Hospital for Souls [Luxi & Lu-Chan]

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    • Hospital for Souls [Luxi & Lu-Chan]

      Zur Vorstellung
      @Lucy-chan
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      Sein Name war Yves Lark. Ein Soldat aus Leidenschaft. Aus Überzeugung. Und wo hatte ihn das nun hingebracht? Er lag in einem Bett mit gestärkten, weißen Tüchern. Neben ihm piepten die Geräte, die alles in seinem Körper aufzeichneten. Immer wenn er ein wenig aufgeregter wurde, schlug die kleine grüne Linie auf dem Bildschirm in die Höhe und das Pieper wurde lauter, schneller und unerträglicher. Als ob es ihm nicht schon reichte. Aber...er war Yves. Yves Lark. Der einzige Mann, der das Camp überlebt hatte. Der einzige seiner ganzen Mannschaft. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, wenn man einfach nur ein Infanterist wäre. Einfach ein Lieutenant. Nein, er war Colonel gewesen. Oder war es noch immer? Er hatte seit dem er wach geworden ist, seine Uniform nicht mehr gesehen. Weder das noch die kleinen Abzeichen, die er dort getragen hatte. Leider, war er nie in der Verfassung gewesen danach zu fragen. Jedes Mal, wenn er es vor hatte, versperrte ihm in seinem Kopf etwas die Fähigkeit dazu sich richtig zu artikulieren. Selbst der Anblick einer hübschen Krankenschwester, die ihn beim Blut abnehmen immer lächelnd nach seiner Verfassung fragte, konnte er nicht als mögliche Partnerin erwägen. Sein Kopf dröhnte immer so stark, dass er oft nicht einmal den Weg zum Badezimmer schaffte. Und wenn er von oft sprach, dann meinte er eigentlich immer. Manchmal waren sie so stark, dass er sich kaum bewegte. An anderen Tagen hinderte ihn sein fehlendes linkes Bein daran aufzustehen. Als er das erste Mal aufgewacht war, hatte er nicht geschrien. Die Entdeckung realisierte er erstmals, als auch er Arzt noch einmal kam und ihm erklärte warum. Und dann sagte er: Lieber ein Bein, als der Kopf, oder? Und er ging lachend fort. Als wäre das ein sehr guter Witz gewesen. Yves lag nur da und starrte auf die flache Decke, wo sie eigentlich eine Wölbung eines Beins zeigen sollte. Leer. Und später kam man ihm mit Ersatz. Er sollte sie ausprobieren, doch er schickte die Menschen zum Teufel. Wütend darüber, dass sie ihn nun als Behinderten darstellen wollten. Reichte es denn nicht, dass er bereits mit einem Rollstuhl durch die Gegend fuhr? Und selbst das machte er nicht oft genug. Viel lieber verkroch er sich in dem Privatzimmer, dass ihm die Army spendierte. Sie hatten ja sonst niemandem aus dem Camp etwas schulden können. Bis auf die wenigen Witwen und Witwer, die eine Abfindung bekommen in Höhe des Gehalts ihres verlorenen Partners. Yves hatte niemanden dergleichen und so wusste er, dass er der Army und dem Staat mehr auf der Tasche lag, als er noch fröhlich auf zwei Beinen durch die Gegend gerannt war. Aber er war es...und das war schöner gewesen, als hier im ersten Stock eines riesigen Krankenhauskomplexes mitten im Nichts auf ein wenig Grün zu starren, das vor seinem Fenster hing. Eine Trauerweide wehte stehts raschelnd im Wind.
      Aber man hatte ihn gewarnt. Lange konnte er nicht so weiter machen... Er musste sich bewegen, wenn er wieder innerhalb der Gesellschaft leben wollte und das musste er. Er war doch nicht einmal 30 Jahre alt und wäre schon abhängig von allem. Einen Scheiß würde er sich das gefallen lassen. Und so war er Feuer und Flamme gewesen, als man ihm sagte, er wolle sich mental auf viel Schmerzen während einer Reha vorbereiten. Jetzt war der Tag da ... und er saß nur am Rande des Bettes, streichelte den sensiblen Beinstumpf und starrte aus dem Fenster. Er hatte keine Lust.
    • Rosanna

      Seit zwei Jahren arbeitete sie nun in dem staatlichen Krankenhaus für Soldaten, Marienes, Beamte und andere Berufsgruppen, welche für den Staat arbeiteten. Ganz bewusst hatte sich Rose auch für die Therapie entschieden und dafür gegen die Arbeit auf Station, auch wenn es auf diesen in der Regel hier nicht viel zu tun gab, immerhin gab es nicht täglich Soldaten, die hier eingeflogen worden sind, weil sie beim Dienen für die Staaten verletzt worden sind, aber unter der Woche schon den ein oder anderen. Mit den meisten hatte die Brünette auch nur wenig zu tun, jedenfalls nicht von Anfang an, einige davon betreute sie erst am Ende der Behandlung, um sie wieder auf die Beine zu stellen und ihnen die Selbstständigkeit zu ermöglichen, wenn die Hoffnung dafür eigentlich nicht mehr vorhanden war, aber nicht umsonst hatte sie sich auch in etlichen Therapien weiter gebildet. Seit dem Ende des Pflegestudiums war Rose ständig daran interessiert neue Therapieansätze kennen zu lernen und vor allem zu lernen sie anzuwenden, um den Menschen die Hoffnung wieder zurück zu bringen und das Strahlen auf ihren Gesichtern zu sehen. Der Weg dort hin ist nicht immer sehr einfach, vor allem benötigt es im Gegensatz zu den meisten Vorstellungen ein klein wenig mehr, als nur ein paar Stunden mit Massagen, Übungen und Gesprächen, es gehörte dazu noch ein klein wenig Willenskraft des Patienten und Zeit, die vermutlich mit das Wichtigste in einer Therapie darstellte.
      Mit einem Lächeln auf den Lippen nahm die Brünette ihren Weg durch die Halle im Eingangsbereich, wo sie den ein oder anderen grüßte, um zu ihrem nächsten Termin pünktlich zu erscheinen. Mit das Beste an ihrer Stelle war es tatsächlich, dass sich die Frau die Termine so legen konnte, wie es ihr gefiel und sie ihre Stunden so auch komplett flexibel gestaltete. Mal fing sie später an, mal hörte sie früher auf, so konnte man sich auch eigene Termine gut setzen und musste sich nicht dafür freie Tage nehmen, wie es einige der anderen Kollegen machen mussten.
      "Rose?", eine männliche Stimme hatte sie für den Moment aufgehalten, in der Hoffnung die Frau würde für einen Moment Halt machen. Rose blieb auch tatsächlich stehen, um sich einem der Ärzte zu widmen, mit dem sie auch tatsächlich arbeitete. "Hm?", sie hatte nicht viel Zeit, wollte vor allem zu der ersten Stunde pünktlich kommen, um keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. "Ich habe dir doch von dem Patienten erzählt.. im ersten Stock, mit dem fehlenden Bein..", er brauchte eigentlich nicht weiter zu erzählen, es handelte sich um genau den nächsten Patienten der Frau, zu dem sie eigentlich auch hin wollte. "Ist als nächster auf meiner Liste", sprach sie auch schon, um genau das zum Ausdruck zu bringen und deutete auf ihren Plan in der Hand, den sie immer stets bei sich trug. Für jeden Patienten nahm sie sich die zwei Stunden Zeit, für mehr waren die wenigsten bereit und mehr Zeit auf einmal bedeutete nicht immer auch mehr Erfolg, meistens waren die kürzeren Einheiten die effektiveren. Mit ihren Worten hatte sie dem Arzt im mittleren Alter ein sanftes Lächeln auf die Lippen gezaubert. "Hol ihn mal etwas raus.. Er lehnt die Prothese noch ab.. ich glaube, das ist wirklich was für dich.. Es könnte ihm gut tun..". Was er eigentlich damit sagen wollte war, dass Rose all die schwierigen Patienten gerne auf sich nahm, mit denen konnte sie am besten arbeiten, wie sie es selbst immer gerne sagte. Ihr eigenes Lächeln auf den Lippen wurde umso breiter. "Ich krieg das schon hin", versicherte sie, bevor sie auch schon weiter wollte.

      Keine fünf Minuten später klopfte die Brünette auch schon an dem Zimmer, welches auf ihrer Liste gleich hinter dem Namen geschrieben stand. Sie betrat das Zimmer langsam, um den auf dem Bett sitzenden Mann zu entdecken, der auf die beschreibung ziemlich gut passte, die sie bekommen hatte. Rothaarig, mürrisch und mit fehlendem linken Bein. "Mr. Lark?", fragte sie auch gleich schon, bevor sie das Zimmer langsam betrat, für heute gab es auch schon die ein oder andere Idee, womit sie gerne anfangen wollte. "Mein Name ist Rosanna Sanchez und ich soll mit Ihnen ab heute die Therapie anfangen".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Obwohl hier jeder und alles nett wirkte und sich Zeit für einen nahm, erkannte man bei so vielen das müde Lächeln eines überarbeiteten Menschen, der keinerlei Intention hatte, einem zu helfen. Viele davon lächelten, weil es ihr Beruf war. Weil sie glaubten, dass das half. Yves hatte hinter die Maske sehen können, und bei Gott, er war nicht der einzige der das tat. Den Schreien und dem verzweifelten Weinen nach, die er mal im Flur hörte, gab es viel zu viele Frauen, die um ihre gefallenen Männer trauerten und nicht mit den Ärzten einverstanden waren.
      -Wir haben ihn verloren, es tut mir leid- -Amerika wird sich um sie kümmern- -Bitte verzeihen Sie-
      Aber alles was sie damit ausdrückten war doch nur, dass sie in der nächsten halben Stunde einen weiteren Patienten auf dem Tisch liegen haben, der utner ihren Händen wegstarb. Immer und immer wieder. Yves schnaufte, fuhr sich durch das fahle Gesicht. Er hatte seit seinem Aufenthalt hier kein bisschen Sonne oder Natur per se genoßen. Und eigentlich konnte es ihm doch komplett egal sein, was da draußen noch geschah. Er hatte nichts und niemanden mehr. Keine Familie, keine Freundin, keine Freunde...Alles war verschwunden und ihm unter den Füßen fortgerissen worden mit einer einzigen großen heißen Welle.
      Er wollte mit großem Knall gehen...Aber so einen hatte er nicht gemeint. Er wollte eines Tages wie sein Vater mit einer Uniform voller Medaillen gehen. Wie sein Bruder, der in einem Sarg und der amerikanischen Flagge verdeckt, ins Grab gelassen wurde. Etwas...das mehr war als nun das hier. Er könnte immer so weiter reden. Es hatte aber dennoch keinen Grund. Und noch weniger Grund sah er darin die nun kommende Therapie anzufangen. Was für ein Blödsinn.

      Gerade klopfte es an der Türe. Er wusste wer es war. Der Mann blieb sitzen und starrte hinaus aus dem Fenster, weiterhin gefangen in seiner eigenen kleinen Beruhigungstherapie in dem er das Bein massierte, wo eigentlich ein Knie hätte sein sollen. All das wurde ihm abgenommen.
      Grummelnd gab er ein tiefes Seufzen von sich. Wenn er nicht antwortete, dann blieben Sie erst recht länger, also sammelte er Kraft, um ihr schließlich mit dem Rücken zugewandt zu sagen: "Ich brauche keine Therapie. Sie können gleich wieder gehen."
      Vielleicht half das ja. Die junge Dame musste sich nicht noch mehr Zeit nehmen für einen Mann, der bereits gebrochen war in seinem Leben. Der jede Nacht, wenn er denn mal schaffte einzuschlafen, nur sah wie seine Kameraden immer wieder aufs neue fielen. Das war doch Therapie genug...
    • Rosanna

      In den zwei Jahren, die Rose schon hier war, gab es viele unterschiedliche Patienten, welche sie auf ihrem Genesungsweg begleitet hatte. Die meisten waren doch recht dankbar dafür, dass sie eine neue Chance bekamen ihr Leben neu zu starten, einige andere waren viel mehr sturr und verbissen, aber sie hatten alle etwas gemeinsam: sie kämpften mit dem, was sie gesehen haben. Die Frau konnte und mochte sich nicht vorstellen, wie es war von diesen Dingen verfolgt zu werden. Klar, auch sie hatte ihre Probleme und auch sie hatte ihre Schwierigkeiten im Leben gehabt, aber es war doch nicht zu vergleichen mit dem, was vor allem die Männer und Frauen, die ihr Leben für all die Menschen in den Staaten opferten, durchmachen mussten. Viele entkamen dem Tod nur sehr knapp, einige andere verloren dabei Körperteile, oder gar ihre ganze Existenz, ebenfalls ihre Lust am Leben oder die Hoffnung. Es war verständlich, wenn man bedachte, was sie durchgemacht haben, aber was Rose sehr schnell gelernt hatte war eigentlich, dass diese verbissenen, komplizierten Patienten eben nicht mit Samthandschuhen angefasst werden sollten, denn genau das machte alles nur noch schlimmer, diese Patienten brauchten eine harte führende Hand und das konnte die Brünette gut anbieten.

      Sie hatte trotz der Worte ihres neuen Patienten gelächelt, hatte ihn vor allem beobachtet und gemustert, um sich ein erstes Bild des Mannes zu machen. Er brauchte keine Therapie, allein das brauchte ein Schmunzeln mit sich, so etwas hatte sie doch erwartet. "Möchten Sie ihr restliches Leben hier in diesem Patientenzimmer verbringen?", es war eine Frage, dessen Antwort sie eigentlich schon selbst kannte, er würde vermutlich ja sagen, oder gar kicht antworten, aber das war kein Problem. Es war auch die Abwehrhaltung kein Problem, welche ihr allein schon mit dem weiteren Zuwenden des Rückens deutlich gemacht wurde. Rose hatte ihren Plan und daran haltete sie sich auch, betrat das Zimmer und ergriff den Rollstuhl, der für den Mann parat stand. Er wollte zur Zeit noch keine Prothese, in Ordnung, dafür stellte sie ihm aber den Rollstuhl vor das Bett und blickte aus dem Fenster raus, um zu sehen, wohin er selbst sah. "Schönes Wetter", entgegnete sie mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. "Schwingen Sie sich in ihr Rollstuhl und dann fahre ich Sie mal raus.. Sie sind blass wie eine Leiche und etwas frischer Luft wird Ihnen auch gut tun". Ihn mit Samthandschuhen anfassen und gar in den Rollstuhl helfen? Nein, das wäre der falsche Ansatz. "Wir können uns ja einfach etwas unterhalten, wenn Sie keine Übungen machen wollen". Es ist für das erste Mal generell mehr eine Unterhaltung geplant als wirkliche Übungen, das musste sie ja aber nicht verraten!
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Eine harte durchführende Hand war schon immer gut gewesen. Die Männer und Frauen, die gedrillt worden sind auf einen gebellten Befehl zu reagieren ohne eingeschnappt zu sein, waren eben doch besser darin Befehle zu befolgen, als Bitten. Auch Yves gehörte zu den Schuldigen. Alles in einem hatte er den Willen und die Argumente verloren wieder auf die Beine zu kommen. Was er gemacht hätte mit jemanden, der ihn weniger hart angelangt hatte, dem würde er das gar nicht wünschen wollen. Die Menschen konnten gemein sein. Und Yves...war Colonel. Er wusste, wie er in die Wunden der anderen stochern konnte und dabei auch noch seinen eigenen Willen durchbekam.Eine kleine Pflegerin, die ihm dabei helfen sollte war also kein Hindernis für ihn. Er blieb sitzen und ignorierte sie so gut es ging. Doch sie hielt stur und gab eine Rückfrage. Ob er hier bleiben wollteß Verflucht, auf gar keinen Fall. Aber man ließ ihn ja nicht gehen. Also blieb ihm nichts anderes übrig als die Frage zu bejahen.
      "Ist nicht so, als ob ich eine große Wahl hätte.", setzte er noch an. Viel gab es da draußen nicht für ihn und er würde auch nichts dergleichen finden, dass ihm jemals etwas von der Hoffnung und Lebensfreude zurückgewinnen könnte. Er hasste es hier. Aber da draußen hatte er nichts zu suchen. Und trotzdem, sie bot ihm an raus zu gehen.
      Ein wenig neugierig sah er sie an, als sie den Rollstuhl neben ihm abstellte und selbst an das Fenster trat. Sie war jung und hübsch. Bildhübsch. Braune volle Haare und wenn er es richtig erkannte, hatte sie ebenso hübsche Sommersprossen auf der Nase. Der rothaarige grummelte und besah sie, ihre grüne Kleidung und dann den Stuhl.
      "Keine Lust. Weder rausgehen, noch mit ihnen zu reden.", sagte Yves klar und deutlich. Er sah keinen Sinn oder Zweck darin. Aber er war auch nicht blöd: "Ihre Psychologie können Sie sich schenken, Sanchez.", er hatte sich ihren namen sehr wohl gemerkt, so wie er noch immer alle Namen der gefallenen Soldaten kannte, "Ich bin Colonel, ich weiß wie das funktioniert mit den Tricks. Also nehmen Sie den Stuhl und haben Sie selbst ein wenig Spaß draußen. Gönnen Sie sich die Zeit alleine ohne einen Patienten. Ich bürge auch für sie.", schlug Yves schnippisch vor und hielt sich in dem Moment für ziemlich gerissen. Ein wenig in die ein oder andere Wunde bohren. Das konnte er als Soldat und dann...dann machten alle sowieso das was man wollte und sollte.
    • Rosanna

      Er hatte eine Wahl, ganz gleich, was sich der Mann dabei wirklich dachte, er musste sich nur aus dem Bett schwingen und seine Lebensenergie wieder entdecken, um einfach die Selbstständigkeit zu erlangen, die ihm zur Zeit fehlte. Es war nicht einfach, dessen war sich die Schwester schon bewusst, manchmal konnte man den Ausweg in dieser ganzen deprimierenden Zeit nicht sehen, aber das war letztendlich nichts, womit sie nicht gelernt hatte umzugehen. Einige ihrer Patienten hatten Rose beschimpft gehabt, angebrüllt und es flogen sogar Sachen durch die Gegend, doch manchmal war genau das nötig, um die Energie zu entladen, welche sich gestaut hatte und welche vor allem im Weg stand.
      Die Brünette schob den Rollstuhl ans Bett, stellte sich zentral vor ihren Patienten hin, um ihn vor allem ein klein wenig mustern zu können. Er hatte diesen strengen Gesichtsausdruck drauf, wie es ihr Vater schon seit etlichen Jahren drauf hatte, ob man es bei der Army lernte so streng zu gucken? Vielleicht gab es extra einen Kurs nur dafür.. Doch ganz gleich, woher es auch kam, ihr Patient wollte weder raus kommen, noch sich mit ihr unterhalten, ein Klassiker also, der die Frau fast schon zum Schmunzeln gebracht hätte, aber auch nur fast, da folgte ja noch was. Sanchez.. Das klang schon fast ernst, das hatte es bisher selten gegeben, dass man sie so passiv aggressiv mit ihren Nachnamen ansprach. So wurde ihr Vater immer angesprochen, ganz gleich, wie ernst es wurde.. aber statt aus den Worten des Patienten zu lernen und sich vor allem zu verziehen, wie er sich es wünschte griff Rose lieber zu den Rollstuhl und setzte sich rein, was sollte sie jetzt die Zeit draußen stehen bleiben? Sie selbst war stur, andernfalls hätte sie jeden anderen Patienten genauso verlassen gehabt, wie sie es sich wünschten, aber wenn man sie buchte, buchte man dazu vor allem Hartnäckigkeit und Engagement, von solchen Worten ließ sich die Krankenschwester doch nicht beeindrucken.
      "Und ich bin Therapeutin.. Und kann Ihnen sagen, dass je länger Sie warten werden desto länger werden Sie auch in diesem Bett hocken", da zuckte die Frau mich ihren Schultern und legte ein Bein über ihr anderes, die Rollstühle waren nicht sonderlich gemütlich, das musste sie schon zugeben. In den Wunden anderer konnte sie genauso gut bohren, wie es meinte der Herr hier zu tun, mit dem Unterschied, dass er keine hätte, in welcher er bohren konnte. Ihr Blick glitt zu den Fenster nach draußen. Die Sonne schien heute wirklich schön, es war angenehm gewesen.. "Entweder Sie schwingen ihren Arsch in den Stuhl, oder ich bleibe hier sitzen und werde Ihnen die Zeit über auf den Keks gehen.. So oder so.. Haben Sie mich an der Backe", da blickte sie auch gern wieder zurück, um ihren Patienten zu mustern. Rose würde nicht gehen, das kam nicht in Frage!
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Er starrte wieder zu Boden. Natürlich glaubte er gerade gewonnen zu haben gegen diese Frau, doch sie ließ sich nicht so einfach davon abbringen. Im Gegenteil, setzte sie sich sogar vor ihn in den Rollstuhl. Er erwiderte ihren Augenblick für einen Moment, mit dem sehr wohl antrainierten strengen Blick. Ohne diesen würden viele der Soldaten einen für gefundenes Fressen halten. Yves war seit er denken konnte an nichts anderem, als der Aemy interessiert gewesen. Es kam also gar nicht infrage, dass er freundlich und zuvorkommend war, wie viele Männer in der Zivilgesellschaft waren. Dick, freundlich und nachgiebig. Das war Yves alles nicht. Trotz der vielen Zeit in dem bett und außerhalb von Trainingsgeländen, konnte man selbst durch die Krankenhaus Kluft erkennen, dass er keinerlei Muskelschwund hatte. Lediglich der Schwund an gutem Essen zeigte sich. Seine Rippen standen hervor, die fahle Haut spannte sich unangenehm und trocken um die Wangen. Er hätte nichts gegen ein gutes Essen hier indem Krankenhaus. Aber nur weil der Staat auch das Privatzimmer zahlte, hieß es nicht, dass ein ein 4 Sterne Restaurant war.
      Die junge Frau vor ihm, Rosanna Sanchez, war hartnäckig. Sie blieb sitzen, überschlug die Beine und wartete scheinbar darauf, dass ihr patient nun nachgab, nur weil sie ihm noch einmal sagte, dass er rausgehen sollte. Yves gab aber nicht nach. Stattdessen schnaufte er und schüttelte den Kopf. Das man ebenso wenig in Frage, wie das bemitleiden der Taliban.
      "Hören Sie mir zu, Schätzchen. Wir können das auf die einfache Tour beenden. Sie stellen den Rollstuhl wieder dahin wo er hingehört und gehen einfach. Ich habe keine Therapeutin bestellt. Das waren die Ärzte, die an solch einen Müll glauben."
      Er untermalte seine Rede mit einer fließenden Handbewegung.
      "Ich habe keinen Bedarf mich mit Ihnen zu unterhalten. Also, tun Sie uns beiden den Gefallen. Gehen Sie."
      Das waren seine letzten Worte, bevor er mit einem angestrengten Schnauben das Bein hoch aufs Bett brachte und den Stummel hinterher, um sich schließlich wieder in die Position zu bringen, in der er auch schlafen konnte. Wenn sie nicht auf seine Worte hörte, dann vielleicht darauf, dass er sich schlafend stellte. Die Hände auf dem Bauch zusammen gelegt, schloss Yves die Augen und machte es sich so gemütlich wie er nur konnte. Doch in seinem Hinterkopf brannte weiterhin die Anwesenheit der Therapeutin auf. Er wusste, dass sie sitzen blieb. Einfach nur da saß und auf eine Reaktion seinerseits wartete...
    • Rosanna

      Es klappte auch ihre Ansage nicht, denn der Mann blieb stur und nannte sie gleich auch noch 'Schätzchen', was noch viel merkwürdiger war, als sie bei ihren Nachnamen zu nennen. Letztendlich verstand sie noch die erste Ansprache, bei der Army nannte man sich mit den Nachnamen und ihr Vater hätte seinen Sohn ebenfalls so streng angesprochen, jedenfalls konnte sich das Rose gut vorstellen, stattdessen bekam er zwei Töchter und war mit ihnen weit aus nicht so streng, wie er es mit den Jungs bei der Army damals war. Er wurde verweichlicher, wie es der Mann selbst nannte, gab sich mit anderen Sachen zufrieden und war mit ganz anderen Sachen nicht einverstanden. Ein gutes Beispiel dafür war der Umgang mit Jungs, mit potentiellen Freunden und Partnern, mit denen sich die Mädels im Haushalt eine Zukunft vorstellen konnten, die meisten waren tatsächlich an dem ehemaligen Soldaten gescheitert, wurden nicht angenommen, nur schräg gemustert und schräg angesehen, als würden sie von einem ganz anderen Planeten kommen. Für ihren Vater taten sie es auch und er schaffte es ihr Liebesleben immer noch zu beeinflussen, obwohl Rose gut dreihundert Kilometer entfernt von ihren Eltern wohnte.
      Sie sollte gehen, eine Therapie war Müll und sie sollte den Rollstuhl zurück stellen, bevor sie es auf die harte Tour erfahren wird.. Da war sie aber wirklich neugierig und fuhr sich durch das braune Haar, während sie ihren Hintern noch immer nicht von dem Rollstuhl bewegte. Sie sollte ihnen beiden den Gefallen tun und gehen.. Aber sie wollte doch gar nicht gehen, warum verstand es der Mann noch immer nicht? Schwere Geburt.. Aber immer noch machbar und die Schwester war noch immer nicht an der Grenze ihrer Geduld, es wurde nur ein kleiner, winziger Teil angekratzt. Doch noch bevor die Brünette etwas darauf erwidern konnte beobachteten ihre Augen wie es der Mann zurück ins Bett schaffte, wie er vor allem seinen Stümmel anpackte, um diesen ins Bett zu bringen, das war noch nicht die Art und Weise, wie sie es gerne sehen wollte, aber es war ein erstes Bild, welches sich Rose von ihren Patienten machen konnte. Sie blieb, sie bewegte sich keinen Zentimeter, blickte lediglich von ihm zum Fenster, um nach draußen zu sehen. Selbst wenn er jetzt schlafen sollte, hoffte sie dich auf den Gedanken in seinem Hinterkopf, dass sie noch immer bei ihn saß, in seinem Rollstuhl, der eigentlich mehr geliehen, als wirklich für den Rest des Lebens gedacht war. Etwas brannte ihr doch ein klein wenig auf der Zunge, bei den Gedanken schmunzelte sie schon ein wenig.
      "Sie denken doch nicht wirklich, dass ich dafür da bin, um Ihre verkorkste Psyche wieder hinzubekommen", da wurde das Schmunzeln nur noch größer, ehe sich Rose erhob, um das Fenster zu öffnen und die Sonne auf der Haut zu genießen. Sie setzte sich wieder in den Rollstuhl. "Wenn Sie bereit dazu sind bringe ich Ihnen den Umgang mit Ihrem Körper bei.. Und ich bringe sie dazu zu laufen.. Solange können Sie gerne so tun, als würden Sie schlafen und Ihren Problemen aus dem Weg gehen... Das ist ja so männlich". Mit einem Kopfschütteln schloss sie auch schon die Augen, um die Sonnenstrahlen zu genießen.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Die Psyche eines Soldaten wurde von klein auf geformt. Und wenn ein Mann früh genug in die Army eintrat, dann war es umso einfacher und auch für später war dieser Typ von Charakter einfach zu handhaben. Natürlich waren sie stark und unnachgiebig. Einer Folter sollten sie alle eigentlich standhalten können. Vor allem all diejenigen, die bereits etwas mehr Erfahrung in verschiedenen Einsätzen hatten. Yves zählte sich gerne dazu. Er hielt sich für einen robusten Kerl. Oder..tat es mal, bevor das alles geschehen ist. Er konnte sich wohl kaum die Augen davor verschließen, wenn es hieß, dass er absolut versagt hatte. Und das nagte an seinem Selbstbewusstsein. Was nicht unbedingt viel besser war. Denn auch dieser Zustand irritierte ihn sehr. genau so wie es ihn irritierte zu wissen, dass Sanchez noch immer da saß. Er spürte ihre Anwesenheit im Rollstuhl, obwohl er die Augen geschlossen hielt und die Arme fest vor der Brust verschränkt hatte. Schnaubend wie ein beleidigter Eber, lag er da und blähte die Nüstern, bevor er doch noch einmal hinsah. Mist. Immer noch da. Er versuchte noch einmal den Kopf von ihr wegzudrehen und zu ignorieren, dass sie überhaupt in seiner Nähe war.
      Aber sie blieb ja nicht still. So konnte er nicht einmal wirklich von den Vorzügen des soldatischen 'Ich schlafe überall gut ein' zum Vorteil nutzen. Nein, er musste nun zuhören und was er hörte, provozierte ihn. Nicht weil sie meinte er könne sich nicht richtig bewegen. Das traf eher sein Ego, weil er das auch wusste. Er konnte nicht auf beiden Beinen stehen und auf einem schon gar nicht davon. Es macht eihn eher wütend, dass sie wohl seine Männlichkeit angreifen wollte. Und fast hätte sie ihn. Yves hatte sich nämlich geregt, die Augen aufgemacht, sie wütend angesehen und den Mund bereits zu einer Tirade geöffnet. Aber er mahnte sich und lehnte sich wieder zurück.
      "Sehr gut. Fast hätten Sie mich, Sanchez. Fast. Aber lassen Sie die Spielchen. Ich kann gut mit dem Rollstuhl.ich brauch ihre Hilfe gar nicht. Ich komm von A nach B. Ich will es nur nicht."
      Und mit dieser Aussage glaubte der Colonel wirklich, dass er sie abgewandet hatte. Diese Gefahr einer Frau, die ihm etwas entgegnen konnte. Frauen waren kein Ding für ihn. Er...hatte nur nie eine feste Beziehung. Stets waren es immer nur Kleinigkeiten. Parties, Stripper...Na ja, solche Dinge eben. Eine richtige Frau, wie manch andere, tja, da würde er am liebsten sagen, dass so eine Frau erst einmal geboren werden musste, um ihm das Wasser zu reichen. Eine feine Prinzessin konnte er nicht gebrauchen.
    • Rosanna

      Natürlich hätte sie genauso gut die Klappe halten und sich zurückziehen können, um dem Mann das Gefühl zu geben er hätte gewonnen. So hätte Rosa einfach ihre Zeit hier abgesessen und wäre genauso gut wieder für nichts bezahlt worden, doch so war sie nicht und sie konnte nicht einfach ihre Meinung so stehen lassen, sie nicht aussprechen und es doch nicht noch einmal versuchen. Letztendlich hatte sie von Anfang an nicht daran geglaubt, dass sie den Herr mit nach Draußen genommen hätte, sie hatte aber schon irgendwo eine kleine Hoffnung, dass es vielleicht dieses Mal klappt, doch dem war es nicht so und irgendwie war es schon amüsant zuzugucken, wie sich der Mann scheinbar angegriffen fühlte, wenn man seinen Gesichtsausdruck richtig deuten konnte. Er sah überrascht aus, gleich aber auch ganz aufgeregt, hatte zu ihr gesehen und den Mund geöffnet, traf sie da gerade wirklich ins Schwarze? Ja, das bestätigten der Brünetten die Worte, die ihr Patient von sich gab, er sprach davon, dass sie ihn fast hätte, er wollte sie doch einfach nur in Sicherheit wiegen, ihr das sagen, was sie hören wollte, oder eher was er meinte, was sie hören wollte. Allein dieses Gespräch gab doch schon so viel von ihm preis, das war schon fast lächerlich.
      Wieder einmal nannte er sie bei ihrem Nachnamen, doch viel besser, als der Spitzname, den es vorhin gegeben hatte. Sie sollte die Spielchen lassen, er kam gut mit dem Rollstuhl klar, das bezweifelte sie sofort. Er wollte es nur nicht, das war doch fast schon lächerlich, aber es zauberte Rose ein kleines Lächeln auf die Lippen. "Wenn Sie es könnten hätten sie jetzt kein Problem damit es mir zu beweisen", vielleicht doch noch etwas an dem männlichen Ego kratzen? Eigentlich klappte es doch bei solchen Männern ganz gut, oder nicht? Die Frage war nur, warum es doch so war.. "Außerdem müssen Sie mir nicht das sagen, wovon Sie denken, dass ich es hören will.. Wir müssen diese Unterhaltung nicht weiter führen, wenn Sie mir doch einfach nur die Chance geben Ihnen zu zeigen, dass ich Ihnen das Leben erleichtern kann". Sie war noch immer hartnäckig und würde es auch nicht anders weiter führen, bis zum Ende der eingeplanten Zeit sitzt Rose zur Not da und von ihr aus konnte sie auch ignoriert werden, oder gar beschimpft, aber wenn es sie beide am Ende weiter führt, dann lohnt sich das auch. "Seien Sie mal ehrlich.. Was ist das Problem daran dem einfach nur eine Chance zu geben? Wieder auf zwei Beinen zu laufen?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Verdammt. Diese Frau hatte ihn ausgespielt und das wusste er so gut, wie er wusste, dass er ein rothaariger Bastard war. Es regte ihn auf zu wissen,d ass sie recht hatte. Es gab keinen guten Grund hier zu sitzen, zu vergammen und nicht die Chance zu nutzen nach draußen zu gehen und die Welt in Angriff zu nehmen. Aber...wofür? Was genau war es, dass ihn dazu bringen sollte aufzustehen. Es gab Gründe nur... konnte er sie nicht benennen. Er tat sich schwer damit und er tat sich genau so schwer damit dieser Frau zu glauben und sich an sie zu halten. Sie und ihr verdammtes Lächeln: "Hören Sie auf zu Lächeln, Sanchez. Dafür gibt es keinen Grund."
      Er knurrte, richtete sich auf und rutschte wieder an die Seite seines Bettes. Das Ego war fragil genug, dass er den Rollstuhl schnappte, ihn mit etwas Gewalt statt mit Raffinesse zu sich zog und dann in den Sitz fallen ließ. Ta-da. Angenehm war es nicht, aber darum ging es ja auch nicht. Das hier diente nur zur Demonstration. Genau so, wi edass er die Hände hob und es ihr zeigte.
      "Sanchez...alle wollen nur das gesagt bekommen, was sie hären wollen. Sie wollen nur das eine. Ob nun mit oder ohne nette Worte.", er schnaufte,fuhr vom Bett weg, in dem er kräftig die Rollen drehte und schnaubend dann in Richtung Fenster zu ihr fuhr. Auch wenn er saß und damit knapp kleiner war, als sie, sah er eisern zu ihr hoch. Körperkontakt war kein Problem in seinem Leben und einen geringen Abstand hielt er sowieso immer zu seinen Männern ein.
      "Es ist Bullshit alles, Sanchez. Sie wollen lediglich dass ich zusage und was dann? Dann halten wir Händen, sie bringen mich zum Laufen, als sei ich ein degradierter Affe und dann schicken Sie mich zum Teufel."
      Er verriet damit einzig und allein, dass er ein Problem damit hatte in die Gesellschaft entlassen zu werden. Das da draußen war für ihn eine unbekannte Welt. Er wollte da nicht hin und schon gar nicht so schnell. Noch ein wenig länger konnte er doch hier verweilen. Sich wehren gegen jegliche Hilfe, die ihn eigentlich nur ein Tor der Hölle weiter schob.
      So ganz neben ihr roch er das dezente Parfüm. Es gefiel ihm.
    • Rosanna

      Es gab viele Gründe zu lächeln, wenn man es so sah, denn Rose schaffte es tatsächlich wenigstens ein klein wenig den Mann aus der Reserve zu locken. Es war noch keine Schlacht gewonnen, dessen war sie sich sicher, aber es war schon einmal ein Anfang in die richtige Richtung getan, was man deutlich sah, als sich der Mann erhob und in den Rollstuhl fallen ließ, wie es die Schwester von Anfang an haben wollte. Nun, es war nicht gerade elegant und sicherlich war es nicht ganz freiwillig, es war auch mit Sicherheit nicht ganz fair die Karte des männlichen Egos zu ziehen, aber nur so konnten erste Fortschritte gemacht werden. Sie hatten zwar nicht ganz das Ziel erreicht in dieser Stunde, aber wer jetzt dachte, diese Stunde hätte nichts gebracht, der irrte sich gewaltig. Die Brünette wusste jetzt auf jeden Fall, womit sie anfangen musste, konnte sich ein erstes Bild von ihrem Patienten machen und sich nachher in Ruhe überlegen, wie sie ihn weiter aus der Reserve locken konnte.
      Der Mann sprach davon, dass alle Menschen nur das gesagt bekommen wollten, was sie auch hören wollten.. War es wirklich so? Darüber dachte die Frau nicht lange nach, denn ihr Patient kam auf sie zu, oder rollte eher auf sie zu, um sich zu ihr ans Fenster zu stellen, an welchem sie die Sonnenstrahlen genoss. Vielleicht wurde sie an ihren Unterarmen noch ein wenig braun, alles andere war ja verdeckt.. Aber es gab Wichtigeres.. Ihren Patienten, der zu ihr hoch blickte und damit nichts anderes erreichte, als einen Blick zurück zu kriegen. Rose kreuzte die Arme vor der Brust, wartete jetzt auf die Worte, die folgen sollten, sie erwartete eher etwas in Richtung, dass sie sich jetzt zufrieden geben und verschwinden sollte, stattdessen nahm das Gespräch eine interessante Wendung an. War sich ihr Patient dessen bewusst wie viel er ihr eigentlich mit ihren Worten verriet? "Ich würde gerne die Person kennenlernen, die ausgerechnet Ihnen solche Verlustängste antrainiert hat", da hob die Schwester auch kurz ihre Augenbraue hoch. "Aber der einzige, der sich zu einem degradiert Affen macht, sind Sie.. Und das ständige Hocken in diesem Zimmer.. Sie wollen doch kein Mitleid, keine bemitleidenden Blicke, warum zum Teufel fangen sie nicht an sich mit der Prothese anzufreunden? Um wieder wie ein Mensch zu funktionieren, der sie vorher waren".
      Rose löste die Arme vor der Brust, um sich ein wenig zu bücken und mit ihren Augen auf dem gleichen Niveau ihres Patienten zu sein. Sie kam ihm näher, stützte ihre Hände auf den Lehnen des Rollstuhls und musterte ihn von Nahem. "Es.. Ist.. Kein.. Weltuntergang..",wiederholte sie noch einmal und wollte es deutlich machen. "Es ist nur ein Bein.. Wenn Sie es wollen können Sie immer noch laufen, schwimmen..Sport treiben.. Sex haben.. Einfach alles, was sie vorher gemacht haben.. Also hören Sie auf sich selbst zu bemitleiden... Das tut vom Zugucken schon weh". Ein klein wenig streng zog die Brünette ihre Augenbraue hoch, bevor sie sich auch wieder gerade hinstellte, ohne die Augen von ihrem Patienten zu lassen. Es war schwierig all das jemandem beizubringen, der es grundsätzlich ablehnte, aber sie hatten heute schon große Fortschritte gemacht,trotz der harten Art, die sie jetzt anwenden musste. Kurz blickte Rose auf ihre Uhr am Handgelenk, um festzustellen, dass sie gut in der Zeit lagen, aber für heute war es genug, definitiv, mehr würde sie sowieso nicht erreichen, man musste einfach wissen, wann man aufhören sollte. Ihre Augen blickten auf, ein kleines Lächeln bildete sich wieder auf ihren Lippen. "Sie sind mich für heute los..", das musste doch wie Musik für den Mann klingen. "Aber ich komme morgen wieder.. Um die selbe Uhrzeit". Um noch viel mehr zu schaffen, als es heute der Fall war.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Er wusste gar nicht wo ihm der Kopf hing. War das ihr ernst gewesen? Er hatte nicht erwartet, dass sie so gut zurückfeuern konnte. Als er so unter ihr saß und zu ihr hoch blickte, erwartete er nicht all die Dinge zu hören. Seit Wochen rannten die Menschen nur um ihn herum und sagten ihm das was er hören wollte. Sie kommen auf die Beine, sie werden das schaffen. Sie sind ein starker Soldat. Danke für ihre Dienste. Und dann gingen sie ohne sich jemals wieder zu ihm umzudrehen. Das hatte zwar gut getan, doch schon bald hatte er durch die Fassade blicken können und gewusst, dass das was man ihm da erzählte, nur geheuchelt war. Wie alles andere auf dieser Welt nun auch.
      Aber diese Frau hier. Sanchez, wie war ihr Vorname noch mal? Er erinnerte sich kaum. Rose...Rose? Möglich, es war auf jeden Fall mit einem R. Die sagt eihm einfach schnurstracks gerade heraus, was für ein Jammerlappen er doch war.
      Wer ihm diese Ängste gegeben hatte? Am liebsten hätte er ihr an den Kopf geschmissen, dass sie gerne auch freiwillig mal den Fall und die Explosion einer Bombe erleben durfte. Er hatte ja nur Glück gehabt und saß nun hier. Andere hatten sich gänzlich von ihrem Leben verabschiedet. Aber sie hatte Recht, dass er das ganze hie rgar nicht mitmachen wollte. Er wollte in Ruhe gelassen werden und es regte ihn auf, dass sie doch recht hatte.
      Er brauchte einen Moment, sah sie aber weiterhin an, knurrte und bleckte die Zähne, bereit sie auf die beste Art und Weise zum Teufel zu schicken, wo sie auch hin gehörte. Und er auch.
      Doch da hob sie den Arm und verwies auf ihre Uhr. Es war Zeit zu gehen und er musterte ihr dünnes Handgelenk, dann wieder sie und schürzte die Lippen. "Tun Sie was sie nicht lassen können.", knurrte er hinterher und wartete bis sie draußen war.

      Lange saß er noch da, hatte die Hände auf der Brust miteinander verschränkt und starrte hinaus zum blauen Himmel. Ohne groß viel zu machen, schlug er auf die Armstützen des Rollstuhls, rüttelte wütend daran und schlug sich gegen die Oberschenkel, bis er merkte, dass das keine der besten Idee gewesen ist.
      "Fuck! Verfluchte Scheiße...", er fühlte sich ausgespielt von der Frau, rollte wütend zurück, sobald er wieder die Kraft zurück hatte und zog sich hoch auf das Bett. Mit dem gesunden Fuß stieß er den Rollstuhl fort, der mit Schwierigkeiten weg rollte vom Bett. Wieder beleidigte er die Geister und die Luft um sich bevor er angefressen an die Decke starrte.
      'Warum freunden sie sich nicht mit der Prothese an? ... Um wieder wie ein Mensch zu funktionieren?'
      Yves ballte die Hände grimmig zu Fäusten. Es dauerte noch eine gute Weile, bis die schlechen Gedanken wirklich aus seinem Kopf verschwanden und er keinerlei Gefühlregung wieder hatte. Aber diese Worte saßen fest verankert in seinem Kopf. Da konnte auch das triste Krankenhausessen ihn kaum davon abhalten. War er denn kein Mensch? Wie konnte sie bloß! Aber eigentlich stimmte es ja.


      Und so war es am nächsten Tag dass er pünktlich zu der Uhrzeit in seinem Rollstuhl saß, den er von einer anderen Pflegerin zu sich ran hat schieben lassen, und auf die Ankunft von Rose Sanchez wartete. Er sah aus dem Fenster und beobachtete die vorbei ziehenden grauen Wolken. Es würde bestimmt demnächst regnen...
    • Rosanna

      Sie war gegangen, hatte das Patientenzimmer verlassen, als wenn nichts gewesen wäre, als hätte alles genauso geklappt, wie sie es sich gewünscht hatte. Nun, es gab erste Fortschritte, das gab es schon, es gab auch die ersten Worte, welche sie mit ihrem neuen Patienten gewechselt hatte, aber die Brünette war sich schon sicher, dass sie am nächsten Tag noch weitere, wenn auch kleine, Fortschritte schaffen wird. Es musste nicht viel auf einmal sein, Rom wurde auch nicht an einen Tag erbaut, aber es wurde damals erbaut und das auch ohne Hilfe von Geräten, die es heutzutage gab und mit der geringen Lebenserwartung, nicht, wie es heutzutage der Fall war. Klar, es war schon hart gewesen, was er durchmachen musste, Rose wollte sich es gar nicht erst ausmalen, wie es wohl sein musste dort im Krieg, umgeben von Menschen, die für ihr Land kämpften, welches leider einen Krieg mit den Staaten führte. Wenn man sich das so ansah, war eigentlich jeder Krieg schwachsinnig, es ergab sich auch kein Grund für die Brünette, warum man welche führen sollte, aber sie war trotzdem den Frauen und Männern, die täglich ihr Leben für sie aufs Spiel setzten dankbar und allein deshalb arbeitete sie gerne hier im Staatskrankenhaus.

      Rosanna war an dem Tag noch zu ihren zwei anderen Terminen gegangen, es gab schließlich noch andere Patienten, die ihre Hilfe benötigten, nicht nur der Colonel befand sich auf der recht überschaubaren Liste. Für den nächsten Tag hatte sie ihn aber für die selbe Uhrzeit ungetragen, hatte sich vor allem noch zuhause mit dem Gespräch beschäftigt. Ja, sie war hart gewesen und vielleicht hätte sie ihre Worte netter formulieren sollen, aber es war doch die Wahrheit und daran konnte man einfach nichts ändern. Es war wie es nun mal sein sollte und das einzige, was jetzt möglich war war es sich mit der Situation anzufreunden und das musste auch ihr neuster Patient lernen, erst dann würde die Therapie auch nur irgendwie Erfolge bringen. Es wird hart, dessen war sich die Schwester bewusst, nur hatte sie es nicht so hart erwartet, da musste sie einfach eine andere Schiene fahren, anders war es einfach, nicht machbar, der Colonel musste erfahren, dass er sich auch mal zusammenreißen musste!

      Mit Recht positiver Einstellung hatte der Tag für Rose am nächsten Tag gestartet. Das Wetter war ganz anders gewesen, als am Vortag, die Sonne versteckte sich recht früh, wollte sich nicht zeigen, aber es änderte nichts an dem Vorhaben, welches sich die Schwester vor nahm. Sie begrüßte die anderen Schwestern auf Station, hatte sich zu den Zimmer des Colonel begeben, um wieder einmal anzuklopfen. An ihrer Arbeitskleidung hatte sich nichts geändert, lediglich die Haare trug die Brünette heute in einem Zopf zusammen. Sie wartete einen Moment, bevor sie die Tür auch öffnete, um mit einem Lächeln reinzusehen. "Guten Morgen!", begrüßte sie den Soldaten und stellte fest, dass er schon im Rollstuhl saß. Es überraschte sie.. Aber das hinterfragte Rose nicht, das wäre nicht gut gewesen. "Haben sie Lust auf eine Spazierfahrt?". Sie betrat das Zimmer und musterte den Mann noch einmal, während sie auf die Antwort von ihm wartete. Vielleicht hatte das Gespräch am Vortag doch noch etwas mehr gebracht, als sie dachte. "Ich hatte noch keinen Kaffee und sicherlich trinken Sie auch gerne welchen, oder?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Der Mann starrte aus dem Fenster. Ihm waren die regnerischen und dunklen Tage hier im Krankenhaus viel lieber. Einfach weil es um einiges ruhiger um ihn herum wurde. Die Menschen machten langsamer. Sie schrien nicht, sie lachten nicht. Sie waren einfach alle etwas gedäpfter unterwegs, weil das Wetter sie mitnahm. Auch Yves nahm es mit. Aber er hatte damit kein problem. Es erinnerte ihn oft daran, wie er einfach nur in einem dieser Campingstühle in der Sonne saß und seinen Bauch wärmte in der Sonne, als plötzlich der Regen über sie hereinbrechen konnte. Einmal wurde er sogar aus seinem Mittagsschlaf geholt. Das hatte ihn erschreckt, aber am Ende war er mehr als erfreut, dass das geschehen ist. Denn dann konnte er immer sitzen bleiben und zu sehen, wie der Regen fiel. Wie der Staub des Sandes nieder ging und nicht mehr sich in den Lungen festsetzte. Es war eben ein Neustart am Tag. Noch regnete es nicht. Aber er hoffte, dass dem so wäre. Was ihn dann weniger erfreute, war die überfröhliche Ader der Therapeutin.
      Er verspannte sich ein wenig, als er ihre Stimme hörte und grummelte. Angefressen von ihrem letzten Gespräch war er. Aber er konnte sich nicht verwehren. Irgnedwo wollte er mitmachen. ganz tief in seinem inneren. Aber dann wiederum fiel es ihm zu schwer zu sagen, dass er das machen musste. Er war doch ein ganzer Mann. Einer den man nicht flicken musste.
      Doch alle heir sahen es anders. Er seufzte lautstark als hätte er eine innere Diskussion mit sich selbst gehabt, bevor er nach hinten sah zu ihr. Das Angebot zu spazieren war blödsinn.
      "Ich bin keine Tratschtante, mit der Mann einen Ausflug macht.", sagte er ohne sie zu begrüßen und warf noch schnell auch ihren Namen hinterher, bevor er etwas besser führend, den Rollstuhl umdrehte und in ihre Richtung rollte. Dann an ihr vorbei und auf die Tür zu, die sich leider nicht mit einem schönen Knopf wie unten an der Eingangstür aufmachen ließ. Er sah zu ihr hoch: "Aber ein Kaffee ist das einzige wohl, dass hier einen besseren Geschmack bieten könnte.", er schnaubte und wollte sich auf den Weg machen. Musste nur einer ihm die Tür öffnen. Alleine war es ein Krampf und die Steuerung mit nur einem Arm, hatte er absolut nicht drauf. Geschweige denn, dass er sie überhaupt lange drauf hatte...
    • Rose

      Es gab relativ schnell schon den ersten Konter Seitens des Soldaten, der klar machte, dass er keine Tratschtante war, mit der man einen Ausflug machen konnte. Bei der Bemerkung musste die Brünette schon ein wenig schmunzeln, sie wollte doch nun wirklich nicht einfach nur tratschen, sie wollte etwas anderes mit ihrem kleinen Ausflug erzielen und hoffte natürlich, dass sie es auch hinkriegen würde. Es fiel ihr aber auch nicht auf , dass die Frau nicht wirklich begrüßt wurde, das hatte sie einfach nur abgewunken in ihrem Kopf und hielt sich damit nicht sonderlich lange auf, sondern viel lieber mit der Tatsache, dass sie wieder mit ihrem Nachnamen angesprochen wurde, vermutlich musste sie sich nun daran gewöhnen und es führte kein Weg dran vorbei, aber solange ihr Patient damit glücklich war..
      Der Mann rollte zu Rose rüber, er fuhr zu der Tür, durch welche seine Therapeutin gekommen war, denn der Kaffee schien ihn davon überzeugt zu haben das Zimmer zu verlassen. Gut, sie hatten eine Gemeinsamkeit, denn sie tranken scheinbar beide gerne dieses schwarze, lebensrettende Gebräu, oder aber die Ansprache von gestern hatte geholfen und der Mann kam einfach nur so mit. Ne. Sicherlich nicht, es war mit Sicherheit der Kaffee, der ihn dazu brachte mitzukommen.
      Die Frau öffnete die Tür, sie forderte noch nicht, dass er sie sich alleine aufmachen konnte, schloss sie aber auch wieder, nachdem sie beide aus dem Zimmer heraus waren und sie die Richtung vorgeben konnte. Fahren würde sie ihn jedoch nicht, das musste der Mann alleine hinbekommen, denn sie wollte ihm zwar den Rollstuhl etwas schmackhafter machen, dafür hatte sie gestern ihre große Klappe aufgefahren, aber sie wollte ihm auch die Prothese schmackhaft machen und dafür musste er eine Abneigung gegen den Rollstuhl entwickeln. "Ich bin überrascht, dass Sie im Rollstuhl sitzen", Rose musste es wirklich ansprechen, sie konnte sich damit nicht zurückhalten, vor allem nicht, während sie neben ihm her lief und die beiden die Station verließen. "Aber ich freue mich, dass wir nun einen Schritt weiter sind und hier raus können". Sie deutete auf eine Tür, welche als eine Art Seitenausgang dezent nach draußen in den Garten führte. "Wir können durch den Garten rum zu der Cafeteria und ich lade Sie auf einen Kaffee ein..Hm? Ich verspreche auch, ich werde nicht tratschen!". Mit einem breiten Grinsen blickte die Frau ihren Patienten an und hob ihre Hand ans Herz, als würde sie es wirklich schwören wollen, bevor sie zu der Tür griff, um sie zu öffnen und dem Mann offen zu halten. Es war draußen schon nicht gerade schön, aber ein wenig frischer Luft würde doch beiden mit Sicherheit gut tun!
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Die Ansprache über den Nachnamen war für Yves eine eingeübte Sache. So war es nun mal. Erst wenn man bei den Männern und Frauen in seiner Abteilung wirklich durchgekommen war, gab es Spitznamen. Und selbst diese waren selten ein Name der wirklich im Pass stand. Jimmy Boy, Rocket...Beans. Kitty. Es gab jegliche Arten von Spitznamen und sie alle waren nett gemeint. Sie triefen vor Erinnerungen. Und so bewahrte Yves lieber den Abstand zu adneren Menschen. Er nannte sie Sanchez statt...wie auch immer ihr richtiger Vorname sein sollte. Das war ihm lieber. Sie selbst konnte und sollte ihn wohl ebenso bei seinem Nachnamen nennen. Lark. Der Name seines amerikanischen Vaters. Durch und durch ein Name, der schon viele Auszeichnungen ins Geschichtsbuch eingetragen hatte. Leider...konnte Yves nicht mehr lange daran teilhaben.
      Wenigstens mit dem Kaffee konnte die junge Frau ihn aber überzeugen. Er wollte etwas spüren. Nicht die Aussetzer seines Herzschlags weil er wieder von Erinnerungen geplagt wurde oder sein Haushalt wieder durcheinander gekommen ist. Nein, er wollte einen Herzkaspar bekommen, weil er zu viel Kaffee hatte. Sich schwindelig fühlen, weil er Alkohol in sich hatte...Oder aus der Puste sein, weil er trainieren war. Das alles vermisste er regelrecht und er hoffte innigst, dass das was wurde.

      Sie öffnete ihm die Tür und er rollte hinaus über die kleine Türschwelle die ihm vorerst keine Probleme bereitete. Auch wenn er schon so lange kraftlos im Bett gelegen hatte, hatte sich nur wenig an seinen muskulösem Körper geändert. Er hatte zwar weniger auf den Rippen, weil das Essen so mager war, dennoch erinnerte sich der Körper noch an die guten alten Zeiten.
      Sie gingen den Gang entlang, dessen Boden mit türkisfarbenem Linoleum gedeckt war. Eine hässlcihe Farbe. gleich hässlich wie die weißen Wände und dem blauen Streifen an den Seiten, um die Orientierung nicht zu verlieren.
      Ihren Kommentar wahrnehmend hob er den Kopf ab und sah sie mit einer Mischung aus Missfallen und Wut an: "Glauben Sie, dass ich den gesamten Weg nun auf einem Bein vor ihnen rumhüpfen werde?", er schüttelte den Kopf und schnalzte mit der Zunge. Das war vielleicht ein Gedanke. Er war doch nicht ein Affe. Natürlich war der gedanke der Prothese noch fern. Er mochte sie nicht, weil sie sich unangenehm anfühlte, sie schmerzte und er war oft erschöpft von ihr.
      Vor einer Seitentür blieben sie dann stehen. Wo genau sie Kaffee trinken sollten, war wohl keine all zu große Frage. Jedoch kam es Yves erst jetzt wirklich in den Sinn. Es war die Cafeteria und der Uhrzeit nach würden sich dort einige Menschen versammelt haben. Es war kurz vor Mittag und ihm war das nicht sehr geheuer. Trotzdem presste er die Lippen zusammen und rollte raus. Sanchez bedachte er mit einem angestrengten Blick.
      "Ich bin dafür, sie holen den Kaffee und ..." er rollte über den kleinen Gartenabschnitt und betrachtete die Bank, die da dazwischen stand, "Ich warte hier. Das kriegen Sie schon hin, sanchez.", sprach er ihr zu, als sei sie diejenige mit den Bedenken sich mit Menschen auseinander setzen zu müssen.
      Er selbst stellte sich neben die Bank hin und genoß für einen kleinen Augenblick den Wind, der sich um seine Nase drehte. Die kühle Luft und den Geruch, das demnächst Regen einbrechen würde. Was den Augenblick jedoch zerstörte war sein Herz und das beklommene gefühl in der Brust hier wie auf dem Präsentierteller zu sitzen. Eins dass er umging, wenn er in seinem Zimmer sitzen blieb.
    • Rose

      Letztendlich stand die Brünette an der Kasse der Cafeteria und hielt zwei fertige Kaffee in der Hand, welche sie nur noch bezahlen musste. Absichtlich hatte sie die Becher To Go genommen, denn ihr Patient wartete draußen und hatte sie zum Kaffeeholen rein geschickt mit den Worten, sie würde das schon schaffen. Was ihr das verriet? Dass er es wohl nicht schaffen würde, die Frage war nur warum es so war.. Waren es die vielen Menschen, die sich hier versammelt hatten und die Frau in ihrem Outfit, welches direkt verriet, dass sie im Krankenhaus arbeitete, mit einem Lächeln grüßten, oder war es seine Sorge angesehen zu werden? Ja, Menschen konnten sehr fies und vor allem auch sehr aufdringlich sein, auch mit ihren Blicken, aber war der selbstsichere Soldat wirklich von so etwas verunsichert? Menschen projizierten viele ihrer Ängste auf die anderen, vor allem auch ihre Unsicherheiten, somit hatte der Satz, den der Mann ausgesprochen hatte irgendetwas mit den Sorgen zu tun, die ihn plagten. Nun, es war klar, dass es erst der zweite Tag der Therapie war und sie sicherlich noch weit weit von den eigentlichen Übungen entfernt waren, aber vielleicht brauchte dieser Herr auch ein klein wenig psychischer Therapie? Einen solchen Therapeuten würde er sicherlich sofort ablehnen, vor allem wenn man sich seine gestrige Reaktion ansah, aber es musste ja auch kein ausgebildeter Psychologe, oder Psychiater für den Anfang sein, es konnten ja auch einfache Gespräche helfen.
      Rose bezahlte die beiden Kaffee und nahm gleich viel verpackten Zucker und ein wenig Milch mit, denn sie hatte vergessen zu fragen, wie ihr neuster Patient den Kaffee gerne trank. Die Tür nach draußen wurde ihr von einem der Besucher aufgehalten, wofür sie sich freundlichst bedankte, ihre Augen erblickten draußen aber auch die Bank, an der der Colonel warten wollte. Das nächste Mal würde er aber den Kaffee holen, ganz sicher.. Oder vielleicht auch das übernächste Mal, wer weiß.
      "Um auf Ihre vorherige Bemerkung einzugehen", sie begrüßte den Mann nicht wirklich, sondern drückte ihm lieber einen der beiden Becher in die Hand. "Ich hätte Sie zu gerne auf einem Bein springen sehen". Damit meinte sie seine vorherige Bemerkung, als die Schwester ihre Verwunderung über den Rollstuhl ansprach. "Ich wusste nicht, wie Sie den Kaffee trinken, also habe ich Milch und Zucker mitgebracht". Das drückte sie dem Mann ebenfalls hin, bevor er auch ihren Becher zum halten bekam, damit sich ihre Hände am Rollstuhl festhalten konnten. Rose stellte sich hinter den ehemaligen Soldaten, schob den Stuhl vor allem an. "Sie halten und ich fahre Sie an meinen Lieblingsort hier..", ihre Augen blickten kurz zu ihm runter, bevor sich ein Lächeln auf ihren Lippen bildete. "Das kriegen Sie schon hin, Colonel". Gezielt nutzte die Schwester die Worte ihres Patienten, welche sie vorher zu hören bekommen hatte, bevor sie ihn langsam den Weg entlang immer tiefer in den Patientengarten schob, der aufgrund des Wetters mager besetzt war. Er war beim Sonnenschein deutlich voller, das war ihr bisher immer aufgefallen, so häufig wie sie mit anderen Patienten schon hier war.. Oft genug verbrachte Rose hier aber auch ihre Pause, um in Ruhe einfach etwas abzuschalten und das brauchte der Colonel auch und zwar außerhalb seines Zimmers.. Viel lieber fuhr die Brünette eine alte Tanne in einer der ruhigeren Ecken an, aus welcher man den ganzen Garten gut beobachten konnte. Es war deutlich ruhiger dort, als das ganze Geschehen im Krankenhaus, es gab keine eilig rennenden Menschen, keine schlechte Laune, hier war man einfach nur für sich.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Yves Lark

      Pff. Ein Psychiater. Er hielt sich nicht für schwach. Er wusste was er tat und was er nicht tat. Er konnte auch sehr wohl unterscheiden zwischen seinen Ängsten und Hirngespinsten. Dummerweise ignorierte er trotzdem jede Hilfe, weil er davon ausging, dass diese Hirngespinste sowieso nur Humbug waren. Und all die Quacksalber, die ihm etwas vorreden wollten von innerem Gleichgewicht konnten ihn mal. Kreuzweise. Oder Doggy. Wie auch immer. Kein SOldat ließ sich gerne therapieren und bei diesem Herren wurde auch die physische Therapie schwierig, denn er sah den Sinn nicht, warum er nicht einfach in seinem Rollstuhl sitzen bleiben konnte und die Menschen würden ihn ignorieren. So...so war die Theorie und so war der Wunsch. Gestaltete sich alles leider ein wenig anders und das nervte. Es war keine groaßrtig ausgeprägte Angst davon in eine menschenmasse zu gehen. Aber er mochte es nicht, wenn er den Überblick verlor. Zu schnell erinnerte es ihn an damals. An den Anschlag. An die vielen Male wo Zivilisten Kopflos umher gerannt waren und leider Gottes alles menschliche getan hatten, um im Weg zu stehen.
      Also blieb er lieber draußen. Und die junge Dame ging und kaufte den Kaffee, so wie er es gesagt hatte. Er war gerne derjenige, der die Kontrolle hatte. Gerne derjenige, der wusste, was die anderen taten und tun sollten. Sie kam nach einigen Minuten lächelnd wieder. Er saß etwas vornübergebeugt in dem Rollstuhl und beobachtete sie aus dunklen Augen. Dieses Lächeln. Es war sorglos. Doch wissend. Sie hatte Dinge gesehen, das konnte er ihr glauben. Aber sie war so jung, dass er ihr vieles davon gerne erspart hätte. Auf jeden Fall wirkte sie jung. Aber sie hatte einen guten, dicken Pelz aufgezogen.
      Yves nahm den Kaffeebecher diesmal mit einem einfachen Dankeschön entgegen. Er trank ihn schwarz. Jeglicher Zusatz war eigentlich nur das verwaschen des richtigen Geschmacks. Er drehte den Becher in seinen Händen herum und pustete den heißen Dampf fort.
      Und plötzlich ging alles ziemlich schnell und dem Colonel fiel kaum auf, wie die Frau ihn plötzlich überlistet hatte. Er hielt beide Becher fest, Milch und Zucker im Schoß liegend. Eigentlich hatte er trinken wollen, doch sie hatte ihn übermannt. Und plötzlich wurde er geschoben, was ihn mehrmals blinzeln ließ, bevor er hinter sich zu ihr hoch sah: "Lassen Sie das. Ich mochte die Stelle sehr wohl."
      Er wollte genau so wenig geschoben werden, wie tatsächlich auf einem bein zu hüpfen. Doch er konnte sich mit eben fehlendem Bein und zwei Bechern Kaffee kaum dagegen wehren, dass sie ihn nun schob und von dem eigentlich recht sicheren kleinen Plätzchen wegführte. Der Kontrollverlust brachte ihn dazu hauptsächlich zu Knurren und den dummen Witz, er würde das schon schaffen, fand er absolut nicht gut. Er wollte es nicht zugeben, doch sofort schaltete sein Kopf in seinen angestrengen Betrieb. Er war bereit aufzuspringen und sich zu wehren, ob nun mit einem Bein oder mit zweien, hätte keinen Unterschied gemacht. Und brühender Kaffee im Gesicht tat ebenso sehr weh. Er kaute unangenehm fest auf der Innenseite seiner Wange herum und beobachtete strikt wohin sie gingen. Der Park war nicht der Ort seiner Wahl. Aber als sie ankamen, musste er sich gezwungenermaßen entspannen. Nicht gänzlich, aber ein wenig fiel es von ihm ab, as er merkte, dass sie abseits der gepflasterten Straßen nun zum Stehen kamen und keine Menschen Seele wirklich direkt an ihnen oder zu ihnen kommen würde. Und sie sahen alles. Das war ein guter Ausguck. Trotzdem bekam Sanchez keine Lobpreisung von ihm, sondern viel eher ihren eigenen Kaffee hingestreckt: "Nehmen Sie, verdammt noch mal. Ich bin nicht ihr Diener.", knurrte er und ignorierte jeden Blickkontakt. Seine Augen beobachteten viel lieber alles was da draußen geschah. Jeder kleine Mensch der in der Entfernug auftauchte, wieder ging oder sich sogar irgendwohin setzte, um zu Mittag zu essen. Sogar Bücher wurden gelesen.
      Yves fühlte sich unwohl draußen. Trotz des eigentlich recht kühlen angenehmen Wetters. Mit verzogener, saurer Miene nahm er den ersten Schlick und grummelte in sich hinein. Das erinnerte ihn an den Süden...da schmeckte der Kaffee genau so beschissen. Aber es war das einzige, was sie wirklich noch hätte aufmuntern können.
    • Rose

      Sie hatte ihn zum zweiten Mal ein klein wenig überlistet, aber anders war es nicht möglich den Colonel dazu zu bringen etwas auszuprobieren, ihr einfach mal zu vertrauen. Er war ein Mann, der viel durchgemacht hat und die Kontrolle einfach jemanden anderen zu überlassen lernte man zwar in der Army, als Colonel hatte man aber jedoch gewiss etwas zu sagen und das jetzt abzugeben war natürlich verständlich nicht so einfach. Letztendlich hatte Rose den Kaffee geholt, wie er es haben wollte, hatte ihn draußen warten lassen, aber sie war genauso dickköpfig wie er es war und wollte vor allem genauso sehr ihr Wort durch bringen, deshalb hatte sich die Frau ihren Patienten geschnappt und ihn trotz seiner Widerworte weiter geschoben, um ein wenig Abseits der Menschen zu kommen. Ihre Idee war eine recht simple: draußen sein, ohne im Fokus der Menschen zu stehen.. Und dort, wo er auf sie und den Kaffee gewartet hatte wären einfach viel zu viele Menschen vorbei gegangen, als das Rose es ihm hätte schmackhaft machen können. Woher ihr Gedanke kam? Es waren tatsächlich die Worte, die ihn bisher verrieten haben, kleine Signale und Ausgesprochenes, aber das würde sie erstmal noch nicht als Thema behandeln, viel wichtiger war es erstmal anzukommen und das taten die beiden auch.
      Nachdem der Rollstuhl vorerst von der Brünette festgestellt worden war, um nicht einfach zu rutschen hatte sie ihren Kaffee gegriffen, der ihr hingehalten wurde. Der mürrische Kommentar zu dem Kaffee zauberte ihr wieder einmal ein Lächeln auf die Lippen, bevor sich die Frau neben den Rollstuhl ins Gras setzte. Es war schön ruhig hier Abseits der anderen, aber dahinter steckte noch eine ganz andere Absicht.. Ihr Vater beobachtete Menschen gerne, analysierte ihr Verhalten und zog seine eigenen Schlüsse daraus, vielleicht war das eben auch so ein 'Army-Ding', wie es Rose gerne nannte, dann würde ihr Plan umso besser aufgehen. Sie hoffte auf einige ihrer Patienten, die tagsüber hier gerne einen Spaziergang machten, um frische Luft zu holen oder ihre Übungen zu machen, das Besondere daran waren aber viel mehr die Umstände, welche sie hier hielten: Fehlende Gliedmaßen, schwere Kopfverletzungen mit dem Neuerlernen des Gehens und Sprechen, schwere Traumata. Einigen konnte man es ansehen, andere wiederum hatten gelernt sich nicht verstecken zu müssen, vor allem aber ihre Prothese nicht verstecken zu müssen. Der Colonel sollte lernen, dass er nicht allein mit seinen Problemen war und das hier selbst zu entdecken war eine bessere Variante, als ihn in ein Gespräch zu stecken, da würde er mit Sicherheit nur wieder Sprüche ziehen, die von ihm ablenken sollen.
      Rose sprach nicht, sie trank nur in Ruhe ihren Kaffee, beobachtete die Menschen, ließ sich, nicht von der schlechten Laune beeinflussen, die Wort wörtlich neben ihr saß. Die schlechte Laune war zu spüren gewesen, auch ziemlich amüsant, aber letztendlich war sie sich doch auch schon gestern dessen bewusst gewesen, dass der Colonel seine Zeit brauchen wird.. Und er muss vor allem selbst auf gewisse Dinge kommen, alles andere wäre gemogelt.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."