Kidnapped [Mizuki feat. Pumi]

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    • Kidnapped [Mizuki feat. Pumi]

      Vorstellung --> Kidnapped [Mizuki feat. Pumi]







      Deckenventilator mit fünf Flügeln, die sanft rotieren, gesteuert von dem kleinen Terminal an der Wand neben der Tür. Die LED-Lampe, installiert in der Mitte, mit verschiedenen Farb- und Helligkeitseinstellungen. Das Licht von Straßenlaterne vor dem Blumenladen auf der anderen Straßenseite, das es gerade so durch die geschlossene Jalousie schafft. Der kleine Kaktus aus Plastik, der schon bei seinem Einzug in dieses Apartment in der Ecke auf der Fensterbank stand. Vier rote Ziffern, an die Wand projiziert von seinem Wecker. 03.27 Uhr. Die Panikattacke hatte vier Minuten gedauert.
      Eli setzte sich in seinem Bett auf und sah sich um. Er war allein, wie immer, und er wusste, dass niemand in seinem Apartment war. Dennoch lauschte er in die Dunkelheit seines Apartments. Da war das sanfte Brummen seiner vielen Computer. Draußen fuhr ein Auto vorbei; das Licht auf dem Boden vor seinem Fenster tanzte für den kurzen Augenblick, den das Fahrzeug brauchte, um wieder zu verschwinden.
      Als er sich sicher war, dass niemand in seinem Apartment umher schlich, krabbelte Eli aus dem Bett. Ein weitere Nacht mit nur wenig Schlaf. Wie lange war es heute gewesen? Eine Stunde? Zwei? Zeit war irrelevant, wenn man nicht dem normalen Ablauf eines Tages folgte. Darin war Eli noch nie gut gewesen.
      Seine Beine trugen ihn durch das Wohnzimmer zur Küche. Auf dem Weg dorthin schaltete er jeden Computer ein, an dem er vorbei kam. Aus dem sanften Brummen wurde ein Rauschen, als sich die Lüfter mit einem lauten Gähnen an die Arbeit machten. Zu der Geräuschkulisse gesellte sich kurz darauf auch die Kaffeemaschine, die erst spülte, dann Wasser erhitzte und Bohnen mahlte. So früh am Morgen, wenn die Welt noch schlief, wirkte alles ein bisschen lauter.
      Die Lüfter beruhigten sich schließlich, die Kaffeemaschine ging in den Ruhemodus und die Stille, der Frieden der Nacht kehrte wieder in Elis Apartment ein. Er sah aus dem Fenster, spähte durch die Ritzen der Jalousie. Niemand war zu sehen. Er war allein.
      Mit dem ersten Schluck Kaffee spühlte Eli eine der Tabletten runter, die in ihren orangefarbenen Döschen geduldig neben der Mashine auf ihn warteten. Mit der Tasse bewaffnet schlurfte er zurück zu dem großen Schreibtisch, der sein kleines Apartment dominierte. Auf ihm fanden drei große Bildschirme Platz, ein vierter war an die Wand montiert und ragte über ihnen auf. Alle vier schaltete er nun ein. Sie fluteten den Raum geradezu mit Licht, tauchten alles in einen unheimlichen Schimmer. Eli beobachtete die Programme, die er geschrieben hatte, bei ihrer Arbeit. Zeile für Zeile tauchte auf und verschwand auf dem einen Screen. Gesichter huschten über einen anderen. Auf dem dritten wurden Nachrichtensendungen gescannt. Der vierte Bildschirm zeigte Livestreams von allen Kameras im Gebäude: die Kellertür, die zum Dach, den Haupteingang von draußen und drinnen die Briefkästen, eine am Eingang zu dem Tanzstudio beziehungsweise Dojo, eine direkt vor der Tür zu seinem Apartment. Nirgendwo war auch nur eine Person zu sehen; nichts rührte sich. Alles war sicher für den Moment.
      Eli setzte sich, den Blick starr auf die Aufnahmen dieser sechs Kameras gerichtet.

      Sieben Stunden später sah die Welt schon ganz anders aus. Die Bürgersteige waren gefüllt, die Autos fuhren in einem ständigen Strom vorbei. Vor den Läden wurden Unterhaltungen geführt, Paketlieferanten gingen ihrer Arbeit nach und unten im Dojo wurde sicher bereits auf irgendwelche gepolsterten Gegenstände eingedroschen. Doch Eli war das egal. Die Menschen genossen das gute Wetter an diesem frühherbstlichen Tag, die Sonne schien, es stand keine Wolke am Himmel. In seinem Apartment aber herrschte Dunkelheit und Stille, abgesehen von dem leisen, rhythmischen Klacken seiner Finger auf der Tastatur. Die Welt war gefährlich, daher bevorzugte es Eli, sie draußen zu halten. Hier, in seinem Apartment, war er sicher und er musste sich nicht mit Leuten auseinandersetzen, die ihm 'nur helfen wollten' oder denen 'es so leid tut, was geschehen ist'. Hier drin, in seiner Welt, gab es sowas nicht.
      Sein Blick huschte zu den Kameraaufnahmen, als sich etwas bewegte. Die Tür zum Dojo wurde geöffnet, zwei junge Frauen traten ein. Selbstverteidigungkurs für den Alltag. Kaum zu glauben, dass man das heutzutage so nenmen konnte. Seit wann gehörte es zum Alltag, mit einem Messer überfallen zu werden? Oder von jemandem in ein Gebüsch gezerrt zu werden? Warum musste man wissen, wie man sich aus einem Klammergriff befreien konnte, um den Alltag zu überstehen? Nein, Eli blieb lieber hier oben, hinter seinem Schteibtisch, wo er das alles nicht wissen musste.
      Er sah den dunklen Haarschopf von Emilia auftauchen. Sie begrüßte die beiden anderen offensichtlich, sah ihnen nach, als sie sich ihren Platz in der großen Halle suchten. Wieder drängte sich Eli die Frage auf, wie sie es gemacht hatte. Wie hatte sie es geschafft, damit umzugehen? Warum war sie so viel weniger kaputt als er? Natürlich hatte er seine Hausaufgaben gemacht, kaum dass sie den Mietvertrag für das Apartment vor ein paar Jahren unterschrieben hatte. Er wusste, wer sie war, was ihr passiert ist. Dennoch war sie ein Rätsel für ihn. Und jetzt hatte sie auch noch das Studio im Erdgeschoss übernommen, wie ein normaler Mensch. Wie schaffte sie es bloß, so normal zu sein?
    • Absolute Stille. Dann ein leises Knacken. Schnell rückte Emilia zurück, bis sie hinter sich einen harten Wiederstand spürte. Verdammt. Ihr gesamter Körper fing an zu zittern und sie klammerte ihre Arme um ihre Knie und dann kam er. Dieser Mann, der ihr auf dem Jahrmarkt begegnete. "Hallo meine Kleine, ich habe dir etwas mitgebracht.", sagte er mit dunkler und kratziger Stimme. Sein Atem roch nach Rauch und sein beißendes Parfüm stieg Em in die Nase. Verzweifelt zog sie ihre Knie näher an sich, als würde sie sich selbst zerdrücken wollen, doch das sollte nicht klappen. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrem Bein. "Komm schon, sei ein bisschen offener. Ich habe dir schließlich ein schönes Kleid mitgebracht.", wisperte der Mann und zog das Mädchen aus ihrer Schutzposition. Nein, nein. Emilia wehrte sich und schlug um sich, sie schrie, doch niemand hörte sie. Erneut bemerkte sie, wie die riesigen Hände dieses Mannes auf ihr lagen und dann öffnete sie schreiend die Augen.
      Ihr Herz raste, das Bett und ihre Klamotten waren durchgeschwitzt. Sofort setzte sie sich aufrecht hin und legte ihr Gesicht in ihre Hände. Es war nur ein Traum. Ein verdammter Albtraum. Noch immer ging ihr Puls schnell, also entschloss sie sich das einzige zu tun, was ihr gegen die Panikattacken half. Emilia stand auf, ging zu ihrem Schrank und holte eine große Kiste heraus. Es war zwar mitten in der Nacht, doch nun würde sie ohnehin nicht weiter schlafen können. Sie stellte die schwere Kiste vor sich auf den Tisch und setzte sich. Aus der Schublade zog sie eine kleine Holzkiste in der Haufenweise Werkzeuge lagen. Emilia atmete tief durch, warf sich die Haare über die Schulter und nahm eines der kleinen Werkzeuge. Konzentriert fing sie an, am Schloss der großen Kiste herum zu werkeln. Ja, es war vielleicht eine seltsame Methode um sich zu beruhigen, doch es half. Mit den Jahren fand Emilia Schlösserknacken um einiges entspannender als diese ganzen Atemtechniken, die sie bei den Therapien gelernt hatte. Inzwischen hatte die junge Frau eine recht große Sammlung an Schlossspielen und je nach Heftigkeit des Traumes, entschied sie sich dann für eine Schwierigkeitsstufe. In dieser Nacht war es besonders schlimm. Nachdem sie einige Zeit konzentriert am den Schloss arbeitete, öffnete sich die Kiste und Em atmete erleichtert auf. Es fühlte sich an, als hätte sie die Angst befreit und los gelassen.
      Die Welt begann wieder normal zu werden und Emilia sah langsam auf ihre Uhr. 04:20 Uhr. An schlaf war nicht mehr zu denken, das Dojo öffnete recht früh, also beschloss die junge Frau sich auf den Tag vorzubereiten. Jeden Morgen war es der selbe Ablauf. Aufstehen, Kaffee, Aufwärmen, das Internet checken, dieser verdammte Router machte oft was er wollte, doch jetzt schien alles zu funktionieren; danach eine Trainingseinheit Taekwondo, duschen, ein ausgewogenes Frühstück und der Tag konnte beginnen.
      Gegen 7:30 Uhr ging die junge Frau nach unten und sah den Trainingsplan durch. Ab 8 Uhr würden die ersten Teilnehmer kommen und dann wäre sie erstmal bis 18 Uhr beschäftigt. Ein voller Tag, genau so mochte sie es. Sie brauchte diese Routine, diesen vollen Tag.

      Nach einigen Trainingseinheiten, beschloss Em doch eine kleine Pause zu machen. Es machte sich wohl doch bemerkbar, dass sie recht wenig geschlafen hatte. Sie machte sich noch einen Kaffee und ging wieder nach unten. Während sie alleine durch das Studio spazierte, wurde sie das Gefühl nicht los, das sie irgendwie beobachtet wurde. Doch egal wie oft sie sich umsah, sie fand nichts und niemanden. Möglicherweise war das auch einfach ein Teil ihrer Vergangenheit. Als sie dann am Computer ihre restlichen Termine checken wollte, passierte es erneut. "Gott, dieser scheiß Router!", brüllte Emilia und schlug auf den Tisch. Ohne die Technik lief hier nichts. Sie wüsste nicht welche Termine und welches Training die Leute buchten, abgesehen davon, dass es dann totenstill wäre, weil keine Musik laufen würde. Genervt stampfte die junge Frau in ihre Wohnung. "Dieses verfluchte Teil..", murmelte sie und sah, dass der Router aus war. Auch nach mehreren Versuchen bekam sie das Teil einfach nicht zum laufen. "Du willst mich doch komplett verarschen oder?", brummte sie genervt und riss das Teil aus der Steckdose. Impulsiv feuerte sie das dämliche Teil gegen die Wand und ging zurück ins Dojo. Verdammt was für ein beschissener Tag. Nun müssten alle Termine für heute abgesagt werden. Genervt setzte Emilia sich an den Tisch und versuchte am PC irgendwas zum laufen zu kriegen. Sie begann nervös mit den Fingern zu knacken, eine blöde Angewohnheit, wenn sie gestresst war.
      - Hurts, but I know how to hide it, kinda like it -

    • Jedesmal, wenn die Tür zum Dojo geöffnet wurde, zuckten Elis Augen zu dem vierten Bildschirm. Er kannte jeden einzelnen Teilnehmer. Er sah sich die Liste jeden Monat an, das hatte er mit dem Tanzstudio gemacht, das tat er jetzt auch. Das Dojo hatte eine direkte Verbindung zum Treppenhaus, die er mit der Briefkastenkamera nicht einsehen konnte. Er wusste gern, wer sich in diesem Gebäude rumdrückte. Man wusste nie, wo die nächste Gefahr lauerte.
      Emilia sah er nur ein paarmal, aber das reichte um zu erkennen, dass sie nervös war. Nein, nicht nervös. Aber irgendetwas störte sie. Nicht sein Problem. Dennoch beobachtete er, was er konnte. Es gab ja nicht viel anderes für ihn zu tun, außer seine Codezeilen zu schreiben und sich durch diverse Schichten des Internets zu klicken.
      Ein lautes Krachen ließ ihn zusammenfahren. Seine Gedanken rasten. Hatte jemand ein Fenster eingeworfen? Es hatte nicht wie ein Schuss geklungen, aber möglicherweise war es ja doch einer gewesen? Eine eingetretene Tür vielleicht?
      Eli überprüfte die Kameras, fand aber nichts ungewöhnliches, bis er eine aufgeregte Emilia sah. Sie war nur eine Sekunde später wieder aus dem sehr begrenzten Sichtfeld der Überwachungskamera am Eingang verschwunden. Ein anderer Gedanke drängte sich ihn auf. Ein selten gesehenes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Er wusste, was passiert war.
      Elis Finger flogen über die Tastatur, als er eine Nachricht kurze Nachricht tippte:

      Ich unterbreche nur ungern einen Tobsuchtsanfall,
      aber ich würde gern wissen, ob mit weiterem
      Sachschaden und Lärm zu rechnen ist. Würde dann
      noise cancelling headphones aufsetzen.
      - Apartment 1a


      Er schickte die Nachricht direkt an Emilias Smartphone. Die Nummer hatte er vom Mietvertrag, das war nicht besonders schwer gewesen. Den Inhalt meinte er ernst. Diese Frau hatte einen ordentlich Wurf drauf. Würde ihn wundern, wenn die Wand noch heil war. Der Router war garantiert hin. Zurecht. Sie hatte sich billigen Schrott andrehen lassen, der nicht mit den Leitungen hier klarkam. Er hatte hier einen Ersatz stehen. Er hatte ihn ihr geben wollen. Ein Geschenk zum Einzug, ein Willkommen in der Nachbarschaft. Aber jedesmal, wenn er sich der Türschwelle genähert hatte, war er zurückgeschreckt. Also stand das Teil einfach neben der Tür, wartete darauf, endlich angeschlossen zu werden.
    • Natürlich passierte auch nach weiteren Versuchen nichts am PC. "Gott, ich sollte ganz altmodisch einen Kalender führen..", murmelte die braunhaarige und fuhr sich durch die Haare. Emilia hatte keine einzige Handynummer aufgeschrieben, wäre wohl besser gewesen, dann gäbe es jetzt nicht so einen Stress. Ihr wurde ein wenig Übel bei dem Gedanken, dass die Teilnehmer extra anreisen würden, um dann vor verschlossenen Türen zu stehen. Leider ging es nun wohl nicht anders.
      Sie kramte ein weißes Blatt hervor und schrieb in großen Buchstaben "Wegen technischer Störungen heute geschlossen. Erstattungen folgen in kürze", seufzend legte sie den Stift weg und wollte gerade aufstehen, als ihr Handy klingelte. Leise las sie den Text vor. Wollte sich der Typ über sie lustig machen? Eigentlich war es keine allzu schlimme Nachricht, doch der Moment war ungünstig. "Ha!", lachte sie laut auf. Moment, es wohnte jemand in Apartment 1a?
      Emilia war sicher davon überzeugt, dass dieses leer stand. Man bekam nie etwas mit, selbst von außen war es permanent dunkel. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Erst jetzt realisierte die 24 jährige, dass sie ihren Nachbarn noch nie gesehen hatte, woher verflucht hatte er dann ihre Nummer? War er ein Stalker? Emilias Gedanken überschlugen sich und brachten das Fass, welches durch das bescheidene Internet schon fast am überlaufen war, mehr als zum überlaufen. Es explodierte einfach. Energisch sprang sie auf, klebte den Zettel schnell an die Tür des Dojos und schloss ab. Sie band sich die Haare zusammen und stampfte wütend nach oben. "Ich geb dir gleich Lärm..", murmelte sie genervt und baute sich vor der Tür von Apartment 1a auf.
      Kurz zupfte sie noch ihre Kleidung zurecht, ehe sie erst die Klingel an der Seite betätigte und die Arme vor der Brust verschränkte. Ungeduldig wippte sie mit dem Fuß. Gleich würde sie sehen was für ein Typ hier wohnte und ihm ihre Meinung geigen. Gerade als sie zusätzlich noch anklopfen wollte, öffnete sich die Tür. Vor ihr stand ein großer und schlanker, junger Mann. Er sah aus, als hätte er tagelang nicht geschlafen und irgendwie wollte Emilia doch nicht mehr so viel sagen.
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    • Nachdem er die Nachricht gesendet hatte, widmete sich Eli wieder seiner Arbeit. Es kam zu keinen weiteren Unruhen, also ging er davon aus, dass Emilia seine Nachricht dahingehend interpretiert hatte, dass sie ein bisschen leiser sein sollte. Ihm war das nur recht. Gegen eine angenehme Geräuschkulisse war ja nichts einzuwenden, aber Eli war ein bisschen empfindlich, was plötzliche Lautstärke anging. Deswegen hatte er seine Klingel auch schon vor geraumer Zeit so verdrahtet, dass sie nicht klingelte, sondern ihm eine Pop-Up Nachricht mit dem aktuellen Feed der Kamera an seiner Haustür schickte. Was zwar weniger penetrant, aber ebenso überraschend sein konnte.
      Eli machte große Augen, als er nun Emilia aus der Vogelperspektive sah, wie sie wutentbrannt vor seiner Tür stand.
      "Oh oh..."
      Er sprang auf und eilte zur Tür. Einen Augenblick lang stand er vor dem dünnen Holz, dass ihn von der Außenwelt trennte. Dann gab er sich einen Ruck und öffnete die vier Schlösser daran, ließ die kleine Kette aber drin. Sicher war sicher. Im letzten Moment griff er sich noch den Router von der Kommode. Das war seine Chance, das Ding endlich loszuwerden.
      Vorsichtig öffnete er die Tür einen Spalt breit und späte hinaus. Es war immer seltsam, jemandem zu begegnen, den man bis dahin nur durch lausige Überwachungskameras beobachtet hatte. Er hätte ja bessere angebracht, aber...
      Er schob den schmalen Karton mit dem neuen Router durch den Spalt und reichte ihn Emilia. Vielleicht verstand sie das ja als Friedensangebot und verwarf ihre Pläne, ihn umzubringen.
    • Emilia überlegte schon, welche Aussagen sie ihrem Nachbarn an den Kopf werfen sollte; Woher hast du meine Nummer? Warum schreibst du überhaupt? Warum ist es hier dauerhaftdunkel? Bist du ein Stalker? Oder sollte sie ihn siezen? Viel Zeit zum überlegen hatte die junge Frau nicht, denn wenige Momente später hörte sie, wie mindestens vier Schlösser auf gingen. Irritiert sah sie an der Tür entlang. Wer zum Henker hatte vier Schlösser? Die Tür öffnete sich einen Spalt und plötzlich wusste sie nicht mehr recht was sie sagen sollte.
      Ihr Nachbar war ein großer und schlanker junger Mann. Seine Haare hingen etwas wirr in seinem Gesicht. In seinen Augen sah sie mindestens fünf Jahre fehlenden Schlafes, "Hallo.", sagte sie schließlich kleinlaut.
      Ein Karton fand den Weg in Emilias Hände und sie sah perplex zwischen der braunen Box und dem Nachbarn hin und her. "Was ist das?", murmelte sie und öffnete den Karton. Als sie den Router darin entdecke, musste die 24 jährige laut lachen. "Wow, das ist haha..", sie unterbrach sich selbst, "..ein echt witziger Zufall. Mein Router hat heute das zeitliche gesegnet.", fuhr sie fort und lachte etwas nervös auf. Möglicherweise wusste er es, denn wahrscheinlich meinte ihr Nachbar genau diesen Knall.
      Schlagartig wurde Emilia ganz rot. "Also, ehm dann ist eine Entschuldigung wohl angebracht. Dieses Teil..", sie hob kurz den Router an, "..naja, es hat mir den letzten Nerv geraubt. In meinem Dojo funktioniert nichts, es ist einfach..", sie seufzte, "..nervenaufreibend.", langsam fuhr sie sich durch die Haare und presste die Lippen zusammen. "Also, tut mir leid.", murmelte sie hinterher und sah auf die Box in ihrer Hand. Wenn sie jetzt nur wüsste, wie sie das Ding anschließen sollte.
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    • Seine Strategie hatte also funktioniert. Es war faszinierend mitanzusehen, wie aus dem brüllenden Löwen ein kleines Kätzchen wurde. Er hatte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Sehr viel mehr.
      "Schon gut", brummte Eli nach einem kurzen Räuspern.
      Er benutzte seine Stimme nicht oft. So selten sogar, dass er sich selbst immer wieder damit erschreckte, wie tief und kratzig sie eigentlich war. Passte gar nicht zu einem Strich in der Landschaft wie ihm.
      "Der Router war nicht für die Leitungen hier geeignet und läuft auf der gleichen Frequenz wie alles in diesem Block. Ein Wunder, wenn er überhaupt 'ne Verbindung aufgebaut hat."
      Unschlüssig fuhr er sich durch die Haare. Soziale Interaktion war schon digital schwer, aber so? Es machte ihn nervös und er hasste das. Sowohl die Nervosität, als auch sich selbst, weil ihn sowas schon aus der Fassung brachte. Emilia hatte solche Probleme offensichtlich nicht. Die Glückliche.
      "Der ist besser. Kommt mit der Leutung klar. Läuft auf 'ner anderen Frequenz. Gibt besseres Internet als vorher."
      Er konnte jetzt nicht einfach die Tür zumachen, oder? Oh, wie sehr er sich wünschte, dass er das könnte. Aber dann wäre er ein Arsch und nicht nur ein Creep. Eins von beidem zu sein war schon schlimm Genug. Eli wollte gar nichts sein.
    • Emilia schmunzelte etwas, als sie die Stimme ihres Nachbarn zum ersten Mal hörte. Sie klang so viel tiefer, als man von einem jungen Mann dieser Statur erwarten würde. Die nächsten Worte ihres Nachbarn, klangen allerdings wie wirres Gerede und Emilia hatte überhaupt keinen Plan, was er da eigentlich erzählte. Was denn für eine Frequenz? Was für eine Leitung hatte dieser Wohnkomplex überhaupt? Jetzt bemerkte die junge Frau erst, dass sie sich wohl einfach irgendeinen Mist hatte andrehen lassen, der dazu noch völlig überteuert war. Scheinbar hatte ihr Nachbar ihre Verwirrung bemerkt und erklärte es noch einmal kurz und deutlich.
      "Oh, okay, vielen Dank.", sagte Emilia und sah erneut auf diese kleine Box. "Wenn ich jetzt nur wüsste, wie man das Ding anschließt, könnte ich das Dojo vielleicht doch noch auf machen heute..", murmelte sie und sah zögerlich nach oben.
      Sie presste die Lippen zusammen und lächelte leicht. Ob er das Zeichen verstand? Sollte sie ihn direkt fragen? "Alsoo, falls du nichts vor hast lieber Nachbar und etwas Zeit, würdest du mir damit einen riesen Gefallen tun, wenn du das Ding anschließt.", erklärte sie vorsichtig. "Natürlich hast du dann was gut bei mir! Ich bin eine tolle Köchin oder ich bezahle dich, wie du willst.", sie überschlug sich schon fast beim reden. Oh man Emilia, fahr dich runter. "Du würdest mir jedenfalls sehr damit helfen..", murmelte sie noch hinterher.
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