Where Gods Eyes can't see... [Lu || Daisy]

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    • Where Gods Eyes can't see... [Lu || Daisy]



      Naevius Nathaniel Morningstar
      Das letzte Mal, dass Naevius die Menschenwelt betreten hat ist genug Jahrhunderte vergangen, dass er sich nicht die Mühe machte sie zu zählen. Doch als er durch die Tür in diese Welt trat, seinem Vater lustlos folgend, empfing ihn die selbe, alte Leier, die ihn hat diesen Ort den Rücken kehren lassen. Das erste war der Gestank. Die Luft war verseucht und verpestet, Abgase belegten die Atemluft mit Schadstoffen, die ihn instinktiv dazu verleiten wollten die Luft anzuhalten. Die Sonne brannte unangenehm in den Augen und spendete eine unnötig strahlende Helligkeit, die sogleich drohte ihm Kopfschmerzen zu bereiten. Die Stimmen dutzender, vergänglicher Leben, das Schlagen Millionen Herzen, dass dieser Welt einen chaotischen und unreinen Takt vorzugeben schien hämmerte in seinen Ohren und vermischte sich mit den weiteren Geräuschen eben dieses Lebens. Autos, Fernseher, Radiowellen. Naevius war bewusst, dass die Menschheit sich weiterentwickelt hatte was die Spielzeuge dieser Welt anbelangte. Doch dass sie dazu übergegangen sind den Klang der Natur mit allen Mitteln übertönen zu wollen, ist ihm nicht klar gewesen. Fast schon innerlich knurrend wendete der augenscheinlich junge Mann sich für einen Moment zurück zu der Pforte, die er durchschritten hatte. Doch kaum hatte er einen Blick auf seine Welt zurück erhaschen können, den Ort an dem er sich bedeutend wohler fühlte, veranlasste Lucifer, dass dieses Tor mit einem regelrechten Scheppern zu fiel. Welch ironische Symbolik, die in seinem Mund einen bitteren und nahezu Erbrechen heraufbeschwörenden Geschmack auslöste.
      Mit einem leichten Schnauben setzte er sich in Bewegung und folgte dem nicht auf seinen Sohn wartenden Mann, der bestimmend die Treppen zu dem Hauptsitz seines Reiches in dieser Welt erklomm. Die Morningstar International, seine nahezu heilige Firma. Naevius stand zum ersten Mal vor diesem Gebäude und musste zugeben... der Stil seines Vaters war geschmackloser, als er angenommen hatte. In übertriebener Symbolik ragte das riesige, weiße Gebäude mit einer Unzahl an Fenstern dem Himmel entgegen und überragte nahezu alle Dächer dieser Stadt. Und die Spitze krönte schließlich der Name seines Imperiums als Spott und Hohn seines Erschaffers und seiner Rolle, die er so verzweifelt versucht hat abzulegen. Morgenstern. Wie ein Komet ist er damals verglüht aber anscheinend weigerte Lucifer sich diesen Namen endgültig abzulegen. Wie unerwartet rührselig.
      "Die anderen warten." Die giftgrünen Augen des schwarz-haarigen senkten sich zu dem Mann, der auf der vorletzten Stufe weilte und hinabsah. Ohne einen Funken der Ungeduld und gleichzeitig in gänzlicher Abwesenheit irgendwelcher Sympathien. Sein Haar reflektierte in diesem grauenvollen Blond die Strahlen der Mittagssonne, während seine Haut so blass gewesen ist, als wäre sie zu ehrfürchtig, um ihn zu berühren. Seine Züge sprachen von einem gewissen Alter, allerdings auch eher in der Form von Weisheit als tatsächlichen Alterungsprozessen. Und um seine Figur in dieser Welt vollständig zu machen bediente der Morgenstern sich an den hellen Farben seiner Brüder, die er verraten hatte. Er ließ sich cremefarbene Anzüge fertigen und trug sie voller unzerstörbarem Stolz, dass Naevius gleich wieder das Bedürfnis hatte sich zu übergeben. "So werden sie warten, Vater.", entgegnete der Mann ihm gleichgültig und setzte sich nun ebenfalls wieder in Bewegung. Es war absurd, dass Lucifer annahm seinen Sohn nun hetzen zu können.
      Vor Wochen ereilte ihn bereits der Befehl seines Vaters die Morningstar als sein Vertreter zu übernehmen. Und vor Wochen schon hat Naevius abgelehnt. Wieso sollte er hier seine Zeit verschwenden? Allerdings passte es tatsächlich ganz gut zu seinem Vater, dass Naevius die lästigen Aufgaben übernehmen sollte, während er sich entspannt den seinen widmen konnte. Solcherlei Diskussionen und Gespräche hatte es oft gegeben zwischen den beiden Männern, doch immer ist der schwarz-haarige mit seiner Sturheit davon gekommen. Bis jetzt. Und das war ein Umstand, um den Naevius noch immer bereit gewesen ist seinen einzigen, wahren Vertrauten in diesem Leben dorthin zu schicken, wo er herkam. Direkt sank seine Laune in den Keller, als er daran zurückdachte, wie Sharar vor ihm kniete, das Haupt gesenkt und in gänzlicher Demut gefleht hat er solle Lucifer darum bitten das Urteil, das über seinen kleinen Bruder gefällt werden sollte überdenken. Eine von vorne herein absurde Strafe für ein so lächerliches Vergehen wie das seine. Und Naevius war nicht dumm. Er wusste genau, dass das von Anfang an nur die Scharade seines Vaters gewesen ist, um seinen Willen zu erhalten. Und die Tatsache, dass er seinen einzigen Freund für diese Zwecke nutzte, ließ die Abscheu, die er ohnehin für ihn empfand noch lodernder flammen. Sie wechselten keine weiteren Worte. Sie betraten die riesige, übertriebene und protzende Eingangshalle und gingen direkt durch zu den Fahrstühlen. Hier und da grüßte Lucifer jemanden mit einem Nicken oder dergleichen, doch Naevius ließ deutlich blicken, dass er sich für die anderen Anwesenden nicht interessierte.
      Anders wurde es jedoch, als sie in die höheren Etagen ankamen. Die neugierigen Blicke der Menschen, wen der CEO da nur im Schlepptau haben könnte, wurden zu Entsetzten, Abscheu und bei vielen erkannte er auch blanken Hass, was ihm tatsächlich für einen Moment ein amüsiertes Lächeln entlockte. Naevius hatte das getan, was kein Dämon sonst wagte und galt als Verräter in allen Kreisen, als er sich damals dafür entschlossen hatte der Einladung seines Onkels zu folgen und den Himmel zu betreten. Und obwohl er zurückkehrte. Oder gerade weil er zurückgekehrt ist ohne auch nur einen der Engel in irgendeiner Form verletzt zu haben. Seither galt er als Sympathisant und hat seinen Stellewert bei vielen ehemalig treuen Dämonen verloren. Ein Umstand, der ihn nur noch dankbarer für die Loyalität Sharars zurücklässt und daher wirklich der einzige Grund, weshalb er bereit ist dem Befehl - deine eine Bitte war es nicht - seines Vaters folge zu leisten. Der amüsante Gang der Verachtung fand sein Finale in einem großen runden Versammlungssaal und einer runden Tafel, an der 25 Anwesenden bereits wartenden. Die Stimmen verstummten augenblicklich, als die beiden Neuankömmlinge das Zimmer betraten und alle Augen richteten sich auf die beiden. "Guten Morgen", grüßte Lucifer die Versammlung. Weder herzlich noch streng. "Schön, dass Sie alle Zeit gefunden haben meiner Offenbarung beizuwohnen, meine Damen und Herren." Er kam direkt zum Punkt, setzte sich nicht einmal. Stattdessen ging er auf den Tisch zu und blieb hinter seinem Platz stehen, indem er seine Hände auf die Rückenlehne legte. "Ich möchte Ihnen allen bei dieser Gelegenheit jemanden vorstellen." Der Blonde drehte sich leicht zur Seite und machte eine einladende Handbewegung auf Naevius zu. "Das hier ist Nathaniel Morningstar. Mein Nachfolger. Ich drehte ab sofort von meiner Position als CEO ab und vermache ihm die Kontrolle über all unsere laufenden Geschäfte."


    • Nora J. Anderson

      Eigentlich hatte Nora geglaubt, sie würde mit jedem seltsamen Ereignis, welches noch in ihrem Leben geschehen könnte, zurechtkommen. Immerhin war ihr Leben, welches sie jetzt führte, bereits verrückt genug um nicht zu sagen völlig unvorstellbar. Allerdings musste die Rothaarige ebenso zugeben, dass es wohl nie eine wirkliche Garantie dafür gäbe, dass sie verschont von irgendwelchen unnatürlichen Ereignissen blieb. So wie an diesem Montag. Ein eigentlich unscheinbarer Tag, selbst das Wetter war für die britischen Verhältnissen sogar recht angenehm schien. Es war selten, dass sich die Sonne in ihrer ganzen Schönheit zeigte, war der Himmel meistens von grauen Wolkenschleiern bedeckt- wenn nicht der typische Regen auf die Stadt niederkam. Dennoch, Nora spürte förmlich bei dem Betreten der imposanten Morningstar International, das heute etwas nicht stimmte. Es war nicht mehr als ein bestimmtes Gefühl in ihrer Magengegend. Doch sie dachte sich nichts dabei, richtete ihren schwarzen Blazer etwas, ehe sie wie gewohnt mit einem kurzen Nicken zu der Dame am Empfang den Fahrstuhl erklomm. Nicht in eine der unteren Abteilungen, nein... Ihr Arbeitsplatz befand sich tatsächlich an der Spitze des riesigen Ungetüms einer Firma. Nur eine einzige Tür von dem wohl mächtigsten Mannes der Welt entfernt. Oder besser, des mächtigsten Wesens. Auch wenn nicht einmal die Menschen in den unteren Etagen einen Hauch einer Ahnung besaßen, für wen oder besser gesagt was sie arbeiteten, so war Nora darüber sehr wohl im Bilde seit knappen vier Jahren. Ihr Boss und der CEO dieses Imperiums aus Finanzen und Aktien, war niemand anderes als Lucian Morningstar. Alias Lucifer, Satan oder eben der Teufel selbst. Ein verrückter, beinahe unmöglicher Umstand für einen normalen Verstand. Für Nora hingegen rührte der Ausdruck dessen nicht einmal mehr etwas in ihr. Es war zur Normalität geworden, dass sie auf einer Ebene arbeitete, in denen sie sich tagtäglich gegenüber anderen Dämonen behaupten musste. Oder Engeln. Eine Welt, in der sie sich als Mensch ungehindert bewegte und Nora wusste, dass sie es einzig ihrem Chef zu verdanken hatte, dass sie es genießen konnte. Dennoch, auch die junge Schottin wusste, dass sie lediglich in diesen Reihen geduldet war und nur so lange dieses behütete Leben genießen konnte, solange sie die Anforderungen erfüllte, welche man an sie stellte. Glücklicherweise war sie gut in ihrem Job. Sie würde sogar meinen sehr gut, immerhin hatte sie von den Besten lernen können. Wer wusste mehr über die irdische Wirtschaftssituationen als der Teufel, welcher diese lenkte?

      Die Fahrt mit dem Fahrstuhl dauerte tatsächlich einige Minuten, welche jedes Mal unterbrochen wurden, wenn jemand ein- oder ausstieg. Gerade um halb Acht war jene Zeit, welche Nora hasste. Jeder stürzte zu seiner Arbeit und die gläsernen Aufzüge waren gänzlich überfüllt. Beinahe erleichternd war es jedes Mal, wenn sie ab den höheren Etagen mehr und mehr alleine gelassen wurde. Mit ihr befanden sich nur noch einzelne Dämonen, welche ebenso ihren Weg anstrebten. Außer respektvollem Nicken und kühlen Morgengrüßen wurde hier glücklicherweise nicht ausgetauscht. Ab und an fragte man sie auch bezüglich diverser Projekte und ob sie sich einige Dinge ansehen könnte. Diese Kleinigkeiten stimmten die ehrgeizige Frau sogar etwas glücklich, weil sie wusste, dass sie selbst von diesen Übernatürlichen Wesen irgendwann einfach akzeptiert wurde. Zudem war sie die erste Ansprechpartnerin ehe man tatsächlich zu Lucifer gelassen wurde, war sie doch seine persönliche Sekretärin und Assistentin in allen internen Firmenbelangen. Heute Morgen war es verhältnismäßig ruhig. Selbst Marik, ein Dämon welcher zu der technischen Abteilung gehörte, sprach heute verhältnismäßig wenig. Und dabei hatte dieser wirklich viel redende Dämon immer irgendein Problem, welches er mit Nora während der Fahrstuhlfahrt unbedingt besprechen wollte. Heute war es nur ein freundliches Guten Morgen und dann eine wohltuende Stille. Vielleicht hatte sie es dem Wochenende zu verdanken, dass er sie nicht sofort mit Projekten bombardierte, welche sie noch nicht einmal auf ihrem Schreibtisch liegen hatte. Er stieg mit kurzem Abschiedsgruß hinaus und etwas kopfschüttelnd huschte ihr ein Grinsen über die Lippen. Es war nicht so, dass ihr nicht bewusst war, dass Marik ein Dämon wäre. Allerdings hatte sie sich angewohnt- zumal ihr Lucifer selbst dazu geraten hatte- diese Wesen einfach bei Namen zu nennen und sie nicht in Dämon, Mensch und Engel zu unterteilen. Ein Vorschlag welchen sie sich zu Herzen nahm und auch ihren Kollegen manches Mal sehr deutlich klarmachen konnte, was sie von jeweiligen Situationen und Handlungen hielt. Dabei war sie keineswegs zimperlich und überaus direkt, was am Anfang dezent für einige...Probleme sorgte. Mittlerweile hatte man sich jedoch an sie gewöhnt und man wagte es schlichtweg nicht, die direkte rechte Hand des Teufels zu hinterfragen. Nora stieß ein Seufzen aus, als sich endlich ihre Etage vor ihr öffnete. Das gewohnte, sehr große und helle Büro begrüßte sie. Die Fenster waren bodentief angelegt und gaben einen atemberaubenden Blick über London preis, welcher ihr ab und an wirklich noch den Atem raubte. Über die Dächer dieser riesigen Stadt zu blicken, dem eher braunen, schmutzigen Band der Themse zuzublicken, wie sie sich durch das Grau und Grau des Betons ihren Weg bannte. Doch heute hatte sie keinen Blick für diese Aussicht, sie könnte diese noch immer bei einer späteren Zigarette auf dem zugänglichen Plateau genießen. Ihre Aufmerksamkeit war beinahe sofort auf ein einziges Detail fixiert. Irritiert verengten sich ihre haselnussbraunen Augen als sie zu ihrem Schreibtisch sah. Es war vielleicht viertel vor Acht, ihr Boss schon längst anwesend und trotzdem...war ihr Schreibtisch leer. Leer... Das war unerwartet. Normalerweise lag neben ihrem Computer und den zwei zugehörigen Monitoren jeden Morgen ein Stapel an Akten, Briefen und Projekten welche sie durchzugehen hatte neben ihren alltäglichen Aufgaben. Heute fand sie weder Ordner noch die typisch braune Papierakten, welche sie mittlerweile so sehr gewohnt war. Prüfend umrundete sie ihren dunklen Holzschreibtisch, sah in den Schubfächern nach und selbst in der Ablage hinter ihrem Schreibtisch, in welche sie fertige Arbeiten oder Problematiken sortierte, war leer. Nichts. Keine Aufgabe Lucifers... Das war wirklich seltsam. Etwas ratlos stand sie eine Weile vor ihrem Tisch, unschlüssig ob sie einfach nachfragen gehen sollte. Nach einigem Ringen entschied sie sich dafür, tatsächlich an das Büro des Teufels zu klopfen.
      Stille. Absolute Stille, kein Herein wie erwartet. Abermals klopfte sie und dennoch reagierte niemand. Tatsächlich war das Büro noch abgeschlossen. Lucifer war gar nicht da? Nun, das war ungewohnt. Sehr sogar. Nora wusste all seine Termine welche anstanden und meist sogar die Orte, an denen Lucifer sich mit extrem wichtigen Klienten oder Partnern zu treffen vermochte. Und sie hatte keinerlei Informationen seiner Abwesenheit. Zu spät würde dieses Wesen nie kommen, niemals. Allein der Gedanke käme Blasphemie gleich. Nora ließ ihre erhobene Faust wieder sinken. Ihr nächster Gedanke behagte sie nicht. Gab es Probleme? War wieder ein Regelverstoß der Territorien geschehen? Oder gar ein Zwischenfall? Solche Angelegenheiten regelte Lucifer meistens selbst und Nora biss sich kurz auf die Lippen. Sorge schwemmte ihr Herz. Ein solcher Zwischenfall würde tatsächlich Ärger bedeuten. Der Frieden zwischen Himmel und Hölle war gelinde gesagt sehr angespannt. Und eben diese Anspannung legte sich ebenso um ihre schmale Schultern, dass sie etwas zitternd ausatmete und sich dennoch mit ihrem lebensnotwendigen Kaffee vor dem Rechner fallen ließ.
      Erst jetzt fiel ihr ein verzierter Umschlag auf, welcher unter ihrer Tastatur lag. Ihr Vorname stand in überaus geschwungener Schrift darauf und sofort wusste sie, dass es die Schrift des gefallenen Engels war. Seine Handschrift war ebenso elegant wie sein ganzes Sein selbst. Hastig riss sie ihn auf und hob beide Brauen. Es stand nicht mehr als eine Uhrzeit und die Raumnummer ihres Konferenzsaales auf dem Papier, gezeichnet mit L. Jener Saal war ihr eigener, privater Meetingraum, in denen Lucifer nur die höchsten Tiere dieser Firma lud, wenn es um wichtige Angelegenheiten ging. Meistens hatte dies weniger mit der Firma und ihrer Aufgabe an sich zu tun, ein solches Meeting umfasste meistens die wahren Aufgaben der Morningstar. Jene Territorien und Machterweiterungen oder wirklich Probleme mit diversen Verstößen gegen den Friedenspakt mit den Engeln. Ein solches Meeting bedeutete immer Ärger. Immer, ausnahmslos und Noras Laune sank noch tiefer. Das war ja ein toller Start in die neue Woche, gleich mit Problemen dieser Höhe konfrontiert zu werden.

      Tatsächlich hatte die junge Schottin eine geschlagene Stunde Zeit gehabt, ehe das von Lucifer einberufene Meeting stattfand. Bereits zwei weitere Kaffee und einigen E-Mails welche sie beantwortete später, machte sie sich auf den Weg zu besagten Raum eine Etage unter ihrer. Sie erschien etwas überpünktlich, dabei bemerkte sie, wie auch viele der Firmenköpfe schon anwesend waren und rege Unterhaltungen führten, wozu sie einberufen wurden.
      "Hat man Sie davon unterrichtet, Miss Anderson?", fragte Belphegor, einer der höheren Dämonen, direkt nach als er die Menschenfrau bemerkte. Nora nahm in Seelenruhe platz, schüttelte jedoch verneinend den Kopf.
      "Ich habe ebenso wenig Kenntnis hiervon wie Sie.", antwortete sie höflich und etwas enttäuscht verzogen sich die schönen Züge des Dämons. Weshalb waren diese Männer und Frauen auch alle wie Models geformt? Diese Schönheit der Dämonen hatte Nora anfangs wirklich mehr als irritiert. Mittlerweile hatte sie sich irgendwie daran gewöhnt, dass diese Wesen alles andere als hässlich waren. Nunja, zumindest in dieser Form.
      "Es ist selten, dass Lucifer Sie nicht mit einbezieht...", stellte Marik fest, welcher sich eben dazugesellte und Nora neugierig beäugte. Jetzt, als ihr Chef noch nicht anwesend war, getraute sich wohl jeder einfach seinen wahren Namen auszusprechen oder gar den menschlichen Vornamen zu verwenden. Eine Angewohnheit der Dämonen, welche sie beinahe schon heuchlerisch machte, wenn man bedachte wie ehrerbietend sie sich schon verhielten wenn Lucifer allein den Raum betrat. Etwas verbissen über seinen unbrauchbaren Kommentar lehnte sie sich mit einem übertrieben freundlichen Lächeln zurück.
      "Mr. Morningstar wird schon seine Gründe haben, Sie sollten etwas Geduld beweisen.", erwiderte sie ehe Nora ihre Augen abwandte und schlichtweg ihre Zeit abwartete, die gegrummelten Worte Mariks dabei ignorierend. Bevor er jedoch weiter nachbohren konnte, obwohl der Rotschopf wirklich nicht mehr wusste als der Rest der hier anwesenden, öffnete sich abermals die Tür zum Konferenzsaal. Beinahe augenblicklich verstummten die regen Gespräche und wilden Vermutungen schlagartig. Als würde der Raum den Atem anhalten sah man dem Teufel bei seinem Eintritt zu. Zugegeben, Lucifer war durch und durch eine atemberaubende Erscheinung. Sein ganzes Sein konnte einem wirklich die Sprache verschlagen, sein Handeln ebenso wie seine samtene Stimme erledigten den Rest.
      Aufmerksam beobachtete Nora die Situation und ihr Blick löste sich von selbst von ihrem Chef und richtete sich mit einer Skepsis auf den dunkelhaarigen Mann, welcher ihm folgte. Auch er war adrett gekleidet, jedoch nicht in den cremigen Tönen wie sein Vordermann. Ein klassischer schwarzer Anzug gab dem Fremden nicht weniger eine Aura, welche Nora nicht unbedingt gefiel. Er war zweifellos ein Dämon. Mittlerweile konnte sie solche Dinge einfach erkennen. Die hochgewachsene Gestalt, die edlen jedoch ausdruckslosen Züge, das Haar um welches Frauen ihn selbst beneiden würden. Und zu guter Letzt die Augen, dessen Farbe sie dank ihrem eher hinten liegenden Platz nicht gut erkennen konnte. Sie würde meinen sie wären grün aber genauer beurteilen konnte sie es dennoch nicht. Kurz huschte ihr Blick zu ihren Kollegen, in deren Zügen sich plötzlich ein von Nora noch nie gesehener Ausdruck großen Unbehagens und etwas, das man mit Verachtung gleichsetzen konnte, breitmachte.

      Als Lucifer zu Sprechen begann fokussierte sich Nora ganz auf seine Worte, doch das Gesagte ließ sie mehr als sprachlos zurück. Wie bitte?! Er tat WAS?! Schockiert starrte Nora den gefallenen Engel an, als hätte dieser nun völlig den Verstand verloren. Das war doch nicht sein Ernst, oder? Das musste ein Scherz sein? Machte Lucifer überhaupt Scherze? Nora sah zu dem vorgestellten Nathaniel Morningstar. Moment, selber Nachname... Nora riss ihre Augen beinahe noch weiter auf. Moment, das konnte jetzt nicht wahr sein! Das war Lucifers... sein... Nein, das war unmöglich. Er hatte ein einziges Mal ihr gegenüber erwähnt, dass er Kinder hatte. Aber war das...? Nora blinzelte, noch immer nicht ganz begreifend was hier vor sich ging und fühlte sich förmlich betäubt in ihren Sinnen. Auch als Lucifer die sehr kurze Konferenz als beendet erklärte und sie entließ. Beinahe wie in Trance war sie mit auf den Weg, den Raum zu verlassen und gedanklich tatsächlich bei ihren Zigaretten, von denen sie wirklich eine gebrauchen könnte auf diesen Schock, als die samtige Stimme sie zurückhalten.
      "Bis auf Sie, Miss Anderson. Ich würde das Gespräch gerne in der oberen Etage fortführen.", wandte sich Lucifer an sie und langsam drehte sich der Rotschopf herum. Die Blicke der an ihr vorbeigehenden Dämonen ignorierte sie gänzlich. "Natürlich, Sir.", antwortete sie und verabschiedete sich von ihrer Nikotinpause. Die hellen Augen des Teufels lagen auf ihr und für den winzigen Bruchteil einer Sekunde meinte sie tatsächlich, so etwas wie Amüsement in ihnen aufblitzen zu sehen. Schweigend folgte sie ihrem nun Ex-Chef und seinem Nachfolger in den Fahrstuhl welcher sie wieder nach Oben brachte und ohne Umschweife schloss Lucifer sein..nein... nicht mehr sein Büro auf. Drinnen angekommen verwies er sie auf den Stuhl vor dem mächtigen Schreibtisch und folgsam nahm sie Platz, darauf wartend, was nun kommen würde. Dabei warf sie zum ersten Mal einen genaueren Blick aus der Nähe auf den Sohn des Teufels, der so ganz anders als sein Vater aussah. Selbst seine Haut wirkte einige Nuancen dunkler als das helle Weiß des Teufels. Man würde kaum meinen, sie wären verwandt. Selbst die Augen... Noch nie hatte Nora solche Augen gesehen, welche förmlich in dem grellen, giftigsten Grün leuchteten, welches sie je gesehen hatte. Lucifer schwieg jedoch noch, schien sie zu beobachten und sie kam nicht darum zu glauben, er würde sich lustig über sie machen. Ein Umstand, welcher ihr nicht gefiel. Sie mochte vielleicht nur eine einfache Angestellte sein aber dass er derart über ihren Kopf hinaus entschied, machte sie mehr als sauer.
      "Würden Sie mir endlich erklären, was das zu bedeuten hat, Sir?", fragte sie mit deutlich schärferen Unterton nach als beabsichtigt. Jeder andere würde sie als lebensmüde bezeichnen, derart mit dem Teufel zu sprechen. Glücklicherweise kannte dieser sie lange genug um mit ihrer Art zurechtzukommen. Beziehungsweise schien sie ihn jedes Mal zu amüsieren, wenn ihre doch etwas temperamentvollere Seite durchblitzte.
      "Ist das Ihr ernst? Sie wollen einfach so mit sofortiger Wirkung aufhören? Sie wissen schon, dass Sie es sind, mit dem wir Verträge geschlossen haben? Dass Sie es sind, welcher die aktuellen Projekte ins Leben gerufen hat und jetzt wollen Sie mir allen Ernstes weismachen, dass Sie einfach so verschwinden?! Mr. Morningstar, bei allem Respekt, das ist absolut verantwortungslos von Ihnen uns und der Firma, ebenso den Klienten gegenüber!", brach es aus der Schottin heraus und ihre Stimme war durch und durch aufgebracht. Natürlich war sie aufgebracht! Er konnte doch nicht einfach seine Firma so plötzlich jemand anderen in die Hände geben, der absolut keine Ahnung hatte. Nora klappte ihren Mund zu nachdem sie ihren Frust losgelassen hatte und kurz hämmerte ihr Herz nervös werdend in ihrer Brust. Es war noch immer ein unmenschliches Wesen, welches sie gerade zurechtgewiesen hatte. Zitternd atmete sie aus um sich zu beruhigen und legte sogar ihre Finger an beide Schläfen. Ihr kam keine eisige Wut entgegen, so viel spürte sie schon einmal. Er würde sie nicht für diese Worte ins Fegefeuer werfen...hoffentlich.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

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    • Naevius Nathaniel Morningstar
      Die Ansprache seines Vaters - wenn man diese denn nun wirklich so bezeichnen wollte - fiel nicht gerade zu Naevius Überraschung sehr kurz und endgültig aus. Eine Herangehensweise über die Köpfe aller Anwesenden hinwegzusehen, die sein Sohn absolut von ihm gewöhnt gewesen ist. Was Lucifer bestimmte, das war nun einmal auch Gesetz. Und offensichtlich machte es keinen Unterschied, ob es dabei um die Strafe eines Junghundes aus Sharars Pack ging, oder die offizielle Leitung seiner Firma. Und dennoch fielen dem schwarz-haarigen die entgleisten Blicke und das Entsetzen auf. Selbstredend wird viel dazu beigetragen haben, dass er nun einmal der Verräter vom Dienst für die Anwesenden hier gewesen ist. Doch er kam nicht drum herum auch einfach allgemeines Entsetzen wahrzunehmen über diese Entscheidung. Gab er sich hier in der Menschenwelt doch ein wenig anders, als er es in der Hölle tat? Ein Gedanke, den Naevius in der Sekunde, in der er ihm gab sofort verbannte. Das interessierte ihn im Grunde nicht im Geringsten.
      Unbeeindruckt wartete er, bis diese lästige Prozedur ein Ende fand und als er die Gesellschaft auflöste, dachte auch der schwarz-haarige es wäre nun vorbei gewesen. Ein Irrtum, wie sich herausstellte, als sein Vater eine Frau der Runde noch aufhielt. Bereits in diesem Moment war Naevius linde gesagt ein wenig perplex. Ein Mensch. Sie ist ganz unverkennbar ein Mensch gewesen. Was tat sie in diesen Reihen? War sein Vater tatsächlich tief genug in dieser Welt gesunken, dass er sich eine Sterbliche in seinen engsten Kreis genommen hat? Diese Vorstellung allein ließ ihn bereits angewidert die Nase rümpfen. Doch die Wahrheit ist ja sogar noch viel schlimmer gewesen. Lucifer führte sie beide in sein Büro und wies das Menschenmädchen direkt auf den Stuhl vor dem Schreibtisch an. Und mit einer Selbstverständlichkeit, von der er genau wusste, dass er seinem Vater damit den Verstand rauben musste, ging Naevius selbst sehr zielstrebig auf den Chefsessel zu und ließ seinen Körper schwer hinein fallen. Respektlos wie er gewesen ist streckte er seine Beine aus und vergrub die Hände in den Taschen seiner Anzughose, während seine desinteressierten Augen zu seinem alten Herrn sahen. Dem Menschen maß er keinerlei Beachtung zu. Erst, als sie den Mund aufmachte und die Worte anfingen von ihren Lippen zu purzeln als wäre sie innerlich einfach explodiert hob er irritiert eine Augenbraue und vergönnte dem niederen Ding einen Blick seiner giftgrünen Augen. Was hatte sie da gerade gesagt? Lucifer erwiderte im ersten Moment nichts, sondern ließ einen belustigten Ton verlauten, fast wie ein kurzes auflachen. "Oh Nora, so lange arbeitest du nun schon für mich und dennoch hast du die Meinung mich umstimmen zu können nachdem ich eine Entscheidung getroffen hatte? Ich muss ja ein schrecklich nachsichtiger Chef gewesen sein." ... Nun verengten sich die Augen von Naevius und sein Blick schwenkte perplex zu seinem Vater. So viele Dinge an dieser kurzen Aussage verwirrten ihn in diesem Moment schlimmer, als er es zugeben wollte. Zum einen das Abfallen jeder Höflichkeitsform. Zum anderen die Nutzung ihres Vornamens. War das sein verfluchter Ernst? War der Grund für seinen Abtritt, dass er senil wurde auf seine alten Jahre?
      Sollte Naevius ihn vielleicht darauf hinweisen, dass das ein Mensch gewesen ist? Wusste er es nicht mehr? Der Blonde schüttelte leicht den Kopf. "Nein Liebes, meine Hintergedanken sind kein Ort, an den du dich anmaßen solltest Zutritt zu verlangen. Das habe ich anscheinend nicht ausreichend geschafft dir beizubringen in unserer gemeinsamen Zeit." Seine Stimme verblieb in einem recht freundlichen Ton doch entschwand gänzlich die Wärme darin in der Mitte seiner Aussage. "Ich vertraue darauf, dass du ihn gut einweisen wirst. Arbeite ihn in alle laufenden Projekte ein und erkläre ihm alle Sicherheitsschlüssel. Dann-"
      - "Wenn ich Euch beide an etwas erinnern dürfte.", mischte sich Naevius in der Sekunde ein, in der er begriff, was sein Vater hier tat. Er würde sicherlich nicht dabei zusehen, wie er ganz gezielt versuchte ihn zu demütigen, indem er diesem Menschen mit genug Respekt begegnete sie beim Vornamen zu nennen und ihn, einen Dämonen und obendrein seinen Sohn lediglich als er zu bezeichnen, als wäre er ein Niemand. Seine Stimme war dabei lethargisch wie eh und je, in seinen Augen blitzte jedoch ein Funke, der sehr deutlich an Lucifer gerichtet gewesen ist. "Die Herrschaften befinden sich hier in meinem Büro. So fern die Anwesenden noch nicht fertig sind ihre Angelegenheiten zu besprechen, die Tür ist unmittelbar hinter Ihnen. Sie werden sicherlich einen geeigneteren Ort für diese Auseinandersetzung finden, wenn mein Vorgänger nicht in der Lage gewesen ist die Zeit seiner Herrschaft zu nutzen um solcherlei Debatten zu klären." Nun war es Lucifer, der seinen Blick langsam zu seinem Sohn wendete. Er hatte sich nicht einmal aufgesetzt. Noch immer saß er wie gehabt in seinem Stuhl und erwiderte den Stechenden Blick des Teufels selbst, ehe sich ein Lächeln auf den Lippen des Blonden bildete. Ein Lächeln, das sofort die Temperatur im Raum senken konnte. "Aber natürlich. Wie anmaßend von mir." Damit warf er dem Menschenweib noch einen letzten Blick zu und nickte ihr zu. "Ich wünsche viel Erfolg, Nora." Und damit nahm er nicht die Tür, wie sein Sohn ihn angewiesen hat. Er verabschiedete sich nicht. Auf der Stelle, wie er war sprang er über zurück in die Dämonenwelt und in dem großen Büro verblieben nur noch die rot-haarige und Naevius. Ein Umstand, den der Dämon hervorragend zu ignorieren wusste. Ohne auch nur ein letztes Wort an die Frau zu richten schaute er regelrecht nach einer Unterhaltung suchend auf den Schreibtisch und nahm sich recht willkürlich eine Akte in die Hände, die dort herum lag. Jedoch gab er nicht gerade Mühe sie sich tatsächlich durchzulesen.

    • Nora J. Anderson

      Passierte das eben wirklich? Es geschah doch, oder? Sie träumte nicht, das geschah wirklich. Nora hatte ein einziges Wort in ihren Gedanken: Surreal. Egal, dass sie gerade vor Wesen saß, welche genau genommen gar nicht existieren dürften, egal dass sie eben den Teufel gescholten hatte. Alles war egal, einzig diese Situation war derart unnormal und unangenehm für sie, dass die Schottin ihre Wut über dieses ganze Dilemma geradezu offen in ihre Arme schloss und an sich klammerte.
      "Oh Nora, so lange arbeitest du nun schon für mich und dennoch hast du die Meinung mich umstimmen zu können nachdem ich eine Entscheidung getroffen hatte? Ich muss ja ein schrecklich nachsichtiger Chef gewesen sein." Bitte? Nora starrte Lucifer mit leicht zusammengekniffenen Augen an. Eigentlich dachte sie, dass sie lange genug an der Seite des Teufels verweilt hatte, um zu wissen, dass er solche kopflosen Entscheidungen nicht einfach so traf. Aber das tat er. In dem Moment, wo er zwar sanft aber dennoch durch und durch bestimmt mit ihr sprach und ihr den Standpunkt klarmachte, in dem sie sich gerade befand, presste sie kurz die Lippen zusammen. Der Rotschopf musste sich wirklich beherrschen, auf die klaren Worte des Blonden nichts zu sagen. Egal welchen Kommentar Nora gerade auf der Zunge liegen hatte, sie schluckte ihn hinunter. Sie kannte den Unterton in der eigentlich recht freundlichen Stimme Lucifers. Er sagte ihr sehr deutlich, dass sie nicht widersprechen sollte. Und zugleich bekam sie ihre Strafe für ihr Aufbegehren im Handumdrehen. Die dezente Kritik, sie habe noch nicht genug gelernt, war für Nora tatsächlich eine härtere Strafe als wenn er sie angeschrien hätte. Doch Lucifer erhob nie seine Stimme. Niemals. Und genau das war das Gefährliche an diesem Mann. Einen Moment hielt sie den hellen Augen Satans stand, welche an den klaren Himmel eines eisigen Wintermorgens erinnerten. Doch schließlich senkte sie ihre Augen und schwieg, wie er es von ihr verlangte. Sie wusste sehr wohl, dass egal was sie tat oder sagte, er würde das tun was er wollte. Und er würde sie über das imaginäre Spielfeld bewegen wie er wollte. Sie war nicht mehr als das schwarze Pferd des Schachspieles, der Springer. Und jetzt erwartete er von ihr, einen anderen König zu schützen. Noch während sie sich in ihren Gedanken Notizen machte, was sie Nathaniel alles zubringen müsste und welche wichtigen Akten er benötigen würde, wurden Lucifer und Nora unterbrochen. Von eben jenen dunkelhaarigen Sohn, der ihr für diesen Moment wirklich die Sprache raubte. Nora wusste, dass sie sich ja schon extrem viel herausgenommen hatte, ihrem Herrn zu widersprechen, bei dem sie unter Pakt stand. Aber sein eigener Sohn hätte nicht respektloser sein können. Sie wagte es, ihn sogar als schlichtweg dreist zu betiteln. Verwies er gerade seinen eigenen Vater und den Teufel aus seinem Büro? Dem Büro in dem er gerade mal fünf Minuten saß? In einer Firma, von der er keine Ahnung hatte? War das sein scheiß ernst?! Beinahe entgeistert sah sie zwischen den beiden Männern hin und her. Eine unangenehme Gänsehaut kroch ihre Arme hinauf und breitete sich über ihren gesamten Rücken bis zur Kopfhaut aus, als Lucifer lächelte. In dem Moment wurde ihr klar, dass die Hölle sehr wohl gefrieren konnte. Alleine durch dieses Lächeln. Der Teufel war....angepisst. Nora unterdrückte nur mühsam ein Schaudern und wünschte sich instinktiv einfach sehr weit weg. Weg von diesen Dämonen, bei denen sie wirklich nicht einschätzen konnte, ob beide sich gleich gegenseitig meucheln würden oder nicht. Diese enorme Anspannung in der Luft sprach mehr über die Beziehung dieser beiden als ihr wohl jeder hätte erzählen können. Mit einem letzten "Ich wünsche viel Erfolg, Nora." verschwand ihr eigentlicher Boss einfach. Und noch ehe ihr Verstand begreifen konnte, dass der Teufel gerade dieser Welt entschwunden war, starrte sie einige Momente perplex auf die Stelle. Es kam selten vor, dass Lucifer seine Fähigkeiten wirklich offen zeigte. Obwohl sie sich seiner Existenz wohl bewusst war und auch durchaus die Erfahrung mit einem rasenden Dämon hinter sich hatte, so schien Lucifer noch den Teil zu wahren, welcher zu seinem Leben in der Menschenwelt gehörte. Nachdem sie begriffen hatte, dass er sie tatsächlich zurückgelassen hatte, blinzelte sie ungläubig. Um schließlich zurück zu dem neuen CEO zu sehen. Dieser besaß nicht einmal den Anstand, sie anzusehen geschweige denn mit ihr zu sprechen. Stattdessen blätterte er wahllos durch eine Akte, welche er nicht einmal verstehen dürfte, da ihm jegliche Hintergrundinformationen fehlten. Unter Schock wartete Nora tatsächlich einige Minuten darauf, dass endlich das eisige Schweigen bräche. Doch dem war nicht so. Offenbar war alles interessanter als sie in diesem Moment. Und genau das war der symbolische Tropfen, der das angespannte Fass in ihr wirklich zum überlaufen brachte.
      "Oh wow...", kommentierte sie trocken, schnaubte leise und lehnte sich nun selbst mit verschränkten Armen und überschlagenen Beinen in ihrem Stuhl zurück. Mit einer gehobenen Braue sah sie auf die Akte welche er hielt. Natürlich wusste sie, welches Projekt dies war. Sie hatte diese Akte bereits selbst geprüft und abgefertigt gehabt. Dennoch, es ging gerade weniger um die Arbeit. Mehr um den Umstand, dass man hier offenbar einfach sie weitergereicht hatte, als wäre sie ein Gott verdammter Gebrauchtwagen. Und auch noch an jemanden, der offensichtlich absolut keinerlei Interesse daran hegte. Er hob nicht einmal seinen Blick.
      Mistkerl, schoss es Nora durch den Kopf und sie biss sich wirklich hart auf die Zunge, um dies nicht laut auszusprechen. Tief durchatmend beruhigte sie sich soweit, dass sie ein beinahe schon zu perfektes Lächeln auflegte, was im sehr krassen Gegensatz zu ihrer inneren Aufruhr stand.
      "Bevor Sie sich mit dieser Akte auseinandersetzen, Sir, wäre es eventuell vom Vorteil zu wissen, was wir hier eigentlich tun. Möchten Sie, dass ich es Ihnen erkläre?", erhob sie schließlich ihre Stimme und war froh, dass diese sogar fest und sicher in ihren Ohren klang. Und vor allem ohne die Spuren der Wut, welche in ihr tobte. Ja, sie würde selbst beinahe meinen, sie würde fast freundlich klingen. Aber eben auch nur fast. Sie faltete ihre Hände brav in ihrem Schoß zusammen und sah einfach abwartend zu ihrem neuen Boss. Einem völlig ungelernten CEO eines internationalen Multimilliarden-Unternehmen. Nora ahnte bereits jetzt, dass nicht nur dieser Tag sehr lang werden würde.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

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    • Naevius Nathaniel Morningstar
      Die Akte, die er in den Händen hielt, interessierte den schwarz-haarigen wirklich sehr wenig. Noch weniger allerdings der Wurm in seinem Büro. Daher gab er sich mit dem zufrieden, was er bekam und schaute sich einfach die Zahlen darauf an. Ganz vorne gab es eine Art Deckblatt, auf dem der Name des Projektes aufgeschrieben stand. Nicht, dass ihm das oder die Zahlenfolge darauf etwas gesagt hätte. Anschließend folgten mehrere Seiten mit Zahlentabellen und noch eine Zusammenfassung in einem Diagramm und ganz hinten schien der Schriftverkehr zu dieser Angelegenheit vermerkt zu sein. Auch hier überflog er die Zeilen mehr, als das er sie tatsächlich konzentriert aufnahm. Das Menschenmädchen hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich geschafft zu verdrängen und auszublenden. Eine Situation an der er nicht bereit gewesen ist etwas zu ändern. Allerdings hatte die rot-haarige sehr offensichtlich andere Pläne. Sie meldete sich zu Wort und veranlasste Naevius dazu über die Akte hinweg zu ihr herüber zu sehen. Das Lächeln auf ihren Lippen sprach noch recht deutlich von ihrem angekratzten Stolz. Doch es interessierte Naevius herzlich wenig.
      "Ich wüsste nicht in welcher Form ein Mensch mir von Vorteil sein sollte.", war sein einziger Kommentar. Nicht allerdings zu ihren Worten, sondern zu ihrer Existenz selbst. Damit blickte er auch einfach wieder auf seine Akte und genau genommen ist für ihn diese Situation auch geklärt gewesen. Er sah keinerlei weitere Begründung darin sich mit ihr zu beschäftigen und erwartete auch, dass sie nun endlich sein Büro verlassen würde. Doch anscheinend war sie noch nicht ganz fertig. "Verzeihung?!", kam es sehr spitz und komplett entgeistert von ihren Lippen, was Naevius bereits ein wenig genervt schnauben ließ. Er verdrehte die Augen, schmiss die Akte zurück auf den Tisch und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, sie regelrecht festnagelnd mit seinen Augen. "Hab ich das Alter falsch eingeschätzt, mangelt es am Hörvermögen? Raus.", sagte er nun sehr deutlich und deutete mit dem Kopf auf die Tür. Das brachte das Fass anscheinend zum Überlaufen bei dem kleinen Menschen und sie startete eine Tirade, bei der Naevius sich fragte, ob sie überhaupt Luft holte. Sie platzte regelrecht und trug ihm in ihrer ganzen Aufgebrachtheit alles vor. Ob das sein Ernst gewesen ist, was sich Lucifer dabei gedacht hat einen solchen Nichtsnutz als seinen Nachfolger zu ernennen, ob er überhaupt wisse wie viel Arbeit sie für die Firma erledigte und dass er ohne sie niemals auch nur einen Fuß wird in die Geschäfte setzen können.
      So oder so ähnlich, Naevius machte sich wirklich nicht die Mühe ihr aufmerksam zuzuhören. Seelenruhig saß er da und ließ sie einfach explodieren, ihren Frust herauslassen. Ihm war es egal. Er würde ohnehin dieses Büro und diese Welt verlassen, so schnell er konnte. Da passte ihm ihr Ausbruch tatsächlich sogar ganz gut. Immer und immer wieder betonte sie ihre hervorragende Arbeit. "Du willst also arbeiten. In Ordnung. Du willst, dass ich dich ernst nehme. Mhm. Verstanden. Na dann." Komplett komplexlos erhob er sich von seinem Stuhl, nahm alle Akten, die auf dem Schreibtisch lagen, sodass seine Arme regelrecht voll gewesen sind und ging zu der Dame vor dem Schreibtisch hin. Kommentarlos schmiss er ihr die Arbeit in den Schoß. "Wir werden sehen, wie gut du deine Arbeit machst." Und damit ließ auch er sie einfach in dem Büro zurück. Er machte sich wirklich keinerlei Mühe auch nur einen Moment länger in dieser Welt auszuhalten.

    • Nora J. Anderson

      Es reichte ihr tatschlich ein einziges Wort, dass Nora sich so sehr beleidigt fühlte, wie in ihrem ganzen Leben noch nicht. Mensch. Ein Wort und trotzdem konnte sie die Verachtung förmlich greifen. Als wäre sie nicht mehr als Dreck an seinem Schuh, welcher im lästig wurde. Das hatte er gerade nicht wirklich gesagt, oder?
      "Verzeihung?!", entkam es ihr bissig und sie konnte ihre Empörung und auch den verletzten Stolz nicht zur Gänze verbergen. Genau genommen hörte sie selbst diese Emotionen nur zu deutlich aus ihrer eigenen Stimme heraus. Dieser Mistkerl wagte es sogar, einfach zu schnauben und die Augen zu verdrehen als wäre sie ein kleines Kind, für das er keine Geduld übrig hatte. Nora wusste ja, dass sie ihn nicht leiden konnte. Von dem Moment als er den Konferenzsaal betreten hatte. Aber jetzt war sie sich sicher, dass sie diesen arroganten Dämon absolut nicht ausstehen konnte. Und das sollte ihr neuer Chef sein? Wie hatte Lucifer ihr das antun können?! Oh, wenn sie jemals die Gelegenheit bekäme würde sie dem Teufel wortwörtlich die Hölle heiß machen für seinen perfiden Spaß, den er sich erlaubt hatte. Die Schottin kochte förmlich und versuchte beinahe krampfhaft, ihr Temperament zu zügeln welches in ihren Adern pulsierte. Leider wusste ihr Gegenüber offenbar sehr gut mit welchen Worten er ihre sehr dünne Geduldsspanne zum reißen bringen konnte. Tatsächlich versuchte er sie sehr deutlich hinauszuschmeißen. Sie. Sie! Nora brauchte einen kurzen Moment um zu realisieren, wie herablassend sie schon behandelt wurde. Aber nicht mit ihr, oh nein. Sie hatte nicht umsonst die Jahre hier verbracht und ihren Namen gegen jeden einzelnen Dämon verteidigt, der meinte sie würde nichts taugen. Sie hatte selbst den Engeln den Kopf gewaschen welche sie spöttisch als Hund bezeichneten. Aber das... Das war jetzt eindeutig zu viel für sie und ihre Geduld verabschiedete sich mit hämischen Lachen gänzlich.
      "Wollen Sie mich gerade verarschen?", entkam es ihr mehr als direkt aber nun hatte sie keine Lust mehr darauf, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. "Ich fasse es nicht, dass ausgerechnet Sie jetzt als Kopf einer derart wichtigen Firma dienen soll! Was hat sich Lucifer dabei gedacht, jemanden mir vorzusetzen, dem einfach alles egal ist! Das ist eine Frechheit! Sie wissen nicht wie lange ich meinen Job hier schon mache, wie viel ich von Ihrem Vater gelernt habe. Ich bin die verfluchte rechte Hand des Teufels gewesen und auch nicht umsonst. Keiner wird Ihnen dabei helfen können, hier Fuß zu fassen, wenn Sie mich als Witzfigur hinstellen. Keiner! Sie verstehen offenbar gar nichts von dem, was wir hier leisten. Was ich hier leiste! Und ich mache einen verdammt guten Job, nur dass Sie es wissen. Sie werden mich brauchen um in irgendeiner Form hier weiterzukommen, das verspreche ich Ihnen. Sie tauchen einfach hier auf, setzten sich in diesen Stuhl und meinen, Ihnen gehöre jetzt die Welt. Aber so ist das nicht, Mr. Morningstar! So ist es ganz bestimmt nicht. Und ich hoffe, dass Sie es schnell genug begreifen werden und endlich schätzen lernen, was meine Arbeit und meine Expertise in diesem Unternehmen bedeutet." Nora holte nicht einmal Luft als all diese Worte aus ihr herausbrachen und sie nur mit Mühe ihre Höflichkeit behielt. Sie atmete schwer und ähnlich wie bei Lucifer wurde ihr schmerzlich bewusst, was sie gerade alles gesagt hatte und vor allem zu wem. Oh Fuck... Wer sagte ihr denn, dass dieser Nathaniel sie am Leben erhalten würde? Sie würde definitiv im Fegefeuer landen und hatte nicht einmal ein Testament aufgesetzt... Oder ihr Projekt beendet. Doch entgegen der panischen Gedanken, welche sie sich machte und den angespannten Muskeln ihres Körpers- bereit zu fliehen wenn notwendig- geschah...nichts dergleichen.
      "Du willst also arbeiten. In Ordnung. Du willst, dass ich dich ernst nehme. Mhm. Verstanden. Na dann." Das war alles. Nur diese ausdruckslosen Worte und plötzlich füllte sich ihr Schoß mit allem, was auf Lucifers Schreibtisch gelegen hatte. Er schmiss ihr einfach allen auf ihren schwarzen Bleistiftrock und besaß die Frechheit, ähnlich wie sein Vater einfach zu verschwinden. Zu verschwinden! Nora starrte entgeistert auf die Stelle wo dieser unausstehlicher Mistkerl soeben noch gestanden hatte. Er hatte sie jetzt nicht allen Ernstes alleine gelassen, oder?!

      "Das soll doch wohl ein Witz sein...", entkam es ihr wirklich platt. Das...war jetzt wirklich zu viel. Sie hatte alles erwartet. Dass er sie anschreien würde, dass er ihr drohen würde oder einfach eisig reagiert und sie rausschmiss. Aber nicht, dass sie nun mit all dieser Arbeit vollkommen alleine gelassen wurde. Nora wusste nicht, wie viele Minuten sie hier saß und einfach versuchte zu begreifen, was soeben geschehen war. Irgendwann stapelte sie die Papiere ordentlich, erhob sich und schritt gleich einer Trance aus dem Büro um alles auf ihrem Schreibtisch abzulegen. Ihre erste Handlung war tatsächlich einfach ihre Zigaretten zu greifen und die nächsten zehn Minuten auf dem Plateau zu verbringen. Sie brauchte dringend das Nikotin um sich selbst zu beruhigen und die kalte Luft um einen klaren Kopf zu bekommen. Das war ihr wirklich zu viel und verrückter ging es nicht mehr. Das Problem war, dass die Arbeit von ihr bereits mehr als zehn Stunden in Anspruch nahm. Lucifers Arbeit war noch einmal dieselbe Menge und sie wusste nicht, wo und wie sie beginnen sollte. Fast schon verzweifelt zerwühlte sie ihr tiefrotes Haar und sah anklagend in den Himmel, als könnten ihr diese Bastarde dort oben helfen. Albern, das wusste Nora. Aber ihr war klar, dass wenn es einen Gott gäbe- und wie sie von Lucifer erfuhr gab es definitiv einen- so hasste er die junge Frau. Hundert Prozentig! Er musste sie hassen um sie in diesen Schlamassel zu stürzen. Zähneknirschend drückte sie den Glimmstängel aus und atmete tief durch, um sich selbst zu strukturieren. Sie musste sich ein System anlegen mit dem sie die Massen bewältigen würde. Und sie dürfte vor allem keine Fehler machen, jetzt wo die gesamte Verantwortung auf ihren viel zu schmalen Schultern lastete. Nora hoffte inständig, dass ihr neuer Chef bald zurückkehren würde. Vielleicht wollte er ihr nur eine Lektion erteilen und käme morgen wieder...

      Noras Hoffnung war jedoch unglaublich naiv, wie sie erfuhr. Der erste Tag war bereits mehr als nervenaufreibend und Nora hatte es erst um drei Uhr nachts aus der Firma geschafft. Nur damit sie um sieben bereits in dem Büro über liegen gebliebenen Emails brütete und die neuen Projekte durchging, die Aufgaben an die jeweiligen Abteilungen weiterleitete und die Telefonate mit den Klienten führte. Sie musste die dutzenden Projekte jede einzeln bearbeiten, sie korrigieren wenn sie von den anderen Angestellten bei ihr abgegeben wurden und der Stapel an jenem, was der CEO absegnen musste, wuchs. Genauso ihre Augenringe. Nora wusste schon gar nicht mehr, wie ihre Wohnung aussah. Sie hatte ein nächstliegendes Hotel gebucht um wenigstens Duschen zu können, die zwei Stunden die sie effektiv schlief waren kaum eine Erwägung wert. Sie aß nur selten, meistens etwas Fertiges nebenbei und ernährte sich mehr von Kaffee und Zigaretten als von allem anderen. Telefonate und Überprüfungen wurden neben Kippe und Kaffee gehändelt, während sie den Rest des Tages sich tief in den wachsenden Berg Arbeit vergrub. Und gleich wie viel sie tatsächlich zu schaffen schien, es kam stündlich etwas neues dazu.
      Bereits drei Tage waren vergangen und Nora fühlte sich, als hätte sie drei Wochen durchgearbeitet. Schwach und deutlich übermüdet erschien sie am vierten Tag im Büro und machte sich wie gewohnt an ihre Arbeit mit einem dreifachen Espresso bewaffnet. Ihr Gesicht war bleich, ihre Augenringe mittlerweile so dunkel, dass sie wohl eher wie ein Dämon aussah. Zumindest fehlten ihr die menschlichen Züge beinahe vollständig. Damit nicht genug wurde ihre Tür unsanft aufgestoßen und ein mehr als wütender Belphegor trat auf sie zu. Na herrlich, das hatte ihr noch gefehlt.
      "Ich habe ja versucht, geduldig zu sein, Miss Anderson. Wirklich. Aber langsam glaube ich, dass Nathaniel mich verarschen will! Ich habe vorgestern die Unterlagen für einen extrem wichtigen Klienten bei Ihnen abgegeben und sie noch immer nicht abgesegnet zurück! Verflucht, wo steckt dieser Mistkerl? Der Auftrag steht auf dem verdammten Spiel und wenn ich nicht binnen eines Tages endlich die Zustimmung habe können wir das Projekt vergessen!", blaffte der Dämon auch sogleich ohne Gruß oder dergleichen. Belphegor kochte förmlich und Nora konnte es ihm nicht einmal verübeln, jedoch wurden ihre Kopfschmerzen umso stärker durch seine erhobene Stimme.
      "Wie ich schon sagte, ich weiß nicht wo Mr. Morningstar ist und bräuchte habe selber zig Unterlagen und Verträge, die auf seine Unterschrift warten.", entkam es ihr mehr als erschöpft und sie rieb sich über ihr Gesicht. Belphegor schien jedoch an seinem persönlichen Limit angekommen zu sein.
      "Es ist mir scheißegal, ob Sie wissen wo er steckt oder nicht! Sie sind die verfluchte Sekretärin des Teufels also bewegen Sie sich, dass er endlich hier aufkreuzt!" Nora zuckte nicht bei seinen lauten Worten. Sie nahm sie kaum richtig wahr und seufzte nur tief.
      "Hätte ich die Möglichkeit würde ich es tun. Halten Sie einfach den Klienten eine Weile hin oder überlassen Sie mir die Handhabung mit ihm. Ich werde es ihm erklären und Ihnen bis nächste Woche eine Frist verschaffen.", entgegnete sie nur und Nora wusste, dass dieses Telefonat ihr die Nerven rauben würde. Nicht, dass viel von ihren Nerven übrig war. Die ganze Firma war aufgebracht über Nathaniels Verhalten und offenbar schien er auch nicht gerade ein beliebter Dämon. Das konnte sie sogar gut nachvollziehen.
      "Typisch für einen Köter, immer seinem Herrchen loyal was?" Noras Augen verengten sich beinahe sofort bei der leisen und doch sehr beleidigenden Bemerkung. Doch setzte sie nur ein Lächeln auf. "Nun, dieser Köter sorgt gerade dafür, dass nicht alles den Bach runtergeht. Und jetzt verschwinden Sie aus meinem Büro, ich habe zu tun.", erwiderte sie kalt und sah nur zu gut, wie die Braue des Dämons zuckte. Er musste sich dem fügen, ob er wollte oder nicht und mehr als sauer stampfte er aus ihrem Büro. Aufatmend lehnte Nora ihren Kopf zurück und bedeckte kurz ihre Augen mit beiden Händen. Ihr war schwindelig und sie brauchte dringend eine Nacht mit mehr als zwei Stunden Schlaf. Und vielleicht etwas zu Essen, etwas anständiges und keine Fertigsandwiches und Instantnudeln. Gerade als sie mit Wehmut an ihr warmes Bett dachte nahmen ihre Augen wahr, wie jemand aus dem Nichts in diesem Büro erschien. Nathaniel Morningstar war tatsächlich wieder hier. Augenblicklich schwand ihre Erschöpfung und absolute Wut breitete sich in ihr aus, als der Schwarzhaarige ganz nonchalant nach jenem großen Stapel griff, welcher zum Absegnen bereit lag.
      "Sieh an, willkommen zurück, Sir.", entkam es ihr mehr als zynisch und sie versuchte nicht einmal ihr Missgefallen zu verbergen. Doch die giftgrünen Augen sahen nicht einmal zu ihr als er sich bereits wieder umdrehte. Ungläubig weiteten sich ihre Augen.
      "Nein, Sie denken nicht allen Ernstes, wieder zu gehe-!", setzte sie bereits zum Protest an doch zu spät. Sie hatte nicht einmal ausgesprochen da war er auch schon wieder verschwunden.
      "Ist das Ihr verfickter Ernst?!", brüllte sie in das leere Büro. Er ließ sie abermals alleine?! Sollte das für immer so weitergehen? Was dachte er sich dabei?! So konnte er keine Firma führen. Und sie würde wohl nicht einmal das Wochenende überleben, das war auch für die Schottin einfach zu viel Arbeit. Viel zu viel und sie war keine verdammte Maschine.
      "Sie sind ein Mistkerl...", entkam es ihr beinahe wimmernd als sie ihre unkontrollierten Emotionen hinausließ und ihr sogar Tränen in die Augen stiegen. Ewig Zeit hatte sie jedoch nicht mehr, sich darüber aufzuregen, als das Telefon wieder zu klingeln begann.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
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    • Naevius Nathaniel Morningstar
      Unglaublich, wirklich. Wieso um alles in der Welt sollte auch nur ein Dämon auf den Aufenthalt in der Hölle freiwillig verzichten, um in diesem Drecksloch der Menschenwelt zu verweilen. Absurd. Durch und durch absurd. Er hatte tief aufgeatmet und Erleichterung ergriff ihn, als er die Menschen zurück gelassen hatte und auf diesen ekelhaften Ausflug brauchte er erst einmal einen Moment der Ruhe. Und es ist tatsächlich nur ein Augenblick für ihn gewesen. Er hatte gerade die Tür seines eigenen Anwesens passiert und sich in einen Sessel geworfen, um die Augen zu schließen, als die Nachrichten eintrudelten. Ein Dämon nach dem nächsten sendete ihm in die Dämonenwelt Bitten, Vorwürfe und Fragen. Einer nach dem anderen kam in seinem Kaminfeuer bei ihm an und genervt stöhnend rieb er sich mit beiden Händen das Gesicht. Was für eine Scheiße. Was wollten die denn von ihm? War die Firma wirklich dermaßen schlecht geführt, dass die kurze Abwesenheit des CEOs bereits solches Chaos auslöste. Das sollte der ganze Stolz seines Vaters sein? Ein Imperium, das wie ein Kartenspiel zusammenbrach? Genervt erhob er sich wieder und schnaufte. Nach einem kurzen Moment der Überwindung sprang er zurück in das Drecksloch, dieses Mal direkt im Büro.
      Direkt stürzte die Menschenfrau auf ihn zu, doch Naevius hatte für heute wirklich die Schnauze voll von dieser nervtötenden Stimme und ihrem Gehabe, sodass er sich nur mitnahm, was auf dem Schreibtisch lag und sprang auch augenblicklich wieder zurück vor das Büro seines Vaters in der Hölle. Da seine Arme voll gewesen sind trat er einfach gegen die Tür, um zu klopfen und öffnete sie mit dem Ellbogen. "Ach. Der Sohn.", wurde er nur abschätzig und mit einem nahezu genüsslichen Grinsen begrüßt. "Vater.", war die ebenso kalte und unpersönliche Antwort, als er auf den schweren Holzschreibtisch zutrat hinter dem der blonde Mann saß. Kommentarlos schmiss sein Sohn ihm die Akten auf den Schreibtisch. "Deine Arbeit ruft." Sehr aufmerksam sah Lucifer auf die Akten, die sich auf seinem Tisch stapelten und hob erst nach einer ganzen Weile langsam wieder den Kopf und lehnte sich zurück. "Verzeihung? Mir ist du hättest da etwas missverstanden, mein lieber Sohn. Mir war als hättest du mich vor keiner allzu langer Weile aus deinem Büro gebeten." Seine Stimme triefte vor Erhabenheit. Der selben Erhabenheit, die Naevius normalerweise verabscheute. Doch in diesem Moment hatte er keine Zeit irgendeine Form der Abscheu zu empfinden. Denn seine Worte verwirrten ihn. "Ja.", sagte er. "Ich soll dich vertreten in der Firma, bis du dein Gesicht wieder zeigen wirst." - "Habe ich das gesagt?" - "Du hast gesagt ich soll dich ablösen."
      - "Exakt.", nickte der Mann und schob die Akten wieder in die Richtung des komplett entgeisterten Naevius. "Und du hast mich auch ganz hervorragend abgelöst. Es ist schön, wie wohl du dich gleich in deinem Büro gefühlt hast." Er lehnte sich wieder zurück, überschlug die Beine und lächelte entspannt. Das war die Sekunde in der es Naevius dämmerte. Sein Herz setzte einen Moment aus und seine Augen verengten sich. Erschrocken wich er regelrecht einen Schritt zurück. "Du Bastard...", kam es fast hauchend über seine Lippen. "Du machst wohl hoffentlich Scherze." Ohne auf diese Worte einzugehen - wobei, Naevius war, als würde er ein kurzes amüsiertes Schnauben vernehmen - beugte Lucifer sich zu einer seiner Schubladen und zückte einen Vertrag hervor, den er genüsslich wieder an seinen Sohn reichte. "Sharars Bruder wird leben. Das war die Bitte, die du an mich herangetragen hast. Und der Preis dafür war...-"
      "Die Ablösung Lucifers als CEO der Morningstar...", unterbrach Naevius, indem er es selbst noch einmal las. Panik machte sich in ihm breit, die es in Form seiner rastlosen Augen auch schaffte an die Außenwelt zu gelangen. Immer und immer wieder las er sich den gesamten Vertrag durch, auf der Suche nach irgendeiner zeitlich begrenzten Klausel. Doch es gab keine. Es gab auch keine Absprache in der vermerkt wurde, dass er nur das Gesicht sein sollte. Das konnte doch nicht sein ernst sein! Diese verfluchte Firma bedeutete alles, das verstand selbst er. Blass sah er wieder auf und erkannte nach wie vor nur das zufriedene Lächeln seines Erzeugers. "Ich an deiner Stelle würde mich beeilen. Die Zeit vergeht sehr viel schneller in der Menschenwelt." - "Scheiße!", entwich es ihm mit einem Knurren und er warf ihm den Vertrag regelrecht ins Gesicht, bevor er gehetzt die Akten wieder an sich nahm und noch an Ort und Stelle zurück in die Firma sprang. Dieser Mistkerl, dieser elende Dreckssack. Er war rasend vor Wut. Was auch immer das für ein Scherz sein sollte, was auch immer seine Intention gewesen ist welche Freude er aus dieser Scheiße herausziehen sollte, Naevius wird es ihm heimzahlen. Er wird diese dreckige Firma übernehmen und ihm die Genugtuung nicht gönnen, dass er sich selbst in den Ruin stürzte. Denn nun stand sein Leben wahrlich auf der Kippe. Er als Hochverräter hatte ohnehin schon nichts mehr von den anderen Dämonen zu erwarten. Doch wenn er jetzt auch noch die Territorien an die Engel verlieren würde, wäre es vorbei mit ihm gewesen. Verfluchter...
      Wie ein Zug preschte er an Noras Schreibtisch vorbei, geradewegs in sein Büro. Arbeit wartete auf ihn. Sehr viel Arbeit, er ist jetzt schon genervt gewesen. Er hatte gerade die Tür geöffnet, als es hinter ihm krachte. Er kehrte den Blick um und stöhnte in einem Frust auf, den er schon sehr lange Zeit nicht mehr empfunden hat. Na großartig! Gehetzt schmiss er die Akten auf den Schreibtisch und las die ach so fantastische Sekretärin vom Boden auf, um sie recht lieblos auf die Couch in seinem Büro fallen zu lassen. Seine leise Hoffnung sie würde durch den freien Fall erwachen erfüllte sich nicht und so ließ er sie einfach liegen. Er hatte jetzt keine Zeit dafür.
      Wie ein Wahnsinniger wühlte er sich durch die dringlichsten Angelegenheiten und verursachte unglaubliches Chaos um sich herum. Alles, was noch warten konnte fand einen Platz auf dem Boden. Nächste Woche links, nächsten Monat rechts. Diese Woche blieb auf dem Tisch und es war viel, das oben blieb. Und immer und immer wieder, wenn er eine der Akten in der Hand hielt, die diese unglaublich fantastische Super Sekretärin bearbeitet hatte, erkannte er Fehler, sowohl der Flüchtigkeit geschuldet, als auch schlichte grobe Fehler der Fahrlässigkeit geschuldet. Was in diesem Moment zwar extrem nervig gewesen ist, allerdings ihn auch in die Situation gezwungen hat sich mit den Fällen noch einen Moment länger und intensiver zu beschäftigen, um ihre Fehler auszumerzeln und so landete eine Akte nach der nächsten vor dem Schreibtisch auf dem Boden. Das war alles, das fertig gewesen ist. Und es kommen dauernd Dämonen ins Büro, einer nach dem anderen kam her, wollte zu Nora, erkannte, dass Nathaniel da gewesen ist, doch er ließ sie nicht sprechen. Er erklärte das Prinzip, links nächste Woche, rechts nächsten Monat, diese Woche auf den Schreibtisch und wer was brauchte, das er schon bearbeitet hatte, sollte es sich vom Boden vor dem Schreibtisch einfach wegnehmen.
      Und jeder, aber auch wirklich jeder, der einen Kommentar auf den Lippen hatte ließ Naevius eine Wut durch seine Augen spüren, dass den niederen Dämonen schlecht wurde. Er war nicht aufgelegt für irgendeine Störung in diesem Moment.

    • Nora J. Anderson

      Der Morgen diesen Freitags war der wohl mit Abstand schlimmste, den Nora je erlebt hatte. Nicht nur, weil sie von ihren Kräften her absolut am Ende war, es ging bereits in er geräumigen Hoteldusche los, dass ihr absolut schwindelig wurde und Sie einen Moment brauchte, bis sie wieder klar sehen konnte. Die Zähne zusammenbeißend drehte sie den Temperaturregler auf kalt um sich selbst wieder wach zu machen und es half tatsächlich einen Moment.
      In der Firma kam sie wie die letzten Tage auch wieder gegen sieben Uhr bereits an und schwerfällig ließ sie sich mit Kaffee und Energy in ihren Schreibtischstuhl fallen. Ihr ganzer Körper fühlte sich taub an und selbst das Koffein schien ihr nicht mehr zu helfen. Schon fast überreizt durch die wirbelnden Gefühle in ihrem Inneren versuchte sie sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Was nur mehr oder minder gelang, es dauerte Ewigkeiten bis sie überhaupt einen Satz zustande brachte, doch Nora war einfach nicht mehr aufnahmefähig genug um ihre eigenen Fehler zu erkennen. Langsam genügte es ihr wirklich. Das war beinahe schon Folter und egal wie stressig ihr Job in den letzten Jahren war, so fertig sah sie noch nie aus. Für einige Minuten starrte sie regelrecht apathisch auf den Bildschirm, der ihre Augen schmerzen ließ trotz der Brille, welche sie auf der Nase trug. Eben jene wirkte unangenehm schwer und sie abnehmend rieb sie sich mehrmals über ihr Gesicht, bis eine Bewegung tatsächlich sie aufblicken ließ. Nathaniel Morningstar ging mit sehr schnellen Schritten direkt an ihr vorbei und Nora riss erstaunt ihre Augen auf. Was sollte das jetzt? Wieso waren seine Arme derart überladen mit Akten und wo zur Hölle war er gewesen? Würde er gleich wieder verschwinden?! Nein, das durfte nicht passieren, er konnte sie nicht schon wieder alleine lassen. Beinahe panisch und mit schmerzhaft schnell schlagendem Herz sprang Nora auf um ihm nachzujagen, doch in diesem Moment spürte sie eine starken Schwindel und eine Übelkeit, welche ihren ganzen Rachen befiel. Sie versuchte etwas zu sagen doch in diesem Moment verschwamm der schwarzhaarige Mann vor ihr und plötzlich zog Schwärze in ihre Augen. Sie sah nichts mehr und spürte kaum noch, wie ihr Körper auf dem Boden aufschlug, als ihre Welt endgültig dunkel wurde.

      Nora wachte mehr als orientierungslos auf. Sie wusste weder, was passiert war noch verstand sie, wo sie sich befand. Erst nach einigen Augenblicken griff sie sich an den schmerzenden Kopf und sah sich verwirrt um. Sie war in Lucifers...nein, jetzt Nathaniels Büro... Aber warum? Wie kam sie- Kurz dämmerte ihr, was eben passiert war und schlagartig war sie hellwach und mehr als panisch und nahezu reuevoll. Sie war zusammengebrochen. Einfach so mitten vor ihrem Chef. Ihr Chef der...arbeitete er wirklich, oder schleif sie? Hatte sie Halluzinationen oder sich den Kopf gestoßen? Völlig baff sah sie eine ganze Weile ihrem neuen Vorgesetzten dabei zu, wie er das Büro in ein absolutes Chaos verwandelt hatte und ziemlich konzentriert die Papiere wälzte. Dabei herrschte hier einfach nur eine für Nora kaum ertragbare Unordnung. Nicht nur, dass der Schreibtisch absolut chaotisch wirkte, nein er hatte sich über den gesamten Boden ausgebreitet. Über den Boden! Die Akten und Ausarbeiten lagen querbeet verstreut und es tat Noras Augen weh, dies zu sehen. Nicht, dass sie sich beschweren wollte, dass er offenbar endlich richtig hier war aber dennoch. Sich kurz über das noch immer taube Gesicht fahrend richtete sie sich zu einer sitzenden Position auf und blieb etwas unschlüssig in dieser Position. Sie wusste weder, was sie sagen noch was sie tun sollte. Nathaniel hatte sie in dieser Firma zurückgelassen, soweit dass sie ihre Grenzen weit überschritten hatte. Und genau das konnte sie nicht so einfach verzeihen, immerhin war sie der verfluchte Prellbock für die Dämonen gewesen, die mit ihm hatten reden wollen. Zeitgleich hatte sie geradezu Angst etwas zu sagen, weil sie nicht wollte, dass sie wieder alleine dasaß. Unruhe erfasste sie. Im allgemeinen war ihr Stresslevel viel zu hoch in seiner Nähe gerade und noch schlimmer war ihre eigene Erkenntnis, dass sie zu schwach gewesen war. Schwach, so wie alle anderen sie sahen... Sie hatte gerade das gefundene Fressen geliefert, welches sie eigentlich vermeiden wollte.
      "Es tut mir leid, Sir.", kam es etwas leise, dennoch deutlich über ihre Lippen. Ihre Entschuldigung war allgemein gehalten und umfasste damit den gesamten Start ihres Kennenlernens bis hin zu ihrer Unfähigkeit, fünf Tage ohne einen CEO auszukommen. Sie senkte ihren Blick als sie Tränen von dumpfer Wut und Scham in ihren Augen spürte und wagte es nicht, dieses nichtige Detail diesem Dämon zu zeigen.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
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    • Naevius Nathaniel Morningstar
      Noch immer arbeitete er wie ein Verrückter. Seine Augen war so festgeklebt an den ganzen Akten und Ausarbeitungen, dass er Nora nicht einmal wahrnahm, als sie sich bereits auf dem Sofa aufsetzte. Erst, als sie zu sprechen begann riss er regelrecht seinen Kopf hoch, beinahe darauf vorbereitet wieder jemanden in sein Büro stürmen zu sehen. Aber es war nur sie. Die rot-haarige Dame mit der Brille auf der Nase. Die Sekretärin, die Menschenfrau. Ja, es war eindeutig, selbst Naevius war in diesem Moment gestresst. Gestresst genug, dass es ihm für einen Moment egal gewesen ist. Er war jetzt der Chef dieser Firma. Der Kopf der Dämonen auf Erden. Der Führer dieses sinkenden Schiffs, dass ihn bereits in einem so wackeligen Zustand vermacht worden ist. Er musste beginnen zu führen. Und er begann bei ihr. Irgendwo hatte er ihren Namen gesehen. Er schaute auf die Akte, die er in der Hand hielt und schaute auf den Namen des Administrators. Nora Anderson. Genau, irgendwas in der Richtung wird es gewesen sein. "Nora", setzte er an und lehnte sich nun selbst für einen Moment zurück, legte seinen Kopf in den Nacken und atmete schwer aus. "Du wolltest arbeiten. Und das hast du getan. Sehr offensichtlich. Danke dafür.", nickte er leicht und beugte sich wieder vor zu seinen Unterlagen.
      "Dennoch bin ich nicht überzeugt von deinen fantastischen Fähigkeiten, die du mir verkauft hast. Die Menge an Arbeit war zu viel, darüber müssen wir nicht sprechen. Aber es nützt niemandem viel Arbeit zu machen, wenn man seinen Körper dermaßen überanstrengt, wie du es getan hast. Die Akten hier sind unbrauchbar, die Fehler schießen in eine Höhe, die ich nicht mehr zählen kann." Seine Stimme war ruhig, nicht überheblich. Nicht für diesen einen Moment. Denn tatsächlich realisierte selbst Naevius, so stolz er auch gewesen ist, in diesem Moment ging es nicht darum wer Dämon gewesen ist und wer nicht. Hier ging es um Arbeit. Viel Arbeit. Und nach alle dem war er trotzdem verdammt froh, dass diese Menschenfrau diese Arbeit gemacht hat. Sie hatte mehr geleistet, als er es verlangen konnte. Ihm war mehr als nur deutlich bewusst, wie schwach die Menschen gewesen sind und ihm ist auch bewusst gewesen, dass er sie dazu getrieben hat ihrem Körper wahrscheinlich drei oder sogar fünf Jahre zu stehlen von der ohnehin schon lächerlich kurzen Zeit, die diese kleinen Geschöpfe geschenkt bekommen. Im Allgemeinen ist es wahrlich unverantwortlich von ihm gewesen, dass er hat diese ganzen Projekte und Arbeiten auf sie abschieben wollen.
      Er hatte ja nicht einmal geahnt, dass sie das wird machen müssen. Es war nicht im Entferntesten in seinem Verständnis wie wackelig dieser Stuhl gewesen ist, als er zuvor drauf gesessen hat. Und auch wenn er es nicht zugeben wollte und irgendwo auch schlichtweg nicht konnte; sie war der Grund dafür, dass er diesen Stuhl noch hatte. "Sind diese Nachlässigkeiten dadurch entstanden, dass du das Limit deines Körpers gesprengt hast?", schloss er seinen Gedankengang mit dieser Frage ab und wusste nun selbst, er wird mehr tun müssen als er jemals bereit gewesen ist zu tun. "Ja, Sir...", kam es geknickt von der Frau und er konnte sehen, dass sie die Lippen aufeinander presste. Naevius nickte. "Dann mach dir in den nächsten drei Tagen Gedanken darüber, ob du in der Lage bist auf dich selbst Acht zu geben. Denn sonst kann ich mich nicht auf dich verlassen. Ich weiß nicht wie mein Vater mit dir umgesprungen ist, aber ich werde nicht meine Konzentration darauf lenken können ein Auge auf dich zu werfen." Er war sanfter. Er war nachsichtiger. Wenn auch seine Stimme keine Nuance einer Gefühlsregung deutlich machte, war sehr deutlich, dass er in diesem Moment gewillt gewesen ist das Machtverhältnis sehr klar zu definieren, über die Grenzen der Rassefrage hinweg. Entweder sie tat ihre Arbeit und achtete auf ihren eigenen Körper oder sie wird ihm eine Last und muss dieses Büro verlassen.
      Dabei dachte er nicht einen Moment dieses Mädchen zu töten oder sonst irgendwelche Albernheiten. Für solcherlei Scherze hatte er keine Zeit. Und für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich instinktiv, ob das vielleicht auch der Gedanke seines Vaters gewesen ist, als er sie in diese Position befördert hatte. Doch es widerte ihn an eine Gemeinsamkeit zu Lucifer vorbringen zu können. "Du bist freigestellt", waren die letzten Worte, die er an sie richtete, bevor er sich zurück an seine Arbeit machte.

    • Nora J. Anderson

      Die junge Schottin hatte alles erwartet. Wirklich alles. Sie hatte einen Anschiss erwartet, erwartet dass er sie niedermachen würde und sie sich noch elendiger als ohnehin schon fühlen würde. Doch all das blieb aus. Was sie dafür erfuhr ließ sie einen Moment sprachlos zurück. Und zeitgleich kroch in ihr die Reue herauf, dass sie sich ihm gegenüber derart kindisch verhalten hatte. Allein der Klang ihres Namens aus seinem Mund bescherte ihr eine dezente Gänsehaut. Es war ein ungewohntes Gefühl, auch dass diese unnatürlich grellen, grünen Augen sie dieses Mal direkt ansahen. Nicht ignorierten, nicht herablassend. Nathaniel sah sie einfach an als er mit ihr sprach. Und Nora war in diesem Moment schlichtweg überfordert, was auch ihrem müden und etwas langsameren Verstand zuschulden war. Beinahe glaubte sie wirklich, das Ganze hier wäre ein verrückter Traum. Er dankte ihr. Und das sogar erstaunlich aufrichtig, wenn sie sich nicht irrte. Und dieser Dank ließ ihre Stimme wirklich für einen Moment abhanden kommen. All diese Anspannung, welche sie die letzten Tage auf ihren deutlich viel zu kleinen Schultern tragen musste, wich in diesem Moment.
      "Dennoch bin ich nicht überzeugt von deinen fantastischen Fähigkeiten, die du mir verkauft hast. Die Menge an Arbeit war zu viel, darüber müssen wir nicht sprechen. Aber es nützt niemandem viel Arbeit zu machen, wenn man seinen Körper dermaßen überanstrengt, wie du es getan hast. Die Akten hier sind unbrauchbar, die Fehler schießen in eine Höhe, die ich nicht mehr zählen kann." Nora verspürte Scham. Tatsächlich hatte sie wirklich eine Drohung erwartet, vielleicht sogar Wut, welche er ihr in eisigen Wellen entgegenbringen würde, so wie sie es von Lucifer gewohnt war. Und doch waren seine Worte war direkt, aber keineswegs in irgendeiner Form gefährlich für sie. Sie verstand nur zu gut, dass gerade die Arbeit des gestrigen Tages mit Sicherheit nicht perfekt war. Und offenbar war es gravierender als sie geahnt hatte und dafür schämte sie sich. Die Schottin hatte sich arrogant verhalten und trotzdem gezeigt, dass sie es einfach nicht konnte. Sie hatte zu viel versprochen und hatte mehr als demütigend versagt. Dennoch, Nathaniel wies sie lediglich mit einer seltsamen Bestimmtheit und einer Ruhe hin, welche sie schlichtweg nicht gewohnt war.
      "Sind diese Nachlässigkeiten dadurch entstanden, dass du das Limit deines Körpers gesprengt hast?" Es war keine Frage, das war Nora klar. Seinerseits war es eine nüchterne Feststellung und doch verlangte er von ihr, dies auch zuzugeben. Sich selbst es einzugestehen und in diesem Moment war die Rothaarige einfach bereit dafür, gleich wie sehr sie sich selbst in diesem Moment bestrafen wöllte. Mit zusammengepressten Lippen und blinzelnden Augen gab sie ein leises "Ja, Sir..." von sich. Jede andere Erwiderung oder versuchte Rechtfertigung hätte sie schlichtweg lächerlich aussehen lassen und so sehr sie es auch versuchte, zu verdrängen oder schlicht zu verweigern: Jedes seiner Worte traf absolut zu und entsprach der Wahrheit. Ein Grund mehr, weshalb sie sich innerlich noch schlechter fühlte, auch wenn ihr Herz sich langsam endlich zu beruhigen schien. Sein nächster Satz ließ sie ruckartig wieder ihren Kopf heben. Ihre Augen wurden groß und ungläubig starrte sie ihn einen Moment an, ehe sie wirklich den Sinn seiner Aussage verstand. Er hatte ihr eben drei Tage frei gegeben... Mit dem Auftrag, dass sie ab sofort für sich und ihre eigene Gesundheit zu sorgen hatte. Das wars? Kein Ärger für den gesamten Rest? Und er würde sie weiterhin in ihrer Rolle behalten, wenn sie für sich selbst Sorge tragen würde? Baff sah sie ihn an und ihr Kopf war eigentlich dazu bereit, sich zu weigern, dass dies gerade geschehen war. Nichts von dem Mann, den sie kennengelernt hatte, schien in diesem Moment in ihm zu sein. Weder das respektlose Verhalten noch...der Rest. Nora hatte kurzzeitig wirklich das Gefühl, vor einem CEO zu sitzen. Genau genommen war er jetzt ihr CEO, ihr Boss und der neue Leiter der Firma. Als er sie freistellte rang Nora mit sich. Einerseits war sie es einfach nicht gewohnt, frei zu bekommen. Sie hatte seit circa vier Jahren keinen Urlaub mehr gehabt, nur den einen freien Tag in der Woche, welcher sich auf den Sonntag gelegt hatte. Und nun bekam sie kurzerhand einfach drei Tage der Freizeit zugeteilt. Was sie am Meisten gerade störte war, dass es nur dem Umstand zuschulden kam, dass sie einfach schwach gewesen ist. Sie war zusammengebrochen, weil sie dem allem nicht gewachsen war. Und deshalb würde er jetzt drei Tage alleine die Berge bewältigen müssen. Nora hätte wirklich am Liebsten geweint in diesem Moment, sie war zu über emotional und zu erschöpft, um auch einen rationalen Gedanken zu fassen. Sie nahm seine Entscheidung hin, was blieb ihr auch? Sie wusste, so brachte sie niemanden etwas und sie würde es schlimmer machen, wenn sie darauf bestünde hier zu sein. Demnach erhob sie sich langsam von dem Sofa, als sie sich sicher war, stehen zu können und verneigte sich vor ihrem Boss.
      "Vielen Dank, Sir.", war alles, was sie sagte. Und trotzdem drückten diese drei Worte in dem Moment alles aus, was sie empfand. Sie war ihm wirklich dankbar. Zum einen, dass sie nach wie vor ihren Job behalten durfte und zum anderen, dass er derart souverän mit der Situation umgegangen war. Mit einem letzten Blick auf das Chaos des Büros wandte sie sich schließlich ab und schloss leise die Tür hinter sich. Sie fuhr ihren PC herunter und nahm ihre Handtasche an sich, ehe sie sich mit ihrem Handy ein Taxi bestellte und sich heimfahren ließ.

      Kaum in ihrer Wohnung angekommen fiel sie nicht einmal ganz ihr Kostüm ausgezogen ins Bett und binnen Sekunden war sie weit weg in Morpheus Armen versunken. Und sie schlief diesmal tatsächlich lange. Die schlaflosen Nächte forderten geradezu gewaltsam ihren Tribut und Nora schlief bis in die Mittagsstunden des nächsten Tages hinein, ehe sie deutlich erholter ihre braunen Augen öffnete. Zunächst fühlte sie sich seltsam. Zum einen, weil sie zuletzt in ihrer Jugend so lange geschlafen hatte und zum anderen, weil die Ereignisse des gestrigen Morgens nochmals vor ihrem geistigen Augen abgespielt wurden. Insbesondere die Worte des Dämons, welche sie nicht so leicht verbannen oder gar ignorieren konnte. Noch immer in den weichen Laken liegend starrte sie eine ganze Weile an die Decke. Was zur Hölle hatte sie sich gedacht, als sie ihn derart angefahren hatte, bevor er ging?! War sie von allen guten Geistern verlassen worden? Sie hatte sich herausgenommen, über einen ihr völlig fremden, mächtigen Wesen zu urteilen und sich verhalten als wäre sie ein zickiges Mädchen in ihrer schwierigen Phase. Kurz verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen. Er würde sie niemals ernst nehmen können nach dieser Aktion! Verfluchter Mist... Und trotzdem... Nora stöhnte etwas überfordert auf. Das war ihr wirklich etwas zu viel und trotzdem musste sie etwas tun. Lucifer war nicht länger in ihrer Nähe. Er würde sie nicht länger als seinen Springer nutzen, wann immer er es wollte und sie musste sich nun ihrem neuen Chef als vergleichbar nützlich erweisen. Und den ersten Schritt hatte er ihr ja freundlicherweise vorgegeben. Nachdem sie noch eine Weile einfach das Gefühl genoss, nicht sofort aufspringen zu müssen, telefonierte Nora etwas herum. Sie sorgte für einen kurzfristigen Termin bei dem Arzt ihres Vertrauens, ebenso bei diversen Besorgungen in einer Apotheke und bestellte danach sich auch noch eine reichhaltige Mahlzeit, bevor sie das Haus überhaupt verlassen würde. Die Schottin nahm die Worte des Schwarzhaarigen ernst bezüglich ihrer Gesundheit und wollte sich schnellstmöglich darum kümmern, dass sie in zwei Tagen wieder fit wäre. Und blieb.

      Im späteren Verlauf des Nachmittags schaffte sie es auch endlich nach ausgiebiger Dusche und der ersten, richtigen Mahlzeit des Tages, dass sie sich gut genug fühlte um die Wohnung hinter sich zu lassen. Sie genoss sogar den ausgiebigen Spaziergang, den sie unternahm, als sie in das Viertel lief, in dem ihr Arzt- ein netter Mann im bereits gehobenen Alter- lag. Gerade als sie sich etwas Obst zum Naschen an einem Stand besorgte lief sie beinahe in jemanden hinein. Nein, nicht in irgendjemanden. Marik sah mit seinen dunklen, beinahe schwarz wirkenden Augen auf sie deutlich überrascht hinab. Er selbst hatte einen einfachen Coffe-to-go in der Hand und rückte seine Sonnenbrille auf seinem ebenso dunklen Schopf zurecht. Nora blinzelte mehr als perplex, den Dämon einfach auf offener Straße zu begegnen. Das war alles andere als normal. Sie mitten am Tag einfach auf offener Straße war ja schon eine Seltenheit, aber er...
      "Was beim Höllenfeuer machst du hier?!", rutschte es ihr heraus und sie konnte die Entgeisterung in ihrer Stimme nicht verbergen. Er müsste eigentlich im Büro sein, es war zwar Samstag aber trotzdem ein regulärer Firmentag. Marik schien offenbar ebenso verwirrt.
      "Dasselbe wie du nehme ich an, ich genieße die freie Zeit. Was sonst?"-"Freie Zeit? Du müsstest im Büro sein."-"Nö, die Morningstar Int. wurde für drei Tage geschlossen. Als würdest du das nicht wissen, netter Versuch." Offenbar hielt Marik ihrer Verwirrung für ihren Scherz doch seine Worte sorgten dafür, dass ihr beinahe die Trauben aus der Hand gefallen wären. Die Firma war zu? Für drei... Plötzlich dämmerte es Nora. Nicht nur sie hatte Nathaniel drei Tage freigestellt. Er hatte einfach alle für diese drei Tage freigestellt und aus irgendeinem Grund die Firma geschlossen. Unglaube zeichnete sich in ihren Zügen ab, doch Marik ignorierte diese einfach.
      "Siehst besser aus. Wir sehen uns dann Dienstag.", verabschiedete er sich schließlich, nicht ohne sie ein letztes Mal zu mustern ehe er an ihr vorbeiging, dabei an seinem Kaffee nippend. Nora stand eine Weile noch unbewegt auf dem kleinen Fleck Bürgersteig und konnte nur fassungslos den Kopf schütteln. Was hatte Nathaniel Morningstar vor, dass er dafür sogar die Firma gänzlich zumachte? Mit wirren Gedanken musste sie sich schließlich beeilen, noch pünktlich zu ihrem Termin zu kommen. Sie bekam tatsächlich einige Vitaminpräperate verschrieben und sie sollte sich ebenso um ihren Magnesium-Haushalt kümmern. Nora nickte nur und nahm jeden Hinweis und jeden Tipp gleich einem Schwamm in sich auf und schrieb sich diverse Hinweise sogar in die Memo-Funktion ihres Handys. Sie hatte gezielt gefragt wie sie sich selbst etwas stärken könnte, um auch mal mit stressigen Tagen umgehen zu können. Mit diesem Wissen deutlich erleichterter und mit einem gewissen Ziel in dieser Hinsicht kehrte sie nach hause zurück um sich die Zeit zu nehmen, den restlichen Abend ebenso ihren nächsten freien Tag einfach mal in entspannter Faulheit zu genießen. Dennoch kreisten ihre Gedanken geradezu unaufhörlich um die letzten Ereignisse. So sehr, dass sie selber den Entschluss fasste, dass sie Nathaniel beweisen wollte, dass sie für ihn ebenso eine gute Sekretärin sein könnte, wie sie es bei Lucifer erhofft hatte zu sein.
      Demnach beinahe schon energisch betrat sie am Dienstag die Firma, welche wieder ihre Tore geöffnet hatte, nur um in ihrem Büro eine kleine und doch sehr bedeutende Veränderung wahrzunehmen. Es gab einen zweiten Tisch in diesem Raum. Einen zweiten Schreibtisch, welcher so aufgebaut war wie ihr eigener und etwas neugierig sah sie zu dem noch leeren Platz, ehe sie routiniert sich mit einem Kaffee versorgte und etwas unsicher platz nahm. War ihr Chef da? Oder schon da? Sie war natürlich zu früh und etwas unsicher trippelten ihre Finger auf dem Holz ihres Tisches, unwissend ob sie sich nicht bei ihm melden sollte. Doch Nora entschied sich zu warten, immerhin vernahm sie weder Geräusche noch sonst irgendetwas aus dem Raum hinter sich und sie nippte lediglich an ihrem Heißgetränk.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

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    • Naevius Nathaniel Morningstar
      Es gab sehr viel, das Naevius erledigen musste in den drei Tage, in denen er nicht nur Nora freigestellt hatte, sondern die komplette Firma dicht gemacht hat. Er benötigte diese Zeit einfach, um sich in alle aktiven Geschehnisse einzuarbeiten. Allein am Freitag hörte er erst auf über den Akten zu brüten, als es vorsichtig an seiner Tür klopfte und eine etwas übersetzte Dame den Kopf rein streckte. Ihre Haut ist dunkler gewesen und die vollen Wangen wurden umrahmt von dunkler Haarpracht. "Señor", nickte sie schnell, als sie ihn erblickte und schaute auf die vielen Akten, die auf dem Boden verstreut gewesen sind. Sie schien nicht ganz zu wissen was sie sagen sollte und schaute einige Male zurück, ehe sie wieder zu Naevius blickte. Wer war das denn nun. "Ähm... Ich... putzen?", fragte sie sehr unsicher und nun verstand der schwarz-haarige die Kleidung der Dame. Reiningsungspersonal. "Buenoas noches.", begrüßte der Mann sie und blickte auf die Uhr an seinem Computer. 3 Uhr morgens. "¿Podría concederme cinco minutos?" Sichtlich erschrocken darüber fließend in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden fiel der Dame beinahe ihr Lappen aus der Hand. Sie nickte schnell. "¡Sí, señor!" Stolpernd eilte sie ganz in das Büro und ließ sich vorsichtig auf den Platz Naevius gegenüber nieder, nachdem er ihn ihr deutend zuwies. Dabei achtete sie sehr genau darauf nicht auf die Akten zu treten, die um sie herum lagen. "¿Desde cuándo trabajas aquí?", hakte er zu allererst nach und die Dame dachte angestrengt darüber nach und zählte gedanklich an den Fingern mit und zeigte schließlich fünf Finger hoch. "Cinco años, señor." Naevius nickte. "¿A qué hora entras a trabajar?" Nun wurde der Dame ungemütlich. Unsicher kniff sie leicht die Augen zusammen und ihre Finger fingen an zu zittern. Naevius folgte mit seinen Augen diesen Zeichen der regelrechten Panik, blieb selbst allerdings seelenruhig. "¡Calma, por favor! Aquí no corres peligro."
      Die Dame zuckte sacht zusammen und räusperte sich schnell, noch einen Moment sah sie prüfend in die Augen des neuen CEOs und nickte dann schließlich. Das war der Moment, an dem sie das Fass öffnete. In spanischem Temperament fing sie an zu erzählen. Davon, dass sie und ihre Mädchen kaum ihre Arbeit vernünftig machen konnten, dass sie die Angestellten teilweise schon mit Besen herausgeschmissen haben, damit sie putzen konnten. Sie erzählte ihm von den strengen Auflagen seines Vaters und dass er nicht gestattet hat, dass die Arbeit seiner Mitarbeiter durch eine von ihnen gestört wurde und sie deswegen immer warten mussten. Sie berichtete auch von ihren Kindern, und was sie denn tun sollte, wenn sie bis halb vier morgens hier gewesen ist, sie hatte auch noch andere Beschäftigungen. Naevius hörte ihr zu. Gab ihr auch mit einem gelegentlichen Nicken zu verstehen, dass er ihren Ausführungen tatsächlich lauschte. Letzten Endes nickte er. "Se supone que tengo que empezar a trabajar a las nueve.", teilte sie ihm zum Schluss leidig mit und Naevius lehnte sich in seinem Stuhl zurück. "Bueno." Der Mann verabschiedete sich mit einem Nicken in Richtung der Tür. "Te espero mañana a las nueve."
      Die Dame verstand im ersten Moment nicht, doch dann hellte sich ihr Gesicht auf einen Schlag auf. "¡Gracias! ¡Muchas gracias, señor! ¡Dios te ampare!" Beinahe wäre Naevius ein trockenes Lachen entwichen. Lieber nicht. Mit einer hinfort scheuchenden Handbewegung machte er ihrem Abgang noch einmal Nachdruck und schüttelte den Kopf, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Was für eine Firma soll das bitte sein, die Lucifer da auf die Beine gestellt hat. Welchen Sinn machte es denn keinem, aber auch wirklich keinem seiner Angestellten ein arbeitsfähiges Verhältnis aufzuzwingen? Plötzlich machte es für ihn sehr, sehr viel Sinn, dass das Schiff sogleich zu sinken drohte, kaum dass er einige Tage ausgefallen war. Schwer ausatmend schaute er in die Unterlagen seines Vaters und erkannte in einer der Schubladen deinen Zettel mit einer Adresse und einem Ersatzschlüssel. Das wird dann wohl seine Wohnung gewesen sein. Mit einem Ruck erhob er sich und schritt die Akten liegen lassend hinaus. Die Putzfrauen an denen er vorbeikam nickten ihm strahlend zu und neigten dankbar den Kopf. Viele von ihnen wünschten ihm auf spanisch eine gute Nacht, doch er erwiderte den Gruß nicht mehr, sondern ging durch auf die Straße. Die Adresse war schnell ausfindig zu machen und brachte ihn zu einem ebenso pompösen und angeberischen Gebäudekomplex mit Wohnungen, wie es die Firma selbst auch schon gewesen ist. Ein schweres Seufzen entwich ihm. Sein Vater war wirklich geschmacklos. In Gedanken der Morningstar Int. hinterher hängend machte er bereits einige Änderungspläne von dem, was er heute gesehen hatte. In der obersten Etage stieg er aus und stand vor zwei Wohnungstüren, nicht recht wissend, welche seine gewesen ist. Doch kaum hatte er diesen Gedanken gefasst wurde eine der Türen ruckartig aufgerissen. "Dad, da bist du ja endlich, wo um alles in der Welt bist du...-" Die aufbrausende Frau mit dem rosafarbenen Haar stürmte heraus und schaute regelrecht entgeistert auf zu dem schwarz-haarigen Mann. Es war offensichtlich, dass ihr der Atem wegblieb.
      "Naevius", hauchte sie tonlos. Ihre Augen wurden groß und das Gesicht verlor die Farbe. Sein Herz zog unangenehm bei diesem Blick. Verfluchte... Wirklich? Das jetzt auch noch? War das Lucifers Ernst gewesen? Er atmete angespannt aus und es kam beinahe ein Knurren an seinen Lippen an. "Thamina... Du auch hier?" Seiner Schwester fiel alles aus dem Gesicht und entsetzt und verletzt blickte sie einfach zu ihm auf. "Natürlich bin ich hier! Ich bin seit über 300 Jahren hier! Was machst du hier?" Stimmte ja. Wie auch immer sie es hier in diesem Drecksloch aushalten konnte. "Na komm, komm rein. Ich mach dir einen Kaffee." - "Nein, das..."
      - "Komm. Rein. Ich mach dir einen Kaffee", unterbrach sie ihn mit Nachdruck und zeigte ihm einen Blick, den er sehr gut von ihrer Mutter kannte. Unzufrieden ließ er sich breitschlagen und folgte der kleinen Frau in ihre Wohnung. Und alles an dieser Wohnung schrie Taminas Namen. Die Möbel waren sehr schick und elegant, alles war sehr hell gehalten. Nun am Abend leuchteten überall kleine sanfte Lichterketten, die das weitläufige Wohnzimmer in ein angenehmes Licht tauchte. Die rosa-haarige verschwand sofort hinter der Theke, die die Küche vom Wohnzimmer abtrennte und machte sich daran die Kaffeemaschine zu bedienen. In der Zeit schaute Naevius zu dem Sofa, dessen Rückenlehne zu ihm gewandt stand. Auf dem kleinen Couchtisch lag ein Tablett und daneben ein leeres Weinglas. Die zugehörige Flasche konnte er allerdings nicht finden. "Setz dich, setz dich!", forderte sie ihn aufgeregt auf, als sie mit dem Kaffee zu ihm eilte und schnell das Glas gegen die Tasse ersetzte. Still folgte er ihrer Bitte und nahm das Heißgetränk an sich. Prüfend roch er daran. Einen Kaffee hat er bisher noch nicht getrunken. Doch bereits beim ersten Schluck fand er Gefallen daran und nahezu zeitgleich realisierte er die Kopfschmerzen, die an seine Schläfen hämmerten. In der Dämonenwelt war es nicht notwendig oft zu speißen oder zu trinken. Ein Umstand, der in der Menschenwelt gänzlich anders zu sein schien.
      Naevius blickte auf in die großen, violetten Augen seiner Schwester, als sie sich neben ihn fallen ließ. Für einen Moment wusste sie nicht, was sie sagen sollte. "H-hi" Naevius seufzte und lehnte sich zurück. Er nickte mit dem Blick an die Decke. "Hallo." - "Was machst du hier? Ich dachte immer du hasst die Menschenwelt." Ein trockenes Lachen entwich ihm. "Oh ich kann auch beim besten Willen nichts angenehmes an diesem Rattennest finden.", knurrte er und nahm noch einen Schluck von seinem Kaffee. Außer vielleicht dieses Getränk. Das war in Ordnung. "Vater hat mich in diesen Abgrund verdammt. Er ist offiziell aus der Firma ausgetreten und hat mich reingelegt sie zu übernehmen." Thaminas Augen wurden groß. Das Entsetzen fand mehr und mehr Einzug in ihr Gesicht. "Schon?", entwich es ihr wispernd und Naevius zog die Brauen zusammen. "Was du wusstest davon?" Erschrocken über das, was sie angedeutet hatte schüttelte die junge Frau schnell den Kopf. "Nein, nicht direkt. Er hatte nur darüber gesprochen, dass er bald zurück möchte in die Hölle und wollte mich zwingen mit ihm zu kommen. Du weißt ja wie er ist..." Den letzten Teil sprach sie beinahe ein wenig schuldbewusst und Naevius nickte bitter. "Ich weiß wie er ist." Dir gegenüber.
      Eine kurze Stille herrschte zwischen den beiden Geschwistern, bis Thamina es gewesen ist, die plötzlich den Kopf hochriss. "Warte mal! Das heißt dir gehört jetzt die Morningstar? Du bist der neue CEO?" Aufregung erhielt Einkehr in ihre Stimme. Eine Form der Euphorie, die ihr Bruder nicht erwiderte. Er nickte. "Mir gehört die Morningstar." - "Das ist ja fantastisch!" Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf, ihre Augen strahlten. "Weißt du was das bedeutet?" - "Dass die Dämonenfürsten meinen Kopf einfordern werden als Hochverräter, sollte ich unsere Territorien an die Engel verlieren." Thamina ließ sich von dieser trockenen Antwort keineswegs die Laune verderben. "Rede keinen Unsinn, das wirst du schaffen! Nein, was ich meinte war, dass du jetzt hier bist. Und die Morningstar leitest! Und ich bin hier!" Voller Hoffnung zeigte sich mit beiden Händen auf sich selbst. "Ich bin fast so lange hier, wie die Morningstar besteht, Vater hat mich in alles unterwiesen, was die Firma anbelangte. Ich hab ihn ausgefragt und ausgefragt und ausgefragt, bis er es mir gesagt hat. Ich kann dir helfen!" Naevius spannte sich sichtbar an und stellte langsam seinen Kaffee weg. Er wusste genau, warum Lucifer sie aus den Geschäften ferngehalten hatte. "Nein.", sagte er daher entschieden und erhob sich. Er wollte gehen, doch Thamina sprang ihm in den Weg und legte beide Hände an seine Arme. "Wag es nicht mich so abzuspeißen wie Vater es immer getan hat! Ich sehe es in Euren Augen, wie wenig ihr von mir haltet. Ich weiß, was geschehen kann, wenn ich zu sehr zu Euch allen Kontakt hege. Aber Naevius... Ich bin deine Schwester." Nahezu panisch klammerte sie sich an seine Ärmel. "Schließ mich nicht aus, nicht schon wieder. Ich kann dir helfen. Wirklich, ich kann dir helfen. Schau wie müde du aussiehst. Willst du wirklich darauf verzichten die Hilfe einer wertlosen kleinen Dämonen anzunehmen und damit vielleicht ihr Leben in Gefahr bringen, wenn auf der anderen Seite die komplette Dämonenwelt und die irdische Ordnung in Gefahr steht?" Naevius hasste Thamina in diesem Moment. Er hasste sie dafür, dass sie nicht dumm genug gewesen ist, um ihren Stellenwert nicht zu kennen. Er hasste sie dafür, dass sie genau wusste, was auf dem Spiel stand. Möglicherweise besser noch als er selbst.
      "Bitte. Wenn ein Dämon mich erwischt, was macht das schon, wenn du dafür in der Lage sein wirst zu herrschen? Vater brauchte mich nicht, er hatte die Wahl mich in seinen goldenen Käfig zu sperren. Aber hast du die Wahl...?" Der schwarz-haarige legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und atmete tief durch. Mit der Hand fuhr er sich durchs Gesicht. "Ich kann dich nicht leiden.", brummte er mehr als nur unzufrieden, was Thamina zum strahlen brachte. "Das macht nichts", hauchte sie zärtlich und erkannte genau in seinem Bruder, dass sie ihn gebrochen hatte. "Wir gehen morgen zusammen zur Firma. Ich habe sie für die nächsten drei Tage schließen lassen. Dann haben wir ein bisschen Zeit." Die Frau hüpfte einmal auf vor Aufregung und nickte schnell. "Danke, danke, danke, danke! Du wirst es nicht bereuen! Ich werde dir eine Stützte sein. Ich verspreche es, ich schwöre es! Ich unterschreibe es dir!" Ruppig legte der Mann den Kopf auf ihr Haar und drückte sie mit sanfter Gewalt zur Seite. "Ich brauche Schlaf." Thamina nickte. "Bis morgen!" Er konnte ihren Herzschlag hämmern hören. Was für ein verfluchtes Gör sie doch gewesen ist. Lucifer wird ihn umbringen, wenn seiner Tochter etwas zustieß. Andererseits. War es nicht seine eigene Nachsicht, sie noch hier zu lassen? Er hätte es besser wissen müssen.

      Diese drei Tage über waren die jungen Morningstars die einzigen, in dem riesigen Gebäudekomplex und Thamina machte hervorragende Arbeit darin ihm alles über die Ursprünge zu erklären. Sie gingen zusammen die derzeitigen Projekte durch und Naevius veranlasste ein Möbelhaus damit einen zweiten Schreibtisch für seine Etage bringen zu lassen. Die Nachricht, die er dabei an Sharar senden ließ war simpel. Du bist mit in dem Boot. Dies genügte vollkommen, um den Arbeitsauftrag zu verstehen und am Dienstag morgen, als die Firma ihre Türen wieder öffnete stand der schwarz-haarige Hundedämon in einer Menschlichen Gestalt breit grinsend mit den Händen in den Taschen vor dem Eingang und empfing seinen besten Freund. "Naevi-...", wollte er ihn grüßen, erhielt allerdings sogleich im Vorbeigehen einen Schlag auf den Kopf. "Ich schneide dir die Zunge raus, wenn du mich mit diesem Namen hier ansprichst." Sharar rieb sich leicht den Hinterkopf, ließ sich aber seine gute Laune nicht verderben. "Jawohl, Mr. Morningstar", sprach er jedes Wort überdeutlich mit einem Grinsen aus, woraufhin Naevius nur leise seufzte und für eine Sekunde überlegte, ob es tatsächlich das richtige gewesen ist ihn hierher zu holen. "Hast du dir durchgelesen, was ihr dir zugeschickt habe." - "Freilich! Aber selbstbefreilich!", antwortete der stolz und Naevius zog irritiert die Brauen zusammen. "Da staunst du was? Ich weiß immer noch was von den Ausdrücken, die die Menschen benutzen!" Um Himmels Willen. Der CEO hatte jetzt schon das Gefühl zu verzweifeln. Mit einem hellen Signalton kam der Aufzug zum stehen und sie beide traten aus dem Lift aus, um auch sogleich Nora zu begegnen.
      Naevius warf lediglich einen prüfenden Blick auf sie. Sie sah besser aus, genesener. Gut, dass sie seine Anweisungen ernst genommen hatte. So war diese Angelegenheit auch für ihn geklärt gewesen. "Guten Morgen!", grüßte Sharar die Dame hingegen sehr überschwänglich und reichte ihr die Hand zum Gruß. Er war regelrecht ein wenig aufgeregt mal wieder mit einem Menschen zu sprechen. Die Manieren dieser Zeit gänzlich missverstehend nahm er ihre Hand und führte sie für einen Handkuss zu seinen Lippen. "Sha... ALFRED! Alfred ist mein Name! Genau!", nickte er sich selbst fast lobend zu und sah dann freudestrahlend zu Naevius um zu hören, dass er das gut gemacht hatte. Dieser erstarrte regelrecht in seiner Bewegung und drehte sich perplex zu dem Mann und der Frau herum. "Alfred?" Das war sein Name? Das war der Name für den er sich entschieden hatte? Hatte er eine Wette verloren oder dergleichen?

    • Nora J. Anderson

      Zugegeben war es ungewohnt für die Rothaarige, so überpünktlich zu sein und dennoch sich nicht sofort kopfüber in ihre Arbeit zu stürzen sondern zu warten. Nora wusste jedoch, dass sie nicht länger unter des Teufels Fittiche arbeitete und ihr neuer Boss ganz andere Vorstellungen und Arbeitsmuster vorgeben würde. Sie respektierte dies und übte sich demnach in Geduld. Sie wollte nicht wieder in den alten Trott verfallen, den sie zuvor an den Tag legte und genau genommen wusste sie nun auch nicht mehr um ihre genauen Aufgaben. Der zweite Schreibtisch zeigte ihr dies mehr als deutlich, dass sie nicht länger alleine arbeiten würde sondern einen Kollegen vorgesetzt bekäme. Wer dieser Kollege war konnte sie nicht wissen, einzig, dass er wohl ebenso eine Vertrauensperson sein musste, wenn Nathaniel bereitwillig noch jemanden hier in diese Etage ließ. Sie war neugierig denjenigen kennenzulernen und gespannt auf seine Fähigkeiten. Insgeheim war sie auch etwas erleichtert. Als CEO hatte man Unmengen zu tun, als rechte Hand diesen leider ebenso, da die Firma extrem schnelllebig war und die geforderte Quantität dermaßen den Rahmen des Möglichen sprengte, dass sie beinahe aufatmete diese Bürde nicht mehr alleine tragen zu müssen. Lange musste die Schottin tatsächlich nicht warten. Die Tür öffnete sich kurz vor Acht und ihr neuer Chef wurde von einem ebenso dunkelhaarigen Mann begleitet, der wohl ihr neuer Partner werden würde. Sie benutzte lieber den Terminus Partner, da sie beide eine enorme Verantwortung tragen würden. Sie spürte die grünen Augen Nathaniels eine Sekunde länger auf sich ruhen und ahnte, dass er sie kontrollierte. Um ihn etwas zu entspannen erhob sie sich mit einem Lächeln.
      "Guten Morgen, Sir.", begrüßte sie ihn respektvoll und sah schließlich neugierig zu dem Fremden. Er war etwas Kleiner als Nathaniel selbst, aber kaum ersichtlich. Beide waren im Allgemeinen sehr hoch gewachsen, was Nora jedoch wenig verwunderte. Es waren immerhin Dämonen und auch bei dem neuen Partner sprangen ihre Sinne auf das wissende Gefühl, dass er definitiv kein Mensch war. Kaum verwunderlich, ein Mensch würde nicht einmal in die zehnte Etage des Komplexes aufsteigen können und sie war diesbezüglich die Einzige, der es erlaubt war, hier zu sein. und glücklicherweise wurde sie nach wie vor geduldet. Sogleich sprang der Fremde ihr förmlich euphorisch entgegen und reichte ihr mit einem lauten "Guten Morgen!" seine Hand, welche die junge Frau einige Momente ernsthaft perplex anstarrte. Kaum ein Dämon, außer diverse Ausnahmen, ließen sich dazu herab sie so überschwänglich zu begrüßen. Sie war immerhin ein kleiner Mensch in deren Augen. Erst recht erstarrte sie, als er ihre Hand einfach in seine nahm und an die Lippen führte und etwas zweifelnd zog sie ihre Brauen hoch. Beim Höllenfeuer, dieser Mann lebte ja noch im neunzehnten Jahrhundert mit seinem Verhalten. Es war weit weg einer zeitgemäßen und vor allem geschäftlichen Begrüßung, dass sie etwas entschieden ihre Hand zurückzog.

      "Sha... ALFRED! Alfred ist mein Name! Genau!" Nora blendete in diesem Moment die Aufregung ihres Gegenübers auf und musste ein Grinsen unterdrücken. Offenbar hatte sich der werte Herr beinahe verplappert, indem er mit seinem wahren Namen beginnen wollte. Tatsächlich kannte die Schottin lieber die richtigen Namen der Dämonen um sie auch diesbezüglich anzusprechen. Etwas, was ihr die Zeit unter Lucifer verdeutlicht hatte: Es war immer besser, den wahren Namen zu kennen. Einfach aus dem Grund weil Namen für diese Wesen eine höher gestellte Bedeutung besaßen, wenn es um ihre wahre Identität ging. Worüber sie tatsächlich stolperte war der menschliche Name den er gewählt hatte. Sie sah kurz zu Nathaniel hinüber, welcher ebenso perplex innegehalten hatte wie sie sich fühlte und fing tatsächlich seinen Blick eine Sekunde auf. Zweifelnd hatte sie die brauen gehoben und formte stumm mit ihren Lippen den Namen Alfred, fragte damit indirekt, ob das sein verfluchter Ernst war. Schließlich wandte sie sich von Nathaniel ab und suchte den Blick des irgendwie...seltsam kindlich wirkenden Dämons. Das war eine ganze neue Erfahrung im krassen Gegensatz zu den erhabenem Getue, welches sie gewohnt war.
      "Alfred?", rutschte es ihr über die Lippen. Als eben jener dies nochmal stolz bestätigte konnte sie nicht anders als ein leises, schnaubendes lachen von sich zu geben.
      "Sehr...kreativ, würde ich meinen.", sagte sie und konnte sich den leicht sarkastischen Unterton nicht verkneifen. Alfred schien diesen jedoch gar nicht wahrzunehmen und fühlte sich sichtlich bestätigt.
      "Nora Joann Anderson, sehr erfreut.", stellte sie sich gebührend mit ihrem vollen Namen vor und lächelte freundlich. "Aber... ein kleiner Hinweis: Die Begrüßung mittels eines Handkusses ist schon etwas sehr veraltet in dieser Zeit. Ein einfaches Handschütteln genügt vollkommen, da eine solche Geste wie Ihre bei einigen falsch aufgefasst werden könnte.", erklärte sie in einem freundlichen aber dennoch etwas belehrenden Tonfall. Etwas überrascht sah Alfred auf sie hinab und kratzte sich etwas am Hinterkopf. Er schien dies wirklich nicht gewusst zu haben und Nora sah instinktiv mit einer gehobenen Augenbraue wieder zu ihrem Chef. Sie hatte ja vieles erwartet, aber nicht das.
      "Bitte verzeihen Sie meine dreiste Frage aber... Wann waren Sie zuletzt in der Menschenwelt?", spielte sie einfach mit offenen Karten. Es war kein Geheimnis, dass sie sehr wohl in die Gepflogenheiten der Wesen eingeweiht war. Und sie machte auch keinen Hehl daraus, es Alfred wissen zu lassen- wenn er es nicht schon längst wusste. Der schwarze Wuschelkopf schien tatsächlich kurz zu überlegen.
      "Puh... Also... Ist die Pest heute noch ein Thema? Damals war es eine ganz große Nummer, weißt du!" Nun fiel Nora alles aus dem Gesicht. Und so ungern sie es zum dritten mal in Folge tat, jetzt drehte sie sich ganz zu Lucifers Sohn herum und starrte ihn entgeistert an mit der deutlichen Frage in ihren braunen Augen, was er sich dabei gedacht hatte. Allerdings erwartete sie nicht einmal eine Antwort und legte dezent resigniert zwei Finger an ihre Schläfe und rieb sich diese. Das würde ein langer Tag werden. Sie wusste nicht einmal, wie sie auf diese Aussage angemessen reagieren konnte, schwenkte jedoch gleichermaßen in das Du über, welches er so unverfroren anbot. Er machte offenbar keinen hehl daraus, dass er die förmliche Rede nicht nutzen würde. Und Nora zweifelte, ob er sie überhaupt kannte.
      "Okay... Nun, seit dem schwarzen Tod ist sehr viel Zeit vergangen und ich würde dir dringlich raten, dieses Thema nicht unbedingt gegenüber Menschen anzusprechen. Du könntest sie damit dezent verstören... Aber wie auch immer: Willkommen auf der Erde, Alfred.", hieß sie ihn schließlich mit einem Schmunzeln in ihrer Welt Willkommen. Er war schräg. Ein sehr schräger Charakter, an den sie sich noch gewöhnen müsste. Aber sie empfand ihn nicht als unangenehm, im Gegenteil. Es tat gut ein frohes und so munteres Gesicht zu sehen. Als die Begrüßung nun damit beendet war löste sie sich von dem noch immer ziemlich aufgeregtem Mann und ihr freches Schmunzeln schwand wieder einer aufmerksamen und neutralen Miene.
      "Ich möchte mich nochmal für mein Verhalten entschuldigen, Sir. Ich habe mich um Vorkehrungen gekümmert, wie Sie es mir geraten haben. Allerdings wollte ich nicht einfach ohne Sie beginnen und auf Ihre Einführung warten.", wurde sie wieder ernst um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dabei neigte sie tatsächlich nochmals leicht ihren Oberkörper um ihre Worte zu unterstreichen. Es war ihr wichtig, ihm mitzuteilen dass sie seine Nachricht verstanden hatte, welche er ihr im letzten Gespräch vermittelt hatte. Und zugleich wollte sie ihm zeigen, dass sie ihn nun als ihren Vorgesetzten voll und ganz akzeptierte und gewillt war, seinen Expertisen zu folgen.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Sharar Alfred Ashwind
      Die Neuigkeit über Naevius unerwarteten Umstand hat den treuen Sharar möglicherweise fast noch schlimmer getroffen als seinen Freund selbst. Ihnen beiden ist bewusst gewesen, dass Lucifer ihn, bzw. seinen Bruder gezielt als Schachfigur, um Naevius da zu wissen, wo er ihn haben wollte. Und das ist keine Position gewesen, die für irgendeinen von ihn eine angenehme gewesen ist. Deswegen war es selbstverständlich, dass er nicht eine Sekunde gezögert hatte, als sein Freund ihn zu sich an die Seite rief. Niemals hat er vor einem seiner Wünsche gezögert und er würde ganz bestimmt nicht damit anfangen, wenn es sogar um seine eigene Familie ging. Und er nahm sich fest vor alles zu tun, um die Situation im Entferntesten für seinen Freund entschärfen zu können. Und das gelang ihm, wenn er sich selbst ein wenig loben durfte auch spielend leicht. Es war wunderbar dem ernsten Mann die Härte aus dem Gesicht zu nehmen. Jedes Augenrollen, jedes Seufzen, jedes Murmeln, jeder Schlag auf den Hinterkopf, jedes auch noch so angedeutete Schmunzeln, jedes Kopfschütteln war für ihn eine Belohnung. Naevius hat zu viel erlebt, hat zu viel Kälte in sein Herz gelassen. Und wenn Sharar auch nur einen kleinen wärmenden Pfeil am Tag durchschießen konnte, war er schon zufrieden. Selbst wenn er augenblicklich erlosch in der tiefen Eisschicht. Zufrieden also mit sich selbst lernte er Nora kennen und ließ sich von ihr zurechtweisen.
      Ihm war sehr wohl bewusst, dass Nora ein Mensch gewesen ist. Er roch ist. Der Geruch eines Menschen war etwas gänzlich unverkennbares und auch, wenn das letzte Mal, dass er einem dieser Wesen gegenüber stand mehrere Ewigkeiten her gewesen ist, würde er es niemals vergessen. Wenn auch diese Frau ein wenig... anders roch. Es war kein Parfüm oder dergleichen bei dem Anstieß sondern im Gegenteil etwas sehr, sehr vertrautes. Nahm er da etwa die Magie seiner Leute an ihr wahr? Nein, das konnte nicht sein, oder? Wie um alles in der Welt sollte dieses Ding an irgendwas aus seinem Pack gelangen, wenn nicht durch... Lucifer. Seine fröhliche treudoofe Miene verhärtete sich für einen Augenblick, als Nora sich nun selbst gänzlich an Naevius wandte. Und mit der Aufmerksamkeit eines Wachhundes beobachtete er jede Bewegung der Augen seines Freundes. Hörte jedem noch so kleinem Unterton zu. Wusste er davon? Wusste er irgendwas diese Frau betreffend?
      "Nora", setzte der schwarz-haarige an und für einen Moment hatte Sharar große Schwierigkeiten seine Ohren ruhig zu halten und nicht augenblicklich aus dieser menschlichen Hülle zu sprengen. Naevius der einen Namen aussprach? Das war groß. Das war sogar etwas sehr großes. Instinktiv spannte er sich ein bisschen an, war allerdings sehr bemüht seine Attitüde nicht fallen zu lassen. "Gut, dass du meine Worte aufgenommen hast. Aber vergiss deine Position kein zweites Mal. Ich gab dir keineswegs einen Rat. Es war eine Bedingung." Sharar verstand das Gespräch nicht, Nora hingegen umso besser. "Ja, Sir." Naevius nickte und verschwand für einen Moment in seinem Büro und kehrte mit 6 oder 7 Akten zurück und legte sie auf Noras Schreibtisch ab. "Das hier sind deine Akten, die unbrauchbar sind. Nimm dir die Zeit sie noch einmal genauestens durchzugehen." Mit dem Kopf nickte er in die Richtung seines Freundes, was die Aufmerksamkeit wieder auf ihn lenkte und ihn dazu bewegte augenblicklich sein dümmliches Lächeln wieder aufzusetzen. Er machte in seiner Mimik sehr deutlich, dass er nicht verstand worum es hier ging. Doch auch das war letzten Endes Kalkül. "Und lass... Alfred über deine Schulter sehen. Es wird eine Menge Arbeit. Bring Geduld mit." Sharar fing breit an zu grinsen und zuckte leicht die Schultern, als Nora noch einen Moment zu ihm sah und gesellte sich wieder näher zu ihm.
      "Aber Sir... Die Klienten warten doch." Sharars Amüsement wuchs und wuchs. Er streckte den Rücken durch und bereitete sich bereits ein bisschen auf die folgenden Worte vor. "So werden sie warten", sprach er Naevius imitierend wie aus einem Mund, was ihm einen warnenden Blick von dem Morningstar einheimste. "Ihr habt verstanden.", beendete er das Gespräch und ließ dadurch keine weiteren Fragen oder Kommentare zu. Sharar winkte ihm leicht hinterher, als er in seinem Büro verschwand und legte ihr freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. "Gewöhn dich schon einmal dran. Ihn bringt gar nichts aus seiner Ruhe." Neugierig sahen seine Augen zu den Akten und vorfreudig rieb er sich die Hände. "Wollen wir anfangen? Was machen wir bei der Arbeit hier eigentlich genau?"

    • Nora J. Anderson

      "Gut, dass du meine Worte aufgenommen hast. Aber vergiss deine Position kein zweites Mal. Ich gab dir keineswegs einen Rat. Es war eine Bedingung." Nora hielt dem Blick des grünäugigen Dämons stand und nahm dennoch seine klare Anweisung entgegen. Noch einmal würde sie nicht so töricht sein, sich auf dieses Niveau herabzulassen. Es war ohnehin beschämend an ihr Verhalten zurückzudenken und sie meinte wirklich, ihre Lektion gelernt zu haben.
      "Ja Sir." Mehr brauchte es nicht, dass sie einander verstanden. Und es würde auch nicht noch einmal vorkommen, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Sie wusste, dass sie ihr Temperament nicht immer zügeln könnte und trotzdem würde sie sich größte Mühe dabei geben. Schließlich nickte ihr Chef lediglich und verschwand kurz hinter der schweren Holztür zu seinem eigenen Büro. Unwillkürlich fragte sie sich, ob es noch immer so chaotisch aussah, wie vor drei Tagen. Sie hatte sich eben wieder auf ihrem Platz niedergelassen als der Dunkelhaarige bereits wieder auftauchte, in seinen Händen sieben Akten, die Nora augenblicklich wieder erkannte. Kurz zog sich ihr Magen schmerzhaft zusammen. Natürlich waren dies jene, welche sie bearbeitet hatte. Oder es zumindest in ihrer halbtoten Verfassung versucht hatte. Abermals erwartete sie in irgendeiner Form Ärger, den er an ihr ausließ. Und wieder musste Nora feststellen, dass Nathaniel Morningstar sich diesbezüglich stark von seinem Vater Lucifer unterschied. Lucifer verzieh keine Fehler. Niemals. Und er forderte schnelle Perfektion, er hatte schlichtweg nie Geduld und setzte tatsächlich auf Quantität statt Qualität, oder besser gesagt er forderte beides von jemanden und bestrafte, wenn man nicht mithalten konnte.
      "Das hier sind deine Akten, die unbrauchbar sind. Nimm dir die Zeit sie noch einmal genauestens durchzugehen." Aus großen, nahezu unsicheren Augen starrte sie ihren neuen Chef an. Sie suchte nach einem Zeichen von Ironie oder Sarkasmus in seinen grünen Seen, fand diesen jedoch nicht. Und so, wie er es betonte, dass sie sich Zeit nehmen sollte, schien er es auch zu meinen. Sie sollte...was? Aber... die Klienten warteten, dass sie es weniger Stunden fertig hatte! Belphegor saß ihr letzte Woche schon im Nacken und würde vor Wut platzen, wenn sie ihn tatsächlich warten ließ. Trotzdem war es für sie ein eindeutiger Befehl, denn Nathaniel in diesem Moment aussprach. Er verlangte wirklich von ihr, dass sie sich genügend Zeit nahm um diese Fehler auszumerzen und das erstaunte Nora immens.
      "Und lass... Alfred über deine Schulter sehen. Es wird eine Menge Arbeit. Bring Geduld mit." Das auch noch? Dann würde sie niemals vor Freitag damit fertig werden, wenn sie diesem schrägen Vogel noch alles erklären musste. Und sie zweifelte keinen Augenblick daran, dass Alfred ihr wirklich den letzten Nerv diesbezüglich rauben würde. Den flüchtigen Blick, den sie ihm zuwarf, reichte bereits. Sein Grinsen sprach Bände und diesmal erhob Nora vorsichtig ihre Stimme.
      "Aber Sir... Die Klienten warten doch." Und Belphegor, Marik wie auch alle anderen verdammten Dämonen in dieser Firma. Sie verstand nicht, wie sie sich bei dem Druck Zeit lassen sollte. Oder konnte. Sie blinzelte etwas, als sie seine Antwort erhielt und ihre Lippen standen tatsächlich einen kurzen Spalt offen. Auch weil Alfred ihn in diesem Moment absichtlich imitierte und etwas überrascht huschte ihr Blick rüber zu ihrem neuen Partner. Offenbar waren die beiden schon ziemlich eng befreundet, wenn Nathaniel dies nur mit einem finsteren Blick strafte und nicht einmal etwas dagegen sagte. Er meinte das wirklich ernst. Damit war das Gespräch auch schon beendet und Nathaniel verschwand in seinem eigenen Büro, Nora und Alfred dabei zurücklassend. Die Rothaarige musste noch einen Moment die Worte wirken lassen und sich daran gewöhnen. Sie war anders trainiert worden und nun wurden diese Prinzipien über Board geworfen. Nora konnte jedoch nicht sagen, dass sie es als unangenehm empfand und wollte ihr bestes versuchen. Zumal ihr Alfred aufmunternd sagte, dass er offenbar nicht aus der Ruhe zu bringen war. Kurz huschte ein freches Grinsen über ihre Lippen. Nun, diese Aussage blieb abzuwarten...

      "Wollen wir anfangen? Was machen wir bei der Arbeit hier eigentlich genau?" Bei der aufgeregten Stimme kehrte sie aus ihren Gedanken wieder und sah kurz nochmal zu dem hochgewachsenen Mann auf.
      "Wir fangen an... Mit Kaffee.", beschloss Nora kurzerhand und erntete erst einen verwirrten Blick, den sie mit einem Lächeln bekundete. "So kannst du mich bei Laune halten.", meinte sie verschwörerisch grinsend und machte sich an der Maschine zuschaffen, ihm dabei ungefragt ebenso eines der lebensrettenden Heißgetränks rauslassend.
      "Trinkt Mr. Morningstar eigentlich Kaffee?", fragte sie beiläufig und sah erst jetzt wieder zu ihm auf. Nur um einen völlig verwirrtem Gesicht zu begegnen.
      "Was ist Kaffee?"- "Du willst mich verarschen, oder?"- "Nein, ich kenne keinen Kaffee, was ist das?" Nora blinzelte. Einmal, zweimal... am Ende doch vier oder fünf mal ehe sie tatsächlich lachen musste. Okay, das war einfach zu komisch. Ein Dämon, dieses alte Wesen kannte im Ernst keinen Kaffee? Zu schade, dass er ihr also bei dieser Frage nicht helfen konnte, sie würde es aber so oder so herausfinden. Sie reichte ihm übertrieben feierlich die Tasse, welche sie ihm einfach gemacht hatte und nahm selber einen großen Schluck. Erleichtert schloss sie ihre AUgen für einen Moment, ehe sie ein Husten vernahm und in ein entsetzlich verzogenes Gesicht blickte. Sie meinte etwas wie "zu bitter" aus dem Husten herauszuhören und ihr Grinsen wurde schon spitzbübisch breiter.
      "Zu stark?", neckte sie ehe sie ihn zurück zu ihrem Tisch wank und ihm bedeutete, seinen Stuhl zu ihr zu ziehen. Sie begann mit der Akte für jenen Auftrag, dessen Deadline am nächsten war. So ordnete sie generell jene Akten welche Nathaniel ihr zurückgegeben hatte und versuchte einzuteilen, welche oberste Priorität hatte. Nebenbei begann sie Alfred ein wenig in die Firmengeschehen einzuführen, welche finanziellen Mittel sie besaßen, in was sie investierten, wo sie ihre verschiedenen Abteilungen einsetzten. Sie redete lange und zeigte das ein oder andere Mal einige Beispiele an ihrem Bildschirm. Gerade als sie ihm einige firmeninternen Videos zeigte, welche für Weiterbildungszwecke erstellt worden waren, dachte sie ernsthaft Alfreds Augen würden aus der Höhle springen. Ganz fasziniert starrte er auf den Bildschirm, sprang auf und ging sogar um den Tisch herum, nur um wie ein Kind beinahe entgeistert wieder auf seinem Platz zu sinken. Oh mann... Er hatte echt noch nie einen Computer gesehen? Nora ließ laut die Luft aus ihren Lungen weichen und schüttelte den Kopf. Deswegen sollte sie also Geduld haben... Mühsam bemüht, das ganze hier wirklich ernst zu nehmen, musste sie ihm natürlich erklären was ein Bildschirm ist und dass er nicht an das "Fenster" klopfen sollte. Bereits nach zwei Stunden war Nora fertig mit der Welt. Einem derart weltfremden Dämon war sie in den ganzen Jahren in der Morningstar nicht begegnet. Einerseits wollte sie laut auflachen, andererseits verzweifeln. Irgendwie schafften sie es jedoch von dem magischen Fenster abzulenken und sich tatsächlich auf ihre fehlerhafte Ausarbeitung zu konzentrieren. Und so sehr es sie auch wurmte, anhand ihrer Fehler konnte sie dem dunklen Wuschelkopf klarmachen, was genau er eben nicht tun sollte.
      "Siehst du die Diagramme hier? Die Zahlen sind extrem Wichtig, es sind jene Zahlen welche über den Erfolg des Projektes bestimmen. Wie du siehst habe...ich hier einen Fehler eingebaut und einen Zahlendreher gehabt. Wenn dieser Fehler nicht aufgefallen wäre hätte es wirklich den Kopf des Klienten und auch unseren kosten können. Du musst wirklich darauf achten welche Formeln du zum Berechnen verwendest, welches Datum vorgegeben ist und wie der potentielle Anstieg ist. Erst wenn diese Zahlen stimmen kannst du ein Diagramm zur Vereinfachung erstellen." Kurz schwieg sie, als ihr in dem Moment selbst noch ein weiterer Fehler auffiel, als sie ihn unterwies. Schnell fuhren ihre Finger über die Tastatur und merkte ihren Fehler, dessen Ursprung in der Berechnungsformel von Excel gelegen hatte. Sie stieß sich vor die Stirn darüber und konnte nur den Kopf schütteln, war insgeheim jedoch irgendwie froh, dass Alfred sie kein einziges Mal dafür verspottete solche Fehler begangen zu haben. Es schien ihm schlichtweg egal zu sein, denn Taktgefühl traute sie dem Dämon neben sich eher weniger zu. Tatsächlich waren sie bislang nicht wirklich weit gekommen, da Nora jede Seite und den Grund des Projektes erklären zu müssen. Und Alfred stellte nun einmal sehr viele Fragen. Von ziemlich sinnvollen und berechtigten Fragen bis hin zu derart albernen Dingen, welche sie einen Moment rausbrachten. Und dennoch musste sie zugeben, dass es ihr irgendwie Spaß machte. Wirklich Spaß mit ihrem neuen Partner zu arbeiten, einfach weil sie kein einziges Mal das Gefühl hatte, er würde in irgendeiner Art und Weise auf sie herabsehen.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Naevius Nathaniel Morningstar
      Nachdem der schwarz-haarige sich versichert hatte, dass alles ins Rollen kam und seine Anweisungen befolgt und vor allem verstanden worden sind, begab er sich wieder in sein Büro, schloss die Tür hinter sich und nahm sich einen kurzen Moment um durchzuatmen. Er ließ die Schultern kreisen und erinnerte sich damit selbst an das immense Gewicht, das auf ihnen lastete. Zugegeben, Thaminas Hilfe hatte ihm geholfen, sehr sogar. Sie versorgte ihn mit immensem Wissen über diese Firma, bei dem Naevius selbst bereits ein bisschen verwundert gewesen ist, dass Lucifer dermaßen viel mit seinem Vögelchen geteilt hatte. Ihm selbst war es vorgekommen, als hätten seine Eltern verzweifelt versucht ihr die Augen zu verbinden und in Unwissenheit zu hüllen. Doch dabei musste er zugeben, dass er sich auch nicht genug mit seiner Familie befasst hat, um nun tatsächlich sicher in diesen Regeln des Umgangs zu sein. Am Ende des Tages interessierte es ihn noch immer sehr wenig. Was für den Dämonen nur von Relevanz gewesen ist war nur die Nützlichkeit seiner Schwester. Und die stand dummerweise nicht zur Debatte. Dank ihr hat er viele Fehler dieses Unternehmens gefunden. Naevius verstand, dass es eine schwierige Arbeit gewesen ist dieses gigantische Imperium mit der Herrschaft über die Hölle zu verbinden. Doch in seinen Augen hatte er sich dermaßen verrannt, dass er beides vernachlässigt hat.
      Sein gesamtes Augenmerk würde für den Moment auf der Firma liegen. Und da hatte er ganz gezielt die ganzen internationalen Geschäfte zunächst zur Seite geschoben. Das erste, worum er sich kümmern musste, war der Hauptsitz. Und er würde auch Sorge dafür tragen, dass seine Anweisungen an jede andere Zweigstelle getragen werden, bevor irgendwas anderes erledigt wird. Das war durch und durch notwendig. Nicht nur für die Morningstar sondern auch den Morningstar. Zum aller ersten Mal bereute er seine Entscheidung ein wenig den Himmel betreten zu haben. Die Grundstimmung seiner Angestellten unter der Hand eines Verräters zustehen war... ein Problem. Und von diesem ohnehin schon sehr großen Akt abgesehen, lagen die Akten noch immer auf seine Tisch, die ihm am meisten zu schaffen machten. Die Verträge mit den Höllenfürsten, die ihre Gültigkeit ein Jahr nach Lucifers Abtritt verlieren würden. Bestimmt nahm er sich die Akten und verstaute sie vorerst in der obersten Schublade seines Schreibtisches. Das musste warten. Eins nach dem anderen. Niemals hat Naevius sich wahrlich aus der Ruhe bringen lassen. Da war die sehr zügige Arbeit, die liegen geblieben ist bereits zu viel gewesen. So würde er nicht weiter machen.
      Langsam nahm er Platz an seinem Schreibtisch, lehnte sich zurück und war einfach. Er existierte für einen Moment und holte Luft, um diesen Krieg zu beginnen, in den sein Vater ihn gedrängt hatte. Er könnte sich einen Moment der Ruhe vor der Sturm, nach den letzten drei Tagen, ehe er Nora und Alfred zu sich rief. Er schaute beide abwartend an und schätzte ein, wie gut das zwischen ihnen funktionierte, allerdings erweckte nichts an der Haltung der beiden seine Aufmerksamkeit, weswegen er nickte. "Es wird sich sehr viel ändern in dieser Firma und ich möchte euch beide hier wissen. Nora, du wirst dafür zuständig sein die Änderungen einzuführen. Und Alfred sorgt für die Einhaltung." Er beugte sich vor und stemmte seine Unterarme auf den Schreibtisch. "Mir gefällt die Arbeitsweise, die mein Vater eingeführt hat nicht. Ab sofort sind die Türen der Firma ab 7 Uhr geöffnet und schließen um 21 Uhr. Ihr werdet euch alle an die Arbeitszeiten halten und ab 21 Uhr ist das Putzpersonal dran. Ich habe ihnen die Erlaubnis erteilt jeden, der nicht vom Computer aufstehen möchte von mir aus auch mit ihren Wischmöppen hinaus zu jagen." Er gab insbesondere Nora einen Moment, um die Information aufzunehmen, führte dann allerdings einfach vor. "In Zukunft werden keine Projekte mehr angenommen, die eine Abgabefrist von drei Tagen haben. Die Minimale Bearbeitungszeit wird auf eine Woche erhöht. Und dabei spreche ich nicht von 5, sondern 7 Tagen. Hinzu kommt, dass es neben den Abteilungsleitern zukünftig Generalsekretäre geben wird. Alle Projekte einer Abteilung gehen zuerst über diesen Sekretär, der bedingte Administrative Rechte erhält. Ich habe eine klar definierte Liste ausgearbeitet welche Anliegen von diesem Sonderposten nicht bearbeitet werden dürfen und hoch in diese Etage kommen." Zu seinen Worten holte er ein Blatt aus einer Mappe und reichte sie Nora. "Zudem - und das gilt vor allem für dich, Nora - wird nichts mehr, was auf meinen Schreibtisch kommt auch nur einen Fehler beinhalten. Überlege dir deswegen gut, ob du deine Unterlagen nur einmal durchgehen möchtest. Allerdings gilt diese Regelung auch für die anderen Abteilungen. Wer seine Arbeit schlecht macht und die erhaltene Zeit nicht nutzt, dem drohen Positionsdegradierungen. Wer der Arbeit nicht fähig ist, bekommt eine, die besser zu seinen Fähigkeiten passt. Und wer sich als gänzlich nutzlos erweist wird die Morningstar Int. verlassen."
      Er zückte ein weiteres Dokument und legte es für Nora hin. "Zudem erhöhe ich das Investitionsbudget. Jede Abteilung bekommt erweiterte Mittel von 10%." Die vorherigen Mittel waren kaum vorhanden gewesen. Naevius hatte sogleich erkannt, dass Lucifer auf Nummer Sicher gegangen war. Doch die Einbußen für dieses Verhalten schien er entweder nicht vor Augen zu haben, oder es hatte ihn schlichtweg nicht interessiert. "Das bedeutet, Computer werden erneut, Programme aufgewertet und neu geschrieben und ich möchte das Quartalsweise verpflichtende Schulungen eingeführt werden in eben diese ganzen Neuerungen. Kümmere dich darum, dass sich dahingehend mit den Technikfirmen außeinandergesetzt wird und sie uns ein Angebot machen. Für die Schulungstage sollen die Angestellten freigestellt werden. Gib ihnen für jeden Tag der Anwesenheit einen halben Tag frei. Hinzukommt, dass ich in jeder Abteilung mehr Personal möchte. Bis wir eine Überkapazität von 30% haben."

    • Nora J. Anderson

      Als Nora eben soweit war, dass Alfred im Groben erstmal eine Vorstellung davon bekommen hatte, was diese Firma tat und auf was sie sich bei den vor ihnen liegenden Projekten konzentrieren mussten, rief Nathaniel sie zu sich. Kurz blickte sie etwas ratlos zu ihrem neuen Kollegen, der offenbar genauso die Schultern zuckte und brav folgten sie dem Ruf und nahmen vor dem mächtigen Schreibtisch ihres Bosses platz. Nora faltete gewohnt ihre Hände zusammen und spürte den Blick seiner sonderbaren Augen kurz auf ihnen beiden ruhen, beinahe so als ob er sie versuchte einzuschätzen. Sie und Alfred wohlgemerkt. Allerdings schien er sich damit nicht lange aufzuhalten, immerhin verstanden sie beide sich auf Anhieb, auch wenn der Rotschopf sich noch etwas an seine Unwissenheit gewöhnen musste.
      "Es wird sich sehr viel ändern in dieser Firma und ich möchte euch beide hier wissen. Nora, du wirst dafür zuständig sein die Änderungen einzuführen. Und Alfred sorgt für die Einhaltung." Nun lag Noras ganze Aufmerksamkeit auf den hochgewachsenen Mann vor sich. Änderungen? Sie hatte ja schon geahnt, dass er nicht mit Lucifers selber Art herrschen würde. Allerdings hatte sie nicht geglaubt, dass er sie beide direkt mit in seine Änderungen mit einbinden würden. Auch dass sie von ihm bestimmt wurde, seine Ideale durchzusetzen. Und Alfred... Kurz huschte ihr Blick zur Seite. So goofy dieser Mann auch war, etwas sagte ihr, dass er durchaus in der Lage war, dafür zu sorgen, dass Nathaniels Worte befolgt wurden. Kurz flammte die Frage in ihr auf, wie dieser vor sich hin grinsende Mann wäre, wenn er tatsächlich ernst machte. Doch im gleichen Atemzug verspürte sie deswegen eine unangenehme Gänsehaut und verschob diese Frage lieber wieder. Sie konzentrierte sich weiter auf die Ausführungen des mächtigen Dämons vor sich. Und mit jeder weiteren Veränderung, welche er aufzählte und erläuterte spürte sie förmlich, wie ein enormer Druck von ihrem Brustkorb genommen wurde. Als würde eine riesige Last, welche ihr bislang nicht gewahr wurde, dass sie diese auf ihren schmalen Menschenschultern stemmte, genommen. Und dafür war sie ihrem neuen Vorgesetzten zum ersten Mal sehr dankbar. Ihr Gefühl, dass er sich sehr von seinem Vater unterschied, hatte Nora nicht getäuscht. Er war ganz anders als der Teufel selbst. Und Nora begann dies wirklich zu schätzen. Seine Ausführungen sprachen direkt drei Dinge an: Zeit, Arbeitsweise und -mittel. Sie nahm die Blätter entgegen, welche er ihr überreichte und während sie seinen Ausführungen lauschte flogen ihre Augen über das Geschriebene. Allein die Forderung, jeder Abteilung mehr als das Minimum an Mitteln zur Verfügung zu stellen und mit Schulungen und Weiterbildungen zu arbeiten zauberte ihr sogar ein Lächeln auf die Lippen, als sie seine Ausführungen las. Er modernisierte ihre Firma von Grundauf. Führte neue Generalsekretäre ein, sodass Nora nicht mehr gezwungen war, alles irgendwie zu kontrollieren in diesem Unternehmen. Bislang war sie die einzige Ansprechpartnerin für alle laufenden Projekte. Für jede Frage einer jeden Abteilung, zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit. Einfach weil es bislang keine Möglichkeit für die Abteilungsleiter gab, sich in ihrem Büro damit auseinandersetzen zu können. Und genau die Erkenntnis, dass sie eben nicht mehr das Gewicht stemmen müsste und sich wirklich mal auf ihre eigene Arbeit konzentrieren durfte, stimmte sie sogar glücklich. Wirklich glücklich. Und sie dankte ihrem infernalischen Ex-Boss, dass er sich dazu entschlossen hatte, diesen Rücktritt zu machen. Wenn alles so funktionierte, wie Nathaniel es ihnen auslegte, sah Nora nicht nur eine Steigerung der Mitarbeiter sondern eine reelle Chance einer Gewinnmaximierung. Ohne dass jemand unter dem Druck zusammenbrach.
      Als Nathaniel fürs Erste geendet hatte nickte Nora mehr als befürwortend.
      "Verstanden, Sir.", meinte sie nur und löste ihre Augen von den wenigen Blättern in ihrer Hand, um ihn dabei ansehen zu können. Sie sagte nicht viel und doch war ihre Stimme sehr eindeutig, wie angenehm sie diese Erneuerungen empfand. Und sie war fest davon überzeugt, dass die Morningstar Int. damit noch erfolgreicher werden könnte als unter Lucifers Herrschaft. Denn- so sehr sie dem Teufel auch dankbar war, dass er sie in diese Welt gelassen hatte und für ihren Schutz garantierte- er war und blieb ein Tyrann der absolute Perfektion forderte, ohne darauf zu achten was eigentlich möglich war.
      "Du wirst dafür Sorge tragen, dass meine Anweisungen an alle Abteilungen und Tochterfirmen getragen werden.", wandte sich Nathaniel nochmals direkt an sie. Nora war klar, dass sie damit ihren ersten richtigen Arbeitsauftrag bekam, er ihr jedoch keine weiteren Vorschriften bezüglich der Formulierung oder ähnlichem gab. Lediglich seine Nachricht hinter den Anweisungen sollte deutlich werden. Nora nickte entschlossen.
      "Ich werde ein Schreiben aufsetzen und es Sie vor dem Verteilen gegenlesen lassen, Sir.", antwortete sie sofort. Sie hatte tatsächlich schon eine Formulierung im Kopf und wie sie es für alle verständlich erläutern würde. Ihre Finger kribbelten förmlich, sich an die Arbeit zu machen, damit die neuen Anweisungen schnellstmöglich an die internen und externen Abteilungen gehen könnten.

      Da hiermit das Meeting der Drei offiziell als beendet erklärt wurde kehrten Nora und Alfred in ihren Arbeitsbereich zurück und leise schloss die Rothaarige die schwere Tür hinter sich, welche die beiden Büros voneinander trennte. Schließlich drehte sie sich strahlend zu ihrem neuen Kollegen um und rieb sich sogar etwas ihre schmalen Hände.
      "Ich würde sagen: An die Arbeit.", meinte sie vergnügt und erklärte dem Wuschelkopf kurz, was er in der Zeit erledigen sollte, während sie sich um Nathaniels Anliegen kümmerte. Seine primäre Aufgabe war es fürs erste, nicht nur die Tippfehler mit auszubessern, welche in den Akten zu finden waren, sondern zeitgleich sich auch mit Excel und anderen Berechnungsprogrammen auseinanderzusetzen. Sie öffnete auf seinem Computer noch einige Hilfestellung, die er sich durchlesen könnte um den Umgang mit der jeweiligen Software besser zu verstehen. Ermutigend klopfte sie ihm auf die Schulter, ehe sie sich an ihren eigenen Tisch setzte und ihre Finger kurz knacken ließ. Die Vorfreude, dieses Schreiben aufsetzen zu dürfen, ließ sie unentwegt grinsen. Oh, die Dämonen würden Augen machen, dieses Schreiben zu erhalten. Dessen war sich die Schottin hundert Prozentig sicher. Ihre Finger flogen förmlich über die Tastatur, als sie die neuen Anweisungen in klare, verständliche Worte fasste. Ab und an hielt sie inne, um nach einer passenden Formulierung zu suchen. Doch fiel es ihr keineswegs schwer, jene Worte die sie im Büro vernommen hatte, mit all den wichtigen Details wiederzugeben. Als sie fertig war zwang sie sich dazu, nicht sofort mit dem Entwurf zu ihrem Chef zu gehen. Sie akzeptierte seine Worte, indem sie sich die zeit nahm, ihr Geschriebenes noch zwei bis drei weitere Male zu prüfen und änderte tatsächlich hier und dort nochmal eine Passage ab, um sie verständlicher zu erläutern. Sie hatte nicht jede Anweisung erklärt, vieles verstand sich von selbst, jedoch gab es einige Belange welche sie genauer ausführen musste. Eben weil diese Nachricht nicht nur den Hauptsitz der Morningstar Int. betraf sondern auch die anderen Zweigstellen. Am Ende, nachdem sie es einige Male überprüft hatte und auch abänderte, war sie zufrieden mit dem ,was sie las. Jetzt musste es nur noch ihr Chef absegnen. Sie druckte eine zweifache Ausführung dessen aus. Eine, welche Nathaniel Morningstar unterschreiben müsste, damit sie es mitsamt der Unterschrift einscannen und schließlich als offizielles Dokument nutzen könnte, und die andere Ausführung für seine eigenen Unterlagen, dass er jederzeit darauf zurückgreifen könnte. Mit einem respektvollem Klopfen wartete sie darauf, hereingebeten zu werden und legte ihm das Schreiben vor. Sie wartete geduldig, bis seine Augen wieder von dem Dokument aufsahen, offenbar zufrieden mit ihrer Arbeit.
      "Ich bräuchte nur noch ihre Unterschrift, wenn es zu Ihrer Zufriedenheit ist, damit ich es als offizielle Anweisung wegschicken kann. Ich habe auch bereits mit drei Vertretern von Programmsoftwaren und Technischen Abteilungen telefoniert. Bis nächste Woche senden sie uns Angebote und Vorschläge bezüglich der Aufrüstung zu.", fuhr sie mit dem nächsten Punkt auf ihrer Liste fort. Natürlich hatte sie sich bereits einige vielversprechende Firmen herausgesucht, welche bei den Weiterbildungen, den Programmen und der allgemeinen Technik als durchaus annehmbar wirkten. Erleichtert sah Nora dabei zu, wie Nathaniel tatsächlich ihre Ausführung unterschrieb und nahm das gezeichnete Exemplar an sich. Das andere blieb natürlich bei ihm. Sie nickte ihm kurz zu ehe sie das Büro wieder verließ, um die wohl größte Rundmail loszusenden, welche sie je geschrieben hatte. Als auch das erledigt war streckte sie sich kurz, nahm sich einen neuen Kaffee und spähte Alfred über die Schulter, ob er soweit zurechtkam. Halbwegs zufrieden damit grinste sie ihm zu, ehe sie sich für fünf Minuten entschuldigte. Als Alfred sie etwas verwirrt ansah hob sie entschuldigend den Glimmstängel als Symbolik und zuckte mit ihren Schultern.
      "Schlechte Angewohnheit.", meinte sie nur trocken, ehe sie sich mit Kaffee bewaffnet auf das Plateau begab um sich einige Momente der Ruhe zu gönnen. Ihr Blick galt dem atemberaubenden Ausblick, während sie ihren Blazer enger um sich zog um der Kühle des Oktobers entgegenzuwirken. Ein nahezu befreiendes Seufzen kam über ihre Lippen. Sie fühlte sich mehr als Gut, jetzt wo diese neuen und überraschend angenehmen Änderungen offiziell an jede einzelne Abteilung und jeder Zweigstelle geschickt waren. Sie konnte sich ausmalen wie ein Marik und auch ein Belphegor entgeistert in ihr Postfach blickten. Allein die Vorstellung ließ sie Grinsen. Sie hieß diese Änderungen wirklich mehr als Willkommen, die Nathaniel einzuführen vermochte. Und glücklicherweise schien sie seinen Ton in dieser Hinsicht getroffen zu haben, sonst hatte er etwas beanstandet, was ihm fehlte oder dergleichen. Sie hatte endlich das Gefühl etwas richtig gemacht zu haben und das stimmte sie nun doch sehr zufrieden.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Thamina Thomasyn Morningstar
      Ein Atemzug. Ein zweiter. Nervös klammerten die zitternden Finger der jungen Frau in ihrem Jackett und was ihr Bruder Naevius hätte empfinden sollen, als er das erste Mal vor der Morningstar stand, das flutete geradezu seine kleine Schwester. Sie konnte entgegen der Menschen, die an ihr vorbei gingen genau spüren welche Mächte sich in diesem Gebäude aufhielten. Sie spürte die Schatten, die Energien und alle ihre Sinne schienen angespannt zu sein. Es war die eine Sache gewesen durch diese großen Türen ein und aus zu gehen, als die Firma offiziell geschlossen gewesen ist. Was ganz anderes war es heute. Ihr Herz hämmerte wild gegen ihre Brust und nichts mehr war übrig von der Frau, die wohlwollend ihren eigenen Tod angesprochen hat, um sich dieser Gefahr gezielt auszusetzen. Sie konnte im Endeffekt gar nicht sagen, wie lange sie sich ihrer Angst hingab und auf dem Treppenabsatz verweilte, ohne dass ihre Beine ihr irgendeine Form des Dienstes boten. Doch es war lang genug, dass vorbei huschende Menschen anhielten, um sie nach ihrem Wohlbefinden zu fragen. Sie setzte ein Lächeln nach dem nächsten auf. "Vielen Dank", hauchte sie mit einer Wärme in ihrer Stimme, die selbst die Fremden dazu bewog ihr mitfühlend die Hand auf den Arm oder den Rücken zu legen. Menschen waren so liebenswerte Wesen. So einfühlsame Wesen. Sie beneidete sie um ihr großes Vermögen zu fühlen.
      Ein drittes Mal atmete sie tief ein und zückte ihr Handy aus ihrer Tasche. Die Nummer von Naevius war ihr zweiter favorisierter Kontakt unter dem von Nora. Es klingelte. Lange. Für einen Moment zweifelte sie schon daran, dass er überhaupt abheben würde, doch dann meldete sich auch schon die raue Stimme zu Wort und Thaminas Angespanntheit schien sich sogleich zu verdoppeln. So warm die Menschen waren, so kalt war ihr Bruder. "Was möchtest du?" - "I-ich", sie zitterte beim Sprechen, brach ab und rief sich ins Gedächtnis, dass sie eine Morningstar gewesen ist. Sie holte tief Luft und setzte noch einmal an. "Ich stehe vor der Firma. Ich habe die Ausarbeitungen dabei, über die wir gesprochen haben." Stille. Sie konnte ihn seufzen hören. "Ich schicke dir jemanden runter, der dich begleiten wird." Thamina wurde blass. Ihr Herz rutschte ihr in die Hose. "Bei ihm bist du sicher", versicherte Naevius ihr ihren Schutz, beinahe als hätte er den Abfall ihres Mutes durch das Telefon vernehmen können. Ein bisschen zu ruckartig atmete Thamina laut auf und nickte. "Ja!", sagte sie atemlos und legte auf. Alles wird gut. Alles wird gut. Alles wird gut. Immer und immer wieder atmete sie tief durch und in den Minuten, in denen sie nun warten musste, fragten sie noch mehr Menschen, ob alles in Ordnung gewesen ist. "Ich hab ein Vorstellungsgespräch", sagte sie mit einem zittrigen Lächeln, als ein älterer Herr bei ihr stehen blieb und besorgt auf ihre zitternden Hände sah. Er lächelte sie aufmunternd an. "Nur keine Sorge, Sie werden das schon schaffen. Ich drücke fest die Daumen." Thamina nickte und neigte mit dankbarem Lächeln leicht das Haupt, ehe jemand aus der Firma trat, dessen Kraft ihr die Nackenhaare aufstellen ließ.
      "Thomasyn?", hackte er schwarz-haarige mit einem freundlichen Lächeln nach. Sie nickte fast schon ein wenig zu schnell. Der ältere Herr neben ihr tätschelte liebevoll ihren Arm. "Viel Erfolg." Damit ging er und beinahe hätte sie nach ihm gegriffen, dass er bei ihr bleiben sollte. Doch sie war tapfer. Sie hatte tapfer zu sein. Zeige keine Schwäche, zeige keine Angst. Der großgewachsene Mann blieb vor ihr stehen und hielt ihr seine Hand mit einem Grinsen hin. "Ich bin Alfred!" Langsam sah Thomasyn zu seiner Hand und wieder auf zu dem freundlichen Herrn. "Thomasyn, sehr erfreut", nickte sie ihm zu, nahm seine Hand allerdings nicht an. Sie durfte Dämonen, die sie nicht kannte nicht berühren. Und auch, wenn Naevius sagte er wäre ihr Beschütze für diesen Augenblick, so hätte er gerade dennoch jeder sein sollen. Der Mann schien ein bisschen die Brauen zusammenzuziehen und schaute auf seine eigene Hand. "Hab ich's doch wieder falsch gemacht?" Die rosa-haarige blinzelte einige Male, bis sie begriff was er meinte und schüttelte schnell den Kopf. "Nein, nein, alles gut. Alles bestens... Wollen wir?" Alfred nickte schnell und ließ ihr den Vortritt. Die unteren Etagen waren weniger problematisch. Doch sobald sie im Aufzug standen wurde es... schwieriger. Ab und an trat ein Dämon ein und obwohl sie sich immer wieder ins Gedächtnis rief sie durfte unter keinen Umständen kuschen, erzitterte ihr Herz bei jedem neuen Mann der eintrat und von dem sie ganz genau spürte, was er gewesen ist. Einige der Dämonen drehten sich auch irritiert zu dem Mädchen um. Einige schienen sie sogar zu erkennen und die Negativität, die ihr entgegen geschlagen wurde ließ Thamina erschaudern. Sie hob nicht den Blick, rührte keinen Muskeln, traute sich nicht zu atmen.
      Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass Alfred jeden Blick, der ihr zugeworfen wurde erwiderte und das auf eine Art, die die anderen murrend wegsehen ließ. "Verdammtes Pack", hörte sie einen der Dämonen nuscheln, als er ausstieg und Alfred machte bereits einen Schritt hinterher. Doch blitzschnell hatte sie seinen Arm ergriffen. "Nicht." Ihre Stimme war sogar erstaunlich fest, als sie diese Anweisung gab und Alfred nickte nur und entspannte sich neben ihr augenscheinlich wieder. Doch sie konnte spüren wie aufmerksam er gewesen ist. Als die Türen sich dann schließlich endlich auf der obersten Etage wieder öffneten, stolperte das Mädchen regelrecht heraus und schnappte nach Luft. Sie wusste, dass hier oben niemand gewesen ist, spürte, dass diese grauenvolle Energie die Luft hier nicht verpestete und warf sich regelrecht in die Hocke, den Kopf schon fast auf ihren Knien schlang sie die Arme um ihren Oberkörper und versuchte ihre Atmung wieder zu regulieren. Tief ein, tief aus. Es war nichts passiert. Alles gut, sie hatte es hier rauf geschafft. Das hat sie noch nie bewältigt. Auch als ihr Vater noch Leiter der Morningstar gewesen ist, sie war niemals näher als sie zwingend musste auch nur an diesem Gebäude vorbei gegangen. Doch jetzt war sie drin. Richtig drin. Ganz oben. Alles wird wieder gut. "Geht es?", kam die verwunderte Frage Alfreds und sie nickte lediglich, ehe sie ebenso ruckartig, wie sie in die Hocke gegangen ist, wieder hoch kam. "Ja!", presste sie hervor und nickte noch mal, während sie tief Luft holte. Mit einem entschuldigenden Lächeln drehte sie sich zu dem schwarz-haarigen um. "Danke für den Geleitschutz." Ihre Augen wanderten direkt zu der Bürotür ihres Bruders. Doch sie konnte keinen Schritt machen, da krachte es von der Seite und sie zuckte instinktiv heftig zusammen und machte einen Satz auf Alfred zu.
      "Thomasyn?!" Die junge Frau blinzelte und sah dann auf zu ihrer guten Freundin Nora. Sogleich hellte sich ihr ganzes Gesicht auf und ihre Anwesenheit gab ihr noch ein viel mächtigeres Gefühl der Sicherheit, als der Dämon an ihrer Seite es ihr bereiten konnte. "Nora! Wie schön dich zu sehen! Du siehst gut aus und hast auch wieder Farbe im Gesicht." Eilig ging die rosa-haarige auf ihre Freundin zu und legte ihre Arme um sie, doch die Verwirrung schien nicht aus ihren Zügen zu weichen, was Thamina einen fragenden Ton machen ließ. "Hm? Alles in Ordnung? Oh, weißt du vielleicht gar nicht mehr, dass ich dich Freitag Abend besucht hatte und ganz erschrocken gewesen bin?" Doch das ist es nicht im Entferntesten gewesen, was ihre Freundin verwirrte und nach einem Moment brach es auch einfach aus ihr heraus. "Was machst du hier?" Das Mädchen blinzelte und zeigte hinter sich in Richtung des CEO Büros. "Oh, ich wollte nur eben etwas bei Naevius abgeben!" Sie zuckte selbst erschrocken zusammen und zog scharf die Luft ein. "Oh... Mist... Ich..." Enttäuscht senkten sich ihre Schultern. "Nathaniel. Dabei habe ich den Namen so oft vor dem Spiegel geübt. Kannst du dir vorstellen, wie das ist, wenn dein Bruder plötzlich den Namen wechselt?"

    • Nora J. Anderson

      Kaum dass Nora von ihrer kurzen Raucherpause wiederkehrte blinzelte sie etwas verwirrt, da sie alleine im Büro stand. Alfred war verschwunden, sein Stuhl noch immer in der halbschrägen Stellung, als wäre er schnell aufgesprungen. Irritiert blickte sie zu der dunklen Holztür des Chefbüros. Hatten die beiden Männer vielleicht noch etwas privates zu klären? Verwundern würde es die junge Frau nicht, immerhin hatte Alfred ebenso seine feste Rolle hier. Die Schultern zuckend machte sie sich wieder an die Arbeit und brütete gerade konzentriert über den Akten, als sie den Fahrstuhl vernahm. Dann herrschte eine Weile Stille ehe Alfred gefolgt von... Was zum-? Vor Schreck fiel Nora tatsächlich der eben gehaltene Tacker aus der Hand. Was machte ihre beste Freundin hier?! Thomasyn, ziemlich blass um die Nase, betrat das Büro und entgeistert starrte der Rotschopf sie an. Das...warum..?
      "Thomasyn?!" Nie, wirklich nie hatte ihre Freundin sie jemals auf der Arbeit besucht. Sie sprachen nur bedingt über Noras Aufgaben und ihre Treffen waren ausschließlich privater Natur. Und warum zur Hölle kam sie mit Alfred in Geleit hier her? Deutlich nicht verstehend, was dies alles zu bedeuten hatte, starrte sie die Jüngere an.
      "Nora! Wie schön dich zu sehen! Du siehst gut aus und hast auch wieder Farbe im Gesicht." Trotz der vertrauten Umarmung, welche Nora geistesabwesend erwiderte, verstand sie gerade absolut Bahnhof, was hier vor sich ging. Selbst der Kommentar, dass sie besser aussähe, konnte dieses Gefühl nicht lindern. Nora störte nicht einmal der Umstand, dass ihre beste Freundin sie in ihrer Wohnung aufgesucht hatte. Dafür hatte der rosafarbene Schopf vor ihr immerhin den Zweitschlüssel, als Zeichen von Noras bedingungslosen Vertrauens. Thomasyn durfte bei ihr ein- und ausgehen wie es ihr beliebte, selbst wenn Nora nicht anwesend wäre. Einfach damit sie einen Rückzugsort hatte, den sie aufsuchen könnte. Und manchmal hatte sich ihre Freundin auch um ihre Wohnung gekümmert, wenn Nora absolut gar keine Zeit dafür hatte. Trotzdem, dies war gerade nicht der springende Punkt.
      "Was machst du hier?", platzte es aus ihr heraus. Nicht, dass sie sich nicht freuen würde, das kleine Energiebündel zu sehen. Aber...nicht hier. Nicht in dieser Firma und nicht in dieser Etage. Menschen waren hier oben nicht einmal zugelassen!
      "Oh, ich wollte nur eben etwas bei Naevius abgeben!" Noras Augen wurden groß. Sehr groß. Naevius? Wer zum- Sie kam nicht einmal dazu, ihre Gedanken fertig zu formen, als ihre Kleine sichtlich erschrocken sich korrigierte. Und nun fiel Nora alles aus dem Gesicht. Absolut alles. Nicht nur, dass sie netterweise gerade den wohl wahren Namen ihres Chefs erfahren hatte, nein... Die andere Erkenntnis schockierte sie mehr. Viel mehr als sie jemals in Worte fassen konnte. Das Wort Bruder brannte sich in Noras Kopf ein und sie konnte, nein sie wollte nicht verstehen, wie ihre süße, herzallerliebste kleine Thomasyn die...Schwester von... Nein. Einfach nein! Sie weigerte sich das zu glauben. Das musste ein sehr schlechter Scherz sein.

      "WAS?!" Nora konnte es nicht zurückhalten, auch nicht ihre deutlich lautere Stimme welche durch denselben Ausruf seitens des Dunkelhaarigen nur verstärkt wurde. Kurz sahen Alfred und Nora irritiert einander an. Dass es Nora erschreckte, gut. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass ihre Kleine eine verfluchte Dämonin war. Warum aber war Alfred so schockiert? Für einen Moment meinte sie, selbige Frage auf sie bezogen in seinen Augen zu sehen.
      "Du...das...wie?" Keine klaren Worte kamen mehr über ihre Lippen und sie wies auf das Büro und auf Thomasyn zurück. Sie war Nath- Naevius Schwester?! Die Schwester von diesem Dämon? Wie? War da was schief gegangen? Ihre beste Freundin war viel zu lieb, viel zu einfühlsam und zu unschuldig um eine verfluchte Morningstar zu sein! Plötzlich wurde Nora blass. Sehr blass. Sie war eine Morningstar. Eine fucking Morningstar... Die Tochter von...von... Ihr wurde kurz schwindelig. Oh verfluchter...
      "Thamina...?", war es nun Alfred, der die schwere Stille brach. Nora sah zu ihm, die Brauen zusammenziehend. Thamina also? Das war ihr richtiger Name? Nein. Das ging jetzt zu weit, ihre kleine Masy blieb wer sie war. Kein dämonischer Name. Nope! So sehr sie sich auch wohler fühlte, wenn sie die wahren Namen kannte und nun auch bei ihrem Chef Naevius durchaus sicherer fühlte, sie weigerte sich bei ihr irgendeinen anderen Namen als Thomasyn anzunehmen! Doch damit nicht genug. Nora achtete wenig darauf, dass die beiden sich offenbar zu kennen schienen. Natürlich kannten sie sich, es waren verdammte Dämonen. Ein weitaus beunruhigender Gedanke machte sich in ihr breit. Sie war seit Jahren mit der Tochter Satans befreundet. Der Tochter Lucifers! Und sie war so idiotisch, und hatte ihren Namen, Thomasyn, auf jene Liste der Menschen gesetzt, die Lucifer beschützen sollte wenn sie für ihn arbeitete. Sie hatte seine eigene verdammte Tochter in ihren Vertrag eingebunden! Sie kam sich so unglaublich dämlich vor. Was hatte der Höllenherrscher in diesem Moment gedacht? Was hatte er von ihr gedacht? Warum hatte er verflucht nochmal nichts gesagt?! Nora sank kraftlos auf ihrem Stuhl zusammen und raufte sich die Haare. Als die Bürotür aufging und Naevius offenbar das ganze Theater durch seine Tür vernommen hatte blickte sie auf. Das sollten Geschwister sein? Sie sahen einander absolut nicht ähnlich, weder vom Aussehen noch vom Verhalten. Bevor ihre beste Freundin im Büro verschwand fasste Nora nach ihrem Arm mit einem mehr als ernsten Blick.
      "Darüber reden wir...wenn du mit deinem Bruder fertig bist!", sagte sie mehr als eindeutig. Sie duldete keine Widerworte. Sie wollte Antworten. Am liebsten sofort, doch wusste sie, dass es ihr nicht zustand das Gespräch der Beiden noch weiter zu verzögern. Mit einem entschuldigendem Blick zu Naevius- Himmel, sie musste sich diesen Namen erst einprägen- ließ sie Thomasyn schnell wieder los und kehrte zu ihrem Platz zurück. Offenbar wirkte sie genauso geschafft wie Alfred, der ebenso in seinen Stuhl sank.
      "Warum ich überrascht bin, weiß ich. Sie ist meine beste Freundin und ich dachte, sie wäre ein Mensch. Aber warum beim Höllenfeuer bist du überrascht?" Beinahe anklagend sah sie zu Alfred.
      "Willst du mich verarschen? Das letzte Mal, als ich sie gesehen habe, war sie gerade Mal dreißig Jahre alt und ein Kind!", erhob er beinahe etwas erbost seine Stimme und gestikulierte mit seinen Händen, welche ihre damalige Größe zeigte. Dreißig... Nora klappte der Mund auf. Ihre Kleine war... Ach komm schon... Ihr war es gerade einfach nur zu viel.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

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    • Thamina Thomasyn Morningstar
      Erst, als sie die Entgeisterung und absolute Geschafftheit ihrer besten Freundin sah, schlich sich ein schlechtes Gewissen in der jungen Frau hoch. Sie wollte gerade etwas sagen, als auch der schwarz-haarige Mann, der sie begleitet hat seinen Unglauben kund machte. Und als er ihren Namen aussprach riss sie den Kopf zu ihm herum und erwiderte den Blick fast so überrascht, wie sie ihn von ihm erhielt. Er... kannte ihren Namen? Ihren richtigen Namen! Sie war so ein Schwächling in der Dämonenwelt, dass es nichts Neues gewesen ist, dass ihr Name einfach nicht im Gedächtnis blieb. Die meisten nannten sie Lucifers Gör oder dergleichen. Gerne hätte sie weiter nachgehakt, doch Noras Hand an ihrem Arm riss sie zurück zu ihrer Freundin. Sie versprach ihr - oder war es eher eine Drohung? - noch einmal über das alles zu sprechen, wenn sie fertig gewesen ist. Das Mädchen nickte und bevor sie von ihrem Bruder gerufen wurde und ihm in sein Büro folgte, flogen ihre Augen noch einmal zu dem Mann. Wer war das? Naevius hielt ihr die Tür auf und machte sie auch wieder zu, als Thamina eintrat und seufzte sogleich schwer. "Ist das dein verfluchter Ernst?", knurrte er sie an und seine Schwester wurde immer kleiner. "Tut mir leid", wisperte sie ein bisschen entgeistert. "Es hat mich selbst überrascht. Nora ist meine Freundin und-" "Das ist mir egal", unterbrach er sie und streckte die Hand nach den Dokumenten aus, die sie ihm versprochen hatte. Schuldbewusst reichte sie ihm die Mappe, woraufhin der Mann auch einfach wieder hinter seinem Schreibtisch verschwand. "Tut mir leid...", flüsterte sie noch einmal in den Raum. "Von Entschuldigungen habe ich nichts, du kannst es ja nicht mehr rückgängig machen." Thamina schluckte und nickte. Artig blieb sie bei der Tür stehen, bis Naevius fertig gewesen ist sich die Unterlagen anzusehen. "Ich habe die Änderungen, die wir besprochen auch schon ins Leben gerufen", ließ er sie beiläufig wissen und schob ähnlich, wie er es bei Nora gemacht hatte ihre zusammengefasste Mitteilung auf den Schreibtisch. Mit zwei großen Schritten war Thamina sofort bei ihm und nahm das Schreiben an sich.
      Neugierig ging sie Punkt für Punkt durch, nickte ab und an mal und schließlich schlich sich ein großes, entspanntes Lächeln auf ihre Lippen. Manche der Punkte hatte sie selbst vorgeschlagen oder besonders hervorgehoben, um ihrer Freundin auch ein wenig die immense Arbeitslast zu nehmen. Und sie war wahnsinnig dankbar dafür, dass er ihre Ideen ausgereift und übernommen hat. Bereits jetzt hatte Thamina das Gefühl mehr in die Firma integriert zu sein, als sie es jemals gewesen ist. Sie gab ihm das Schreiben zurück. Mit einer abwinkenden Handbewegung gab er ihr zu verstehen, dass sie gehen durfte, doch die junge Frau bewegte sich nicht vom Fleck. Verlegen räusperte sie sich und zeigte auf die Tür hinter sich. "Eine Frage, Naevius. Ähm... Wer... ist der Mann, den du zu mir herunter geschickt hast?" Desinteressiert blickte ihr Bruder auf. "Hm? Ach. Sharar." Thamina musste eine Sekunde darüber nachdenken, bis es ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel woher sie den Namen kannte. Vor ihrem inneren Auge erkannte sie sofort den großen, schönen Wolfsmann, der ihr als Kind im Gang begegnet war. Mit großen Augen öffnete sie den Mund und war nun selbst für einen Moment komplett überfahren. Das war Sharar? Alfred war Sharar? Ihr Sharar? Nein! Sein Sharar! Um Himmels Willen! Ihre Wangen färbten sich in ein dunkles Rot und sofort schämte sie sich ganz fürchterlich dafür, wie sie ihm gegenüber aufgetreten war.
      "Gibt es ein Problem?" Heftig begann Thamina den Kopf zu schütteln. "Nein! Nein! Nein, auf keinen Fall! Nein! Ich... Ich geh mal wieder, Nora wollte noch mit mir sprechen." Ihr Bruder machte deutlich, dass es ihn nicht interessierte und die rosa-haarige verstand. Nun war ihre Aufregung aber wirklich nicht besänftigt. Im Gegenteil. Das Zittern schien stärker zu werden. Aber es war immerhin eine... andere Aufregung. Vorsichtig öffnete sie die Tür und schloss sie hinter sich wieder. Unschlüssig stand sie einen Moment einfach nur da und wechselte den Blick schüchtern von dem einen Schreibtisch zum anderen. Doch bevor sie irgendwas sagen konnte, war Nora bereits bei ihr angekommen und hatte ihre Hand genommen.
      Ernst wendete sie sich an Sharar. "Ich mache mal eben eine viertelstunde Pause", teile sie ihm mit und zog Thomasyn mit sich. Der erste Gang ging zur Kaffeemaschine, wo die rot-haarige ihnen beiden ein Heißgetränk zubereitete. Für Thomasyn einen Milchkaffee und sich selbst den stärksten und schwärzesten Kaffee, den die Maschine ihr bieten konnte. Dann nahm sie sie wieder bei der Hand und führte sie hinaus auf den geräumigen Balkon. Fast wie ein Kind, das Ärger von der Mutter bekommen wird, wartete die rosa-haarige ganz kleinlaut darauf, dass Nora sich ihre Zigarette anzündete und nahm dabei bereits ein Schluck von ihrem Milchkaffee. "So Kleines", setzte Nora ernst an, als sie den ersten tiefen Zug ihrer Zigarette genommen hat. "Und jetzt rate ich dir, dass du anfängst zu erzählen." Thomasyns Unsicherheit wuchs und wuchs und die Schuld stand ihr deutlich im Gesicht. Ebenso allerdings der Zwiespalt in dem sie sich befand. Sie atmete durch und räusperte sich. Sah noch einmal in die Augen ihrer Freundin und ließ sie sehen, was sie sie gerade zwang auszusprechen. "Mr. Morningstar, Lucian Morningstar meine ich, ist mein Vater. Er ist der Herrscher über die Hölle und ich bin seine Tochter. Naevius ist der erstgeborene, mein Bruder.", fing sie ganz simpel an. Ihr Kopf ratterte und verzweifelt versuchte sie einen guten Weg zu finden sich selbst zu erklären. "Der Name in der Dämonenwelt, unter dem ich bekannt bin, ist Thamina. Aber bleibe bitte bei Thomasyn! Ich bin so stolz auf den Namen! Den hab ich mir selbst gegeben!", ergänzte sie schnell und zeigte dabei auf sich selbst, ehe sie sich einigermaßen wieder fing. Sie holte wieder tief Luft. "Ich fühle mich hier wohl. Bei den Menschen. Wohler, als zu Hause bei meinem Vater und meiner Mutter. Denn du musst wissen... ich..." Sie schluckte den Klos in ihrem Hals herunter und klammerte sich an ihre Tasse. "Ich bin ein Dorn im Auge der Dämonenwelt. Ich bin schwach. Sehr schwach sogar. Und du kannst dir vorstellen, wie die Dämonen mit einem solchen Umstand umgehen... Es ist... nicht schön.", weiter wollte sie nicht darauf eingehen. "Ich mag es einfach nur Thomasyn zu sein. Und deswegen habe ich auch nie was gesagt... Ich... hatte Angst es würde sich etwas ändern und irgendwann habe ich auch den Moment verpasst..." Ängstlich blickte sie zu ihrer besten Freundin auf. Ihr Herz hämmerte unruhig und sie gab sich einen letzten Ruck. "Bist du mir böse...?"

    • Nora J. Anderson

      Es dauerte ein wenig. Zu lange für den Geschmack der mehr als angespannten und ungeduldigen Schottin. Doch schließlich öffnete sich die Tür zu dem Büro des Dämons wieder und eine mehr als unsichere Masy trat hinaus. Der unsichere Blick, welcher zwischen ihrem und dem Schreibtisch Alfreds gewechselt wurde, sprach Bände. Und Nora erkannte dieses ängstliche Funkeln nur zu gut. Oh nein, dass konnte diese junge- alte- Dame jetzt schön vergessen. Sie würde definitiv nicht den Rückzug antreten! Beinahe sofort sprang sie auf und griff instinktiv nach der Hand der kleineren Dame. Das jüngere würde Nora wohl oder übel verbannen müssen, egal wie sehr sie sich dagegen sträubte. Denn, so sehr es ihr missfiel, Thomasyn war um Längen älter als sie. Und eigentlich wollte Nora nicht einmal wissen wie alt ihre Kleine wirklich war. Sie würde sowieso heute Abend einen schottischen Whisky brauchen. Und nicht nur einen. Sich an den schwarzen Wuschelkopf wenden, der beide schon fast mit Argusaugen beobachtete, verzog Nora nicht einmal die Miene als ein für sie sehr untypischer Satz über ihre Lippen perlte.
      "Ich mache mal eben eine Viertelstunde Pause" Keine Erklärung, lediglich die Aussage, dass sie definitiv nicht von dieser Pause abzubringen war. Das war definitiv wichtiger als irgendwelche Projekte zu korrigieren. Thomasyn noch immer an ihrer Hand haltend zog sie die Rosahaarige mit zu der großen Kaffeemaschine. Natürlich wusste sie, dass ihre Freundin den bitteren Geschmack nicht wirklich befürwortete, weshalb sie einen Milchkaffee mit ein wenig Kakaopulver zubereitete. Für sich selbst brauchte sie das schwärzeste Getränk was sie bekommen konnte, worin ihretwegen der Löffel noch drinnen stehen blieb, so stark wie es war. Aber ihre Nerven lagen dezent blank. Weniger wegen der Arbeit diesmal. Nein, es ging hier nicht um die Morningstar Int. Es ging um ihre kleine Masy und sich. Ihre Freundschaft. Und das musste geklärt werden, dringend. Nachdem die Heißgetränke fertig waren reichte Nora der Kleineren wortlos ihr Getränk und zog sie wie zuvor auf das große Plateau mit. Den Kaffee auf einen kleinen Sims abstellen griff sie zuerst nach ihrer Schachtel. Sie hatte gleich die ganze mitgenommen, wohl in dem Wissen, dass eine diesmal nicht reichen würde. Der erste Zug war tief. Sehr tief, auch um sich selbst zu beruhigen. Nora spürte die deutliche Anspannung ihrer Freundin. Sowas merkte sie einfach, dafür kannten sie einander einfach zu lange und Thomasyn war nicht wirklich gut darin, ihre Emotionen zu verbergen. Ganz im Gegenteil zu ihrem Bruder, wenn dieser überhaupt irgendwie in der Lage war etwas zu fühlen.

      "So Kleines...Und jetzt rate ich dir, dass du anfängst zu erzählen.", kam es ihr sehr ernst über die Lippen. Keine Wut, keine Anklage war in diesem Moment zu vernehmen in ihrer Stimme. Doch ihr stechender Blick lag genau auf den rotbraunen Iriden ihrer Freundin. Wobei... wenn Nora genauer überlegte, waren ihre Augen schon immer mehr an das rötliche angelehnt als an das Braune. Wieso war ihr diese unnatürliche Farbe nie aufgefallen? Ebenso Thomasyns absolut wunderschöne Gestalt. Sie war absolut knuffig, sehr elegant und schön und einfach durch und durch charismatisch. Aber Nora hatte dies bislang immer gekonnt ignoriert, vielleicht weil ihr Verstand einfach diesen umstand nicht wahrhaben wollte. Eine weitere Sache, welche sie irritierte war, dass ihr Instinkt nicht auf sie ansprang. Seit circa drei Jahren hatte sie jedes Mal, wenn sie einem Dämon gegenüberstand, ein seltsames Gefühl, es einfach zu wissen. Sie spürte es. Mittlerweile war dieses Gefühl soweit ausgeprägt, dass sie es wagte einzuschätzen, wie stark das unmenschliche Wesen vor ihr war. Und dennoch... bei ihrer süßen Masy hatte dieser Radar nicht einmal wirklich angeschlagen.
      Nora verblieb ruhig. Sie ließ Thomasyn, welche sich selbst lieber als solche sehen wollte, ausreden. Nicht einmal unterbrach sie ihre Freundin welche ihr sogar offenbarte, dass sie unter Dämonen als schwach galt. Und jene Problematik, nicht akzeptiert zu werden, konnte Nora durchaus nachempfinden. Sie selbst war bei der bloßen Betitelung als Mensch schon nahezu empfindlich geworden, obwohl sie selbst in Thomasyns Augen nicht mehr als eine solche sein dürfte. Allerdings erkannte sie in den großen Augen nichts als Aufrichtigkeit und ein sehr deutliches schlechtes gewissen. Nora war sauer. besser gesagt sie wollte sauer sein. Wirklich! Sie wollte in diesem Moment nichts lieber als zu schreien und ihre Züge wurden immer kürzer an der Zigarette, ehe sie sich direkt danach eine neue anmachte. Das brauchte sie jetzt einfach. Aber so gerne sie sauer sein wollte, allein die Frage, ob sie böse wäre war absolut unfair. Warum zur Hölle war ihre beste Freundin- eine Dämonin!- so absolut süß und herzzerreißend in diesem Moment, dass sie die Kleine lieber in die Arme nehmen wollte als sie zurechtzuweisen. Frustriert stöhnte Nora in diesem Moment auf. Sie schwieg einige Momente, in denen Thomasyn merklich unsicher wurde, ehe Nora seufzend die Kippe ausdrückte und ihr kleines Energiebündel fest in die Arme schloss. Sie drückte ihre beste Freundin fest an sich und hielt sie einfach einen langen Moment so.

      Als sie sich wieder löste schnippte sie jedoch in aufgebrachter Manier gegen ihre Stirn. Nicht sehr schmerzhaft, aber doll genug, dass Masy es verstehen dürfte.
      "Versteh mich nicht falsch, Masy.", begann sie schließlich und bezog sich auf die Umarmung. "Ich bin gerade mehr als aufgebracht und... Du machst mich wahnsinnig, Kleines!", entkam es ihr und nun begann die Rothaarige nahezu unruhig auf und abzulaufen. Dabei der nächste Glimmstängel in der Hand und der starke Kaffee in zwei Zügen geleert.
      "Ich verstehe, warum du nichts gesagt hast und bin dir auch nicht wirklich böse... Ich habe dir auch nie gesagt, wie tief ich in dieser Dämonenscheiße schon drinnen stecke und dass ich überhaupt über euch und anderen Wesen Bescheid weiß. Aber... Verdammt, Thomasyn! Ich habe deinen verdammten Namen in meinen Vertrag mit Lucifer einbinden lassen, weil ich dachte du wärst ein Mensch!", brach es aus Nora heraus. Sie konnte zusehen wie sich ihre Freundin anspannte, als sie von den Vertrag mit ihrem Vater sprach.
      "Es tut mir wirklich leid, Nora!", brach es aus der jungen Frau heraus, ehe sie plötzlich nahezu lauernd ihre schönen Augen verengte. "Mein...Name steht in deinem Arbeitsvertrag?" Nora war es diesmal, welche regelrecht zusammenzuckte, als die rötlichen Miasmen plötzlich um so vieles aufmerksamer wirkten. Etwas unwohl strich sie sich durch die Haare, ehe die Schottin ein tiefes Seufzen ausstieß und die Schultern sinken ließ. Das hatte sie niemanden erzählt. Nicht einmal die Dämonen hier wussten davon, da es eine reine Angelegenheit zwischen ihr und dem Teufel war.
      "Ich...wurde von einem Dämonen angegriffen, als ich gerade mal ein dreiviertel Jahr hier war. Ich habe ihn als Mensch offenbar sehr auf den Schlips getreten.. Jedenfalls hat er seine menschliche Hülle abgeworfen und ging auf mich los, als Lucifer dazwischen ging. Und...ich hatte die Wahl, entweder zu vergessen oder...naja... dabei zu bleiben. Deswegen habe ich diese Position überhaupt bekommen, weil dein Dad mich in alles eingewiesen hat, was mit Dämonen und Engeln zu tun hatte. Und...die Bedingung war eben ein spezieller Vertrag seinerseits, bei dem auch ich Forderungen gestellt habe." Nora nahm einen weiteren tiefen Zug und stieß diesen in die kühle Luft.
      "Ich habe von ihm gefordert, dass die wenigen Menschen, die mir etwas bedeuten und mir wirklich am Herzen liegen, von ihm beschützt werden würden. Im Gegenzug dazu unterstehe ich dem unternehmen und ihm loyal und bin absoluter Verschwiegenheit verpflichtet. Für mich war das ein guter Deal, ich habe viel lernen dürfen was ich eigentlich gar nicht wissen dürfte. Und... es gibt nur drei Menschen, die mir wichtig sind. Das sind meine Eltern in Schottland und...du... Ich verstehe nicht, warum Lucifer nichts gesagt hatte als er deinen Namen gelesen hatte. Er hat dem aber einfach zugestimmt und seinen Schutz versprochen!" Aufgeregt warf sie ihre Arme in die Luft und konnte nicht aufhören, wie ein unruhiges Tier umherzulaufen. In diesem Moment erstarrte sie jedoch. "Meine Eltern...", entkam es ihr murmelnd. Lucifer war nicht mehr in dieser Welt... Waren sie überhaupt noch sicher? War dieser Vertrag noch gültig? War sie selbst noch sicher? Nora sank das Herz deutlich einige Etagen tiefer. Oh fuck, was sollte sie jetzt machen?! Zitternd klammerte sie sich an ihre leere Tasse und atmete einige Male.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."