er war immerhin erst seit zwei Tage hier. Er würde selbst auch die Augen offen halten. Wie die Natur ihre Ankunft begrüßte war immer faszinierend. Wobei es sicherlich nicht zu seinem Nachteil war, dass es bisher noch keinen Hinweis gegeben hatte.
      Wenn das Symbol, das Valefor auf seiner Brust entblößte, wirkte, ersparte es ihm wohl auch die Konfrontation mit seinen engelhaften Brüdern. Sie waren schnell in alarmbereitschaft wenn er sich bewegte. Was Lucufer ehrlicherweise erfreute, denn es bedeute sie hatten Angst.
      Wie sein noch immer loyaler Dämon auch gerade, als er ihm mitteilte, dass er ein Zeichen in seine Brust brennen müsste.
      Amüsiert erwiderte er seinen Blick. Vor ein wenig Schmerz schreckte er nicht zurück. Die Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern waren nicht nur mit einem Kratzer geendet. Und sie trugen alle noch Narben von damals. Und Einige auch ein paar frischere...

      Die Meisten der Zeichen waren ihm bekannt, sogar welche aus der Menschenwelt...wobei diese auch nur eine abgeänderte Formen der Engelsschrift darstellten. Nun gut, dann war dem so.
      Ohne zu zögern knöpfte er sein Hemd auf. Das würde wohl das erste Mal werden, dass er sich freiwillig von einem Dämon berühren ließ und dann auch noch verletzen... Manch einer in der Hölle wurde dies wohl als seinen Glückstag beschreiben.
      Den Fürst der Unterwelt eigenhändig die Haut versenken, während dieser ruhig dasaß und man keinerlei Rache zu befürchten hatte.
      "Schön ordentlich, mein lieber Valefor."

      Valefors Namen betonte er bewusst deutlich. Er sollte garnicht erst auf den Gedanken kommen ihn zu betrügen.

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    • Brandon Smithers | Valefor

      Der Dämon sah seinem König dabei zu, wie er die helle, makellose Haut entblößte und ihm wurde das Herz sogar etwas schwer. Nie hatte er gedacht, dass er mal jemand sein würde, der seinem geliebten Herrscher Schmerzen zufügen würde. Er war Lucifer schon immer mehr als loyal ergeben. Er meinte sogar, den gefallenen Engel zu verstehen, weshalb er die Rebellion anzettelte. Er war nicht Rachsüchtig, war auch nicht erpicht darauf, nach Macht zu lechzen. Sie stand ihm ohnehin nicht zu.
      Der Dunkelhaarige seufzte tief.
      "Ich wünschte ich könnte das jemand anderem antun...", murmelte er mehr zu sich selbst als zu dem gefallenen. Viele in der Unterwelt würden jetzt wohl liebend gern mit ihm tauschen. Ein Lucifer der sich freiwillig verletzen ließ war für viele ein gefundenes Fressen. Für Valefor mehr eine Qual. Er nickte.
      "Vergebt mir..." Für einen Moment atmete er tief durch ehe er seine Handfläche oberhalb der makellosen Haut schweben ließ. Er murmelte einige wenige Worte und langsam fuhr seine Hand abwärts. Ein grüner Schimmer hüllte seine Hand ein, nicht sehr stark doch darum ging es hier nicht. Es ging viel mehr um die grünen Flammen welche sich auf den linken, oberen Rippenbogen des Teufels ausbreiteten und dasselbe Zeichen tief in das Fleisch seines Herrschers brannte. Valefor blieb konzentriert. Er senkte seinen Blick nicht während er in der alten Sprache der Dämonen jene Worte sagte, welche er sich selbst beibringen musste. Als er fertig war glühte das Siegel noch eine Weile nach und schnell entfernte sich Valefor wieder. Das war der einzige Zauber, welcher seine Tarnung nicht auffliegen ließ. Und unglücklicherweise war es für ihn anstrengender als gedacht, eben weil während der Prozedur die Aura Lucifers nahezu unmenschlich stark gewesen war.
      Eine normale Reaktion. Die Aura des Dämons bäumte sich gegen die Unterdrückung auf, so war es auch bei ihm gewesen. Doch letztendlich sah er prüfend auf den blonden Mann ohne jedoch den hauch einer Präsenz zu verspüren. Es hatte offensichtlich funktioniert. Lucifers Aura war nahezu verschwunden. Valefor konnte nur hoffen, dass es auch dabei blieb.
      "Wie gesagt, Ihr dürft Eure wahren Kräfte nicht einsetzen, solange das Siegel wirkt. Ansonsten verschwindet es augenblicklich und eure Aura entfaltet sich mit einem Schlag.", warnte er nochmals und ließ sich etwas ermattet auf der Tischkante nieder um sich eine Zigarette anzuzünden. Das war zu viel.
      "Ich denke...es steht mir nicht zu, nachzufragen was Ihr mit dem Menschen vorhabt?", erhob er nach zwei tiefen Züge wieder seine Stimme und versuchte so neutral wie möglich dabei zu klingen.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Der Schmerz begann langsam, bevor er sich mit einem Mal ausbreitete und Lucifer das Gefühl gab als würden sich die Flammen bis in seine Knochen brennen.
      Dieses verdammte Dämonenfeuer war mehr als unangenehm. Auch wenn gefallen, war er immer noch ein Engel und diesem Teil von ihm gefiel die giftige Aura, die nun in ihn Eindrang äußerst wenig. Er hatte mehr damit zu kämpfen, sich davon abzuhalten Valefor wegzuschleudern, als den Schmerz bewegungslos zu ertragen. Seine Knöchel wurden weiß, während er seine Hand zur Faust ballte. Um sich abzulenken, versuchte er sich die Litanei einzuprägen, die der Dämon aufsagte.
      Als der Dämon endlich seine Hand zurückzog, hörte auch die Gegenwehr in seinem Körper abrupt auf. Das Mal prangte pechschwarz auf seiner Haut, drumherum leuchtete das verbrannte Fleisch rot. Erschöpft sank er etwas auf dem Stuhl zusammen und begann sich das Hemd wieder zuzuknöpfen. Er hatte nicht erwartet gegen sich selbst kämpfen zu müssen.
      Lucifer nickte auf den Hinweis zur Benutzung seiner Kräfte. Darauf sollte er wohl achten. Wenn sie sich mit einem Mal entluden, würde es nicht nur auf ein verwüstetes Zimmer hinauslaufen.
      "Ich denke...es steht mir nicht zu, nachzufragen was Ihr mit dem Menschen vorhabt?"
      Lucifer schaute zu ihm, antwortete aber nicht sondern stand auf, richtete sich seine Kleidung und begab sich wieder zur Tür.
      "Danke. Ich werde deine Hilfe nicht vergessen, Valefor. Wenn du etwas benötigst, weißt du wie du mich erreichst"
      Ein Gefallen vom Teufel persönlich, den erhielt er nicht nur für seine Hilfe sondern auch für seine immer noch bestehende Loyalität.

      Ohne ein weiteres Wort verließ Lucifer heute das zweite Mal die Wohnung des introvierten Hackers und begab sich in die nächste U-Bahn. Ein lästiger Nebeneffekt.

      Der schwarzhaarige Dämon blieb vor Erschöpfung und Verwunderung wo er war und blickte nur kopfschüttelnd seinem König hinterher.°In was, meine liebe Sarah, bist du da nur reingeraten?°

      Lucifer begab sich wieder in seine Wohnung. Auf dem diesmal längeren Weg dorthin begegnete er dem ein oder anderen dämonischen Handlager, doch keiner reagierte auf ihn wie zuvor. Erst als er absichtlich einen von Ihnen anrempelte, zeichnete sich ein Anflug von Unsicherheit und Furcht in dessen Gesicht ab. Dies legte sich jedoch wieder, als Lucifer sich entfernte. Zurück blieb ein verwirrt umher blickender Mann, der nach der Person suchte, dessen Präsenz er gerade noch gespürt hatte.
      Es wurde demnach nicht alles unterdrückt. Bei einer direkten Berührung konnte auch das Siegel nicht helfen. Auch das sollte er sich in Sarahs Nähe merken.

      Zurück in seinem Apartment setze er sich in seinen Sessel und wartete.

      ~ the fate is not unchallengable ~
    • Sarah L. White

      Mehr als erschöpft aber umso glücklicher, alles für ihre Verkleidung beisammenzuhaben kehrte Sarah erst am späteren Abend nach Hause zurück. Sie hatte einige Detouren gemacht, hatte sich Orte angesehen welche für sie interessant schienen. Dennoch war sie jetzt ziemlich am Ende und noch immer hatte ihr Kopf keine Ruhe zu geben, dutzende Fragen zu formen. Zum einen machte sie sich etwas Sorgen bezüglich des blondhaarigen Fremden aus Europa. Sie konnte es nicht genau bestimmen, aber irgendwie hatte sie das Gefühl aufpassen zu müssen. Brandons Reaktion war gelinde gesagt seltsam. Und obwohl man den Nerd wohl kaum als normal bezeichnen konnte, schien er diesmal nahezu beängstigend ernst. Außerdem wusste sie kaum etwas über Lucian Morgan. Nur sein Alter und dass er aus Europa stammte. Kein Land, keine Firma für die er arbeitete- keinerlei Informationen. Und Sarah lebte nunmal lieber mit jedem Detail welches sie bekommen konnte. Ob sie ihn einfach fragen sollte? Nein, das würde ein Mann wie er sicherlich falsch auffassen. Sie könnte auch etwas herumschnüffeln. Er war ebenso in ihrer Branche tätig, die Brünette war sicher, dass er nicht einmal großartig sauer sein würde. Nachdenklich stellte sie ihre Einkäufe im Flur ab und betrat sich ausgiebig streckend das Wohnzimmer. Vielleicht könnte sie auch Mr. Wilson fragen, für welchen Verlag Lucian denn arbeite... Dazu müsste sie ins Büro kommen und Sarah hasste die stupide Arbeit dort. Keine Aufregung, keine Freiheiten. Es war nervig. Aber notwendig. Außerdem hatte er etwas davon gesagt, dass sie sich eventuell morgen sähen. Wenn sie ihm bescheid gibt. Sarah lockerte ihre weiße Bluse und sah sich einen Moment in ihrem kleinen Apartment um. Ihre Wohnung war so chaotisch wie sie selbst. Nicht im Sinne von Unordnung- sie hielt ihr Umfeld gerne sauber. Jedoch waren die verschiedensten Dekorationen und Pflanzen gemischt, die Regale quollen über vor lauter Büchern und Zeitungen. Einen Fernseher besaß sie tatsächlich nicht. Es interessierte sie herzlich wenig was in der Glotze kam, sie las lieber oder arbeitete bis in die Nachtstunden hinein.

      Nach einer ausgiebigen Dusche machte sie es sich mit einem Glas Wein in ihren bequemen Nachthemd auf dem Sofa gemütlich und dimmte etwas das Deckenlicht. Das Laptop auf den Knien begann sie damit, im Internet etwas nach dem Kreditunternehmen zu suchen und begutachtete die offizielle Webseite. Die Augen verdrehend über die süßen Versprechungen einer finanziell abgesicherten Zukunft nahm sie einen Schluck der tiefroten Flüssigkeit und zog sich schließlich ihr Notizbuch zurate. Sie vermerkte sich hier und da wichtig scheinende Details, ehe sie tiefer in die Weiten des Internets abtauchte und gezielt nach "Bewertungen" suchte. Erfahrungsberichten von jenen, die sich dort bereits Geld geliehen hatte. Dabei waren viele Fake. Eindeutig. Echte Bewertungen waren offenbar gelöscht und Sarah fand erst nach zwei Stunden eine Seite, bei der sich ein verzweifelter Mann dazu äußerte. Leider fand er jedoch kaum Gehör, weil dieser Blog derart unbekannt war, dass er im normalen Suchverlauf gar nicht auftauchte. Mitleid erfüllte Sarah auch wenn sie über die Naivität des Kerls nur den Kopf schütteln konnte. Sie schrieb sich seinen Namen auf, suchte nach einem Bild von ihm und speicherte es ab. Vielleicht könnte sie ja mit ihm reden und etwas mehr erfahren...

      Es war mittlerweile nach Vier, als Sarah endlich den Laptop zuklappte und die geleerte Flasche mitsamt Glas einfach auf dem Tisch liegen ließ. Müde gähnte sie und rieb sich über das Gesicht. Sie war derart versunken gewesen, dass sie mal wieder die Zeit aus den Augen verloren hatte. Ihren mittlerweile schweren Körper hochhievend löschte sie die Lichter um wenigstens noch ein paar Stunden schlafen zu können. Sie hatte den Entschluss gefasst, nachher ins Büro zu gehen. Aber wie eine wandelnde Leiche konnte sie schlecht vor ihrem Boss treten.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Wirklich interessant war es nicht, die zierliche Journalisten zu observieren.
      Außer, dass er erfuhr, welchen Wein sie trank und nicht dem menschlichen Schlafrhythmus folgte, blieb der Abend ereignislos.
      Als das Licht in ihrem Apartement erlosch, begann der Himmel bereits zur Morgendämmerung zu wechseln.
      Lucifer seufzte, jetzt wo er seine Kräfte nicht zur Informationsbeschaffung verwenden konnte, musste er sich mit etwas anderem beschäftigen. Er erhob sich von seinem Platz und stolzierte durch das Apartment, dass er bewohnte.
      Der ältere Herr, dem es gehörte, hatte einen recht altmodischen Geschmack gehabt und... einen widerlichen dazu. Es war Lucifer eine Freude gewesen den pedophilen Widerling in die Hölle zu schicken. Wer sich an den reinen Seelen der Kinder vergriff, erfuhr von niemandem Gnade und insbesondere nicht von Lucifer.
      Beinahe das komplette Mobiliar hatte er verbrannt. Mmöglicherweise hatte der vorherige Bewohner sich dabei noch in der Wohnung befunden...
      Von dem Feuer und seinen Auswirkungen war in der Wohnung jedoch nichts zu sehen. Das kalte Höllenfeuer zerfrass auf eine besondere Art und Weise.
      Die leeren Räume sollte er in der nächsten Zeit wenigestens mit dem Nötigsten bestücken.
      Eine Küche, ein Bett, eine weitere Sitzgelegenheit wohlmöglich. Dinge, die ein Mensch in seiner Wohnung nunmal besaß.

      Er entschied sich rein aus Langweile seine Recherche zu dem kleinen Kredithai zu beginnen ... auf ungewohntem Wege. Bevor er die Wohnung verließ überprüfte er das Siegel. Es schmerzte immer noch, auch wenn die versenkte Haut bereits wieder glatt und hell wie vorher erschien. Sollte es doch nicht wirken, würde Lucifer das spätestens heute Nacht rausfinden.
      Der Schwarzmarkt - ein Ort, der dazu geschaffen wurde, die Grundlagen für falsche Entscheidungen zu legen. Jegliche Art seiner Dämonen hielt sich in diesen Kreisen auf und nutze die Kontakte.
      Es war nicht notwendig zu wissen, wo er nach ein paar dieser Kontakte suchen musste. Sein Gefühl leitete ihn in die richtie Richtung. Auch wenn seine Präsenz verborgen blieb, spürte er so deutlich wie immer die der Anderen. Ein praktsiches Werkzeug dieses Siegel.

      Schließlich stand er vor einem Strip-Club, dessen rote Leuchtschrift auffälliger nicht sein konnte. Missbilligend schaute er auf das Maskotchen des Ladens. Ein rotes Männchen mit Hörnern, einer Mistgabel und einem am Ende gezackten Schwanz, der teuflisches Vergnügen versprach. Es war beleidigend... Er hatte zwar Hörner, aber das spiegelte es nicht mal annähernd wieder...
      Dennoch ging er hinein. Sein Weg führte ihn vorbei an tänzelnden Succuben und gelbhäutigen Dämonen. Lust und Gier - wie passend, dass sie hier zusammenkamen.
      Doch er beachtete keinen von den Anwesenden. Sein Weg führte ihn direkt in die oberen Etagen des Lokals. Hinter einer der Türen befand sich ein Informanten der Hölle. Er war klein, mit der Zeit unbedeutend geworden ... aber er kannte sich hier aus.
      Wie es seine Art war, trat Lucifer ohne zu klopfen ein. Dabei störte er ein dunkelhäutige Buhlteufelin und den Gesuchten.
      Den weiblichen Dämon schien das weniger zu missfallen, als dem dunkelhaarigen Mann, der sich wütend aus den Laken erhob. Sie schaute, lüstern wie es ihre Art war, zu Lucifer und räkelte sich verführerisch. Er beachtete sie nicht.
      Ungehalten wollte der Dämon den Störer an der Schulter packen und nach draußen schmeißen "Was fällt dir ein, verschwinde hier. Das Zimmer ist be-" "Ich würde dir davon abraten, Indra. Es könnte wehtun." des Teufels Stimme war so kalt und einschneidend wie immer. Doch es war nicht nur die bedrohliche Art, die seinen dämonischen Gegenüber stocken ließ. "Woher weißt du...?"
      Mit großen Augen trat Indra wieder ein Stück von dem blonden Mann zurück, dessen Aura er nur als die eines Menschen ausmachen konnte. Und das war es, was ihm am Meisten Angst machte.
      Menschen kannten seinen Namen nicht.
      "Raus Hier!", diesmal sprach Indra nicht zu dem blonden Mann sondern zu der dunkelhaarigen Schönheit, die beleidigt schnaubte, der Aufforderung jedoch nachkam. Sie verließ den Raum jedoch nicht, ohne dem blonden Schönling noch zuzuzwinkern.
      Indra schloss die Tür und wiederholte seine Frage, nur was diesmal keine Wut in seiner Stimme sondern vorsichtige Zurückhaltung.
      "Wer bist du?"
      "Jemand, der ein paar Informationen von dir benötigt." Lucifer nahm sich von der Ablage des Zimmers einen Stift und schrieb auf einer herumliegenden Getränkekarte den Namen des Kreditunternehmens, über welches der Artikel war den Sarah ihm gezeigt hatte.
      "Finde raus wer Daten von dieser Firma verkauft und ein paar von denen die sie kaufen."
      Er warf ihm die Karte mit dem Namen aufs Bett, auf das sich der verwirrte und immer noch nackte Dämon niedergelassen hatte. Ihm gingen gerade andere Dinge durch den Kopf als seine Blöße zu bedecken. "Aber du bist ein Mensch." Ein Mensch, der seinen Namen kannte, der wusste wer er war und der ihn gefunden hatte. Das war gefährlich für ihn.
      Der König der Hölle unterdrückte den Impuls, die Vermutung zu widerlegen, er sei eins dieser missglückten Geschöpfe.
      "Wir sehen uns in einer Woche und denk nicht daran von hier zu verschwinden. Ich habe wenig Lust nach dir zu suchen." Er schenkte dem verschreckten Dämon noch ein bedrohlichen Lächeln und verließ das Zimmer und auch den Laden wieder.
      Als Fürst der Hölle war ihm jeder Name bekannt. Egal wie alt, jung oder unbedeutend sie waren. Selbst den Namen dieses Succubs kannte er. Den Menschen waren die Namen der Dämonen in der Regel unbekannt. Es gab ein paar Namen, die durch die Menschenwelt kursierten, doch solange man nicht wusste zu wem er gehörte, waren sie bedeutungslos. Die Macht, welche man über die Dämonen hatte, kannte man ihre wahren Namen, hatte dazu geführt, dass auch die Höllenbewohnter sie unter sich weitesgend geheim hielten.

      Wenn er nicht auffallen wollte, sollte er diese Art der Einschüchterung nicht allzu häufig nutzen. Doch mit Indra hatte er ersteinmal jemanden, der ihm ein paar Informationen beschaffte. Ein Meister der Lügen und des Betruges ... solange er einen nicht selbst betrog, war er ganz nützlich. Und das würde er derzeit nicht wagen. Nicht, wenn er nicht wusste, woher ein Mensch seinen Namen kannte.

      Lucifer spazierte durch den nächtlichen Central Park und genoss ein wenig die Ruhe, die ihn ohne die Anwesenheit menschlicher oder dämonischer Auren umgab. Auf dem Rückweg zu seiner derzeitigen Wohnstätte, machte er einen Stopp bei einem Café und besorgte ... Kaffe. Schwarz mit Zucker, einen mit Milch und Zucker und einen der wohl mehr Zucker und Milch als Kaffee enthielt.
      Er wusste ja nicht genau, welchen von denen dieses Menschenweib am Morgen bevorzugte.
      Um Punkt 09:00 Uhr drückte er auf das Klingelschild von S. L. White.

      ~ the fate is not unchallengable ~

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