The black Dragons Princess [Heaven_Lumen & Amalia]

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    • The black Dragons Princess [Heaven_Lumen & Amalia]

      Heaven_Lumen schrieb:

      The black Dragons Princess




      Genre

      Romance| Adventure| Slice of life| Fantasy| Magic| Dragons


      Teilnehmer

      @Amalia als Y



      Story

      Die Welt von Celestin ist gezeichnet von Kriegen und magischen Bündnissen. Die hohen Magier der Zirkel sind jene, welche die Vorherrschaft über die Ländereien besitzen. Könige und Herzöge gehören der Geschichte an, jene mächtigen Männer und Frauen haben sich an die Spitze der Macht gekämpft und gelten nun als gefürchtete Herrscher dieser mittelalterlichen Welt. Mitunter einer der Mächtigsten ist X, ein egoistischer und auf Selbsterfolg konzentrierter Magier, welcher selbst vor verbotener Magie keinen Halt macht. Doch sein Erfolg und seine zugegeben schlechte Art, damit umzugehen, macht ihm mehr Feinde als Freunde. Nach einer heftigen Auseinandersetzung im Magistrat wird ihm seine Eitelkeit zum Verhängnis. Einer seiner Zirkelmitglieder wendet sich der verbotenen Macht zu und verflucht X zu einem Leben als Monster. Kein Biest wie in dem wundervollen Märchen, nein, sein Körper wandelt sich in den eines Drachen. Jenen Wesen, die seit Jahrhunderten als ausgestorben galten und doch noch immer gefürchtet werden. Des Tages ist er dieses gehörnte Schuppenwesen mit mächtigen Schwingen und feurigen Atem, des Nachts ist es ihm jedoch vergönnt, seine menschliche Form anzunehmen. Zumindest bis zum Sonnenaufgang.

      X könnte sich damit ja arrangieren, wäre da nicht dieses erlogene Gerücht, er würde Dörfer und Städte niederbrennen. Natürlich die Tat des Verräters, dem er diese heikle Situation zu verdanken hat. Die Menschen beginnen ihn zu fürchten, zu verachten und schließlich senden sie ihre ausgebildeten Jäger aus, um ihn zu erlegen. Das einzige Problem dabei ist, dass sich X einen sicheren Ort gesucht hat, um sich zu verstecken. Als Drache nicht leicht, und doch schafft er es bisher, dass kein Mensch ihn finden konnte. Bis plötzlich aus dem Nichts die junge Kundschafterin und Botenträgerin Y auftaucht. Entgegen seiner Erwartung, sie würde aus Angst und Abscheu fliehen und die Jäger auf ihn hetzen, bleibt sie ruhig und beginnt tatsächlich ein Gespräch mit ihm. X war versucht sie anfangs zu töten, doch das Gefühl, dass er nicht gefürchtet wird, ist unerwartet angenehm für ihn. Er lässt sich auf diese Gespräche in Form des Drachens ein und versucht Informationen über die Jäger und dem Magistrat zu erhaschen. Doch mit der fortschreitenden Zeit beginnt er diesen Gesprächen entgegenzufiebern. Es gibt ihm das Gefühl normal zu sein und ungewollt beginnt er, jemanden anderen zu sehen als sich selbst. Y weiß jedoch nicht, dass er eigentlich einer des Magistrates ist oder gar ein Mensch und trotzdem besucht sie ihn beinahe täglich.





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      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Serena

      "Das ist nicht gerecht! Immer hast du die spannenden Aufträge!", schmollte Kira. Der Blondschopf stand im Türrahmen und musterte mich dabei, wie ich meine Sachen zusammen packte. "Ich bin ja auch älter als du", argumentierte ich zum gefühlt hundertsten mal, während ich mein Messer unter dem Ledergurt an meinem Oberschenkel verstaute. Ich wandte meinen Kopf zur Seite und erkannte einen leichten Rotschimmer auf Kiras Wangen, als er einen Blick auf meine Haut geworfen hatte. Ein Schmunzeln entwich meinen Lippen, ehe ich mein Kleid wieder zurecht strich und mein Bein unter dem Stoff versteckte. "Außerdem solltest du nicht so mit deiner Chefin sprechen", erinnerte ich ihn an seine Position. "Aber du bist eine Frau." "Na und? Heißt das, ich darf auf keine Reisen gehen? Ist es nur den Männern vorbehalten, diese Mauern zu verlassen?", wollte ich nun mit einem schärferen Unterton von dem Jungen wissen. "N-Nein, natürlich nicht!" Er hob abwehrend die Hände. "So war das nicht gemeint, aber da draußen ist es sehr gefährlich. Du solltest wenigstens jemanden zu deinem Schutz mitnehmen." "Ich danke dir für deine Sorge, Kira. Aber ich kann schon gut alleine auf mich aufpassen. Dies ist immerhin nicht meine erste Reise und sie wird auch nicht meine letzte sein." "Versprochen?", fragte er besorgt. "Ich verspreche grundsätzlich nichts, was ich nicht auch einhalten kann." Die Augen des Blondhaarigen weiteten sich ein wenig, als dieser meine Worte hörte. Ein leises Lachen drang aus meiner Kehle. "Du siehst wirklich niedlich aus, wenn du dich erschreckst", bemerkte ich neckisch, während sich zum zweiten Mal an dem heutigen Tag ein Rotschimmer auf seine Wangen legte. "Ich bin nicht niedlich!", protestierte er direkt. "Doch und wie." Ich nahm meinen Beutel und schmiss ihn mir über die Schulter, ehe ich auf den Jungen zu ging und vor ihm stehen blieb. "Ich bin bald wieder zurück, also pass auf den Lade und die anderen auf, verstanden?" Meine Stimme klang sanft und Kira schien sich augenblicklich zu beruhigen, ehe er verstehend nickte. "Welch ein Glück ich doch habe, an so fähiges Personal gekommen zu sein." Erneut zeichnete sich ein Lächeln auf meine Lippen ab, ehe ich Kira einen sanften Kuss auf sein goldblondes Haar gab, bevor ich auch schon zur Seite trat und an ihm vorbei ging. "Bis bald", meinte ich noch, ehe ich das Zimmer und auch schon kurz darauf den Laden verließ.
      Es war eine gute Idee gewesen, Kira und den anderen die wahren Absichten dieser Mission vor zu enthalten. Sie wären nicht mehr zu stoppen gewesen, wenn sie gehört hätten, dass ich von der Gilde den Auftrag bekam, einen Drachen ausfindig zu machen und Informationen über den zu sammeln. Drachen hatten innerhalb der Städte keine besonders guten Rufe und ich wusste nicht, wie dieser auf Menschen reagieren würde. Ich glaubte nicht daran, dass diese Wesen von Natur aus aggressiv waren, sondern viele ihrer Verhaltensweisen dazu dienten, sich selbst zu schützen. Doch dafür kannte ich mich auf diesem Gebiet einfach noch nicht genug aus und ich musste mein Team um jeden Preis beschützen, darum erlaubte ich es auch nicht, dass einer von ihnen auf diese Mission mitkam. Ich würde nicht riskieren, dass einer von ihnen auf dieser Mission zu schaden kam.
      Ich hatte schon sehr bald die Stadtmauern hinter mir gelassen und ich machte mich auf den Weg zu einem entfernten Wald. Ich hatte leider nicht sehr viele Anhaltspunkte darüber, wo sich der Drache befinden würde, daher war es mehr ein Versuch, ihn an bestimmten Orten, aufzuspüren. Ich würde vor allem Orte besuchen, die von Menschen nicht besiedelt wurden und die sich weit abgelegen von Städten und Dörfern befanden. Vielleicht hätte er sich auch einen Lebensraum ausgesucht, der für uns kaum erreichbar war? Ein steiles Gebirge oder eine Höhle unter einem Wasserfall. Ich wusste zwar noch nicht, wo ich diesen Drachen finden würde, doch ich würde nicht aufgeben, ehe ich ihn wenigstens einmal zu Gesicht bekommen hatte. Vorher dürfte ich nicht zurück in meine Heimat kehren. Ich war die Beste auf meinem Gebiet und auch diese Mission würde ich mit Bravour meistern.

      Es waren mittlerweile zwei Wochen vergangen, seit dem ich zu meiner Mission aufgebrochen war und bisher hatte ich noch nicht die kleinste Spur eines Drachen entdeckt. Doch noch hatte ich meine Hoffnung nicht aufgegeben. Ich würde weiter suchen. Immerhin erlaubte mir diese lange Reise, neue Orte zu entdecken, die ich in meinen Schriften festhalten konnte. Darum sah ich es gelassen, wie auch immer dieser Auftrag enden würde, ich würde nicht mit leeren Händen zurückkommen und alleine dieses Wissen war schon sehr beruhigend.
      Ich hatte das letzte Dorf, in welchem ich Rast gemacht hatte, seit mehren Stunden verlassen und lief geradewegs durch einen verlassenen Wald hindurch. Die Anwohner hatten mir geraten, mich von diesem Wald fernzuhalten, da es angeblich hier angeblich spuken sollte -perfekt für meine Mission. Vielleicht hatte ich Glück und würde diese Nacht auf den Drachen treffen.
      Ich lief an einem Bach entlang, welcher zunehmend breiter wurde. Von weitem konnte ich bereits das laute Plätschern eines Wasserfalls wahrnehmen, welcher wohl ganz in der Nähe sein musste.
      Die Bäume und das Gebüsch wurden zunehmend dichter, weshalb ich mich die letzten Meter durchkämpfen musste. Nicht gerade leicht, wenn man wegen der Abenddämmerung wwniger sah. Kurz spielte ich mit dem Gedanken zurückzugehen, um bei Tagesanbruch den Wald zu durchkämmen, doch ich wollte nicht aufgeben, nachdem ich schon so weit gekommen war.
      Es dauerte eine Weile doch schließlich schaffte ich es, mich durch die dichten Äste und Blätter zu kämpfen, ehe ich nach vorne stolperte und einen großen Wasserfall sah, welcher in einem großen See endete. Ich trat an den See heran und betrachtete die Wasseroberfläche, in welcher sich die letzten Sonnenstrahlen und die ersten Sterne widerspiegelten. "Wie schön...", flüsterte ich ganz fasziniert, von dem Anblick, der sich mir da geboten hatte. Ich kniete mich hin, wobei ich meinen Beutel neben mich stellte und mich leicht über den See beugte, um anschließend das Wasser durch meine Hände und Finger rinnen zu lassen. Es war kalt, doch mit nichts anderem hatte ich um diese Uhrzeit gerechnet.
      Ich schüttelte schnell den Kopf, um mich wieder zur Ordnung zu rufen. Ich durfte nicht vergessen, warum ich hier war. Ich erhob meinen Blick wieder und erstarrte augenblicklich ein zweites Mal, als ich das Wesen auf der anderen Seite des Ufers erkannte. Es waren die Augen eines Raubtieres, die mich anfunkelten. In ihnen lauerte etwas gefährliches und gleichzeitig waren so schöner als alles andere, was ich je zuvor in meinem Leben erblicken durfte. Zwei mächtige Schwingen schmückten die riesige schwarze Echse, mit den vier Klauen und dem langen Schweif. Die Haut des Tieres war mit einem breiten Schuppenkostüm gekleidet, welche sogar bis zu seinen Hörnern reichten.
      Ich hatte mich so sehr in dem mächtigen Anblick dieses Wesens verloren, dass ich gar nicht gespürt hatte, wie mir auch der letzte Tropfen Wasser, durch die Finger gerannt war und seinen Weg in den See zurückgefunden hatte. Ein leichter Windstoß kam auf und ließ mich erschaudern, als er durch meine Haare fuhr und einen kühlen Schleier auf meiner Haut zurück ließ.
      Doch lange konnte ich mich jedoch nicht auf dieses kalte Gefühl konzentrieren, da der Wind etwas stärker wurde und plötzlich rote Blüten durch die Luft wirbelten. Ich sah mich um und erkannte, dass die Bäume hinter mir, rote Blumen als ihre Früchte trugen. Doch das war nicht das einzige, was der Wind diese Nacht mit sich tragen wollte. Zu spät hatte ich bemerkt, dass sich die Schleife um meinen Beutel geöffnet hatte und es dauerte somit nicht lange, bis die Blätter mit meinen Aufzeichnungen der letzten zwei Wochen durch die Luft flogen.
      "Nein!" Ich stand von meinem Platz auf und streckte meinen Arm empor und versuchte noch einige der Blätter zu greifen, doch ich war zu langsam. Qualvoll musste ich mit ansehen, wie meine niedergeschriebenen Gedanken mich verließen und über die Wasseroberfläche dahinglitten. Gedichte, Geschichten, Aufzeichnungen von den Orten, die ich auf meiner Reise besucht hatte. Alles flog mit dem Wind davon. Wenn ich in der Lage dazu gewesen wäre, mich im Wasser zu bewegen wäre ich hinterher gesprungen, doch ich konnte nicht schwimmen. Würde ich jetzt einige Schritte nach vorne gehen, würde mich das kühle Nass empfangen, solange bis ich der Dunkelheit entgegenkommen würde, welche nur darauf aus war, mich gänzlich zu verschlucken.
      "Das darf doch nicht wahr sein", flüsterte ich leise, während ich zurück auf meine Knie sackte und dabei zusehen musste, wie die Blätter auf der Wasseroberfläche landeten oder zum Drachen hinübergeweht wurden.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…

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    • Schmerz. Dieses Wort definierte treffend meine momentane Existenz und langsam wurde es wirklich frustrierend. Mein ganzer Körper schmerzte von der täglichen Wandlung, jedes Mal wurden meine Knochen aufs äußerste ausgedehnt, dass ich sie förmlich krachen hören konnte. Mein Haut zog unangenehm und in der Nacht plagte mich die Demütigung, welche diese Form mit sich brachte. Gleich trockenem Laub in Wind war mein Stolz und mein Selbstvertrauen davongeflogen. Von meinem ehemaligen Selbst war kaum mehr etwas übrig. Wie auf? Monster, schrien die Menschen wenn sie mich erblickten. Bestie, Feuerspucker oder geflügeltes Ungeheuer. Sie waren unwissende Narren, keiner von ihnen hatte eine Ahnung, was ich in Wahrheit durchmachte. Ja, solange die Sonne am Himmelszelt weilte war ich ein Drache. Ein geschupptes, mächtiges Wesen aus längst vergangenen Zeiten. Richtige Drachen gab es seit einigen Jahrhunderten nicht mehr, in der letzten Schlacht von Celestin wurden diese stolzen Geschöpfe förmlich gemeuchelt und ausgerottet. Ganz egal, ob sie eine Bedrohung darstellten oder nur ihr einsames Dasein fristeten. Und jetzt... Nun, jetzt gab es mich. Einen angeblichen Drachen. Dabei wurde mein Körper nur in diese überirdisch große Form gezwungen, mein wahres Ich war das eines Menschen. Ein Mensch, der nur in der Nacht auf zwei Beinen gehen konnte, ganz ohne Hörner und Schweif. Bitterkeit erfüllte mich, als ich meinen menschlichen Körper abermals zu vermissen begann. Und das alles nur wegen einem vermaledeiten Fluch. Einem Fluch, der nicht einmal ausgesprochen werden durfte. Und doch hatte es diese Schlange Anarcén getan. Er hatte mich verbannt zu einem Ungetüm gemacht und nun fristete er das Dasein als Oberhaupt des Drachenzirkels. Ironie, dass mein Zirkel eben jenes Geschöpf auf dem Banner trug, welches ich nun mein neues Selbst nannte.

      Aus meiner Kehle drang ein wehleidiges Grollen, welches in der Ferne einige Vögel aufschreckte. Den großen Kopf legte ich entnervt auf meine Vorderpranken ab und träge schweifte der mit Dornen bespickter Schwanz über den felsigen Boden. Das Wasser plätscherte unaufhaltsam als kleiner Wasserfall in einen klaren See. Einer der wenigen, friedlichen Orte, welche mir geblieben waren. Natürlich jagte man mich, für Verbrechen, die ich nicht einmal begangen hatte. Ich hätte Dörfer niedergebrannt und Städte abgeschlachtet. Dabei war es nicht meine Wenigkeit- warum um alles in der Welt sollte ich auch stinkende Bauern abfackeln?!- sondern die der Schlange, der ich diese Misere zu verdanken hatte. Anarcén hatte mit seiner Magie die Feuer gelegt und das Gerücht, ein schwarzer Drache wäre den Menschen feindlich gesinnt aus den Bergen gekommen, hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer. Und nun musste ich mich vor den Menschen verbergen. Mit ihnen sprechen brachte nichts, das hatte ich zu Beginn vor einigen Monden versucht. Meine Stimme hatte lediglich die Situation verschlimmert, egal wie wohlformuliert ich mich geäußert hatte- man verabscheute mich... Nur für das, was ich in den Augen aller war. Ich zählte bereits einige Monde, die dieser Fluch bereits anhielt. Monde, welche vergingen und neu begannen und ich war keinen Schritt weiter. Ich wusste nicht einmal, wo ich beginnen sollte. Den Fluch zu brechen war für mich unmöglich, meine Kräfte reichten dazu nicht aus und waren ohnehin in meiner neuen Wandlung eingeschränkt. Und so gern ich diesen miesen Verräter auch im Feuer schreien lassen wollte, ich konnte ihn nicht töten. Zumindest nicht bis ich nicht endlich wusste, wie ich meinen perfekten, menschlichen Körper zurückerhalten könnte. Ebenso wie meine Position in den obersten Rängen des Magistrates. Es hieß, dass Crowley Flamelle fortgelaufen wäre, als er von den Drachen erfuhr. Zur Hölle mit diesem Waschweibergeschwätz, ich BIN Crowley Flamelle und ich bin ganz sicher nicht davongelaufen! Ich war vieles, aber ein Feigling ganz sicher nicht! Meine messerscharfen Zähne mahlten aufeinander und ein dunkles Knurren kam aus der schuppigen Kehle. Mittlerweile wusste ich, wie ich mit diesem neuen und viel größeren Körper umzugehen hatte. Eine wahre Herausforderung bei meiner ersten Verwandlung, ich war desorientiert gewesen und überfordert mit einem solch komplizierten Rumpf. Von den Flügeln und dem Drachenschweif fange ich an dieser Stelle lieber nicht an zu erzählen, das würde meinen Ruf ruinieren...

      Mittlerweile konnte ich mich sogar recht elegant in diesem großen Drachen bewegen, das Fliegen war einer der wenigen Lichtblicke und gegen Ghouls oder diverse andere Kreaturen, welche in den Ländereien ihr Unwesen trieben, hatte ich leichtes Spiel. Die Macht, welche einem Drachen innewohnte, war in der Tat unglaublich. Keine Klinge konnte mich verletzen, einzig von Magiern präparierte Waffen würden mir gefährlich werden. Ansonsten war ich unverwundbar und meinem feurigen Atem entging nichts. Oft hatte ich es nicht gebraucht, lediglich in den Höhen von Ul'tah, einem steinigen Berggebiet, war ich mich einigen unangenehmen Trollen zusammengestoßen. Eigentlich Wesen, die für mich als Mensch eine Herausforderung wären, zumal sie im Rudel auftraten. Als Drache hatte ich ein leichtes Spiel und die meisten Kreaturen mieden mein Gebiet, in das ich mich zurückgezogen hielt. Leider musste ich es jedes Mal aufs neue ändern. Die Jäger der Gilde waren hartnäckig um nicht zusagen eine einzige Pest. Ihnen zu entkommen gelang mir einzig und allein durch den Vorteil, dass ich des Nachts wieder zu einem Sterblichen wurde und mich zu Fuß zu neuen Orten bewegte. Mühsam und ermüdend... Aber welche Wahl hatte ich schon, wenn ich am Leben bleiben wollte? Abermals knirschten die Kindsgroßen Zähne aufeinander und beinahe anklagend sah ich zum Himmel empor. Beinahe erleichterte mich das dunkler werdende Blau und die zarten, roten Streifen der Abenddämmerung. Es wurde Abend... noch ein wenig warten und bald schon würde ich wieder in meinen mittlerweile ersehnten Körper erwachen. Vor den Schmerzen graute es mir bereits jetzt, doch die Gewissheit, wieder normale Hände zu besitzen und mein edles Gesicht berühren zu können, ließ mich aus meiner frustrierenden Lethargie erwachen. Mein schwerer Körper erhob sich erwartungsvoll. Der Abendstern strahlte bereits am Himmelszelt, die anderen Sterne würden noch einige Zeit brauchen, bis die Sonne gänzlich hinter dem Horizont verschwand. Zwischen den Stämmen am anderen Ende des Ufers herrschte bereits die Dunkelheit der aufziehenden Nacht. Grillen erfüllten die Luft mit ihrem Zirpen und begleiteten das Rauschen des herabfallenden Nasses. Zu meinem Glück war das Dorf in der Nähe abergläubig. Ein wenig Geheule hier, ein Auftritt meiner rot glühenden Augen dort und schon galt dieser Abschnitt des Waldes als verflucht, doch keiner kam auf die Idee, dass besagter Drache dafür verantwortlich wäre. Ich streckte meine schuppigen Glieder und breitete meine Flügel aus als meine viel schärfer sehenden Augen plötzlich eine Bewegung zwischen dem Dickicht ausmachen konnten. Augenblicklich erstarrte ich entsetzt. Nein, das durfte jetzt nicht wahr sein... Dorfbewohner mieden diesen Wald! Oder hatten sie nach einem Jäger gerufen, der sich dem Problem annahm? Mein Herz begann schneller in dem starken Brustkorb zu schlagen und wäre ich in der Lage dazu würde ich jetzt schwer Schlucken. Nervös peitschte mein Schweif über den steinigen Boden unterhalb des Wasserfalles. Es wäre ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, die Verwandlung würde bald beginnen und ein Jäger hätte mit mir als geschwächten Magier leichtes Spiel.

      Was ich jedoch sah war kein Jäger. Eine Frau hatte sich an das Ufer gekniet, offenbar tief versunken in de Schönheit des Anblickes. Verwirrt hob ich meinen Kopf und blickte etwas neugierig zu ihr hinüber. Entweder sie wusste nichts von dem abergläubischen Gewäsch der Dörfler oder aber es war ihr egal - letzteres wäre ziemlich töricht für diese schutzlose Dame. Offenbar schien es ihr bewusst zu werden als ihr Blick den meinen traf. Innerlich grinste ich bei ihrem Anblick der Faszination und des Schreckens. Tatsächlich schmeichelte es mir und ich richtete mich etwas stolzer auf und präsentierte ihr die Schwingen, so schwarz wie eine mondlose Nacht. Trotz des kurzen Blickkontaktes wurde mir bewusst, dass ich die längste Zeit an diesem Ort verweilt hatte. Ebenso dass ich sie loswerden musste und das schnell. Wenn auch nur eine Seele herausfinden würde, dass ein Magier hinter diesem Drachen steckte, wäre ich ein Fall für den Pranger oder den Strick - wenn man mich nicht sofort mit dem Schwert niederstrecken würde. Allein der Gedanke ließ mich unruhig werden und ungewollt übernahmen meine thermetischen Kräfte mein Gefühl der Unsicherheit und trugen es als kalte Windböe fort. Noch etwas, was ich an meiner jetzigen Situation verfluchte. Die Natur um mich herum schien im Einklang mit dem echsenartigen Körper zu sein und passte sich meinen Stimmungen überraschend schnell an. Zorn zeigte sich in Form eines Gewittersturmes, Unsicherheit in Form von Windböen. Gute Laune hatte ich verständlicherweise noch nicht und Regen... nun, dies erklärt sich ja hoffentlich von selbst. Der Wind führte dazu, dass sich Papier in die Lüfte erhob und von jenem verursachten Naturschauspiel der Besitzerin entrissen wurde. Verzweifelt schien sie zu versuchen, nach ihnen zu greifen. Erfolglos jedoch, sie trieben bereits auf dem See oder landeten auf meiner Seite. Den Kopf leicht schief gelegt sah ich der jungen Dame kurz bei ihrer Verzweiflung zu und war beinahe versucht zu lachen. Offenbar schien dieses Pergament ihre einzige Sorge zu sein, was mich etwas überraschte, immerhin war es nur den oberen Schichten gestattet, zu lesen und zu schreiben. Eine Weile betrachtete ich die knieende Frau eingehend. Das lange, dunkle Haar wirkte nicht so ungepflegt wie das einer Bauersdirne. Auch ihre Kleidung war sorgfältig gewählt und aus gutem Stoff gefertigt. Selbst ihre hellen, grünen Augen schienen von einem wachen Geist zu berichten und funkelten in der Farbe früher Lindenblätter. Zu meiner Zeit als Zirkeloberhaupt hätte ich sicherlich nicht nein zu einer nächtlichen Begleitung solch einer Schönheit gesagt. Jetzt sah sie mich lediglich als Biest und würde wohl bald die Flucht ergreifen. Meine Reptilienaugen richteten sich auf die Blätter vor meinen Pranken und schließlich wieder auf sie.
      "Du solltest besser auf deine Werke acht geben.", kommentierte ich ihr Missgeschick mit der grollenden, tiefen Stimme welche vor Spott triefte. Mit dem Wink meines Schweifes wirbelte ich die Blätter auf der Wasseroberfläche empor, sodass die junge Frau danach greifen konnte. Die Anderen, welche vor mir lagen, sollte sie sich selbst holen. Ich hatte keine Zeit mehr für solche Spielchen, die Sonne wäre bald ganz verschwunden und ich spürte schon das unangenehme Brennen in meinen Schultern.
      "Hebe sie auf und verschwinde von hier, kleines Mädchen. Das ist kein Ort für jemanden wie dich." Beinahe herrisch drang meine Stimme über den See und ich zog mich einen Flügelschlag Richtung Wasserfall zurück, dass sie am Ufer entlang ihr Hab und Gut aufsammeln konnte. Etwas unruhig behielt ich den Himmel im Auge und lauschte auf den Körper, welcher sich noch nicht zu verändern schien. Viel länger würde es jedoch nicht dauern, bis der brennende Schmerz das Fleisch verglühen ließ.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Serena

      Etwas verzweifelt sah ich den Blättern nach, wie sie einfach dahin flogen. Doch dann ertönte eine tiefe Stimme, die einem Grollen ähnelte. Augenblick wanderte mein Blick zu der riesigen schwarzen Echse auf der anderen Seite des Ufers, welche offenbar ihre Stimme erhoben hatte. Ich wusste nicht, was ich von Drachen hielt und wie ich sie mir vorzustellen hatte. Doch eins stand fest: Das anmutige Bild, welches dieser Drache gerade noch von sich gab, wurde gänzlich in meinem Kopf zerstört und durch ein anderes ausgetauscht. Der Spott in seiner Stimme wollte mir alles andere als gefallen und ich empfand ihn nichts weiter als einen ungehobelten Klotz. Ich konnte ein unhöfliches Benehmen noch nie für mich akzeptieren und tolerieren, das mussten bereits viele Menschen -vor allem Männer- lernen, mit denen ich zu tun hatte.
      "Danke für deinen Rat, ich werde es mir fürs nächste Mal merken", bemerkte ich sarkastisch. Doch dann wehten die Blätter erneut durch die Luft. Diesmal lag es an dem Windstoß, den der Drache mit seinem echsenartigen Schweif verursacht hatte. Schnell griff ich nach allen Blättern, die mir entgegenkamen und sammelte diese auf. Ein kurzer Blick auf die Pergamente eröffnete mir bereits, dass ich mit meiner düsteren Vorahnung Recht behalten sollte. Gut ein drittel meiner Schriften wurden durch das Wasser zerstört und es würde mich sicher einiges an Zeit kosten, meine Gedanken und Gefühle wieder so aufs Papier zu bringen, wie ich es bereits getan hatte. Hoffentlich würde ich mich an all meine geschriebenen Worte erinnern können. Denn wenn nicht, wären meine Eindrücke und Erinnerungen an die besuchten Orte wohl für immer verloren. Welch eine Schande.
      Mein Blick wandte sich von den Blättern in meiner Hand ab, ehe ich wieder zu dem Drachen sah. "Danke für deine Hilfe", meinte ich ehrlich. Er hatte vielleicht nicht den freundlichsten ersten Eindruck auf mich gemacht, aber ich rechnete es ihm hoch an, dass er mir dabei geholfen hatte, meine Schriften wieder zu bekommen. Er hätte mich auch mit meinem Problem alleine lassen können.
      Seine nächsten Worte waren erneut, alles andere als höflich und mir wollten sie auch nicht gefallen. "Kleines Mädchen...?", wiederholte ich daher nur. Was fiel dem eigentlich ein? Ich war vieles, aber kein kleines Mädchen! Empört über seine Worte stemmte ich meine Fäuste in die Hüfte, während ich noch immer meine Papiere in den Händen hielt. "Ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du mir meine Pergamente wiederbeschaffen hast, aber ich dulde diesen Spott nicht", meinte ich ernst. Ich lockerte meine Position wieder und machte mich auf den Weg zur anderen Seite des Ufers, während sich der Drache in die entgegengesetzte Richtung zurückzog und mich noch immer beobachtete. Ich hob die restlichen Papiere auf und stopfte sie in meinen leder Beutel, welchen ich mir zuvor wieder über die Schulter geworfen hatte. "Außerdem glaube ich nicht, dass du dir anmaßen kannst zu sagen, welche Orte für mich geeignet sind und welche nicht", schnaubte ich. Ich hasste es, wenn man mich auf mein äußeres Erscheinungsbild reduzierte. Ich mochte zwar nur eine Frau sein, aber ich hatte den unbrechbaren Willen eines Kriegers und dies ließ ich jeden spüren, der versuchte sich mit mir anzulegen. Natürlich wusste ich, dass ich körperlich nicht die Chance hatte, gegen einen Drachen zu gewinnen, aber das würde mich nicht davon abhalten, ihm entgegen zu treten und ihn zurecht zu weisen. Was das anging, würde ich bei keinem Lebewesen einen Unterschied machen. Ich würde es nicht für mich akzeptieren, verspottet zu werden. Schon gar nicht von jemandem, der meinen Namen nicht kannte.
      "Ich werde deiner 'Bitte' nachkommen und vorerst diese Gegend in Ruhe lassen, als Dankeschön dafür, dass du mir meine Schriften wiedergegeben hast. Aber glaube ja nicht, dass du mir vorschreiben kannst, wohin ich gehen soll", sprach ich ernst und sah ihm dann entschlossen entgegen. Wenn er dachte, er könne mich mit seiner Gestalt einschüchtern, hatte er sich geschnitten. Ich würde wiederkommen und ihn erneut besuchen, um ins Gespräch mit ihm zu kommen. Gerade schien nicht der passende Augenblick dafür zu sein. Aber ich würde am Morgen noch einmal hierher zurückkehren und nach ihm suchen. Wenn ich Glück hatte, lebte er hier und er würde nicht direkt wieder verschwinden. Vielleicht sollte ich heute Abend die Nacht durchmachen und den Himmel beobachten. Sicher war sicher. Nachdem ich soweit gekommen war, durfte ich ihn nicht wieder entkommen lassen. Wer wusst schon, wie lange ich dann nach ihm suchen müsste?
      Erneut schulterte ich meinen Beutel und drehte ihm dann den Rücken zu. "Achja, nur fürs Protokoll: Mein Name lautet Serena Levefre und nicht 'kleines Mädchen'", erklärte ich ihm, ehe ich mich in Gang setzte und diese Gegend verließ -so wie er sich das gewünscht hatte. Und da ich keinen besseren Ort wusste, kehrte ich vorerst in das Dorf zurück, in dem ich die letzte Nacht verbracht hatte. Ich nahm mir ein Zimmer in einer Unterkunft und kümmerte mich anschließend um meine Papiere, welche ich trocken legte und anschließend mit neuer Tinte nach bearbeitete, um meine geschriebenen Worte wieder herzustellen. Und als ich damit endlich fertig war, begann ich mit meinem Tagesbericht und schrieb die Begegnung mit dem Drachen nieder.

      Die Stunden vergingen rasend schnell und schon bald erkannte ich die Sonne wieder hoch am Himmel stehen. Ich besorgte mir noch eine kleine Stärkung zum Frühstück, ehe ich erneut meine Sachen packte und mich ein zweites Mal auf den Weg zum Wald begab. Dieses mal würde ich es dem Drachen nicht so einfach machen, mich abzuwimmeln.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Schweigend blickte ich Serena - für mich blieb sie das kleine Mädchen, gleich ob es ihr gefiel oder nicht- nach. Zu meinem Glück verließ sie tatsächlich die Lichtung und verschwand wieder zwischen dem dunklen Dickicht des Waldes. Beinahe erleichtert atmete ich aus. Ich war nicht vorbereitet gewesen auf einen menschlichen Besuch und etwas sagte mir, dass diese Begegnung durchaus noch Folgen haben würde. Sollte ich besser abermals den Standort wechseln? Warum hatte ich sie gehen lassen, wenn mich doch das gesamte Land dank dieser Schlange jagte. Ein schweres Seufzen entkam mir und glitt als Grollen über den sich kräuselnden See. Das Mädchen würde wahrscheinlich dem Dorf von meiner Wenigkeit berichten und morgen schon hätte ich einen Trupp Jäger hier, welche es auf den geschuppten Kopf abgesehen hatten... Verärgert darüber ließ ich den dornigen Schweif über den Boden peitschen und hätte am liebsten ein Brüllen ausgestoßen, doch verhielt ich mich ruhig. Ich hatte heute schon genug Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Ein plötzlicher Schmerz riss mich aus meinen fiebernden Gedanken des weiteren Vorgehens und ich bemerkte gerade noch rechtzeitig, wie die letzten Strahlen der Sonne schwanden. Feuer versengte mich innerlich und ich musste die Zähne zusammenpressen, um keinen Ton des Schmerzes von mir zu geben. Die Knochen barsten förmlich als das schuppige Kleid sich zusammenzog und sich verformte. Jene schwarze Drachenhaut wandelte sich in normale, Menschliche und die Glieder wurden merklich kleiner, was meine Muskeln und meine Knochen mit bitteren Schmerzen peinigte. Für einen kurzen Moment schwanden mir die Sinne, als das Feuer mich gänzlich einnahm und erst kurze Zeit später erwachte ich wieder - als Mensch, der ich eigentlich war. Keuchend kauerte ich auf dem feuchten Seeufer und neben mir rauschte der Wasserfall unerträglich laut für meinen schmerzenden Kopf. Schnell und etwas stockend ging mein Atem und noch immer hatte ich das Gefühl, dass ich sämtliche Knochen gebrochen hätte. Schwankend richtete ich meinen geschwächten, unbekleideten Körper auf und zog mich in das Innere der Höhle zurück, welche sich hinter dem fließenden Nass verbarg. Mein weniges Hab und Gut bewahrte ich hier auf, darunter ebenso einfache Bekleidung eines Bauern - welche ich mir 'geliehen' hatte- die deutlich in Mitleidenschaft gezogen war durch die letzten Wochen. Der Nachteil an diesen Verwandlungen war natürlich, dass keine menschliche Kleidung dieser standhielt. Mittlerweile wusste ich damit umzugehen und bewahrte die menschlichen Sachen noch vor der Verwandlung an einem für mich sicheren Ort auf. Meine alte Gewandung wäre mir natürlich lieber. der edle Samt des Umhangs... Die goldenen Verzierungen. Aber nichts davon war geblieben, als der Fluch mich traf. Gar nichts, alles lag in Fetzen an jenem Ort, der mein Verhängnis wurde.

      Erschöpft ließ ich mich auf dem Fell, welches ich als Lager nutzte, nieder und schloss resigniert die Augen. So stark wie ich als Bestie auch war, so schwach fühlte ich mich danach. Ich konnte nicht einmal den einfachsten Zauber vollbringen, wenn ich wieder menschlich wurde. Es zerrte nicht nur an meiner Kraft, viel mehr noch an meinem Stolz. Auf meine normalen Finger blickend strich ich mir einige wirre, dunklen Strähnen zurück und dachte zurück an die dunkelhaarige Dame von eben. Nur selten sah ich eine Frau, welche der schriftlichen Worte mächtig war. Ehrlich gesagt hatten mich die vielen Seiten auch überrascht. Natürlich könnte man annehmen, sie wären die Werke von jemand anderem, doch ihre Angst darum, sie zu verlieren, sprach Gegenteiliges. Es rang mir etwas mehr Achtung als gewollt ab, dass sie es sogar gewagt hatte, mich als Drache zu kritisieren. Entweder war sie töricht und naiv zu glauben, ich könnte sie nicht bei lebendigen Leibe verbrennen lassen oder in ihr steckte tatsächlich eine kleine Kämpfernatur. Zu Schade, dass ich sie nicht noch mehr hatte reizen können. Die Zeit war knapp bemessen gewesen und so schwach und heruntergekommen wie jetzt durfte mich wirklich niemand sehen. Crowley Flamelle , meines Zeichens mächtigster Magier, erschöpft und am Ende seiner Kraft in einer feuchten Höhle auf kratzigem Fell... Mein Ruf war zwar ohnehin nicht mehr existent, trotzdem widerstrebte es meiner Persönlichkeit, diese Kraftlosigkeit und Verzweiflung zu offenbaren.
      Nein, diese Gedanken verfolgten mich wirklich jeden Tag und langsam verfiel ich immer mehr in dieser Hilflosigkeit. Seufzend bettete ich meine schmerzenden Glieder auf dem einfachen Fell und schloss meine Augen. Auch wen ich meinen richtigen Körper zurückbekommen hatte wollte ich nichts sehnlicher als einfach zu schlafen. Aber selbst dort musste ich darauf achten, dass niemand meiner Zuflucht zu Nahe kam und sobald die Sonne wieder aufging würden die Schmerzen aufs Neue beginnen. Seufzend legte ich mich halbwegs bequem hin und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis Morpheus Arme nach mir griffen und mich in einen von Albträumen geplagten Schlaf zogen.


      Der Tag begann wie jeder andere in meinem verfluchten Dasein und ich erlaubte dem Drachenkörper, sich etwas von den Strapazen zu erholen. Entgegen jeglicher Vernunft hatte ich mich entschieden hier zu verweilen. Sollte die Anzeichen für Jäger in der Luft liegen musste ich natürlich fliehen. Bis es soweit wäre genoss ich lieber die Ruhe diesen Ortes und meine Reptielienaugen lagen träge auf dem Wasser. Erst das Geräusch leichtfüßiger Schritte ließ mich alarmiert aufsehen. Doch die begonnene Unruhe in meinem Inneren wandelte sich in Überraschung, als ich dieselbe Frau erkannte, welche gestern ihre Werke über meine Lichtung verteilt hatte. Was wollte sie hier? War ihr eine Begegnung mit einem Monster nicht genug? Meine Züge nahmen mein inneres Misstrauen an und vorbei war es mit meiner bislang entspannten Haltung. Zur vollen Größe aufrichtend blickte ich nicht auf Serena, viel mehr suchte ich den Wald hinter ihr ab, ob sie in unangenehmer Begleitung erschienen war. Doch sah ich niemanden, sie war allein. Fragend ruhten meine Augen auf ihr und ein leises Schnauben entkam meiner Kehle.
      "Normale Menschen würden es vermeiden, zwei Mal in ihrem Leben einem Drachen zu begegnen.", kam es nur irritiert von mir. Was bei allen Gesetzen der Magie wollte dieses Weib hier? "Was willst du hier, Serena?"
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."