.:: Stadt der Sünde [Lucy-chan & Fuffy]

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      Stadt der Sünde

      @Lucy-chan & @Fuffy

      Zur Vorstellung



      Dunkle Bässe pulsierten durch ihren Körper und ihr Herz schlug im Rhythmus der Musik. Es stank nach Alkohol, Schweiß, billigem Parfum und nach viel zu vielen Menschen eingepfercht auf engem Raum. Die schummrige Beleuchtung sorgte für zusätzliches Flair, welches hier und da vom grellen Neonlicht durchbrochen wurde. Unablässig Hände in der Luft, eng aneinander gepresste Körper und manch ein Pärchen verschwand in den exklusiven Logen mit den roten Samtvorhängen.
      Es machte sie krank. Der ganze Abend war reine Zeitverschwendung und genau dies hatte sie auch ihrem Boss, Chefinspektor McCrown, gesagt. Wie immer war eine lange Erläuterung gefolgt. Sie brauchten die Gunst des Stadtrates, sie waren auf die Spenden angewiesen, sie mussten dies tun… Sämtliche Worte glichen beißender Säure, welche ihre Kehle langsam hinabfloss. Ja, die Korruption, die Bestechlichkeit, die gegenseitigen Gefallen… dies alles bestimmte leider ihren Alltag als Polizistin in dieser Stadt der Sünde.
      Eigentlich sollte sie sich wichtigeren Themen widmen, wie zum Beispiel der Verbrechensaufklärung, der Aufrechterhaltung der Ordnung oder dem Kampf um die Gleichberechtigung aller Rassen, doch was tat sie stattessen an einem Donnerstagabend? Sie spielte Babysitterin für Veronica Artarro, Spross des hochangesehenen Stadtrates Miquel Artarro. Einmal im Monat verlangte es der blonden Pest nach einem Abend in einem der angesehensten und exklusivsten Clubs der ganzen Stadt. Stets verlangte sie nach Tyreen und ihr selbst blieb es bis heute ein Rätsel. Wieso musste ausgerechnet sie hier, inmitten der betrunkenen Gäste, Wache schieben, damit dem lieben Töchterchen nur ja nichts zustieß? Egal wie oft sie ihren Boss bereits danach gefragt hatte, er meinte lediglich, dass Veronica ausdrücklich sie wünschte.
      Tyreen seufzte und fuhr sich mit einer Hand durch die kurzen Haare, welche hier und da von langen Strähnen unterbrochen wurden. Als junges Mädchen hatte sie ihre schwarze, lange Haarpracht geliebt. Stundenlang hatte sie sich um die Mähne gekümmert, frisiert oder sie zu Zöpfen geflochten. Doch seit ihre Haare der Grund gewesen waren, dass sie bei einer Rangelei mit einem Verdächtigen fast den Kürzeren gezogen hätte, trug sie diese ausnahmslos kurz. Nur ein paar wilde Strähnen ließen Rückschluss auf ihre einstige Länge zu.
      „Deine Tattoos gefallen mir.“, raunte eine tiefe, männliche Stimme an ihrem rechten Ohr. Nur ihrer eisernen Kontrolle war es zu verdanken, dass sie ihre Reaktion auf diese plumpe Anmache unterdrücken konnte. Sonst läge der sichtlich angetrunkene Mann bereits wimmernd am Boden.
      „Du mir nicht.“, gab sie beißend zurück. Sie war nicht für ihre Freundlichkeit bekannt, wusste sie doch schließlich selbst, dass ihre Tätowierungen wunderschöne Kunstwerke waren. Ihr ganzer Körper wurde von ebendiesen geschmückt, selbst im Gesicht trug sie ein paar kleinere. Heute, in ein simples weißes T-Shirt und schwarzer Jeans gekleidet, sah man lediglich die schwarzen Bilder auf ihren Armen und Händen.
      „Ach, komm schon, trinke etwas mit mir. Vielleicht gefalle ich dir dann doch noch!“, versuchte es der Mann erneut. Man musste es ihm lassen, er war hartnäckig.
      Nun wandte Tyreen ihm ihre mittlerweile gefährlich blitzenden, grünen Augen zu und zog fragend eine Augenbraue hoch.
      Sie nahm ihm das dargebotene Getränk aus der Hand. Es war ein Cosmopolitan, welcher in einem hohen Stielglas serviert wurde. Sah sie denn tatsächlich so aus, als würde ihr einer dieser Girlie-Drinks schmecken? Falls sie überhaupt trank, dann waren es andere Kaliber.
      Rasch kippte sie sich das Getränk in die trockene Kehle, leerte somit das Glas auf einen Zug und sah ihn kalt an.
      „Nein, immer noch nicht. Und jetzt verpiss dich, bevor ich dir das Glas quer zwischen die Kauleiste schiebe.“ Nun, diese Drohung hatte scheinbar gesessen und der Typ zog von dannen. Endlich – Zeit, sich wieder ihrer Aufgabe zu widmen.
      Innerlich hoffte sie, dass Veronica, eine Gestaltwandlerin der Spinnen, bald des Tanzens überdrüssig sein und von ihr verlangen würde, sie nach Hause zu bringen.

      Im großen Polizeipräsidium herrschte hektische Regsamkeit an diesem Freitagmorgen. Es war nichts ungewöhnliches, denn meistens war in dieser gottverlassenen Stadt immer irgendwo ein Feuer zu bekämpfen. Doch dieses Mal fühlte es sich anders an. Ganz anders.
      Tyreens Gefühl bestätigte sich, als sie zu ihrem Chef gerufen wurde. Nach ihrem Babysitter-Dienst fehlte ihr heute deutlich der Schlaf, doch solch Kinkerlitzchen brachten sie nicht zum Schwanken. Sie war es mittlerweile gewöhnt, hart zu arbeiten.
      „Jones“, fing McCrown an „habe einen neuen Fall für dich.“ Mit diesen Worten schob er ihr die Fallakte über den großen, dunklen Holzschreibtisch. Mittlerweile waren zwar alle wichtigen Daten auch auf den Polizeirechnern in einem gesicherten Netzwerk gelagert, doch während man einen Fall bearbeitete, bevorzugten die meisten Menschen doch noch das gute, alte Papier.
      Tyreen runzelte für einen Moment die Augenbrauen. Normalerweise stritten sich die Polizeikollegen untereinander um neue Fälle und meist wurde sie bei diesen übergangen. Oft genug bekam sie zu spüren, dass sie als Frau in einem von Männern dominierten Bereich arbeitete. Warum also sie? Bisher hatte sie nur kleinere Fälle selbstständig bearbeiten dürfen und war bei Größeren immer nur helfende Hand gewesen.
      Nun doch neugierig, öffnete sie die Akte und zog scharf den Atem ein. Auf dem Bild sah man einen grausam entstellten Mann mit weit aufgerissenen, leeren Augen. Die bläuliche Hautfarbe ließ auf einen Dämon schließen und die Haltung auf einen Kampf um Leben und Tod, den er offensichtlich verloren hatte. Sein Brustkorb war gewaltsam geöffnet und das viele verteilte Blut rund um den Leichnam ließ darauf schließen, dass er währenddessen noch gelebt haben musste, denn das Blut wäre sonst geronnen und hätte sich niemals so großflächig ausbreiten können. Doch das Schlimmste war, dass etwas fehlte. Dort, wo eigentlich das Herz sitzen sollte, klaffte ein großes Loch.
      Was zum Teufel? Mit geweiteten Augen blickte sie zu ihrem Boss hoch.
      „Das ist schon krank, nicht wahr?“, fragte der ältere Mann, dessen Bart und Haare erste Anzeichen von Weiß vermuten ließen. „Du wolltest doch immer einen großen Fall. Jetzt hast du die Chance!“
      Ja, er hatte recht und doch… irgendwie fühlte es sich so an, als wäre dies nicht die ganze Wahrheit. Fast so, als wollte sich keiner in die Belange der übernatürlichen Wesen einmischen. Jetzt war deutlich eines von ihnen ermordet worden und egal wie gut die Inklusionsprogramme in manchen Bereichen funktionierten, als Mensch war man dem Übernatürlichen stets unterlegen. Selbst die wenigen Nicht-Menschen bei der Polizei wollten mit ihren magischen Artgenossen so wenig als möglich zu tun haben. Tyreen war eine der wenigen, die eine Gleichbehandlung für alle forderte.
      „Zwei Jungs haben die Leiche entdeckt und nach einer Runde Selfies und Postings auch endlich die Polizei verständigt. Dieses Foto habe ich aus einem sozialen Netzwerk. Es hat mittlerweile fast Berühmtheit erlangt, und dies innerhalb zwei Stunden.“
      „Zwei Stunden?“, wiederholte sie ungläubig und ihr Boss nickte.
      „Ja, vor zwei Stunden kam der Anruf. Die Spurensicherung ist schon dort und du solltest dich auch auf den Weg machen. Ich wollte dir lediglich persönlich diesen Fall zuweisen.“ Er musste ihren irritierten Blick missverstanden haben, denn er erklärte sich sogleich. „Keine Angst. Dies ist eine Nummer zu groß für die Polizei alleine. Es wird dir ein Partner zur Verfügung gestellt, der ein Spezialist für das Übernatürliche sein soll.“
      Sie verzog die Miene. Jedermann wusste, dass sie lieber alleine arbeitete. Partner waren stets unzuverlässig und eine herbe Enttäuschung. Doch bevor sie aufbegehren konnte, hob ihr Gegenüber gebieterisch die Hand.
      „Ich will keine Widerworte, Jones. Es ist dein erster, richtiger Fall und den hast du nicht zu vermasseln. Du arbeitest mit dem Detective zusammen und ich erwarte, dass ihr diesen Fall so rasch als möglich löst.“ McCrown seufzte und strich sich über den Bart. „Diese grausamen Bilder bringen bereits jetzt die sozialen Netzwerke zum Erbeben. Spätestens morgen weiß die ganze Stadt davon. Es ist eine Katastrophe.“
      Ja, das war es wirklich. Jedermann wusste, wie zerbrechlich der Frieden zwischen den Rassen doch war. Selbst untereinander gab es genug Feindschaft und Hass. Wenn nun der Falsche für diesen grausamen Mord beschuldigt wurde, könnte die ganze verdammte Stadt in roten Fontänen aus Blut untergehen. Und Tyreen wusste wie leicht es war, Beweise fälschen zu lassen. Ja, die ganze Stadt stank nach Korruption und Heuchelei.
      „Weißt du, wie sie ihn nennen?“, fragte ihr Chef noch, als sich Tyreen bereits erhoben hatte. Die Fallakte fest in ihrer Hand. „Den Killer oder die Killerin, meine ich.“ Sie schüttelte den Kopf mehr aus Höflichkeit.
      „Amor“ Er lachte freudlos. „Amor, der Gott der Liebe, der normal mit seinen Pfeilen die Herzen der Sterblichen für die Liebe entzündet.“
      Es war ein trauriger, ironisch-passender Name für diese Tat. „Omnia vincit Amor – Amor besiegt alles.“, murmelte Tyreen noch, ehe sie mit der Akte in der Hand auf dem Absatz kehrt machte und aus dem Büro stürmte.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Adam

      Er nahm einen tiefen Atemzug und ließ den giftigen Rauch seine Lungen füllen. Adam war sich dessen bewusst, dass Rauchen nicht gerade gesund sei, Mandy , seine Verlobte, hätte ihm schon längt die Höhle heiß gemacht, wenn sie das sehen könnte.. Aber genau da lag auch das Problem: Sie konnte es nicht mehr sehen, jedenfalls nicht so, wie man es sich wirklich vorstellte. Es war unter anderem der Grund, warum er überhaupt mit diesem Gift angefangen hatte, auch wenn es ziemlich ironisch war, wenn man mehr darüber nach dachte. Es war nicht die einzige Abhängigkeit, die der Mann entwickelt hatte, über die Jahre entdeckte er auch seine Zuneigung zum Alkohol, seine Leber war ihm dessen sicherlich überhaupt nicht dankbar, aber was interessierte ihn schon seine Leber? Was interessierte ihn schon überhaupt sein jämmerliches Leben in diesem viel zu großem Haus ganz alleine? Noch immer konnte sich der Mann nicht dazu überwinden aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen, welches ein halbes Jahr nach Mandys Tod fertig gestellt worden ist. Dafür hatten sie sich verschuldet, einen Kredit aufgenommen und alles akribisch zusammen mit der Baufirma geplant. Die meisten der Zimmer waren zwar fertig, aber nicht eingerichtet, die dafür gedachten Möbel standen in einem der Räume und warteten nur darauf ausgepackt und zusammengebaut zu werden, doch dazu wird es in diesem Leben nicht mehr kommen, dessen war sich Adam sicher. Warum er überhaupt noch lebte? Das war eine sehr gute Frage, vor allem stellte er sich diese immer und immer wieder selbst.. Aber dann betrachtete er das Bild seiner Verlobten, der Mutter seines ungeborenen Kindes und wusste sofort, warum er noch unter Lebenden hing: Rache. Viele könnten meinen er habe sich in Trauer in die Arbeit gestürzt, habe dort seine Ablenkung gesucht, was zum Teil auch wirklich stimmte, aber auch nur zum Teil, denn eigentlich wollte er nichts anderes als die Verantwortlichen zu finden.. Die finden, die ihm das Leben zu einer reinsten Hölle auf Erden gemacht haben. Er hatte nicht vor sie zu töten, das wäre viel zu banal, er wollte ihnen genau das geben, was sie ihm gegeben haben: Trauer, Wut und Kälte, denn seit dem ihm das Wichtigste aus den Händen gerissen wurde empfand der Mann nichts mehr, als bitterliche Kälte, welche sein Herz umgaben. Er lebte in einer eiskalten Welt, in einer Welt voller Hass und Wut, geprägt von seinem Wunsch nach Rache, um endlich damit abschließen zu können, was hinter ihm lag.

      Das Telefon klingelte.. Adam drehte sich um und warf damit die Flaschen auf dem Tisch um. Es klapperte und der Whiskey verteilte sich auf dem Teppich, aber das interessierte den Mann nur wenig, er wollte einfach weiter schlafen und vergessen, mit welchen Gedanken er sich gestern Abend rumschlagen musste. Das Telefon klingelte ein weiteres Mal.. Ob er gerade einen Termin verschlief? Eigentlich war für heute nichts geplant, es gab zur Zeit keine Arbeit für ihn, so lebte der Mann nur vor sich her, aber das Telefon klingelte ein weiteres Mal. "Mhmm...", er drehte sich wieder zurück und zwang sich langsam dazu die Augen zu öffnen, um sich anschließend selbst zu verfluchen, dass er vergessen hatte die Vorhänge zuzuziehen. Die Sonne strahlte ihn an, wollte ihm die positiven Aspekte des Aufstehens deutlich machen, aber das würde nicht einmal die strahlende Sonne schaffen, das würde keiner schaffen. Adam vergaß fast schon, warum er überhaupt die Augen geöffnet hatte, da klingelte das Telefon ein weiteres Mal und dieses Mal griff die Hand des Mannes nach diesem, um den grünen Knopf auf dem Display zu drücken. "Craig hier", meldete sich der Brünette, nachdem er das Telefon ans Ohr hielt, um ihm eine bekannte Stimme zu hören. "Parker hier! Ich brauche dich, ich habe einen neuen Fall!". Detective Brian Parker war einer der höheren Köpfe des Polizeidepartements der Stadt, von welchem er einige seiner Aufträge bekam. Er hatte eine tiefe, aber sehr ruhige Stimme und er sprach immer Klartext, ohne großes Durcheinander. "Mhm.. Was hast du denn für mich?", Adam räusperte sich, er hatte das Gefühl, seine Stimme würde versagen und gleichzeitig setzte er sich auf der Couch auf, auf welcher er scheinbar gestern eingeschlafen war. "Ich denke ein Dämon.. Keine Ahnung.. Zwei Jugendliche haben die Leiche gefunden und die Fotos ins Netz gestellt", sprach Parker auch schon weiter. "Sieh mal auf dein Handy". Adam bekam eine Nachricht, ein kleines Geräusch während des Telefonats verriet es ihm, und er blickte auch drauf, um den Link zu öffnen, der ihm geschickt wurde. Es lud.. Und dann erblickte der Mann auch schon seinen neusten Fall. Er verzog ein wenig das Gesicht, runzelte die Stirn, während seine Augen nach Merkmalen suchten. "Ich denke, du hast vollkommen recht", sprach er auch schon und nahm sein Handy wieder ans Ohr, plötzlich fühlte er sich so nüchtern und nicht mehr verkatert. "Schick mir die Adresse, in einer halben Stunde bin ich da". Es war, als würde die Arbeit jemanden ganz anderen in dem Mann wecken, als würde es ihm neue Energie und neue Kraft geben, die er brauchte, um sich vom Sofa zu erheben.
      "Geht klar, ich schick dir gleich alles.. Aber.. Craig?", Parker hielt kurz inne, als würde er etwas wichtiges zu sagen haben. "Ich muss dir jemanden an deine Seite stellen.. von unserer Seite aus". Adam seufzte. "Ich hasse es mit anderen zu arbeiten..",murmelte er und fuhr sich durch das Gesicht. "Ich weiß, aber du kennst doch die Vorschriften.. Sie ist noch nicht ganz erfahren, nimm sie nicht zu hart". "Eine Sie? Ah komm, Parker, das kannst du mir nicht antun". Doch, das konnte er.. und das wird er auch..

      Eine halbe Stunde später stand Adam frisch geduscht am Tatort, welcher weiträumig abgesperrt worden war. Er hatte den Geruch vom Blut in der Nase, gemischt mit etwas ganz anderem.. Es war etwas süßliches, etwas.. was wer nicht zuordnen konnte. Der Mann zündete sich eine Zigarette an, bevor er seine Marke raus holte, um den Beatmen zu zeigen, wer er war, auch wenn die meisten ihn schon kannten. Er kümmerte sich nicht sofort um die Leiche, er betrachtete lieber zum Anfang den Tatort, musterte die Blutspritzer und die anderen kleinen Zeichen, oder Beweise. Es fand ein Kampf statt, es gab Spuren von Nägeln und hier und da etwas dunkleres.. Ob der Dämon verletzt worden war? Was für ein Kampf hatte hier stattgefunden? Ein Mensch konnte sich niemals mit einem Dämon in seiner vollen Pracht anlegen. Adam zog an der Zigarette ein weiteres Mal, er blickte nach oben, ob sie gerade beobachtet wurden?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das geborgte Polizeiauto stank nach Junkfood und Tyreen rümpfte die Nase, als sie die nach unten zeigende Tanknadel sah. Sie hasste es. Sie hatte in ihren wenigen Jahren bei der Polizei noch kein eigenes Dienstauto zur Verfügung gestellt bekommen und musste immer eines der Leihautos nehmen, die in einem großen Fuhrpark zur freien Benutzung für die Mitarbeiter standen. Sie selbst war nicht die einzige, die auf diese Art der Fortbewegung zurückgreifen musste, aber sie war eine der wenigen die auch immer tankte, bevor sie das Auto zurückstellte. Sie war wirklich zu gut für diese Welt.
      Doch heute hatte sie es eilig und der Reservetank würde schon noch halten. Privat fuhr sie ein Motorrad, welches neben ihrer kleinen Wohnung über einer leerstehenden Fabrikhalle ihr einziger Besitz war. Sie liebte das Teil, konnte damit verschmelzen und die Stadt nach Belieben erkunden. Aber heute musste es offiziell sein, denn immerhin war es ihr erster, eigener Fall. Somit musste auch der Auftritt stimmen.

      Nach einer kurzen Fahrtzeit sah sie schon von weitem die abgesperrte Straße und die vielen Schaulustigen, die mit gelben Absperrbändern in Schach gehalten wurden. Überall blitzte es aufgrund der Handykameras und sie parkte ihr Auto etwas weiter weg. Grob bahnte sie sich einen Weg durch die Menge und setzte auch ihren Ellenbogen nicht sparsam ein. Wann lernten die Menschen endlich, dass sie sich verziehen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen sollten? Wohl nie.
      Als sie am Tatort ankam verlangte man natürlich nicht nach ihrer Dienstmarke. Ihre eng sitzende, schwarze Uniform verriet sie als Polizistin und außerdem kannten viele ihrer Kollegen sie. Natürlich nicht persönlich, Tyreen war kein umgänglicher Mensch. Doch eine Frau mit solch vielen Tattoos blieb nun mal im Gedächtnis, ob man nun wollte, oder nicht.
      „Was haben wir?“, fragte sie ohne Umschweife die beiden Pathologen, die bei der Leiche knieten.
      „Nun… genaueres können wir erst sagen, wenn wir ihn am Tisch haben.“, begann der Ältere der beiden. Damit meinte er, dass sie die Leiche erst in Ruhe auf ihrem Seziertisch untersuchen mussten. „Aber nach einer ersten Abschätzung würde ich sagen, dass der Tod rund 5 Stunden her ist. Es gab einen heftigen Kampf und danach…“ Er deutete auf eine unscheinbare Stelle am Hals des Opfers. „Wurde er mit etwas betäubt.“
      Ty blickte interessiert auf die Stelle und ging sogar in die Knie. Ja, beim genaueren Hinsehen konnte sie die besagte Stelle erkennen.
      „Es muss sich um irgendeine spezielle Form von Betäubungsmittel handeln, denn seine Muskeln sind ungewöhnlich steif.“
      Was mochte dies bedeuten? Sie kam nicht weiter zu fragen, denn der Pathologe schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß es wirklich noch nicht. Ich muss ihn mir in Ruhe ansehen.“
      Gut, damit hatte sich eine weitere Frage erübrigt. Der jüngere der beiden Männer notierte die ganze Zeit über Dinge und schließlich waren sie mit ihrer Erstbeschau fertig.
      Unaufhörlich klickten die hochauflösenden Kameras der Polizei um nur ja kein Detail des Tatortes zu vergessen. Tyreen erhob sich wieder und besah sich die Lage im Allgemeinen.
      Es handelte sich um eine leere Seitenstraße, das bereits auf den Fotos ersichtliche Blut war überall und doch war an der ganzen Szenerie etwas seltsam.
      Sie ging ein wenig herum, sprach mit anderen Kollegen und notierte sich Dinge in einem kleinen Notizblock. Wenn sie hier fertig wäre, dann würde sie sich an die umliegenden Geschäfte wenden. Vielleicht hatte man hier etwas mitbekommen?
      Erst als es wieder etwas lauter wurde, hob sie erneut den Blick ihrer grünen Augen. Sie stand etwas abseits und konnte einen Mann innerhalb der Absperrung sehen, der den Kopf in den Nacken gelegt hatte und nach oben blickte. Er zog an einer Zigarette, war groß und breitschultrig, mit braunen, welligen Haaren. Er hätte das Gesicht einer Reklametafel sein können und Tyreen schnaubte durch die Nase. Ja, solch Männer mit hübschem Gesicht waren ihr doch die liebsten. Sie verließen sich auf ihr Aussehen, bekamen alles was sie wollten und verarschten jede willige Frau bis aufs Letzte. Es kotzte sie an.
      Mit forschem Schritt ging sie auf den Mann zu, der ihr zweifelsohne den Fall wegnehmen wollte und damit noch höher die Karriereleiter aufsteigen wollte. Wie war er hinter die Absperrung gekommen? Ihre Kollegen hatten sicherlich soviel Grips nach seinem Ausweis zu verlangen und doch stand er hier.
      Oje, kaltes Grauen erfasste sie. Er war doch nicht derjenige, der mit ihr gemeinsam am Fall arbeiten sollte? Na das konnte er sich gleich abschminken. Sie würde sich in diesen Fall verbeißen wie eine Bulldogge und nicht mehr loslassen. Es war ihr ein Bedürfnis für Gerechtigkeit zu sorgen und der Schönling sah so aus, als wäre ihm alles egal oder dies ein weiteres Sprungbrett nach oben.
      „Was suchen Sie hier?“, fragte sie ihn sogleich und baute sich mit vor der Brust verschränkten Händen vor ihm auf. Mit ihren 174 cm war sie selbst auch keine kleine Frau und ihre Augen blitzten herausfordernd.

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    • Adam

      Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt und sich die kalte Luft mit samt des giftigen Rauches in seine Lungen gezogen, als würde ihm das die Antworten auf alles liefern. So langsam machten sich die Kopfschmerzen bemerkbar, aber nur langsam, es gab noch die Möglichkeit sie gleich mit einer Tablette wieder zu betäuben, als wären sie niemals da gewesen. Trotz des recht sonnigen Tages war es recht kühl hier, abseits der Straßen. Adam trug seine lockere schwarze Anzugshose, hatte es mit einem beigen Hemd zusammen kombiniert, immerhin musste er seriös rüber kommen und vor allem musste er den Anschein bewahren, als wäre er professionell, er besaß schon lange keine Uniform mehr, die ihn identifizieren würde. Seine Waffe steckte sicher an seinem Rücken, war bereit herausgezogen zu werden, wenn es denn nötig war, aber bisher hatte er nur selten zu einer Waffe greifen müssen, auch wenn er in der Regel nicht wirklich viel zu sagen hatte. Adam gehörte einfach mehr zu den Männern, die lieber die Taten sprechen ließen, anstatt Worte, so konnte man auch jemanden viel schneller zur Vernunft bringen, aber das auch nur seit dem er seinen Weg ganz allein beschreiten musste.
      Er hatte sich durch die Haare gefahren, wollte die Zigarette zu Ende rauchen und herausfinden, was da für ein Geruch in der Luft lag, bevor er sich der Leiche widmen würde und vielleicht einigen der Zeugen, die das hier sicherlich mitbekommen haben mussten, es musste lauter geworden sein. Doch statt seinem Vorhaben nachzugehen und den letzten Zug der Zigarette zu nehmen hörte der Mann Schritte, die auf ihn zu kamen und anschließend auch eine weibliche Stimme, die ihn ansprach und danach fragte, was er hier zu suchen hatte. Ja, Adam wirkte wirklich nicht wie einer dieser Cops hier, er kannte die Frau mit Sicherheit nicht, es war somit nicht das erste Mal, dass er so von der Seite angefahren wurde, um sich erklären zu müssen, aber der Mann war vorbereitet und so drehte er sich zu der Frau um, die wissen wollte, was er hier wollte. Seine freie Hand griff in die Hosentasche, um seine Marke heraus zu greifen und sich ausweisen zu können. "Detective Craig..", sprach der Brünette und musterte die Frau vor sich, die sich aufgebaut hatte. Eine typische Polizistin, die dachte, sie könnte sich mit den Jungs hier anlegen.. Nun, es gab viele weibliche Polizistinnen, die sehr gut waren und vor allem was drauf hatten, aber nicht jede konnte emotional auch wirklich mit halten. Doch die Tattoos.. Ja die Tattoos waren sehr interessant. "Ich werde diesen Fall hier leiten".
      Adam zog ein letztes Mal an seiner Zigarette, ehe er sie zu Boden fallen ließ und mit einem seiner Füße ausdrückte, bevor er auch seine Marke wieder versteckte, um sie nicht weiter in der Hand halten zu müssen. Er blies den Rauch nicht direkt zu der Frau aus, er drehte sich ein klein wenig zur Seite, um den Rauch raus zu lassen, ehe seine blauen Augen sie noch ein Mal musterten. "Riechen Sie das?", er deutete auf die Luft, auf diesen süßlichen Geruch in der Luft. "Ich weiß nicht, ob man das vielleicht einem Parfüm zuordnen könnte..", viele Dämonen lebten unter den Menschen, passten sich ihnen an, trugen Parfüms.. Vielleicht ein weiblicher Dämon? Egal, wer es auch sein mag, der Brünette war sich sicher denjeniegen zu schnappen, aber zunächst entfernte er sich von der Frau, um sich die Leiche anzusehen, der er bisher kaum Beachtung geschenkt hatte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Winter. Tiefer, eisiger Winter traf das Grün ihrer Augen, als der fremde Mann vor ihr ihren Blick erwiderte. Er blieb ruhig und gefasst, obwohl sie ihn mit Absicht provozierte. Statt sich aufzuregen wie viele Männer es taten, wenn sie von einer Frau zur Rede gestellt wurden, reagierte er ganz nüchtern auf ihre Frage. Er schien vom Schlag jener Personen zu sein, die tatsächlich über Selbstbewusstsein verfügten – und zwar über echtes, nicht über falsches. Entweder war er gut in seinem Job oder er tat bloß so. Tyreen würde es schon noch herausfinden.
      Mit ihren Augen folgte sie seiner Bewegung und zog die Augenbraue hoch, als er seine Marke vorwies. Detective Craig also. Ihr Bauchgefühl hatte sie nicht betrogen, er war also ihr Partner, er war der Mann, der ihr für diesen Fall zur Seite gestellt worden war. Oder eher aufgezwungen, wenn es nach Tyreen ging.
      Als er erwähnte, dass er diesen Fall leiten würde, bohrte sie unwillkürlich ihre Fingernägel in die Oberarme, denn sie hatte die Hände noch immer verschränkt. Es war ihr Fall, ihr erster eigener Fall. Sie würde ihn nicht irgendeinem Detective überlassen, nur weil er glaubte am längeren Ast zu sitzen.
      Doch bevor sie Widerworte äußern konnte, überrumpelte er sie mit der Frage nach einem Geruch. Was sollte sie riechen? Den Gestank nach Müll, Blut und Fäkalien, den diese Stadt aus jeder Pore verströmte? Ja, den roch sie allemal. Doch er meinte etwas anderes und sprach von einem Parfum.
      Bevor sie ihm antworten oder sein Selbstbild zurechtrücken konnte, entfernte er sich von ihr um zur Leiche zu gehen. Innerlich tobte sie. Wie konnte er es wagen ihr den Fall wegnehmen zu wollen und dann einfach zu gehen und sie hier stehen zu lassen? Sie schnaubte abermals durch die Nase und folgte ihm widerwillig. Unauffällig zog sie die Luft tief ein doch… nichts, sie roch nichts. Hatte er eine derart feine Nase oder bildete er sich den Duft nach Parfum ein?
      „Nur um das klarzustellen“, fing sie erneut an, als sie sich wieder neben ihm befand. „mein Name ist Tyreen Jones und ICH leite den Fall.“ Es stimmte nicht ganz, denn McCrown hatte gesagt sie beide sollten Partner sein. Doch sie konnte ihm allemal auch seine Grenzen aufzeigen, so wie er es bei ihr machen wollte.
      „Und ich rieche nichts. Könnten Sie also den Geruch präzisieren? Oder ist dieser lediglich ein Hirngespinst?“ Ihr Tonfall war unfreundlich und scharf, lauernd ob er einen Fehler machen würde. Sie selbst war zwar auch noch ein wenig grün hinter den Ohren, doch die beste Strategie war doch der Angriff, oder?
      Außerdem legte sie es mit ihrer Art auf alle Fälle darauf an, dass er einknicken würde oder es ihm zu blöd würde. So hatte sie bisher noch jeden potentiellen Partner – egal ob auf beruflicher oder privater Ebene – erfolgreich in die Flucht geschlagen.

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    • Adam

      Er war in seinem Element, wenn er in einer Ermittlung mit dabei war, jetzt ganz egal, ob als Leiter, oder nur als eine beratende Kraft, aber es befreite seinen Kopf und gab ihm das Gefühl, alles sei wie früher, bis er durch die Haustür seines Hauses ging, denn ab da kamen die Erinnerungen wieder, die ihn immer und immer wieder plagten. Er hatte es aber auch nicht böse gemeint, als Adam sich auswies und letztendlich zu der Leiche schritt, um sich diese anzusehen. Zunächst blieb es jedoch vor ihr stehen, musterte die weit aufgerissenen Augen und die Angst, die der Leiche ins Gesicht geschrieben stand. Es war wohl brutal gewesen, ihr wurde das Herz gestohlen und noch dazu die Seele, so wie es aussah. Grausam, aber nicht grausam genug, als das Adam nicht Interesse an der Leiche hätte, zu welcher er sich eigentlich auch runter knien wollte, doch die weibliche Stimme, die ihn vorhin angefahren hatte, was er denn hier zu suchen hatte sprach ihn wieder einmal an. Sie wollte etwas klar stellen, wollte deutlich machen, dass sie den Fall leitete, entweder war da jemand scharf die Karriereleiter hoch zu klettern, oder aber es war der Neuling, von dem Parker am Telefon gesprochen hatte. "Hören Sie, Ma'am", der Brünette seufzte und widmete sich seinen Augen der Frau neben sich. "Ich wurde heute angerufen und hier her zittiert, um diesen Fall zu übernehmen.. Fahren Sie doch einfach ein wenig runter.. Es wird Sie nicht weit bringen, wenn Sie sich schon über Kleinigkeiten so aufregen". Es musste definitiv die Frau sein, von der gesprochen worden war, ein Wunder, dass Adam da noch diplomatisch bleiben konnte, aber noch war seine Grenze nicht erreicht, er war noch nicht dezent genervt, lediglich ein wenig amüsiert über diese Show hier.
      "Ich weiß nicht, wie viele Erfahrungen Sie schon haben, aber sich hier jetzt darum zu streiten wer die Leitung hat wird weder Sie, noch mich hier in diesem Fall weiter bringen".
      Okay, das war selbst für den Mann sehr überraschend, aber vielleicht hatte der Fall doch die gute Laune wieder zurück gebracht, mal sehen wie lange noch.. Adam beugte sich runter zu der Leiche, ging in die Knie, um sich die blasse, klamme Haut dieser anzusehen. Die Pathologen hatten sicherlich noch nichts gehabt, jedenfalls nichts relevantes, aber Adam suchte eher nach den typischen Anzeichen eines Dämons. Ob es sich bei der Leiche um einen Menschen handelte? Die Frau sprach wieder, sie sprach diesen Geruch an, den sie nicht riechen konnte. Der Mann seufzte, das wird eine wirklich harte Geburt werden, aber diesen Geruch bildete er sich nicht ein. "Schließen Sie einfach die Augen und lassen sie ihre Nase riechen, nicht ihr Hirn denken, was sie riechen sollen", jetzt war er in seinem Tonfall ein wenig härter, aber ein Detective mit solcher Erfahrung, wie er sie vorweisen konnte, musste sich nicht von jemanden dieser Stellung so anfahren lassen, vielleicht sollte er es mit Parker noch einmal ansprechen, dass er Neulinge sicherlich nicht leiten wird, dafür hatte er keinen Nerv. "Es ist ein süßlicher Geruch unter diesem Gestank hier.. Etwas, was definitiv nicht rein passt". Er schüttelte ein wenig den Kopf und griff zu Handschuhen, die er in seiner Hosentasche mit hatte, um die Leiche anfassen zu können. Nachdem sie angezogen waren berührte Adam auch schon die Leiche, er fing mit der bloßen Haut an, wollte fühlen wie kalt sie war, die Kleidung ein wenig zurück ziehen, um nach Merkmalen zu sehen. Hier und da gab es Flecke, sie waren bläulich, kamen vielleicht von dem Kampf.. Dann die Einstichstelle am Hals.. Medikamente? Oder doch vielleicht noch was anderes?
      Der Brünette blickte hoch, um nach dem Pathologen zu sehen, der nur darauf wartete die Leiche verpacken zu können. "Ich würde mir gerne die Leiche nachher ansehen, wenn Sie fertig sind".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er sprach sie mit Ma’am an. Sah sie wirklich so alt aus? Nun, wenn Tyreen Wert auf ihr Äußeres gelegt hätte, wäre sie nun vermutlich beleidigt. Doch ihr war ihr Aussehen – bis auf die Tattoos – egal und somit wischte sie innerlich diesen Einwand vom Tisch.
      Detective Craig erklärte ihr, dass er hierher zitiert wurde, um diesen Fall zu übernehmen und sie wieder ein wenig runterfahren wollte. Nun, ob es schon jemals geklappt hatte, jemanden zu beruhigen, indem man ihm sagte, er solle sich beruhigen? Sie glaubte nicht.
      Doch Tyreen war ganz ruhig. Sie hatte mit scharfer Stimme gesprochen, natürlich, doch sie war es gewohnt mit solch einer Befehlsgewalten Stimme zu sprechen, immerhin musste sie täglich Zivilisten anweisen etwas zu tun oder zu lassen. Wenn sie richtig aufdrehen würde, dann würde es dieser Detective schon merken.
      Er maßregelte sie, dass sie mit Streitereien im Fall nicht weiterkamen. Er hatte keine Ahnung wie oft sie sich auf einen Fall konzentrieren wollte, der ihr wieder einmal von einem Kollegen weggeschnappt worden war. Wenn sie sich nicht gleich auf die Füße stellte und ihre Position klar machte, dann würde ihr auch dieser Fall wieder durch die Lappen gehen. Sie hatte es viel zu oft erlebt. Die Männer waren stärker, die Männer waren in dominanterne Positionen, sie hatten das sagen.
      Kurz zogen Erinnerungen ihrer Kindheit an ihrem inneren Auge vorbei, die sie mit Gewalt wieder in die Kiste in ihrem Kopf zurückdrängte, aus der sie entflohen waren.
      Ty ging nun selbst wieder in die Knie. Sie beschloss ihren Einwand zur Leitung des Falles einstweilen beiseite zu stellen. Doch wenn er sich nochmal aufspielte, würde sie sich ihm entgegenstellen. Egal wie groß und stark er auch aussah.
      Widerwillig tat sie, wie geheißen und schloss die Augen. Wenn sie sich ganz klar konzentrierte, konnte sie tatsächlich einen süßlichen Geruch wahrnehmen. Wie hatte er dies so einfach erkennen können? Tyreen rauchte nicht und hielt sich weitgehend körperlich fit, ihr Geruchssinn war sicherlich nicht durch irgendetwas beeinträchtigt und doch hatte sie das vermeintliche Parfum erst jetzt riechen können. Was war er? Ein Hund?
      Sie öffnete wieder die Augen und beobachtete, wie Craig den Leichnam anfasste. Er schien ihn genau absuchen zu wollen und sie deutete mit den Fingern auf die Einstichstelle am Hals.
      „Laut Pathologen könnte dieser Stich relevant sein. Die Muskeln scheinen ungewöhnlich steif zu sein. Ich tippe auf eine lähmende Substanz.“, schlussfolgerte sie. Sie wollte ein klein wenig das Wissen teilen, welches sie bis jetzt schon erlangt hatte. Es war ein kleiner Vertrauensvorschuss, mal sehen ob er dies alles gleich für seine persönlichen Zwecke nützen würde oder doch mit ihr zusammenarbeiten würde.
      „Wenn Ihr besagter süßer Geruch zu einer Frau gehört, dann hätte sie mit einem gelähmten Opfer leichtes Spiel gehabt.“, sprach Tyreen weiter und ließ den Detective nicht aus den Augen.
      Plötzlich wurden sie von einem Streifenpolizisten unterbrochen, der eilig auf sie zulief. „Jones, die Ergebnisse der Fingerabdrücke sind da. Es handelt sich hier um Mihail Branner, er ist wegen eines kleinen Ladendiebstahls vorbestraft.“ Aha, deshalb hatte die Polizeidatenbank also seine Fingerabdrücke gehabt. „Er war ein niederer Dämon und außer diesem Diebstahl vor zwei Jahren unauffällig gewesen.“
      Tyreen nickte. „Geben Sie mir bitte die Adresse seines Wohnortes. Ich werde mich dort umsehen.“ Ob der Detective mitkommen würde oder nicht, überließ sie gänzlich ihm. Sie brauchte keinen Partner, noch wollte sie einen.

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    • Adam

      Er hatte sie nicht für alt gehalten.. Adam hatte einfach nur sehr wenig näheren Kontakt zu seinen Mitmenschen, hatte es fast schon verlernt, wie man sich richtig verhielt, um niemanden zu verletzen oder zu kränken, aber gut, er konnte auch nicht wissen, dass man ihm diese Ansprache vielleicht hätte übel nehmen können. Er hatte auch nicht wirklich darüber nachgedacht, als er davon gesprochen hatte die Frau sollte sich etwas beruhigen, ein wenig eingerostet war der Brünette einfach, aber konnte man es ihm übel nehmen, wenn man ehrlich war? Eigentlich nicht, immerhin wollte er einfach Stress vermeiden und wollte sich nicht mit der Dame anlegen, um nicht gleich noch mit ihrem Vorgesetzten diskutieren zu müssen, es war einfach alles Taktik, auch wenn sehr unbewusst. Letztendlich gab es dazu aber keinerlei Reaktion, die Frau hatte sich ihn zu der Leiche bewegen lassen und ihn in Ruhe schauen lassen, während Adam versuchte auf den ersten Blick etwas zu erkennen.
      Relativ schnell wurde auch wieder mit ihm gesprochen, dieses Mal deutlich ruhiger und die Frau an seiner Seite verriet ihm den kleinen Einstich am Hals, der ihm zwar aufgefallen, aber nicht wirklich wichtig erschien. Sie sprach von einer lähmenden Substanz, da musste der Mann ein wenig die Stirn runzeln. "Nun, lähmende Substanzen machen aber eigentlich nicht steif", schlussfolgerte er aus seiner Erfahrung heraus und blickte noch einmal zu dem Einstich. "Sollte sich bei dem Täter um einen Dämon halten könnte es ganz natürlich sein, dass die Muskeln steif sind, wenn er die Seele gestohlen hat". Wie oft hatte er doch sich belesen, die Wesen studiert, die er verfolgte.. Er wusste so viel darüber, wie selten jemand anderes, er würde sich als ein Fachmann bezeichnen, aber eher weniger als ein Profi, dafür fehlten ihn noch Jahre, denn jedes dieser Wesen war einfach so speziell. "Aber das müssen wir auf jeden Fall prüfen". Adam benutzte unabsichtlich das Wort 'Wir', stellte jedoch fest, dass es vielleicht besser war, wenn er es so sagte, denn immerhin sollte er mit dieser Frau zusammen arbeiten, ob er wollte, oder nicht.
      Sie sprach weiter, sprach von dem süßlichen Geruch, hatte sie ihn nun selbst gerochen? Über ihren Einwand musste er jedoch nachdenken, seufzte ein wenig und ließ den Kopf hängen, er musste nachdenken. "Eigentlich.. könnte nicht einmal ich mich mit einem ausgewachsenem Dämon anlegen.. Die sind stärker, als sie aussehen und kennen oft Rituale, die ihre Kräfte noch deutlich stärken.. Aber die weiblichen Dämonen sind eigentlich nicht sehr aggressiv gegenüber Menschen.. vor allem sind sie aber genauso stark, sie bräuchte somit kein gelähmtes Opfer.. Aber.. vielleicht war es auch kein Dämon". Adam blickte auf, um zu der Frau zu sehen, die ihn scheinbar nicht aus den Augen lassen wollte. Sie konnten jedoch nicht wirklich weiter sprechen, denn es hatte sich jemand gemeldet, der von FIngerabdrücken sprach und von jemanden, der mit diesen identifiziert werden konnte. Es ging alles ganz schnell, Jones wollte die Adresse haben, um sich dort umzusehen, das war doch die perfekte Gelegenheit mal die Zusammenarbeit zu testen. "Wir nehmen meinen Wagen", Adam deutete auf den schwarzen Audi in mitten der Polizeiwagen, der definitiv nicht so aussah, als würde er einem Cop gehören. "Damit erregen wir keine Aufmerksamkeit", jedenfalls weniger, als mit einem Polizeiauto.. Und je nachdem, in welcher Gegend sich der Identifizierte aufhielt konnte es nur positiv für beide ausgehen, wenn sie unauffällig bleiben.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Interessant. Höchst interessant. Tyreen zückte ihr Notizbuch und notierte sich die Sache mit dem Diebstahl der Seele. Solch einen Aspekt hatte sie gar nicht bedacht. Ob dies wirklich sein konnte? Wurde der Körper steif, wenn die Seele fehlte? Sie konnte sich in solch Dinge schlecht hineinversetzen und das war wohl ihre größte Schwäche. Sie kämpfte zwar für Gleichberechtigung aller Rassen, doch viele hatten Vorbehalte gegenüber Menschen. Sie ließen sie nicht nahe genug heran, um sie wirklich zu verstehen.
      Mit neu gewonnener Neugierde besah sie Craig, von dem sie nicht einmal den Vornamen kannte. Sie würde ihn durchleuchten, so viel stand fest. Alles, was sie über ihn herausfinden konnte, würde sie herausfinden.
      Sie hörte auf als ihr Gegenüber dann das Plural verwendete. Sie sollten gemeinsam die Sache mit dem Einstich überprüfen. Nun, es gefiel ihr immer noch nicht, doch ein „wir“ war bedeutend besser als seine Aussage vorhin. Sie nickte kurz steif.
      Dann wandten sie sich dem Thema des Geruchs zu. Sie hörte gespannt zu und nickte zwischen drinnen. Ja, das, was er sagte, ergab Sinn. Sämtliche übernatürliche Wesen waren den Menschen um ein Vielfaches überlegen, zumindest in körperlicher Hinsicht. Doch als Craig erwähnte, dass „nicht einmal er sich mit ihnen anlegen würde“, stutzte sie erneut. Etwas an dieser Aussage irritierte sie nochmals und sie beschloss mehr denn je, seinen Hintergrund zu recherchieren. Genauso, wie er den ihren wohl durchleuchten würde. Und sie hatte keinen Zweifel, dass er mit seinem Rang in ihren Akten wühlen konnte.
      Tyreen war nun aufgestanden um sich erneut einen der Polizeiwagen auszuborgen, doch dann mischte sich Craig ein. Er beschloss einfach, dass sie seinen Wagen nehmen sollten. Sie ballte die Hände zur Faust, sodass sich ihre kurz geschnittenen Fingernägel als Halbmonde in ihre Handballen bohrten. Wollte er sie provozieren? Sie weiter in die Ecke drängen und über sie bestimmen?
      Doch sie schluckte ihre Irrationalität hinunter. Hier war kein Platz für Alphaspielchen und er hatte recht, mit seinem schwarzen Wagen würden sie weniger auffallen.
      Sie deutete dem jungen Streifenpolizisten zu. „Ruf mich an, falls es etwas neues gibt.“, damit ging sie an dem Polizisten vorbei und steuerte den schwarzen Wagen an. Zu gerne würde sie selbst fahren, doch das würde er wohl kaum zulassen.
      „Hillsstreet 13a, im Westviertel.“, rief sie ihm die Adresse zu. Es war eine heruntergekommene Gegend, dort wären sie wirklich mit einem Polizeiauto zu sehr aufgefallen.

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    • Adam

      Er hatte gar nicht gewollt sie zu provozieren, oder irgendwie zu verletzen, gar den Mann raushängen zu lassen, es ging lediglich nur um die Tatsache, dass ein Polizeiwagen mit Aufklebern und einem Stadtkennzeichen überall auffallen wird und wenn die beiden nicht bei allen auffallen wollten mussten sie sich auch dementsprechend bewegen und verhalten. Fahren würde er die Frau dennoch nicht, der Audi war sein kleines Baby, es war sein Wagen und vor allem sein Schmuckstück, welches er damals zusammen mit seiner Verlobten gekauft hatte. Dabei dachte Adam nicht, dass die Polizistin kein Auto führen konnte, er war einfach eigen, was das anging und da konnte sich auch keiner gegen ihn stellen, das war einfach unmöglich und man wollte ihn nicht wütend machen.
      Kaum hatte er gesagt gehabt, dass sie seinen Wagen nehmen werden schon bewegte sich der Mann auch auf diesen zu und nahm seine Schlüssel aus der Hosentasche heraus, um den Wagen zu entsichern und damit den beiden die Möglichkeit zu geben einzusteigen. Bewusst steuerte er den Fahrersitz an, stieg herein und schnallte sich an, die Adresse wurde ihm auf dem Weg zum Auto zugerufen, er wusste direkt, wo er hin musste. Die Hillstreet gehörte zu dem heruntergekommenen Teil der Stadt, in welcher sich viele andere Wesen aufhielten und dort Schutz und Unterschlupf suchten. Wenn man als Nicht-Mensch nicht groß raus kam musste man sich in der Regel dort etwas zum Wohnen suchen, wenige Menschen wollten die Wesen unter sich haben, sie hatten Angst und Sorge, fürchteten sich vor denen und nur die, die den Menschen zum verwechseln ähnlich aussahen, schafften es sich auch unter sie zu mischen. Einige verrieten sich durch die Sprache, andere schafften es nicht ihr Aussehen anzupassen und viele wollten es auch gar nicht, sie wollten sie selbst bleiben und so akzeptiert werden. Adam hatte grundsätzlich kein Problem damit alle zu akzeptieren, oder auch alle gleich zu hassen, denn wenn er ehrlich war, viel Liebe für die Menschen und generell die Wesen hatte er nicht übrig, er war verbittert und wollte nichts anderes, als eine Rache, nach der er sich sehnte. Aber sonst war es ihm relativ egal, wen er da vor sich hatte, letztendlich waren sie alle genauso schrecklich, wie es der Rest war, da war es wirklich nicht wichtig, ob es nun ein Mensch oder ein anderes Wesen war.
      Die Fahr dauerte nicht lange, aber Adam fuhr auch relativ entspannt, er wollte nicht auffallen, wollte so tun, als würde er ganz zufällig in diese Gegend gefahren sein, um etwas zu erledigen. "Die Uniform könnte uns verraten", murmelte er am Steuer, als er sich aus dem Augenwinkel bewusst wurde, dass die Frau auf der Beifahrerseite als Polizistin zu erkennen war. "Aber wir können jetzt auch nichts tun.. Wir müssen nur achtsam sein". Die Gegend war dafür bekannt, dass Polizisten nicht willkommen waren, vor allem nicht, wenn sie so einfach zu erkennen waren. Das größte Problem könnte vielleicht der Temperament der Frau sein, welchen er bisher schon kennen lernen durfte, sie durfte bloß nicht zu schnell an die Decke gehen, denn hier würden sie in der Unterzahl sein und keinerlei Chance haben. Adam parkte den Wagen vor der Nummer 13 am Straßenrand und blickte zu den Hochhäusern, die sich vor ihnen erstreckten. "Und nicht zu voreilig an die Decke gehen". Damit meinte er definitiv ihren Auftritt vorhin, als sie ihn gesehen und so ins Kreuzverhör genommen jhatte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der große Mann bewegte sich natürlich auf den Fahrersitz zu und Tyreen setzte sich artig auf den Beifahrersitz. Das schwarze Leder im Inneren schmiegte sich an ihren Körper und die Armaturen waren auf Hochglanz poliert. Es war ein schöner Wagen und Ty schloss daraus, dass sich Craig liebevoll darum kümmerte.
      Die Fahrt selbst dauerte nicht lange und Ty kam leider nicht umhin den eleganten Fahrstil des Detectives zu bewundern. Er hatte sich elegant in den mörderischen Verkehr eingefädelt und nicht die kleinste Unsicherheit gezeigt.
      Als sie jedoch immer weiter in die Unterschicht der Stadt vordrangen, wurde auch der Verkehr zunehmend weniger. Hier konnten sich selten die Bewohner Autos leisten und wenn hier jemand entlang fuhr, dann war es entweder die Polizei oder Gangs, die ihre Drogen verkauften.
      In die Stille der Fahrt hinein sprach ihr neuer Partner dann auch die Uniform an. Mist, an das hatte sie gar nicht gedacht. Wie hatte sie solch einen Anfähngerfehler begehen können? Verdammt, verdammt, verdammt.
      Vermutlich hätte man Tyreen an der strammen Körperhaltung auch so als Polizistin erkannt, doch sie hätte sich verstellen können. Mit der Uniform allerdings…
      Kurz entschlossen entledigte sie sich ihrer Polizeibluse. Der Stoff war hart und rau, daher trug sie meist ein enges Top darunter. Dies tat sie keinesfalls weil sie eine samtige Haut wollte, sondern schlicht, weil sie ihre Tattoos liebte und diese somit nicht so schnell ausblichen und nachgestochen werden mussten. Das Top saß tatsächlich knapp und gewährte einen großzügigen Ausblick auf ihre zahlreichen Körperkunstwerke. So würde gewiss niemand eine Polizistin einschätzen und die Hose war Gott sei Dank neutral und dunkel gehalten. Es machte ihr überhaupt nichts sich vor Craig auszuziehen, schließlich war sie den Umgang mit Männern gewöhnt und dank ihrer Tattoos fühlte sie sich ohnehin nie gänzlich nackt.
      Sie parkten nun und vor ihnen taten sich hässliche Hochhäuser auf. Die Fassaden waren schmutzig und mit Graffiti beschmiert, davor lungerten ein paar unheimliche Typen herum. Irgendwo bellte ein Hund und ein Baby schrie. Nette Umgebung.
      Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Detective zu und lächelte ein wenig verbissen. Ja, es stimmte, sie hatte sich heute nicht unter Kontrolle. Es war ihr erster Fall, es ging um einen schrecklichen Mord an einem übernatürlichen Wesen und sie mochte keinen Partner. Doch dies alles hatte hier nichts zu suchen. Sie wollte professionell sein und ihre Arbeit als Polizistin gut machen. Sie musste leider zugeben, dass er Recht hatte. Normalerweise war sie zu pragmatisch um ihren Emotionen derart nachzugeben, doch heute spielte wahrlich alles zusammen.
      Ihre Pistole versteckte sie in einen Knöchelholster und sie hoffte, sie würde nun weniger wie eine Polizistin aussehen.
      „Suchen wir eine gemeinsame Wohnung?“, fragte sie ohne auf seinen Kommentar einzugehen. Sie könnten so tun, als hätten sie das teure Auto gestohlen und würden sich hier für eine Wohnung umsehen. Sie selbst sah immerhin so aus als würde sie ebenfalls ins Ghetto gehören – zumindest fühlte sie sich selbst so.
      Meist erfuhr man von Tratsch und Klatsch mehr, als wenn man gezielt Fragen stellte. Craig war sicherlich klug genug, um ihren Plan dahinter zu verstehen.

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    • Adam

      Er hatte die Uniform angesprochen, welche die Frau auf dem Beifahrersitz trug und sich so deutlich als Polizistin kennzeichnete. Es war nicht so, als würde die Uniform an ihr nicht gut aussehen, aber sie fiel auf und das vor allem in der Gegend, in welche sie hin fuhren. Nun, Adam hätte nicht gedacht, dass sich seine neu gewonnene Partnerin wirklich dazu entschließen würde ihr Oberteil auszuziehen und damit ein Top zu präsentieren, welches darunter zu sehen war, sie präsentierte damit auch die Kunst auf ihrem Körper, bei der der Detective ein zweites Mal aus dem Augenwinkel zu ihr sehen musste. Er war kein Gegner der Körperkunst, auch wenn seine Haut nichts großartiges zierte, er war nur sehr überrascht, wie viel es tatsächlich bei der Frau neben ihm war, aber er kommentierte es nicht, sondern fuhr den Wagen sicher weiter. So würden sie definitiv nicht auffallen, jedenfalls nicht, weil er eine Polizistin dabei hatte, lediglich auf die Tattoos würden alle sehen, aber wer war in dieser Gegend hier nicht tätowiert?
      Der Wagen hielt vor der gewünschten Nummer, um sich die Wohngegend anzusehen, in der sicherlich weder die Frau noch er selbst gerne wohnen würde, wenn er ehrlich wäre. Es gab einiges zu hören, was es in vielleicht normalen Gegenden nicht gab, aber es gab schließlich Gründe, warum die Menschen und die Wesen hier so waren, die musste man auch mit Sicherheit nicht hinterfragen. Stattdessen hinterfragte der Mann die Idee, die sie Frau mit sich brachte.. Wohnung ansehen.. Es war nicht schlecht, aber in dieser Gegend sah man sich nicht die Gegend an, um eine Wohnung zu finden, hier nahm man das, was kam. "Ich befürchte, es könnte uns nicht weiter bringen", sprach der Mann und nahm den Sonnenschutz vor ihm runter, um in den kleinen Spiegel zu sehen. Er wuschelte durch seine Haare. "Wir sehen nicht aus wie das Traumpaar.. Aber wir könnten auf der Suche nach jemandem sein", sprach er weiter, während sich Adam die obersten zwei Knöpfe seines Hemdes öffnete. Er musste ein klein wenig aussehen, wie es die Typen hier oft taten, dabei blitzte eine Kette auf, mit einem Ehering gleich angehangen dabei, ein ähnlicher war auf dem Ringfinger der linken Hand zu sehen, er konnte sich einfach nicht von seiner Verlobten trennen, aber warum man dann die Ringe nahm, die für die Hochzeit vorgesehen waren, die nie stattfand.. Dessen war sich der Mann selbst nicht sicher.
      "Wir könnten uns als Söldner ausgeben.. Suchen nach dem Typen da, weil er jemandem Geld schuldet, wie es eigentlich alle hier tun, außer denen, den Geld geschuldet wird", der Mann blickte zu seiner Partnerin. "So sehen wir eher aus, als ein Pärchen, welches glücklich zusammen hier eine Wohnung sucht.. Das Auto ist finanziert von unserem Boss und wenn wir den Kerl nicht finden, wird es Probleme für ihn und für uns geben..".
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    • Aufmerksam sah sich Tyreen um und zog ein wenig die Schultern hoch. Es war eine gefährliche Gegend und wenn sich ein Cop alleine hierher traute, dann war er meist seines Lebens überdrüssig. Doch Ty hing an ihrem Leben und war insgeheim jetzt im Moment doch ein wenig froh, hier nicht alleine sein zu müssen. Zugeben würde sie dies freilich nie.
      Sie beobachtete wie sich nun auch ihr neuer Partner etwas der Umgebung anpasste, seine Haare unordentlich richtete und auch ein Hemd ein wenig aufknöpfte. Ja, nun würde er als Prolet durchgehen. Unwillkürlich fiel ihr Blick auf eine Kette, welche einen Ring zierte. Gedanklich vermerkte sie sich diese Besonderheit und würde bei der nachträglichen Recherche über ihn darauf ein wenig ein Auge werfen. Doch nun gab es wichtigeres.
      Sie stiegen beide aus und Ty schuldete dem Mann noch eine Antwort. Sie blickte auf und ging schließlich um den Wagen herum auf ihn zu. Er war groß und wieder war sie erleichtert, selbst auch nicht so klein geraten zu sein. Sonst hätte sie beim Hochsehen ihren Kopf in den Nacken legen müssen und so musste sie nur ein wenig den Blick heben.
      „Die Idee mit den Söldnern ist gut.“, sprach sie leise, damit sie niemand hören konnte. Es war eine durchaus glaubhafte Geschichte und es kam in dieser Gegend sicher häufig vor, dass Personen von Schlägern im Auftrag ihrer Bosse gesucht wurden.
      „Die knallharte Söldnerin nimmt man mir eher ab, als deine Frau zu sein.“, entschied sie dann auch und ein kühles Grinsen zierte ihr Gesicht. Sie hatte es nicht so mit Partnerschaften. Die Männer hatten meist einfach Angst vor ihr.
      „Dann wollen wir mal… Partner.“ Das letzte Wort hatte sie ein wenig bissig betont, doch sie würde sich am Riemen reißen. Sie wollte diese Sache hier nicht versemmeln.
      Dann stieg sie die Stufen hoch zum Wohnhaus und noch ehe sie willkürlich an verschiedenen Türglocken läuten konnte, kam ihnen ein Haufen Kinder entgegen, sodass sie unbemerkt in das Wohnhaus schlüpfen konnten. Nun konnten sie sich zuerst Zutritt zur Wohnung des Opfers verschaffen um sich ein wenig umzusehen. Danach könnten sie die Nachbarn befragen. Schlussendlich würde ohnehin die Polizei hier auftauchen und die Wohnung sperren um sie gründlich zu durchsuchen. Doch die beiden wollten vorab die Chance haben selbst etwas herauszufinden. Schließlich waren es Erfahrungswerte, dass Nachbarn und Co. nicht gerne plauderten, wenn die Polizei schon im Haus war. Sie hatten somit ein paar Stunden Vorsprung, bevor die Exekutive hier auftauchen würde.
      "Ladies first.", sagte Tyreen und deutete auf die Treppen des Wohnhauses um den Mann vorzulassen. Lift schien es keinen zu geben.

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    • Adam

      Er hatte sich die Haare gewuschelt und das Hemd geöffnet, damit passte er sich schon der Menge hier an, die vermutlich aufzufinden war, aber Adam war schon oft genug in dieser Gegend, um sich sicher genug mit dem zu fühlen, wie er aussah. Er konnte diese Rolle spielen, hatte schon das ein oder andere Mal Informationen hier besorgt, aber letztendlich war jedes Mal hier eine Herausforderung aufs Neue, denn nicht immer ging es gut und man musste schon die richtigen Leute und den richtigen Moment treffen, sonst konnte man auch gleich wieder fahren. Die beiden waren damit gut vorbereitet, sie stiegen aus dem Wagen heraus und erst, als die Frau wieder mit dem Detektive sprach fiel ihm auf, dass er keine Antwort zu seiner Erläuterung bekommen hatte. Doch die Idee schien gut zu sein, er hatte das Richtige getroffen, da nickte er, um sich selbst zu bestätigen, dass es wirklich gut war. Die Frau sprach jedoch weiter und sprach einen Punkt an, von dem Adam nicht geglaubt hätte, dass es ihm so sehr treffen würde. Es war vermutlich das Wort 'Freu' das Problem, oder eher der Ausdruck 'seine Frau', welches er doch schon Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte.. Damals, als er angerufen worden war, um zu erfahren, dass er ins Krankenhaus eilen musste, weil seine Frau schwer verletzt war.. Damals, als alle ihm Beileid bekundet haben, weil er seine Frau noch vor der Hochzeit und vor der Geburt beerdigen musste.. Es waren harte Erinnerungen, die ihn für einen Moment einfach nur zu den Gebäuden haben aufsehen lassen. Er war in Gedanken, das konnte man ihm sicherlich nicht übel nehmen, vielleicht überdachte er ja gerade den Plan, man musste ja nicht sofort davon ausgehen, dass es so etwas dramatisches ist.
      Erst, als seine neue Partnerin ihn mit 'Partner' ansprach, vor allem andeutete, dass sie beide mal los könnten riss er sich wieder aus seinen Gedanken heraus und vor allem zusammen, um zu ihr zu sehen und einfach nur zu nicken. Das war echt merkwürdig, solche Rückfälle plagten ihn eigentlich nicht, jedenfalls nicht während der Arbeit, eher nach der Arbeit, wenn er wieder zu dem großen, leeren Haus zurückkehrte.. Aber das war ein anderer Gedanke, dashalb entschied sich der Mann dazu seiner neuen Partnerin einfach zu folgen, die die Hausnummer ansteuerte, die die beiden eigentlich suchten. Sie öffnete die Tür, die ihnen die herauslaufenden Kinder geöffnet hatten und wollte Adam vor lassen, der kein Problem damit hatte, dass er kurzzeitig als Frau abgestempelt worden ist. Wenn seine neue Partnerin es so wollte, dann würde er vor laufen, aber wie hieß sie eigentlich nochmal? Er hatte sich den Namen nicht gemerkt, hatte sie sich überhaupt vorgestellt?
      Der Brünette betrat den Hausflur und blickte sich sofort um, wie es auch ein neugieriger Söldner machen würde, der nach seinem Auftrag suchte. Es war leer, jedenfalls auf den ersten Blick, in den Ecken gab es ein wenig Müll und Musik drang aus Boxen bis nach unten durch. Hier wollte Adam sicherlich nicht leben, was aber nicht weiter schlimm war, stattdessen sah er sich die ersten Namen auf den Türen an, auf einigen klebten welche, auf anderen nicht. Mit einer kleinen Idee im Kopf blickte er zu seiner neuen Partnerin zurück. "Ich würde sagen, wir klingeln und fragen aus, hm? Und ich denke, eine sichtbare Waffe könnte hier einige zum Reden bringen". Die Bösen, für welche sich die beiden ausgeben würden es doch selbst nicht anders machen, oder nicht? "Steck deine Waffe mal halb sichtbar an den Rücken", er hatte einfach eine Idee! "Ich klopfe und wenn die nicht reden wollen, bedrohst du sie einfach ein wenig mehr".
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    • Er hatte etwas gezögert, ehe er durch die aufgehaltene Tür gegangen war. Was ihm wohl durch den Kopf gegangen war? Er würde mit Tyreen sicherlich nicht darüber sprechen, dafür kannten sie sich einerseits zu wenig und andererseits war sie zu unfreundlich zu ihm gewesen. Doch es interessierte sie nur mittelmäßig, schließlich waren sie keine Freunde, sondern neue Partner, die lediglich auf beruflicher Ebene zusammenarbeiten mussten. Und trotzdem interessierte sie es und sie schob es auf die Neugierde als Polizistin.
      Sie folgte ihm durch die Tür und er spielte seine Rolle als Söldner perfekt. Sie tat es ihm als geschulte Polizistin gleich und überflog mit gerunzelter Stirn die Eingangshalle. Es stank, war dreckig und die Wände waren voller Cuts und teilweise bröckelte die Wandfarbe bereits ab. Es erinnerte sie ein wenig an ihre eigene Wohnsituation, obwohl diese um Welten besser war.
      Dann folgte sie seinem Blick und sah die vielen Türen, wovon manche beschriftet und manche es nicht waren. Dann blickte sie ihm ins Gesicht, als er ihr den Vorschlag mit dem Klingeln und der Waffe machte.
      Sie nickte zum Zeichen, dass sie verstanden hatte und löste ihre Waffe aus dem Fußholster und steckte diese sichtbar an ihren Rücken. Das Schwarz der Waffe stand im starken Kontrast zu ihrem weißen Top und war somit für alle Welt gut zu erkennen.
      Sie atmete nun tief ein, ehe sie gemeinsam an die erste Tür schritten und er klingelte. Es war kein Laut zu hören. Vielleicht war die Glocke kaputt? Er entschied sich laut an der Tür zu pochen und dann konnte man tatsächlich von drinnen Geräusche hören.
      „Wer ist da?“, fragte ein unfreundlich klingender Mann.
      „Hier ist Tyreen.“, fing sie an und entschied sich für ihren richtigen Namen. Falls sie später als Polizistin wiederkommen musste, könnte man ihr vorwerfen gelogen zu haben. Dies wollte sie nicht, denn sie war mit ihren Tattoos schlicht und einfach zu leicht erkennbar, als dass sie sich verstecken könnte.
      „Bitte öffnen Sie die Türe, wir haben ein paar Fragen bezüglich ihres Nachbarn.“

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    • Adam

      Sie harmonierten schon einmal mehr oder weniger miteinander, jedenfalls verstand die Frau schnell, was Adam von ihr wollte und die Waffe steckte sie am Rücken sichtbar in die Hose, so konnte sie diese schnell greifen und die Herrschaften hier würden auch schnell verstehen, was man von ihnen wollte. Das größere Problem war jedoch die plötzlich fehlende Verbissenheit, die den Mann kurz verwundert zu seiner neuen Partnerin blicken ließ. Er kam wieder auf ihren Namen, sie hieß Tyreen und nannte hier ihren echten Namen, das war nicht das Problem, viel mehr war es die Bitte, die sie anschließend formulierte. Ein wenig schüttelte Adam den Kopf, sie waren Söldner, keine Polizisten, aber sie stand noch am Anfang, deshalb nahm er es ihr nicht böse, sondern schlug wieder gegen die Tür, als nach ihrer Bitte nichts mehr kam. "Verpisst euch!", rief der Mann hinter der Tür genervt, das könnte ja lustig werden.
      "Wenn du die scheiß Tür nicht öffnest werde ich dir deinen Arsch aufreißen!", auch der Brünette klang ein wenig unfreundlich, aber er hatte sich oft genug in diesen Revieren aufgehalten, um zu wissen, wie die Musik hier spielte. "Während die Kleine hier dir dein Hirn wegpustet!". Er hatte die Frau neben sich absichtlich 'Kleine' genannt, es gehörte aber zu der Redensart hier und außerdem stellte man sich unter dieser Bezeichnung was ganz anderes vor, als Tyreen war und auch das konnte einen Vorteil mit sich bringen.
      Ein genervtes Seufzen war hinter der Tür zu hören, bevor der Schlüssel umgedreht wurde und vor ihnen ein relativ kräftiger, kleinerer Mann stand, der vor allem zuerst zu der Frau verwundert blickte. Unter der Kleinen hatte er sich nun wirklich was anderes vorgestellt, aber statt es zuzugeben kreuzte der Mann die Arme vor der Brust, als würde er so nur noch breiter aussehen, bevor er zwischen die beiden Blickte. "Was wollt ihr hier?", er hob seine Augenbraue, wüsste nicht, was deren Problem sein sollte. "Wir haben ein paar Fragen und wenn du nicht kooperierst, dann ist der Tod bald dein größter Wunsch, kapiert?". Der wütende Ausdruck auf Adams Gesicht war gut und vor allem auch echt, denn er war schon ein klein wenig genervt geworden, vor allem, dass er so viele Worte dafür verwenden musste, um die Sache hier zu klären. Er sprach ungern, war mehr der Mann weniger Worte, aber gut, er hatte die meiste Erfahrung hier und wusste, wie er es angehen sollte.. Aber die Befragung konnte seine neue Partnerin übernehmen, nachdem die beiden die Wohnung betreten durften.
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    • Die Heftigkeit, mit der ihr neuer Partner auf den verwehrten Zutritt reagierte, überraschte Tyreen. Sie hatte ihn für sanftmütiger gehalten doch sie hatte sich getäuscht. Er konnte wohl auch richtig aufdrehen und spielte seine Rolle als Söldner perfekt. So etwas wie Respekt für diesen Mann erwachte in ihr.
      Er hatte Glück, dass die Drohung Wirkung zeigte. Wenn es sich bei dem Bewohner um eine Frau mit zwei Kindern gehandelt hätte, wären sie vermutlich mit der sanfteren Tour von Tyreen besser gefahren.
      Doch schlussendlich zählte nur der Erfolg und der Mann öffnete tatsächlich die Tür. Er wirkte überrascht, vor allem beim Anblick von ihr und ein zufriedenes Grinsen schlich sich auf ihre Züge.
      Nun war sie dran ihre Rolle zu spielen. Craig war der wütende, brutale Part, Tyreen würde eine etwas andere Variante wählen. Mit zuckersüßem Lächeln und bedrohlich funkelnden Augen fixierte sie den Mann, der sie schlussendlich nach den Worten ihres Partners in die Wohnung ließ. Eine Mischung aus Freundlichkeit und Gewalt lag ihr am besten.
      Pure Aggression und Wut konnten einschüchtern, aber wenn jemand wahrlich irre schien, dann entwickelte man Panik.
      Ohne auf weitere Aufforderungen zu warten betraten sie die schäbige Wohnung. Hier roch es nur bedingt besser als auf dem Flur und sie folgten dem breiten Mann in dessen versifftes Wohnzimmer. Schwerfällig ließ er sich auf das Sofa fallen und deutete ihnen, gegenüber von ihnen Platz zu nehmen. Er schien Drohungen irgendwie gewohnt, reagierte nicht mit genug Angst auf diese Situation. Wahrscheinlich hatte er schon zu viel erlebt.
      Tyreen setzte sich unaufgefordert neben ihn und drehte sich zu dem breiten Mann. „Erzähl uns alles, was du über Mihail Branner weißt.“ Sie schenkte ihm einen schönen Augenaufschlag. „Bitte.“
      Demonstrativ entspannt lehnte sie sich zurück und zückte wie beiläufig ihre Pistole, die sie liebevoll streichelte, ein seliges Lächeln lag auf ihrem Gesicht, als wäre ihre Waffe das Schönste, was sie je gesehen hatte.

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      Und den Herzensbrecherwein
    • Adam

      Adam war schon ein wenig davon überrascht, wie gut die Frau an seiner Seite nun spielen konnte, vor allem, nachdem er anfangs ein wenig skeptisch war, nachdem er vor allem gesehen hatte, wie zaghaft sie versuchte den Mann darum zu bitten sie rein zu lassen. Nun, wenn man es genauer nahm hatte sie als Polizistin vielleicht alles richtig gemacht, denen wurde Höflichkeit und gutes Auftreten beigebracht, es war ein Teil der Ausbildung, aber hier waren sie auf der Suche nach einem potentiellen Mörder und statteten nicht jemanden einen Besuch, weil er die Musik hat zu laut laufen lassen. Letztendlich passte sich die Frau an, nahm die Rolle der passiv aggressiven, nachdem sich der Mann mehr oder weniger dazu entschloss den aggressiven Part zu spielen. Es hatte seine Wirkung gezeigt, die beiden durften die Wohnung betreten, wurden sogar ins Wohnzimmer rein gelassen, welches wirklich nicht besser aussah, als es der Flur tat. Ein wenig musste Adam innerlich schwer schlucken, er war nicht bereit für solch einen Ort, er wollte sich nicht auf den klebrigen Sessel setzen, der ihn angeboten worden ist, wer weiß, was dort überhaupt getrieben wurde, aber er konnte es ja nicht so zeigen, in seiner Rolle sollte es ihn egal sein, wohin er sich setzte oder welche Wohnung er betrat, solange das Geld am Ende stimmte, deshalb setzte sich der Brünette auf den Sessel und beobachtete seine neue Partnerin dabei, wie sie sich direkt zu dem Befragten setzte. Sie machte es gut, drohte indirekt Gewalt an, indem sie die Waffe zeigte, dem Mann das Gefühl gab sie waren dazu bereit Gewalt anzuwenden wenn es denn nötig war. Letztendlich seufzte der Kerl auf den Sofa, griff zu seiner elektrischen Pfeife auf den Tisch und schaltete sie an, um daran zu ziehen und eine große Dampfwolke auszuatmen. "Meint das Püppchen es ernst?", er deutete auf die Frau neben sich, vor allem auf die Waffe, da schmunzelte Adam ein wenig. "Willst du es herausfinden, wie ernst sie das meint?", da zuckte er sich mit den Schultern und lehnte sich ein wenig zurück. Der Befragte seufzte. "Ich habe keine Ahnung, wer der Kerl ist", meinte er und zog noch einmal andere Pfeife, um wieder eine Dampfwolke zu hinterlassen. "Ich kenne hier niemanden mit Namen.. Hier nennt man keine Namen! Fragt aber oben über mir, der Kerl der euch vermutlich nicht einmal die Tür öffnen wird.. Der weiß bescheid, was hier abgeht".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Innerlich zwang sich Tyreen zur Ruhe, als der ekelige Kerl direkt an Craig wandte und ihn fragte, ob sie es ernst meine. Es war sehr unhöflich von ihm, doch Manieren hatte sie ohnehin keine erwartet. Und doch wirkte es so, als würde er sie nicht ernst nehmen, als wäre sie ein kleines Mädchen, über das man sprechen konnte, als wäre sie nicht anwesend.
      Wenn sie ihm die Finger bräche, vielleicht würde er sie dann wahrnehmen? Doch sie verschob ihre Gewaltfantasien auf später. Überraschenderweise antwortete Adam mit einem Schmunzeln, welches sehr passend in der Situation war und ihm eine Härte vermittelte, die gut zu einem Söldner passte. Er sprach und Tyreen war mit seiner Antwort zufrieden, stellte er sie doch ebenso als fähig und knallhart dar.
      Dann endlich rückte der Kerl mit einer Antwort heraus – die jedoch leider suboptimal ausfiele. Er kannte den Kerl nicht, doch er teilte ihnen mit, dass sie oben möglicherweise mehr Glück hätten, sofern ihnen die Tür geöffnet werden würde.
      „Dafür werden mein Partner und ich schon sorgen.“, schnurrte sie nun mit gefährlichem Unterton und erfreut blitzenden Augen. Es war seltsam das Wort „Partner“ so laut auszusprechen, es fühlte sich nicht richtig an.
      Dann stand sie mit einem Ruck auf, steckte ihre Waffe wieder in die halbwegs gut sichtbare Position an ihrem Rücken und verbeugte sich spöttisch vor dem fetten Kerl. „Vielen Dank für die großartige Hilfe. Hätten Sie noch die exakte Türnummer für uns?“ Immerhin befanden sich einige Wohnungen auf einem Stockwerk. Widerwillig nannte der Kerl ihnen die Nummer.
      Damit wandte sich Tyreen an ihren neuen Partner und gemeinsam verließen sie die Wohnung, um ein Stockwerk über ihnen ihr Glück zu versuchen.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Adam

      Diese Branche hier, oder eher die Aufgabe, die die beiden hier hatten war nichts für Menschen, die sich aus der Meinung anderer etwas aus machten, es war auch nicht für jemanden, der alles Wort wörtlich nahm, oder gar wütend über unpassende Ausdrücke wurde. In dieser Gegend hier war es normal, dass Frauen eigentlich wie Gegenstände behandelt wurden und ihnen nicht viel zugetraut wird, es war ebenfalls nicht neu, dass sie hier so angesprochen wurden, wie es bei Adams neuer Partnerin der Fall war, man musste einfach drüber stehen und fertig ist es auch. Da war der Mann schon sehr zufrieden mit, dass seine Begleitung keine Szene machte, vor allem auch keine wirkliche Antwort dazu gab, was sie innerlich darüber dachte war ihre Sache, aber sie blieb in ihrer Rolle drin und das war das Wichtigste auch.
      Der befragende Mann antwortete ihnen auf ihre Fragen, auch wenn die Antworten nicht gerade befriedigend waren. Natürlich kannte man in solchen Gegenden nicht jeden und es war wohl auch eindeutig, dass sich die meisten hier aus den Angelegenheiten anderer raus hielten, aber Adam hatte sich ein klein wenig mehr erhofft, als nur die Adresse, oder eher die Tür, unter welcher sie nachfragen sollten. Der Kerl oben sollte wohl nicht viel reden, jedenfalls wurde den beiden schon verraten, dass sie zwar ihr Glück versuchen, jedoch nicht zu viel erwarten sollten, aber das würden sie auch schon hin bekommen, da war sich der Brünette recht sicher. "Wenn ich wieder kommen muss, hast du ein Problem, verstanden?", er blickte noch ein letztes Mal zu dem ersten Befragten, bevor er seiner Partnerin andeutete mit aus der Wohnung raus zu kommen, damit sie eine Etage höher gehen konnten. Die Tür hinter ihnen wurde nicht sofort geschlossen, noch für einen Moment wurden die beiden gemustert, bevor die Tür zu war und man die vielen Schlösser dahinter hatte schließen hören. Der Mann hatte wohl doch ein klein wenig mehr Angst, als Anfangs gedacht, aber das zeigte nur, dass ihr Auftritt gut war.. Jetzt musste der andere Kerl was sagen und dafür klopfte Adam wieder hart gegen die Tür, unter der Nummer, die ihnen genannt worden ist und blickte zu dem Türspion, der wohl geöffnet wurde, um durch zu sehen. Es schien also jemand zuhause zu sein, so viel war klar, aber natürlich öffnete keiner.. Es sprach keiner.. Es gab nichts zu hören. "Mach die scheiß Tür auf!". Adam war bereit zur Not auch Gewalt anzuwenden, nicht die klassische Arbeit eines Detectives, aber er musste sich hier ja wohl anpassen.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."