Freak like me [KommiCat & Nurse]

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    • Freak like me [KommiCat & Nurse]

      Luis saß im Garten des kleinen Waisenhauses. Es kamen nicht oft Leute vorbei, doch mochte er es, die Menschen auf der Straße zu beobachten. Früher hatte er bei jedem der sich dem Waisenhaus näherte, Hoffnung bekommen adoptiert zu werden. Doch die Meisten gingen einfach weiter. Selbst wenn jemand rein kam, hieß es nicht dass sie jemanden haben wollten. Und erst recht nicht ihn. Daher hatte er schnell die Hoffnung aufgegeben. Dennoch beobachtete er gerne die Menschen auf der Straße. Es waren nicht viele unterwegs, es war immerhin ein bewölkter Tag. Aber ein paar liefen ständig vorbei. Luis sah sie an und entdeckte ein Pärchen, welches auf das Waisenhaus zu lief.
      Bestimmt wollen die gar nicht hier hin, dachte er sich.
      Doch entgegen seiner Vermutung betraten sie wirklich das Waisenhaus. Luis stand auf und ging in den Aufenthaltsraum. Das war einfach Routine. Auch wenn er nicht glaubte, dass sie sich für ihn entscheiden würden, so musste er dennoch in den Aufenthaltsraum, damit man ihn sah. Schnell setzte er sich einfach an den kleinen Tischen in einer Ecke des Raumes und legte ein Buch vor sich hin. Eine junge Frau, die sich um die Adoption kümmerte, ging auf das Pärchen zu.
      "Willkommen hier im Waisenhaus. Kann ich ihnen irgendwie behilflich sein? Wenn sie ein Kind adoptieren wollen, führe ich sie in den Aufenthaltsraum", sagte sie lächelnd.

      @Nurse_With_Wound
    • Der Mann und die Frau nickten beide, sichtbar aufgeregt.

      "Ja, wir würden uns gerne umsehen, und, wenn wir dürfen, uns auch mit einigen der Kinder unterhalten," sprach Malvina Zajzev mit einem Lächeln.

      "Wir haben einen sechzehnjährigen Sohn und haben an ein Kind in seinem Alter gedacht," fügte ihr Mann, Mikhail, hinzu. "Ansonsten haben wir keine bestimmten Vorstellungen."

      Die junge Mitarbeiterin des Waisenhauses schien etwas überrascht über diese Aussage.

      "Das ist recht selten, dass adoptionswillige Besucher sich für schon ältere Kinder entscheiden. Sie sehen, die meisten wünschen sich eher junge, jene im Grundschulalter, Kleinkinder oder noch Säuglinge. Wir freuen uns immer sehr, wenn sich Eltern dafür entscheiden, auch unseren jugendlichen Zöglingen eine Chance zu geben. Viele sind nämlich der Meinung, dass man zu solchen keine Richtige Bindung aufbauen könne, weil sie zu alt sind, um sie 'auf sich zu prägen'. Was natürlich vollkommen falsch ist."

      Das Ehepaar tauschte einen vielsagenden Blick aus, als sie sich die Erklärungen der Frau anhörten. Sie fanden es äußerst merkwürdig, wie über diese Kinder gesprochen wurde. Als wären sie Welpen, Haustiere... sie fühlten einen starken Stich im Herzen, als sie darüber nachdachten.

      Schließlich standen sie im Aufenthaltsraum. Er war recht sauber, aber staubig. Man sah im Licht die kleinen Staubpartikel, die in der Luft umherschwebten. Hier waren nur wenige Kinder. Auf dem beigefarbenen Teppich spielten zwei Mädchen von ungefähr sechs Jahren mit Bauklötzen, eine Kinderpflegerin mit einem Säugling im Arm ging mit einer knappen Begrüßung an dem Ehepaar vorbei. Und hinten in der Ecke entdeckte Malvina einen Jungen, ungefähr im gleichen Alter wie ihr Vitaly. Ganz unscheinbar wirkte er, wie er so still über ein Buch gebückt vor sich hinsaß. Äußerst auffällig war jedoch das merkwürdige Gestell, dass er am Gesicht trug. Frau Zajzev beugte sich zu der Frau herüber, die sie hierher geführt hatte, und fragte im Flüsterton:

      "Wer ist denn dieser Junge? Was hat er da am Gesicht?"
      How bad me be?
    • Die Mitarbeiterin führte das Pärchen in den Aufenthaltsraum. Es freute sie, dass die beiden nach einem älteren Kind suchten. Schnell fiel der Blick auf Luis und da fragte die Frau auch schon nach, was denn mit dem sei. Das war nichts außergewöhnliches. Fast alle, die in das Waisenhaus kamen fragten nach und allen war es auch immer unangenehm zu fragen. Die Mitarbeiterin schmunzelte ein wenig.

      "Das ist Luis. Seine Eltern sind bei einem Autounfall ums leben gekommen und er hat sich den Kiefer gebrochen. Deshalb muss er diese Spange tragen. Es fällt ihm schwer verständlich zu sprechen aber ansonsten ist mit ihm alles in vollster Ordnung. Dahinten wäre dann auch noch Sophie. Sie ist genauso wie Luis fünfzehn..."

      Die Mitarbeiterin deutete auf ein Mädchen das gerade aus ihrem Zimmer in den Aufenthaltsraum kam. Sie ging nicht davon aus, dass sich das Pärchen für Luis entscheiden würde und so begann sie direkt über die anderen Kinder zu sprechen. Luis blickte hoch und in die Richtung des Pärchens. Nett sahen sie ja aus. Aber er war für alle nur ein Freak. Aber irgendwie war es merkwürdig. Er hatte das Gefühl dass es bei diesem Pärchen anders war als bei den vorherigen immer. Er stand auf und legte das Buch zurück ins Regal. Dann ging er zu der Frau.

      "Guten Tag" nuschelte er.
    • "Der arme Junge," murmelte Mikhail, sich nach dem Kind umdrehend. Sein eigener Vater ist recht früh von dieser Welt gegangen und konnte sich kaum vorstellen wie es sein muss, gleich beide Elternteile zu verlieren. Manche Leute mussten wirklich grausame Schicksalsschläge verkraften. So viele Kinder hier, die alle gelitten haben... Er spürte, dass auch seine Frau von dem Gesagten betroffen war.

      Malvina hörte höflich zu, als man ihr Sophie vorstellte, hing aber im Gedanken noch bei dem zurückgezogenen Jungen mit der Zahnspange fest. Plötzlich wurde sie jedoch aus ihren Gedanken gerissen, als sie eine genuschelte Begrüßung hinter ihrem Rücken hörte. Sie drehte sich um und sah mit einem überraschten Ausdruck auf Luis herab, der auf sie zugekommen ist, ohne dass sie es bemerkt hatte.

      "Oh, hallo..." sie lächelte ihn gutherzig an. Nun konnte sie ihn aus der Nähe betrachten. Die Spange, die er trug, war wirklich an seinem gesamten Kopf befestigt und wirkte ein wenig, wie ein Käfig. Darunter verbarg sich ein intelligentes, angenehm anzusehendes Gesicht und kluge, einsame Augen. Der Junge erweckte bei ihr den starken Wunsch, ihn beschützen zu wollen, obwohl sie ihn doch garnicht kannte. Aber das wollte sie nun ändern.

      "Was ist das für ein Buch, das du da hast?", fragte sie freundlich. Auch ihr Mann hatte sich nun zu dem Jugendlichen umgedreht und wartete geduldig auf dessen Antwort.
      How bad me be?
    • Die Mitarbeiterin merkte dass die beiden Interesse an Luis hatten und sie gerade nicht weiter reden musste. Es überraschte sie angenehm dass gerade für Luis Interesse bestand. Auch überraschte sie, dass Luis zu ihnen gekommen war. Das war schon lange nicht mehr der Fall gewesen. "Ich lasse sie mal etwas allein damit sie die Kinder etwas kennen lernen können. Wollen sie etwas zu Trinken haben?"
      Sie ging in die Küche.

      Luis sah hoch zu der Frau. Sie zeigte Interesse und sprach mit ihm. Sie war so nett. Nicht abgeschreckt sondern fast schon liebevoll. Er sah zu dem Buch. "Die Physiker" antwortete er. Da er wusste dass es schwer zu verstehen war, gab er der Frau das Buch, damit sie den Titel lesen konnte. "Wir hätten das in der Schule gelesen", erklärte er. Das Buch hatte er damals schon für den späteren Unterricht gekauft, bevor der Unfall passierte. Die anderen Kinder hatten es nie gelesen, es war ihnen zu unverständlich. Doch das konnte Luis nicht verstehen, für ihn war es nicht unverständlich oder schwer. Mit großen glücklichen und irgendwie auch stolzen Augen sah er die Beiden abwechselnd an. Sie zeigten Interesse. An ihm. Er begann leicht zu lächeln auch wenn man es mit der Spange nicht so deutlich sah, aber man konnte schon erkennen dass er lächelte.
    • "Wirklich? Genau das gleiche Buch liest unser Sohn gerade im Deutschunterricht, für die zehnte Klasse. Er sagt, er fände es furchtbar langweilig", lachte Frau Zajzev, das Buch durchblätternd.

      "Oh ja", fügte ihr Mann hinzu, "er hat sich schon oft darüber beschwert. Er liest generell sehr wenig. Wir haben immer wieder versucht, ihm Literatur etwas nahe zu bringen, aber er hat gar kein Interesse. Wenn er mal was liest, dann sind es irgendwelche Romane über Nuklearkriege und Apokalypsen...was für Bücher gefallen dir sonst so, Luis?"

      Die Angestellte des Waisenhauses brachte den Besuchern einen Tee und sie nahmen Platz am Tisch in der Ecke des Raumes. Die anderen Kinder blickten sich nach ihnen um, einige tuschelten untereinander. Sie fanden es alle unglaublich merkwürdig, dass irgendjemand tatsächlich Interesse an dem komischen, nuschelnden Jungen mit dem riesigen Metallgestell im Gesicht gezeigt hatte. Sie alle sind davon ausgegangen, dass Luis niemals adoptiert werden und bis zum Erwachsenenalter im Waisenhaus verbleiben würde. Die Nachricht sprach sich schnell rum und bald schon streckten einige Kinder ihre Köpfe aus dem Türrahmen hervor um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass mit dem Sonderling tatsächlich jemand sprach. Die Zajzevs bemerkten dies jedoch garnicht, denn sie waren ganz fokussiert auf den Jungen, der ihnen jetzt schon schneller ans Herz wuchs, als sie es für möglich gehalten hatten.
      How bad me be?
    • Luis erfuhr, dass die beiden einen Sohn hatten und dieser in die 10. Klasse ging. Also war der wohl so alt wie er oder ein Jahr älter. Sie würden also in die gleiche Klasse gehen, wenn sie Luis denn nahmen. Das war ja noch nicht sicher. Luis bemerkte die Blicke der Anderen. Er konnte ihre Neugierde nur zu gut verstehen. Immerhin hätte er selbst nicht damit gerechnet, dass er mal dort saß. Mit viel Geduld und Umschreibungen konnte Luis dann erklären dass sein Interesse weitgefächert war. Er las gerne Fantasy und Action, hatte aber auch nichts gegen klassisches. Nur mit alter Sprache tat er sich etwas schwer, so wie zub Beispiel mit Goethes Faust, den er aber auch schon gelesen hatte. Seine Noten wären wohl ganz okay wenn er eine normale Schule besuchen könnte. Die Mitarbeiterin half etwas mit dem Übersetzen was Luis sagte und erklärte noch ein paar andere Dinge die man über ihn wissen sollte.

      "Also Luis hat seit dem er hier ist nur noch unsere kleine Schule besucht. Eine Normale wäre einfach schwer gewesen, vor allem am Anfang als er mit der Spange noch nicht sprechen konnte. Jetzt ist es schon besser. Er ist auch ein ziemliches Leckermaul wenn es um Süßes geht. Davon darf er aber nicht so viele und er sollte auch nichts essen was sich in der Spange verhaken könnte. Einmal im Monat geht er immer zumm Zahnarzt. Noch ist nicht klar, wie lang er die Spange noch tragen muss,, aber wir hoffen natürlich das beste."

      Luis gefiel es nicht dass die Mitarbeiterin so viel erzählte welche Einschränkungen es gab. Würde sie das nicht erzählen könnte er sich schön mit Süßem vollstopfen und alles essen was er will. Er hoffte dass die beiden ihn nehmen würden. Es sah immerhin vielversprechend aus, wenn ihnen schon so viel erzählt wurde.
    • "Dann wird es dir bei uns gefallen. Unser Vitaly hat früher sehr gerne Fantasy gelesen, bevor er auf apokalyptische Dystopien umgestiegen ist. Er wird dir sicher was davon erzählen können, und dir seine Bücher ausleihen. Und Süßes mag er auch gerne", sagte Mikhail mit einem Lächeln. Seine Frau warf ihn einen vielsagenden Blick zu. Zwar stand ja eigentlich noch nichts fest, aber sie hatten beide das Gefühl, dass sie sich eigentlich schon entschieden hätten.

      "Ich verstehe", murmelte Malvina mit einem Nicken. Man müsste mit dem Jungen also etwas Geduld haben, um alles zu verstehen, was er sagte. Aber das war, fand sie, überhaupt nicht schlimm. Es würde wohl nur schwierig werden, ihn wieder in eine "richtige" Schule zu integrieren. Da müsste man sich mit dem Direktor hinsetzen und alles genau ausdiskutieren. Aber schließlich wäre Vitaly auch da. um dem Jungen zu helfen. Sie würden auf jeden Fall auf dieselbe Schule gehen.

      Sie blieben noch eine Weile bei Luis, irgendwann wurde es jedoch Zeit, zu gehen. Sie verabschiedeten sich von dem Jungen mit einem "bis zum nächsten Mal!"- ein Versprechen. Zuhause telefonierte Frau Zajzev mit der Leiterin des Waisenhauses.

      "...wenn er also nichts dagegen hätte. würden wir ihn sehr gerne adoptieren", sprach sie mit einem Lächeln im Gesicht. Die Leiterin war etwas überrascht. Es war ungewöhnlich, dass sich Paare nach nur einem Besuch schon für ein Kind entschieden. Jedoch klang die Frau am anderen Ende der Leitung so aufrichtig glücklich und ehrlich, dass jegliche Zweifel von ihr abließen.

      Es wurde also ein zweiter Termin vereinbart. Das Ehepaar traf am nächsten Wochenende wieder im Waisenhaus ein und wurden zu Luis geführt. Sie begrüßten ihn freundlich, und Mikhail sagte:

      "Luis, Malvina und ich leben in einem kleinen Haus in der Vorstadt, zusammen mir ihren Eltern und, wie du schon weißt, einem Sohn in deinem Alter. Reich sind wir nicht, aber wir haben genug für ein einfaches, sorgloses Leben. Wir wären wirklich glücklich darüber, dich in unserem Heim aufzunehmen. Wenn du also nichts dagegen hast, würden wir dich gerne mitnehmen."
      How bad me be?
    • Die Zeit verstrich und Luis wusste, dass das Pärchen bald gehen müsste. Auch wenn er hoffte dass sie wieder kamen, war er sich nicht ganz sicher. Es verlief zwar alles gut, aber wollten sie ihn wirklich? Vielleicht würden sie ja noch jemand besseres finden. Doch als sie aufstanden und meinten dass sie wieder kämen, war Luis überglücklich. Sie schienen ihn wirklich zu mögen und tatsächlich zu überlegen ob sie ihn adoptieren sollten.

      Ein paar Tage später, wollte Luis zusammen mit Sophie einkaufen gehen. Doch gerade als sie los wollten, hielt die Mitarbeiterin sie auf. "Wo wollt ihr denn hin?", fragte sie. Sophie antwortete mit "Einkaufen." Sie dachten beide dass die Sache damit erledigt war, doch so war es nicht. "Das geht nicht. Luis hat gleich noch einen Termin." Ein Termin? Davon wusste Luis nichts. Musste er wieder zum Zahnarzt? Oder hatte er etwas anderes vergessen? Nicht dass er wüsste. Aber Luis ging dann wieder zurück in den Aufenthaltsraum und dachte nach, was für einen Termin er denn hatte... Kurz danach kam dann auch das Pärchen wieder. Deshalb durfte er also nicht einkaufen gehen.
      Was die Beiden ihm dann sagten konnte er gar nicht fassen. Sie wollten ihn wirklich adoptieren. Sie fragten ihn ob er bei ihnen leben wollte. Aufgeregt nickt Luis. Er kann sein Glück nicht glauben. Er bekam tatsächlich eine Familie und ein Zuhause.

      "Ich denke, das ist eine sehr klare Antwort", lachte die Mitarbeiterin mit der alles abgesprochen war. "Dann würde ich sie bitten mitzukommen und noch ein paar Papiere auszufüllen, während Luis seine Tasche packt. Wir würden uns dann in der nächsten Zeit ein paar Mal melden wie es läuft." Auch sie freute es, dass Luis eine Familie bekam. Die anderen Kinder waren sprachlos. Damit hätte keiner gerechnet.
    • Das Ehepaar folgte der Frau in ein kleines Büro, wo sie einen ganzen Stapel Papiere vorgelegt bekamen. Viele mussten noch an der Stelle ausgefüllt werden, andere mussten sie später zuhause noch bearbeiten. Bis würde noch einen langen, bürokratischen Prozess brauchen, bis mit allem wirklich abgeschlossen war. Insgesamt saßen sie noch fast drei Stunden da, bis sie schließlich gehen durften. Am Ende waren sie etwas erschöpft, aber sehr glücklich.

      Sie verließen das Büro und Malvina legte ihrem neuen Zögling aufmunternd die Hand auf den Rücken, als sie das Gebäude verließen. Natürlich wollten sich viele der Pädagogen verabschieden. Das Pärchen hatte das Gefühl, dass Luis bei den Lehrern wohl sehr beliebt gewesen sein musste. Wahrscheinlich wegen seiner sanftmütigen Art. Es freute sie, denn das bedeutete vielleicht, dass er einen guten Einfluss auf ihren Raufbold Vitaly haben würde. Schließlich stiegen die drei in Vaters schwarzen Audi und fuhren davon. Einige Kinder schauten ihnen hinterher, manche winkten dem Jungen schwach nach.

      Mikhail schaute kurz in den Rückspiegel, um sich zu vergewissern, dass es dem Jungen auch gut ging. Er konnte sich gut vorstellen, dass er durch den Unfall ein Trauma und eine damit zusammenhängende Angst vor dem Autofahren entwickelt hat. Zur Not würden sie eben anhalten müssen.

      "Sag, Luis, wie sieht es mit deinem Nachnamen aus? Du kannst natürlich gerne unseren annehmen, aber wenn du lieber deinen alten behalten magst, wäre das auch vollkommen in Ordnung."
      How bad me be?
    • Luis ging in das Zimmer, welches er sich bisher mit drei Jungs unterschiedlichen Alters geteilt hatte. Dort ackte er seine Sachen ein. Viele waren es nicht. Er hatte damals nur das nötigste bekommen und dann gab es noch Sachen wie Kleidung die erst gekauft wurden als er schon im Waisenhaus war. Alles was er hatte, passte in einen kleinen Koffer. Immer mehr Kinder kamen zu ihm und fragten ob er wirklich adoptiert wurde. Er nickte jedes mal. Damit hatte keiner gerechnet und jetzt wurden sie doch alle ziemlich emotional. Sie waren traurig dass er ging, aber er gab ihnen allen auch Hoffnung. Er war das beste Beispiel, dass jeder die Chance hatte adoptiert zu werden. Egal wie sie aussahen oder wie alt sie waren. Während er noch am einpacken war, kam auch die Leiterin des Waisenhauses noch mal kurz zu ihm und gab ihm ein Buch. Es war Die Physiker. "Als Abschiedsgeschenk. Ich weiß dass es dein Lieblingsbuch war und sonst hat es auch keiner gelesen. Es gehörte praktisch die ganze Zeit dir" Luis bedankte sich und packte es ein. Dann kamen die Eltern schon aus dem Büro. Nun ging es also los. Los ins neue Zuhause.

      Luis saß im Auto und seine Augen strahlten vor Freude. Er freute sich auf das neue Haus und die Großeltern und natürlich seinen neuen Bruder. Ob die beiden sich das Zimmer teilen würden? Wie groß das Haus wohl war? So viele Fragen gingen ihm durch den Kopf. Er wollte es wissen, musste sich aber wohl noch ein wenig gedulden. Ob er Angst vorm Auto fahren hate, konnte er nicht sagen. Die Neugierde war gerade einfach viel größer und wichtiger.

      "Äh... also..." Er wusste nicht recht was erantworten sollte. Darüber hatte er sich nie Gedanken gemacht. "Wenn ich ein Teil ihrer Familie bin, will ich auch ihren Namen, aber ich weiß nicht wie lang es dauern wird bis ich ihn mir merken kann... Geht auch ein Doppelname?" Sie fuhren weiter und Luis blickte durchs Fenster raus. Plötzlich begann er zu schreien. "Halt!" War das nicht das Haus in dem er gelebt hatte? Er meinte es zu erkennen. Sobald das Auto stand, öffnete er die Tür und rannte raus. Tatsächlich, das war das Haus. Und es stand noch immer leer. Ohne nachzudenken rannte er los. Wo der Ersatzschlüssel lag wusste er genau. Diesen nahm er und betrat das Haus. ALles sah noch so aus wie an jenem Tag. Er rannte in sein Zimmer, wo er ein paar Dinge einpackte. Kleidung, eine weiße Plüsch katze und ein Bild seiner Eltern. Mit der geschlossenen Tasche lief er wieder raus. "Entschuldigt" Er sah zu Boden. Das hätte er vielleicht nicht einfach machen sollen...
    • Frau Zajzev nickte. "Das ist eigentlich wirklich keine schlechte Idee. Dann könntest du sowohl deinen alten beibehalten als auch unseren annehmen. Ich werde mich dann später beim Amt erkundigen, ob dies möglich ist."

      Die Fahrt verlief relativ friedlich, bis Luis auf einmal lautstark bat, anzuhalten. Mikhail rechnete damit, dass es dem Jungen beim Fahren doch zu viel wurde, und hielt bei der nächsten Gelegenheit an, ohne Fragen zu stellen. Das Pärchen wollte sich gerade umdrehen um zu fragen, ob ihrem Zögling etwas fehlte, doch bevor sie überhaupt die Möglichkeit dazu hatten stand er auf und rannte aus dem Wagen nach draußen. Malvina rief ihm besorgt hinterher, stieg daraufhin mit ihrem Mann ebenfalls ins Freie, um dem Jungen hinterher zu laufen. Ist ihm von der Fahrt vielleicht schlecht geworden und er musste sich übergeben? Aber nein, entgegen ihrer Erwartungen spie er nicht sein Frühstück hoch, sondern rannte auf ein Haus in der Nähe der Straße zu. Unter der Türmatte des Hauses holte er einen Schlüssel hervor und verschwand im Gebäude, ohne sich umzudrehen.

      "Luis, bleib hier! Du kannst doch nicht in ein fremdes Haus einbrechen!" rief Mikhail, sich an den Kopf greifend. Mit seiner Frau stellte er sich auf die Terrasse, bereit, sich bei den verärgerten Hausbewohnern entschuldigen zu müssen. Ein Blick auf den Briefkasten aber ließ die beiden verstehen, dass dieses Heim keineswegs fremd war... zumindest nicht für Luis. Sie erkannten darauf die Namen des Jungen und den seiner verstorbenen Eltern.

      So flott, wie er hereingekommen war, war er auch wieder draußen. Und kaum hatte er das Gebäude verlassen wurde sein Gesicht durch einen Ausdruck von Schuld verzerrt. Er entschuldigte sich, den Blick auf den Boden gerichtet. Das war nun etwas weniger angespannt, aber hatte den Schock noch nicht ganz überwunden.

      "Du darfst bitte nicht wieder weglaufen", mahnte Malvina, einfühlsam aber streng. Sie macht ein nachdenkliches Gesicht.

      "Dieses Haus hat deinen Eltern gehört, richtig? Wie kommt es, dass es einfach so da gelassen worden ist? Sollte es nicht an jemanden aus eurer Familie weitergegeben werden? Oder verstaatlicht?"

      Sie erwartete natürlich nicht, dass Luis die Antwort darauf wusste, schließlich war er nur ein Kind. Aber merkwürdig war es trotzdem. Mikhail stimmte ihr zu.

      "Das ist tatsächlich ungewöhnlich, dass es einfach stehengelassen wurde. Hierzulande ist man ja recht sorgfältig, was solche Sachen betrifft", er hielt inne und legte Luis eine Hand auf die Schulter. "Deine Mutter hat aber recht, bitte mach sowas nicht. Wir haben uns schon das Schlimmste ausgemalt. Aber es ist schön, dass du deine Sachen mitnehmen konntest. Na komm, Vitaly und deine neuen Großeltern wollen dich unbedingt kennenlernen!"
      How bad me be?
    • Noch immer sah Luis entschuldigend zu Boden. Langsam hob er den Kopf. Er wusste dass er nicht einfach hätte losrennen dürfen. Sowas machhte er normalerweise auch gar nicht. Die Gefühle hatten einfach die Überhand gewonnen und er war ohne nachzudenken los gerannt.

      "Ja, das ist mein Haus gewesen. Ich habe gehört dass es bald verkauft werden soll. Sie hatten gewartet ob sich jemand meldet, aber ich kenne keine Verwandten. Bald ist die Frist dazu um und es wird verkauft. Ich sollte bald noch meine Sachen holen dürfen, aber jetzt habe ich ja eine Familie."

      Diese Infos hätte er eigentlich nicht haben sollen. Er hatte sich ein paar Wochen zuvor beim Verstecken Spielen mit den kleineren, nahe der Tür des Büros versteckt und dabei das Telefonat der Stadt mitgehört. Das Haus sollte in 2 Monaten leer geräumt werden. Niemand wusste dass er vom Verkauf des Hauses wusste.

      "Ich verspreche sowas nicht nochmal zu machen. Es war nur so überwältigend das Haus zu sehen. Ich wollte nur noch einmal rein. Aber jetzt will ich meine Familie kennenlernen." Seine Stimme wurde von einem zum nächsten Moment wieder froh und aufgeregt. Schnell stieg er wieder ins Auto und schnallte isch an. Er schien es kaum erwarten zu können, nach HAuse zu kommen. Nun, da er die wichtigsten Sachen aus dem Haus hatte.
    • Das Ehepaar ließ ihm die Sache schnell durchgehen. Es war bei Jugendlichen normal, dass ihre Gefühle sie manchmal übermannten. Und wenn man an die Vorgeschichte des Jungen dachte war es keine Überraschung, dass ihn der Anblick des alten Heims so sentimental gemacht hat. Also fuhren sie einfach weiter, ohne die Sache weiter zu kommentieren.

      Die restliche Fahrt dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Bald schon erreichten sie das Örtchen in der Vorstadt, den sie bewohnten. Und das kleine, weiße Haus mit Holzzaun und wildem, etwas ungepflegten Garten kam in Sicht. Mikhail öffnete für Luis die Tür und deutete ihn mit einer Handbewegung zu, dass er aussteigen solle.

      "Da wären wir", verkündete er mit einem Lächeln. "Das Grünzeug ist wohl recht unordentlich. Darum haben wir uns, um ehrlich zu sein, in letzter Zeit nicht sonderlich gekümmert. Eigentlich soll Vitya ja den Rasen mähen, aber versuch mal, ihn dazu zu bringen früher konnte man ihn noch mit Taschengeld überreden, aber seit er selbst einen Job hat- keine Chance!"

      Malvina lachte und stieß ihn mit dem Ellenbogen: "Jetzt ist der Junge gerade nach Hause gekommen und du kommst direkt mit dem Negativen! Na kommt, gehen wir rein."

      Der Schlüssel drehte sich im Schlüsselloch um und die Tür wurde mit einem leisen Quietschen aufgeschlossen. Die Frau legte Luis die Hand auf den Rücken und schob ihn sanft über die Türschwelle.

      "Vitya! Komm runter, dein neuer Bruder ist angekommen!"

      Zunächst passierte nichts. Dann hörte man dumpfe Schritte, die langsam, irgendwie unwillig, die Treppe herunterschlürften. Alsbald erschien ein Junge im Eingangsbereich des Hauses, mit zerzausten Haaren und gekleidet in einen grauen Pyjama. Er kratzte sich am Nacken, seine grauen, noch verschlafen wirkenden Augen glitten zu der Gruppe hinauf. Er prüfte erst die Gesichter seiner Eltern, schließlich blieb sein Blick an Luis stecken und verengte sich ungläubig. Seine Oberlippe war angewidert hochgezogen.

      "Alter... was zur Hölle hast du da im Gesicht?" fragte er geschockt.

      Herr und Frau Zajzev, die mit so einer Reaktion überhaupt nicht gerechnet hatten, sahen ihren Sohn erstmal nur ungläubig an. Malvina ergriff schließlich das Wort, ihre Stimme drohend:

      "Also erstmal ist das keine Begrüßung, Vitaly. Wurdest du denn in einem Stall erzogen?! Und zweitens ist es überhaupt unglaublich unhöflich, so etwas zu fragen!" Sie legte ihrem Zögling schützend die Hände auf die Schultern.

      "Das ist Luis. Er hat seine Gründe, weswegen er diese Spange tragen muss, und es ist überhaupt nicht schlimm! Wie du weißt wird er von jetzt an bei ihm wohnen. Bitte stelle dich jetzt höflich vor!"

      Vitaly dachte nicht daran. Er hatte einen Gesichtsausdruck, als hätte man ihm einen schlechten Witz erzählt.

      "Ist das euer... soll das ein Witz sein? Ihr meint es nicht ernst, oder?" fragte er, den Neuankömmling abfällig musternd.
      How bad me be?
    • Luis sah sich die restliche Fahrt über weiter die Gegend an. Man merkte dass sie in eine Vorstadt fuhren. Die Gegend war ruhiger und mit mehr Grünen Wiesen. Ihm gefiel der Ausblick. Dann kamen sie an und das erste was er sah, das der chaotische Vorgarten. Es war schade dass er in diesem Zustand war. Langsam stieg er aus und war mit einem mal doch ziemlich nervös. Jetzt würde es ernst werden. Er würde das Haus und die Familie zum ersten mal sehen.

      "Der Garten sieht bestimmt gut aus wenn er mal gemacht ist", meinte er aufmunternd und ging mit den Beiden zur Tür. Er betrat das Haus und sein Herz raste. Konnte man es von außen hören? Es fühlte sich wenigstens so an.

      Ein Junge der ziemlich schlampig aussah kam die Treppe hinab und machte sich sogleich über ihn lustig. Jugendliche waren brutal. SIe sagten einfach was sie sich dachten ohne auf andere zu achten. Es verletzte ihn ein wenig. Er wusste dass die Spange komisch aussah, aber dass der Junge so herablassend war? Die Eltern waren doch so nett... Luis senkte nur beschämt den Kopf. Dann spürte er auch schon zwei schützende Hände auf seinen Schultern. Doch Vitya hörte nicht auf.

      "..." Luis wollte etwas sagen, sich wehren. Aber er wusste nicht wie. Egal was er sagen würde, Vitya würde sich nur weiter über ihn lustig machen. Dann nahm er seinen Mut zusammen und entschied sich dazu, sich erst einmal vorzustellen. Er sah Vitya an und hielt ihm die Hand hin. "Ich heiße Luis Jacobsen und es freut mich, dich kennenzulernen." Das meiste war ziemlich undeutlich, aber er gab sein bestes um deutlich zu sprechen. Ging halt nur nicht so wirklich mit der Spange.
    • Der Junge schaute seinen neuen Bruder nur unverständlich an.

      "Was redest du da? Du sprichst, als hättest du heiße Kartoffeln im Mund..."

      "Vitya!", brüllte nun sein Vater ihn zornig an, senkte seine Stimme aber im Versuch, die Situation zu deeskalieren. Er atmete tief ein.

      "Er hat sich dir vorgestellt. Bitte, ich verstehe, dass das jetzt für uns alle etwas neu und fremd ist. Aber bitte..."

      Vitaly wollte nicht wirklich. Eigentlich wollte er überhaupt nicht. Er konnte überhaupt nicht nachvollziehen, wieso seine Eltern unbedingt ein zweites Kind wollten. War er ihnen etwa nicht genug? Oft hatten sie ihm gesagt, dass es nichts mit ihm zu tun hätte. Aber er konnte es nicht so recht glauben. In seinem noch nicht voll entwickelten, pubertären Hirn war ein zweites Kind ein Rivale, der bekämpft werden musste, und diese ganze Adoptionsgeschichte eine persönliche Kränkung. Unter den fordernden Blicken seiner Eltern ging er jedoch schließlich ein und gab dem anderen widerwillig die Hand.

      "Vitaly Zajzev," murmelte er leise und ließ wieder von Luis ab. Er drehte sich um und wollte wieder die Treppe hochgehen, doch die Stimme seiner Mutter ließ ihn innehalten.

      "Wo gehst du denn hin? Ich möchte bitte, dass du Luis das Haus zeigst, und ihm Oma und Opa vorstellst."

      Auf Russisch, damit Luis es nicht verstehen konnte, fügte sie hinzu:

      "Und wehe, du bist unhöflich zu ihm. Ich warne dich."

      Vitaly verdrehte nur die Augen. Er drehte sich um und zeigte lustlos in verschiedene Richtungen.

      "Küche. Wohnzimmer. Erstes Klo."

      Dann begann er wieder die Treppe hochzugehen. Luis´ neue Eltern munterten ihn auf, mitzukommen.
      How bad me be?
    • "Ist schon gut. Er hat ja recht. Ich rede komisch", versuchte Luis die Lage etwas zu entspannen. Es musste für Vitya merkwürdig sein, nicht mehr das einzige Kind zu sein. Er wollte vermutlich nur klarstellen dass er noch immer der echte Sohn war und sich deshalb für etwas besseres hielt. Das passierte oft.

      Luis sah in die Richtungen in die Vitya zeigte. Man merkte dass er keine Lust hatte. Danach folgte er ihm nach oben. Was ihn dort wohl erwarten würde? Vielleicht hatten die Großeltern ja oben noch eine kleine Wohnung. Oder auch nur ihre Zimmer. Außerdem musste ja irgendwo auch Vityas Zimmer sein und vielleicht auch seins? Immerhin wusste er nicht wie alles geregelt war. Ohne etwas zu sagen folgte er seinem neuen Bruder einfach und war gespannt was noch kam. Vermutlich würde Vitya sich so schnell es geht wieder zurück ziehen und sich von Luis fern halten.
    • Der blonde redete nicht mit dem Zögling, während sie sich nach oben begaben. Er deutete lediglich auf einige der Türen.

      "Das da ist die zweite Toilette. Das da hinten ist mein Zimmer", brummte er, und betonte dabei das 'mein' ganz besonders. "Und du wirst da nicht reingehen.Du kriegst das Gästezimmer in der unteren Etage. Und dort ist ein noch ein großes Wohnzimmer und Schlafzimmer. Da wohnen Oma und Opa."

      Er klopfte einige Male an der Tür. Sie öffnete sich, und eine etwas korpulente alte Dame in einem altmodischen, langen blauen Kleid trat hervor.

      "Oma Ljuba, der neue Enkel wurde geliefert", sprach Vitya, die Augen verdrehend.

      Die Frau musterte Luis einige Zeit, und schloss ihn ganz plötzlich in eine feste, herzliche Umarmung.

      "Ah, endlich da! Wir schon gewartet!" sie lächelte ihm zu, die Hand auf seine Schulter legend. Ihr Deutsch war etwas gebrochen und ihr Akzent recht auffällig. Vitaly wusste, dass es für Besucher manchmal schwer war, sie gut zu verstehen. Zu seiner Überraschung fragte sie Luis jedoch überhaupt nicht, woher er die Spange hatte. Sie sprach ihn noch nichtmal drauf an. Stattdessen begutachtete sie nur kritisch seine Figur.

      "Ayay, du bist dünn! Wie Vitya. Mehr essen muss man. Junge, wie heißt du?"
      How bad me be?
    • Auch Luis vermied es zu sprechen. Er war schüchtern und wusste wie schlecht man ihn verstand. Deshalb nickte er immer nur kurz verstehend. Als es um Vityas Zimmer ging nickte er deutlicher.

      "Okay, ich gehe nicht rein", sagte er. Beim sprechen versuchte er meist eher wenig zu sagen und Wörter mit zum Beispiel M oder F auszulassen, denn diese konnte er nun mal nicht richtig sagen.

      Luis sah die Frau vor sich an. Sie sah nett aus. Sehr sogar. Das war also seine neue Oma. Ohne es zu erwarten, wurde er in eine feste Umarmung gezogen. Erst war er zögerlich, legte dann aber auch leicht die Arme um sie. Sie war weich. Er fühlte sich wohl bei ihr.

      "Ich heiße Luis Jacobsen. Ich kann ein paar Akzente verstehen weil ich viele schon gehört habe." Er verstand sie gut. Er hatte so gut wie keine Probleme die Frau zu verstehen und das zeigte er auch. "Kennen sie das Märchen der Froschprinzessin? Ich habe es mal gehört und würde es gerne nochmal hören" Da er viele Bücher und Texte kannte, kannte er auch ein- zwei russische Märchen. Er sah sie mit großen lieben Augen an.
    • "Ja, sehr schönes Märchen. Wir haben viele Bücher für dich. Aber erst essen!"

      Die Großmutter legte beiden Jungen die Hände auf den Rücken und schob sie sanft voran, wieder die Treppe runter. Vitya blies die Wangen auf, unzufrieden damit, dass seine Oma dem Neuankömmling so wohl gesinnt war. Dabei kannte sie ihn doch kaum! Und sonst war er selbst auch immer Omas Liebling gewesen. Was, wenn sich das jetzt ändern würde? Das musste er auf jeden Fall verhindern, er würde sicher nicht seine Familie an irgendeinen komischen Freak verlieren!

      Sie betraten das Wohnzimmer, und Vitya stellte fest, dass man den Tisch auffällig schön gedeckt und mit vielerlei Speisen bestellt hatte. Sein Vater, der gerade eine Flasche Limonade abgestellt hatte. drehte sich lächelnd um und klatschte in die Hände.

      "So, Jungs, eure Mutter und ich haben uns gedacht, dass es zur Feier des Tages ein Willkommensmahl geben sollte. Setzt euch schon mal hin, wir haben noch ein bisschen was auf dem Herd."

      Mikhail verschwand wieder in der Küche, und Vitya klappte fast die Kinnlade runter. So viel Mühe hat man sich für ihn schon lange nicht mehr gegeben, nicht mal an Geburtstagen! Er knirschte mit den Zähnen, seinem "Bruder" einen feindseligen Blick zuwerfend. Mittlerweile wurden noch mehr Speisen gebracht, Ljuba kam krächzend mit einem riesigen Teller voller Piroggen an. Sie legte einige auf Luis´ Teller, schüttelte dann aber den Kopf mit den Worten: "Nein, muss mehr, viel zu dünn!" und fügte noch mehr hinzu, bis er einen ganzen Stapel von dem Gebäck vor sich hatte. Bald waren auch die Eltern mit am Tisch und servierten jedem ein saftiges Steak mit Gemüse und Kartoffeln.

      "Opa kommt nicht zum Essen?" fragte Malvina nebenbei, als sie merkte, dass ein Sitz leer stand. Ljuba winkte ab.

      "Er schläft wieder! Kommt später."

      "Ach, so ist das. Luis, ich hoffe es macht dir nichts aus, wenn du Opa erst später kennen lernst. Er wird immer äußerst grantig, wenn man ihn aufweckt. Dann fangen wir also ohne ihn an. Während wir essen, erzähl Vitya und Oma doch ein bisschen was von dir, sie haben ja noch nicht mit dir gesprochen. Und guten Appetit!"

      Sie lächelte ihm aufmunternd zu.
      How bad me be?