A black magicians disciple [Zerome&Cailemia]

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    • A black magicians disciple [Zerome&Cailemia]



      Flavia 'White' von Heartsteen

      Es war ein Tag wie jeder andere, die Sonne ging auf, die Sonne ging unter.
      Stunden, Tage, Wochen, Jahre gingen vorüber, ohne, dass sich etwas änderte, ohne dass der besagte Held, der sie retten sollte, auftauchte, sie endlich aus diesen einsamen Wänden befreite und Flavia fragte sich, wie lange sie wohl noch warten musste, bis sie die Wälder und Ebenen, welche sie aus ihrem Fenster aus sehen konnte, von nahem erkunden werden könnte, mit ihren eigenen Füßen hindurch laufen konnte... sie erinnerte sich kaum an das Gefühl von Gras oder Erde unter ihren Füßen, viel zu lange waren die schönen Erinnerungen ihrer Kindheit entfernt, doch sie gab die Hoffnung nicht auf und glaubte fest daran, dass sie eines Tages hier raus kommen würde, fort von den Büchern, welche sie bereits in und auswendig kannte, weg von dieser kahlen Decke, die sie in Momenten der Langeweile gedankenverloren anstarrte, fort von dem gefährlichen Drachen, dessen lauter Schrei sie an manch einer Nacht wach hielt.
      Den Blick hinaus aus dem einzigen Fenster gerichtet, überkam sie ein Lächeln, während sie von diesen und vielen anderen Dingen träumte, sich ausmalte, wie die Welt da draußen wohl noch so war, wie es ihren Eltern und ihren Bekannten aus Kindertagen ging, ein Tag wie jeder andere in diesem Turm, doch heute war etwas anders.
      Ungläubig richtete sie sich in ihrem Stuhl auf und wandte ihren Blick in die Richtung der Tür, hatte sie sich das eingebildet? Spielten ihre Ohren ihr wieder streiche?
      Waren das wirklich... Schritte?

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      @Zerome

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    • Izhar Belstryke

      Er hatte mit vielem gerechnet, irgendwelchen fanatischen Kultisten, die den einstigen Machtsitz seiner Familie für finsteren Rituale missbrauchten, um zu neuer Kraft zu gelangen, oder einer Bande Schurken, die von hieraus ihre Raubzüge planten, jedoch niemals mit einer gewaltigen, feuerspeienden Echse. Er hatte lediglich ein einzelnes Buch holen wollen, doch nun... Nun befand er sich mitten in einem Kampf auf Leben und Tod. So stolz er auch auf seine Kräfte sein konnte, nun wo sie dermaßen unter Beweis gestellt wurden, machte sich erst bemerkbar wie viel er noch zu lernen hatte. Schlussendlich zog er sich zwar keine allzu schweren Verletzungen zu, nur einige leichte Verbrennungen, die man leicht mit einer Salbe lindern konnte. Dem Drachen war es da durchaus schlechter ergangen. Äußerlich schien ihm nichts zu fehlen, doch innerlich... Er wollte lieber nicht davon sprechen, es würde ihm sonst nur schlecht davon werden. Aber was spielte es auch für eine Rolle. Ihm war es wichtig gewesen seine Schuppen intakt zu lassen, damit er nun einige von ihnen einstecken konnte. Sie würden gewiss für einige Zauber oder gar Tränke von nutzen sein, doch deswegen war er nicht hier. Die Drachenachuppen waren lediglich ein willkommener Bonus für seine Mühen. Etwas anderes war von größerer Wichtigkeit.
      Er war erschöpft, hatte eindeutig zu viel Energie und Magie aufgebracht um dieses Monster zu bezwingen, kämpfte sich aber dennoch die unzähligen Turmstufen empor. Unter einem Arm klemmte ein alt aussehendes Buch, während er sich mit der anderen Hand seine Hutkrempe tiefer ins Gesicht zog. Es war nicht mehr weit... Er wusste nicht was genau ihn dort oben erwartete. Vielleicht eine Prinzessin, vielleicht eine Leiche, vielleicht auch gar nichts und all die Geschichten waren lediglich Märchen gewesen. Genau aus diesem Grund machte er sich auch gar nicht erst die Mühe zu klopfen oder irgendeine andere Form von Höflichkeit zu verwenden, sondern ließ die Tür mit einer einzigen Handbewegung einfach aufschwingen. Zwei weitere Schritte trat er in den Raum hinein bis er das Mädchen am Fenster mit beiden Augen fixierte. Das war sie. Die Prinzessin, die man hier eingesperrt hatte. Ein halbes Kind. Er würde wohl zu ihr sprechen müssen, um sich zu erklären. "Du bist frei, der Drache tot, doch den Weg nach Haus' wirst du nicht mehr beschreiten können."
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Das junge Mädchen konnte es kaum glauben, gerade noch hatte sie davon geträumt, endlich gerettet zu werden, und nun stand ein fremder Mann vor ihr, mit leichten Kampfspuren bedeckt, sie fixierend. Und wenn er es hierher geschafft hatte...
      „Der Drache ist tot?!“, gab sie fast schon ungläubig von sich, sprang dabei fast schon von ihrem Stuhl, sie konnte ihre Freude kaum verbergen, nein, sie hatte keinen Grund diese zu verbergen, wieso auch?! All die Geschichte, die ihr von klein auf erzählt wurden, sind endlich wahr geworden!
      Dennoch, der fremde Mann sah nicht aus wie ein Prinz oder ein Held, zumindest nicht so, wie sie sich einen vorgestellt hatte, statt Rüstung und Schwert trug er gewöhnliche Kleidung und Mantel, auch wenn Flavia solch Kleidungsstücke noch nie zuvor gesehen hatte, wie vieles andere jedoch auch.
      Als sich die junge Prinzessin gerade daran erinnerte, dass sie sich ihrem Retter vorzustellen hatte, wunderte sie sich über die Worte des Fremden... was hatte er gerade gesagt?
      „Ich kann nicht... nach Hause?“, wiederholte sie seine Worte, nicht verstehend, was er ihr damit sagen wollte.
      War etwas passiert? Gab es ihr Königreich nicht mehr? Waren ihre Eltern tot?
      „Wieso nicht! Erklärt es mir, wieso kann ich nicht nach Hause?!“, rief sie panisch, ungläubig, fast schon verzweifelt.
      Als diese Jahre hatte sie darauf gewartet endlich zurück zu kehren, in die Arme ihrer Mutter, wieder die Stimme ihres Vaters zu hören, die alten Gesichter aus ihrer Kindheit wieder zu sehen... und nun eröffnete ihr Held ihr, dass das nicht möglich war?
    • Izhar Belstryke

      Sie schien sich wirklich sehr darüber zu freuen endlich frei zu sein. Er hoffte sie würde sich ihm nun nicht in die Arme werfen. War er doch weder der starke Recke noch der Prinz den sie sich gewiss jeden Abend auf ein neues ausgemalt hatte. Er war die Realität, war lediglich gekommen um ihr all diese Träume und falschen Hoffnungen auszureden, damit sie sich endlich ihrem wahren Schicksal stellen konnte. Weggeworfen von der eigenen Familie. Nutzlos und ungebraucht. Dazu verdammt zu fürchten und zu warten bis an ihr Lebensende. Was das betraf waren sie sich ähnlich und doch vollkommen verschieden. Aber er war nicht hier um seine Familiengeschichte wieder aufleben zu lassen. Sie war vorbei und hatte niemanden mehr zu interessieren. Die Belstrykes waren tot. Alle samt. Ihm eingeschlossen. Doch er hatte wohl eine ganze Menge klarzustellen. Hoffentlich war sie nicht so naiv und dumm wie sie aussah. Er wusste nicht wie weit er seine Worte herunterbrechen konnte, wollte er doch eigentlich nur noch von hier verschwinden. Er war am Ende seiner Kräfte und der Aufenthalt hier zehrte nur unnötig an ihnen.
      "Ich bin es der dich hier gefangen hält und doch habe ich dich noch nie zuvor gesehen. Ich weiß nicht wer du bist, noch wo du herkommst.", begann er mit fester Stimme und brachte einen weiteren Schritt abstand zwischen sie, dazu bereit sie notfalls auch lit Magie von sich fernzuhalten, sollte sie auf den Gedanken kommen sich doch in seine Arme zu werfen, um die Trauer zu überkommen. "Freunde dich mit dem Gedanken an, dass deine Familie dich loswerden wollte, Mädchen. Niemand wird kommen um dich zu holen. Verschwinde solange sich noch keine neuen Kreaturen hier eingenistet haben. Vielleicht findest du eine bessere Bleibe." Seine Arbeit war getan und er machte sich drauf und dran wieder zu verschwinden. Er hatte getan was getan werden musste und weder nutzen für eine Prinzessin, noch für den Titel der mit dieser Befreiung einherging. Er glaubte sowieso nicht, dass sie zurückkehren konnte, geschweige denn sollte. Außerdem... Wer würde ihm schon glauben, dass er einen Drachen bezwang? Er war der Böse und dabei sollte es bleiben. Selbst wenn sie ihm nicht glaubte. Es konnte ihm egal sein. Er hätte sich gar nicht erst damit auseinandersetzen sollen. Was interessierten ihn auch die Missetaten anderer? Für gewöhnlich hielt er sich aus all diesen Angelegenheiten heraus. Und nun... War er wirklich so dumm geworden?
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      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      „Wie...?“, blickte sie verwirrt vom Boden auf, welchen sie mit gemischten Gefühlen angestarrt hatte, verstand nicht recht, was der Fremde ihm damit sagen wollte. Er hält sie gefangen? Aber war er nicht hier, um sie zu retten...?
      „Der schwarze... Magier...?“, sprach sie ihre Gedanken laut aus, wie sie es oft in den einsamen Jahren getan hatte, glaubte ihren eigenen Worten jedoch kaum. Es machte einfach keinen Sinn.
      Der schwarze Magier hatte sie entführt, hier eingesperrt um dem Königreich Heartsteen seine geliebte Prinzessin zu nehmen, um dem königlichen Geschlecht sein Ende zu bereiten, um die Eltern des Mädchens leiden zu lassen. Ihre Tochter, so nah und doch unerreichbar.
      Zumindest war es das, was die fremde Person in der schwarzen Kutte dem zehn jährigen Mädchen erzählt hatte, als man sie hierher gebracht hatte, ein Anhänger und Lakai des schwarzen Magiers, welcher sich nicht selber die Hände schmutzig gemacht hatte, der damals offenbar besseres zu tun gehabt hatte... und nun stand dieser berüchtigte schwarze Magier vor ihr und erzählte ihr, dass sie gehen konnte? War derjenige, der den Drachen besiegt hatte? Moment, all die Jahre über hatte sie gedacht der Drache würde zu ihm gehören, wäre sein Haustier oder ähnliches gewesen.
      Selbst Flavia, welcher nie eine anständige Bildung zu teil geworden war, wusste, dass das ganze keinerlei Sinn machte, das irgendetwas nicht stimmen konnte, aber konnte sie den Worten des Fremden einfach so glauben? Ihre Eltern hatten sie doch geliebt, selbstverständlich würden sie sie wieder sehen wollen, ob mit oder ohne Held! Das wichtigste war doch, dass es ihr gut ging, nicht wahr? Das hatte ihre Mutter immer zu ihr gesagt.
      Und doch... warum sollte er sie anlügen? Wenn er sie einfach nur los werden wollte, wieso tötete er sie dann nicht einfach?
      Mit ihren Händen ergriff sie den Stoff ihres Kleides, frustriert, unentschlossen, unsicher und spürte, wie ihr die Tränen in die Augen liefen, bemühte sich jedoch diese zurückzuhalten, sie wollte nicht weinen. Es tat ihr nicht gut zu weinen.
      „Aber... wohin soll ich denn gehen, wenn nicht nach Hause? Bitte, bevor sie gehen... verraten sie mir, wie ich in die Hauptstadt von Heartsteen komme, nach Lavier. Bitte...“, krallte sie ihre Hände noch tiefer in den Stoff, den Blick auf den Boden gerichtet, mit einer neuen Sorge in ihrem Herzen die mehr schmerzte, als die Frage, wann sie den Turm endlich verlassen werden könne.
    • Izhar Belstryke

      "Der und kein anderer." Langsam wurde es wirklich lästig. Entweder sie glaubte ihm oder sie beließ es dabei. Er hatte nicht ewig Zeit. Schon gar nicht für so ein Kind, dass den Tränen nahe war und jeden Moment losheulte. Er hätte einfach ihre Tür öffnen sollen, um dann schnell zu verschwinden. Es interessierte ihn zwar warum man versuchte es ihm in die Schuhe zu schieben und was diese ganze Farce eigentlich sollte, doch er konnte es sich denken. Er war der Böse, würde es immer sein. Alle anderen Gründe waren unbedeutend. Was auch immer sich ihre Eltern dabei gedacht hatten, es war alles ein einziges Schauspiel und die Hauptdarstellerin war zu dumm um es zu erkennen. Vielleicht wollte sie es aber auch nicht wahr haben. Es musste ihr ganzes Weltbild zerstören. Doch er sollte kein Mitleid mit ihr haben. Er würde seines Weges gehen und sie sollte zu sehen wo sie blieb. Er hatte ihr genug geholfen in dem er den Drachen besiegt hatte. Mehr war er ihr nicht schuldig. Immerhin war er kein Held. Er war ein Magier, ein Mann des Wissens, solch weltliche, zwischenmenschliche Konstrukte wie Liebe oder Heirat interessierten ihn nicht. Familie war schließlich nur ein einziges Hindernis.
      "Ich besitze keine Karte. Folge der Straße in den Süden, frag in den Dörfern nach dem Weg, aber mach dich darauf gefasst was in der Dunkelheit lauert.", erwiderte er nach einem weiteren tiefen Seufzer. Sie meinte es ernst. Sie wollte nach Hause zurückkehren. Was hoffte sie dort zu finden? Doch noch einen Prinzen? Eine liebende Familie? Jemanden der auszog um ihn, den bösen, dunklen Magier, zu richten? Glaubte sie er spielte nur mit ihr? War ihr nun nach all den Jahren überdrüssig geworden? Selbst wenn... Nicht einmal ein Drache hatte es mit ihm aufnehmen können, es war also egal wen man nach ihm schicken würde, sie würden ihn nicht finden, geschweige denn ihn besiegen können. Sollte sie doch mit eigenen Augen sehen was sie erwarten würde, wenn sie seinen Worten nicht glauben wollte. Er würde sie gewiss nicht davon abhalten. Warum auch? Es gab nichts zwischen ihnen. Er hatte versucht das Missverständnis aufzuklären, ihr in gewisser Weise auch geholfen. Seine Arbeit hier war getan.
      "Ich empfehle mich. Ich habe besseres zu tun, als deine Unwissenheit aufzuklären. Möge deine Reise erfolgreich sein, doch erinnere dich an meine Worte, wenn sie sich bewahrheiten.", damit verabschiedete er sich, zog seinen Hut wieder tiefer ins Gesicht und wandte sich zum Gehen. Es wäre ein leichtes für ihn sie binnen von Sekunden in die Hauptstadt, ja sogar bis in den Palast zu bringen, aber er würde gewiss nicht seine letzte Kraft für so etwas unnötiges aufbringen. Wenn sie es sehen wollte, musste sie selbst dafür ausziehen. Er hatte nun nichts mehr mit ihr zu tun. Ihr weiteres Schicksal lag nicht in seinen Händen. Sie musste von nun an selbst zu sehen wo sie blieb. Auch wenn es wirklich Schade war um solch ein junges Leben. Hatte sie doch ein gewisses Potential, würde man es versuchen zu schulen. Anders als sein eigenes. Hell und rein, ungeschliffen, aber stark. Doch dafür hatte er keine Zeit. Er hatte genug eigene Probleme. Er sollte nun wirklich verschwinden. Ihm kamen Gedanken an die er besser keine Zeit verschwenden sollte. Er brauchte keinen Lehrling. Schon gar keine verlorene Prinzessin. Er kam allein besser zurecht.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Süden... aber wo genau lag Süden? Wie sollte sie nur alleine den Weg finden, sie, die zuletzt vor 7 Jahren einen Fuß aus diesem Turm gesetzt hätte, doch auch damals hatte sie sich nur in den schützenden Wänden des Schlosses bewegt, und nie war sie alleine gewesen.
      Nun war sie wohl auf sich alleine gestellt, der Mann der sie gerettet hatte dachte gar nicht erst daran, sie auch sogleich nach Hause zu bringen. Dennoch war sie ihm dankbar, wenn er nicht gewesen wäre, wie lange würde sie dann noch hier fest sitzen?
      „Danke...“, murmelte sie, nickte dabei, traute sich jedoch nicht, weitere Fragen zu stellen, es wirkte, als würde sie dem Fremden bereits zu viele Unannehmlichkeiten bereiten und sie wollte ihrem Retter nicht zur Last fallen. Er musste vom Kampf gegen einen Drachen doch erschöpft sein.
      Flavia blickte dem schwarzen Magier, wie er sich selbst nannte, hinterher, während er ihr Zimmer verließ, ehe sie begann sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen und zu Boden zu sinken, sie hatte keine Kraft mehr in den Beinen um aufrecht stehen zu bleiben.
      Alleine ließ sie ihrer Trauer freien Lauf, in ihrem Kopf spielte sie immer und immer wieder durch, was es für sie bedeuten mag, wenn der Fremde tatsächlich recht mit seinen Worten hatte.
      Was wenn sie zurückkehrte und ihre Eltern sie nicht mehr haben wollten? Wenn sie sie zurück in den Turm schickten, oder in einen anderen, dunklen Ort sperrten, sie ohne Helden nicht wieder sehen wollten?
      Es gab nur einen Weg für sie, die Wahrheit herauszufinden: sie musste es darauf ankommen lassen und ihre Eltern wieder sehen, sie wollte es von ihnen hören, die Wahrheit.
      Also gab sie sich Mühe sich wieder zu beruhigen, wischte sich die Tränen aus den Augen, ehe sie versuchte herauszufinden, was sie für eine Reise nach Hause brauchen würde.
      Wie war das in diesen ganzen Geschichten, die sie ihr Leben lang gelesen hatte? Würde sie auch Monstern auf ihrem Weg begegnen? Was sollte sie tun, sie hatte kein Geld, keine Vorräte, nichts.
      Langsam in Panik geratend atmete sie tief ein und aus, um sich wieder zu beruhigen. Ihr blieb keine andere Wahl, als einfach los zu gehen, sie besaß ja noch nicht einmal einen Rucksack oder eine andere Tasche, in welche sie etwas verstauen konnte.
      Sie erhob sich vom Boden, wischte sich mit den Armen noch einmal über die Augen, die ihr nun vom ganzen weinen weh taten, ehe sie durch die offenen Tür trat, ihr erster Schritt in die Freiheit.
      Als sie die tiefe, unendlich wirkende Treppe erblickte, schluckte sie überwältigt, ehe sie sich an der Wand entlang zog und begann eine Stufe nach der anderen zu nehmen, darauf bedacht nicht zu stolpern oder einen falschen Schritt zu machen.
    • Izhar Belstryke

      Der Drache war besiegt, die Prinzessin schien ihn erst einmal in Ruhe zu lassen und es wäre wohl wahrlich eine Verschwendung solch ein mächtiges Wesen einfach verkommen zu lassen. Man konnte sicher nicht nur die Schuppen des Drachen verarbeiten. Sicher würde er auch für die Zähne oder Klauen, seine Augen oder auch die Gasdrüsen in seinem Rachen, die es dieser geflügelten Echse ermöglichten Feuer zu speien, Verwendung finden. Er musste es lediglich entfernen und einstecken. Etwas das sich leichter sagte, als schlussendlich ausführen ließ. Immerhin besaß er nur ein kleines Messer, brauchte er schließlich keine Waffen um sich zu verteidigen. Doch noch einmal zurückkehren würde er auch nicht. Bereits jetzt war er einmal zu oft in dieses Anwesen zurückgekehrt. Er sollte also besser jetzt überlegen was er alles noch benötigte. Nicht nur von dem erlegten Drachen, sondern auch von den Büchern und Gerätschaften. Je länger sie hier lagerten, desto schlechter würde es ihnen ergehen. Er sollte sich beeilen.
      Er sah sich nicht allzu genau um, wusste er schließlich wo das Meiste gelagert wurde. Er hatte jahrelang damit zugebracht diese Hallen zu erkunden, kannte jede Nische, jeden Schlupfwinkel. Auch nachdem nun solch ein Monster hier gehaust hatte, sah es noch immer fast genauso aus wie früher. Sicher, einige Teile des Anwesens waren zerstört, mit Kratzspuren versehen oder zu einem Drachenhort umfunktioniert worden, soch schlussendlich... Es war fast so wie er es in Erinnerung hatte. Er konnte die Bücher in den Regalen der Reihe nach aufzählen, während er mit dem Finger über die Buchrücken fuhr, bis er zwei weitere Exemplare fand, die ihn interessierten und die er ebenso unter seinen Arm klemmte, wie das erste zuvor, ehe er weiterlief. Nun in die Mitte des Hauses, der Festsaal, der größte Raum und zeitgleich das Drachennest in dem er die Bestie niedergestreckt hatte. In mitten ihres Goldes und der Reichtümer, Schätze und Leichen vergangener Helden, die versucht hatten sich dem Untier zu stellen, jedoch kläglich gescheitert waren. Dass man ihm wirklich solch eine Grausamkeit zutraute. Kleine Mädchen entführen, junge Männer bis zum Tode gegen Bestien kämpfen lassen... Dieses Bild hatte er sich wohl selbst verschafft und daran ließ sich nun nichts mehr ändern.
      Es stellte sich als schwieriger als erwartet heraus, all die weiteren Teile zu entfernen, die er gern noch für sich beanspruchen wollte und schlussendlich musste er auf einen Großteil davon verzichten. Ein Messer war einfach kein Schwert ubd so gern er auch einige Knochen oder auch die Drüsen mit sich genommen hätte, er könnte sie sowieso nicht tragen. Es hatte also keinen Sinn, weshalb er lediglich die Schuppen, Zähne und Klauen verstaute und seine Ausbeute noch durch ein kleines Säckchen voll Gold ergänzte. Über die Jahre hinweg jatte sich eine Menge angesammelt, doch so viel könnte er im Leben nie ausgeben. Aber... Ihm kam eine Idee und so gern er sich auch für diese verurteilt hätte, er füllte dennoch einen weiteren Beutel bis zum Randmit den glänzenden Münzen, ehe er zurückkehrte. Immer dem leichten Flimmern junger, magischer Energie hinterher, hatte die Prinzessin es doch noch nicht allzu weit aus ihrem Turm hinaus geschafft. "Wenn du wirklich gehst, wirst du das brauchen. Auch wenn ich dir noch immer davon abraten. Es ist eine Zeitverschwendung." Warf ihr den Beutel nicht allzu geschickt zu. Selbst wenn sie gewollt hätte, hätte sie ihn nicht fangen können, weshalb er stattdessen vor ihr auf dem Boden aufschlug. "Sieh selbst was mit deinem Königreich passiert ist, aber sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt. Wenn du zurückkehrst und noch lebst und mich finden solltest, kannst du mir die Geschichte ja erzählen."
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    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Erschöpft kam das junge Mädchen letztendlich am Fuße der Treppe an, rang nach Atem, als sie ein klimpern vernahm und ein kleiner Beutel in ihr Blickfeld kam, ehe sie aufsah und unerwarteterweise den Fremden wieder sah. Sie hatte erwartet, dass er bereits fort war, dass sie ihm nicht noch einmal begegnen würde, so lange wie sie gebraucht hatte aus ihrem Zimmer zu kommen.
      Sie lauschte den Worten des schwarzen Magiers, ehe sie sich bückte um den Beutel aufzuheben.
      Sie lockerte die Schnur, welche den Beutel zusammen hielt etwas, sich fragend, was sich darin wohl befinden mag, als sie von glänzenden Münzen begrüßt wurde und ein strahlendes Lächeln sich auf ihrem Gesicht abzeichnete, die junge Prinzessin letztendlich doch noch Hoffnung fand.
      Es war Geld, Münzen, damit würde sie sicher einen Weg in die Hauptstadt finden, so weit konnte es doch gar nicht sein, nicht wahr?
      „Habt vielen Dank! Nun habt ihr mir nun bereits zum zweiten Mal geholfen... ihr seid viel freundlicher, als ihr ausseht.“, lächelte sie dankbar, ehe ihr seine letzten Worte wieder in den Kopf kamen.
      „Heißt das... ich kann zu euch? Ich dachte, ich würde euch nur zur Last fallen?“, sprach Flavia verwirrt ihre Gedanken einfach aus.
    • Izhar Belstryke

      Was hatte er da nur von sich gegeben? Es hatte wie eine Einladung geklungen. War er verrückt geworden? Er bezweifelte zwar, dass sie sich wiedersehen würden, doch selbst die winzige Chance die bestand erschütterte ihn. Sollte sie ihn trotz allem finden... Er sollte nicht darüber nachdenken. Er zog durch's Land. Unerkannt und unentdeckt. Niemand hatte ihn bisher gefunden, obwohl er sich sehr sicher war, dass eine ganze Menge Leute nach ihm suchten, konnte er sich doch nur zu gut vorstellen wie viel Geld man auf seinen Kopf ausgesetzt hatte, nachdem er anscheinend die geliebte Prinzessin des Landes entführt hatte. Er sollte sich also wirklich nicht so viele Gedanken machen. Sie war lediglich ein Kind mit schwachen, magischen Fähigkeiten. Ungeübt und nicht geschult. Sie würde ihn ebenso wenig finden wie all die anderen. Die geübten Fährtenleser, die Krieger und Wachen. Es gab nehr als genug Menschen die hinter ihm her waren, warum sollte also ausgerechnet solch ein kleines Kind Erfolg haben. Er sollte diese Worte lieber nutzen um ihr falsche Hoffnungen zu machen. Wenn dann wollte er seinem schlechten Ruf auch allen Namen machen. Wenn er der Böse sein sollte, würde er sich auch so verhalten müssen.
      "Sei nicht so leichtgläubig. Bin ich nicht noch immer der, der dich in diesen Turm gesperrt hat? Der dessen Worte du nicht glauben kannst? Nicht glauben solltest?", begann er und machte zwei Schritte auf sie zu, musterte sie eindringlich durch seine Brillengläser hindurch, während er auf sie hinabsah. "Ich bin nicht nett und lediglich an winer guten Geschichte interessiert. Ich möchte deine Enttäuschung sehen und hören, dass ich schlussendlich doch Recht behalten haben.", fuhr er fort und machte einen weiteren bedrohlichen Schritt in ihre Richtung. "Aus diesem Grund darfst du mich aufsuchen, doch ich werde dir weder einen Platz zum Schlafen noch weitere Freundlichkeiten entgegen bringen. Unsere Wege trennen sich hier und sollten sich kein weiteres Mal kreuzen.", er machte einen letzten Schritt, ehe er sich infolge einer einzigen Handbewegung in einer schwarzen Wolke auflöste, die leicht nach Rauch und Schwefel roch. Dunkle Magie war wirklich nicht angenehm, doch er war wirklich froh endlich von dort weggekommen zu sein. Wer wusste schon was noch alles passiert wäre, wäre er geblieben. Nachher hätte er ihr wirklich noch einen Platz bei sich angeboten. Nein... Nein... Nein... Das wusste er zu verhindern. Dafür hatte er weder Zeit noch Geduld. Er konnte keinen Lehrling, noch nicht einmal einen Gehilfen gebrauchen. Schon gar nicht solch einen Taugenichts. Selbst wenn sie Potential hatte, er wollte nie wieder etwas mit anderen Menschen zu tun haben. Nie wieder!
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    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Das junge Mädchen legte ihren Kopf bei den Worten des schwarzen Magiers schief, blickte ihn verwirrt an, als er sich scheinbar selbst zu widersprechen begann. Sie wurde aus dem Fremden einfach nicht schlau, war er denn nun Böse oder nicht?
      Eines wusste sie jedoch mit Sicherheit: er hatte sie hier raus geholt und ihr mit den Münzen eine höhere Erfolgschance gegeben, hier raus zu kommen. So böse wie er sich plötzlich gab, konnte er also nicht sein, auch wenn er tatsächlich nur eine traurige Geschichte hören wollte.
      „Wenn sie gute Geschichten mögen...“, wollte sie ihm gerade erzählen, dass in ihrem Zimmer einige gute zu finden waren, auch wenn es keine traurigen Geschichten waren, als der Fremde plötzlich verschwunden war und Flavia zu husten begann, als der Rauch ihr entgegen kam.
      In diesem Moment sah sie ein, dass der Fremde wohl tatsächlich der schwarze Magier war, welcher Magier sonst könne sich einfach in Luft auflösen und einen Drachen, eines der mächtigsten Wesen dieser Welt, bezwingen?
      Dennoch... er musste Unrecht haben. Er musste irgendetwas falsch verstanden haben, selbst wenn er nicht der Böse in dieser ganzen Geschichte war, konnte es noch immer jemand anderen geben, jemand, der nicht die Eltern des Mädchens waren.

      Endlich konnte die junge Prinzessin nach sieben Jahren ihren ersten Schritt in die Freiheit wagen, das alte Gebäude, den Turm, alles was ihr so kalt und einsam vor kam, verlassen und sich wieder daran erinnern, wie sich die Erde, das Gras, unter ihren Füßen anfühlte.
      Sie konnte die Sonne auf ihrer Haut spüren, hieß den sachten, angenehmen Windzug willkommen und genoss den Geruch der Natur, merkte erst jetzt, wie sehr sie das alles vermisst hatte.
      Erinnerungen aus ihrer Kindheit kehrten zurück, Erinnerungen in denen sie sorglos im Schlossgarten spielen konnte, an einigen Tagen war sogar der Sohn von Sir Maizen zugegen gewesen, wie es ihm wohl in all den Jahren ergangen war?
      Flavia konnte sich an kein Gesicht erinnern, viel zu lange war es her, aber selbst wenn sie sich erinnern könnte, er müsste sich genauso sehr verändert haben, wie sie selber es tat.
      Ob man sie überhaupt erkennen würde, so viel wie sie gewachsen war? Sie hoffte es.
      Nachdem sie nun für eine Weile den Moment genossen hatte, neuen Mut und Tatendrang gesammelt hatte, blickte sie die Straße hinauf und hinunter, überlegte kurz, welche Richtung wohl Süden sein würde und entschied sich letztendlich einfach der Sonne, die hoch oben am Himmel stand, entgegen zu laufen.
      Selbst wenn sie den falschen Weg gewählt hatte, so würde sie irgendwann auf ein Dorf treffen und nach einem genaueren Weg fragen können, da war sie sich sicher. Sie würde sich davon nicht entmutigen lassen, mit den Münzen in ihren Händen würde sie einen Weg nach Hause finden. Sie hatte sieben ganze Jahre nur gewartet, Geduld war keine Tugend, die der jungen Prinzessin fehlte.

      Auf ihrer Reise schien Flavia das Glück zu verfolgen, obwohl es in ihrem Zustand anstrengend war mehrere Stunden am Stück zu gehen und sie zahlreiche Pausen einlegen musste, das erste Mal in ihrem Leben erfuhr, was Hunger war und ihre Füße auch für den Rest der Reise schmerzen würde, so war sie glücklich, all diese neuen Erfahrungen machen zu können, glücklich endlich frei zu sein.
      Noch vor Sonnenuntergang konnte sie ein kleines Dorf erreichen, nicht mehr als einige wenige Häuser, es besaß nicht einmal eine Taverne oder ein Gasthaus, aber es gab hier Menschen, die ihr helfen können würden, wenn sie sie nur nett genug bat.
      Er war still, nur die Kühe und Schafe auf ihren Weiden gaben das ein oder andere Geräusch von sich – Flavia verbrachte einige Minuten damit sich über den Zaun der Weide zu lehnen und die ihr fremden Tiere zu betrachten, zu gerne hätte sie ihre Hände in das weiche Fell eines Schafes vergraben – die Bewohner mussten sich bereits zur Ruhe in ihre Häuser begeben haben.
      Flavia nahm all ihren Mut zusammen, während sie vor einer der Türen stehen geblieben war, und klopfte, in der Hoffnung auf eine freundliche Person zu treffen, die ihr helfen konnte.
      Der fremde Mann, der die Tür geöffnet hatte, starrte sie zunächst ungläubig an, musterte das junge Mädchen von oben bis unten, während Flavia sich bemühte ein freundliches Lächeln aufzusetzen.

      Er hatte sie zwar noch nie in seinem Leben gesehen, doch er wusste sofort, wen der Bauer vor sich hatte: es war die berüchtigte Prinzessin, welche angeblich in dem Turm, welcher nur wenige Stunden vom Dorf stand, eingeschlossen war, bewacht von einem schrecklichen Drachen.
      Zahlreiche Abenteurer und großmütige Helden waren durch das Dorf gekommen, versuchten ihr Glück, doch wurden nie wieder gesehen.
      Die puren, weißen Haare und ihre ungewöhnlichen Augen verrieten das Mädchen, waren der Beweis für das königliche Blut, welches in ihren Adern floss, doch einen Helden konnte er weit und breit nicht sehen, nur einen kleinen Beutel, den das Mädchen in ihren Händen trug, als würde ihr Leben daran hängen.
      Die Prinzessin wirkte erschöpft, ausgelaugt, der Saum ihres Kleides war dreckig, war sie etwa den ganzen Weg vom Turm bis hierher gelaufen?!
      „B-bitte... kommt doch rein, ihr müsst erschöpft sein.“, lächelte er etwas nervös, ehe er platz machte, damit das Mädchen in das Haus eintreten konnte, das arme Ding. Sie musste schreckliches durchgemacht haben, sie erinnerte den alten Mann ein wenig an seine eigene Tochter, welche seit einigen Jahren mit ihrem Ehemann an einem anderen Ort wohnte.

      So verging ihre Reise, sie traf einen netten Menschen nach dem anderen, ließ an jedem Ort ein paar ihrer Münzen aus Dankbarkeit zurück, ehe sie in einem Dorf ankam, das groß genug war, dass es Soldaten beinhaltete, welche es sich zur Aufgabe machten, die junge Prinzessin – welche ihren Weg bisher zu Fuß oder auf dem Wagen freundlicher Bauern zurückgelegt hatte – zurück zum Schloss zu bringen.
      Auf ihrem Weg erkundigte sich das Mädchen über den Zustand des Königreichs, über ihre Eltern und lauschte dem ein oder anderen Gerücht, doch eines blieb ihr besonders im Gedächtnis: ein Prinz. Es gab einen Prinzen in Heartsteen, seit wann? Flavia hatte keine Geschwister, sie war schon immer ein Einzelkind gewesen, doch nun hatte sie wohl einen kleinen Bruder, welcher die Gespräche des Volkes einnahm. Alle freuten sie sich, dass die Erbschaft gesichert war, erzählten sich, wie niedlich der kleine Junge angeblich war und Flavia fühlte sich, als ob sie ersetzt worden war. Ihr wurde bewusst, wie lange sieben Jahre wirklich waren und mit jedem Tag, dem sie ihrem Zuhause näher kam, wuchs die Angst in ihr, dort keinen Platz mehr zu haben, hatte der schwarze Magier am Ende doch recht gehabt? Sollte sie fliehen, solange sie noch konnte?
      Nein, sie wollte der Liebe ihrer Eltern mehr vertrauen als den Worten eines Fremden und setzte ihre Reise fort, ehe sie, eine Woche später, endlich vor den Toren des Schlosses stand und mit schnell schlagendem Herzen von Soldaten hineingeführt wurde.

      „White!“, hörte sie bereits die Tränenreiche Stimme ihrer Mutter, welche sie schon immer mit ihrem Mittelnamen angesprochen hatte, die junge Prinzessin erkannte diese trotz der vielen Jahre sofort.
      „Mutter....“, murmelte Flavia, selber den Tränen nahe, denn sie hatte es letztendlich geschafft. Sie war Zuhause, sie war nicht mehr alleine, sie war hier, wo sie hingehörte, in die Arme ihrer Mutter, die sie genauso sehr vermisst hatte, wie sie selbst, daran zweifelte sie keine Sekunde.
      Der fremde Mann hatte sich geirrt, er musste einfach!
      „White, meine kleine süße Prinzessin, wie schön, dass du wieder Zuhause bist! Wir haben dich so unglaublich vermisst... Rosario wird sich auch freuen, endlich seine große Schwester kennen zu lernen. Aber sag doch, mein liebes, wo ist der strahlende Held, der dich wieder zu uns gebracht und den Drachen erlegt hat? Wieso ist er nicht mit dir gekommen?“, strich die Königin liebevoll ihre Tochter einige Strähnen aus dem Gesicht, doch diese Fragen waren wie ein Stich in das Herz des jungen Mädchens, hatten sich ihre Zweifel noch immer nicht ganz gelegt.
      „... wieso.... wieso fragst? Bist du nicht einfach nur froh, dass ich wieder da bin... ? Das es mir gut geht... ?“, gab Flavia zögernd von sich und hoffte, ihre Mutter würde das Thema damit auf sich ruhen lassen.
      „Aber natürlich sind wir froh, dass du wieder da bist, mein Engel! Aber wir müssen doch den tapferen Recken, der uns unsere geliebte Tochter zurückgebracht hat, reichlich belohnen! Freust du dich nicht darauf, deinen Retter zu heiraten?“, wandte sich nun der König zu Wort, welcher von seinem Thron aufgestanden war und sich nun neben die beiden Frauen stellte.
      „Natürlich freut sich White darauf, mein Liebster! Das war immer ihr Lieblingsteil in all den Geschichten, die ihr damals vorgelesen hatte. Ach, wie groß du doch geworden bist, White... und so wunderschön, dein Retter kann sich wirklich glücklich schätzen.“, schluchzte die Königin und wischte sich die Tränen mit einem Taschentuch fort.
      Flavia musste an die Worte des Fremden denken, war das der Grund, wieso man sie weggesperrt hatte? Wieso wollten sie so dringend einen Helden haben? Nein, sie musste sich irren, sie waren wahrscheinlich wirklich nur dankbar... wenn sie ihnen erzählte, dass sie alleine gekommen war, würde das doch nichts ändern... oder?
      „Eigentlich...“, begann sie mit schwacher, zitternder Stimme, aus Angst, einer Wahrheit auf die Spur zu kommen, die sie vielleicht lieber nicht erfahren hätte, „... bin ich alleine hergekommen.“
      „... Wie? Wie meinst du das, Prinzessin?“, starrte ihre Mutter sie ungläubig an, unsicher, wie sie diese Worte zu deuten hatte, „Jemand muss dir doch geholfen haben, du kannst doch unmöglich... meine zierliche, kleine Tochter und ein Drache? Du musst doch solche Angst gehabt haben, unmöglich...“
      „Was willst du uns damit sagen, Flavia?“, wandte sich auch der König zu Wort und das junge Mädchen glaubte, einen Funken Kälte in seinen Worten zu hören... war es keine Einbildung.
      „E-ein Fremde hat den Drachen bezwungen.... aber er war kein Held! Er... ihm... der Drache... war ihm nur im Weg... glaube ich... ich habe es vom Turm allein hier her geschafft... ihr freut euch doch... oder?“, wurde ihre Stimme immer zittriger und sie traute sich nicht mehr in die Gesichter ihrer Eltern zu blicken, aus Angst vor dem, was sie wohl darin zu sehen vermochte.
      „Aber natürlich freuen wir uns! Was denkst du dir denn, meine liebe White? Ich bin doch deine Mutter! Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich vermisst habe!“, war die junge Prinzessin erleichtert, als sie die Worte der Königin vernahm und blickte auf, doch was sie in den Augen ihrer Mutter sah, war keine Freude. Sie versteifte, versuchte zu verstehen, was das bedeutete, wurde Zeuge davon, wie ihre Eltern einen wohl wissenden Blick austauschten, ehe sich die beiden wieder an das Mädchen wandten.
      „Du bist schmutzig, meine Liebe, wieso gehst du nicht erst einmal und lässt dich von den Maids waschen? Du musst erschöpft von der Reise sein... unglaublich, dass dich dieser Mann einfach alleine gelassen... sieht er denn nicht, wie hübsch du bist? Verstehst du, White, du darfst doch keinen Mann gehen lassen, der für dich einen Drachen erlegt, verstehst du?“
      Flavia beeilte sich zu nicken und sich aus der Umarmung ihrer Mutter zu befreien, die junge Prinzessin, welche sich so lange auf diesen Moment gefreut hatte, wollte nur noch hier weg.
      Der Mann hatte die Wahrheit gesagt und nun wusste das junge Mädchen warum: sie wollten einen Helden. Aber warum? Wieso... wieso musste ihr das passieren? Hatten ihre Eltern sie jemals geliebt? War auch nur eine ihrer Kindheitserinnerungen echt?
      Sie beeilte sich den Maids zu folgen, bevor sie vor ihren Eltern in Tränen ausbrechen konnte, konnte es jedoch nicht mehr zurückhalten, als sie in dem warmen Wasser ihres Bades saß, es erinnerte sie an früher, und die Maids schoben es auf all die schlimmen Dinge, die die arme Prinzessin durchgemacht haben musste.
      Flavia wollte hier weg, sie hatte das Gefühl in Gefahr zu sein. Was, wenn ihre Ängste aus dem Turm war wurden und sie wieder weggesperrt werden sollte? Wie viele Jahre würde es dieses Mal dauern, bis sie jemand befreien kam, ihr ein weiteres Mal die Freiheit schenkte? Hier fühlte sie sich alles andere als frei.

      Diese Nacht bekam die junge Prinzessin kein einziges Auge zu, aus Angst ein neuer Entführer würde auftauchen, während sie schlief, andererseits wartete sie darauf, bis sie sich sicher sein konnte, dass der Großteil des Schlosses schlafen würde.
      Auch wenn sie noch nicht wusste wohin, sie wollte weg. Vielleicht nach Diamori, Pikegrit oder einem anderen Nachbarland? Würde sie es überhaupt über die Grenze schaffen, würde man sie überhaupt gehen lassen? War es weit weg?
      Neben all diesen Möglichkeit kam ihr noch eine andere in den Sinn: der Fremde.
      Er war neben ihr der einzige, der wusste, was wirklich passiert war und nicht mitspielte, vielleicht der einzige in ganz Heartsteen, dem sie vertrauen konnte... aber er hatte gesagt, dass er ihr nicht helfen würde. Alles was sie anzubieten hatte, war eine traurige Geschichte, welche ihr immer noch Tränen in die Augen trieb, außerdem, wie sollte sie ihn finden?
      Sie kannte keinen Namen, kein Wohnort, nur einen Titel, der schwarze Magier... ein Phantom, eine Geistergestalt, ein Mann, der noch nie gefunden oder gefasst werden konnte, sie kannte die Geschichten, man hatte sie ihr oft genug erzählt und sie lächelte bitter, als ihr auffiel, wieso sie mit diesen Geschichten erzogen worden war.
      Aber sie konnte sich deswegen auch später noch Gedanken machen, erst musste sie es schaffen hier raus zu kommen.
      Als sich die Prinzessin sicher war, das es sicher war, erhob sie sich leise und begann sich anzuziehen – eine Fähigkeit welche sie sich nur aneignen konnte, da sie dazu gezwungen worden war, alleine zu leben – und floh.

      Sie wusste nicht genau, wie sie es geschafft hatte, aber Flavia war aus dem Schloss geflohen, hatte ein paar Wertgegenstände mit sich gehen lassen können, welche sie für eine Weile am Leben erhalten würde... das Problem waren ihre Haare und ihre Augen, welche sie bereits oft verraten hatten. Sie musste einen Weg finden sich zu verstecken, unerkannt zu bleiben.
      „Magie...“, murmelte sie vor sich hin, sich an die unglaublichen Dinge erinnernd, die der Fremde mit seinen Kräften zustande gebracht hatte. Ein toter Drache, eine Rauchwolke... ob sie auch ihr Aussehen damit verändern könnte?
      Doch im nächsten Moment sank ihr neugewonnener Mut, sie war keine Magierin, wie also sollte sie so etwas zu Stande bringen? Was war Magie überhaupt? Wie funktionierte es?
      Es war spät in der Nacht, alle Straßen und Fenster waren dunkel, nur vereinzelt leuchteten Straßenlampen, angetrieben durch Magie selbst erleuchteten sie ihre Umgebung, als Flavia vor einem Gebäude stand, das ihr gerade recht kam: eine Bibliothek.
      Zu ihrem Glück war diese noch zu später Stunde offen, sie konnte zwar keinen Angestellten entdecken, aber dieser musste sich irgendwo zwischen den vielen Regalen voller Bücher verstecken.
      Das junge Mädchen beeilte sich und begann ihre Suche, verschwand zwischen den Regalen und nahm scheinbar wahllos eines der Bücher heraus, ein Buch über Magie.
      Sie überflog zahlreiche Seiten, sah sich mit Unmengen an unbekannten und unverständlichen Begriffen erschlagen, ehe sie etwas fand, dass ihr tatsächlich helfen konnte.
      „Stelle dir die neue Farbe vor und spüre, wie das Mana durch deine Körper fließt... verändert Haarfarbe, Augenfarbe, Haut...“, las sie laut, aufgeregt, denn sie wollte es zumindest versuchen.
      Wenn sie Magie nutzen könnte... vielleicht hätte sie dem Fremden dann doch etwas zu bieten? Sie wollte nicht mehr alleine sein... keine weiteren Jahre, doch wusste sie auch nicht mehr, wem sie vertrauen konnte.
      Ungeübt murmelte sie die Worte des Zauberspruchs, der sich in dem Buch für Anfänger befand, versuchte sich etwas wie einen Manafluss vorzustellen, wollte die Farbe ihrer Haare ändern... doch nichts veränderte sich, sie fühlte sich wie immer, normal.
      Flavia seufzte, sie wusste es, sie war doch keine Magierin. Da fiel ihr eine Strähne vor die Augen und das junge Mädchen glaubte ihren Augen nicht. Es war nicht das starke, dunkle rot, dass sie sich vorgestellt hatte, eher ein seichtes Pink, als hätten ihre Haare nur teilweise die Farbe angenommen, die sie eigentlich haben wollte.
      Dennoch, sie hatte ihr Ziel erreicht, sie hatte es tatsächlich geschafft Magie zu wirken!
      Glücklich und mit einem breiten Lächeln im Gesicht blätterte sie das Buch noch für eine Weile durch, testete ihr neues Aussehen, indem sie sich mit dem Angestellten, der den Nachtdienst führte, unterhielt, welcher nichts ahnte, ehe sie ihre Reise von neuem begann.
      Magie... was für ein unglaublich interessantes Thema, wenn sie den Fremden fand... ob sie ihn dazu überreden könnte, ihr die fremden Begriffe zu erklären?
    • Izhar Belstryke

      Als er an dem kleinen Haus mitten im Wald ankam, war er erschöpft. Seine Gliedmaßen schmerzten, hinter seiner Stirn pochte es, als würde ein Specht unaufhörlich gegen sein Hirn hämmern. Durch der Geruch seiner eigenen Magie wurde ihm schlecht. Er wusste nicht wann er sich das letzte Mal so elend gefühlt hatte, doch er war froh daeüber endlich zurück zu sein. Sein Haus lag abseits von Städten und Dörfern, mitten im Wald, umgeben von Zaubern, die es unauffindbar machten. Ein dichter Nebel verschleierte die Sicht für jeden, der es nicht qürdig war sein Heim zu betreten, also jeder außer er selbst. Niemand würde sich je seiner würdig erweisen. Auch nicht die Prinzessin aus dem Turm. Hier wäre er also sicher. Hatte nichts zu befürchten und könnte weiter sein Dasein fristen. Trotz dieses unvorhergesehenen Zwischenfalls. Doch diesen würde er nun schnell vergessen. Es spielte keine Rolle, kannte er ihr Schicksal schon längst. Man würde sie fortjagen oder ein weiteres Mal wegsperren, vielleicht auch an den meist bietenden verkaufen und sie ihm zur Frau geben. Kein schönes und erst recht kein angenehmes Schicksal, aber das ging ihn nichts an.
      Mit Mühe und not schleppte er sich nach drinnen in die kleine Hütte, die im Inneren so viel größer wirkte. Er machte sich nicht die Mühe seine Kleidung ordentlich abzulegen, verlor sie nur Stück für Stück auf dem Weg zu seinem Bett. Er den Hut, dann seine Schuhe, das Gewand und schlussendlich auch die Handschuhe. Einzig und allein die Bücher, das Gold und auch die Teile des Drachen legte er vorsichtig auf seinem Schreibtisch ab. Seine Hände schmerzten. Seine Fingerkuppen wirkten noch viel schwärzer als er in Erinnerung hatte. Er könnte förmlich dabei zu sehen wie die Farbe immer weiter seine Finger emporkroch. Er konnte sich jetzt jedoch nicht auch noch damit auseinandersetzen. Der Prozess war sowieso unaufhaltsam. Es gab nichts was er tun konnte. Früher oder später würde er der Macht seiner eigenen Magie erliegen, wie es jedes Lebewesen tat. Sie war einfach nicht lebensspendend. Nicht einmal im Entferntesten. Selbst wenn er sie nur verwendete um Gutes zu tun, sein Leben würde immer dahin scheiden. Wieso sollte er sich also bemühen?
      Vermutlich hätte er sich waschen sollen bevor er zu Bett ging, klebte der strenge Geruch von Schwefel und Rauch doch noch immer an ihm. Aber auch dafür fehlte ihm gerade einfach die Kraft. Er hatte kaum das Bett berührt, da waren ihm auch schon die Augen zu gefallen. Er schlief eine halbe Ewigkeit, hatte keine Ahnung wie viele Stunde oder gar Tage vergangen waren, seit dem er zurückgekehrt war. Sein Bauch war leer, seine Kehle trocken, aber zumindest fühlte sich sein Körper erholter an. Teilweise zwar immer noch ein wenig überanstrengt, doch nichts mit dem er nicht fertig wurde. Er würde in nächster Zeit sowieso nicht kämpfen, also war das auch egal.
      Er begann seinen Tag damit sich und auch sein Gewand zu waschen. Entfernte endlich den strengen Geruch und auch die wenigen Blutflecken seiner eigenen Verletzungen, die er als nächstes mit Salbe versorgte. Sie waren nicht tief, brauchten demnach nicht allzu viel Versorgung, doch er war wirklich eingerostet, wenn er sich so leicht treffen ließ. Aber wann hatte er auch das letzte Mal gekämpft? Danach folgte Frühstück und Tee, während er die Klauen, Zähne und Schuppen in Behältnisse sortierte und dann seiner Kollektion Zauberutensilien hinzufügte. Schlussendlich blieben nur noch die Bücher übrig, deren Studium er sich von da an Tag und Nacht widmete. Er konnte sich gut an sie erinnern, hatte man ihm als Kind doch verboten sie zu lesen. Nun gab es niemanden mehr der dies konnte, so dass er sich ohne Bedenken in ein weiteres Kapitel dunkler Magie stürzen konnte. Er konnte mittlerweile sowieso nicht mehr umkehren und einer rechtschaffenderen Tätigkeit nachgehen. Wieso sollte er also seine Studien einstellen?
      Von da an normalisierte sich sein Tagesablauf wieder. Er aß, trank, kümmerte sich gelegentlich um den Haushalt und lernte bis die Erschöpfung ihren Tribut forderte. Nichts und niemand störte ihn, einzig und allein der wöchentliche Weg zum nächstgelegenen Markt vermieste ihm die Stimmung, weshalb er sich dieses Mal besonders kurz dort aufhielt. Er hatte für diese Woche mehr als oft genug mit Menschen zu tun gehabt. Er wollte nur die lebensnotwendigsten Sachen einkaufen und dann begann der Kreislauf wieder von vorn. Der selbe Rhythmus der eingekehrt war, nachdem er seine Reisen beendet hatte. Der Zyklus wiederholte sich einige Male, die Wochen vergingen und er vergaß wirklich seine Begegnung mit der Prinzessin im Turm. Er könnte glücklicher nicht sein, würde nicht schon wieder die unliebsame Tätigkeit der allwöchentlichen Besorgungen bevorstehen. Könnte er selbst etwas anbauen, wäre es gewiss kein Problem, doch selbst ohne Magie gingen die Pflanzen immer zu nur ein. Er war also auf alle anderen angewiesen und manchmal fragte er sich, warum er nicht einfach in seiner ganzen Glorie, als gefürchteter, dunkler Magier erschien. Es würde so vieles einfacher machen. Nein... Stattdessen machte er sich die Mühe unerkannt und fast wie ein normaler Bürger über den Markt zu schlendern, während er Kartoffeln und Rüben verglich, nur damit ihn niemand erkannte. Das Leben konnte wirklich anstrengend sein...
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Wenigstens einer ihrer Träume hatte sich nach dem Verlassen des Turmes erfüllt: sie konnte endlich reisen, die Welt sehen, neue Erfahrungen und Erinnerungen sammeln, all die Dinge tun, von denen sie nur gelesen oder geträumt hatte.
      Das Wiedersehen mit ihren Eltern nagte noch immer an ihr, sie würde Zeit brauchen um die dunkle Vergangenheit zu verarbeiten, all die Jahre, die sie verloren hatte, es würde schwer werden all dies zu akzeptieren, aber vielleicht musste sie das auch nicht?
      Vielleicht konnte das junge Mädchen, das nun keine Prinzessin mehr war, keine sein wollte, stattdessen lernen in die Zukunft zu sehen, nicht an einen Platz, den sie zu haben geglaubt hatte, zurückkehren, sondern sich einen neuen, eigenen Platz schaffen, mit ihren eigenen Händen, etwas, worauf sie stolz sein konnte. Aber auch damit würde sie sich Zeit lassen können, sie hatte eine Menge nachzuholen.

      Während sich neue Gerüchte und Geschichten bildeten, um das weitere Verschwinde der Prinzessin – Flavia hätte fast gedacht, als sie erfuhr, dass man dem schwarzen Magier wieder die Schuld in die Schuhe schob, wobei sie dabei vielleicht nicht ganz Unrecht hatten, aber anders, als das Volk es glaubte – begann das junge Mädchen das Land, in dem sie aufgewachsen war, kennen zu lernen.
      Sie unterhielt sich mit den verschiedenen Menschen, versuchte sich am Arbeiten, etwas, was normale, gewöhnliche Menschen taten, und sammelte dabei gute wie auch schlechte Erinnerungen, immer dabei bemüht ihre wahre Identität geheim zu halten.
      Sie genoss ihre Reisen, sammelte jedoch gleichzeitig Informationen über den fremden Mann, den schwarzen Magier, denn sie hatte sich fest vorgenommen ihn wieder zu sehen, ihm vielleicht sogar zu danken – wer wusste denn schon, was passiert wäre, wenn sie die Wahrheit nie erfahren hätte? - aber auf jeden Fall wollte sie von ihm Magie erlernen.
      Das junge Mädchen hatte auch bereits mit dem Gedanken gespielt sich stattdessen einen anderen Meister zu suchen, einer Schule oder dem berüchtigten magischen Kolosseum beizutreten, aber sie alle erforderten eine Identitätsbestätigung, Empfehlungen oder andere Dinge, die Flavia nicht zur Verfügung standen und es gab nur sehr wenig, das sie sich selber beibringen konnte, nur kleine, unbedeutende Zauber, schien es doch fast unmöglich zu sein ein Buch ausfindig zu machen, das die Grundlegendsten Dinge erklärte, Begriffe, die sie sich einfach nicht erklären konnte.
      Der schwarze Magier war somit der einzige, der ihr in dieser Angelegenheit weiterhelfen konnte, doch sie müsste lügen zu behaupten, sie wäre nicht neugierig darauf, welche Geschichte dieser Mann verbarg, welcher, wohin das junge Mädchen auch ging, gefürchtet und gehasst wurde.
      Sie hörte die schlimmsten, übertriebensten Geschichten, die ihn als das schrecklichste Wesen dieser Welt darstellten, er wirkte in diesen Erzählungen nicht einmal mehr wie ein Mensch, aber Flavia war ihm begegnet, sie konnte aus eigener Erfahrung sagen, dass er zumindest noch eine menschliche Seite zu haben schien, wenn sie ehrlich war, hatte sie diesem Monsterihr Leben zu verdanken.
      Es war schwer an hilfreiche Informationen zu kommen, mache Erzählungen sprachen davon, er lebe im Moor der Gefallenen, andere erzählten vom Turm, in dem Flavia noch vor kurzem gelebt hatte, aber das konnte es auch nicht sein. Die Gerüchte, von denen sie am meisten hörte, rankten sich um einen großen Wald, verwunschen soll er sein, unbetretbar und gefährlich und nachdem sie herausgefunden hatte, dass es eine kleine Stadt in der Nähe des Waldes gab, nahm sie sich vor diesen Gerüchten zuerst hinterher zu jagen.
      Der Moor klang in ihren Ohren viel zu gefährlich und nicht wie ein Ort, an dem man leben wollen würde, aber bei diesem ungewöhnlichen Mann konnte man wohl nie wissen.

      Somit schritt das junge Mädchen, früher mit weißem Haar und violetten Augen, nun mit einem Hauch von Rosa in den Strähnen und hellbraunen Augen, um ihre Identität zu verstecken, über einen großen, bunten Markt in den Straßen der Stadt, in die die Gerüchte sie geführt hatten.
      Sie staunte über die zahlreichen Waren, die farbenfrohen Stoffe, dem streng riechenden und ungewöhnlich aussehenden Fisch und dem frisch aussehenden Gemüse, doch musste sie feststellen, dass sie keine weiteren Hinweise hatte.
      Sie hielt es für keine gute Idee alleine in den gefährlichen Wald zu gehen, trotz ihrer Reise war sie keine Abenteurerin, keine Kämpferin, sie wollte nicht sterben.
      Während sie über den Markt schlenderte, blieb ihr Blick an einer einzelnen Person hängen, die ihr irgendwie bekannt vor zu kommen schien. Hatte sie ihn in irgendeiner anderen Stadt, oder einem Dorf, gesehen? War sie ihm auf dem Weg begegnet? Oder... Flavia beeilte sich durch die Menschenmenge hin durchzuschlüpfen, dem ihr bekannten Rücken hinterher, ehe sie ihn eingeholt hatte und sich vor die Person stellte, in dessen Blickfeld, um ihn dessen Gesicht sehen zu können.
      „Der dunkle Magier...“, murmelte sie ungläubig, leise, ehe ihr ungläubiger Gesichtsausdruck in ein Lächeln überging. Sie hatte ihn gefunden. Sie hatte ihn tatsächlich gefunden. Selbst sie hatte nicht wirklich daran geglaubt, aber sie hatte ein Ziel gebraucht, doch jetzt, wo sie tatsächlich wieder vor ihm stand, wusste sie nicht recht, wie sie ihre Bitte ausdrücken sollte, vor allem nicht vor all diesen Menschen, würde es ihm nicht Unannehmlichkeiten bereiten, wenn jemand seine wahre Identität erfuhr? Flavia lächelte belustigt bei diesem Gedanken, irgendwie waren sie sich in dieser Hinsicht ähnlich und sie fühlte sich ein Stückchen mit ihm verbunden.
      „Ich hab sie gefunden.“, lächelte sie letztendlich, hoffte, er würde ihr zumindest zuhören, „Wollen sie... die Geschichte hören?“
    • Izhar Belstryke

      Binnen weniger Sekunden holte ihn alles ein was er in den letzten Wochen, vielleicht auch Monaten verdrängt hatte. Es hatte nur wenige Worte gebraucht, damit ihm der Mund offen stehen blieb und der Apfel, den er gerade noch mit geschulten Augen beäugt hatte, aus der Hand viel. Als hätte er ein Gespenst gesehen, wandte er sich zur Seite um, nur um in das Gesicht einer Fremden zu blicken. Nein... Nicht fremd. Ihre Stimme, die Wortwahl und auch das Flimmern ihrer schwachen, magischen Fähigkeiten verrieten sie. Seine Augen weiteten sich, als er realisierte was das bedeutete. Sie hatte ihn... Sie hatte ihn wirklich gefunden. Und das ohne seine Verkleidung. Er hatte versucht sein Gesicht zu verbergen, sich nicht zu erkennen zu geben, sah er doch normalerweise vollkommen anders aus. Doch trotzdem... Trotzdem schien sie ihn so zielsicher gefunden zu haben. Das konnte nicht sein. Wieso wagte er sich noch unter Menschen? Er hätte sie nie wiedersehen sollen. Er hätte sich gleich aufmachen müssen. Zu viele Gerüchte und Geschichten banden ihn an diesen Ort. Warum war er nur so dumm gewesen? Normalerweise dachte er doch an alles, doch nun...
      "Jetzt ist wohl kaum der rechte Zeitpunkt dafür.", erwiderte er, nach einem Moment des Schocks, während dem er sich erst einmal wieder sammeln musste, um nicht allzu überrascht zu klingen. Er bemühte sich um seine gewohnt kalte, abweisende Stimme, sammelte den Apfel vom Boden auf und wandte sich dann wieder seinen Einkäufen zu. Er durfte sich dadurch nicht aus der Fassung bringen lassen. Er würde einfach wie gehabt fortfahren. Irgendwann würde sie schon das interesse verlieren, da war er sich sicher. Und wenn nicht... Sie würde noch genug Wunden haben in denen man bohren oder auf die man zumindest ein wenig Salz streuen konnte. "Meine Worte scheinen sich bewahrheitet zu haben. Waren sie enttäuscht deine Eltern? Kein Held an deiner Seite, nur ein nichtsmutziger Magier. Du hast ihnen doch von mir erzählt oder nicht? Bist nun hier um mich zu heiraten, damit ich die Staatskasse mit meinem Gold fülle.", fuhr er fort und klang dabei hämisch, auch wenn er ihr die Worte nur leise zu flüsterte, damit sie niemand sonst hören konnte. Er hoffte sie zeigten Wirkung, würden sie dazu veranlassem schnell zu verschwinden. Er hatte Einkäufe zu erledigen und gerade wirklich keine Zeit für sie. Sie musste verschwinden. Sie passte nicht in seine Pläne. Er hatte anderes, wichtigeres zu tun.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Es dauerte einige Momente, bis der schwarze Magier zu sprechen begann, ob er nun Zeit gebraucht hatte sie hinter ihrer kleinen Verkleidung zu erkennen, oder es nicht glauben konnte, dass das junge Mädchen ihn tatsächlich gefunden hatte, schien er sich im Turm doch unglaublich sicher zu sein, dass das nicht Möglich war, war ihr recht egal, aber es machte ihr kleines Lächeln ein wenig breiter, sie war stolz auf sich selbst, es tatsächlich geschafft zu haben.
      Aber sie fürchtete die echte Schwierigkeit kam erst noch, sie musste ihn irgendwie davon überzeugen, ihr Magie beizubringen.
      Das Lächeln des jungen Mädchens verlor dann ein wenig von seinem Glanz, obwohl es ihm nicht der richtige Zeitpunkt für eine Geschichte zu sein schien, verlor er keine Zeit sie auf ihre Eltern anzusprechen, für einen Moment konnte sie nur nicken, bestätigte ihm damit, dass seine Worte tatsächlich wahr gewesen waren, ehe sie seinen letzten Satz realisierte und mit überraschtem Blick aufsah.
      „Aber ich liebe sie doch gar nicht!“, gab sie naiv und unverständlich von sich, als der schwarze Magier plötzlich über Heirat sprach. Sie konnte doch nicht einfach den schwarzen Magier heiraten, sie wusste nichts über ihn, sie hatte sich nicht in ihn verliebt, als er sie vor dem Drachen gerettet hatte – ob es wohl daran lag, dass er gar nicht wirklich gekommen war, um sie zu retten? Oder weil er sie alleine gelassen hatte? Oder einfach nur, weil er kein Held war? Oder... war auch dieser Teil all dieser Geschichten falsch? - und sie war sich auch ziemlich sicher, dass er keine Gefühle für sie hatte, sonst hätte er sie doch begleitet oder ihr geholfen, oder?
      „Nein, ich habe wegen einem anderen Grund nach ihnen gesucht...“, begann sie dann doch zu flüstern, nachdem sie wegen ihrer letzten Aussage bereits so komisch von der Verkäuferin und Passanten angesehen wurde, was war so witzig an ihrer Aussage gewesen?
      „Aber ich würde es ihnen gerne unter vier Augen sagen... ich will ihnen keine unnötigen Unannehmlichkeiten bereiten, soll ich ihnen beim tragen ihrer Einkäufe helfen?“, bot sie letztendlich ihre Hilfe an.
    • Izhar Belstryke

      Er kam nicht drumherum verächtlich zu lachen als er ihre Worte hörte. Liebe. Wie konnte sie nur so naiv sein. Als hätte so etwas eine Rolle gespielt. Auch wenn ein wahrer Held gekommen wäre... Hätte sich dann wirklich etwas an diesem Umstand geändert. Vermutlich nicht, doch sie war nun einmal durch und durch Prinzessin. Sie ist mit solchen Geschichten groß geworden, doch läge es in seinem Interesse, hätte er sie begleitet, ihren Vater davon überzeugt, dass er sie zur Frau nehmen durfte, hätte sie ihre Meinung dann geändert? Hätte sie begonnen ihn zu lieben oder wäre es schlussendlich jämmerlich gescheitert, weil keiner von ihnen dem jeweils anderen das geben konnte was er haben wollte? Liebe... So ein unnützes, gebrechliches Gefühl. Sie hätte schnell lernen müssen, dass sie bedeutungslos war. Dass es in dieser Welt keinen Platz für sie gab. Zumindest nicht auf dem Weg den sie beide bestritten. Er hatte keine Zeit, keine Geduld, keinen Nutzen für solch eine erbärmliche Empfindung und sie... Sie hatte durchaus Chancen, doch war sie viel zu naiv dazu um auch nur eine von ihnen zu nutzen. Wäre sie schlauer, wäre sie gar nicht erst hier aufgeschlagen, dann hätte sie gewusst was besser für sie wäre.
      "Oh, Liebes... Jeder hätte dich bekommen. Die einzige Bedingung war es dich zu befreien. Alter, Aussehen und Chatakter haben dabei nun wirklich keine Rolle gespielt. Auch deine Liebe... Hättest du sie erzwungen, wenn sie nicht dagewesen wäre um deinem Retter zu gefallen?" Er bohrte gern in ihren Wunden, riss sie weiter auf, wenn das hieß, dass er sie los werden würde. Er hatte keine Zeit für sie und das machte er ihr mit dem Unterton in seiner Stimme und dem Desinteresse mehr als nur deutlich, denn während er so mit ihr sprach, war er bereits weiter gegangen, betrachtete nun die Möhren und Zwiebeln, um sich für einige von ihnen zu entscheiden. "Damit dein Vater dich zurücknimmt? Damit er stolz auf dich ist? Er hat danach gefragt oder? Wo dein Retter in strahlender Rüstung ist? Warum er dich allein gelassen hat? Hast du ihm von mir erzählt? Wem du es zu verdanken hast? Dass du die Wahrheit kennst?", fuhr er fort und hoffte wirklich ein interessantes Ergebnis dadurch zu erzielen. Dabei ignorierte er sogar ihre anderen Worte, konnte er sich doch nur zu gut denken um was sie ihn bitten wollte. Eine Bleibe, ein Dach über dem Kopf und so wie sie aussah, hatte sie selbst bereits festgestellt, das sie magische Kräfte hatte. Sie hatte gewiss viele Fragen. Fragen die er nicht gewillt war zu antworten. Weder hier, noch jetzt, noch irgendwann später.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      … hätte sie? Flavia lauschte aufmerksam den Worten des schwarzen Magiers, aber selbst sie konnte seine Fragen nicht beantworten, sie wusste es schlicht und einfach nicht.
      Wenn sie ehrlich war, dann wusste sie nicht einmal, was Liebe war, wie man sich verliebte und all diese Dinge, die ihr noch bis vor kurzem so selbstverständlich, so einfach vor kamen, doch nun war sie sich nicht einmal mehr sicher, was sie glauben konnte und was nur einer Lüge entsprungen war, damit sie bei den Plänen ihrer Eltern mitspielte.
      Frustriert die Hände in ihr Kleid vergraben überlegte sie ehrlich und geflissentlich, bemerkte fast nicht, dass der schwarze Magier bereits weitergezogen war und rannte ihm letztendlich hinterher, noch immer keine Antwort parat, die sie ihm hätte geben können.
      Nur noch mehr Fragen prasselten auf das junge Mädchen ein, Fragen, welche die Erinnerung aus dem Thronsaal in ihr wieder wach riefen, als wäre es erst gestern gewesen, dass sie beschlossen hatte keine Prinzessin mehr sein zu wollen, ihre Eltern und ihr altes Leben zurückzulassen.
      „... ich habe ihnen nicht direkt von ihnen erzählt. Ich dachte es würde sie nur in Schwierigkeiten bringen, wenn ich meinen Eltern davon erzählen würde, dass der schwarze Magier den Drachen bezwungen hat. Wahrscheinlich hätten sie mir diese Worte nicht einmal geglaubt... dass ich die Wahrheit kenne, wissen sie auch nicht. Zumindest hab ich es ihnen nicht gesagt. Ich weiß zwar nicht, was sie von mir denken, in welchem Licht sie mich sehen, aber ich habe nicht vor zurückzugehen oder meinen Vater stolz zu machen. Ich will dieses Leben nicht. Nicht mehr...“, murmelte sie die letzten Worte nur, bemühte sich die Fragen des schwarzen Magiers zu beantworten, in der Hoffnung auch sie würde eine Chance erhalten Antworten auf ihre Fragen zu erhalten, auch wenn es für sie alles andere als einfach war, darüber zu reden.
      Es war das erste Mal, dass sie über das, was im Thronsaal geschehen war, redete und jetzt, wo sie es laut aussprach, merkte sie deutlich, wie echt das alles war.
      Es war kein Traum, keine Illusion, kein blöder Scherz, es war echt und ihr Herz wurde schwer bei dem Schmerz, den sie noch immer nicht richtig verarbeitet hatte.
      Aber wenn es bedeutete, dass er ihr zuhören würde... würde sie so lange darüber reden, wie er wollte.
    • Izhar Belstryke

      Er hatte fast geglaubt sie hätte ihn in der Menschenmenge verloren oder seine Worte hätten sie dazu veranlasst ihn in Ruhe zu lassen, doch dem war nicht so. Ehe er sich versah, tauchte sie erneut hinter ihm auf und begann auf seine Fragen zu antworten. Wie lästig... Wie konnte sie nur so hartnäckig sein? Hatte sie keine gute Erziehung erhalten, die ihr verbat so mit Fremden umzugehen? Vermutlich nicht, hatte sie das Schloss doch bereits in jungen Jahren verlassen. Er konnte sich nicht vorstellen wie man freiwillig so ein Mädchen entführen, geschweige denn befreien konnte und doch stand er nun hier und hatte eben das getan. Er hatte sie befreit und eigentlich hätte er damit rechnen müssen. Hätte er sich doch nie gezeigt... Er wusste doch wie schlecht er in so etwas war. Dass sein Ruf ihm wenn überhaupt nur zu gute kam, ihm all die ungebetenen Gäste vom Leib hielt, die er ansonsten nicht selbst fortschicken könnte. Doch bei ihr wirkte es nicht und das machte ihm nun zu schaffen. Was sollte er tun? Wie würde er damit fertig werden? Er war nicht so fies, wie sein Name es vermuten ließ und selbst wenn er sich Mühe gab, würde er nie so sein können. Also? Was tun? Wie wurde er sie los wenn alles nichts half? Er könnte sie hier stehen lassen, aber er glaubte kaum, dass sie sich dadurch entmutigen lassen würde. Er könnte fortgehen, damit sie ihn nicht fand, doch ein Leben auf der Straße? Immer nur unterwegs sein? Nein... Er wollte in Ruhe studieren, da würde so ein Lebensstil nur stören, doch wenn er blieb... Er war sich sicher, dass sie früher oder später auch sein Haus aufspüren würde. Sie würde hinter das Geheimnis des Waldes kommen und dann... Es hatte alles keinen Sinn. Es musste einen anderen Weg geben und das möglichst schnell bevor ihre Worte ihn erweichten.
      "Der erste Mensch, der an mich denkt... Als hätte ich nicht bereits genug Schwierigkeiten.", zischte er ihr zu, kaufte währenddessen das weitere Gemüse, das er benötigte, schritt den Stand weiter entlang, die Prinzessin im Schlepptau. Sie konnte sich gar nicht vorstellen wie es war... Wie es war er zu sein, geschweige denn was es bedeuten würde mit ihm zu kommen. Sie würde nicht nur ihren Namen und ihre Familie aufgeben, sie würde auch auf eine ganze Menge mehr verzichten müssen. Doch daran dachte sie gewiss nicht. Er war nicht die beste Wahl. Weder was seine Funktion als Lehrmeister, Retter oder einfach nur Freund betraf. Nichts davon war er je gewesen. Nichts davon konnte er korrekt ausführen und doch schien sie felsenfest von ihm überzeugt zu sein. Das konnte noch was werden...
      "Weißt du überhaupt was es heißt? Wie es ist seinen Namen, seine Familie, seinen Titel, seinen Stand zurückzulassen? Weißt du worauf du dich einlässt?", fuhr er nach einem tiefen Seufzer fort, während er das Gemüse in seinen Händen wieder zur Seite legte. In einer schnellen Bewegung drehte er sich zu ihr um, fixierte sie durch seine Brille hindurch mit seinen Augen, ehe er weitersprach. "Du bist naiv, immer noch ein Kind. Du hast keinen Nutzen für mich. Was also bietest du mir? Was kannst du mir geben, damit ich deine Sicherheit garantiere? Dich nicht hier und jetzt zu deinen Eltern zurückschleife? Dich nicht an den meistbietenden verkaufe, damit er dich heiratet und du deiner Aufgabe als Prinzessin voll und ganz nachkommst? Es gibt genug Wege dich los zu werden. Was also... Was also veranlasst dich dazu, dir so sicher zu sein, dass dir nichts geschieht? Du kennst die Geschichten doch, oder" Er war ihr nähergekommen, während er die Worte zwischen seinen Zähnen hervorpresste. Hatte bedrohlich einen Finger zwischen ihre Schlüsselbeine gelegt, der die nun in ihre Haut bohrte. Dieser eine Finger würde ausreichen. Mehr Magie würde er nicht benötigen um sie von dort verschwinden zu lassen. Er brauchte kein Messer, kein Schwert, um einzuschüchtern. Seine Hand reichte vollkommen dafür aus und er hoffte, dass sie das wusste. Und falls nicht... Dann würde sie eben eine kleine Kostprobe seiner Magie erhalten.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Flavia 'White' von Heartsteen

      Das junge Mädchen blickte den schwarzen Magier mit großen Augen an, nachdem er ihr diese Worte entgegen gezischt hatte. Sie hatte es gar nicht in Erwägung gezogen, welche Schwierigkeiten, welche Probleme dieser fremde Mann wohl haben könnte, dass sie ihm nur eine weitere Bürde wäre, wenn er auf ihren Wunsch eingehen würde.
      Er hatte sie gerettet, ihr die Wahrheit gesagt und sie somit wahrscheinlich vor weiterem Unheil bewahrt, hatte er nicht eigentlich bereits genug getan? Wäre es nicht eigentlich angebracht, dass sie nicht noch mehr von ihm verlangte, ihn in Ruhe ließ, wie er es wohl gerne zu haben schien?
      Andererseits war er wohl die einzige Person, die Flavia zumindest etwas vertrauen konnte – nicht, weil er sie gerettet hat, sondern weil er bisher immer ehrlich zu ihr war – und sie hatte sich bereits für einen Lebensweg entschieden, den sie alleine nur schwer bewältigen können würde und in ihrer Situation war der schwarze Magier in ihren Augen der einzige, der ihr helfen konnte, der sie nicht zurück in das Schloss schleppen würde.
      „... Habe ich eine andere Wahl?“, murmelte sie mit einem bitteren Lächeln auf den Lippen, als ihr Retter sich danach erkundigte ob sie überhaupt wusste, was es bedeutet ihre Familie und alles, was damit in Verbindung stand, hinter ihr zu lassen.
      Sie hatte keine. Entweder sie ließ alles hinter sich oder entschied sich für ein Leben in Gefangenschaft, in Dunkelheit, in Einsamkeit, bis ein Fremder, der sie auch behalten wollen würde, sie wieder davon befreit. Wie viele Jahre würde sie warten müssen? Würde das warten überhaupt enden? Oder sie einfach vergessen werden? Gab es in dieser Welt überhaupt noch Helden?
      Überrascht starrte Flavia den Magier an, als er seine Aufmerksamkeit endlich von dem Gemüse weg auf sie lenkte, doch seine Worte waren nicht jene, die sie hören wollte.
      Frustriert hielt sie den Stoff ihres Kleides fest in ihren Händen, wagte es jedoch nicht ihren Blick zu Boden zu richten, würde dies doch als Eingeständnis gelten, doch... vielleicht hatte er recht.
      Das junge Mädchen hatte sieben Jahre alleine in einem Turm verbracht, so viele verschwendete Jahre, sie wusste nichts. Weder, was wirklich in dieser Welt vor sich ging, wie es um das Königreich stand, die Etikette und die pflichten einer Prinzessin, noch hatte sie jemals so etwas Bildung erfahren, nur durch puren Zufall hatte sie herausgefunden, dass sie zumindest in der Lage war Magie zu nutzen, was sie in ihren Augen nicht vollkommen wertlos machte, aber reichte das?
      Sie konnte nicht einmal anständig ihre Haare und ihre Augen färben, abgesehen als Prinzessin in Nöten, hatte sie da überhaupt irgendeinen Wert?
      Sie biss die Zähne zusammen, nein, sie weigerte sich hier und jetzt zu weinen, in negative Gedanken zu versinken. Wenn sie keinen Wert hatte, dann würde sie sich einen machen, war es nicht das, was sie wollte? Sich mit ihren eigenen Händen einen Platz schaffen, ein neues Leben anfangen, mit ihren eigenen Bemühungen und Anstrengungen?
      „... ich kenne die Geschichte.“, brachte sie nach einem Moment der Stille letztendlich über die Lippen, leise, aber es reichte, dass der Magier sie verstand, „Und keine davon berichtet, dass der schwarze Magier ein Herz besitzt, das Mitleid mit einem jungen Mädchen verspürt. Sie hätten mich einfach alleine lassen können, nachdem sie den Drachen besiegt hatten, haben sie aber nicht. Sie hätten einfach gehen können, nachdem sie so freundlich waren, mir von meiner eigentlichen Lage zu berichten... haben sie aber nicht. Sie waren freundlich genug, mir mit dem Gold eine ernsthafte Chance zu überleben zu schenken. Wenn sei wahrlich der schwarze Magier aus den Geschichten gewesen wären... hätten sie mich damals zum Spaß getötet oder für eines ihrer blutigen Experimente, als Opfer für schwarze Magie genutzt... haben sie aber nicht. Genau wie meine Geschichte es nicht wahr, scheinen auch die euren nicht alle zu stimmen, vielleicht auch nur zu teilen, ich weiß nicht mehr, was ich glauben kann und was nicht. Aber ich bin ihnen begegnet, sie haben mir geholfen und selbst jetzt, wo ich in ihre Augen sehe... glaube ich nicht, dass sie wirklich böse sind. Nennen sie mich naiv, so viel sie wollen, töten sie mich, wenn sie unbedingt müssen... aber bitte, geben sie mir zumindest eine Chance, meine Bitte in Worte zu fassen. Wenn ich sie dann nicht irgendwie überzeugen kann... gehe ich und lasse sie in Ruhe. Ich verspreche es.“
      Das junge Mädchen bemühte sich dabei mutig zu sein, selbst während der Magier ihr bedrohlich näher gekommen war und nun sein Finger unangenehm zwischen ihrem Schlüsselbein lag.
      Nachdem sie diese Worte von sich gegeben hatte, presste sie ihre Augen zusammen, würde er sie jetzt wirklich töten lassen? Sie verschwinden lassen? In eine Rauchwolke aufgehen lassen?
      Gab es denn nichts, was sie sagen konnte, um ihn zu überzeugen? Ob sie wohl mit ihren Worten zu weit gegangen war?
    • Izhar Belstryke

      Ihm wurden die Blicke der umliegenden Menschen nur allzu bewusst. Jetzt wo er sich ihr endlich zu gewandt hatte. Jetzt wo sie ihm ihr Herz ausschüttete, all das offenlegte was tief in ihr verborgen gewesen war. Er konnte die bohrenden Blicke nur allzu gut auf sich spüren. Man hatte sie beide von Anfang an im Auge gehabt, doch nun... Mit diesen Worten. Man würde verdacht schöpfen und er... Er würde sich eine neue Bleibe suchen, bevor irgendjemand dahinter kommen würde wer er wirklich war. So war es immer gewesen und so würde es immer sein. Auch wenn er es hasste. Er hatte gedacht hier könnte er eine Weile lang bleiben. Es hatte ihm gefallen. Doch nun... Er wollte nichts riskieren. Er durfte nichts riskieren. Auch wenn er ein Leben der Flucht beschritt, es funktionierte eben einfach nicht anders. Er hatte sich damit abgefunden. Er würde nirgendwo zu Hause sein können und das war in Ordnung. Er war nur ein Niemand. Er brauchte keinen festen Platz in der Welt. Jede noch so kleine Lücke war ihm recht. sie reichte vollkommen für ihn aus. Doch für eine weitere Person... Nein...
      Er hatte sich überlegt was er mit ihr tun könnte, doch im Moment gab es nur einen einzigen Weg. Ihr Gespräch war noch nicht beendet, also zog er seine Hand ein Stück zurück, umstattdessen ihren Arm zu packen und sie nahe an sich zu ziehen. Er drückte sie fest an sich, während er mit den Fingern seiner andere Hand einige merkwürdige Symbole in die Luft malte. Ähnlich dem letzten Mal, als sie sich gesehen hatten, verschwanden sie auch nun. Lediglich der strenge Geruch blieb zurück, als sie keine Sekunde später auf einer Wiese nahe eines Waldes auftauchten. Er hielt sie einen Moment länger fest als unbedingt notwendig, um sicherzugehen, dass sie durch den plötzlichen Ortswechsel nicht das Gleichgewicht verlor. Erst nachdem er sich dessen sicher war, ließ er sie los, rückte seine Brille wieder zurecht und fixierte sie erneut mit einem ernsten Blick.
      "Ich hätte dich in deinem Turm lassen sollen. Ich hätte meiner Neugierde nicht nachgeben sollen. Ich wollte mich selbst überzeugen, ob die Geschichten wahr sind. Ob ich wirklich jemand unschuldigen eingesperrt habe. Ob ich nicht vielleicht doch langsam den Verstand verliere." Es war mehr ein Murmeln, dass ihm über die Lippen kam, ehe er sih mit der Hand an die Stirn fasste. Nichts davon hatte mit ihm zu tun und doch... Er hatte es einfach wissen müssen. Er hatte die Neugierde in sich befriedigen müssen und das war es was es ihm einbrachte. Ein naives Kind, dass den Gruselgeschichten keinen Glauben schenkte. Dass sich weder durch seinen Titel, noch seinen Ruf oder seine Magie einschüchtern ließ. Ein Kind, dass er nicht loswerden würde egal was er versuchte. Ein Kind, dass ganz gewiss nicht für die dunkle Seite seiner Magie geschaffen war, dass einen Weg im Licht beschreiten sollte, ohne ihn bessere Chancen hätte. Wieso also hatte er sie nicht einfach zurücklassen können? Sie mit ihren großen, naiven Augen, denen irgendein Funke entsprang den er nicht einordnen konnte.
      "Was ist es um das du mich bitten wolltest, Prinzessin? Welchen Wunsch könnte gerade ich dir erfüllen?" Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis er diese Worte herausbrachte. Er hatte mit sich gehadert, überlegt, aber keinen besseren Weg gefunden. Sie würde nicht aufgeben und er... Er konnte ihr beim besten Willen kein Haar krümmen. Es war als hätte sie ihn binnen von Sekunden durchschaut. Als würde seine Maskerade bei ihr nicht wirken. Als könnte er ihr nichts vormachen, egal wie sehr er sich auch bemühte. Als könnte sie direkt durch in hindurch sehen. Als würde sie seine Seele mit nur einem einzigen Blick sehen können. Es war beängstigend, nahm ihm all seine Möglichkeiten und ließ ihm keine andere Wahl. Er würde sich erst einmal fügen müssen. Doch was würde er dann tun? Er war sich noch nicht sicher, auch wenn er bereits ungefähr wusste um was sie bitten würde. Er wusste noch keine Antwort. Er konnte nicht zustimmen, aber alle anderen Optionen... Hatte er überhaupt andere Optionen?
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban