Der Mond und der Wolf [Aiden.Nesmilas & medusa]

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    • Der Mond und der Wolf [Aiden.Nesmilas & medusa]



      VORSTELLUNG

      @Aiden.Nesmilas
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      Wer nach Rache sinnt, der reißt seine eigenen Wunden auf. Sie würden heilen, wenn man es nicht täte.
      Ein Spruch, den man öfters von irgendwelchen einfachen Bewohnern hören konnte. Es zählte sicherlich zu der helianischen Weisheit. Zumindest hatte sie schon einige Male diese Aussage zu Ohren bekommen. Natürlich hatte sich die Schwarzhaarige nie etwas anmerken lassen, sondern stets zustimmend genickt. Was sie davon hielt? Nichts. In ihren Augen war es nur eine Rechtfertigung für die Feigheit einer Person. Ja, Helia schmückte bestimmte kulturellen Normen, die sie von den anderen Reichen deutlich unterschied. Hier liebte man es nicht, ständig an der Vergangenheit zu hängen. Die Menschen auf diesem Land wollten Entwicklung sehen und laut deren Meinung war sie nur möglich, wenn man sich von der negativen Energie losband, die einen stets hinderte. Die Vergangenheit gehörte ebenfalls dazu. Es war wohl zu erkennen, dass sie nicht zu der Person gehörte, die stolz behaupten konnte, wie sie ihr Vorleben ruhen ließ. Sie war anders. Sie war keine Helianerin, auch wenn sie sich über ein ganzes Jahrzehnt lang als eine ausgab.
      Sie wollte sich nicht an solchen Gedankengang anpassen. Wunden heilen? Das war schier unmöglich. Wunden verfolgten einen jeden verdammten Tag - während des ganzen Lebens. Sie hinterließen tiefe Narben im Inneren, die nicht geheilt werden konnten. Von niemandem. Von nichts. Kein einziger Tag war vergangen, seitdem sie nachts die Augen geschlossen hatte, ohne an ihre Rache zu denken. Ohne sich auszumalen, wie sie das gleiche Leid heimzahlen würde. Nicht nach Rache sinnen? Um das zu können, müsste sie erstmal alles vergessen. Und das war nicht möglich. Niemals würde die Schwarzhaarige so tief sinken, um das Leid zu vergessen, das ihre Familie befallen hatte. Unschuldige Menschen, die ihr Leben verlieren mussten, nur weil irgendwelche Schakalen nach Macht gierten.
      Ja, sie war anders und keine Helianerin, doch konnte sie sich auch nicht mehr als eine Isanerin bezeichnen. Sie war Maeva Aileen d`Estaing und sie würde sich für ihre Familie rächen. Ungeachtet davon, was es kostete. Deswegen fand sie einen größeren Gefallen an dem Spruch, der besagte, dass die Rache eine Art wilder Gerechtigkeit war.
      In ihren Augen war sie es eindeutig. Vergeltung für die Verschwörung, für die Ermordung ihrer Familie. Vergeltung für sie selbst.
      Sie würde diese Usurpatoren, jeden einzelnen von denen, in den Untergang treiben. Die ganze Familie Sauveterre. Mörder, die es sich viel zu gemütlich auf einem Thron gemacht hatten, der nicht ihnen gehörte und es niemals tun würde.
      Durch das Wiehern ihres Pferdes wurde sie wieder aus den Gedanken gezerrt.
      Die Schwarzhaarige blinzelte mehrmals. Sie schaute sich genau um, ihr Blick blieb auf den neugierigen Gesichtern haften, welche die Ankömmlinge unsicher betrachteten.
      Manche Augen schienen vor Begeisterung zu leuchten, in den anderen erkannte man Hoffnung. Hoffnung auf eine bessere Zukunft - aber vor allem auf eine friedvolle.
      Sie blickte wieder nach vorne und musste nicht lange suchen, um den helianischen Herrscher, den Großmogul Sardar, zu erkennen. Er schritt mit einer geraden Haltung am Anfang der Kolonne. Man wunderte sich sicherlich, warum er das tat, denn er hätte sich von den Leibwächtern beschützen lassen können. Doch es war wohl ein adliger Stolz gewesen, den der Mogul ausstrahlen wollte. Er wollte mit Sicherheit nicht als ein Feigling betrachtet werden, der sich hinter dem Rücken der eigenen Leute versteckte. Als der König seines Reiches wollte er auch auf diese Weise wahrgenommen werden.
      Nicht weit entfernt von ihm ritten auch seine beiden Söhne hinterher, unter denen sich auch der Kronprinz befand. Nach denen folgten die restlichen wichtigen Personen und Soldaten, welche die Kutsche bewachten, in welchem sich die Herrscherin mit den drei Töchtern befand.
      Danach kamen weitere Wächter und die wohl nicht-adligen Menschen, zu denen offensichtlich sie auch gehörte. Am Ende der Kolonne wurden die ganzen Geschenke getragen, die die helianischen Königsfamilie vorbereiten lassen hatte.
      Trotz ihrer einfachen Stellung, war die Schwarzhaarige in wertvolle Gewänder gehüllt. Das lag sicherlich daran, dass sie nicht zu einer ,, normalen’‘ Einfachen gezählt werden konnte. Ihre Position war eine andere. Schließlich war sie eine Leibeigene des Moguls. Sie gehörte der helianischen Königsfamilie und gleichzeitig war sie auch ein Teils des Kraits.
      Aber das war nicht der Hauptgrund. Durch ihr Können hatte sie ein gewisses Ansehen im Palast erlangt. Man schätzte ihr Wissen, schenkte ihr gewisse Freiheiten, doch gleichzeitig wurde ihr auch stets die Grenze verdeutlicht, die sie niemals überschreiten könnte. Nicht, dass sie es an erster Stelle überhaupt wollte. Schließlich verfolgte sie vollkommen andere Ziele. Es interessierte sie wenig, was die Adligen von ihr hielten. Man gab ihr dennoch zu wissen, dass sie nur eine Leibeigene war, der man ein gewisses Vertrauen schenkte.
      Sie atmete tief ein und musste leicht zusammenkrampfen, nachdem die kalte Luft ihre Lungen bereicherte. Es war eine Herausforderung für sie, sich an dieses Klima zu gewöhnen. Die Schwarzhaarige war lange weg, weswegen ihr dieses Reich und die Stadt so fremd vorkamen. Sie war es auch im Grund genommen.
      Die helianischen Kolonne passte gar nicht in diese Atmosphäre. Die Gegend war größtenteils vom Schnee bedeckt, die Häuser waren in dunkle Farben gehüllt. Nur wenige Menschen nahmen sich auch die Zeit rauszugehen und tatsächlich die Anreisenden zu betrachten. Die meisten taten es lieber aus ihren Fenstern.
      Mitten in dieser tristen Stimmung ruinierten sie, die fremden Helianer, die ganze Wirkung. Warme Farben zierten jeden Einzelnen von ihnen, edle Kleider bedeckten die Körper der Vornehmen - kein Adliger scheute sich davor, ihre erhabene Herkunft zur Schau zu stellen. Jeder gleichmäßige Galopp und jeder Schritt, den die Soldaten setzten, zeugten von Energie, die dieser Stadt eindeutig zu fehlen schien. Noch dazu zeichneten jeden Helianer eine dunkle äußerliche Erscheinung aus, die fremd auf die Einheimischen wirkte.
      Jeder von ihnen strahlte Lebhaftigkeit aus, wodurch sie die melancholische Idylle durchdrangen.
      Mit ihrer farbenfrohen Ausstrahlung schienen sie gar nicht in diese Welt zu passen - sie waren wie aus einem Märchen geschnitten.
      Die Schwarzhaarige drückte die Leinen enger zu. Sie atmete fest aus und beobachtete die Nebelschleier, die sich vor ihrem Gesicht bildete.
      Ihre Finger waren schon eingefroren. Ganze drei Tage hatten sie gebraucht, um die Hauptstadt zu erreichen, nachdem sie am Hafen angekommen waren.
      Ganze drei Tage in dieser Kälte zu sein, konnte anstrengend werden. Auch für sie, obwohl sie aus Krait war und viel anstrengendere Sachen durchleben musste.
      Glücklicherweise waren sie schon da und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Toren des Palastes erreichten.
      Sie blickte hoch und schaute einfach zu, wie die dicken Schneeflocken auf ihr Gesicht fielen. All die Jahre hatte sie sich gewundert, was sie fühlen würde, wenn sie in ihre Heimat zurückkehrte. Doch komischerweise empfand sie nichts. Nur eine endlose Leere. Nichts an diesem Ort kam ihr bekannt vor. Nun, sie hatte als Kind kaum die Stadt gesehen gehabt. Schließlich war sie stets im Palast gewesen. Trotzdem regten sich in ihr keine Gefühle. Sogar die Gesichter der Bewohner bewegten in ihr nichts. Eigentlich war sie die rechtmäßige Thronerbin. Wie wohl dieses einfache Volk darüber reagieren würde? Wären sie glücklich, wenn deren eigentliche Herrscherin zurückgekehrt war? Sie konnte es nicht sagen. Menschen war schließlich unberechenbar.
      Ein lautes Krächzen machte sich breit, sodass sie wieder aus ihren Gedanken gerissen wurde.
      Die Toren wurden geöffnet und der Großmogul trat als Erstes ein, wobei ihm seine Söhne dicht nachfolgten. Die Soldaten stellten sich zur Seite, um erstmal die Kutsche durchzulassen. Schließlich musste erstmal die gesamte Königsfamilie eintreffen.
      Erst danach folgte die restliche Begleitung.
      Es dauerte nicht lange, bis sie genauso von ihrem Pferd stieg. Ehe sie die Leinen losließ, kamen irgendwelche Diener mit gesenkten Blicken angerannt und nahmen den Hengst entgegen. Am Eingangshof waren sicherlich vielmehr Menschen versammelt als in der Stadt.
      ,, Halte dich in der Nähe des Königs“, ertönte eine heisere Stimme. Sie drehte sich in die jeweilige Richtung und blickte in das Gesicht eines älteren Mannes. Die grauen Haare, die seinen Kopf zierten, waren nicht zu übersehen. Es war Arash, ebenfalls ein Hochadliger. Seine Familie war vor Jahrzehnten in Armut gefallen, er konnte sie aber aus dem Untergang retten, indem er zu einem Vertrauten des Großmoguls wurde. Von manchen Leuten hatte die Schwarzhaarige gehört, dass er derjenige war, der den Herrscher auf sie aufmerksam gemacht hatte. Ob dieses Gerücht nun wirklich der Wahrheit entsprach, konnte sie bis jetzt nicht bestätigen. Sie hatte sich auch nicht die Mühe gegeben, um es herauszufinden.
      ,, Vergiss deine Hauptaufgabe nicht, Shyran“, ergänzte der alte Mann, bevor er davonschritt.
      Die Schwarzhaarige nickte nur und blickte ihm stumm hinterher. Sie wusste es, ohne dass er sie jedes Mal darauf aufmerksam machte. Schließlich war sie an erster Stelle eine Kriegerin. Und genau deswegen musste sie stets auf die Sicherheit der Königsfamilie achten. Insbesondere, wenn sie irgendwelche Ausflüge oder Reisen unternahmen.
      Sie schlug mit mehreren Schlägen ihre blaue dicke Kurta, die sie mit einer braunen Hose kombinierte, gerade. Unter den Einfachen fiel sie mit ihrer Kleidung auf und jemand, der sie nicht kannte, würde sicherlich denken, dass sie eine Adlige sein musste. Sie trug auf der linken Seite sogar einen Ohrring mit einer blauen Quaste, die oben von einem kleinen Edelstein verfeinert wurde. Es war keine Seltenheit, dass in Helia Männer Schmuckstücke trugen.
      Eigentlich wollte die Schwarzhaarige eine solche wertvolle Kleidung nicht anziehen, doch ihr blieb keine andere Wahl übrig, da ihr es vorgeschrieben wurde. Jemand, der sich an der Seite des Großmoguls befand, musste schließlich auch eine passende äußere Erscheinung halten. Und in diesem Fall spielte es keine Rolle, dass sie eine Leibeigene war, denn sie war letzten Endes eine Ausnahme.
      In ihren schwarzen Lederstiefeln lagen Fersenerhöher, wodurch sie größer wirkte und unter den Männern nicht besonders auffiel. Zwar konnte man offensichtlich nicht sagen, dass sie eine auffällige Größe besaß, doch sie ähnelte dem Durchschnitt. Und es war auch gut so. Noch stärker wollte sie nun wirklich nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
      Die Schwarzhaarige blickte hoch. Die Königin war mit ihren Töchtern aus der Kutsche gestiegen, wobei sie die Hand ihres Gatten hielt.
      Nachdem sie sich der Familie ausreichend genug genähert hatte, blieb sie hinter ihnen stehen, so wie einige anderen Leibwächter auch.
      Sie hielt ihre Hände nach hinten verschränkt, während ihr Blick nach unten gerichtet war. Eine gerade Haltung zeichnete ihre Erscheinung aus.
      Sie konnte hören, wie sich die beiden Herrscher begrüßten.
      Natürlich war es ihr nicht möglich, diesen Spektakel direkt mitanzusehen - es gehörte sich schließlich nicht.
      Etwas, was sie nicht verstehen konnte. Sollte sie denn nicht den Großmogul stets in den Augen behalten, um ihn beschützen zu können? Das waren wohl eine der vielen Kontroversen der Adligen.
      ,, Ich bin froh, endlich hier angekommen zu sein!“, gestand der Großmogul Sardar, während er die Hand seines Gegenübers schüttelte.
      ,, Darf ich meine Familie vorstellen? Meine Frau Mihra, meine Söhne Hushang und Daniyal“, nacheinander deutete er mit seiner Hand auf die erwähnten Personen.
      Diese wiederum beugten sich leicht vor.
      Die königliche Familie war in rote Gewänder gehüllt, die von goldenen Verzierungen bedeckt waren. Auf diese Weise konnte man auf den ersten Blick erkennen, dass es Menschen sein mussten, die zum helianischen Hochadel gehörten. Zeitlang durfte die rote Kleidung ausschließlich von der Königsfamilie getragen werden, doch diese Sitte wurde von dem Großmogul Sarandar abgeschaffen. Er empfand solche Sachen als sinnlos, doch in diesem Fall hatte er es sich tatsächlich erlaubt, da er in einem Ort war, in welchem kaum jemand wusste, wie die helianischen Königsfamilie aussah.
      ,, Und natürlich meine Töchter“, führte er mit einem selbstsicheren Lächeln vor. Die Vorstellung seiner Töchter war wohl die Krönung des Ganzen gewesen. Denn ein Bündnis mit dem isanischen Kronprinzen war etwas, worauf der Großmogul ein Auge gelegt hatte.
      Die Schwarzhaarige drückte ihre Fingerspitzen in die Haut fest ein. Sie konnte jedoch nichts verspüren, da die Kälte ihre gesamten Hände erfasst hatte.
      Komischerweise verspürte sie weiterhin diese erdrückende Leere, die sie anfing, verrückt zu machen.
    • Seit Wochen herrschte in der Hauptresidenz der Familie de Sauveterre ständiges treiben. Egal wo man hinblickte, egal in welche Ecke man sich schlich, nirgendwo konnte man auch nur eine Minute Ruhe erhaschen. Die Vorbereitungen waren äußerst wichtig, immerhin kam die Königsfamilie zu besuch. Nicht irgendeine Königsfamilie. Die Königsfamilie aus Helia.
      Kein Bediensteter konnte über etwas anderes sprechen, an jeder Ecke hörte Rowan Geschichten die Märchen ähnelten über Helia oder die Personen die darin lebten. Als kleines Kind war er von diesen Geschichten auch begeistert gewesen, doch diese Zeit war längst vorbei. Er war kein kleines Kind mehr, er war der Kronprinz und musste sich auf wichtigere Dinge konzentrieren als auf Märchen über ein Land, mit dem sie beinahe einen Krieg geführt hätten.
      Rowan wusste das die Friedenverträge notwendig waren, er wusste das sie einem Reich wie Helia niemals hätten standhalten können, und er wusste auch das sich keiner ihrer Verbündeten gegen Helia stellen würde und dennoch. Etwas tief in Rowan sehnte sich viel mehr nach einen Krieg, als auf all diese lächerlichen Schauspiele die nun folgen würden.
      Es begann schon damit, dass seine Geschwister wieder in die Hauptstadt reißten und sich nun ebenfalls von der königlichen Residenz beherbergen liesen. Es war ein großes Ereignis und weder Ysaline noch Maél wollten es sich entgehen lassen. Doch die Freude der Zwillinge sich gegenseitig wieder zu sehen, war wohl doch um einiges größer. Er hatte Ysaline seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und Rowan hatte keinen von beiden gesehen, seitdem sie verheiratet waren. Doch den Kronprinzen störte dies viel weniger.
      Er hatte noch nie eine sehr gute Bindung zu seinen jüngeren Geschwistern, Ysaline und Maél hatte er nicht von Kinderbeinen auf gekannt, er war zu lange weg gewesen um sich diesen Beiden irgendwie verbunden zu fühlen, und die anderen drei hatten einfach einen zu großen Altersunterschied, als das es ihn wirklich kümmerte.
      Was sollte Rowan auch schon mit Collete oder mit dem falschen Phillipe reden? Die beiden waren Kinder, die vom Leben außerhalb dieses Palastes keine Ahnung hatten. Sie wussten nichts, nichts was für Rowan von Belang wäre. Es reichte ihm schon, wenn er das Geschwätz dieser Kinder bei den täglichen Mahlzeiten ertragen musste. Gerne hätte er sich davon gestohlen, doch ein Kronprinz hatte nicht alle Freiheiten die er sich wünschte. Es gab Protokolle an die er sich halten musste, und ungeschriebene Regeln die immer über ihm schwebten. Und wenn er sich nicht daran hielt, dann konnte es ganz schnell gehen, und die Menschen - in diesem Fall galten nur die Adeligen als diese- würden ihn selbst nicht mehr als den nächsten König sehen. Sich gegen ihn stellen, und das konnte weder Rowan noch sein Vater Henri zu lassen.

      Seit Wochen durfte Rowan sich also mit diesem Chaos herum schlagen, sollte seiner Mutter bei entscheidungen mit den Stoffen und dem Essen helfen, sollte mit seinen Vater all die Ehrenträger willkommen heißen und sich um die Zwillinge kümmern, die sie alle so lange nicht mehr gesehen hatten.
      Und so war es auch an dem Tag, an dem die helianische Königsfamilie eintreffen sollte. Das ganze Schloss war schon auf den Beinen, bevor die Sonne sich auch nur überlegte den Horizont zu küssen.
      Die Zutaten für das Festmahl am späten Nachmittag trudelten nach und nach ein, die letzten Deko Elemente die seine Mutter unbedingt haben wollte wurden geliefert und sie war dabei alles verschieben zu lassen und zu richten, das es königlich aussah und gemütlich. Seine Mutter hatte genauso Probleme gehabt sich dan das königliche Leben zu gewöhnen wie er selbst. Sie wollte das sich die Leute heimisch fühlten, und vergaß dabei immer ein wenig das sie doch Macht zeigen mussten. Dafür war Rowan da, um es sie nicht vergessen zu lassen. Das war die Arbeit die Rowan am meisten verabscheute, denn immerhin war es Frauenarbeit. Außerdem fand er es nie so schlimm, was seine Mutter am Ende immer zustande brachte.
      Nachdem Rowan seiner Mutter mit den letzten Vorbereitungen geholfen hatte, und die Blumen aus einen weiter erntfernten Land trapiert waren, konnte sich Rowan um seine anderen Verpflichtungen kümmern. Der Saal hier strahlte nur so von sanften Farben, und das alles nur weil es hieß das Leute aus Helia immer Farbenfroh waren. Aber im Winter konnte man Isan mit dieser Pracht nun einmal nicht rechnen. Rowan hätte es wohl anders angefangen. Er hätte wohl einfach alles in den farben von jungfräulichen Schnee gehalten, mit stoffen so sanft wie Wolken. Hm, irgendsoetwas. Eben ganz anders, um Isan besser zu präsentieren. Vielleicht wäre es auch zu schlicht geworden, das war gut möglich aber wie gesagt, es war ohnehin Frauenarbeit.

      Nachdem Rowan anderen kleineren Verpflichtungen nachgegangen waren wurde er nun umgekleidet. Der Hofschneider hatte für ihn extra neue Gewänder gemacht, um die helianische Königsfamilie willkommen zu heißen. Er wusste warum man diesen Aufwand betriebt, und dennoch war er wenig begeistert. Vielleicht lag es auch einfach daran was für einen Stress es schon die ganzen letzten Wochen bereitet hatte.
      "Großer Bruder", ertönte dann eine Stimme, die Rowan wohl hätte bekannter sein müssen als sie es eigentlich war. Ein grimmiger Blick fiel auf den jungen Mann, der nun in sein Ankleidezimmer trat.
      "Oh, entschuldige, eure königliche Hoheit", meinte dieser etwas süffisant und verneigte sich dann.
      "Maél, was treibt dich zu mir?", wollte Rowan dann wissen. Er wirkte wohl gelassener als er es war. Das hatte Rowan sich irgendwann in den letzten dreizehn Jahren angewöhnt. Es wurde halt einfach nicht gerne gesehen, wenn ein Kronprinz schnell die Fassung verloren.
      "Nun, Vater wünscht das ich dir mitteile, dass unsere Gäste vorraussichtlich in einer Stunde hier eintreffen."
      Rowan nickte leicht, und einer der bediensteten legte nun den Mantel um seine Schultern. Damit war er hier fertig.
      "Hast du die Gemächer für unsere Gäste gesehen? Ist alles vorbereitet?", erkundigte sich Rowan dann bei seinem jüngeren Bruder.
      "Ysaline ist gerade dabei, doch ich denke selbst wenn es nun einen gröberen Fehler gibt, lässt er sich so schnell nicht beheben."
      "Dann hoffen wir, dass es keinen gibt." Und am besten auch keine Kleineren. Alles musste perfekt sein. Der Frieden zwischen ihren beiden reichen war noch immer sehr fragil, und musste mit höchster Vorsicht behandelt werden. Dem waren sich wohl alle Menschen, egal wie alt sie waren oder aus welcher Schicht sie abstammen, sehr bewusst.

      Mittlerweile konnte man die Kollonne sehr gut erkennen, egal wo man sich im Schloss befand. Wie hätte man sie auch übersehen können? Unbedingt klein war sie nun wirklich nicht. Aber auch Rowans Familie hatte wert darauf gelegt, das bei ihnen nichts zu schlicht wirkte. Die Soldaten trugen ihre festliche Kleidung, und auch für die Diener waren neue Uniformen gemacht wurden, die in schwarz gehalten wurden. Edler als alles was sie wohl jemals besessen hatten.
      Und hier stand nun Rowan, zu rechten seines Vaters. Auf der anderen Seite Henris stand Rowans Mutter, und hinter ihnen blieben die anderen Geschwister stehen. Collete und Ysaline versuchten neugierig immer wieder Blicke über oder neben ihrern Brüdern zu erhaschen, was zumindest Rowan ziemlich nervte. Sie würden alles ohnehin früh genug sehen. Als würde es überhaupt noch einen Unterschied machen.
      Außerdem waren das auch keine Zootiere. Rowan hätte sich wohl mehr darum kümmern müssen das beide eine bessere Erziehung genossen. Sein Vater und seine Mutter waren schon immer zu weich zu seinen Geschwistern gewesen.

      Und dann war es soweit. Die Tore wurden geöffnet und der Hof wurde von einer Farbenwelle geflutet die nicht einmal Rowan so heftig erwartet hatte. Rowan fühlte sich geblendet und am liebsten hätte er weggesehen, weil es ihn doch ein wenig überforderte. Doch der Kronprinz tat das nicht. Er würde es nicht wagen, und er würde es auch sicherlich nicht wagen auch nur den Anschein zu machen, dass ihn etwas stören würde.
      Während die beiden Könige sich begrüßten sah Rowan sich unaufällig die Gefolgschaft des Großmogul an. Schnell erkannte er die Unterschiede zwischen ihnen, und selbst wenn auch das einfachere Volk farbenfroh wirkte, erkannte er selbst doch den Unterschied in den Stoffen selbst. Nur einige der Leibwachen schienen sogar eine extra Behandlung zu bekommen.
      Als der Großmogul anfing zu sprechen lag Rowans Aufmerksamkeit ganz bei ihm, selbst wenn er vermied den Herrscher direkt anzusehen. Immerhin wusste er auch nicht wie viel er sich hätte erlauben können und wie viel eben nicht. Nach dreizehn Jahren war es doch noch immer anstrengend zu begreifen, das ihn mehr Freiheiten zustanden als vielen anderen Leuten auf dieser Welt.
      "Und wir sind wirkloch froh, das ihr endlich eingetroffen seid! Wir freuen uns seit Wochen auf Euer eintreffen", erwiderte Henri und dann begann das große Vorstellen. Es war sicherlich schwer sich diese fremdländischen Namen zu merken. Zumindest Rowan würde es schwer fallen. Mit Worten und Namen hatte er es noch nie gehabt. Dafür merkte er sich Gesichter und Taten, was manchmal auch eher zu einen Verhängnis werden konnte.
      Nach den Söhnen wurden die Töchter des Herrschers vorgestellt, und Rowan betrachtete diese natürlich, wie es sich gehörte und schenkte ihnen auch ein charmantes Lächeln. Es war immerhin offensichtlich warum dieser Mann sie überhaupt hier her mitgebracht hatte. Oder besser gesagt Henri hatte ihm von verschiedenen Möglichkeiten unterrichtet. Dabei hatte Rowan es nicht unbedingt eilig sich eine Braut auszuschen. Nicht das es ihn an Bewerberinnen mangelte. Ständig wurden ihn hübsche Töchter vor die Nase gesetzt, eine hübscher als die andere. Im grunde genoss Rowan genau das. Aber sein Vater behauptete streng, dass er sich nun bald entscheiden müsse, seine Spielchen konnte er immerhin nicht ewig fortsetzten.
      Und dann stellte Henri seine Familie vor. Seine Frau Camille, seinen ältesten Sohn Rowan, und dann die anderen Söhne. Zum Schluss wurde Collete vorgestellt, der man ansehen konnte wie aufgeregt sie war.
      "Doch nun, kommt erst einmal herein. Wir haben Euch herrliche Gemächer vorbereitet und in kürze wird es ein fantastisches Festmahl geben. Wir haben es extra so angelegt, dass ihr noch Zeit habt Euch ein wenig auszuruhen."
      Nach so einer langen Reise, so konnte Rowan es sich zumindest vorstellen, wollte man sicherlich nur seine Ruhe haben. Doch Königen und seinen Familien war diese Art von Luxus nicht wirklich gegönnt.
      Man hatte der helianischen Königsfamilie und deren engsten Vertrauten den gesamten Westflügel frei gemacht, dass sie sich dort wohlfühlen konnten in der Zeit in der sie bei ihnen waren. Rowans Familie nächtigte zumeist im Ostflügel, bis auf seine Eltern die genau in der Mitte waren. In den dreizehn Jahren hatte sich auch einiges in diesen Schloss verändert. Viele unbauten hatten Stattgefunden um alles prächtiger und herrschaftlicher erscheinen zu lassen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • THE AXE FORGETS, BUT THE TREE REMEMBERS ...
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      Die frustrierende Leere wurde schnell abgelöst, nachdem auch sie endlich die Stimme des isanischen Herrschers wahrnahm.
      Nein, er war nicht der Herrscher, sondern ein Heuchler. Unerwartet wurde ihr Puls intensiver, sodass sie förmlich wahrnehmen konnte, wie ihr Herz raste. Die Schwarzhaarige musste schneller atmen, um nicht ihr Bewusstsein zu verlieren. Ein starkes Kribbeln erfasste ihre Fingerspitzen, sodass sie die Hände hinter dem Rücken verschränkte und diese fest zusammendrückte, um das Zittern unter Kontrolle zu halten.
      Auf einen Schlag veränderte sich ihre ganze Stimmung. Laute Schreie dröhnten in ihren Verstand, begleitet vom erstickenden Geruch des Rauchs und Bluts. Während sie weiterhin nach unten starrte, bekam sie das Gefühl, als würde sich der Boden unter ihren Füßen bewegen. Es fühlte sich wie bei der Schifffahrt an, diesmal konnte sie jedoch ihren Körper nicht kontrollieren. Ihr eigener Verstand erlaubte sich einen Streich mit ihr. Sie wurde von der Angst erfasst, wirklich bewusstlos zu werden. Dieses Gefühl fühlte sich so fremd an. Es war sicherlich eine gefüllte Ewigkeit her, seitdem sie vor irgendetwas Furcht gefühlt hatte. Sie wollte ihre Hände gegen die Ohren pressen, um dieses elende Geschrei nicht mehr hören zu müssen. Doch die Schwarzhaarige wusste auch gleichzeitig, dass es nichts bringen würde. Diese Stimmen waren schließlich in ihrem Kopf.
      Sie spürte etwas Festes an ihrem Arm und nachdem sich ihr Blick in diese Richtung wandte, erkannte sie die Hand eines anderen Leibwächters, der sie dort festhielt. Eine leichte Erleichterung machte sich in ihr breit, denn ihre Beine fühlten sich wirklich viel zu weich an. ,, Danke“, flüsterte sie leise und fasste sich wieder, als sie einmal tief einatmete. Im Blick ihres Retters konnte sie jedoch keine Gutmütigkeit erkennen. Es war vielmehr eine Ermahnung, die sie dazu aufforderte, sich besser zu verhalten. Schließlich handelte es sich um ein viel zu wichtiges Aufeinandertreffen, um es von einem Leibeigenen zerstören zu lassen.
      Die Schwarzhaarige ließ sich nichts anmerken und stand wieder mit einer geraden Haltung. Was war mit ihr nur passiert?
      Sie verhielt sich wie ein Angsthase. Und das war sie auf gar keinen Fall. Sie durfte nicht zulassen, dass irgendwelche belanglosen Gefühle, sie aus dem Bahn warfen. All die Jahre hatte sie für das Ganze hier gearbeitet. Kriege dich gefälligst wieder ein! - zischte sie sich in den Gedanken an.
      Erst nachdem sich der Großmogul auf den Weg machte, mit seiner Familie den Palast zu betreten, erlaubte sie sich ihre Augen zu heben. Diesen Moment nutzte die Schwarzhaarige wiederum aus, um einen Blick auf die Sauveterre zu werfen. Diese Gesichter würde sie sich gut merken. Erst als sie an dem jüngsten Geschwisterteil landete, drehte sie sich wieder um und bewegte sich der helianischen Königsfamilie hinterher.
      Sie war sichtlich überrascht als sie das Palastinnere erblickte. Es war viel farbenfroher, als all das, was die Gäste in diesem Reich bis jetzt erblickt hatten. Man merkte sofort, dass in der Wahl der jeweiligen Dekorationen große Arbeit lag. Besonders die Blumen erweckten eine warme Atmosphäre. Es war schön, das stand außer Frage, doch es passte gleichzeitig nicht zu diesem Reich. Ihre Augen erkannten sofort, dass es nicht etwas war, was der isanischen Kultur entsprach. Das wusste sie nicht nur, weil sie selbst eine Isanerin war.
      Nein, die ganzen Ausschmückungen wirkten einfach zu künstlich. Es war viel zu offensichtlich, dass man die Gunst der helianischen Königsfamilie zu erhaschen versuchte. Als würde der Hund versuchen, die Zufriedenheit seines Herrn zu erwerben. Das alles sah schlicht verstellt aus. Und man merkte sofort, welches Reich dasjenige war, das die Obermacht in diesem Bündnis besaß.
      Wie erbärmlich - schoss es durch ihre Gedanken.
      Sie war sich sicher, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Einzige war, die sich auf diese Weise fühlte.
      De Schwarzhaarige merkte gar nicht, als sie den Flügel erreichten, der für die königliche Gastfamilie vorbereitet wurde.
      Jedem Familienmitglied wurde ein eigenes Gemach bereitgestellt - mit Ausnahme des Großmoguls und seiner Gattin.
      Die Diener brachten die ganzen Truhen, in denen die notwendigen Sachen lagen, in die jeweiligen Zimmer.
      Da das Festmahl in wenigen Momenten bereitstand, hatten die Gäste nicht Zeit, um sich zu entspannen. Und erst recht nicht, um ihre Kleidung zu wechseln - obwohl es eine der Lieblingsbeschäftigungen des Adels war. Demnach verlief alles viel hektischer, als es geplant war. Nicht einmal bei der ganzen Reise hatte die Schwarzhaarige so viel Unruhe verspürt.
      ,, Sie hätten uns doch Zeit zum Ausruhen geben können!“, ertönte die unzufriedene Stimme. Es war Daniyal, der sich auf einer Ottomane gemütlich gemacht hatte.
      Die ganze Königsfamilie hatte sich im Gemach des Moguls versammelt, um gemeinsam zu der Feierlichkeit aufzubrechen.
      ,, Sie geben sich Mühe, um uns zufriedenzustellen“, ertönte eine Antwort, die von niemandem anderen kam als der Herrscherin höchstpersönlich. Die Schwarzhaarige stand am Eingang und hörte der Unterhaltung ruhig zu - etwas Anderes hatte sie sowieso nicht zur Auswahl. ,, Ouhja, das tun sie wirklich“, erwiderte Daniyal in einem höhnischen Unterton, ,, diese ganze Ausstattung ... und die Dekorationen!“ Mit seiner flachen Hand deutete er auf die farbenfrohen Gegenstände im Raum. Man erkannte, worauf der Prinz hinauswollte. ,, Diese Leute habe echt kein Gefühl der Selbstachtung, wenn sie so tief sinken. Nicht einmal die Plebejer verhalten sich so armselig.“ Sie konnte wohl seinen Worten nur zustimmen und sie war auch nicht die Einzige in diesem Gemach, die das Gleiche empfand, auch wenn niemand etwas erwiderte. ,, Aber das ist wohl nicht überraschend“, durchbrach der Prinz wieder die Stille, ,, sie sind schließlich keine richtigen...“ - ,, Sei still!“, durchbrach der Großmogul wütend seinen Sohn, bevor dieser seinen Satz beenden konnte,
      ,, ich werde nicht zulassen, dass du meine ganzen Pläne zerstörst!“ Davon ließ sich Daniyal jedoch nicht zurückschrecken.
      ,, Kommt schon, Eure Majestät. Ich sage doch nur die Wahrheit.“
      Der zweite Sohn des Königs hatte schon immer eine spitze Zunge gehabt und sein erwachsenes Alter hatte nichts daran geändert. Auch wenn sein Charakter anstrengend war, so gefiel der Schwarzhaarigen seine Ehrlichkeit. Sie war unterhaltsam, denn der Prinz sagte Sachen, zu denen sich niemand traute zu äußern.
      ,, Lasst uns dann los!“, gestand Daniyal, während er sich mit einem energischen Ruck von seinem Platz hob.
      Nachdem sich die gesamte Familie bereiterklärte, verließen sie auch das Gemach.
      Die Schwarzhaarige lief in einem leichten Abstand der Familie hinterher. Für einen kurzen Moment drehte sich der Mogul in ihre Richtung.
      ,, Bleibe in meiner Nähe, Shyran. Ich werde dich vielleicht als Übersetzer brauchen.“ Im nächsten Moment drehte sich der Herrscher wieder um, ohne auf die Antwort des Leibeigenen zu warten. Niemanden überraschten diese Worte. Alle waren schon gewohnt, dass der König ihr solche Aufmerksamkeit schenkte und sogar beim Namen ansprach. Ja, es war sicherlich seltsam, doch niemand würde sich wohl wagen, den Regenten auf sein Verhalten anzusprechen. Nur aus der Seite Arashs verspürte die Schwarzhaarige giftige Blicke. Kein Wunder auch, schließlich hatte er bei wichtigen Anlässen als der Übersetzer des Moguls agiert, doch diesmal wurde sein Platz von einem Leibeigenen gestohlen. Größere Demütigung konnte es für einen Adligen sicherlich nicht geben.
      Es dauerte nicht lange, bis sie den Saal mit dem Bankett erreichten. Und genauso weniger dauerte es, bis die beiden Herrscher sich wieder begrüßten. Die königlichen Gäste wurden zum u-förmigen Haupttisch gebracht, der nicht weit entfernt von der Mitte platziert war.
      Auf der rechten Seite setzte sich die helianische Familie hin und auf der linken die isanische.
      Die Schwarzhaarige selbst stellte sich wenige Meter hinter dem Stuhl des Großmoguls hin.
      So wie üblich, waren ihre Hände wieder nach hinten verschränkt. Sie ließ diesmal jedoch die Regenten nicht aus den Augen. Sie würde wohl die ganze Feier hier rumstehen müssen.
      Der isanische König schlug mit einem Messer auf seinen Kelch, sodass die restlichen Anwesenden in wenigen Sekunden verstummten.
      Mit einer graziösen Bewegung stand er auf und hob leicht seine Hand, um einen Toast auszusprechen.
      Sie hörte nicht wirklich seinen Worten zu. Er laberte über das Typische - der Freundschaft und dem Frieden, die dieses Bündnis versprachen. Noch dazu begrüßte er diesmal offiziell die königlichen Gäste. Dann folgte irgendeine langweilige Rede, die ihr Verstand nicht mehr aufnahm. Das Ganze endete damit, dass alle mit einem Beifall jubelten und ebenfalls die Kelche hoben, um davon zu trinken. Apropos trinken - erst jetzt verspürte sie den Durst, der sie schon seit einem Tag quälte. Sie wünschte sich, dass das alles schnell vorbeigehen würde, damit auch sie etwas Nahrung zu sich nehmen konnte.
    • Die Gäste waren recht schnell in ihre Gemächer gebracht, und nun blieben Rowan und seiner Familie gut drei Stunden um den Rst so perfekt wie möglich vorzubereiten. Zumindest stand es seiner Mutter und seinem Vater danach. Immer wenn es königlichen Besuch aus anderen Ländern gab, wurde diese Art von Aufwand betrieben. Solange es noch immer Königsfamilien gab, die ihren Titel nicht wirklich anerkannten, musste seine Familie alles tun um nicht noch mehr Zorn auf sich zu ziehen. Wenn man es genau betrachtete war es lächerlich. Irgendwie sogar erbärmlich, aber Rowan musste sich nachdem richten was sein Vater verlangte. Solange wie dieser noch der König war. Und er war es, und die Adeligen hier unterstützten ihn.
      Immerhin gab es auch drei andere Länder die nichts dagegen auszusetzten hatten, und viele mehr schienen es doch langsam zu aktzeptieren. Sonst hätte weder Rowan noch Collete so eine große Anzahl an Bewerbern. Einige Monarchen rissen sich sogar darum, denn was diesen allen fehlte, war die Zustimmung die bis tief ins Volk reichte.
      Henri hatte sich immer um das Volk gekümmert, da er und seine Familie doch immer näher an diesen gewesen war. Sie waren nicht mitten dabei, aber hatten doch erheblich mehr mit diesem zu tun, als es eine Person hatte die zum König geboren wurde.
      Henri hatte sich seinen Platz verdient, Rowan hatte sich seinen Platz verdient, diese Leute eher weniger. Sie waren damit geboren worden, und wenn jemand ein Problem damit hatte wurde der aus der Welt geschafft, anstelle des Problems.
      Ein süffisantes Grinsen schlich sich auf Rownas Lippen bei diesem Gedanken. Er vermutete das all die anderen Herrscher Angst hatten, all die anderen Monarchen fürchteten doch nur was seine Familie getan hatte und das es bei ihnen ebenfalls passieren würde. Rowan selbst würde das vollkommen unterstützen.

      Auch wenn Rowan es recht lästig fand, verbrachte er die Zeit bis zum Festmahl mit Maél und Algernon. Phillipe hatte auch gebettelt dabei sein zu dürfen, doch er wurde von allen dreien als zu jung eingestuft, und nun musste dieser seine Zeit mit Collete und Ysaline verschwenden. Rowan und Maél hatten bei seinen bitteren Gesichtsausdruck lachen müssen, währen Algernon nur erleichtert wirkte. Vielleicht weil er dieses mal, das erste mal mit den beiden sein durfte. Davor war auch dieser immer zu jung gewesen.
      Die drei jungen Männer hatten sich dann in eines der Privatzimmer zurück gezogen, um dort in Ruhe reden zu können, oder einfach nur ihre Ruhe von all dem zu haben. Es war anstrengend, und so wie es schien hatte sich keiner von ihnen wirklich auf diesen Besuch gefreut.
      "Habt ihr gesehen wie dieser Prinz sich hier umgesehen hat?", begann Maél das Gespräch, während Rowan es sich etwas gemütlicher machte.
      "Als wäre er besser als wir", sein Gesicht verzog sich und Rowan musste schief grinsen.
      "Sie denken, dass sie es sind weil sie so geboren wurden, mit 'nem goldenen Hintern."
      Rowan war schon immer derjenige unter seinen Brüdern gewesen, der wohl am wengisten Sprach wie ein Mann vom Adel. Es lag wohl viel daran, das er eine lange Zeit nur mit seiner Ausbildung verbracht hatte, fern ab von seiner Familie. Dabei hatte er nicht nur hochwohlgeborene Freunde. Bei weiten nicht. Die einzige Zeit als jugendlicher wo er wirklich diese vornehme Art gebraucht hatte, war es um jungen Frauen zu imponieren. Und wie schnell dies doch ging.
      Maél musste lachen, wobei Algernon sich durchaus unwohl fühlte als er Rowan so reden hörte. Vielleicht lag es daran, das die beiden sonst nur miteinander sprachen, wenn ihre Eltern oder andere wichtige Personen anwesenden waren. Er kannte seinen Bruder gar nicht auf diese Art und Weise.
      "Ich verstehe Vater auch nicht, warum er ihnen alles Recht machen will", meinte Algernon nun doch sehr zurückhaltend.
      "Es ist nur für den ersten Abend, dass sie sich wohl fühlen. Wie Zuhause, um den Frieden zu besiegeln und sie wie eine Familie zu behandeln... Ab Morgen wird es etwas anders, es ist ein kleines Bankett geplant um ihnen unsere wichtigsten Leute vorzustellen", erklärte Rowan etwas gelangweilt. Er war nicht hier um über diese Art von Dingen zu reden. Für die nächsten Tage waren ohnehin einige Dinge geplant. Ein extra geschriebenes Theaterstück, und eine der besten Sängerinnen Isans sollte im eigenen königlichen Theatersaal für Unterhaltung sorgen. An jeden Tag würde es etwas anderes außergewöhnliches aus der isanischen Küche geben, und auch aus anderen ihrer verbündeten Länder. Vor allem aus den Ländern in die zwei der Königskinder hingeheiratet hatten.
      "Und vielleicht werden sie auch bald soetwas wie Familie", meinte Maél dann doch etwas schelmisch.
      Nun begann auch Rowan zu Grinsen. "Die Töchter des Monguls sehen zumindest schön aus, mal sehen ob sie auch anders überzeugen können", lachte er dann.
      "Wenn du den Hintern von der einen gesehen hättest, würdest du sicherlich nicht zweifeln", lachte Maél dann weiter.
      Vielleicht hätte Rowan darauf wirklich achten sollen, vielleicht hätte er seinen Vater alleine vorgehen lassen sollen. Aber gut, das konnte er nicht. Er würde sicherlich noch früh genug die Gelegenheit dafür bekommen, den königlichen Hintern besagter Prinzessin anzusehen.
      Solange sie dann nicht dachte das er ihn auch abwischen müsste, weil sie es nicht selbst konnte. Amüsiert grinste Rowan vor sich hin, und während Maél und er sich prächtig unterhielten fühlte Algernon sich doch wahnsinnig unwohl. Er war wohl doch nur ein Kind, und vielleicht wäre es besser, wenn Rowan und Maél sich das nächste mal wieder alleine unterhielten.

      Rowan fand die Rede ermüdend. Nicht weil sein Vater kein wundervoller Redner war, nein Rowan hatte sie in den letzten Tagen nur schon hundert mal gehört. Sein Vater würde sich nicht die blöße geben, eine Rede vor irgendeiner anderen Person zu üben. Höchstens noch vor Camille. Nicht einmal seinen jüngerenen Söhnen vertraute er genug. Seitdem er auf den Thron saß, war vertrauen sowieso ein Luxusgut, das er sich kaum leisten konnte. Es war auch für Rowan ein Luxusgut das er sich kaum leisten konnte.
      Nachdem alle die ersten Schlücke getrunken hatten, klopfte der König dann einmal auf den Tisch, und die Dienerschaft brachte die kunstvoll gestalteten Speißen in den Raum. Darunter war einiges an Wild, das man aussehen lies, wie Märchenfiguren. Bäume wurden hereingebracht an denen kandierte Früchte hingen und zuletzt wurden Törtchen in allen größen und farben herein gebracht.
      "Für heute habe ich den Wein aus dem Geburtsjahr meines ältesten Sohnes öffnen lassen. Und meine anderen Söhne haben das Wild geschossen."
      Es zählte als große Ehre diesen Wein trinken zu dürfen, und Speißen aufgetischt zu bekommen die von der eigenen Familie kamen. Doch eigentlich wollte Henri damit nur beweisen, wie begabt seine Söhne waren. Oder speziell Maél, denn Rowan war nicht der beste Jäger und Phillipe war zu jung und Algernon selbst noch dabei Bogen und Armbrust zu richtig zu erlenen. Doch Maéls Name wurde sicherlich nicht explizit benannt. Sein Grinsen verriet aber einiges.
      "Sagt, gefallen Euch eure Gemächer?", begann der König dann ein Gespräch mit dem Mogul. Währenddessen begann leise im Hintergrund ein Streichquartett zu spielen, um das Festmahl auch musikalisch zu begleiten. Man konnte gut sagen, das weder Kosten noch Mühen für dieses Treffen gescheut wurden.
      Rowan betrachtete in der Zeit etwas genauer den Rest von der Königsfamilie. Er war besser mit Gesichtern als mit Namen, aber es war immer gut, wenn man die Leute genauer betrachten konnte. Dem Kronprinzen fiel nun auch erst die Gestalt in der Nähe des Monguls auf. WIrklich helianisch sah dieser Mann nicht aus, doch ihm wurde nicht viel und schon gar nicht weitere beachtung geschenkt. Was kümmerte Rowan auch schon irgendein Gefolgsmann dieses Herrschers, wäre er wichtiger würde er an der Tafel sitzen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Der isanische Usurpator verwickelte den Gastkönig schnell in ein verlockendes Gespräch. Zumindest war es verlockend für die Herrscher, während die restlichen Anwesenden keine andere Wahl hatten, als das Ganze mitzuhören.
      Sie achtete nich wirklich auf die Unterhaltung. Genauer gesagt, schenkte sie dem Inhalt des Gesagten keine besondere Aufmerksamkeit.
      Jedenfalls konnte sie einigermaßen verstehen, dass sie über Wein redeten. Und da begann sich ihr Verstand auf etwas Anderes zu konzentrieren. Das Letzte, worauf die Schwarzhaarige Lust hatte, war, irgendein Dialog über alkoholischen Getränke zu belauschen. Besonders, wenn ein Möchtegern-König damit anzugeben versuchte.
      Ihre Augen landeten auf dem Tisch, welches bedeckt von prächtigen Speisen war. Im nächsten Moment spürte sie, wie sich Speichel in ihrem Mund sammelte. Zu gerne würde sie sich ebenfalls dazusetzen und die ganzen Gerichte kosten.
      Sofort durchbrach sie ihre Gedanken. Hatten sie komplett ihren Verstand verloren?
      Sie befand sich im gleichen Raum, wie die Mörder ihrer Familie. Und sie hatte noch die Nerven an irgendwelches Essen zu denken!
      Eine düstere Stimmung erfasste ihren Verstand.
      In diesem Augenblick verspürte die Kriegerin einen Blick auf sich. Ihre Augen wanderten ungeniert in die besagte Richtung und überrascht musste sie feststellen, dass es der isanische Kronprinz war. Ohne ein einziges Mundwinkel zu regen, erwiderte sie kühl die gleiche Geste. Sie wollte ihr Vorhaben jedoch nicht allzu sehr in die Länge ziehen, sodass sie nachgab und als Erstes den Blick abließ.
      ,, Eine Jagd wäre doch eine gute Idee“, ertönte die zufriedene Stimme des Großmoguls. Erst jetzt wurde ihre Aufmerksamkeit auf das Eigentliche gelenkt. ,, In der Tat“, erwiderte der isanische Herrscher mit einem zustimmenden Nicken.
      Sie seufzte innerlich. Es sah nicht so aus, als ob diese Männer schnell von ihrem Gespräch ablassen würden.
      Die beiden klangen viel zu angetan von der ganzen Situation. Man könnte sicherlich meinen, dass sich die Könige lange kannten und nicht erst heute kennengelernt hatten.
      Als Nächstes musste sie mithören, wie die Regenten die bevorstehende Jagd planten. Nun, sie musste zugeben. In schneebedeckten isanischen Wäldern zu jagen, hatten eindeutig seinen Reiz.

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    • Sein Blick lag nicht lange auf den Bediensten als dieser aufblickte und ihn direkt ansah. Wirklich direkt. Er baute Augenkontakt auf, und es kam selten vor das Rowan sich so beleidigt gefühlt hatte. Wäre dies einer der isanischen Bediensteten hätte er dafür sicherlich eine Strafe bekommen, vermutlich seine Arbeit am Hofe verloren, aber das hier war ein helianischer Bediensteter, und Rowan wollte keinen aufstand deswegen anfangen. Die Beziehungen waren noch sehr fragil, aber er würde es sicherlich ansprechen wenn diese Dreiseitigkeit öfter passieren würde.
      Und trotz allem musste Rowan zu geben, dass er diese Dreiseitigkeit leicht mit Mut verwechseln könnte, den er doch auch -wenn auch nur ein ganz klein wenig- bewunderte.
      Seine Aufmerksamkeit galt erst wieder den beiden Herrschern als ein Wort fiel, das er in jeder Sprache die er kannte einfach nur verabscheite. Eine Jagd.
      Es gab kaum etwas das Rowan so sehr verabscheute wie das Jagen. Zum einen, weil alle Tiere denen er bisher begegnet war sich dachten Rowan direkt zu seinen Feind erklären zu müssen. Schaudernd erinnerte er sich an das riesige Wildschwein das ihn beinahe sein Leben gekostet hatte, als es seine Hauer in seinen Oberschenkel gebohrt hatte. Rowan lebte noch, und Rowan hatte das Wildschwein am Ende noch erlegt. Aber auf seine Art, er hatte dem Drecksvieh einen Dolch in den Hals gebohrt, so oft bis er sich nicht mehr hatte bewegt. Und Auch Rowan hatte sich nicht mehr bewegen können, er war danach eine Woche lang immer wieder am Rande des Todes, doch Unkraut verging einfach nicht.
      Zum anderen weil Rowan ein fürchterlicher Schütze war. Er war noch nie sonderlich gut mit dem Bogen oder der Armbrust gewesen. Sein Ziel verfehlte er meistens und bei seinen Training war er froh wenn er die Scheibe überhaupt traf. Natürlich war er in all den Jahren besser geworden, aber er war nun einmal nicht meisterhaft. Deswegen vermied er es einfach unheimlich gerne einen Bogen überhaupt in die Hand zu nehmen. Als Kronprinz konnte er sich so eine Blamage nicht erlauben.
      Und dann war noch die letzte Sache. Rowan war ein wirklich schrecklicher Verlierer. Selbst wenn es dabei um kein Spiel ging, er hasste es schlechter zu sein als ein anderer Mann. Immerhin war dies doch noch immer eine Blamage die er sich bei weiten nicht leisten konnte.

      "Dann veranstalten wir in fünf Tagen eine Jagd!", verkündete Henri dann feierlich. Rowan konnte sich ein Seufzen verkneifen, doch Maél schien Feuer und Flammen gefangen zu haben.
      "Dann können wir euch zeigen, wie man hier in Isan Jagd", meinte dieser, und auch wenn es freundlich klang wussten alle das es eher einer Herausforderung glich. Am liebsten hätte Rowan seinen Bruder geschlagen. Soetwas konnte schnell schief gehen, doch der jüngere Prinz konnte deswegen nur lachen. Er gab sich dann noch nicht einmal die Mühe auf isanisch zu Antworten, doch Rowan verstand es. Vielleicht konnte er helianisch nicht wirklich gut sprechen, aber sein Verständnis war groß genug.
      "Und wir können euch zeigen, wie Helianer jagen."
      Man konnte diesen verzogenen Bengel ansehen, dass er eigentlich meinte das sie besser waren. Alles an ihm strahlte es aus und Rowan würde diesen Typen eigentlich gerne auch eine mitgeben. Aber er hatte gelernt sich zu beherrschen.
      Während des restlichen essen ging es noch um Einzelheiten der Jagd denen Rowan nicht folgen wollte, aber es musste. Es sollte eine größere Jagdgesellschaft werden, und die Könige schienen die Idee gut zu finden einen kleinen Wettbewerb daraus zu machen. Wobei es natürlich nicht unfair von statten gehen sollte, weil die helianischen Männer die Gegend nicht so gut kannten. Am liebsten wollten sie dass die Männer sich aufteilten, dass es in jeder Gruppe zumindest einen Isaner gab. Also nun sollte daraus ein ganz festliche Angelegenheit werden, die für Rowan nur noch mehr stress bedeutete.
      Als nun alle fertig gespeßt hatten, erhob sich der isanische König wieder.
      "Nun da wir alle wohl genährt sind, lasst uns doch in den königlichen Salon gehen. Meine Familie hat für die Eure Geschenke anfertigen lassen."
      Und es würde noch mehr Wein warten, doch nicht nur der sondern auch feiner Congac und andere alkoholischen Getränke, die man nur in die Finger bekam wenn man genügend Geld hatte.

      Im königlichen Salon, wo die Wände reichlich verziert waren so das Rowan sie schon als Kind nicht hatte ausstehen können, standen im Raum die Pelzmäntel. Sie wurden extra präsentiert, dass sie eigentlich das erste sein müssten was auffiel.
      Einer war komplett Schwarz, aus den Fell von Wölfen die, die wenigen Gebirge durchstreiften. Wahrlich selten, und wunderschön zu betrachten. Ein anderer war so weiß wie der Schnee und von vielen Füchsen gemacht die es in Isan nur im Winter gab. Einer war aus dem braunen Fell eines Bärens, und drei grau von den königlichen Hermelinen. Wir hatten sogar einen roten, von den sommerlichen Füchsen. Füchse gab es hier ohne Ende, doch nur die seltesten wurden auch wirklich als Heilig angesehen. Wenn man einen von ihnen traf sollte es Glück für den Rest seines Lebens bedeuten.
      Rowan wollte immer schon mal einen sehen, und hatte in seiner Jugend deswegen viel Zeit in den Wäldern verbracht. Irgendwann war ihm das genommen worden, und nun war seine Suche eigentlich beendet.
      Der schwarze und der weiße Pelz waren für das Mongulenpaar, der des braunbären galt dem Kronprinzen. Und der rote sollte der Prinzessin gehören, die als Bewerberin in Frage kam. Alle Pelze hatten etwas, das war sicher, denn auch die grauen der königlichen Familie wurden extra so geschneidert dass sie einzigartigen Schmuckstücken glichen.

      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Sie hörte sich gezwungen die ganze Unterhaltung der beiden Familien an.
      Und ehe sich die Schwarzhaarige versah, landete sie schon im königlichen Salon. Sie verstand nicht wirklich, worin der Sinn ihrer Anwesenheit lag. Der Großmogul schlug sich sehr gut mit seinen Kenntnissen in Isanisch. Sie brauchte er doch gar nicht mehr an seiner Seite. Ja, sie war die Leibeigene der helianischen Königsfamilie. Trotzdem brauchte sie ihre Ruhe und sie wollte auch endlich etwas essen verdammt nochmal! Für diese Heuchler war es unterhaltsam, die ganzen Geschenke zu betrachten, wenn sie ihre Bäuche vollgestopft hatten. Wahrscheinlich müsste sie sich danach mit irgendwelchen Essensresten zufriedenstellen - falls da irgendetwas noch übrig blieb natürlich.
      Der Großmogul hatte die notwendigen Bediensteten damit beauftragt, seine vorbereiteten Geschenke herzutragen.
      Währenddessen war die Gastfamilie damit beschäftigt, die Pelzmäntel genauer zu betrachten. Auch wenn sie es ungern gestand, so waren es atemberaubende Umhänge. Insbesondere der weiße Mantel. Genau diese Kleidungsstücke erweckten auch das Gefühl von Isan und den Landschaften, die mit Schnee bedeckt waren. Es war ein passendes Geschenk für eine Königin. Gleichzeitig war es sicherlich auch bedauerlich, dass dieser Pelzmantel in Helia kein Nutzen mehr haben würde, sondern nur als eine Dekoration irgendwo rumstehen, denn das ganze Jahr war nur von warmen Temperaturen geprägt.
      Die Schwarzhaarige bekam den Drang, durch dieses Fell zu streicheln. Es musste sich sicherlich sehr weich anfühlen. Das konnte sie natürlich nicht machen, weswegen sie sich damit begnügte, die Königsfamilie dabei zu beobachten.
      Die Gäste bewunderten ihre Geschenke und scheuten sich nicht davor, dies auch mit Dankaussagungen zu verdeutlichen.
      Es war womöglich das Ehrlichste, was deren Munde seit der heutigen Ankunft gesagten hatten.
      Im nächsten Moment trafen auch die Bediensteten an mit den besagten Truhen. Jetzt kam wohl der Zeitpunkt, in welchem nun die helianische Seite strahlen konnte. Oder anders ausgedrückt, mit ihrem Vermögen angeben.
      Die Schwarzhaarige wusste, dass für den Kronprinzen ein Pferd vorbereitet wurde, doch dieses würde ihm sicherlich erst am nächsten Tag überreicht werden. Es wäre generell am Schlausten gewesen, diesen Geschenkaustausch zu verschieben. Wozu brauchte man dieses Theater, wenn schon der Abend eingebrochen war? Das Festmahl hätte doch als Abschluss vollkommen ausgereicht.
      Sie drückte genervt ihre Zähne aufeinander, sodass sich ihr Unterkiefer versteifte.
      Ein prächtiger großer Kasten, der von einem Diener getragen wurde, zog die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Die Schwarzhaarige merkte, wie der Großmogul sie zu sich winkte, sodass es nicht lange dauerte, bis sie in seiner Nähe stand.
      Im nächsten Augenblick nahm sie den Kasten entgegen, dessen Deckel vom helianischen Herrscher geöffnet wurde und ein großer Dolch zu erblicken war.
      Wie man wohl erwartete, war es eine Stichwaffe, die von edelsten Metallen gefertigt wurde. Nicht nur das, der Griff bestand aus einem hellen Elfenbein, sodass man natürlich vorsichtig sein musste, wenn man die Waffe halten wollte.
      Es war wohl vielmehr zur Beschmückung gedacht und nicht wirklich zum Kämpfen.
      Die Dolchscheide war in dunkelrote Farbe gehüllt und bestand aus grauen Verzierungen. An den Spitzen war jeweils der Haupt eines Elefanten eingraviert.
      „ Ich hoffe, es weckt Euer Interesse“, gestand der Mogul mit einer ruhigen Stimme.
      Dolche waren wohl tief in der helianischen Kultur verwurzelt. Man schenkte sie bei allen möglichen Ereignissen, hängte sie in den Räumen irgendwo auf oder ließ sie einfach liegen.
      Gleichzeitig waren diese Stichwaffen auch ein Zeichen des Reichtums. Nur der Hochadel konnte es sich erlauben, solche wertvollen Dolche, die noch dazu mit Edelsteinen geschmückt wurden, herstellen zu lassen.
    • Henri wirkte wirklich stolz darüber, dass die Geschenke gut ausgesucht worden waren. Und es sollten nicht nur irgendwelche Geschenke sein, es war auch eine indirekte Einladung, dass sie öfter hier vorbei kommen sollten. Immerhin war jeden Anwesenden deutlich bewusst, dass diese Mäntel in Helia wohl kaum einen Nutzen haben würden, als nett auszusehen.
      Und wenn die Tochter des Monguls wirklich Rowans Braut werden sollte, gab es sogar mehrere Gründe warum die beiden Familien sich vermutlich öfter sehen würden. Doch das stand nun noch nicht fest. Rowan hatte da noch immer ein Wörtchen mit zu reden. Immerhin gab es eine große Auswahl, und zum Fürhlingsfest sollte es noch eine Prinzessin geben, die als Bewerberin in Frage kam.
      Sein Vater war für beide diese Verbindungen, und Rowan wusste das ihm nur diese Wahl blieb, aber diese wollte er haben. Und abwegen welche auch für sein Reich am Besten war. Das Reich das er nach seinen Vater führen würde, und das er auf neue Ebenen bringen würde.
      Rowan betrachtete dann das Kästchen das den Mogul von den unmöglichen Bediensteten gehalten wurde.
      Er war wirklich neugierig auf die Geschenke die diese Königsfamilie mitbrachte, und er war auch wirklich neugierig wie sie auf die anderen Sachen reagieren würden, die seine Familie für ihren Aufenthalt geplant hatten. Nur auf diese Jagd freute er sich nicht. Kein Stückchen, und eigentlich war Rowan auch schon die ganze Zeit am überlegen, wie er sich aus der ganzen Sache hätte heraus reden können.
      Doch ein Blick zu Maél genügte und er wusste einfach, das er nicht heraus kommen würde. Maél würde es verhindern und das nur um Rowan einen Moment der Demütigung zu schenken.
      Das war wohl das Problem in jeder Familie die adeliges Blut in sich trug. Es gab immer Leute die eines schlechtes wollten, selbst wenn sie in der eigenen Familie waren.
      Der Großmogul zog dann den Dolch aus der Kiste und selbst Rowan staunte als er dieses Schmuckstück sah. Soetwas hatte er noch nie gesehen, vielleicht weil es einfach daran lag das es wahnsinnig unpraktisch war. Soetwas konnte man in Isan kaum gebrauchen, außer man wollte noch hübscher auf einer Festlichkeit aussehen.
      Auch Henri war wahrlich begeistert von diesen Dolch. Jeder hier wäre auf so etwas neidisch, denn Isan war nicht sehr reich an edlen Metallen oder Edelsteinen. Natürlich gab es hier auch vorkommen, aber es war selten und meistens auch nur den Reichen der Reichen und der Königsfamilie vorenthalten.
      "Er ist wirklich herrlich!"
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Sie verfolgte mit ihren Augen, wie der Usurpator den Dolch entgegennahm und diesen begeistert betrachtete. Nicht nur er, der Kronprinz und die restliche Königsfamilie schienen genauso Interesse an der Stichwaffe gewonnen zu haben. Etwas, was die Gäste freudig stimmte, zumindest den Großmogul. Jeder versuchte wohl, so glücklich wie möglich zu klingen. Vielleicht war es ein Teil von den Anwesenden tatsächlich gewesen. Doch sie gehörte mit Sicherheit nicht zu dieser Gruppe. Ihr Blick blieb auf der Spitze des Dolchs haften. Da die Waffe von den besten Meistern hergestellt wurde, konnte man sicherlich erahnen, dass es eine besondere Schärfe erwies. Es würde demnach keine Herausforderung sein, mit diesem die menschliche Haut aufzureißen. Ihr Verstand fütterte sie mit den Eindrücken, in welchen sie mit dem Geschenk die Kehle des Usurpators zerschnitt. Nein, das wäre sicherlich ein viel zu schneller Tod. Sie wollte ihn leiden sehen. Er sollte nicht wie ein armseliges Kriechtier abkratzen. Aber die Vorstellung schadete ja nicht. Nein, im Gegenteil - sie verspürte eine krankhafte Befriedigung. Als würde ihr jahrelanger Durst endlich gestellt werden. Ihre Gesichtsmuskel verhärteten sich noch stärker, während ihre Hände noch enger den Kasten umschlossen. Die Schwarzhaarige fragte sich, wie die Reaktion der Restlichen wäre.
      Sie würde wohl alles geben, um das sehen zu können. In ihren Augen schlicht sich ein finsterer Schatten.
      Erst als sie den Aufprall verspürte, durch welchen der Deckel wieder zugeklappt wurde, blinzelte sich irritiert. Sie wurde mal wieder aus ihrer Starre gezerrt. Es war unüblich für die Schwarzhaarige, dass sie auf diese Weise in ihren Gedanken abtauchte.
      Sie war schließlich immer ein sehr konzentrierter Mensch, doch es war wahrscheinlich dieser ganze Umstand gewesen, wodurch sie unaufmerksam war. Nachdem der Dolch endgültig auf den ursprünglichen Platz zurückgelegt wurde und der Kasten somit verschlossen, bewegte sie sich mit dem Behälter in der Hand einige Schritte nach hinten.
      Im nächsten Moment folgten die Geschenke für die anderen Familienmitglieder. Für die Frauen wurden Schmuckstücke vorbereitet. Dabei fiel die Halskette ins Auge, die für die Königin angefertigt wurde. Es war nicht nur typischer Schmuck, der mit allen möglichen Sachen geschmückt war. Nein, der Halsband wurde von tiefschwarzen Perlen verziert, die in zwei Reihen mit ihrer Schönheit beeindruckten.
      Sie war sich sicher, dass das ganze Dacruma-Meer auf den Kopf gestellt werden musste, um sie zu finden.
      Ein solches Schmuckstück konnte sich nicht jeder Herrscher eines Reichs leisten. Dass es der isanischen Herrscherin passen würde, stand wohl außer Frage - man konnte sich nur zu gut ausmalen, wie die schwarze Perlenkette ihre dunklen Haare und blasse Haut betonten, was wiederum nur ihren Reiz verstärkte.
      Während die Frauen mit dem Staunen beschäftigt waren, wurden für den männlichen Teil der Familie Waffen hergebracht.
      Darunter befand sich ein großer prächtiger Bogen, der in verschiedenen Brauntönen aufleuchtete. So wie sie es verstanden hatte, war dieser für den zweiten Prinzen vorgesehen worden. Der Mogul hatte einige Geschichten über seine Vorliebe zum Jagen gehört.
      Dieser Bogen gehörte eigentlich zum Familienerbe. Er soll nämlich zu den Lieblingswaffen des vorherigen Herrschers gezählt haben.
      Daniyal hatte sich offen gegen diese Idee gestellt. Er empfand es als demütigend, dass irgendwelche Isaner etwas so wertvolles bekamen, dass der helianischen Königsfamilie gehörte. Davon ließ sich der Großmogul nicht abhalten. Er wollte damit verdeutlichen, wie wichtig ihm diese Freundschaft war. Es sollte nicht als ein zweifelhaftes Bündnis betrachtet werden, das jederzeit in die Brüche gehen konnte. Wenn man bedachte, wie die beiden Reiche kurz vor einem Kriegsausbruch gestanden hatten, war es schließlich nicht abzuschließen.
      Das Ganze wurde mit farbenfrohen und feinen Seiden abgeschlossen. Die helianische Königin hatte sich überlegt, sogar Kleider zu schicken, aber da sie sich nicht sicher sein konnte, ob es den Empfängern gefallen würde, ließ sie lieber Stoffe bringen, aus denen sich die isanische Herrscherin nach eigenem Wunsch die Gewande schneiden lassen konnte.
      Damit wollte das ganze Spektakel jedoch nicht enden. Damit die Isaner auch einen Einblick in Helia kriegten, wurden große Gemälde gebracht, auf denen entweder die Landschaften des Reichs, exotische Tiere oder Menschen bei irgendwelchen Tätigkeiten abgebildet waren. An den Farben wurde, so wie man es erkennen konnte, kein bisschen gespart.
      Helia war ein sehr mächtiges und wohlhabendes Reich - das stand außer Frage. Doch gleichzeitig hatte es mit Sicherheit viel Vermögen für den Großmogul gekostet, um sich diese ganzen Geschenke zu erlauben.
      Es hätte viel weniger Geld gebraucht, um Isan zu erobern. Da war sich die Schwarzhaarige ganz sicher. Sie verstand überhaupt nicht, warum sich der Herrscher so viel Mühe gab. Das verstand wohl niemand in seinem Reich.
      ,, Euer Geschenk wird Ihnen erst morgen überreicht werden können“, erklärte der Mogul in einer ruhigen Stimme, während er sich zum Kronprinzen wandte, ,, es ist nämlich ein Pferd. Und ein sehr stures noch dazu.“
    • Mit dem Dolch sollte dieses Spektakel aber noch lange nicht enden. Natürlich gab es auch noch Geschenke für die anderen Mitglieder seiner Familie. Wenn Könige doch nur weniger Kinder hätten, würde das alles sicherlich Kostengünstiger ausfallen, denn auch seiner Familie kostete dies einiges an Geld, das man wo anders sicherlich hätte besser unterbringen können. Was man allerdings auch sehen musste, diese Geschenke waren günstiger als wenn sie einen jahrelangen Krieg führen würden.
      Die Mühen waren also Notwendig, und das Geld so besser platziert. Vor allem da dieses Bündnis dem Isanischen Reich neue Handelswege ermöglichte, was mehr Geld einbrachte und dem Volk eine größere Freiheit ermöglichte. Alle waren zufrieden, alle würden es lieben. Zumindest war das der Plan. Nun, nicht das es der einzige war, doch nach einem festen Frieden war dies wohl der Größte.
      Seine beiden Schwestern waren reichlich begeistert von den wundervollen Geschenken, und gar noch mehr von den ganzen Bildern, die sie zum Träumen einluden.
      Er konnte sich leider nicht zurück halten und sich zu Ysaline begeben, die besonders entzückt wirkte.
      "Dich malen sie auf Poträts auch immer schöner, also sei nicht ganz so begeistert", flüsterte er dieser dann leise zu. Dabei konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ysaline wirkte für einen Moment wahrlich empört, fing sich aber schnell wieder um es keinen zu zeigen. Immerin könnte man dies als unhöflich werten, doch das war es Rowan alle mal wert.
      Natürlich empfand er diese Bilder auch als schön, und der Künstler hatte wirklich Talent. Vielleicht würde er den Künstler irgendwann treffen können, vielleicht würde er auch die Schönheit Isans einfangen können. Nun, es gab auch einige isanische Künstler, doch wie jemand dieses Land sah, der nicht von hier kam, war eine Erfahrung die Rowan sich so nicht entgehen lassen wollte.
      Nachdem dann auch das letzte Gemälde gezeigt und von Rowans Familie bestaunt wurde, wandte sich der Mogul an Rowan.
      Ein Pferd. Rowan setzte ein charmantes Lächeln auf, das er perfektioniert hatte. "Das ist wirklich großzügig von Euch."
      Ein stures Pferd. Als hassten Tiere Rowan nicht ohnehin schon. Rowan konnte zwar so tun als wäre er begeistert, aber im Grunde war er es nicht wirklich. So ein Pferd einzureiten würde ihn unzählige blaue Flecken bescherren und bestimmt auch noch ein paar gebrochene Knochen. Und trotzdem würde es von ihm erwartet werden.
      "Darf ich Euch den besten Whiskey anbieten, den Ihr jemals trinken werde?", fragte Rowan dann äußerst höflich nach, während er mit einer Handbewegung einen isanischen Diener bescheid gab ihn herzurichten und her zu bringen. Denn sobald der Mogul seine Frage bejahte sollte das Getränk bereits hier sein.
      Und so kam es auch, und auch Rowan trank. Es war besser wenn sie tranken, als wenn er sich nun mit dem Mogul über Pferde hätte unterhalten müssen. Auch die anderen die wollten bekamen etwas davon, nur Collete wurde erst keiner angeboten. Camille war der Meinung das sie für solche Sachen einfach noch zu jung sei.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Die nächsten folgenden Momente verbrachte die isanische Königsfamilie damit, die Geschenke zu bewundern. Die Gemälde wirkten mit Sicherheit auf jeden Fremden schön. Das konnte sie aus den sturen Gesichtern der Adligen ablesen. Und auch die Schwarzhaarige musste gestehen, die Künstler hatten eine große Arbeit geleistet. Auf sie wartete bestimmt eine erfolgreiche Zukunft. Denn der helianische Herrscher war äußerst zufrieden mit dem Ergebnis. Beide Seiten hatten ihre Geschenke ausgetauscht und schienen glücklich zu sein.
      Wie wundervoll - dachte sie sich boshaft. Im nächsten Augenblick beobachtete sie, wie der Kronprinz den Mogul zum Trinken einlud. Demnach dauerte es nicht lange, bis sich die restlichen Anwesenden dazusetzten. Genauer gesagt, die restlichen Adligen.
      Der Schwarzhaarigen blieb nichts Anderes übrig, als weiterhin in der Nähe dieser Heuchler zu bleiben.
      Langsam erlangte auch ihre Geduld ihre Grenzen. Sie wollte endlich ihre Ruhe haben. Das alles war zu viel für sie gewesen. Insbesondere für einen Tag.
      Unbemerkt knirschte sie mit den Zähnen. Ihr Verstand war immer noch nicht in der Lage gewesen, wirklich zu realisieren, dass sie tatsächlich zurückgekehrt war. Entnervt blickte sie hoch.
      Ein lautes Knurren machte sich im Raum breit. Die Schwarzhaarige brauchte gefüllte Sekunden, um zu verstehen, dass es von ihr kam.
      Oh nein - schoss es erschöpft durch ihren Kopf. Das hatte ihr noch gefehlt.
      ,, Was war das denn?“, ertönte die belustigte Stimme Daniyals, während er zum Leibeigenen blickte.
      Sie seufzte innerlich. War ja klar, dass ihr so etwas passieren musste. Sie spürte die ganzen Blicke auf sich und verstand, dass sie eine Antwort geben musste. Nun, es war eine natürliche Reaktion ihres Körpers, weil sie seit zwei Tagen nichts Anständiges gegessen hatte.
      Doch dafür musste sie sich jetzt rechtfertigen. ,, Es war mein Magen, Eure königliche Hoheit“, erwiderte sie nur knapp, ohne jegliche Emotionen in ihrer Stimme hervorzubringen. ,, Und ich dachte Krait-Leute wären so beherrscht“, warf ihm der zweite Prinz schelmisch vor. Die Schwarzhaarige hatte nicht vor, irgendetwas darauf zu erwidern. Er hatte ihr schließlich keine Frage gestellt.
      ,, Und wieso hat dein Magen geknurrt?“, hakte Daniyal nach. Am liebsten hätte sie mit ihren Augen gerollt.
      Sie verstand ihn wirklich nicht. Hatte dieser Narr in diesem Moment nichts Besseres zu tun, als einen Leibeigenen mit dummen Fragen zu nerven? Vielleicht war er auch angetrunken. Womöglich war es die Folge von dem Whiskey.
      ,, Weil er hingerissen von den ganzen Geschenken ist“, erwiderte sie ruhig. Ein leichtes Gelächter breitete sich aus. Ganz gelogen war es ja schließlich auch nicht.

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    • Langsam nahmen alle Anwesenden - in dem Falle meinte Rowan immer nur die Adeligen, Bedienstete galten für ihn in diesem Moment nicht- auf den bequemen Sitzmöglichkeiten Platz und tranken den Whiskey, und auch andere Getränke wurden angeboten. Alle mehr oder weniger etwas alkoholisch. Rowan war diese Art von Getränken gewöhnt, anders gesagt er konnte selbst einen Bauern unter den Tisch trinken. Es gab da nur einen Grafen, der sogar noch mehr vertrug als Rowan, und was sollte er sagen. Zufällig zählte dieser zu seinen besten Freunden und weilte die meiste Zeit des Jahres hier am Hofe. Es war wichtig, dass man an so einen Ort Leute um sich sammelte denen man Vertrauen konnte... Denn ob man es wollte oder nicht, gab es hier auch immer noch genug Leute die Ziele hatten die sich gegen seine eigenen stellten. Zu den bedauern der Sauveterres gab es noch immer ein paar Anhänger der alten Königsfamilie, die sich getarnt hielten und nach Rache dürsteten.
      Zu Henris und Rowans Glück waren es nicht besonders viele, ehrlich gesagt konnte man sie sicherlich an einer Hand ablesen. Das Problem war nur, das keiner wusste wer diese Handvoll denn nun war und wer nicht.
      Eine leichte Unterhaltung kam ins Rollen, wobei die Männer mehr über die Vorteile ihres Reiches schwärmten als sonst etwas. Auf jedenfall war es nichts tiefsinniges, und somit konnte man sich jederzeit leicht einklinken. Gut für einen betrunkenen Verstand. Langweilig für jeden anderen. Die Anderen waren in dem Fall nur die Bediensteten, denen es sowieso nicht zu stand die Gespräche von Herrschern und deren Familien zu belauschen.

      Durch ein lautes Magenknurren, wurden die Gespräche eingestellt. Jeder wusste eigentlich direkt woher es kam, weswegen alle begannen den Diener des Moguls anzusehen.
      Das Gespräch was der zweite Prinz mit dem Diener führte belustigte alle. Ins besondere Rowan. Immerhin erkannte er diesen dreisten Mann, und dieser verdiente diese Art der Demütigung. Wenn nicht sogar noch eine schlimmere.
      Als alle dann lachten war Camillie die erste, die sich wieder fing. Noch immer mit einen amüsierten Ausdruck wandte sie sich an den Mogul. "Wenn es Euch genehm ist, lasse ich den Jungen etwas zu Essen bringen. Nicht das sein Magen uns erneut unterbricht", gab sie dann lächelnd von sich. Rowan und vermutlich auch der Rest der Familie wusste, dass es ihr sicherlich nicht um die Unterbrechung ging. Camille hasste es einfach, wenn es Leute in ihrer Nähe gab die an Hunger litten. In ihrer Jugend hatte sie es zu oft mit erlebt, weswegen sie auch nun immer sehr beschäftigt damit war den Bauern Unterstützung zu kommen zu lassen, dass es jedes Jahr reichlich an Ernte ein brachte. Soweit Rowan wussste, war die Lieblingsjahreszeit seiner Mutter auch der Herbst, und die damit einhergehenden Erntefeiern. Sie wurden auch hier im Palast ganz groß gefeiert, und jedes Jahr bekam eine Bauernfamilie die Ehre einen Tag mit Ihnen zu leben, als wäre das hier auch deren Leben. Nur ohne die lästigen Verpflichtungen.
      Als der Mogul - möglicherweise nicht ganz so zufrieden mit seinen Diener- zustimmte war auch schon einer der isanischen Bediensteten unterwegs.
      "Da hat sich wohl jemand einen Punkt bei der Königin erschlichen mit seinem hübschen Gesicht", spottete er dann ein wenig, was auch die anderen etwas zum Lachen brachte.
      Nicht weil er unrecht hatte, oder seiner Mutter etwas böses wollte. Hier in Isan galt es nicht als kompliment wenn man einen Mann hübsch nannte. Oder schön. Das waren die Attribute von Frauen. Für einen Mann eher angebracht war eine wohltuende Erscheinung, oder Attraktiv.
      Rowan mutmaßte, dass es daran lag, dass dieser Bursche noch so jung war, und sein Gesicht mehr das eines Kindes glich als das eines erwachsenen. Wie alt mochte er sein? 20?
      Er schüttelte leicht den Kopf, als seine Mutter ihn schon sanft auf den Arm gehauen hatte und noch immer amüsiert kicherte. Mehr aufmerksamkeit sollte dieser Diener nun auch nicht bekommen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Alle hatten amüsiert gelacht und mit dieser positiven Note könnte diese ganze Unterhaltung zusammengetragen werden.
      Die Schwarzhaarige war durchaus überrascht über den Vorschlag der isanischen Königin. Ihr gefiel die Aufmerksamkeit nicht, die ihr dadurch geschenkt wurde. Bemitleidete sie die Leibeigene? Das war vollkommen unnötig gewesen. Was wollte sie mit ihrer Gutmütigkeit beweisen? Dass sie eine einfühlsame Herrscherin war? Ihr Mitleid konnte sie gerne woanders reinstecken.
      Trotzdem blieb der Schwarzhaarigen nichts anderes übrig, als dankbar zu lächeln. Doch im nächsten Moment zerstörte der Kronprinz die ganze Idylle, die sie aufrechtzuerhalten versuchte. Ihre Stimmung verdüsterte sich, auch wenn man an ihrem Gesicht nichts erkennen konnte. Schönes Gesicht? Ein solches ,,Kompliment‘‘ hatte sie nicht das erste Mal in ihrem Leben gehört.
      In ihren Jahren in Krait hatte sie sich über solche Sachen nicht geschert. Die Meisten aus der Verbrecherorganisation wussten, dass Scherze mit ihr schnell schlecht enden konnten. Doch seit ihrem Leben in Palast hatten sich einige Sachen für sie geändert. Die Schwarzhaarige hatte angefangen, immer empfindlicher auf solche Bemerkungen zu reagieren. Es endete damit, dass jeder eine solche Wortwahl ihr gegenüber bereute, aber jetzt konnte sie nichts machen, denn es herrschte leider eine viel kompliziertere Situation. Diesmal musste ihr diese Aussage ausgerechnet ein Kronprinz vorwerfen.
      Das Problem war, dass in Helia meistens nur Lustknaben, welche die Geliebten von irgendwelchen wohlhabenden Männern waren, als schön bezeichnet wurden. Wie gesagt, solche Sachen ging ihr in vielen Fällen am Arsch vorbei. Doch das hatte dazu geführt, dass sich im helianischen Palast Gerüchte über ein Verhältnis zwischen ihr und dem Mogul verbreiteten. All das, weil sie seine Gunst erlangt hatte. Die Schwarzhaarige hatte die Person, die diese ausgedachten Geschichten aus Neid verbreitet hatte, aufgefunden und erbarmungslos umgebracht. Solche Sorte von Lügen würde sie nicht tolerieren. Demnach war wohl der Spott des Kronprinzen nicht zu übersehen gewesen, denn in beiden Ländern war die Schmeichelei vom Aussehen eines Mannes eine Demütigung.
      ,, Ihr beschämt mich, Eure königliche Hoheit. Euer Gesicht ist viel hübscher“, mit einem guten Isanisch, in welchem man nur einen leichten Hauch an vorgespielten Akzent raushören konnte, erwiderte sie diese Aussage mit einer ehrlichen Stimme.
      Sie klang wie ein ahnungsloser Leibeigener, der nicht verstand, wie falsch seine Aussage aufgenommen werden konnte.
      ,, Geh, die Bediensteten haben dir Essen gebracht“, entgegnete der Mogul schnell. Er hatte schon eine schlechte Vorahnung bekommen, als der isanische Kronprinz eine solche Bemerkung gemacht hatte. Der alte Mann war wirklich unzufrieden. Wäre es ein anderer Diener, so hätte der Herrscher ihn bestrafen lassen. Doch bei dem Schwarzhaarigen handelte es sich nicht um irgendjemanden. Er hatte diesen Burschen nur einmal wütend erlebt und ein zweites Mal wollte er es ungerne zulassen. Diese Krait-Kämpfer waren viel zu unberechenbare Kreaturen. Doch gleichzeitig waren sie auch sehr nützlich, um sie loszuwerden.
      Als Feinde brauchte er sie demnach nicht. Insbesondere nicht in diesem wichtigen Umstand.
      Die Schwarzhaarige nickte nur dem helianischen Herrscher zu.
      ,, Vielen Dank für Eure Großmut, Eure königliche Majestät“, erwiderte sie in einer glücklichen Stimme und beugte sich vor der Herrscherin sowie den restlichen Anwesenden vor, bis sie sich umdrehte und sich zu den Dienern bewegte, die irgendwelche Essenstücke auf den Brettern hielten.

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    • Für einen Moment lachten die meisten anwesenden. Rowan tätschelte dann leicht die Hand seiner Mutter und schenkte ihr eines seiner sanften lächeln, bevor er noch einen Blick voller Spott auf den Diener warf.
      Was Rowan niemals erwartet hätte war, dass der Diener sich direkt an ihn wandte. Zunächst hatte er noch ein überhebliches Grinsen auf den Lippen. Doch dann sprach er diese Worte aus. Euer Gesicht ist viel hübscher.
      Dieser kleine Bastard! Rowans Hände ballten sich zu Fäusten, und er war ganz kurz davor gewesen aufzuspringen und sich diesen Bengel vorzuknöpfen. Doch die Hand seiner Mutter lag noch auf seinen Arm und hielt ihn auf. Sacht lies sie ihre Hand hinab gleiten und strich sanft über seine geballte Faust. Sein Kiefer war komplett angespannt, doch er lies seine Hände wieder entspannen.
      Dieser Mann sollte eigentlich bestraft werde, Rowan würde ihn am liebsten selbst bestrafen, dafür das er es überhaupt wagte ohne aufforderung ein Wort an ihn zu richten.
      Doch das war nicht seine Aufgabe. Es wäre die Aufgabe des Moguls, doch er schickte diesen nur zum Essen.
      "Nun, dann ist das doch auch geklärt. Ich muss Euch von dieser Geschichte erzählen", begann die Königin dann und erzählte eine lustige Anekdote, die sich im letzten Jahr zugetragen hatte.
      Nach dieser Geschichte wurde auch die Gouvernante gerufen, für die kleine Prinzessin Collete. Sie musste noch ein paar Hausaufgaben erledigen und dann hieß es für sie auch schon dass sie ins Bett gehen musste.
      Was der Rest der Anwesenden dann nicht mehr mitbekam, war das die jüngste Prinzessin sich von ihrer Gouvernante los rieß und einen kurzen Abstecher bei dem dreisten Diener machte. Nicht das er unbedingt weit weg war, aber es war Collete nur so möglich gewesen.
      "Ich finde übrigens, dass dein Gesicht nicht hübsch ist", meinte sie dann und meinte es ehrlich und als kompliment, bevor sie leise kicherte und die Gouvernante sie schon wieder eingeholt hatte und sie somit gehen musste.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Sie nahm sich leichtes Gebäck vor, das auf einer Servierplatte bereitgestellt wurde. Die Schwarzhaarige hatte wirklich Hunger, großen Hunger. Doch trotzdem wollte sie das Angebotene nicht essen. Es widerte sie an, sich an Speisen zu bedienen, die von diesen Verrätern angeboten wurden. Das war sicherlich dumm von ihr gewesen, denn schließlich gehörte in diesem Palast alles dieser heuchlerischen Familie.
      Sie sollte gefälligst aufhören, sich wie ein Kind zu verhalten. Indem sie sich auf andere Gedanken lenkte, aß sie einige Sachen.
      Trotzdem behielt sie ihre Portionen klein. Grund dafür war, dass sie immer wenig Gerichte verzehrte. Und das lag wiederum an ihrem Körper. Sie war dünn, womöglich viel zu dünn und nur durch ihre antrainierten Muskeln wurde ihr Gewicht verliehen.
      Die Schwarzhaarige musste nämlich auf eine strenge Diät achten, um eine Zunahme ihres Umfangs zu verhindern. Ein größeres Gewicht würde schließlich dafür sorgen, dass sich bei ihr Kurven bildeten. Und das war wiederum etwas, was sich jemand wie sie, der sich als ein Mann ausgab, nicht leisten konnte. Sie stillte zwar den Großteil ihres Hungers, doch es war gleichzeitig eine Ewigkeit vergangen, seitdem die Leibeigene so viel gegessen hatte, wie sie nur wollte. Den Großteil ihres Lebens hatte sie damit verbracht, ihre Gefühle ständig zu beherrschen. Es war in ihrem jetzigen Zustand nicht besonders einfach, sich von weiteren Leckereien zurückzuhalten, aber sie meisterte es trotzdem gekonnt.
      Eine kindliche Stimme zerrte sie aus ihrer Starre. Es war das jüngste Kind der Königsfamilie. Sofort verspürte die Schwarzhaarige ein bitteres Gefühl auf der Zunge. Sie schluckte mehrmals, um dieses Empfinden loszuwerden, doch es half nicht besonders. Wie denn auch? Schließlich lag die Ursache dieses Eindrucks vollkommen woanders. Einst war sie auch das jüngste Geschwisterchen in ihrer Familie gewesen. Ihre Brust engte sich zusammen. Bevor sie irgendetwas erwidern konnte, verschwand die energische Gestalt, sodass ihr nichts anderes blieb, als mit einem betrübten Gesicht hinterherzublicken.
      Die nächsten Stunden verbrachten die beiden Familie damit, die verschiedensten Themen anzusprechen. Zu ihrem Bedauern lockerte sich die Stimmung. Fast vermochte man ihre Worte vergessen zu haben, die sie vor einer Weile dem Prinzen vorgeworfen hatte.
      Doch die Schwarzhaarige wusste, dass er mit dieser Situation nicht abgefunden hatte. Es war schließlich viel zu ironisch gewesen, dass sie einen angehenden Herrscher, dessen eine Gesichtshälfte von einer dicken Narbe bedeckt wurde, als schön betitelt hatte.
      Die Schwarzhaarige hatte das Ego eines eingebildeten Hahns gekränkt. Sie konnte kaum abwarten, es in der Zukunft noch mehr zu tun.
      Nachdem die beiden Königsfamilie ihre Versammlung beendeten, begleitete die Leibeigene den Mogul zurück in sein Gemach.
      Glücklicherweise war er viel zu müde und angetrunken gewesen, um über ihr heutiges Verhalten zu reden.
      Nachdem er ihr die Erlaubnis gab, endlich zu gehen, machte sie sich auf dem Weg in ihr eigenes Zimmer.
      Sie musste ein Stückchen laufen, um den Trakt der Diener zu erreichen. Man hatte ihr logischerweise keinen Raum neben den Adligen gegeben. Das hatte sie auch nicht erwartet. Im Gegenteil, sie fand es viel besser. Der Unterschlupf der Bediensteten war der beste Ort, um an Informationen zu kommen, denn hier vermehrten und sammelten sich Gerüchte am besten.
      Die Schwarzhaarige war aber gleichzeitig erleichtert genug, um ein eigenes Zimmer zu bekommen. Es war klein, aber vollkommen ausreichend für sie.
      Außerdem war sie nicht der einzige helianische Gast, der in diesem Trakt eine Unterkunft bekommen hatte - weitere königlichen Soldaten hatten es auch. Sie war viel zu müde, um sich noch irgendwelche Gedanken zu machen, sodass sie sich nicht einmal umzog, sondern gleich schlafen legte.
      Pochende Kopfschmerzen weckte sie aber wieder. Mit einem verzerrten Gesicht setzte sie sich auf und fasste gequält mit beiden Händen ihre Stirn. Ihr Körper schmerzte an den meisten Stellen. Sie hätte wohl nicht mit ihren üblichen Anziehsachen schlafen gehen sollen, doch jetzt war es sowieso zu spät. Die Schwarzhaarige seufzte genervt. Sie brauchte eine Ablenkung. Demnach stand sie auf, machte ihre Kleidung gerade und verließ ihr Gemacht. Die Gänge waren nicht nur leer, sondern auch dunkel. Nur die flackernden Flammen der Kerzen schenkten ausreichendes Licht.
      Sie konnte nicht urteilen, wie lange sie geschlafen hatte. Da man keine Diener erblickte, mussten einige Stunden zurückliegen.
      Sie wanderte durch den Trakt, erlaubte sich diesen zu verlassen, um weitere Gegenden des Palastes zu erkunden.
      Wieder wurde sie von diesem erdrückenden Gefühl erfasst. Das Meiste an diesem Hof hatte sich verändert. Sie konnte kaum etwas wiedererkennen. Zumindest nicht das, was sie gerade erblickte. Vielleicht würde es am Morgen anders sein und womöglich musste sie sich erstmal an diese Gegend gewöhnen, um irgendwelche Gemeinsamkeit aus ihren Erinnerungen zu entdecken.
      Als die Schwarzhaarige eine Veranda erblickte, überlegte sie nicht lange und betrat diese. Nichts war wohl besser als nächtliche Luft, weswegen sie mehrere tiefe Atemzüge holte. Der Himmel war klar, sodass man auch einigen Sterne erblicken konnte.
      Ihre Augen wanderten über die ganze Gegend, die sich vor ihr erstreckte. Sie schien sich im Bereich des Gartens zu befinden, da sie nur Pflanzen erblickte. Ruckartig blieb ihr Blick auf einem Pavillon haften.
      Sie konnte es nicht glauben.
      Ihr Mund öffnete sich leicht und sie erstarrte in ihrer Position. Zum ersten Mal fand sie etwas, was sie mit ihrer Erinnerung vergleichen konnte. Das Design, die Form der Betonsäulen, die innere Ausstattung - es glich genau dem Bauwerk, an welchen sie sich entsann.
      Der Pavillon, den ihre Mutter errichten lassen hatte. Hier hatte sie als Kind so gerne Zeit verbracht - mit ihren Eltern, ihren Geschwistern oder auch mal ganz alleine. Sie konnte es immer noch nicht fassen. Die Schwarzhaarige spürte, wie ihr Körper leicht zu zittern begann. Ihr Puls wurde schneller - so wie heute, als sie die Stimme des Usurpators gehört hatte.
      Sie konnte nicht sagen, ob die Kopfschmerzen bei ihr Übelkeit verursachten, oder die Übelkeit der Grund war, warum sich ihre Kopfschmerzen verstärkten. Ihr wurde aber so schlecht, weshalb sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.
      Die Schwarzhaarige sackte zusammen, stürzte aber ihre eine Hand rechtzeitig am Geländer ab, um nicht unsanft auf dem Boden zu landen. Sie schloss ihre Augen. Weitere Erinnerungen flogen an ihr vorbei. Die bekannten Stimmen, die ihr jetzt so fremd vorkamen. Jemand rief nach ihr. Oder bildete sie sich es ein? Sie sah das strahlende Gesicht ihrer Mutter und die schelmische Miene ihres Bruders, der einen weiteren Streich mit ihr erlaubt hatte. In diesem Pavillon hatte sie ständig unzählige Bücher gelesen.
      Die Leibeigene drückte ihre freie Hand fest gegen den Mund, um nicht zu erbrechen. Denn sie hatte Angst, dass sie es tatsächlich machen würde. Das alles überforderte sie viel zu sehr. Sie glaubte zu ersticken, weswegen sie einige Knöpfe ihres Oberteils öffnete, um den Hals zu befreien. Ihr Zittern wollte sich anscheinend immer noch nicht beruhigen. Unerwartet verspürte sie etwas Nasses auf den Wangen.
      Regnete es etwa? Einen Moment - sie befand sich ja unter einer Veranda. Also, war sie geschützt.
      Verwirrt strich sie über die durchnässten Wangen und musste die Flüssigkeit für einen gefüllten Moment betrachten, um zu realisieren, was es war. Tränen?
    • Rowans Stimmung wurde nicht besser als der Diener zumindest außerhalb seiner Sicht war. Der Kronprinz versuchte sich nichts anmerken zu lassen, doch es fiel ihm wahnsinnig schwer und brauchte auch einige Minuten bis er wieder so tun konnte, als würde er auch nur eine der Geschichten hier lustig finden. Am Ende wirkte es auch wieder sehr überzeugend, wie auch seine Mutter bestätigte nachdem sich alle langsam zur Nachtruhe begaben.
      "Es ist schön dich so lachen zu sehen, mein Sohn", sprach Camille. Es war selten dass sie ihren Sohn dabei sah. Natürlich, er war sicherlich glücklich, aber die beiden verbrachten sehr wenig Zeit zusammen. Das Leben als Königsfamilie war mit sehr vielen Pflichten verbunden. Camille konnte froh sein, dass sie Collete regelmäßig sehen konnte. Ihre kleine liebliche Collete. Heute hatte sie ihr nicht einmal eine gute Nacht wünschen können. Bei Phillipe, und den Zwillingen hatte sie es jede Nacht tun können. Seit dreizehn Jahren war es anders. Manchmal sehnte sie sich nach etwas einfacheren zurück, aber wirklich würde es nie eintauschen.
      "Ach Mutter, bei den Gelegenheiten bei denen ich sonst Lache möchtest du sicherlich nicht dabei sein", gestand Rowan seiner Mutter mit einen sanften Lächeln auf den Lippen.
      "Du bist halt ein richtiger Mann geworden."
      Am liebsten hätte Camille ihren Sohn über seine vernarbte Wange gestrichen, doch sie konnte sich noch rechtzeitig davon abhalten. Es würde ihren Sohn nur als einen Schwächling abzeichnen und er würde als verweichlichtes Muttersöhnchen gelten. Das wollten weder Camille noch Rowan. Außerdem hatte Rowan auch kein Interesse daran, dass seine Mutter seine Narben berührten. Auch wenn sie verheilt waren, schmerzten sie bei manchen Gelegenheiten noch immer sehr. Keiner wusste davon, und es sollte am besten auch so bleiben.
      "Nun begib dich auch zur Nachtruhe, Mutter", meinte er dann und sie nickte leicht. Es war spät geworden und sie war angetrunken. Das machte sie ganz sentimental, was sich für eine Königin nicht ziemte. Mit einer kurz angedeuteten Handbewegung geleitete sie dann ein Diener und zwei Wachmänner zu ihren Gemächern.
      Rowan selbst hatte noch keine Lust sich selbst schlafen zu legen. Noch immer grollte er wegen dem Diener. Das der Mogul ihn nicht bestraft hatte stieß dem Kronprinzen wirklich bitter auf. Das ein Mann der so ein großes Reich befehligte und es offensichtlich sehr darauf anlegte das zwischen diesen beiden Reichen hier frieden herrschte, es nicht wagte einen einfachen Diener in seine Schranken zu weisen. Rowan wusste wirklich nicht was er davon halten sollte.
      Ob die Gerüchte stimmten? Oft wurde sich in Isan erzählt das in Reichen jenseits des Rubens Taals sich reiche Männer Lustknaben hielten. Soetwas würde man hier in Isan nicht wagen. Ob dieser Diener so einer war? Das würde erklären warum er so ein hübsches Gesicht hatte und er vom Mogul nicht bestraft wurde. Und auch wenn Rowan diese Vermutung hegte, würde er sie niemals aussprechen. Im Gegensatz zu dem helianischen Herrscher wollte sich der Kronprinz tatsächlich Mühe geben.

      Eine ganze Weile war Rowan noch durch das Schloss gewandert, doch egal wo er sich herum trieb die Hitze des Alkohols konnte er nicht bekämpfen. Deswegen beschloss der Kronprinz sich auf die Veranda zu begeben. Die Luft war in der Nacht sicherlich noch kühler geworden als am Tag, wo zumindest ein wenig des Sonnenlichts die Luft hatte erwärmen können. Morgen früh würde alles wieder eisig sein, und erst dann langsam etwas wärmer werden. Das musste seinen hitzigen Gemüt bestimmt helfen.
      Der Weg war recht lang, da das Schloss nun wirklich nicht bescheiden war. Es war ausgebaut worden, und vieles war renoviert worden. Als Königsfamilie die eine andere für ihren Platz ungebracht hatte, musste man nach außen hin besonders imponieren.

      Rowan trat an die frische Luft, die ihn eisig umfing und einiges der Wirkung des Alkohols davon trug. Eine sanfte Gänsehaut zog sich über seine Arme, die der Kälte des Winters geschuldet war. Zunächst bemerkte der Kronsprinz die andere Person nicht, denn er hatte die Augen geschlossen und genoss, wie seine heißen Wangen endlich die ersähnte Kühle umfingen.
      Erst als der junge Mann eine Bewegung hörte, zumindest bildete er sich genau dies ein, öffnete er wieder die Augen und erkannte am Geländer eine Gestalt sehen, die im vom Schnee reflektierten Mondlicht gar zierlich wirkte. Leicht kniff er die Augen zusammen um genauer erkennen zu können wer da dort stand.
      Direkt verschlechterte sich seine Laune. Dieses schwarze kurze Haar und diese Kleidung. Das konnte nur dieser dreiste Diener sein, der sein -über aus männliches- Gesicht als hübsch betitelt hatte. Ganz frech hatte er einfach das Wort ergriffen und keine Strafe dafür erhalten.
      Mit seinen Ziel vor Augen machte Rowan große Schritte um schneller bei dieser mikrigen Gestalt anzukommen. Neben den Diener blieb der Kronprinz stehen. Er war ein ganzes Stückchen größer als diese Person. Rowan lies sich dann dazu herab den Diener direkt anzusehen, dabei erkannte er schnell wie dieser weinte. Beinahe hätte er gelacht, hatte das Jungchen etwa Heimweh? Lächerlich!
      Wie verweichlicht die Helianer wohl sein mussten, selbst wenn er persönlich nicht ganz so helianisch wirkte.
      Leicht schüttelte Rowan den Kopf. Er war nicht hier um sich über diesen kleinen Bastard Gedanken zu machen. Er war hier um ihn nun persönlich in seine Schranken zu weisen, wenn es der Mogul schon nicht tat.
      Der Kronprinz musste sich einmal kurz räuspern, nicht weil er sonst keine Worte gefunden hätte, oder so die Aufmerksamkeit erlangen wollte. Nein, seine Stimme war belegt durch den Alkohol und er wollte doch ein gewissen Grad an Macht ausstrahlen.
      "Du solltest dich besser auf deine Taten und Zunge achten", meinte er dann und versuchte dabei extra streng zu klingen. "Ich kann eiskalt sein, und sehr brutal", meinte Rowan dann. "Wie der Winter in Isan."
      Er wusste nicht sicher ob der Junge ihn verstand, wenn er seine Worte nicht mit Beispielen schmückte. Immerhin war er ein Ausländer, er hatte vermutlich keine große Ahnung von der Sprache, weswegen er es auch gewagt hatte den Kronprinzen als hübsch zu bezeichnen.
      "Ich kann sehr nachtragend sein, und streng, wie ein Gerichtshof." Das Gesetzt lag ohnehin in Rowans Hand. Er konnte es so auslegen wie es ihm doch am besten passte.
      "Aber ich kann auch sehr großzügig sein, wenn man das tut was ich sage." Rowan überlegte einige Sekunden um ein Beispiel zu finden, doch alles was ihm einfiel war zu weiblich weswegen er ein Beispiel einfach weg lies.
      "Und ich kann auch sehr warmherzig sein", meinte er dann noch. Immerhin wollte er nicht das man ihn als einen Tyrannen betrachtete. Er sollte immerhin nur vorsichtig sein wie er sich dem Kronprinzen dieses Landes gegenüber benahm.
      Um seine Aussage zu unterstreichen, griff Rowan nach der Wange des Jungen und strich mit seinen Daumen eine seiner unzähligen Tränen weg. "So ein hübsches Gesicht, sollte nicht weinen wie ein Kind", meinte er dann und man konnte den Spott in seiner Stimme noch zu genau wahr nehmen.
      Dann wandte sich der Kronprinz ab, und ging wieder hinein. Langsam wurde er doch müde, jetzt wo er noch die Kälte der Nacht hatte genießen können.
      Ja, Rowan verstand sich als eine sehr komplexe Person.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Das Letzte, was die Schwarzhaarige brauchte, war, mitten im Palast zu erbrechen. Was war mit ihr nur los?
      Sie durfte so etwas nicht zulassen! Wieso verhielt sie sich wie ein Schwächling? Denn das war sie ganz bestimmt nicht.
      All die ganzen Jahre hatte sie vieles ertragen und sie hatte es nicht getan, um hier heulend rumzustehen.
      Die Leibeigene war immer noch verwirrt davon, dass Tränen tatsächlich ihre Wangen herunterglitten. Es fühlte sich, als würde ihr eigener Körper ihr nicht gehorchen. Sie atmete tief ein, um sich endlich zu beruhigen, doch es brachte nicht besonders viel.
      Das durfte doch nicht wahr sein! Was würde nur passieren, wenn jemand sie jetzt erblickte...
      Bevor die Schwarzhaarige diesen Gedanken zu Ende denken konnte, nahm sie eine männliche Stimme wahr. Unbemerkt zuckte sie zusammen und drehte sich sofort in diese Richtung um. Sie hätte nicht gedacht, dass es ihr schlechter ergehen könnte. Aber nachdem sie das Gesicht dieses ,, Kronprinzen``erblickte, musste sie wirkliche ihre ganzen Kräfte zusammenfassen, um ihn direkt nicht vollzukotzen.
      Die Leibeigene spitzte ihre Sinne an, da sie sich sicher war, dass er mit Sicherheit sie anpacken wollte, um ihr eine Lehre zu erteilen.
      Zu ihrer Überraschung laberte er irgendeinen Unsinn. Ihr Verstand musste einen Moment seine gesagten Worte verarbeiten, um zu verstehen, was er ihr damit sagen wollte. Dieser Narr drohte ihr im Grunde genommen.
      Ein Schauder erfasste ihren Rücken, als er nach ihrer Wange fasste. Sie senkte sofort ihre Augen, denn sie war sich sicher, dass sie ihn angreifen würde, wenn sie seinen Blick erwiderte. Dieser Idiot wagte es, sie anzufassen! Dieser Mörder!
      Die Schwarzhaarige drückte ihre Zähne zusammen. Ihr Puls wurde noch schneller und er ließ sie im nächsten Augenblick los, um hinter den Gängen zu verschwinden. Hätte er sie noch eine Sekunde länger gehalten, dann wäre sie mit Sicherheit nicht mehr in der Lage gewesen, sich noch länger zu kontrollieren.
      Nachdem er aus ihrer Sicht verschwand, erinnerte ihr Verstand sie an ihr eigentliches Problem. Sie hielt es nicht mehr und übergab sich auf der Stelle.

      Die Schwarzhaarige konnte die ganze Nacht kein einziges Auge zudrücken. Nachdem sie sich übergeben hatte, war sie von ihrem Tatort verschwunden. Zum Glück hatte sich niemand in der Nähe befunden, um ihr irgendeine Lehre zu predigen.
      Seitdem die ersten Sonnenstrahlen den Himmel bedeckt hatten, stand sie auf den Beinen. Wie man sich denken konnte, war sie seit dem Morgen auf der Seite des Moguls gewesen, dessen Wünsche sie erfüllen musste. Doch da schon der Mittag angebrochen war, hatten sich die beiden Familien wieder mal versammelt - diesmal an einem kleinen Hof, nicht weit vom königlichen Pferdestahl entfernt.
      Wie man jetzt wohl erahnen konnte, wurde das Geschenk des Kronprinzen gebracht. Apropos der Kronprinz. Nachdem ihr Verstand sich beruhigt hatte, konnte sie heute den nächtlichen Vorfall besser verarbeiten. Was war mit diesem Kerl nur los? Nachtragend? Warmherzig? Die Schwarzhaarige drückte ihre Lippen zusammen, um nicht in eine lautes Gelächter zu verfallen. Er war wirklich ein Vollidiot. So ein Depp - schoss es höhnisch durch ihren Kopf.
      Auch diesmal war sie fein gekleidet - zumindest für eine Leibeigene. Zwar war ihre heutige Kurta komplett schwarz und obwohl es eine einfache Farbe war, so wirkten ihre Gewänder elegant. Der Großmogul legte wirklich einen großen Wert darauf, dass sie an seiner Seite gut wirkte. Etwas, was sie eindeutig verwirrte. In Helia hatte er sich nicht so verhalten - nur in äußerst wichtigen Anlässen.
      Doch noch komischer war, dass er sie gar nicht an den gestrigen Vorfall angesprochen hatte. Es konnte nämlich nicht sein, dass er ihre Bemerkung über die Schönheit des Kronprinzen vergessen hatte. Insbesondere, wenn man bedachte, was für eine Bedeutung diese Worte in Helia trugen. Nun, sie wusste von Anfang an, dass ihr nichts drohen würde. Ansonsten hätte sie solche Aussage auch nie laut ausgesprochen. Zumindest redete es sich die Schwarzhaarige ein, auch wenn es weit entfernt von der Wahrheit war.
      Obwohl sie fein gekleidet war, hatte ihr Gesicht bessere Tage gesehen.
      Ihre Augenringe ragten förmlich raus und glichen ihren schwarzen Gewändern. Man konnte nicht übersehen, wie ausgelaugt sie war.
      Erst als ein aufmüpfiges Wiehern ertönte, wurde sie aus den Gedanken gezerrt. Der Hengst wurde dem Kronprinzen überreicht.
      Sie konnte in den restlichen Augen Neugier erblicken. Vor den ganzen Anwesenden erstrahlte ein prächtig schwarzer Marwari, der sofort mit seinen Sichelohren auffiel. Das war eine Rasse, die nur für die königlichen Mitglieder des Reiches gezüchtet wurde. Demnach konnte man sich denken, wie wertvoll dieses Pferd eigentlich war. ,, Ich hoffe, ihr beide könnt schnell eine gemeinsame Sprache finden“, gestand der Großmogul heiter. Der Hengst, welcher dunkler als die Nacht selbst war, guckte mit einem arroganten Blick den neuen Besitzer an. Diese Pferde waren für jeden eine Herausforderung gewesen. Zumindest zu Beginn, denn man brauchte eine Weile, um einen Zugang zu diesen Tieren zu finden. Sie betrachtete mit einer leichten Begeisterung das Geschenk des Kronprinzen. Die Leibeigene hatte in ihrem Leben selten so etwas Schönes gesehen.
    • Der Weg in die Gemächer des Kronprinzen war nicht unbedingt kurz. Die Dunkelheit und das Rowan nun nicht mehr ganz nüchtern waren, schienen ungeahnte Hindernisse zu erschaffen, die es sehr spät werden liesen, bis er doch endlich in seinen Bett ankam.
      Er entkleidete sich nicht einmal, wenn er ehrlich war würde er selbst es sowieso nicht tun, immerhin gab es dafür die Diener, und sobald sein Kopf das Kissen berührte schlief er ein.

      Es war noch dunkel als Rowan wieder geweckt wurde. Seine Laune war wirklich schlecht, nicht weil er Kopfschmerzen hatte von den Abend zuvor, sondern weil seine Nacht viel zu kurz war. Für einen kurzen Moment beneidete Rowan seine Geschwister -außer Collete und der falsche Phillipe- denn diese konnten ein ganzes Stückchen länger schlafen. Als Kronprinz hatte Rowan viel mehr Verpflichtungen als die anderen. Nur seine beiden jüngsten Geschwister mussten genauso früh aufstehen, da es für sie den ganzen Tag über hieß, sich an ihren Lerntätigkeiten zu üben.
      Es dauerte eine ganze Weile bis Rowan frisch angezogen war, vor allem da er heute mit seiner schlechten Laune, alles noch erschwerte. Drei Mal mussten die Bediensteten neue Kleidung heraus suchen, und Drei mal war das Wasser zu kalt, oder zu heiß, mit dem er sich am morgen wusch. Rowan kam zwar nicht mit allem durch, aber mit solchen Sachen war es einfach. Was wollte ein Diener schon gegen ihn tun? Natürlich konnte er diese Spiele auch nicht zu lange spielen, was einfach daran lag, dass alles was er und seine Familie taten, sich aufs große und ganze auswirken konnte. War man nett zu seinen Untertanen liebten sie einen. War man es nicht, nun jeder wusste wie schnell eine Familie tot sein konnte.

      Gegen Mittag hatte Rowan schon den ersten Teil seiner Pflichten erledigt. Eigentlich sogar etwas mehr, da wichtiger Besuch in ihrem Schloss war, hatte Rowan nicht so viel Zeit wie sonst um sich um das alles zu kümmern. Rowan hatte auch nur Zeit für ein kurzes Frühstück ohne seine Familie.
      Die helianische Familie hatte für ihren Aufenthalt ein ganz eigenes Speißezimmer bekommen, in der die Familie in Ruhe, die kleineren Mahlzeiten einnehmen konnte. Beim Mittagessen kam es immer darauf an, was danach noch geplant war, und das Abendessen würde zumindest heute noch einem kleinen Bankett gleichen. Die wichtigsten Adeligen aus Isan würden anwesend sein, und auch ein paar wichtige Adelige aus ihren Verbündeten Ländern würden an diesem Abend hier zu Gast sein. Alles zu Ehren des neuen Bündnisses, alles weil die Menschen auf die helianische Königsfamilie neugierig waren. Rowan verstand es nicht ganz, immerhin war diese Herrscherfamilie kaum anders, als jede andere. Ein Herrscher, seine liebste Frau und ein paar zu viele Kinder, von denen man sich eh nur den Namen des Ältesten merkte. Meistens war es eben der Fall das die anderen Kinder in fremde Länder verheiratet wurden, um starke Allianzen zu knüpfen, oder sich deren Reichtum für schwere Zeiten zu sichern.
      Das war nun einmal das Los dieses Standes.
      Rowan war aber nicht daran sich zu beschweren, für ihn würde es ohnehin keinen Unterschied machen, konnte er sich doch entscheiden und solange seine Künftige hübsch genug war. Nun dann sollte es eben so sein.

      Es konnte nicht mehr so lange dauern, bis Rowan zum Essen geholt werden würde. Doch dem wurde nicht so, anstatt das er in den großen Speißesaal gebracht wurde, sollt er in den kleinen Hof, nahe der Stallungen. Beinahe hatte es Rowan vergessen, der Mogul hatte noch ein Geschenk für ihn. Dieses Pferd. Das stur sein sollte. Rowan empfand bei diesem Gedanken nicht die allergrößte Freude, doch er konnte ein freudvolles Gesicht aufsetzten.
      Solange keiner verlangen würde, dass Rowan seine Künste zeigte, ein Pferd zu zähmen würde alles gut werden. Dann würde es keine Demütigung geben.
      Es dauerte nicht lange bis die beiden Familien versammelt waren. Der Schnee war zur Seite geschippt worden, dass die königlichen Familien ihre Kleidung nicht beschmutzen könnte, und deren Füße nicht nass wurden. Es wäre auch wirklich eine Schande wenn seine Familie nicht einmal für soetwas hätte sorgen können. Die Sonne strahlte heute wirklich schön, und es war nicht ganz so kalt wie es am Vortag war. Vielleicht konnten sie nach dem Mittagessen noch einen netten Spaziergang im königlichen Garten unternehmen, bevor es ein schönes Theaterstück am Nachmittag gab und danach das Bankett eingeleitet werden würde.
      Rowan wurde das schwarze Pferd überreicht, das doch recht lustige Ohren hatte. Man konnte es sicherlich wundervoll schmücken, es würde eindruck schinden. Sobald Rowan es jemals unter Kontrolle haben würde.
      Er konnte nicht behaupten, dass es kein Prachtexemplar war, ein wirklich schönes Pferd. Rowan betrachtete es dann etwas genauer, in den Augen des Pferdes lag mehr Arroganz als selbst er aufbringen konnte. Der Kronprinz musste lachen. Ja, vielleicht würden sie eine gemeinsame Sprache finden können, wenn er sich genug Zeit dafür nahm, Zeit die er nur schwer aufbringen würde. Aber er konnte es immerhin versuchen.
      Vorsichtig legte Rowan seine Hand auf die Nüstern des Pferdes. Für einige Momente lies das Pferd dies zu, bevor es unzufrieden wieherte. "Ich bin mir sicher, dass wir das hinbekommen werden", meinte der Kronprinz dann, und überreichte einen Diener das Pferd um es gut zu versorgen.
      "Ich danke Euch", meinte der Kronprinz dann zu dem Mogul. "Aber nun lasst uns hinein gehen, ich bin mir sicher, dass das Mahl bereits aufgetischt wurde. Und euren Töchtern scheint kalt zu werden, das kann ich nicht zu lassen", leicht lachte der Kronprinz und nickte den Frauen kurz zu, bevor die Familien langsam wieder ins Schloss verschwanden und in den Speißesaal gingen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Im Folgende beobachtete sie die Reaktion des Kronprinzen auf sein neues Geschenk. Er schien zufrieden zu sein. Zumindest erweckte er diesen Eindruck. Wie konnte es auch anders sein? Er hatte schließlich so einen prächtigen Hengst erhalten. Zu gerne wollte die Schwarzhaarige ebenfalls durch seine prächtige Mähne streicheln. Auf diesem Pferd zu reiten - das wäre mit Sicherheit ein einzigartiges Erlebnis! Etwas, was sie sich nur in den Gedanken vorstellen konnte. Ein solch wertvolles Tier zu haben, konnte sie sich natürlich nicht erlauben. Wer wusste, vielleicht würde sie es schaffen, sein glattes Fell zu tätscheln? Dafür müsste sie einen Zeitpunkt aussuchen, in welchem der Kronprinz und die meisten Bediensteten nicht dabei waren.
      Die Anwesenden lachten leicht auf die Aussage des angehenden isanischen Herrschers auf. Nur eine Frau schien unzufrieden über seine Bemerkung zu sein. Es handelte sich dabei nicht um die Schwarzhaarige, sondern um Nadiya, der ältesten Tochter des Großmoguls. Obwohl sie schon mit einem Mann verlobt war, den sie zutiefst liebte, hatte ihr Vater sie trotzdem in dieses Reich verschleppt.
      Der Vorwand war natürlich, dass es etwas Gutes wäre, den neuen Bündnispartner kennenzulernen und sich vom Palastleben zu erholen.
      Doch jeder wusste, dass der helianische Herrscher auch Nadiya als eine mögliche Kandidaten für den Kronprinzen ansah.
      Es hatte seinen Grund, warum der Mogul das empfand. Alle seine Töchter waren attraktive junge Frau, die zu gut wussten, wie sich eine vornehme Dame zu verhalten hatte. Doch Nadiya war eine reife aber vor allem intelligente Frau. Der helianische König konnte ja nicht vorab wissen, was genau der isanische Thronfolger bevorzugte. Falls ihm junge, naive Frauen gefielen, so stand ihm die jüngste Frau des Moguls zur Auswahl. Suchte er jedoch eine Gattin mit einem eigenen Kopf, dann kam Nadiya ins Spiel. Schlussendlich war die letztere Variante nicht ausgeschlossen und womöglich viel wahrscheinlicher, weil ein Kronprinz sicherlich eine selbstbewusste Frau, die vor allem eine gute Herrscher werden könnte, an seiner Seite haben wollte.
      Die älteste Tochter hatte das alles natürlich von Anfang an durchschaut gehabt. Sie hatte kein einziges Interesse an dem Plan ihres Vaters. Aus den heutigen Gesprächen hatte die Schwarzhaarige entnommen, dass sich Nadiya geweigert hatte den roten Pelz anzunehmen und diesen an die jüngeren Schwestern weitergereicht. Es würde mit Sicherheit eine Herausforderung werden, um sie vom Gegenteil zu überzeugen.
      Zumal sie den helianischen Hochadligen, mit welchem sie eigentlich verlobt war, tatsächlich sehr zu lieben schien. Die Schwarzhaarige hatte den besagten Mann nie zu Gesicht bekommen, sondern Geschichten darüber gehört, dass sich die beiden schon aus Kindheit kannten. Ein typischer Fall. Liebe und Prinzessin. Etwas, was nicht besonders zusammenpasste. Darüber schien sich Nadiya jedoch wenig zu scheren. Sie war eine Frau, die ihr eigenes Glück an erste Stelle setzte. Natürlich warfen ihr viele diese Einstellung vor. Doch der Schwarzhaarigen dahingegen gefiel es . Nur weil sie eine Königstochter war, schuldete sie niemandem etwas. Kein einziger Mensch tat es.
      Während die Adligen im Speisesaal verschwanden, schritt sie durch die verschiedenen Gänge.
      Sie musste schließlich nicht ständig an der Seite des Moguls sein - dafür waren die persönlichen Leibeigene zuständig. Außerdem wurde ihr die Erlaubnis gegeben, sich eine Auszeit zu nehmen. Die Schwarzhaarige konnte sich diese ermöglichte Zeit jedoch nicht zum Ausruhen nutzen.
      Sie suchte wieder den Flügel, welcher der helianischen Familie bereitgestellt wurde.
      Nachdem sie einige Soldaten fand, die sie kannte, versammelten sie sich alle in einem Hof, um dort zu trainieren. In dieser Kälte war es natürlich nicht einfach gewesen, doch sie hatte es durchzustehen. Die letzten Tage hatte sie aufgrund der Reise keine Möglichkeit gefunden, um ihren Körper zu kräftigen, weswegen sie sich jetzt noch mehr anstrengen musste. Demnach verbrachte sie die folgende Zeit mit weiteren helianischen Kriegern und widmeten sich bestimmten Übungsaufgaben.

      Für den Nachmittag war eine Theatervorführung vorbereitet worden. Dort musste die Schwarzhaarige anwesend sein, leider. Denn es würden auch weitere Adlige teilnehmen und sie war demnach als Übersetzerin von Bedeutung.
      Da sie vom ganzen Training durchschwitzt war, hatte sie sich erstmal in ihrem Zimmer waschen müssen, was eine große Herausforderung für sie darstellt, weil ihr nur kleine Holzeimer zur Verfügung standen. Nach ihrer Reigung kleideten sie sich in eine neue, ebenfalls schwarze, Kleidung.
      Und um rechtzeitig anzukommen, machte sie sich auf dem Weg in den Saal der Vorführung.
      Der Mogul war mit seiner Familie schon angekommen und hatte die besten Plätze angeboten bekommen.
      Die Schwarzhaarige stellte sich unbemerkt nicht weit entfernt vom helianischen König hin. So wie immer.
      Die ganzen Adligen waren in irgendwelche Gespräche verwickelt, wobei sie sich die Gegend genauer anschaute. Bald müsste das Theaterspiel beginnen.
    • Wie auch schon am Abend zuvor wurden reichlich Speißen aufgetischt, nicht ganz so festlich wie an diesen Abend, doch die Küche arbeitete bereits an den Köstlichkeiten die Kunstwerken glichen, die es für das Bankett geben sollte. Immerhin sollte das am Abend eine schöne Festlichkeit werden, um das neue Bündnis auch den anderen zu zeigen.
      Während des Essens wurde sich recht gut Unterhalten, so empfand es zumindest Rowan. Es waren nun mal diese oberflächlichen Gespräche die adelige immer unter einander führten. Wenn es nicht unbedingt oberflächlich war, dann war es politisch oder man wollte sein Reichtum zur Schau stellen. Am Ende war es immer etwas ermüdend, doch hier hielt es sich sogar für Rowan in Grenzen.
      Vielleicht lag es auch wirklich nur an den Töchtern des Moguls, es waren wirklich schöne Frauen. Auch wenn man der einen ganz genau ansehen konnte, dass sie nicht an diesen Tisch sitzen wollte. Rowan würde wohl Ysaline damit beauftragen heraus zu finden, was der Prinzessin so zusetzte. Es sollte am Ende nicht heißen, dass sich die isanische Königsfamilie nicht um seine Gäste kümmerte.
      Rowan würde es auch selbst tun, doch hatten Frauen... nun es waren seltsame Wesen die sich viel zu schnell angegriffen und beleidigt fühlten. Das würde seinen Ruf am Ende doch noch schaden. Warum war das Leben am Hofe nur manchmal so kompliziert. In seiner Jugend musste Rowan sich über sowas keine Gedanken machen. Doch das war in Ordnung, er fand sich gut zurecht.

      Nach dem Essen hatten beide Familien noch Zeit sich aufzuruhen und neu einzukleiden, bevor am späteren Nachmittag eine Vorstellung im Theater der Königsfamilie stattfand. Es wäre die erste Aufführung, von dem Lieblingsschreiber seiner Mutter. Camille war immer sehr begeistert von seinen Stücken, Rowan hatte nur wenige gesehen. Nicht weil es ihn nicht interessierte, aber er hatte viele andere Dinge zu erledigen. Und er fand andere Schreiber doch etwas amüsanter, oder insgesamt besser. Doch das hier war nicht eine Entscheidung. Rowan konnte sich nicht um alles kümmern, und es war auch nicht seine Aufgabe sich um das hier zu sorgen.
      Nachdem alle Gäste, aus den verschiedenen Ländern ihren Platz gefunden hatte, begann die Aufführung.
      In dem Stück ging es um einen reichen Mann, der auf der Straße einen bewusstlosen Arbeiter aufgriff und mit sich nachhause nahm um diesen einen Streich zu spielen. Der reiche Mann wurde dann verkleidet und ihm wurde eingeredet, dass er von diesem Moment an ein Lord sei. Einer der hübschen Diener verkleidete sich sogar als seine Frau. Im halben Stück ging es dann darum den armen Mann einzureden er hätte an einer geistes Krankeheit gelitten und das er sich sein Leben bis dahin eingebildet hatte.
      Am Ende bekam der arme Mann tatsächlich einen Teil der Länderein des Reichen. Denn die Moral der Geschichte sollte sein, dass man keinen Menschen einen solch boshaften Streich spielen sollte.
      Es war jedoch zum größten Teil sehr lustig, alleine schon wegen dem Mann der sich als Frau ausgeben musste. Die viel zu tiefe Stimme und die ganzen vorkehrungen das nichts heraus kam. Es wirkte beinahe lächerlich.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "